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Täglicher Arbeitswahnsinn - oder "Wie Smaug vor die Kutsche kommt"

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 254

An diesem Wochenende führte mich mein Weg mal wieder in den Stall zu Smaug, der Hengst war seit einiger Zeit wieder bei uns auf dem Hof. In den ersten Tagen seiner Ankunft durfte er sich an die rauen Winde und den Regen der Highlands gewöhnen. Ansonsten hatte ich entspannt Bodenarbeit mit dem Schecken gemacht,sowie einige Ausritte zu machen. Mit ihm zu arbeiten war eine wirkliche Wohltat, ähnlich meinem Hund Corvus besaß der Große einen „will top lease“ – brauchte zwar Aufgrund seines Alters manchmal etwas länger für einige Übungen, aber darüber konnte ich gern hinweg wehen. Ich begann nach einem Tee zusammen mit Kathi am morgen, den Hengst noch einmal gründlich zu putzten, besonders seine Mähne benötigte Aufmerksamkeit – im Training flocht ich sie meist zusammen, damit sie nicht im Weg sein würde. Anschließend hievte ich den deutlich schwereren Sattel des Hengstes auf seinen Rücken, lief vorn an seiner Brust vorbei um den Gurt zu befestigen – den ich etwas enger machen musste als es im Sommer der Fall gewesen war. „Na die tägliche Bewegung tut dir wohl ganz gut“ murmelte ich und strubbelte durch seinen Schopf. Von seinem letzten Besuch kannte ich den Ausbildungsstand des Hengstes er lief ordentlich am Zügel, ließ sich ohne weitere Probleme biegen und stellen und die Tempowechsel zeigten sich deutlich innerhalb einer Gangart, sodass es keine Probleme geben sollte einen versammelten Galopp oder Trab von ihm abzuverlangen. Aus den Berichten von Hansi – der auch das Training des Hengstes mit machte wusste ich auch das er eine gute eigene Aufrichtung zeigte. Geduldig stand der Hengst neben mir in der Halle, während ich die Bügel einstellte. Also schwang ich mich in den Sattel des Schecken, stellte die Bügel noch einmal ein um erst einmal im Schritt um den Hufschlag zu laufen. Bei dem Wetter wollte ich Smaug genug Zeit geben Warm zu werden. Dann wurde begonnen mit leichten Trabphasen, Biegungen und ersten Volten. Smaug kannte bereits den einfachen Galoppwechsel war also das stellen in einen anderen Galopp bereits gewohnt, deswegen wollte ich heute auf die verschiedenen Tempi innerhalb einer Gangart achten, also dem Arbeitstrab, dem Mitteltrab und dem versammelten Trab, wie auch im Galopp. Zusätzlich würde ich auch auf den Außengalopp ein wenig eingehen und schauen wie er darauf reagierte. Denn der Schecke war zwar durchaus lernwillig, aber ich wollte ihn auch nicht überfordern, denn neben der Dressur wurde Smaug auch vor der Kutsche ausgebildet.

Nach der Aufwärmphase, den Tempiunterschieden im Trab und Schritt wagte ich mich an die Galopparbeit. Smaug hebelte sich nicht aus der Anlehnung, doch schob er sich oft über die Schulter hinweg aus der Biegung – der Außengalopp klappte bei ihm nicht hundertprozentig, doch geduldig ließ ich ihn immer wieder durchparieren und von neuem angaloppieren. Nach und nach gelang es mir ihn konstant in der Biegung zu halten. Damit beendete ich ein vollkommen erfolgreiches Training für diesen Tag.

