~Fuchshain~ Der schottische Traum von Ravenna und Vampyrin!
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  1. Ich stand am Gatter des riesigen Tieres das wir nun unser eigenes nannten, ein Highlandrind namens Wookie, Cayden hatte nicht mit ansehen wollen wie das junge Rind zum Schlachter gebracht wurde. First of all, hätte er Angus nicht erzählen wollen warum denn seine geliebte Wookie nicht mehr da war. Ich fand es immer wieder erstaunlich wie Angus aus einer Gruppe von knapp 10 Rindern, die für mich vollkommen gleich aussahen mit ihren Hörnern und dem dicken Fell, seine Wookie heraus fand. Nun stand sie also bei uns auf dem Hinterhof in einem Gatter das ursprünglich als zweiter Platz hatte dienen sollen, den wir jetzt natürlich verplant hatten. Noch stand Wookie allein, aber in der nächsten Woche sollten zwei ältere Zuchtrinder von dem Bauern zur Gesellschaft unseres Rinds beitragen.

    Im Grunde genommen hatte ich bei dieser Entscheidung nicht viel dazu beigetragen, aber immerhin wurde ich nicht von dem Rind in meinem – unserem – Garten überrrascht. Jetzt jedoch hatte ich einen strahlenden, kleinen Sohn dessen erster Weg immer gleich hinaus zu Wookie ging. Natürlich ließ ich ihn das nicht allein machen, Cayden war stets bei ihm, diese Hörner flößten mir dann doch ordentlich Angst ein. Auch Lia teilte nicht die Begeisterung ihres Bruders, aber wenigstens tröstete es den kleinen Jungen darüber hinweg das seine Mutter nicht mehr um ihn war.

    Wir waren am Vormittag auf einem Ausritt gewesen zusammen „Es gibt Momente in denen ich Angus um seinen jungen Verstand. Er fragt nicht einmal mehr nach unserer Mutter, in ein paar Jahren wird er nur wage Erinnerungen an sie haben, wenn überhaupt. Du und Cayden werden seine Eltern sein. Ich hingegen sehe immer mehr dabei zu wie die Krankheit ihr das Leben nimmt.“ Sie ließ die Zügel etwas lockerer durch die Hände gleiten, blickte auf den Mähnekamm ihres Hengstes Cielo. Lange blieb es still zwischen uns in denen ich nach den richtigen Worten zu suchen begann. „Es wird anders für ihn sein als es für dich ist, natürlich. Aber wir haben dich in unser Herz geschlossen, wollen jeden deiner Schritte begleiten. Natürlich keine unserer Taten und Worte den Schmerz tilgen der in deinem Inneren tobt, aber wir sind immer an deiner Seite.“ Ihr Blick wanderte zu meinem aufmunternden Lächeln, das sie mit einem leichten Zucken ihrer Mundwinkel erwiderte. In meinem Inneren schlich sich der grausame Wunsch ein das ihre Mutter von ihren Schmerzen endlich erlöst wäre, sie selbst hätte nicht mehr zu leiden und auch für Lia gäbe es dann nur noch die Trauer. Trauer ging irgendwann vorüber, aber dieser Zustand nun war nicht einfach zu ertragen für die Jugendliche.

    Den Nachmittag über hatten wir uns auf unsere Trainingspferde konzentriert, mit Taris nahmen wir an einer Körung teil, die Ergibnisse ließen noch auf sich warten. Falls es positiv ausfallen sollte, dann würde er als erstes Pferd meines Körungsprogramms den Hof wieder verlassen können. Als nächstes könnte ich vielleicht Argenté Noir in die Krönung schicken, wartete aber noch da ich die junge Stute so ans Herz geschlossen hatte. Mittlerweile machten ihr die Blitze vom Anfang keinerlei Probleme mehr, wie meine alte Stute Willow eignete sie sich nicht für den höheren Sport, aber auf jedem Turnier gab die Welsh D Stute ihr bestes um ihrem Reiter zu gefallen. Am Anfang war dies anders gewesen, kleine Buckler und protestieren am Zügel waren an der Tagesordnung gewesen. Jetzt lief sie brav vorwärts, ich konnte eine Jungendliche mit ihr in den Parcours schicken, das letzte Militaryturnier hatte Lia mit ihr den dritten Platz gemacht.

    Auch unsere beiden Lewitzer hatten sich gut entwickelt, bei Topas entwickelte sich langsam aber sicher die erste gut angesetzte Muskulatur, die sie nicht mehr so zierlich und verletzlich wirken ließen. Mit Cheveyo lief es ähnlich, neben seinem Training vor der Kutsche und dem kleinen Sulky im Fahren widmeten wir uns auch vermehrt der Distanz, da der Hengst dafür wirklich ausdauernt genug war. Eine Tagesdistanz von knapp 45 Kilometern steckte er mittlerweile ohne weiteres zurück.

    In unserer neu eingerichteten Küche war jetzt fast alles an seinem Platz, wir warteten nur noch auf unseren Geschirrspüler, bis dahin mussten wir eben unser Geschirr per Hand waschen, was ich in diesem Moment auch tat. Wir hatten alle Pferde für heute versorgt, also einen freien Nachmittag bei dem ich noch nicht wusste mit mir etwas anzufangen. Natürlich konnte ich mal das Haus sauber machen, aber meine Laune bei diesem Gedanken nährte sich dem Gefrierpunkt auf meiner Skala. Stattdessen fand ich mich nach dem Spülen des Geschirrs mit meinem Kindle auf der Couch wieder, in der Hand eine heiße Tasse Tee und um meine Füße eine Wolldecke gewickelt. Das Wetter dieser Tage wurde zunehmend kühler und dunkle Wolken brachen am Himmel zusammen. Als ich der dicken Gewitterwolken gewahr wurde flitzte ich zur Tür, schmiss mir eine Jacke über um Bucks in den Stall zu stellen. Gemeinsam mit Argo stellte ich ihn in eine der großräumigen Boxen. Nach dem was im letzten Jahr passiert war, da wurde ich einfach hibbelig bei Gewitter aus Sorge Bucks könnte wieder ausbüchsen. Mit Argo an seiner Seite hatte er einen zuverlässigen Partner, den ich jetzt unbesorgt in der Box stehen lassen konnte. Wieder in Haus rannte ich beinahe in Cayden, der mit einem schlafenden Angus auf dem Arm den Einkauf ins Haus zu schleppen versuchte. Ich gab ein leises Geräusch von mir das nach einem tz klang, damit drehte sich ein Mann um sah mich wie ich ihm die Hände entgegen streckte um ihm unseren schlafenden Sohn abzunehmen. Er erwachte nur ein wenig als ich ihn aus seinen Sachen zu packen begann, ihn in den Schlafanzug verhalf und die Decke leicht über ihn legte. Noch eine ganze Weile verweilte ich im halbdunkeln an seinem Bett, bis sein Atmen zu ruhigen Atemzügen geworden war. Manchmal wenn Fionn bei uns übernachtet hatte tat ich selbiges an seiner Wiege, die Atemzüge des Kindes hatten mich stets beruhigt, genau so ging es mir auch bei Angus. Sanft strich ich ihm eine Haarsträhne aus de Gesicht, hauchte einen Kuss auf die Stirn und schlich mich anschließend aus dem Zimmer.

    Cayden war schon beinahe fertig damit die Einkäufe zu verteilen, ich half ihm jedoch noch dabei. Anschließend einigten wir uns darauf noch zu schauen was das TV Programm so für uns her gab.


    Erst Stunden später brach das Gewitter los, da die lauten Töne des Donners mich nicht schlafen ließen saß ich aufrecht im Bett und laß als die Tür zum Schlafzimmer plötzlich einen Spaltbreit geöffnet wurde. Herein geflitzt kam ein barfüßiger Angus der sich mit einem Sprung auf das Bett hievte. Um in die Mitte des Bettes zu kommen kraxelte er über Cayden, der daraufhin gleich wach wurde. Seine Augenbrauen waren sorgenvoll zusammen gezogen und als ein Blitz das Zimmer erhellte zuckte er merklich zusammen, drängte sich an meine Seite und sah mich ängstlich an. Cayden griff nach dem schmalen Oberschenkel des Jungen „Sag nicht das der Junge der keine Angst vor Wookie mit ihren großen Hörnern Angst vor ein paar Blitzen und dem Donner hat.“ Angus nickte eifrig, zuckte wieder als ein Blitz über den Himmel fuhr. Ich packte mein Buch beiseite, legte es auf die Knie und sah Angus an. „Vor dem Gewitter brauchst du dich niemals zu fürchten, es sind nur die Götter die die uns auf diese Weise an ihre macht erinnern. Thor ist der Gott des Wetters, sein Name bedeutet der Donnerer. Die Götter sitzen dort oben in ihrer prächtig gedeckten Halle um an der Seite der gefallenen Krieger zu feiern. Asgard so heißt der Ort an dem sie herrschen ist ein wunderbarer Ort, doch wie bei uns auf Midgard haben auch die Götter Feinde. Dann ist es Thor der seinen mächtigen Hammer Mjölnir zur Hand nimmt um gegen die Feinde Asgards zu kämpfen. Doch nicht nur die von Asgard, wenn die Götter fallen würden auch die anderen Welten der Weltenesche betroffen sein. Mit seinen Gefährten zieht er also in den Krieg um zu siegen, wenn er seinen Kriegshammer schwingt hören wir dies hier in Midgard als Gewitter. Der Donner ist der Aufprall zweier Waffen gegeneinander, die Blitze die Verbissenheit die ihn dazu drängt seine Schutzbefohlenen zu beschützen.“

    Gespannt hatte der kleine Angus meiner Geschichte gelauscht, ganz vergessen die zuckenden Blitze um das Haus und der folgende Donner. „Das ist Thor?“ sein schläfriger Blick wanderte hinaus aus dem Fenster, dann wieder zu mir „Dann schützt er auch Wookie?“ ich nickte ihm zu, dann zeigte ich auf Cayden und mich „Außerdem sind wir auch noch da.“ "Beschützt er auch Mama?" ich schluckte bei der Erwähnung seiner Mutter, nickte dann jedoch wortlos. Der Junge lächelte, schien zufrieden mit dieser Erklärung. Mit müdem Blick rollte sich Angus in unserer Mitte zusammen, schlang den Arm um meine Hüfte. Cayden kam näher zu uns heran, küsste mich auf die Lippen in dem Zwielicht das herrschte sah ich ihn nur leicht Lächeln, doch seine Augen flackerten beim nächsten Blitz. „Ich liebe dich, Sassenach.“ Ich fand es süß wie er nach der Hochzeit diesen Spitznamen für mich begann zu wählen, genau wie es Ty mit Siobhan tat – ob sich beide Männer wohl abgesprochen hatten.​
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  2. Der Postbote kam mit seinem Auto direkt die Straße nach unten gefahren die zum neuen Hof führte, es war seltsam noch keinen richtigen Namen für ihn zu haben. Trotzdem musste ich jetzt auf der Hut sein, Corvus konnte im tiefsten Schlummer liegen hörte er den Wagen der Post erwachte er. Mr. McRaghaen pflegte ihm stets ein Leckerli zu geben, nur musste ich aufpassen das der kleine Racker von einem Hund nicht von dem Auto erfasst wurde. Angus spielte gerade noch ziemlich vergnügt in seinem selbstgebauten – zumindest mit Caydens Hilfe – Sandkasten, bei dem Motorengeräusch erhob sich der Junge und blickte sich um. „Komm her Angus!“ rief ich ihn zu mir an die Hand, wir warteten auf ein Paket für ihn. Während also Angus aus dem Sandkasten trat, sich die Hosenbeine abklopfte und auf staksigen Beinen auf mich zu kam, raste ein kleiner schwarzer Schatten um die Hausecke herum. Cayden war hinter dem Haus geblieben um dort die frei laufenden Stuten unter Beobachtung zu haben. Corvus rannte mit einem Affenzahn in Richtung der Einfahrt, dem Punkt dem auch Angus zusteuerte, da ich hier stand. Ich biss die Zähne aufeinander bleckte sie um dann noch Rufen zu wollen „Achtung Angus!“ als der Parson Russel und der Junge auch schon zusammen stießen, übereinander fielen und von jedem ein Schreckensschrei zu hören war. „Corvus!“ kam es von einem empörten Angus der sich den schwarzen Hund von den Knien schob und es sich betrachtete, dabei floss nicht eine Träne. Ich überbrückte die Distanz zu meinem Sohn – eine Aussage die fast noch komischer war als die Tatsache das der Hof keinen Namen hatte, um ihm auf zu helfen. „Alles in Ordnung bei dir?“ Angus blickte mit zusammen gekniffenen Augen in Richtung Corvus, schob die Unterlippe nach vorn und nickte dann aber. Ich bot ihm meine Hand an der er sich nach oben zog.


    Nach dem Frühstück hatte Angus den Zusammenstoß mit Corvus schon wieder vergessen, da er unserem Balljunkie den kleinen roten Ball immer wieder warf. „Heute gibt’s wieder ne Menge zu tun, ich wollte mit Topas und dir auf Noir heute auf die Militarystrecke von Caed Crevan. Cayden was hast du vor?“ Mein Mann schluckte den letzten Rest seines Tees herunter „Die Boxen im Stall müssen teilweise neue Türen bekommen ehe wir da Pferde hinein stellen können und die Bretter von Round Pen sollten wohl auch mal erneuert werden. Ansonsten kann ich dir heute auch noch Antaris abnehmen mit dem Dressurtraining, hab mich gestern beim erneuern der Holzlatte die Darym geschrottet hat schon mit ihm angefreundet. Nebenbei hab ich natürlich ein Auge auf Angus. Wollten heute Abend nicht auch Siobhan und Ty zum Grillen vorbei schauen?“ Ich bestätigte seine Frage, freute mich schon auf den Abend. Durch den Umzug wohnten wir nun noch näher an Classical Harmony als zuvor, sodass wir nun noch öfter gemeinsam waren.

    Mit Lia räumte ich noch den Tisch auf ehe es in Richtung Paddock ging um die beiden Stuten zu holen. „Reiten wir hin oder wollen wir fahren, Sarah?“ fragte mich Lia „Was willst du?“

    Lia kratzte unsicher an der Bürste herum, schien erst mit der Sprache nicht heraus zu rücken „Naja, wir hatten lange keinen Ausritt mehr.“ So war es beschlossene Sache, es würde ein längerer Ritt werden, danach ein paar der Geländesprünge. Topas war bisher nur einmal mit mir zusammen dort gewesen, Noir kannte die Strecke schon um einiges besser. Außer ihrer Erfahrung an den Geländesprüngen war sie auch schon zwei Klassen über der erst kürzlich unter dem Sattel stehenden Stute, aber Topas strengte sich an um auch einmal dorthin zu kommen. Catalina war bereits das ein oder andere Mal selbst mit ihr durch den Parcours gesprungen.


    Angekommen am Ort der Begierde spürte ich schon deutlich wie es Lia schwerer fiel die aufgeregte Noir ruhig zu halten. Innerhalb des Platzes war sie manchmal kaum zu motivieren, im Military hatte sie jedoch vollkommen ihre Leidenschaft gefunden. Topas war um einiges ruhiger, weshalb ich es für besser hielt die Pferde zu tauschen. Obwohl Topas noch so jung war machte es mich fast stolz das ich sie einer Jugendlichen anvertrauen konnte, zwar brachte sie diese Ruhe auch von Natur aus mit allerdings war manches auch viel Training. Nach dem Tausch versuchten wir uns erst an den weniger großen Sprüngen, die meist einfach nur aus Strohballen und kleineren Kreuzen bestand. Mit jedem Sprung wurde auch Topas ruhiger, während Noir immer hitziger wurde und zwischen den Sprüngen manchmal zu buckeln begann. „Bleib du mit Topas erst mal hier, während ich den ersten Parcours durch springe danach bist du einmal mit Topas an der Reihe?“

    Mit den Sprüngen direkt vor der Nase ließ sich Noir kaum noch bremsen, trotzdem zeigte sich ihre ruhige Ader und zumindest die Bremse zwischen den Sprüngen kannte sie. Heute nahm ich den Sprung aus einem großen Baumstamm, vor dem eine größere Hecke stand dahinter jedoch war ein kleines Wasserbecken. Noir zog die Beine an, sprang hinüber nur um bei der Landung den Kopf hoch zu reißen und etwas steif im Wasser stehen zu bleiben. Ich trieb sie weiter, trabte nach dem Sprung an und drehte eine Runde zwischen den Hindernissen und machte den Sprung noch einmal. Dieses Mal sprang sie weniger hoch als weit, landete nicht im Wasser , sodass wir den Parcours für sie ohne Probleme beenden konnten. Nachdem sich Noir entwas abgekühlt hatte stieg ich ab, gab Lia noch ein paar letzte Instruktionen dann ging es für sie los. Nachdem wir bei Topas nun komplett auf Gebisslos umgestellt hatten, war das auch für Lia zu Anfang eine ganz neue Erfahrung gewesen, an die sie sich wirklich schnell gewöhnt hatte. Topas zeigte sich nun weitaus zufriedener und ließ sich von der Jugendlichen in dem Parcours mit feinsten Hilfen führen. Mit ihren jungen Jahren sprang sie souverän über die ersten Militarysprünge, die nur aus kleinen Hecken, kleinen Gartenstühlen und einem Wassergraben bestanden. In der nächsten Woche wollte ich Lia und Topas auf einem kleinen Turnier starten lassen für die Klasse A, hier auf der Strecke war Topas heute schon über ein paar höhere Sprünge gehopst nun müssten die beiden nur noch ein wenig üben. Nebenbei übte sie sich auch noch mit Cielo fleißig in der Dressur, um auch mit ihm einmal Turniere zu starten. Um die beiden Pferde nach dem Springen ein bisschen zu schonen legten wir einen Stopp auf Caed Crevan ein, wo Aiden und Hansi gerade dabei waren die Ställe zu reinigen, Kathi war in der Stadt einkaufen.

    Als sich Noir und auch Topas erholt zu haben schienen machten wir uns am Mittag wieder auf den Rückweg zu unserem – noch – namenslosen Hof.



    Nachdem die Latten am Round Pen erneuert waren, ich den Knirps mit Mittagessen versorgt und danach ins Bett verfrachtet hatte, machte ich mich gemeinsam mit Hund und Babyphone auf zum Stall. Dort fischte ich aus dem Haufen Halfter das von Antaris heraus um ihn noch ein wenig zu putzten um anschließend an der Arbeit für die Dressur zu arbeiten, wie ich es Sarah versprochen hatte. Nach einem Monat unter dem Sattel ließ sich Taris schon ohne weiteres im Mitteltrab und dem Mittelgalopp arbeiten, wohingegen der einfache Galoppwechsel noch Probleme bereitete, wie mir meine Frau erklärt hatte. Nach der ersten Kennlernphase ritt ich den Hengst warm, bevor wir uns der Versammlung widmeten, die gerade für höhere Lektionen besonders wichtig waren. Mit vollem Eifer ließ sich Taris von mir durch das Viereck führen, die Ohren dabei Aufmersam zu mir – der Hengst gefiel mir wirklich gut. Vor allem war er, jetzt mal abgesehen von Darym, das auch meiner Größe richtig tragen konnte. Mit voller Konzentration widmete ich mich also weiterhin seiner Stellung und Biegung, die gerade bei der 10 Meter Volte noch nicht so sonderlich zu klappen schien. Falls er die nötige Versammlung für die Volte fand, sich besser bremsen ließ in seinem Tempo würde es auch hin hauen mit dem einfachen Galoppwechsel. Probeweise hatte ich es auch schon probiert, seine Reaktion auf die Galopphilfe nach der Schrittphase kam etwas verzögert vor allem aber ziemlich holperig. Deswegen widmete ich mich nun besonders den Übergängen der verschiedenen Gangarten, damit sie flüssiger wurden. Erst dann konnte man den Galoppwechsel noch genauer angehen. Am Ende der Stunde hatte Taris die Wechsel schon flüssiger auf dem Kasten, ließ sich außerdem prima auf der Volte halten ohne nach außen über die Schulter zu gehen. Der Hengst machte wirklich gute Fortschritte. Anschließend stieg ich aus dem Sattel, brachte ihn auf den Paddock zu den anderen Hengsten zurück. Cheveyo sollte heute Nachmittag einige neue Lektionen vor der Kutsche absolvieren, dazu wollte ich allerdings auf Sarah und Lia warten. Zumindest hatten sie mir bereits geschrieben sie seien auf dem Rückweg – hoffentlich bevor es so aus Eimern zu schütten begann, wie es die Wolken am Himmel vermuten ließen.


    Mitten im Nieselregen kamen wir dann auch endlich am Hof an, die letzten Kilometer waren wir im Galopp geritten. Komplett nass waren wir nicht, aber wir hatten zwei offensichtlich geschaffte Pferde. Zum letzten Überputzten ließen sie die Köpfe leicht hängen mit halb geschlossenen Augen. Wir brachten sie noch zurück auf den Paddock, liefen hinüber zum Platz und dann begann es richtig zu stürmen. Die große Eiche in unserem Hinterhof wurde mächtig von links nach rechts geschwungen, sodass wir uns einen freien Nachmittag einräumten. Auch Angus kam bald aus seinem Zimmer, rieb sich etwas verträumt noch die Augen und kam zu mir gerannt. In der Hand hielt ich mein momentanes Buch „Runenschicksal“ auch Angus zeigte reges Interesse an Büchern, sah auf mein Buch und trottete dann zum Buchregal um auch sich eins zu holen. Noch konnte der Junge natürlich nicht selbst lesen, ließ sich von Cayden oder mir aber sehr gern vorlesen. „Lesen?“ dabei hielt er das große Märchenbuch nach oben, legte den Kopf leicht schief. Diese Geste verleitete mein Hirn dazu an einen Hund zu denken, ich grinste breit. „Welche Geschichte?“ fragte ich ihn. Unschlüssig ließ er sich auf dem flauschigen Teppich nieder, blätterte und wählte dann wie ich dachte irgendwas, verkündete dann aber „König Drosselbart!“ Also legte ich mein Buch beiseite, setzte mich im Schneidersitz neben ihn und begann zu lesen, ich fand es klasse das selbst deutsche Märchen auf Englisch übersetzt wurden.


    Nachdem es fast den ganzen Nachmittag hindurch geregnet hatte widmete ich mich den Zubehör für Cheveyo, denn ihn wollte ich mal wieder vor die Kutsche spannen. Auf einer der Wiesen hatten wir bereits einen Parcours für ihn und folgende Trainingspferde die vielleicht vor der Kutsche trainiert werden können. Dort gab es mittlerweile eine kleine Brücke, einen natürlichen Abhang und natürlich der Slalom. Ansonsten ging es um die Ausführung der Kommandos im Zusammenspiel von Fahrer und Pferd -dabei war nicht nur ich beteiligt sondern auch Cayden hatte in den letzten Tagen mit ihm geübt. Im Grunde war Cheveyo schon fast das was man einen „alten Hasen“ vor der Kutsche nennen konnte, er kannte alle Elemente eines Parcours jetzt ging es einfach um die Verfeinerung. Im Sulky kannte er die Übungen bereits, weshalb wir uns heute für die breitere, richtige Kutsche entschieden um die Übergänge zu Üben und dann zur Entlastung eine Runde ins Gelände zu gehen. Auch Angus war dieses Mal von der Partie, gehalten von Lia zu meiner rechten Seite, er liebte das Kutschefahren wirklich.

    Nachdem wir uns in einer langen Schrittphase und kleineren Einwürfen im Trab aufgewärmt hatten, machte ich gezielte Übergänge mit ihm da gerade diese zwischen Trab und Galopp an der Kutsche schwerer fielen. Mit jedem Wechsel den wir machten wurde er Routinierter auch mit der richtigen Kutsche, denn diese würde ab der neuen Klasse auch auf den M Turnieren zu nutzten sein, Sulkys waren nicht länger zulässig. „Wo wollen wir hin, Angus?“ „Kühe!!“ verkündete der kleine Junge aufgeregt, also schlug ich den Weg in Richtung des Farmers ein. Dieser hatte eine kleine Herde von Highlandrindern wie sie hier an fast jeder Ecke gehalten wurden und Angus war neben Pferden auch ein großer Rinderfan.

    Auf dem Hof konnten wir eine kleine Pause einlegen, denn von hier bekamen wir auch seit kurzem unser Mineralfutter für Corvus und natürlich frische Milch. Der ältere Bauer freute sich immer über unsere Besuche, die Tatsache das wir mit den Pferden kamen, immer wieder erhielt Cheveyo ein kleines Leckerli. Schon immer vor dem Hof wurde er deutlich schneller und schien sich zu freuen.

    Auch heute hatte der Herr einen Apfel übrig, während Lia mit Angus zu den kleinen Rindern ging. „Wir wollen wieder ein paar Flaschen der Milch mitnehmen, Futter reicht uns erst einmal noch.“

    Nachdem ich die Flaschen erhalten hatte packte ich sie in die Kutsche, leistete danach Lia und ihrem Bruder Gesellschaft. Angus hatte ein paar Tränen in den Augen „Sie verkaufen die jungen Rinder aus dem letzten Jahr, Angus hat Angst um seine Wookie“

    Wookie war ein neugieriges Jungrind, das sich besonders gern zwischen den bereits großen Hörnern streichen ließ. „Wookie wird schon ein tolles zu Hause finden.“ tröstete ich den Knirps, nahm ihn auf den Arm und wir machten uns auf den Heimweg.

    Am Abend brachte Cayden ihn ins Bett und bekam den Verkauf von Wookie unter die Nase gerieben, welchen Ausmaß dies noch nehmen würde ahnte ich zu diesem Moment nicht.​
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  3. Plumpsend ließ ich mich einfach auf den Boden sinken „Also für heute bin ich vollkommen kaputt!“ sagte ich Richtung Cayden, der gerade mit einem weiteren Umzugskarton durch die Tür kam. Auch mein Mann sank neben mir zu Boden, während hinter ihm Lia hinein kam auf dem Arm den kleinen Angus. „Komm her Kleiner!“ ich streckte die Arme aus um ihn zu mir zu locken. Auf seinen tapsigen Beinen kam der Junge auf mich zu und warf sich mir fast in den Arm.

    Für ihn und natürlich auch für Lia hatten wir diesen Schritt gewagt. Bereits vor der Hochzeit war uns klar gewesen das wir unser Leben gehörig umkrempeln mussten. Lia würde wieder die Schule in Caighnure besuchen können. In Auchnacraigh war jedoch keine Schule und Busse fuhren nicht. Außerdem gab es im Ort keinen Kindergarten für Angus, doch wollte ich ihn nicht die ganze Zeit auf dem Hof behalten. Kontakt zu gleichaltrigen fand ich ziemlich wichtig.

    Wir hatten uns mit dem Team von Caed Crevan lange untehalten, die Dinge abgewägt und schließlich uns einen Ruck gegeben und den Schritt gewagt. Wir hatten unsere Pferde in Anzeigen gesetzt – die Zucht würden wir zugunsten der Kinder aufgeben. Den Trainingsstall jedoch weiter führen, komme was da wolle. Zusätzlich hatten wir einen baufälligen Hof zwischen Craighnure und der Scallastle Farm gekauft. Dorthin waren wir in der letzten Woche gezogen im Gepäck hatten wir Argo und Darym als Reitpferde für Lia, Cayden und auch mich. Außerdem noch Moon und Star Bucks – meine beiden Sonderlinge konnte ich einfach nicht abgeben. Allerdings stand in Planung auch für Lia ein Reitpferd zu finden, damit sie uns auf Ausritten begleiten durfte. Davon wusste sie allerdings noch nichts.

    Wie viele Tränen waren geflossen als Eddi Canary vor knapp zwei Tagen Kürbis und Varulv abgeholt hatte. Michelle hatte ihre beiden Schätze Yoomee und Wisp wieder zu sich genommen, Yoomee war sogar tragend gewesen. Es verband mich eine gute Freundschaft mit den beiden,sodass ich über alles in Kenntnis gesetzt werden würde. Auch Willow war in ein neues zu Hause gezogen höchstwahrscheinlich ebenfalls tragend von Varulv. Ich hatte Kathi Hilfe bei ihrer Zucht zugesichert, trotzdem würde ich mich eher auf das Training der Pferde konzentrieren.

    Diese waren zusätzlich zu unseren vier Pferden nämlich auch noch mitgekommen, Noir leistete Argo noch Gesellschaft bis Bucks kastriert war. Während wir nach dem Kauf zunächst einmal den Offenstall klar Schiff gemacht hatten und die Löcher in den Unterständen geflickt. Somit waren die Pferde als erstes auf dem Hof eingezogen, jetzt schleppten wir schon den ganzen Tag Kisten vom Auto hierher. Das Haupthaus war wunderbar renoviert worden, die letzte Familie die ihr gewohnt hatte war allerdings nicht an der Instandhaltung des restlichen Hofes interessiert gewesen – abgesehen von der Garage.

    „Wie viele Kisten sind jetzt noch im Jeep?“ fragte ich an Cayden gewandt, meine Arme fühlten sich momentan einfach lahm an. „Nur noch ein oder zwei, aber die mach ich noch!“ dann rappelte er sich auf, Angus riss sich los und stiefelte ihm begeistert hinterher. Mittlerweile redeten wir untereinander nur noch auf Deutsch, wenn wir wirklich allein waren. Weder Lia noch der Kleine würden sonst ein einziges Wort verstehen, wobei unsere Älteste wissbegierig war um ein paar Brocken unserer Sprache zu lernen.

    „Dann gehen wir beide jetzt also unsere Pferde füttern?“ fragte ich zu Lia, die sich ebenfalls mit mir erhob. Mit den Heunetzen standen wir jetzt am großen Heuballen und befüllten sie gemeinsam. Drei große für die Stuten und vier für unsere Hengste, damit ging es dann zum Offenstall. Lia nahm die drei Netze selbst und brachte sie zu Noir, Topas und Argo während ich unsere Hengste versorgte. Für Moon hatte ich noch einen extra Eimer Kraftfutter, sodass ich ihn zu mir lockte und ihm das Futter einfach vor dem Zaun gab. Darym kam erst einmal neugierig hinter her, steckte den großen,bunten Kopf quer durch das Gitter und schnappte unaufhörlich mit den Lippen. Moon ließ sich davon jedoch nicht stören und fraß vor sich her. Lia kam auch gerade, in ihrem Haar ein paar Halme vom Heu, die sie sich jetzt selbst heraus holte. „Noir ist ziemlich verfressen,was? Hat mich fast von den Füßen gerupft die kleine Kröte!“ sagte die vierzehnjährige lächelnd.

    Der Tag war noch nicht ganz zu Ende, also wollte ich mich heute noch dem Training von Noir und eventuell auch Topas widmen. „Ich wäre jetzt für Mittagessen? Dann geht´s noch ein bisschen an das Training und Cayden darf Kartons auspacken, aye?“

    Lia nickte bekräftigend, also ging es fix in die noch nicht annähernd fertige Küche.




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    Wir hatten mittlerweile zumindest das Zimmer von Angus von Caed Crevan auf unseren neuen Platz gebracht. Zudem hatte ich einige Händler vom Festland kontaktiert um nach einem guten Pferd für Lia zu suchen. In der näheren Auswahl war auch eine Haflingerstute von Julie gewesen, allerdings hätte diese noch angeritten werden müssen. Zwar unterstützte sie mich fleißig beim Anreiten von Topas, aber zu 100 % sicher schien sie sich nicht oder zumindest noch nicht zu fühlen. Cheveyo war mittlerweile angekommen, leichte Bodenarbeit hatten wir ebenfalls schon gemacht. In den Sattel wollte ich eventuell heute Abend steigen, nur zuvor wollte ich Catalina besuchen. Jedenfalls hatte ich Lia das erzählt. In Wahrheit hatte ich zwei Pferde gefunden die sie sich mal anschauen sollte. Ein Warmblut knapp 13 Jahre, zwar ohne Abstammung aber Lia wollte ja auch erste Erfahrungen auf Turnieren machen, da würde ein ruhiger älterer Wallach gut sein. Außerdem hatte er wohl eine 10 jährige Fjordstute. Bilder hatte ich selbst nicht eingefordert, Lia sollte die Schlussendliche Entscheidung treffen. Ich deckte den provisorischen Küchentisch, Angus hatte ich noch im Bett liegen gelassen da Cayden ihn später holen wollte. Lia hatte noch vor dem Frühstück einen Ausflug in den Stall gemacht um dort die Box von Argenté Noir zu säubern. Die Stute hatte sich ein wenig vertreten, deswegen hatten wir sie eine Woche in der Box mit Außenpaddock stehen lassen. Jetzt stand sie noch unter der Dusche um fertig für den Besuch bei Catalina zu sein bzw. Maeve denn ihre beste Freundin wohnte ebenfalls in Movern.


    ~Stunden später~


    Unschuldig grinsend rieb ich mir die Schulter, die Lia soeben mit der Faust sanft geboxt hatte. „Hätte ich das gewusst hätte ich Reitsachen mitgenommen!“ jammerte sie soeben. „Alles schon hinten im Auto.“ dabei streckte ich die Zunge nach ihr aus. Es war wunderbar zu sehen wie sich ein glückliches Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete, dann den Anschnaller löste um zum Kofferraum zu flitzen. Während der Zeit schälte ich mich selbst aus dem Auto, rief den Herren an um unsere Ankunft anzukündigen. Der Herr älteren Alters kam auf uns zu, Lia hibbelte auf ihren Hacken hin und her vor Aufregung.

    Beide Pferde waren bereits von der Tochter des Mannes gesattelt worden, sodass wir mit beiden auf den Platz gehen konnten. Lia ritt den großen Warmblutwallach etwa 1,76 m Groß mit vier hochweißen Füßen bei fuchsfarbenem Fell. Die Fjordstute war einfach unwahrscheinlich fett, dafür allerdings ziemlich flott unterwegs, denn sie raste Lia auf dem Warmblut einfach hinterher. Es dauerte eine ganze Weile bis sie dem großen Pferd nicht mehr in den Arsch rennen wollte. Trotzdem stand für mich schnell fest, diese Stute würde wohl nicht zu uns kommen. Training war natürlich alles, aber eine solide Grundausbildung schien sie nicht genossen zu haben. Desweiteren hatte Lia mir schon zugeflüstert das der Funke einfach nicht übersprang.

    Mit dem Wallach schien sie sich zwar anfreunden zu können, er lief auch wunderbar mit ihr durch die Bahn und schien tatsächlich mehr zu können. Nach dem Ritt stieg sie ab und kam mit dem Wallach am Zügel zu mir ein nachdenklicher Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. „Und?“ unschlüssig zuckte die Kleine mit den Schultern, strich ihm über die Nüstern. „Er ist wahnsinnig lieb, mit ihm könnte ich sicher etwas erreichen aber „ kurz stockte sie hielt inne im Streicheln und sah mich dann wieder an. „Aber ich würde schon lieber bei einem Pony bleiben, die bin ich einfach gewohnt.“

    Also machten wir den Wallach wieder Weide fertig, da kam die Tochter mit einem kleineren Pony an uns vorbei. Ein hübscher Brauner mit Stehmähne, der seine Umgebung aufmerksam beobachtete. Sowohl Lia als auch ich starrten dem hübschen Tier hinterher, als der ältere Mann bei uns stehen blieb. „Aye Sassanach, do you like our Italian horse? He´s just a few days in Scotland, not exactly the age you where searching for, but if you wish to try him?“ Lia wirbelte begeisternd nickend zu mir herum, ich hatte jedoch etwas ganz anderes an dem Pferd entdeckt, es war ein Hengst. „I can see he´s still a stallion, wouldn´t think he´s the right horse for a 14 year old girl?“

    „Cielo is calm for his age, my seven year old grandchild could tame this stallion. When I remember it right his breed is called Arravani, but we should look for the breeding paper.“

    „Die Rasse ist mir eigentlich ziemlich egal!“ flüsterte Lia mir zu „Blettur bin ich doch auch schon mal geritten und Moon auch!“ Ich zuckte mit den Schultern im Grunde hatte sie ja Recht.

    Eine gute Viertelstunde später saß Lia im Sattel von Cielo. Ein breites Lächeln auf den Lippen als sie über ein kleines Cavaletti mit dem knapp 6 jährigen Hengst sprang. Es sah aus als gehöre sie dorthin. Trotzdem die beiden gut miteinander auskamen, vereinbarten wir zwei Probemonate mit dem jungen Hengst und machten einen Termin für die Abholung am nächsten Tag.


    Mit einer fröhlichen Lia fuhr ich anschließend nach Hause um das Training unserer nicht ganz heimischen Pferde anzugehen. Topas wollte ich heute zuerst im Round Pen ein wenig bewegen und anschließend mit ihr auf den Platz. Mittlerweile hatten wir uns vom ersten Reitergewicht zu ersten Übungen im Sattel hochgearbeitet. Die junge Stute stellte sich dabei nach wie vor hervorragend an. Auch Cata hatte uns bereits einen kleinen Besuch abgestattet um sich in den Sattel ihrer Lewitzerstute zu schwingen. Momentan arbeiteten wir besonders an der Balance in den einzelnen Gangarten, damit Topas lernte sich selbst zu tragen. Probleme stellten sich jetzt erst langsam ein, denn die junge Stute bot uns zwar die Anlehnung fast von selbst an neigte jedoch viel eher dazu sich einzurollen, weshalb wir Topas immer wieder hoch holen mussten. In Anbetracht der Tatsache jedoch das sie erst die knapp dritte Woche im Sattel war, ging das schon in Ordnung.

    Nach einer kurzen Longiereinheit, schwang ich mich in den Sattel der Lewitzerstute. Im Schritt folgten wir erst der ganzen Bahn um sie zu beschäftigen, ehe ich sie auch über die Trabstangen in der Mitte der Bahn laufen ließ. Ihr Trab war noch nicht allzu ausbalanciert, aber die Stangen ging sie an ohne ein Geräusch zu hinterlassen. „Feeein..“ lobte ich sie, vollführte noch eine Volte um dann noch einmal hinüber zu gehen. Schon eine Viertelstunde später machte ich Schluss, da die Mittagssonne jetzt begann erbarmungslos auf die Erde zu sengen begann.

    Cayden hatte uns ein Mittagessen vorbereitet, danach brachte ich Angus in sein Bett und las ihm noch eine Geschichte vor. Lia hatte noch ein paar Schularbeiten vorzubereiten, denn ihre Ferien würden erst in der nächsten Woche beginnen, somit hatten wir knapp 2 oder 3 Stunden freie Zeit. Wir bereiteten Cheveyo vor um ihn vor die Kutsche zu spannen, dabei bestieg Cayden dann seinen Hengst Darym um auch ihm ein wenig Bewegung zu verschaffen. Cheveyo machte sich gut vor unserem kleinen Trainingssulky, sodass ich auch schon kleinere Übungen einbauen wollte. Cayden hielt daraufhin den Hengst samt Sulky fest, während ich einige der toten jungen Äste die hier auf der Anhöhe standen in der Mitte zu brechen um sie in einem Slalom aufzubauen. Zwischen jedem Stück des Stockes ließ ich etwa drei bis vier Meter Platz, stieg dann wieder in den Sulky um den Hengst durch das Slalom zu dirigieren. Die Übung dauerte nicht lange, aber Cheveyo verstand schnell was von ihm verlangt wurde, so schafften wir den Slalom sogar im Trab ohne die Stöcker zu überfahren. „Er stellt sich wirklich nicht dumm an. Willst du ihn morgen auf einer richtigen Pacoursbahn ausprobieren, dann basteln wir was auf der abgetrennten Wiese.“ verwirrt sah ich hinüber zu Cayden. Wir sprachen mittlerweile mit Lia und auch den anderen hier in Schottland so viel in Englisch, das es sich wahnsinnig ulkig anfühlte plötzlich meine eigentliche Muttersprache zu hören. Ich lachte leise zuckte dann mit meinen Schultern „Ich denke es wäre sicherlich eine gute Idee ihn auf so eine Bahn vorzubereiten. Ab der Klasse L wird es schließlich etwas schwerer mit dem Parcours. Dabei gibt es eine Brücke, den Slalom und einen Abhang, außerdem gibt es immer eine extra Aufgabe zu bewältigen auf den Turnieren. Wenn wir dort mit ihm starten wollen sollte er ziemlich viel kennenlernen. Deswegen fände ich eine Abwechslung zwischen Schrecktraining, Training vor dem Sulky passend für sein Fahrtraining. Zusätzlich wollte ich mit ihm auch auf den Pacours gehen für sein Springtraining.“ Cayden nickte mir wohlwollend zu, sagte jedoch nichts weiteres zu mir.

    Als wir nach gut 1-2 Stunden wieder auf den Hof kamen schwirrte eine aufgeregte Lia gerade um das Haupthaus, dabei rief sie aufgeregt nach Angus. Besorgt brachten wir Darym und Cheveyo an den Anbindeplatz. „Was ist los?“ fragte Cayden Lia, die zu uns gerannt kam. „Ich hab meine Hausaufgaben erledigt als ich mal nach Angus schauen wollte, da war er plötzlich weg!“ Mir fiele fast die Augen aus dem Kopf, sah dann besorgt zu Cayden. Wo sollte er denn hin sein?

    Jetzt machten wir uns alle drei auf die Suche nach Angus, weit konnte er ja schließlich nicht sein. Der kleine Quatschkopf liebte kleine Versteckspiele, allerdings hatten wir ihn bisher immer davon schleichen sehen, da er dabei zu lachen pflegte. „Sucht nach Corvus, der Hund hängt ja ständig an Angus Fersen.“ rief ich den beiden hinterher, die Richtung Stall und Garage suchen wollten und ich in Richtung der Pferdewiesen.

    Kaum hatte ich diese erreicht, erhielt ich eine Nachricht auf meinem Handy

    >>Komm in den Stall. :)<<

    Also drehte ich wieder bei joggte in Richtung unseres Stalls, denn sie schienen Angus gefunden zu haben. Vielleicht hatte er sich wieder in den Heuboden verkrochen, der kleine Junge neigte dazu seitdem seine Mutter so krank geworden war sich zu verstecken.Die Tatsache das er noch nicht bei uns angekommen war spielte sicherlich auch eine große Rolle bei Angus Verhalten. Nach wie vor kannte ich mich besser mit Pferden aus als mit Kindern, trotzdem gab ich mir Mühe mit dem Kleinen eine Verbindung aufzubauen.

    Im Stall legte Cayden den Finger auf die Lippen mir bedeutend das ich leise bleiben sollte, deutete dann in die Box direkt vor sich, ich schluckte, es war die Box von Bucks. Dort drinnen bot sich mir ein mehr als interessantes Bild. Angus lag in einer Ecke der Box zusammen gekuschelt mit Corvus an seiner Seite. Das wirklich beeindruckende an dieser Szene war jedoch Bucks, der ehemalige Hengst stand dicht bei den beiden, sein kleiner,schmaler Kopf hing nach unten schwebte über den Schlafenden. Es sah fast so aus als würde mein kleines Wildpferd über die beiden wachen. Ich legte meine Hände und den Kopf auf den Rand der Box die Tür begann leise zu knarren und Bucks hob den Kopf in unsere Richtung. Noch war der neu gewordene Wallach von seiner OP vor knapp zwei Tagen etwas wackelig auf den Beinen, aber trotzdem schien es nicht so als würde er dem kleinen Jungen etwas tun. „Pass gut auf ihn auf.“ flüsterte ich leise.

    Obwohl Bucks so ruhig war platzierte ich mich mit einem Buch auf dem Außenpaddock um die beiden unter Beobachtung zu haben. Bucks kam sogar zu mir gelaufen, ließ sich ein wenig streicheln und blieb in der Sonne dösend stehen. Gegen Nachmittag rieb sich unser Angus schließlich die Augen, gähnte laut und kroch über Corvus hinweg. Sich noch die Augen reibend kam er auf mich zu, plumpste auf meine gekreuzten Beine und verkündete das er Durst habe. „Da dann holen wir dir jetzt mal was.“

    Auf dem Weg zum Haupthaus sinnierte ich über mein gar nicht mehr so wildes Pferd nach. Ob die Kastration den Anstoß gegeben hatte oder ob sich das Training endlich irgendwie auszahlte. Wir hatten ihn jetzt mehr als ein Jahr bei uns, er wurde kräftiger und seine Wunden an den Beinen sind nur noch kleine felllose Stellen. Es schien als würden auch seine seelischen Wunden täglich besser werden, darüber freute ich mich an diesem Tag fast am meisten.
    Dir, DisneyHorse, Occulta und 3 anderen gefällt das.
  4. (c) Ravenna
    Die Sprüche sind meist von den Gästen selbst gefunden worden!

    „Moment soll das etwa bedeuten?“ Sarah stand auf, die Hände vor der Brust verschränkt als wolle sie sich selbst schützen, ihre Augen huschten unruhig durch den Raum. Die letzten Wochen waren Nerven aufreibend gewesen, nicht nur in Anbetracht der Tatsache das wir kurz vor dem Handfasting standen. Es hatte uns ein ganzer Sturm an Entscheidungen getroffen.




    Vor knapp drei Wochen hatten wir beiden Lia ins Krankenhaus ihrer Mutter begleitet, die bereits seit geraumer Zeit gegen die Leukämie ankämpfte. Wir hatten Asmin McDubh bereits einmal kennengelernt, eine wirklich starke Frau die für ihre Kinder viel getan hatte. Jetzt jedoch verließ sie mit jeder Woche mehr und mehr die Kraft. Lia hatte es nicht lange in dem Raum gehalten in der ihre Mutter an das Bett gefesselt war, doch im Laufe unseres Besuches war klar geworden das nicht nur Lia gewollte hatte das wir beiden ins Krankenhaus kamen.


