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Sommerwind Teil 1

Geschrieben von ChiaraBaptistaa im Blog ChiaraBaptistaa. Ansichten: 251

'baskerville old face'Die Weten

'baskerville old face'Als wir im Lager ankamen, sahen wir zu aller erst einen Trupp von Frauen, die respektvoll die Köpfe vor uns senkten und langsam an uns vorbeigingen. Wir gingen quer durch das Lager der Weten durch und ich hatte das Gefühl, ständig schaue uns jemand nach und begann, hinter uns zu tuscheln. Doch meine Angst war unberechtigt. Alle waren freundlich, man stellte auf die Bitte Gareus hin eine undurchlässige Blickbarriere zwischen der Menschenmenge und dem Podest, wo die Anführerin Magnolia auf einem Sessel saß, auf und legte uns frisch gewaschene Kleidung, sowie Schuhe und einen Waschzuber hinter die Barriere. Als ich mich hinter den Sichtschutz gesetzt hatte, begann ich mich zurück zu verwandeln, und sah, dass Henry schon den Nebel um sich hatte, der ankündigte, dass die Verwandlung im Gange war. Ich tat es ihm nach und wenig später stand ich als Mensch nackt vor Magnolia. Verdutzt starrte sie erst mich, dann Henry an, und ich betete zu allen Göttern, dass sie uns nicht abweisen würde. „Ich hätte nicht gedacht, dich so schnell wiederzusehen, Sommerwind.“ Richtete sie das Wort an mich. „Und dich auch nicht, Henry. So sagt mir doch, was euch zu solch früher Stunde zu mir führt.“ Sie sah abwechselnd zwischen Henry und mir hin und her. „Ich… Lasst es mich erklären, werte Magnolia.“ Ich wollte nicht, dass Henry sich noch mehr verhaspelte wie ich. „Wir sind auf der Flucht vor Akira, er wollte mich töten. Und dann hat mich Ihre Wächterin gefunden und mich hierher gebracht. Ich bat sie, mich und Henry, meinen Gefährten, uns zu Ihnen zu führen um Ihnen unsere Geschichte zu erzählen, und Sie darum zu bitten, uns so lange den Aufenthalt zu gewähren, bis wir Ihr Land verlassen können und in das Neutrale Land dahinter losziehen zu können. Und ich werde Ihnen versprechen, dass Sie nie wieder etwas von mir hören sollen, bis der Krieg nicht im Frieden endet, und eine neue Macht gewählt werden muss.“ Endete ich, etwas außer Atem, aber angezogen und mit dem forschenden Blick Magnolias auf mir ruhen. Richtest du oder dein Partner Unruhe in diesem Lager an, werden wir euch öffentlich hinrichten, damit wir uns verstehen. Ihr habt sieben Tage Zeit, um euch für die Reise zu stärken und euch auszukurieren. Verstanden? Sie sah zwischen Henry und mir hin und her. Als Henry nickte, nickte ich auch. „So sei es.“ Endete Magnolia, und die Blickdichte Wand wurde abtransportiert, sowie die Waschzuber. Henry kam auf mich zu und umarmte mich. Ich schlang die Arme um ihn und er sah mir lange in die Augen, bevor er seine Lippen sanft auf meine legte und wir in einem langen, zärtlichen Kuss versanken. „Wenn ich die Herrschaften kurz stören dürfte… Ich soll Sie zu Ihrer Hütte begleiten.“ Ein kleines Mädchen, nicht älter wie acht stand vor uns und trat verlegen von einem Fuß auf den anderen. Ich musste bei ihrem Anblick kurz lächeln. Irgendwann haben wir auch ein kleines Mädchen. Und einen kleinen Jungen, hörte ich Henry in meinen Gedanken. Ich sah ihn an, doch in seinem Blick lag Entschlossenheit und Glück. „Sind Sie bereit?“ fragte das kleine Mädchen nochmal, dann ging sie los, ohne uns noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Hand in Hand gingen wir hinter der Kleinen her, bis wir vor einem kleinen Haus standen, was sehr gemütlich eingerichtet war, wie sich herausstellte. Wir gingen nicht zu dem Abendessen, an dem jeder im Lager teilnahm, wir gingen ins Schlafzimmer und ich erzählte Henry meine Geschichte. „Als ich acht Jahre war, kam ein Mann zu unserer Hütte am Waldesrand, mein Vater war im Krieg, meine Mutter hatte das Essen vorbereitet und mein Bruder und ich spielten draußen vor dem Haus im hohen Weidekraut verstecken.“ Begann ich, ohne dass er mich aufforderte, ihm meine Geschichte zu erzählen. Trotzdem hörte er aufmerksam zu, stellte zwischendurch belanglose Fragen wie; „Willst du etwas trinken?