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Von Adlern und Falken

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 329

(c) Catalina und Ravenna


Hansi - türkis
Cata - schwarz

Ich nuckelte versunken an einem Apfelspalt als Leben in die Küche kam und Aiden in die geneinsame Küche trat - wir teilten uns zusammen mit Killian hier über der Reithalle eine Wohnung. Meistens jedoch nahmen wir zusammen das Frühstück und Abendessen im Haupthaus mit den anderen ein, jetzt jedoch war es 21 Uhr und ich hatte Hunger gehabt. "Nanu, seit wann so Arbeitssam?" neckte Aiden mich. Ich ließ das Handy sinken, schob das Stück Apfel in eine andere Mundseite und antwortete ihm "Ich starre eigentlich nur mein Handy an! Sarah will in den nächsten Monaten keine Aufträge annehmen, deswegen mach ich jetzt vieles. Ich hab vorhin mit Catalina gesprochen, sie schien Hilfe bei ihrem neuen Hengst zu gebrauchen also hab ich versprochen vorbei zu kommen. Im Grunde müsste ich jetzt packen un.."
"Catalina?" hakte Aiden nach..."das ist doch die Kleine die Braum sozialisiert hat?" ich rollte die Augen, fing er schon wieder davon an, trotzdem nickte ich. "Du hast nur noch Aufträge bei ihr.." Aiden lehnte sich über den Tisch, grinste breit mit seinem Dreitagebart "Du hast doch was mit ihr!" Jetzt wurde mir sein gequatsche doch zu doof, ich tippte mir an die Stirn "Ich erledige nur meine Aufträge, Gute Nacht Aiden!"
Die zierliche Braunhaarige hatte vielleicht etwas in mir geregt, trotz war es auch die Arbeit die rief - es gab immer einiges zu tun. Allen Gedanken zum trotz ging mir der Gedanke das sie vielleicht näher zu uns zog nicht aus dem Sinn. Ich hatte mit Sarah darüber gesprochen, es stand dann sogar in Planung Catalina eine Stelle in unserem Betrieb abzubieten.


Nach dem der Wallach wieder in seiner Box war, drehte ich mich um und ging ins Haupthaus. Meine Taschen waren bereits gepackt, es lagen nur wenige Sachen auf meinem Bett, für die nächsten Tage. "Du ziehst also wirklich weg?" Bella stand mit verschränkten Armen in der Tür. "Ja. Sobald ich das Okay von dem Landbesitzer in Schottland kriege, fliege ich los. Die Pferde kommen nach." "Bist du dir sicher, dass das gerade gut ist? Denk an Benny." Auch ich verschränkte die Arme. Plötzlich öffnete sie ihren Mund. "Es geht um Hansi, richtig?" "Ehm, nein!? Sarah ist eine gute Trainerin und kann mir helfen-" "Wie ich es nicht kann?", ihre Stimme wurde lauter. "Nur weil ich mich mehr auf Gangpferde spezialisiere bin ich auf einmal schlechter?!" "Nein! Aber ich will erfolgreicher sein. Ich kenne mich mit Gangpferden nicht aus. Ich weiß nicht, wie man sie ordentlich trainiert." "Aber ich kann das für dich tun! Wir sind ein Team, Cata. Und dieser verrückte Wikinger darf dir nicht den Kopf verdrehen.", Bella flehte mich an. Dann sah sie mich resigniert an. "Gut, weißt du was? Mach was du willst, du bist erwachsen, aber eines sag ich dir. Wenn du wirklich ausziehst, sind wir nichts weiter als Berufskollegen!", damit brauste sie aus dem Zimmer. Ich schloss die Augen für einen Moment und ließ mich auf mein Bett fallen. Sollte ich Hansi schreiben, dass ich lieber zu ihnen mit den Pferden kommen würde? Nein, ich wollte lieber darauf warten, bis Benny wieder gesund war.



Es war eine ungemütliche Reise von Schottland nach Deutschland, da ich nicht wie sonst das Flugzeug genommen hatte - ich war der Einfachheit halber mit dem Auto gefahren, so hatte ich mehr Zeug mitnehmen können. Außerdem wollte ich im Anschluss vielleicht mal wieder bei meinem alten Mittelalterverein vorbei schauen, die ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte. So hatte ich nicht nur normale Kleidung, sondern auch Highlandkluft dabei zusammen mit Schwert, Bogen und einer schönen Streitaxt. Während ich also den Straßenschlangen folgte hielt ich desöfteren an, schrieb mit Catalina, die mir ein wenig ihrer momentanen Probleme mit Dorn schilderte, aber auch wie es Benny ging und wie sich Bella etwas vor den Kopf gestoßen fühlte über den plötzlichen Entschluss eventuell weg zu ziehen. Im Verlauf der Tage wurde mir jedoch klar - es schien längst beschlossene Sache zu werden.


Ich stieg langsam die Treppe in das Erdgeschoss hinunter. Tabea saß am Tisch und schaute sich Pferdeanzeigen in der Zeitung an. "Wo ist Bella?" "Ausgeritten. Hey, kannst du einkaufen gehen? Wir haben kaum noch Brot und meine Marmelade ist fast leer." Ich schaute auf meine Handyuhr. Hansi würde in einer halben Stunde hier sein. Wir hatten bis eben noch regelmäßig geschrieben. "Klar. Ich fahr mit dem Auto, müsste dann in gut einer halben Stunde hier sein. Wenn Hansi schon da ist - zeigst du ihm sein Zimmer, aber bitte, bitte lass ihn noch nicht mit Dorn anfangen, ich will sehen, was er machen möchte." Tabea nickte nur, kramte dann im Fach über der Theke herum und fischte dann ein paar Geldnoten und einen Zettel mit Notizen heraus. "Bis gleich dann!" Ich stieg in meine ausgelatschten Vans, schnappte mir noch einen Korb und brauste dann mit meinem kleinen Citroen in das Dorf, um die gewünschten Sachen zu kaufen.
Wenig später war ich wieder am Hof. Gerade hatte es noch geregnet. Großspurig umging ich die Pfützen, die sich gebildet hatten, und blieb dann stocksteif mit den Lebensmitteln stehen. "Hansi?!" Der Hüne hielt eine Streitaxt in der Hand. Der zuckte nur zusammen und sah mich beinahe schon ertappt an. "Na toll, ich hab mir einen Serienmörder angelacht. Oder ist das für irgendeine Veranstaltung?", entfuhr es mir.


Gerade als ich dabei war meine richtigen Sachen unter dem Zeugs für das Festival hervor zu kramen erschrack ich durch Catalina´s Stimme direkt hinter mir. Drehte mich ertappt zu ihr um, konnte ein breites Lächeln nicht verhindern. "Ich bin wohl eher ein Wikinger denn einem Serienmörder, die würden mich bei der Axt viel zu schnell finden!" Ich legte die Streitaxt wieder in den Kofferraum meines Jeeps, machte die Klappe vorerst zu und ging Cata entgegen. "Tavea? Naja zumindest die junge Frau meinte ich solle nicht direkt mit Dorn anfangen. Deswegen wollte ich erst meine Sachen holen, das du mich mit der "Tatwaffe" entdeckst konnte ich ja nicht ahnen. Um jedoch die Wahrheit zu sagen - wenn ich hier fertig bin will ich meine alte Trppe wieder treffen. Wir waren eine zeitlang als Trobadure unterwegs, sogar als Falkner hab ich mich mal versucht...aber es ist eher beim Kampf zu Pferd geblieben. Irgendwie hat es sich dann außeinander gelebt." den eigentlichen Grund band ich ihr nicht direkt auf die Nase, deutete dann auf ihren Einkauf und griff wortlos nach dem Korb, der ihrer schrägen Haltung wegen recht schwer zu sein schien.


"Tabea heißt sie. Und das mit dem Treffen hab ich mir schon gedacht.", erwiderte ich und schaute zu, wie der Hüne mit dem Korb auf das Hauptgebäude zuging."Die Küche ist gleich rechts!" Rief ich ihm hinterher ubd machte einen Bogen um seinen Wagen. Hansi stellte den Korb ab und schaute sich um."Möchtest du dein Arsenal wegbringen? Ich räum das hier schon mal weg und dann können wir zu Dorn gehen, wenn du möchtest.", schlug ich am Ende noch vor. Er nickte nur und stampfte dann wieder langsam nach draußen. Brot und Brötchen kamen in ihre Behälter, ebenso wie Margarine, Käse, Geflügelwurst ubd Tabeas Marmelade. Meinen Fencheltee und den Kaffee von Bella reihte ich dann in auf dem Board über mich ein und packte den Korb weg. Dann trat auch Hansi wieder mit seinen Mitbringseln ein und warf mir einen fragenden Blick zu.


"Wo kann ich eigentlich meine Sachen unterbringen? Das Zimmer vom letzten Mal war soeben voller Kartons." War sie bereits so weit mit dem räumen gekommen, oder woran lag es? Zumindest schien es als würden sich beide Parteien nicht unbedingt im guten voneinander trennen, denn Bella hatte ich die ganze Zeit hindurch noch nicht gesehen. Ich wünschte jetzt eher bereits in der Arbeit mit dem Hengst zu stecken, statt hier in der Küche mit ihr - ich hatte keinerlei Ahnung wie so eine Situation zu händeln war. Also krallte ich meine Hand in die Hänkel meiner Tasche, während der linke Zeigefinger beharrlich am Daumen zu pulen begann. Ich besaß Talent mir die Nietnägel abzureißen, wie ich es vor zwei Tagen geschafft hatte...jetzt pulte ich daran herum, da der Schmerz mich an etwas erinnerte. Es erinnerte mich an mein Leben...manchmal brauchte ich jegliche Art von Schmerz um mich daran zu erinnern. Es klang idiotisch, vollkommen durchgeknallt aber ich hatte es mir angewöhnt.