    „Meine Tochter sollte endlich wieder ein geregeltes fast normales Leben führen….wenn sie von eurem Hof erzählt, der Arbeit mit den Pferden und der Schule in Craighnure. Sie strahlt wie ich es seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Es ist unwahrscheinlich das ich dieses Mal den Krebs überstehe...Angus ist bereits in einer liebevollen Pflegefamilie, der Kleine versteht ja kaum was mit seiner Mutter geschieht. Auch wenn sie Lia ebenfalls bei sich aufnehmen..“hier hatte ein Hustenanfall die Kranke unterbrochen. „Ich möchte einfach nicht das die beiden getrennt werden...genauso wenig möchte ich das Lia aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wird. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, genauso wie mit dem Jugendamt. Wäre es für euch abwegig Lia und meinen Sohn bei euch aufzunehmen?“


    Diese Frage hatte Sarah und mich schon ziemlich überrascht, wir hatten über eine Bedenkzeit gebeten und drei Tage bekommen. Zurück auf dem Hof hatten wir mit Kathi und dem Rest des Teams darüber gesprochen. Im Grunde war uns im Falle Lia die Entscheidung nicht sonderlich schwer gefallen...ihr Bruder Angus jedoch war ein Kind von knapp 3 Jahren, das war eine ganz andere Liga gewesen. Gerade meine Partnerin hatte daran zu knabbern gehabt. Erst im letzten Jahr hatte sie ohne mein Wissen unser gemeinsames Kind abgetrieben, sie wollte nie eine Mutter werden. Zumindest war es das was sie immer erzählt hatte. Doch seitdem hatte sich einiges geändert...Fionn war in ihr Leben getreten, sie war seine Patin...oder würde es bei seiner Taufe werden. Sarah war im Umgang mit ihm anders geworden, hatte ihn in sein Herz geschlossen. Sie war einen ganzen Tag lang bei Siobhan verschwunden, doch als sie zurück kam stimmte sie wahrhaftig zu. „Machen wir sie zu einem Teil unserer Familie!“




    Nun waren zwei weitere Wochen, jede Menge Papier und Organisationskram, vergangen….neben der Hochzeit hatten wir kaum einen freien Moment für die Pferde gehabt. Da war ich mehr als froh gewesen einige der trainierten Pferde abgeben zu können. Ghost wurde jedoch nicht vernachlässigt, denn auch die Hochzeit von Siobhan und Ty rückte immer näher und wir wollten Ghost dem kleinen Fionn zur Taufe schenken. Neben der Entscheidung die Kinder bei sich aufzunehmen hatten wir ebenfalls einige unserer Pferde abgeben – nicht das uns diese Sache einfach gefallen wäre, aber weniger Pferde bedeutete auch etwas weniger Arbeit für alle von uns.




    Jetzt jedoch saßen wir – mal wieder – Büro unserer Jugendamtszuständigen und soeben mit einer weiteren „Überrraschung“ erfasst hatte. „Ja ganz richtig Frau Kyren. Sie haben die besten Voraussetzungen um beide Kinder bei sich aufzunehmen. Ein geregeltes Umfeld, im Falle des Mädchens wird sie weiterhin ihre Schule besuchen dürfen. Im Falle von ihrer Krankheit befinden sich in ihrem näheren Umfeld andere Menschen die sich um die Kinder kümmern können.“ Dabei musste ich mir ein Lachen verkneifen, wenn ich da an Hansi dachte dem wir Fionn lieber nicht übergaben da der Hüne ständig irgendwo gegen lief oder aber Kathi die noch viel weniger mit kleinen Kindern umgehen konnte….Im Grunde waren wir alle ein total chaotischer Haufen, dem wohl lieber kein Kind anvertraut werden sollte. „Nur gibt es eben diesen einen Fakt...um beide vollwertig mündig für die Kinder zu sein müsst ihr verheiratet sein, sonst wird das nur einem von euch übertragen oder jedem ein Kind.“


    Sarah setzte sich wieder auf den Stuhl, sah mit leicht entrücktem Blick zu mir hinüber. „Können wir das wagen?“


    Ich schluckte ein wenig, lächelte dann...“Wir haben eine Zucht gegründet….trainieren seit einiger Zeit Pferde und sind dabei zwei Kinder aufzunehmen. Na wenn wir das nicht packen, wer dann? Wieso noch ein Jahr warten, wenn es auch danach noch schief gehen kann. Lieber etwas riskieren….das haben wir doch immer so geregelt?“ Sarah nickte, ihre Augen dabei etwas glasig dann wandte sie sich unserer Sachverständigen zu „Also dann Miss Devencord, wir haben vor in knapp einer Woche ein Handfasting abzuhalten...wieso nicht auch am gleichen Tag eine wirklich offizielle Hochzeit auf dem Standesamt!“ Es breitete sich ein Lächeln auf dem Gesicht der sonst so streng wirkenden, tatrigen Frau aus „Dann möchte ich sie bitten hier zu unterschreiben und wir leiten alles weitere in die Wege.“




    Eine knappe Stunde später, einigem an Infomaterial und noch zwei anderen unterschriebenen Unterlagen, hockten wir vollkommen geflasht im Auto und sahen einander an. „Bin ich froh, wenn das alles vorbei ist!“ murmelte Sarah, als ich gerade den Motor anließ um in Richtung Caed Crevan aufzubrechen. Ich konnte ihr dabei nur zustimmen. „Unser verrückter Haufen auf dem Hof wird immer größer, bald bauen wir an!“ lachte Sarah auf, was in Anbetracht des Herrenhauses in dem wir wohnten lächerlich war. Es gab da noch den ein oder anderen Raum der überhaupt nicht genutzt wurde „Noch eine Woche dann sind wir richtig verheiratet. Kann ich irgendwie noch gar nicht richtig fassen. Aber so verrückt sind wir dann doch nicht.“ aus dem Augenwinkel sah ich ihren unverblümt skeptischen Ausdruck auf dem Gesicht und lachte auf „Ja okay...vielleicht doch ein wenig.“


    Der Weg nach Hause verging ohne weitere Besonderheiten, als wir allerdings zur Tür hinein kamen explodierte irgendetwas. „Woow“ Sarah ging vorsichtshalber in die Deckung, da es jedoch mehr wie Glas auf dem Boden klang und ein Fluch auf Schwedisch(zumindest denke ich das) hinterher kam.Es kostete nur einige Schritte bis zum Beginn der großen Küche, Hansi hockte auf dem Boden und kehrte Glas vom Boden auf. „Tja...eigentlich wollten wir den Met aufmachen um mit euch zusammen zu feiern. Aber der Depp hier schmeißt die lieber auf den Boden.“ dabei klopfte Kathi Hansi auf den die Schulter, der nur ein brummiges „haha“ verlauten ließ. „Kein chaotischer Haufen, eh?“ flüsterte Sarah leise zu mir.


    Trotzdem wurde der Abend ein wunderbarer...fast alle die uns Nahe standen waren bei uns um zu „feiern“. „Somit wird eure Hochzeit symbolisch also noch mehr als die Feier eurer Heirat, wir werden auch feiern das ihr Eltern werdet. Allerdings sind die Umstände besonders, ihr habt auf der einen Seite etwas zu feiern, andererseits verliert Lia ihre Mutter….eine schwierige Situation für euch.




    Unsere tägliche Frühstücksrunde war heute besonders schnell beendet gewesen „Also Aiden und ich kümmern uns darum das die Pferde heute auf die Weiden kommen – da werden sie jetzt auch bis zum Herbst bleiben. Allerdings würde ich sowohl Moon als auch Bucks viel lieber hier am Paddock lassen, damit wir sie besser unter Beobachtung haben. Killian, du bist heute für das Training von Eisblume, Green, Varulv und Kürbis verantwortlich – bei Fragen sind wir jederzeit da.“ Hansi schenkte sich noch einen Schluck Kaffee ein, genauso wie Kathi, die meine Ansprache fort führte „Dann werd ich mir heute mal Argo, Wisp und Yael zu genüge ziehen, vielleicht noch Abraham. Wobei der Spinner momentan schon wieder buckelt, vermute der Sattler muss echt mal kommen – das kann ja nicht sein. Mach später einfach mal einen Termin für uns.“

    „Wunderbar, dann kann ich mit Darym gleich mal dazu kommen, durch das viele Training müsste der Springsattel aufgepolstert werden.“ warf Cayden sogleich ein. „Gut dann für Abraham und Darym! Wolltest du heute wieder nach Morvern rüber Hansi?“ Der Hüne hob den Kopf, überlegte einen Moment lang – in letzter Zeit war er oft drüben bei Catalina und half ihr, als wolle er dem Vorbereitungsstress der Hochzeit entgehen. „Warscheinlich, vorher wollen Cayden und ich mit Darym und Yoomee erst noch auf die Geländestrecke – der Hengst soll ihr bisschen mehr Sicherheit im Parcours geben. Wollen demnächst auf ein Turnier mit der Kleinen. Anschließend mach ich noch etwas mit Gwyn, vielleicht nen Ausritt. Kommst du mit mir Aiden? Vielleicht mit Ikarus, der war auch lange nicht mehr gemütlich im Gelände.“ Aiden nickte nur bedächtig mit dem Kopf, da er den Mund noch vom Essen voll hatte. „Na dann sind ja fast alle aufgeteilt – ich selbst mach bisschen was mit Stormy. Lia kommt später noch vom Festland hierher und wollte sich mit einem Ausritt etwas ablenken.“ Wir wussten alle wovor, das ihre Mutter im sterben lag, war eine unschöne Gegebenheit, es fühlte sich einfach nicht richtig an! Zu gern würde ich ihr helfen wollen, doch ihr Leben befand sich momentan im Abwärtskurs, ihr stand ein Wechsel in die Pflegefamilie bevor, der Auszug aus dem Internat. Am meisten schien es sie zu zermürben das sie den Hof verlassen müsste. „Allerdings würde ich gerne das Training mit Yoomee machen, war schon lange nicht mehr auf unserer Strecke!“ dabei kratze ich mich am Kopf und lachte etwas gekünstelt, was Hansi mit einem Schulterzucken kommentierte „Meinetwegen!“ Somit verstreuten wir uns quer über den Hof um unseren Aufgaben nachzugehen – in knapp zwei Tagen würde die Hochzeit stattfinden.


    *~21.Juni.2015~*


    „Ich geh heute komplett vor die Hunde!“ nörgelte ich, auf dem Stuhl sitzend während meine Tante sich emsig um meine Haare zu kümmern begann. Meine Eltern hatten zugegeben etwas verwirrt auf meine Pläne reagiert...noch mehr darauf wie diese Hochzeit ablaufen würde – es war weit entfernt von einer kirchlichen Heirat, doch auch ziemlich entfernt von ihrer einfachen auf dem Standesamt. Gingen wir nämlich davon aus, so waren Cayden und ich bereits seit dem Morgen Mann und Frau, doch hatten wir eine waschechte Paganhochzeit vor uns! Wobei waschecht auch wieder falsch formuliert wäre, da es weder ein richtig noch ein falsch in unsrem „Glauben“ gab – wir hatten einige germanische, aber auch keltische Einflüsse kombiniert mit älteren schottischen Bräuchen. Da wir Lia nun als Familienmitglied bei uns aufnahmen hatten wir knapp eine Woche vor der Hochzeit noch einmal etwas in der Besetztung geändert – wir hatten Lia zu unserer Ringmaid gemacht. Ursprünglich hatten wir dafür sowohl Siobhan und Amy haben wollen, da wir nun jedoch mit einer wirklichen Maid aufwarten konnten waren die beiden von diesem Dienst entfernt worden. In Caydens Gelage den Schildbrüdern hatte sich jedoch nichts geändert – Ty, Aiden, Hansi und auch Ben waren zu diesen erwählt wurden. Zu Zeiten der „wahren“ Pagans waren diese Schildbrüder die Waffenbrüder eines Mannes gewesen – in den Schlachten als würdig, loyal und wertvoll erwiesen. Zu diesen Zeiten vielleicht nicht ganz so, doch auch sie hatten sich als die nächsten Freunde meines Mannes erwiesen. „Du wirst mir gar nichts gehen!“ erwiderte Catalina von der Seite, die Hände in die Hüfte gestützt. „Einige der Gäste sind bereits eingetroffen, deine Pferde wurden versorgt und jetzt kannst du dich gefälligst mal auf deinen Tag freuen!“


    Es war sonderbar eine Hochzeit zu feiern für mich...ich hatte nie damit gerechnet! Jetzt war ich hier inmitten meiner Freunde, meiner kleinen Welt an Familie die ich hier besaß. Trotzdem ich glücklich war hing das Schicksal von Lias Mutter schwer auf meinen Schultern, ein wahnsinniger Zwiespalt den auch Cayden ergriffen hatte. "Sag mal du gehst überhaupt nicht nach diesen traditionellen Bräuchen oder?" kam es gerade von Siobhan, die Fionn auf dem Arm hielt. Cayden hatte dem Winzling ein geschniztes Holzpferd gemacht, in dem Fionn nun seine ersten Zähne versenkte. Mittlerweile waren meine Haare zu einer komplizierten Flechtfrisur verwoben und es befanden sich jetzt im Raum nur noch Catalina, Siobhan, Amy,Kathrin und ursprünglich Lea, die jedoch war auf der Suche nach ihrem Freund war. Ich drehte mich mit dem Wickelgürtel in der Hand um,lächelte breit "Welche Bräuche genau meinst du?"
    "Was blaues,was neues - klingelt es da nicht bei dir?" warf nun Catalina statt Siobhan ein, die der jungen Frau neben sich jedoch ein Nicken schenkte. "Mhpf...klar bekannt ist es mir, aber ich war doch schon immer etwad anders, dann also auch meine Hochzeit! "
    "Natürlich dagegen ist auch absolut nichts einzuwerfen, die Kleider sind wirklich wunderschön." Dabei strich sie über den Tartanrock in dunkelrot,grün und Gold den meine engsten Freunde trugen, den Farben meines baldigen Clans. Auch klein Fionn hatten wir eine Hose verpasst in der Farbe, ein Leinenhemd und ein Tuch um ihn gegen den Wind zu helfen. "Wann er wohl den ersten Kilt trägt, so als Waschechter Highlander? " fragte ich um das Thema etwas abzulenken. "Waschecht ist er ja nun nicht wirklich, bin doch eigentlich eine Sassenach!"
    "Du hast einen Schotten geheiratet Mistress McLean,also seit ihr nicht länger eine Sassenach."
    "Tschuldige aber könntet ihr uns Nicht -Highlander mal erklären was das sein soll?" warf Amy ein,die einen Schluck von ihrem Getränk nahm, auch Cata sah etwas verwirrt aus. Siobahn und ich schenkten uns einen Blick, erinnerten uns wahrscheinlich jeder an die erste Begegnung mit dem Wort. "Früher war es wohl eine Art Schimpfwort, es bedeutet einfach nur so etwas wie Outlander,Stranger."
    Jetzt wurden wir allerdings unterbrochen von Kathi, Bella und Lea die gesammelt in den Raum "Langsam wirds eng" murmelte ich rückte näher zum Spiegel um endlich mein ankleiden zu beenden - wiedermal war ich die letzte! "Wir haben die Pferde nochmal mit Heu versorgt, Bucks in die Box gebracht zusammen mit Moon und dann umgezogen. Kann also nichts mehr schief gehen!"
    "Habt ihr eigentlich Julie schon gesehen?" fragte ich an Kathi gewandt, die den Kopf schüttelte. Ich hatte sie angerufen ob sie ihre Jungstute mitbringen würde,damit Pumpkin auf der Koppel spielerische Gesellschaft hatte. Wobei ich mir bei der ziemlich verspielten Yoomee kaum darum Gedanken machte. "Allerdings hat sie angerufen, sie muss laufen da der Hänger nen Platten hat."
    Zum Glück war die Distanz zwischen uns nicht so groß, wenn sie über unsere gepachtete Wiese lief sogar noch kürzer - vorausgesetzt Julie würde daran denken. Fertig angezogen ließ ich mich auf einen der Hocker sinken,wippte leicht mit den Füßen - wie immer war ich etwas zu früh dran. "Wann soll es eigentlich genau los gehen?" stellte nun Amy wieder die Frage.
    Unbestimmt zuckte ich die Schulter "Im Grunde bei Dämmerung in der letzten Zeit hat sie immer gegen 22 Uhr angefangen, aber da ja nun der längste Tag ist - vielleicht auch später. " Aus gleich zwei Richtungen kam ein Seufzen, welches ich sowohl Catalina als auch Siobhan zuordnen konnte,letztere wechselte den Arm mit einem offensichtlich sehr müden Fionn. "Willst du ihn bei uns im Gästezimmer in das Kinderbett verfrachten?" Da der Knirps öfter mal bei uns die Nächte verbrachte um den beiden auch Entspannung zu gewähren hatten wir ein Kinderbett für ihn besorgt, da das hin und her mit dem Reisebett nervig geworden war. "Ich glaube das ist ganz gut, das Babyphone nehm ich dann mit runter,mittlerweile schläft er allerdings ziemlich gut durch" Also verschwand Siobahn für die nächste halbe Stunde erst einmal während nun auch etwas verspätet Bella und Julie zu uns,langsam wurde der Raum etwas eng hier. Auch Lia kam noch einmal vorbei,sodass ich sie beiseite nahm, ihr mit auf die Person gerichtetem Finger alle vorstellte und ihr ihre Aufgabe nochmal erklärte. "I'm so bloody nervous, but you as bride...you're calm as always amd beautiful!" kam es so schnell über ihre blassen Lippen, das ich Mühe hatte sie zu verstehen aufgrund der Lautstärke in dem Raum hier. "Well...we're married since this morning before the law, now we just celebrate with family, friends and have a Paganwedding.This is why I'm not nervous. " ich strich ihr durch die lockigen blonden Haare "You're beautiful,too sweaty." Die Spur eines Lächelns huschte über ihr Gesicht, gesunde röte kam in ihre verblassten Züge. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir den langsam beginnenden Sonnenuntergang, also erhob ich mich strich meine Kleider glatt und klatschte in die Hände. "Wir können uns dann zumindest schon nach draußen begeben."
    Ursprünglich hatte ich geplant gehabt das wir beide - Cayden und ich - zum Platz des Geschehens zu reiten, da unser gefundener Priester allerdings einiges an Respekt vor diesen Tieren hatte, war das einfach verplant worden. Im Endeffekt sogar besser für uns da wir nicht noch auf die Pferde achten mussten,sondern uns auf die Zeremonie konzentrieren konnten. In unserem Garten brannten bereits die Feuer, ein Gang aus Fackeln markierte den Weg den ich später hinunter getragen werden würde. Aus Lautsprechern drang leise Musik von Wardruna - gewählt um die nicht Metalfans nicht gleich zu vertreiben. Freudige Spannung schickte mir einen wohligen Schauer den Rücken hinab und ein Lächeln auf die Lippen. Meine Freundinnen gingen hinüber zu den anderen Gästen die entweder auf dem Boden neben den Feuern saßen oder herum standen. Dann wurde mein Blick auf vier hochgewachsene Männer gerichtet die sich auf die Tür zu bewegten. Ein letzter Blick auf den Kreis verriet mir das dort in der Ferne nun auch Cayden und der Priester seinen Platz in der Mitte eingenommen hatten. Es war Hansi der ein großes Rundschild in der rechten trug, in schwarzen Lettern war die Rune Tywaz darauf. Mit nunmehr klopfendem Herzen wurde ich auf dieses Schild gesetzt, während die vier Männer mich durch den Gang trugen ihnen vorweg mein Vater. Die ganze Zeremonie hier würde auf Englisch stattfinden, weshalb ich meinem Vater die gesprochenen Worte eingeprägt hatte und für unsere deutschen Gäste die Worte übersetzt hatte. Nervös schenkte ich Aiden zu meiner linken ein kleines Lächeln, der jedoch blickte stur nach vorn um sich auf die Zeremonie zu beschäftigen.
    Kurz vor dem Priester kamen wir zum stehen "Wer bringt die Braut in den Bund der Ehe?"
    "Mario Kyren" antwortete mein Vater mit fester stolzer Stimme. Die Nachricht das ausgerechnet ich heiraten würde hatte meine Eltern unheimlich gefreut, noch wussten sie allerdings nicht um die Erweiterung unserer Familie. Die vier Männer versuchten möglichst synchron in die Hocke zu gehen,damit ich mithilfe von Papa besser von dem Schild kam.


    Ein Blick auf meine Mutter am Rand, offenbarte mir ihre Tränen die silbern auf ihrer Haut schimmerten, trotzdem schenkte sie mir ein Lächeln. Mein Herz wollte am liebsten aus der Brust springen vor Stolz und Liebe zu meinen Eltern. Doch dachte ich auch an die Zeit zurück da ich mit meinen Pferden im Schlepptau von Hof gestürmt bin,mich Kopfüber in das Studium der Medizin geworfen hatte bis es mich komplett zerstört hatte. Mein Hof war pleite gegangen, ich hatte keine Ahnung was zu tun war und hatte mich nach Heartland zu Amy verschanzt. Dort war ich langsam wieder zu mir gekommen, hatte abgestreift was mir zu schaffen machte und begonnen Pferde zu trainieren - meine wirkliche Berufung gefunden. Nach und nach war meine Seele geheilt worden - vieles hatte ich auch Cayden zu verdanken. Nachdem der Friede mit mir geschlossen war, begann ich mich wieder meinen Eltern anzunähern - diese Pause hatte uns allen gut getan. Die restlichen Meter überbrückten mein Vater und ich Seite an Seite hinter uns folgten Lia und die Männer. Jeder von ihnen stellte sich in die vier Himmelsrichtungen, gerade aufgerichtet das Schwert vor sich in den Boden gestellt. Die Musik wurde lauter, der Wirbel der Trommeln immer eindringlicher - Hansi begann ins seiner Sprache melodisch mitzusingen. Als meine Hand die des kahlköpfigen Priesters berührte verstummte jedes weitere Geräusch um uns herum bis auf das prasseln des Feuers. Nun stand ich dem Priester und hinter ihm einem breit lächelndem Cayden gegenüber. Mein Mann - wie ungewohnt - trug einen traditionellen Plaid in den Farben seines Clans, an der Schulter gehalten von der Schnalle auf der "Fortiter" zu lesen war - Tapferkeit.
    "Willkommen zu dieser Stunde der Vereinigung zweier Menschen im Bund der Ehe. Wir stehen hier im Angesicht der Götter um Cayden Mc Alistair und Sarah Kyren zu ehelichen. " Mit einer Schale gefüllt mit blauer Farbe trat er auf Cayden zu zeichnete die Rune Wunjo auf seine Stirn nur um selbiges mit mir zu tun. Er begann anschließend damit den Kreis der Männer mit Wasser zu segnen, während Lia einen Kranz aus geflochtenen Blumen auf den Kopf bekam. In ihrer Hand mithilfe eines Tuches verborgen befand sich das neue Schwert von Cayden, wie es zu alten Zeiten Brauch gewesen war...er selbst trug eines an seiner Hüfte welches nun vom Priester Undr gezogen wurde. "Mit dem Bund der Ehe endet etwas altes um etwas neues beginnen zu lassen. " Damit winkte er Lia zu sich heran, schlug das Tuch beiseite - nun drehte Lia sich zu mir um. Ihre Nervosität schien gewichen, Stolz erfüllte nun ihren Blick als das Schwert zum Vorschein kam. " Mit dem Blute des alten soll das neue erwachen, möge Freya diese Verbindung segnen. Willst du Cayden McAlistair diese Frau zu der deinen nehmen, sie beschützen in Zeiten des Krieges, ihr Fels sein in Zeiten der Stürme dann sprich mit dem Segen der Götter deinen Eid!"
    Mit lauter Stimme und gälischen Worten begann er zu sprechen, nur wenige der Gäste verstanden ihn, selbst ich hatte meine Schwierigkeiten.
    "So as long as my body lives,and yours - we are one flesh. And when my body shall cease,my soul will still be yours. I swear by my hope in the gods,I shall be never parted from you." Damit drehte sich der Priester nun zu mir,mit gebrochenen gälischen Worten erwiderte ich den geleisteten Eid.
    Undr nickte wohlwollend in unsere Richtung, dann erhob er die Hand mit Caydens Kurzschwert. Als erstes ergriff er Caydens rechte Hand ritzte die Rune Wunjo nun auch in unsere Haut statt nur auf die Stirn gemalt. Mein Herz begann nun auch zu schlagen als die kalten Finger des Priesters mein Handgelenk nahm. Ich atmete tief ein als die Klinge den ersten Schnitt tat und es kostete mich meine Selbstbeherrschung ihm die Hand nicht zu entziehen. "Im Blute sind wir geboren,im Blute werdet ihr gebunden."
    Undr legte beide Hände mit der eingeritzten Rune aufeinander, unser beider Blut begann sich zu vermischen und wie aus einem Mund sprachen wir einen Schwur der schon so alt wie die Highlands selbst waren. "You are blood of my blood, and Bone of my bone. I give you my body that we two may be one. I give you my spirit, 'til our life shall be done. You are blood of my blood, and bone of my bone."
    Nun war es geschehen. ..Cayden und ich hatten auf die Ringe bei dieser Zeremonie verzichten. Was bedeutete schon ein Stück Papier und Metall für eine Verbindung? Wir würden durch den Blutschwur und die Rune in unserer Haut daran erinnert werden, denn wir waren Schmerz ein gegangen um diese Verbindung zu besiegeln. Für mich bedeutete das viel mehr und ich wusste das auch Cayden so dachte - gebunden durch Blut und Schmerz würden wir andere Krisen überstehen.
    Mit der freien Hand nahm Cayden von Lia das neue Kurzschwert entgegen,steckte es sich an den Gürtel.
    "Vor den Göttern seit ihr nun endgültig Ehemann und Eheweib, mögen sie diese Verbindung ehren und zur Kenntnis nehmen auf das sie halten mag." Während der Priester sprach legte er uns ein Band um die verschlungenen Hände, darauf erkannte ich einige Binderunen, sowie einzelne darunter wieder Wunjo welche für Harmonie und auch Partnerschaft stand.
    Jubel setzte um uns herum ein, dann traten einzelne Personen nach vorn oder in zweier Gruppen um wie zuvor der Priester ein Band um unser Handgelenk zu legen, jeweils begleitet mit einem kleinen Segensspruch. Als erstes trat Hansi nach vorn mit einem blauen Band "Glück brauche ich euch wohl nicht zu geben aber ich schenke euch mit diesem Band Verstehen...auf das ihr nicht nur einander versteht,sondern auch die Welt um euch herum." Weder Cayden noch ich sagten einen Satz dazu, senkten nur wippend den Kopf wie zu einer Verbeugung. Nach Hansi trat Aiden nach vorn „With this „ er hob das gelbe Band nach oben „ I give you courage. So you might fight for the ones in need.“ Nun waren es noch zwei Mitglieder der Schildbrüder nach Aiden war es an Ben nach vorn zu treten. „ Mit diesem Band gebe ich euch Vertrauen , damit ihr entscheiden könnt was richtig und falsch ist. Nutzt es um euch selbst durch schwierige Zeiten zu navigieren, verliert die Treue in eure Liebe nicht.“ Ty trat als letzter der vier auf uns zu, klopfte Cayden erst aufrichtig auf die Schulter, anschließend verschlang er sein graues Band mit einem geschickten Knoten „I´ll give you endurance, use it well to keep going even when you feel as though all hope and strength have left you.“ Ich war fast froh das er die Worte nicht in Englisch gesprochen hatte.

    Nun kamen langsam alle den Gang aus Fackeln hinauf um ihnen ein Band um die Hände zu schlingen und einen Segensspruch zu äußern. Nach meinen Eltern war es Caydens Vater der uns einen Teil seines Kilts gab, die Worte die er auf Gälisch zu uns sprach verstand ich zu meinem Bedauern nicht, ich würde Cayden später fragen müssen. Als erste unter meinen Freundinnen kam Amy zu uns ein dunkelrotes geflochtenes Band in den Händen „Möge eurer Weg euch stets leiten.“ Besonders freute es mich auch das ihr Großvater Jack, ihr Freund Ty und Lou gekommen waren – in ihrer Vertretung hatte Amy ebenfalls das Band geschlungen. Sie waren Teil geworden meiner ersten seelischen Heilung, deren Ende ich noch nicht erreicht zu haben glaubte. Nach Siobhan kamen auch Julie und Kathi nach einander auf uns zu. Bei so vielen Wünschen und Sprüchen konnte ich meine Tränen nun auch nicht mehr zurück halten, unaufhaltsam rannen sie in stummer Ehrfurcht meine Wangen hinab – ich hätte nie gedacht das ich einmal solche Freunde die meinen nennen könnte.

    „Mögen all Eure Träume wahr werden, mögen alle Himmel blau sein, mögen alle Freunde wahrhaft Freunde sein, mögen all eure Freuden vollkommen sein, mögen Glück und Lachen all Eure Tage erfüllen.“ sprach es Catalina aus, die zusammen mit Bella nebeneinander gekommen war. Doch auch Bella, die ich doch erst seit ein paar Monaten kannte, band eine Schleife zu den vielen anderen um unser Handgelenk und sprach „ Mögen tausend Sterne über euch wachen, wo immer ihr geht. Mögen euch tausend glückliche Stunden beschert sein, wo immer ihr steht. Möge eure Freundschaft wahrhaft und endlos sein.“

    Ich formte ein stummes Danke mit den Lippen. Nach ihnen kam Salera, die ich durch den Filmdreh und das spätere Training von Smaug ebenfalls erst seit kurzem zu meinen Freunden zählte. Joyce und ihr Helfer Ty, von der ich einst die Anzeige zugesteckt bekommen hatte die mich bewog Moon zu kaufen.


    Ich wusste am Ende nicht mehr wie viele Leute schließlich ihre Glückwünsche geäußert hatten, doch dem Bündel an Bändern zu urteilen dann doch eine ganze Menge – wir würden dies später über dem Bett aufhängen. Im Nachhinein hätte ich gern alle Sprüche mitgeschrieben oder wenigsten auf Video gehabt, so jedoch würden nur noch die Götter selbst von den Worten wissen – gewirkt in jedem einzelnen der Bänder. Nach dem Handfasting hatten wir uns die Hände gewaschen, desinfiziert und zumindest einen kleinen Verband angelegt. Danach hatten wir ein Festessen gegeben – nicht nur für uns als Vegetarier gab es einiges an Angebot. Hansi hatte doch Tatsächlich einen ganzen Ochsen besorgt, der komplett am Spieß gebraten worden war. Von dem Ding würden wir wahrscheinlich noch in drei Wochen etwas haben…

    Trotzdem hatten wir unseren Spaß bei Musik, Tanz und Undr ließ es sich natürlich nicht nehmen für einige Interessierte die Runen zu befragen. Am Abend mit einem kleinen Horn Met in der Hand saß ich in der Nähe des Feuers am Boden „Vor die Hunde bist du nun nicht gegangen, allerdings hast du eine Feier an die du dich immer erinnern kannst. Für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen zu kitschig, aber trotzdem..nun ja nicht zu leicht nachzumachen!“ sprach Cata zu mir. Ich musste allerdings in mich hinein lächeln, sie war gerade 19 Jahre alt...damals hätte ich eine Heirat niemals in Frage gezogen doch nun mit knapp 25 Jahren war das ein anderer Gedanke.

    Dir und BellaS gefällt das.
  5. Die Wolken am Himmel zogen sich unsanft zusammen, wurden grau – hier auf den Inseln kam es im Verlauf des Frühlings öfters zu heftigen Gewittern. Also schwang ich mich vom Rücken des jungen Hengstes, um ihn zurück in den Stall zu bringen. Seit nun mehr fast zwei Wochen befand sich Ghost in der richtigen Ausbildung zum Reitpferd. Seitdem ich ihn gekauft hatte zusammen mit Kathi hatten wir Übungen mit ihm gemacht, Hansi hatte viel Bodenarbeit gemacht und ihn bereits an Sattel und Trense gewöhnt. Jetzt hatte er vor knapp einer Woche das erste Mal einen Reiter auf seinem Rücken gehabt. Bis hier hin hatte der Hengst wirklich wunderbare Arbeit geleistet , weder gebuckelt noch sonst irgendwelche Unarten entwickelt.

    Wenige Minuten später betrat ich mit dem jungen Hengst am Zügel den Stall, einige Regentropfen hatten den Weg meinen Nacken hinunter gefunden. „Uuua...nächstes Mal nehm ich ein Tuch mit.“ flüsterte ich leise. Den leicht verschwitzten Hengst stellte ich in eine der Boxen als ich den Sattel in die davor vorgesehene Kammer brachte. Die Stirn kraus gezogen drehte ich mich im Kreis herum. „Wo hab ich denn jetzt seine..?“ da fand ich die grüne Abschwitzdecke, brachte sie zurück in die Box um sie ihm auf den Rücken zu legen. Als ich nochmal in die Kammer wollte um noch ein wenig Müsli zu holen, nahm ich leise geflüsterte Worte wahr. Ich drehte mich verwundert um, hatte ich das nicht vorher auch schon gehört oder war die Musik noch an? Da ich jedoch aus den Lautsprechern nichts hörte stiefelte ich die kleine Treppe zum Heuboden hinauf. Es gab nur zwei kleine Fenster, die sanftes Dämmerlicht erschufen. Genau unter so einem sah ich nun Cayden auf dem Boden sitzend, an seine Schulter gelehnt erkannte ich die kleine Lia, auf ihrem Gesicht konnte ich die Tränen erkennen. Cayden hielt sie im Arm strich mit sanften Bewegungen über ihren Rücken, murmelte dabei Worte auf Gälisch. Als er mich sah, hob er seine Hände um mich wieder davon zu scheuchen, ich nickte still und krabbelte die Leiter wieder hinunter. In letzter Zeit war Lia abweisender denn je gewesen, hatte sich sogar von Maeve abgekoppelt – sonst waren beide Freundinnen wie Geschwister. Ich schüttelte den Gedanken zunächst beiseite, dann lief ich hinaus in den leichten Nieselregen. Da sich die Wolken weiter zusammen zogen wollte ich Bucks noch in den Stall zu bringen – bei einem Gewitter im letzten Jahr war er schließlich ausgebrochen. Es war immer noch schwierig mit dem kleinen Pottockhengst, allerdings nahm er endlich wieder richtig zu, seine Mähne und der Schweif hatten beinahe wieder eine normale Länge. Allerdings wurde der Kleine schon wieder von seiner Augenentzündung geplagt, Maren hatte beim letzten Besuch erwähnt falls es nicht besser würde , müsste das Auge entfernt werden. Natürlich wollte ich das es dem Hengst besser ging, aber solche Maßnahmen fand ich doch etwas zu drastisch – beide Augen? Cayden und ich wollten in dieser Sache noch eine zweite Meinung einholen. Zusammen mit dem Pottockhengst brachte ich auch Moon in den Stall, der noch immer mit einer Decke herum lief – seine Arthrose machte momentan wieder einiges an Mucken. Erst letzte Woche hatte er eine leichte Kolik gehabt, ich machte mir wirklich Sorgen um meinen geliebten Hengst.

    Am Offenstall der Hengste traf ich Aiden und Hansi, die mir mit einer Schubkarre voller Pferdeäpfel entgegen kamen. „Für heute sind wir fertig!“ verkündete der blonde Hüne „Heute Nachmittag werd ich zusammen mit Catalina noch ein wenig was mit Dorn tun, soll ich dann Thwora mit hinüber zu Bella nehmen?“ In der letzten Zeit hatten wir hier oben eine Menge an Zuwachs bekommen, da sich Bella auf die Islandzucht spezialisiert hatte und sie noch keine fertigen Zuchtpferde gehabt hatte wollte ich ihr unter die Arme greifen. Sowohl Uprising als auch Thowra würden bei ihr ein gutes zu Hause finden, wenn auch letztere noch immer in meinem Besitz war – doch dort wurde sie Rassenspezifischer gefördert als es uns möglich war. Zurück im Stall sah ich gerade noch wie eine etwas geknickte Lia mit Argo am Halfter den Hof verließ und mir Cayden entgegen kam, auf seinem Gesicht lagen leichte Schatten. „Was ist los mit ihr?“ mein Verlobter nahm mir den Strick von Moon ab, begann dabei zu erzählen. „Lia´s Mutter..die Leukämie ist zurück, jetzt macht sie sich unheimliche Sorgen. Ihre Mutter ist im Krankenhaus auf dem Festland, nächste Woche wird Lia sie dort erst besuchen dürfen, da die Mutter wohl noch viele Arztbesuche hat. Außerdem befindet sich ihr Bruder momentan in einer Pflegefamilie in die wohl auch Lia gehen wird, um ihrer Mutter beistehen zu können.“ Mittlerweile saß ich auf einem der Eimer, die Hände auf meine Knie gestützt „Das hat sie wirklich nicht verdient….wie lang ist das letzte Mal her?“ Cayden zuckte die Schultern „Ich weiß es nicht genau, aber damals war die Mutter glaube ich gerade mit dem Bruder schwanger, deswegen wurde es erst festgestellt. Den Vater hat sie erst vor knapp drei Jahren verloren, jetzt vielleicht noch die Mutter“ er strich sich mit der Hand durch das Gesicht über den mittlerweile ziemlich langen Bart. „Ich hab sie einfach ein wenig getröstet“ jetzt zuckte er mit den Schultern „Sie erinnert mich so eine meine jüngere Schwester, immer darum bemüht alles beieinander zu halten. Im Unterschied das bei Lia wohl alles auseinander fällt. Sie hat gefragt ob...“ Cayden hockte sich vor mich zu Boden. „Sie würde gern das wir sie begleiten...wir sind so ziemlich das nächste was einer Familie kommt.“ jetzt lachte er auf, lächelte mir zu „Schließlich ist sie neben dem Internat hier am meisten...in der Zeit seitdem wir hier wohnen war sie selbst in den Ferien kaum bei ihrer Mutter zu Hause, sondern eher hier.“

    Dabei musste ich an die beiden oben auf dem Dachboden denken...schon immer hatte sich das junge Mädchen an meinen Verlobten orientiert oder an mir. Sie stellte für mich schon beinahe ein Teil der Familie dar. „Natürlich, wenn sie sich das wünscht kommen wir mit!“ verkündete ich flüsternd. Der Gedanke eine Jungendliche zu ihrer offensichtlich sterbenden Mutter zu begleiten zog mein Innerstes zusammen – das war etwas das sie nicht sehen dürfte. Auf der anderen Seite würde sich Lia´s Zukunft in den nächsten Monaten mehr als nur drastisch verändern, ich wollte ihr beistehen so viel ich es zumindest konnte.

    Wir besprachen bei einem Abendessen mit Lia noch wann genau wir zum Krankenhaus aufbrechen wollten. Einigten uns dann auf die nächste Woche, da Cayden und ich noch einen Termin bei einem Paganpriester hatten, der uns trauen würde. Zwar ließen wir uns auch noch offiziell vor dem Standesamt verheiraten, allerdings war das ganze erst in einem Jahr geplant – per Handfasting würden wir für ein Jahr und einen Tag einander versprochen werden und erst dann wahrhaftig heiraten. Wie ich fand war das ein wunderbarer Brauch, dem ich gern zugestimmt hatte. Das gab und die Zeit wahrhaftig herauszufinden ob wir miteinander klar kamen, wenn auch Siobhan immer meinte ich solle mir darüber keine Gedanken machen.

    Also würden wir in der nächsten Woche mal wieder auf das Festland fahren.
    Dir, Pepe, Elsaria und einer weiteren Person gefällt das.
  6. 61.680 Zeichen (c) Ravenna und BluePearl


    blau - Sarah
    grün - Cayden
    schwarz - Siobhan
    rot - Meg
    Orange - Killian



    Vorbereitung

    Der Morgen des ersten Tages brach an - ich lag noch in den tiefen meiner Decke, Caydens Arm um meine Hüfte gelegt. Mein Wecker zeigte 7:00 Uhr - heute hatten wir keinen Stalldienst,allerdings erwarteten wir für 9 Uhr eine Besucherin. Also rieb ich mir den Schlaf aus den Augen, seufzte "Cayden, wir müssen aus dem Bett" "mhm" murmelte er nur. Langsam schob ich seinen Arm beiseite, meine nackten Beine berührten den Dielenboden. Mit langen hastigen Schritten lief ich zu unserem wuchtigen Schrank, vor ihm lag ein flauschiger Teppich. Auch Cayden schälte sich aus dem Bett, verzog sich gleich unter die Dusche während ich mich in meine Klamotten zwang. Unten in der Küche begegnete ich einem Kaffee schlürfenden Hansi "Die Boxen für die Gastpferde sind vorbereitet, Siobhan hat angerufen und sie kommen mit Was immer du tust,Meg und Anhängsel erst gegen 10 Uhr." Ich hörte nur mit einem Ohr zu, als ich meinen Tee vorbereitete. "Gut dann weiß ich Bescheid", antwortete ich ihm. Der Blonde schüttelte den Kopf, nippte an der Tasse "Ich bin gespannt wie die beiden sich anstellen. Wird interessant!"


    Als der Tee fertig war gesellte ich mich zum Tisch,lächelte um Hansi die Illusion zu geben ich habe alles verstanden. Meine Gedanken schwirrten um die folgenden Tage und Wochen des Trainings. Siobhan und ich hatten uns geeinigt um unsere Auszubildenden ein wenig bekannt zu machen und sie an das Training der Pferde zu gewöhnen. Die erfahrenere Meg sollte den Hengst auf ein Turnier vorbereiten, Killian sollte ihr dabei behilflich sein ihn zu trainieren -ohne unsere direkte Anweisung.


    Mit einem Handtuch um die Hüften stiefelte Cayden in die Küche, um seine Augen lagen tiefe Schatten - für ihn hatte es viel Organisation bedeutet mehrere unterschiedlich schwere Routen zum Trainieren zu finden. Zusammen mit Ty hatte er aber einige gefunden. Hansi blickte dem halbnackten Cayden ungläubig an "Sag mal kannst du dir nicht wenigstens was anziehen?!" Cayden grinste ihn nur an,deutete auf das Handtuch "Hab ich doch!" Hansi winkte ab, erhob sich mit der Tasse Kaffee." Viel Spaß" rief ihm Cayden mit einer Spur Humor zurück. Hansi war in der letzten Zeit zunehmend mürrisch geworden, verzog sich oft in den Stall um mit den Pferden zu arbeiten. Gerade seine Basis mit Gwyn hatte sich zusehends verstärkt. Auf dem letzten Ausritt hatte ein LKW Fahrer kaum Abstand gehalten als sie mit einigen Handpferden unterwegs gewesen waren. Cayden ritt auf Darym ,Gwyn neben sich als Handpferd. Hansi hatte sich auf Stormbringer gesetzt und den jungen Braum als Handpferd,da er sich um seine Ausbildung kümmerte. Hupend war der Lkw vorüber gefahren, Gwyn hatte Panik bekommen,sodass Cayden den Strick losgelassen hatte. Trotz seiner Angst hatte er sich zu Hansi geflüchtet.Was den blonden Hünen in letzter Zeit so still werden ließ vermochte ich nicht zu sagen. Cayden genoss sein Frühstück mir gegenüber.


    Der Wecker klingelte. Mit einer gezielten Handbewegung gab das Ding keinen Ton mehr von sich. Fionn schlief noch selig in seinem Bettchen, aber wohl nicht mehr lange, denn er strampelte und bewegt sich hin und her. An Tys Brust geschmiegt beobachtete ich unseren kleinen Schatz, der immer mehr wuchs. „Du hast mir einen Engel geschenkt“, flüsterte Ty mir zu und küsste meinen Scheitel. Ein kleiner Engel war unser Fionn. Wenn er nicht wieder Zähne bekam. Das es nicht angenehm war, war mir bewusst, aber er war dann mit nichts zufrieden und so richtig recht machen konnte es ihm dann keiner. Das Theater hatten wir letzte Woche gehabt. Jetzt schien alles wieder in Ordnung zu sein. Nur schwer schafften wir es aus dem Bett. In Küche deckte ich den Frühstückstisch, während Fionn bei Ty auf den Arm noch vor sich hin döste. Meg hatte heute einen spannenden Tag vor sich und man merkte ihr auch an, dass sie etwas aufgeregt war. Ich konnte es nachvollziehen. Es war das erste Training, dass sie in dem Sinne komplett alleine machen würde und dann auch noch mit einer anderen Person. Sarah und ich hofften, dass Killian und Meg sich gegenseitig stützen würden und mit dieser Aufgabe wachsen würden. Für Meg wurde es auch Zeit, dass sie solch eine Aufgabe übernimmt. Schließlich war sie schon im zweiten Lehrjahr und bald schon im dritten. Sie hatte mit Bergkristall gut gearbeitet und daher war ich der Meinung gewesen, dass sie dieses Training auch meistern würde, auch wenn es vielleicht schwer werden würde.
    Leider lief das Essen ganz anders als geplant, sodass ich bei Sarah anrufen musste um Bescheid zu sagen, dass wir später kommen. Fionn hatte es sich zur Aufgabe gemacht mit seinem Babybrei alle um sich herum zu füttern oder eher gesagt einzusauen- er inklusive. Kind waschen und neu anziehen, sowie selber sich umzuziehen dauerte dann doch etwas. Da Meg nichts abbekommen hatte, hatte sie schon Was immer du tust geputzt und ihn fertig für den Ritt gemacht. Ich musste noch das Auto mit einigen seiner und ihrer Sachen beladen. Meg war vor einiger Zeit vom Hof geritten, wie mir Ty mitteilte. Da ich für sie verantwortlich war, wollte ich dabei sein, wenn sie bei Sarah ankam. Fionn hatte ich schon in seiner Babyschale im Auto angeschnallt. Den Kinderwagen lud ich ein und fuhr dann los. Schnell erreichte ich den Hof und parkte mein Auto. Der Kinderwagen war schnell ausgeladen und legte ich in das weiche Bettchen. Die Decke legte ich über ihn und fuhr dann mit dem Kleinen Richtung Stall, wo ich wohl zu der Zeit jemanden antreffen würde.


    Mit den letzten Bürsten strichen fuhr ich über das dichte Winterfell, der jetzt zweijährigen Pumkin. Seit knapp einer Woche war sie nun wieder bei uns, da Vina nicht mehr allzu viel Zeit für die kleine Stute gehabt hatte. Allgemein war zu dieser jungen Stunde erst einmal Jungpferde putzten an der Reihe, direkt neben mir war Kathi am putzten von Primo beschäftigt. Maeve und Lia kümmerten sich um die etwas zappelige Cirilla. Während ich Pumkin versorgte schaute ich immer wieder etwas besorgt aus der Stalltür….es hatte sich für die nächsten Tage Sturm angemeldet und schon jetzt wehte unangenehm. Meg sollte in der nächsten Stunde ankommen, etwas mulmig war mir dabei zumute – was würde der Hengst zu dem Wind sagen. Wobei die Pferde hier in Sachen „Wind scheue“ irgendwann ziemlich abgehärtet wurden...in manchem Winter flossen Wasserfälle hier schon mal nach oben. Bei einem erneuten Blick zur Stalltür betrat eine ziemlich zerzauste Siobhan, samt Kinderwagen den Stall.