“ oder ähnlichem. Doch als ich an die Stelle kam, wo der Mann, dessen Namen ich bis heute nicht wusste, mich begann zu misshandeln, merkte ich, wie ich mich nach Sicherheit sehnte. Das sprach ich ebenfalls nicht aus, trotzdem zog Henry mich an sich ran und hielt mich in seinen Armen, während ich weitererzählte. „Er kam immer abends. Tagsüber musste ich in die Klosterschule zu den Mönchen. Er bezahlte sie dafür, mich zu bestrafen, machte ich einen kleinen Fehler und lobte sie dafür, wenn sie mich schlugen. Abends, nach dem Abendessen, kam er dann, Anfangs wollte er nur den Tag besprechen, wie er immer sagte, doch irgendwann begann er, mich anzufassen und mich festzuhalten. Ich wollte mich wehren, und am Anfang tat ich das auch, doch egal, wie sehr ich tritt und schlug, er hörte nicht auf, bis seine Lust und Geilheit befriedigt war. Einmal musste er mit mir zu einem Medicus, da ich mit zwölf Jahren ein Kind im Leib trug, ein Kind von diesem Widerling. Der Medicus machte es weg, doch seitdem wurden seine Besuche länger, seine Schläge fester und die Brandeisen heißer erhitzt. Er geiferte jetzt auch tagelang bei mir und ich musste immer hinhalten, bis er ging. Ich durfte nichtmehr ausreiten, bekam ein Zimmer ohne Fenster, einmal am Tag etwas zu essen und seine Besuche. Als ich sechszehn wurde, hatte er einen Baron zu mir eingeladen, der mein Gemahl werden sollte, und von dort an bekam ich mehrmals am Tag Besuch von diesem Mann. An meinem siebzehnten Geburtstag ging er zurück in seine Landen denn ein Jahr später wollte er mich zur Frau nehmen. Meine Misshandlungsnarben ließen die beiden Männer nicht zurückschrecken. Als ich mich mit dem Bruder des Barons auf den Weg zu meinem neuen Haus, meinem neuen Gefängnis machte, nutzte ich die erste Gelegenheit, stahl Proviant und riss aus. Ich ließ meinen ehemaligen Beinahe-Schwager zurück.“ Ich wurde immer nachdenklicher. Der arme Paul hatte es doch sicherlich bis hin zu seinem Bruder geschafft. Oder hatte ich sein Leben auf dem Gewissen? Ich wusste es nicht. Als ich mit meiner Lebensgeschichte geendet hatte, strich Henry sanft über die Narben auf meinem Unterarm. „Ich würde sie gerne sehen.“ Flüsterte er verträumt. „Sie ändern nichts an meinen Gefühlen. Denn auch wenn du die hübscheste Frau bist, die ich jemals gesehen habe, und die Urmutter weiß, wie viele dies waren, hast du von allen die schönste Seele. Dein Charakter ist ehrlich – nicht nur zu dir selbst, sondern auch mit den Menschen um dich herum. Du bringst jeden mit deinem Lächeln ebenfalls zum lächeln und deine Stimme lockt nicht nur Irrwichtel aus ihren Verstecken. Ich habe mich nicht nur in die äußere Hülle deiner verliebt, sondern auch in das, was alles in dir steckt. All das, was du in deiner Kindheit durchmachen musstest, hat dich stark auf der einen Seite und verletzlich und schwach auf der anderen Seite werden lassen. Und diese Mischung, zusammen mit deiner liebevollen Art und deinem Äußeren, bringt jedermann dazu, dich zu mögen. Ich will nicht wissen, wie viele Männer dich gerne nackt gesehen hätten. Selbst als ich hinter der Trennwand gestanden habe, hab ich die Blicke gespürt, die alle versucht haben, einen Blick auf dich zu erhaschen. Und glaube mir, hätte auch nur einer von den Männern um dich herum versucht, dich zu berühren, ich hätte ihm den Kopf abgerissen.“ Meinte Henry, und ich musste grinsen. „Das war mein voller Ernst!“ spielerisch entsetzt gluckste er die Antwort. „Aber, wie dem auch sei… Belou, ich liebe dich. Nicht, weil ich dich damals im Wald auf den Boden geschmissen habe, oder du die Irrwichtel zu dir gerufen hast. Nein, ich liebe dich wegen denen hier…“ sanft küsste er eine größere Narbe auf dem linken Unterarm. „Und dem hier“ er hob meine Mundwinkel nach oben, sodass es aussah als ob ich lächelte. „Und wegen dem hier.“ Er legte mir die Hand auf mein Herz und mir schossen Tränen in die Augen. „Und natürlich wegen denen hier!“ lachte er, und legte die Hände sanft auf meine Brust und meinen Hintern. „Aber vor allem, wegen dem, was in dir drinsteckt, versteckt, und nur manchmal kommt es zum Vorschein.“ Er küsste mich und wir sanken auf das Bett. „Wieso weinst du denn?“ geschockt zog er den Kopf zurück und wischte mir die Tränen von den Wangen. „Weil ich glücklich bin.“ Murmelte ich und lächelte. Erleichtert ließ er sich gegen mich sinken, fuhr fort mit seinen Küssen, und irgendwann schliefen wir Arm in Arm ein.

'baskerville old face'‚Cleveres Mädchen. Versteckst dich irgendwo. Aber sei dir sicher, dass du spätestens in ein paar Tagen raus aus deinem Versteck musst, wenn du Hunger bekommst. Und dann werden wir dich finden.‘

'baskerville old face'Das war alles, wovon ich träumte. Nur dieser eine Satz spukte durch meinen Kopf. Ich drehte mich zu Henry und schloss die Augen wieder. Akira würde mich nicht finden.