Etwas verwirrt blinzelte ich. "Du kannst das Zimmer links daneben nehmen. Es ist eigentlich mein Zimmer, aber die Matratze ist irgendwie unbequem." Komisch, dass ich jetzt, erst nach zwei Monaten, davon Rückenschmerzen bekommen hatte. Hansi nickte. Er knibbelte an seinen Fingern herum, als würde er am liebsten die Fingernägel herausreißen. "Ich kann dir doch nicht-" "Doch, kannst du.", beharrte ich auf meine Antwort. "Das Bett müsste groß genug sein. Ich schlafe zur Zeit im Wohnzimmer." Er nickte erneut, und ging dann die Treppe hoch. Sobald er weg war, griff ich mir in die Haare. Der Stress brachte mich um den Verstand. Der Streit mit Bella, der Umzug nach Morvern, gut eine Stunde von Sarahs Gestüt entfernt, die Reisevorbereitungen (besonders wegen der Fohlen, Steel und Benny) und natürlich Benny. Weder Joy noch Elena waren wie erhofft angekommen und hatten sich um den Armen gekümmert. Ich hätte am liebsten jetzt laut geschrien, aber ich wollte nicht, dass Hansi davon was mitkriegte.



Es war komisch das sie mir ihr Zimmer überließ, doch ich hatte bereits erfahren - Diskussionen waren bei ihr sinnlos. Fast genauso wie es auch bei Sarah der Fall war, dahingehend waren sich beide Frauen wirklich ähnlich....und ihrer Größe. Ich musste lächeln, stellte meine Sachen neben dem Bett einfach ab und stiefelte die Treppen hinab - dabei griff ich mir ans Handgelenk, wo unter den Armbändern von Festivals, einem Stachelarmband und etlichen anderen die ich geschenkt bekommen hatte, einige Haargummies waren. Mit diesem Verschlang ich meine langen Haare im Nacken zu einem Pferdeschwanz, damit sie mir bei der Arbeit nicht im Weg sein würden, bei der Autofahrt hatte ich sie einfach offen getragen. Am Treppenansatz blieb ich stehen, von hier aus konnte ich in die Küche blicken...ich sah zwar nicht alles, trotzdem erkannte ich eine hin und her laufende Catalina, die nervös in ihren Haaren herum fuhr, meine Hände vor der Brust verschränkt stellte ich mich anschließend an den Türrahmen. Skepsis überkam mich....hätte ich mit der Hilfe vielleicht warten sollen?


Ich hatte das Gefühl, als würde mich jemand beobachten. Sofort hörte ich mit meinem inneren Streitgespräch auf und blieb stehen. "Alles ok?" "Ja.", log ich und lächelte. Doch er starrte mich nur stoisch an. "Gehen wir zu Dorn?" Ich antwortete nicht, stattdessen lief ich ihm voraus in den Stall. Dort lief ich Bella über den Weg. Doch sie ignorierte mich einfach und sattelte Morgaine ab. Abwesend strich ich über seine Mähne und ging dann weiter, bis ich zu meinem Stalltrakt ankam. Abgesehen von Steel standen nur Dorn und Benny hier. Die anderen Pferde vergnügten sich auf der Weide. Ich blieb neben dem Pony stehen. Langsam knabberte er an meiner Hand. Immerhin biss er nicht hinein, ein Fortschritt...Hansi stoppte vor dem Wallach, schaute ihn genau an und klopfte dann seinen Hals. Ebenso wollte er bei Steel verfahren, doch dann entschied er sich anders und streichelte ihren schlanken Hals. "Zwei interessante Pferde hast du dir da geholt, Catalina.", brummte er. Ich räusperte mich nur. "Mit Steel komme ich gut klar. Dorn macht mir halt Sorgen."
Hansi bat mich, denn Hengst vor seiner Box anzubinden. Ich tat eben dies, dann trat ich zur Seite und beobachtete, wie der Hüne sich meinem Pony näherte.



Ich legte die Stirn leicht in Falten als der Hengst seine Ohren begann nach hinten zu drehen, das eine dann wieder nach vorn und immer so weiter, ganz so als wären sie gemeinsam in einen widersprüchlichen Tanz gefallen. Meine Hände hoben sich leicht, ich konnte nur ahnen was vielleicht das Problem des Hengstes war. Neben seinen Ohren zuckte auch immer wieder sein Kopf, vielleicht war das seine Nervosität. Mit jedem Schritt den ich näher kam spannte er sich an, doch ich sah ihn nicht direkt an - mal seine Schulter, mal die Flanken oder die Beine. Langsam lösten meine Finger den Knoten mit dem er an der Boxenwand angebunden war, ließen den Strick durch meine Hände gleiten bis ich den Panikhaken erreicht hatte. Bereits der sanfte Druck veranlasste Dorn sich nach hinten auf die Hinterhand zu stellen, dann löste ich den Haken vom Halfter und beobachtete seine Reaktion. Es schien fast Überraschung aus ihm zu sprechen, erst tat er einen unsicheren Schritt nach hinten, hob und senkte prüfend den Kopf und machte den Schritt dann wieder nach vorn. Ich versuchte mich leicht seitlich zu stellen, ignorierte ihn - was dem Hengst offensichtlich nicht ganz vertraut vorkam. Wieder tat er einige Schritte nach vorn, schob neugierig den Kopf in meine Richtung, schnaubte als wolle er sagen "Hey! Ich bin hier!". Genauso langsam wie zuvor drehte ich mich ihm zu, berührte ihn jedoch nicht direkt sondern ging nur schneller energischer auf ihn zu. Um mir auszuweichen blieb dem Hengst nichts anderes übrig als dem Druck zu weichen mit schnellen Schritten trat er rückwärts und ich baute mich vor ihm auf als ich halten wollte. Anschließend trat ich nach hinten, lockte ihn nun zu mir, doch Dorn schien misstrauisch, blieb wo er war stehen und beobachtete mit wackelnden Ohren. Aufgerichtet und schnell kam der Hengst plötzlich auf mich zu, die Ohren nach hinten gedreht und auch ich ging energisch auf ihn zu. Ich war mir sicher draußen hätte er sich auf die Hinterbeine gestellt, nun aber bremste er verwundert ab und brabbelte protestierend, stampfte mit einem Huf. Langsam kauend wandte er sich schließlich wieder mehr mir zu, die Ohren waren an der Seite, fast hängend. Meine Hand streckte ich nach ihm aus, berührte ihn nicht, sondern er legte die feinen Nüstern gegen meine Hand. Von seinen Nüstern fuhr ich über den Kopf, zwischen seine Ohren den Hals hinab bis zu seiner Kruppe...Dorn jedoch blieb ruhig stehen. Ich schenkte der offensichtlich verblüfften Catalina ein Lächeln.


Der etwas doch merkwürdig anmutende 'Tanz' von Dorn und Hansi hatte mich mehr als nur verwirrt. "Heilige Mutter Gottes...", hauchte ich. Selbstgefällig verschränkte der Mann seine Arme vor der Brust und streichelte dann den Hengst. "Also?", brummte er. Ich zuckte mit den Schultern und sah, wie Hansi seelenruhig den Hengst aufhalfterte, ihn ansah und dann auf den Platz führte. "Was hast du vor?" "Ihn longieren. War er schon einmal auf der Weide? Wie ist sein Herdenverhalten?" "Er teilt sie sich derzeit mit Blacky und Bellas Hengsten. Er ist etwas hengstig, aber mehr auch nicht.", antwortete ich. "Lässt er sich auf die Weide führen?" "Ja. Allerdings stellt er sich vor dem Gatter immer quer.", seufzte ich. Daraufhin schüttelte der Hüne den Kopf. Er legte den Strick locker auf den Rücken des Lewitzers, schaute ihn warnend an und ging einmal um ihn herum. Er schnappte sich den Strick und führte ihn zielstrebig zum Pfad, der zu den Koppeln führte. Ich joggte ihm hinterher. Das Gatter, von dem ich gerade sprach, hätte auch Platz gehabt für einen breiten Wagen. Wie bei den letzten Malen hob er den Kopf, sah aus als würde er Panik kriegen und stemmte sich beinahe in den Boden rein. Hansi blieb ruhig, kniff die Augen kurz zu und hob die freie Hand auf Augenhöhe des Ponys. Dorn schien verwirrt und drehte den Kopf weg. Es folgte eine halbe Umdrehung, und der Hengst stand mit dem Hinterteil zum Gatter. Während der nächsten Minuten schaute ich etwas skeptisch den beiden Kerlen zu, bis Hansi endlich den störrischen Hengst durch das Gatter auf der Weide entlassen konnte. "Wie kommt's, dass du mit Braum besser klar kommst als mit deinem neuen Hengst?", Dorns Halfter war um Hansis Schulter geworfen. "Woher soll ich das wissen? Vielleicht liegt das einfach nur an meinem Stress. Ich meine, Grace konnte ich heute unglaublich gut beim Agilitytraining fordern und ich habe das Gefühl, dass die Turniere mit ihr richtig gut laufen. Mit Blacky hatte ich einen Distanzausritt. Und als ich heute mit Dorn trainieren wollte...liegt wohl daran, dass er direkt neben Benny steht." Wir waren mittlerweile halbwegs am Stall angekommen. "Und du meinst, wenn Benny wieder gesund ist, klappt das Training besser?" "Ja.", gab ich zurück. Dabei schaute der Hüne mich an und ich fühlte mich irgendwie unwohl. Als könnte er direkt in meine Seele sehen, brachte er das Halfter an den richtigen Haken und lehnte sich gegen die Box. "Sicher?" "Ja, Hans." Der Mann verdrehte seine Augen.



"Wie kommt es dann das alles mit Blacky funktionierte auf dem Ausritt oder das Training mit Grace? Ich stimme dir ja zu, Dorn ist nicht einfach...allerdings darfst du bei der Arbeit mit ihm nicht abgelenkt sein." schärfte ich ihr ein, eine Spur harscher als es beabsichtigt war. "Vielleicht solltest du ihn erstmal ankommen lassen, dich nach dem Umzug mit ihm beschäftigen. " Ich trat näher zu ihr heran , deutete auf ihre Lippen "Die sind spröde und angekaut...das passiert nur bei Stress. Du stehst komplett unter Strom, bist wahrscheinlich auch noch wütend und genau das macht auch Dorn unausstehlich. Ich hab in den wenigen Stunden die ich hier bin gesehen wie du auf Bella reagiert hast und anders herum. Du brauchst eine Abwechslung von all dem Stress!" irgendwie musste ihr ja geholfen werden, nur fiel mir absolut nicht ein womit ich sir hätte aufmuntern können.