Die Volten hatte ich bereits im gestrigen Training etwas verkleinert, denn in einer L Dressur gab es nur noch 8 Meter Volten. Heute musste mir Hansi ein wenig assentieren – wir wollten Smaug vom Boden aus das Kommando der Hinterhandwende geben und es im Verlauf des Trainings auf die Reiterhilfen übertragen. Die Kurzkehrt verlangte schon ein etwas intensiveres Training – zunächst absolvierten wir die Übung im Schritt. Die Hilfen die ich dem Schecken gab waren die für eine Volte, als er nun etwas seitwärts trat hielt ich seine Vorwärtsbewegung auf indem ich Kreuz und Oberschenkel anspannte und gab am äußeren Zügel eine kurze Parade. Dabei sollte eine Art Halbkreis entstehen. So ritten wir nun jede einzelne Phase ab–Smaug sollte zwar einen Schritt machen jedoch Seitwärts statt Vorwärts. Jedesmal wenn er Seitwärts trat trieb ich wieder von innen nach um den nächsten Schritt auszulösen und hielt jedesmal die Vorwärtsbewegung auf. Zunächst misslang uns diese Übung ab und an…..manchmal blieb er auf dem inneren Hinterbein stehen, dann setzten wir die Wendung etwas größer an um uns danach darauf zu konzentrieren jeden Schritt gut auszureiten. Um Smaug nun den Takt ein wenig zu vereinfachen tippte ich ihn mit der Gerte ein paar Mal auf die Hinterhand.

Die darauffolgenden Tage probten Hansi und ich das neu erlernte. Insgesamt hatten wir jedoch ein in sich geschlossenes und wendiges Pferd, der es vermochte ordentlich am Zügel zu laufen, sich selbstverständlich schön aufrichtete und sein bestes gab. Die verschiedenen Tempi innerhalb der Gangarten waren klar von einander zu unterscheiden. Nun da er alle Anforderungen an eine L Dressur erforderte, begannen wir auch das Training mit der Kandare aufzunehmen – ließen dem Hengst dabei genug Zeit. „Was hälst du davon, wenn ich einfach mal an dem Turnier teilnehme das nächste Woche in Craighnure ist?“ fragte mich Hansi am Abend des dritten Tages. Ich überlegte eine ganze Weile hin und her, verneinte dann jedoch erst einmal. „Lassen wir ihm mehr Zeit, er hat ja erst alles gelernt. Sorgen wir uns erstmal darum, dass er vor die Kutsche gespannt werden kann, dann kann man an Turniere denken.“ Hansi sank ein wenig in sich zusammen, schob die Lippen gespielt nach vorn und verzog sich dann in die WG über der Reithalle die er sich mit Aiden teilte. „Ach ja…wir haben die Zusage bekommen für die Ausbildung….bald werden wir einen Azubi auf dem Hof begrüßen können, also werdet ihr da oben ein wenig zusammen rücken müsstest. Wäre das okay für euch beide?“ Aiden und Hansi grinsten einander vielfach an…dann grinste Aiden etwas verwegen „Frischlinge sind immer gut“ ich rollte die Augen bei dem Humor der beiden. Unglaublich das sie im selben Alter wie Cayden war…er war so viel reifer…oder viel mir das einfach nur bei den beiden so sehr auf?

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„Hab Smaug heute morgen nochmal ein wenig im Training gehabt“ kam Hansi herein und gesellte sich zum Mittagstisch – ich war in der Planung eines Besuches von Vina, dort würde ich eine ihrer Stuten zu mir nehmen und ihre beiden neuen Pferde trainieren. Hansi derweil wollte sich um den Gelderländer kümmern, damit dieser eingefahren wurde. „Ja die Langzügelarbeit war ihm ja nicht unbekannt und das Zuggeschirr hat er die letzten beiden Wochen ja auch schon dabei getragen.“ Hansi grinste mich dann über den Tisch hinweg breit an „Ich hab ihm heute einfach mal einen Reifen hinter ihn gemacht“ ich schluckte hart – Smaug war brav, aber erst seit zwei Wochen im Training für die Kutsche, jetzt schon ein Gewicht zu ziehen? „Wahnsinnig brav, stiefelte durch die Bahn als hätte er nichts anderes in seinem Leben je getan, aber was soll es auch anders sein. Die Rasse ist mit einer Kutsche am Arsch so gesehen geboren.“ Dabei kratzte er sich leicht am Kinn und grinste unverfroren in meine Richtung. Ich rollte ein wenig die Augen, nickte dann „Ich vertraue darauf ,dass er bei dir eine Menge lernt, aber geh es nicht zu schnell an, wenn er auch so brav ist – man kann schließlich nie wissen.“

