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Unverhofft kommt oft....

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 171

Nachdem sie mich ins Krankenhaus verfrachtet hatten, wurde ich dort nach und nach wach – die Narkose hatte man mir nur gegeben Aufgrund des besseren Transportes. Am Abend hatte ich einen ganzen Cocktail an Tabletten erhalten, die ich ohne Widerstand zu mir genommen hatte – nun standen da also drei Leute vor mir. Ein grobschlächtiger Kerl namens Dr.Warren, eine der Schwestern sowie einem Assistenzarzt deren Name mir sofort wieder entfallen war. „ Es handelt sich bei ihnen um eine Eileiterentzündung, die sie sich höchst wahrscheinlich eingefangen haben als ihnen die Spirale eingesetzt wurde.“ Innerlich rollte ich die Augen, spürte jedoch wie mir die Hitze in die Wangen zu steigen begann bei seinen Worten. Von dieser Aktion hatte ich Cayden nichts erzählt, wollte ich doch um jeden Preis verhindern schwanger zu werden. Es war nicht einfach nur die Tatsache, das ich Kleinkinder nicht ausstehen konnte – meine eigene Mutter war einfach so miserabel gewesen, dass ich so etwas keinem Antun wollte, denn der Apfel fiel ja bekanntlich nicht weit vom Stamm. Ein geschielter Blick zu Cayden herüber ließ mir jedoch keinen Aufschluss über seine Gefühlsregung. „Ihr ohnehin niedriger Östrogenspiegel begünstigte das Entstehen einer Entzündung enorm, doch auch der späte Arztbesuch trug dazu bei das es möglicherweise zu einigen Komplikationen darunter auch Unfruchtbarkeit kommen kann“ Während irgendwo tief in meinem Inneren etwas zu zerbrechen schien, war da ein viel größerer Teil der sich beherrschen musste kein Lächeln zu zeigen. Von meinem Freund irgendwo links von mir jedoch kam ein schlecht unterdrücktes einziehen der Luft, ihm schien diese Tatsache ganz und gar nicht zu gefallen. Mein Blick ging von den Ärzten zu den auf meinem Bauch verschränkten Händen, die Medikamente verhinderten das ich jeglichen Schmerz verspürte, der Arzt hatte die gesamte Zeit weitererzählt und bei einem Wort schoss mein Kopf ungläubig in die Höhe. „Was?“ fragte ich mit beinahe quietschender Stimme. Dr. Warren zeigte ein Lächeln, wiederholte dann noch einmal was er während meiner Unachtsamkeit erwähnt hatte „Sie werden die nächsten zwei Wochen hier behandelt um sie unter Kontrolle zu haben damit die verabreichten Antibiotika sie und ihrem Fötus nicht schaden“ Fötus genau jenes Wort war es gewesen, welches mir jegliche Farbe in meinem Gesicht genommen hatte, als ich es bereits das erste Mal gehört hatte, doch selbst jetzt nach einer Wiederholung wollte die Tragweite dieser Worte nicht in meinen Kopf dringen. Mit nicht zu wenig schockiertem Blick starrte ich den drei Personen hinterher, die soeben mein Krankenzimmer verließen. Merklich spürte ich wie mein Herz schneller zu schlagen begann, wie sich meine Gedanken zu drehen begannen. Mai…Beltaine…..der Brand auf Heartland – Cayden und ich waren da gewesen „Oh Götter“ murmelte ich vor mir her. Ob es wohl Ironie des Schicksals gewesen war? Beltaine war nicht nur das Fest des Feuers, sondern auch der Fruchtbarkeit. Die darauf folgende Zeit hatte ich Amy unterstützt, mich in meine Arbeit gestürzt und war dann auch noch aus Schottland verwiesen worden. Während der ganzen Zeit hatte ich keinen Besuch erhalten, war mir das nicht schon zuvor aufgefallen? Dann schüttelte ich den Kopf, der Arzt hatte mir doch gesagt – nach dem einsetzen der Spirale konnte es zu einer Unregelmäßigkeit in meinem stetigen Zyklus kommen. Mit zitternden Händen fasste ich mich an die Stirn, stütze meinen Kopf, nur um meinen Händen etwas zu tun zu geben. Während der gesamten Zeit hatte auch Cayden still, ja beinahe versteinert auf dem Stuhl neben mir gesessen, kein Ton schien von meinem stillen Nordmann zu kommen. Dann griff er nach meinen Händen, deren Finger begonnen hatten mir die Schuppenflechte blutig von der Kopfhaut zu pullen, nahm mich in eine seiner so vertrauten Umarmungen, erst dann begannen die Tränen zu fließen – ob aus purer Verzweiflung oder vor Glück konnte ich in diesem Augenblick nicht sagen.