Eigentlich hatte er ja recht. Nein, er hatte Recht. "Und was soll ich machen? Nix tun, bis sich alles gelegt hat?!" Hansi schwieg. Autsch. "Tut mir Leid. Du hast Recht." Hansi schwieg weiterhin. "Und was schlägst du vor?" Hansi wollte gerade den Mund aufmachen, als ich ihm dazwischen kam. "Nein, ich fahre nicht mit dir zu deinem Mittelaltertreffen oder was auch immer. Wenn Falken dabei wären, würde ich ja sagen." Hansi schwieg schon wieder. Langsam machte mich das Getue verrückt. "Oder weißt du was? Ich nehme jetzt ein schönes entspannendes Schaumbad und mache dann Abendessen. Dann sind wenigstens meine Muskeln nicht so verspannt." Hansi zuckte nur die Schultern. "Oder hast du einen besseren Vorschlag für mich, Hans?"


Bei den Göttern hatte diese Frau gerade ihre Tage? Sie wechselte ihre Empfindungen wie ich sonst nur Kleidung, trotzdem verlieh es mir Einblicke wie Tief der Stress ihr wirklich zu gehen schien. Ich lauschte ihren Ausflüchten ohne ein Mimik zu zeigen, dann lächelte ich verschmitzt "Ich könnte dir Gesellschaft leisten." es war im Spaß gemeint um sie aus dem Gleichgewicht zu werfen, doch war es eine vollkommen plumpe Aussage. Trotzdem konnte ich beobachten wie ihre Züge erst aschfahl und anschließend ihre Ohren feuerrot anliefen. Ich wollte ihr keine Möglichkeit zu voreiligen Schlüssen lassen "Ich weiß nicht was du tun kannst, aber in der Tat...Falken werden wohl dabei sein."


Ernsthaft?! "Als ob du in meine Badewanne passen könntest, du Yeti. Ich nehme jetzt endlich mein Bad, mach du meinetwegen was du willst. Und wenn das Angebot noch steht, komme ich gerne mit." Hansi grinste nur dämlich. Ich ging an ihm vorbei aus dem Stall in unser Wohnhaus und schloss dann die Badezimmertür ab. Natürlich war das nicht ernst gemeint mit dem 'gemeinsamen Bad' aber mein Herz raste immer noch. Erst, als ich die Heizung etwas angestellt und Kerzen angezündet hatte, griff ich mir ein paar frische Klamotten, stellte den CD-Player an (es lief wieder einmal Peter Crowleys Epic Adventure Music) und ließ die Wanne voll laufen.
Eine knappe Viertelstunde später kam ich entspannt aus dem Badezimmer. Meine Haare waren noch ein wenig feucht. Ich stieß das Fenster auf, damit der Dampf sich verziehen konnte und lief dann nach unten. Hansi saß auf der Couch und las ein Buch. Lachend hielt ich mir den Bauch und drehte mich dann weg. Mein Gesicht wurde sicherlich rot wie eine Tomate. "Warum lachst du?" "Weiß nicht. Hab nur noch nie einen so großen Mann auf der Babycouch sitzen sehen. Erinnert mich wie ein Riese, der auf dem Bett eines Zwerges schlafen will." "Vielleicht bin ich kein Riese, sondern ein Zauberer?" Listig funkelten die Augen des Halbschwedens. "Oh ehrwürdiger Gandalf, meine Beine zittern nur vor Respekt." Ein Moment der Stille folgte, dann mussten wir beide plötzlich laut auflachen. Endlich fühlte ich mich ein wenig besser, und nachdem ich einen großen Atemzug genommen hatte, wischte ich mir die Tränen aus den Augenwinkeln. "Hast du immer noch Interesse an dem Treffen?", fragte Hansi. Er hatte das Buch zugeklappt. "Natürlich.", antwortete ich und lächelte verschmitzt. Der Gute hatte mich tatsächlich wieder aufgepeppelt, sowas würden sonst nur ein schönes Buch oder ein langer Ausritt bei mir schaffen...



"Ich verspreche dir es sind nicht nur rauhbärtige Männer dabei, einer ist sogar eher an den Männern interessiert und Frauen gibt es auch. Ich kann dir nicht versprechen das es dir gefallen wird...aber ich konnte immer sehr gut abschalten wenn ich dort war." ich verstummte, legte das Buch auf den Couchtisch und erhob mich von der "Babycouch" sonderlich bequem war die Position wahrlich nicht gewesen. "Dann hilft dir Gandalf jetzt mal ein Abendessen zu zaubern." Das ich es sogar fertig brachte die Nudeln anbrennen zu lassen, weil ich vergaß sie überhaupt angesetzt zu haben verschwieg ich vorerst lieber. Ich dachte an meine letzten Bouletten, die Killian nicht nur im Spaß Obsidiankekse genannt hatte.


"Bist du dir sicher, dass du überhaupt den Unterschied zwischen Essig und Öl kennst?", fragte ich zweifelnd. Ob seiner Erscheinung kam es mir vor, als könnte man den Hünen eher mit Pfeil und Bogen zum Jagen losschicken anstatt ihm beim Kochen zu sehen. "Ja. Essig wird für Salate genutzt, Öl zum Braten. Nur nicht anbrennen lassen.", ertönte es hinter mir. Ich war nicht sonderlich überzeugt von seiner Antwort, verdonnerte ihn daher dazu, die Kartoffeln zu waschen, schälen und dann in Würfel zu schneiden. Er machte seine Arbeit sogar recht gut. Ich schnitt ein Stück Putenfleisch in kleinere Stücke und bat ihn dann, Zucchini und weiteres Gemüse passend anzuschneiden. "Wie die Kartoffeln?" Er zeigte mit dem Messer auf die gewürfelten Erdäpfel, die jetzt in einer Schüssel lagen. "Natürlich, oder willst du, dass die Kartoffeln noch hart sind und das Gemüse praktisch breiig ist?!", erwiderte ich. Dumme Frage. Hansi brummelte etwas Unverständliches und schnibbelte los. Ich hingegen holte aus dem Schrank über mir zwei Pfannen und einen Servierteller für die Kartoffeln und die Beilage heraus. "Und dann?" "Du hast echt keine Ahnung von Kochen, Yeti." Der Name passte total zu dem Hünen. Der verdrehte nur die Augen als ich kicherte und ihm dann sagte, dass wir jetzt alles braten und abschmecken würden.


"Du bist die Köchin, aber es gibt trotzdem ausgesprochen wenige weibliche Starköche. Allerdings bin ich wohl Längen davon entfernt. ..ich sollte wirklich lieber nur Gemüse putzen." Ich schob mir ein Zuchinistück zwischen die Lippen, kaute und schnitt weiter. Mein Handy vibrierte gerade als ich fertig wurde, ein kurzer Blick darauf verriet mir das es nicht wichtig war, unbeantwortet schob ich Handy und Nachricht wieder in die Tasche. Ich wusste manche Leute hassten das, aber nur wegen der blauen Pfeile bei WhatsApp, war es immerhin meine Entscheidung wann ich antwortete. "Du kannst das Gemüse schonmal in die Pfanne schmeißen." mit Schwung beförderte ich den Haufen hinein, nicht ohne dabei Spritzer des Öls auf die empfindliche Haut am Unterarm zu bekommen. Ich verzog das Gesicht, , schüttelte die Hand unwillig und drehte mich zu einer kopfschüttelnden Catalina um. "Was?!" fragte ich ein wenig genervt von mir selbst...Tollpatsch!


"Du bist ein Tollpatsch!", bemerkte ich lautstark und drehte den Herd etwas runter. "Halt dir den Arm unter fließend Wasser.", befahl ich und legte dann die Fleischstücke in die nächste Pfanne. Dieser riesige...Keine Schimpfwörter!, dachte ich mir schnell und stellte dann die Teller auf den Tisch. Hansi stand mir ein wenig im Weg, daher schob ich ihn sanft aber bestimmt neben den Kühlschrank. "Besser?" Er nickte nur. Das Gemüse brutzelte ebenso sehr wie das Fleisch und gelegentlich wendete ich den Inhalt der Pfannen. "Und jetzt?", fragte er. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihm. 21, 22, 23..."Warten, bis alles fertig ist und dann essen wir. Schaffst du das ohne Verbrennungen oder muss ich dir ein Lätzchen geben?" Erbost stampfte der Hüne auf mich zu. Ohne eine Miene zu ziehen tat ich so, als hätte ich nichts gesagt und stellte zwei Gläser samt stillen Wasser auf den Tisch. "Wenn du schon so böse gucken willst, kannst du während dessen auch das Besteck holen." Mit meinem Zeigefinger zeigte ich auf die Schublade direkt neben mir, ein Auge auf die Pfannen werfend.


Ich fühlte mich wie in eines dieser Clichés versetzt in der die Frau am Herd zu tun hatte und der Mann auf sein Essen wartete. Geräuschvoll nahm ich zwei Gabeln aus dem Schubfach, ließ die Messer darin, da wir sie wohl nicht brauchen konnten. "Wo sind denn eure Teller?" die zierliche Gestalt am Hers drehte sich um, deutete auf zwei Hängeschränke "Da oben.", wobei ihr oben bei mir nur bis zur Brust ging und ich problemlos zwei tiefe Teller hervor holte. Bei dem Gang zurück zum Herd, stieß ich mit der Hüfte gegen einen der Stühle - diese Küche war einfach lächerlich klein! Ich überspielte das ganze indem ich fragte ob sonst noch etwas zu tun sei.


Das leichte Quietschen des Stuhles brachte mich zurück in die Realität. Für einen Moment war ich weg. Keine Ahnung wo, aber weg. Der Yeti deckte den Tisch, zupfte die kleine Tischdecke zurecht und fragte nach sonst etwas. "Nein. Setz dich. Sonst machst du noch was kaputt.", erwiderte ich und servierte das Essen. Es sah urkomisch aus, wie der Hüne auf dem leichten Holzstuhl saß. "Guten Appetit.", wünschte ich, doch er langte bereits kräftig zu. Seufzend fing auch ich an, zu essen. Ich hörte sein Handy mehrmals vibrieren. Nach dem achten Mal legte ich das Besteck geräuschvoll hin und starrte ihn erwartungsvoll an. "Ist sehr lecker.", meinte er. Doch ich blieb weiterhin stur. "Was?" "Wäre es möglich, das Handy auszuschalten? Oder wenigstens zu schreiben, dass du abwesend bist?", fragte ich etwas harsch. Direkt danach warf ich ihm einen entschuldigenden Blick hin. Aber anscheinend hatte er mir diesen Fauxpax bereits verziehen und wühlte in seiner Hosentasche nach seinem Handy. Die Haustür ging auf. Tabea und Bella traten ein. "Uuuh, Essen! Ist noch was übrig?", wollte Tabea wissen. Mit dem Kopf wies ich auf die Pfannen. Bella lächelte einmal, dann verschwand sie schon im Wohnzimmer. Tabea sah uns beide am Tisch sitzen. Grinsend stubste sie mich unterm Tisch an und sagte dann "Hallo, Hansi.", allerdings bekam sie nur ein Brummen zurück. Hansi war mit Lesen beschäftigt.


