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Zwei Auszubildende auf sich "allein" gestellt...

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 405

61.680 Zeichen (c) Ravenna und BluePearl


blau - Sarah
grün - Cayden
schwarz - Siobhan
rot - Meg
Orange - Killian



Vorbereitung

Der Morgen des ersten Tages brach an - ich lag noch in den tiefen meiner Decke, Caydens Arm um meine Hüfte gelegt. Mein Wecker zeigte 7:00 Uhr - heute hatten wir keinen Stalldienst,allerdings erwarteten wir für 9 Uhr eine Besucherin. Also rieb ich mir den Schlaf aus den Augen, seufzte "Cayden, wir müssen aus dem Bett" "mhm" murmelte er nur. Langsam schob ich seinen Arm beiseite, meine nackten Beine berührten den Dielenboden. Mit langen hastigen Schritten lief ich zu unserem wuchtigen Schrank, vor ihm lag ein flauschiger Teppich. Auch Cayden schälte sich aus dem Bett, verzog sich gleich unter die Dusche während ich mich in meine Klamotten zwang. Unten in der Küche begegnete ich einem Kaffee schlürfenden Hansi "Die Boxen für die Gastpferde sind vorbereitet, Siobhan hat angerufen und sie kommen mit Was immer du tust,Meg und Anhängsel erst gegen 10 Uhr." Ich hörte nur mit einem Ohr zu, als ich meinen Tee vorbereitete. "Gut dann weiß ich Bescheid", antwortete ich ihm. Der Blonde schüttelte den Kopf, nippte an der Tasse "Ich bin gespannt wie die beiden sich anstellen. Wird interessant!"


Als der Tee fertig war gesellte ich mich zum Tisch,lächelte um Hansi die Illusion zu geben ich habe alles verstanden. Meine Gedanken schwirrten um die folgenden Tage und Wochen des Trainings. Siobhan und ich hatten uns geeinigt um unsere Auszubildenden ein wenig bekannt zu machen und sie an das Training der Pferde zu gewöhnen. Die erfahrenere Meg sollte den Hengst auf ein Turnier vorbereiten, Killian sollte ihr dabei behilflich sein ihn zu trainieren -ohne unsere direkte Anweisung.


Mit einem Handtuch um die Hüften stiefelte Cayden in die Küche, um seine Augen lagen tiefe Schatten - für ihn hatte es viel Organisation bedeutet mehrere unterschiedlich schwere Routen zum Trainieren zu finden. Zusammen mit Ty hatte er aber einige gefunden. Hansi blickte dem halbnackten Cayden ungläubig an "Sag mal kannst du dir nicht wenigstens was anziehen?!" Cayden grinste ihn nur an,deutete auf das Handtuch "Hab ich doch!" Hansi winkte ab, erhob sich mit der Tasse Kaffee." Viel Spaß" rief ihm Cayden mit einer Spur Humor zurück. Hansi war in der letzten Zeit zunehmend mürrisch geworden, verzog sich oft in den Stall um mit den Pferden zu arbeiten. Gerade seine Basis mit Gwyn hatte sich zusehends verstärkt. Auf dem letzten Ausritt hatte ein LKW Fahrer kaum Abstand gehalten als sie mit einigen Handpferden unterwegs gewesen waren. Cayden ritt auf Darym ,Gwyn neben sich als Handpferd. Hansi hatte sich auf Stormbringer gesetzt und den jungen Braum als Handpferd,da er sich um seine Ausbildung kümmerte. Hupend war der Lkw vorüber gefahren, Gwyn hatte Panik bekommen,sodass Cayden den Strick losgelassen hatte. Trotz seiner Angst hatte er sich zu Hansi geflüchtet.Was den blonden Hünen in letzter Zeit so still werden ließ vermochte ich nicht zu sagen. Cayden genoss sein Frühstück mir gegenüber.


Der Wecker klingelte. Mit einer gezielten Handbewegung gab das Ding keinen Ton mehr von sich. Fionn schlief noch selig in seinem Bettchen, aber wohl nicht mehr lange, denn er strampelte und bewegt sich hin und her. An Tys Brust geschmiegt beobachtete ich unseren kleinen Schatz, der immer mehr wuchs. „Du hast mir einen Engel geschenkt“, flüsterte Ty mir zu und küsste meinen Scheitel. Ein kleiner Engel war unser Fionn. Wenn er nicht wieder Zähne bekam. Das es nicht angenehm war, war mir bewusst, aber er war dann mit nichts zufrieden und so richtig recht machen konnte es ihm dann keiner. Das Theater hatten wir letzte Woche gehabt. Jetzt schien alles wieder in Ordnung zu sein. Nur schwer schafften wir es aus dem Bett. In Küche deckte ich den Frühstückstisch, während Fionn bei Ty auf den Arm noch vor sich hin döste. Meg hatte heute einen spannenden Tag vor sich und man merkte ihr auch an, dass sie etwas aufgeregt war. Ich konnte es nachvollziehen. Es war das erste Training, dass sie in dem Sinne komplett alleine machen würde und dann auch noch mit einer anderen Person. Sarah und ich hofften, dass Killian und Meg sich gegenseitig stützen würden und mit dieser Aufgabe wachsen würden. Für Meg wurde es auch Zeit, dass sie solch eine Aufgabe übernimmt. Schließlich war sie schon im zweiten Lehrjahr und bald schon im dritten. Sie hatte mit Bergkristall gut gearbeitet und daher war ich der Meinung gewesen, dass sie dieses Training auch meistern würde, auch wenn es vielleicht schwer werden würde.
Leider lief das Essen ganz anders als geplant, sodass ich bei Sarah anrufen musste um Bescheid zu sagen, dass wir später kommen. Fionn hatte es sich zur Aufgabe gemacht mit seinem Babybrei alle um sich herum zu füttern oder eher gesagt einzusauen- er inklusive. Kind waschen und neu anziehen, sowie selber sich umzuziehen dauerte dann doch etwas. Da Meg nichts abbekommen hatte, hatte sie schon Was immer du tust geputzt und ihn fertig für den Ritt gemacht. Ich musste noch das Auto mit einigen seiner und ihrer Sachen beladen. Meg war vor einiger Zeit vom Hof geritten, wie mir Ty mitteilte. Da ich für sie verantwortlich war, wollte ich dabei sein, wenn sie bei Sarah ankam. Fionn hatte ich schon in seiner Babyschale im Auto angeschnallt. Den Kinderwagen lud ich ein und fuhr dann los. Schnell erreichte ich den Hof und parkte mein Auto. Der Kinderwagen war schnell ausgeladen und legte ich in das weiche Bettchen. Die Decke legte ich über ihn und fuhr dann mit dem Kleinen Richtung Stall, wo ich wohl zu der Zeit jemanden antreffen würde.


Mit den letzten Bürsten strichen fuhr ich über das dichte Winterfell, der jetzt zweijährigen Pumkin. Seit knapp einer Woche war sie nun wieder bei uns, da Vina nicht mehr allzu viel Zeit für die kleine Stute gehabt hatte. Allgemein war zu dieser jungen Stunde erst einmal Jungpferde putzten an der Reihe, direkt neben mir war Kathi am putzten von Primo beschäftigt. Maeve und Lia kümmerten sich um die etwas zappelige Cirilla. Während ich Pumkin versorgte schaute ich immer wieder etwas besorgt aus der Stalltür….es hatte sich für die nächsten Tage Sturm angemeldet und schon jetzt wehte unangenehm. Meg sollte in der nächsten Stunde ankommen, etwas mulmig war mir dabei zumute – was würde der Hengst zu dem Wind sagen. Wobei die Pferde hier in Sachen „Wind scheue“ irgendwann ziemlich abgehärtet wurden...in manchem Winter flossen Wasserfälle hier schon mal nach oben. Bei einem erneuten Blick zur Stalltür betrat eine ziemlich zerzauste Siobhan, samt Kinderwagen den Stall.


Ich blieb am Anfang der Gasse stehen. Der Kinderwagen hätte eh nicht durch gepasst und da sie auch Jungpferde draußen hatten, wollte ich Fionn nicht unnötig in Gefahr bringen. Ein Kinderwagen war hier ja nicht so oft zu sehen. "Hey. Entschuldigt wegen der Verspätung. Alles die Schuld des Kleinen. Er hat es mal wieder zu gut gemeint mit uns." Ich erzählte, was heute morgen geschehen war und dass es mir wirklich sehr Leid tat. Meg müsste auch bald kommen. Wenn sie viel länger brauchen würde, hätte sie bestimmt Bescheid gesagt. Handy hatte sie mitgenommen.


Während wir die drei Jungpferde in eine der Abfohlboxen brachten kümmerte sich Siobhan gerade um den leise greinenden Fionn, da trat eine ebenso windzerzauste und nasse Meg in die Stallöffnung. Mit der Hand strich sie sich den Helm vom Kopf. "Ob ich mich je an dieses Wetter hier gewöhne?" verkündete die junge Frau, zeigte jedoch ein breites Lächeln...gemeinsam halfen wir ihr den Welshhengst von seinem Zubehör zu befreien und legten ihm eine Abschwitzdecke auf den Rücken. "Ich schlage vor für alle einen heißen Tee im Wohnzimmer, bevor es zurück an die Arbeit geht?"