    Ich blieb am Anfang der Gasse stehen. Der Kinderwagen hätte eh nicht durch gepasst und da sie auch Jungpferde draußen hatten, wollte ich Fionn nicht unnötig in Gefahr bringen. Ein Kinderwagen war hier ja nicht so oft zu sehen. "Hey. Entschuldigt wegen der Verspätung. Alles die Schuld des Kleinen. Er hat es mal wieder zu gut gemeint mit uns." Ich erzählte, was heute morgen geschehen war und dass es mir wirklich sehr Leid tat. Meg müsste auch bald kommen. Wenn sie viel länger brauchen würde, hätte sie bestimmt Bescheid gesagt. Handy hatte sie mitgenommen.


    Während wir die drei Jungpferde in eine der Abfohlboxen brachten kümmerte sich Siobhan gerade um den leise greinenden Fionn, da trat eine ebenso windzerzauste und nasse Meg in die Stallöffnung. Mit der Hand strich sie sich den Helm vom Kopf. "Ob ich mich je an dieses Wetter hier gewöhne?" verkündete die junge Frau, zeigte jedoch ein breites Lächeln...gemeinsam halfen wir ihr den Welshhengst von seinem Zubehör zu befreien und legten ihm eine Abschwitzdecke auf den Rücken. "Ich schlage vor für alle einen heißen Tee im Wohnzimmer, bevor es zurück an die Arbeit geht?"



    Ich muss zugeben, dass ich sehr erleichtert war, als Meg in der Stalltür stand mit Was immer du tust. So hatten wir den Ritt uns nicht vorgestellt, aber nunja, gegen eine Dusche von oben kann man nichts machen. Das kam hier nunmal manchmal vor- vorallem zu unpassenden Augenblicken. "Eine gute Idee", meinte ich zu Sarah. Für Meg war es auch gut, denn sie konnte sich aufwärmen. Vielleicht hatten sie auch noch eine Reithose für sie, damit sie wenigsten diese ausziehen konnte. Nasse Klamotten sind echt eklig. Die kleben so an einem und es ist ein unschönes Gefühl. Gemeinsam flüchteten wir ins Haupthaus. Fionn fand das alles aufregend und wollte aus seinem Wagen heraus um was zu sehen. Als wir im Haus waren nahm ich ihn auf dem Arm.


    „Meg, wenn du möchtest kannst du dir in unserem Bad eine warme Dusche gönnen, anschließend leg ich dir trockene Sachen bereit..?“ Cayden führte Siobhan mit Kind in die Küche, während Meg mir die schmale Treppe hinauf folgte, die zu unserem Gästebad führte. Wir würden später noch alles bequatschen können wegen der Routen, die Cayden heraus gesucht hatte. Als ich jedoch gerade die Tür öffnen wollte, prallte ich fast mit dem Kopf gegen die Tür – abgeschlossen. „Wartet!“ brüllte jemand dahinter, ich erkannte Killians Stimme.


    Mit einem Handtuch um die Hüfte öffnete ich die Tür des Bades. „Tut mir Leid, drüben bei uns belegt Aiden gerade das Bad. Mich hat es vorhin von Storm gehauen...der Hengst.“ Ich verstummte als ich die Gestalt im Schatten von Sarah erkannte...vor meiner Chefin zu stehen...okay, aber die mir recht unbekannte Meg. Ich spürte wie mir Hitze in die Ohren stieg – die Tür schloss ich ein wenig mehr, damit ich nur noch einen Spalt zu sehen war. „Gut, dann mach dich hier fertig. Meg kann auch bei uns das Bad benutzten.“ Damit führte sie die junge Frau eine Etage höher.


    Ich musste mich zusammenreißen um nicht zu kichern. Das musste ja jetzt auch ausgerechnet passieren, oder? Zu verstecken hatte er jedenfalls nichts. Mensch Meg, worüber denkst du den jetzt gerade wieder nach. Schlag es dir gleich wieder aus dem Kopf. Ich folgte Sarah in das obere Bad. Ich war dankbar, dass ich duschen konnte und trockene Klamotten bekommen würde. Den mir wurde in den nassen Sachen langsam aber sicher kalt. Sehr kalt.


    Fionn strampelte auf meinem Arm, als wollte er von mir weg. Ich wollte ihn nicht auf den Boden lassen, da wir dann hinterherrennen müssten. Vielleicht wollte er aber auch zu Cayden. Ich hoffte es mal. Da gab es nämlich auch schöne Harre zum dran ziehen. "Magst du ihn mir abnehmen Cayden", fragte ich ihn. Fionn war davon wohl begeistert, da er sich zu ihm streckte.



    "Na dann komm mal her, mho rún!" lockte ich Fionn mit einigen gälischen Worten. Der Kleine war in der letzten Zeit beträchtlich gewachsen, begann sich behände durch meinen Pferdeschwanz zu frimeln. Es freute mich immer wieder, wenn Siobhan mit dem Kleinen zu Besuch kam - manchmal kam sogar Ty mit ihm. Erst vor zwei Wochen hatten wir den kleinen Racker Probeweise auf den Rücken von Willow gesetzt. Da ich allerdings nicht wusste ob Ty davon erzählt hatte...hielt ich darüber lieber meinen Mund. "Wie geht es bei euch so? Mark ist schließlich eine ganze Arbeitskraft die fehlt?" Auch wir hatten momentan eine Kraft weniger, da Hansi mit dem Training der Pferde außerhalb des Hofes beschäftigt war - Sarah hatte beschlossen bis zum Sommer erst einmal keine weiteren Aufträge anzunehmen. Killian hatte Yael zugewiesen bekommen ihn in der Distanz zu trainieren und nun sollten er und Meg sich dem Hengst von Siobhan widmen. Für beide eine aufregende Erfahrung.


    Bis zu der geplanten Hochzeit fehlte nicht mehr viel, doch bestand die Schwierigkeit darin einen druidischen Priester aufzutreiben. Ob wir das Handfasting vielleicht schon einen Monat vorher machten oder direkt in Verbindung mit der Hochzeit war auch noch nicht sicher...



    Okay, hier ist zwar unser Bad, aber hier wirst du wohl nicht gestört. Die neuen Sachen leg ich dir auf unser Bett. Brauchst du sonst noch irgendetwas?"



    Ich schaute den beiden Frauen, oder zumindest einer davon, noch eine Weile hinterher und verschwand dann wieder im Bad um mich endlich zu duschen. Danach kämmte ich meine wuscheligen Haare - im nassen Zustand ein sinnloses Unterfangen und rasierte mir noch meinen angesiedelten Dreitagebart. Schneller als ich erwartet hatte fand ich mich unten bei den anderen in der Küche ein...Siobhan kannte ich nur vom hören sagen, doch der kleine Fionn war mir bereits begegnet. Zusammen mit seinem Vater war er häufiger hier, da wir uns gemeinsam zum Training der Pferde oder aber für einen geselligen Ausritt trafen. Langsam glaubte ich wirklich daran den coolsten Ausbildungsplatz, die gelassensten Chefs und die nettesten Kollegen bekommen zu haben. "Ich genehmige mir eine Tasse Tee, mho charaid?" fragte ich an Cayden gewandt, der sich sehr mit dem Baby beschäftigte.


    "Pass auf das er dir nicht an den Haaren zieht. Manchmal ist er da etwas grob", sagte ich zu Cayden, als Fionn sich an seinem Pferdeschwanz zu gange machte. Es war schön zu sehen, wie liebevoll sich Cayden um Fionn kümmerte. Den Job als Babysitter hatte er schonmal sicher, auch wenn er davon noch nichts wusste. Ty nahm ihn öfters mit ,wenn er hier her kam, sodass Fionn die Leute kannte. Ich war sehr froh, dass mein Baby in einer solchen Gemeinschaft aufwachsen würde. Selbst wenn Ty und mir etwas passieren würde, würde ich wissen, dass es meinem Kleinen hier gut geht. "Uns geht es ganz gut. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Mir graut es nur vor nächstem Jahr. Meg ist dann ausgelernt und ich weiß nicht, ob sie hier bleiben möchte oder wieder zurück zu ihrer Familie möchte. Wenn sie auch noch ausfällt wird es für uns schwer werden. Auch wenn es noch nicht so weit ist mache ich mir darüber Gedanken. Momentan habe ich es so beschlossen, dass bevor sich einer kaputt arbeitet bekommen die Pferden einen freien Tag mehr. So wird es für uns leichter, auch wenn es heißt, dass das wir vielleicht nicht ganz so gut in die Turniersaison starten. So richtig reiten tue ich ja auch noch nicht, weil ich auf den Kleinen aufpasse. Es ist gut, dass die Tage wieder länger werden, denn so kann ich auch mal zwei Pferde reiten, wenn Ty mit Fionn zu euch fährt", antwortete ich ihm.



    "Nein danke. Ich bin froh, wenn ich aus den Klamotten kann und heißes Wasser hab. Vielleicht wenn ich fertig bin einen Kakao, aber nur wenn es keine Umstände macht", antwortete ich Sarah. Es war sehr nett von ihr, dass ich neue Klamotten kriegen konnte und auch, dass ich hier duschen durfte.



    Ich verlagerte den kleinen Fionn auf die rechte Hand und verpasste Killian einen deftigen Schlag gegen den Hinterkopf. "Für dich bin ich noch immer dein Boss. Mit Ty und den anderen sieht das anders aus!". Dieser kleine Witzbold brauchte manchmal eine etwas härtere "Erziehung", denn manchmal fehlte es ihm ganz schön an Respekt. Der junge Mann drehte sich zu mir um, seine Augen funkelten ein wenig, dann machte er sich wortlos daran den verschütteten Tee aufzuwischen.

    Ich hingegen war nun damit beschäftigt den erschrockenen Fionn zu beruhigen, unwillig hatte sich sein Gesicht verzogen. Ich strich dem Kleinkind mit der Hand beruhigend über den mit Haaren bewachsenen Hinterkopf "Gabh mo leisgeul, a leannan." murmelte ich ihm dabei ins Ohr und lief kurz im Kreis. Ich fragte mich innerlich ob wohl Ty jemals seinem Sohn Gaelic beibringen würde, wenn nicht würde ich das übernehmen wollen. Ich lief hinüber zu Siobhan, setzte mich auf den Stuhl vor ihr und lud Fionn auf meine Knie. Langsam wippte ich meinen Fuß auf und ab. Ich machte mir nun doch ein wenig Sorgen wie die junge Mutter wohl über mich denken würde. "Er nannte mich seinen Freund, an sich kein Problem, da er jedoch öfter mal den Rüpel spielt oder aber seine Aufgaben nicht erledigt. Ich musste lachen...diese Beschreibung würde sie vielleicht an Ty denken lassen. "Verstehst du das?" fragte ich etwas unsicher, das Gewippe meines Beines, ließ Fionn nun fröhlich Jauchzen.



    Ich legte ihr die Sachen bereit, wirbelte noch fix ins Büro um die Karte zu holen die Cayden vorbereitet hatte - die vier verschiedenen Routen, die wir für das Training unseres Auszubildenden benötigten. Anschließend ging ich hinunter in die Küche.


    Ich fand es toll, dass Cayden mit Fionn gälisch sprach. Ich wusste gar nicht, ob Ty auch mit ihm gälisch redete. Mit mir tat er es nicht, da er wusste, dass ich es nicht verstand. Er müsste es mir erst beibringen, damit ich weiß, was er von mir wollte. Und wir hatten bei Gott andere Aufgaben die wir erledigen mussten. Ich wusste nicht, was Killian ihm gesagt hatte, aber es schien wohl nicht so gut gewesen zu sein. Fionn ließ sich ganz gut von Cayden wieder beruhigen, was mich daran hinderte einzugreifen. "Oh ja. Das kenne ich zu gut. Da hab ich auch so einen mal von gehabt. Mit einer guten und strengen Erziehung wird das. Jedenfalls hast du noch den Altersrespekt zum Vorteil. Denn hatte ich ja nicht. Übe mal ruhig an deinem Azubi, bevor ich dir mein Kind überlasse."



    Wunderbar. Die heiße Dusche wirkte wahre Wunder und ich spürte, wie meine Beine zu kribbeln anfingen und langsam wieder wach wurden. Stundenlang hätte ich mir das warme Wasser über den Rücken laufen lassen können, aber das wäre unhöflich gewesen. So hielt ich es eher kurz mit dem duschen und schlüpfte dann in die trocknen Klamotten, die mir sogar erstaunlich gut passten. Sie waren zwar etwas eng, aber es würde gehen. Meine nassen Haare hatte ich in einem Turban gewickelt, damit sie nicht alles voll tropften. Ich würde sie später föhnen. Wir wollten ja jetzt die Routen besprechen.


    Ich hielt die kleinen Ärmchen des Knirpses nach oben, lächelte..."Ich hab ihn doch schon längst! Außerdem wird er bei uns schon von Beginn an lernen was Respekt und Menschlichkeit bedeutet. Zwar sind wir alle ein ziemlich chaotischer Haufen...aber ein besseres Umfeld für ein Kind kann ich mir nicht vorstellen." etwas wehmütig dachte ich an das eigene Kind das ich vielleicht gehabt hätte, doch die Partnerin für die ich mich entschieden hatte...sie wollte keine. Nicht das ich Sarah deswegen weniger liebte, doch diese Tatsache nagte ein wenig an mir.


    "Mein Fehler", meinte ich und lächelte. "Ich glaube auch, dass Fionn gut aufgehoben ist bei euch. Sonst hätte ich auch nicht Sarah als Patentante ausgesucht. es ist beruhigend zu wissen, dass selbst wenn uns etwas passieren würde, er Leute um sich hat, die gut für ihn sorgen würden. Das war uns beiden sehr wichtig", sagte ich zu Cayden. "Und zum Babysitten bist du ja eh schon eingeteilt. Ich glaube, Fionn mag dich. Jedenfalls lächelt er und versucht nicht von deinem Schoß zu flüchten." Mein Kleiner mochte fast jeden, solange man sich mit ihm beschäftigte. Momentan konnte man ihn damit noch sehr gut bestechen. Ich hoffte, dass er als Kind nicht so leichtgläubig wurde und jedem sofort vertraute.


    "Klar fühlt er sich wohl, wir sind schließlich Familie!" meinte ich lächelnd "Aber ich möchte von dir nicht mehr hören, das euch etwas passiert! Ist das klar?" ich mochte solche Gedanken nicht haben, denn es konnte zu viel in Wirklichkeit geschehen.




    Was willst du nicht hören?" flötete ich von der letzten Treppenstufe, die in unsere geräumige etwas rustikale Küche führte und besah mir die Situation am Küchentisch - Siobhan gegenüber von Cayden, der den kleinen Fionn lachend auf dem rechten Knie schaukelte. Ansonsten befand sich niemand hier.


    "Ist okay. Aber wenn man die Verantwortung für jemand so kleinen hat muss man darüber nachdenken", sagte ich zu ihm. Ich wollte es ja nicht heraufbeschwören. Momentan ging es uns dreien gut und das sollte auch so bleiben. "Er will nicht hören, dass Ty und mir etwas passiert und ihr euch dann um Fionn kümmern müsste", antwortete ich Sarah. Ich war sehr froh darüber, dass ich hier eine zweite Familie gefunden hatten. Und wir waren nicht gerade eine kleine Familie.



    Nachdem ich das Bad noch aufgeräumt hatte, ging ich hinunter in die Küche. Jedenfalls versuchte ich den Weg zur Küche zu finden. Ich brauchte immer etwas um mich zu orientieren, wenn ich irgendwo neu war.




    Ich sah auf den kleinen Knirps - der gar nicht mehr so klein war - dachte daran wie es wohl sein würde ihn als eigenen Sohn aufzuziehen. Seitdem wir ihn oft hier hatten und ich seine Patentante war...ja es war fast komisch. Ich fand es gar nicht mehr so abwegig vielleicht ein Kind groß zu ziehen...wir hatten genug Platz, Leute die uns helfen konnten. Bisher hatte ich mit noch niemand darüber gesprochen - ich gestand es mir selbst ja kaum ein. "Wir würden ihn in unserer Mitte begrüßen! Ist Killian schon wieder unten, der hat vorhin das Gästebad blockiert. Hab hier gleich die Routen mitgebracht, die wir raus gesucht haben...allerdings regnet und stürmt es noch immer da draußen."


    "Und genau deshalb wirst du seine Patentante werden. Ich weiß einfach, dass er es hier gut hätte. Auch wenn wir von diesem schlimmen Fall nicht ausgehen. Man weiß nur leider nie was das Schicksal mit einem vor hat", antwortete ich ihr. "Cayden erprobt seine neusten Erziehungsmethoden an Killian. Ich hab gesagt, bevor er Fionn erziehen kann, sollte er an seinem Azubi üben. Und wenn das gut läuft, kann ich Ty auch wieder erlauben Fionn mit hier her zu nehmen." Ich lachte, denn ich würde Ty nie verbieten Fionn mit hier her zu nehmen. Mein Sohn sollte von vorn herein lernen, dass dies unsere Familie war, auch wenn wir nicht durchs Blut oder durch Hochzeiten miteinander verbunden waren.

    Etwas unsicher ging ich den Flur entlang in der Hoffnung, dass ich nach unten kam und dann die Küche fand. Einer der beiden Hunde versperrte mir den Weg und wollte anscheinend gekrault werden. Jedenfalls hatte ich so einige gute Ausrede warum ich so lange gebraucht hatte.



    Haha" ich musste kurz auflachen "Als könntest du Ty davon überzeugen seinen Sohn nicht hier her mitzunehmen" ich streckte kurz die Zunge in ihre Richtung aus, lachte trotzdem und Cayden stimmte mit ein. "Wo sind eigentlich die anderen?" stellte ich die Frage an Cayden. "Aiden und Kathi haben die Pferde gefüttert, wollten jetzt glaube ich ausreiten. Lia ist vorhin vorbei gekommen, Maeve kommt noch und dann wollten sie sich Soul und Corry schnappen. Ich hab ihnen erlaubt auch gern Braum ein wenig spazieren zu führen. Hansi hat einen neuen Auftrag bekommen von Catalina und ist unterwegs. Killian hat sich schmollend in das Wohnzimmer verzogen." Gerade als ich darauf antworten wollte, kam ein mürrisch drein blickender Killian in die Küche zurück und ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Na das konnte ja noch interessant werden.



    "Stimmt auch wieder. Ich bin ja froh darüber, dass er sich so viel um ihn kümmert. So kann ich auf dem Hof auch mit anpacken und muss nicht nur mit zusehen", meinte ich zu ihr.



    "Genug jetzt", sagte ich zu dem Hund und ging die Treppe herunter. Ich folgte den Stimmen und fand somit auch die Küche. Alle, die an diesem Projekt beteiligt waren, waren bereits anwesend. Ich setzte mich zu ihnen an den Tisch. Ich war gespannt, was die drei so geplant hatten.



    Als dann endlich alle zugegen waren stellte ich noch einmal die Sachlage vor. "Zum Ende eurer Ausbildung müsst ihr vorweisen, als Trainer ein Pferd allein ausgebildet zu haben...um euch darauf vorzubereiten arbeitet ihr mit uns zusammen und schaut zu was wir tun. Meg wird in einem Jahr fertig sein, ist also die erfahrene von euch beiden. Deswegen wird ihr die Führung obliegen. Ihr werdet den Hengst von Siobhan Was immer du tust, in der Distanz trainieren und auch Yael darauf vorbereiten Rennen zu laufen. Am Ende dieser Zeit werdet ihr an einem Rennen teilnehmen, und dann werden wir sehen wie gut ihr euch anstellt. Dabei ist eure gemeinsame Teamarbeit gefragt, denn im Training geht es auch darum - zusammen arbeiten zu können." Cayden und ich hofften auch einfach, das dem jungen Grünschnabel durch Megs Charakter etwas Benehmen eingebläut wurde. "Hast du noch etwas hinzuzufügen Siobhan?"



    "Wir werden euch bei Fragen unterstützen, aber es ist eigentlich so gedacht, dass ihr selbstständig arbeitet. Wir wollen, dass ihr zusammen arbeitet und euch gegenseitig unterstützt. Sei es dabei ein Trainingsplan zu erstellen oder Fehler durch den anderen korrigieren zu lassen. Gemeinsam sollt ihr beide Pferde vorbereiten. Denkt aber auch daran, dass ihr noch andere Aufgaben habt. Das Training muss also gut geplant sein, damit ihr alles unter einen Hut bekommt", fügte ich hinzu. "Alles klar soweit?" Ich war gespannt, wie die beiden im Team arbeiten würden. Ich hoffte, dass Meg sich von Killian nicht unterbuttern ließ. Sie musste eine strenge Hand walten lassen, wenn er wirklich so chaotisch wie Ty ist, als er seine Rebellionsphase hatte.



    Mit nur halben Ohren hörte ich zu, starrte auf die Maserung des Tisches, die Behandlung von Cayden nagte ziemlich an mir. Da überdachte ich beinahe die Aussage den besten Ausbildungsplatz zu haben. Unbedingt begeistert mit dieser Meg zu arbeiten - ich würde Yael auch allein hinbekommen. Trotzdem hob ich bei der letzten Frage den Kopf, setzte mich aufrecht hin und sah hinüber zu Meg. Hässlich war sie nicht...ich hoffte nur bei Gesprächen ihr nicht alles aus der Nase ziehen zu müssen. "Alles klar!"



    "Ja. Ist alles geklärt. Sollen wir auch selbst Routen erarbeiten?" Ich war mir etwas unsicher diesbezüglich, da Killian nun erst seit kurzem hier war und ich auch noch nicht viel weiter geritten bin als in unser angrenzendes Wäldchen. Wenn wir noch selber Strecken uns suchen müssten, würde das eine sehr große Arbeit werden. Ich war gespannt auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er schien mir nicht der motivierteste zu sein. Jedenfalls hatte er nur gelangweilt dar gesessen und Löcher in den Tisch gestarrt. Ich wünschte mir, dass die Zusammenarbeit Problemlos verlief und wir uns einigermaßen verstehen.



    Damit erhob ich nun die Stimme, schließlich hatte ich die Strecken für dieses Training der besonderen Art "Selbst müsst ihr diese Strecken nicht ausarbeiten, trotzdem solltest ihr auf den Routen bleiben. Im Frühjahr werden die Schafe und Rinder wieder aus den Ställen gelassen, wenige der Bauern haben Zäune. Unsere Pferde sind weitestgehend daran gewöhnt, aber ihr müsst trotzdem aufpassen."




    Wann soll es losgehen?"



    Mir fiel ein Stein vom Herzen als Cayden sagte, dass er die Strecken ausgearbeitet hatte. Dann konnte ja nichts mehr schief gehen, oder? Jedenfalls mussten wir uns darum nicht mehr kümmern. Es wäre schwer gewesen erstmal schöne Wege zu finden, da wir uns ja beide hier nicht so gut auskannten. Meine Chefin meinte, dass es sofort los ginge. Laut ihr hatten wir einen Monat Zeit, wobei nach 2 Wochen ein Zwischenstand abgefragt wird. Dann war ja alles klar. "Wollen wir gleich anfangen", fragte ich Killian.




    Ein letzter Schluck vom mittlerweile arschkalten Tee, dann schob ich den Stuhl nach hinten. "Wir können starten." dabei schenkte ich ihr ein Lächeln, zumindest waren wir in etwa ein Alter. So schlimm konnte es ja nicht werden und dem ersten Eindruck nach zu urteilen schien sie auch nicht Maulfaul zu sein. "Komm mit - ich zeig dir erstmal den Hof, damit du auch weist wo alles ist.




    "Gute Idee", antwortete ich ihm und stand auf. Ich war bis jetzt nur im Stall gewesen und dann im Haupthaus. Ein Rundgang wäre daher ganz gut. Vorallem bei meiner Orientierung. Bei Gebäuden und vorallen in Gebäuden hatte ich damit Schwierigkeiten, aber im Wald fand ich mich zurecht. Da suchte ich mir Anhaltspunkte.



    Als die beiden verschwunden waren, saß ich mit Sarah und Cayden noch am Tisch. "Was glaubt ihr wie lange die beiden brauchen um aneinander zu geraten?" Es waren zwei unterschiedliche Charaktere und mehr gemeinsam als die Ausbildung hatten sie den ersten Anschein nach nicht. "Und anscheinend vermisst mich mein Sohn auch nicht sonderlich. Dir geht es gut bei Patenonkel Cayden, hmm mein Spatz?"



    Da fühlt sich ganz offensichtlich wer wohl!" ich tippte dem Kleinen liebevoll gegen die Wange, langsam sah er etwas müde aus, da kam mir jedoch eine ganz andere Wolke entgegen. Ich hustete leicht "Ich denke bevor wir verhandelt wie lange sie brauchen um im Streit zu liegen, sollte Miniman eine neue Windel bekommen." lachte ich scherzhaft. Cayden verzog auch schon das Gesicht und nickte..."Sag mir wo du alles hast dann mach ich das fix." winkte Cayden ab, als sich Siobhan erhob. Dann stemmte Cayden Fionn mit den Armen über seinen Kopf "Wir Männer machen das schon,hm?"



    Das da drüben ist unser Offenstall für die Stuten, allerdings wirst du dir nur den Weg zu den Hengsten genauer merken müssen, da wird wohl Was immer du tust für eine Weile stehen." zumindest ging ich davon aus, das Training musste ja irgendwo stattfinden und Caed Crevan bot dafür die besseren Voraussetzungen. "Sonst noch Fragen?" Das herumführen machte langsam aber sicher keinen Spaß mehr.




    Ich gab Cayden die Tasche mit den Babysachen. "Danke", sagte ich zu ihm und setzte mich wieder. Es war so süß wie er sich um ihn kümmerte. Ich konnte verstehen, wieso Ty ihn oft mitnahm. Fionn wurde einfach umsorgt und mit Liebe überschüttet. Auch, wenn es mir etwas schwer fiel mein Baby in andere Hände zu geben, so wusste ich, dass Cayden alles im Griff hatte. Cayden war immer so nett zu dem Kleinen. Ich war mir nicht sicher, aber vielleicht sah er Fionn auch als eine Art Ersatz für ein eigenes Kind an, da er selber keine Kinder mit Sarah kriegen konnte.



    Ich versuchte mir den Weg zu merken, aber ob ich das schaffen würde wusste ich nicht. "Wie sieht es mit Reitplatz und Reithalle aus", fragte ich ihn. Er schien ja richtig motiviert zu sein. Einen Rundgang bestehend aus zwei Ställen- das nenne ich herumgeführt. Putzplätze draußen oder drinnen? Wo wird das Equipment gelagert, wo das Futter. Wenn er schon von sich aus anbot mir den Hof zu zeigen, dann erwartete ich auch, dass er mir den ganzen Hof zeigte.




    Die Reithalle zeig ich dir später, im kleinen Nebenraum werden die Sachen der Pferde gelagert, darüber befindet sich die Wohnung von Hansi, Aiden und mir, daneben noch eine weitere Gästewohnung. Wenn du hier in die Richtung da schaust" ich nahm meinen Arm zur Verdeutlichung "siehst du die Ovalbahn. Manchmal fällt es den jungen Pferden darauf besser Gang und Bremse zu finden bevor wir auf den Platz gehen. Komm gehen wir zum Stall hinüber, da ist auch einiges Equipment untergebracht."



    Ich folgte seinen Erklärungen und langsam hatte ich auch einen Überblick über den Hof. Er war größer als Classical Harmony, aber das lag alleine schon daran, dass wir weniger Pferde hatten. Um alle Pferde zu versorgen reichten 5 Personen, aber mit mehr Pferden würden Siobhan weitere Leute einstellen müssen. "Eine Ovalbahn haben wir nicht. Einen Longierzirkel haben wir und darin trainieren wir die jungen Pferde, bevor es in die Halle geht oder auf den Platz.", sagte ich zu ihm. Jetzt doch motiviert? Ich war etwas verwirrt, was man mir hoffentlich nicht ansah.




    Ich denke im Grunde ist es sogar nebensächlich wo das Pferd trainiert wird...die Natives haben ihre Mustangs teilweise mithilfe von Wasser zugeritten, die Pferde sind beim Volk geblieben ohne jegliche Umzäunungen. Natürlich wäre das wegen der Hengste und Stuten hier nicht möglich, aber genau das finde ich interessant. Hast du irgendwelche Guru´s denen du nachstrebst,oder ?" So langsam machte es mir Spaß, diese führende Rolle.



    Da hatte er Recht. Es war egal wo das Pferd trainiert wurde im Prinzip. Wir fingen halt im Longierzirkel an, weil sie das kennen und dort eine Begrenzung ist. Ich schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Gurus, denen ich nach mache. Ich schau eher bei vielen Dingen mal rein und nehme das mit, was ich für mich persönlich am sinnvollsten Halte. So hat man viel Input und kann sich selbst entwickeln. Und man kann herausfinden, was wirklich zu einem passt."



    Im Gehen wandte ich ihr einen Seitenblick zu, hob eine Augenbraue "Mhm...keine schlechten Ansichten, die teile ich sogar. Man sollte seinen eigenen Weg finden statt ziemlich Sinnlos anderen nachzueifern. Hat mich bisher schon ziemlich weit gebracht." das ich die Schule hatte abbrechen müssen, wegen der schlechten Noten ließ ich lieber aus...Wer brauchte schon die Schule? Die Ausbildung konnte ich auch so machen, wenn ich damit durch war konnte ich Pferde trainieren...so ziemlich das einzige was mir wirklich Spaß machte.




    Wunderte mich etwas, dass er das genauso sah. "Ich finde es so einfach besser. Ich möchte auch selber was lernen und mich nicht nur belehren lassen. Dinge ausprobieren und gucken, ob sie funktionieren. Mal einen anderen Weg einschlagen als der, der in den Büchern steht." Alleine wenn man die Ausbildung von Eddie und Siobhan nebeneinander hält sieht man, dass die beiden etwas anders arbeiten, aber beide Arbeiten gut mit ihren Pferden. Und von beiden konnte ich lernen, ebenso wie von Mark.




    Zugegeben nun erstaunte sie mich wirklich...genau so mochte ich es zu lernen, durch eigene Erfahrungen statt es immer vorgeschrieben zu bekommen. "Damit kann man auf der anderen Seite auch sehr auf die Nase fallen, oder aber Leute beginnen einen den nächsten Guru zu nennen...dann folgen Pressetermine und irgendwann kommt man vielleicht von diesem Weg ab, schreibt selbst Bücher darüber. Ich kann Menschen nicht leiden die anfangen sich selbst zu verkaufen."




    "Aus Fehlern lernt man und Gott sei dank sind Pferde sehr nachsichtig, wenn man sie etwas besticht", meinte ich zu ihm und lächelte. Das nicht immer alles klappte war klar, aber das konnte auch im normalen Training so sein. Dann ist das halt mal so und man hat eine Aufgabe, an der man wachsen kann. Von Selbstvermarktung waren wir beide wohl noch meilenweit entfernt. Wir hatten ja nicht mal die Ausbildung abgeschlossen. Er hatte gerade erst angefangen und ich war schon zur Hälfte fertig.



    Ich arbeite gern mit den Pferden per Clicker, Sarah hält nicht viel davon und Hansi geht auch damit gern ans Pferd - da sieht man schon wie viele unterschiedliche Wege zu einem Ziel führen können. Bei jedem Pferd muss man auch wieder andere Wege einschlagen. Ich glaube auch deswegen hab ich mich dafür entschieden Trainer zu werden."



    "Ich war schon immer sehr Pferdebegeistert und mein ganzes Leben lang begleiten sie mich. Und was gibt es schöneres als seien Leidenschaft zum Beruf zu machen?" Ich hatte Glück, dass ich hier gelandet war, denn ich hätte mir keinen schöneren Ort zum Lernen vorstellen können. "Ich möchte später eher Unterricht geben und nebenbei die Pferde auch ausbilden. Ich möchte mein Wissen an andere weitergeben und ihnen nicht nur ein fertiges Pferd vor die Füße stellen."



    Dann haben wir ja etwas gemeinsam." murmelte ich, während wir den mittelalterlich anmutenden Stall betraten. Ich sprach nicht gern über meine Vergangenheit, es schmerzte und lies ich wie einen Trottel dastehen. Ich wollte die Ausbildung hier als Chance nutzten, doch bisher war es schwieriger als ich gedacht hat.



    Vermutlich auch die einzige Gemeinsamkeit. Ich war mir nicht sicher, ob das Projekt klappen würde. Ich würde mein bestes geben, damit es funktioniert. Schließlich wollte ich auch, dass Siobhan mit mir zufrieden ist. Sie war eine tolle Chefin und das Team hatte einen guten Zusammenhalt. Sie waren meine zweite Familie geworden. Manchmal schmerzte es zu wissen, dass meine Familie und meine Freunde so weit weg waren. Aber dann stelle ich auch schnell fest, dass ich hier auch eine Familie gefunden hatte, die mich herzlich aufgenommen hatte. Und das verdankte ich Eddie, die mich an Siobhan weitergeleitet hatte. Ich hatte wirklich Glück gehabt, auch wenn ich dafür ein Opfer bringen musste.



    Unser Rundgang war beendet, wir standen an der Box des Hengstes "Hast du noch irgendwelche Fragen zum Hof oder wollen wir uns einen ersten Plan machen?" Ich war für einen Plan, dann hatte jeder seine festen Zeiten in denen der Hengst trainiert wurde. Nebenbei konnte der andere sich dann um Yael kümmern, der Highlandhengst war was seinen Charakter anging nicht sonderlich schwer zu händeln und würde keine Probleme machen.



    "Ich würde sagen, dass wir uns einen Plan machen. Wenn mir noch Fragen einfallen kann ich auch zwischendurch mal fragen"; meinte ich zu ihm. Ein Plan war eine gute Idee und wir würden den auch brauchen. Schließlich mussten die anderen Pferde auch versorgt werden und ich musste erstmal wieder zu Classical Harmony kommen, um dort meine Aufgaben zu erledigen. Von daher sollte es schon gut getaktet sein.



    Dann gehen wir am besten wieder ins Haupthaus, schnappen und Papier und Stift , dann vielleicht noch ein warmes Getränk und verziehen uns ins Büro falls es nicht belegt ist. Soll Was immer du tust eigentlich hier bleiben,oder geht´s mit ihm zurück?" Ich hatte die Frage gestellt, da wieder prasselnder Regen auf das Dach des Stalles nieder ging....und wir hatten natürlich keinen Schirm und würden klatschnass im Haupthaus ankommen...zum zweiten Mal.



    "Er bleibt fürs Training über hier, da man von hier schneller auf die geplanten Routen kommt. Hat sich auch schon gut eingelebt der Gute", meinte ich zu ihm und sah zu meinem Hengst, der genüsslich am Heu knabberte. Er schaute kurz auf, was da vor seiner Box los war, widmete sich dann aber wieder seinem Futter. "Wollen wir noch einen Moment warten? Vielleicht hört es ja gleich auf." Ich hatte nicht sonderlich viel Lust nochmal nass zu werden.



    Ich spähte wenig begeistert nach draußen, der Himmel war grau und der Wind pfiff durch die Dachbalken. Im Grunde wussten wir nicht ob es "in einem Moment" wieder aufhören würde, doch erpicht darauf nass zu werden war ich keinesfalls. Also sah ich mich um - ich hatte heute morgen mit Aiden zusammen die Boxen sauber gemacht. "Warte kurz" ich lief in den Stall suchte mir zwei der Abschwitzdecken von Ikarus und Darym, kehrte zurück und machte eine der Boxen auf. "Setzten wir uns hier rein, die Decken halten uns trotz Wind halbwegs warm und mein Smartphone ist zwar etwas Altersschwach, aber ein paar Notizen für unseren Plan kann ich aufschreiben." bot ich ihr an.



    "Gute Idee. Hoffentlich hört es bald auf. Ich will nicht noch ein zweites Mal nach Klamotten fragen", meinte ich zu ihm und setzte mich ins Stroh, die Decke fest um mich gewickelt, denn es war schon ganz schön frisch. "Meins funktioniert noch ganz gut. Dann können wir genügend Notizen machen, wie das die Tage jetzt ablaufen soll. Ich denke, als erstes sollten wir schauen, wie trainiert unsere Pferde sind und dann überlegen, was verbessert werden muss um das Ziel zu erreichen." Wir beide kannten unsere Pferde, aber keiner wusste wie das andere Pferd trainiert war. Ein Pferdetausch wäre vielleicht nicht schlecht und auch ein Proberitt mit Pulskontrolle.



    Yael hat im Winter stark zugenommen, hat allerdings seitdem ich hier bin einiges abgespeckt...im Trab kann er ohne gleich Ex zu gehen 10 Minuten sicher laufen. Viel weiter ist sein Training für die Distanz noch nicht. Wir hätten wohl fragen müssen wie lang die längste der Routen ist, die wir bestreiten müssen." setzte ich fest, kratzte mich am Kinn und zog die Decke ebenfalls enger um mich. Blödes Wetter.



    "Was immer du tust ist ganz gut in Form. Richtig auf Distanz haben wir ihn aber noch nicht trainiert. Nur lange Ausritte, mit vielen Schritttouren haben wir bis jetzt gemacht. Er kann eigentlich relativ lange am Stück traben. Ja das hätten wir tun sollen, aber ich denke mal, dass wenn wir fürs Turnier trainieren, die Distanz für ein E-Turnier reiten sollen. Das wäre jedenfalls logisch", antwortete ich ihm. Der Welsh Hengst hatte bis jetzt öfters mit Sprüngen zu tun gehabt, anstatt mit langen Distanzen. Aber um im Parcour nicht schlapp zu machen brauchte er auch einiges an Kondition.



    Gut...dann lassen sie uns mit nur halbwegs trainierten Pferden und vier Wochen Vorbereitung sicher keine lange Distanz gehen, sondern einen Einführungsritt. Diese sind höchstens 12 Kilometer lang. Wie wäre es wenn wir die erste Woche damit verbringen die Kondition der Hengste auf eine Stufe zu bringen und anschließend mit einem ersten "Rennen" beginnen, das etwa 5 Kilometer hat?" Das wäre eine mir logische Vorgehensweise, ähnlich hatte ich Sarah auch schon trainieren sehen.




    "Denke ich auch. Und in vier Wochen können sie die Kondition für noch längere Ritte nicht aufbauen.Klingt gut. Wie wollen wir die Kondition der Pferde auf einen Stand bringen? Lange Ritte mit viel Trab? Wir sollten auch Tage einplanen, wo sie gymnastisiert werden." Nur immer auf Distanz würde die Pferde schnell ermüden lassen- Gerade am Anfang müssten auch andere Muskeln beansprucht werden.




    Ein guter Mix aus Bodenarbeit und Ritten ist gut, allerdings dürfen wir nicht außer acht lassen das auch wir trainieren müssen...12 Kilometer sind ne ganze Menge, wenn wir leichtraben müssen. Wie wäre es wenn wir alle zwei Tage mit den Pferden joggen gehen die Hügel rauf und runter, durch den Sand des Strandes und in den Pausen machen wir und die Pferde einige Muskelübungen. Die anderen Tage sitzen wir auf ihren Rücken veranstalten lange Ritte. Am dritten und siebten Tag der Woche bekommen sie frei - oder zumindest nur leichte Bodenarbeit. Am Ende der zweiten Woche sollten sie ungefähr einen 10 Kilometerritt mit vielen Trabphasen schaffen. Zumindest in der Theorie."



    "Ja das klingt gut. Ich denke, dass ein bisschen joggen nicht reichen wird. Ich würde glaube ich richtig Krafttraining machen um die Beine fit zu kriegen. Auch wenn wir mal längere Strecken galoppieren müssen wir im Leichten Sitz eine gute Figur machen"; meinte ich zu ihm. Es würde hart werden, aber es war machbar. "Die Theorie gefällt mir. "Dann lass uns morgen mit einem Ausritt anfangen und nach den Trabphasen den Puls messen. Dann wissen wir, wie schnell ihnen die puste ausgeht. Da wir beide trainieren sollen, würde ich vielleicht auch einen Pferdetausch vorschlagen. Somit lernt jeder das andere Pferd kennen."



    Pferdetausch..keine schlechte Idee. "Gut dann machen wir auch einen Tausch der Pferde, allerdings werden wir bei den Ritten gar nicht bis sehr selten galoppieren, weshalb das Krafttraining nicht so wichtig wäre."

    "Ich würde es im Training mit einbauen. Einfach nur damit sie nicht mit Ach und Krach die letzten Meter schaffen. Zudem bieten sich einige Wege gut dafür an. Was immer du tust wird schnell ungehalten, wenn er nicht mal schneller laufen darf. Er braucht das Zwischendurch, sonst kannst du gleich absteigen. Dann macht er total dicht." Ich würde Krafttraining machen, einfach weil ich mir vorstellen konnte, dass es sehr Kräftezehrend sein wird.



    Gut, dann mach dein Krafttraining. Wir sollen schließlich nur die Pferde fertig machen." ich sah noch einmal nach draußen, obwohl ich den Wind da immer noch hören konnte und auch den Regen auf dem Dach. Ich dachte darüber nach was sie gesagt hatte...wieso sollte auf einem Einführungsritt nicht auch einige Strecken Galopp geritten werden, das Pferd könnte sich daran gewöhnen und es könnte die Zeit verbessern.



    Wenn er glaubte, dass er das so wegstecken würde mit etwas joggen- meinetwegen. Jeder das was er für sich am besten hält. "Genau. Wir werden dann am Ende ja sehen, ob es gut war oder nicht", meinte ich zu ihm. Ich kannte mein Pferd und wusste, dass er ab und an einen lockeren Galopp brauchte, weil es ihm sonst zu langweilig wurde. Und ich fand es auch besser, schon so zu trainieren, dass sei die Strecke auch schaffen und auch noch ein bisschen mehr. So würden sie auch leichter durch die Kontrollen kommen.




    Damit notierte ich bereits einiges von dem worauf wir uns geeinigt hatten auf meinem Handy, erhob mich dann mit etwas steifen Gliedern und taperte mit entlastenden Schritten durch das Stroh. Die alte Verletzung in meinem Bein war die tägliche Belastung noch nicht allzu sehr gewohnt, machte nun einige Probleme. Doch würde sich das mit der Zeit geben. "Also entweder wir frieren jetzt weiter oder rennen doch noch schnell durch den Regen?"



    "Ich bin fürs frieren. Ich kann doch Sarah nicht noch einmal nach Klamotten fragen", meinte ich zu ihm. Es war mir schon unangenehm einmal zu fragen, aber ein zweites Mal wollte ich das bestimmt nicht. Zumale die Klamotten auch recht eng saßen. Ich würde mich nicht gut fühlen, sie noch einmal nach trockenen Kleidern zu fragen.



    Nach fast zwei Stunden im Stall war es schließlich Sarah gewesen, die bewaffnet mit zwei Schirmen in den Stall kam um uns abzuholen. Meine Hände waren ein bisschen taub, bei Meg musste das ganze noch ein wenig schlimmer sein. Wir hatten uns für den nächsten Tag auf einen ersten Proberitt geeinigt.





    die erste Woche


    Beim ersten Training hatte ich dann auch alsbald festgestellt das Was immer du tust(dieser Hengst brauchte irgendeinen Spitznamen!) nicht ganz ohne war. Auf der Hälfte der Strecke war er mir nach rechts ausgebrochen, hatte fast Yael erfasst und war dann quer über die Wiese galoppiert, dabei hatte ich Angst gehabt er würde die Lämmer umrennen. Meg hingegen hatte mit dem Gutmütigen Yael keine weiteren Probleme, trotzdem war schon klar - Yael fehlte es ein wenig an Kondition. Trotz allem hatten beide Hengste den ersten "Sichtungsritt" ganz gut überstanden. Noch hatten Meg und ich einige Kommunikationsschwierigkeiten, da wir noch nicht lange kannten - sie war jedoch keine dieser schweigsamen Mauerblümchen worüber ich dann doch sehr froh war. Nur ein gemeinsames Thema zu finden war doch sehr schwierig, sodass wir die erste Woche eher im Schweigen verbrachten. Doch gerade unsere beiden Hengste hatten in dieser ersten Woche gewaltige Sprünge nach vorn gemacht - Yael hatte ordentlich an Kondition aufgebaut, eine Viertelstunde im Trab stellte bereits kein Problem mehr dar. Mit Was immer du tust hatte ich doch noch ein paar Machtkämpfe ausgefochten. Zumindest hatte sich das Wetter von Grau,matschig und nass zu langsam sommerlichen 15ºC und Sonne gewechselt - auch wenn es - typisch Schottland - noch nicht aufgehört hatte neblig zu sein. Am Sonntag kamen zwei verschwitzte Reiter und Pferde auf Caed Crevan an - der Hengst hatte es geschafft mich abzusetzten "Wahnsinnig wie er in deinen Händen zu einem Lamm wird. Sag mir wenigstens so war er am Anfang auch zu dir?!"



    Ich lachte. Killian und Charmeur waren nunja, nicht gerade die besten Freunde wie man erkennen konnte. Mit Yael hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. Er war gut zu händeln und wir beide verstanden einander immer besser. "Da muss ich dich leider enttäuschen. Er war schon von Anfang so ein braves Pferd. Vielleicht mag er dich einfach nicht. Warum auch immer. Ich wüsste auch nicht, dass er bei anderen sich derart verhalten hätte. Kann es vielleicht sein, dass du ihn zu hart anpackst und er das nicht mag?" Ich war wirklich etwas ratlos, warum Was immer du tust mit Killian nicht zurecht kam. Sonst war er nie so. Ja, er war sensibel und hatte Temperament, aber bei Killian benahm er sich komplett anders als bei mir. "Mein kleiner Charmeur weiß eben bei wem er artig sein muss und bei wem nicht", meinte ich zu dem Hengst und tätschelte seinen Hals. "Bei ihm böse sein und bei mir brav", flüsterte ich ihm zu und kicherte.



    Meine Augen zogen sich ein wenig zusammen, während ich mit doch deutlich zu spürendem Muskelkater aus dem Sattel stieg bei diesem schönen Tag hatten wir einen Ritt von 10 Kilometern unternommen. "Zu hart in der Hand, denke ich nicht." konterte ich, in leicht genervtem Ton...Kritik an meiner Person mochte ich nicht sonderlich leiden, besonders da ich wusste das es sein konnte. Die ersten Male hatte der Hengst testen wollen, also hatte ich die Zügel stärker angenommen - jetzt brach er aus oder buckelte um mir meinen Fehler zu offenbaren...Ich schluckte und trottete wortlos weiter in Richtung Stall...