Mit meinen wurstigen Fingern gelang es mir eine Nachricht zu tippen, die wohl klar machte das ich erstmal nicht erreichbar war *Damn it! You'll have to wait till I'm done with my work here!* das Fest war im Gange und ihnen fehlte jemand, trotzdem mussten sie ja nicht nerven. Vorsichtshalber stellte ich das alte Samsung komplett auf Stumm, schob es zurück in die Hosentasche. "Das Essen ist wirklich gut." lobte ich Cata, ignorierte dabei eine halb notorisch grinsende Tabea, dessen Alter ich einfach nicht zu schätzen vermochte.


"Das hast du mir schon einmal gesagt." Etwas schleppend leerten wir unsere Teller. Hansi nahm dann die Teller und wusch sie ab. Er rubbelte sie dann sogar trocken und ließ sie dann für einen Moment stehen, ehe er dann diese wegstellte und dann seine Hand begutachtete. "Wollen wir los?", fragte ich. "Wohin?" "Lasset uns den Drachen bekämpfen, Gandalf!", erwiderte ich mit verstellter Stimme. "Wenn du das nochmal sagst jag ich dich durch das Haus.", drohte er mir, seine Augen blinzelten schelmisch. "Oh ja, als ob.", erwiderte ich salopp. "Also, fahren wir los?" Hansi nickte. Wir beide gingen die Treppen hoch - er ließ mich vorgehen, ganz der Gentleman - und bevor ich in mein Zimmer gehen konnte, warnte er mich, noch eine Jacke mit einzupacken. "Es wird kalt abends." Was du nicht sagst, dachte ich und griff mir neben einem mittellangen Parka noch einen Hoodie.
Kurz darauf saßen wir in seinem Jeep. Natürlich hatte er seine - für mich - ungewohnte Wikingerkluft an, seine Waffen lagen hinten im Kofferraum. Aus seinem Radio dröhnte mir Metalmusik entgegen. "Soll ich was anderes einstellen?", fragte er, die Finger an der Apparatur. "Nein nein, ein bisschen leiser wäre aber nett.", ich schaute aus dem Fenster. Meine Haut kribbelte vor Spannung.


Ich stellte gerade die Musik etwas leiser, als vertraute Klänge von Van Canto aus den Lautsprechern dröhnte. ..dann auch noch ausgerechnet Bed of Nails! Möglichst unauffällig wollte ich weiter schalten "Nein, lass ruhig an, hört sich gar nicht schlecht an." und während im Acapella Stil gesungen wurde versank ich derweil peinlich berührt im Sitz meines Jeeps.* No one makes you feel like I do , I do. No one gets as deep inside you as I do baby! Our love is a bed of nails, lovers do on a bed of nails, I lay you down on a bed of nails.* Tönte es laut genug das auch Cata es verstehen MUSSTE. ..jetzt fing schon an mein Radio mir Streiche zu spielen. Seitdem wir vor einer halben Stunde aufgebrochen waren, herrschte eisernes Schweigen, da ich mich besonders beim Autofahren eher auf den Verkehr konzentrierte. Das eingebaute Navigationsgerät verkündete ich sollte an der nächsten Kreuzung links abbiegen danach läge das Ziel direkt vor uns. "Du kannst es dir jetzt noch anders überlegen. "


Die unangenehme Stille wurde nur hier und da von der Navistimme unterbrochen. Als dieses...nun ja doch sehr ungewöhnliche, weil für Hansi nicht typisch, Lied die Stimmung deutlich unter den Nullpunkt brachte. Er wirkte schon beinahe beschämt, doch mir gefiel das Lied. "Ach komm, wird schon schief gehen.", ich winkte lässig ab und hörte den Blinker leise klicken, als er links abbog und dann noch ein paar hundert Meter weiter fuhr. Die Dämmerung setzte allmählich ein, aber die Dutzend Wagen, die hier auf einem Kiesbett standen, waren Signal genug, dass hier etwas stattfand. Ich sah einige Stände, Laternen und kleinere Feuerstellen, die den Platz erhellten, Musik ertönte und Menschen unterhielten sich. Hansi hatte das Lenkrad immer noch umklammert. "Also?" Ich zog die Augenbraue hoch. Mit einem Ruck stand der Hüne auf, glättete seine Kleidung und öffnete mir dann die Tür. "Warte hier kurz, ich hole meine Sachen." Obwohl die Waffen sehr gefährlich und teilweise sehr nah am Original waren, fühlte ich mich bei ihm irgendwie geborgen, als er dann neben mir stand, eine lose Haarsträhne in sein Haargummi steckte und dann los marschierte.


Meine Kluft bestand aus einem einfachen Leinenhemd, darüber ein aus platten bestehendes Lederwams, das mit einem Gürtel um die Hüfte gehalten wurde. Daran befestigt waren ein breites Zweihänderschwert, sowie die Axt. Meine Füße steckten in hohen Lederstiefeln, die leise knirschten bei jedem Schritt den wir weiter auf das Gelände taten. Von einzelnen Gestalten die in Highlandkluft einherliefen bis hin zu vereinzelten Mönchen und Edeldamen trafen wir noch keinen an der mir bekannt war. Wie ich meine altem Bekannten einschätze hatten sie sich eher am Rande des Geschehens platziert, waren vielleicht gerade am Kochen des Essens. Hier auf dem Platz gab es einen kleinen Teich, an dessen Seite ein riesiges hölzernes Katapult stand auf welches ich zuhielt - dies gehörte ohne Zweifel zu ihnen. Feuer erhellten rechts uns links unseren Weg, die Band spielte soeben ein 'https://www.youtube.com/watch?v=0k01zY822dk'neues Lied an und ich wurde plötzlich von einem stockigen jungen Mann im herben Dialekt eines Bayern begrüßt, allerdings nicht mit dem Namen den ich in der "realen Welt" trug sondern mit einem den ich seit fast drei Jahren nicht mehr vernommen hatte. "Thorfinnr! Nach all der Zeit kreuzen sich unsere Wege erneut." er schlug mir mit der Hand leicht auf die Schulter, sah dann Catalina und beugte leicht den Kopf, wobei er etwas murmelte wie "edle Dame."
Ich winkte ab, fragte wo der Rest der Truppe sein, da der Platz neben dem Feuer ziemlich leer "Harmundr und Thorstein sind mit der Band auf der Bühne. Runa und ihre Tochter lungern beim Schmied umher. Die anderen sind noch nicht eingetroffen."
Wir wandten uns von ihm ab und ich führte Catalina zunächst zu einem der Orte der schlicht "Fundus" genannt wurde. "Such dir eines der Gewänder aus." Catalina ging etwas misstrauisch voran, zog an dem Kleid und dem nächsten, sah mich dann an "Ich bin eher nicht der Kleider tragende Typ Frau." es klang geknickt und zerknirscht. Ich schob sie weiter vor mir her "Das gute an den Wikingern war, es gab eine Art der Gleichberechtigung der Frau, sie war nicht gezwungen im Dorf zu bleiben. Die sogenannten Shieldmaiden kämpften an der Seite der Männer." Damit blieben wir stehen an einer Stelle an der es für Frauen passende "Männerkleidung" gab. Während sie sich anzog drehte ich ihr den Rücken zu...heraus trat sie mit einem großen Schild, einem gleichzeitig ledernen aber auch aus Ketten bestehendem Wams, einem blauen Hemd und ein wenig abgetragenden Hosen, die fast genauso saßen wie Reithosen und sich auch dazu eigneten. Der Ring an ihrer Hüfte jedoch war leer, also zog ich meine eigene Axt aus dem Ring und schob ihn in den ihren "Jetzt siehst du aus wie eine Shield Maiden." leicht skeptisch drehte sie sich vor der Spiegel, lächelte dann ein wenig zaghaft. Vor dem Zelt hörte man ein leichtes Krächzen, als wir gemeinsam daraus ervor traten sahen wir eine Frau mittleren Alters mit Ketten und Taschen behangen - auf ihrer Schulter saß in ermangelung eines unter Naturschutz stehenden Raben eine Krähe. "Runa!" rief ich erfreut, begrüßte ich die Runenkundige unseres kleinen Clans, die nickte jedoch nur und machte eine Bewegung die keinen Schluss darauf verfehlte das wir ihr folgen sollten.
Im Kreis meiner alten Bekannten um das Feuer blieben wir schließlich stehen, Runa holte ihr geschnitztes Horn hervor, hielt es in die Höhe und die kleinen Gespräche verstummten um uns herum, gespannt hielt Cata neben mir die Luft an. Dann erhob sie ihre Stimme zum Gebet:

Gepflanzt sind wir von den Göttern,
unsere Wurzeln im Boden geben uns Halt,
genährt vom Humus der Mythen.
Wir sind ein Baum, gleich Ask und Embla,
Die Götter geben uns Kraft und Sinn.


Mit jedem Jahr wird der Stamm dicker,
wir trotzen den Stürmen des Lebens.
Wir wachsen über uns hinaus.
Wir sind ein Baum, gleich Ask und Embla,
Die Götter geben uns Kraft und Sinn.
(c) Michael Schütz

Damit ging das Horn der Reihe herum, ein jeder schüttete einen Schluck vor sich auf die Erde und nahm einen Schluck, dann reichte er es weiter. Währenddessen setzte Runa wieder ein "Geeint sind wir im Kreise, die alten und neuen in diesem zu begrüßen und die Götter zu ehren. Der Alltag soll von uns abfallen, die Herzen sich uns für alles öffnen, denn wir sind die Kinder der Götter und begegnen ihnen mit Respekt. Willkommen zurück in unserem Kreise Thorfinnr und Willkommen zu seiner jungen Begleiterin!" damit trank ich meinen Schluck und reichte ihn an Catalina weiter.


