Im malerischen Spreewald liegt das teils sanierte, teils neu gebaute Gestüt Naundorf. Ehemals aus den Beständen des bayerischen Erfolgsgestüts Ammersee aufgebaute Zentrum, hat sich unter der Leitung der jungen Reiterin Luisa Goeke dort mittlerweile ein Sportpferdeparadies etabliert. Hier bloggt diese über ihr Leben auf dem Hof.
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  1. "Morgendliche Stoppelfelder"

    Vermutlich hörte man schon von Weitem das Donnern der Hufe auf dem trockenen Feldboden. Es war in den frühen Morgenstunden, als wir unsere Pferde fertig machten und direkt nach dem ersten Füttern in den Wald aufbrachen. Morgens war es noch kühl, was man vom Rest des Tages nicht behaupten konnte. Leo hatte einen richtigen Sonnenbrand beim Heumachen davongetragen und auch Dave und ich waren deutlich dunkler geworden die letzten Wochen. Dafür war er jetzt fast schon hellblond und machte damit Mia ziemlich Konkurrenz.

    Wir hatten uns die letzten Monate ganz schön abgerackert. Der Hof wurde ja teilweise immer noch umgebaut und saniert, Dave und ich sind in meine Wohnung zusammen gezogen und Leo hatte die größere Zwei-Zimmer Wohnung von ihm übernommen. Dort war also auch einiges neu gemacht worden, Wände wurden gestrichen, Koppelzäune erneuert, Wege neu gezogen und der Eingangsbereich des SPN neu bepflanzt. Überall gab es neue Baustellen. Und dann natürlich die verdammte Heuernte. Wir hatten immer noch niemanden neu einstellen können und waren wirklich unterbesetzt. Aber irgendwie hatten wir es auch dieses Mal wieder geschafft. Im Zuge dessen haben wir aber nach langem Überlegen die Betreuung der Fahrturniere abgegeben. Dave war etwas weh zumute, denn es war ja auch seine absolute Leidenschaft neben dem Militaryreiten. Letzteres traute er sich auch nach fast einem Jahr nach dem Unfall nicht wieder so wie früher. Doch er ging in den neuen Aufgaben total auf. Und auch die Beziehung zu mir gab ihm den Halt, den er gebraucht hatte. Er war endlich in einem Zuhause angekommen.

    Tom hatte erst mich und dann Dave lachend umarmt, als wir im Januar von unserem Schlittenausflug zurückkamen. Er hatte als Einziger natürlich vorher von Cleo gewusst, Dave hatte ihn um Rat gefragt und Tom für ihn den Kontakt mit der Züchterin hergestellt. Und dass wir uns gegenseitig heimlich lieben war durch unsere offenen Zankereien sowieso kein Geheimnis mehr. Leo klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und zwinkerte mir ganz frech zu, was auf dem Hof plötzlich zu einer Schneeballschlacht führte. Die letzten Anspannungen, die noch aus dem Horror im Sommer 2017 übrig waren, waren auf einmal wie weggeblasen. Ich war seit diesem Tag so sorglos wie schon lange nicht mehr.

    Und so hatten wir die Kraft, alles anzupacken, was wir uns für dieses Jahr bis hierhin vorgenommen hatten. Wir zogen alle so gut an einem Strang, dass wir sogar mit unserem Trainingsprogramm allein schwarze Zahlen schrieben und auch unser Zuchtprogramm als zweites Standbein weiter ausbauen konnten. Wir strukturierten unsere Organisation der Pferdepflege um und fingen langsam damit an, die Fohlen aus den letzten Jahrgängen auszubilden. Scamander und Painted Minimalistic Art sollten später als Springpferde Karriere machen bzw. dort ihre Hauptspezialisierung besitzen. Deswegen wurden diese beiden speziell mir zugewiesen. Außer leichter Bodenarbeit und einigen Tricks, sowie den allerersten Standartdingen wie Halftern, Putzen, Hufe geben und auf den Hänger gehen wurde aber noch nichts gemacht. Ich merkte bei beiden schnell, dass sie sehr spritzig und eifrig waren, manchmal aber natürlich auch noch etwas ungehalten. Es würde viel Arbeit werden, aber wir hatten hier zwei tolle Fohlen mit gutem Stammbaum. Tom, Mia und Dave hatten ebenfalls jeweils zwei Fohlen in die Ausbildung übernommen. Tom würde sich um Symphonie de la Bryére und Capona kümmern. Die hübschen Mädels würden dann natürlich weiter im Dressursport gehen. Und dafür war Tom unser erster Mann. Dave durfte sich natürlich um sein Amberfohlen Harvey kümmern. Was wir mit ihm machen würden, wussten wir eigentlich noch nicht genau. Er war noch so klein und verspielt, dass dafür noch genügend Zeit blieb. Bis dahin hatte Dave auch die Chance, sich weiter zu erholen, denn ich hoffte doch, dass er in Daves Spezialgebiet des Military oder je nach Körperbau in die Distanz gehen könnte. Da Harvey noch so klein war und erst nur das Halftern lernte, bekam Dave zusätzlich Thor an die Hand. Der war mittlerweile zu einem stattlichen Jugendlichen herangewachsen und machte ordentlich Eindruck, auch wenn er noch sehr schlaksig war für einen Friesenmix. Doch sein Wesen war des eines liebevollen, friedlichen Kuschelbärs. Er hatte schon auch seine fünf Minuten, doch er schien anscheinend zu merken, dass Dave aus Reflex seine Schulter noch immer wegdrehte oder nicht ganz belastete, obwohl der Physiotherapeut die Behandlung schon vor drei Monaten erfolgreich abgeschlossen hatte. Jetzt war Thor eben sein neuer Therapeut. Der schwarze Hengst mit den blauen Augen lernte schnell und verdiente sich damit eine Karotte oder Apfelschnitze nach der anderen und forderte seinen Ausbilder so, dass der irgendwann gar nicht mehr an die Auswirkungen des Unfalls dachte. Eines Abends kam er pfeifend in unsere Wohnung, drückte mir grinsend einen Kuss auf die Stirn und zog sich ohne jede Mühe das T-Shirt über den Kopf, um dann weiter pfeifend unter der Dusche zu verschwinden. Ich kann nicht sagen, was mich in dem Moment mehr umhaute – der Anblick an sich oder die Tatsache, dass es jetzt alles gut war.

    Und weil alles gut war, alles so wunderbar lief und es uns so gut ging wie noch nie auf dem SPZ Naundorf, jagten wir jetzt mit einem Affenzahn über das frisch abgemähte Weizenfeld am nördlichen Waldrand. Dave saß auf Heros, der ein absolutes Verlasspferd im Gelände war, dicht gefolgt von Leo auf seinem Fireflies, der noch dieses Jahr zur Körung gemeldet werden würde. Mia hatte sich ihren Checkpoint ausgesucht, da wir ohne große Reibereien nur mit Hengsten reiten wollten. Tom nahm sich Webster, dem etwas Geländeerfahrung nicht schaden konnte. Der Erfolgshengst unseres Zentrums in Sachen Dressur hatte schon einige Schleifen gesammelt und würde wohl auch bald in unser Zuchtprogramm überwechseln. Mia und Tom galoppierten auch über das Feld, allerdings nicht so schnell wie wir anderen drei. Ich klopfte Dante den immer heller werdenden Hals, als wir am unteren Rand des Feldes ankamen. Im Trab ritten wir weiter, bis Tom und Mia aufgeschlossen hatten.

    Die beiden waren natürlich auch noch ein wahnsinnig glückliches Paar und wir saßen oft abends noch nach dem gemeinsamen Abendessen zusammen draußen auf der Veranda. Dort trugen wir wichtige Daten und Ereignisse des Tages zusammen, besprachen bevorstehende Termine und alberten nach getaner Arbeit miteinander herum. Während der Heuernte waren wir aber oft auch so platt, dass es nur dabei blieb, ab und an eine Flasche Rotwein miteinander zu trinken und dem Hof zuzuhören, wie es nach dem Tag langsam ruhiger wurde. Denn Mia hat mit Tom und mir die meisten Pferde zu betreuen. Neben den beiden Fohlen Efeumond und Arcada, waren in ihrer Obhut neben Checkpoint bei den Hengsten vier Stuten: Annakiya, Mon Amie, Al Aasiyah und Caja. Mit Mon Amie arbeitete sie derzeit nicht wirklich, außer einige Dehnarbeiten. Sie war wieder tragend von Dante. Daher lag ihre Aufgabe hauptsächlich auf die Ausbildung der Distanz. Annakiya und Aasiyah vertrugen sich so gut, dass sie abwechselnd auf einer der beiden ritt und die andere angebunden mitführte. So drehte sie um den Hof ihre Runden, wenn sie alleine unterwegs war, alternativ kam ich mit Aquentino mit. Dieser, sowie meine Hengste Fleming und Dante, die Stuten Cara Mia und Amber und die beiden Fohlen Scamander und Painted waren meiner Betreuung zugefallen. Daher hatten wir nach dem Stalldienst am Vormittag bis zum Mittagessen, bei dem wir uns alle abwechselten, immer genug zu tun. Wir hatten uns auch die freien Tage, die jedes Pferd hatte, auch so eingeteilt, dass Mia und ich dann gegebenenfalls anfallende Arbeiten im Haupthaus oder ähnliches zusammen machen können oder unsere Trainigseinheiten eben aufeinander abgestimmt waren. Tom und Dave fanden das gut und holten Willi und Leo mit ins Boot. Willi kümmerte sich um die Kurzen auf dem Hof und hatte daher bei den Fohlen die kleine Lillifee, den charmanten aber manchmal etwas eigensinnigen Take a Bow und die drei Süßen Nikita, Occani und Taciturn übernommen. Letztere war neben Lillifee als Welshfohlen die Kleinste auf dem Hof und unsere Herzensdame. Neben Cleo, die gerne mit ihr auf der Weide spielte, war sie sozusagen unser „Maskottchen“. Unsere Besucher liebten sie und regelmäßig wurde sie mit Leckerchen und Streicheleinheiten überhäuft. Mittlerweile war sie ja auch schon 17 Jahre und wurde zu allen anderen Pferden auf dem Hof wenn nur spazieren geführt. Auf die Gnadenweide wollten wir sie aber noch nicht stellen, da der Ausbau für die Kleineren noch nicht fertig war und wir sie doch gerne im Stutenstall sahen, wie sie neugierig den süßen Kopf gerade so über die Tür streckte.

    Hier standen natürlich auch noch die Stuten, die Tom und Leo betreuten. Neben seiner Solsikke, die neben Fireflies Leos absolute Turnierpferdchen geworden waren, kümmerte sich Leo auch noch um die hübsche Lewitzerstute Chocolate Chip Cookie, sowie um die Dänin Oline. Er hatte an diesen ebenfalls einen besonderen Narren gefressen und arbeitete regelmäßig und fleißig mit ihnen. Cookie war etwas spritziger als Oline, aber genau das hatte meiner Meinung nach nur Vorteile für Leo. Er sollte mit verschiedenen Charakteren arbeiten und sich nicht zu sehr auf eine Verhaltensart spezialisieren. Neben den erwachsenen Stuten hatte er deshalb auch Elfenlied als Fohlen bekommen. Wir unterstützen ihn dabei natürlich, bis jetzt macht er seine Sache wirklich sehr sehr gut. Neben den bereits genannten betreut Tom mit insgesamt sieben Pferden zusätzlich im Stutenstall Forever Yours, Meilenstein und seine Reykja. Erstere haben wir lange nicht so gefordert, da wir sie ja aus schlechter Haltung übernommen haben. Sie soll höchstens noch zwei Fohlen tragen, bevor wir sie wohl doch auf die Gnadenweide entlassen. Dagegen machen Meilenstein und Reykja von Tag zu Tag weiter Fortschritte. Meilenstein wird mittlerweile geritten, Anfangs saßen hauptsächlich Mia, Leo und ich auf ihr, da wir vom Gewicht her etwas leichter sind als Tom. Doch mit dem richtigen Training konnte sich Meilenstein bald so gut ausbalancieren, dass sich Tom mittlerweile von unten in den Sattel ziehen kann und sie sauber unter ihm austritt. Reykja ist parallel dazu mit Webster unser Dressurass geworden. Ich liebe es, Tom und ihr in der Halle zuzusehen. Er hat dafür einfach das richtige Gespür und gibt uns allen immer noch Korrekturunterricht oder reitet unsere anderen Pferde zur Kontrolle regelmäßig auf dem Platz. Der Rest von uns will immer nur über Hindernisse oder ins Gelände, worauf ja unser Zentrum hauptsächlich ausgelegt ist, aber die Dressur ist eben die Basis und darauf achtet Tom zum Glück.

    So hat er auch Dave unterstützt, der mit der Arbeit mit Thor und Zarin langsam auch wieder vermehrt Zugang zu Medivh bekam. Bei beiden waren die körperlichen Wunden verhältnismäßig schnell verheilt, aber was blieb ist, dass die beiden jetzt nicht mehr genau wussten, auf was sie ausweichen sollen. Military würde vermutlich nie wieder gehen, obwohl Medivh im Gelände ein erstaunlich gelassenes Verhalten zeigt. Auch vor den Hindernissen hat er an sich keine Angst, aber verweigert doch deutlich häufiger bei den ersten kleinen Versuchen auf dem Sandplatz, wenn er es durch Drehen des Kopfes nicht ganz sieht. Wir haben angefangen uns durch die Turnierwelt zu fragen und auch zwei Fälle gefunden, in denen einseitig blinde Pferde wieder springen. Ein Versuch mit dem Abdecken des blinden Auges durch eine Maske zeigte erste Erfolge. Vielleicht brauchte er einfach die Bestätigung, dass er das jetzt ganz sicher einseitig blind machen wird und deshalb auf seinen Reiter vertrauen muss. Oder aber es ist die Angst, sich erneut zu verletzen. Wir können es uns nicht erklären, aber mit zunehmendem Training fasste Medivh mehr und mehr Vertrauen. Viel über Stimmtraining, Toms Erfahrungsschatz und gute Bodenarbeit hörte Medivh nach einigen Wochen wieder auf zu Weben. Wir entließen ihn auf Anraten von den Besitzern der anderen blinden Pferde voll und ganz in den Herdenverband der Hengste. Anfangs rumpelte er noch ein bis zweimal an andere an, aber irgendwann bemerkte man nichts mehr. Dennoch überlegten wir uns, ihn eher in die Distanz und ins Fahren zu bringen. Dort hatte er mittlerweile auch Erfolge eingeheimst und ging dort genauso auf. Ein weiterer Grund, warum der pfeifende Dave nicht wieder verschwand hinter jemandem, der keine Perspektive mehr für sich sah. Und mit Harvey, sowie der flinken Uranium Fever hatte er zwei weitere Pferde, mit denen er nach meiner Einschätzung das Military eben nicht verlieren würde. Ich denke, das weiß Dave für sich auch und fand mit dem Unfall seinen Frieden.

    So ritten wir also nebeneinander her, alle fünf außer Willi und Cleo, die wie immer den Hof hüteten- ausgelassen, zufrieden, den Sommer genießend. Die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht und die dampfenden Pferde unter uns.​
    Flair, Zion und Veija gefällt das.
  2. Morgen wärs zu spät gewesen *haha* Lange geplant, aber mal wieder aufm letzten Drücker x) Derweil macht mir die Story sooo Spaß ♥ Also hiermit gehts auch fürs SPZ Naundorf ins neue Jahr, viel Spaß beim Lesen :D

    "Hallo Cleo"


    „Du hast was?“ Dave starrte erst mich an und dann auf die Papiere, die ich ihm unter die Nase hielt. „Viel Spaß mit ihr.“ „Luisa, ich…“ „Gern geschehen!“ Ich lachte und ließ ihn gar nicht mehr zu Wort kommen. Unser Verhältnis zueinander hatte sich nach seiner Rückkehr zwar etwas abgekühlt, weil Dave zu mir wieder etwas auf Distanz ging. Aber es war deutlich besser als vor dem Unfall, wir hatten uns seitdem kein einziges Mal mehr gestritten. Ich stand im Büro und ging nachdenklich ein paar Briefe durch, während Dave in der Tür stand und auf die Papiere in seiner Hand starrte. Er lehnte sich mit seiner gesunden Schulter leicht an den Türrahmen und runzelte die Stirn. Von meinem Platz aus sah ich ihm heimlich dabei zu und konnte den Blick kaum abwenden. Was er da studierte war der Kaufvertrag und die Eintragungen, sowie Tierarztbescheinigungen von Uranium Fever. Die Stute war meiner Meinung nach eine unserer besten Errungenschaften in diesem Jahr, die auch ein stolzes Sümmchen gekostet hatte. Aber da sich Dave langsam vom aktiven Reitsport zurückziehen wollte und mehr und mehr Interesse an einer Sportzuchtlinie entwickelte, hatte ich zugeschlagen. Ich wollte ihn unterstützen, wo ich nur konnte. Nach dem Unfall, als er zurück auf den Hof kam, hatte sich eine ganze Weile eine leichte Depression bei Dave eingestellt. Er kämpfte verbittert in der Physiotherapie, hielt sich an die Ratschläge, übte fleißig und brachte sich in das Hofleben ein, wo er nur konnte. Doch obwohl er Tom und mir so viel Arbeit abnahm, irgendwann war auch die erschöpft, während wir anderen mit dem Training der Pferde, dem Misten und den restlichen Arbeiten auf dem Hof schier absoffen. Dave fühlte sich also nach drei Wochen zurück auf Naundorf nutzlos. Er ließ sich dann die ersten Oktoberwochen hängen. Seine Arbeit erledigte er natürlich immer noch und auch zur Physiotherapie ging er regelmäßig, doch jeder von uns sah ihm an, dass es ihm nicht gut ging. Seine Haare wurden immer länger und er ließ sich immer öfter einen Drei-Tage-Bart wachsen. Von mir ließ er sich in dieser Zeit nur bedingt helfen, so richtig ließ er mich nicht an sich heran. Bis Tom die brillante Idee hatte, eine eigene Zuchtlinie aufzubauen.

    Dave und ich saßen an einem Novemberabend zusammen im Büro, während ich das Hoftagebuch für den Tag ausfüllte, als Tom zu uns ins Zimmer kam. Er hatte das Auktionsheft dabei und warf es Dave zu. Dann eröffnete er uns seine Idee, wir saßen bis spät in die Nacht zusammen und unterhielten uns. Ich war glücklich zu sehen, dass diese neue Veränderung Dave wieder ein Leuchten in die Augen zauberte. Er blieb an dem Abend zwar sehr rational und blätterte scheinbar uninteressiert das Heft durch, aber schon am nächsten Tag zeigte er mir eine Stute und fragte, was ich von ihr halten würde. „Die hat keine belegte Abstammung, ist wohl eine gefundene Stute. Aber scheint in Topform zu sein. Als Basis wäre sie vom Exterieur ja genau das, was du und Tom suchen würdet. Aber sie hat damit auch einen sauberen Startpreis“ Er diskutierte noch eine Weile mit mir das für und wider, als er sich dann aufrappelte und an die Büroarbeit machen wollte. Im Flur blieb er am Spiegel stehen und sah sich einen Moment erschrocken an. „Wie seh ich denn aus?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen und musste lachen. „Ich fahr später zum Friseur.“ Damit war er aus dem Haupthaus. Ich zog das Heft an mich heran, wählte die Nummer und hatte den Besitzer an der Leitung. Ich sollte an dem Tag das Höchstgebot abgeben und die Stute zwei Tage später unser Eigen nennen.

    Und nicht nur Uranium Fever zog mit zu uns auf den Hof. Anfang Dezember erhielten wir einen Anruf, nachdem ausgerechnet Cadoc´s Rohdiamant aus einer nachlässigen Haltung gerettet wurde. Also fuhren Willi und Tom am selben Tag zu dem einen Hof, an dem Dave und ich Fever holten. Allgemein hatten wir jetzt viele neue Pferde auf Naundorf. Kurz bevor Dave mit Medivh im Sommer gestürzt war, hatte er Chocolate Chip Cookie zu uns geholt. Das Sportpony mit seiner hübschen Färbung wurde jetzt von Leo übernommen und ausgebildet, der mit Candy Fireflies weiterhin unfassbar viele Schleifen und Erfolge sammelte. Die Beiden waren zu einem unglaublich guten Team geworden. Zum Einkreuzen von Vollblut wollten wir uns neben Aasiyah noch eine zweite Vollblutstute holen. Wir hatten jetzt nur noch Interesse an Stuten, da wir mit unseren Hengsten Fleming, Dante, Checkpoint, Aquentino, Webster und Heros genügend Starter hatten, um unseren Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch unsere Newcomer wie Painted und Scamander würden auf dem Hof bleiben. Wir überlegten auch, Efeumond zurück auf den Zuchtplan zu holen, um einen Engländer mit einfließen zu lassen. Jedenfalls freuten wir uns, als wir eine zweite Chance erhielten und Anfang Dezember auch Annakiya nach Naundorf holten. Die hübsche Scheckstute war ein wahrer Traum und zeigte sich mit ihrem liebevollen Wesen und ihrem ansprechenden Exterieur von ihrer besten Seite. Mia war ganz hingerissen, die sich um unsere Araber und Vollblüter kümmerte. Tom bildete weiter Reykja und Webster aus, die diese Saison so ihre Probleme mit Erfolgen hatten. Wir konnten uns das nur mit einer sehr starken Konkurrenz in der Dressur erklären, die uns aber nicht daran hinderte, stehts weiter zu machen und weiter auszubilden. Denn die Bestätigung in unseren Leistungen erhielten wir durch die Rückmeldung unserer Kunden und durch den Durchbruch im Springreitsport. Dort hatten wir uns 2017 einen Namen gemacht. Vor den Boxen hingen teilweise so viele Schleifen, dass wir kaum mehr zählen konnten. Vor allem an der von Medivh. Der Hengst hatte in den letzten Tagen seiner Genesung Anzeichen fürs Weben gezeigt. Auch er war wohl vor einer Depression nicht gefeit. Da Dave noch immer in Behandlung war und noch bis ins Frühjahr „Reitverbot“ hatte, übernahm ich Medivhs Beritt. Ich hatte mit einer Freundin lange Telefonate geführt, deren Friesenhengst vor vielen Jahren wegen einer Krankheit erblindet war. Mir ihrer Hilfe drang ich recht schnell zu Medivh durch. Erst vom Boden, dann aus dem Sattel gab ich ihm nach und nach sein Selbstwertgefühl und seinen Mut zurück. Er vertraute darauf, dass er mit seinen Sinnen die einseitige Blindheit ausgleichen konnte und ihm nichts geschah. Er war dennoch etwas schreckhafter seitdem und brauchte viel Liebe und Aufmerksamkeit. Ab dem Moment, als er seit dem Unfall das erste Mal wieder unter dem Sattel ging, stellten sich die Anzeichen des Webens sofort ein. Dave fiel ein Stein vom Herzen.