    Anfangs war mir die Distanz noch schwer gefallen, aber durch das Training war ich fitter geworden. Es war schwer gewesen, sich nach dem Training mit Killian und der Arbeit auf dem Hof auch noch Abends zu trainieren. Aber es hatte sich ausgezahlt. Das anfängliche brennen in den Beinen war nur noch ein zwicken. Ich schwang mich aus dem Sattel und klopfte Yeals Hals. "Wenn du meinst, dass es etwas anderes ist, dann bitte, aber es ist schon komisch, dass er das nur bei dir macht und bei allen anderen nicht. Es kann nur mit dir zu tun haben", meinte ich zu ihm. Man musst auch mal einssehen, wenn man Schwächen hatte. Was immer du tust zeigte seinem Reiter schnell, wenn er etwas falsch machte. Wenn man auf die Signale achtete, dann wusste man auch, dass man etwas ändern muss. Er legt sich dann sehr aufs Gebiss, wenn man etwas möchte, legt die Ohren öfters nach hinten, trippelt vor sich hin ... Man musste die Signale nur lesen. Nächstes Mal würde ich Was immer du tust wieder reiten.




    Ich zuckte mürrisch mit den Schultern nahm Yael bei den Zügeln um ihn wieder auf die Weide zu führen. Für heute hatten wir unser Training beendet, ich wollte nicht weiter diskutieren, bis mir auf die Zunge und vollzog meine Arbeit stillschweigend, die erste Woche hatten wir ja zumindest überstanden. Es würde nur ungemütlich werden, wenn wir uns in die Haare bekamen, außerdem war sie nur ein Mädchen.



    Ich hatte Was immer du tust genommen, als er mir Yael mehr oder weniger aus der Hand riss. "Ich weiß ganz genau, was du denkst", sagte ich zu dem Hengst, der mir ins Gesicht bließ. Ich streichelte über seien Nüstern. "Ich weiß, ich weiß. Du bist der allerbeste." Ich führte ihn in den Stall, wo ich ihn absattelte und putzte. Ich kraulte seine Stirn und er schmuste seinen Kopf an meinen Oberkörper. Er war so süß. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass Killian etwas zu grob war. Es war öfters so, dass Männer eher mit Kraft ritten als mit Leichtigkeit und genau dies war bei dem Hengst gefragt.


    Nachdem wir die Pferde versorgt hatten und uns für den nächsten Tag verabredet hatten, fuhr ich zurück zu Classical Harmony.



    Die zweite Woche

    Die zweite Woche unseres Trainings verlief recht gut. Was immer du tust und Killian würden wohl nie Freunde werden. Da die beiden nicht so sehr harmonierten, hatten wir den Pferdewechsel minimiert. Es brachte uns nicht weiter, wenn die beiden sich gegenseitig im Weg standen und lieber testeten, wer am längeren Hebel sitzt. Der Hengst hatte an Ausdauer gewonnen und eine viertel Stunde im Trab klappt gut. Auch Yael hielt mit ihm mit. Die Ponys waren nun auf etwas den gleichem Stand. Yael und Was immer du tust verstanden sich ganz gut. Klar, ab und an zickten sie sich an, aber ansonsten waren sie brav. Mit Killian war es …. schwer. Ja, er konnte nett sein, wenn er wollte. Aber sobald man ihn ein klein wenig kritisierte, schaltete er auf stur, was es etwas schwer machte an Fehlern zu arbeiten. Ich war immer noch der festen Überzeugung, dass das bisschen Joggen uns nicht auf den Ritt vorbereitete. Ja, es half etwas, aber alle anderen Muskeln blieben untrainiert und das brachte dann auch nichts.


    Ich hatte am Morgen Lovegame longiert und die Boxen gemistet. Nach dem Mittagessen hatte ich mich ins Auto gesetzt und war rüber zu Caed Crevan gefahren. Ich parkte das Auto und ging dann sofort in den Stall zu meinem Hengst. Er schaute aus der Box und spitzte die Ohren. Ich führte ihn auf den Putzplatz. Wo war Killian? Naja vielleicht aßen sie noch zu Mittag. Ich putzte Was immer du tust ausgiebig und hatte ihn schon gesattelt, als ein völlig abgehetzter Killian mit Yael am Halfter zum Putzplatz kam. „Tschuldige, hab die Zeit aus den Augen verloren“, sagte er. Ich nickte nur. „Soll ich dir beim putzen helfen“, fragte ich ihn. Dann würden wir schneller los kommen. „Nein nein. Das mach ich schon selber.“ Dann nicht. Ich wollte ja nur helfen. Ich hatte Was immer du tust bereits fertig fürs Reiten. Ich wollte heute auch mal den Puls der Pferde kontrollieren. Auf dem Turnier mussten auch durch solche Kontrollen. Es wäre gut zu wissen, wie schnell sich ihr Puls normalisierte. Dann wüssten wir auch, ob wir gut im Training waren.


    Als Killian dann auch mal fertig war, schwangen wir uns in die Sättel und ritten im Schritt los. Es war immer schön auf Was immer du tust zu reiten. Und das beste war, dass ich somit größer war als Killian. Schnell verfielen wir in einen lockeren Trab, wo sich die beiden strecken konnten und warm werden konnten. Wir hatten uns fürs Intervalltraining entschieden. Anfangs ritten wir mehr Schritt als Trab, dann in der Mitte des Trainings waren Arbeitsphasen und Pausen gleich lang und zum Ende hin war die Arbeitsphase länger als die Pausen. Wir hatten uns heute für eine recht bergige Strecke entschieden. Es war gut für die Hinterhandmuskulatur und wir waren die Strecke noch nicht komplett geritten. Nach dem ersten drittel des Training legten wir eine Pause ein und ich kontrollierten den Puls der beiden Pferde. Es war noch alles im grünen Bereich, aber das sollte auch so sein, weil wir noch nicht richtig angefangen hatten mit dem Training. Die zweite Hälfte des Trainings verlief gut. Die beiden Hengste waren aber doch von dem vielen auf und ab schneller ermüdet. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass es sie viel Kraft kostete die Berge erst rauf und dann wieder runter zu traben. Vorallem weil sie auch die Last aufnehmen mussten um nicht auf der vorderhand zu laufen und dann das Gleichgewicht zu verlieren. Wir kamen gut voran und am Ende des Streckenabschnittes machten wir wieder halt zur Pulskontrolle. Beide brauchten etwas länger als angedacht um wieder auf den normalen Puls herunter zu kühlen. Aber sie brauchten nicht mehr so lange wie noch am ersten Tag. Da das Tempo wurde nun im letzten Abschnitt gesteigert und ich wollte Was immer du tust laufen lassen. Die Strecke gab einen langen Sandweg her, denn man super entlang galoppieren konnte. Wir trabten und ich ließ ihn angaloppieren. Zu Killian rief ich: Kleines Wettrennen bis zum Ende der Strecke!“ Mein Hengst zog an, als er merkte, dass Yael dichter kam. Am Ende war Yael knapp hinter dem Welshhengst. Ich klopfte ihm den Hals und wir ritten erstmal wieder Schritt, bis wir die nächste Trabtour einlegten. Da die Pferde nicht aufgeheizt zurück auf den Hof kommen sollten, legten wir vorher noch einmal eine Pause ein, wo ich wieder den Puls kontrollierte. Wenn wir bis zum Hof Schritt reiten würden, würden sie wieder einen normalen Puls haben, wenn wir ankommen würden. In einem Turnier hätten wir warten müssen, aber nun gut. Beide Pferde regenerierten sich schon schneller als am Anfang und das war ein gutes Zeichen.


    Am Hof angekommen versorgten wir unsere Pferde und verabredeten uns für den nächsten Tag. Dannach ging jeder seiner Arbeit auf dem Hof wieder nach. Es gab viel zu tun und da blieb nicht viel Zeit für andere Dinge.



    Dritte Woche



    Mit gemischten Gefühlen starteten wir in die dritte Woche, die Sonne schien nun fast durchgehend, der Nebel löste sich vom Land und man hatte etwas mehr Sicht auf die uns umgebende Landschaft. Diese Woche verringerten wir nicht nur unseren Pferdetausch – wir ließen ihn nun fast komplett weg, ich achtete nun auf Yael darauf nicht allzu hart in den Zügeln zu sein, die Kritik nagte dann doch an mir. Am dritten Tage trafen wir uns zu einem gemeinsamen Tainingsritt der nun bereits 15 Kilometer betrug. „Wir haben das bisher wirklich gut gemeistert!!“ lobte ich bei einer Pause, schluckte anschließend und rang mich zu meinen nächsten Worten durch. „Meg?“ „mhm?“ sie drehte sich nicht zu mir um, da sie den Puls von Charmeur am zählen war, deswegen wartete ich. „Kommt nun noch eine Antwort?“


    „Ich denke du hattest vielleicht Recht...ich war manchmal wahrscheinlich wirklich etwas grob im Zügel, deswegen hat er sich so ulkig verhalten. Bei Yael ist das Durchsetzungsvermögen nicht sonderlich von Nöten...bei deinem Hengst hab ich es wirklich ein wenig übertrieben.“ Erstaunt zog sie die Stirn nach oben, reichte mir dann die Zügel des Hengstes. „Dann Beweis mir mal das du es anders kannst.“ Doch etwas aus dem Gleichgewicht geworfen schwang ich mich in den Sattel, nahm die Zügel des Hengstes nur in einer Hand und ließ ihn das Tempo vorerst selbst entscheiden – siehe da am langen Zügel ging es wirklich besser. Seinen kurzen Galopp kommentierte ich nun das ich mich mehr in den Sattel lehnte, und sanfter nun die Zügel anzog. Yael kam neben mich zusammen mit einer Meg, die mich fast beängstigend genau beäugte.


    Von da an wechselten wir dann doch ab und an die Pferde, konzentrierten uns darauf sie nun an die Pausen zu gewöhnen und machten immer weniger Ausflüge joggend , sondern mehr im Sattel der Tiere. Im Grunde diente diese vorletzte Woche eher dem Zweck beide Pferde an unterschiedliche Bodenverhältnisse zu gewöhnen, an die Straßen zu gewöhnen und auch an die konstante Bewegung – ihre Kondition reichte am Ende der Woche aus um gute 20 Minuten im Trab gutes Tempo wett zu machen.


    Am letzten Tag dieser Woche verabredeten wir uns zu einer weiteren Teamsitzung zusammen mit Sarah und Siobhan, berichteten von unseren Fortschritten und auch anfänglichen Schwierigkeiten und baten darum in der nächsten Woche vielleicht so etwas wie einen Probedurchlauf eines Distanzrennens machen zu können. Sarah gab uns noch ein paar Trainingstipps und berichtete davon das am nächsten Tag der Schmied kommen würde um beiden Hengsten die Schuhe zu wechseln. „Das viele Laufen beanspruchen sie die Hufe allein zu sehr und sie bekommen nun beide speziellere Eisen.“ erzählte Sarah uns. Meg und ich sahen uns an – das bedeutete wir konnten zwei Tage nicht direkt reiten und mussten uns auf das Joggen beschränken.






    Letzte Woche und Vorbereitung aufs Turnier


    Wie versprochen kam am Montag direkt der Hufschmied, da sich dieser jedoch erst für 13 Uhr angekündigt hatte, wollten wir vorher noch ein Bergauftraining mit den Pferden starten. Mit ordentlich verschlafener Miene stand ich also bei Yael und putzte ihn...auf der anderen Seite summte Meg ein Lied. "Wie du um die Uhrzeit so wach sein kannst ist mir ein Rätsel. " bemerkte ich verschlafen an. Fuhr mir über die Augen und schlug mir gegen die Wange um wacher zu werden.
    Eine halbe Stunde später befanden wir uns auf dem Weg in Richtung Loch Spelve - mittlerweile hatten wir so ziemlich alle Wege in Hof Nähe kennengelernt. "Ich glaube so schlank war Yael in seinem Leben noch nie! Wir hätten vorher nachher Bilder machen sollen, schade aber auch!" meinte "Ich hab welche gemacht, zumindest von Was immer du tust." entgegnete Meg "Zumindest ein Vergleich!"
    Wir hatten uns so langsam näher kennengelernt, an sich war sie eine wirklich freundliche Persönlichkeit. "Was machen wir bloß wenn wir durch sind mit den beiden?" stellte ich auf dem Rückweg fest - wir mussten uns nun beeilen...der Schmied würde sonst ohne Pferde dastehen!


    Ich war direkt nach dem Frühstück rüber gefahren zu Caed Crevan. Wir waren nun in der letzten Woche und das Turnier rückte näher, was mich auch ein klein bisschen nervös machte. Ich wollte, dass wir gut abschnitten. Durchs Ziel kommen war die eine Aufgabe, aber auch noch eine passable Zeit reiten war das größere Ziel.
    Wir putzten unsere Pferde. Was immer du tust hatte angefangen zu Haaren und so langsam sah er nicht mehr wie ein exlopdiertes Kuscheltier aus.
    "Früh in Bett geht und motiviert an die Arbeit gehen, weil ich dankbar bin, auf einem so tollen Hof arbeiten zu dürfen"; antwortete ich ihm und summte weiter mein Lied.
    Der Ritt war schön und wir schafften die Distanz auch in einer recht guten Zeit. "Das weiß ich nichte. Ich denke mal, dass das Projekt dann für beendet erklärt wird und wir uns wieder den Aufgaben auf dem Hof zuwenden werden. Ich weiß nicht, wie Siobhans Pläne mit dem Hengst aussehen. Vielleicht solle er weiter trainiert werden, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht", antwortete ich ihm. "Ich muss mich auch auf meine Zwischenprüfung vorbereiten."


    Oh weh...vor den Prüfungen graust es mich am meisten...ich hab so richtig gar keine Lust darauf. Allerdings will ich meiner Mutter wenigstens eine beendete Ausbildung präsentieren können." So unspektakulär wie unsere Woche begonnen hatte endete sie auch - wir hatten nur zwei Tage richtig trainieren können. Zwei Tage vor dem Einführungsritt, wollten wir ihnen eine Pause gönnen. "Ich glaube rückblickend haben wir das ganze ziemlich gut hinbekommen, oder? Bin auf die Teambesprechung nach unserem Distanzritt gespannt!"


    Den letzten Tage vor dem Turnier trafen wir uns, um das gesamte Equipment zu putzen und schonmal einzupacken. So saßen wir in der Sattelkammer, vor uns unsere Sättel und Trensen und ein Eimer mit Sattelseife und Lederfett. "Ich glaube auch, dass wir gut trainiert haben und dass sie es schaffen sollten. ich hoffe, dass alles klappen wird." Meine Turnierklamotten waren schon gewaschen und gebügelt. Sie hingen an meinem Schrank im Gästehaus, sodass ich sie auf keinen Fall vergessen könnte. Stiefel putzen würde ich erst morgen Wichtig war, dass wir alles mitnahmen und es kontrolliert wurde.


    Auch ich hatte soweit alles eingepackt - jedoch konnte ich bei einem Distanzrennen die ulkigen weißen Reithosen weglassen, es gab keine Pflichtkleidung auf solchen Veranstaltungen. "Am Anfang hab ich nicht wirklich daran geglaubt...zumindest bei Yael, aber der kleine hat sich wirklich gemacht!" Es war wirklich erstaunlich, sogar Sarah hatte das an einem Tag bemerkt...sie hatte unsere Arbeit gelobt, das hatte mich schon wachsen lassen. "Natürlich wird alles klappen...selbst wenn wir nicht mit einer Bestzeit aus dem Rennen hervor gehen, solange die Pferde das gut verarbeiten und wir auch ist alles gut. Um Schleifen können wir uns später auch noch kümmern. Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg. Morgen werden wir Gegner sein." meinte ich grinsend und reichte ihr die etwas nasse Hand.


    "Möge der bessere gewinnen", antwortete ich ihm und schüttelte ihm die Hand. Ja, wir wären Gegner und ich hoffte so sehr, dass wir beide durchs Ziel kamen. Beide Pferde waren gut in Form. Wie es mit uns beiden ausssah - da konntei ch nur mich selber beurteilen und ich war fit. Die Sättel waren schnell geputzt und die Trensen auch. Somit war für morgen alles vorbereitet. Der Transpoter musste noch beladen werden, da wir gemeinsam hinfahren würden und der Rest war fertig. Heute würde es früh ins Bett gehen und morgen früh würde ich dann zusammen mit Siobhan nach Caed Crevan fahren und von dort aus zum Turnierplatz.
    Nachdem auch der Transpoter beladen war und alles griffbereit lag, verabschiedete ich mich von Killian und fuhr zurück zum Hof um meine restlichen Aufgaben zu erledigen.
    BellaS gefällt das.
  7. (c) Catalina und Ravenna


    Hansi - türkis
    Cata - schwarz

    Ich nuckelte versunken an einem Apfelspalt als Leben in die Küche kam und Aiden in die geneinsame Küche trat - wir teilten uns zusammen mit Killian hier über der Reithalle eine Wohnung. Meistens jedoch nahmen wir zusammen das Frühstück und Abendessen im Haupthaus mit den anderen ein, jetzt jedoch war es 21 Uhr und ich hatte Hunger gehabt. "Nanu, seit wann so Arbeitssam?" neckte Aiden mich. Ich ließ das Handy sinken, schob das Stück Apfel in eine andere Mundseite und antwortete ihm "Ich starre eigentlich nur mein Handy an! Sarah will in den nächsten Monaten keine Aufträge annehmen, deswegen mach ich jetzt vieles. Ich hab vorhin mit Catalina gesprochen, sie schien Hilfe bei ihrem neuen Hengst zu gebrauchen also hab ich versprochen vorbei zu kommen. Im Grunde müsste ich jetzt packen un.."
    "Catalina?" hakte Aiden nach..."das ist doch die Kleine die Braum sozialisiert hat?" ich rollte die Augen, fing er schon wieder davon an, trotzdem nickte ich. "Du hast nur noch Aufträge bei ihr.." Aiden lehnte sich über den Tisch, grinste breit mit seinem Dreitagebart "Du hast doch was mit ihr!" Jetzt wurde mir sein gequatsche doch zu doof, ich tippte mir an die Stirn "Ich erledige nur meine Aufträge, Gute Nacht Aiden!"
    Die zierliche Braunhaarige hatte vielleicht etwas in mir geregt, trotz war es auch die Arbeit die rief - es gab immer einiges zu tun. Allen Gedanken zum trotz ging mir der Gedanke das sie vielleicht näher zu uns zog nicht aus dem Sinn. Ich hatte mit Sarah darüber gesprochen, es stand dann sogar in Planung Catalina eine Stelle in unserem Betrieb abzubieten.


    Nach dem der Wallach wieder in seiner Box war, drehte ich mich um und ging ins Haupthaus. Meine Taschen waren bereits gepackt, es lagen nur wenige Sachen auf meinem Bett, für die nächsten Tage. "Du ziehst also wirklich weg?" Bella stand mit verschränkten Armen in der Tür. "Ja. Sobald ich das Okay von dem Landbesitzer in Schottland kriege, fliege ich los. Die Pferde kommen nach." "Bist du dir sicher, dass das gerade gut ist? Denk an Benny." Auch ich verschränkte die Arme. Plötzlich öffnete sie ihren Mund. "Es geht um Hansi, richtig?" "Ehm, nein!? Sarah ist eine gute Trainerin und kann mir helfen-" "Wie ich es nicht kann?", ihre Stimme wurde lauter. "Nur weil ich mich mehr auf Gangpferde spezialisiere bin ich auf einmal schlechter?!" "Nein! Aber ich will erfolgreicher sein. Ich kenne mich mit Gangpferden nicht aus. Ich weiß nicht, wie man sie ordentlich trainiert." "Aber ich kann das für dich tun! Wir sind ein Team, Cata. Und dieser verrückte Wikinger darf dir nicht den Kopf verdrehen.", Bella flehte mich an. Dann sah sie mich resigniert an. "Gut, weißt du was? Mach was du willst, du bist erwachsen, aber eines sag ich dir. Wenn du wirklich ausziehst, sind wir nichts weiter als Berufskollegen!", damit brauste sie aus dem Zimmer. Ich schloss die Augen für einen Moment und ließ mich auf mein Bett fallen. Sollte ich Hansi schreiben, dass ich lieber zu ihnen mit den Pferden kommen würde? Nein, ich wollte lieber darauf warten, bis Benny wieder gesund war.



    Es war eine ungemütliche Reise von Schottland nach Deutschland, da ich nicht wie sonst das Flugzeug genommen hatte - ich war der Einfachheit halber mit dem Auto gefahren, so hatte ich mehr Zeug mitnehmen können. Außerdem wollte ich im Anschluss vielleicht mal wieder bei meinem alten Mittelalterverein vorbei schauen, die ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. So hatte ich nicht nur normale Kleidung, sondern auch Highlandkluft dabei zusammen mit Schwert, Bogen und einer schönen Streitaxt. Während ich also den Straßenschlangen folgte hielt ich desöfteren an, schrieb mit Catalina, die mir ein wenig ihrer momentanen Probleme mit Dorn schilderte, aber auch wie es Benny ging und wie sich Bella etwas vor den Kopf gestoßen fühlte über den plötzlichen Entschluss eventuell weg zu ziehen. Im Verlauf der Tage wurde mir jedoch klar - es schien längst beschlossene Sache zu werden.


    Ich stieg langsam die Treppe in das Erdgeschoss hinunter. Tabea saß am Tisch und schaute sich Pferdeanzeigen in der Zeitung an. "Wo ist Bella?" "Ausgeritten. Hey, kannst du einkaufen gehen? Wir haben kaum noch Brot und meine Marmelade ist fast leer." Ich schaute auf meine Handyuhr. Hansi würde in einer halben Stunde hier sein. Wir hatten bis eben noch regelmäßig geschrieben. "Klar. Ich fahr mit dem Auto, müsste dann in gut einer halben Stunde hier sein. Wenn Hansi schon da ist - zeigst du ihm sein Zimmer, aber bitte, bitte lass ihn noch nicht mit Dorn anfangen, ich will sehen, was er machen möchte." Tabea nickte nur, kramte dann im Fach über der Theke herum und fischte dann ein paar Geldnoten und einen Zettel mit Notizen heraus. "Bis gleich dann!" Ich stieg in meine ausgelatschten Vans, schnappte mir noch einen Korb und brauste dann mit meinem kleinen Citroen in das Dorf, um die gewünschten Sachen zu kaufen.
    Wenig später war ich wieder am Hof. Gerade hatte es noch geregnet. Großspurig umging ich die Pfützen, die sich gebildet hatten, und blieb dann stocksteif mit den Lebensmitteln stehen. "Hansi?!" Der Hüne hielt eine Streitaxt in der Hand. Der zuckte nur zusammen und sah mich beinahe schon ertappt an. "Na toll, ich hab mir einen Serienmörder angelacht. Oder ist das für irgendeine Veranstaltung?", entfuhr es mir.


    Gerade als ich dabei war meine richtigen Sachen unter dem Zeugs für das Festival hervor zu kramen erschrack ich durch Catalina´s Stimme direkt hinter mir. Drehte mich ertappt zu ihr um, konnte ein breites Lächeln nicht verhindern. "Ich bin wohl eher ein Wikinger denn einem Serienmörder, die würden mich bei der Axt viel zu schnell finden!" Ich legte die Streitaxt wieder in den Kofferraum meines Jeeps, machte die Klappe vorerst zu und ging Cata entgegen. "Tavea? Naja zumindest die junge Frau meinte ich solle nicht direkt mit Dorn anfangen. Deswegen wollte ich erst meine Sachen holen, das du mich mit der "Tatwaffe" entdeckst konnte ich ja nicht ahnen. Um jedoch die Wahrheit zu sagen - wenn ich hier fertig bin will ich meine alte Trppe wieder treffen. Wir waren eine zeitlang als Trobadure unterwegs, sogar als Falkner hab ich mich mal versucht...aber es ist eher beim Kampf zu Pferd geblieben. Irgendwie hat es sich dann außeinander gelebt." den eigentlichen Grund band ich ihr nicht direkt auf die Nase, deutete dann auf ihren Einkauf und griff wortlos nach dem Korb, der ihrer schrägen Haltung wegen recht schwer zu sein schien.


    "Tabea heißt sie. Und das mit dem Treffen hab ich mir schon gedacht.", erwiderte ich und schaute zu, wie der Hüne mit dem Korb auf das Hauptgebäude zuging."Die Küche ist gleich rechts!" Rief ich ihm hinterher ubd machte einen Bogen um seinen Wagen. Hansi stellte den Korb ab und schaute sich um."Möchtest du dein Arsenal wegbringen? Ich räum das hier schon mal weg und dann können wir zu Dorn gehen, wenn du möchtest.", schlug ich am Ende noch vor. Er nickte nur und stampfte dann wieder langsam nach draußen. Brot und Brötchen kamen in ihre Behälter, ebenso wie Margarine, Käse, Geflügelwurst ubd Tabeas Marmelade. Meinen Fencheltee und den Kaffee von Bella reihte ich dann in auf dem Board über mich ein und packte den Korb weg. Dann trat auch Hansi wieder mit seinen Mitbringseln ein und warf mir einen fragenden Blick zu.


    "Wo kann ich eigentlich meine Sachen unterbringen? Das Zimmer vom letzten Mal war soeben voller Kartons." War sie bereits so weit mit dem räumen gekommen, oder woran lag es? Zumindest schien es als würden sich beide Parteien nicht unbedingt im guten voneinander trennen, denn Bella hatte ich die ganze Zeit hindurch noch nicht gesehen. Ich wünschte jetzt eher bereits in der Arbeit mit dem Hengst zu stecken, statt hier in der Küche mit ihr - ich hatte keinerlei Ahnung wie so eine Situation zu händeln war. Also krallte ich meine Hand in die Hänkel meiner Tasche, während der linke Zeigefinger beharrlich am Daumen zu pulen begann. Ich besaß Talent mir die Nietnägel abzureißen, wie ich es vor zwei Tagen geschafft hatte...jetzt pulte ich daran herum, da der Schmerz mich an etwas erinnerte. Es erinnerte mich an mein Leben...manchmal brauchte ich jegliche Art von Schmerz um mich daran zu erinnern. Es klang idiotisch, vollkommen durchgeknallt aber ich hatte es mir angewöhnt.


    Etwas verwirrt blinzelte ich. "Du kannst das Zimmer links daneben nehmen. Es ist eigentlich mein Zimmer, aber die Matratze ist irgendwie unbequem." Komisch, dass ich jetzt, erst nach zwei Monaten, davon Rückenschmerzen bekommen hatte. Hansi nickte. Er knibbelte an seinen Fingern herum, als würde er am liebsten die Fingernägel herausreißen. "Ich kann dir doch nicht-" "Doch, kannst du.", beharrte ich auf meine Antwort. "Das Bett müsste groß genug sein. Ich schlafe zur Zeit im Wohnzimmer." Er nickte erneut, und ging dann die Treppe hoch. Sobald er weg war, griff ich mir in die Haare. Der Stress brachte mich um den Verstand. Der Streit mit Bella, der Umzug nach Morvern, gut eine Stunde von Sarahs Gestüt entfernt, die Reisevorbereitungen (besonders wegen der Fohlen, Steel und Benny) und natürlich Benny. Weder Joy noch Elena waren wie erhofft angekommen und hatten sich um den Armen gekümmert. Ich hätte am liebsten jetzt laut geschrien, aber ich wollte nicht, dass Hansi davon was mitkriegte.



    Es war komisch das sie mir ihr Zimmer überließ, doch ich hatte bereits erfahren - Diskussionen waren bei ihr sinnlos. Fast genauso wie es auch bei Sarah der Fall war, dahingehend waren sich beide Frauen wirklich ähnlich....und ihrer Größe. Ich musste lächeln, stellte meine Sachen neben dem Bett einfach ab und stiefelte die Treppen hinab - dabei griff ich mir ans Handgelenk, wo unter den Armbändern von Festivals, einem Stachelarmband und etlichen anderen die ich geschenkt bekommen hatte, einige Haargummies waren. Mit diesem Verschlang ich meine langen Haare im Nacken zu einem Pferdeschwanz, damit sie mir bei der Arbeit nicht im Weg sein würden, bei der Autofahrt hatte ich sie einfach offen getragen. Am Treppenansatz blieb ich stehen, von hier aus konnte ich in die Küche blicken...ich sah zwar nicht alles, trotzdem erkannte ich eine hin und her laufende Catalina, die nervös in ihren Haaren herum fuhr, meine Hände vor der Brust verschränkt stellte ich mich anschließend an den Türrahmen. Skepsis überkam mich....hätte ich mit der Hilfe vielleicht warten sollen?


    Ich hatte das Gefühl, als würde mich jemand beobachten. Sofort hörte ich mit meinem inneren Streitgespräch auf und blieb stehen. "Alles ok?" "Ja.", log ich und lächelte. Doch er starrte mich nur stoisch an. "Gehen wir zu Dorn?" Ich antwortete nicht, stattdessen lief ich ihm voraus in den Stall. Dort lief ich Bella über den Weg. Doch sie ignorierte mich einfach und sattelte Morgaine ab. Abwesend strich ich über seine Mähne und ging dann weiter, bis ich zu meinem Stalltrakt ankam. Abgesehen von Steel standen nur Dorn und Benny hier. Die anderen Pferde vergnügten sich auf der Weide. Ich blieb neben dem Pony stehen. Langsam knabberte er an meiner Hand. Immerhin biss er nicht hinein, ein Fortschritt...Hansi stoppte vor dem Wallach, schaute ihn genau an und klopfte dann seinen Hals. Ebenso wollte er bei Steel verfahren, doch dann entschied er sich anders und streichelte ihren schlanken Hals. "Zwei interessante Pferde hast du dir da geholt, Catalina.", brummte er. Ich räusperte mich nur. "Mit Steel komme ich gut klar. Dorn macht mir halt Sorgen."
    Hansi bat mich, denn Hengst vor seiner Box anzubinden. Ich tat eben dies, dann trat ich zur Seite und beobachtete, wie der Hüne sich meinem Pony näherte.



    Ich legte die Stirn leicht in Falten als der Hengst seine Ohren begann nach hinten zu drehen, das eine dann wieder nach vorn und immer so weiter, ganz so als wären sie gemeinsam in einen widersprüchlichen Tanz gefallen. Meine Hände hoben sich leicht, ich konnte nur ahnen was vielleicht das Problem des Hengstes war. Neben seinen Ohren zuckte auch immer wieder sein Kopf, vielleicht war das seine Nervosität. Mit jedem Schritt den ich näher kam spannte er sich an, doch ich sah ihn nicht direkt an - mal seine Schulter, mal die Flanken oder die Beine. Langsam lösten meine Finger den Knoten mit dem er an der Boxenwand angebunden war, ließen den Strick durch meine Hände gleiten bis ich den Panikhaken erreicht hatte. Bereits der sanfte Druck veranlasste Dorn sich nach hinten auf die Hinterhand zu stellen, dann löste ich den Haken vom Halfter und beobachtete seine Reaktion. Es schien fast Überraschung aus ihm zu sprechen, erst tat er einen unsicheren Schritt nach hinten, hob und senkte prüfend den Kopf und machte den Schritt dann wieder nach vorn. Ich versuchte mich leicht seitlich zu stellen, ignorierte ihn - was dem Hengst offensichtlich nicht ganz vertraut vorkam. Wieder tat er einige Schritte nach vorn, schob neugierig den Kopf in meine Richtung, schnaubte als wolle er sagen "Hey! Ich bin hier!". Genauso langsam wie zuvor drehte ich mich ihm zu, berührte ihn jedoch nicht direkt sondern ging nur schneller energischer auf ihn zu. Um mir auszuweichen blieb dem Hengst nichts anderes übrig als dem Druck zu weichen mit schnellen Schritten trat er rückwärts und ich baute mich vor ihm auf als ich halten wollte. Anschließend trat ich nach hinten, lockte ihn nun zu mir, doch Dorn schien misstrauisch, blieb wo er war stehen und beobachtete mit wackelnden Ohren. Aufgerichtet und schnell kam der Hengst plötzlich auf mich zu, die Ohren nach hinten gedreht und auch ich ging energisch auf ihn zu. Ich war mir sicher draußen hätte er sich auf die Hinterbeine gestellt, nun aber bremste er verwundert ab und brabbelte protestierend, stampfte mit einem Huf. Langsam kauend wandte er sich schließlich wieder mehr mir zu, die Ohren waren an der Seite, fast hängend. Meine Hand streckte ich nach ihm aus, berührte ihn nicht, sondern er legte die feinen Nüstern gegen meine Hand. Von seinen Nüstern fuhr ich über den Kopf, zwischen seine Ohren den Hals hinab bis zu seiner Kruppe...Dorn jedoch blieb ruhig stehen. Ich schenkte der offensichtlich verblüfften Catalina ein Lächeln.


    Der etwas doch merkwürdig anmutende 'Tanz' von Dorn und Hansi hatte mich mehr als nur verwirrt. "Heilige Mutter Gottes...", hauchte ich. Selbstgefällig verschränkte der Mann seine Arme vor der Brust und streichelte dann den Hengst. "Also?", brummte er. Ich zuckte mit den Schultern und sah, wie Hansi seelenruhig den Hengst aufhalfterte, ihn ansah und dann auf den Platz führte. "Was hast du vor?" "Ihn longieren. War er schon einmal auf der Weide? Wie ist sein Herdenverhalten?" "Er teilt sie sich derzeit mit Blacky und Bellas Hengsten. Er ist etwas hengstig, aber mehr auch nicht.", antwortete ich. "Lässt er sich auf die Weide führen?" "Ja. Allerdings stellt er sich vor dem Gatter immer quer.", seufzte ich. Daraufhin schüttelte der Hüne den Kopf. Er legte den Strick locker auf den Rücken des Lewitzers, schaute ihn warnend an und ging einmal um ihn herum. Er schnappte sich den Strick und führte ihn zielstrebig zum Pfad, der zu den Koppeln führte. Ich joggte ihm hinterher. Das Gatter, von dem ich gerade sprach, hätte auch Platz gehabt für einen breiten Wagen. Wie bei den letzten Malen hob er den Kopf, sah aus als würde er Panik kriegen und stemmte sich beinahe in den Boden rein. Hansi blieb ruhig, kniff die Augen kurz zu und hob die freie Hand auf Augenhöhe des Ponys. Dorn schien verwirrt und drehte den Kopf weg. Es folgte eine halbe Umdrehung, und der Hengst stand mit dem Hinterteil zum Gatter. Während der nächsten Minuten schaute ich etwas skeptisch den beiden Kerlen zu, bis Hansi endlich den störrischen Hengst durch das Gatter auf der Weide entlassen konnte. "Wie kommt's, dass du mit Braum besser klar kommst als mit deinem neuen Hengst?", Dorns Halfter war um Hansis Schulter geworfen. "Woher soll ich das wissen? Vielleicht liegt das einfach nur an meinem Stress. Ich meine, Grace konnte ich heute unglaublich gut beim Agilitytraining fordern und ich habe das Gefühl, dass die Turniere mit ihr richtig gut laufen. Mit Blacky hatte ich einen Distanzausritt. Und als ich heute mit Dorn trainieren wollte...liegt wohl daran, dass er direkt neben Benny steht." Wir waren mittlerweile halbwegs am Stall angekommen. "Und du meinst, wenn Benny wieder gesund ist, klappt das Training besser?" "Ja.", gab ich zurück. Dabei schaute der Hüne mich an und ich fühlte mich irgendwie unwohl. Als könnte er direkt in meine Seele sehen, brachte er das Halfter an den richtigen Haken und lehnte sich gegen die Box. "Sicher?" "Ja, Hans." Der Mann verdrehte seine Augen.



    "Wie kommt es dann das alles mit Blacky funktionierte auf dem Ausritt oder das Training mit Grace? Ich stimme dir ja zu, Dorn ist nicht einfach...allerdings darfst du bei der Arbeit mit ihm nicht abgelenkt sein." schärfte ich ihr ein, eine Spur harscher als es beabsichtigt war. "Vielleicht solltest du ihn erstmal ankommen lassen, dich nach dem Umzug mit ihm beschäftigen. " Ich trat näher zu ihr heran , deutete auf ihre Lippen "Die sind spröde und angekaut...das passiert nur bei Stress. Du stehst komplett unter Strom, bist wahrscheinlich auch noch wütend und genau das macht auch Dorn unausstehlich. Ich hab in den wenigen Stunden die ich hier bin gesehen wie du auf Bella reagiert hast und anders herum. Du brauchst eine Abwechslung von all dem Stress!" irgendwie musste ihr ja geholfen werden, nur fiel mir absolut nicht ein womit ich sir hätte aufmuntern können.

    Eigentlich hatte er ja recht. Nein, er hatte Recht. "Und was soll ich machen? Nix tun, bis sich alles gelegt hat?!" Hansi schwieg. Autsch. "Tut mir Leid. Du hast Recht." Hansi schwieg weiterhin. "Und was schlägst du vor?" Hansi wollte gerade den Mund aufmachen, als ich ihm dazwischen kam. "Nein, ich fahre nicht mit dir zu deinem Mittelaltertreffen oder was auch immer. Wenn Falken dabei wären, würde ich ja sagen." Hansi schwieg schon wieder. Langsam machte mich das Getue verrückt. "Oder weißt du was? Ich nehme jetzt ein schönes entspannendes Schaumbad und mache dann Abendessen. Dann sind wenigstens meine Muskeln nicht so verspannt." Hansi zuckte nur die Schultern. "Oder hast du einen besseren Vorschlag für mich, Hans?"


    Bei den Göttern hatte diese Frau gerade ihre Tage? Sie wechselte ihre Empfindungen wie ich sonst nur Kleidung, trotzdem verlieh es mir Einblicke wie Tief der Stress ihr wirklich zu gehen schien. Ich lauschte ihren Ausflüchten ohne ein Mimik zu zeigen, dann lächelte ich verschmitzt "Ich könnte dir Gesellschaft leisten." es war im Spaß gemeint um sie aus dem Gleichgewicht zu werfen, doch war es eine vollkommen plumpe Aussage. Trotzdem konnte ich beobachten wie ihre Züge erst aschfahl und anschließend ihre Ohren feuerrot anliefen. Ich wollte ihr keine Möglichkeit zu voreiligen Schlüssen lassen "Ich weiß nicht was du tun kannst, aber in der Tat...Falken werden wohl dabei sein."


    Ernsthaft?! "Als ob du in meine Badewanne passen könntest, du Yeti. Ich nehme jetzt endlich mein Bad, mach du meinetwegen was du willst. Und wenn das Angebot noch steht, komme ich gerne mit." Hansi grinste nur dämlich. Ich ging an ihm vorbei aus dem Stall in unser Wohnhaus und schloss dann die Badezimmertür ab. Natürlich war das nicht ernst gemeint mit dem 'gemeinsamen Bad' aber mein Herz raste immer noch. Erst, als ich die Heizung etwas angestellt und Kerzen angezündet hatte, griff ich mir ein paar frische Klamotten, stellte den CD-Player an (es lief wieder einmal Peter Crowleys Epic Adventure Music) und ließ die Wanne voll laufen.
    Eine knappe Viertelstunde später kam ich entspannt aus dem Badezimmer. Meine Haare waren noch ein wenig feucht. Ich stieß das Fenster auf, damit der Dampf sich verziehen konnte und lief dann nach unten. Hansi saß auf der Couch und las ein Buch. Lachend hielt ich mir den Bauch und drehte mich dann weg. Mein Gesicht wurde sicherlich rot wie eine Tomate. "Warum lachst du?" "Weiß nicht. Hab nur noch nie einen so großen Mann auf der Babycouch sitzen sehen. Erinnert mich wie ein Riese, der auf dem Bett eines Zwerges schlafen will." "Vielleicht bin ich kein Riese, sondern ein Zauberer?" Listig funkelten die Augen des Halbschwedens. "Oh ehrwürdiger Gandalf, meine Beine zittern nur vor Respekt." Ein Moment der Stille folgte, dann mussten wir beide plötzlich laut auflachen. Endlich fühlte ich mich ein wenig besser, und nachdem ich einen großen Atemzug genommen hatte, wischte ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln. "Hast du immer noch Interesse an dem Treffen?", fragte Hansi. Er hatte das Buch zugeklappt. "Natürlich.", antwortete ich und lächelte verschmitzt. Der Gute hatte mich tatsächlich wieder aufgepeppelt, sowas würden sonst nur ein schönes Buch oder ein langer Ausritt bei mir schaffen...



    "Ich verspreche dir es sind nicht nur rauhbärtige Männer dabei, einer ist sogar eher an den Männern interessiert und Frauen gibt es auch. Ich kann dir nicht versprechen das es dir gefallen wird...aber ich konnte immer sehr gut abschalten wenn ich dort war." ich verstummte, legte das Buch auf den Couchtisch und erhob mich von der "Babycouch" sonderlich bequem war die Position wahrlich nicht gewesen. "Dann hilft dir Gandalf jetzt mal ein Abendessen zu zaubern." Das ich es sogar fertig brachte die Nudeln anbrennen zu lassen, weil ich vergaß sie überhaupt angesetzt zu haben verschwieg ich vorerst lieber. Ich dachte an meine letzten Bouletten, die Killian nicht nur im Spaß Obsidiankekse genannt hatte.


    "Bist du dir sicher, dass du überhaupt den Unterschied zwischen Essig und Öl kennst?", fragte ich zweifelnd. Ob seiner Erscheinung kam es mir vor, als könnte man den Hünen eher mit Pfeil und Bogen zum Jagen losschicken anstatt ihm beim Kochen zu sehen. "Ja. Essig wird für Salate genutzt, Öl zum Braten. Nur nicht anbrennen lassen.", ertönte es hinter mir. Ich war nicht sonderlich überzeugt von seiner Antwort, verdonnerte ihn daher dazu, die Kartoffeln zu waschen, schälen und dann in Würfel zu schneiden. Er machte seine Arbeit sogar recht gut. Ich schnitt ein Stück Putenfleisch in kleinere Stücke und bat ihn dann, Zucchini und weiteres Gemüse passend anzuschneiden. "Wie die Kartoffeln?" Er zeigte mit dem Messer auf die gewürfelten Erdäpfel, die jetzt in einer Schüssel lagen. "Natürlich, oder willst du, dass die Kartoffeln noch hart sind und das Gemüse praktisch breiig ist?!", erwiderte ich. Dumme Frage. Hansi brummelte etwas Unverständliches und schnibbelte los. Ich hingegen holte aus dem Schrank über mir zwei Pfannen und einen Servierteller für die Kartoffeln und die Beilage heraus. "Und dann?" "Du hast echt keine Ahnung von Kochen, Yeti." Der Name passte total zu dem Hünen. Der verdrehte nur die Augen als ich kicherte und ihm dann sagte, dass wir jetzt alles braten und abschmecken würden.


    "Du bist die Köchin, aber es gibt trotzdem ausgesprochen wenige weibliche Starköche. Allerdings bin ich wohl Längen davon entfernt. ..ich sollte wirklich lieber nur Gemüse putzen." Ich schob mir ein Zuchinistück zwischen die Lippen, kaute und schnitt weiter. Mein Handy vibrierte gerade als ich fertig wurde, ein kurzer Blick darauf verriet mir das es nicht wichtig war, unbeantwortet schob ich Handy und Nachricht wieder in die Tasche. Ich wusste manche Leute hassten das, aber nur wegen der blauen Pfeile bei WhatsApp, war es immerhin meine Entscheidung wann ich antwortete. "Du kannst das Gemüse schonmal in die Pfanne schmeißen." mit Schwung beförderte ich den Haufen hinein, nicht ohne dabei Spritzer des Öls auf die empfindliche Haut am Unterarm zu bekommen. Ich verzog das Gesicht, , schüttelte die Hand unwillig und drehte mich zu einer kopfschüttelnden Catalina um. "Was?!" fragte ich ein wenig genervt von mir selbst...Tollpatsch!


    "Du bist ein Tollpatsch!", bemerkte ich lautstark und drehte den Herd etwas runter. "Halt dir den Arm unter fließend Wasser.", befahl ich und legte dann die Fleischstücke in die nächste Pfanne. Dieser riesige...Keine Schimpfwörter!, dachte ich mir schnell und stellte dann die Teller auf den Tisch. Hansi stand mir ein wenig im Weg, daher schob ich ihn sanft aber bestimmt neben den Kühlschrank. "Besser?" Er nickte nur. Das Gemüse brutzelte ebenso sehr wie das Fleisch und gelegentlich wendete ich den Inhalt der Pfannen. "Und jetzt?", fragte er. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihm. 21, 22, 23..."Warten, bis alles fertig ist und dann essen wir. Schaffst du das ohne Verbrennungen oder muss ich dir ein Lätzchen geben?" Erbost stampfte der Hüne auf mich zu. Ohne eine Miene zu ziehen tat ich so, als hätte ich nichts gesagt und stellte zwei Gläser samt stillen Wasser auf den Tisch. "Wenn du schon so böse gucken willst, kannst du während dessen auch das Besteck holen." Mit meinem Zeigefinger zeigte ich auf die Schublade direkt neben mir, ein Auge auf die Pfannen werfend.


    Ich fühlte mich wie in eines dieser Clichés versetzt in der die Frau am Herd zu tun hatte und der Mann auf sein Essen wartete. Geräuschvoll nahm ich zwei Gabeln aus dem Schubfach, ließ die Messer darin, da wir sie wohl nicht brauchen konnten. "Wo sind denn eure Teller?" die zierliche Gestalt am Hers drehte sich um, deutete auf zwei Hängeschränke "Da oben.", wobei ihr oben bei mir nur bis zur Brust ging und ich problemlos zwei tiefe Teller hervor holte. Bei dem Gang zurück zum Herd, stieß ich mit der Hüfte gegen einen der Stühle - diese Küche war einfach lächerlich klein! Ich überspielte das ganze indem ich fragte ob sonst noch etwas zu tun sei.