'baskerville old face'Bei den Guten

'baskerville old face'Am nächsten Morgen wachte ich alleine auf. Angst packte mich. Wo war Henry? Ich sah aus dem Fenster, und sah in einen wolkenlosen, strahlend blauen Himmel. Kein Henry. Ich ging den Flur entlang, Richtung Küche. Als ich den Speckgeruch und die Geräusche von brutzelten Fett wahrnahm, fiel mir ein Stein von Herzen. Die schwere Holztür gab unter dem Druck meines Körpers, der sich gegen sie lehnte, erstaunlich leise nach und ich trat in die im Morgenlicht strahlende Küche. Henry hatte mir den Rücken zugedreht und nichts von meinem Eintreten bemerkt. Leise schloss sich die Tür wieder hinter mir und ich schaute über Henrys Schulter in die Pfanne, die er hin- und her schwenkte, damit das Ei und der Speck sich gleichmäßig von allen Seiten garen konnten. „Hmm, das riecht aber lecker!“ lachte ich, als Henry sich umdrehte und mich küsste. „Du schmeckst aber auch nicht schlecht.“ Schmunzelte er, und ich boxte ihn leicht in die Seite. „Die Sachen hat Gareu uns heute Morgen gebracht. Und die Vorratskammer ist voller Essen. Wir leben hier wie im Schlaraffenland!“ freute sich Henry. Da fiel mir wieder etwas ein. „Ich glaube, wir sollten noch nicht an die Front gehen, sondern erst, wenn sich alles wieder etwas beruhigt hat.“ Ich musste an James denken, der irgendwo in einem notdürftigen Hospiz geflickt worden war, und wie wir hier lebten, während hunderte Soldaten und Krieger ihre Leben auf dem Schlachtfeld ließen. „Keine Sorge, ich habe James Bescheid gegeben. Er ist mit anderen neutralen Geschöpfen, die es satt haben, Spielfiguren in einem Spiel zu spielen, dass sie nicht gewinnen können, in das Neutrale Land unterwegs, und er meint, mit drei Beinen lässt es sich als Tier auch gut laufen. Sie werden in ein paar Tagen im Land ankommen. Dort werden sie weitere Flüchtlinge treffen. Du siehst, wir sind nicht die Einzigen, die es satt haben.“ Klärte er mich auf. Ich hatte ein Bild vor Augen. Eine kleine Truppe von Flüchtlingen, die von Akira gefasst werden, gefoltert und getötet. „Henry… Ich… Ich hatte wieder so einen Traum.“ Begann ich. Henry sagte nicht, nahm sich nur zwei Stühle, setzte sich auf einen und bedeutete mir, es ihm nachzutun. „Und zwar… Also, es war eigentlich gar kein Traum, sondern eher nur ein Traumabschnitt oder so etwas in der Art. Ich hatte Akiras Stimme im Ohr, wie sie immer und immer wieder einen Satz gesagt hat. ‚Wir werden dich finden‘ oder so ähnlich. Sie wissen, dass wir uns verstecken, sie wissen nur noch nicht, wo oder wie es uns gelungen ist. Aber sie werden nicht so leicht aufgeben.“ Niedergeschlagen blickte ich auf die Pfanne, in der das Ei und der Speck brieten. „Und wegen James, ich meine, er und die Anderen sind alle verwundet oder zumindest geschwächt, und wenn Akira ihn aufspürt…“ meine Stimme versagte. „Hör mir jetzt mal gut zu, Belou. James ist zwar geschwächt, doch James ist nicht dumm. Er hat alles durch meine Gedanken erfahren. Sie werden einen längeren Weg einschlagen, sie werden durch viele breite, seichte Flussläufe gehen und so ihre Spuren verwischen. Akira denkt, dass James nicht mehr lebt. Das ist der Fehler. Aber James war schon immer ein harter Kerl. Hatte schon immer den dickeren Schädel.“ Grinste er. „Urmutter, bitte hilf James und den anderen, dass sie alles heil überstehen.“ Sendete ich meine Bitte zur Urmutter. Viel mehr konnte ich auch nicht tun, außer hoffen, warten, und so bald wie möglich losmarschieren. Als ob Henry meine Gedanken hätte lesen können, sagte er; „Ich glaube, es ist trotzdem besser, wenn wir so bald wie möglich von hier aufbrechen. Wir sollten Magnolias Gutmütigkeit nicht herausfordern.“ –Derselben Meinung war ich auch, und so machten wir uns an das Packen der frischen Kleidung, die man uns geschenkt hatte, und die Vorräte. Als wir alles Nötige eingepackt und verstaut hatten, machten wir einen Waschzuber fertig und wuschen uns noch ein letztes Mal gründlich mit Seife.