    In all dem Trubel, brachte Amber still und leise etwas früher als erwartet ihr erstes Fohlen zur Welt. Es war das schönste Zeichen für uns alle, dass es jetzt wieder bergauf ging. Leo hatte den dunklen Hengst, den wir später mit unserem Kürzel SPN Harvey nennen sollten, entdeckt. Er kam in die Küche gelaufen, hechelte und grinste übers ganze Gesicht. „Amber hat gefohlt, es steht grad!“ Dave und ich sahen uns erschrocken an, dann sprangen wir alle auf und liefen hinüber. Willi kam auf dem Weg dorthin auf uns zu. „Wasn hier für ne Hektik?“

    „Oh ist der niedlich!“ flüsterte Mia, die rechts neben mir stand. Links von mir Dave, der lächelnd die halbe Portion in der Box betrachtete. Amber schleckte ihn immer noch sauber, während Tom vorsichtig auf Amber zuging und sie kurz durchcheckte. „Wir sollten später noch einen Tierarzt holen lassen. Aber es sieht alles gut aus.“ „Auch im Abfohlen ist sie ein Naturtalent. Hast du schon nen Namen Dave?“ fragte Leo. Zusammen liefen wir zurück zum Frühstücken, bevor sich Dave um den Tierarzt für Amber und Harvey kümmerte und der Rest von uns den Stalldienst verrichtete. Dabei hatte ich mich an dem Morgen endlich mal wieder für die Fohlen eingetragen. Ich bekam von den Kleinen viel zu wenig mit und sie wuchsen auch viel zu schnell. Scamander hatte schon seine erste Fohlenschauschleife an der Box hängen, Thor war mittlerweile auch zu einem Riesen geworden, Symphonie und Arcada waren mittlerweile auch keine Babys mehr. Die hübschen Stuten würden ebenfalls auf dem Hof bleiben und bald in ihre Grundausbildung starten. Ebenso wie Lillifee, Elfenlied und Capona. Ihr streichelte alle gefühlt stundenlang, putzte ihr Fell, mistete ihre großen Gemeinschaftsboxen und ging die Weiden ab. Es hatte die Tage immer mal wieder geschneit, aber wirklich lange liegen geblieben ist davon nichts. Wir hatten diesen Winter noch nicht wirklich Probleme mit eingefrorenen Wasserleitungen oder Eisschollen auf den Weiden zu tun.

    Als ich bei den Fohlen fertig war, holte ich mir Meilenstein. Die schwarze Stute machte gute Fortschritte bei ihrer Ausbildung. Ich longierte sie am frühen Nachmittag, als Dave wieder aus dem Haupthaus kam. Er hatte einen ziemlich geknickten Gesichtsausdruck. Ich gab Meilenstein ein kurzes Kommando, auf dem sie zu mir herkam, dann liefen wir gemeinsam zum Zaun, an dem Dave jetzt stand und lehnte. „Was ist los?“ „Die Stute, von der ich dir erzählt habe, erinnerst du dich?“ „Ja. Wieso?“ „Sie wurde am selben Tag verkauft. Ich hätte nicht warten sollen.“ „Ach Dave, dann hat es nicht sein sollen.“ Ich war froh, dass er mich in dem Moment nicht ansah, weil ich mich sonst verraten hätte. Willi, Tom und Mia wussten Bescheid, Leo weihten wir noch nicht ein, weil er sich gerne mal verplapperte. Wir sollten sie am nächsten Tag abholen und ich ihm die Papiere in die Hand drücken. „Danke Luisa.“ Dave kam plötzlich auf mich zu und umarmte mich. Als er mich losließ, sahen wir uns kurz in die Augen. Es war eine spontane Umarmung, die so gar nicht zu Dave passte. Er war zwar immer gern auf „Kuschelkurs“, wie es Mia gern nannte, aber eine Umarmung hatte er sich mir gegenüber noch nie getraut. Ich löste das Ganze, indem ich lachte und ihn fragte, was er sich zum Mittagessen überlegt hätte. Er grinste, aber er war dankbar für die Vorlage.

    Mitte Dezember hatten wir endlich wieder Luft für einen gemeinsamen Ausritt. Normalerweise machten wir das immer an einem Sonntagvormittag nach dem Stalldienst im Monat, aber wir hatten einfach zu viel zu tun. Leo ritt auf seiner Solsikke, die sich immer besser mit ihm machte. Tom hatte sich Zarin genommen, Mia auf Mon Amie und ich auf Fleming. Die beiden Hengste waren trotz ihres Deckeinsatzes sehr umgänglich und ließen sich gut führen. Fleming war unter mir sowieso ein kleines Schäfchen. Dave lag in der Woche nach Leo flach. Willi ritt sowieso nicht mit und da er auf dem Hof blieb, hustete Dave so lange, dass wir Spaß haben sollten, bis wir alle aufbrachen. Er fehlte trotzdem, obwohl ihn Leo nacheiferte. „Bis zur Tanne!“ rief er, da stob Tom mit Zarin schon an ihm vorbei. Ich hatte lange nicht mehr über so einen verdutzten Blick gelacht. Als wir zurückkamen, trabte Take a Box einmal quer über den Hof. Dann Willi direkt hinterher. Tom schnitt ihm mit Zarin gleich den Weg ab und packte sich den Hengst. Wir anderen mussten nochmal herzlich lachen. Er hatte sich gerade um Taciturn und den wilden Ausreißer gekümmert. „Wie geht’s Dave?“ „Der hat sich vorhin hingelegt.“ meinte Willi, schnaufte schwer und kam dann mit uns zurück zum Stall, Take im Schlepptau.

    Und natürlich feierten wir dann auch Weihnachten. Wir machten ein richtig fettes Raclette, jeder hatte eine Kleinigkeit für jeden und wir stießen zusammen an. Tom und Mia zogen sich im Laufe des Abends dann irgendwann zurück, Willi hatte zu unser aller Überraschung eine geheimnisvolle Verabredung und Leo fuhr hinüber zu seinen Eltern. Dave und ich blieben dann natürlich als Einzige in der Küche zurück. Es war das erste Weihnachten ohne Idefix, der mir in den letzten Tagen so unglaublich fehlte. „Sollen wir nochmal eine Runde über den Hof gehen?“ fragte er und so liefen wir nebeneinander über den dunklen Weg der Weide zu den Fohlenställen. Wir sahen auch noch einmal nach Harvey. Doch die Lücke schloss sich einfach nicht. „Luisa…“ Mir kullerte eine Träne über die Wange, die ich sofort wegwischte. Jetzt kam er gewollt auf mich zu und nahm mich fest in den Arm. „Danke.“ murmelte ich. Gemeinsam gingen wir zurück zum Hof.

    „Luisa!“ Es war Silvester und ich saß gerade im Büro, als Leos Ruf vom Hof schallte. „Ist was passiert?“ rief ich aus dem Fenster. „Schau mal!“ Im selben Moment fuhr Dave in einer kleinen Kutsche um die Ecke. Über die letzten zwei Nächte hat es richtig ordentlich geschneit. Er hatte Occani und Nikita angespannt. „Komm raus aus dem Büro, wir machen ne Spritztour!“ Tom kam im selben Moment hinter mir rein. „Raus mit dir.“ Er lächelte. „Also keine Wahl?“ „Nö“ Ich zog mir meine warme Jacke und die Lammfellstiefel an. Dave grinste übers ganze Gesicht, als ich mich zu ihm setzte und mit der Zunge schnalzte. Die Kleinen hatten ziemlichen Spaß dran, uns hinter sich her zu ziehen und sahen auch echt knuffig aus. „Wo hast du bitte die Welsh-Kutsche her? Sowas hatten wir zu Hochzeiten der Zucht nicht.“ „Ach, hab da ein wenig telefoniert.“ feixte er. „Gehört der dir jetzt?“ „Ja, kann man so sagen. Müssen wir leider öfter fahren jetzt.“ „Was für eine Schande.“ Wir sahen uns an und lachten.

    Mitten auf der Lichtung hinter halb der Rennbahn hielten wir kurz an. „Magst du ne Tasse Tee?“ Dave drehte sich um und deckte die Ablage ab. Darunter kam ein kleiner Korb mit einer Thermoskanne und einer Schachtel meiner Lieblingskekse zum Vorschein. „Oh, was für ein Luxus! Jetzt mal ehrlich, was hast du ausgefressen.“ Ich lachte, weil er mich verdutzt ansah. „Du kennst mich langsam etwas zu gut, befürchte ich.“ „Kann sein ja.“ Ich grinste immer noch. „Naja, ich dachte, ich räche mich mal für die Aktion mit Uranium Fever.“ „Rächen, ja?“ „Ja, das war echt gemein!“ „Stell dir vor, du hättest es viel eher erfahren und wärst viel länger geknickt gewesen, war ja nur ein Tag.“ „Trotzdem, ihr wusstet alle Bescheid!“ „Na dann… Jetzt bin ich gespannt.“ Da tauchte hinter uns plötzlich ein schwarzer Geländewagen auf und hielt mit einigen Metern Abstand. Eine Frau stieg aus, die ich von irgendwoher kannte, aber mir fiel nicht sofort ein, woher. „Warte hier.“ Er drückte mir die Zügel in die Hand und lief auf die Frau zu. In mir machte sich ein komisches Gefühl breit. Die Frau lief hinter den Wagen und holte etwas aus dem Wagen. Sie drückte das Packet in Decken gewickelt in Daves Arme, schloss die Klappe und verabschiedete sich wieder. Langsam ging Dave auf mich zu und erst nur noch einige Meter von mir entfernt begriff ich, was er da trug. Ein hübscher, hellbrauner Hundekopf sah aus der Decke heraus und da legte mir Dave die Jack Russel Hündin schon in den Schoß. Die sah erst Dave an, dann mich und versuchte mir das Gesicht abzuschlecken. „Ihh, lass das doch, du Süße! Hi! Wer bist du denn?“ Ich sah Dave verwirrt an, der sich jetzt wieder neben mich gesetzt hatte. „Ihr Name ist Cleo. Eigentlich müsste sie einen mit „I“ tragen, wie ihre Mama… Ida.“ „Verarsch mich.“ „Nein, ist so.“ Ida war im letzten Wurf von Idefix Welpen die einzige Tochter. Sie hatte ihrem Papa sehr ähnlich gesehen. Nach seinem Tod musste ich immer wieder an sie denken und hatte es sehr bereut, keinen seiner ganzen Welpen für mich behalten zu haben. Jetzt erkannte ich auch im Nachhinein die Frau, sie hatte Ida damals gekauft. „Oh Dave…“ Ich streichelte Cleos Fell und wischte mir die Freudentränen aus den Augen. Die Kleine war herzzerreißend niedlich. „Dankeschön.“ flüsterte ich und sah ihn an. „Damit du 2018 wieder mehr lächelst. Ich hab gemerkt, wie sehr dir Idefix fehlte an Weihnachten. Cleo ist kein Ersatz, das weiß ich, aber…“ Weiter kam er nicht. Ich hatte mich zu ihm rüber gelehnt und ihn auf die Backe geküsst. „Danke, wirklich.“ Er wurde rot, sah mich direkt an – und küsste mich dann richtig.

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  3. Ich dachte, ich schreib mal wieder einen Eintrag :)

    Aktuell ist Tag 25 vom NaNoWriMo und ich muss heute noch ordentlich schreiben. Ich will ihn dieses WE beenden. Aktuell sind es etwas mehr als 38.000 Wörter. Den nächsten Button will ich heute auf jeden Fall holen! :)
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    Also nicht mehr viel :) Die Story braucht aber mehr Platz. Deswegen habe ich einen eigenen Counter eingerichtet, da mein "Writing Buddy" alles mit der Hand schreibt und ordentlich hinterher hängt. Sie wird den Nano vermutlich nicht schaffen :( Derweil ist ihre Idee so cool! Ich hoffe, dass sie es irgendwann veröffentlichen wird, die Geschichte ist wunderbar <3
    Meine eigene wird vorerst unter Verschluss bleiben. Ich kann sie derzeit als Studentin mit BaföG-Bezug sowieso nicht veröffentlichen. Sie hat somit Zeit, sich zu entwickeln, zu reifen und besser zu werden. Kontakte zu einem ehemaligen Verleger und Schreib-Coach habe ich schon, ich bin gespannt, wie das ganze weiter gehen wird. Ungefähr um die 65.000 -70.000 Wörter wird das ganze wohl im ersten Durchlauf lang werden.

    Joelle kommt bei mir aktuell etwas zu kurz. Das nervt mich schon etwas, weil ich neben der Uni und dem Nano leider nicht so viel Zeit finde. Regelmäßig verbummel ich das Fahrturnier (sorry dafür, hab jetzt nen Merker am PC kleben ^^) und es juckt mir schon wieder unter den Fingern, an Daves und Luisas Geschichte weiter zu schreiben.... Allgemein möchte ich mehr schreiben, vielleicht auch ne schönere Geschichte als die aktuelle im NaNo.
    Im Dezember gehts also da weiter, aber nicht mehr mit 1700 Wörtern am Tag, sondern weniger. Da möchte ich dann wieder mehr Zeit für joelle nutzen :)

    Ansonsten läuft alles, Uni geht voran, Arbeit läuft (soweit) ganz gut. Ich habe immer noch so meine Schwierigkeiten mit dem einen hübschen Mann, der mir im Mai zu verstehen gegeben hat, dass da wohl doch nichts ist. Irgendwie bzw. irgendwie doch nicht... Man weiß es nicht :D Nach dem Ende meiner Kurzbeziehung hat sich da der Kontakt wieder etwas gebessert. Er sieht sich jeden WA-Status an, schweigt aber sonst. Wenn wir uns sehen, ist er schon sehr lieb und fast ein wenig "kuschelig". Mir ist seine Nähe ja nicht unangenehm, aber dafür, dass er mich "nur mag" kommt er mir schon sehr oft ziemlich nahe. Schulter an Schulter war ers kürzlich der Fall... :rolleyes: Jedenfalls... ich bin mir nicht sicher, ob das je was wird, ich wär aber sehr unglücklich, wenn sich unsere Wege irgendwann trennen und ich ihn nie wieder sehe... Ich hab immer noch das Gefühl, dass er eigentlich mehr sein sollte. Aber er zieht halt auch nicht so ganz,... :oops:

    Und seit letzter Woche muss ich mich mal wieder mit der CU rumschlagen. Die Gute ruhte jetzt über ein Jahr (längste Phase seit Ausbruch 2010!) und aktuell muss ich sie das erste Mal seitdem wieder leicht mit Medikamenten abfangen. Ich krampfe mehrmals am Tag ziemlich stark und bin auch echt erledigt. Sonst bin ich aber zum Glück schmerzfrei. Ich hoffe, dass sich das bis Ende der Woche wieder einrenkt und ich es mit Ruhe, Medis, Yoga und gesunder Ernährung etwas abfangen kann. Langsam lebe ich doch recht gut mit dem Mist. Und dafür, dass ich so lange meinen Frieden hatte, darf das auch mal sein. Auslöser war wohl die recht heftige Erkältung vorletzte Woche, da ist das Immunsystem einfach so wunderbar dabei und nimmt halt auch gleich den Darm mit... :(

    So, ab 15Uhr startet der #HouseCup auf Twitter, was ich mega witzig finde. Natürlich gehts um die vier Hogwartshäuser und das Haus mit dem höchsten Wortdurchschnitt pro Kopf gewinnt. #Ravenclaw ^^
    Euch ein schönes WE! :)
    Zion gefällt das.
  4. Es ist Deins

    ~ Beschreibung der Protagonisten ~

    (c) Muemmi | 16317 Zeichen | 31. August 2017 (am 17. Oktober veröffentlicht)
    Aus der Sicht von: Luisa Goeke
    Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Fleming, Dante, Aquentino, Heros, Checkpoint, Solsikke

    Sportpferdezentrum Naundorf - Brandenburg – bewölkt/teils regnerisch - 9 Grad
    31. August 2017

    Ich zog die Jacke enger und sah die Baumreihe entlang. Die Spitzen der vereinzelten Birken zwischen den Kiefern färbten sich teilweise schon gelb und bestätigten, was sich alle seit dem Temperatursturz im August dachten - der Herbst hielt Einzug.

    Die letzten Wochen waren für uns alle wahnsinnig anstrengend gewesen, wir kamen der Arbeit kaum hinterher und nahmen auch nicht mehr wirklich an Turnieren teil, damit wir die Aufträge nicht vernachlässigten. Die Militarysaison ging langsam dem Ende zu und Leo traute sich seit dem Vorfall nicht mehr wirklich, Candy ans Äußerste zu reiten oder gar mit ihm wieder regelmäßig auf Turniere zu fahren. Er war einmal mit mir zusammen noch auf ein kleineres Springturnier gefahren, doch nur ich nahm eine Schleife mit seiner Zweitstute Solsikke mit. Ich konnte ihn verstehen, auch ich hatte schon viele schwere Stürze miterlebt und war nach einigen genauso "gelähmt". Da Candy dann nicht so ausgelastet war, ließ er sich von Medivh in der Nebenbox mit Dummheiten anstecken und entwickelte eine leichte Zerstörungswut. Ich ließ ihn deshalb lieber mit Fleming, Dante, Checkpoint und Aquentino auf die große Weide, damit er sich austoben konnte. Aber bei Medivh ging das leider immer noch nicht. Er war eineinhalb Wochen nach dem Unfall von Eddis Klinik entlassen worden und kam selbst mit dem Umstand seiner linksseitigen Blindheit erstaunlich gut zurecht. Wir mussten nur darauf achten, dass wir ihn vorsichtig ansprachen, wenn wir uns von seiner blinden Seite aus näherten und er sich nicht unabsichtlich die verheilende Augenhöhle irgendwo anstieß. Denn die bräuchte wie jeder Knochen um die sechs Wochen. Er war dazu anfangs angebunden und auch wegen der Schmerzen leicht sediert. Trotz allem kaute er uns vor Langeweile drei Stricke kaputt und riss seine Bürsten an der Boxenwand ab. Einmal pfriemelte er auch die obersten Riegel der Tür auf und wäre uns stiften gegangen, wenn er nicht angebunden gewesen wäre. Als er die Phase überstanden hatte, montierte Willi am Fuß der Tür zwei weitere Riegel, um Medivh am Freigang zu hindern. Wir hatten schon Angst, dass er uns das Weben anfangen würde, aber Leo führte ihn regelmäßig über den Hof und kümmerte sich so gut es ging. Dann nahm sich ihm auch Tom an. Der Schimmel blühte recht schnell auf, als er von Tom regelmäßig vom Boden aus gearbeitet wurde. Er musste sich jetzt nur daran gewöhnen, dass ihm trotz der Blindheit auf einer Seite nichts passieren würde und er mehr auf die Hilfen achten musste, als vorher. Im Militaryspringsport würde er dennoch vermutlich nie wieder gehen können.

    Und das hatte auch Dave erkannt.

    Er lag wegen dem komplizierten Bruch der Schulter und zur weiteren Beobachtung zwei Wochen im Krankenhaus. Er hatte eine Platte eingesetzt bekommen und kurz nach dem Unfall mit Reha anfangen müssen, damit sich die Beweglichkeit nicht weiter einschränkte. Er hatte Glück im Unglück gehabt, er würde wieder reiten können und mit viel Physio und Übung auch wieder Springen. Ganz der Alte allerdings würde auch er nicht mehr. Und auch das hatte er mittlerweile begriffen.