Ich muss zugeben, dass ich sehr erleichtert war, als Meg in der Stalltür stand mit Was immer du tust. So hatten wir den Ritt uns nicht vorgestellt, aber nunja, gegen eine Dusche von oben kann man nichts machen. Das kam hier nunmal manchmal vor- vorallem zu unpassenden Augenblicken. "Eine gute Idee", meinte ich zu Sarah. Für Meg war es auch gut, denn sie konnte sich aufwärmen. Vielleicht hatten sie auch noch eine Reithose für sie, damit sie wenigsten diese ausziehen konnte. Nasse Klamotten sind echt eklig. Die kleben so an einem und es ist ein unschönes Gefühl. Gemeinsam flüchteten wir ins Haupthaus. Fionn fand das alles aufregend und wollte aus seinem Wagen heraus um was zu sehen. Als wir im Haus waren nahm ich ihn auf dem Arm.


„Meg, wenn du möchtest kannst du dir in unserem Bad eine warme Dusche gönnen, anschließend leg ich dir trockene Sachen bereit..?“ Cayden führte Siobhan mit Kind in die Küche, während Meg mir die schmale Treppe hinauf folgte, die zu unserem Gästebad führte. Wir würden später noch alles bequatschen können wegen der Routen, die Cayden heraus gesucht hatte. Als ich jedoch gerade die Tür öffnen wollte, prallte ich fast mit dem Kopf gegen die Tür – abgeschlossen. „Wartet!“ brüllte jemand dahinter, ich erkannte Killians Stimme.


Mit einem Handtuch um die Hüfte öffnete ich die Tür des Bades. „Tut mir Leid, drüben bei uns belegt Aiden gerade das Bad. Mich hat es vorhin von Storm gehauen...der Hengst.“ Ich verstummte als ich die Gestalt im Schatten von Sarah erkannte...vor meiner Chefin zu stehen...okay, aber die mir recht unbekannte Meg. Ich spürte wie mir Hitze in die Ohren stieg – die Tür schloss ich ein wenig mehr, damit ich nur noch einen Spalt zu sehen war. „Gut, dann mach dich hier fertig. Meg kann auch bei uns das Bad benutzten.“ Damit führte sie die junge Frau eine Etage höher.


Ich musste mich zusammenreißen um nicht zu kichern. Das musste ja jetzt auch ausgerechnet passieren, oder? Zu verstecken hatte er jedenfalls nichts. Mensch Meg, worüber denkst du den jetzt gerade wieder nach. Schlag es dir gleich wieder aus dem Kopf. Ich folgte Sarah in das obere Bad. Ich war dankbar, dass ich duschen konnte und trockene Klamotten bekommen würde. Den mir wurde in den nassen Sachen langsam aber sicher kalt. Sehr kalt.


Fionn strampelte auf meinem Arm, als wollte er von mir weg. Ich wollte ihn nicht auf den Boden lassen, da wir dann hinterherrennen müssten. Vielleicht wollte er aber auch zu Cayden. Ich hoffte es mal. Da gab es nämlich auch schöne Harre zum dran ziehen. "Magst du ihn mir abnehmen Cayden", fragte ich ihn. Fionn war davon wohl begeistert, da er sich zu ihm streckte.



"Na dann komm mal her, mho rún!" lockte ich Fionn mit einigen gälischen Worten. Der Kleine war in der letzten Zeit beträchtlich gewachsen, begann sich behände durch meinen Pferdeschwanz zu frimeln. Es freute mich immer wieder, wenn Siobhan mit dem Kleinen zu Besuch kam - manchmal kam sogar Ty mit ihm. Erst vor zwei Wochen hatten wir den kleinen Racker Probeweise auf den Rücken von Willow gesetzt. Da ich allerdings nicht wusste ob Ty davon erzählt hatte...hielt ich darüber lieber meinen Mund. "Wie geht es bei euch so? Mark ist schließlich eine ganze Arbeitskraft die fehlt?" Auch wir hatten momentan eine Kraft weniger, da Hansi mit dem Training der Pferde außerhalb des Hofes beschäftigt war - Sarah hatte beschlossen bis zum Sommer erst einmal keine weiteren Aufträge anzunehmen. Killian hatte Yael zugewiesen bekommen ihn in der Distanz zu trainieren und nun sollten er und Meg sich dem Hengst von Siobhan widmen. Für beide eine aufregende Erfahrung.


Bis zu der geplanten Hochzeit fehlte nicht mehr viel, doch bestand die Schwierigkeit darin einen druidischen Priester aufzutreiben. Ob wir das Handfasting vielleicht schon einen Monat vorher machten oder direkt in Verbindung mit der Hochzeit war auch noch nicht sicher...



Okay, hier ist zwar unser Bad, aber hier wirst du wohl nicht gestört. Die neuen Sachen leg ich dir auf unser Bett. Brauchst du sonst noch irgendetwas?"



Ich schaute den beiden Frauen, oder zumindest einer davon, noch eine Weile hinterher und verschwand dann wieder im Bad um mich endlich zu duschen. Danach kämmte ich meine wuscheligen Haare - im nassen Zustand ein sinnloses Unterfangen und rasierte mir noch meinen angesiedelten Dreitagebart. Schneller als ich erwartet hatte fand ich mich unten bei den anderen in der Küche ein...Siobhan kannte ich nur vom hören sagen, doch der kleine Fionn war mir bereits begegnet. Zusammen mit seinem Vater war er häufiger hier, da wir uns gemeinsam zum Training der Pferde oder aber für einen geselligen Ausritt trafen. Langsam glaubte ich wirklich daran den coolsten Ausbildungsplatz, die gelassensten Chefs und die nettesten Kollegen bekommen zu haben. "Ich genehmige mir eine Tasse Tee, mho charaid?" fragte ich an Cayden gewandt, der sich sehr mit dem Baby beschäftigte.


"Pass auf das er dir nicht an den Haaren zieht. Manchmal ist er da etwas grob", sagte ich zu Cayden, als Fionn sich an seinem Pferdeschwanz zu gange machte. Es war schön zu sehen, wie liebevoll sich Cayden um Fionn kümmerte. Den Job als Babysitter hatte er schonmal sicher, auch wenn er davon noch nichts wusste. Ty nahm ihn öfters mit ,wenn er hier her kam, sodass Fionn die Leute kannte. Ich war sehr froh, dass mein Baby in einer solchen Gemeinschaft aufwachsen würde. Selbst wenn Ty und mir etwas passieren würde, würde ich wissen, dass es meinem Kleinen hier gut geht. "Uns geht es ganz gut. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Mir graut es nur vor nächstem Jahr. Meg ist dann ausgelernt und ich weiß nicht, ob sie hier bleiben möchte oder wieder zurück zu ihrer Familie möchte. Wenn sie auch noch ausfällt wird es für uns schwer werden. Auch wenn es noch nicht so weit ist mache ich mir darüber Gedanken. Momentan habe ich es so beschlossen, dass bevor sich einer kaputt arbeitet bekommen die Pferden einen freien Tag mehr. So wird es für uns leichter, auch wenn es heißt, dass das wir vielleicht nicht ganz so gut in die Turniersaison starten. So richtig reiten tue ich ja auch noch nicht, weil ich auf den Kleinen aufpasse. Es ist gut, dass die Tage wieder länger werden, denn so kann ich auch mal zwei Pferde reiten, wenn Ty mit Fionn zu euch fährt", antwortete ich ihm.



"Nein danke. Ich bin froh, wenn ich aus den Klamotten kann und heißes Wasser hab. Vielleicht wenn ich fertig bin einen Kakao, aber nur wenn es keine Umstände macht", antwortete ich Sarah. Es war sehr nett von ihr, dass ich neue Klamotten kriegen konnte und auch, dass ich hier duschen durfte.



Ich verlagerte den kleinen Fionn auf die rechte Hand und verpasste Killian einen deftigen Schlag gegen den Hinterkopf. "Für dich bin ich noch immer dein Boss. Mit Ty und den anderen sieht das anders aus!". Dieser kleine Witzbold brauchte manchmal eine etwas härtere "Erziehung", denn manchmal fehlte es ihm ganz schön an Respekt. Der junge Mann drehte sich zu mir um, seine Augen funkelten ein wenig, dann machte er sich wortlos daran den verschütteten Tee aufzuwischen.

