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Willkommen auf dem neuen Hof!

Geschrieben von handshake im Blog mein wahnsinn. Ansichten: 202

Kapitel 1 der Hofgeschichte

Willkommen auf dem neuen Hof



Es war ein ruhiger, sonniger Herbstabend, an dem ich mit einer Zeitung und Tee bewaffnet die letzten Sonnenstunden auf der Terrasse meiner kleinen Wohnung genoss. Ich blickte in die Ferne und dachte daran, dass bald meine neuen Pferde kommen würden und ich noch keinen blassen schimmer hatte, wo ich sie den unterbringen solle. Hinzu kam, dass mein Budget durch die laufenden Unterbringungskosten meiner Pferde als Pensionspferde bald aufgebracht war und ich sehen musste, mehr zu arbeiten, trotz meiner Anfälligkeit für irgendwelche Viren oder Infekte.

Langsam schlürfte ich meinen Tee und meine Gedanken schweiften ab, bis ich zum Hauptartikel der Zeitung kam. In Norddeutschland, direkt an der Ostsee, musste ein bekanntes Trakehnergestüt aufgegeben werden. Die Besitzer sind hoch verschuldet und müssten das riesige Gut aufgeben. Mit großen Augen las ich weiter.

"... Nun sucht die Familie Schrader unbedingt Käufer für ihr Gut. Bei Interesse oder Besichtigung bitte unter folgender Nummer melden.. "

Mir stockte der Atem. Natürlich, es war vielleicht etwas zu viel, ein großer Hof für meine fünf kleinen Racker, aber .. Ja. Aber. Mein größter Traum war natürlich ein Ausbildungsstall mit Gestütskomplex mein eigen nennen zu dürfen. Zögernd nahm ich den Hörer und traute mich nach dem sechsten Versuch endlich dort anzurufen. An der anderen Leitung meldete sich eine nett klingende, ältere Dame und wir vereinbarten für den nächsten morgen direkt einen Besichtigungstermin. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich darüber denken soll. Natürlich ist es schön, wenn Träume wahr werden, doch wer soll dann für die aufkommenden Schulden haften? Muss ich mir wirklich einen Kredit aufnehmen? Voller Sorgen stieg ich in mein Bett und schlief erst Stunden später ein, da in meinem Kopf ein Wechsel zwischen Traum und Alptraum stattfand.

*~*~*~*~*~*

"Ach, Sie sind Frau.. ähm, ich habe ihren Namen vergessen!", begrüßte mich eine ältere Dame lachend. Ich wusste vor Nervosität gar nicht, wie ich reagieren soll und lachte einfach mit. "Mein Name ist Yensker, Anna Yensker", erwiderte ich lächelnd. Frau Schrader führte mich über den Hof und zeigte mir jedes kleinste Detail, jede Stelle, die noch ausgebessert werden müsse und auch die renovierten Plätzchen wurden voller Stolz präsentiert. Es war gar nicht so groß, wie ich erwartet hätte. 30 Boxen, je 5x5m, was wirklich riesig war, und zehn davon mit Paddock, der nochmal 5m*8m groß war. Die Boxen waren alle renoviert, mit dunklem Holz verziert und mit dunkelgrünen Stäben vergittert. Die Pferde konnten sich beschnuppern und die Boxentüren waren einfach hinreißend. Eine breite, helle, einladende Stallgasse führte einen zu der Sattelkammer, welche ebenso riesig war, wie man es von dem Stall erwartete. Es gab ein defektes Solarium und eine Dusche, die nur manchmal funktionierte, wie Frau Schrader unter roten Wangen zugab. Ging man aus dem Stalltrakt heraus, so kam einem die riesiege, alte Rutbuche entgegen, die mit Sitzbänken umrahmt war und um welche Massen an Blumen wuchsen. Es sah einfach herrlich aus. Ging man zur linken Seite, so sah man einen Reitplatz, welcher auch nicht mehr das war, was er sein sollte. Die Bahnmarkierungen müssten dringend erneuert werden und die Zäune um den Platz herum waren zum Teil schon durchgemorscht. Doch das alles änderte nichts an meinem Bild des Gutes. Frau Schrader führte mich weiter, ein Stück hinter dem Stalltrakt sah ich die Reithalle, welche versteckt zwischen Bäumen hervorschaute. Vor der Halle waren Putzbalken angebracht und auch ein Parkplatz war in der Nähe zu finden. Wir betraten die Halle, welche durch das Dach Licht durchließ und somit die Halle auf natürlichem Wege beleuchtete. Es gab noch kein Licht in der Halle, was sich aber sicherlich ändern ließe. Zum Schluss durfte ich noch die zwölf Hektar Weide begutachten, die sich sogar ein Stück in den Wald hineinragten.