    Das leichte Quietschen des Stuhles brachte mich zurück in die Realität. Für einen Moment war ich weg. Keine Ahnung wo, aber weg. Der Yeti deckte den Tisch, zupfte die kleine Tischdecke zurecht und fragte nach sonst etwas. "Nein. Setz dich. Sonst machst du noch was kaputt.", erwiderte ich und servierte das Essen. Es sah urkomisch aus, wie der Hüne auf dem leichten Holzstuhl saß. "Guten Appetit.", wünschte ich, doch er langte bereits kräftig zu. Seufzend fing auch ich an, zu essen. Ich hörte sein Handy mehrmals vibrieren. Nach dem achten Mal legte ich das Besteck geräuschvoll hin und starrte ihn erwartungsvoll an. "Ist sehr lecker.", meinte er. Doch ich blieb weiterhin stur. "Was?" "Wäre es möglich, das Handy auszuschalten? Oder wenigstens zu schreiben, dass du abwesend bist?", fragte ich etwas harsch. Direkt danach warf ich ihm einen entschuldigenden Blick hin. Aber anscheinend hatte er mir diesen Fauxpax bereits verziehen und wühlte in seiner Hosentasche nach seinem Handy. Die Haustür ging auf. Tabea und Bella traten ein. "Uuuh, Essen! Ist noch was übrig?", wollte Tabea wissen. Mit dem Kopf wies ich auf die Pfannen. Bella lächelte einmal, dann verschwand sie schon im Wohnzimmer. Tabea sah uns beide am Tisch sitzen. Grinsend stubste sie mich unterm Tisch an und sagte dann "Hallo, Hansi.", allerdings bekam sie nur ein Brummen zurück. Hansi war mit Lesen beschäftigt.


    Mit meinen wurstigen Fingern gelang es mir eine Nachricht zu tippen, die wohl klar machte das ich erstmal nicht erreichbar war *Damn it! You'll have to wait till I'm done with my work here!* das Fest war im Gange und ihnen fehlte jemand, trotzdem mussten sie ja nicht nerven. Vorsichtshalber stellte ich das alte Samsung komplett auf Stumm, schob es zurück in die Hosentasche. "Das Essen ist wirklich gut." lobte ich Cata, ignorierte dabei eine halb notorisch grinsende Tabea, dessen Alter ich einfach nicht zu schätzen vermochte.


    "Das hast du mir schon einmal gesagt." Etwas schleppend leerten wir unsere Teller. Hansi nahm dann die Teller und wusch sie ab. Er rubbelte sie dann sogar trocken und ließ sie dann für einen Moment stehen, ehe er dann diese wegstellte und dann seine Hand begutachtete. "Wollen wir los?", fragte ich. "Wohin?" "Lasset uns den Drachen bekämpfen, Gandalf!", erwiderte ich mit verstellter Stimme. "Wenn du das nochmal sagst jag ich dich durch das Haus.", drohte er mir, seine Augen blinzelten schelmisch. "Oh ja, als ob.", erwiderte ich salopp. "Also, fahren wir los?" Hansi nickte. Wir beide gingen die Treppen hoch - er ließ mich vorgehen, ganz der Gentleman - und bevor ich in mein Zimmer gehen konnte, warnte er mich, noch eine Jacke mit einzupacken. "Es wird kalt abends." Was du nicht sagst, dachte ich und griff mir neben einem mittellangen Parka noch einen Hoodie.
    Kurz darauf saßen wir in seinem Jeep. Natürlich hatte er seine - für mich - ungewohnte Wikingerkluft an, seine Waffen lagen hinten im Kofferraum. Aus seinem Radio dröhnte mir Metalmusik entgegen. "Soll ich was anderes einstellen?", fragte er, die Finger an der Apparatur. "Nein nein, ein bisschen leiser wäre aber nett.", ich schaute aus dem Fenster. Meine Haut kribbelte vor Spannung.


    Ich stellte gerade die Musik etwas leiser, als vertraute Klänge von Van Canto aus den Lautsprechern dröhnte. ..dann auch noch ausgerechnet Bed of Nails! Möglichst unauffällig wollte ich weiter schalten "Nein, lass ruhig an, hört sich gar nicht schlecht an." und während im Acapella Stil gesungen wurde versank ich derweil peinlich berührt im Sitz meines Jeeps.* No one makes you feel like I do , I do. No one gets as deep inside you as I do baby! Our love is a bed of nails, lovers do on a bed of nails, I lay you down on a bed of nails.* Tönte es laut genug das auch Cata es verstehen MUSSTE. ..jetzt fing schon an mein Radio mir Streiche zu spielen. Seitdem wir vor einer halben Stunde aufgebrochen waren, herrschte eisernes Schweigen, da ich mich besonders beim Autofahren eher auf den Verkehr konzentrierte. Das eingebaute Navigationsgerät verkündete ich sollte an der nächsten Kreuzung links abbiegen danach läge das Ziel direkt vor uns. "Du kannst es dir jetzt noch anders überlegen. "


    Die unangenehme Stille wurde nur hier und da von der Navistimme unterbrochen. Als dieses...nun ja doch sehr ungewöhnliche, weil für Hansi nicht typisch, Lied die Stimmung deutlich unter den Nullpunkt brachte. Er wirkte schon beinahe beschämt, doch mir gefiel das Lied. "Ach komm, wird schon schief gehen.", ich winkte lässig ab und hörte den Blinker leise klicken, als er links abbog und dann noch ein paar hundert Meter weiter fuhr. Die Dämmerung setzte allmählich ein, aber die Dutzend Wagen, die hier auf einem Kiesbett standen, waren Signal genug, dass hier etwas stattfand. Ich sah einige Stände, Laternen und kleinere Feuerstellen, die den Platz erhellten, Musik ertönte und Menschen unterhielten sich. Hansi hatte das Lenkrad immer noch umklammert. "Also?" Ich zog die Augenbraue hoch. Mit einem Ruck stand der Hüne auf, glättete seine Kleidung und öffnete mir dann die Tür. "Warte hier kurz, ich hole meine Sachen." Obwohl die Waffen sehr gefährlich und teilweise sehr nah am Original waren, fühlte ich mich bei ihm irgendwie geborgen, als er dann neben mir stand, eine lose Haarsträhne in sein Haargummi steckte und dann los marschierte.


    Meine Kluft bestand aus einem einfachen Leinenhemd, darüber ein aus platten bestehendes Lederwams, das mit einem Gürtel um die Hüfte gehalten wurde. Daran befestigt waren ein breites Zweihänderschwert, sowie die Axt. Meine Füße steckten in hohen Lederstiefeln, die leise knirschten bei jedem Schritt den wir weiter auf das Gelände taten. Von einzelnen Gestalten die in Highlandkluft einherliefen bis hin zu vereinzelten Mönchen und Edeldamen trafen wir noch keinen an der mir bekannt war. Wie ich meine altem Bekannten einschätze hatten sie sich eher am Rande des Geschehens platziert, waren vielleicht gerade am Kochen des Essens. Hier auf dem Platz gab es einen kleinen Teich, an dessen Seite ein riesiges hölzernes Katapult stand auf welches ich zuhielt - dies gehörte ohne Zweifel zu ihnen. Feuer erhellten rechts uns links unseren Weg, die Band spielte soeben ein 'https://www.youtube.com/watch?v=0k01zY822dk'neues Lied an und ich wurde plötzlich von einem stockigen jungen Mann im herben Dialekt eines Bayern begrüßt, allerdings nicht mit dem Namen den ich in der "realen Welt" trug sondern mit einem den ich seit fast drei Jahren nicht mehr vernommen hatte. "Thorfinnr! Nach all der Zeit kreuzen sich unsere Wege erneut." er schlug mir mit der Hand leicht auf die Schulter, sah dann Catalina und beugte leicht den Kopf, wobei er etwas murmelte wie "edle Dame."
    Ich winkte ab, fragte wo der Rest der Truppe sein, da der Platz neben dem Feuer ziemlich leer "Harmundr und Thorstein sind mit der Band auf der Bühne. Runa und ihre Tochter lungern beim Schmied umher. Die anderen sind noch nicht eingetroffen."
    Wir wandten uns von ihm ab und ich führte Catalina zunächst zu einem der Orte der schlicht "Fundus" genannt wurde. "Such dir eines der Gewänder aus." Catalina ging etwas misstrauisch voran, zog an dem Kleid und dem nächsten, sah mich dann an "Ich bin eher nicht der Kleider tragende Typ Frau." es klang geknickt und zerknirscht. Ich schob sie weiter vor mir her "Das gute an den Wikingern war, es gab eine Art der Gleichberechtigung der Frau, sie war nicht gezwungen im Dorf zu bleiben. Die sogenannten Shieldmaiden kämpften an der Seite der Männer." Damit blieben wir stehen an einer Stelle an der es für Frauen passende "Männerkleidung" gab. Während sie sich anzog drehte ich ihr den Rücken zu...heraus trat sie mit einem großen Schild, einem gleichzeitig ledernen aber auch aus Ketten bestehendem Wams, einem blauen Hemd und ein wenig abgetragenden Hosen, die fast genauso saßen wie Reithosen und sich auch dazu eigneten. Der Ring an ihrer Hüfte jedoch war leer, also zog ich meine eigene Axt aus dem Ring und schob ihn in den ihren "Jetzt siehst du aus wie eine Shield Maiden." leicht skeptisch drehte sie sich vor der Spiegel, lächelte dann ein wenig zaghaft. Vor dem Zelt hörte man ein leichtes Krächzen, als wir gemeinsam daraus ervor traten sahen wir eine Frau mittleren Alters mit Ketten und Taschen behangen - auf ihrer Schulter saß in ermangelung eines unter Naturschutz stehenden Raben eine Krähe. "Runa!" rief ich erfreut, begrüßte ich die Runenkundige unseres kleinen Clans, die nickte jedoch nur und machte eine Bewegung die keinen Schluss darauf verfehlte das wir ihr folgen sollten.
    Im Kreis meiner alten Bekannten um das Feuer blieben wir schließlich stehen, Runa holte ihr geschnitztes Horn hervor, hielt es in die Höhe und die kleinen Gespräche verstummten um uns herum, gespannt hielt Cata neben mir die Luft an. Dann erhob sie ihre Stimme zum Gebet:

    Gepflanzt sind wir von den Göttern,
    unsere Wurzeln im Boden geben uns Halt,
    genährt vom Humus der Mythen.
    Wir sind ein Baum, gleich Ask und Embla,
    Die Götter geben uns Kraft und Sinn.


    Mit jedem Jahr wird der Stamm dicker,
    wir trotzen den Stürmen des Lebens.
    Wir wachsen über uns hinaus.
    Wir sind ein Baum, gleich Ask und Embla,
    Die Götter geben uns Kraft und Sinn.
    (c) Michael Schütz

    Damit ging das Horn der Reihe herum, ein jeder schüttete einen Schluck vor sich auf die Erde und nahm einen Schluck, dann reichte er es weiter. Währenddessen setzte Runa wieder ein "Geeint sind wir im Kreise, die alten und neuen in diesem zu begrüßen und die Götter zu ehren. Der Alltag soll von uns abfallen, die Herzen sich uns für alles öffnen, denn wir sind die Kinder der Götter und begegnen ihnen mit Respekt. Willkommen zurück in unserem Kreise Thorfinnr und Willkommen zu seiner jungen Begleiterin!" damit trank ich meinen Schluck und reichte ihn an Catalina weiter.


    Ich nahm das Horn an und schaute kurz hinein. Dann schüttete auch ich einen Schluck auf den Boden und nahm einen Zug. Es war Met. Der Alkohol brannte kurz in meinem Hals, dann reichte ich ihn weiter an Runa, wie Hansi - äh, Thorfinnr - sie genannt hatte. Runa hielt das Horn in die Höhe, und alle verstummten. Sie trat hervor, und sang leise. Es klang nordisch, und ihre Stimme wurde mal lauter, dann leiser. Dann ging sie wieder zurück zu ihrer alten Position und starrte ins Feuer. "Mögen die Götter unsere Wege erleuchten auf unserem Pfad der Bestimmung, und möge ihre Weisheit und Stärke uns erleuchten." Mit Beendigung des letzten Halbsatzes sah sie mich genau an. Die Zeremonie war wohl zu Ende, denn die anderen 'Wikinger' traten zurück und verteilten sich über den Platz.
    "Und?", fragte Hansi mich. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte und machte den Mund auf und wieder zu. "Sprachlos, wie?" "Ich war schon immer von den Germanen fasziniert. Wenn Wicki im Fernsehen kam, hab ich mir immer vorgestellt, wie es ist, als Wikinger über die See zu fahren und Abenteuer zu erleben." "Die Serie ist nicht sehr original treu. Vikings würde ich dir da empfehlen. Oder mehrere solcher Treffen."
    "Na, ich weiß nicht Thorfinnr." Hansi schmunzelte über meine Aussprache seines Namens. "Du könntest aber auch einen neuen Namen kriegen. Seien wir mal ehrlich, Catalina ist nicht sehr tauglich hier.", brummte der Kerl. Ach? Wollte er mich jetzt komplett in seinen Kult hinein ziehen? Achselzuckend stellte ich kurz das Schild ab und lehnte es an meine Beine, damit es nicht umkippte. "Und woran hast du da gedacht?", fragte ich und sah, wie es im Kopf des Hünen rumorte und arbeitete. Doch ehe er mit einer Antwort dienen konnte, rief jemand seinen Namen. Etwas enttäuscht über die Unterbrechung folgte ich dem Blick des Mannes.



    Ungehalten drehte ich mir der Stimme zu die meinen Namen gerufen hatte, auf einem breit brustigem Isländer kam er im Schritt auf mich zu - hier auf dem Fest gab es im allg. viele der Pferde von denen man wusste, das sie durch die Wikinger verbreitet wurden - mit einer schnellen Bewegung hatte sich der Vollbärtige aus dem Fellsattel geschwungen. Ich kniff die Augen ein wenig zusammen, als ich hinter ihm auf einem Isabelöfarbenem Isländer Alfar erkannte. Sie schien ein wenig erschrocken mich hier zu sehen, während Wandr mich freunlich grüßte und ich mir WIRKLICH Mühe gab die Zähne auseinander zu bekommen. "Du hast dich lang nicht blicken lassen!"
    "Ich hatte viel zu tun...bin seit fast zwei Jahren in Schottland, erst als eine Art Pfleger und seit letztem Jahr trainiere ich die Pferde auf dem Hof auf dem ich lebe...da bleibt eben nicht viel Zeit mit euch hier zu sein."
    "Man kann doch wohl mal vorbei kommen!" protestierte er, ich wusste wie er es meinte...es hatte Wandr in der Vergangenheit viele Jobs gekostet da er *krank* gewesen war...er lebte viel zu sehr in dieser Mittelalterlichen Welt. "Zeiten haben sich geändert, ich brauchte auch mal Abstand von den Trubel hier. In Wahrheit war es Alfar gewesen, weshalb ich so lang nicht mehr hier gewesen war...Alfar und natürlich Wandr, den ich mit einigen wenigen Sätzen abwimmeln konnte. "Lass uns bloß verschwinden!" murmelte ich Cata zu, nahm ihr das Schild vom Boden aus und verschwand mit ihr in Richtung der weniger durch Feuer beleuchteter Wege zu den Pferchen der Pferde. "Hast du Hunger?" fragte ich sie auf dem Weg dorthin, der Duft vom frisch gemachtem Brot und Fleisch stieg uns in die Nase - es gab mehrere Stände an denen Essen gekauft werden konnte, falls das jeweilige Lager nicht bereits dafür gesorgt hatte.

    Als der Hüne mich von den beiden Personen zu den Pferden scheuchte, kam ein ungutes Gefühl in mir auf. War das der Grund, warum er nicht mehr hier war? Und als er dann noch nach dem Zustand meines Magens fragte, wurde mir noch komischer. "Wir haben doch gerade gegessen. Was ist denn nur los mit dir?", fragte ich leise. Etwas verspannt stand er da, und schaute zu den Isländerpferden hinaus. "Nichts, was sollte mit mir los sein? Ich habe jedenfalls Hunger.", damit ging er auf einen Essensstand zu und holte sich ein Stück Brot. Eilig begann er, darauf herumzukauen. Diese nervöse Seite kannte ich von dem sonst so ruhigen Trainer überhaupt nicht. Das ungute Gefühl verlagerte sich und wurde dadurch bestärkt, dass er das Brotstück langsam herunterschluckte, als wolle er meinen Fragen ausweichen. "Sag doch einfach, was los ist. Das ist kein Beinbruch, wenn du hier ein paar unschöne Erfahrungen mit den Leuten gemacht hast, da kann man darüber stehen. Wir sind doch alle erwachsen." Wäre Bella jetzt hier, würde sich mich erst auslachen und mir dann mit einem Steinhammer den Kopf einschlagen. Eine Weile sagte keiner was. Ich fokussierte mich auf die Isländer, die in ihrem Pferch grasten oder sich gegenseitig pflegten. Hansi starrte nur finster in die Dunkelheit und knibbelte wieder an seinen Fingernägeln.


    Ich wollte sie nicht im ungewissen lassen, trotzdem kostete es mich eine ganze Weile ehe ich die Worte in meinem Kopf zusammen gelegt hatte. Mit den letzten Bissen Brot sank zwar ebenso mein Mut, sodass ich die Zähne nicht richtig auseinander bekam. "Alfar ist die jüngste Tochter von Runa, wir sind zusammen zur Schule gegangen, weswegen ich bei der Truppe schon früh dabei war. Außerdem war sie die erste die als meine Eltern mit mir nach Deutschland zurück gingen auf mich zukam und mir Freundschaft anbot. Während sie ihr Abi bestritten hat, nahm ich eine Ausbildung bei einem Pferdewirt an um meinem Hobby weiter nachgehen zu können. Auf den Märkten habe ich Wandr kennengelernt, der in den folgenden Jahren zu meinem besten Freund wurde. Mit 19 hatten Alfar und ich eine Beziehung...die dann beendet wurde, als ich für ein Voluntariat nach Irland bin um dort auf einem Hof mehr zu lernen. In diesem Jahr hatte sie einen Autounfall....tja es war Wandr und nicht ich der ihr in dieser schweren Zeit zur Seite stand. " Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen den sicher aussehenden Zaun. "Ich hab nicht viel davon mitbekommen, doch wurde ich auf einen der Märkte eingeladen - Alfar und Wandr haben dort geheiratet. Ich fühlte mich verletzt von meinem besten Freund derart hintergangen worden zu sein...." ich schwieg dann setzte ich erneut an " Vielleicht nicht hintergangen, aber ich hätte wohl anders reagiert, wenn sie mir beide davon berichtet hätten....wenn in dem Jahr irgendwer etwas gesagt hätte. Ich kam zurück in dem Gedanken Alfar vielleicht wieder für mich gewinnen zu können."
    Seitdem hatte ich mich auf festivals herumgetrieben, mich in die Arbeit gestürzt und als ich das Angebot von Kathrin bekommen hatte bei ihr auf dem Hof zu Arbeiten und ihr die Pferde zu trainieren nur zu gern angenommen. Ich hatte vor drei Jahren Deutschland und damit dem Clan den Rücken zugekehrt...mit wenigen hatte ich noch Kontakt gehalten. Mein Vertrauen in die Menschen war enttäuscht worden, ich pflegte den Pferden eher ihr Vertrauen zu glauben als anderen Lebewesen.


    Das war ein harter Bissen. Deshalb also wirkte er immer so grimmig, aber mit den Pferden verstand er sich mehr als genug. Ich brauchte einen Moment, um zu antworten. "Das ist mies. Ich kann das verstehen.", gab ich zurück und wartete auf eine Antwort. Doch der Hüne nickte nur. "Gehts dir besser?", wollte ich nun wissen. "Nicht wirklich, nein.", erwiderte er. Er klang leicht genervt, daher versuchte ich es noch ein weiteres Mal mit einer Frage. "Wir können auch wieder nach Hause fahren." "Wir sind kaum eine halbe Stunde hier. Wegen Wandr und Alfar lasse ich mir nicht die Laune vermiesen. Außerdem,", er grinste verschmitzt "wolltest du doch die Falken sehen. Und ich wollte wieder bei den Kämpfen zu schauen." Ich sah in diesem Moment wohl aus wie ein glückliches Kind zu Weihnachten, denn ein zufriedenes Lächeln huschte über die Gesichtszüge des Mannes, dann streckte er seine Hand nach mir aus. "Also, wollen wir?" Ohne nachzudenken ergriff ich seine raue Hand, und er lotste mich weg von den Pferden zu den beleuchteten Plätzen und bog dann am Kleiderfundus ab, zu einem etwas abgeschotteten Bereich. Man konnte den Schrei von Falken erahnen, die in der Ferne waren.



    Es gab gut 5 Falken, die jeweils auf ihren Böcken hockten direkt neben ihnen befand sich eine Feuerschale - am meisten jedoch beeindruckte mich der riesige Steinadler der in der Mitte auf dem Boden hockte. Um die Füße der Vögel waren leichte Ketten gelegt, auf den Köpfen trugen nur zwei von ihnen die typische Haube. "In einem Jahr trugen die Falken während des Fliegens eine Art Fackeln die 2 Meter unter ihnen waren während die durch die Dämmerung flogen, für heute haben wir die Show wohl verpasst." sagte ich leicht bedauernd....trotzdem schien es immer noch der alte Falkner zu sein. "Fusel" wie er genannt wurde, war ebenfalls berühmt für seinen starken Alkohol den er neben der Falkenshow für die Besucher verkaufte. Ich ging hinüber zu dem Feuer, dort stand ein Dreifuß an dem ein großer Kessel hing, darin musste irgendwas schmorden - es verbreitete einen wahnsinnig guten Geruch. "Thorfinnr? Das ausgerechnet du mal wieder kommst!" rief er aus und nahm mich in eine knochenbrechende Umarmung. Der Typ war vor seinem starken Knochenbruch Schmied gewesen, besaß noch breitere Schultern und war noch knapp zwei Handbreit größer als ich und mir entwich die Luft mit einem leichten Keuchen. "Du hast ein paar deiner Haare eingebüßt, dein Bart ist grauer geworden aber stark wie ein Bär bist du noch immer." Fusel wischte sich grinsend über die Glatze, begrüßte dann Cata - auf die herkömmliche Art und fragte dann was wir wollten. "Ich wollte meiner Begleitung mal die Falken näher zeigen, ich nehme an ihr Abendessen hatten sie noch nicht?" Fusel sah Cata an und lachte, wobei er sich den leichten Bierbauch hielt "Dann kommt mit!"


    Der alte Mann, der wohl zu früheren Zeiten einen harten Job gehabt hatte, vermutlich in der Metallindustrie, schien ein gutmütiger Kerl zu sein. "Hast du schon einmal einen Falken auf dem Arm gehabt, Shield Maid?" Ich schüttelte den Kopf. "Ich weiß aber, dass man einen Lederhandschuh dabei trägt und dem Jagdvogel nicht verärgern sollte.", sagte ich. Der Falkner lachte. "Da hat jemand die Theorieprüfung bestanden, nicht wahr?" Er ging zu einem der 'http://www.fotos.sc/img2/u/richard/h/Falke_Greifvogel_Jaeger_sehen_Flug_Maeuse_Kleintier_Sturzflug_Schnabel_.jpg'Falken und gebot mir, ihm zu folgen. "Das ist Karya.", wies er auf die dunkel gefiederte Jägerin hin. Diese schlug nur mehrmals mit den Flügeln und warf den Kopf herum. "Sie ist noch jung, aber sie ist eine ausgezeichnete Fliegerin." Damit streifte der Falkner mir einen schweren, mitgenommenen Lederhandschuh über, der mir bis zum Ellbogen reichte. Hansi stand etwas weiter von mir entfernt und verschränkte die Arme. Mein Herz pochte. Plötzlich stieß der Steinadler, der zwischen den Falken hockte, einen markerschütternden Schrei aus und ich zuckte unwillkürlich zusammen. "Keine Sorge, er wittert Beute und möchte jagen.", brummte der alte Mann. Karya hüpfte auf den Arm des Mannes, der ohne weiteren Schutz auf mich zu ging. "Lass sie dich begutachten. Vielleicht kannst du sie auch berühren. Sobald sie aber die Flügel ausbreitet, solltest du das verwerfen.", erklärte er. Karya legte den Kopf zur Seite, dann stieg sie auf meinen behandschuhten Unterarm und drehte sich dann um die eigene Achse, bis sie mit dem Rücken zu Hansi stand. Der Falke krallte sich stark in das Leder, und ich spürte den Druck kaum. "Wow. Anmutig und grazil, und doch eine perfekte Jägerin.", ich besah mir den Vogel doch etwas neugierig an, und schaute dann den Falkner an. "Ich denke, du kannst sie am Rücken streicheln." Zaghaft fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über den gefiederten Rücken, dann wurde ich etwas mutiger und streichelte sie mit der ganzen Hand. Da ich mich aber weiterhin nicht traute wendete ich den Arm, sodass sie nun schräg vor mir auf dem Arm saß. "Siehst du diese Steinplatte? Von dort aus kannst du sie in das kleine Tal losschicken."
    Ich tat, was mir geraten und blickte von der Platte nach unten. Ein Steilhang führte in das Tal, das gut fünfzig Meter tiefer unter uns lag. "Einfach den Arm schütteln." Ruckartig bewegte ich den Arm nach vorne. Mit Schwung setzte sich Karya von mir ab, und stieß sich hinab in das Tal. Nach einem Flug von etwa drei Minuten segelte sie auf den Hocker, der ihr zugetragen war und bekam eine kleine Maus vom Falkner als Belohnung. "Und?" "Klasse!", erklärte ich und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Hansi und der Mann sahen sich an und lachten dann. "Ich denke, wir haben gerade einen Kindheitstraum erfüllt, Thorfinnr.", der Falkner klopfte Hansi kräftig auf die Schultern.



    Ich nahm der jungen Frau den Handschuh ab den sie mir entgegen hielt, schob ihn mir selbst auf den Arm, mit einem auf schwedisch gebrummten Befehl rief ich den Adler zu mir - Fusel und ich hatten ihn einst aufgezogen und ebenfalls ausgebildet, sein Name war Tschetan...was in anbetracht seiner Gattung fast eine Beleidung war, denn es bedeutete "Falke". Im Grunde beruhte der Name jedoch in der Freunschaft zu den kleineren Artgenossen. Mit einem kleinen Gleitflug landete der Adler auf meinem ausgestreckten Arm, sah mich aus seinen braunen Augen an. "Ob er sich wohl noch an mich erinnert?" fragte ich den alten Mann, der unwissend mit den Schultern zuckte, mir aber ein Kaninchen reichte. Tschetan gab einen Schrei von sich, tänzelte auf meinem Arm hin und her. Dann entließ ich ihn in die Luft, hörte wie er über unseren Köpfen zu kreisen begann und ich warf ihm das Kaninchen in der Luft entgegen. Nachdem er es gefangen hatte, ging es zu seinem alten Platz zurück wo er begeistert an seinem Kaninchen herum zu picken begann - beinahe gierig. Bei seinem Rundflug hatte Catalina die Möglichkeit erhalten, die anderen Falken mit Mäusen und kleineren Küken zu futtern.
    "Willst du nun doch noch einen anderen Namen erhalten?" fragte ich sie im zurück gehen zu den etwas belebteren Schauplätzen, an denen es nun Feuershow und Schaukampf gab.


    Das Geräusch von aneinander klirrenden Schwertern erklang, als wir bei einem Rund stehen blieben. Die Kämpfer tänzelten umeinander herum, eine weitere Schwertkombination erfolgte. "Warum nicht?" Hansi blieb neben mir stehen und schaute interessiert dem Schaukampf zu. "Ich finde Gaupa ist ein passender Name." "Gaupa?", fragte ich verwirrt. Hörte sich an wie eine neue Version von Graupennudeln, brrr. "Frauen, die den Namen 'Gaupa' tragen, sind im Allgemeinen willensstarke und loyale Persönlichkeiten. Sie sind stark wie ein Bär und doch so klug wie eine Eule." Ich spürte, wie mir erst heiß und dann eiskalt wurde. "Hört sich an wie die Bezeichnung einer Wildkatze.", sagte ich. Dann sahen wir uns einen Moment lang an. Meine Fingerspitzen kribbelten, dann dachte ich nach. "Gaupa...Gaupa...Sofern er mir ebenbürtig ist, nehme ich ihn gerne an." Der Schaukampf war vorbei. Wandr, der Mann von vorhin, lief nun auf den Zirkel zu und streckte seine Hand aus, sobald er Hansi und mich sah. "Aye, Thorfinnr!", rief er laut.



    Die Arme vor der Brust verschränkt stand ich da, winkte freundlich ab - um uns herum entstand nun aber ein Ruf nach dem anderen der meinen Namen verkündete. Wandr wusste das ich mit dem Schwert nicht gut war, gerade nicht nach all der Zeit - wollte er sich beweisen?
    Ich brummte, biss die Zähne aufeinander, Catalina oder jetzt Gaupa, stellte sich auf die Zehenspitzen "Den schaffst du doch wohl mit links!" flüsterte sie, zwinkerte mir zu. "Na schön!" ich entledigte mich des Lederwamses, dem wuchtigen Gürtel und zog das Schwert aus der Scheide. "Darf ich mir dein Schild leihen? " Es war eines der Schilde die mit einem Riemen hinter dem Rücken befestigt werden konnte, also löste sie mit flinken Fingern die Riemen und ich konnte in die Mitte des Zirkels treten um Wandr gegenüber zu stehen.
    Wandr war schon immer ein Typ von viel Geplänkel und Scheinangriffe gewesen, auch jetzt begann er mit tänzelnden Schritten. Ich bblieb stehen wie ein Stein, beobachtete und schätze seine Beweglichkeit ein, dann trat ich zwei zügige Schritte auf ihn zu und warf das Schild mit Wucht auf seinen Oberkörper. Da er mit einem Angriff mit dem Schwert gerechnet hatte, war seine Hand erhoben, der Aufprall des Schildes gegen Oberkörper, Ellenbogen und das Schwert ließ es ihn loslassen. Geistesgegenwärtig griff er sich das schmale Schild, da bei meinem Angriff nicht die Zeit blieb sein Schwert aufzunehmen - drei kräftige Hiebe gegen den Schild, mehrere hastige Schritte von Wandr nach hinten und er stolperte über die hochgewachsene Grasnarbe. Er schnappte nach Luft als er landete, sah mich dann aus einer Mischung von Erstaunen und Freude an. Ich bot ihm die Hand an um ihm auf zu helfen als er stand klopfte er mir brummend auf die Schulter. "Du kämpfst noch immer mehr mit dem Verstand als den Muskeln!" rief er über den Applaus hinweg. Ich schnappte mir das Schild und lief wieder zu Gaupa hinüber. "Was willst du als nächstes sehen?"


    Der Kampf war schneller vorbei als erwartet. Obwohl ich sah, wie Thorfinnr haderte, überhaupt zu kämpfen, stieg er in den Kampf ein und besiegte Wandr im Handumdrehen. Als er dann auf mich zu kam, und nach weiteren Plänen fragte, hatte ich verstohlen einen Blick auf mein Handy geworfen. Fast 11 Uhr. "Ich würde ja gerne noch bleiben, aber ich muss morgen früh aufstehen. Ich erwarte ein Telefonat mit dem Landbesitzer aus Morvern." Ein überraschter Ausdruck entstand auf seinem Gesicht. "Morvern? Das ist nur eine Stunde von Craignure entfernt. Mit der Fähre, versteht sich." Duh. "Nun, wenn du jetzt schon gehen willst. Vorher sollten wir uns verabschieden." Er gab mir den Schild zurück, dann folgte ich ihm quer über den Platz. Als er sich von dem Falkner, Wandr, Alfar und einigen anderen verabschiedet hatte, fand er auch Runa. "Thorfinnr! Du wirst uns doch nicht verlassen?", rief sie aus. Die Krähe auf ihrer Schulter wippte, um das Gebärden der Frau auszugleichen. "Ich fürchte doch, Runa.", antwortete der stämmige Mann. "Und hat deine Begleiterin einen Namen erhalten?" "Gaupa." Ein listiges Funkeln lag in Runas Augen. "Gaupa...ein dir würdiger Name. Mögen die Götter euch schützen auf euren Wegen und möget ihr uns bald wiedersehen.", rief sie und schaute mich dann einen Moment lang an.
    Ich stand im Fundus und wechselte meine Kleidung. Ich hatte mich an die Wikingerkluft - pardon, Shield Maiden Kleidung - fast gewöhnt und jetzt in meine Röhrenjeans zu steigen war doch etwas tricky. Kurz darauf trat ich aus dem Zelt hinaus und sah noch, wie Wandr mit Thorfinnr eilig und vor allem eindringlich sprach. Wie ertappte Schuljungen wandten sie sich ab, sobald ich dazu trat. "Auf Wiedersehen, Thorfinnr.", bemerkte Wandr nur, sah mich kurz an und stapfte weg. "Alles ok? Fahren wir?"
    Die Nacht wurde immer dunkler, und der Mond spielte Verstecken mit den Wolken. Das Radio war ausgeschaltet, und man konnte nur den Motor brummen und den Asphalt knirschen hören. "Hat es dir Spaß gemacht?" Lange musste ich nicht nachdenken. "Ja. War interessant. Die Falken fand ich klasse." Er lachte auf. "Sonst nichts? Nur die Greifvögel? Was ist mit dem Kampf gewesen." "Naja, bisschen eingerostet bist du schon, oder?", ich grinste. "Gaupa, wenn wir uns nicht im Wagen befinden würden-" "Dann was? Kämpfen wir?" Er verstummte plötzlich. Dann lachte er schallend los und bog in die Einfahrt ein.
    "Wann hast du denn das Gespräch morgen?" "Sieben Uhr. Wenn der Besitzer sein Okay gibt, lass ich meine Sachen und die von den Pferden nach Morvern zu dem Gestüt fliegen, dann bin ich weg und nach und nach kommen die Pferde." "Hast du ein Bild von dem potenziellen Stall?" Thorfinnr entledigte sich gerade seiner Waffen und lehnte sich an die Trennwand der Küche. Zielsicher tapste ich zum Schwarzen Brett und riss ein 'http://www.galopp-hamburg.de/sites/default/files/imagecache/imgVorschau/obj-images/hofeinfahrt._foto_gestuet_hachetal.jpg'Foto ab. Der Hüne sah sich das Bild und die Annonce genau an. "Kenne ich. Hat sehr große Weiden und Ausbaumöglichkeiten. Wie viel?" Schnaufend steckte ich das Bild wieder an die Korkunterlage. "Willst du nicht wissen. Ich mache mich jetzt bettfertig." Mein Gegenüber brauchte einen Moment, bis er verstand und mir dann ungelenk 'Gute Nacht' wünschte. Dann hörte ich nur das Stapfen von Stiefeln und das Auf- und Zugehen einer Tür und dann konnte ich mich auf die Couch werfen, nachdem ich ein übergroßes Shirt und eine Baumwollhose übergeworfen hatte.



    Am nächsten Tag widmete ich mich wieder dem jungen Hengst, wie am Vortag ließ ich ihn unangebunden vor der Box stehen und war am putzen. Cata war damit beschäftigt ihr Gespräch zu führen, danach erst wollten wir gemeinsam Frühstück essen.
    Nach dem Putzen fand ich mich mit Dorn im Round Pen ein, an seinem Kappzaum war die Longe befestigt und zunächst lief er brav im Zirkel um mich herum. Allerdings testete er oft aus ob er nicht doch schneller laufen könnte, vorerst ließ ich ihn. In dem Moment da Dorn jedoch von selbst durchparieren wollte trieb ich ihn weiter, der Hengst versuchte sich mit einem Buckler quer zu stellen, doch energischer nun schickte ich ihn vorwärts. Nach diesem kurzen Machtspiel verlief das Training ohne Probleme, ich ließ ihn dann noch eine Weile frei laufen und brachte ihn dann zurück in die Box. Dort wollte ich gerade sein Halfter abnehmen , als mich der freche Kerl doch tatsächlich in den Unterarm biss! Unkommentiert drehte ich bei und ging aus dem Stall heraus...offensichtlich verteidigte er sein Revier.Da begann eine Idee im Kopf heran zu reifen. Vorerst jedoch half ich Cata dabei den Tisch zu decken. Da plötzlich hielt sie mich am Handgelenk, drückte leicht an die Stelle mit dem Biss "Ouh..das sieht aus..willst du ein Kühlakku?" Mit sanfter Geste entwand ich ihr die Hand "Nein...ist nicht der erste Biss." kommentierte ich ihre leichte Sorge.


    Der Tisch war gedeckt. Bella und Tabea bestrichen gerade ihre Brotscheiben, Hansi haute sich gerade den Magen voll, der verletzte Arm leicht angestützt. "Wie sieht es aus mit Morvern?", fragte Bella. Heute früh hatten wir uns hingesetzt und ein paar Stunden geredet. Wir waren nicht auf gleicher Höhe aber immerhin war sie mir nicht mehr böse. "Mr Conelly hat gesagt, dass der Stall heute noch einmal geprüft wird, ebenso wie der Round Pen, der Reitplatz und die Halle. Also kann ich das Gestüt in zwei Tagen beziehen." "Hast du schon einen Namen?" "Ich denke, ich werde den alten beibehalten.", erwiderte ich ohne weitere Details. Bella nickte nur und biss in ihre Schnitte. Etwas angewidert drehte ich mich weg. Prustend gab Bella ihrer Schwester ein High Five. "Du hast Zitronenmarmelade immer noch?" "Was heißt immer noch? Das ist der Aufstrich des Teufels!", rief ich und warf die Arme in die Luft. Es folgte ein heiterer Gemütsausbruch allerseits.
    Tabea und Hansi machten die Küche sauber, Bella und ich sattelten derweil unsere Pferde auf. Kurz darauf trat der Hüne in die Szene ein. "Wo wollt ihr hin?" Bella befestigte gerade die Gerte an Laufeys Sattel. "Also ich werde ausreiten. Cata möchte sehen, wie Dorn sich mit Sattel macht." "Du willst ihn reiten?!" "Quatsch, nein. Erst, wenn ich drüben in Morvern bin. Will nur sehen, ob ich ihn jetzt mal laufen lassen kann." Damit band ich die Steigbügel hoch, und führte den Hengst in den Round Pen. Hingegen aller Erwartungen sträubte sich der Hengst kein bisschen. "Bist du dir sicher, dass du das schaffst?", wollte Hansi noch einmal wissen. Zweifel lag in seiner Stimme. "Gib mir nur einen Versuch, bitte." Ich befestigte die Longe am Gebiss und ließ Dorn nur vorweg gehen. Im Trab wachte das Pony dann komplett auf. Er zog ständig an der Longe und tänzelte ein wenig im Rund, aber sobald er bemerkte, dass ich darauf nicht aus war, gab er Ruhe. Ich trieb ihn anschließend in den Galopp, und nach einigen Sprüngen schaffte er es, einigermaßen vernünftig zu gehen. Plötzlich legte er die Ohren an, der Kopf stand schon fast auf einer Gerade mit dem Hals und er fing an, zu buckeln.



    Nachdem sich der Hengst soweit beruhigt hatte begann er sehr unruhig auf seinem Gebiss herum zu knabbern. "Warte ich komm mal rein." irgendwie kam ich mir nun ein wenig dämlich vor...es klang als würde ich ihr das Trainng nicht zutrauen. Natürlich war ich derjenige mit mehr Erfahrung in dem Beruf, aber für ihre knapp 19 Jahre machte sie ihre Sache ja nicht schlecht. "Traust du mir das nicht zu?" kam es nun auch von Cata.
    "Natürlich nicht, aber ich hab eine Vermutung." Wir ließen ihn anhalten, ich fummelte seine Trense vom Kopf band die Longe um seinen Hals und befestigte den Karabiner in dem Seil der Longe. Das ganze wirkte nun wie ein Würger beim Hund - zog er zu stark wurde der Druck schwerer. Dorn jedoch trappelte im Kreis um uns beide herum, Cata ließ ihn auch galoppieren - ohne das er buckelte. "Wenn du eh nach Schottland kommst...dann könnte ich ihn mit nach Caed Crevan nehmen und dort trainieren. So wie es aussieht mag er sein Gebiss nicht sonderlich, vielleicht hat er auch Probleme mit den Zähnen. Ich würde ihn mitnehmen und zu Hause mal einen Tierarzt drüber gucken lassen, , natürlich auch mit ihm trainieren. Du hast noch eine Menge zu tun mit dem Umzug und allem, wenn ich dir da unter die Arme greifen kann...?" Wir sammelten Dorn wieder ein, kehrten langsam zum Hof zurück.


    Auf dem Hof nahm Hansi sich des Hengstes an und putze ihn. Ich ließ mir das Angebot gut durch den Kopf gehen. "Nun, am Gebiss kann es schon liegen. Und wenn du wirklich einen Arzt drüber gucken lassen willst - gerne! Ich will jetzt erst einmal nach Benny und dann nach Steel schauen." Gesagt, getan. Der arme Wallach wurde mit neuem Wasser versorgt; anschließend nahm ich seine Werte auf und verglich sie mit denen der vergangenen Tage. Seine Temperatur ging langsam wieder runter. Steel rupfte langsam Heu aus ihrem Futtertrog hinaus. Sie war schon etwas an mich gewöhnt und folgte mir ohne Zögern aus der Box, wo ich sie dann anband und putzte. Ich legte ihr ein Pad und einen Gurt an, streichelte sie und ging dann mit ihr nach draußen. Gleichzeitig kam mir Hansi mit Dorn entgegen. Steel duckte sich ein wenig als sie den großen Kerl vorbei laufen sah. Mit Dorn hielt sie einen kurzen Kontakt, dann aber zog sie sich an meine Seite zurück. "Ist ja gut, Kleine." Wir zogen am Stallgebäude nach links zum Round Pen vorbei auf die kleine Apfelbaumwiese. Dort ließ ich sie eine Zeit lang grasen, sie bemühte sich sogar, einen unreifen Apfel von seinem Ast abzureißen und ihn dann zu verschlingen. Lachend ging ich mit ihr weiter, zum Reitplatz. Dort ging ich mit ihr am Strick ein paar Runden. Als ich zurückkam, stand Hansi am Gatter und lächelte.



    "Steel scheint eine ganz vorsichtige zu sein, was?" fragte ich Cata. Ich hatte bereits Sarah verständigt wegen dem neuen Gast, sie hatte nur gemeint sie würde eine Box vorbereiten. Heute würde ich wohl gegen Abend noch einmal auf Tuchfühlung mit dem jungen Hengst gehen, ansonsten alles auf unserem Hof machen. Ich beobachtete wie sie die junge Stute quer über den Platz führte und meine Frage offensichtlich nicht gehört hatte. Als sie wieder näher bei mir war "Soll ich eigentlich einen Teil deiner Kartons schon mitnehmen? Der Jeep hat Platz genug, so sparst du dir einen Umzugswagen weniger und kannst dich eher auf die Pferde konzentrieren. Vielleicht könnte ich sogar einen zweiten Hengst mitnehmen?" Ich sah wie Cata zu überlegen begann "Generell hätte ich dir wohl Benny mitgegeben, aber in seinem Zustand will ich das nicht unbedingt. Ansonsten ist ein zweites Pferd im Hänger wohl besser...ob das mit Blacky klappt, du kennst den Hengst ja auch?" Ich rieb mir nachdenklich das Kinn...ich war nicht dabei gewesen als wir ihn weg brachten, aber an einem Turnier war er im Hänger gewesen. "Er geht zumindest brav auf den Hänger, drinnen steht er auch ziemlich ruhig. Auf jedenfall ist Blacky erfahrener als Dorn auf dem Hänger, wäre also eine gute Idee."
    "Dann machen wir das am besten so. Wann willst du los?"
    "Wenn du nichts dagegen hast würde ich heute noch bleiben und dann morgen erst aufbrechen? Vielleicht kann ich euch noch bei der Stallarbeit unterstützen? "


    "Ich bring jetzt erst einmal Steel weg. Die braucht ein bisschen Auslauf. Das mit den Kartons ist eine gute Idee; ich krieg zwar das alte Mobiliar vom Gestüt, aber meine Klamotten und Reitsachen für die Pferde sind schon happig. Mal schauen." Hansi blieb etwas hinter uns, als ich die zierliche Stute wegführte und dann auf die Weide stellte. Sofort gesellte sie sich zu Grace und Meyja und machte in der tollen Jagd der Stuten mit. "Und jetzt?" "Stall ausmisten. Tabea bespaßt grade die Kleinen, und dann würde ich gerne Tomenko unterhalten. Hast du übrigens schon gehört, dass Tigrotto ihre erste Fohlenschau gewonnen hat?"
    Hansi nickte. "Die Kleine hat Potenzial. Sehr knuddelig." War das nicht ein Mädchenbegriff? Kichernd pflichtete ich ihm bei. "Also, willst du mir helfen?" "Sind ja nicht so viele Boxen, oder?" Ich schüttelte den Kopf und dann fingen wir auch an. Während ich mich um die Fohlen- und Hengstboxen kümmerte, machte Hansi die von Benny und den Stuten sauber - eine fast gleich schwere Arbeit. Danach, um des Arbeits Willen, putzten wir noch das gesamte Sattelzeug.
    Es stand eine Pause an. Gemeinsam leerten wir eine Flasche Mineralwasser.




    "Hier ist zwar weniger zu tun als auf Caed Crevan, aber weniger anstrengend wird es trotzdem nicht" bemerkte ich nebenbei und recihte Cata, die Flasche zurück. Ich bin gespannt wie der ganze Hof dann aussehen wird sobald du dort wohnst!" Vor der Abendessen machten wir für den Transport für morgen alles fertig - Sattelzeug und einige der Bücher kamen in den Kofferraum meines Jeeps, Futter für die ersten Tage auf Caed Crevan, da Cata nicht wusste ob Dorn das unsrige vertragen würde. Anschließend machten wir den Hänger schon bereit, legten Stroh aus und befüllten vier Heunetze für die Fahrt hoch nach Schottland. Eine Fähre würde mich direkt von Hamburg aus bis an die Küste von Wales bringen - den Namen des Hafens hatte ich vergessen. Von dort würde mich die Fahrt dann nach Caed Cravan bringen...etwa eine Woche später wollte Cata dann mit all dem Rest nach Morvern aufbrechen. Es kamen spannende Zeiten auf uns zu - denn Catalina hatte die Idee gehabt auch Bella mit nach Schottland zu holen. Da sich die Wogen allerdings erst begonnen hatten zu glätten blieb dieser Vorschlag vorerst aus.