Ich hingegen war nun damit beschäftigt den erschrockenen Fionn zu beruhigen, unwillig hatte sich sein Gesicht verzogen. Ich strich dem Kleinkind mit der Hand beruhigend über den mit Haaren bewachsenen Hinterkopf "Gabh mo leisgeul, a leannan." murmelte ich ihm dabei ins Ohr und lief kurz im Kreis. Ich fragte mich innerlich ob wohl Ty jemals seinem Sohn Gaelic beibringen würde, wenn nicht würde ich das übernehmen wollen. Ich lief hinüber zu Siobhan, setzte mich auf den Stuhl vor ihr und lud Fionn auf meine Knie. Langsam wippte ich meinen Fuß auf und ab. Ich machte mir nun doch ein wenig Sorgen wie die junge Mutter wohl über mich denken würde. "Er nannte mich seinen Freund, an sich kein Problem, da er jedoch öfter mal den Rüpel spielt oder aber seine Aufgaben nicht erledigt. Ich musste lachen...diese Beschreibung würde sie vielleicht an Ty denken lassen. "Verstehst du das?" fragte ich etwas unsicher, das Gewippe meines Beines, ließ Fionn nun fröhlich Jauchzen.



Ich legte ihr die Sachen bereit, wirbelte noch fix ins Büro um die Karte zu holen die Cayden vorbereitet hatte - die vier verschiedenen Routen, die wir für das Training unseres Auszubildenden benötigten. Anschließend ging ich hinunter in die Küche.


Ich fand es toll, dass Cayden mit Fionn gälisch sprach. Ich wusste gar nicht, ob Ty auch mit ihm gälisch redete. Mit mir tat er es nicht, da er wusste, dass ich es nicht verstand. Er müsste es mir erst beibringen, damit ich weiß, was er von mir wollte. Und wir hatten bei Gott andere Aufgaben die wir erledigen mussten. Ich wusste nicht, was Killian ihm gesagt hatte, aber es schien wohl nicht so gut gewesen zu sein. Fionn ließ sich ganz gut von Cayden wieder beruhigen, was mich daran hinderte einzugreifen. "Oh ja. Das kenne ich zu gut. Da hab ich auch so einen mal von gehabt. Mit einer guten und strengen Erziehung wird das. Jedenfalls hast du noch den Altersrespekt zum Vorteil. Denn hatte ich ja nicht. Übe mal ruhig an deinem Azubi, bevor ich dir mein Kind überlasse."



Wunderbar. Die heiße Dusche wirkte wahre Wunder und ich spürte, wie meine Beine zu kribbeln anfingen und langsam wieder wach wurden. Stundenlang hätte ich mir das warme Wasser über den Rücken laufen lassen können, aber das wäre unhöflich gewesen. So hielt ich es eher kurz mit dem duschen und schlüpfte dann in die trocknen Klamotten, die mir sogar erstaunlich gut passten. Sie waren zwar etwas eng, aber es würde gehen. Meine nassen Haare hatte ich in einem Turban gewickelt, damit sie nicht alles voll tropften. Ich würde sie später föhnen. Wir wollten ja jetzt die Routen besprechen.


Ich hielt die kleinen Ärmchen des Knirpses nach oben, lächelte..."Ich hab ihn doch schon längst! Außerdem wird er bei uns schon von Beginn an lernen was Respekt und Menschlichkeit bedeutet. Zwar sind wir alle ein ziemlich chaotischer Haufen...aber ein besseres Umfeld für ein Kind kann ich mir nicht vorstellen." etwas wehmütig dachte ich an das eigene Kind das ich vielleicht gehabt hätte, doch die Partnerin für die ich mich entschieden hatte...sie wollte keine. Nicht das ich Sarah deswegen weniger liebte, doch diese Tatsache nagte ein wenig an mir.


"Mein Fehler", meinte ich und lächelte. "Ich glaube auch, dass Fionn gut aufgehoben ist bei euch. Sonst hätte ich auch nicht Sarah als Patentante ausgesucht. es ist beruhigend zu wissen, dass selbst wenn uns etwas passieren würde, er Leute um sich hat, die gut für ihn sorgen würden. Das war uns beiden sehr wichtig", sagte ich zu Cayden. "Und zum Babysitten bist du ja eh schon eingeteilt. Ich glaube, Fionn mag dich. Jedenfalls lächelt er und versucht nicht von deinem Schoß zu flüchten." Mein Kleiner mochte fast jeden, solange man sich mit ihm beschäftigte. Momentan konnte man ihn damit noch sehr gut bestechen. Ich hoffte, dass er als Kind nicht so leichtgläubig wurde und jedem sofort vertraute.


"Klar fühlt er sich wohl, wir sind schließlich Familie!" meinte ich lächelnd "Aber ich möchte von dir nicht mehr hören, das euch etwas passiert! Ist das klar?" ich mochte solche Gedanken nicht haben, denn es konnte zu viel in Wirklichkeit geschehen.




Was willst du nicht hören?" flötete ich von der letzten Treppenstufe, die in unsere geräumige etwas rustikale Küche führte und besah mir die Situation am Küchentisch - Siobhan gegenüber von Cayden, der den kleinen Fionn lachend auf dem rechten Knie schaukelte. Ansonsten befand sich niemand hier.


"Ist okay. Aber wenn man die Verantwortung für jemand so kleinen hat muss man darüber nachdenken", sagte ich zu ihm. Ich wollte es ja nicht heraufbeschwören. Momentan ging es uns dreien gut und das sollte auch so bleiben. "Er will nicht hören, dass Ty und mir etwas passiert und ihr euch dann um Fionn kümmern müsste", antwortete ich Sarah. Ich war sehr froh darüber, dass ich hier eine zweite Familie gefunden hatten. Und wir waren nicht gerade eine kleine Familie.



Nachdem ich das Bad noch aufgeräumt hatte, ging ich hinunter in die Küche. Jedenfalls versuchte ich den Weg zur Küche zu finden. Ich brauchte immer etwas um mich zu orientieren, wenn ich irgendwo neu war.




Ich sah auf den kleinen Knirps - der gar nicht mehr so klein war - dachte daran wie es wohl sein würde ihn als eigenen Sohn aufzuziehen. Seitdem wir ihn oft hier hatten und ich seine Patentante war...ja es war fast komisch. Ich fand es gar nicht mehr so abwegig vielleicht ein Kind groß zu ziehen...wir hatten genug Platz, Leute die uns helfen konnten. Bisher hatte ich mit noch niemand darüber gesprochen - ich gestand es mir selbst ja kaum ein. "Wir würden ihn in unserer Mitte begrüßen! Ist Killian schon wieder unten, der hat vorhin das Gästebad blockiert. Hab hier gleich die Routen mitgebracht, die wir raus gesucht haben...allerdings regnet und stürmt es noch immer da draußen."


"Und genau deshalb wirst du seine Patentante werden. Ich weiß einfach, dass er es hier gut hätte. Auch wenn wir von diesem schlimmen Fall nicht ausgehen. Man weiß nur leider nie was das Schicksal mit einem vor hat", antwortete ich ihr. "Cayden erprobt seine neusten Erziehungsmethoden an Killian. Ich hab gesagt, bevor er Fionn erziehen kann, sollte er an seinem Azubi üben. Und wenn das gut läuft, kann ich Ty auch wieder erlauben Fionn mit hier her zu nehmen." Ich lachte, denn ich würde Ty nie verbieten Fionn mit hier her zu nehmen. Mein Sohn sollte von vorn herein lernen, dass dies unsere Familie war, auch wenn wir nicht durchs Blut oder durch Hochzeiten miteinander verbunden waren.

Etwas unsicher ging ich den Flur entlang in der Hoffnung, dass ich nach unten kam und dann die Küche fand. Einer der beiden Hunde versperrte mir den Weg und wollte anscheinend gekrault werden. Jedenfalls hatte ich so einige gute Ausrede warum ich so lange gebraucht hatte.



Haha" ich musste kurz auflachen "Als könntest du Ty davon überzeugen seinen Sohn nicht hier her mitzunehmen" ich streckte kurz die Zunge in ihre Richtung aus, lachte trotzdem und Cayden stimmte mit ein. "Wo sind eigentlich die anderen?" stellte ich die Frage an Cayden. "Aiden und Kathi haben die Pferde gefüttert, wollten jetzt glaube ich ausreiten. Lia ist vorhin vorbei gekommen, Maeve kommt noch und dann wollten sie sich Soul und Corry schnappen. Ich hab ihnen erlaubt auch gern Braum ein wenig spazieren zu führen. Hansi hat einen neuen Auftrag bekommen von Catalina und ist unterwegs. Killian hat sich schmollend in das Wohnzimmer verzogen." Gerade als ich darauf antworten wollte, kam ein mürrisch drein blickender Killian in die Küche zurück und ließ sich auf einen Stuhl plumpsen. Na das konnte ja noch interessant werden.



"Stimmt auch wieder. Ich bin ja froh darüber, dass er sich so viel um ihn kümmert. So kann ich auf dem Hof auch mit anpacken und muss nicht nur mit zusehen", meinte ich zu ihr.



"Genug jetzt", sagte ich zu dem Hund und ging die Treppe herunter. Ich folgte den Stimmen und fand somit auch die Küche. Alle, die an diesem Projekt beteiligt waren, waren bereits anwesend. Ich setzte mich zu ihnen an den Tisch. Ich war gespannt, was die drei so geplant hatten.