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Mit der Hand griff ich nach einem der Teller, der mir von Sarah entgegen gehalten wurde. Natürlich war sie berechtigt in ihrer Sorge um den Hengst, aber ich hatte ja mittlerweile Erfahrung im Training der Pferde. Aiden und ich beeilten uns mit dem Mittag zusehends, denn wir hatten noch den Paddock der Hengste zu reinigen und eine Box vorzubereiten. Sarah hatte sich während des Filmdreh´s in eine der mitgebrachten Stuten verliebt, nach langem hin und her mit Theo hatte der sie schlussendlich verkauft. Argo - dem Pferd aus der Serie Xena nachbenannt, war seit frühsten Jahren ein Filmpferd der extra Klasse, in einigen Serien und ein paar Filmen war sie mit von der Partie gewesen, sogar als das Pferd eines Lakotahäuptlings war sie schon dabei gewesen. Heute würde sie im Laufe des Nachmittags ankommen, da gab es noch eine Menge zu tun.

Argo mümmelte zufrieden an ihrem frisch gebrachten Heu, ließ sich von Kürbis aus Gesellschaft neben sich gar nicht ablenken in der Box – natürlich, sie war es auch gewöhnt. Ich strich ihr mit der Hand über die weiche Nüster, verabschiedete mich auch von Kürbis und kehrte zu meinem eigentlichen Job – Smaug zurück. Gemeinsam mit Aiden wollten wir erst einmal die Kutsche mit dem Transporter bei Julie abholen, wo sie noch immer stand. Anschließend die Stute Willow einspannen, mal sehen wie Smaug auf die Stute, die Kutsche und das mitnehmen reagieren würde, dann konnten wir ihn daran ein wenig gewöhnen. Sollte er das gut verkraften hatte ich bereits vor ihn etwas ins kalte Wasser zu schmeißen und vor die Kutsche zu spannen – oder eher das Trainingssulky, welches wir auch für Willow zu Anfang genommen hatten. „Los Komm, wir müssen los.“ Drängte Aiden bereits, also schwang ich mich hinter das Steuer, legte den ersten Gang ein und wir rollten die Einfahrt des Hofes hinaus. Die Fahrt würde nur knapp 5 Minuten dauern, also würde das kalte Auto sich nicht so schnell erwärmen. „Wirklich kalt geworden in den letzten Tagen“ murrte ich – ich hasste den Winter, zu allem Übel war hier auf der Insel auch noch der Nebel – momentan hatte man manchmal nicht mal Sicht auf 50 Meter, wenn überhaupt. Über Weihnachten hatte ich ursprünglich vorgehabt nach Deutschland zu meinen Eltern zu fliegen, doch hatte mich Sarah zu einem Ausritt zusammen mit Siobhan und Ty eingeladen, sodass ich meinen Eltern abgesagt – es war das einfach nicht wert…weder den Stress noch den Rest. „Tja…du hast Glück den letzten Winter nicht gesehen zu haben, da lag jetzt schon sehr hoch Schnee, dieses Jahr haben wir wirklich Glück.“ Aiden war hier geboren, oder zumindest in Schottland – er sprach Deutsch mit deutlichem Akzent, lernte jedoch außerordentlich schnell, wobei wir auch oftmals ins Englische sprangen, damit auch ich lernen konnte.

Mit der Stute am Zügel – der Kutsche hinterher liefen wir neben einander her – Smaug zeigte sich mal wieder wunderbar diszipliniert, beäugte nur Willow von Zeit zu Zeit. Diese jedoch ignorierte den Hengst weitestgehend, suchte ihr Heil in der Arbeit womit die Arbeit sehr gut von der Hand ging. „Lass und eine kleine Runde um den Hof drehen mit den beiden“ schlug Aiden vor, also setzte sich mein Freund auf den Kutschbock, ich stieg hinten auf und führte Smaug um die Kutsche herum damit er dahinter laufen konnte. Und so setzte sich unser Tross in Bewegung, während es langsam begann zu dämmern – zumindest vermutete ich dies, denn der Nebel verdeckte die Sonne. Im Trab trottete Smaug hinterher, nahm ein wenig an Tempo zu und befand sich nun neben der Kutsche – mir gelang es nicht den Strick schnell genug herum zu dirigieren und quetschte mir dabei den Daumen ein. Mir gelang es nur knapp einen Laut des Schmerzes zu unterdrücken, leicht schüttelte ich die Hand – die Stelle puckerte und begann bereits ein wenig blau zu werden. Na Klasse…..