'baskerville old face'Wenig später schlossen wir die Türen hinter uns, und gingen durch das Lager, um uns beim Essenszelt noch ein letztes Mal zu stärken. Alle waren hier versammelt, alle bis auf die, die verletzt worden waren im Krieg oder gerade auf dem Weg an die Front waren. Mir lief ein kalter Schauder über den Rücken, und auf meinen Armen bildete sich eine Gänsehaut, trotz des angenehm warmen Spätsommertages. Geistesabwesend folgte ich Henry durch das Zelt und aß langsam, und ohne zu merken, was ich überhaupt auf dem Tablett hatte, meinen Teller leer. Meine Gedanken drehten sich um den Krieg und um unsere Reise und die Flucht vor Akira, der immer noch hinter uns her war. Wieder überlief es mich kalt, der bloße Gedanke an unseren Verfolger jagte mir Angst ein. „Beruhige dich. Noch sind wir hier in Sicherheit.“ Aufmunternd strich er über meine Hand. „Hoffentlich hält das nicht an.“ Murmelte ich zurück. Ich sah, wie ein kleines Mädchen zu uns rüber sah, und lächelte. Schüchtern lächelte sie zurück. Sie war wunderschön, ihr blondes Haar lockte sich über den kleinen Rücken, der unter einem türkisblauem Kleid steckte, und ihre strahlenden grünen waren so ungewöhnlich wie meine. „Sieh mal, sie ist so hübsch. Irgendwann wird sie jedem Mann den Kopf verdrehen.“ Wehmütig über ihre jetzt schon vorhandene Schönheit drehte ich meinen Kopf zur Seite, mit der Gewissheit, dass ich auch einmal ähnlich ausgesehen hatte. „Du verdrehst auch jedem Mann den Kopf, glaub mir.“ Flüsterte Henry mir ins Ohr. „Nein, sie lächeln aus Mitleid, weil sie meine Narben sehen. Sie ist jetzt schon wunderschön. Irgendwann wird sie noch hübscher werden, und ihr Vater wird sich über die vielen Heiratsanfragen der Jungen freuen.“ Bei dem Bild von einem älteren Herren, der hunderte von Jungen vor sich stehen hatte, die alle seine Tochter heiraten wollen, musste ich lächeln. „Manchmal sind Menschen wunderschön. Nicht durch ihre Art und Weise, nicht durch das, was sie sagen, einfach nur um ihretwillen, weil sie Macken und Besonderheiten haben. Weil sie sich nicht verstecken müssen.“ Ernst nahm er mein Gesicht zwischen seine Hände und küsste mich auf die Stirn. Mir stiegen Tränen in die Augen. „Findest du mich wirklich wunderschön?“ fragte ich mit erstickter Stimme. „Nenn es wunderschön, zauberhaft, die schönste Frau die ich je sah. Es ist mir egal, was du über dich denkst, solange du zulässt, dass ich dir beweisen kann, wie sehr ich deine Macken und Fehler liebe.“ Noch einmal küsste er mich, diesmal auf den Mund. Ich vergrub mein Gesicht in seiner Seite und ließ meinen Tränen freien Lauf. Er strich mir sanft mit seiner Hand über den Rücken. „Ich glaube, es ist besser, wir brechen jetzt auf, Magnolia. So sehr wir Deine Gastfreundschaft schätzen, wollen wir in unsere neue Heimat, und Akira von Euch fortbringen.“ Sagte er plötzlich und als ich aufsah, sah ich Magnolia in ihr verwundertes Gesicht. „Wenn ihr es so wollt. Ich kann euch auch noch eine Wache mit auf den Weg geben.“ Bot die Anführerin der Weten an. „Das ist zwar sehr freundlich von Dir, Magnolia, doch ich glaube nicht, dass Ihr auch nur einen Wächter an uns verschwenden braucht. Ihr werdet sie alle hier brauchen, wenn Akira auf den Gedanken kommen sollte, hier einzufallen.“ Lehnte er ab. Magnolias Blick lag ruhig auf mir. „Na gut. Aber wenn er es schaffen sollte, hier einzufallen, werde ich nicht zögern, ihn hinter euch herzuschicken.“ Und mit diesen Worten ging sie aus dem Zelt. Alle Blicke waren auf uns gerichtet, als wir das Zelt verließen, und ich hatte das erste Mal seit langer Zeit das Gefühl, eine Heimat von mir zu verlassen. Ich nahm Henrys Hand und folgte ihm erneut quer durch das freundliche und friedliche Lager. Alle waren beim Abendessen, und ich genoss die warmen Sonnenstrahlen auf meiner zerschundenen Haut. Ich betete zur großen Urmutter, dass sie Akira für seine schlimmen Taten auf ewig zum Urvater ins Fegefeuer stecken solle, und hoffte, dass James und die Anderen, einen sicheren und behüteten Weg haben werden und bisher hatten. 'tempus sans itc'Keine Sorge, meine Tochter. Die Urmutter wacht über ihre Schützlinge und Kinder. Doch auch Akira gehört zu ihren Kindern, auch wenn er den Glauben an seine Mutter verloren hat. Aber ich werde nicht zulassen, dass er meinen guten Kindern, die jeden Abend zu mir beten, auflauert und sie ebenfalls auf eine grausame Weise tötet. Ich habe es zu oft zugelassen, doch nun werde ich meinem Sohn Einhalt lehren, und ihm zeigen, dass seine Mutter über ihn wacht. Dass ich über ihm wache. 'baskerville old face'Eine neue Stimme hallte in meinem Kopf. Sie war weiblich und hatte einen sanften Ton. Und beinahe hatte ich das Gefühl, die Urmutter selbst hätte zu mir gesprochen. Urmutter? Wenn du mich hörst, bitte hilf mir, das neu entstehende Rudel gut zu führen und eine gute Anführerin zu sein, gutmütig und immer in deinem Sinne handelnd. Bitte, Urmutter, hilf mir in der Zukunft, so wie du all deinen Kindern hilfst und sie richtest, betete ich, und hoffte, die Urmutter würde es hören. 'tempus sans itc'Keine Angst, meine Tochter. Ich werde über dich wachen, sowie über dein neu entstehendes Rudel, und deinen Kindern, die du in naher Zukunft mit meinem Sohn Henry bekommen wirst. Ich werde mich dir erkenntlich zeigen, wenn du den richtigen Weg einbehältst, und dich auf falsche Richtungen aufmerksam machen, doch verliere den Glauben an mich nie. Denn auch ich lebe nur in Sagen und Geschichten, sowie den Herzen guter Kinder weiter. Doch bedenke stets; Auch ich habe Grenzen, ich kann meine Kinder nicht töten oder ihre Denkweisen beeinflussen, ich versuche immer, sie auf dem richtigen Weg zu halten, doch wenn ihr Vater sie zu sich ruft, muss auch ich weichen. 'baskerville old face'Und ich spürte, wie eine tiefe Vertrautheit in mir aufstieg, sich in mir ausbreitete und mich von innen heraus behütete. Sie lebte weiter, in meinem Herzen und meiner Seele. Urmutter? Ich danke dir, dass du mich immer behütet hast, waren die letzten Worte für heute, die wir miteinander wechselten.