Ich nahm das Horn an und schaute kurz hinein. Dann schüttete auch ich einen Schluck auf den Boden und nahm einen Zug. Es war Met. Der Alkohol brannte kurz in meinem Hals, dann reichte ich ihn weiter an Runa, wie Hansi - äh, Thorfinnr - sie genannt hatte. Runa hielt das Horn in die Höhe, und alle verstummten. Sie trat hervor, und sang leise. Es klang nordisch, und ihre Stimme wurde mal lauter, dann leiser. Dann ging sie wieder zurück zu ihrer alten Position und starrte ins Feuer. "Mögen die Götter unsere Wege erleuchten auf unserem Pfad der Bestimmung, und möge ihre Weisheit und Stärke uns erleuchten." Mit Beendigung des letzten Halbsatzes sah sie mich genau an. Die Zeremonie war wohl zu Ende, denn die anderen 'Wikinger' traten zurück und verteilten sich über den Platz.
"Und?", fragte Hansi mich. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte und machte den Mund auf und wieder zu. "Sprachlos, wie?" "Ich war schon immer von den Germanen fasziniert. Wenn Wicki im Fernsehen kam, hab ich mir immer vorgestellt, wie es ist, als Wikinger über die See zu fahren und Abenteuer zu erleben." "Die Serie ist nicht sehr original treu. Vikings würde ich dir da empfehlen. Oder mehrere solcher Treffen."
"Na, ich weiß nicht Thorfinnr." Hansi schmunzelte über meine Aussprache seines Namens. "Du könntest aber auch einen neuen Namen kriegen. Seien wir mal ehrlich, Catalina ist nicht sehr tauglich hier.", brummte der Kerl. Ach? Wollte er mich jetzt komplett in seinen Kult hinein ziehen? Achselzuckend stellte ich kurz das Schild ab und lehnte es an meine Beine, damit es nicht umkippte. "Und woran hast du da gedacht?", fragte ich und sah, wie es im Kopf des Hünen rumorte und arbeitete. Doch ehe er mit einer Antwort dienen konnte, rief jemand seinen Namen. Etwas enttäuscht über die Unterbrechung folgte ich dem Blick des Mannes.



Ungehalten drehte ich mir der Stimme zu die meinen Namen gerufen hatte, auf einem breit brustigem Isländer kam er im Schritt auf mich zu - hier auf dem Fest gab es im allg. viele der Pferde von denen man wusste, das sie durch die Wikinger verbreitet wurden - mit einer schnellen Bewegung hatte sich der Vollbärtige aus dem Fellsattel geschwungen. Ich kniff die Augen ein wenig zusammen, als ich hinter ihm auf einem Isabelöfarbenem Isländer Alfar erkannte. Sie schien ein wenig erschrocken mich hier zu sehen, während Wandr mich freunlich grüßte und ich mir WIRKLICH Mühe gab die Zähne auseinander zu bekommen. "Du hast dich lang nicht blicken lassen!"
"Ich hatte viel zu tun...bin seit fast zwei Jahren in Schottland, erst als eine Art Pfleger und seit letztem Jahr trainiere ich die Pferde auf dem Hof auf dem ich lebe...da bleibt eben nicht viel Zeit mit euch hier zu sein."
"Man kann doch wohl mal vorbei kommen!" protestierte er, ich wusste wie er es meinte...es hatte Wandr in der Vergangenheit viele Jobs gekostet da er *krank* gewesen war...er lebte viel zu sehr in dieser Mittelalterlichen Welt. "Zeiten haben sich geändert, ich brauchte auch mal Abstand von den Trubel hier. In Wahrheit war es Alfar gewesen, weshalb ich so lang nicht mehr hier gewesen war...Alfar und natürlich Wandr, den ich mit einigen wenigen Sätzen abwimmeln konnte. "Lass uns bloß verschwinden!" murmelte ich Cata zu, nahm ihr das Schild vom Boden aus und verschwand mit ihr in Richtung der weniger durch Feuer beleuchteter Wege zu den Pferchen der Pferde. "Hast du Hunger?" fragte ich sie auf dem Weg dorthin, der Duft vom frisch gemachtem Brot und Fleisch stieg uns in die Nase - es gab mehrere Stände an denen Essen gekauft werden konnte, falls das jeweilige Lager nicht bereits dafür gesorgt hatte.

Als der Hüne mich von den beiden Personen zu den Pferden scheuchte, kam ein ungutes Gefühl in mir auf. War das der Grund, warum er nicht mehr hier war? Und als er dann noch nach dem Zustand meines Magens fragte, wurde mir noch komischer. "Wir haben doch gerade gegessen. Was ist denn nur los mit dir?", fragte ich leise. Etwas verspannt stand er da, und schaute zu den Isländerpferden hinaus. "Nichts, was sollte mit mir los sein? Ich habe jedenfalls Hunger.", damit ging er auf einen Essensstand zu und holte sich ein Stück Brot. Eilig begann er, darauf herumzukauen. Diese nervöse Seite kannte ich von dem sonst so ruhigen Trainer überhaupt nicht. Das ungute Gefühl verlagerte sich und wurde dadurch bestärkt, dass er das Brotstück langsam herunterschluckte, als wolle er meinen Fragen ausweichen. "Sag doch einfach, was los ist. Das ist kein Beinbruch, wenn du hier ein paar unschöne Erfahrungen mit den Leuten gemacht hast, da kann man darüber stehen. Wir sind doch alle erwachsen." Wäre Bella jetzt hier, würde sich mich erst auslachen und mir dann mit einem Steinhammer den Kopf einschlagen. Eine Weile sagte keiner was. Ich fokussierte mich auf die Isländer, die in ihrem Pferch grasten oder sich gegenseitig pflegten. Hansi starrte nur finster in die Dunkelheit und knibbelte wieder an seinen Fingernägeln.


Ich wollte sie nicht im ungewissen lassen, trotzdem kostete es mich eine ganze Weile ehe ich die Worte in meinem Kopf zusammen gelegt hatte. Mit den letzten Bissen Brot sank zwar ebenso mein Mut, sodass ich die Zähne nicht richtig auseinander bekam. "Alfar ist die jüngste Tochter von Runa, wir sind zusammen zur Schule gegangen, weswegen ich bei der Truppe schon früh dabei war. Außerdem war sie die erste die als meine Eltern mit mir nach Deutschland zurück gingen auf mich zukam und mir Freundschaft anbot. Während sie ihr Abi bestritten hat, nahm ich eine Ausbildung bei einem Pferdewirt an um meinem Hobby weiter nachgehen zu können. Auf den Märkten habe ich Wandr kennengelernt, der in den folgenden Jahren zu meinem besten Freund wurde. Mit 19 hatten Alfar und ich eine Beziehung...die dann beendet wurde, als ich für ein Voluntariat nach Irland bin um dort auf einem Hof mehr zu lernen. In diesem Jahr hatte sie einen Autounfall....tja es war Wandr und nicht ich der ihr in dieser schweren Zeit zur Seite stand. " Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen den sicher aussehenden Zaun. "Ich hab nicht viel davon mitbekommen, doch wurde ich auf einen der Märkte eingeladen - Alfar und Wandr haben dort geheiratet. Ich fühlte mich verletzt von meinem besten Freund derart hintergangen worden zu sein...." ich schwieg dann setzte ich erneut an " Vielleicht nicht hintergangen, aber ich hätte wohl anders reagiert, wenn sie mir beide davon berichtet hätten....wenn in dem Jahr irgendwer etwas gesagt hätte. Ich kam zurück in dem Gedanken Alfar vielleicht wieder für mich gewinnen zu können."
Seitdem hatte ich mich auf festivals herumgetrieben, mich in die Arbeit gestürzt und als ich das Angebot von Kathrin bekommen hatte bei ihr auf dem Hof zu Arbeiten und ihr die Pferde zu trainieren nur zu gern angenommen. Ich hatte vor drei Jahren Deutschland und damit dem Clan den Rücken zugekehrt...mit wenigen hatte ich noch Kontakt gehalten. Mein Vertrauen in die Menschen war enttäuscht worden, ich pflegte den Pferden eher ihr Vertrauen zu glauben als anderen Lebewesen.


Das war ein harter Bissen. Deshalb also wirkte er immer so grimmig, aber mit den Pferden verstand er sich mehr als genug. Ich brauchte einen Moment, um zu antworten. "Das ist mies. Ich kann das verstehen.", gab ich zurück und wartete auf eine Antwort. Doch der Hüne nickte nur. "Gehts dir besser?", wollte ich nun wissen. "Nicht wirklich, nein.", erwiderte er. Er klang leicht genervt, daher versuchte ich es noch ein weiteres Mal mit einer Frage. "Wir können auch wieder nach Hause fahren." "Wir sind kaum eine halbe Stunde hier. Wegen Wandr und Alfar lasse ich mir nicht die Laune vermiesen. Außerdem,", er grinste verschmitzt "wolltest du doch die Falken sehen. Und ich wollte wieder bei den Kämpfen zu schauen." Ich sah in diesem Moment wohl aus wie ein glückliches Kind zu Weihnachten, denn ein zufriedenes Lächeln huschte über die Gesichtszüge des Mannes, dann streckte er seine Hand nach mir aus. "Also, wollen wir?" Ohne nachzudenken ergriff ich seine raue Hand, und er lotste mich weg von den Pferden zu den beleuchteten Plätzen und bog dann am Kleiderfundus ab, zu einem etwas abgeschotteten Bereich. Man konnte den Schrei von Falken erahnen, die in der Ferne waren.



Es gab gut 5 Falken, die jeweils auf ihren Böcken hockten direkt neben ihnen befand sich eine Feuerschale - am meisten jedoch beeindruckte mich der riesige Steinadler der in der Mitte auf dem Boden hockte. Um die Füße der Vögel waren leichte Ketten gelegt, auf den Köpfen trugen nur zwei von ihnen die typische Haube. "In einem Jahr trugen die Falken während des Fliegens eine Art Fackeln die 2 Meter unter ihnen waren während die durch die Dämmerung flogen, für heute haben wir die Show wohl verpasst." sagte ich leicht bedauernd....trotzdem schien es immer noch der alte Falkner zu sein. "Fusel" wie er genannt wurde, war ebenfalls berühmt für seinen starken Alkohol den er neben der Falkenshow für die Besucher verkaufte. Ich ging hinüber zu dem Feuer, dort stand ein Dreifuß an dem ein großer Kessel hing, darin musste irgendwas schmorden - es verbreitete einen wahnsinnig guten Geruch. "Thorfinnr? Das ausgerechnet du mal wieder kommst!" rief er aus und nahm mich in eine knochenbrechende Umarmung. Der Typ war vor seinem starken Knochenbruch Schmied gewesen, besaß noch breitere Schultern und war noch knapp zwei Handbreit größer als ich und mir entwich die Luft mit einem leichten Keuchen. "Du hast ein paar deiner Haare eingebüßt, dein Bart ist grauer geworden aber stark wie ein Bär bist du noch immer." Fusel wischte sich grinsend über die Glatze, begrüßte dann Cata - auf die herkömmliche Art und fragte dann was wir wollten. "Ich wollte meiner Begleitung mal die Falken näher zeigen, ich nehme an ihr Abendessen hatten sie noch nicht?" Fusel sah Cata an und lachte, wobei er sich den leichten Bierbauch hielt "Dann kommt mit!"