    Das Krankenpersonal ließ mich nach dem Unfall erst mehrere Stunden nach der OP zu Dave, da ich keine Angehörige war und unter dem Trubel unterging, dass Dave nach mir verlangt und einem Besuch zugestimmt hatte. Er trug einen dicken Verband um die rechte Schulter, hatte Abschürfungen im Gesicht und am linken Arm. Hinzu kam eine Gehirnerschütterung. Der Rest des Körpers war von der weißen Bettdecke des Krankenbettes verdeckt. Mit der Zeit sollten sich Prellungen und blaue Flecken zeigen, aber keiner seiner Wirbel oder anderes war verletzt worden. Ich musste mich zusammenreißen, nicht zu heulen, es zerriss mir fast das Herz, als ich ihn da so liegen sah, die Augen geschlossen, mit eingefallen wirkendem Gesicht und zwei Infusionen im Arm.

    Ich stand auf der linken Seite des Bettes und musste den Impuls unterdrücken, ihm seine längeren, dunkelblonden Haare aus der Stirn zu streichen. Sie waren vom Ritt noch ganz verklebt und fielen ungewohnt in wilden Strähnen um seinen Kopf.

    In dem Moment ging die Tür auf und hinter der Krankenschwester, die regelmäßig nach Dave sah, kam Tom mit ins Zimmer. Wir sagten nichts, wir sahen uns nur an. Ich blickte zurück zu Dave, der sich nicht rührte. Tom sprach ein paar Worte mit der Krankenschwester, wie es um Dave stand. Mehr würde der Arzt morgen wissen. "Komm Luisa. Lass uns heimfahren." Ich nickte, konnte mich aber kaum lösen. Die Schwester verließ das Zimmer und kurz darauf auch wir. Tom legte den Arm um mich und langsam merkte ich, wie erschöpft ich eigentlich war. In der Nacht heulte ich mich das erste Mal seit der Sache mit Susan und dem Bruch zwischen ihm und mir in den Schlaf.

    Am nächsten Vormittag fuhren Leo, Mia, Tom und ich nach dem Stalldienst ins Krankenhaus, Willi würde auf dem Hof die Stellung halten. Dave hatte gerade den Arzt bei sich, als wir eintrafen. Leo ging als Erster ins Zimmer, Tom und Mia folgten. Ich schloss als Letzte die Türe, mein Herz schlug mir dabei bis zum Hals. Wir kamen gerade so an, dass der Arzt mit seinem Bericht fertig war. "Ah, sie kriegen Besuch. Wer von Ihnen ist denn Frau Goeke?" "Das bin ich. Hallo." Ich lächelte den Arzt milde an, als ich aus dem kleinen Gang heraus in Daves Sichtweite trat. Der Arzt kam auf mich zu und entschuldigte sich für das Chaos gestern, die Schwester hätte ihm heute morgen beim Schichtwechsel erzählt, dass ich erst Stunden nach der OP zu Dave konnte und noch später nach Hause gefahren wäre. Dave richtete sich in dem Moment etwas auf. Ich nickte und meinte, dass das vollkommen in Ordnung wäre und bedankte mich bei ihm und seinem Team. Er freute sich und verabschiedete sich dann von uns. Als er die Tür schloss, trat kurzes Schweigen ein. Ich drehte mich zu Dave um und sah ihn jetzt direkt an. "Du siehst noch übler aus als gestern." Ich ging auf ihn zu und lächelte. "Als ich morgens die Treppe runter kam oder nach der OP?" antwortete er matt, lächelte dann aber doch. Wir alle lachten verhalten und Tom meinte, wenn er solche Scherze machen könne, hätten wir uns ja ganz umsonst solche Sorgen gemacht. Leo allerdings nahm das alles ziemlich mit. Er konnte nicht in die Witzelei mit einsteigen. Dave berührte ihn am Arm und meinte dann, dass er ohne ihn gestern aufgeschmissen gewesen wäre. Er könne sich nur an wenig erinnern, aber er hätte mitbekommen, dass Leo uns sofort alarmiert und sich um Medivh gekümmert hätte. Leo nickte und lächelte dann doch. Als Dave Medivh erwähnte, brach er ab und sah Tom und mich schweigend an. Seine Frage, ob sein Hengst in Ordnung war, stand ihm im Gesicht geschrieben. "Er lebt, es geht ihm gut. Eddi kümmert sich derzeit um ihn, ich hab gestern nochmals mit ihr telefoniert. Mia und ich fahren mit Leo gleich weiter und sehen nach ihm." Er nickte erleichtert. Keiner von uns würde jetzt erwähnen, dass der Hengst sein linkes Auge verloren hatte. Tom hatte uns allen an dem Morgen erzählt, dass es nicht mehr zu retten war. Mia und er hatten sich beraten und sich auf Eddis Drängen für die Entfernung entschieden. Gemeinsam haben wir beschlossen, es Dave erst zu sagen, wenn er aus dem Krankenhaus entlassen werden würde und es ihm deutlich besser ginge. Da Dave noch sehr mit der Gehirnerschütterung zu kämpfen hatte, ließen die anderen ihn recht schnell mit mir alleine und fuhren weiter zur Tierklinik. Als sich die Tür schloss und wir nur noch zu zweit waren, wurde mir ziemlich mulmig. Dave sah mich schweigend an und wirkte auf einen Schlag so unsagbar unglücklich. „Hast du Schmerzen?“ fragte ich sanft, meine Stimme deutlich gesenkt, um ihn nicht weiter zu belasten. „Kopf und die Prellungen. Aber es geht schon.“ murmelte er. Er versuchte sich weiter aufzusetzen. „Warte, ich helf dir.“ Ich richtete das Kissen im Rücken, ohne seinen Verband zu berühren, ihm näher als je zuvor. Mich wieder aus der geringen Distanz zu lösen fiel mir wahnsinnig schwer. Er saß jetzt aufrecht im Bett, geschafft, aber soweit in Ordnung. „Ich hab heute morgen mit Tom ein paar Sachen für dich zusammen gerichtet.“ Ich nickte in Richtung der Tasche an der Wandseite gegenüber. „Danke Luisa.“ Er hatte die Augen kurz geschlossen, neigte dann den Kopf nach links und sah mich wieder an. „Was ist passiert?“ fragte ich leise. „Ich Idiot war zu schnell.“ gab er kurz und knapp zu. Er traute sich dabei nicht, mich anzusehen. Dave, der, der immer alles besser wusste und sich immer so sicher war, in dem, was er tat, gab einen Fehler zu. „Wie sehr hast du dir den Kopf gestoßen? Als wenn du jemals zu schnell unterwegs bist…“ scherzte ich. Ich hatte ihn schon tausendmal wissen lassen, dass er mir persönlich zu halsbrecherisch ritt und ich es nicht gerade gut fand, dass Leo ihm in dem Punkt nacheiferte. Wir hatten uns seit Susans Abbruch auf Naundorf mitunter deswegen immer häufiger in den Haaren gehabt, was uns immer weiter auseinander rücken ließ. Er lächelte über die Ironie, aber irgendetwas stimmte nicht mit ihm. Er schien fast gebrochen. „Ich hätte dabei draufgehen können.“ stellte er trocken fest. „Als Medivh wegrutschte und ich abflog, ist mir nur eins durch den Kopf geschossen.“ Er sah mich erst nicht an, dann schluckte er. „Etwas, was ich ewig vor mir hergeschoben habe…“ Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich sah, dass er seine linke Hand auf dem Bett öffnete und mir zudrehte. Vorsichtig nahm ich sie und hielt sie fest. Wir sagten beide lange nichts. Draußen fing es an zu regnen. „Wie lang warst du gestern hier?“ fragte er nach ein paar Minuten. „Bis nach Mitternacht. Du warst kurz wach nach der OP, aber daran wirst du dich vermutlich nicht erinnern. Sie haben mich erst gut zwei Stunden danach zu Dir gelassen, als ich ewig lange erklärt habe, wer ich bin. Es war zwischenzeitlich Schichtwechsel, vermutlich ist da dein Wunsch untergegangen.“ Er sagte nichts, schüttelte nur leicht den Kopf. „Ich dachte, du wachst nochmal auf. Aber dann hat mich Tom irgendwann abgeholt.“ Er sagte wieder nichts, drückte einfach nur meine Hand. „Was ist mit Medivh passiert?“ seine Stimme zitterte, er hatte sichtlich Angst, mir diese Frage zu stellen. „Er sah schlimm aus, ist die Böschung hinabgestürzt. Er ist aber ein zäher Brocken, wie sein Besitzer nicht kaputt zu kriegen. Als wir ankamen, hat sich der Tierarzt vor Ort schon um ihn gekümmert, du bist gerade mit dem Krankenwagen weggebracht worden. Er hat ebenfalls viele Prellungen und eine ziemlich große Wunde an der Brust. Aber die Beine sind heil, nichts gebrochen.“ Letzteres war irgendwie gelogen, aber Medivh würde ja wieder vollkommen gesund werden. Er atmete auf und entspannte sich etwas. Ich blieb an dem Tag noch so lange bei ihm, bis er einschlief und hinterließ ihm eine Notiz, dass ich morgen wieder kommen würde und er mir jederzeit eine Whatsapp schreiben könne, falls er etwas brauche. Ich versuchte fortan, jeden Tag ins Krankenhaus zu fahren und neben dem sowieso schon anstrengenden Alltag auf dem Hof Zeit für Dave zu finden. Unser „Streit“, den wir ja eigentlich nie hatten, war wie weggeblasen, es war wieder wie vorher zwischen uns. Er hasste die Physiotermine, weil er ziemliche Schmerzen dabei hatte, aber die Wunde heilte gut und er es schien mir, als würden ihn meine Besuche deutlich aufmuntern.


    Er kam drei Tage nach Medivh zurück nach Naundorf. Ich fuhr ihn alleine abholen, nachdem ich meinen Rundgang von heute morgen beendet hatte. Tom und Mia hatten zu viel mit dem Beritt zu tun und Leo kümmerte sich mit Willi um die Pferde. Mir war nicht besonders gut, als ich auf dem Parkplatz des Krankenhauses hielt. Ich hatte Dave am Vorabend erzählt, dass Medivh erblindet war. Er war geschockt und wütend, aber er registrierte schnell, dass der Unfall nicht nur ihn stark mitgenommen hatte, sondern auch Medivh. Er liebte seine zwei Pferde. Wir redeten lange miteinander, was Eddi dazu gesagt hatte und er stellte viele Fragen. Dennoch war er wahnsinnig geknickt und war dann dementsprechend down. Ihm brach mit Medivh sein stärkster Partner im Military weg. Heros hatte auch viele Erfolge, allerdings war der nicht so mutig und verweigerte deutlich öfter mal im Gelände. Das Springreiten hatte sich jetzt aber für diese Saison sowieso für Dave erledigt. Als ich ins Zimmer kam, erklärte ihm der Arzt gerade die letzten Details und entließ ihn. „Soll ich dir beim Zusammenpacken helfen?“ „Ja, einhändig wird das alles etwas schwer…“ meinte er trocken. Ich musste ihm auch in den Pullover helfen, die Jacke warf er sich auf der einen Seite nur über die Schulter. „Die Tasche kann ich selbst tragen.“ „Ok, dann lass uns nach Hause fahren.“


    Willi winkte uns, als der Wagen auf den Hof rollte. Dave grinste und freute sich sichtlich, wieder auf dem Hof zu sein. Mia hatte für alle gekocht, es tat gut, wieder vollständig am Tisch zu sitzen und miteinander zu reden. Die anderen erzählten wild durcheinander, was alles auf dem Hof passiert war und Dave blühte richtig auf. „Freu dich nicht zu sehr Dave, da du jetzt wieder hier bist, wirst du ab sofort meinen Bürokram übernehmen. Das wird wie Urlaub!“ lachte Tom und Dave schüttelte ebenfalls lachend den Kopf. „Ja, die Arbeit, dachte mir schon, dass ihr mich nicht verschonen werdet.“ Wir lachten und waren richtig gut drauf. Dann löste sich die Gruppe langsam auf.


    Als nur noch Dave, Tom und ich am Tisch saßen kippte die Stimmung allerdings. „Ich spüle ab. Geht ruhig.“ Wir standen auf und liefen schweigend hinüber in den Stall. „Hey mein Großer!“ begrüßte Dave erst Heros, der den Kopf über die Tür streckte und ihm entgegen wieherte. Er streichelte seine Stirn und beide freuten sich sichtlich sich zu sehen. Dann raschelte es in der Nebenbox. Medivh hatte immer noch den blauen Schutzverband am Kopf, solange die Fäden noch nicht gezogen worden waren. Dave sah zuerst dessen rechte Seite und ging langsam auf ihn zu. „Oh Medivh….“ Er streichelte den Hengst vorsichtig am Hals und Kopf. „Eddi wird entweder heute oder morgen die Fäden ziehen. Sie weiß noch nicht, ob sie vorbeikommen kann, sie hat ne schwierige Fohlengeburt.“ murmelte ich und beobachtete die beiden weiter. Dave schwieg und wirkte auf einmal so unfassbar traurig. „Ich lass dich allein, wenn du das willst.“ „Nein, bitte bleib.“ seine Stimme klang gebrochen. Wir schwiegen weiter und standen eine ganze Weile bei Medivh, der sich nach den Streicheleinheiten wieder seinem Heu zuwendete. „Er kommt erstaunlich gut zurecht.“ Stellte er trocken fest und wirkte dann doch beruhigt. „Es geht ihm sonst ausgezeichnet Dave. Du hättest ihn nach dem Sturz sehen sollen… Ich dachte, ich müsste ihn einschläfern lassen.“ Er nickte, wir starrten beide weiter in die Box des Schimmels. „Luisa! Der Tierarzt ist da!“ rief Willi uns plötzlich zu und wir drehten uns beide in seine Richtung. „Ging wohl doch gut…“ meinte ich und wir liefen zusammen nach draußen. Bei der Untersuchung ließ ich Dave mit Eddi allein und kümmerte mich stattdessen um Amber. Sie sollte ebenfalls untersucht werden. Ich kam mit der Cremellostute nach einer guten halben Stunde auf den Innenhof, als Eddi mit Dave zusammen aus dem Stalltrakt der Hengste heraustrat. Die beiden waren in ein Gespräch vertieft, Eddi erklärte Dave auf den letzten Metern zu mir, wie er sich jetzt am besten um Medivh kümmern müsse. „Pass nur auf, dass er sich nicht wetzt, das juckt ziemlich, wenn die neue Haut ganz schließt und das Fell nachwächst. So, hallo Luisa! Na, dann wollen wir mal gleich weiter machen…“ Eddi ging um Amber herum, nachdem sie mir kurz die Hand gereicht hatte und untersuchte die Stute gründlich, tastete sie ab und lächelte dabei. Sie liebte ihre Arbeit und das sah man ihr an. Ich ging ein Stück weg von den beiden zu Dave, der die Stirn runzelte und mich dann doch besorgt fragte, ob mit Amber alles ok sei. Er hatte an ihr einen Narren gefressen, seit er sie bei der Bewerbung damals das erste Mal gesehen hatte. Manchmal zogen die Jungs ihn sogar deswegen auf, selbst ich konnte mir manche Eifersucht auf meine springbegabte Stute nicht verkneifen. „Ja.“ Ich grinste und legte den Kopf schief, als ich ihn ansah. „Nein…“ flüsterte er einen kleinen Augenblick verzögert, er verstand und totale Freude erfasste ihn. Aber was ich dann anhing, als Eddi bestätigend nickte, machte ihn dann zu meiner ganzen Freude komplett sprachlos. „Von Heros… und es gehört dir.“

    Credits: Beschreibung Umgebung zu Beginn (c) Jackie
  5. Huhu, ich dachte, ich mach mal wieder ein kleines Update. Bei mir geht´s nämlich immer noch - wie sollte es auch anders sein- total drunter und drüber.

    Einige haben vielleicht meinen Beziehungsblog gelesen und so toll es sich wirklich angehört hat am Anfang, ich bin mal wieder an einen Bilderbuch-Blender geraten. Ich hab ihn wirklich noch wahnsinnig lieb und vermisse ihn schon ab und an (aber als guten Freund), allerdings gibts einfach ein paar Dinge, die nicht gehen und die ihm von vornherein klar waren. Z.B. dass ich zu 1000% in Augsburg verbeamtet werden möchte, weil meine ganze Familie da eben wohnt. Alternativ hätte ich mir München eingehen lassen (obwohl ich da nicht so wirklich wohnen will... einfach zu teuer auch :( ) Aber mein "Ex" (ich war fest mit ihm zusammen ja und auch meine Familie hat ihn kennen gelernt und sich super mit ihm verstanden, aber es ging grad mal 3,5 Monate... ) kommt eben aus dem Bayerischen Wald. Er meinte ganz am Anfang, an dem ich wirklich alle Karten klar aufn Tisch gelegt hab (auch mit anderen Sachen), dass Augsburg auch eine seiner drei Wahlstädte wäre, dass das mitm Moppedfahren klar geht und auch auch mit dem Tattoo. Und nach knapp nem Monat war dann auf einmal die Rede von, dass ich nicht so viel Mopped fahren soll, dass das eine Tattoo reicht, bin ja schon ne halbe Leinwand. (Ich lach grad. Weils sooo dämlich ist echt...) Und "dass ja generell der die Wahl hat, der zuerst fertig studiert hat", wenns an den Standort geht, wo man dann "zusammen hin zieht" - also er. Aha. Ja ne... Ich sagte gleich: Da geh ich nicht mit. Das wusstest du vorher. Da war er dann etwas baff... Hahaha. Shit.
    Es kamen immer mehr "Lügen" auf, es zeigte sich einfach: Es passt einfach nicht auf meiner Seite. Im letzten Monat haben wir uns nur noch gestritten, alle drei Tage saß ich heulend im Bad. Für ihn war danach immer alles ok. So ne Beziehung will ich aber nicht führen. Wenn ich immer Abstriche machen muss, nichts sagen darf, über mein Leben nicht "mitbestimmen".
    Mitte/Ende September war ich dann mit meinen Kollegen vom Büro auf der Wiesn und hab da tatsächlich von zwei Kerlen tolle Komplimente bekommen (ok, der zweite war schon recht dicht, aber immerhin :D) und ich hab für mich gemerkt: ICH muss glücklich sein und das bin ich einfach nicht. Mein Leben läuft grad etwas in die verkehrte Richtung. Also hab ich zwei Tage später Schluss gemacht, mich versucht im Guten zu trennen, aber das konnte er dann nicht so gut. Er ist sauer geworden und seither haben wir absolut keinen Kontakt mehr. Vielleicht fängt er sich irgendwann und wir kommen wieder miteinander aus, weil ich ihn als Freund gern hatte, aber als Partner war der ab nem bestimmten Punkt für mich nur noch ne Katastrophe.
    Ich sag jetzt keinem mehr was, wenn ich wen kennen lern, bis derjenige 3 Monate bis ein halbes Jahr Probezeit hatte. Man lernt jemanden eben erst mit der Zeit kennen.... Noch so eine Sache auf meiner "Liste" (hab ich die hier letztes Jahr eig veröffentlicht?)

    Auch haben einige evt. mitbekommen, dass mir jemand letzten Montag voll ins Dienstauto gedonnert ist. Alle sind halbwegs heil raus, keiner schwerer verletzt. Ich war an dem Tag hier bei mir zu Hause im Krankenhaus, Röntgen, Ultraschall, Urinkontrolle (ob Blut dabei ist, bei inneren Verletzungen). Alles soweit ok, nur ne sehr gestreckte Halswirbelsäule. Heim, nur mit Paracetamol bewaffnet. Ibus wollte der Arzt mir nur widerwillig verschreiben, da ich das evt. nicht so gut vertrage. Ich hatte dann drei Tage ordentlich Rückenschmerzen, Freitags dann nochmal beim Sitzen Schmerzen, aber es war übers WE richtig gut. Montag dann in die Arbeit und los gings...
    Ich hab plötzlich linksseitig nur noch die Hälfte gesehen, das Bild wurde unscharf, ich konnte Leute auf Distanz nicht mehr erkennen, nicht mehr lesen und wurde total desorientiert. Das ganze klang nach ca. 20-30 min wieder ab, war aber sehr heftig. Aber ok, ich schobs auf den Nerv in der Wirbelsäule, ich hatte immer noch Muskelkater und nen steifen Nacken. Dann war die monatliche Besprechung für alle, ich saß hinten an der Wand auf einem der weicheren Stühle. Und merke, wie mir der linke Arm einschläft. Ok, keine Panik, geht gleich wieder. Aber dann fingen die Lähmungserscheinungen im Gesicht an und ich sah wieder nicht richtig. Also sofort ohne was zu sagen raus, Zeug gepackt, Mit-Hiwi und Sekretärin Bescheid gegeben und ab ins nächste Krankenhaus. Da haben die die Befunde von letzter Woche angefordert, ich bekam nen zugang und wurde stationär aufgenommen. Mittlerweile mit Kopfschmerzen vom anderen Stern... Abends gabs ein MRT der Halswirbelsäule, weil das das Röntgen nicht zeigt und der Neurologe machte ne Untersuchung. Dann über Nacht drin geblieben, Höchstdosis Ibuprofen bekommen. Ich war so fix und alle, bin eingeschlafen und war dann ziemlich down. Mit im Zimmer eine liebe 84jährige, die heute ihre OP hatte und die hat mir dann Kekse gegeben. Ich hab ihr dann später Tee geholt. War sehr lieb von ihr, hab dann aber auf Nacht natürlich trotzdem den Schreck los gelassen und geheult :( Und es tat ja alles im Rücken weh. Ich wusst ja nicht, was jetzt los ist. Kam aber alles nach den Befunden vom stark geprellten Wirbel in der HWS und dem geklemmten, gereizten Nerv. Ein Physiotherapeut soll das ab Freitag richten, da bin ich beim Orthopäden. Der Augenarzt gestern Nachmittag hat auch nichts gefunden, also da Entwarnung. Hab meine Entlassungspapiere bekommen und kuriere mich jetzt wirklich aus zu Hause. Ich bekam vom Büro natürlich gleich Whatsapp Nachrichten, der Sohn vom Chef, mit dem ich mich so auch gut verstehe, ist dann die 5min rüber in der Mittagspause und hat extra noch Zeitschriften gekauft und Pralinen vorbei gebracht :) Vor Montag sehe ich aber vermutlich keinen mehr, bis dahin bin ich jetzt mal krank.