Als dann endlich alle zugegen waren stellte ich noch einmal die Sachlage vor. "Zum Ende eurer Ausbildung müsst ihr vorweisen, als Trainer ein Pferd allein ausgebildet zu haben...um euch darauf vorzubereiten arbeitet ihr mit uns zusammen und schaut zu was wir tun. Meg wird in einem Jahr fertig sein, ist also die erfahrene von euch beiden. Deswegen wird ihr die Führung obliegen. Ihr werdet den Hengst von Siobhan Was immer du tust, in der Distanz trainieren und auch Yael darauf vorbereiten Rennen zu laufen. Am Ende dieser Zeit werdet ihr an einem Rennen teilnehmen, und dann werden wir sehen wie gut ihr euch anstellt. Dabei ist eure gemeinsame Teamarbeit gefragt, denn im Training geht es auch darum - zusammen arbeiten zu können." Cayden und ich hofften auch einfach, das dem jungen Grünschnabel durch Megs Charakter etwas Benehmen eingebläut wurde. "Hast du noch etwas hinzuzufügen Siobhan?"



"Wir werden euch bei Fragen unterstützen, aber es ist eigentlich so gedacht, dass ihr selbstständig arbeitet. Wir wollen, dass ihr zusammen arbeitet und euch gegenseitig unterstützt. Sei es dabei ein Trainingsplan zu erstellen oder Fehler durch den anderen korrigieren zu lassen. Gemeinsam sollt ihr beide Pferde vorbereiten. Denkt aber auch daran, dass ihr noch andere Aufgaben habt. Das Training muss also gut geplant sein, damit ihr alles unter einen Hut bekommt", fügte ich hinzu. "Alles klar soweit?" Ich war gespannt, wie die beiden im Team arbeiten würden. Ich hoffte, dass Meg sich von Killian nicht unterbuttern ließ. Sie musste eine strenge Hand walten lassen, wenn er wirklich so chaotisch wie Ty ist, als er seine Rebellionsphase hatte.



Mit nur halben Ohren hörte ich zu, starrte auf die Maserung des Tisches, die Behandlung von Cayden nagte ziemlich an mir. Da überdachte ich beinahe die Aussage den besten Ausbildungsplatz zu haben. Unbedingt begeistert mit dieser Meg zu arbeiten - ich würde Yael auch allein hinbekommen. Trotzdem hob ich bei der letzten Frage den Kopf, setzte mich aufrecht hin und sah hinüber zu Meg. Hässlich war sie nicht...ich hoffte nur bei Gesprächen ihr nicht alles aus der Nase ziehen zu müssen. "Alles klar!"



"Ja. Ist alles geklärt. Sollen wir auch selbst Routen erarbeiten?" Ich war mir etwas unsicher diesbezüglich, da Killian nun erst seit kurzem hier war und ich auch noch nicht viel weiter geritten bin als in unser angrenzendes Wäldchen. Wenn wir noch selber Strecken uns suchen müssten, würde das eine sehr große Arbeit werden. Ich war gespannt auf die Zusammenarbeit mit ihm. Er schien mir nicht der motivierteste zu sein. Jedenfalls hatte er nur gelangweilt dar gesessen und Löcher in den Tisch gestarrt. Ich wünschte mir, dass die Zusammenarbeit Problemlos verlief und wir uns einigermaßen verstehen.



Damit erhob ich nun die Stimme, schließlich hatte ich die Strecken für dieses Training der besonderen Art "Selbst müsst ihr diese Strecken nicht ausarbeiten, trotzdem solltest ihr auf den Routen bleiben. Im Frühjahr werden die Schafe und Rinder wieder aus den Ställen gelassen, wenige der Bauern haben Zäune. Unsere Pferde sind weitestgehend daran gewöhnt, aber ihr müsst trotzdem aufpassen."




Wann soll es losgehen?"



Mir fiel ein Stein vom Herzen als Cayden sagte, dass er die Strecken ausgearbeitet hatte. Dann konnte ja nichts mehr schief gehen, oder? Jedenfalls mussten wir uns darum nicht mehr kümmern. Es wäre schwer gewesen erstmal schöne Wege zu finden, da wir uns ja beide hier nicht so gut auskannten. Meine Chefin meinte, dass es sofort los ginge. Laut ihr hatten wir einen Monat Zeit, wobei nach 2 Wochen ein Zwischenstand abgefragt wird. Dann war ja alles klar. "Wollen wir gleich anfangen", fragte ich Killian.




Ein letzter Schluck vom mittlerweile arschkalten Tee, dann schob ich den Stuhl nach hinten. "Wir können starten." dabei schenkte ich ihr ein Lächeln, zumindest waren wir in etwa ein Alter. So schlimm konnte es ja nicht werden und dem ersten Eindruck nach zu urteilen schien sie auch nicht Maulfaul zu sein. "Komm mit - ich zeig dir erstmal den Hof, damit du auch weist wo alles ist.




"Gute Idee", antwortete ich ihm und stand auf. Ich war bis jetzt nur im Stall gewesen und dann im Haupthaus. Ein Rundgang wäre daher ganz gut. Vorallem bei meiner Orientierung. Bei Gebäuden und vorallen in Gebäuden hatte ich damit Schwierigkeiten, aber im Wald fand ich mich zurecht. Da suchte ich mir Anhaltspunkte.



Als die beiden verschwunden waren, saß ich mit Sarah und Cayden noch am Tisch. "Was glaubt ihr wie lange die beiden brauchen um aneinander zu geraten?" Es waren zwei unterschiedliche Charaktere und mehr gemeinsam als die Ausbildung hatten sie den ersten Anschein nach nicht. "Und anscheinend vermisst mich mein Sohn auch nicht sonderlich. Dir geht es gut bei Patenonkel Cayden, hmm mein Spatz?"



Da fühlt sich ganz offensichtlich wer wohl!" ich tippte dem Kleinen liebevoll gegen die Wange, langsam sah er etwas müde aus, da kam mir jedoch eine ganz andere Wolke entgegen. Ich hustete leicht "Ich denke bevor wir verhandelt wie lange sie brauchen um im Streit zu liegen, sollte Miniman eine neue Windel bekommen." lachte ich scherzhaft. Cayden verzog auch schon das Gesicht und nickte..."Sag mir wo du alles hast dann mach ich das fix." winkte Cayden ab, als sich Siobhan erhob. Dann stemmte Cayden Fionn mit den Armen über seinen Kopf "Wir Männer machen das schon,hm?"



Das da drüben ist unser Offenstall für die Stuten, allerdings wirst du dir nur den Weg zu den Hengsten genauer merken müssen, da wird wohl Was immer du tust für eine Weile stehen." zumindest ging ich davon aus, das Training musste ja irgendwo stattfinden und Caed Crevan bot dafür die besseren Voraussetzungen. "Sonst noch Fragen?" Das herumführen machte langsam aber sicher keinen Spaß mehr.




Ich gab Cayden die Tasche mit den Babysachen. "Danke", sagte ich zu ihm und setzte mich wieder. Es war so süß wie er sich um ihn kümmerte. Ich konnte verstehen, wieso Ty ihn oft mitnahm. Fionn wurde einfach umsorgt und mit Liebe überschüttet. Auch, wenn es mir etwas schwer fiel mein Baby in andere Hände zu geben, so wusste ich, dass Cayden alles im Griff hatte. Cayden war immer so nett zu dem Kleinen. Ich war mir nicht sicher, aber vielleicht sah er Fionn auch als eine Art Ersatz für ein eigenes Kind an, da er selber keine Kinder mit Sarah kriegen konnte.



Ich versuchte mir den Weg zu merken, aber ob ich das schaffen würde wusste ich nicht. "Wie sieht es mit Reitplatz und Reithalle aus", fragte ich ihn. Er schien ja richtig motiviert zu sein. Einen Rundgang bestehend aus zwei Ställen- das nenne ich herumgeführt. Putzplätze draußen oder drinnen? Wo wird das Equipment gelagert, wo das Futter. Wenn er schon von sich aus anbot mir den Hof zu zeigen, dann erwartete ich auch, dass er mir den ganzen Hof zeigte.




Die Reithalle zeig ich dir später, im kleinen Nebenraum werden die Sachen der Pferde gelagert, darüber befindet sich die Wohnung von Hansi, Aiden und mir, daneben noch eine weitere Gästewohnung. Wenn du hier in die Richtung da schaust" ich nahm meinen Arm zur Verdeutlichung "siehst du die Ovalbahn. Manchmal fällt es den jungen Pferden darauf besser Gang und Bremse zu finden bevor wir auf den Platz gehen. Komm gehen wir zum Stall hinüber, da ist auch einiges Equipment untergebracht."



Ich folgte seinen Erklärungen und langsam hatte ich auch einen Überblick über den Hof. Er war größer als Classical Harmony, aber das lag alleine schon daran, dass wir weniger Pferde hatten. Um alle Pferde zu versorgen reichten 5 Personen, aber mit mehr Pferden würden Siobhan weitere Leute einstellen müssen. "Eine Ovalbahn haben wir nicht. Einen Longierzirkel haben wir und darin trainieren wir die jungen Pferde, bevor es in die Halle geht oder auf den Platz.", sagte ich zu ihm. Jetzt doch motiviert? Ich war etwas verwirrt, was man mir hoffentlich nicht ansah.