~ 2 Wochen später ~

Meine Eileiterentzündung war abgeklungen, dem Baby und mir ging es gut, doch so wirklich mit dem Gedanken angefreundet das ich nun wirklich schwanger war konnte ich noch immer nicht. Unser Leben auf dem Hof ging erst einmal wie gehabt weiter. Meinen Besuch bei Maren musste ich vorzeitig absagen, hatte ihr jedoch versichert, dass sobald Hansi Zeit hatte er sich um ihren Hengst Peeta kümmern würde. Nur zwei Tage nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, ging es zusammen mit Cayden auf eine Körung mit Gwynbleidd, wenn er es auch lieber gesehen hätte ich wäre zu Hause geblieben. Wirklich geredet über unsere derzeitige Lage hatten wir bisher nicht - die Entzündung der Eileiter, die späte Diagnose hatte tatsächlich zu einer Unfruchtbarkeit geführt, weshalb auch die Schwangerschaft Risikohaft sein würde. Obwohl ich mit niemandem darüber sprach, so hatte ich noch immer den absonderlichen Gedanken das Kind zu verlieren…..ich würde eine schreckliche Mutter abgeben – denn ich spürte schon jetzt einen Hass in mir auflodern der nicht allein gegen das Kind in mir selbst gerichtet war. Doch jetzt war die Körung an der Reihe, versuchte mich so wie immer zu geben um meine düsteren Gedanken in mir gefangen zu halten.

„Du solltest viel öfter in Turnierklamotten umher laufen!“ flüsterte ich Cayden ins Ohr, heute würde er auf Gwynbleidd seine erste Körung bestreiten „Naja, so toll find ich das jetzt nicht“ lachte er und stellte den Fuß in den Bügel und schwang sich auf den Rücken des Schimmelhengstes. „Auf eine gelungene Kür“ feuerte ich ihn an. Dann huschte ich an die Seitenbande, bewaffnet mit Fotoapparat um alles festzuhalten. Im Schritt ging es für beide auf den Platz, Gwyn war heute ein wenig schneller unterwegs, denn auf einem Turnier oder einer Körung war er lange nicht gewesen. Bei X hielten die beiden an – die Kür hatten wir gemeinsam erarbeitet, denn ich hatte daran besonders Spaß. Ursprünglich war geplant gewesen, dass ich reite, doch wegen der unerwarteten Schwangerschaft war dies heikel gewesen. Ich beobachtete wie Cayden die Richter grüßte, die Zügel wieder richtig aufnahm und der Mittellinie bis zu ihrem Ende folgte, nach links ab bog und anschließend antrabte. Im Training hatte Gwyn bewiesen, das er auch in der Dressur eine angenehme Figur machen konnte, sogar einen tollen Aufwärtsgalopp zeigte. Wobei jedoch seine wahre Begabung eher in der Distanz lag. Cayden brachte Gwyn ein wenig in die Anlehnung, der Schimmelhengst zeigte auch gleich was ein Vollblüter war – hob den Schweif beiseite, blähte die Nüstern auf und ein brummendes Geräusch hallte über den Platz ganz als wolle der Hengst verkünden „Hier kommen wir!“ Als nächstes ritten sie auf den Zirkel, der Hengst bog wundervoll den Hals, was unsere Arbeit nun wirklich Früchte tragen ließ. Aus dem Trab angaloppiert auf die Bahn gewechselt anders wie sein Partner Ikarus preschte er nicht los sondern zeigte einen ruhigen Kanter. Seine Beine schienen kaum den Boden zu berühren, der Sand wirbelte kaum auf und ich schien in einer Art Tagtraum gefangen zu sein als ich die beiden beobachtete. Anschließend ließ Cayden Gwynbleidd wieder etwas ruhiger durch die Bahn traben. Noch einmal kurz die Seite wechseln den Richtern so die Möglichkeit geben ihn von allen Seiten zu sehen. Anschließend folgte noch ein kurzer Galopp auf der ganzen Bahn – und in den Ecken immer wieder einen Zirkel damit die Wendigkeit des Hengstes zur Geltung kam. Dann fanden sich Pferd und Reiter wieder bei X ein, grüßten die Richter und am langen Zügel kamen sie wieder zu mir an den Ausgang des Platzes. „Das habt ihr Klasse gemeistert!“

Danach hatten wir den Schimmelhengst ordentlich versorgt, Cayden war wieder in seine normale Arbeitskleidung gestiegen und wir waren wieder in Richtung Caed Crevan gefahren – die Ergebnisse würden wir erst in ein paar Wochen erhalten. „Geht es dir gut?“ fragte mich Cayden – einer der Fragen die er mir in letzter Zeit stets zu stellen begann, eine jener Fragen die ich schon jetzt nicht mehr hören konnte. Auch wenn ich es versuchte nicht allzu sehr zu zeigen, unser Verhältnis schien irgendwie angekratzt zu sein…dabei war ich jedoch diejenige die sich Katzenartig und kratzbürstig verhielt. Ich war in einer Situation gefangen, der ich nicht länger zu entkommen vermochte.