    Später, es war gegen 9 Uhr, saßen Hansi und ich noch im Wohnzimmer. Großzügig hatte er mir dabei die "Babycouch" angeboten, er selber saß auf der Dreiercouch. Obwohl im Fernsehen irgendein Chamionsleague Spiel übertragen wurde, lag unser beider Augenmerk auf der hitzigen Diskussion, die wir führten. "Falken sind natürlich die besseren Jäger, Hans! Sie sind klein, flink und tödlich. Steinadler sind klobig." Empört schnaufte der Hüne auf. "Wie bitte? Steinadler können Katzen und Hunde aus der Luft packen, Falken allerhöchstens Hasen!" "Es geht nicht um die Beute, sondern um die Eleganz." "Eleganz, pf. Schon mal ein Kaltblut S-Dressur gehen sehen? Das nenne ich Eleganz! Effizienz ist das Zauberwort, Gaupa." Ich knurrte ihn an. "Verdammt! Hast ja Recht." Hans grinste selbstzufrieden und trank sein Bier leer. "Bringst du mir ein Neues mit? Bitte?" Ich hätte ihm am liebsten den Finger gezeigt. "Na warte, du...!", rief Hansi. Er stand auf und folgte mir. Hatte ich ihm wirklich den Finger gezeigt? Oh Mist. Quickend stellte ich die leere Bierdose auf den Thresen und sprang dann wieder zurück in die Küche. Die Hetzjagd ging dann noch etwa drei weitere Minuten und bezog sich auf das ganze Haus. Allerdings lief ich dann in eine Sackgasse. Es war der Flur, der im ersten Stock zu den Schlafzimmern führte. Langsam, und mit einem Lächeln, stromerte er auf mich zu.


    Mit langsamen Schritten ging ich auf die hicksende Cata zu "Wag es nicht! " giggelte sie zwischen zwei Hicksern. Mit einem Satz sprang ich auf sie zu, fasste sie bei den Hüften und packte sie mir bäuchlings über die Schulter. Mit den Händen hielt ich ihre zappelnden Füße fest, während ihre Hände auf meinen Rücken nieder gingen. "Du, du elender..."
    "Wikinger, ich weiß" Sie sackte in sich zusammen ließ sich widerstandslos in Richtung Treppe bugsieren - als ich mich jedoch gerade umdrehte machte meine Stirn plötzliche Bekanntschaft mit einem der Dachbalken. Es gab es dumpfes Geräusch, ein Schmerzenslaut meinerseits und prustendes Lachen von Catalina. "Barzúl!" ich hielt mir die getroffene Stelle, das konnte ja auch nur mir passieren! Mit einer lachenden Cata kam ich in der Küche an, ich tastete nach der Beule die bereits begann zu blühen und Cata einen Moment im Versuch Ernst zu werden schaute sich meine Stirn an. "Da ist noch nichts zu sehen!"
    "Aber zu fühlen!" moserte ich, jetzt bekam ich doch tatsächlich noch Kopfschmerzen davon. "Mhm...soll ich dir nen Kühlakku geben?" ich schüttelte den Kopf, sah sie feixend an "Aber ein kaltes Bier wäre gut!"
    "Ooh du!" sie versetzte mir einen kleinen Stoß gegen den Brustkorb, der mich nicht weiter bewegte.
    So kam ich anschließend doch noch an ein Guinness, das ich mir abwechselnd an die Stirn hielt und einen Schluck trank. Die Diskussion von Falken und Adlern hatten wir beendet, jetzt ging es größtenteils um den Umzug. "Ich bin gespannt ob du wirklich bis zum 28.4 alles schaffst, ist ja nun nur noch knapp 2 Wochen hin! Ich kann dich soweit es geht unterstützen...Sarah hat zusammen mit Siobhan, der Besitzerin von Classical Harmony, für unsere Auszubildenden ein gemeinsames Distanztraining organisiert. Beide haben zusammen trainiert für ein Rennen das am 30.4 bei uns auf dem Festland stattfindet. Bin gespannt wie sich die beiden angestellt haben...war ja nun die ganze Zeit unterwegs!"
    "Hört sich nach einer super Sache dran, ich hoffe ja von Sarah, Cayden und den anderen auch noch eine Menge zu lernen. So lange bin ich ja noch nicht tätig in dem Beruf."

    Wir gingen erst spät in unsere Betten, nur um am nächsten Morgen früh aufzustehen - ich war froh über den starken Kaffee!
    Nach dem Frühstück half mir Cata dabei sowohl Dorn als auch Blacky in den Hänger zu verfrachten. Anschließend stand ein weiterer Abschied bevor - zumindest bis in ein paar Tagen. "Wir halten Kontakt per Handy? "


    Als Hansi mit meinen Hengsten weg fuhr, hatte ich ein mulmiges Gefühl. In der letzten Zeit war ich so oft unterwegs, bin mal nach Deutschland, dann nach Kanada oder Schottland geflogen, und hatte kaum Zeit, mich auszuruhen. Und jetzt noch der Umzug...Seufzend ließ ich mich auf einen Heuballen im Stall nieder, und fing danach an, zu husten. Dämlicher Staub in der Luft, dachte ich und stand wieder auf, um mit Grace einen Ausritt zu machen.
    Kurze Zeit später erhielt ich einen Eilauftrag von Verena. Nun ja, Massenauftrag passte eher. 3 Pferde über einen Zeitraum von einer Woche zu trainieren war ein schönes Stückchen, aber von dem Lohn konnte ich einen Teil des Daches vom Gestüt verbessern lassen. Aber danach, so schwor ich mir, wollte ich auf dem neuen Hof nur um mich und meine Pferde kümmern. Und am letzten Apriltag wollte ich mir doch noch das Distanzrennen ansehen. Hansi hatte mich neugierig gemacht.
    Dir und BellaS gefällt das.
  8. (c) Ravenna



    schwarz - Sarah

    - Hansi



    "Sching, schang...."

    "Was macht ihr da eigentlich?!" meine Hände blieben in der Luft stehen, gerade hatte ich Papier nehmen wollen.Hansi antwortete der leicht verwirrten Kathi. "Wir spielen...sieht man doch." wahnsinnig diese genaue Antwort! "Das dient genau welchem Zweck? " dieses Mal war es an mir zu antworten. "Wir haben doch zwei neue Aufträge erhalten. Wir debattieren gerade darüber wer nach Spanien darf." Kathi sah aus als würde sie sich gleich die flache Hand auf die Stirn schlagen, stattdessen nahm sie die Hände in die Luft fuchtelte von einem zum anderen. "Ah und das nennt ihr debattieren?....Also ich hätte ja die Münze geworfen." kurz sahen wir uns alle an, dann brachen wir in Gelächter aus. "Als wäre der Münzwurf so erwachsener." giggelte ich hervor. Trotzdem....wer würde jetzt fahren? Also kehrten wir zurück zu unserer Partie, die leider für Hansi gut ausging. "Dann setzt dich nochmal an die Bücher - es geht um eine S** Dressur!" witzelte ich in Hansi's Richtung. ..nun denn würde es eben für mich in Richtung Deutschland zu Alicia gehen, auch gut!





    Wie von Sarah bemerkt hatte ich mir noch einmal ein bisschen Lektüre zu rate gezogen. Das letzte Mal hatte ich ein S Dressur Pferd unter mir gehabt in meiner Ausbildung vor knapp 5 Jahren. Da es in der S** nur noch darum ging, Aufgaben zu vertiefen und Übergänge zu verbessern konnte ich es meistern!

    Am nächsten Morgen wurde ich von Cayden zusammen mit Sarah zum Flughafen nach Edinburgh gefahren, ab da würden sich unsere Wege trennen. Dank des Glückes ging es für mich nun nach Spanien. Im Flugzeug faltete ich meine knapp 1,89 Meter hinter dem Sitz zusammen, ein nach Bratenfett und Alkohol riechender Mann pflanzte sich direkt neben mir – jap und da verließ mich mein Glück gleich wieder. In den nächsten Stunden gewöhnte ich mich – nicht – an den Geruch, versuchte aber mich mit Lektüre und Musik weitestgehend zu beschäftigen. Bereits nach einer Stunde hätte ich gern die Beine ausgestreckt. Am Flughafen von Barcelona quetschte ich mich aus dem Gang heraus, bei sonnigen 11° war es angenehmer als bei uns in Schottland. Kurz streckte ich meine Nase der Sonne entgegen, dann schlurfte ich mit Rucksack hinüber zum Ausgang – jetzt noch ein Taxi Richtung Haras Equitador finden!



    Vorbei an „Zäunen“ aus buntem Mosaik, einem Baustil den ich nicht zu benennen vermochte und unzähligen anderen Auto´s kamen wir dem Ende der Stadt immer näher. Bei dem Fahrer hatte ich gelernt nicht allzu oft auf die Straße zu sehen – er besaß einen haarsträubenden Fahrstil! Trotzdem genoss ich die Landschaft, die an mir herüber flog, zumindest hatte der Fahrer einige Brocken Englisch gekonnt. Zwar stellte ich mir die Frage, wie ich wohl wieder zum Flughafen kommen würde, aber jetzt freute ich mich auf Marismeño.

    Angekommen an unserem Ziel, gab ich dem Fahrer sein Geld, verabschiedete mich und schlenderte auf den Hof zu. Bereits im voraus hatte Sarah Bescheid gegeben, das nicht sie sondern ich kommen würde. Der Hof war modern, aber eben „spanisch“ gehalten….ich glaubte zu wissen, das diese Art von Gebäuden Finca genannt wurden, aber Architektur war nicht mein Fall. Es herrschte noch eine morgendliche Ruhe, war es doch gerade mal 10 Uhr, doch eine zierliche Frau kam geradewegs auf mich zu. Wobei in Anbetracht meiner Größe fast jede Frau zierlich wirkte die mir nur knapp bis ans Kinn reichte. „Sind sie Herr Viklund?“ wurde ich gerade heraus gefragt, winkte jedoch ab „Götter! Nicht Herr Viklund...nenn mich doch bitte Hansi, Jenny?“ letzteres sollte eine Frage sein, als sie nickte wusste ich das ich die Inhaberin des Hofes vor mir hatte. „Wir haben Marismeño bereits von der Koppel geholt, angebunden hab ich ihn für dich auch schon mal, dann kannst du gleich mit dem Putzten anfangen.“ Ich nickte, folgte Jenny auf dem Fuß. „Allerdings will ich mich bei der Bodenarbeit erstmal ein wenig mit ihm Bekannt machen. Ich nehme an einen Round Pen habt ihr?“ fragte ich, während wir in ein helles, schönes Stallgebäude traten. Etwa in der Mitte stand ein edler PRE Hengst in weißem Fellkleid, sein Kopf war hoch erhoben, die Ohren neugierig in unsere Richtung gespitzt. „Ausstrahlung hat der Kerl ja!“ sagte ich, nicht ohne eine Spur der Bewunderung. Freundlich ließ sich der leicht aufgeregte Hengst an den Nüstern streicheln. Jenny zeigte mir sein Putzzeug, wollte noch kurz ein anderes Pferd holen, mir dann Gesellschaft leisten und mir zeigen wo der Round Pen sich befand. Marismeño ließ sich ohne Umstände von mir putzten, in Begleitung von Jenny fand ich den Zirkel. Dort machte ich dem Hengst ein wenig „Dampf unter dem Hintern“ wobei es ihm an Temperament und Vorwärtsdrang nicht fehlte. Eher musste ich sein Tempo immer wieder mal zügeln, doch auf die Stimme reagierte er nach kurzer Eingewöhnungszeit wirklich gut. Freiarbeit schien er noch nicht allzu sehr gewöhnt zu sein, doch wusste er mit den stimmlichen Kommandos eine Menge anzufangen, schließlich lief er auch vor der Kutsche, war diese also gewohnt. Am Ende des gemeinsamen Kennenlernens trat ich neben den Hengst, streichelte über die leicht ölige Mähne, sein weißes Fell, dann holte ich schwung und landete auf dem blanken Rücken des Hengstes. Leicht schreckte er zurück, ging vorn ein wenig nach oben, beruhigte sich dann jedoch. Mit dem Gewicht gelang es mir ihn durch den Pen zu dirigieren, der Strick hielt leichten Zug – fast selbstständig fand er in die Aufrichtung. „Brav!“ lobte ich ihn. Am Nachmittag wollte ich richtig mit ihm arbeiten, also kam ich wieder von seinem Rücken, brachte ihn in die Box und suchte mir im Dorf eine Gelegenheit um zu Essen.



    Bei einem Kaffee hatte mir Jenny noch fix erklärt bei welchen Übungen Marismeño noch Schwierigkeiten hatte oder die er unter ihr ab und an nicht ganz korrekt ausführte. Da es ihr aber an nötiger Zeit fehle hatte sie einen Trainer geholt um dabei zu helfen. Besonders das Halten aus der Passage sei mehr holprig als seidig. Das Rückwärtsrichten stellte auch ein kleineres Problem dar, dabei musste ich leicht schmunzeln, auch vom Boden aus hatte er es überaus ungern getan. „Ansonsten macht er wirklich alles super mit, den Rest muss man einfach immer wieder üben, aber das kann ich auch machen...nur die Fehler, da lass ich lieber andere heran“ Also führte mein Weg in den Stall, wo sich Marismeño genüsslich im nieder gelassen hatte in seiner Box. Nun klebte an seiner Unterseite beträchtlicher Dreck, den ich erst gründlich entfernen musste ehe es ans Satteln ging. Stilecht besaß er keinen Dressursattel, sondern einen schön geformten Barocksattel, bei dessen Anblick ich kurz stutzte – passte ich da auch hinein?

    Ich zuckte die Schultern, legte dem Hengst sorgfältig die Kandare an und schon führte mich Jenny in Richtung der ebenso großen, erhellten Halle. In der Halle selbst fiel mir dann auf – Training im Rückwärtsrichten mit der Kandare machte sich doof. Also zog ich diese wieder vom Kopf, kramte den Clicker und die Möhrenstücke heraus und begann damit ihm diese Übung etwas schmackhafter zu machen. Mit dem Clicker hatte Jenny bereits mit dem Hengst gearbeitet, sodass er nicht erst darauf konditioniert werden musste. Nach und nach stellte er sich nicht mehr dagegen, sowohl auf Stimme und auf Handzeichen ging er rückwärts – ohne eine Wende mit dem Arsch zu vollführen oder unwillig mit dem Schweif zu schlagen. Nun ließ er sich gerade nach hinten schicken...ohne unschöne Kurve. Also kam das Kopfstück wieder dran und ich auch mal in den Sattel. Neben dem Aufwärmen fragte ich auch einige der Lektionen ab. Einmal um den Hengst warm zu machen, mich aber auch wieder an meine eigene Lehrzeit zu erinnern – die Versicherung das ich die richtigen „Hebel“ bediente. Es dauerte eine Weile ehe wir uns auch hier aufeinander abgestimmt hatten, aber bald klappten Traversalen, Travers und auch die Passage, als hätten wir nie etwas anderes getan. Nun ging es aber im Schritt an das Rückwärts vom Reiter aus – wie auch bereits zuvor zeigte sich sein unsagbares Talent von schneller Auffassungsgabe. Als erinnere er sich an die Möhrenstücken ging er geradewegs zurück, sofort wurde der Hengst von mir davon gelobt.



    Die nächsten Tage verbrachte ich damit sein weiteres „Problem“, die seidigeren Übergänge zu üben, manchmal schien er zu schnell auf ein Kommando eingehen zu wollen. Reagierte auf jedes feinste Signal, sodass auch der Reiter darauf achten musste nicht zu hektisch die Hilfen zu geben. Im Grunde schien daran schon alles zu liegen, deswegen bat ich Jenny am dritten Tag in den Sattel zu steigen um mir eine Prüfung vor zureiten. Wie ich vermutet hatte, gab Jenny an manchen Stellen die Hilfen etwas zu „hart“, zu schnell woraufhin der Hengst dies aus schnell ausführen wollte und ins Haspeln geriet beim Wechsel der Gangarten. Ich gab ihr an diesem Tag also noch ein paar der Tricks mit auf den Weg, sprach wie so davon das alles eine Sache der Übung war. „Dein Hengst hat nicht nur eine super Grundausbildung genießen dürfen, auch durch sein Intellekt macht er sich wirklich gut in der Dressur. Wobei sein Talent natürlich auch nicht zu verachten ist, fordere ihn weiter so. Wer weiß vielleicht reitet ihr beiden eines Tages ja nochmal Olympia?“ Die junge Frau lächelte, schüttelte dann aber den Kopf „Mir reichen die regionalen Turniere hier eigentlich ziemlich aus. Ich bin nur wahnsinnig gespannt, wie sehr sich sein Talent an seine Fohlen weiter gehen könnte!“ Noch eine Weile unterhielten wir uns, während dieser Zeit brachten wir den Hengst in den Stall. Kurz putzte ich ihn noch über, bevor es für ihn wieder auf den Paddock mit Zugang zu der Koppel ging. Für mich hatte sich mein Training mit ihm beendet, also kam die Zeit des Abschiedes von Jenny und dem Hof Haras Equitador, ihr Hengst würde mir im Gedächtnis bleiben.



    Da es Hansi nach Spanien verschlagen hatte um dort ein Pferd von Jenny zu trainieren, fuhr ich nun auf der Autobahn in Richtung Paderborn. Dort erwartete mich eine junge Friesenstute, die in der Dressur eins weiter gebracht werden wollte. Ursprünglich waren Nienke und Alicia für unser Distanzrennen angemeldet gewesen, für ein Training...doch schlechtes Wetter und miese Planung des ganzen Rennens im Dorf hatten dafür gesorgt das es verschoben wurde. Da Caed Crevan im nächsten Monat anderweitig beschäftigt sein würde – hatten wir unsere Teilnahmen quittiert und das Training mit den vier Teilnehmern angesagt. Nun hatte mich Alicia gefragt mich trotzdem einem Training der Stute zu widmen. Zum Glück erwartete mich kein Stau auf der Autobahn,sodass ich ruck zuck von Berlin aus nach Paderborn kam – ich hatte meinen Eltern ihr Auto abgeluchst. Zudem hatte ich sie zur Hochzeit von Cayden und mir eingeladen – wir hatten uns auf den 21.6 für einen Termin geeinigt und es gab noch eine Menge zu organisieren.

    Am Hof von der Schildburg angekommen, begrüßte mich Alicia bereits freundlich. „Wie war die Reise?“

    „Wie immer...langweilig und anstrengend. Zumindest kam ich mal wieder zum Lesen, dass wird immer weniger in letzter Zeit.“ Sie nickte, stimmte mir zu...auch sie war ursprünglich eine ziemliche Leseratte gewesen – bevor sie einen Hof zu führen hatte. „Aber du hast wenigstens noch Teamkollegen….ich steh fast allein da.“ stellte sie nüchtern fest. „Oh ja….dafür bin ich ziemlich dankbar! Wie geht’s deinen Pferden? Besonders Give...ist er endlich gekört?“

    „Leider, leider Nein...vielleicht beim nächsten Mal!“ Wir schlenderten über den Hof zu den Offenställen der Stuten, wo mich auch Nienke erwartete. „Da ist sie nun!“ undeutlich zu erkennen war die hochgewachsene Rappstute zwischen den anderen Stuten. Mit einem Halfter holten wir die hübsche Stute herunter, gingen in den Stall um sie dort fertig zu machen.

    „In den letzten Wochen hatte ich mich ausgiebig mit Nienke beschäftigt, sie läuft wunderbar vor der Kutsche. In der Dressur arbeiteten wir besonders an konstanter Anlehnung, sowie dem Arbeitstrab gearbeitet.Sie ist in der Dressur außerordentlich begabt, eine solide Grundausbildung hat sie bereits genossen“ Das hörte sich schon ziemlich weit an, da blieb vielleicht nicht mehr viel für mich zu tun. Eine halbe Stunde später ritt ich in der Frühlingssonne auf dem Platz, machte Nienke ein wenig warm. Wir hatten erst eine kleine Ewigkeit benötigt um einander kennenzulernen, ihr schwungvoller Trab war um so vieles anders gewesen als der von meinen Pferden. Mit einiger Mühe war es mir gelungen ihr einen etwas langsameren Trab abzugewinnen, damit ich mich anpassen konnte. Mein Bein wurde nach und nach ruhiger. Zunächst testete Nienke ein wenig aus, blieb aber immer gut zu händeln. Nachdem ich mich an die Stute gewöhnt hatte, fragte ich einige der Lektionen ab. Auch Ansätze des Galppwechsels hatte Alicia bereits eingebracht in ihr Training. Nienke lernte enorm schnell dazu, den einfachen Galoppwechsel bekam sie sogar am schnellsten auf die Reihe, die Schwierigkeiten stellten sich erst ein als es darum ging die verschiedenen Tempowechsel einzubauen. Sie rannte im Trab oftmals unter dem Sattel fort, dann musste ich mich etwas schwer machen ihr ein wenig an Tempo nehmen, sonst wirkte das Reiten von ihr bald zu hektisch. Leider gab ich mit meinen knapp 60 Kilo kein sonderliches Gewicht ab in ihrem Sattel, aber trotzdem reagierte die Stute relativ gut auf mich.

    Für das erste Training hatte ich jedoch genug, steig ab und machte mich mit Alicia auf den Weg zum Hof. Ich konnte wieder in einem der Gästezimmer übernachten.

    Unabdingbar klemmte ich mich also dahinter ihr das leicht hektische ein wenig „auszutreiben“ - auch an der Longe. Am nächsten Tag hatte ich furchtbaren Muskelkater, dabei trat der sonst so selten ein! Zusammen mit Alicia longierte ich sie öfter , nahm ihr mit der Stimme stetig Tempo aus der jeweiligen Gangart . Auch im Sattel machten wir im Wechsel diese Übungen – es machte Spaß gemeinsam mit einer Kollegin ihr Pferd zu trainieren, besonders da wir von einander lernen konnten. An einem Abend unternahm ich einen kleinen Spazierritt zusammen, dabei saß Alicia auf Tiva einer hübschen Dunkelfuchsstute.Die Ritte durch die Hof umgebende Landschaft taten Nienke mehr als gut, es klärte ihren Kopf und den von mir ebenfalls. Immer besser ließ sie von mir in allen Gangarten regulieren - im Mitteltrab durchquerten wir die Diagonale wechselten in eine 10 Meter Volte um schließlich aus ihr an zu galoppieren. Für heute stieg ich zum letzten Mal von ihrem Rücken, sattelte sie mit steifen Fingern ab und wärmte mir die Finger noch ein wenig unter ihrer warmen Mähne. „Okay, die Sonne scheint zwar schon, aber Kalt ist es nach einer Weile trotzdem noch“ sprach ich zu Alicia, die sich wohlwollend die Hände in die Taschen ihrer Jacke gesteckt hatte. Seufzend und mit klammen Fingern setzte ich mich an die Heizung im Reiterstübchen hielt die Finger dagegen. Dankend nahm ich den Tee entgegen den Alicia uns gemacht hatte. „Schade das es mit dem Rennen nicht so geklappt hat, aber ich hab mich trotzdem über deinen Besuch gefreut.“ Das ich nur verloren hatte...erzählte ich ihr lieber nicht, aber trotzdem war die Woche hier wieder mal im Fluge vergangen. Jetzt musste ich wirklich zurück nach Schottland. Siobhan und ich hatten uns was nettes für unsere Azubi´s ausgedacht. Sie sollten im Team Yael und Was immer du tust trainieren um sie für einen Distanzritt fertig zu machen.



    Noch während ich im Training mit Marismeño festgesteckt gewesen war hatte ich eine Nachricht von Cayden bekommen – noch ein zweiter Auftrag in Spanien! Irgendwie hatte ich mich darüber gefreut, wenn ich auch mit dem Wagen einmal komplett durch das Land gurken musste – führte ja nichts daran vorbei. Also hatte ich mir einen Wagen mit Navi gemietet und das nächste Ziel hies:

    Rego Da Candocia - Nordspanien.

    Was ich überaus begrüßte war der SD Kartenslot des Autoradio´s weshalb ich nicht mit dem hiesigen Radio quer durch ein fremdes Land gurken musste sondern begleitet von meiner momentanen Lieblingsband Ensiferum und einigen anderen Interpreten.

    Angekommen auf dem Hof, stellte ich mein Auto irgendwo in die Auffahrt, da kein Parkplatz markiert worden war. Sorgfältig schloss ich es ab, schulterte den Rucksack und betrat den Hof durch das Tor. Mit den freien Händen schlang ich meine langen Haare noch schnell in einen Pferdeschwanz, da der Wind sie mir unablässig ins Gesicht wehte. Noch wirkte der Hof verschlafen, wenn man bedachte das es gerade 10 Uhr war...äußerst ungewöhnlich. „What are you doing here?“ kam plötzlich eine weibliche Stimme rechts von meiner Seite. Sie klang nicht unbedingt ängstlich, allerdings bewusst feindselig. An ihrer Seite stand ein großer, breiter Rotbrauner, der mich aufmerksam musterte, ebenso wie die Frau. Mit ihrer kleinen Gestalt glich sie von der Statur her Sarah, sie mussten in etwa die selbe Größe haben. Kurz kramte ich in meinem Hirn nach dem Namen, den Cayden mir genannt hatte. „Catalina Dixon? I´m Hans-Joachim Viklund...I´m here for the training of youre mare.“ verkündete ich ihr und fügte dann hinzu „Do you speak German?“ „Ja natürlich, ich habe nur jemand anderes erwartet. Ich freue mich trotzdem dich hier zu wissen. Komm gleich mit in den Stall, dann zeig ich dir meine Meyja.“

    Im Stall stellte sie den Rotbraunen, der laut dem Schild Benedick hieß in seine Box und drei Boxen weiter stand bereits die stämmige Islandstute. Ich bemerkte wie die junge Frau zu mir aufschaute...ja für neue, die mit mir umgehen scheinen meine Narben im Gesicht etwas verwunderlich. Trotzdem war ich diese Blicke mittlerweile gewöhnt, sah über sie hinweg und bald gewöhnten sich die meisten daran. „Sie ist wirklich eine Schönheit.“ sanft strich ich über ihre zarten Nüstern und machte mich an die Arbeit mit ihr. Zunächst putzte ich sie etwas über, holte das Heu aus der struppigen Mähne der Stute – sie erinnerte mich an Thowra, einer Stute die ich auch ab und an ritt. Noch schien sie nicht sonderlich begeistert von mir, wand den Blick ab und distanzierte sich von mir. Mit einer Einheit Bodenarbeit jedoch gelang es mir die kleine Stute nach und nach aus der Reserve zu locken – natürlich nicht ohne ein bisschen Bestechung durch Möhren. Wie Catalina mir erzählt hatte war die Stute zwar bereits 8 Jahre alt, hatte ihre Jahre zuvor aber mehr als Freizeitpony als auf dem Platz verbracht. Nachdem ich also den Vormittag nur Bodenarbeit gemacht hatte, sattelte ich Meyja am Nachmittag um mir ihr bisheriges Können genauer betrachten zu können.

    Die besten Voraussetzungen dafür trug sie bereits in sich – Gelehrigkeit und der Wille zu gefallen musste in meinen Augen vorhanden sein um einem Pferd alles nötige beizubringen, aber auch ihre freundliche Ader machte es uns sicher leichter. Heute würde ich mich also zum ersten Mal in den Sattel schwingen. Mit Hilfe einer Aufstiegshilfe stieg ich in ihren Sattel sortierte mich ein wenig, ließ Meyja im Schritt angehen und es dauerte ein bisschen ehe ich mich an ihre raumgreifenden Schritte gewohnt hatte. Im Trab ging es schließlich weiter, eine recht konstante Anlehnung kannte noch nicht so richtig. Trotzdem verlangte ich sie immer wieder von ihr, hier hatte auch ihre Besitzerin bereits gute Arbeit geleistet. Wesentliche Unterschiede bestanden in einer A Dressur darin, das es mehr Bahnfiguren gab, die im Grunde für Meyja keine sonderliche Anstrengung darstellen sollte. Einzig die Balance der 10 Meter Volte im Trab könnte später ein Problem werden. Aufgrund ihrer Rasse gelang es ihr nicht immer den Trab zu halten, verfiel in eine Rolle und töltete dann weiter.Trotzedem waren Dinge wie der Mitteltrab und Mittelschritt ihr nicht unbekannt. Heute wollte ich es erst mal langsam angehen lassen, baute Tempowechsel ein, verschiedene Bahnfiguren wie Schlangenlinie und achtete darauf das Meyja brav in der Anlehnung blieb.

    Als wir uns aneinander gewöhnt hatten, begann ich mit leichter Galopparbeit – übte immer wieder das umspringen in den jeweils anderen Galopp. Von Links nach Rechts und anders herum. Anders als ich erwartete hatte spielte die Balance bei der Stute kaum ein Problem war, denn die 10 Meter Volte meisterten wir beinahe schon auf Anhieb. Sie war stets noch ein wenig Ausbau fähig, jedoch ein gelungener Anfang. Catalina sah mir am Ende unseres Trainings noch eine Weile zu, blieb jedoch ruhig und gab keine Kommentare ab. Ich freute mich das sie mir die Couch in ihrem Haus als Schlafplatz angeboten hatte – so ersparte ich mir ein Hotelzimmer.

    Bald darauf machte ich mich daran der Stute den einfachen Galoppwechsel beizubringen – Ziel war es in einem Galopp zum Schritt durch zu parieren und nach nicht mehr als drei Schritten den nächsten Galopp einzuleiten. Auf der Diagonalen nahm ich diese Übungen durch, galoppierte an bog ab auf die Diagonale um zu parieren – nach etwa 5 Schritten verließen wir die Diagonale wieder im Linksgalopp. Zumindest hatte sie das Prinzip der Übung soweit verstanden! Im Verlauf des Trainings stellten wir uns besser aufeinander ein, sie reagierte weitaus besser und ich lernte mich ihren Bewegungen anzupassen.

    Am Ende des fünften Tages hatten wir den Galoppwechsel in soweit geschafft, das wir ihn mit genau drei Schritten meisterten. Trotzdem blieb der Trab ein kleines Problem für die Stute...oft legte sie sich dabei auf den Zügel und machte sich ein wenig steif. Wie im Tölt nahm sie den Kopf nach oben, also trainierte ich auch hier, wobei ich im Gangsport nicht so begabt war. Vina, eine Freundin von Sarah kannte sich besser aus...außerdem war da eine Trainerin namens Bella, die bereits einige Male Thowra trainiert hatte. Ich erklärte Catalina die Sachlage „In ihrem Übermut fällt sie manchmal noch in den Schweinepass, Vina hat uns einmal erklärt es sei typisch für Viergänger. Durch gezieltes Training kann allerdings der Tölt vom Trab noch deutlicher unterschieden werden. Da ich auf dem Gebiet nicht sonderlich versiert bin empfehle ich hierfür eine andere Trainerin, ihr Name ist Bella.“ Plötzlich begann Catalina ein wenig zu lachen, erklärte mir schließlich den Grund dafür. „Seit kurzem unterhalten wir gemeinsam einen Trainingsstall...ich kenne sie sehr gut.“ Etwas verlegen kratze ich mich am Kopf „Na wunderbar. Dann kann sie sich diesem Problem ja annehmen! Ich wünsche dir noch viel Spaß mit der kleinen Stute. Hier hat es mir wirklich gefallen!“



    Noch am Abend an dem eigentlich meine Rückkehr nach Schottland geplant gewesen war , fragte beim gemeinsamen Abendessen, die junge Frau ob ich nicht noch eins ihrer Pferde einreiten könne.Auch Bella meldete sich dabei zu Wort „Ich hab da noch Stáussa, eine junge Islandstute, die gern ein wenig mehr in der Distanz voran kommen möchte. Allerdings ist das nicht mein Fachgebiet.“ Ich blickte von einer der Frauen zur anderen, wägte meine Chancen ab und dachte auch an das Einkommen für Caed Crevan. Schließlich warf ich zuckend die Arme etwas nach oben „Es spricht nichts dagegen, außerdem habt ihr hier auch viel besseres Wetter als in Schottland momentan. Ich müsste mir nur noch ein anderes Hotel suchen, das jetzt ist zu weit weg von hier.“ Da meldete sich Bella zu Wort „Wir haben unten im Keller ein geräumiges Gästezimmer. Catalina blickte erst ein wenig zerknirscht drein, nickte dann allerdings zustimmend. „Klar. Wieso nicht?“ die Frage blieb im Raum hängen. Manchmal hatte ich diese Wirkungsweise auf Menschen – machte ich ihr Angst, wenn ja wodurch? Ich zuckte ungesehen mit den Schultern, ließ mir von Bella etwas über ihre Islandstute erzählen und ob bereits Konditionstraining gemacht wurde.

    Zum Abend nahm ich mir noch den Rotbraunen Wallach vor, der wie Catalina mir bereits berichtet hatte, nicht komplett reitbar wäre. Allerdings machte mir dies die Arbeit zum Einfahren auch wieder relativ einfach – sowohl Cata als auch der Vorbesitzer hatten in dieser Hinsicht einiges getan. Die Arbeit am langen Zügel kannte der Wallach bereits zu genüge, deswegen wollte ich jetzt zumindest sehen wie sehr die Kommandos saßen. Catalina zeigte mir im Stall, welches Zubehör zu dem älteren Kaltiwallach gehörten. Anschließend holte ich den Rotbraunen von seinem Paddock, putzte ihn. Mit dem ungewohnten Geschirr musste ich mich erst anfreunden – es war etwas anderes als die wir für Yoomee und Willow hatten.

    Catalina leistete mir noch einmal Gesellschaft als ich quer über den Platz hinter dem Wallach her lief – Schritt, Trab und auch Steh funktionierten wie aus der Pistole geschossen. „Er ist wirklich schon gut vortrainiert worden.“ „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen im Training getragen.“ Ich ließ den Rotbraunen anhalten „Wie wäre es wenn wir ihm einfach mal eine Stange hinten dran hänge?“ ich konnte sehen wie Catalina hart schluckte dann aber auf den Platz kam und eine der Stangen aus der Halterung nehmen wollte. Kurz erwog ich anzubieten das zu tun – sie schien ihre liebe Mühe damit zu haben, allerdings wollte ich auch nicht wirken als würde ich sie für schwach halten. Wieso war das auch so schrecklich kompliziert? Es dauerte keine 5 Minuten und der Wallach zog sein erstes Gewicht, ganz so als habe er nie etwas anderes getan. Als ich gegen Abend noch einmal in die Küche ging um mir ein Glas Wasser zu holen, traf ich Catalina und Bella an. „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Da bemerkte ich plötzlich die hochroten Ohren von Catalina, sowie Bella die ihr Lachen schlecht als Hustenanfall tarnte. Ich hatte bei meinem Gang in die Küche nicht erwartet jemanden anzutreffen – es war knapp 23 Uhr , da sollte man doch im Bett sein. Ich kratzte mich am Kinn, räusperte mich ein wenig. „Noch nie jemanden so gesehen?“ witzelte ich. Catalin rollte ein wenig die Augen, nickte dann überging jedoch meinen flachen Witz „Ich vertraue darauf ,dass Benedick bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an.“ Gut gekontert!

    ----

    Am nächsten Morgen nahmen wir zusammen ein Frühstück ein mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Bella entgegen gehalten wurde.

    `Meyja mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Benedick als Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich von ihr und wandte mich den Rotbraunen zu. Ich wollte ihn heute das erste Mal an die Kutsche gewöhnen, zumindest wollte ich sie bewegen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky.

    Mit dem Wallach am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her . Catalina prustete ein wenig los „Der scheint sich bei seiner Aufgabe auch noch zu Langweilen.“ da hatte sie keine schlechte Ader getroffen, Benedick schlurfte er vor sich her statt anständig zu laufen. Der gelassene Kalti zeigte nicht einen Hauch von Angst. „Sag mal – wo hast du ihn eigentlich her?“ fragte ich meine Hilfe beim Einfahren. „Allzu viel darüber weiß ich nicht, aber er kommt ursprünglich aus Kroatien.“ Ich sah mir den Wallach genauer an, dachte an seine Rückenprobleme und seine nicht vorhandene Scheu als wir ihm die Kutsche anspannten. „Ich denke das Kerlchen hier ist bereits eingefahren. Wie ich bereits erwähnte, diese Rasse wird mit der Kutsche am Arsch geboren...was wenn es bei ihm Baustämme waren? Das könnte seine Rückenprobleme erklären, auch beim Fahren wird der Druck auf den Rücken übertragen. Vielleicht wurde er zu früh zum Lastenrücken eingesetzt, weswegen er heute diese Probleme im Rücken hat.“ Ich sah förmlich wie es hinter Cata´s Augen zu Arbeiten begann, dann nickte sie langsam. „Gut möglich.“

    „Ja dann machen wir hier auch einfach nur eine Auffrischung.“ So wollten wir uns gleich auf den Kutschbock zu setzten, ich holte aus dem Stall noch schnell die Stute von Bella – einige flotte Schritte vor der Kutsche waren auch ihrem Training gütlich. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann wärmer zu werden.

    In den nächsten Wochen wiederholten wir dieses Training von Benedick und Stássa immer wieder, doch zusätzlich schwang ich mich auch in den Sattel der Stute. Da die Stute in der ersten Zeit noch ein wenig am herum probieren mit mir war, blieb ich auf dem Platz. Beim Abend beklagte ich ein wenig, das wir nicht in Schottland waren. „Wieso?“ stellte Bella die Frage gerade heraus. „Die Wärme hier kommt meinen Kopfschmerzen nicht so gut, außerdem kenn ich mich da besser im Gelände aus. Ich hab nicht das was man einen gut ausgeprägten Orientierungssinn nennt.“ Ich lutschte an meinem Finger, den ich mir wenige Minuten vorher am heißen Teller verbrannt hatte. „Dann komm ich morgen auf einer Stute einfach mit, dann trainiere ich Meyja auch gleich ein wenig in der Distanz, daran ist nichts einzuwenden.“ Es verwunderte mich schon ein wenig das Angebot von ihr, erfreute mich jedoch auch. „Gut dann machen wir das so!“

    Gesagt getan – am nächsten Morgen versorgten wir uns mit einigen Sandwiches, einer Menge Wasser und banden diese an die Sättel der beiden Islandstuten. Gen Norden verließen wir den Hof, ab in Richtung Meer, denn wir wollten eine Strecke am Strand entlang gehen. Nach einer ersten Aufwärmphase im Schritt, gingen wir zum Tölt über – eine Gangart, die beide Stuten lange durchhalten konnten und gerade für die Distanz mehr als praktisch war, besonders für den Reiter. Im Trab stellte das eine viel höhere Belastung dar als im bequemen Tölt – nebenbei hatte ich Bella joggen geschickt, denn ich wollte auch Bella auf Stássa setzten. Dafür hatte ich Catalina darum gebeten ihre Stute Meyja zu reiten, denn meinen Lieblingshengst Gwyn hatte ich schließlich nicht dabei.

    Beim folgenden Training zusammen mit Bella, erklärte ich ihr, das es in folgenden Streckenverlängerungen nicht nur darauf ankam, das die Stute fit war, sondern der Distanzsport auch für den Reiter sehr anstrengend sein kann. „Wir haben nach und nach die Tölt und Trabphasen verlängert, mittlerweile kann sie 15 Minuten in beiden Gangarten aushalten. Gestern haben wir bereits einen 10 Kilometerritt mit vielen Trabphasen gemacht. Damit könnt ihr noch keinen Ritt gewinnen, aber teilnehmen allemal.“ Diesen Trainingsritt beendeten wir nach knapp 15 Kilometern, zwei ziemlich durchgeschwitzten Ponys, allerdings zwei hungrigen Reitern, denn Essen hatten wir vergessen. Catalina jedoch erwartete uns mit einem leckeren Essen, ich hingegen verspürte nundoch eine leichte Wehmut...ich war fast einen Monat hier gewesen. Die Küste hier gefiel mir irgendwie, auch Catalina schien sich langsam an mich gewöhnt zu haben. Längst wirkte sie nicht mehr so...verklemmt?
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  9. (c) Ravenna



    schwarz - Sarah

    - Hansi





    "Sching, schang...."

    "Was macht ihr da eigentlich?!" meine Hände blieben in der Luft stehen, gerade hatte ich Papier nehmen wollen.Hansi antwortete der leicht verwirrten Kathi. "Wir spielen...sieht man doch." wahnsinnig diese genaue Antwort! "Das dient genau welchem Zweck? " dieses Mal war es an mir zu antworten. "Wir haben doch zwei neue Aufträge erhalten. Wir debattieren gerade darüber wer nach Spanien darf." Kathi sah aus als würde sie sich gleich die flache Hand auf die Stirn schlagen, stattdessen nahm sie die Hände in die Luft fuchtelte von einem zum anderen. "Ah und das nennt ihr debattieren?....Also ich hätte ja die Münze geworfen." kurz sahen wir uns alle an, dann brachen wir in Gelächter aus. "Als wäre der Münzwurf so erwachsener." giggelte ich hervor. Trotzdem....wer würde jetzt fahren? Also kehrten wir zurück zu unserer Partie, die leider für Hansi gut ausging. "Dann setzt dich nochmal an die Bücher - es geht um eine S** Dressur!" witzelte ich in Hansi's Richtung. ..nun denn würde es eben für mich in Richtung Deutschland zu Alicia gehen, auch gut!





    Wie von Sarah bemerkt hatte ich mir noch einmal ein bisschen Lektüre zu rate gezogen. Das letzte Mal hatte ich ein S Dressur Pferd unter mir gehabt in meiner Ausbildung vor knapp 5 Jahren. Da es in der S** nur noch darum ging, Aufgaben zu vertiefen und Übergänge zu verbessern konnte ich es meistern!

    Am nächsten Morgen wurde ich von Cayden zusammen mit Sarah zum Flughafen nach Edinburgh gefahren, ab da würden sich unsere Wege trennen. Dank des Glückes ging es für mich nun nach Spanien. Im Flugzeug faltete ich meine knapp 1,89 Meter hinter dem Sitz zusammen, ein nach Bratenfett und Alkohol riechender Mann pflanzte sich direkt neben mir – jap und da verließ mich mein Glück gleich wieder. In den nächsten Stunden gewöhnte ich mich – nicht – an den Geruch, versuchte aber mich mit Lektüre und Musik weitestgehend zu beschäftigen. Bereits nach einer Stunde hätte ich gern die Beine ausgestreckt. Am Flughafen von Barcelona quetschte ich mich aus dem Gang heraus, bei sonnigen 11° war es angenehmer als bei uns in Schottland. Kurz streckte ich meine Nase der Sonne entgegen, dann schlurfte ich mit Rucksack hinüber zum Ausgang – jetzt noch ein Taxi Richtung Haras Equitador finden!



    Vorbei an „Zäunen“ aus buntem Mosaik, einem Baustil den ich nicht zu benennen vermochte und unzähligen anderen Auto´s kamen wir dem Ende der Stadt immer näher. Bei dem Fahrer hatte ich gelernt nicht allzu oft auf die Straße zu sehen – er besaß einen haarsträubenden Fahrstil! Trotzdem genoss ich die Landschaft, die an mir herüber flog, zumindest hatte der Fahrer einige Brocken Englisch gekonnt. Zwar stellte ich mir die Frage, wie ich wohl wieder zum Flughafen kommen würde, aber jetzt freute ich mich auf Marismeño.

    Angekommen an unserem Ziel, gab ich dem Fahrer sein Geld, verabschiedete mich und schlenderte auf den Hof zu. Bereits im voraus hatte Sarah Bescheid gegeben, das nicht sie sondern ich kommen würde. Der Hof war modern, aber eben „spanisch“ gehalten….ich glaubte zu wissen, das diese Art von Gebäuden Finca genannt wurden, aber Architektur war nicht mein Fall. Es herrschte noch eine morgendliche Ruhe, war es doch gerade mal 10 Uhr, doch eine zierliche Frau kam geradewegs auf mich zu. Wobei in Anbetracht meiner Größe fast jede Frau zierlich wirkte die mir nur knapp bis ans Kinn reichte. „Sind sie Herr Viklund?“ wurde ich gerade heraus gefragt, winkte jedoch ab „Götter! Nicht Herr Viklund...nenn mich doch bitte Hansi, Jenny?“ letzteres sollte eine Frage sein, als sie nickte wusste ich das ich die Inhaberin des Hofes vor mir hatte. „Wir haben Marismeño bereits von der Koppel geholt, angebunden hab ich ihn für dich auch schon mal, dann kannst du gleich mit dem Putzten anfangen.“ Ich nickte, folgte Jenny auf dem Fuß. „Allerdings will ich mich bei der Bodenarbeit erstmal ein wenig mit ihm Bekannt machen. Ich nehme an einen Round Pen habt ihr?“ fragte ich, während wir in ein helles, schönes Stallgebäude traten. Etwa in der Mitte stand ein edler PRE Hengst in weißem Fellkleid, sein Kopf war hoch erhoben, die Ohren neugierig in unsere Richtung gespitzt. „Ausstrahlung hat der Kerl ja!“ sagte ich, nicht ohne eine Spur der Bewunderung. Freundlich ließ sich der leicht aufgeregte Hengst an den Nüstern streicheln. Jenny zeigte mir sein Putzzeug, wollte noch kurz ein anderes Pferd holen, mir dann Gesellschaft leisten und mir zeigen wo der Round Pen sich befand. Marismeño ließ sich ohne Umstände von mir putzten, in Begleitung von Jenny fand ich den Zirkel. Dort machte ich dem Hengst ein wenig „Dampf unter dem Hintern“ wobei es ihm an Temperament und Vorwärtsdrang nicht fehlte. Eher musste ich sein Tempo immer wieder mal zügeln, doch auf die Stimme reagierte er nach kurzer Eingewöhnungszeit wirklich gut. Freiarbeit schien er noch nicht allzu sehr gewöhnt zu sein, doch wusste er mit den stimmlichen Kommandos eine Menge anzufangen, schließlich lief er auch vor der Kutsche, war diese also gewohnt. Am Ende des gemeinsamen Kennenlernens trat ich neben den Hengst, streichelte über die leicht ölige Mähne, sein weißes Fell, dann holte ich schwung und landete auf dem blanken Rücken des Hengstes. Leicht schreckte er zurück, ging vorn ein wenig nach oben, beruhigte sich dann jedoch. Mit dem Gewicht gelang es mir ihn durch den Pen zu dirigieren, der Strick hielt leichten Zug – fast selbstständig fand er in die Aufrichtung. „Brav!“ lobte ich ihn. Am Nachmittag wollte ich richtig mit ihm arbeiten, also kam ich wieder von seinem Rücken, brachte ihn in die Box und suchte mir im Dorf eine Gelegenheit um zu Essen.