Ich denke im Grunde ist es sogar nebensächlich wo das Pferd trainiert wird...die Natives haben ihre Mustangs teilweise mithilfe von Wasser zugeritten, die Pferde sind beim Volk geblieben ohne jegliche Umzäunungen. Natürlich wäre das wegen der Hengste und Stuten hier nicht möglich, aber genau das finde ich interessant. Hast du irgendwelche Guru´s denen du nachstrebst,oder ?" So langsam machte es mir Spaß, diese führende Rolle.



Da hatte er Recht. Es war egal wo das Pferd trainiert wurde im Prinzip. Wir fingen halt im Longierzirkel an, weil sie das kennen und dort eine Begrenzung ist. Ich schüttelte den Kopf. "Ich habe keine Gurus, denen ich nach mache. Ich schau eher bei vielen Dingen mal rein und nehme das mit, was ich für mich persönlich am sinnvollsten Halte. So hat man viel Input und kann sich selbst entwickeln. Und man kann herausfinden, was wirklich zu einem passt."



Im Gehen wandte ich ihr einen Seitenblick zu, hob eine Augenbraue "Mhm...keine schlechten Ansichten, die teile ich sogar. Man sollte seinen eigenen Weg finden statt ziemlich Sinnlos anderen nachzueifern. Hat mich bisher schon ziemlich weit gebracht." das ich die Schule hatte abbrechen müssen, wegen der schlechten Noten ließ ich lieber aus...Wer brauchte schon die Schule? Die Ausbildung konnte ich auch so machen, wenn ich damit durch war konnte ich Pferde trainieren...so ziemlich das einzige was mir wirklich Spaß machte.




Wunderte mich etwas, dass er das genauso sah. "Ich finde es so einfach besser. Ich möchte auch selber was lernen und mich nicht nur belehren lassen. Dinge ausprobieren und gucken, ob sie funktionieren. Mal einen anderen Weg einschlagen als der, der in den Büchern steht." Alleine wenn man die Ausbildung von Eddie und Siobhan nebeneinander hält sieht man, dass die beiden etwas anders arbeiten, aber beide Arbeiten gut mit ihren Pferden. Und von beiden konnte ich lernen, ebenso wie von Mark.




Zugegeben nun erstaunte sie mich wirklich...genau so mochte ich es zu lernen, durch eigene Erfahrungen statt es immer vorgeschrieben zu bekommen. "Damit kann man auf der anderen Seite auch sehr auf die Nase fallen, oder aber Leute beginnen einen den nächsten Guru zu nennen...dann folgen Pressetermine und irgendwann kommt man vielleicht von diesem Weg ab, schreibt selbst Bücher darüber. Ich kann Menschen nicht leiden die anfangen sich selbst zu verkaufen."




"Aus Fehlern lernt man und Gott sei dank sind Pferde sehr nachsichtig, wenn man sie etwas besticht", meinte ich zu ihm und lächelte. Das nicht immer alles klappte war klar, aber das konnte auch im normalen Training so sein. Dann ist das halt mal so und man hat eine Aufgabe, an der man wachsen kann. Von Selbstvermarktung waren wir beide wohl noch meilenweit entfernt. Wir hatten ja nicht mal die Ausbildung abgeschlossen. Er hatte gerade erst angefangen und ich war schon zur Hälfte fertig.



Ich arbeite gern mit den Pferden per Clicker, Sarah hält nicht viel davon und Hansi geht auch damit gern ans Pferd - da sieht man schon wie viele unterschiedliche Wege zu einem Ziel führen können. Bei jedem Pferd muss man auch wieder andere Wege einschlagen. Ich glaube auch deswegen hab ich mich dafür entschieden Trainer zu werden."



"Ich war schon immer sehr Pferdebegeistert und mein ganzes Leben lang begleiten sie mich. Und was gibt es schöneres als seien Leidenschaft zum Beruf zu machen?" Ich hatte Glück, dass ich hier gelandet war, denn ich hätte mir keinen schöneren Ort zum Lernen vorstellen können. "Ich möchte später eher Unterricht geben und nebenbei die Pferde auch ausbilden. Ich möchte mein Wissen an andere weitergeben und ihnen nicht nur ein fertiges Pferd vor die Füße stellen."



Dann haben wir ja etwas gemeinsam." murmelte ich, während wir den mittelalterlich anmutenden Stall betraten. Ich sprach nicht gern über meine Vergangenheit, es schmerzte und lies ich wie einen Trottel dastehen. Ich wollte die Ausbildung hier als Chance nutzten, doch bisher war es schwieriger als ich gedacht hat.



Vermutlich auch die einzige Gemeinsamkeit. Ich war mir nicht sicher, ob das Projekt klappen würde. Ich würde mein bestes geben, damit es funktioniert. Schließlich wollte ich auch, dass Siobhan mit mir zufrieden ist. Sie war eine tolle Chefin und das Team hatte einen guten Zusammenhalt. Sie waren meine zweite Familie geworden. Manchmal schmerzte es zu wissen, dass meine Familie und meine Freunde so weit weg waren. Aber dann stelle ich auch schnell fest, dass ich hier auch eine Familie gefunden hatte, die mich herzlich aufgenommen hatte. Und das verdankte ich Eddie, die mich an Siobhan weitergeleitet hatte. Ich hatte wirklich Glück gehabt, auch wenn ich dafür ein Opfer bringen musste.



Unser Rundgang war beendet, wir standen an der Box des Hengstes "Hast du noch irgendwelche Fragen zum Hof oder wollen wir uns einen ersten Plan machen?" Ich war für einen Plan, dann hatte jeder seine festen Zeiten in denen der Hengst trainiert wurde. Nebenbei konnte der andere sich dann um Yael kümmern, der Highlandhengst war was seinen Charakter anging nicht sonderlich schwer zu händeln und würde keine Probleme machen.



"Ich würde sagen, dass wir uns einen Plan machen. Wenn mir noch Fragen einfallen kann ich auch zwischendurch mal fragen"; meinte ich zu ihm. Ein Plan war eine gute Idee und wir würden den auch brauchen. Schließlich mussten die anderen Pferde auch versorgt werden und ich musste erstmal wieder zu Classical Harmony kommen, um dort meine Aufgaben zu erledigen. Von daher sollte es schon gut getaktet sein.



Dann gehen wir am besten wieder ins Haupthaus, schnappen und Papier und Stift , dann vielleicht noch ein warmes Getränk und verziehen uns ins Büro falls es nicht belegt ist. Soll Was immer du tust eigentlich hier bleiben,oder geht´s mit ihm zurück?" Ich hatte die Frage gestellt, da wieder prasselnder Regen auf das Dach des Stalles nieder ging....und wir hatten natürlich keinen Schirm und würden klatschnass im Haupthaus ankommen...zum zweiten Mal.



"Er bleibt fürs Training über hier, da man von hier schneller auf die geplanten Routen kommt. Hat sich auch schon gut eingelebt der Gute", meinte ich zu ihm und sah zu meinem Hengst, der genüsslich am Heu knabberte. Er schaute kurz auf, was da vor seiner Box los war, widmete sich dann aber wieder seinem Futter. "Wollen wir noch einen Moment warten? Vielleicht hört es ja gleich auf." Ich hatte nicht sonderlich viel Lust nochmal nass zu werden.



Ich spähte wenig begeistert nach draußen, der Himmel war grau und der Wind pfiff durch die Dachbalken. Im Grunde wussten wir nicht ob es "in einem Moment" wieder aufhören würde, doch erpicht darauf nass zu werden war ich keinesfalls. Also sah ich mich um - ich hatte heute morgen mit Aiden zusammen die Boxen sauber gemacht. "Warte kurz" ich lief in den Stall suchte mir zwei der Abschwitzdecken von Ikarus und Darym, kehrte zurück und machte eine der Boxen auf. "Setzten wir uns hier rein, die Decken halten uns trotz Wind halbwegs warm und mein Smartphone ist zwar etwas Altersschwach, aber ein paar Notizen für unseren Plan kann ich aufschreiben." bot ich ihr an.



"Gute Idee. Hoffentlich hört es bald auf. Ich will nicht noch ein zweites Mal nach Klamotten fragen", meinte ich zu ihm und setzte mich ins Stroh, die Decke fest um mich gewickelt, denn es war schon ganz schön frisch. "Meins funktioniert noch ganz gut. Dann können wir genügend Notizen machen, wie das die Tage jetzt ablaufen soll. Ich denke, als erstes sollten wir schauen, wie trainiert unsere Pferde sind und dann überlegen, was verbessert werden muss um das Ziel zu erreichen." Wir beide kannten unsere Pferde, aber keiner wusste wie das andere Pferd trainiert war. Ein Pferdetausch wäre vielleicht nicht schlecht und auch ein Proberitt mit Pulskontrolle.