Der alte Mann, der wohl zu früheren Zeiten einen harten Job gehabt hatte, vermutlich in der Metallindustrie, schien ein gutmütiger Kerl zu sein. "Hast du schon einmal einen Falken auf dem Arm gehabt, Shield Maid?" Ich schüttelte den Kopf. "Ich weiß aber, dass man einen Lederhandschuh dabei trägt und dem Jagdvogel nicht verärgern sollte.", sagte ich. Der Falkner lachte. "Da hat jemand die Theorieprüfung bestanden, nicht wahr?" Er ging zu einem der 'http://www.fotos.sc/img2/u/richard/h/Falke_Greifvogel_Jaeger_sehen_Flug_Maeuse_Kleintier_Sturzflug_Schnabel_.jpg'Falken und gebot mir, ihm zu folgen. "Das ist Karya.", wies er auf die dunkel gefiederte Jägerin hin. Diese schlug nur mehrmals mit den Flügeln und warf den Kopf herum. "Sie ist noch jung, aber sie ist eine ausgezeichnete Fliegerin." Damit streifte der Falkner mir einen schweren, mitgenommenen Lederhandschuh über, der mir bis zum Ellbogen reichte. Hansi stand etwas weiter von mir entfernt und verschränkte die Arme. Mein Herz pochte. Plötzlich stieß der Steinadler, der zwischen den Falken hockte, einen markerschütternden Schrei aus und ich zuckte unwillkürlich zusammen. "Keine Sorge, er wittert Beute und möchte jagen.", brummte der alte Mann. Karya hüpfte auf den Arm des Mannes, der ohne weiteren Schutz auf mich zu ging. "Lass sie dich begutachten. Vielleicht kannst du sie auch berühren. Sobald sie aber die Flügel ausbreitet, solltest du das verwerfen.", erklärte er. Karya legte den Kopf zur Seite, dann stieg sie auf meinen behandschuhten Unterarm und drehte sich dann um die eigene Achse, bis sie mit dem Rücken zu Hansi stand. Der Falke krallte sich stark in das Leder, und ich spürte den Druck kaum. "Wow. Anmutig und grazil, und doch eine perfekte Jägerin.", ich besah mir den Vogel doch etwas neugierig an, und schaute dann den Falkner an. "Ich denke, du kannst sie am Rücken streicheln." Zaghaft fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über den gefiederten Rücken, dann wurde ich etwas mutiger und streichelte sie mit der ganzen Hand. Da ich mich aber weiterhin nicht traute wendete ich den Arm, sodass sie nun schräg vor mir auf dem Arm saß. "Siehst du diese Steinplatte? Von dort aus kannst du sie in das kleine Tal losschicken."
Ich tat, was mir geraten und blickte von der Platte nach unten. Ein Steilhang führte in das Tal, das gut fünfzig Meter tiefer unter uns lag. "Einfach den Arm schütteln." Ruckartig bewegte ich den Arm nach vorne. Mit Schwung setzte sich Karya von mir ab, und stieß sich hinab in das Tal. Nach einem Flug von etwa drei Minuten segelte sie auf den Hocker, der ihr zugetragen war und bekam eine kleine Maus vom Falkner als Belohnung. "Und?" "Klasse!", erklärte ich und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Hansi und der Mann sahen sich an und lachten dann. "Ich denke, wir haben gerade einen Kindheitstraum erfüllt, Thorfinnr.", der Falkner klopfte Hansi kräftig auf die Schultern.



Ich nahm der jungen Frau den Handschuh ab den sie mir entgegen hielt, schob ihn mir selbst auf den Arm, mit einem auf schwedisch gebrummten Befehl rief ich den Adler zu mir - Fusel und ich hatten ihn einst aufgezogen und ebenfalls ausgebildet, sein Name war Tschetan...was in anbetracht seiner Gattung fast eine Beleidung war, denn es bedeutete "Falke". Im Grunde beruhte der Name jedoch in der Freunschaft zu den kleineren Artgenossen. Mit einem kleinen Gleitflug landete der Adler auf meinem ausgestreckten Arm, sah mich aus seinen braunen Augen an. "Ob er sich wohl noch an mich erinnert?" fragte ich den alten Mann, der unwissend mit den Schultern zuckte, mir aber ein Kaninchen reichte. Tschetan gab einen Schrei von sich, tänzelte auf meinem Arm hin und her. Dann entließ ich ihn in die Luft, hörte wie er über unseren Köpfen zu kreisen begann und ich warf ihm das Kaninchen in der Luft entgegen. Nachdem er es gefangen hatte, ging es zu seinem alten Platz zurück wo er begeistert an seinem Kaninchen herum zu picken begann - beinahe gierig. Bei seinem Rundflug hatte Catalina die Möglichkeit erhalten, die anderen Falken mit Mäusen und kleineren Küken zu futtern.
"Willst du nun doch noch einen anderen Namen erhalten?" fragte ich sie im zurück gehen zu den etwas belebteren Schauplätzen, an denen es nun Feuershow und Schaukampf gab.


Das Geräusch von aneinander klirrenden Schwertern erklang, als wir bei einem Rund stehen blieben. Die Kämpfer tänzelten umeinander herum, eine weitere Schwertkombination erfolgte. "Warum nicht?" Hansi blieb neben mir stehen und schaute interessiert dem Schaukampf zu. "Ich finde Gaupa ist ein passender Name." "Gaupa?", fragte ich verwirrt. Hörte sich an wie eine neue Version von Graupennudeln, brrr. "Frauen, die den Namen 'Gaupa' tragen, sind im Allgemeinen willensstarke und loyale Persönlichkeiten. Sie sind stark wie ein Bär und doch so klug wie eine Eule." Ich spürte, wie mir erst heiß und dann eiskalt wurde. "Hört sich an wie die Bezeichnung einer Wildkatze.", sagte ich. Dann sahen wir uns einen Moment lang an. Meine Fingerspitzen kribbelten, dann dachte ich nach. "Gaupa...Gaupa...Sofern er mir ebenbürtig ist, nehme ich ihn gerne an." Der Schaukampf war vorbei. Wandr, der Mann von vorhin, lief nun auf den Zirkel zu und streckte seine Hand aus, sobald er Hansi und mich sah. "Aye, Thorfinnr!", rief er laut.



Die Arme vor der Brust verschränkt stand ich da, winkte freundlich ab - um uns herum entstand nun aber ein Ruf nach dem anderen der meinen Namen verkündete. Wandr wusste das ich mit dem Schwert nicht gut war, gerade nicht nach all der Zeit - wollte er sich beweisen?
Ich brummte, biss die Zähne aufeinander, Catalina oder jetzt Gaupa, stellte sich auf die Zehenspitzen "Den schaffst du doch wohl mit links!" flüsterte sie, zwinkerte mir zu. "Na schön!" ich entledigte mich des Lederwamses, dem wuchtigen Gürtel und zog das Schwert aus der Scheide. "Darf ich mir dein Schild leihen? " Es war eines der Schilde die mit einem Riemen hinter dem Rücken befestigt werden konnte, also löste sie mit flinken Fingern die Riemen und ich konnte in die Mitte des Zirkels treten um Wandr gegenüber zu stehen.
Wandr war schon immer ein Typ von viel Geplänkel und Scheinangriffe gewesen, auch jetzt begann er mit tänzelnden Schritten. Ich bblieb stehen wie ein Stein, beobachtete und schätze seine Beweglichkeit ein, dann trat ich zwei zügige Schritte auf ihn zu und warf das Schild mit Wucht auf seinen Oberkörper. Da er mit einem Angriff mit dem Schwert gerechnet hatte, war seine Hand erhoben, der Aufprall des Schildes gegen Oberkörper, Ellenbogen und das Schwert ließ es ihn loslassen. Geistesgegenwärtig griff er sich das schmale Schild, da bei meinem Angriff nicht die Zeit blieb sein Schwert aufzunehmen - drei kräftige Hiebe gegen den Schild, mehrere hastige Schritte von Wandr nach hinten und er stolperte über die hochgewachsene Grasnarbe. Er schnappte nach Luft als er landete, sah mich dann aus einer Mischung von Erstaunen und Freude an. Ich bot ihm die Hand an um ihm auf zu helfen als er stand klopfte er mir brummend auf die Schulter. "Du kämpfst noch immer mehr mit dem Verstand als den Muskeln!" rief er über den Applaus hinweg. Ich schnappte mir das Schild und lief wieder zu Gaupa hinüber. "Was willst du als nächstes sehen?"