    Bei einem Kaffee hatte mir Jenny noch fix erklärt bei welchen Übungen Marismeño noch Schwierigkeiten hatte oder die er unter ihr ab und an nicht ganz korrekt ausführte. Da es ihr aber an nötiger Zeit fehle hatte sie einen Trainer geholt um dabei zu helfen. Besonders das Halten aus der Passage sei mehr holprig als seidig. Das Rückwärtsrichten stellte auch ein kleineres Problem dar, dabei musste ich leicht schmunzeln, auch vom Boden aus hatte er es überaus ungern getan. „Ansonsten macht er wirklich alles super mit, den Rest muss man einfach immer wieder üben, aber das kann ich auch machen...nur die Fehler, da lass ich lieber andere heran“ Also führte mein Weg in den Stall, wo sich Marismeño genüsslich im nieder gelassen hatte in seiner Box. Nun klebte an seiner Unterseite beträchtlicher Dreck, den ich erst gründlich entfernen musste ehe es ans Satteln ging. Stilecht besaß er keinen Dressursattel, sondern einen schön geformten Barocksattel, bei dessen Anblick ich kurz stutzte – passte ich da auch hinein?

    Ich zuckte die Schultern, legte dem Hengst sorgfältig die Kandare an und schon führte mich Jenny in Richtung der ebenso großen, erhellten Halle. In der Halle selbst fiel mir dann auf – Training im Rückwärtsrichten mit der Kandare machte sich doof. Also zog ich diese wieder vom Kopf, kramte den Clicker und die Möhrenstücke heraus und begann damit ihm diese Übung etwas schmackhafter zu machen. Mit dem Clicker hatte Jenny bereits mit dem Hengst gearbeitet, sodass er nicht erst darauf konditioniert werden musste. Nach und nach stellte er sich nicht mehr dagegen, sowohl auf Stimme und auf Handzeichen ging er rückwärts – ohne eine Wende mit dem Arsch zu vollführen oder unwillig mit dem Schweif zu schlagen. Nun ließ er sich gerade nach hinten schicken...ohne unschöne Kurve. Also kam das Kopfstück wieder dran und ich auch mal in den Sattel. Neben dem Aufwärmen fragte ich auch einige der Lektionen ab. Einmal um den Hengst warm zu machen, mich aber auch wieder an meine eigene Lehrzeit zu erinnern – die Versicherung das ich die richtigen „Hebel“ bediente. Es dauerte eine Weile ehe wir uns auch hier aufeinander abgestimmt hatten, aber bald klappten Traversalen, Travers und auch die Passage, als hätten wir nie etwas anderes getan. Nun ging es aber im Schritt an das Rückwärts vom Reiter aus – wie auch bereits zuvor zeigte sich sein unsagbares Talent von schneller Auffassungsgabe. Als erinnere er sich an die Möhrenstücken ging er geradewegs zurück, sofort wurde der Hengst von mir davon gelobt.



    Die nächsten Tage verbrachte ich damit sein weiteres „Problem“, die seidigeren Übergänge zu üben, manchmal schien er zu schnell auf ein Kommando eingehen zu wollen. Reagierte auf jedes feinste Signal, sodass auch der Reiter darauf achten musste nicht zu hektisch die Hilfen zu geben. Im Grunde schien daran schon alles zu liegen, deswegen bat ich Jenny am dritten Tag in den Sattel zu steigen um mir eine Prüfung vor zureiten. Wie ich vermutet hatte, gab Jenny an manchen Stellen die Hilfen etwas zu „hart“, zu schnell woraufhin der Hengst dies aus schnell ausführen wollte und ins Haspeln geriet beim Wechsel der Gangarten. Ich gab ihr an diesem Tag also noch ein paar der Tricks mit auf den Weg, sprach wie so davon das alles eine Sache der Übung war. „Dein Hengst hat nicht nur eine super Grundausbildung genießen dürfen, auch durch sein Intellekt macht er sich wirklich gut in der Dressur. Wobei sein Talent natürlich auch nicht zu verachten ist, fordere ihn weiter so. Wer weiß vielleicht reitet ihr beiden eines Tages ja nochmal Olympia?“ Die junge Frau lächelte, schüttelte dann aber den Kopf „Mir reichen die regionalen Turniere hier eigentlich ziemlich aus. Ich bin nur wahnsinnig gespannt, wie sehr sich sein Talent an seine Fohlen weiter gehen könnte!“ Noch eine Weile unterhielten wir uns, während dieser Zeit brachten wir den Hengst in den Stall. Kurz putzte ich ihn noch über, bevor es für ihn wieder auf den Paddock mit Zugang zu der Koppel ging. Für mich hatte sich mein Training mit ihm beendet, also kam die Zeit des Abschiedes von Jenny und dem Hof Haras Equitador, ihr Hengst würde mir im Gedächtnis bleiben.



    Da es Hansi nach Spanien verschlagen hatte um dort ein Pferd von Jenny zu trainieren, fuhr ich nun auf der Autobahn in Richtung Paderborn. Dort erwartete mich eine junge Friesenstute, die in der Dressur eins weiter gebracht werden wollte. Ursprünglich waren Nienke und Alicia für unser Distanzrennen angemeldet gewesen, für ein Training...doch schlechtes Wetter und miese Planung des ganzen Rennens im Dorf hatten dafür gesorgt das es verschoben wurde. Da Caed Crevan im nächsten Monat anderweitig beschäftigt sein würde – hatten wir unsere Teilnahmen quittiert und das Training mit den vier Teilnehmern angesagt. Nun hatte mich Alicia gefragt mich trotzdem einem Training der Stute zu widmen. Zum Glück erwartete mich kein Stau auf der Autobahn,sodass ich ruck zuck von Berlin aus nach Paderborn kam – ich hatte meinen Eltern ihr Auto abgeluchst. Zudem hatte ich sie zur Hochzeit von Cayden und mir eingeladen – wir hatten uns auf den 21.6 für einen Termin geeinigt und es gab noch eine Menge zu organisieren.

    Am Hof von der Schildburg angekommen, begrüßte mich Alicia bereits freundlich. „Wie war die Reise?“

    „Wie immer...langweilig und anstrengend. Zumindest kam ich mal wieder zum Lesen, dass wird immer weniger in letzter Zeit.“ Sie nickte, stimmte mir zu...auch sie war ursprünglich eine ziemliche Leseratte gewesen – bevor sie einen Hof zu führen hatte. „Aber du hast wenigstens noch Teamkollegen….ich steh fast allein da.“ stellte sie nüchtern fest. „Oh ja….dafür bin ich ziemlich dankbar! Wie geht’s deinen Pferden? Besonders Give...ist er endlich gekört?“

    „Leider, leider Nein...vielleicht beim nächsten Mal!“ Wir schlenderten über den Hof zu den Offenställen der Stuten, wo mich auch Nienke erwartete. „Da ist sie nun!“ undeutlich zu erkennen war die hochgewachsene Rappstute zwischen den anderen Stuten. Mit einem Halfter holten wir die hübsche Stute herunter, gingen in den Stall um sie dort fertig zu machen.

    „In den letzten Wochen hatte ich mich ausgiebig mit Nienke beschäftigt, sie läuft wunderbar vor der Kutsche. In der Dressur arbeiteten wir besonders an konstanter Anlehnung, sowie dem Arbeitstrab gearbeitet.Sie ist in der Dressur außerordentlich begabt, eine solide Grundausbildung hat sie bereits genossen“ Das hörte sich schon ziemlich weit an, da blieb vielleicht nicht mehr viel für mich zu tun. Eine halbe Stunde später ritt ich in der Frühlingssonne auf dem Platz, machte Nienke ein wenig warm. Wir hatten erst eine kleine Ewigkeit benötigt um einander kennenzulernen, ihr schwungvoller Trab war um so vieles anders gewesen als der von meinen Pferden. Mit einiger Mühe war es mir gelungen ihr einen etwas langsameren Trab abzugewinnen, damit ich mich anpassen konnte. Mein Bein wurde nach und nach ruhiger. Zunächst testete Nienke ein wenig aus, blieb aber immer gut zu händeln. Nachdem ich mich an die Stute gewöhnt hatte, fragte ich einige der Lektionen ab. Auch Ansätze des Galppwechsels hatte Alicia bereits eingebracht in ihr Training. Nienke lernte enorm schnell dazu, den einfachen Galoppwechsel bekam sie sogar am schnellsten auf die Reihe, die Schwierigkeiten stellten sich erst ein als es darum ging die verschiedenen Tempowechsel einzubauen. Sie rannte im Trab oftmals unter dem Sattel fort, dann musste ich mich etwas schwer machen ihr ein wenig an Tempo nehmen, sonst wirkte das Reiten von ihr bald zu hektisch. Leider gab ich mit meinen knapp 60 Kilo kein sonderliches Gewicht ab in ihrem Sattel, aber trotzdem reagierte die Stute relativ gut auf mich.

    Für das erste Training hatte ich jedoch genug, steig ab und machte mich mit Alicia auf den Weg zum Hof. Ich konnte wieder in einem der Gästezimmer übernachten.

    Unabdingbar klemmte ich mich also dahinter ihr das leicht hektische ein wenig „auszutreiben“ - auch an der Longe. Am nächsten Tag hatte ich furchtbaren Muskelkater, dabei trat der sonst so selten ein! Zusammen mit Alicia longierte ich sie öfter , nahm ihr mit der Stimme stetig Tempo aus der jeweiligen Gangart . Auch im Sattel machten wir im Wechsel diese Übungen – es machte Spaß gemeinsam mit einer Kollegin ihr Pferd zu trainieren, besonders da wir von einander lernen konnten. An einem Abend unternahm ich einen kleinen Spazierritt zusammen, dabei saß Alicia auf Tiva einer hübschen Dunkelfuchsstute.Die Ritte durch die Hof umgebende Landschaft taten Nienke mehr als gut, es klärte ihren Kopf und den von mir ebenfalls. Immer besser ließ sie von mir in allen Gangarten regulieren - im Mitteltrab durchquerten wir die Diagonale wechselten in eine 10 Meter Volte um schließlich aus ihr an zu galoppieren. Für heute stieg ich zum letzten Mal von ihrem Rücken, sattelte sie mit steifen Fingern ab und wärmte mir die Finger noch ein wenig unter ihrer warmen Mähne. „Okay, die Sonne scheint zwar schon, aber Kalt ist es nach einer Weile trotzdem noch“ sprach ich zu Alicia, die sich wohlwollend die Hände in die Taschen ihrer Jacke gesteckt hatte. Seufzend und mit klammen Fingern setzte ich mich an die Heizung im Reiterstübchen hielt die Finger dagegen. Dankend nahm ich den Tee entgegen den Alicia uns gemacht hatte. „Schade das es mit dem Rennen nicht so geklappt hat, aber ich hab mich trotzdem über deinen Besuch gefreut.“ Das ich nur verloren hatte...erzählte ich ihr lieber nicht, aber trotzdem war die Woche hier wieder mal im Fluge vergangen.
  10. Schwarz - Sarah

    blau - Kathi (c) Vampyrin

    rot - Meg (c) BluePearl

    grün - Hansi

    Türkis - Killian





    "Fertig!" seufzt Cayden, lehnt sich in dem Stuhl weiter zurück, beginnt das Haarband um seine Haare herum zu lösen. In sanften Wellen fallen sie ihm den Rücken herunter. Auf nackten Füßen lief ich zu ihm hinüber über den Parkettboden, vor einem Jahr war dieser Dachboden noch nicht ausgebaut worden. Zwar waren es damals schon Dielen gewesen, doch musste man aufpassen das man sich ohne Schuhe keine Splitter in den Fuß jagte. Der Boden war das erste gewesen, dass renoviert worden war. Ansonsten hatte dieses Zimmer seinen Look behalten - graue Steine des Hauses zwischen den Steinen gab es einige Halterungen für Kerzen. Der große, aber vorallem alte Schreibtisch der darin stand diente Cayden als Arbeitsplatz. Auf ihm gab es etliche Kratzer seiner Vorbesitzer, auch an dieser Wand gab es Kerzen, die den Raum in heimeliges Licht tauchte. Zwar stand direkt neben ihm eine altersschwache Lampe, die jedoch selten brannte. Sacht ließ ich mich auf Caydens Schoß nieder, bis eben hatte ich auf der Chaiselounge gelegen mit einem Buch. Das geräumige Büro war an den Wänden nicht nur bedeckt mit einigen Kerzenleuchtern, sondern mit einer ansehnlichen Buchsammlung, die Dank mir auch immer größer wurde. "Was hast du da eigentlich gemacht? " fragte ich ihn leise flüsternd. "Ach ich hab Kathi die Abrechnung für das Futter und die Rechnung wegen der Stallgasse abgenommen. Außerdem alles geklärt damit Marens Caiphi hier unbeschadet auf dem Hof ankommt, sie kommt in zwei Tagen hier an." Ich nickte, ich hatte zugesagt die Stute von Maren einzureiten... erst vor ein paar Tagen war die da gewesen um sich wieder einmal Bucks zu widmen. Periodische Augenentzündung hatte die Diagnose gelautet... ihm die Arznei einzuflößen war nicht einfach gewesen. Ein leises Winseln ließ uns beide auf den Boden zu schauen, zu unseren Füßen hockte Corvus, wollte offenbar bei der Runde mitmachen. Mit seinen Rehbraunen Augen schaute er zu uns hinauf, im Sommer hatten wir eine Hundeklappe eingebaut, sodass sich nun beide Hunde entscheiden konnten ob sie im Stall oder Haus schlafen wollten. Gamhain jedoch schaffte es mit ihrer HD nicht mehr die Treppen hinauf, während Corvus also hier oben war hörte man Gamhain unten jammern. "Holst du sie hoch?" fragte ich an Cayden gewandt. Der Tag war angenehm gewesen, noch immer hing der Nebel in der Luft, es war kalt aber für wenige Stunden hatte die Sonne unsere Leiber beschienen. Argo befand sich bei Hansi im Training, meine Hilfskraft hatte mehr Erfahrung mit Westernlektionen. Aufgrund ihres bisherigen Daseins als Filmpferd war sie sowohl Western als auch Englisch "geritten", sie konnte auf Kommando halten und in jede Gangart wechseln, Dinge wie Versammlung, Haltung und Anlehnung waren ihr fremd. Da Argo eher an den Westernsattel gewöhnt gewesen war, hatten wir beschlossen sie ebenso wie Stormbringer Western auszubilden. Nun arbeitete Hansi fast jeden Tag mit der Palominostute, langsam gewann sie immer mehr an Muskeln dazu. Außerdem hatten wir in der letzten Woche zwei Neulinge dazu bekommen - Black Lemontree und Corry. Black hatte sich bei meinen Eltern schon einmal in meinem Besitz befunden...war der Vater von Blettur und somit Großvater von Uprising. Damit hatte ich nun drei Generationen an Islandhengsten bei uns, irgendwie freute ich mich daran. Corry war ebenso wie Soul Dance ein Exmoorpony, begabt vor der Kutsche und für sein Alter recht gelassen. Maeve kümmerte sich liebevoll um den jungen Hengst, im Round Pen hatte sie bereits auf seinem Rücken gesessen. Erst hatte ich die Überlegung gehabt ihn Kastrieren zu lassen, das Thema jedoch erstmal beiseite gepackt. Vor der Kutsche mit Soul wollte ich ihn dennoch mal probieren laufen zu lassen. Gemeinsam mit Cayden hatte ich begonnen die Lerneifrige Yoomee vor die Kutsche zu bringen - mit Willow im Gespann orientierte sie sich wunderbar an der erfahrenen Rappstute. Thowra hatte heute einen freien Tag gehabt, ebenso wie Kürbis. Letztere befand sich langsam im Aufbau Training nach ihrem Fohlen...für dieses Jahr hatten wir kein weiteres Fohlen mit ihr geplant. Ganz anders Greentea, die bereits tragend von Finlay war. Mit Yael hatten wir leider einen kleinen Rückschlag was das Gewicht anging, beim Holen seiner Sachen hatte sich der verfressene Hengst losgerissen und wahrhaftig den Weg in die Futterkammer gefunden. Erst bei meiner Rückkehr hatte ich sein Fehlen bemerkt und eine halbe Stunde mit suchen verbracht - ich hatte vermutet er sei zur Hengstkoppel gelaufen. Kathi hatte den Hengst schließlich in der Kammer entdeckt, seit dem Vorfall befand er sich in Boxenhaltung neben Bucks, seine Fütterung wurde kontrolliert und täglich ging es für ihn in die Führanlage, falls niemand die Zeit fand ihn zu longieren bis der Sattelgurt wieder ordentlich passen würde. Finlay dagegen hatte langsam eine schlankere Linie bekommen, was alle versammelten freute. Auch Gwyns Lahmen hatte sich verbessert, sodass Hansi auch ihn endlich wieder reiten konnte. Damit gingen Aiden, Hansi und auch Cayden fast jeden Abend noch in die Halle um ein wenig über die Hindernisse zu jagen, da die Geländestrecke noch etwas gefroren war. Cayden erhob sich aus dem Sessel, ich hörte wie er die knarzende Treppe hinunter lief und ein wenig schnaufend mit Gamhain auf dem Arm wieder hinauf kam. Corvus trappelte Rute wedelnd aus dem Raum und kam hinter der Bearded Collie Hündin hüpfend wieder hinein. Die beiden waren wirklich ein niedliches Pärchen geworden. "Ich staune das die beiden im Haus sind." sagte Cayden, da sie sonst lieber im Stall schliefen. Ich zuckte mit den Schultern "Wer weiß, vielleicht zu kalt draußen?" Cayden wuschelte Gamhain durch das Rückenfell, kam dann wieder zu mir an den Sessel. "Wollen wir ins Bett?" dabei sah ich wie er ein Gähnen nicht unterdrücken konnte. Sehnsüchtig starrte ich noch auf mein zugeschlagenes Buch hinüber, nickte dann jedoch, folgte ihm den Flur hinunter zu unserem Zimmer. Auch dieses Zimmer war eher rustikal als modern, doch genau dieser Stil gefiel mir besonders, zwar fehlten hier die Decken hohen Bücherregale unseres Büro´s , aber ein offener Kamin und das Bett in seiner Nähe sorgten für eine ähnliche bequeme Atmosphäre. Da ich vor knapp zwei Stunden Holz hinauf gebracht hatte, konnten wir nun ein Feuer in dem Kamin entfachen und ich schlüpfte unter die dicke Federdecke. „Morgen kommt der neue Azubi, ich bin wirklich gespannt auf ihn… auch wenn ich lieber auf eine weibliche Verstärkung gehofft hatte. Die anderen Bewerber haben aber einfach nicht so eine gute Figur gemacht wie Killian.“ Bemerkte ich zu Cayden, der sich gerade seiner Hose entledigte und anschließend zu mir unter die Decke kroch. Als seine kalten Füße meine berührten zog ich die meinen ein wenig weg, kuschelte den Rücken jedoch näher an seinen Oberkörper. „Wir werden es sehen, wann wollte er noch mal kommen?“ fragte er flüsternd irgendwo in meinen Haaren. „Puuh… irgendwie gegen Mittag, aber sicher bin ich nicht genau. Wir werden es beim Frühstück erfahren, denke ich.“ Setzte ich dazu, denn manchmal schlief Kathi doch etwas länger als Cayden und ich, die einfach Frühaufsteher waren – gegen 7 Uhr war unsere Nacht einfach vorbei. „Denke ich auch, aber er schien wirklich recht anständig und beim Probearbeiten hat er sich ja sowohl mit den Hengsten als auch den Stuten gut angestellt.“ Bemerkte Cayden, während ich bereits langsam dem Schlaf entgegen sank.

    Noch im Halbschlaf öffnete ich ein Auge und blickte auf meinen Wecker. „Verdammt!“, rief ich und war sofort hellwach. Es war fast halb 10, ich hatte mal wieder verpennt und um 11 sollte der neue Azubi hier aufkreuzen, was ich natürlich mal wieder vergessen hatte weiterzuleiten.

    In Rekordzeit war ich aufgestanden, geduscht und angezogen und hätte mich fast an meinem Toast verschluckt, während ich in den Stall hetzte. Keuchend stand ich in der Stallgasse und blickte mich um. Keiner da. „Hallooo?“, rief ich zaghaft ins Blaue hinein. Keine Antwort. „Na super, wo sind denn wieder alle?!“ murmelte ich und eilte in Richtung der Offenställe.

    „Wow, endlich mal etwas Leben hier“, rief ich Aiden zu der gerade mit der Schubkarre in einer Schlammpfütze steckengeblieben war. Nachdem wir sie mit vereinten Kräften hinaus gehievt hatten, verriet er mir, dass wohl zumindest Hansi und Sarah sich in der Reithalle aufhalten sollten.

    Ich bedankte mich für den Tipp und bald darauf hatte ich sie endlich gefunden.

    „Morgen!“, rief ich und die beiden wandten sich mir zu. Keiner schien sonderlich begeistert, dass ich mal wieder so spät dran war. „Hey, jetzt rück endlich mit der Sprache raus, wann genau soll Killian jetzt hier aufkreuzen?“

    „Um 11.“

    „Verdammt, so früh schon? Dann sollte ich mich wohl beeilen.“

    Jetzt wirkte sie noch weniger begeistert.

    „Wo ist Cayden, der muss doch bestimmt auch Bescheid wissen?“

    „Der ist grad erst weg, wollte ein wenig ins Gelände mit Darym. Aber wir brauchen den armen Kerl ja nicht gleich mit alle Mann belagern, dann kommt er halt später nach..“

    Damit war ich wohl knapp einer Kugel entgangen, ich wollte nicht noch mehr Ärger stiften und wandte mich an Hansi.

    „Ich wollte jetzt noch schnell sein Zimmer herrichten, wie sieht’s aus, kann ich mich in eure Wohnung trauen?“

    „Ach, über das bisschen Unordnung kannst du wohl hinwegsehen oder?“, grinste er zurück. Ich verdrehte die Augen und stieg die Treppe zur Wohnung hoch, die direkt über der Reithalle lag.

    Da Kathi noch einen Anruf bekommen hatte musste ich nun den Sitter spielen für unseren Jungspund auf dem Hof, Aiden hätte lieber ein Mädchen in unserer lustigen WG gehabt...aber man konnte ja nicht alles haben,was?

    Die Straße hinauf, Richtung Fähre in Craighnure führte mich die holprige Straße – nun parkte ich auf dem Platz, nahm das alberne Schild von Kathi entgegen auf dem in Gaelic und Englisch die Begrüßung von „Killian McKenzi“ stand. Also ging es nun zum Anleger, in der Ferne konnte ich bereits die Fähre kommen sehen, na immerhin war ich dieses Mal pünktlich. Eine kleine Flut von Menschen ergoss sich über den Anlegeplatz, ich präsentierte das Schild und wartete also bis ich ihn wieder erkannte oder er das Schild sehen konnte. Ob ich mich lächerlich fühlte? Und ob! Wie ich da also so mit dem Schild stand sah ich den leicht schlaksigen Jungen auf mich zukommen – er sah aus wie jemand der noch nie richtig hatte arbeiten müssen in seinem Leben. Mit Pferden konnte er umgehen, dass stand außer Frage – aber die Mistgabel konnte er noch nicht sonderlich schwingen. Auf Caed Crevan jedoch musste jeder seinen Teil beitragen, also würde aus dem schlaksigen vielleicht doch noch ein wirklicher Mann werden. Wobei nicht gesagt werden konnte, das er nicht ein hübsches Gesicht aufzuweisen hatte...irgendwie erinnerte er mich an jemanden. Genau das war mir bereits beim Vorstellungsgespräch und dem späteren Probearbeiten aufgefallen. Als wir an der Bushaltestelle vorbei zum Wagen liefen, sah ich das schwarzehaarige Mädchen von Siobhan dort stehen. Mit dem Handy in der Hand stand sie da, schaute auf die Anzeige der Buszeiten und verzog das Gesicht. „Die Kleine ist mir schon auf der Fähre aufgefallen, heißes Teil oder?“ meinte Killian zu mir, hatte mir in die Magengegend gestupst dabei. Mit hochgezogener Augenbraue sah ich ihn an „Heißes Teil, eh?“ meinte ich, schüttelte den Kopf...grün hinter den Ohren..Ich stiefelte zu ihr hinüber „Lost the bus?“ fragte ich sie, da ich nicht wusste wie viel Deutsch sie sprach. Mein Englisch war...nunja bescheiden, aber zumindest konnte ich es überhaupt!

    Na toll. Der nächste Bus würde erst in einer Stunde kommen. Und natürlich keinen Empfang. Das passt ja mal wieder gut zusammen. Ich könnte die Strecke laufen oder ich warte einfach. Zum Warten war es mir aber zu kalt. Ein Mann kam auf mich zu. Ich kannte ihm vom sehen her. Er gehörte zum Caed Crevan. „Yes. Can we speak german?“ Er nickte und so fragte ich: „Du fährst doch zurück zum Hof. Könntest du mich mitnehmen?“ Hätte ich nicht gewusst, dass er einer von Sarahs Angestellten war, hätte ich so etwas nicht gefragt. Für mich wäre es super, da ich so nicht warten musste. Meine Shoppingtour hatte ich beendet und es waren auch nur zwei Tüten. Ich brauchte mehr Reitklamotten.

    Durch das tägliche reiten brauchte ich öfters neue Handschuhe und auch mehr als zwei Reithosen. Vor allem, wenn es an die Turniersaison ging.

    „Natürlich, dann lernst du gleich unseren neuen Auszubildenden kennen – das ist Killian, soeben auch mit der Fähre hier angekommen“ stellte ich dem jungen Mädchen, den jungen Mann rechts von mir vor. Zusammen ging es dann also zum Auto, da auf dem Beifahrersitz der eigenwillige Russelrüde Corvus seinen Platz eingenommen hatte – verfrachtete ich die beiden Grünschnäbel auf die hinteren Sitze und machte mich auf die Heimreise – erst Richtung Classical Harmony und dann zu unserem Hof zurück. „Auf geht´s“

    „Wie lange bist du schon Auszubildende?...Ist die Schule eigentlich direkt hier auf der Insel oder wie läuft das hier?“ Hatte ich eine Planung? Nicht wirklich, Hauptsache ich musste nicht mehr bei meiner Mutter in der Wohnung in Edinburgh verbringen, langsam wurde es mir da zu eng. Meine Schule hatte ich fast 6 Jahre in Deutschland, bei meinen Großeltern absolviert, da meine Mutter gemeint hatte ich sollte so viele Sprachen lernen wie möglich. Zugegeben eine Sprachbegabung hatte ich wirklich, aber lies das jetzt nicht gern raus hängen. Aus blauen Augen sah sie mich, vollkommen frei von Unsicherheit von der Seite her an.





    „Ich bin Mittem im zweiten Lehrjahr, aber ich bin erst seit Ende Oktober hier. Mein alter Hof musste Insolvenz anmelden und da die Leiterin gut mit meiner jetzigen Chefin befreundet ist, hat sie sich darum gekümmert, dass ich hier meine Ausbildung beenden kann. Wenn du zur Grundschule möchtest, dann bist du hier richtig. Wir haben hier keine Schule. Es gibt Unterricht per Internet und ab und an müssen wir aufs Festland um Prüfungen abzulegen“, antwortete ich ihm. Er wusste aber schon, wie das mit der Ausbildung laufen sollte, oder? Er wirkte auf mich etwas verplant. Vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass das gerade alles neu für ihn war. Ich glaube, ich war nicht viel besser als ich das erste mal gesehen habe wo ich arbeiten werde.





    Ich beugte mich ein wenig zu ihr herüber, der Typ vorn am Steuer sollte ja nicht gleich mitbekommen, dass ich oft ziemlich verpeilt und dazu noch faul war um irgendwas zu lesen „Ich hab die Unterlagen irgendwie im Zug liegen gelassen“ ich zuckte unbekümmert die Schultern. Irgendwie hatte ich mich immer durchgeschlagen, selbst durch die Schule – dabei war ich nicht mal ein schlechter Schüler, nur fehlte es mir bei vielem an Durchhaltevermögen. Ging es jedoch um die Pferde, da war ich sofort Feuer und Flamme, weshalb es mich freute die Ausbildung auf einem Hof wie Caed Crevan zu beginnen!

    Etwas besorgt schaute ich im Rückspiegel den beiden Grünschnäbeln zu, die sich wegen der vielen Sachen auf dem Rücksitz, eng aneinander quetschen mussten. Dieser Killian würde sich doch nicht etwa als einer dieser Womanizer herausstellen? Doch schätzte ich das junge Mädchen als Bodenständige Natur ein, zumindest machte sie diesen Eindruck auf mich. Ich zuckte leicht mit den Schultern, konzentrierte mich weiter auf die Straße – in knapp 5 Minuten würde ich das Mädchen eh auf ihrem Hof absetzten….verdammt das ich mir nie ihren Namen merken konnte.





    „Oh. Das ist ja blöd“, antwortete ich ihm. Kann ja mal passieren. Ich war anfangs auch etwas durch den Wind, als ich hier angekommen war. Es war alles so neu und schön gewesen. Auch die Begrüßung von Ty und Cayden war herzlich ausgefallen und man hat sich sofort wie Zuhause gefühlt. Anfangs hatte ich etwas Zweifel, dass es mit der Sprache schwer wird, aber das war unbegründet. Wir waren schon kurz vor Lochdon, sodass ich gleich auf dem Hof sein würde. Das wäre gut. Erstmal die neuen Sachen waschen und dann schnell einweihen. „Ich denke mal, dass sie dir bestimmt nochmal alles erklären werden, wie es ablaufen wird.“





    Gerade als ich ihr antworten wollte, hielt der Wagen an einem anderen Hof – dem Hof auf dem sich wohl wohnte - „Das denke ich auch“ bleibe versonnen sitzen, ehe ich merke...sie kann gar nicht aussteigen, wenn du es nicht tust. Mit der Hand fummelte ich an der Türklinke, gehe hinaus um ihr den nötigen Platz zu geben. „Wir werden einander sehen?“ stellte ich ihr offen eine Frage. Zumindest hätte ich dann jemanden, den ich auf dieser Insel kennen würde – in meinem Alter.





    „Wer weiß. Ich bin eigentlich immer hier auf Classical Harmony. Sarah besucht uns öfters. Du weißt ja, wo du mich finden kannst, wenn man sich nicht so mal sehen sollte“, antwortete ich ihm und nahm meine Einkaufstüten auf dem Kofferraum. Ob wir uns wiedersehen würden? Bestimmt irgendwann mal. Die beiden Höfe feierten öfters mal zusammen. Von daher würden wir uns schon über den Weg laufen. „Danke Hansi fürs mitnehmen.Das war echt nett von dir. Tschüss“, sagte ich zu dem Mann und schlenderte den Weg hoch zum Hof.

    Auf dem Weg zurück schien der junge Kerl recht dünn angebunden, doch mein Blick auf die Uhr verriet mir – ich musste mich langsam beeilen! Wir würden in weniger als einer halben Stunde besprechen wollen wer zum Distanzrennen kommen würde.





    Zusammen mit Cayden, Hansi(der etwas zu spät kam) und auch Julie,Kathi und natürlich Siobhan hockte ich mit der Liste der Anmeldungen am großen Küchentisch - wir hatten uns noch nicht 100% entschieden wen wir hatten nehmen wollen. Auch der neue Auszubildende hockte gleich mit bei dieser Veranstaltung. In den letzten zwei Stunden waren wir alle gründlich durchgegangen, hatten verglichen und schließlich schon zwei Entscheidungen getroffen. Auf unserer Liste standen bereits Django und Maren "Der Kleine ist zwar nicht sonderlich ängstlich, aber um ihn an die andere Umgebung hier zu gewöhnen, könnten wir ihn und Siobhans Falabellastute zusammen vor den Trainingssulky spannen - zumindest für´s erste." schlug ich dabei vor und bekam keinerlei Einwände. Da erhob Siobhan die Stimme "Ich dachte es sei eine gute Idee, Meg das Training mit Was immer du tust absolvieren zu lassen und später am Rennen teilzunehmen?" "Wunderbar! Dann kann unser Grünschnabel vielleicht gleich bei ihr mitmachen - als Zusammenarbeit?" warf Kathi fragend in die Runde. Siobhan überlegte kurz, nickte dann aber "Fänd ich gut" - auch Killian legte kein Veto ein.

    "Zurück zur Liste" ermahnte ich dann aber wieder - sonst wäre der Abend vorrüber und noch immer keine Entscheidung getroffen.

    Wir einigten uns auf Alicia und Nienke - sie würde einen eigenen Wagen mitbringen, was die Sache für uns erleichterte.

    Bei den Reitern und ihren Pferden knobelten wir eine Weile, dabei stand dort auch schon jemand fest "Vina kommt definitiv - sie war lange nicht hier und als Trainerin braucht sie nur eine Art der Anweisung, denn sie weiß auch wie man Ausdauer mit dem Pferd üben kann. So können wir uns auf die oder den letzten im Bunde sehr gut konzentrieren. Wobei eh jeder von uns einen der Teilnehmer betreut." warf ich bittend in die Runde. "Sieht aber ganz schön nach Freundschaftsbonus aus" murmelte Hansi leicht spöttisch(offensichtlich lauter als gedacht) zu Cayden. Trotzdem wurde der Vorschlag nicht abgelehnt und Vina und Wolfi landeten auf der Liste. "Dann darf ich jetzt aber auch entscheiden,ja?" kam Kathi in die Runde zurück, mit einer Tasse Kaffee, die dampfte und einen angenehmen Geruch verbreitete. In der anderen Hand trug sie eine weitere Tasse des schwarzen Gesöffs, die Hansi froh entgegen nahm. "Battle Scars - kommt zwar jetzt doof, wenn noch ein Tinker dabei ist, aber da entscheid ich jetzt in Symphatie für den Namen!" meinte sie leicht lachend, wobei Hansi und auch Julie sofort Partie ergriff. Ich schlug die Hände in die Luft "Ganz ehrlich reizen mich alle...aber so viel kann ich uns nicht zumuten und ehe wir jetzt per Los entscheiden, gut dann eben nach dem Namen. Wer nen anderen Einwand?" allgemeines Kopfschütteln - also wurden Joyce und Battle Scars ergänzt in der Liste.

    "Damit haben wir´s - wer bleibt zum Essen?"
  11. [color=rgb(105,105,105)(c) Vampyrin & Ravenna

    [color=rgb(105,105,105)schwarz - Sarah

    [color=rgb(105,105,105)blau - Kathrin

    [color=rgb(105,105,105)lila - Hansi



    Wir hatten die etwas stressigen Weihnachtsfeiertage mit meinen Eltern wunderbar hinter uns gebracht, am zweiten Feiertag hatten wir gemeinsam Siobhan und den kleinen Fionn besucht. Die Mutter von Ty und meine hatten der Mutter kaum eine Chance gegeben ihn zu halten – dabei hatte ich beinahe Tränen in den Augen gehabt. Nie würde meine Mutter einen eigenen Enkel in den Armen halten, das tat mir irgendwie dann doch Leid. Silvester war hier auf der Insel und in näherer Umgebung nicht viel los gewesen – umso besser war es für die Pferde gewesen. Zwar hatten wir gemeinsam ein wenig gefeiert, aber nicht sonderlich groß, die Arbeit musste weiter gehen.

    Freudig stand ich nun am Rande des Offenstalles beobachtete die Hengste, die mit dem gerade zu ihnen gelassen Gwyn umher tobten, sich aber nach wenigen Minuten schon wieder beruhigten. Es freute mich besonders, dass sich Draki und auch Moon so Klasse in unsere recht große Hengsttruppe integriert hatten – klar durch ihre kleinen Verletzungen standen sie nachts lieber drinnen in den Boxen, aber jeden Morgen kamen sie zu den anderen raus. Zwar hatte ich Moon eine Decke für den Winter geben wollen, doch Cayden winkte ab, da dies nur den Wärmehaushalt des Hengstes stören würde, Recht hatte er ja dabei. Gwyn hatte ich heute morgen leicht lahmen sehen, also hatte ich ihn aus dem Offenstall geholt und das rechte Vorderbein untersucht – da es jedoch weder heiß war oder geschwollen hatte er sich vielleicht erstmal nur vertreten. An die Pinnwand im Stall hatte ich gleich einen Zettel gepinnt, dass Gwyn beobachtet werden sollte, dann hatte ich die Zeit gleich genutzt um den Hengst ein wenig zu putzten.

    Ein Blick auf das Display meines Handys verriet mir die Uhrzeit – fast 9 Uhr – bedeutete unser Frühstück stand gleich an! Somit bewegte ich mich durch den feinen, aber zutiefst nervigen Nieselregen hinein ins Haus – das schlimme war gar nicht die Nässe an sich, aber wenn es mehrere Tage nur durchregnete, man durch den Nebel fast nichts sah und der Wind einem um die Ohren pfiff – machte die Arbeit im freien kaum Spaß. Zumindest ging es mir so…manchmal auch Hansi, diejenigen unter den Mitgliedern des Hofes die sich schon ewig in Schottland aufhielten oder gar hier aufgewachsen waren, tja die schienen dieses Wetter vollkommen zu ignorieren. Im Vorflur entledigte ich mich meiner gefütterten Gummistiefel, sprang ein wenig auf der Stelle um die innere kälte meiner Glieder loszuwerden, da ging die Tür erneut auf und Aiden kam mit nassen Haaren hinein. Zusammen mit ihm hatten wir seit um sieben den Paddock von den gröbsten Pferdeäpfeln befreit und die Pferde mit frischem Heu versorgt. Hansi hatte sich dazu bereit erklärt Moon und Draki zu den anderen zu stellen, während Cayden und Kathi sich heute um unser Frühstück kümmerten. Ich mochte diese Art der Aufgabenverteilung, rieb mir ein letztes Mal die Hände aneinander und hielt Aiden dann die Tür zum Rest des Flures auf. „Hinein in die gute Stube“ meinte ich und folgte ihm auf dem Fuße in die gemeinsame Küche des geräumigen Haupthauses. Mit einem plumpsen ließ ich mich an meinem Platz nieder, legte die Hände wohltuend um die Warme Tasse Tee und versuchte nippender Weise ihn mir einzuflößen. „Also…ganz ehrlich, wenn wir bei der Stallgasse nicht bald etwas tun, dann brech ich mir bei den dämlichen Holpersteinen noch den Hals!“ murrte ich ein wenig in die Tasse. Die anderen hatten sich auch bereits an den Tisch gesetzt, sodass sie auch mitbekamen wovon ich rede. Hansi warf ebenfalls eine Tirade gegen die Stallgasse ein – klar sie und der ganze Stall war noch aus der Gründungszeit des Hofes und man hing an der Nostalgie. Die alten Holzbalken, die Mauern aus Stein ließen einen an das Mittelalter denken, wenn man darin stand – aber nicht nur wir hatten Probleme mit den holprigen Steinen der Stallgasse, auch die Pferde eierten darüber hinweg. „Bevor wir hier im Haus neue Möbel besorgen, will ich erst die Stallgasse ordentlich haben – da ist mir die Nostalgie ehrlich gesagt egal!“ meinte Hansi – zwar war er mittlerweile ein Angestellter und durfte viele Entscheidungen treffen, doch die höchste Entscheidungsgewalt lag bei Kathi und Cayden, nach unserer Hochzeit auch bei mir.

    [color=rgb(0,102,102)„Glaubst du wirklich ich hätte etwas dagegen? Diese Steine sind eine verdammte Todesfalle!“, murrte ich und streckte meine Hände aus um die verkrusteten Stellen zu zeigen, die ich mir am Vortag eingefangen hatte, als ich mich lang auf die Nase gelegt hatte.

    „Von dem Azubi den wir bald kriegen hatte ich euch erzählt richtig?“

    Schweigen.

    Alle in der Küche sahen mich ratlos an und ich meinte im Hintergrund die Grillen zirpen zu hören.

    „Es ist Winter, es gibt keine Grillen!“, murmelte ich. Obwohl ich nicht gedacht hätte, dass dies überhaupt möglich war, wurden die Blicke noch ratloser.

    „Oh.. also, wir kriegen vermutlich bald einen Azubi zugeteilt, ich habe letztens die Prüfung abgelegt und wir sind jetzt offiziell ausbildungsberechtigt. Hatte ich das echt nicht erzählt?“

    Schweigen.

    „Leute?!“

    Ich sah wie Hansi langsam den Kopf schüttelte. „Jetzt wisst ihr jedenfalls Bescheid!“, schmollte mich und vergrub mich hinter meiner Kaffeetasse.

    [color=rgb(0,102,102)Den Rest des Frühstücks unterhielten wir uns nur noch über Belanglosigkeiten, dann sahen alle so schnell es ging zu, dass sie an die Arbeit kamen.

    Eigentlich hatte ich den Auftrag einen Handwerker zu finden, der die Stallgasse ausbessert, gerade an Cayden abschieben wollen, da war er auch schon an mir vorbeigehuscht und hatte die Tür hinter sich zugeworfen.

    „War ja klar, jetzt darf ich mich wieder um den langweiligen Mist kümmern“, zischte ich leise, schenkte mir noch einen Kaffee ein und begab mich dann Richtung Büro um die Arbeit rasch hinter mich zu bringen.



    [color=rgb(153,51,102)Nachdem Kathi die Sache mit dem Azubi erwähnt hatte, hatten es seltsamerweise alle sehr eilig an die Arbeit zu kommen. Ich begleitete Aiden schnell in den Stall um mir Gwyn zu sichern, bevor jemand anderes die Möglichkeit hatte. Auch wenn ich es niemals zugeben würde bedeutete mir der Hengst verdammt viel, man konnte ihn fast als mein Lieblingspferd bezeichnen. Ach, streichen wir das 'fast'.

    [color=rgb(153,51,102)'Gwyn's Bein beobachten', entzifferte ich aus der schnell hingekrakelten Notiz an der Pinnwand mit etwas Mühe. „So'n Mist!“, fluchte ich, dabei hatte ich eigentlich mit ihm auf den Geländeparcours gewollt.

    „Viel Spaß dabei Gwyn zu putzen!“, hörte ich Aiden aus einer der Boxen lachen. „Wieso?“, gab ich zurück, „ich dachte Sarah hätte das vorhin gemacht?!“

    „Mag schon sein, aber davon ist nicht mehr allzu viel übrig!“

    Wieder hörte ich ihn Lachen.

    „Du bist so ein schadenfrohes Ekel!“, zog ich ihn auf und seufzte laut als ich den (ehemals) schneeweißen Hengst sah, der mir freudig zuwieherte.

    „Du ebenfalls!“

    Er hatte sich offensichtlich gerade genüsslich im eigenen Dreck gewälzt und hätte so locker als Brauner durchgehen können. „Nein, nimm den Kopf weg!“, warnte ich, als er seinen großen, schmutzigen Schädel gerade an meiner Schulter reiben wollte. „Du bist 'ne elende Drecksau, weißt du das?“, murrte ich, trat einen Schritt zur Seite und gab ihm den Befehl aus der Box zu treten. Ein wenig stolz war ich schon darauf, dass er mir auf's Wort gehorchte, bei den anderen klappte das nie so gut. Gwyn stubste mir die Nase in den Bauch und ich musste unwillkürlich grinsen. „Abmarsch jetzt.“, befahl ich wieder etwas gefasster und der Hengst stellte sich mitten in die Stallgasse um sich nochmals gründlichst schrubben zu lassen.

    [color=rgb(153,51,102)Gerade kämpfte ich mit einem großen Fleck auf Gwyn's Hinterteil, als Cayden mit Ikarus im Schlepptau den Stall betrat. Eine Weile gingen wir schweigend unserer Arbeit nach während im Hintergrund 'Heidevolk' aus den Boxen trällerten.

    „Könnt ihr diesen Krach nicht mal aus machen?“, knurrte Cayden, woraufhin er mit einen finsteren Blick von Aidan und mir bestraft wurde. Dennoch ging ich nach einem längeren Zögern zur Musikanlage und drehte sie leiser, aber nicht aus. Cayden konnte mit diesem 'Holländischen Käse', wie er es gerne nannte einfach nichts anfangen.

    Ich widmete mich wieder Gwyns Hintern und erneut herrschte Schweigen. Aiden räusperte sich. Wir blickten uns vielsagend an, die gleiche Frage auf den Lippen.

    „Uuund?“, sprach ich sie als erster aus „was hältst du von der Sache mit dem Azubi?“

    Einen Augenblick dachte ich er hätte mich gar nicht gehört und wollte die Frage gerade wiederholen.

    „Ich weiß nicht.“, murmelte er. Schweigen.

    Ich trommelte ungeduldig mit einer Hand auf Gwyns Rücken.

    „Ich weiß nicht.“

    „Du wiederholst dich.“, warf Aiden ein, allerdings so leise, dass nur ich ihn hören konnte.

    „Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich schon wieder jemand neues hier haben müssen.“, dann fing er an zu grinsen. „Immerhin haben wir dich gerade erst halbwegs anständig erzogen.“ Die Bürste verfehlte Cayden nur knapp und fiel hinter ihm scheppernd zu Boden. Ikarus spitzte kurz die Ohren und verfiel dann wieder in seinen Halbschlaf.

    „Och ich weiß nicht, eine heiße Blondine die mir ein wenig zur Hand geht, hätte schon was.“, hörte ich Aiden lachen. Wir stimmten ein. Cayden verstummte als erstes und verfiel wieder in seine nachdenkliche Stimmung. „Aber was soll das heißen, wir kriegen einen zugewiesen? Nachher taucht irgendein Schwachkopf hier auf und bringt alles durcheinander..“

    [color=rgb(0,102,102)„Wäre es dir lieber, wenn ich wieder den erstbesten Besoffenen vom Festival anschleppe, so wie Hansi?“, rief ich etwas lauter als beabsichtigt und sah belustigt wie Cayden zusammenzuckte. Hansi wollte wohl gerade zu einer Gegenwehr anstimmen, verstummte dann aber mitten im 'Eh', als er feststellte, dass er dem nichts entgegenzusetzen hatte. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht klopfte ich Cayden auf die Schulter. „Keine Sorge, das wird schon und es ist nicht so, dass wir den erstbesten Deppen von der Straße angedreht kriegen, das letzte Wort haben immer noch wir und die ein oder andere helfende Hand mehr kann wohl kaum schaden, allmählich wächst uns die Arbeit doch allen über den Kopf.“ Das schien seine Sorgen zumindest ein wenig zu zerstreuen. Gut gelaunt klatschte ich in die Hände. „Die Handwerker kommen übrigens in 2 Wochen.“ Mit diesen Worten auf den Lippen machte ich mich auf den Weg nach draußen um Argo einzusammeln, nicht ohne vorher die Musik wieder aufzudrehen wohl wissend was Cayden von dem 'Holländischen Käse hielt'.