Yael hat im Winter stark zugenommen, hat allerdings seitdem ich hier bin einiges abgespeckt...im Trab kann er ohne gleich Ex zu gehen 10 Minuten sicher laufen. Viel weiter ist sein Training für die Distanz noch nicht. Wir hätten wohl fragen müssen wie lang die längste der Routen ist, die wir bestreiten müssen." setzte ich fest, kratzte mich am Kinn und zog die Decke ebenfalls enger um mich. Blödes Wetter.



"Was immer du tust ist ganz gut in Form. Richtig auf Distanz haben wir ihn aber noch nicht trainiert. Nur lange Ausritte, mit vielen Schritttouren haben wir bis jetzt gemacht. Er kann eigentlich relativ lange am Stück traben. Ja das hätten wir tun sollen, aber ich denke mal, dass wenn wir fürs Turnier trainieren, die Distanz für ein E-Turnier reiten sollen. Das wäre jedenfalls logisch", antwortete ich ihm. Der Welsh Hengst hatte bis jetzt öfters mit Sprüngen zu tun gehabt, anstatt mit langen Distanzen. Aber um im Parcour nicht schlapp zu machen brauchte er auch einiges an Kondition.



Gut...dann lassen sie uns mit nur halbwegs trainierten Pferden und vier Wochen Vorbereitung sicher keine lange Distanz gehen, sondern einen Einführungsritt. Diese sind höchstens 12 Kilometer lang. Wie wäre es wenn wir die erste Woche damit verbringen die Kondition der Hengste auf eine Stufe zu bringen und anschließend mit einem ersten "Rennen" beginnen, das etwa 5 Kilometer hat?" Das wäre eine mir logische Vorgehensweise, ähnlich hatte ich Sarah auch schon trainieren sehen.




"Denke ich auch. Und in vier Wochen können sie die Kondition für noch längere Ritte nicht aufbauen.Klingt gut. Wie wollen wir die Kondition der Pferde auf einen Stand bringen? Lange Ritte mit viel Trab? Wir sollten auch Tage einplanen, wo sie gymnastisiert werden." Nur immer auf Distanz würde die Pferde schnell ermüden lassen- Gerade am Anfang müssten auch andere Muskeln beansprucht werden.




Ein guter Mix aus Bodenarbeit und Ritten ist gut, allerdings dürfen wir nicht außer acht lassen das auch wir trainieren müssen...12 Kilometer sind ne ganze Menge, wenn wir leichtraben müssen. Wie wäre es wenn wir alle zwei Tage mit den Pferden joggen gehen die Hügel rauf und runter, durch den Sand des Strandes und in den Pausen machen wir und die Pferde einige Muskelübungen. Die anderen Tage sitzen wir auf ihren Rücken veranstalten lange Ritte. Am dritten und siebten Tag der Woche bekommen sie frei - oder zumindest nur leichte Bodenarbeit. Am Ende der zweiten Woche sollten sie ungefähr einen 10 Kilometerritt mit vielen Trabphasen schaffen. Zumindest in der Theorie."



"Ja das klingt gut. Ich denke, dass ein bisschen joggen nicht reichen wird. Ich würde glaube ich richtig Krafttraining machen um die Beine fit zu kriegen. Auch wenn wir mal längere Strecken galoppieren müssen wir im Leichten Sitz eine gute Figur machen"; meinte ich zu ihm. Es würde hart werden, aber es war machbar. "Die Theorie gefällt mir. "Dann lass uns morgen mit einem Ausritt anfangen und nach den Trabphasen den Puls messen. Dann wissen wir, wie schnell ihnen die puste ausgeht. Da wir beide trainieren sollen, würde ich vielleicht auch einen Pferdetausch vorschlagen. Somit lernt jeder das andere Pferd kennen."



Pferdetausch..keine schlechte Idee. "Gut dann machen wir auch einen Tausch der Pferde, allerdings werden wir bei den Ritten gar nicht bis sehr selten galoppieren, weshalb das Krafttraining nicht so wichtig wäre."

"Ich würde es im Training mit einbauen. Einfach nur damit sie nicht mit Ach und Krach die letzten Meter schaffen. Zudem bieten sich einige Wege gut dafür an. Was immer du tust wird schnell ungehalten, wenn er nicht mal schneller laufen darf. Er braucht das Zwischendurch, sonst kannst du gleich absteigen. Dann macht er total dicht." Ich würde Krafttraining machen, einfach weil ich mir vorstellen konnte, dass es sehr Kräftezehrend sein wird.



Gut, dann mach dein Krafttraining. Wir sollen schließlich nur die Pferde fertig machen." ich sah noch einmal nach draußen, obwohl ich den Wind da immer noch hören konnte und auch den Regen auf dem Dach. Ich dachte darüber nach was sie gesagt hatte...wieso sollte auf einem Einführungsritt nicht auch einige Strecken Galopp geritten werden, das Pferd könnte sich daran gewöhnen und es könnte die Zeit verbessern.



Wenn er glaubte, dass er das so wegstecken würde mit etwas joggen- meinetwegen. Jeder das was er für sich am besten hält. "Genau. Wir werden dann am Ende ja sehen, ob es gut war oder nicht", meinte ich zu ihm. Ich kannte mein Pferd und wusste, dass er ab und an einen lockeren Galopp brauchte, weil es ihm sonst zu langweilig wurde. Und ich fand es auch besser, schon so zu trainieren, dass sei die Strecke auch schaffen und auch noch ein bisschen mehr. So würden sie auch leichter durch die Kontrollen kommen.




Damit notierte ich bereits einiges von dem worauf wir uns geeinigt hatten auf meinem Handy, erhob mich dann mit etwas steifen Gliedern und taperte mit entlastenden Schritten durch das Stroh. Die alte Verletzung in meinem Bein war die tägliche Belastung noch nicht allzu sehr gewohnt, machte nun einige Probleme. Doch würde sich das mit der Zeit geben. "Also entweder wir frieren jetzt weiter oder rennen doch noch schnell durch den Regen?"



"Ich bin fürs frieren. Ich kann doch Sarah nicht noch einmal nach Klamotten fragen", meinte ich zu ihm. Es war mir schon unangenehm einmal zu fragen, aber ein zweites Mal wollte ich das bestimmt nicht. Zumale die Klamotten auch recht eng saßen. Ich würde mich nicht gut fühlen, sie noch einmal nach trockenen Kleidern zu fragen.



Nach fast zwei Stunden im Stall war es schließlich Sarah gewesen, die bewaffnet mit zwei Schirmen in den Stall kam um uns abzuholen. Meine Hände waren ein bisschen taub, bei Meg musste das ganze noch ein wenig schlimmer sein. Wir hatten uns für den nächsten Tag auf einen ersten Proberitt geeinigt.





die erste Woche


Beim ersten Training hatte ich dann auch alsbald festgestellt das Was immer du tust(dieser Hengst brauchte irgendeinen Spitznamen!) nicht ganz ohne war. Auf der Hälfte der Strecke war er mir nach rechts ausgebrochen, hatte fast Yael erfasst und war dann quer über die Wiese galoppiert, dabei hatte ich Angst gehabt er würde die Lämmer umrennen. Meg hingegen hatte mit dem Gutmütigen Yael keine weiteren Probleme, trotzdem war schon klar - Yael fehlte es ein wenig an Kondition. Trotz allem hatten beide Hengste den ersten "Sichtungsritt" ganz gut überstanden. Noch hatten Meg und ich einige Kommunikationsschwierigkeiten, da wir noch nicht lange kannten - sie war jedoch keine dieser schweigsamen Mauerblümchen worüber ich dann doch sehr froh war. Nur ein gemeinsames Thema zu finden war doch sehr schwierig, sodass wir die erste Woche eher im Schweigen verbrachten. Doch gerade unsere beiden Hengste hatten in dieser ersten Woche gewaltige Sprünge nach vorn gemacht - Yael hatte ordentlich an Kondition aufgebaut, eine Viertelstunde im Trab stellte bereits kein Problem mehr dar. Mit Was immer du tust hatte ich doch noch ein paar Machtkämpfe ausgefochten. Zumindest hatte sich das Wetter von Grau,matschig und nass zu langsam sommerlichen 15ºC und Sonne gewechselt - auch wenn es - typisch Schottland - noch nicht aufgehört hatte neblig zu sein. Am Sonntag kamen zwei verschwitzte Reiter und Pferde auf Caed Crevan an - der Hengst hatte es geschafft mich abzusetzten "Wahnsinnig wie er in deinen Händen zu einem Lamm wird. Sag mir wenigstens so war er am Anfang auch zu dir?!"



