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Standing in the rain (1)

Geschrieben von Bahiyah im Blog Bahiyah's "Gedankensammelstelle". Ansichten: 141

Hab ich irgendwann mal angefangen zu schreiben.Mal sehen ob ichs zuende bringe...



Blitze zuckten über den tiefschwarzen Himmel und Donner zerriss die unheimliche Stille. Bei jedem Schlag fuhr ich zusammen. Gewitter! Ich hasste Gewitter!



Missmutig kehrte ich dem Unwetter den Rücken zu und knabberte gelangweilt an meinem Stroh. Das Heu war längst alle und mein Besitzer kam natürlich nicht auf die Idee, mir neues zu bringen. Er kümmerte sich sowieso kaum um uns. Naja, er behandelte uns nicht schlecht, aber wir hatten trotzdem immer nur das nötigste um zu überleben. Bei schönem Wetter durften wir manchmal raus, auf eine kleine, spärlich bewachsene Weide. Aber das kam meist nur im Sommer vor. Ich lebte nun schon seit drei Jahren auf diesem Hof und vermisste jeden Tag aufs neue meine alte Besitzerin. Damals hatte ich seidiges schwarzes Fell gehabt und meine Augen hatten geglänzt. Jeden Tag war ich raus auf die Koppel gebracht worden, raus zu meinen Artgenossen. Nun war mein Fell stumpf und meine Augen hatten schon längst den Glanz des Übermutes verloren. Ja, wie schön war es damals gewesen. Ein heftiger Donnerschlag riss mich aus meinen Gedanken!



Drüben, in den Steinboxen hörte ich Cherié ängstlich wiehern und ich begann unruhig in meiner Box hin und herzulaufen. Wachsam, wie immer, den nächsten Donner abwartend. Der Sturm peitschte die Zweige der Eiche gegen meine Boxenwand und der Regen durchtränkte die Wiesen. Doch irgendwann wurde der Orkan zu einem sanften Wind und der Donner verstummte. Erschöpft legete ich mich ins Stroh. Inzwischen war es Nacht. Als ich erwachte, schien die Sonne durch den Frühnebel, der die Landschaft umfloss. Ich rappelte mich auf und trat an die Tür. Schnobernd sog ich die frische Morgenluft ein. Es versprach ein schöner Tag zu werden. Suchend blickte ich mich nach meiner täglichen Ration Heu um und als ich sie nirgendwo fand, nahm ich einen Schluck aus dem Wassereimer. Buäh! Ich schüttelte mich. Das Wasser schmeckte abgestanden und ich unterdrückte meinen Durst. Hoffentlich würde bald unser Besitzer kommen, um uns zu versorgen. Ich hörte die Tür des Wohnhauses gehen und kurz darauf bog mein Besitzer mit der Heukarre um die Ecke. Nachdem die Pferde in den Steinboxen versorgt waren, fütterte er mich. Beim hereinkommen sprach er mich doch tatsächlich einmal an! Was er wohl wollte?

"Na Hambrizan, ich hoffe, du bist fit für einen anstrengenden Tag!"

Oh wie sehr ich diesen Blick und diese Stimme hasste! Beleidigt legte ich die Ohren an und fraß weiter. Der sollte bloß wieder verschwinden! Doch der Mann lachte nur und wartete, bis ich fertig war. Dann streifte er mir mein rotes, zerschlissenes Halfter über und brachte mich zum Putzplatz. Ich wurde flüchtig übergebürstet und dann stehen gelassen. Kurz darauf kam mein Besitzer mit Grána und Shirokko an der Hand wieder. Auch die beiden wurden angebunden. Freundlich brummelte ich ihnen zu. Begrüßen konnte ich sie nicht, denn wir waren wie immer in einem Abstand angebunden, der keinen Kontakt zuließ. Also döste ich vor mich hin und wartete auf meine erste Aufgabe. Ich schreckte auf, weil mir ein Gegenstand unsanft auf den Rücken geworfen wurde. Empört über diese grobe Behandlung keilte ich aus. Die Antwort war ein festgezurrter Sattelgurt und ein Schlag auf die Kruppe. Langsam drehte ich meinen Hals, als ich zwei fremde Stimmen hörte. Kundschaft! Ein gut gekleideter Herr und eine nicht weniger schick angezogene Dame kamen mit unserem Besitzer auf mich zu.



Misstrauisch beäugte ich den Herrn. Dieser guckte genauso kritisch zurück.

"Der schwarze Araber ist für Sie, Frau Siehl. Und der große Braune dort für Sie", ertönte die Stimme meines Besitzers. Mit dem großen Braunen meinte er Shirokko, und der schwarze Araber war natürlich ich. Oder sollte ich lieber sagen: leider? Ich hatte mehr Lust darauf in der Sonne zu stehen, als mit irgendwelchen wildfremden Menschen durch die Gegend zu latschen. Das bekam mein Besitzer dann auch beim auftrensen zu spüren. Ich riss den Kopf so hoch wie ich konnte (das war ziemlich hoch!)und tänzelte hin und her. Erregt schaffte es unser Besitzer es schließlich mich zu trensen.

"Dieses Pferd braucht eine feste Hand, nimm du lieber den Braunen, Schatz!", vernahm ich die arrogante Stimme des Herrn in Bluse und blitzblanken Stiefeln. Pah! Ich brauchte keine feste Hand! Der einzige, der eine brauchte, war er. Beleidigt wich ich ihm immer wieder aus, als er aufsteigen wollte. Dem würde ich es zeigen!
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