    Der größte Teil von Teil 2 ist tatsächlich fertig. Datiert auf den 15.9.17... Um die Tage rum wollt ich den eigentlich hochladen und dann dreht mein RL so ab :D Für die, die da auch schon so hibbelig sind wie ich (was ihr davon haltet), die Tage krieg ichs jetzt hin. Denk ich. :D
    PS: Ich könnte einen TA und HS gebrauchen, die mir insgesamt 1-2 Berichte tippen. Vielleicht hat ja jemand Lust an diesem WE, falls er es sieht :)

    Was bitte ist das denn? Ja, dachte ich mir auch, als ich da so im KH lag und den Hashtag auf Twitter gelesen hab. Und jetzt bin ich Feuer und Flamme. Der National Novel Writing Month ist das ganz genau gesagt. Ich starte unter dem Synonym "DieEinsame" und mache jetzt eben das erste Mal mit. Ich wollte "Schall und Rauch" schon länger schreiben, hab tatsächlich vor 4 Jahren mal angefangen. Aber war nie zufrieden. Jetzt, mit mehr Distanz, möchte ich das anders aufziehen und mal versuchen, so für mich runter zu schreiben. Und nur dafür ist er da. Ziel ist es, 50.000 Wörter innerhalb eines Monats zu tippen, jeder kann für sich entscheiden, was er schreiben möchte. (Sprich: 1.667 Wörter am Tag, sind umgerechnet um die 311 DINA 5 Seiten am Ende) Es ist dabei nicht wichtig, einen druckfertigen Roman zu schaffen, sondern einfach Blockaden zu überwinden und die Geschichte laufen zu lassen. Im Oktober laufen die Vorbereitungen, es empfiehlt sich z.B. Charaktere und ungefähr den Rahmen vorher fest zu legen. Ich denke da so an 30 Kapitel. Jeden Tag eines. Und ich werde mich natürlich umsehen an dem Platz, an dem das ganze spielt (Kneipe Schall und Rauch in München, daher der Name des Buches, hat aber auch noch ne zweite Bedeutung). Geschichte soll die Erfahrung mit dem viel älteren Mann sein, einige Dinge werden 1:1 der Wahrheit entsprechen, andere werde ich in der Story anders laufen lassen, als es passiert ist. ZB. der Rückblick als 37-jährige (ich werd erst 26). Ich lass mich überraschen. Evt. macht ja jemand von euch mit, der auch das erste Mal davon hört. Würde mich freuen, wenn ich jemandem zum Reden hätte, wie es so läuft :) Geschrieben wird das ganze auf dem eigenen Rechner und am Ende des Tages die erreichte Anzahl an Wörter eingetragen, die man erreicht hat. Am Ende wir die gesamte Geschichte eingeschickt, diese nur von den Wörtern gezählt und der Erfolg verbucht. Gewinnen kann man eigentlich nichts, außer einer virutellen Medaille. Es ist aber auch schon öfter vorgekommen, dass durch den NaNoWriMo richtige Bücher entstanden sind, die auch verlegt wurden. Die Veröffentlichung ist dann natürlich eigene Sache. Es gibt dann noch einen Editing Month, wie genau das abläuft weiß ich aber (noch) nicht.

    Soviel dazu :)
    Sunnyyy, BellaS, Zion und 3 anderen gefällt das.
  6. [​IMG]
    ~ Beschreibung der Protagonisten ~

    (c) Muemmi | 17300 Zeichen | 16. August 2017
    Aus der Sicht von: Luisa Goeke
    Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Mon Amie


    Gähnend drückte ich den Knopf am Automaten und hatte sofort den Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase. In schwarzer Reiterhose und dunklem Longshirt gekleidet stand ich relativ früh an diesem Morgen in der Küche und richtete das Frühstück für uns alle her. Dann ging ich hinaus in den Flur und nahm die Briefe von gestern mit ins Bürozimmer. Es war noch ziemlich dämmrig, die Sonne kam an diesem verregneten Augusttag nicht durch die Wolken. Sogar einige Nebelschwaden zogen über die etwas weiter entfernten Koppeln, die man vom Schreibtischfenster durch die Stallungen hindurch sehen konnte. „Ist ja wie im Herbst.“ jammerte ich und mir fuhr ein Stich durchs Herz. Fast hätte ich „Dein Lieblingswetter, Idefix“ drangehängt. Es war jetzt über einen Monat her, dass mein Kleiner friedlich eingeschlafen war und doch fehlte er mir immer noch, wie am ersten Tag.

    Plötzlich hörte ich es draußen rumpeln. Ich drehte mich um und ging zurück zur Haustür. „Zieh dir später was Warmes an, draußen ist es saukalt. Knappe 9 Grad.“ Willi hing seine Jacke an den Haken im Flur und rieb sich dann die Hände. „In der Küche ist frischer Kaffee“ murmlte ich und wir grinsen uns beide an. „Frischer Kaffee klingt super!“ Dave kam gerade die Treppe runter und wirkte erstaunlich gut gelaunt. „Du schon so früh wach?“ neckte ich ihn und gehe mit beiden in die Küche. Sein leicht verwunderter Blick, aber anschließendes Lächeln blieb von mir nicht unbemerkt. „Wann wollt ihr beiden starten?“ fragte ich ihn, der sich drei Tassen aus dem Hängeschrank nahm und diese dann für uns alle füllte. „Leo ist grade auf, in ungefähr einer Stunde wollen wir verladen haben und los.“ Heute stand für die beiden Jungs ein Militaryturnier an. Dave würde mit seinem Schimmelhengst Medivh starten, der in diesem Jahr die beste Saison der Pferde auf Naundorf hinlegte und Leo würde mit seinem Hengst Candy Fireflies teilnehmen. Er war mittlerweile ein sehr guter Reiter und mit Feuereifer dabei, sein eigenes Pferd zu trainieren und selbst besser zu werden. „Morgen!“ flötete dieser auch, als er 10 Minuten später in die Küche kam und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. „Hmmm, Kaffee...“ Er grinste und ich drückte ihm die Tasse in die Hand, die ich für ihn aus dem Hängeschrank genommen hatte. „Danke.“ Er schenkte sich ein und setzte sich dazu. „Wo sind Tom und Mia?“ Ich antwortete nicht auf Daves Frage und strich mir unbeteiligt eines der Brötchen. Auch die anderen schwiegen, Willi zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann zum Stalldienst. Dave hatte als Einziger noch nicht wirklich die Beziehung zwischen den beiden erkannt, da sich das Ganze langsam entwickelt hatte, als er in England war. Keiner der beiden hatte es bis jetzt offen zugegeben und sie achteten darauf, sich nicht von irgendjemanden eindeutig erwischen zu lassen, aber zwischen den beiden knisterte es gewaltig. Der Altersunterschied von knapp 20 Jahren war den beiden dabei vollkommen gleich. Mich freute das Glück, das Mia und Tom hatten und sagte nichts dazu. Ich kannte die beiden, sie würden nicht streiten, wenn es in die Binsen ging. Oder sich so anschweigen wie Dave und ich. Seit der Sache mit Susan gingen wir uns eigentlich aus dem Weg, redeten aber ganz normal miteinander, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ich fragte mich dabei immer wieder, was ich mir denn erhofft hatte, er hatte mir nichts versprochen oder mir gar eindeutig Avancen gemacht. Dennoch schien etwas zwischen uns zu schweben, dass wir beide nicht ansprechen wollten, uns aber belastete. Manchmal fragte ich mich, ob ich nicht wirklich Schuld am Abbruch von Susans Lehre bei uns auf dem Zentrum hatte.

    „Packt zusammen, sonst kommt ihr zu spät los, ich räum ab.“ meinte ich und wünschte den Jungs viel Erfolg. „Seid bitte vorsichtig, es hat heute Nacht ordentlich geregnet!“ warf ich noch hinterher, doch die zwei hörten bei sowas gern weg. Wenn Dave und Leo etwas zusammen machten, wurden beide zu verspielten, albernen Kindern. Dass bis jetzt noch nichts passiert war bei deren Blödsinn, schob ich nur auf deren unverschämtes Glück. Erst vor drei Wochen war ein Heuballen vom Speicher gestürzt und hätte Leo dabei fast überrollt, weil die beiden nicht bei der Sache waren. „Guten Morgen.“ murmelte Mia lächelnd, als sie kurz vor Tom in die Küche kam. „Guten Morgen“ Ich lächelte ebenfalls, Mia strahlte ein solches Glück aus, das einen sofort selbst ansteckte und die traurigen Gedanken meinerseits sofort auf die Seite schob. Sie schmierte sich nur schnell ein Nutellabrötchen und stürzte ihren Kaffee. „Ich hab Willi versprochen, heute auf den äußeren Koppel zu helfen.“ „Ich werde gleich nach dem Stalldienst dazu kommen, Tom ist ja heute unterwegs.“ Sie lächelte, bejahte und verließ dann die Küche. Ich fing an zu spülen, als dann auch Tom langsam eintrudelte. Er hatte heute nicht viel auf dem Hof zu tun, da er später zu einem Futterlieferanten fahren und sich anschließend zwei Pferde zum Trainieren ansehen würde. „Luisa… Ich muss was mit dir besprechen.“ fing er dann nach ein paar Minuten an und schien sich dabei sichtlich schwer zu tun. „Geht es um Mia?“ fragte ich ruhig und vorsichtig und sah ihn lächelnd an. Es schien sich ein großer Brocken bei ihm zu lösen, denn er nickte und wirkte niedergeschlagen. „Ist alles in Ordnung Tom?“ meinte ich und setzte mich ihm gegenüber. „Ja, es ist wirklich mehr als in Ordnung, ich habe nur Bedenken…“ „Was ich davon halten könnte?“ unterbrach ich ihn und er lächelte. „Ich kenne euch beide jetzt eine ganze Weile. Wie ihr miteinander umgeht, vor allem wenn es um die Dressur geht. Ich glaube nicht, dass es noch einmal zu so einer Situation wie mit Susan und Dave kommt.“ „Das hat mir am meisten Sorgen gemacht, dass wir eventuell auf Ablehnung stoßen, weil es dieses Jahr genug Trubel gegeben hat.“ „Mia ist anders Tom. Du bist anders. Selbst wenn es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht mehr sein soll, denke ich, macht ihr das um Weiten besser als jeder andere hier auf dem Hof. Natürlich wünsch ich euch das nicht!“ Ich lächelte immer noch und sah ihn direkt an. Er umfasste seine Kaffeetasse und wirkte jetzt so ausgelassen und glücklich wie Mia zuvor. „Genieß es einfach. Ich bin die Letzte, die was dagegen hat!“ meinte ich, stand auf und verräumte die restlichen Sachen. Das hatte ja lange gedauert, bis er es offen zugibt, dachte ich mir. „Und du? Habt ihr, Dave und du, mittlerweile miteinander geredet?“ fragte er dann vorsichtig, obwohl er das eigentlich nicht musste. Tom konnte sich nicht genauso einfühlen wie Mia, aber ich konnte Eins und Eins zusammen zählen, dass sie sich ihm anvertraut hatte, wie sehr es mich tatsächlich belastete. Böse war ich ihr nicht, die beiden waren jetzt meine Familie. „Nein.“ Tom schwieg. „Ich würde heute Abend gerne unser beider Pläne zur Teilhabe mit den anderen besprechen. Dabei nehme ich ihn mir auf die Seite. Ich denke, einen besseren Zeitpunkt über das Verhältnis in jeder Art zu reden gibt es nicht… Oder?“ fragte ich und sah ihn hilflos an. Das mit Dave schlauchte mich schon ganz schön. „Ja, ich denke, dass das wirklich eine gute Idee ist. Ich sag es Mia und nehme mir Leo auf die Seite, damit du da in Ruhe reden kannst.“ Er stand auf. „Danke.“ „Ich muss danke sagen.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, grinste und ging dann leichteren Schrittes hinaus. „Ich bin am frühen Nachmittag wieder hier, bis später!“ rief er noch vergnügt, dann hörte ich die Haustür gehen.

    Ich löschte ein paar Minuten danach das Licht in der Küche und warf mir meine Softshelljacke um. Es war wirklich frisch draußen, als ich über den Hof lief und den Stalldienst mit dem Misten begann. Die Pferde hatten eben fertig gefressen, Mia und Willi führten die ersten gerade hinaus auf den Sandplatz. Es hatte heute Nacht so geregnet, dass wir die Pferde nicht auf die Koppel lassen wollten, damit sie sich nicht verletzen konnten. Das schonte anbei auch die Grasnarbe und damit die gesamte Koppel. Kurz danach rumpelte hinten im Hof der Hänger, ein Motor wurde angelassen und es knirschten die Reifen, bis man schließlich nichts mehr hörte. Die Jungs waren jetzt also unterwegs. „Hoffentlich reiten sie heute mal etwas vorsichtiger, bei dem Boden…“ Dann schob ich die Mistkarre zur nächsten Box.

    Wir waren bis ca. 9 Uhr mit dem alltäglichen Dienst beschäftigt, die Pferde danach alle glücklich versorgt. Amber und Mon Amie durften ihre Runden in der Führanlage drehen, da sie diese Woche auf Turnier waren und wegen ihrer Muskelkater nur leicht bewegt werden sollten. Dann schwang ich mich auf das Stallmountainbike und radelte zu Willi und Mia hinaus auf die Koppeln. Wir hatten wieder mit einigen Gattern am Rand des Kiefernwaldes zu kämpfen, da alte Zweige herab gestürzt waren und einige Lattungen gebrochen hatten. Einfach zurechtschneiden durften wir die Bäume am Rande laut Gemeinde nicht ohne Weiteres. Zudem brauchten wir dafür ein spezielles Team, da die Kiefern teilweise mehrere Meter hoch waren. Tom hatte sich erst letztens wieder fürchterlich darüber aufgeregt, weil es uns jedes Mal Geld und Zeit kostete. „Ich kann das Gatter langsam nicht mehr sehen…“ fluchte Willi und wir hieften es zu dritt aus der Angel.

    Nach gut 2 Stunden waren wir endlich mit den nötigen Reparaturen und dem Kontrollgang fertig, Hände und Stiefel voller Schlamm und Dreck. Es fing nun leicht zu nieseln an und wir waren froh, als wir mit dem Abladen und Verräumen des Werkzeuges fertig waren. Willi fuhr den Traktor rückwärts unter den Unterstand und drehte dem gerade die Zündung ab, als wir einen Wagen schlittern hörten. Zeitgleich ertönte im Haupthaus das Telefon.

    „Das ist Tom!“ rief Mia. In ihrer Stimme schwang Panik mit, irgendetwas stimmte nicht. Willi sah mich ebenfalls geschockt an. Tom bretterte niemals mit seinem alten Audi, schon gar nicht bei schlechtem Wetter oder gar auf dem Hof. Er legte quasi mitten in der Einfahrt eine Vollbremsung hin, zog die Handbremse und nahm nur den Gang raus. „Luisa!“ brüllte er aus vollem Hals. Mir wurde ganz anders. Er war nicht wütend, seine Stimme überschlug sich zu sehr. „Hier, ich bin da!“ Mia und ich rannten auf ihn zu. Er war blass und kam uns entgegen. „Leon hat mich gerade angerufen. Dave. Er ist gestürzt.“ „Oh mein Gott.“ Mia schlug sich die Hand vor den Mund, während mir auf einmal komplett schwarz vor Augen wurde. Dave. „Ich war auf der Hauptstraße, da hat mich Leo per Handy erreicht, ich bin sofort hier her. Das muss die Turnierleitung sein.“ Er hörte das Telefon ebenfalls schrillen. Willi rannte sofort los ins Büro, Mia, Tom und ich rannten hinterher. „Ja. Sie ist hier. Wir kommen sofort.“ Willi legte auf. „Dave ist auf dem Weg ins Krankenhaus, Medivh ist schwer verletzt, kann aber wohl stehen. Wir sollen sofort kommen.“ Den ersten Schock überwindend sammelte ich mich und sah Tom an. „Ein Hänger ist auf dem Gelände, wir fahren mit einem weiteren hin, falls wir uns trennen müssen. Du und Willi übernehmt das. Mia und ich fahren jetzt sofort rüber, Mia, hol den Notfallkoffer, ich hole die Bandagen und noch eine Decke.“ Tom nickte und eilte davon, Willi erzählte mir kurz und knapp, was am Telefon noch gesagt wurde. „Dave war ansprechbar, als sie ihn verarztet haben, er ist gegen ein Hindernis aus Baumstämmen gekracht. Er muss sich aber einiges gebrochen haben.“ „Oh Gott…“ Ich kämpfte gegen das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. „Medivh steht und kann laufen, mehr haben sie mir nicht gesagt.“ „Danke Willi, versucht so schnell wie möglich nach zu kommen, baut mir aber nicht auch noch einen Unfall!“ Er nickte ernst und rannte dann los.

    „Oh Gott…“ Wie in Trance raffte ich einige Sachen zusammen, nach klares Wasser und Bandagen mit. Mia fuhr meinen Nissan auf den Hof und warf die Notfallkiste in den Kofferraum, als ich gerade zu ihr lief. „Und los!“ „Sicher, dass du fahren kannst?“ „Ja, steig ein.“ Jetzt war ich plötzlich klar im Kopf. „Es wird schon nicht so schlimm sein. Willi meinte, er wäre ansprechbar gewesen, stimmt das?“ „Ja, er muss aber einige Brüche haben…“ Mir fiel sofort sein Lächeln heute morgen ein, als er die Treppe herunter kam und mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Da klingelte mein Handy. „Geh für mich ran.“ „SPZ Naundorf, Andalik für Goeke? Ja. Sie sitzt neben mir. Ja. Gott sei Dank. Ja, ist in Ordnung. Ich werde sie sofort weiterschicken. Gut. Danke, auf Wiederhören!“ Sie legte auf und atmete ruhig durch. „Krieg jetzt keine Panik Luisa, es klang alles soweit gut. Das Krankenhaus, sie werden Dave gleich operieren. Er ist weiter ansprechbar geblieben. Mehr wollte Sie mir am Telefon nicht sagen. Nur, dass er nach dir verlangt hat.“ Ich atmete durch und versuchte ruhig zu bleiben. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Turnierplatz, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ich fuhr viel zu schnell auf den Platz und wurde sofort von einem Security-Menschen angehalten, der mir wild fuchtelnd entgegen kam. Durchs offene Fahrerfenster rief ich ihm zu, dass wir von Naundorf für den Unfall da waren. Er winkte mich sofort weiter in Richtung eines abgelegeneren Platzes. Ein Tierarzt war vor Ort und tastete gerade Medivhs Beine ab, als wir ungefähr 30m entfernt anhielten. „Oh mein Gott…Medivh…“ Mia und ich hatten so etwas noch nie gesehen. Medivh, der wunderschöne Holsteiner-Schimmel stand zitternd und mit gestrecktem Hals da und rührte sich kaum. Sein Hals, Kopf, Brust und die Flanke waren voller Schlamm- und Grasflecken vom Rutschkontakt mit dem Boden. Was uns aber so schockierte, als wir langsam auf die Gruppe zugingen, waren die Wunden am Kopf, der Brust und den Beinen, aus denen hellrot das Blut floß und sein weißes Fell einfärbte.

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    (c) Muemmi
    Eine Helferin säuberte gerade vorsichtig eine Wunde am Kopf, ich merkte sofort, dass Medivh ein Sedativum bekommen hatte, da er keinen Mucks mehr machte. „Er sieht im Ganzen viel schlimmer aus, als es ist, er hat sich nichts gebrochen, nur gezerrt. Meindl mein Name, Sie sind die Leiterin des Hofes?“ Er gab mir nicht die Hand, sondern redete weiter, während er mich kurz ansah und sich dann weiter um Medivh kümmerte. „Allerdings muss er trotzdem schnell in die Klinik…“ Er nickte zu dessen Kopf und mein Blick folgte seiner Aufforderung. Medivh hatte Glück gehabt, er hätte sich auch das Genick brechen können. Später sollte ich erfahren, dass neben dem Hindernis ein Hang mit Kieselsteinen abgegangen war, den Medivh hinunter gestürzt war. Dabei war er mit der linken Seite aufgeschlagen und hatte sich dabei die linke Augenhöhle gebrochen. Er hielt das Lid geschlossen, das nicht mehr ganz an seinem Platz zu hängen schien und einen guten Zentimeter nach unten ging.