Ich wurde auf einen Kaffee mit ins Haupthaus eingeladen, wo mir nochmals die Räume gezeigt wurden. Es gab eine riesige Wohnküche im Erdgeschoss, sowie zwei GästeWC's und einen Haushaltsraum. Dann wurde das Gebäude getrennt, zur einen Seite hin gab es Ferienzimmer, 6 Stück an der Zahl, zur anderen Seite Schlafzimmer, Kinderzimmer und Büro, sowie noch eine Sauna und ein extra Wellness-Badezimmer, was mich natürlich fast ins sabbern veranlasste.

Wir sprachen bis in die späten Abendstunden über den Preis, der letztendlich bei 250.000 € liegen würde. Ich hatte eine Woche Zeit es mir zu überlegen und mein Herz schrie "Ja, Anna! Tu es endlich! Unterschreibe!".

*~*~*~*~*~*

Eine Woche war bereits vergangen und ich saß nächtelang wach und kalkulierte, schaute die Finanzen durch und malte mir meine Zukunft aus. Heute musste ich wieder zu Familie Schrader und dort bescheid geben, ob ich das Gut kaufen würde. Ich hatte auch Gespräche mit der Bank, die sogar positiv verliefen. Doch dieses mal würde ich mich wirklich von meinem Bauchgefühl leiten lassen, denn ich hatte beide Seiten durchgerechnet. Die, wenn es gut läuft, Traumseite und die Alptraumseite mit einem Berg von Schulden und Arbeitslosigkeit. So betratt ich das Gebäude, welches schon fast vollständig ausgeräumt war und wo nur noch das Büro seinen Platz nicht verlassen wollte. Kein Wunder, wäre ich so ein schwerer Nussbaumtisch, so würde ich mich auch keinen Centimeter bewegen wollen. Ich setzte mich, nahm die Tasse Tee in die Hand und das geschäftliche Gespräch begann.

Drei Stunden später hielt ich einen unterschriebenen Kaufvertrag in der Hand und wusste selbst nicht so recht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich habe es tatsächlich getan, ich habe mich mit 23 Jahren verschuldet, in der naiven Hoffnung, dass ich das Geld bald wieder reinbringen könnte.

"Hoffentlich scheitert es nicht.." , murmelte ich und stieg in meinen Wagen. Nächste Woche würden meine Pferde und ich hier einziehen und bis dahin muss noch viel getan werden.

*~*~*~*~*~*

Schon wieder war eine Woche vergangen. Mittlerweile lief alles ziemlich hektisch. Das Haupthaus wurde aufs nötigste renoviert und die ersten Einstreulieferungen wurden geliefert. Ich habe mich dazu entschlossen, mit Holzpellets zu streuen und nicht mit Stroh, das hieß nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch weniger Arbeit, was mir momentan mehr bringen wird. Es war Mittwoch und ich stieg in meinen PickUp um meine beiden Fohlen vom alten Stall in ihr neues Zuhause zu bringen. Sie würden zwar einen Tag nur zu zweit stehen, doch bis morgen Abend werden sie nicht daran kaputt gehen. Für die beiden Jungspute hatte ich eine Paddockbox fertig gemacht und ihnen ihre Lieblingsleckereien in die Box gelegt, denn sie sollten heute die Nacht zu zweit verbringen. Nach etwa einer Stunde fahrt kamen wir in unserem neuen Zuhause an. Es wurde bereits dunkel, was kein wunder war bei der Jahreszeit, doch bei all der Hektik habe ich vergessen mich um Lichtinstallationen zu kümmern, sodass ich nicht im stockdunkeln herumrennen muss. Nunja, was will man machen. Von heute auf morgen würde sich eh nicht viel ändern. Meine zwei Kleinen waren super aufgeregt und hibbelten nur so umher, doch ich führte sie weiter in die neue Stallgasse und letztlich in ihre neue Box. Neugierig beschnupperten sie alles und testeten gleich, ob die Tröge knabberfest waren. Ich blieb noch eine Stunde, ehe ich mich verabschieden musste, um meinem Bruder weiter zu helfen die Leitungen im Haupthaus zu erleben. Was hatte ich mir da bloß eingebrockt..
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