Ich lachte. Killian und Charmeur waren nunja, nicht gerade die besten Freunde wie man erkennen konnte. Mit Yael hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. Er war gut zu händeln und wir beide verstanden einander immer besser. "Da muss ich dich leider enttäuschen. Er war schon von Anfang so ein braves Pferd. Vielleicht mag er dich einfach nicht. Warum auch immer. Ich wüsste auch nicht, dass er bei anderen sich derart verhalten hätte. Kann es vielleicht sein, dass du ihn zu hart anpackst und er das nicht mag?" Ich war wirklich etwas ratlos, warum Was immer du tust mit Killian nicht zurecht kam. Sonst war er nie so. Ja, er war sensibel und hatte Temperament, aber bei Killian benahm er sich komplett anders als bei mir. "Mein kleiner Charmeur weiß eben bei wem er artig sein muss und bei wem nicht", meinte ich zu dem Hengst und tätschelte seinen Hals. "Bei ihm böse sein und bei mir brav", flüsterte ich ihm zu und kicherte.



Meine Augen zogen sich ein wenig zusammen, während ich mit doch deutlich zu spürendem Muskelkater aus dem Sattel stieg bei diesem schönen Tag hatten wir einen Ritt von 10 Kilometern unternommen. "Zu hart in der Hand, denke ich nicht." konterte ich, in leicht genervtem Ton...Kritik an meiner Person mochte ich nicht sonderlich leiden, besonders da ich wusste das es sein konnte. Die ersten Male hatte der Hengst testen wollen, also hatte ich die Zügel stärker angenommen - jetzt brach er aus oder buckelte um mir meinen Fehler zu offenbaren...Ich schluckte und trottete wortlos weiter in Richtung Stall...



Anfangs war mir die Distanz noch schwer gefallen, aber durch das Training war ich fitter geworden. Es war schwer gewesen, sich nach dem Training mit Killian und der Arbeit auf dem Hof auch noch Abends zu trainieren. Aber es hatte sich ausgezahlt. Das anfängliche brennen in den Beinen war nur noch ein zwicken. Ich schwang mich aus dem Sattel und klopfte Yeals Hals. "Wenn du meinst, dass es etwas anderes ist, dann bitte, aber es ist schon komisch, dass er das nur bei dir macht und bei allen anderen nicht. Es kann nur mit dir zu tun haben", meinte ich zu ihm. Man musst auch mal einssehen, wenn man Schwächen hatte. Was immer du tust zeigte seinem Reiter schnell, wenn er etwas falsch machte. Wenn man auf die Signale achtete, dann wusste man auch, dass man etwas ändern muss. Er legt sich dann sehr aufs Gebiss, wenn man etwas möchte, legt die Ohren öfters nach hinten, trippelt vor sich hin ... Man musste die Signale nur lesen. Nächstes Mal würde ich Was immer du tust wieder reiten.




Ich zuckte mürrisch mit den Schultern nahm Yael bei den Zügeln um ihn wieder auf die Weide zu führen. Für heute hatten wir unser Training beendet, ich wollte nicht weiter diskutieren, bis mir auf die Zunge und vollzog meine Arbeit stillschweigend, die erste Woche hatten wir ja zumindest überstanden. Es würde nur ungemütlich werden, wenn wir uns in die Haare bekamen, außerdem war sie nur ein Mädchen.



Ich hatte Was immer du tust genommen, als er mir Yael mehr oder weniger aus der Hand riss. "Ich weiß ganz genau, was du denkst", sagte ich zu dem Hengst, der mir ins Gesicht bließ. Ich streichelte über seien Nüstern. "Ich weiß, ich weiß. Du bist der allerbeste." Ich führte ihn in den Stall, wo ich ihn absattelte und putzte. Ich kraulte seine Stirn und er schmuste seinen Kopf an meinen Oberkörper. Er war so süß. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass Killian etwas zu grob war. Es war öfters so, dass Männer eher mit Kraft ritten als mit Leichtigkeit und genau dies war bei dem Hengst gefragt.


Nachdem wir die Pferde versorgt hatten und uns für den nächsten Tag verabredet hatten, fuhr ich zurück zu Classical Harmony.



Die zweite Woche

Die zweite Woche unseres Trainings verlief recht gut. Was immer du tust und Killian würden wohl nie Freunde werden. Da die beiden nicht so sehr harmonierten, hatten wir den Pferdewechsel minimiert. Es brachte uns nicht weiter, wenn die beiden sich gegenseitig im Weg standen und lieber testeten, wer am längeren Hebel sitzt. Der Hengst hatte an Ausdauer gewonnen und eine viertel Stunde im Trab klappt gut. Auch Yael hielt mit ihm mit. Die Ponys waren nun auf etwas den gleichem Stand. Yael und Was immer du tust verstanden sich ganz gut. Klar, ab und an zickten sie sich an, aber ansonsten waren sie brav. Mit Killian war es …. schwer. Ja, er konnte nett sein, wenn er wollte. Aber sobald man ihn ein klein wenig kritisierte, schaltete er auf stur, was es etwas schwer machte an Fehlern zu arbeiten. Ich war immer noch der festen Überzeugung, dass das bisschen Joggen uns nicht auf den Ritt vorbereitete. Ja, es half etwas, aber alle anderen Muskeln blieben untrainiert und das brachte dann auch nichts.


Ich hatte am Morgen Lovegame longiert und die Boxen gemistet. Nach dem Mittagessen hatte ich mich ins Auto gesetzt und war rüber zu Caed Crevan gefahren. Ich parkte das Auto und ging dann sofort in den Stall zu meinem Hengst. Er schaute aus der Box und spitzte die Ohren. Ich führte ihn auf den Putzplatz. Wo war Killian? Naja vielleicht aßen sie noch zu Mittag. Ich putzte Was immer du tust ausgiebig und hatte ihn schon gesattelt, als ein völlig abgehetzter Killian mit Yael am Halfter zum Putzplatz kam. „Tschuldige, hab die Zeit aus den Augen verloren“, sagte er. Ich nickte nur. „Soll ich dir beim putzen helfen“, fragte ich ihn. Dann würden wir schneller los kommen. „Nein nein. Das mach ich schon selber.“ Dann nicht. Ich wollte ja nur helfen. Ich hatte Was immer du tust bereits fertig fürs Reiten. Ich wollte heute auch mal den Puls der Pferde kontrollieren. Auf dem Turnier mussten auch durch solche Kontrollen. Es wäre gut zu wissen, wie schnell sich ihr Puls normalisierte. Dann wüssten wir auch, ob wir gut im Training waren.


Als Killian dann auch mal fertig war, schwangen wir uns in die Sättel und ritten im Schritt los. Es war immer schön auf Was immer du tust zu reiten. Und das beste war, dass ich somit größer war als Killian. Schnell verfielen wir in einen lockeren Trab, wo sich die beiden strecken konnten und warm werden konnten. Wir hatten uns fürs Intervalltraining entschieden. Anfangs ritten wir mehr Schritt als Trab, dann in der Mitte des Trainings waren Arbeitsphasen und Pausen gleich lang und zum Ende hin war die Arbeitsphase länger als die Pausen. Wir hatten uns heute für eine recht bergige Strecke entschieden. Es war gut für die Hinterhandmuskulatur und wir waren die Strecke noch nicht komplett geritten. Nach dem ersten drittel des Training legten wir eine Pause ein und ich kontrollierten den Puls der beiden Pferde. Es war noch alles im grünen Bereich, aber das sollte auch so sein, weil wir noch nicht richtig angefangen hatten mit dem Training. Die zweite Hälfte des Trainings verlief gut. Die beiden Hengste waren aber doch von dem vielen auf und ab schneller ermüdet. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass es sie viel Kraft kostete die Berge erst rauf und dann wieder runter zu traben. Vorallem weil sie auch die Last aufnehmen mussten um nicht auf der vorderhand zu laufen und dann das Gleichgewicht zu verlieren. Wir kamen gut voran und am Ende des Streckenabschnittes machten wir wieder halt zur Pulskontrolle. Beide brauchten etwas länger als angedacht um wieder auf den normalen Puls herunter zu kühlen. Aber sie brauchten nicht mehr so lange wie noch am ersten Tag. Da das Tempo wurde nun im letzten Abschnitt gesteigert und ich wollte Was immer du tust laufen lassen. Die Strecke gab einen langen Sandweg her, denn man super entlang galoppieren konnte. Wir trabten und ich ließ ihn angaloppieren. Zu Killian rief ich: Kleines Wettrennen bis zum Ende der Strecke!“ Mein Hengst zog an, als er merkte, dass Yael dichter kam. Am Ende war Yael knapp hinter dem Welshhengst. Ich klopfte ihm den Hals und wir ritten erstmal wieder Schritt, bis wir die nächste Trabtour einlegten. Da die Pferde nicht aufgeheizt zurück auf den Hof kommen sollten, legten wir vorher noch einmal eine Pause ein, wo ich wieder den Puls kontrollierte. Wenn wir bis zum Hof Schritt reiten würden, würden sie wieder einen normalen Puls haben, wenn wir ankommen würden. In einem Turnier hätten wir warten müssen, aber nun gut. Beide Pferde regenerierten sich schon schneller als am Anfang und das war ein gutes Zeichen.


Am Hof angekommen versorgten wir unsere Pferde und verabredeten uns für den nächsten Tag. Dannach ging jeder seiner Arbeit auf dem Hof wieder nach. Es gab viel zu tun und da blieb nicht viel Zeit für andere Dinge.