    Mia konnte den Anblick ähnlich wie ich nicht länger ertragen und ihr rollten die ersten Tränen über die Wangen. „Danke Doc, wir fahren ihn sofort zu Eddi Canary…Da kommt auch schon der Rest meines Teams.“ stotterte ich. Tom und Willi fuhren langsam mit dem zweiten Hänger im Schlepptau auf uns zu, hielten neben dem Xtrail und kamen dann zu uns. Da hörten wir Leo. „Luisa? Mia?“ Wir drehten uns beide um und sahen in dessen verheultes Gesicht. Eine Sanitäterin begleitete ihn, vermutlich wegen des Schocks. „Gott sei Dank, ist dir was passiert? Alles gut Leo, bleib jetzt ganz ruhig, ich fahre jetzt ins Krankenhaus. Willi nimmt dich mit auf den Hof zurück, ihr zwei werdet Candy Fireflies verladen und in eurem Hänger mitnehmen, in Ordnung? Ich rufe dich an, wenn ich mehr weiß.“ Willi stand neben mir, als ich Leo in den Arm nahm und schickte ihn dann mit ihm mit. „Es muss jemand auf dem Hof sein, kümmer dich um ihn! Ich ruf an!“ nickte ich Willi zu und die beiden eilten davon. Tom hatte währenddessen sein Handy gezückt und telefonierte schon mit Eddi, während Mia dem Tierarzt half und Medivh beruhigte. Der registierte erleichtert, dass bekannte Menschen um ihn herum waren und schien jetzt trotz Schmerzen weniger zu zittern und gelassener da zu stehen. Tom legte auf, Mia und er sahen sich an. „Wir werden ihn rüber fahren, sie hat gerade noch einen anderen Notfall, macht aber den OP bereit.“ „Gut, Luisa, fahr ins Krankenhaus, wir kümmern uns um alles!“ sagte Mia, jetzt gefasst und sich die Tränen aus den Augen wischend. „Ja, fahr zu.“ Ich nickte, sah noch einmal auf Medivh und hatte plötzlich schiere Panik davor, was mich dort erwarten würde. Ich atmete noch einmal kurz durch und ließ dann die Zündung des Geländewagens an.

    Das Krankenhaus lag in Cottbus, von Naundorf aus auf direktem Weg weiter vom Turnier weg. Ich brauchte trotzdem eine halbe Stunde, bis ich auf dem Parkplatz hielt und sah erst da an mir runter. Ich hatte immer noch die schlammigen Schuhe, die Reitsachen und die Softschelljacke an. Ich suchte im Kofferraum auf gut Glück ein paar Ersatzschuhe und wurde tatsächlich mit ein paar Stiefeletten fündig, die ich beim letzten Turnier im Auto vergessen hatte. Ich schlüpfte schnell hinein, warf die Tür zu und atmete durch. Ich konnte es jetzt nicht länger schieben, ich wollte so schnell wie möglich zu Dave, hatte aber auch solche Angst davor.

    An der Info wurde ich sofort weitergeschickt und fand mich dann in einem Wartezimmer auf der Intensivstation wieder. Dort klärte mich eine junge Krankenschwester auf, dass Dave noch immer im OP lag und kümmerte sich darum, dass der behandelnde Arzt von meiner Anwesenheit erfuhr. Und dann begann das Warten, ohne Genaueres zu wissen.

  7. Die letzten Gewitterwolken fingen an sich zu verziehen und die ersten Sonnenstrahlen blinzelten durch die Kronen der mittlerweile dicht bewachsenen Laubbäume. Die Wiesen schmatzen vor sich hin, während das Wasser im Boden versank, der sandige Schlamm klebte an Sockes Hufen, während ich ihn im Westernsattel den Weg an der Weide entlang ritt. Langsam, einen Schritt nach dem anderen setzte er einen Huf vor den nächsten. Die Luft war klar und kühl im Verhältnis zur schwülen Hitze, die die letzten Tage geherrscht hatte. Ich ließ die Zügel lang, wir hatten es nicht eilig. Die letzten Wochen und Tage waren ein einziges Auf und Ab gewesen. Allein darüber nachzudenken…

    Susan hatte den Ausbildungsplatz gewechselt und letztendlich mir die Schuld gegeben, dass sich ihre Situation so entwickelt hatte. Trotz der angespannten Lage ließ ich Tom unter der Hand einige Kontakte abfragen und der Wechsel ging geschäftlich gesehen für beide Seiten ohne weitere Blessuren aus. Sie würde ihre Prüfung zum selben Termin abschließen und nahe Leipzig, auf dem Hof, an den Tom sie vermittelt hatte, später weiter festangestellt arbeiten. Dave konnte mit der ganzen Situation, für die er sich irgendwie die Schuld gab, nicht umgehen und zog sich ebenfalls in Arbeit zurück. Mitte Mai reiste er für drei Wochen nach England und Schottland, was uns alle doch sehr überraschte. Als sich die Sache mit Susan merklich zuspitze, kam er zeitgleich in Kontakt mit einem führenden Kutschen-Hersteller und Züchter. Da die Verbindung nach England vor allem für unsere Sportpferdezucht sehr interessant sein könnte, willigten wir alle ein und ließen ihn fliegen. Die Verabschiedung zwischen ihm und mir war überraschend eisig. Von den Vertrautheiten seit seiner Einstellung mir gegenüber war nichts mehr übrig. Tom bemerkte es, blieb aber stumm.

    Und kaum war Dave weg, ging es auf dem Hof komplett drunter und drüber. Ohne seine Unterstützung war es für Leo und mich extrem schwer, die Fahrturniere ohne Probleme zu organisieren. Aber mit ein paar Blessuren schafften wir die Planung irgendwie, woran Leo auch weiter wuchs. Ich war stolz auf meinen Azubi, der jetzt so viele Aufgaben übernahm und das so kurz vor seiner Abschlussprüfung. Er muss gemerkt haben, wie sehr es mir zusetzte, dass ich als Betrieb einen Azubi verloren hatte, in den ich so viel Hoffnung gesetzt hatte. Ich ärgerte mich sogar eine ganze Zeit lang so dermaßen, dass ich verlauten ließ, erstmal keine Auszubildenen mehr aufzunehmen. Aber genau dann bewies sich Leo. Ich stellte ihn dann Nachmittags so gut es ging frei, damit er mit Webster für die Dressur und Springen üben konnte. Tom korrigierte ihn dabei, ich sah beim Springen immer wieder mal drüber, aber da dann nur noch Mia, Willi und ich für den Rest der anfallenden Arbeiten auf dem Hof waren, kam wirklich alles zu kurz. Da demnächst die Welshis vollständig vom Hof ziehen sollten und die Stallungen für Einsteller frei werden würden, richteten wir den Offenstall auf der alten Koppel her und stellten dort die Stuten unter, die Hengste kamen in einer Teilabtrennung zu den Zuchtpferden. Heros und Fleming machten sich Anfangs einen heiden Spaß daraus, die kleinen Ausgaben durch die Gegend zu scheuchen. Take a Bow, Miro, Landwein und Poison trabten den ganzen Nachmittag am Zaun entlang und buckelten vor sich hin, aber zum Abend hin waren die Jungs so erschöpft von der schwülen Hitze, die diese Tage in die Ebene drückte, dass sie am nächsten Tag müde vor sich hin dösten. Auch die Großen kamen tagsüber kaum auf die Koppel, erst Abends, als es deutlich milder war, standen sie am hinteren Ende des Geländes und grasten die zugesteckten Weideflächen ab. Als die Welshis aus dem Nebenstall ausgezogen waren, fingen wir an, die Sattelkammer dort auszumisten. Alle Schabracken, Sattel und Trensen, Putzkästen und sonstiges Zubehör, das an die neue Welshzüchterin gehen würde, putzten wir und lagerten wir im Haupthaus sorgfältig für den Umzug ein. Lediglich je drei Decken, Schabracken und gebrauchte Bandagensets für Taciturn, sowie das komplette Equipment für Occani zog in den Hauptstall um. Die Scheckstute würde als Gesellschafterin für Lillifee und die Fohlen doch vorerst auf dem Hof bleiben, aber auch im Ponyreitsport gefördert werden. Da sie auch noch sehr jung war, klappte die Eingliederung recht gut, sie behauptete sich aber als ehemaliges Herdenmitglied einer erfahrenen Pferdeherde aber gleich und mauserte sich recht fix an eine der höheren Ränge. Lediglich die resolute Meilenstein blieb davon unberührt und ließ sich nichts gefallen. Sie würde als fast Dreijährige bald unter den Sattel kommen und eingeritten werden. Ich hatte lange mit Tom und Mia geredet und unsere Zahlen überflogen. Wir standen durch die Pacht, Verkäufe und Trainingseinnahmen so gut da, dass wir uns mit zwei weiteren Mitarbeitern vergrößern könnten. Mia kümmerte sich diesmal um die Ausschreibung der Stellen, die Wohnungen wurden neu gestrichen und bezugsfertig gemacht, die im Haupthaus noch über waren. So ging der Mai um und es wurde Juni. In dieser Zeit arbeiteten wir uns alle schier zu Tode, ich war vier Tage auswärts und trainierte auf Abajo´s Hof ihre Pferde und übernahm dort ein Fohlen namens Picture of a Ghost. Allgemein vergrößerte sich nach der Auflösung der alten Zucht des Ammerseegestüts von damals die Zahl der Fohlen auf Naundorf deutlich. Der Decksprung von Mon Amie war geglückt, das Spektakel um Painted Blur war nach wie vor ein Highlight, das so schnell nicht vergessen werden würde. Ihr kugelrunder Bauch wurde immer dicker, bis sie in den letzten Maitagen einem kleinen Hengst das Leben schenkte. Er hatte von der Farbigkeit so gar nichts von seinem berühmten Uropa und auch Mon Amie behielt ihre Farbigkeitsvererbung für sich. Painted Minimalistic Art kam so vollkommen nach seinem Papa, war Schwarzbraun und hatte nur ganz wenige Abzeichen, was ihm seinen Namen verlieh. Und auch Mitte Juni kam ein lang ersehntes Wunschfohlen auf den Hof. Ein Hengst, auf den ich mich, neben Painted, ebenfalls besonders freute. Schwarzgold war sein Vater, ein Elitehengst, der auf Naundorf eine Zeit als Jungpferd verbracht hatte, bevor er an eine sehr alte Freundin von mir ging. Durch einen Verkauf eines Rasputin-Ravallo Fohlens, hatte ich eine Leihmutterschaft einer Co Pilot Tochter bekommen und Schwarzgold als Vater ergattern können. So bereicherte ab Mitte Juni Scamander unsere Babyherde und war mit seinem halben Jahr unglaublich niedlich anzusehen. Ich packte ihn mit Lillifee, Symphonie und Arcada auf eine Weide, die drei Mädels waren sehr lieb zu ihm und ließen seinen Trennungsschmerz von seiner Mama schnell vergessen. Mit der Zeit, wenn er kräftiger werden würde, würde ich die vier wieder zurück in die Gruppe der anderen Fohlen integrieren, die neben diesen aus Meilenstein, Capona, Thor und Elfenlied bestand. Painted blieb mit Mon Amie natürlich für die nächsten Monate erst einmal separat.

    Ich lächelte, als ich so an die Kleinen dachte, die mir meinen eigenen Kummer eine kurze Zeit lang nahmen und trieb Aquentino, der bei allen den Namen Socke trug und auch nie mehr anders gerufen wurde, in einen leichten Galopp. Freudig setzte er die Hufe voreinander und griff locker aus, schnaubte ab und spitzte die Ohren. Er hatte sichtlich Spaß und auch ich ließ einen Moment los. Nicht nur das Chaos und der Arbeitsstress auf dem Hof waren derzeit eine große, emotionale Belastung. Idefix hatte sich seit dem Winter erst noch sichtlich erholen können, allerdings wurde bei einigen Kontrollterminen, weil er mir sehr schlapp erschien, ein Tumor entdeckt, der zu unser aller Schreck nicht mehr operierbar war. Ich heulte mir an dem Abend schier die Augen aus dem Kopf, Mia war in dieser Zeit eine wahre Freundin und tröstete mich wie keine es hätte sonst können. Sie wusste, wie viel mir Idefix bedeutete und dass er der letzte, verbliebene Partner aus einer sehr alten Zeit war. Tom kümmerte sich ebenfalls liebevoll um mich und auch Leo und Willi erwiesen sich als echte Familie. Da Idefix nur oft müde war und sonst keine Schmerzen litt, bekam er vorerst Medikamente und würde noch eine ganze Weile unter uns bleiben, was den Schmerz, ihn zu verlieren, zwar nicht milderte, aber ertragbar machte. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit ihm, spielte mit ihm, streichelte ihn, hielt ihn im Arm. Er durfte auch ab diesem Tag auch in meinem Bett schlafen und wurde vom Rest auch sehr verwöhnt. Er schien seine Situation durchaus zu genießen und war recht glücklich – und so war ich es irgendwie auch.

    Ich parierte Socke durch und trabte am äußersten Rand unserer Weiden entlang. Der Dänenhengst streckte sich und verlangsamte immer mehr, bis ich ihn zum Schritt parierte und die Zügel wieder lang ließ. Nach einer guten Stunde war ich wieder auf dem Hof, sattelte den Hengst ab, striegelte Aquentino und führte ihn in seine Box. „Alles gut draußen?“ fragte Willi und ich nickte. Er schob die Mistkarre durch die Gasse und fing an bei Mainstream die Box zu säubern. Ich fing gegenüber an und kümmerte mich um Ambers Box. Mia gesellte sich dazu, Abendessen würde heute Tom machen, Leo war drüben bei den Welshis und kümmerte sich um die Stuten Seidenfell, Teutonia, Nikita, Lara und Haselnuss. „Ich würde nach dem Stalldienst gern noch eine Runde mit Aasiyah drehen.“ meinte sie und schwang in deren Box die Gabel. „Ich würd dich gern begleiten, wenn du nichts dagegen hast.“ tönte eine Stimme vom Gang her und wir drehten alle drei die Köpfe. Dave. Er stand einfach mitten im Stall, grinste und hielt sich für unwiderstehlich. Er hatte sich eigentlich erst für morgen Vormittag angekündigt. Der Satz, der mir durch den Kopf schoß war schneller draußen, als ich schauen konnte. Wegen ihm hatten wir die letzten Wochen so zu kämpfen, wegen ihm war alles drunter und drüber gegangen. „Nein, du übernimmst ihre Schicht. Du bist abgelöst Mia, sei so lieb und schau nach Leo, nimm ihn und Lake Mountain mit. Das hat er sich verdient.“ Dabei betonte ich ´übernimmt´ und sah dabei nur Dave an. Der war erstmal perplex, nahm dann aber die Mistgabel von Mia, die mittlerweile genauso verärgert war auf Dave und von dannen zog. Willi erklärte, dass er sich um die Hengste Medivh, Dante und Checkpoint kümmern würde. „Ich sehe später nach ihnen, danke Willi.“ meinte Dave jetzt kleinlaut, drehte sich von mir weg und mistete Cajas Box. Ich wechselte gegenüber zu der von Skadi und fragte dann in einem versucht weicheren Ton, während Dave direkt neben mir eine Gabel nach der anderen in die Karre warf, warum er heute schon hier sei und nicht, wie geplant, erst morgen. Er erzählte etwas von verbuchtem Flug und gewissen, privaten Geschehnissen in England. „Du scheinst dich ja nicht wirklich zu freuen.“ schloss er trocken, hielt inne und stütze sich auf die Gabel. Ich war jetzt wirklich verärgert. Was dachte er sich? Dass er sich nur 2x bei Tom meldet in den ganzen drei Wochen und dann einfach hier aufschlägt und alles völlig in Ordnung ist? Ich atmete durch und warf die letzte Gabel aus Skadis Box in die Karre. „Wir werden zur weiteren Unterstützung zwei weitere Angestellte einsetzen, Leo bekommt wegen seiner guten Leistungen eine Festanstellung und die Wohnung von Susan.“ Bei letzterem drehte ich mich um und sah ihn an. Er wirkte verletzt und merkte erst jetzt, wie sauer ich eigentlich war. „Wir sind in Arbeit abgesoffen, Dave.“Ich knallte ihm den Satz ohne große Emotion. Damit ging ich aus der Box, drehte die Karre und wollte los zum Misthaufen. „Das mit den Pferden hat geklappt.“ meinte er jetzt eisig. Natürlich. Er mauerte, zog sich zurück und war beleidigt. Ich hielt inne. „Wann sollen sie kommen?“ fragte ich jetzt, wieder die nüchterne Geschäftsfrau und Chefin, die ich eigentlich war. „Am Wochenende. Ich werde alles fertig machen, ich habe eben mit Tom gesprochen. Auch, was das Jubiläumsturnier angeht.“ Wenigstens darum musste ich mir keine Gedanken mehr machen. Eigentlich war Dave ganz in Ordnung und ein wahnsinnig guter Mitarbeiter. Wenn er denn kein Chaos gestiftet hätte, bei Susan – und mir. „Weiß er, dass du mitisst?“ fragte ich und rang mit doch ein leichtes Lächeln ab, streiten hasste ich wie die Pest und er würde dann viel eher wieder auf mich zukommen. Aber ich hatte mich geirrt. „Nein, ich werde heute auswärts essen. Ich bin morgen zum Frühdienst wieder da.“ Mir fror das Lächeln regelrecht ein, ich war aber recht schnell wieder Herr meiner Sinne und quittierte das nur mit einem „Ok, ist gut.“ Ich wollte die Karre gerade wieder anschieben, da meinte er, dass er von Tom auch das mit Idefix erfahren hatte. „Es tut mir ehrlich Leid, Luisa.“ „Lass gut sein. Ich will nicht drüber reden.“ So ließ ich ihn stehen.

    Es war still am Abendtisch, keiner sprach oder scherzte herum, wie es trotz dem ganzen Stress die letzten Tage der Fall war. Ruhig sprachen Tom und Mia mit uns anderen die Einstellung der neuen Leute ab und wir entschieden, dass wir alle zusammen die Leute sichtigen würden, damit sie auch auf den Hof passen würden. „Noch ein paar Frauen wären nett. Mia und Luisa seh ich ja kaum...“ witzelte Willi und lockerte damit dann doch die Stimmung. „Zarin geht’s übrigens wieder richtig gut, man sieht kaum mehr was, dass er mal kurz vorm Schlachter war.“ meinte er dann zu mir und ich nickte. Wenigstens dieses Sorgenkind hatte jetzt endlich die Kurve bekommen. „Wer weiß Willi, vielleicht geht er als Deckhengst doch noch auf Reisen. Aber jetzt peppeln wir ihn auch reiterlich erstmal wieder auf.“ „Wenn du magst, würde ich damit morgen gerne anfangen.“ Tom kam in letzter Zeit viel zu kurz, konnte kaum in den Sattel steigen und seiner Leidenschaft, der Dressur, nachgehen. „Ich glaube, das wäre das allerbeste, du hast ihn stärker unter Kontrolle. Und dann nimmst du dir den Rest des Tages frei, kümmer dich mal wieder um Reykja. Ich mag das morgen mit dem Büro. Brauch mal ne Pause.“ Er lächelte dankbar, er machte gerne Bürozeug, aber war auch gern draußen. Dann sprachen wir auch für die anderen die morgige Tagesplanung durch.

    Zwei Tage später wachte ich mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Es war noch dämmrig, ich konnte gerade die Umrisse meines Zimmers erkennen. Heute sollten die beiden Pferde Solsikke und Candy Fireflies ankommen. Erstere, eine Knabstrupperstute, war mir unbekannt, Fireflies allerdings hatte ich vor Jahren schon mal als Fohlen auf einer Schau gesehen und ich war wirklich überrascht, als ich seinen Namen auf den Papieren entdeckte. Ich drehte mich nun vorsichtig um, damit ich Idefix nicht versehentlich weckte. Es wurde langsam immer heller und meine Befürchtung wurde mit jedem Lichtstrahl mehr Realität. Er hatte sich mit dem Rücken zu mir an mich gekuschelt, sein Kopf lag auf den Vorderpfoten, er hatte sich eingerollt und die Augen geschlossen. Ich streichelte ihm das weiche Fell, sein Körper war noch warm, aber viel kühler, als ich ihn über all die Jahre kannte. Auch hob und senkte sich sein Brustkorb nicht mehr, er schnarchte nicht mehr leise vor sich hin und schien doch so zufrieden wie ewig lange nicht mehr. „Mach´s gut mein Kleiner.“ flüsterte ich, drückte mein Gesicht in sein Fell und fing leise an zu weinen.
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  8. Weil ich gerade in der Statik-Vorlesung sitze und mein Skript zu Hause liegt (da liegt es sehr gut! ^^), hab ich mich mal kurz ums Fahrturnier gekümmert (Gewinnerthema folgt noch, da spinnt die kleine Kiste hier immer ganz gern) und dachte, ich setze hier mal einen Blogeintrag. Manchmal braucht es ein komplett anderes Umfeld, um mal das vom Stapel zu lassen, was der ein oder andere nicht mehr hören kann.