Zumindest hatten wir das Training von Smaug ein ganzes Stück weiter angekurbelt, Aiden und ich wollten nun jeden Tag eine solche Tour machen – denn auch für Willow war es Training für ihre Distanzturniere.

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Betreten senkte ich den Kopf – „Verdammt!“ murmelte ich. Cayden sah mich verwirrt an, legte den Kopf schief wie er es so oft tat. „Meine Eltern wollen zu Weihnachten hier her kommen!“ Auch Cayden schwieg einen Moment, während Kathi ungerührt in die Runde fragte „Was ist daran so schlimm?“ Erst rangen wir beide ein wenig an Worten „Naja, sie wissen noch nicht das wir uns verlobt haben, außerdem sind sie manchmal ein wenig anstrengend. Zudem feiern wir beide ja Weihnachten als Paganisten gar nicht offiziel – wir feiern bereits am 21.12 Yule und das haben sie bis heute nicht verkraftet.“ Meinte Cayden etwas zerknirscht. Wir berichteten vom letzten Jahr, dass wir beide bei ihnen verbracht hatten – als frisches Paar gemeinsam. Wir hatten keinerlei Geschenke mitgebracht, keine erwartet und das war etwas…naja weniger gut angekommen. „Im Grunde müssen sie es nun akzeptieren, dass hab ich auch schon am Telefon gesagt. Nur muss ich Vina Bescheid geben, dass es in diesem Monat wegen des Besuches nicht klappt.“

In der Zwischenzeit beendeten wir unser gemeinsames Frühstück – heute waren Kathi und ich an der Reihe die Pferde zu versorgen, während sich Aiden und Cayden der Bewegung von Darym und Ikarus kümmern wollten, da noch kein Schnee lag wollten sie auf die Militarystrecke. Ich freute mich so unfassbar, dass sich Cayden so mit seinem neuen Hengst verstand. Hansi würde sich wieder dem Training mit Smaug widmen – nach über einer Woche lief der Hengst nun vollkommen sicher vor der Kutsche. Gerne hätte ich den Hengst mit einem der anderen zusammen angespannt, doch waren sie von der Größe her ziemlich unterschiedlich. 2Hansi? Was hast du heute vor mit Smaug?“ Der große Blonde Mann war noch beschäftigt unseren Abwasch zu erledigen und drehte mir bei seiner Antwort nicht den Kopf zu. „Da der Kleine jetzt so gesehen als Eingefahren gilt, hab ich auch gestern schon mit dem ersten Parcours für Turniere begonnen, wenn er in der A starten will.“ Ich nickte, dass würde Salera sicher freuen, denn der Hengst war jetzt bereits das November wieder hier in Schottland bei uns. „Sehr schön! Dann werde ich mich heute mal ein wenig Argo widmen und Bucks ein wenig bewegen. Die Mädels kommen später und wollen Little Grey und Kürbis auf dem Platz reiten, hast du da vielleicht ein Auge drauf?“ Hansi trocknete sich die Hände ab, nickte ebenfalls und damit verstreuten wir uns wieder in alle Richtungen auf dem Hof. Jeder ging seiner heutigen Arbeit nach – vom Stress her ließen wir uns wegen Weihnachten überhaupt nicht einnehmen. Am Nachmittag schaute ich nochmal bei Siobhan und ihrem kleinen Fionn vorbei – wahnsinnig, wie das Baby nun doch langsam nach einem Menschen ansah.



Sarah schwarz ~ Hansi türkis
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