'baskerville old face'Auf der Reise in den Frieden

'baskerville old face'Auf unserer Reise durch das große Lager begegneten wir allen möglichen Kreaturen der Nacht. Riesen, Kobolde, Feen und Wichtel, Irrwichtel, Zentauren, Satyrn und Wandelwesen aller Art sahen wir in Frieden miteinander leben. Alle begrüßten uns mit denselben zurückhaltenden Blicken uns schüchternen Grüßen, und wir grüßten zurückhaltend zurück. Als wir das Ende des Lagers und somit das Ende unserer Sicherheit erreichten, blickten wir noch einmal zurück und mir traten Tränen in die Augen, als ich die Kinder auf den Wiesen unbeschwert spielen und umher tollen sah, und daran dachte, dass ihre Väter und Brüder im Krieg sind oder sogar schon als Tote auf dem Rückweg ihrer Schlacht waren. Und mir wurde wieder einmal bewusst, dass es dringend einen Ausweg zu suchen gilt, damit diese Kinder in einer sicheren Welt mit Vater und Mutter und vielleicht auch Brüdern leben konnten. Mir liefen die Tränen über die Wangen, doch ich merkte sie nicht, spürte nur Henrys Finger, die sie sanft auffingen und wegwischten. „So weine nicht, Belou. Wir werden einen Weg finden, den Kindern ihre Väter zurückzugeben.“ Sagte er. Seine Worte sollten mir Trost spenden, doch meine Verzweiflung wurde nur umso stärker, denn ich wusste, dass wir Unterstützung brauchen würden, von ihren Vätern und Brüdern, und vielleicht auch ihren Müttern. Schnell wandte ich den Blick von dem unbeschwerten Spielen und Treiben der Kinder ab, und ging wackligen Schrittes näher an die Grenze. „Ich will hier fort. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass die Väter vieler dort spielenden Kinder im Krieg gefallen sind, ohne dass ihre Mütter und sie davon etwas mitbekommen hatten, und sie sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Väter warten.“ Meine Stimme zitterte. 'tempus sans itc'Keine Sorge, meine Tochter. Ich werde auf eurer Seite kämpfen. Mit euch Schulter an Schulter in die Schlacht ziehen. 'baskerville old face'Die Stimme der Urmutter war zuversichtlich, und Wärme flutete meine Seele, Hoffnung keimte in meinem Herzen auf. Ich hielt diesen Funken Hoffnung und Sicherheit tief in meinem Innern, und wollte, dass er nie erlischt. Ich werde dich erwarten, war alles, was ich sagte. „Kommst du, Liebster?“ fragte ich Henry und lächelte ihn traurig an. „Ich folge dir überall hin, meine Belou.“ Er nahm meine Hand und drückte meine Finger sanft. Er war immer so zuversichtlich, wie ein kleiner Junge, dessen Vater seine Mutter und ihn immer beschützen würde, wie ein Mann, der die Hoffnung nicht losließ, diesem Krieg ein Ende zu setzen. „Ich glaube, Sie könnten schneller vorankommen, wenn sie auf Pferden ritten. Ihr Gepäck können Sie hier verstauen.“ Wisperte eine leichte Kinderstimme hinter uns. Ich drehte mich um und sah dem Mädchen mit dem blonden Haar ins Gesicht, dass ich vorhin noch bewundert hatte. „Meine Mutter sagte, mein Vater wird sie nicht mehr brauchen, wenn er von seiner Reise mit den anderen Männern wiederkommt.“ Henry bückte sich auf die Höhe des Mädchens und flüsterte ihr etwas ins Ohr, sodass sie kichernd davonlief und wenig später mit zwei muskulösen, braunen, gesattelten Pferden um die Ecke kam. „Das ist Bimur, und dass hier ist Frundu. Sie sind Zwillinge, sagt meine Mama immer, weil sie sie nicht auseinander halten kann.“ Kicherte sie. „Okay, und dürfen sie denn auch bei uns bleiben? Oder sollen wir jemanden schicken, der sie zurückbringt, sobald sie sich gestärkt haben?“ fragte Henry das Mädchen und sie lächelte ihn an. „Nein, mein Herr, meine Mutter und ich schenken sie Ihnen. Sie sollen Sie an Ihr Versprechen erinnern, sagte sie.“ Murmelte sie und starrte auf ihre Finger, die die Zügel der Pferde fest umschlossen. „Wie ist dein Name, meine Kleine?“ hörte ich mich sagen, und bevor ich sie zurückholen konnte, waren die Worte auch schon heraus und der Blick des Mädchens ruhte auf mir. „Mein Name ist Gikal, und Ihrer?“ Neugier stahl sich in ihren Blick, dann riss sie die Augen auf und wollte sich entschuldigen, dass sie so neugierig gewesen sei und es sich nicht gehöre, dass sie so voreilig gefragt hatte. Doch bevor sie ihre Entschuldigung aussprechen konnte, antwortete ich ihr. „Mein Name ist Belou. Weißt du, Gikal, ich möchte dir ein Versprechen geben. Wenn die Urmutter alles wieder bereinigt hat und wir alle zusammen ohne Hass leben können, will ich der Urmutter sagen, dass sie dir und deiner Mutter einen Herzenswunsch erfüllen mag, denn ihr beide wart sehr nett und zuvorkommend, als ihr uns eure Pferde gabt. Deshalb möchte ich euch beiden etwas zurückgeben.