    Ich bin Eine der sehr Glücklichen, die sich immer die "Falschen" an Land zieht. Und auch gern die ganz Tollen unter den Männern auf das Übelste vergrault. Manchmal will man meinen, dass ich es gar nicht anders verdient habe ;) Aber jetzt mal zum Chaos, warum ich die letzten Wochen/Monate nicht wirklich geistig da war. Und auch noch nicht bin, wie ich meine.
    Bis letztes Jahr April hab ich mich ganze vier Jahre an jemanden verschwendet, der mir mehr bedeutet hat, als es jemals wer zuvor getan hat und glaub auch je sein wird. Ich hab nie darüber nachgedacht, was mal in 10-15-20 Jahren sein wird. Ich wusste, wenn er sich für mich entscheidet, bleib ich. Egal was kommt. Egal, wer was dazu sagt. Für mich war es "die Liebe meines Lebens" und ich weiß, dass ich ihm in einem Moment wirklich auch etwas bedeutet habe.
    Mehr als eine Affäre ist aber nie draus geworden. Egal, was ich getan oder gelassen habe. Manchmal begegnet einem so ein Mensch eben. Erst vor ca. 3 Wochen hab ich unseren gesamten Whatsappverlauf gelöscht, ihn tatsächlich geblockt und aufgehört, mir über ihn Gedanken zu machen. Das nahm zwar schon das ganze letzte Jahr ab und ist seit seinem Geburtstag Ende März, an dem ich mich das erste Mal nicht mal mehr gemeldet habe, auch so gut wie überhaupt nicht mehr der Fall gewesen. Kontakt haben wir seit Anfang November 16 schon nicht mehr.
    Warum es nicht über dieses "Ab und An sehen" hinaus ging?
    Der Grund ist ganz einfach: Liebe ist nicht alles. Es gehört so viel mehr dazu. Auf meiner Seite war ich bereit dazu, die Konsequenzen zu tragen. Das hätte für mich geheißen, keine Kinder zu kriegen und in ca. 20 Jahren wieder alleine zu sein. Unser Altersunterschied wär nämlich höher, als ich selbst alt bin. Er seit Jahren geschieden, zwei Kinder. Das hört sich vielleicht für viele total schockierend an, funktionierte aber bei ganz vielen meiner Freunde wunderbar. (Und auch bei uns, in manchen Momenten. Ich habe ein paar Erinnerungen, die für immer zu meinen Glücklichsten gehören werden) Allerdings nur dann, wenn beide Partner zueinander stehen.
    Ich wünsche niemandem auf dieser Welt diese Erfahrung, jemanden so sehr zu lieben, dass man ihm überall hin folgen würde und selbst ist man diesem Menschen nicht im Ansatz so viel wert. Die Hoffnung, dass er sich nur aus Liebe zu mir nicht für mich entscheidet (eben wegen den Konsequenzen) habe ich aufgegeben. Ob es so ist? Ich werde das niemals von ihm erfahren, als würde er mir das sagen.

    Vielleicht war das aber die Prüfung, für etwas, was ich noch nicht verstehen mag. Alles im Leben hat seinen Sinn und mit dieser Ansicht habe ich heute meinen Frieden gefunden. Wir werden uns hoffentlich nicht wieder sehen in diesem Leben. Denn das würde bei mir doch noch Narben aufplatzen lassen, mit denen ich heute ohne Hilfe mehr als nur gut umgehen kann. Ich bin tatsächlich drüber weg und mir geht es so gut wie seit 2012 nicht mehr.
    Ich kümmerte mich um mich, ging zum Sport, lernte neue Leute kennen. Darunter auch meinen "Exfreund", eine Liason, die gerade einmal 8 Wochen hielt. Er ohne Schulabschluss und abgebrochener Lehre, ich mit Gesellenbrief, BOS-Abi und Studentin. Wir waren wie Tag und Nacht, fanden keinen Nenner, außen den Sport. Ich mag ihn noch heute sehr, auch wenn seither kein Kontakt mehr da ist, außer einem "Hallo", falls ich mal wieder trainiere.

    Es ist Ende August. Ich 2 Monate vor meinem 25. Geburtstag und habe angefangen, genau zu überlegen: Was will ICH eigentlich wirklich in diesem Leben? Beruflich habe ich immer gewusst, wo hin es geht. War ein Weg gegangen, sah ich sofort den Nächsten. Bei den Männern ließ sich nichtmal ansatzweise ein Schema erkennen. Bis zu dem Punkt: Ihr Lächeln ist immer das Selbe gewesen. Verliebt. Selbstverliebt. Selbstbewusst.
    Warum immer die, die mir auf kurz oder lang eh mit irgendwas an die Karre fahren? Egal, wie sehr ich mich für sie verbiege?
    Und da war der Punkt, den ich so lange gesucht habe: Warum ist es gescheitert? Weil ich irgendwann etwas gemacht habe, nachdem ICH mich gesehnt habe. Mit größter Rücksicht allem nachgegeben, was ER wollte. Und dann nehme ich mir eine Sache raus, bitte um einen Kompromiss - und bekomme ihn nicht, sondern nur wieder mein "Dauersingleleben".
    Mit der Trennung von "meinem Alten", wie er liebevoll von mir bezeichnet wurde, das Aufatmen: Was jetzt? Ich kann ein Haus bauen, Kinder kriegen, Erfahrungen sammeln, MIT jemandem alt werden. Und mein Herz: Ja, genau das ist es. Ich lese einen Artikel über eine Liste. Eine Liste an Dingen, die ich mir wünsche, die ein Mann erfüllen MUSS, weil es sonst nie funktionieren wird mit mir. Ich will eine Partnerschaft, keine Dienerschaft. 25 - es hat lange gedauert.

    Mit diesem Wissen, mit Tagebucheinträgen nur für und über mich ging es in einen neuen "Lebensabschnitt". Ich fange in einem Büro an, arbeite neben dem Studium (das absolut klasse läuft und mir SO viel Spaß macht), stehe als Lehrerin ab und an zum Spaß vor der Klasse, gehe auf und bin glücklich.
    Da steheln sich klammheimlich drei Männer in mein Leben, ich kann endlich differenzieren. Dachte ich.
    Ich glaubte, endlich zu "sehen", mein Herz in Einklang zu bringen mit dem, was ich mir vorher dazu gedacht habe. Und verliebe mich. Weiß nicht mehr, wo oben und unten ist.
    Wir sehen uns ca. 1x die Woche, beruflich, nicht privat. Er kann sich genau an Prüungen erinnern, fragt nach meiner Familie, erkundigt sich nach meinem Wesen, wie ich bin. Endlich jemand, dem es um mich geht, der wissen will, wer ich bin. Es ist so harmonisch wie noch nie zuvor.
    Bewusst gewollt war es damals aber nicht, wie ich heute weiß. Selbst im Chaos, trennte sich gerade nach jahrelanger Beziehung. Ich tat ihm gut, was auch vollkommen in Ordnung ist, steigerte aber meine Hoffnungen damals sehr. Ich weiß auch, dass ich nicht ganz unrecht hatte mit meiner Gegenseitigkeit, aber der Moment war so vollkommen der Falsche, ihm zu beichten, dass ich Gefühle für ihn hege. Von der Freundin, der Trennung, erfuhr ich erst später, hatte ich nicht geahnt und ihm somit auch niemals gestanden. Ich hätte die Chance gehabt, alles zu werden - nur nicht seine "letzte Freundin".
    Ich steckte meinem Schwarm einen Brief zu (weil wer bekommt denn mit Mitte 30 noch nen Liebesbrief ;)) , zwei Wochen, nachdem mir selbst jemand sagte, dass ich ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen würde. Wie sehr würde ich mir über die kommenden Monate dafür "in den Hintern beißen", mit diesem Mann nichtmal einen Kaffee getrunken gegangen zu sein... Ich machte die selben Fehler, wie zuvor, ich hatte nichts dazu gelernt. Wie sehr würde ich ihm heute gerne sagen, dass er mich dadurch aus den Selbstzweifeln gezogen hat. Man muss mir aber lassen: Ich hab zumindest seine Gefühle nicht mehr verletzt, als unbedingt nötig... Da bin ich dann doch recht gut drin, auch wenn es hart war für ihn und ich es ihm noch länger angesehen habe... :(
    Und was war mit meinen? Ich erfuhr von der Trennung, wartete zumindest auf einen Kaffee, ein Gespräch und die Möglichkeit ihn als Freund kennen lernen zu dürfen. Wir kamen auch monatelang gut mit dieser schwebenden Zwischenlösung aus. Ich wusste: Er braucht einfach Zeit. Aber nicht für mich.
    Er machte mir am Ende noch einmal Hoffnungen, als ein guter Freund schon längst zu mir meinte: Er hätte schon lange etwas gesagt, auch wenn er nichts wollen würde, sofern er dich respektiert und schätzt. Aber er tat es nicht. Auf den Korb gefasst nahm ich also von Mann zwei von diesen dreien genau diesen bei einem Telefongespräch (nach zweimaligem Versetzen) diesen entgegen. Das ist gerade einmal drei Wochen her.

    Hätte mein guter Freund mir nicht schon vor 2 1/2 Monaten oben genanntes gesagt, würde ich noch lange knabbern. So aber nicht. Ich machte einen Schritt zurück, ließ nochmal alle Begegnungen im Kopf laufen und merkte: Ich habe keine Chance. Fing wieder an, mich zu fragen: Ist ER derjenige, der "Richtige"?
    Die Antwort lautete ganz klar: Nein. Nicht im Geringsten.
    Ich setzte die rosarote Brille ab und verglich uns beide. Ich, die als Wikingerbraut Motorrad fährt, sich keine Gedanken über Luxus oder Ränge macht, ehrlich liebt und nicht überlegen möchte, ob ihr Wesen genau so zu Tage tritt, damit sich keiner daran stößt.
    Er stotterte, dass er sich gerade nichts vorstellen kann, dass da nix war und hinterließ in mir das Gefühl, dass er mich die ganze Zeit nur angelogen hat. Beim nächsten Aufeinandertreffen, als wäre nichts passiert, kein Respekt vor meinen Gefühlen oder gar meiner körperlichen Distanz (steht nur sehr nah bei mir, trotzdem wahrt man da mehr Raum). Wieder viel zu lieb, viel zu interessiert für jemanden, dem man gerade nach so langem hin und her ne Abfuhr verpasst hat. Ich wiege den Brief und das, was ich dafür erhalten habe gegeneinander auf - und riegele total ab. Schüttle ihn ab und sehe quasi sofort wieder gerade aus. Ich werde ihm niemals mehr vertrauen können und damit war es für mich auch irgendwie gut.

    Ganz ohne "Hilfe" ging es aber nicht ganz. Denn es bleibt ja der Dritte... ;)
    Im November das erste Mal getroffen, ein Kommilitone meines Hauptfaches, drei Jahre über mir, beendet also im Februar seinen Master und geht ins Ref. Er gibt mir ein Skript, wir reden vielleicht fünf Minuten und sehen uns bis April nicht mehr. Hätte er damals schon etwas gesagt, hätte er wegen meiner sinnlosen Schwärmerei ebenfalls ein Nein zu hören bekommen. Denn genau diese fünf Minuten haben gereicht, dass er sich vollends in mich verliebt. Über FB hatten wir indirekt schon eher leichten Kontakt, wussten voneinander. Im Dezember verabredeten wir uns in der Gruppe fürs Tollwood, am selben Abend hatte ich einen Unfall mit dem Dienstauto im Büro (nichts wildes) und komme deswegen nicht. Er steht an dem Abend hoffend eine ganze Stunde und wartet auf mich. Hätte ich das irgendwie nur geahnt, hätte ich mich gemeldet. Aber wenn nur ich in der Gruppe nicht erscheine, dachte ich, wäre das nicht so wild. Tja.
    Dann Anfang April, ich frage nach einem Skript. Er meldet sich sofort in der Gruppe, wir treffen uns. Reden ca. 1 1/2 Stunden dieses Mal, verstehen uns gut. Dann nach ca. 3 Wochen, von ihm: Hey, ich hätte da noch was für dich. Wieder ein Treffen, dieses Mal dauert es etwas länger, bis wir uns sehen, haben beide viel zu tun. Ich überlege nicht, wie ich was sage, bin einfach. Ahne noch nichts, wir reden ganze 2 Stunden über die Uni, die Ref-Schule und fangen an über Whatsapp zu schreiben. Wir verstehen uns immer besser, merken: Wir haben nicht nur viele, sondern fast alle Gemeinsamkeiten. Lachen zusammen beim Essen in der Mensa, fahren füreinander extra da hin, um uns zu sehen. Er erschleicht sich ganz langsam durch sein Verhalten mir gegenüber mein Herz. "Verdient" es sich.

    Sonntag treffen sich ein paar in der Stadt zum Baden, ich lade ihn ein, doch einfach mit zu kommen. Zum Abend hin lösen wir uns auf, bleiben als Einzige zurück. Zusammen laufen wir durch den kompletten Englischen Garten, er schlägt vor, noch vor der Fachschaftssitzung was zusammen zu kochen. Er würde mir nur eben schnell die Studentenstadt zeigen, damit ich weiß, wo ich morgen hin kommen soll... ;) Ich grinse, als ich in seiner 12qm Bude stehe und wir bis spät in die Nacht reden. Dann schlägt er vor, dass ich auch gerne bleiben könne (ich selbst brauche gut eine Stunde aus der Stadt raus zu mir heim). Bis ich seine Hand nach einer kurzen Berührung fest halte wahrt er bis zum Schluss absolute Distanz wie kein Zweiter und meint dann, dass er meinen Charakter am liebsten mag.

    Da steht er und ist plötzlich da.
    Und seit dem Moment mein Freund.

    <3
    adoptedfox, Calypso, Sosox3 und 7 anderen gefällt das.
  9. „Ja warum denn nicht? Damit kommt das Gestüt auch zu einem Namen!“ hatte ich am Dienstag gemeint, als ich Dave die Bewerbungen für Fleming und Mon Amie vorlegte. Aktuell liefen die Hengst- und Stutenwahlen. Eine besondere Auszeichnung für schon gekrönte und gekörte Stuten und Hengste. „Vor allem, wenn sie mehrere Pokale einheimsen. Wenn das mit Socke, Possy und Amber jetzt demnächst klappt, gehen die auch raus.“„Das wird stressig Luisa. Ich bin jetzt die nächsten zwei Tage auf einer Fortbildung und das Osterfahrturnier findet statt...“ warf er ein. Er würde also vermutlich nicht aus können. „Kaum bist du wieder fit.“ schalte er mich und ich runzelte die Stirn. Dann lächelte er und ich konnte ihm nicht böse sein. Er hatte schon genug Ärger, da kam ich ihm auch noch mit den Hengstwahlen. „Ich würde Fleming einfach gern wieder vorstellen wollen… Der Arme versauert seit seiner Krönung.“ Da fing er an zu grinsen. Och nö, nicht schon wieder dieses Thema. „Ach, versauern nennst du das?“ feixte er und ich wusste was jetzt kommen würde. „Wie viele Stuten hat er seither gedeckt? 20? 30?“ „19 Dave. Übertreib mal nicht.“ Ich verdrehte die Augen gen Decke und schnappte mir die Formulare. Mir war es ziemlich peinlich, mit ihm darüber zu reden, wo es mir doch sonst nichts ausmachte über Zuchtpläne zu sprechen. „Dann frag ich eben Mia für Mon Amie.“ Gekonnt schnitt ich ihm das Wort ab, bevor er eine der Andeutungen machen konnte. Seit letzter Woche hatte sich die soziale Lage etwas beruhigt,vor allem, da Susan nicht auf dem Hof war. Nach ihrem Wochenende kam sie nicht zurück. Sie sei angeblich krank, habe sich wohl bei mir angesteckt. Dave hatte bei der Meldung betreten in den Boden gestarrt. Er machte sich selbst Vorwürfe, weil er ihr am Freitag klar eine eindeutige Antwort gegeben hatte, als sie ihn wieder einmal bezirzte. Zum genauen Inhalt des Gespräches schwieg er sich aber verhement aus und ich hatte weiß Gott zu viel Anstand, ihn näher danach zu fragen. Das ungute Gefühl, dass es damit nicht gewesen sein kann, blieb aber auch bis heute. Donnerstag. Dave würde heute Nachmittag wieder zu Hause sein und alleine die letzten Vorbereitungen für das Fahrturnier treffen müssen. Mia hatte mir freudestrahlend zugesagt, sie liebte Amie und stand jetzt striegelnd in deren Box, als ich jetzt zu ihr stieß. „Sie hat noch nicht ganz aufgefressen.“ meinte sie, die Sättel und Trensen hingen geputzt und ordentlich verstaut schon ihm Hänger. Es war 6:30Uhr morgens, den Stalldienst würden heute Tom, Leo und Willi gemeinsam übernehmen. Den Rest des Tages waren nur noch Anmeldungen entgegen zu nehmen und die letzten Vorbereitungen für das Wochenende zu erledigen. Ersteres übernahm Tom, letzteres Willi und Leo. Vor allem auf Leo war ich ziemlich stolz, er würde das erste Mal mit Heros und Medivh teilnehmen, Dave hatte ihm in den letzten Wochen viel beigebracht. Er stand auch ganz kurz vor dem Ende seiner Ausbildung zum Pferdewirt und würde auf dem Hof bleiben. Wir hatten für das Wochenende auch einige Helfer eingestellt, viele Freunde von benachbarten Höfen kamen und würden uns unter die Arme greifen. Es war nicht das erste Turnier auf dem Gestüt und auch nicht das Größte. Ich war mir sicher, dass irgendetwas schief gehen würde, ganz egal, wie gut wir es planen würden. „Ich werde bis 7:00 mitmisten, dann mach ich mich an Fleming. Lass dir ruhig Zeit, wir haben ja schon alles vorbereitet.“ Wenn alles gut lief, würden wir als dritte und vierte Reiterin starten, also schon bis ca. 11Uhr mit den Prüfungen durch sein. Da in der Saison noch recht wenige gemeldet hatten, würden wir bis spätestens 15 Uhr wieder zurück auf dem Hof sein. Der abendliche Stalldienst war dann nur von Mia und mir zu erledigen, der Rest würde sich um das Turnier kümmern. „Ich lasse die Hengste nach draußen Willi, dann haben wir die Boxen leer!“ rief ich nach hinten und klinkte einen Führstrick nach dem anderen in die Halfter. Mit vier Pferden, zwei auf jeder Seite, lief ich auf die Weide, ließ die Jungs laufen und kehrte zurück. Die Stuten durften ebenfalls nach draußen, der Stall war innerhalb von 20min leer. Ich fütterte noch die Fohlen, bevor ich mich zu Fleming aufmachte. Mia stand mit Mon Amie schon in der Stallgasse, bürstete Schweif und Mähne noch einmal durch. Wir hatten die Pferde gestern gewaschen, die Mähnen verzogen und die Schweife eingebunden, damit wir nicht mehr zu viel zu tun hatten. Wir flochten die Mähnen frisch ein, putzten das Fell, kratzten die Hufe aus und ölten diese. Da standen sie nun, gegen 8 Uhr, zwei wunderschöne, braune Pferde in sauberem Turnierdress. Beide bekamen die schwarzen Fleecedecken mit dem Naundorf-Siegel und dem weißen Besatz über geworfen, kurz vor dem Hänger die Gamaschen an und wurden hinaufgeführt. Fleming folgte Mon Amie brav, zum Glück rosste diese im Moment nicht. „Klappe zu, schnell umziehen und los!“ meinte Mia und ich sah nochmal kurz nach Idefix. Der Kleine ruhte sich immer noch aus, war aber wieder fitter, was es mir leicht machte, ohne große Sorgen vom Hof zu fahren. Wir fuhren eine gute Stunde, bis wir ankamen und die Pferde wieder entladen konnten. Wir banden diese nicht wie sonst am Hänger an, sondern wurden von der Besitzerin des Hofes, die die Wahlen abhielt, in den Stall geführt. „Die hinteren zwei Boxen, ihr seid um 10:00 beide dran. Haben das gut getaktet!“ meinte Brace freundlich und wir bedankten uns. „Also doch nicht gegenseitig zusehen!“ lachte Mia, wir waren aber beide heilfroh darüber. So konnten wir vielleicht schneller zurück zum Hof. „Ich gebe zu, es ist etwas stressig. Aber wie wird das, wenn es mit der Saison richtig los geht?“ „Vor allem, weil uns ja jetzt noch jemand im Personal fehlt.“ Ich ließ es unkommentiert. Mia und ich verstanden uns ohne Worte. Die Arbeit schien uns über den Kopf zu wachsen. Vielleicht war das mit der Wahl doch so keine gute Idee gewesen. Wir machten die Pferde fertig und ritten dann doch lachend auf dem Platz warm. Nein. Es war eine gute Idee gewesen mit meiner besten Freundin und zweien unserer besten Pferde auf ein Turnier zu fahren. Endlich konnten wir abschalten, uns freuen, zeigen, was wir so gut konnten. Mia würde Amie in der Dressur vorstellen, ich Fleming im Springen. „Ich wünsch dir viel Glück!“ „Danke, dir auch! Halt dich fest im Sattel, der Gute hat das Funkeln in den Augen, ich sehs!“ lachte Mia und ritt dann vor mir vom Platz. Ich hörte noch die Ansage aus der Halle: „Die nächste Reiterin kommt vom Gestüt Naundorf...“