Der Kampf war schneller vorbei als erwartet. Obwohl ich sah, wie Thorfinnr haderte, überhaupt zu kämpfen, stieg er in den Kampf ein und besiegte Wandr im Handumdrehen. Als er dann auf mich zu kam, und nach weiteren Plänen fragte, hatte ich verstohlen einen Blick auf mein Handy geworfen. Fast 11 Uhr. "Ich würde ja gerne noch bleiben, aber ich muss morgen früh aufstehen. Ich erwarte ein Telefonat mit dem Landbesitzer aus Morvern." Ein überraschter Ausdruck entstand auf seinem Gesicht. "Morvern? Das ist nur eine Stunde von Craignure entfernt. Mit der Fähre, versteht sich." Duh. "Nun, wenn du jetzt schon gehen willst. Vorher sollten wir uns verabschieden." Er gab mir den Schild zurück, dann folgte ich ihm quer über den Platz. Als er sich von dem Falkner, Wandr, Alfar und einigen anderen verabschiedet hatte, fand er auch Runa. "Thorfinnr! Du wirst uns doch nicht verlassen?", rief sie aus. Die Krähe auf ihrer Schulter wippte, um das Gebärden der Frau auszugleichen. "Ich fürchte doch, Runa.", antwortete der stämmige Mann. "Und hat deine Begleiterin einen Namen erhalten?" "Gaupa." Ein listiges Funkeln lag in Runas Augen. "Gaupa...ein dir würdiger Name. Mögen die Götter euch schützen auf euren Wegen und möget ihr uns bald wiedersehen.", rief sie und schaute mich dann einen Moment lang an.
Ich stand im Fundus und wechselte meine Kleidung. Ich hatte mich an die Wikingerkluft - pardon, Shield Maiden Kleidung - fast gewöhnt und jetzt in meine Röhrenjeans zu steigen war doch etwas tricky. Kurz darauf trat ich aus dem Zelt hinaus und sah noch, wie Wandr mit Thorfinnr eilig und vor allem eindringlich sprach. Wie ertappte Schuljungen wandten sie sich ab, sobald ich dazu trat. "Auf Wiedersehen, Thorfinnr.", bemerkte Wandr nur, sah mich kurz an und stapfte weg. "Alles ok? Fahren wir?"
Die Nacht wurde immer dunkler, und der Mond spielte Verstecken mit den Wolken. Das Radio war ausgeschaltet, und man konnte nur den Motor brummen und den Asphalt knirschen hören. "Hat es dir Spaß gemacht?" Lange musste ich nicht nachdenken. "Ja. War interessant. Die Falken fand ich klasse." Er lachte auf. "Sonst nichts? Nur die Greifvögel? Was ist mit dem Kampf gewesen." "Naja, bisschen eingerostet bist du schon, oder?", ich grinste. "Gaupa, wenn wir uns nicht im Wagen befinden würden-" "Dann was? Kämpfen wir?" Er verstummte plötzlich. Dann lachte er schallend los und bog in die Einfahrt ein.
"Wann hast du denn das Gespräch morgen?" "Sieben Uhr. Wenn der Besitzer sein Okay gibt, lass ich meine Sachen und die von den Pferden nach Morvern zu dem Gestüt fliegen, dann bin ich weg und nach und nach kommen die Pferde." "Hast du ein Bild von dem potenziellen Stall?" Thorfinnr entledigte sich gerade seiner Waffen und lehnte sich an die Trennwand der Küche. Zielsicher tapste ich zum Schwarzen Brett und riss ein 'http://www.galopp-hamburg.de/sites/default/files/imagecache/imgVorschau/obj-images/hofeinfahrt._foto_gestuet_hachetal.jpg'Foto ab. Der Hüne sah sich das Bild und die Annonce genau an. "Kenne ich. Hat sehr große Weiden und Ausbaumöglichkeiten. Wie viel?" Schnaufend steckte ich das Bild wieder an die Korkunterlage. "Willst du nicht wissen. Ich mache mich jetzt bettfertig." Mein Gegenüber brauchte einen Moment, bis er verstand und mir dann ungelenk 'Gute Nacht' wünschte. Dann hörte ich nur das Stapfen von Stiefeln und das Auf- und Zugehen einer Tür und dann konnte ich mich auf die Couch werfen, nachdem ich ein übergroßes Shirt und eine Baumwollhose übergeworfen hatte.



Am nächsten Tag widmete ich mich wieder dem jungen Hengst, wie am Vortag ließ ich ihn unangebunden vor der Box stehen und war am putzen. Cata war damit beschäftigt ihr Gespräch zu führen, danach erst wollten wir gemeinsam Frühstück essen.
Nach dem Putzen fand ich mich mit Dorn im Round Pen ein, an seinem Kappzaum war die Longe befestigt und zunächst lief er brav im Zirkel um mich herum. Allerdings testete er oft aus ob er nicht doch schneller laufen könnte, vorerst ließ ich ihn. In dem Moment da Dorn jedoch von selbst durchparieren wollte trieb ich ihn weiter, der Hengst versuchte sich mit einem Buckler quer zu stellen, doch energischer nun schickte ich ihn vorwärts. Nach diesem kurzen Machtspiel verlief das Training ohne Probleme, ich ließ ihn dann noch eine Weile frei laufen und brachte ihn dann zurück in die Box. Dort wollte ich gerade sein Halfter abnehmen , als mich der freche Kerl doch tatsächlich in den Unterarm biss! Unkommentiert drehte ich bei und ging aus dem Stall heraus...offensichtlich verteidigte er sein Revier.Da begann eine Idee im Kopf heran zu reifen. Vorerst jedoch half ich Cata dabei den Tisch zu decken. Da plötzlich hielt sie mich am Handgelenk, drückte leicht an die Stelle mit dem Biss "Ouh..das sieht aus..willst du ein Kühlakku?" Mit sanfter Geste entwand ich ihr die Hand "Nein...ist nicht der erste Biss." kommentierte ich ihre leichte Sorge.


Der Tisch war gedeckt. Bella und Tabea bestrichen gerade ihre Brotscheiben, Hansi haute sich gerade den Magen voll, der verletzte Arm leicht angestützt. "Wie sieht es aus mit Morvern?", fragte Bella. Heute früh hatten wir uns hingesetzt und ein paar Stunden geredet. Wir waren nicht auf gleicher Höhe aber immerhin war sie mir nicht mehr böse. "Mr Conelly hat gesagt, dass der Stall heute noch einmal geprüft wird, ebenso wie der Round Pen, der Reitplatz und die Halle. Also kann ich das Gestüt in zwei Tagen beziehen." "Hast du schon einen Namen?" "Ich denke, ich werde den alten beibehalten.", erwiderte ich ohne weitere Details. Bella nickte nur und biss in ihre Schnitte. Etwas angewidert drehte ich mich weg. Prustend gab Bella ihrer Schwester ein High Five. "Du hast Zitronenmarmelade immer noch?" "Was heißt immer noch? Das ist der Aufstrich des Teufels!", rief ich und warf die Arme in die Luft. Es folgte ein heiterer Gemütsausbruch allerseits.
Tabea und Hansi machten die Küche sauber, Bella und ich sattelten derweil unsere Pferde auf. Kurz darauf trat der Hüne in die Szene ein. "Wo wollt ihr hin?" Bella befestigte gerade die Gerte an Laufeys Sattel. "Also ich werde ausreiten. Cata möchte sehen, wie Dorn sich mit Sattel macht." "Du willst ihn reiten?!" "Quatsch, nein. Erst, wenn ich drüben in Morvern bin. Will nur sehen, ob ich ihn jetzt mal laufen lassen kann." Damit band ich die Steigbügel hoch, und führte den Hengst in den Round Pen. Hingegen aller Erwartungen sträubte sich der Hengst kein bisschen. "Bist du dir sicher, dass du das schaffst?", wollte Hansi noch einmal wissen. Zweifel lag in seiner Stimme. "Gib mir nur einen Versuch, bitte." Ich befestigte die Longe am Gebiss und ließ Dorn nur vorweg gehen. Im Trab wachte das Pony dann komplett auf. Er zog ständig an der Longe und tänzelte ein wenig im Rund, aber sobald er bemerkte, dass ich darauf nicht aus war, gab er Ruhe. Ich trieb ihn anschließend in den Galopp, und nach einigen Sprüngen schaffte er es, einigermaßen vernünftig zu gehen. Plötzlich legte er die Ohren an, der Kopf stand schon fast auf einer Gerade mit dem Hals und er fing an, zu buckeln.



Nachdem sich der Hengst soweit beruhigt hatte begann er sehr unruhig auf seinem Gebiss herum zu knabbern. "Warte ich komm mal rein." irgendwie kam ich mir nun ein wenig dämlich vor...es klang als würde ich ihr das Trainng nicht zutrauen. Natürlich war ich derjenige mit mehr Erfahrung in dem Beruf, aber für ihre knapp 19 Jahre machte sie ihre Sache ja nicht schlecht. "Traust du mir das nicht zu?" kam es nun auch von Cata.
"Natürlich nicht, aber ich hab eine Vermutung." Wir ließen ihn anhalten, ich fummelte seine Trense vom Kopf band die Longe um seinen Hals und befestigte den Karabiner in dem Seil der Longe. Das ganze wirkte nun wie ein Würger beim Hund - zog er zu stark wurde der Druck schwerer. Dorn jedoch trappelte im Kreis um uns beide herum, Cata ließ ihn auch galoppieren - ohne das er buckelte. "Wenn du eh nach Schottland kommst...dann könnte ich ihn mit nach Caed Crevan nehmen und dort trainieren. So wie es aussieht mag er sein Gebiss nicht sonderlich, vielleicht hat er auch Probleme mit den Zähnen. Ich würde ihn mitnehmen und zu Hause mal einen Tierarzt drüber gucken lassen, , natürlich auch mit ihm trainieren. Du hast noch eine Menge zu tun mit dem Umzug und allem, wenn ich dir da unter die Arme greifen kann...?" Wir sammelten Dorn wieder ein, kehrten langsam zum Hof zurück.


Auf dem Hof nahm Hansi sich des Hengstes an und putze ihn. Ich ließ mir das Angebot gut durch den Kopf gehen. "Nun, am Gebiss kann es schon liegen. Und wenn du wirklich einen Arzt drüber gucken lassen willst - gerne! Ich will jetzt erst einmal nach Benny und dann nach Steel schauen." Gesagt, getan. Der arme Wallach wurde mit neuem Wasser versorgt; anschließend nahm ich seine Werte auf und verglich sie mit denen der vergangenen Tage. Seine Temperatur ging langsam wieder runter. Steel rupfte langsam Heu aus ihrem Futtertrog hinaus. Sie war schon etwas an mich gewöhnt und folgte mir ohne Zögern aus der Box, wo ich sie dann anband und putzte. Ich legte ihr ein Pad und einen Gurt an, streichelte sie und ging dann mit ihr nach draußen. Gleichzeitig kam mir Hansi mit Dorn entgegen. Steel duckte sich ein wenig als sie den großen Kerl vorbei laufen sah. Mit Dorn hielt sie einen kurzen Kontakt, dann aber zog sie sich an meine Seite zurück. "Ist ja gut, Kleine." Wir zogen am Stallgebäude nach links zum Round Pen vorbei auf die kleine Apfelbaumwiese. Dort ließ ich sie eine Zeit lang grasen, sie bemühte sich sogar, einen unreifen Apfel von seinem Ast abzureißen und ihn dann zu verschlingen. Lachend ging ich mit ihr weiter, zum Reitplatz. Dort ging ich mit ihr am Strick ein paar Runden. Als ich zurückkam, stand Hansi am Gatter und lächelte.