    Ich kam gerade mit dem Hengst Bucks am Strick den Weg zum Stall hinauf – es regnete immer noch, dabei zog sich die Kälte bis in die Tiefe meiner Kleidung, sodass auch irgendwie das Gefühl hatte mir in die Hose gemacht zu haben. Ich seufzte betreten, froh gleich diesem Nebel – Nieselregen Gemisch aus dem Weg gehen zu können. Ich hatte bereits mit Braum ein wenig in der Halle longiert – der Kleine würde im Verlauf dieses Jahres ganz schonend angeritten werden und konnte sich bereits jetzt mit dem Gewicht eines Sattels anfreunden. Außerdem wollte ich später irgendwann mit dem Stutfohlen Primo Victoria ein kleines Führtraining für unsere nächste Fohlenschau machen. Bucks hingegen wollte ich ein wenig putzten – nachdem ich fast eine gute halbe Stunde damit zugebracht hatte ihn vom Paddock zu holen. Einerseits hatte es mich gefreut ihn wieder mit allen Hengsten in den Offenstall entlassen zu können nach seiner Genesung – er hatte ein Hufgeschwür gehabt, welches langsam aber sicher doch abgeklungen war. Auf der anderen Seite ließ er sich zwar mittlerweile „recht gut“ händeln, aber in vielen Situationen keilte er ohne ersichtlichen Grund aus. Aus diesem Grunde hatte ich auch den beiden Mädchen Maeve und Lia geraten von ihm Abstand zu halten, zumal sich Lia noch immer von ihrem gebrochenen Arm erholte. In letzter Zeit hatte ich mich oft in den Büchern wieder gefunden, im Internet geschaut und auch befreundete Trainer angeschrieben wegen dem „Problem“ mit Bucks. Im Grunde ging es ihm gut unter den Hengsten, er hatte seine Kumpels, genoss es draußen zu sein, sogar die Leckerli und Streicheleinheiten schien er zu genießen. Wir konnten alle nicht verstehen was in dem kleinen Pottockhengst so vor sich ging, klar war nur – er würde wahrscheinlich nie wie jedes andere Pferd werden, darin bestand aber auch ein Risiko für mich und jeden der ihn versorgte. Erst letzte Woche hatte er einen saftigen Tritt in Richtung Kathi ausgeteilt, dem sie nur knapp entgehen konnte. So in Gedanken versunken erschrak ich plötzlich als der Hengst gegen meine Schulter prallte – die Ohren tief angelegt. Kathi kam gerade aus dem Stall, in dem deutlich hörbar Musik drang, ich liebte die Tatsache,dass wir dort Boxen hatten! Bucks schien sich offenbar tierisch vor Kathi erschreckt zu haben, zappelte nun an der Hand und zeigte deutliche Ansätze vorn hoch zu gehen. Quietschend bewegte er sich plötzlich deutlich in meine Richtung, was mich dazu veranlasste den Strick sofort durch den Ring des Halfters gleiten zu lassen und aus der Bahn zu gehen. Wir nutzten nie einen Panikhaken, sondern nutzten einfach eine einfache Schnur, die problemloser durch den Ring zu ziehen war um aus dem Weg zu gehen. Im unruhigen Stechtrab bewegte sich der Hengst aus unserer Reichweite, drehte uns dann deutlich die linke Seite seines Körpers zu – nur allmählig schien die Fassung zurück zu kommen. Kathi war stehen geblieben, blickte zerknirscht lächelnd zu mir herüber – unser Sorgenkind! „Das fällt mir immer öfter auf….du bist von rechts gekommen….und schau er dreht uns seine linke Seite zu.“ Nachdenklich begann ich an meiner Unterlippe zu kauen, dachte an all jene Momente an denen er so reagierte. „Was sagst du dazu?“



    [color=rgb(33,88,104)Wir sollten da dringend ‘nen Tierarzt drüber gucken lassen“. In Gedanken versunken beobachtete ich den Hengst, der immer noch etwas hin und her tänzelte. „Wollte Eddi nicht eh die Tage mal vorbeischauen? Dann kann sie ihn ja vielleicht gleich ein bisschen genauer untersuchen.“

    „Stimmt wohl.“

    „Gut, fragst du sie dann noch eben? Ich wollte gerade mit Argo ein wenig ausreiten, willst du mitkommen? Vielleicht kriegen wir die anderen Chaoten ja auch noch mit.“, grinste ich. „Jetzt mach dir keinen Kopf, so schlimm wird das mit Bucks schon nicht sein“, versuchte ich sie zu trösten, obwohl ich mir selber nicht sicher war, was ich von der Sache halten sollte.

    „Ja bitte, bringst du mir Yoomee mit?“

    „Klar.“



    [color=rgb(33,88,104)Gut 10 Minuten später trat ich mit den beiden Ponys im Schlepptau wieder in den Stall und legte mich prompt lang über die Stallgasse.

    Argo legt die Ohren an, tänzelte ein paar Schritte zur Seite und sprang noch im selben Moment wieder zurück um Ikarus‘ Zähnen zu entgehen, wobei sie Yoomee gefährlich nahe in Richtung Wand stieß. Cayden reagierte zum Glück blitzschnell und trennte die Streithähne bevor schlimmeres passieren konnte.

    Hansi lachte.

    „Vollidiot!“, rief ich zu ihm rüber, murmelte Cayden ein zerknirschtes ‚Danke‘ zu und rappelte mich auf.

    [color=rgb(33,88,104)„Sarah und ich wollen gleich ausreiten gehen, will wer mitkommen?“, fragte ich in die Runde und vergewisserte mich, dass die Pferde sicher angebunden waren.

    [color=rgb(33,88,104)Eine Weile später verließen Cayden, Sarah, ich und Hansi, der etwas zerknirscht auf Ikarus saß, weil Gwyn leider noch nicht wieder ganz klar lief, den Hof. Eine Weile ritten wir schweigend den Trampelpfad entlang der von unserem Hof weg führte. Cayden eilte mit Darym ein ganzes Stück voraus, gefolgt von Sarah und Yoomee. Ich hatte schwer zu kämpfen mit Ikarus Schritt zu halten, offenbar war heute nicht Argo’s bester Tag.

    „Na, haste Angst dich nochmal auf die Nase zu legen wenn du zu schnell reitest?“, grinste Hansi zu mir herunter. Kurz darauf hatte er meine Gerte in der Seite. „Ich weiß schon warum ich die mitgenommen habe!“, lachte ich, als Hansi mich irritiert anschaute. „Und jetzt mal ein bisschen Respekt vor deiner Chefin, mein Lieber! Bevor du an mir rumkrittelst lern lieber mal das Einflechten!“

    „Da muss ich ihr allerdings rechtgeben, ich glaub die Knoten in Thowras Mähne krieg‘ ich nie wieder raus.“, grinste Sarah, die sich hatte zurückfallen lassen und nun neben mir ritt. Hansi öffnete den Mund und beschloss, dass es doch besser war nicht gleich ZWEI seiner Chefs gegen sich aufzubringen.

    „Cayden, wo willst du eigentlich so schnell hin?“, rief er stattdessen nach vorne, denn Pferd und Reiter waren bereits fast vollständig im langsam aufsteigenden Nebel verschwunden. Wir ließen die Pferde antraben um aufzuholen.

    „Also, wo wollen wir hin?“, fragte Sarah in die Runde.

    „Lasst uns die Runde am Meer lang nehmen, ich war schon ewig nicht mehr da!“, rief Hansi aufgeregt.

    „Och nööö..“, doch leider wurde meine fehlende Begeisterung einstimmig ignoriert und so schlugen wir den Weg Richtung Küste ein.



    Cayden – noch immer gut drei Pferdelängen vor uns – führte die Truppe hinunter zur Küste, auch wenn sich Kathi von dieser Idee nicht begeistern ließ. Für Yoomee und auch für Argo würde dies der erste Kontakt zum Meer werden. Ikarus wurde sichtlich schneller, kein Wunder, denn im Sommer hatten sich die Jungs hier unten Rennen geliefert. Zwar wurde der Vollbluthengst nun mehr auf Military trainiert, aber seine einstige Rennkarriere steckte ihm natürlich noch immer in den Knochen. Darym und Cayden hatten auch ihren Spaß am Sprung, denn der Hengst zeigte dafür wahrliches Talent darin. „Komm schon Kathi, zieh nicht ein solches Gesicht, oder hast du Angst nass zu werden?“ neckte sie Hansi von irgendwo weiter vorn und Kathi streckte ihm nur die Zunge raus. Ich beobachtete derweil unsere Umgebung, ganz anders als im letzten Winter in dem wir im Schnee versunken waren, gab es dieses Mal zwar eine Schweinekälte aber keinen Schnee. Noch jetzt lagen auf den Gräsern gefrorene Tautropfen, die den Eindruck von Schnee gaben. Erst in der letzten Nacht hatten wir Temperaturen von -10 Grad gehabt, sodass ich mich in meinen vielen Schichten von Sachen etwas ungelenk auf dem Pferd fühlte. Während allerdings mein Oberkörper wunderbar warm war, begannen meine Füße bereits in den Eisklumpenmodus zu gehen. Zwischen den Gräsern lagen mit ihrer dichten, weißen Wolle einige Schafe, die als solche beinahe nicht zu erkennen waren, sondern eher aussahen wie Nester. Als die Pferde den ersten Huf auf den etwas ungewohnt, tiefen Sand des Strandes setzten, senkten sie den Kopf um zu sehen was das denn genau war. Yoomee trabte etwas voran, ein kleiner Stechtrab mit hoher Beinaktion, da sie ganz offensichtlich den Sand nicht ganz Geheuer fand. Die anderen blieben stehen, bis ich mein Pferd etwas beruhigt hatte, dann ging es im Schritt weiter. „Langsam friert mir das Gesicht ein und meine Hände und Füße spür ich auch nicht mehr, dabei sind wir gerade mal ne Viertelstunde unterwegs“ stöhnte ich in Richtung Kathi, die mir nur einen erwidernden Blick zuwarf. Dann deutete sie nach vorn zu Ikarus, bei dem Hansi offensichtlich Probleme hatte ihn vom Schritt zu überzeugen. Gemeinerweise galoppierte sie nun an, preschte dicht zwischen Darym und Ikarus vorbei und rief irgendetwas das ich nicht mehr verstehen konnte. Auch ich gab Yoomee die Zügel und eine leichte Galopphilfe, folgte den anderen im rasenden Galopp. Argo und Kathi gelang es nicht lang an der Spitze zu bleiben, denn Ikarus holte sie in Windeseile ein, dahinter folgte Argo, die auch ordentlich Versengeld gab, dann kam Cayden auf Darym während ich das Schlusslicht bildete. Nach einer ordentlichen Runde im gestreckten Galopp parierten wir alle wieder zum Trab und anschließend zum Schritt durch. „Gewonnen“ feixte Hansi, grinste breit und hob die Faust in die Höhe – Ikarus stand bis knapp zu den Knöcheln im Wasser, während sich Kathi auf Argo von hinten nährte und ihm einen Stoß an der Schulter gab. Eigentlich nicht im bösen gemeint, verlor Hansi ein wenig das Gleichgewicht, dass Ikarus in dem Moment nervös zur Seite ging trug dann nicht gerade dazu bei das ihm wieder mehr Gleichgewichtssinn dazu kommen zu lassen. Da landete Hansi also im – wortwörtlich arschkalten Wasser und schneller als wir hätten „Achtung“ sagen hören können, war er auch schon wieder am Stand – seine komplette linke Seite war nass und einiges hing in seinen Haaren. „Okay, dann ist der Ausritt hier beendet – zurück zum Hof!“ kommandierte Cayden, der dem nun bereits ruhigeren Ikarus an den Zügeln hielt während Hansi mürrisch aufstieg. Ich jedoch wandte mich mit erhobenem Zeigefinger an Kathi „Lass solche Späße in Zukunft!“ befahl ich wobei ich mir ein fettes Grinsen ja doch nicht von den Lippen wischen konnte.

    Zurück am Hof versorgten wir die Pferde, gaben ihnen ein wenig Futter und schickten Hansi ins Haupthaus vor den Kamin. Anschließend teilten wir uns wieder auf, ich brachte die beiden Stuten zurück und Cayden die Hengste, während Kathi den Schmutz aus der Stallgasse etwas beseitigte – dieses Mal hatte sich keiner von uns auf die Nase gelegt. Cirilla und Primo befanden sich in einer der geräumigen Boxen, während wir den älteren Camilero zusammen mit Braum in einer anderen Box zu stehen hatten. Ansonsten befand sich kein Pferd in den anderen Boxen, morgen würde Smaug nun endgültig den Hof verlassen. Für heute jedoch hatten wir die Nase voll und gingen drinnen.



    Zwei Wochen später werkelten die Handwerker fleißig in der Stallgasse, der Termin für den Tierarzt war gelegt und Gwyn lahmte noch immer ab und an. Hansi jedoch war wegen einer Bronchitis erst einmal an das Bett gefesselt, da der Landarzt befürchtete daraus könnte eine Lungenentzündung werden. Kathi hatte ihm eine Tafel Schokolade als Entschuldigung geschenkt, sodass sie sich nun von neuem gemeinsam in die Pfanne hauen konnten. Braum machte im Round Pen mit dem baumlosen Sattel auf dem Rücken wirkliche Fortschritte und auch Aesi kam dem Thema einreiten immer näher. In der Arbeit vom Boden aus hatte sie etliche Erfahrung, Sattel und Trense waren ihr bereits geläufig und nach und nach würde ich mich auf ihren Rücken schwingen. Braum hatte jedoch noch eine ganze Weile Zeit bevor sich jemand auf seinen Rücken setzten würde. Argo hatte sich mittlerweile super eingelebt, wenn auch das Training etwas haperte, die Stute hatte in ihrer Filmzeit keine richtige Reitweise kennengelernt und die Dressur schien nicht ihr Steckenpferd zu sein. Kathi und ich spielten deshalb mit dem Gedanken, sie wie Stormbringer Western umschulen zu lassen. Aiden beschäftigte sich in der letzten Zeit besonders mit dem etwas fettleibigen Yael, damit dieser nicht noch weiter auseinander gehen würde und vor allem fitter. Zumindest zeigte der Hengst reges Interesse in der Dressur und wir wollten ihn einfahren in diesem Jahr um ihn für die kommende Turnier und Körungssaison vorzubereiten. Besonders legten wir auch Wert auf das weitere Training unserer Stuten, besonders der Connemaras damit wir bald mit ihnen auf geeigneten Krönungen starten konnten. Im Grunde jedoch legten wir nicht den kompletten Tag darauf aus, die Stuten und Hengste sollten einfach ihr Leben bei uns genießen können. Maeve und Lia waren jetzt in der Unterrichtsfreien Zeit oft auf dem Hof – kümmerten sich um ihre Lieblingsstute Soul Dance, gingen zusammen mit Draki und Moon spazieren und ritten fast jeden Tag. Noch mussten sie eine Menge lernen, das taten sie fleißig auf Kürbis und Eisblume, die als Lehrpferde wunderbar waren und lernten auch mit Soul Dance die Arbeit mit der Kutsche näher kennen. „Na wenn das so weiter geht, werden die beiden bald die Nachfolge hier antreten“ witzelte Cayden. Ich erwiderte darauf nichts weiter und biss in mein Toast belegt mit Käse, welches ich mir von drinnen mit gebracht hatte. Die Temperaturen waren noch immer kalt, aber man hielt es ganz gut draußen aus. Gamhain und Corvus erfreuten sich derweil an den Futterresten die Soul Dance rechts und links neben dem Futtereimer verteilte. „Mensch, fressen nicht ständig daneben schütten“ tadelte ich sie leicht und scheuchte die Köters beseite….ulkige Angewohnheit, die sie sich da angeeignet hatte. Ich strich ihr über die Rückenparte, flauschte durch das dicke Fell und erfreute mich einfach an der kleinen Stute. Es war Zufall gewesen, das ich ihre Verkaufsanzeige gesehen hatte und sofort ihre Besitzerin angeschrieben gehabt – ich und Amy waren es damals gewesen, die Soul eingeritten hatten. Das sich unsere Wege noch einmal kreuzen würden nachdem sie mit Pepe nach Kanada gegangen war, hielt ich zunächst gar nicht für möglich und nun befand sie sich in meinem Besitz. Sie war noch jung, hatte jedoch schon eine ganze Menge an gutem Training genossen. Es stand zur Debatte, sie vielleicht eine kleine Weile zu Vina ins Training zu geben zum Zirkuspony, doch so schnell wollte ich sie nun auch nicht wieder fort schicken – eine Reise nach Prag würde ziemlich lang für sie werden. Im Grunde konnte ich ihr einige Dinge auch selbst beibringen, oder Maeve und Lia würden dies sicher auch gern ausprobieren. Wundersam wie ich diese beiden Mädchen schon zum Inventar den Hofes zählte….

    Nach einer weiteren Woche sahen wir uns einer vollkommen erneuerten Stallgasse gegenüber in der weder wir noch die Pferde stolpern konnten. Kathi und ich „hüpften“ vor Freude durch die Gasse, grinsten uns beide Gegenseitig vollkommen dümmlich an und waren einfach nur froh. „So ist´s wirklich viel besser als der alte Zustand!“ sagte Hansi, der dick eingepackt, die Taschen mit etlichen Taschentüchern bestückt, noch immer heiser neben uns stand. Unmerklich hielt ich Abstand von ihm, da ich keinerlei Interesse daran hatte ebenfalls krank zu werden.
  12. Huhu!



    Gehen wir in die nächste Runde des Projektes.



    An all jene die meinten "Sie haben keine Zeit"...Schade eigentlich, aber eine Kurzgeschichte von knapp 5 Seiten in 4 Monaten zu schreiben - wollt ihr nicht doch mit dabei sein? ^^´



    Ansonsten in meiner Auswahl gelandet sind:

    Obi-Wan

    Sevannie

    (Leaenna)

    (Occulta)

    Rhapsody

    Mohikanerin

    AliciaFarina

    IceLandGirl

    Islandpony - hast du ein Schreibbeispiel für mich?

    handshake

    LaScala

    Bilbo

    Julie

    BluePearl



    Damit haben wir derzeit 12 Autoren die ich gern dabei haben würde.





    Ich habe mich mittlerweile so ziemlich für das Genre Fantasy festgelegt....

    Allerdings könnt ihr euch da natürlich - sollt ihr auch - mit einbringen! ^^´







    Liebe Grüße Ravi ♥
  13. An diesem Wochenende führte mich mein Weg mal wieder in den Stall zu Smaug, der Hengst war seit einiger Zeit wieder bei uns auf dem Hof. In den ersten Tagen seiner Ankunft durfte er sich an die rauen Winde und den Regen der Highlands gewöhnen. Ansonsten hatte ich entspannt Bodenarbeit mit dem Schecken gemacht,sowie einige Ausritte zu machen. Mit ihm zu arbeiten war eine wirkliche Wohltat, ähnlich meinem Hund Corvus besaß der Große einen „will top lease“ – brauchte zwar Aufgrund seines Alters manchmal etwas länger für einige Übungen, aber darüber konnte ich gern hinweg wehen. Ich begann nach einem Tee zusammen mit Kathi am morgen, den Hengst noch einmal gründlich zu putzten, besonders seine Mähne benötigte Aufmerksamkeit – im Training flocht ich sie meist zusammen, damit sie nicht im Weg sein würde. Anschließend hievte ich den deutlich schwereren Sattel des Hengstes auf seinen Rücken, lief vorn an seiner Brust vorbei um den Gurt zu befestigen – den ich etwas enger machen musste als es im Sommer der Fall gewesen war. „Na die tägliche Bewegung tut dir wohl ganz gut“ murmelte ich und strubbelte durch seinen Schopf. Von seinem letzten Besuch kannte ich den Ausbildungsstand des Hengstes er lief ordentlich am Zügel, ließ sich ohne weitere Probleme biegen und stellen und die Tempowechsel zeigten sich deutlich innerhalb einer Gangart, sodass es keine Probleme geben sollte einen versammelten Galopp oder Trab von ihm abzuverlangen. Aus den Berichten von Hansi – der auch das Training des Hengstes mit machte wusste ich auch das er eine gute eigene Aufrichtung zeigte. Geduldig stand der Hengst neben mir in der Halle, während ich die Bügel einstellte. Also schwang ich mich in den Sattel des Schecken, stellte die Bügel noch einmal ein um erst einmal im Schritt um den Hufschlag zu laufen. Bei dem Wetter wollte ich Smaug genug Zeit geben Warm zu werden. Dann wurde begonnen mit leichten Trabphasen, Biegungen und ersten Volten. Smaug kannte bereits den einfachen Galoppwechsel war also das stellen in einen anderen Galopp bereits gewohnt, deswegen wollte ich heute auf die verschiedenen Tempi innerhalb einer Gangart achten, also dem Arbeitstrab, dem Mitteltrab und dem versammelten Trab, wie auch im Galopp. Zusätzlich würde ich auch auf den Außengalopp ein wenig eingehen und schauen wie er darauf reagierte. Denn der Schecke war zwar durchaus lernwillig, aber ich wollte ihn auch nicht überfordern, denn neben der Dressur wurde Smaug auch vor der Kutsche ausgebildet.

    Nach der Aufwärmphase, den Tempiunterschieden im Trab und Schritt wagte ich mich an die Galopparbeit. Smaug hebelte sich nicht aus der Anlehnung, doch schob er sich oft über die Schulter hinweg aus der Biegung – der Außengalopp klappte bei ihm nicht hundertprozentig, doch geduldig ließ ich ihn immer wieder durchparieren und von neuem angaloppieren. Nach und nach gelang es mir ihn konstant in der Biegung zu halten. Damit beendete ich ein vollkommen erfolgreiches Training für diesen Tag.

    Die Volten hatte ich bereits im gestrigen Training etwas verkleinert, denn in einer L Dressur gab es nur noch 8 Meter Volten. Heute musste mir Hansi ein wenig assentieren – wir wollten Smaug vom Boden aus das Kommando der Hinterhandwende geben und es im Verlauf des Trainings auf die Reiterhilfen übertragen. Die Kurzkehrt verlangte schon ein etwas intensiveres Training – zunächst absolvierten wir die Übung im Schritt. Die Hilfen die ich dem Schecken gab waren die für eine Volte, als er nun etwas seitwärts trat hielt ich seine Vorwärtsbewegung auf indem ich Kreuz und Oberschenkel anspannte und gab am äußeren Zügel eine kurze Parade. Dabei sollte eine Art Halbkreis entstehen. So ritten wir nun jede einzelne Phase ab–Smaug sollte zwar einen Schritt machen jedoch Seitwärts statt Vorwärts. Jedesmal wenn er Seitwärts trat trieb ich wieder von innen nach um den nächsten Schritt auszulösen und hielt jedesmal die Vorwärtsbewegung auf. Zunächst misslang uns diese Übung ab und an…..manchmal blieb er auf dem inneren Hinterbein stehen, dann setzten wir die Wendung etwas größer an um uns danach darauf zu konzentrieren jeden Schritt gut auszureiten. Um Smaug nun den Takt ein wenig zu vereinfachen tippte ich ihn mit der Gerte ein paar Mal auf die Hinterhand.

    Die darauffolgenden Tage probten Hansi und ich das neu erlernte. Insgesamt hatten wir jedoch ein in sich geschlossenes und wendiges Pferd, der es vermochte ordentlich am Zügel zu laufen, sich selbstverständlich schön aufrichtete und sein bestes gab. Die verschiedenen Tempi innerhalb der Gangarten waren klar von einander zu unterscheiden. Nun da er alle Anforderungen an eine L Dressur erforderte, begannen wir auch das Training mit der Kandare aufzunehmen – ließen dem Hengst dabei genug Zeit. „Was hälst du davon, wenn ich einfach mal an dem Turnier teilnehme das nächste Woche in Craighnure ist?“ fragte mich Hansi am Abend des dritten Tages. Ich überlegte eine ganze Weile hin und her, verneinte dann jedoch erst einmal. „Lassen wir ihm mehr Zeit, er hat ja erst alles gelernt. Sorgen wir uns erstmal darum, dass er vor die Kutsche gespannt werden kann, dann kann man an Turniere denken.“ Hansi sank ein wenig in sich zusammen, schob die Lippen gespielt nach vorn und verzog sich dann in die WG über der Reithalle die er sich mit Aiden teilte. „Ach ja…wir haben die Zusage bekommen für die Ausbildung….bald werden wir einen Azubi auf dem Hof begrüßen können, also werdet ihr da oben ein wenig zusammen rücken müsstest. Wäre das okay für euch beide?“ Aiden und Hansi grinsten einander vielfach an…dann grinste Aiden etwas verwegen „Frischlinge sind immer gut“ ich rollte die Augen bei dem Humor der beiden. Unglaublich das sie im selben Alter wie Cayden war…er war so viel reifer…oder viel mir das einfach nur bei den beiden so sehr auf?

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    „Hab Smaug heute morgen nochmal ein wenig im Training gehabt“ kam Hansi herein und gesellte sich zum Mittagstisch – ich war in der Planung eines Besuches von Vina, dort würde ich eine ihrer Stuten zu mir nehmen und ihre beiden neuen Pferde trainieren. Hansi derweil wollte sich um den Gelderländer kümmern, damit dieser eingefahren wurde. „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen ja auch schon dabei getragen.“ Hansi grinste mich dann über den Tisch hinweg breit an „Ich hab ihm heute einfach mal einen Reifen hinter ihn gemacht“ ich schluckte hart – Smaug war brav, aber erst seit zwei Wochen im Training für die Kutsche, jetzt schon ein Gewicht zu ziehen? „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Dabei kratzte er sich leicht am Kinn und grinste unverfroren in meine Richtung. Ich rollte ein wenig die Augen, nickte dann „Ich vertraue darauf ,dass er bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an, wenn er auch so brav ist – man kann schließlich nie wissen.“

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    Mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Sarah entgegen gehalten wurde. Natürlich war sie berechtigt in ihrer Sorge um den Hengst, aber ich hatte ja mittlerweile Erfahrung im Training der Pferde. Aiden und ich beeilten uns mit dem Mittag zusehends, denn wir hatten noch den Paddock der Hengste zu reinigen und eine Box vorzubereiten. Sarah hatte sich während des Filmdreh´s in eine der mitgebrachten Stuten verliebt, nach langem hin und her mit Theo hatte der sie schlussendlich verkauft. Argo - dem Pferd aus der Serie Xena nachbenannt, war seit frühsten Jahren ein Filmpferd der extra Klasse, in einigen Serien und ein paar Filmen war sie mit von der Partie gewesen, sogar als das Pferd eines Lakotahäuptlings war sie schon dabei gewesen. Heute würde sie im Laufe des Nachmittags ankommen, da gab es noch eine Menge zu tun.

    Argo mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Kürbis aus Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken in der Box – natürlich, sie war es auch gewöhnt. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich auch von Kürbis und kehrte zu meinem eigentlichen Job – Smaug zurück. Gemeinsam mit Aiden wollten wir erst einmal die Kutsche mit dem Transporter bei Julie abholen, wo sie noch immer stand. Anschließend die Stute Willow einspannen, mal sehen wie Smaug auf die Stute, die Kutsche und das mitnehmen reagieren würde, dann konnten wir ihn daran ein wenig gewöhnen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky, welches wir auch für Willow zu Anfang genommen hatten. „Los Komm, wir müssen los.“ Drängte Aiden bereits, also schwang ich mich hinter das Steuer, legte den ersten Gang ein und wir rollten die Einfahrt des Hofes hinaus. Die Fahrt würde nur knapp 5 Minuten dauern, also würde das kalte Auto sich nicht so schnell erwärmen. „Wirklich kalt geworden in den letzten Tagen“ murrte ich – ich hasste den Winter, zu allem Übel war hier auf der Insel auch noch der Nebel – momentan hatte man manchmal nicht mal Sicht auf 50 Meter, wenn überhaupt. Über Weihnachten hatte ich ursprünglich vorgehabt nach Deutschland zu meinen Eltern zu fliegen, doch hatte mich Sarah zu einem Ausritt zusammen mit Siobhan und Ty eingeladen, sodass ich meinen Eltern abgesagt – es war das einfach nicht wert…weder den Stress noch den Rest. „Tja…du hast Glück den letzten Winter nicht gesehen zu haben, da lag jetzt schon sehr hoch Schnee, dieses Jahr haben wir wirklich Glück.“ Aiden war hier geboren, oder zumindest in Schottland – er sprach Deutsch mit deutlichem Akzent, lernte jedoch außerordentlich schnell, wobei wir auch oftmals ins Englische sprangen, damit auch ich lernen konnte.

    Mit der Stute am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her – Smaug zeigte sich mal wieder wunderbar diszipliniert, beäugte nur Willow von Zeit zu Zeit. Diese jedoch ignorierte den Hengst weitestgehend, suchte ihr Heil in der Arbeit womit die Arbeit sehr gut von der Hand ging. „Lass und eine kleine Runde um den Hof drehen mit den beiden“ schlug Aiden vor, also setzte sich mein Freund auf den Kutschbock, ich stieg hinten auf und führte Smaug um die Kutsche herum damit er dahinter laufen konnte. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann zu dämmern – zumindest vermutete ich dies, denn der Nebel verdeckte die Sonne. Im Trab trottete Smaug hinterher, nahm ein wenig an Tempo zu und befand sich nun neben der Kutsche – mir gelang es nicht den Strick schnell genug herum zu dirigieren und quetschte mir dabei den Daumen ein. Mir gelang es nur knapp einen Laut des Schmerzes zu unterdrücken, leicht schüttelte ich die Hand – die Stelle puckerte und begann bereits ein wenig blau zu werden. Na Klasse…..

    Zumindest hatten wir das Training von Smaug ein ganzes Stück weiter angekurbelt, Aiden und ich wollten nun jeden Tag eine solche Tour machen – denn auch für Willow war es Training für ihre Distanzturniere.

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    Betreten senkte ich den Kopf – „Verdammt!“ murmelte ich. Cayden sah mich verwirrt an, legte den Kopf schief wie er es so oft tat. „Meine Eltern wollen zu Weihnachten hier her kommen!“ Auch Cayden schwieg einen Moment, während Kathi ungerührt in die Runde fragte „Was ist daran so schlimm?“ Erst rangen wir beide ein wenig an Worten „Naja, sie wissen noch nicht das wir uns verlobt haben, außerdem sind sie manchmal ein wenig anstrengend. Zudem feiern wir beide ja Weihnachten als Paganisten gar nicht offiziel – wir feiern bereits am 21.12 Yule und das haben sie bis heute nicht verkraftet.“ Meinte Cayden etwas zerknirscht. Wir berichteten vom letzten Jahr, dass wir beide bei ihnen verbracht hatten – als frisches Paar gemeinsam. Wir hatten keinerlei Geschenke mitgebracht, keine erwartet und das war etwas…naja weniger gut angekommen. „Im Grunde müssen sie es nun akzeptieren, dass hab ich auch schon am Telefon gesagt. Nur muss ich Vina Bescheid geben, dass es in diesem Monat wegen des Besuches nicht klappt.“

    In der Zwischenzeit beendeten wir unser gemeinsames Frühstück – heute waren Kathi und ich an der Reihe die Pferde zu versorgen, während sich Aiden und Cayden der Bewegung von Darym und Ikarus kümmern wollten, da noch kein Schnee lag wollten sie auf die Militarystrecke. Ich freute mich so unfassbar, dass sich Cayden so mit seinem neuen Hengst verstand. Hansi würde sich wieder dem Training mit Smaug widmen – nach über einer Woche lief der Hengst nun vollkommen sicher vor der Kutsche. Gerne hätte ich den Hengst mit einem der anderen zusammen angespannt, doch waren sie von der Größe her ziemlich unterschiedlich. 2Hansi? Was hast du heute vor mit Smaug?“ Der große Blonde Mann war noch beschäftigt unseren Abwasch zu erledigen und drehte mir bei seiner Antwort nicht den Kopf zu. „Da der Kleine jetzt so gesehen als Eingefahren gilt, hab ich auch gestern schon mit dem ersten Parcours für Turniere begonnen, wenn er in der A starten will.“ Ich nickte, dass würde Salera sicher freuen, denn der Hengst war jetzt bereits das November wieder hier in Schottland bei uns. „Sehr schön! Dann werde ich mich heute mal ein wenig Argo widmen und Bucks ein wenig bewegen. Die Mädels kommen später und wollen Little Grey und Kürbis auf dem Platz reiten, hast du da vielleicht ein Auge drauf?“ Hansi trocknete sich die Hände ab, nickte ebenfalls und damit verstreuten wir uns wieder in alle Richtungen auf dem Hof. Jeder ging seiner heutigen Arbeit nach – vom Stress her ließen wir uns wegen Weihnachten überhaupt nicht einnehmen. Am Nachmittag schaute ich nochmal bei Siobhan und ihrem kleinen Fionn vorbei – wahnsinnig, wie das Baby nun doch langsam nach einem Menschen ansah.



    Sarah schwarz ~ Hansi türkis
  14. Mit einem Pott Tee hockte ich gerade etwas verschlafen am Küchentisch - gestern spät ins Bett gekommen und früh aufwachen war eine super Kombination. Fazit des ganzen war einfach das ich mich fühlte wie von einem Pferd überrannt - mit Pferd jedoch lag ich nicht allzu sehr daneben. Gestern in den späten Abendstunden waren vier Pferde angekommen zusammen mit Hansi der sie geholt hatte. Zwei von ihnen fanden hier in Schottland wieder ihre alten Bekannten - meinen ersten Hengst Moon und auch Blettur hatten ihren Weg zurück in meinen Besitz gefunden. Bei Moon war die Ausbildung zum Therapiepferd beendet und wir start v en einen Versuch wie ihm die Steine aufz den Wiesen belasten würden. Zusätzlich kehrte auch Smaug auf den Hof zurück zu einem Training bei uns auf dem Gelände. Auch ein neues Gesicht kam auf den Hof - dieses Mal hatte jedoch nicht ich "zugegriffen" neben Smarty in der Ausbildung hatte sich Cayden einen gekörten Hengst namens Darym gekauft um seinem Hobby dem Springen wieder nachgehen zu können,denn unsere Ponys kamen darin nicht sonderlich weit. Also hatten wir die Boxen vorbereitet, anschließend hatten wir gewartet bis alle Hengste da waren und sich auch eingelebt. Etwas traurig blickte ich auf Moons Mähne - sie war rappelkurz und stand nun. Vina hatte sie abschneiden müssen nachdem eines der Kids mit dem sie arbeitete seinen Kaugummi in Moons Mähne hinterließ. Nicht sehr erfreulich,aber die konnte immerhin nach wachsen.

    Die Tagesplanung für heute sah so aus das ich mal wieder bei Julie vorbei schauen würde - ein paar ihrer Pferde trainieren. Maeve und Lia würden mich dabei begleiten - sie freuten sich auch mal andere Pferde reiten zu können, zumindest die 13 jährige Maeve, Lia hatte sich im Schulsport den Arm gebrochen. Bis zur Genesung musste sie mit der Kutsche vorlieb nehmen,diese und Willow würden uns zu Julie begleiten. Plötzlich hörte ich irgendwen die Treppen heraufpoltern, den ich anhand der leichten Schritte als Kathrin einstufte, die Stimme die kurz darauf verkündete "Es ist da!Es ist da!" bestätigte meine Vermutung. Verwirrt hob ich den Kopf wartete bis die Tür aufschwang ehe ich fragte "Was genau ist da?" Kathi war etwas außer Atem erzählte dann jedoch " Die Ergebnisse der Körung von Storm und Uprising! Die beiden haben es geschafft. " Damit begann ich ihr Lächeln zu erwidern "Großartig, nur brauchen wir mehr Stuten, damit die Zucht starten kann! Bis jetzt haben wir uns etwas zu sehr auf die Hengste konzentriert. " das kam nicht von ungefähr, es war tatsächlich so. Besonders Willow hatte ich meine Aufmerksamkeit geschenkt,auch Thowra hatte Training erhalten,doch seit geraumer Zeit hatte ich nicht mehr in Greens Sattel gesessen oder dem von Yoomee - dies hatte Kathi eher getan als ich. "Fürs Protokoll ich bin heute mit den Mädels bei Julie, die Kutsche und Willow sind mit dabei. Sagst du Hansi er soll sich heute mal mit Smaug ein wenig beschäftigen? " Kathi nickte,lies mir dann die beiden Körungsbescheinigungen da und verschwand wieder nach unten. Der Tee war in der Zwischenzeit mehr als kalt geworden,also trank ich ihn fix aus ehe auch ich hinunter zum Stall ging. Bevor ich los wollte zu Julie blieb noch genügend Zeit um mich um Bucks zu kümmern - in den vergangenen zwei Monaten seitdem der Dreh vorbei hatte er sich wirklich gemacht. Mittlerweile durften auch andere als ich an seiner Box stehen

    ohne das er panisch wurde, das Halter akzeptierte er ohne Probleme und beim führen benahm er sich nicht mehr " wie ein Wildhengst" - in der letzten Woche hatte ich sogar Maeve und Lia Bucks unter Aufsicht abwechselnd putzen lassen. Er blieb unsicher, beäugte alles mit Argwohn aber ergab sich wie es schien in sein Schicksal. Seine Mähne und der Schweif wuchsen nach, die Narben schienen ebenfalls gut zu verheilen ,wenn auch die seelischen blieben. Sobald ich mit Bucks arbeitete durfte ich die Hunde nicht frei laufen lassen, sie machten ihn nervös. Da er solche Fortschritte machte wollte ich in der nächsten Zeit Maren zu mir holen um sich die Wunden noch einmal anzuschauen. Im Stall angekommen begrüßte ich der Reihe nach Bucks,Blettur und auch Moon mit einem sanften Kuss auf die Nüstern. Am Nachmittag oder dem späten Abend würden wir sie alle zum Rest der Hengste bringen. Mit dem Halter von Willow in der Hand lief ich zum Stuten Paddock - in der Menge brauchte ich nicht lang um die ruhige Rappstute zu finden. Putzen war wie immer eine entspannende Sache, die seichten Striche zu ziehen beruhigte meine Seele, die oft wild umher zu wirbeln schien - die Arbeit nutzten um die Arbeit zu vergessen.

    Mit ein paar Schwierigkeiten legte ich Willow das Geschirr für die Kutsche an - für die Handschuhe musste ich noch einmal ins Haus,denn es war schon ein wenig kalt. Aiden half mir anschließend die doch recht sperrige Kutsche aus der Abstellkammer der Halle zu holen, Willow richtig hinein zu spannen - anschließend erklärte er mir noch wie ich Julies Stute Lady Äppel dazu machen konnte. Julie besaß keine Kutsche mehr,aber für Willow hatten wir uns extra eine besorgen müssen.

    Auf dem Weg zum Hof von Julie sammelte ich die beiden Mädels ein - ein entspannter Schritt brachte uns in einer knappen halben Stunde zu unserem Ziel. Begrüßt wurden wir von Julies Lockenkopf der uns das Eingangstor öffnete, es aufhielt und hinter uns zunächst einmal schloss. „Ich hab Lady Äppel schon mal geputzt, genauso wie Ayumi und für eines der Mädchen l Amadea von der Koppel geholt. Für die andere müssen wir sehen wer passt“ Lia hob betrübt den Arm mit ihrem verletzten Arm „Hab mir den Arm gebrochen und nehm mit der Kutsche vorlieb.“ Julie nahm es mit einem mitleidigen Lächeln zur Kenntnis, während wir also Lady neben Willow in die Kutsche spannten half Lia Maeve beim Satteln der Haflingerstute. „Wie geht es dir sonst so momentan?“ fragte Julie mich gerade heraus, wir hatten uns seit dem Filmdreh vor zwei Monaten kaum gesehen. „Wunderbar…Cayden und ich haben uns allerdings noch immer auf keinen Termin für die Hochzeit geeinigt.“

    Im gemütlichen Schritt bewegte sich unser Trott vom Hof – Lia hielt den Strick der zweijährigen Ayumi in der Hand, Maeve ritt auf Amadea voraus um das Tempo zu bestimmen und die Stuten vor der Kutsche mussten sich erst aneinander gewöhnen. Sie kannten sich bereits von gemeinsamen Ausritten, aber vor der Kutsche war es für sie komplett neu. Gerade da Lady auf der halbblinden Seite von Willow lief, doch schien sie damit eher weniger Probleme zu haben wie ich es gedacht hätte. Wir folgten zunächst der „Hauptstraße“ in Richtung Craighnure, um dann einen Bogen um die Stadt zu schlagen. Wir würden eine ganze Weile unterwegs sein, aber größtenteils im Schritt, sodass alle Mitglieder unserer Truppe Fuß halten konnten. Nach der ersten halben Stunde begann Maeve immer mal wieder auszuprobieren was die Stute so konnte – korrekte Anlehnung, von hinten an die Truppe heran traben und versuchte auch Amadea nur mit den Schenkeln zu lenken. Julie stupste mich an „Die kleine macht ihre Sache nicht schlecht.“ Ich nickte ihr zu…Maeve war die geschicktere der beiden Mädchen und ritt sogar sehr gern einmal ohne Sattel auf Little Grey.

    Unser Ausflug dauerte nur drei Stunden, anschließend durften sich die Pferde ausruhen – Willow zusammen mit Amadea und Lady auf der Weide. Julie und ich holten uns zwei der Hengste von der Weide um ein wenig auf dem Platz zu trainieren und Lia und Maeve wollten unbedingt mit Lambardo und Salea spazieren gehen. Ich jedoch schüttelte den Kopf „Ihr kennt die beiden nicht und allein lass ich euch mit denen nicht durch die Gegend wandern, putzt sie meinetwegen und geht abwechselnd in den Round Pen mit ihnen. Spazieren vielleicht mal ein anderes Mal.“ Mit hängenden Köpfen machten sie sich davon, aber auch Julie stimmte mir dabei zu. „Dann mops ich mir jetzt den Burberry zum longieren und du wolltest noch was mit Deyk machen oder?“ „Genau der gute ist wieder bei mir gelandet, war vielleicht nicht ganz so geplant gewesen, aber im Grunde bin ich doch froh den Stinker wieder hier zu haben.“ Nebeneinander putzten wir die beiden Hengste im Stall selbst schwatzten die beiden Mädels lauthals beim putzten der kleinen Scheckstute Salea. „Na die beiden haben ja ordentlich ihren Spaß.“ Grinste mich Julie über den Rücken des Schecken an „Oh ja wie ein ganzer Sack Flöhe“

    Auf dem Platz konzentrierte ich mich dann doch eher auf den etwas sensiblen Burberry, der in seinen jungen Jahren bereits für zu Stur eingeschätzt worden war, doch der Hengst benötigte einfach eine feine Hand und eine Aufgabe die ihn nicht überforderte. Da seine Schritt – Trabwechsel oftmals noch etwas steif waren, arbeitete ich heute gerade daran ein wenig. Hatte ihm dafür den Kappzaum angelegt um besser wirken zu können – brav ließ er sich von mir in allen Gangarten dirigieren versuchte die verschiedenen Tempounterschiede auszuführen und ließ es sich dabei nicht nehmen auch ein paar Dinge zu hinterfragen die ich von ihm verlangte. Ab und an gab mir Julie ein paar Tipps in meiner Arbeit mit ihm, wofür ich sehr dankbar war, denn auch ich war ja nicht perfekt. Julie mit Deyk widmete sich auch kleineren Korrekturen, die sich im Zuge des Besitzerwechsels eingeschlichen hatte – er ging teilweise eher einer Giraffe gleich durch die Bahn, brauchte lange um sich zu entspannen, locker zu werden und selbst dann zeigte er sich ab und an etwas widerwillig. „ich glaube da muss mal der Sattler vorbei kommen…hab schon in der Vermutung das der Sattel nicht ganz passt. Bis dahin heißt es dann erstmal wieder Bodenarbeit….hier ist es ja nicht so einfach einen Sattler zu finden.“ Oh ja…die Geschichte mit den Sätteln kannte ich nur zu sehr zu gut…es war wirklich schwer einen Sattler zu finden. „Tja…dafür leben wir auf einer Insel.“ Meinte ich ohne viel Überzeugung und grinste breit. Maeve und Lia kamen gerade mit dem Shettyhengst Lambardo wieder aus dem Round Pen, denn die junge Stute hatten sie erstmal nur geputzt, denn Salea hatte gestern wohl genug Bewegung erhalten. „Wollen wir deine Lipizzaner ein paar Runden in der Halle laufen lassen, während die Mädels ein wenig Guinness bespaßen?“ Gesagt getan – mit ein wenig überputzten machten wir uns daran die unterschiedlichen Hengste in die Halle zu entlassen. Während der jüngere Conversano sofort begeistert Versengeld gab und immer wieder im Stechtrab um Maestoso herum lief, sah der erstmal wenig begeistert aus. Doch es dauerte nicht lange da ließ sich auch der ältere Hengst von dem anderen anstecken und beide zogen eine Weile ihre Runde. Anschließend gesellten wir uns zu Guinness und den Mädels auf den Platz, die dort ein paar Stangen L´s aufgebaut hatten, ein kleines Cavaletti und versuchten den Hengst darüber hinweg zu führen. Der Tinkerhengst verhöckerte die beiden ganz schön – nur wenn sie ihm Leckerli vor die Nase hielten folgte er ihnen ohne Probleme. „Na da bekommt er heute Abend wohl kein Futter…oder zumindest weniger, wenn er so viel nebenbei bekommt. Wenn ihr wohllt könnt ihr für heute gehen, Appolino schaff ich für heute noch selbst – Danke vielmals für euren Besuch!“ Damit verabschiedeten wir uns alle von einander, Lia´s Mutter holte die beiden ab, ich schwang mich auf den Rücken von Willow und ging so zurück, die Kutsche würde ich irgendwann in der Woche abholen kommen.
  15. Huhu!



    Also erstmal - ich liebe meine Einsatzstelle so! ♥



    Die ganze Woche war zwar im Grunde recht anstrengend da ich mit den Vorbereitungen und der Organisation von unserem Tag der offenen Tür zu tun hatte, aber ich denke der Aufwand wird sich gelohnt haben. ^^´

    Spätestens morgen werd ich davon wissen...



    Tja und Sonntag gehts für mich zum ersten Bildungsseminar - mein Wunsch war Öffentlichkeitsarbeit und Presse und der ist´s tatsächlich geworden! *o*

    Bin schon ein wenig gespannt...und im beschaulichen Werftphul werd ich kein Internet haben - bedeutet eine Woche werdet ihr mich los sein ^^´



    Bis dahin - tschüüüü eure Ravi ♥