    Luisa? Die Richter lassen auf den Platz bitten!“ Brace winkte mir, sie war herüber gelaufen und stand gegenüber des Abreitplatzes. Ich nickte nur und ritt Fleming dann im zügigen Schritt hinüber. Ich gurtete kurz vor dem Start noch einmal nach, fasste die Zügel kürzer und trabte Fleming an. Zwischen den Hindernissen hindurch, deren Plan ich vorher noch einmal mit Brace durchgegangen war, ging Fleming in Anlehnung, ließ sich brav auf X halten und ich die Richter ordnungsgemäß grüßen. Die Ansage informierte die Zuschauer über unser beider Herkunft, dass ich als Gestütsleitung und Züchterin aus der Region stamme und Fleming ein Zögling meiner langjährigen Zucht sei. Von Ravallo aus der Mystical Star… Es kam mir wie gestern vor, als ich Ravallo das erste Mal als Fohlen gesehen hatte und jetzt ritt ich seinen so unauffällig gefärbten Sohn auf seiner ersten Hengst des Monats-Wahl. Ich hatte ihn aussitzend angetrabt, eine Runde geritten und ihn dann angaloppieren lassen. Mia hatte Recht behalten, Fleming war ziemlich spritzig und ließ sich die ersten Sprünge nur schwer zurück nehmen. Seine enorme Kraft und Präzision ließ er aber nicht auf der Strecke, was einigen Züchtern unter den Zuschauern durchaus auffiel. Ein paar raunten, als er viel zu weit ansetzte und das Hindernis trotzdem sauber überflog, bei der Kombination aber musste ich ihn mit der Stimme zusätzlich ausbremsen, sonst hätten wir mindestens das letzte mitgenommen. Ich trieb ihn vorsichtig an das nächste Hindernis, einen Oxer, und nahm ihn dann wieder zurück. Fleming war trotz allem wirklich sehr treu und besannte sich dann auf der Hälfte der Kür zu seiner Ausbildung. Er schnaubte laut ab, warf die Vorderhand nicht mehr so und legte den Rest der Prüfung wirklich lehrbuchmäßig hin. Einen der vorletzten Sprünge ließ ich ihm dann mit lockereren Zügeln, den Wassergraben. Der war auf dem Platz keine Attrappe, sondern zu meinem Erstaunen eine Festinstallation. Im leichten Galopp umrundeten wir die bereits gesprungenen Hürden und hielten auf die letzten Sprünge zu. Er landete sauber, griff weit aus und ließ sich dann in einem sauberen Galopp durchparieren zu Mitteltrab und Schritt. Ich ließ ihm lange Zügel, die er zufrieden kauend aus der Hand zog und schritt die letzte große Runde. Ich hielt wieder auf X und verabschiedete mich von den Richtern. Da wir ein paar persönliche Worte zur Teilnahme an der Wahl an die Richter wenden sollten, erklärte das übliche und entschuldigte mich im gleichen Zuge für die übermütige Vorstellung. Ich sei lange krank gewesen und mein Partner sehr übereifrig. Ein paar Lacher gingen durch die Zuschauer, als ich ein betretenes Gesicht machte und abschließend noch einmal grüßte, bevor wir den Platz endgültig verließen.
    *Link Teilnahme*


    Als ich auf den Abreiteplatz ritt, war auch Mia wieder da. Sie lächelte vor sich hin, bevor sie mich bemerkte, sie schien wohl sehr zufrieden mit sich und Amie zu sein. Die Stute reckte den Hals und wieherte jetzt. Fleming spitzte die Ohren und schlug mit dem Schweif. Aha. Also war die Rosse doch nicht mehr weit. „Na? Scheint gut gelaufen zu sein!“ rief mir Mia entgegen, die Amie souverän unter sich hielt. Solange Reiter auf den beiden Pferden saßen waren sie wirklich wahnsinnig verlässlich, das musste man den beiden Braunen wirklich lassen. „Warum das, hast du doch zugesehen?“ „Nein, dein Dress ist nicht voll Sand!“ Mia brach in schallendes Lachen aus, als ich das ganze nur mit einem „Haha!“ quittierte. Aber ja, sie habe Recht gehabt, am Vortag Springen zu üben wäre durchaus nochmal eine gute Idee gewesen. Und ja, ich würde Fleming später auf die Weide schicken, damit er sich austoben könne. Zusammen ritten wir in die Stallungen, versorgten die Pferde, verstauten das Sattelzeug und holten die vorläufigen Bestätigungen ab. Da nicht alle Teilnehmer an einem Tag reiten würden, würden wir die Preisverleihung erst später feiern, die Ergebnisse kämen online. „Früher war das irgendwie anders. Da kamen gleich so viele, dass am selben Tag die offizielle Auswertung statt finden konnte.“ murmelte ich Mia zu, als wir schon im Auto auf dem Heimweg waren. Ich sah auf mein Handy und hatte mehrere Nachrichten, mitunter von Tom und Dave. Letzterer hatte geschrieben, dass er ab Mittags auf dem Heimweg sei und Tom, dass alle Anmeldungen voll wären und sonst alles klappe. Also doch mal ein ordentliches Turnier.
    Wir waren wirklich erst gegen 15:30 zu Hause, versorgten die Pferde, misteten die Ställe und kehrten die Gasse. Erst gegen 18:30 waren Mia und ich mit allem fertig, liefen zusammen mit Willi und Leo den Parcour für das Fahren ab und besprachen den Tagesplan für morgen. Zu viert gingen wir hinüber in die Küche, in der es nach leckerem Essen duftete. Tom hatte Pfannkuchen gemacht, für die Jungs auch welche mit Speck und Lauch. Dave war seit einer guten Stunde zu Hause und telefonierte gerade, als wir den Tisch hinrichteten und uns Tom zu unserem Tag befragte. Dave stieß dazu, als sich Mia gerade wieder über Fleming ausließ und ich lächelte. Dave grinste und wir sahen uns kurz an, als er sich hinsetzte und nach dem Teller mit den Pfannkuchen griff. „Fast hätte ichs vergessen. Brace hat auf ihrer Internetseite den Bericht der Dressur veröffentlicht, Marcel hat mir vorhin den Link zugeschickt. Warte, ich hab ihn ausgedruckt.“ Tom war in Sachen Dressur immer ganz vorne dabei, betreute auch unsere Internetpräsenz und veröffentlichte regelmäßig Berichte über das Alltagsleben und die Turniere. Ein hübsches Foto von Mia und Amie im Mitteltrab prangerte über der Seite, darunter ein mehrzeiliger Bericht der Dressurschau Regional.

    Mit der lauten Ansage, die nächste Reiterin sei jemand vom bekannten Sportzentrum Naundorf, das auch sehr große Bekannt- und Beliebtheit in der Zucht in der Region hält, ritt die blonde, souveräne Mia Andalik in die Halle, unter ihr die neueste Prämienstute. EBS Mon Amie hieß die Braune, die die Prüfung in der Dressur ablegen sollte und im Mitteltrab sauber die Bahn entlang schritt. Ihre Farbe ließ so gar nicht auf ihre Abstammung schließen, eine Fügung, die nicht das erste Mal auf dem Gestüt vorkam. Der Sprecher stellte die Stute als Nachkommin der Valentine´s Ka Zee Bonanza von Darym vor, eine beiderseits edle Linie aus gekreuzten Holsteiner-Pintos. Geschlossen blieben die beiden stehen, streng nach Vorschrift und hübsch anzusehen grüßt die Reiterin die Richter auf der Seite der Zuschauer. Das besondere der Kür war die freie Wahl der Abfolge, die Halle war ruhig. Mit dem Gongschlag wurde also eröffnet und die schmale Stute galoppierte korrekt aus dem Stand auf die rechte Hand. Ein raumgreifender, aber nicht so weit fassender Galopp auf dem oberen Zirkel, ein sauberer, fliegender Wechsel auf X und das Hindurchparieren nach einer Runde auf dem unteren waren die nächsten Geschehnisse. Fleißig notierten die Richter, bis zu diesem Punkt eine sehr schöne Vorstellung der Zuchtstute. Mit nur einem Fohlen war diese hauptsächlich noch im Turniersport zu finden, was man dem Gespann auch durchaus ansah. Sauber hielt EBS Mon Amie unter ihrer Reiterin, ließ sich rückwärts richten und aus dem Stand antraben. Eine Traversale klappte zwar zögerlich, aber über die Diagonale hinweg zunehmend flüssig. Durch die Versammlung in Schritt und Trab sammelten die Naundorfteilnehmer zusätzlich Pluspunkte, die Stute würde durchaus gute Nachwuchstalente in diesem Bereich hervorbringen und sollte jedem Züchter in der Dressur im Hinterkopf bleiben. Es bleibt abzuwarten, ob die drahtige Schönheit auch ihrer Eltern Jacket weiter vererben wird, eine interessante Kombination aus Veranlagung und Talent. Zuletzt bleibt die ruhige Hand Frau Andaliks zu loben, die ebenfalls zu ihrer letzten Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht hat und für die kommende viel verspricht. Es bleibt zu hoffen, dieses Team auch öfter noch zu bewundern, während sie für diese Kür mit dem Richtergruß und im Schritt am langen Zügel erstmal wieder Abschied nehmen.“
    *Link Teilnahme*