"Steel scheint eine ganz vorsichtige zu sein, was?" fragte ich Cata. Ich hatte bereits Sarah verständigt wegen dem neuen Gast, sie hatte nur gemeint sie würde eine Box vorbereiten. Heute würde ich wohl gegen Abend noch einmal auf Tuchfühlung mit dem jungen Hengst gehen, ansonsten alles auf unserem Hof machen. Ich beobachtete wie sie die junge Stute quer über den Platz führte und meine Frage offensichtlich nicht gehört hatte. Als sie wieder näher bei mir war "Soll ich eigentlich einen Teil deiner Kartons schon mitnehmen? Der Jeep hat Platz genug, so sparst du dir einen Umzugswagen weniger und kannst dich eher auf die Pferde konzentrieren. Vielleicht könnte ich sogar einen zweiten Hengst mitnehmen?" Ich sah wie Cata zu überlegen begann "Generell hätte ich dir wohl Benny mitgegeben, aber in seinem Zustand will ich das nicht unbedingt. Ansonsten ist ein zweites Pferd im Hänger wohl besser...ob das mit Blacky klappt, du kennst den Hengst ja auch?" Ich rieb mir nachdenklich das Kinn...ich war nicht dabei gewesen als wir ihn weg brachten, aber an einem Turnier war er im Hänger gewesen. "Er geht zumindest brav auf den Hänger, drinnen steht er auch ziemlich ruhig. Auf jedenfall ist Blacky erfahrener als Dorn auf dem Hänger, wäre also eine gute Idee."
"Dann machen wir das am besten so. Wann willst du los?"
"Wenn du nichts dagegen hast würde ich heute noch bleiben und dann morgen erst aufbrechen? Vielleicht kann ich euch noch bei der Stallarbeit unterstützen? "


"Ich bring jetzt erst einmal Steel weg. Die braucht ein bisschen Auslauf. Das mit den Kartons ist eine gute Idee; ich krieg zwar das alte Mobiliar vom Gestüt, aber meine Klamotten und Reitsachen für die Pferde sind schon happig. Mal schauen." Hansi blieb etwas hinter uns, als ich die zierliche Stute wegführte und dann auf die Weide stellte. Sofort gesellte sie sich zu Grace und Meyja und machte in der tollen Jagd der Stuten mit. "Und jetzt?" "Stall ausmisten. Tabea bespaßt grade die Kleinen, und dann würde ich gerne Tomenko unterhalten. Hast du übrigens schon gehört, dass Tigrotto ihre erste Fohlenschau gewonnen hat?"
Hansi nickte. "Die Kleine hat Potenzial. Sehr knuddelig." War das nicht ein Mädchenbegriff? Kichernd pflichtete ich ihm bei. "Also, willst du mir helfen?" "Sind ja nicht so viele Boxen, oder?" Ich schüttelte den Kopf und dann fingen wir auch an. Während ich mich um die Fohlen- und Hengstboxen kümmerte, machte Hansi die von Benny und den Stuten sauber - eine fast gleich schwere Arbeit. Danach, um des Arbeits Willen, putzten wir noch das gesamte Sattelzeug.
Es stand eine Pause an. Gemeinsam leerten wir eine Flasche Mineralwasser.




"Hier ist zwar weniger zu tun als auf Caed Crevan, aber weniger anstrengend wird es trotzdem nicht" bemerkte ich nebenbei und recihte Cata, die Flasche zurück. Ich bin gespannt wie der ganze Hof dann aussehen wird sobald du dort wohnst!" Vor der Abendessen machten wir für den Transport für morgen alles fertig - Sattelzeug und einige der Bücher kamen in den Kofferraum meines Jeeps, Futter für die ersten Tage auf Caed Crevan, da Cata nicht wusste ob Dorn das unsrige vertragen würde. Anschließend machten wir den Hänger schon bereit, legten Stroh aus und befüllten vier Heunetze für die Fahrt hoch nach Schottland. Eine Fähre würde mich direkt von Hamburg aus bis an die Küste von Wales bringen - den Namen des Hafens hatte ich vergessen. Von dort würde mich die Fahrt dann nach Caed Cravan bringen...etwa eine Woche später wollte Cata dann mit all dem Rest nach Morvern aufbrechen. Es kamen spannende Zeiten auf uns zu - denn Catalina hatte die Idee gehabt auch Bella mit nach Schottland zu holen. Da sich die Wogen allerdings erst begonnen hatten zu glätten blieb dieser Vorschlag vorerst aus.


Später, es war gegen 9 Uhr, saßen Hansi und ich noch im Wohnzimmer. Großzügig hatte er mir dabei die "Babycouch" angeboten, er selber saß auf der Dreiercouch. Obwohl im Fernsehen irgendein Chamionsleague Spiel übertragen wurde, lag unser beider Augenmerk auf der hitzigen Diskussion, die wir führten. "Falken sind natürlich die besseren Jäger, Hans! Sie sind klein, flink und tödlich. Steinadler sind klobig." Empört schnaufte der Hüne auf. "Wie bitte? Steinadler können Katzen und Hunde aus der Luft packen, Falken allerhöchstens Hasen!" "Es geht nicht um die Beute, sondern um die Eleganz." "Eleganz, pf. Schon mal ein Kaltblut S-Dressur gehen sehen? Das nenne ich Eleganz! Effizienz ist das Zauberwort, Gaupa." Ich knurrte ihn an. "Verdammt! Hast ja Recht." Hans grinste selbstzufrieden und trank sein Bier leer. "Bringst du mir ein Neues mit? Bitte?" Ich hätte ihm am liebsten den Finger gezeigt. "Na warte, du...!", rief Hansi. Er stand auf und folgte mir. Hatte ich ihm wirklich den Finger gezeigt? Oh Mist. Quickend stellte ich die leere Bierdose auf den Thresen und sprang dann wieder zurück in die Küche. Die Hetzjagd ging dann noch etwa drei weitere Minuten und bezog sich auf das ganze Haus. Allerdings lief ich dann in eine Sackgasse. Es war der Flur, der im ersten Stock zu den Schlafzimmern führte. Langsam, und mit einem Lächeln, stromerte er auf mich zu.


Mit langsamen Schritten ging ich auf die hicksende Cata zu "Wag es nicht! " giggelte sie zwischen zwei Hicksern. Mit einem Satz sprang ich auf sie zu, fasste sie bei den Hüften und packte sie mir bäuchlings über die Schulter. Mit den Händen hielt ich ihre zappelnden Füße fest, während ihre Hände auf meinen Rücken nieder gingen. "Du, du elender..."
"Wikinger, ich weiß" Sie sackte in sich zusammen ließ sich widerstandslos in Richtung Treppe bugsieren - als ich mich jedoch gerade umdrehte machte meine Stirn plötzliche Bekanntschaft mit einem der Dachbalken. Es gab es dumpfes Geräusch, ein Schmerzenslaut meinerseits und prustendes Lachen von Catalina. "Barzúl!" ich hielt mir die getroffene Stelle, das konnte ja auch nur mir passieren! Mit einer lachenden Cata kam ich in der Küche an, ich tastete nach der Beule die bereits begann zu blühen und Cata einen Moment im Versuch Ernst zu werden schaute sich meine Stirn an. "Da ist noch nichts zu sehen!"
"Aber zu fühlen!" moserte ich, jetzt bekam ich doch tatsächlich noch Kopfschmerzen davon. "Mhm...soll ich dir nen Kühlakku geben?" ich schüttelte den Kopf, sah sie feixend an "Aber ein kaltes Bier wäre gut!"
"Ooh du!" sie versetzte mir einen kleinen Stoß gegen den Brustkorb, der mich nicht weiter bewegte.
So kam ich anschließend doch noch an ein Guinness, das ich mir abwechselnd an die Stirn hielt und einen Schluck trank. Die Diskussion von Falken und Adlern hatten wir beendet, jetzt ging es größtenteils um den Umzug. "Ich bin gespannt ob du wirklich bis zum 28.4 alles schaffst, ist ja nun nur noch knapp 2 Wochen hin! Ich kann dich soweit es geht unterstützen...Sarah hat zusammen mit Siobhan, der Besitzerin von Classical Harmony, für unsere Auszubildenden ein gemeinsames Distanztraining organisiert. Beide haben zusammen trainiert für ein Rennen das am 30.4 bei uns auf dem Festland stattfindet. Bin gespannt wie sich die beiden angestellt haben...war ja nun die ganze Zeit unterwegs!"
"Hört sich nach einer super Sache dran, ich hoffe ja von Sarah, Cayden und den anderen auch noch eine Menge zu lernen. So lange bin ich ja noch nicht tätig in dem Beruf."

Wir gingen erst spät in unsere Betten, nur um am nächsten Morgen früh aufzustehen - ich war froh über den starken Kaffee!
Nach dem Frühstück half mir Cata dabei sowohl Dorn als auch Blacky in den Hänger zu verfrachten. Anschließend stand ein weiterer Abschied bevor - zumindest bis in ein paar Tagen. "Wir halten Kontakt per Handy? "


Als Hansi mit meinen Hengsten weg fuhr, hatte ich ein mulmiges Gefühl. In der letzten Zeit war ich so oft unterwegs, bin mal nach Deutschland, dann nach Kanada oder Schottland geflogen, und hatte kaum Zeit, mich auszuruhen. Und jetzt noch der Umzug...Seufzend ließ ich mich auf einen Heuballen im Stall nieder, und fing danach an, zu husten. Dämlicher Staub in der Luft, dachte ich und stand wieder auf, um mit Grace einen Ausritt zu machen.
Kurze Zeit später erhielt ich einen Eilauftrag von Verena. Nun ja, Massenauftrag passte eher. 3 Pferde über einen Zeitraum von einer Woche zu trainieren war ein schönes Stückchen, aber von dem Lohn konnte ich einen Teil des Daches vom Gestüt verbessern lassen. Aber danach, so schwor ich mir, wollte ich auf dem neuen Hof nur um mich und meine Pferde kümmern. Und am letzten Apriltag wollte ich mir doch noch das Distanzrennen ansehen. Hansi hatte mich neugierig gemacht.
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