Die nächsten Tage strichen dahin, die Vorbereitungen für das einfangen von Bucks waren in vollem Gange – Little Grey war rossig, also konnte es endlich los gehen!

Am folgenden Tag trottete ich zusammen mit der Stute in den eigens dafür konstruierten Korral, an einem Balken war die Stute angebunden, dieser befand sich in einem kleineren Areal das Bucks, sollte er in den größeren Bereich gehen nicht betreten konnte. Per Knopfdruck ließ sich das Tor des großen Areals verschließen und wir hatten den Hengst endlich wieder in unserer Gewalt. Ich band die Stute an den kleinen Balken – das kleine Areal besaß einen Gang nach draußen, sodass ich ohne Probleme später mit der Stute nach draußen konnte. Wir postierten ebenfalls Futter und Wasser in den Korral um anschließend auf die Anhöhe hinter den Büschen zu gehen. Der Wind stand günstig so konnte er uns nicht wittern – Aiden, Kathi und Hansi befanden sich im Sattel, seit ungefähr zwei Wochen hielt sich Bucks in der Nähe des Hofes auf. Mit viel Lärm und zusammen mit den Hunden wollten wir ihn in diese Senke treiben, zu gern hätte auch ich im Sattel gesessen.

Dann kamen die Geräusche der anderen immer näher und dann zum ersten Mal seit über vier Wochen sah ich meinen Hengst wieder einmal, wie er über die Anhöhe getrottet kam – jegliche Energie schien aus ihm gewichen zu sein. Die starken Regenfälle der letzten Tage, die abendlichen Gewitter schienen ihn mitgenommen zu haben. Sein Körper schien eingefallen, seine Hufe waren deutlich zu lang und die Mähne schien ebenfalls nicht mehr zu retten. Als er den Duft der Stute in seine Nüstern bekam schien sein altes Ich für einen Moment in ihm aufzuflackern. Deutlich zeigte sich wie er zu humpeln begann, doch nur wenige Momente später fiel das Tor hinter ihm ins Schloss. Erleichtert atmeten Cayden und ich auf, wir trotteten die Anhöhe langsam herunter, schon jetzt sah ich das verschmierte rot an den Abzeichen an seiner Kehle. Ich schlug mir die Hände vor den Mund „Oh mein Gott“ wisperte ich – das war beinahe etwas zu viel in letzter Zeit. Da kam auch schon Hansi in einem rasenden Tempo auf Ikarus die Anhöhe hinunter, schon von weitem begann er zu erzählen „ Etwa eine Stunde den Strand hinunter haben wir einen toten Wolf gefunden, die Spuren eines Kampfes sind wegen dem Regen nicht mehr zu sehen gewesen. Aber dem Wolf wurde der Kopf zerschmettert, nach dem wie er schon verwest ist, würde ich auf drei Tage schätzen. Es gab rund um den Ort noch andere neue Spuren, ein erwachsener und mindestens zwei Welpen laufen hier noch herum, der Mutter jedoch hat Bucks den gar aus gemacht.“ Damit lächelte er ein wenig gewinnend, ehe sich sein Blick auf den verletzten Hengst heftete. Seine linke Hinterhand zeigte deutliche Kratzspuren der Krallen der Wölfe, die versucht hatten ihn so irgendwie zu Fall zu bringen. An der Kehle befand sich eine zwar nicht tiefe, aber sehr breite Bisswunde – der Wolf hatte immer wieder den Halt verloren und hatte nachbeißen müssen. Auch die rechte Seite zeigte vereinzelte Kratzwunden, mit dem rechten Vorderbein lahmte er stark, auf die Entfernung schien auch dort eine Bisswunde zu sein. Alles in allem stand Bucks vollkommen apathisch da, nährten wir uns jedoch unnötig dem Zaun des Korrals wurde er leicht unruhig, bleckte in unsere Richtung die Zähne und man konnte die Kratzwunden an seinen Nüstern erkennen. Sofort fingerte ich nach meinem Handy, „Maren, hey…wir haben Bucks gefangen! Er wurde von Wölfen attackiert, sah aber bereits vorher schon nicht gut aus“ erzählte ich ihr halb schluchzend.
  • medy
  • Mohikanerin
  • Ravenna
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