Dritte Woche



Mit gemischten Gefühlen starteten wir in die dritte Woche, die Sonne schien nun fast durchgehend, der Nebel löste sich vom Land und man hatte etwas mehr Sicht auf die uns umgebende Landschaft. Diese Woche verringerten wir nicht nur unseren Pferdetausch – wir ließen ihn nun fast komplett weg, ich achtete nun auf Yael darauf nicht allzu hart in den Zügeln zu sein, die Kritik nagte dann doch an mir. Am dritten Tage trafen wir uns zu einem gemeinsamen Tainingsritt der nun bereits 15 Kilometer betrug. „Wir haben das bisher wirklich gut gemeistert!!“ lobte ich bei einer Pause, schluckte anschließend und rang mich zu meinen nächsten Worten durch. „Meg?“ „mhm?“ sie drehte sich nicht zu mir um, da sie den Puls von Charmeur am zählen war, deswegen wartete ich. „Kommt nun noch eine Antwort?“


„Ich denke du hattest vielleicht Recht...ich war manchmal wahrscheinlich wirklich etwas grob im Zügel, deswegen hat er sich so ulkig verhalten. Bei Yael ist das Durchsetzungsvermögen nicht sonderlich von Nöten...bei deinem Hengst hab ich es wirklich ein wenig übertrieben.“ Erstaunt zog sie die Stirn nach oben, reichte mir dann die Zügel des Hengstes. „Dann Beweis mir mal das du es anders kannst.“ Doch etwas aus dem Gleichgewicht geworfen schwang ich mich in den Sattel, nahm die Zügel des Hengstes nur in einer Hand und ließ ihn das Tempo vorerst selbst entscheiden – siehe da am langen Zügel ging es wirklich besser. Seinen kurzen Galopp kommentierte ich nun das ich mich mehr in den Sattel lehnte, und sanfter nun die Zügel anzog. Yael kam neben mich zusammen mit einer Meg, die mich fast beängstigend genau beäugte.


Von da an wechselten wir dann doch ab und an die Pferde, konzentrierten uns darauf sie nun an die Pausen zu gewöhnen und machten immer weniger Ausflüge joggend , sondern mehr im Sattel der Tiere. Im Grunde diente diese vorletzte Woche eher dem Zweck beide Pferde an unterschiedliche Bodenverhältnisse zu gewöhnen, an die Straßen zu gewöhnen und auch an die konstante Bewegung – ihre Kondition reichte am Ende der Woche aus um gute 20 Minuten im Trab gutes Tempo wett zu machen.


Am letzten Tag dieser Woche verabredeten wir uns zu einer weiteren Teamsitzung zusammen mit Sarah und Siobhan, berichteten von unseren Fortschritten und auch anfänglichen Schwierigkeiten und baten darum in der nächsten Woche vielleicht so etwas wie einen Probedurchlauf eines Distanzrennens machen zu können. Sarah gab uns noch ein paar Trainingstipps und berichtete davon das am nächsten Tag der Schmied kommen würde um beiden Hengsten die Schuhe zu wechseln. „Das viele Laufen beanspruchen sie die Hufe allein zu sehr und sie bekommen nun beide speziellere Eisen.“ erzählte Sarah uns. Meg und ich sahen uns an – das bedeutete wir konnten zwei Tage nicht direkt reiten und mussten uns auf das Joggen beschränken.






Letzte Woche und Vorbereitung aufs Turnier


Wie versprochen kam am Montag direkt der Hufschmied, da sich dieser jedoch erst für 13 Uhr angekündigt hatte, wollten wir vorher noch ein Bergauftraining mit den Pferden starten. Mit ordentlich verschlafener Miene stand ich also bei Yael und putzte ihn...auf der anderen Seite summte Meg ein Lied. "Wie du um die Uhrzeit so wach sein kannst ist mir ein Rätsel. " bemerkte ich verschlafen an. Fuhr mir über die Augen und schlug mir gegen die Wange um wacher zu werden.
Eine halbe Stunde später befanden wir uns auf dem Weg in Richtung Loch Spelve - mittlerweile hatten wir so ziemlich alle Wege in Hof Nähe kennengelernt. "Ich glaube so schlank war Yael in seinem Leben noch nie! Wir hätten vorher nachher Bilder machen sollen, schade aber auch!" meinte "Ich hab welche gemacht, zumindest von Was immer du tust." entgegnete Meg "Zumindest ein Vergleich!"
Wir hatten uns so langsam näher kennengelernt, an sich war sie eine wirklich freundliche Persönlichkeit. "Was machen wir bloß wenn wir durch sind mit den beiden?" stellte ich auf dem Rückweg fest - wir mussten uns nun beeilen...der Schmied würde sonst ohne Pferde dastehen!


Ich war direkt nach dem Frühstück rüber gefahren zu Caed Crevan. Wir waren nun in der letzten Woche und das Turnier rückte näher, was mich auch ein klein bisschen nervös machte. Ich wollte, dass wir gut abschnitten. Durchs Ziel kommen war die eine Aufgabe, aber auch noch eine passable Zeit reiten war das größere Ziel.
Wir putzten unsere Pferde. Was immer du tust hatte angefangen zu Haaren und so langsam sah er nicht mehr wie ein exlopdiertes Kuscheltier aus.
"Früh in Bett geht und motiviert an die Arbeit gehen, weil ich dankbar bin, auf einem so tollen Hof arbeiten zu dürfen"; antwortete ich ihm und summte weiter mein Lied.
Der Ritt war schön und wir schafften die Distanz auch in einer recht guten Zeit. "Das weiß ich nichte. Ich denke mal, dass das Projekt dann für beendet erklärt wird und wir uns wieder den Aufgaben auf dem Hof zuwenden werden. Ich weiß nicht, wie Siobhans Pläne mit dem Hengst aussehen. Vielleicht solle er weiter trainiert werden, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht", antwortete ich ihm. "Ich muss mich auch auf meine Zwischenprüfung vorbereiten."


Oh weh...vor den Prüfungen graust es mich am meisten...ich hab so richtig gar keine Lust darauf. Allerdings will ich meiner Mutter wenigstens eine beendete Ausbildung präsentieren können." So unspektakulär wie unsere Woche begonnen hatte endete sie auch - wir hatten nur zwei Tage richtig trainieren können. Zwei Tage vor dem Einführungsritt, wollten wir ihnen eine Pause gönnen. "Ich glaube rückblickend haben wir das ganze ziemlich gut hinbekommen, oder? Bin auf die Teambesprechung nach unserem Distanzritt gespannt!"


Den letzten Tage vor dem Turnier trafen wir uns, um das gesamte Equipment zu putzen und schonmal einzupacken. So saßen wir in der Sattelkammer, vor uns unsere Sättel und Trensen und ein Eimer mit Sattelseife und Lederfett. "Ich glaube auch, dass wir gut trainiert haben und dass sie es schaffen sollten. ich hoffe, dass alles klappen wird." Meine Turnierklamotten waren schon gewaschen und gebügelt. Sie hingen an meinem Schrank im Gästehaus, sodass ich sie auf keinen Fall vergessen könnte. Stiefel putzen würde ich erst morgen Wichtig war, dass wir alles mitnahmen und es kontrolliert wurde.


Auch ich hatte soweit alles eingepackt - jedoch konnte ich bei einem Distanzrennen die ulkigen weißen Reithosen weglassen, es gab keine Pflichtkleidung auf solchen Veranstaltungen. "Am Anfang hab ich nicht wirklich daran geglaubt...zumindest bei Yael, aber der kleine hat sich wirklich gemacht!" Es war wirklich erstaunlich, sogar Sarah hatte das an einem Tag bemerkt...sie hatte unsere Arbeit gelobt, das hatte mich schon wachsen lassen. "Natürlich wird alles klappen...selbst wenn wir nicht mit einer Bestzeit aus dem Rennen hervor gehen, solange die Pferde das gut verarbeiten und wir auch ist alles gut. Um Schleifen können wir uns später auch noch kümmern. Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg. Morgen werden wir Gegner sein." meinte ich grinsend und reichte ihr die etwas nasse Hand.


"Möge der bessere gewinnen", antwortete ich ihm und schüttelte ihm die Hand. Ja, wir wären Gegner und ich hoffte so sehr, dass wir beide durchs Ziel kamen. Beide Pferde waren gut in Form. Wie es mit uns beiden ausssah - da konntei ch nur mich selber beurteilen und ich war fit. Die Sättel waren schnell geputzt und die Trensen auch. Somit war für morgen alles vorbereitet. Der Transpoter musste noch beladen werden, da wir gemeinsam hinfahren würden und der Rest war fertig. Heute würde es früh ins Bett gehen und morgen früh würde ich dann zusammen mit Siobhan nach Caed Crevan fahren und von dort aus zum Turnierplatz.
Nachdem auch der Transpoter beladen war und alles griffbereit lag, verabschiedete ich mich von Killian und fuhr zurück zum Hof um meine restlichen Aufgaben zu erledigen.
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