“ Auch ich hatte mich zu Gikal hinunter gebeugt, und sie schlang ihre kleinen zerbrechlichen Arme um mich. „Ich will nur dass mein Papa wieder heil zurückkommt. Sonst will ich nichts zum leben. Kannst du das der Urmutter sagen?“ schnell umarmte sie auch Henry, drückte ihm die Zügel in die Hand und verschwand hinter den Zelten. „Denkst du, ihr Vater…?“ Er beendete den Satz nicht, doch ich wusste ebenso wenig wie er, ob Gikals Vater noch lebte. „Ich bete für ihn und seine Familie.“ Antwortete ich deshalb nur. Wir schnallten unser Gepäck auf die Rücken der Pferde und stiegen auf. Im leichten Trab ritten wir eine Zeit lang nebeneinander her, als ich eine vertraute Stimme in meinem Kopf hörte. 'tempus sans itc'Ich werde alles tun, damit auch diese kleine Tochter von mir ihren Vater wiedersieht. 'baskerville old face'Erleichtert atmete ich aus. Ich hatte gehofft, dass sie das Gespräch von Gikal und mir mitgehört hatte. „Was hast du?“ fragte Henry, und ritt wieder neben mich. „Die Urmutter hilft Gikals Vater, zu seiner Familie zurückzukehren.“ Antwortete ich. Geschockt sah mein Gefährte mich an. „Woher willst du das wissen? Hat sie zu dir gesprochen?“ In seinem Blick lagen Neugier und Ehrfurcht. „Zu dir etwa nicht?“ fragte ich verwundert. Bisher dachte ich, dass sie zu allen ihren Kindern spricht. „Nein! Das tut sie nur bei den Kindern von ihr, die an sie glauben und die eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Ereignisse spielen.“ Verwundert blickte ich ihn an. „Wirklich?“ jetzt war ich die Verwunderte. 'tempus sans itc'Du bist etwas Besonderes, Belou. Du bist die, die dem Krieg ein Ende bereiten kann. Er wird dir zwar helfen, doch den entscheidenden Auslöser wirst du tätigen. 'baskerville old face'Ihre Stimme zeigte Verständnis über meiner Unwissenheit. „Wie lange spricht sie schon zu dir?“ fragte Henry mich, der wieder ein Stück vorgeritten war. „Ich weiß es nicht. Ich glaube, schon immer.“ Erinnerungen schossen mir durch meinen Kopf. Ich, wie ich als zehnjährige in meinem Verließ sitze und mit Kohlestückchen und Kalksteinen Bilder auf die Wände und den Boden malte. Bilder einer Gestalt, die wie eine weiße Löwin aussah, doch um sie herum hatte ich alle Tiere gemalt, die mir in den Sinn kamen. Und plötzlich verstand ich den Sinn der Bilder. „Ich… Als ich eingesperrt war, habe ich immer mit weißem Kalkstein und Kohle auf den Boden und die Wände gemalt. Bilder einer weißen Löwin, und um sie herum wucherten Pflanzen und Tiere sammelten sich um sie. Meine Bilder wurden immer weggewischt, bevor er kam, damit er sich nicht aufregte. Ich dachte, ich sei verrückt, weil ich manchmal in einer Ecke saß und mit mir selbst redete, dabei hatte ich mich mit einer realen Person, mit ihr unterhalten.“ Die Bilder verschwanden wieder aus meinem Kopf, und eine seltsame Gewissheit erfüllte mich. „Die Urmutter wird immer als weiße Löwin in ihren Tempeln dargestellt, genauso wie der Urvater ein schwarzer Stier darstellt. In manchen heiligen Tempeln sieht man Darstellungen, wie ein schwarzer Stier mit rot glühenden Augen und eine weiße Löwin mit blauen Augen gegeneinander kämpfen.“ Erklärte Henry seine Auffassungsgabe, und ich musste mir eingestehen, dass ich immer noch ziemlich verwirrt war, denn diese ganzen Mythen und Sagen wollten sich in meinem Kopf nicht niederlassen und kreisten und schwirrten nur so umher. „Was sagte sie alles so?“ Als ich zu Henry aufsah, saß er falschherum im Sattel und hatte sich die Zügel um den Bauch gelegt. Darf er es wissen? Fragte ich, und prompt erhielt ich die Antwort. 'tempus sans itc'Ihr hattet noch keine Geheimnisse voreinander, und ich will nicht der Grund sein, dass ihr eure gemeinsame Zukunft gefährdet. Doch wenn du willst, kann auch ich ihm alles in einem Traum berichten. Ihn unsere Gespräche hören lassen und auch selbst mit ihm reden. Er ist ebenfalls mein Sohn, so wie du meine Tochter bist. 'baskerville old face'„Sie sagt, sie kommt dich heute im Traum besuchen, und lässt dich unsere Gespräche hören.“ Murmelte ich. Zufrieden mit meiner Antwort drehte er sich wieder in Reitrichtung und wir ritten bis spät in den Abend hinein schweigend voreinander her.