    Dave grinste vor sich hin, während Tom den Artikel vorgelesen hatte und die leichte Kritik an Mia und Amie zur Sprache kam. Die blieb nach außen hin gelassen, aber wir alle kannten die Verfasserin. „Die Gruberin hat´s geschrieben.“ meinte Tom trocken, legte das Blatt auf den Tisch und Mia dann den Arm auf die Schultern. „Ich bin echt stolz auf dich! Des bissle Kritik, jeder der die kennt weiß doch, dass das net ohne geht!“ „Danke Tom!“ lächelte Mia und nahm ihn in den Arm. „Ich muss zugeben, dass ich noch nie einen so netten Bericht von ihr gehört habe.“ legte Leo drauf und feixte mit Dave um die Wette. „Ihr zwei...“ murmelte ich und grinste mit. „Mia, ich sag dir, die rennen uns die Bude ein wegen Amie. Vor allem, wenn sie hören, von wem ich sie demnächst decken lassen werde...“ meinte ich verschwörerisch und die anderen sahen mich neugierig an. Unter den Nachrichten auf meinem Handy war mitunter die Bestätigung, dass Painted Blur auf den Hof kommen wurde. „Nicht dein Ernst!“ Mia war total aus dem Häuschen. Seit Cadoc damals eingegangen war und Calina nicht mehr in der Zucht, hatte es keinen mehr in der Linie gegeben. Die Kreuzung mit der Prince-Linie war eine Traumkombination, der wir schon lange hinterher schmachteten. „Ja dann, mach ich mal ne Flasche auf!“ warf Willi dazwischen, der noch die alten Zeiten kannte und zusammen stießen wir an. „Auf uns, auf´s Wochenende!“ Jeder für sich nippte für den Moment still an seinem Glas. Nur Dave und ich sahen uns schweigend an, bevor wir uns wieder angrinsten.
    Veija gefällt das.
  10. Ich verzog das Gesicht, als der Wecker klingelte, aber nicht, weil ich aus dem Bett musste, sondern weil mich seit Tagen schlimme Halsschmerzen plagten. Irgendwas mit den Mandeln. Ich konnte kaum den Kaffee trinken, den ich auch für den Rest der Belegschaft frisch aufgebrüht hatte und auch die Stimme versagte ihren Dienst immer wieder. Ich schrieb mit Kreide die heutigen Aufgaben an die Tafel, als Willi zur Tür rein kam. „Morgen!“ meinte der in seinem muffeligen Ton, ich nickte ihm nur zu. „Immer noch Halsweh?“ meinte der dann doch mitfühlend und ich nickte noch einmal. Genau in dem Moment kam Dave zur Tür rein, der jetzt seit gut zwei Monaten hier arbeitete und diese Woche auf den Hof gezogen war. „Geht schon, danke“ krächzte ich und räumte den Frühstückstisch hin, während sich die beiden Männer an den Tisch setzten und über die Weiden sprachen. Allmählich kamen auch die anderen: Tom, Mia, Susan und Leo. Nachdem ich die erste heiße Tasse Kaffe intus hatte, konnte ich leichter reden und erklärte mit wenigen Worten die Aufgaben. Leo würde heute mit Willi die hinteren Weiden kontrollieren und ein altes Gatter neu einhängen, Mia und Susan würden sich um die Fohlen kümmern und sich dann den täglichen Aufgaben des Berittes annehmen. Dave würde mit mir und Willi vormittags im Stall klar Schiff machen, während sich Tom an die Büroarbeit machte. Nachmittags, wenn Willi mit Leo unterwegs wäre, würden wir uns um Spring- und Dressurtraining kümmern. „Tom übernimmt Webster und Reykja, die beiden müssen wir mal ein wenig pushen, damit in der Saison auch das Dressurstandbein stärker wird. Wir sind im Fahren und im Military sehr sehr gut, aber nur dafür ein Aushängeschild zu sein, öffnet uns zu wenige Tore in die S-Klassen.“ meinte ich ruhig und hustete dann doch. „Dave wird mir heute Mainstream und Amber abnehmen, für´s Springen bin ich die Woche noch nicht fit genug.“ Dave nickte und lächelte. Er hatte sich in meine Cremellostute regelrecht verliebt und träumte jetzt schon von ihren ersten Fohlen, am besten mit seinem frisch gekrönten Hengst Heros. „Ich selber werde Skadi in der Dressur fördern, sie ist noch sehr niedrigklassig und leicht zu reiten.“ meinte ich weiter und richtete das Wort eher an Tom. „Ist in Ordnung. Kommst du mit in den Stall?“ „Nachdem ich hier aufgeräumt und nach Idefix gesehen habe komme ich euch hinterher.“ Susan erzählte danach von ihren Prüfungen und wie es derzeit mit den Fohlen lief. Sie himmelte dabei heimlich Dave an, allen war ihre große Zuneigung zu ihm längst aufgefallen, vor allem Leo. Dave nickte nur, lächelte freundlich und klemmte sich dann den letzten Rest seines Honigbrotes in den Mund, bevor er das Kammerl verließ. „Man, Susan. Wegen dir kann Dave nichtmal in Ruhe frühstücken.“ meinte Willi dann ganz ungeniert. Leicht beleidigt, weil ihr Schwarm einfach so abgerauscht war, strich sie sich ihre Semmel. „Kümmer dich doch um dein Zeug Willi.“ erwiderte sie trotzig. „Schluss mit dem Kindergarten. Ihr kennt Dave doch, immer auf Achse.“ Tom. Er hatte es dick, wenn in der Früh schon Unfrieden auf den Hof kam. Dann wandte er sich an mich: „Lass stehen Luisa. Ich mach das schon. Geh rüber.“ Dankbar lächelte ich ihm zu und ging Dave hinterher in den Flur ins Hauptzimmer. Dort am Ofen hatte Idefix sein Körbchen. Er wurde in letzter Zeit immer schwächer, die letzten kalten Tage im Februar hatten ihm stark zugesetzt und er hatte sich trotz der ersten sommerlich, warmen Frühlingstage nicht wieder erholt. Der Tierarzt war letzte Woche hier und sehr deutlich: Wenn sich Idefix nicht in den nächsten Tagen deutlich erholen würde, sähe er keinen Ausweg mehr. Er war mittlerweile auch schon 12 Jahre alt, für einen Jack Russel eigentlich noch nicht sehr alt, allerdings war auch seine Mutter Paddi nur 10 Jahre alt geworden. Zu meinem Erstaunen saß Dave neben dem Körbchen und kraulte den weißen Rüden. „Er sieht besser aus. Schlapp und müde, aber deutlich besser.“ „Na mein Schatz, wie geht’s dir? Ja, komm her, lass ich in den Arm nehmen.“ flüsterte ich Idefix zu, der mir vorsichtig die rechte Backe ableckte, nachdem ich mich im Schneidersitz neben Dave gesetzt und meinen Hund auf den Schoß gezogen hatte. „Wenn du nur mal so mit mir reden würdest.“ scherzte Dave und streichelte Idefix über den Kopf. Ich zuckte innerlich zusammen. Solche Dinge sagte er mir in letzter Zeit häufiger. „Das ist nicht witzig Dave.“ sagte ich doch recht kühl und kraulte Idefix den Bauch. Der lag jetzt in meinem Schoß und schien sich wirklich langsam zu erholen. „Entschuldige.“ sagte der jetzt ernst, ein wenig Bedauern schwang in seiner Stimme mit. „Außerdem weißt du, dass das nicht geht.“ Ich hob Idefix wieder zurück in sein Körbchen und breitete die Decke über ihm aus. Er kuschelte sich ein und sah mich von unten mit runden Augen an. Ich streichelte nochmal über seinen Kopf, dann sah ich Dave an. Der hatte die Strin gerunzelt. „Ich würde mit Susan in Teufelsküche kommen.“ Da verdrehte er seine hübschen blauen Augen, die auch mich nicht ganz unberührt gelassen hatten, seit er vor einigen Wochen das erste Mal vor mir stand. „Ehrlich Dave, du musst Susan da mal klar sagen, dass es so nicht weiter geht. Tom ist grad nach deinem Abflug in die Presche gesprungen. Und ich möchte mich da nicht einmischen.“ Ich stand nun auf, er tat es mir nach. „Warum das?“ überging er meinen Tadel und sah mich auf einmal sehr durchdringend an. Ich schwieg zwei Sekunden, rührte keine Miene und meinte dann: „Klär das!“ Und grinste dann doch. „Ok, ist in Ordnung, ich rede später mit ihr.“ gab er dann lächelnd nach, sah dabei aber auch schuldbewusst auf den Boden. „Ciao Kleiner!“ zwinkerte ich Idefix zu und bat Dave dann, mir zu folgen. „Tom war so lieb, den Küchendienst zu übernehmen. Er war gestern lange fleißig, Bürokram wird heute kaum anfallen. Da hat er endlich genügend Zeit für Webster und Reki.“ „Letztere macht sich auch langsam richtig, richtig gut, ich hab ihm erst zugesehen, er hat ein Händchen, den Jungpferden die Lektionen schnell anzutrainieren.“ „Und sie sauber abrufen zu lassen und sie zu korrigieren. Ohne Tom wären wir wohl wirklich aufgeschmissen. Wir denken aber trotzdem darüber nach, einen zweiten Korrekturreiter einzustellen. Was meinst du?“ „Ich? Ich bin für Dressur nicht gut genug, um mir da eine Fachmeinung zu bilden. Aber einen Korrekturreiter mehr könnten wir gut brauchen.“ Susan kam genau in dem Moment hinter uns aus dem Haupthaus, auch sie hatte wohl ihr Frühstück schon beendet, dicht gefolgt von Leo und Willi. Als sie mich mit Dave zusammen sah, änderte sich kurz ihr Gesichtsausdruck. Ich hasste es, in diesem Drama Teil zu sein, obwohl ich mich nie direkt einmischte. Also schickte ich Dave mit einer direkten Anweisung sofort vor in den Stall und unsere Wege trennten sich. Ohne nochmal auf Susan einzugehen, machte ich mich an die Arbeit und fütterte die Pferde. Willi fuhr mit dem Traktor den Mist zusammen, während Leo und Dave das Ausmisten anfingen. Mia kam kurz vorbei und meinte, dass der Tierarzt angerufen hätte, dass er morgen nochmal nach Idefix sehen wollen würde. „Danke dir!“ Dann zog sie wieder von dannen, Susan hinterher. Als ich fertig mit Füttern, Heu geben, Putzen und Fegen war, holte ich Skadi und bürstete ihr schneeweißes Fell sauber und flocht ihr einen Bauernzopf in die Mähne. Sie sah damit immer recht hübsch aus. Dann sattelte ich sie und führte sie hinüber zum Platz. Dort war Tom mit Webster schon fleißig am Wiederholen der letzten Übungen, der Holsteinerhengst war wirklich ein Prachtkerl und tanzte unter Tom nur so dahin. Was ich im Springen und im Military gut konnte, hatte Tom in der Dressur perfektioniert. So ergänzte sich jeder auf dem Hof. „Sieht super aus!“ meinte ich, als er locker an mir vorbei galoppierte. Von der Stute ließ sich der Hengst nicht wirklich ablenken, Skadi stand auch ganz brav neben mir und ließ mich in Ruhe aufsteigen. Im versammelten Trab kam Webster erneut vorbei, ging dann wieder in den Mitteltrab und erneut in den Galopp. Die Hilfen von Tom waren kaum zu sehen. Ich ritt Skadi warm, bevor auch ich los legte und die einfachsten Sachen abfragte. Skadi würde heute von A auf E aufsteigen, Webster allerdings den großen Sprung von A nach L machen. Deswegen übernahm das Tom. Ich ritt also mit meiner leichten Erkältung heute nur einige wenige A-Aufgaben, die sich aus Mitteltrab und -galopp, Ganzen Bahnen, Zirkeln, Schlangenlinien und Volten zusammen setzten. Ich Leichttrabte und saß aus, hielt, wechselte den Zirkel, ritt Bögen und galoppierte wieder an. Ich liebte Skadis Galopp. Anfangs war die Stute wirklich schwierig, weil sie neu auf dem Hof war und mich noch nicht kannte. Auch bei Tom testete sie erst an, aber war dann wirklich sehr gelehrig und auch gut zu reiten. Sie war eigentlich nur unterfordert, denn als Warlander hatte sie eine kräftigere Statur und wurde meist als Kaltblutpferd gehalten, das eben nicht sehr viel spritzige Aufgaben brauchte. Skadi aber hatte Köpfchen. Der zwar ebenso intelligente Webster aber war anders. Der schwitzte mittlerweile ordentlich unter Tom, der dem Hengst viel abverlangte. Er war die Ruhe selbst und war auch gern dazu bereit, sich ausgiebig streicheln zu lassen. Er bettelte nie und war auch sonst sehr sozial. Allerdings hatte er sich sehr sehr schnell als Springer disqualifiziert, als klar wurde, dass wir ihn niemals über einen Wassergraben bringen würden. Davor hatte der Hengst nämlich ziemlichen Respekt. „So gar nicht seine Mutter Lacura...“ meinte ich damals trocken, die im vorherigen Leben wohl ein Fisch gewesen sein musste. Tom ritt gerade die letzte Runde ab und hielt auf das Gatter zu, als sich Dave zu uns gesellte. „Soll ich ihn dir abnehmen?“ meinte der, doch Tom winkte ab. „Lass mal. Ich hab heute nichtmehr viel zu tun. Und Reykja braucht nicht sehr lange, ich hab viel mit ihr gemacht letzte Woche. Aber danke.“ Dave sah Tom hinterher, der langsam am langen Zügel hinüber zu den Hauptstallungen ritt. „Du, Luisa. Mia würde Mainstream gerne im Training übernehmen wollen, bei den Fohlen ist alles klar und ihre Reitschülerin ist abgesprungen. Daher geht sie mit Susan zusammen trainieren in der Halle. Wäre das ok für dich?“ Als wenn der Tagesplan auch nur 3 Stunden so bleiben würde, wie man ihn aufgestellt hat. Auf einem Hof ändern sich dauernd zig Sachen an einem Tag, aber ich liebte Mia dafür, dass sie sofort zur Stelle war und den anderen die Arbeit abnahm. Zusätzlich war Susan fest eingebunden. „Ist gut. Und Amber?“ „Mach ich. Nach dem Mittag. Bist du fertig mit Skadi?“ Ich nickte. „Geht´s dir gut?“ fragte er dann vorsichtig, als ich nochmal hustete, nachdem ich abgestiegen war. „Ja. Ich würde mich nur Mittags gern eine Stunde hinlegen. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich bei Amber gerne zusehen.“ „Ob ich da noch ordentlich Springreiten kann,...“ murmelte er und mein Herz machte einen Satz. Schon die zweite Anmerkung heute. Derweil war Military Dave´s Fachgebiet. Amber hatte vor einigen Wochen die Klasse S im Springen erreicht und sahnte seither in den Turnieren eine Schleife nach der anderen ab. Nun würden wir die Stute ins Gelände lassen. Ich ließ auch das unkommentiert und führte die weiße Warlanderin hinüber den Stallungen. Dort half Dave mir ohne weitere Worte beim Absatteln und versorgen der Stute. Als er ihr abschließend liebevoll den Kopf streichelte, sah ich ihm einen unbeobachteten Moment lang zu. Mir war damals schon klar, dass er den Hof auf den Kopf stellen würde. Aber dass er auch mich so erwischen würde… als er sich zu mir her drehte, lächelte ich dann doch, was ihn jetzt verwundern ließ und meinte, dass ich hinüber gehen würde, um das Mittagessen zu kochen. „Ich fahre hinaus zu Willi und Leo. Denen helfen. Ich bring sie dann mit, wenn wir fertig sind.“ Er verließ den Stall, ohne mich noch einmal anzusehen. Jetzt war ich verwirrt. Ich ging hinüber und kochte Gratin. Mittags kamen dann auch alle, Mia erzählte mir vom Fortschritt mit Mainstream. Sie Stute war jetzt im Stande, Sprunghöhen von 1,50m hühelos zu nehmen. „Wir haben 10 Hindernisse aufgebaut, das mit dem Wassergraben haben wir mal wieder provisorisch gelöst. Aber sie macht das sehr sehr gut. Da sie ja schon in der Klasse S geht, war sie heute sehr gelehrig. Und die S* wird keine Schwierigkeit mehr sein.“ Ich war glücklich, dass das mit Mainstream so gut klappte und ich neben Amber jetzt auch eine weitere Stute hatte, die in der S -Klasse ging. Die Saison würde bestimmt die ein oder andere Schleife nach Naundorf bringen. „Ok, also ist das auch geschafft. Danke euch beiden!“ Ich lächelte und Susan schien das mit dem Frühstück schon wieder vergessen zu haben. Sie schien immer wie ausgewechselt, wenn sie bei den Fohlen war, ganz egal, was den restlichen Tag passierte. Ich musste zugeben, dass sie bei ihrer Hingabe für die Fohlen durchaus ein Händchen bewies und nun hatten wir ja mit unseren Neuankömmlingen und Babys so einige auf dem Hof. Wir aßen zusammen und dann ging es wieder auf den Hof. Leo begleitete Willi noch bei den Reparaturen und zog auch Susan mit ins Boot. Tom machte sich ans Training mit Reykja und wollte danach ins Büro gehen. „Ist in Ordnung, dieses Mal räume ich auf.“ versprach ich und fing an, abzuspülen. Dave blieb erst am Tisch sitzen und studierte die aktuellen Anmeldungen für die wöchentlichen Turniere. „Lass mich dir helfen, dann kannst du schlafen gehen und dich erholen. Ich melde für die Turniere diese Woche, danach mache ich Amber fertig. In zwei Stunden, wenn du zusehen willst, können wir uns auf dem Platz treffen.“ „Ist ok, danke Dir.“ Er stand jetzt an der Spüle und stellte die letzten Teller neben das Waschbecken. In mir schlug sich die Erschöpfung die Bahn und ich war wirklich dankbar. Ich legte das Spültuch neben Dave und berührte ihn mit der rechten Hand an der Schulter, als ich mich bedankte. Zu Müde, um noch genau auf ihn zu achten ging ich hinüber zu Idefix, nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach oben. Dort kuschelte ich mich in sein Fell, streichelte ihn und schlief dann ein. In weiter Ferne hörte ich Dave das Geschirr verräumen, dann den Kaffee kochen, Willi war kurz im Haus und telefonierte, ich hörte Susan und Dave kurz miteinander reden, dann wieder Ruhe. Ich dämmerte so vor mich hin. Dann Geschirrklappern. Ich drehte mich um und auch Idefix spitzte müde die Ohren. „Luisa?“ flüsterte Dave vorsichtig, als er die Türe zu meinem Schlafzimmer aufdrückte. Meine Wohnung war für jeden meiner Angestellten offen, solange ich mich dort befand und die Haustüre offen stand. Eine Vereinbarung, die aber jeder nur im Notfall nutzte. Sie lag über den Gemeinschaftsräumen und dem Büro, direkt neben der von Tom. „Ich stell dir den Tee da hin, Honig ist auch dabei. Lass dir Zeit, ich telefoniere noch eben mit einem Veranstalter wegen dem Jubiläumsturnier, dann mache ich Amber fertig.“ „Ist die Zeit schon rum?“ murmelte ich und sah ihn müde an. „Du hast fast drei Stunden geschlafen.“ meinte er, lächelte und ging dann wieder. Was? Drei Stunden? Idefix schnarchte neben mir, ich versuchte ihn nicht zu wecken, als ich aufstand und mir meine warmen Reitsachen anzog. Nebenzu nippte ich am Fencheltee, den keiner außer mir auf dem Hof leiden konnte. Dann ging ich nach unten. Dave war schon weg, die Küche aufgeräumt, das Büro leer. Tom war also noch im Stall. Als ich durch die Gasse ging, führte er Reykja gerade aus dem Solarium. Auch sie hatte er ordentlich gefordert. Reki würde Webster dicht folgen in der Dressur und sollte mit ihrem Stammbaum zusätzlich ein kleines Juwel unseres Hofes werden. Sie war gerade 6 Jahre alt, genau richtig, um ordentlich mit dem Training anzufangen, was man ihr auch optisch ansah. Ihr Vater Red war immer ein Baby geblieben, Reki allerdings schlug voll nach Seana, auch wenn diese ihr keinerlei Scheckung mitgegeben hatte. An die Überraschung bei der Geburt kann ich mich heute noch erinnern. „Sie war heute wirklich sehr lieb, ist sie immer, aber sie macht Webster echte Konkurrenz. Ich würde sie die Woche bei der Dressur vorstellen, vielleicht haben wir ja Glück. Derzeit sind viele starke Newcomer in der Gegend.“ Tom warf Reki eine leicht verblasste, rote Fleecedecke über und wickelte ihr Bandagen, während er mir berichtete, was er heute mit Reykja alles gemacht hatte. Die Stute würde ab sofort in der L-Klasse gehen, genauso wie Webster. Ich hatte vollstes Vertrauen in Tom und freute mich, man sah ihm richtig an, dass er heute Spaß hatte. „Ich werde rüber zum Spielplatz gehen, Dave trainiert Amber heute das erste Mal im Gelände.“ Tom nickte, wenn die Rede vom ´Spielplatz´ war, dann war unser kleiner Parcour auf einer abseitigen Wiese gemeint, den wir extra für´s Military hergerichtet hatten. Der Begriff kam von Leo und Dave, der sich irgendwann bei uns eingebürgert hatte. Den Namen hatte der aber eigentlich gar nicht mehr verdient. Nicht wie zu Anfangs standen dort nur 8 Hürden, sondern mittlerweile über eine Sandfläche und den Teich erweitert ganze 25 Stück. Wir hatten vor vier Wochen ordentlich angepackt, Baumstämme gestapelt, Hecken gepflanzt und einen reitbaren Weg zum Teich hinunter angelegt. Das meiste stammte vom Gelände selbst, die Bäume waren Rückschnitte der umliegenden Birken und Kiefern. Ich schlich mich langsam zum größten dieser Baumstämme, die wir seither oft als Zuschauerplatz nutzten und lehnte mich halb an. Dave hatte mich noch nicht gesehen und jagte Amber über den Platz. Die Stute sah unter ihm so wahnsinnig beeindruckend und stark aus, irgendwie stimmte die Chemie zwischen den beiden. Dann setzte sie zum ersten Sprung an, schloss sauber ab, warf die Beine nach vorne und galoppierte wild schnaubend auf das nächste Hindernis zu. Dave ritt manchmal sehr riskant, was mir nicht immer gut gefiel, aber wenn er auf Amber saß, war er wie ausgewechselt. Er lobte ihr klopfend den Hals, als er immer noch unbemerkt in meiner Nähe vorbei kam. Nur Amber hatte mich gesehen und spitzte die Ohren, was auch Dave registrierte. Er sah sich nach dem Baumstamm um, ich winkte ihm und ging langsam in die Mitte des Platzes. Er nickte angestrengt, nahm die Zügel kürzer und ritt das nächste Hindernis an. Er brauchte zwei Sprünge, um wieder genauso gut zu reiten, wie in der ersten Runde – oder bildete ich mir das nur ein? „Sie kommt gut an den Sprung und landet auch sauber, nur die Höhe macht mir immer Sorgen. Und sie muss zügiger ins Wasser. Lass ihr mehr Platz vorne, das sah eben richtig gut aus Dave!“ Er sagte nichts, grinste und ließ sich ein paar Zentimeter Zügel aus den Händen ziehen. Amber schnaubte ab und setzte erneut an, wuchtete ihr und Dave´s Gewicht über den ersten Stamm, dann über den Absprung und hinunter zum Teich. Sie zögerte merklich, aber Dave ließ nicht locker und trieb sie abwärts. Mit einem mächtigen Satz brach sie die Oberfläche ein, die eben noch spiegelglatt gewesen war und preschte auf der anderen Seite hinaus. „Guuut! Super!“ rief ich lobend, mich so über den ersten Erfolg freuend, dass ich kurz meine kaputte Stimme vergaß. „Sehe, du hast den Tee getrunken!“ lachte Dave und trabte Amber kurz an, ritt einige Wendungen und ließ sie dann kurzzeitig Schritt gehen. „Haha.“ Ich grinste in den Boden. „Fühlst du dich besser?“ „Ja, aber immer noch starke Halsschmerzen. Evt. fahre ich morgen rüber zum Tom´s Mutter, die hat immer einen guten Rat.“ Ich lächelte und sah ihn jetzt direkt an. Da schnalzte er mit der Zunge und trieb Amber wieder zum Galopp. Gut eine Dreiviertel-Stunde ritt er Amber durch den Parcours, wechselte Ruhe- mit Trainingsphasen ab. Dann war auch hier endgültig Schluss. „Mach Feierabend!“ Ich hob die linke Hand und winkte, bevor ich hinüber in den Stall ging. Abendfütterung. Vorher drehte ich aber noch eine Runde zu den Fohlen und zu Taciturn. Die Shettystute war die Erzieherin in dem Babyhaufen aus Nachkommen meiner letzten Zuchtpferde des Gestütes Ammersee. Viele meiner alten Hasen waren jetzt in Ruhestand und auf der Gnadenweide. Dann ging es wirklich in den Hauptstall, füttern, misten, die restlichen Pferde von der Weide holen. Willi, Leo und Susan kamen von den Weiden. „Das Holztor draußen war doch maroder, als ich dachte. Wir haben ein neues gebaut, sind aber nicht ganz fertig geworden. Ich müsste morgen auch neue Aufhänger für die Angel holen. Ich bin eh in der Stadt. Die alten hat es bei dem Sturm so verbogen.“ berichtete mir Willi und ich schickte ihn und die Azubis in den Feierabend. „Ich krieg das hier hin, alles gut, Tom ist drin im Büro, sagt ihm, dass er ebenfalls Feierabend machen kann. Der Rest kann bis morgen warten.“ „Danke, schönen Feierabend!“ Leo und Susan machten sich auf den Heimweg, beide wohnten in der Nähe des Hofes und hatten über das Wochenende frei bekommen. „Ciao Dave, schönes Wochenende!“ „Ciao Leo, bleib sauber!“ lachte der und betrat mit Amber im Schlepptau die Gasse. Ich war schon am Fegen, als er den Sattel und das Zaumzeug in die Kammer trug. „Hier ist alles sauber, Licht ist aus. Ich geh rüber in den Hengststall und schau nochmal nach dem Rechten.“ „Ist ok, ich mache hier alles klar und geh dann rüber.“ „Ok, bis gleich.“ Ich fegte den Rest zusammen, löschte dann auch das Licht und ging in die Küche. Dort saß Tom und rauchte seine Feierabendpfeife. Wir redeten noch lange über die Fahrturniere und die Dressuren, die Erfolge und auch über den zweiten Korreturreiter, als Dave wenig später dazu kam. Als es auf 21:00 Uhr zu ging, verabschiedete ich mich von den beiden, die mir eine gute Nacht wünschten. Ich ging aber erst noch hinüber ins Büro. Das Hoftagebuch war aufgeschlagen und der Eintrag für heute von Tom schon gemacht. Er hatte den Alltag und die Reparaturen notiert, die Fortschritte der Trainingseinheiten und was die Azubis heute gemacht hatten. Für die Pferde stand notiert:
    „Trainingseinheiten in der Dressur: Webster von Weltstar von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Reykja aus der Seana von Red Diamond II von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Skadi vom Gestüt Helsing von Niveau E auf Niveau A – erfolgreich abgeschlossen, erstere beiden geritten von: Tom Weber, letztere von: Luisa Goeke, Trainingseinheiten im Springen: Red Possy Pleasure Mainstream aus der Ysun von Red Diamond von Niveau S* auf S** - erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Mia Andalik, Trainingseinheiten im Military: Amber von Atlanta von Niveau L auf Niveau M – erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Dave Lange. Unterzeichner: Tom Weber“
    Ich lächelte und klappte das Buch zu, löschte das Licht und ging dann nach oben. Für heute waren wir wirklich fleißig genug gewesen.

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    Zion und Veija gefällt das.
  11. "Sehr geehrte Frau Goeke. Wir müssen Ihnen leider mitteilen..."



    Ich schüttelte den Kopf und fragte mich noch immer, ob die Entscheidung richtig war, dass ich mit den Ponys und meinen Privatpferden umziehen wollte. Ich liebte die Ammerseeregion doch! Die Berge, die Wiesen, der See, die Menschen, einfach alles! Und jetzt...



    Ich sah von den Papieren in meinen Händen auf und den Hang hinunter auf die Berge. Ich wusste, dass ich sie so schnell nicht wiedersehen werden würde und hatte feuchte Augen. Doch die finanzielle Lage, in der ich mich seit meinem Unfall vor einem Jahr befand und die die Zucht langsam zusammenstürzen ließ, zwang mich, endlich zu handeln. Zudem hielt mich hier nichts mehr. Ich war allein.

    Fast.

    Denn der alte Reiterhof im Spreewald, mit seinen vielen kleinen Flüssen, an denen die Wassergondeln halten konnten, zwischen den unendlich großen Feldern und den Kiefern und Bergulmen darauf, war wie geschaffen für meine Lage. Dort konnte ich endlich ein kleines Hotel eröffnen und die Zucht voran treiben. Und ich hatte mich verliebt. Nicht nur in den Hof.

    Er war kein Pferdemensch durch und durch wie ich, aber wir verstanden uns gut. Lange kannten wir uns noch nicht, aber als ich die Kündigung der Pacht in den Händen hielt, voller Verzweiflung und es ihm erzählte, folgte ich seinem Ruf nach Cottbus und sah mich dort um.

    Ich verliebte mich in die Landschaft, in die große Weite und die Natur dort. Sie war ganz anders, als daheim, aber wo war das schon für mich?



    "Siehst du das Feld dort, wie groß es ist?" meinte er und zeigte mir den Waldrand.

    Dieser lag so weit von der Straße entfernt, auf der wir jetzt in dem BMW entlang fuhren und in den nächsten kleinen Lichtungsabschnitt eintauchten. Die Sonne blinzelte durch die Kronen der Bäume und warf ihr warmes Licht in Streifen durch die staubige Luft. Es roch nach Erde, Nadeln, Moos und Freiheit. Ab und an tauchte zwischen den Bäumen ein kleiner Steg auf, das Einzige, was zwischen den wenigen Siedlungen kilometerweit zu sehen war. Ein Steg, an dem einer der kleinen Flüsse entlang vorbei zog, das Wasser stand dabei fast still und glitzerte aus seiner Vertiefung hervor. Dann bog er links weg in einen kleinen, gepflasterten Weg, dessen Verband schon langsam von Unkraut gelöst wurde. Doch er hielt den Wagen gut und zeigte uns seine Richtung vorbei an vergrauten weißen Koppelzäunen hinein auf eine große Wiesenfläche. Dort, am Rande einer großen Buchenhecke stand das kleine aber hohe Haupthaus. Ein Ziegelbau bis zum ersten Stock, danach mit dunklen Brettern verschalt hinauf bis unters Dach, das ausladend zu einer spitzen Form nach oben hin zulief und mit dunklen Platten belegt war. Die weiß gestrichenen Fenster gaben dem ganzen einen heimeligen Eindruck. Ich stieg aus und sah in der Nähe wieder einen der Stege, etwas marode und kaum gebraucht, ein altes Boot mit nur einem Paddel darin daneben im Gras liegen, verwachsen mit dem Boden.

    "Ich liebe es..." sagte ich leise und sah in Uwes blaue Augen.



    Ein alter Mann kam aus einem kleineren Haus in der Nähe. Er stellte sich als Besitzer des Grundstückes vor und ich schloss ihn sofort in mein Herz. Er hatte lange Pferde gehalten auf diesem Grundstück, die alte Halle und der Reitplatz wären noch vorhanden, doch es müsste sich mal wieder jemand mit mehr Kraft und etwas Liebe widmen. Er zwinkerte mir zu und ich lächelte zurück.





    Jetzt stand ich hier, die Pferde waren in den großen Transportern verladen und es sollte nun wohl das letzte Mal sein, dass ich als Pächterin auf dem Grundstück des ehemaligen Gestüts Ammersees stehen würde. Ich sah in der Erinnerung die vielen Events, die hier statt gefunden hatten, die Fohlen, die hier geboren worden waren und aufgewachsen sind, die Pferde die hier gelebt haben und auch einige, die hier gestorben sind. Ich ließ den Kopf sinken, Tränen tropften auf das Kündigungsschreiben. Dann spürte ich eine sanfte Berührung im Nacken.



    "Luisa...."

    Uwe nahm mir das Blatt aus der Hand, fasste mein Kinn und zog meinen Kopf zu sich her, damit er mir in die Augen sehen konnte. Blaue Augen und doch konnten diese so viel Wärme ausstrahlen.

    Ich hörte ein Klicken, wich zurück und im nächsten Moment brannte das Stück Papier. Er ließ das Feuerzeug sinken, hielt den A4 Bogen noch so lange wie möglich in der Hand und ließ ihn dann zu Boden fallen, wo er in einem letzten Funken aufging und dann als Asche sofort vom Wind gepackt und zerrissen wurde. Ich starrte ihm nach, bis Uwe mich in den Arm nahm und mir ins Haar flüsterte.



    "Luisa... Es wird alles gut!"





    __________________________



    Ich möchte euch recht herzlich auf dem Blog des Gestüts Naundorf begrüßen, das erstmal bis auf weiteres den Namen trägt, bis uns ein besserer eingefallen ist. Zudem suche ich eine "Partnerzucht", die sich gerne in der Nähe ansiedeln darf bzw. ein Teil unseres alltäglichen Lebens wird oder mit der man zusammen viel unternehmen kann. Es gibt viel zu tun, noch viel zu renovieren und auch bald wieder Events! Seid also gespannt und bleibt an unserer Geschichte dran!



    Liebe Grüße,



    Muemmi alias

    Luisa Goeke