'baskerville old face'|Als wir unser Lager in einer großen, hohen Höhle aufschlugen und die Pferde in den hinteren Teil brachten, stand der Mond schon hell und unverdeckt am Horizont. Ich setzte mich vor den Höhleneingang und begann das Bild von der hellen Füchsin in mir hervorzurufen. Ich bemerkte seine Gegenwart erst, als er sich räusperte. „Setz dich. Ich will mich verwandeln.“ Forderte ich ihn auf. „Hilfst du mir, wieder hochzukommen? Mit einem fehlenden Arm ist es nicht ganz so leicht, weißt du?“ Überrascht schlug ich die Augen auf und sah James in das dreckige Gesicht. „James! Du lebst! Weiß Henry, dass du hier hergekommen bist? Wie geht es deiner Schulter? Ist der Krieg schlimm?“ beschüttete ich meinen Freund mit Fragen. „Haha, nein, Henry weiß noch nichts davon. Doch ich wollte ihn bei seiner Arbeit mit den Pferden nicht stören. Lass mich nur kurz meine Gefährten zu uns rufen. Sie warten alle schon gebannt darauf, euch beide kennenzulernen.“ Lachte er, und Grübchen bildeten sich auf seinen Wangen. Stürmisch und glücklich, dass es ihm so gut ging, gab ich ihm einen Kuss auf die Wange und umarmte ihn fest und doch vorsichtig, da ich nicht wusste, ob seine Schulter ihn noch immer schmerzte. „Wie ist der Krieg?“ wollte ich wissen. „Du willst wissen, wie der Krieg ist? Schrecklich ist gar kein Ausdruck, um das sinnlose Blutvergießen zu beschreiben, und keine Entschuldigung der Welt könnte es entschuldigen, was wir uns auf dem Schlachtfeld gegenseitig antun. Meine Gefährten kommen.“ Endete er, und ein Dutzend Geschöpfe traten in das helle Mondlicht, alle waren sie dreckig und sahen leicht heruntergekommen aus. Drei von ihnen hinkten, einer kam in seiner Pumagestalt, von hellem beige glänzte sein Fell im Mondlicht. Ein Mann war riesengroß, und trug Waffen an seinem Gürtel, sowie einen prallen Beutel mit Vorräten, seine Haare waren schwarz und zeigten erste Grauspuren, doch ansonsten war er kräftig und gut gebaut. Zwei waren durchscheinend und scheinbar mit dem Volk der Nymphen verwandt. Drei der Flüchtlinge hatten den Oberkörper von Männern, und den Unterkörper eines Pferdes, auf allen waren Brandzeichen auf der rechten Flanke zu erkennen, dass der Ampure. Sie waren die, die mit den Menschen gekämpft hatten. Einer war ein kleinerer Satyr, gebeugt und angstvoll schlich er auf die Lichtung. Und zuletzt kam ein Mensch auf die Lichtung. Er trug ein Langschwert und eine Lederrüstung, die seinen muskulösen Körper betonte. Seine Augen waren von einem leuchtenden grün, seine Haare von hellem Blond, und ich erkannte die Ähnlichkeit. Gikals Vater. 'tempus sans itc'Ich sagte doch, ich werde alles tun, damit sie ihn wiedersieht. 'baskerville old face'Widerholte die Stimme der Urmutter in meinem Kopf das Versprechen, dass sie mir gegeben hatte. Ernst nickte Gikals Vater mir zu, und seine Miene versteinerte sich in einer Maske aus Ablehnung und Kaltherzigkeit. „Okay. Das hier ist Belou. Sie ist die Gefährtin meines Bruders Henry, und meine Freundin. Sie hatte den Gedanken zur Flucht, eigentlich, um mich zu suchen und um nach mir zu sehen. Sie haben das Lager der Weten in Wohlwollen aufgesucht und haben Freundlichkeit und Glück kennengelernt. Doch Belou konnte es dennoch nicht dort halten, was ich auch noch nicht so ganz nachvollziehen kann. Aber sie wird es uns sicher gerne bei einem Feuer und Essen erklären, nicht wahr, Belou?“ richtete James das Wort zuerst an seine Begleiter, dann an mich. Mechanisch nickte ich und stand auf, steckte James die Hand hin und gemeinsam gingen wir in die Höhle. Henry stand im hinteren Teil bei den Pferden und untersuchte Sattelzeug und Halfter der Tiere. „Henry, sag Hallo zu unserem Besuch.“ Forderte ich meinen Gefährten auf und als sein Blick James erfasste, strahlten seine Augen noch mehr als sonst immer. „James!“ rief er aus und umarmte seinen Bruder kurz. Tränen standen ihnen in den Augen. „Henry. Mir geht es gut. Aber wir müssten uns etwas ausruhen, denn unsere Reise war hart und beschwerlich. Warum stellen wir uns nicht alle gegenseitig bei einem Feuerchen vor?“ schlug James vor, und in seiner Stimme klang die beschwerliche und erbarmungslose Reise mit. Als wir alle am Feuer beisammensaßen und uns mit Hammelfleisch und Kartoffeln gestärkt hatten, stellten unsere neuen Weggefährten sich uns vor. Die Zentauren stellten sich als erste vor, ihre Namen waren Borum, Letit und Marmu. Der kleine Satyr murmelte nur leise, dass sein Name Monto sei. Nachdem auch er sich getraut hatte, meinten die zauberhaften Nymphenmänner, dass sie Amouran und Kerto hießen. Der riesenhafte Mann hörte auf den Namen Taiva, und der Puma, der seine menschliche Gestalt angenommen hatte, und mit uns gemeinsam lachte, stellte sich als Karvin vor, sowie die drei Männer, die hinkend hinter uns her getrottet waren. Ihre Namen waren Markiss, Armin und Leo. Gikals Vater stellte sich als letztes vor, und das waren auch die einzigen Worte, die wir von ihm hörten. Er hieß Eru. „Wir kennen deine Tochter, Eru. Sie hat uns eure Pferde geschenkt, da ihre Mutter dachte, du kämest niemals wieder. Geh wieder zu ihnen, Gikal braucht ihren Vater, und deine Frau dich auch an ihrer Seite. Sie vermissen dich.“ Sagte ich, als wir das Feuer ausgestampft hatten zu Eru. Sein eisenharter Blick ruhte lange auf meinem Gesicht, dann erweichte sein Herz und Tränen stiegen ihm in die Augen. „Ich hätte niemals den Kriegsdienst anfordern dürfen. Wie konnte ich nur denken, dass mein kleines Mädchen mich nicht vermissen würde? Was bin ich nur für ein schlechter Vater, weiß noch nicht einmal, was das Beste für meine Kleine ist.“ Fing er an zu schluchzen, verdeckte das dreckig Gesicht in seinen Händen und glitt an der Felswand nieder auf den Boden. „Du bist kein schlechter Vater, Eru. Sie vermisst nur ihren Vater, wie es hunderte Jungen und Mädchen in diesem Moment tun. Wenn ich du wäre, würde ich so schnell es geht zu ihr gehen, das Lager ist nicht allzu weit weg, als dass du es nicht bis vor dem Frühstück dort ankommen könntest. Kannst du dich in irgendein Tier verwandeln?“ fragte ich und strich behutsam über den unter Schluchzern bebenden Rücken. „In einen Falken.“ Antwortete er nur. Als er sich wieder etwas beruhigt hatte, begleitete ich ihn bis nach draußen vor die Höhle. „Es wird nicht leicht sein, wieder vor sie zu treten. Alle anderen Frauen und Kinder werden mich fragen wo ihre Männer, Väter und Brüder sind, und ich muss den Todesboten spielen. Muss ihnen sagen, dass Paul und die anderen Soldaten niemals wieder heimkommen werden, niemals mehr ihre Kinder und Frauen und Schwestern in die Arme schließen können. Es wird schlimm werden. Sie werden mir Fragen stellen; ‚Wie ist es so, im Krieg? Auf Leben und Tod? Dem Feind gegenüber zu stehen?‘ und meine einzige Antwort wird sein; ‚Es ist so, als ob die ganzen Teufel der Hölle den Engeln die Flügel ausgerissen hätten, um sie abzuschlachten und sich in ihrem Blut zu wälzen. Es ist schrecklich zu sehen, dass einer deiner Kameraden, drei, vielleicht vier Schritte neben dir herläuft und mit einer Explosion von den Füßen, in alle Einzelteile gesprengt wird. Der Tod, grausam, wie er ist, reißt einen nach dem anderen von den Beinen, nimmt ihr Seelen mit in sein Reich, und das Einzige, was du ihren Kindern erzählen kannst, vielleicht kanntest du ihn auch nicht persönlich, das Einzige, was du ihren Familien sagen kannst, ist, dass er sich tapfer geschlagen hat, dass er in Sicherheit ist, da, wo er jetzt ist. Dass sie ihn niemals vergessen werden, ist klar, und doch kannst du ihnen nur von dem Moment erzählen, wo eine Kugel, eine Bombe, ein brennender Pfeil oder eine Mine ihn getroffen hat, wer seine Überreste sammeln wird und wie tapfer er sich geschlagen hat. Das ist alles, was du ihnen sagen kannst. Und sie werden anfangen, dich dafür zu hassen, weil du überlebt hast, und ihr Vater, Sohn, Mann nicht. Sie werden jede Nacht sein Gesicht vor Augen haben, werden Monate, Jahre nicht ruhig schlafen können und werden weinen. Trauer. Hass. Tränen. Das ist alles, was ich ihnen bringe.“ Endete er, setzte sich auf den kühlen Waldboden und begann, sich in einen Falken zu verwandeln. Sein Gefieder war dunkel, doch die Augen des Vogels hatten dieselbe Farbe wie die des Menschen. Viel Glück, Belou, meine Freundin. Ich hoffe, wir werden uns in nicht allzu langer Zeit wiedersehen. In Frieden. In Sicherheit. Möge die Urmutter mit dir sein und deinen Weg überwachen, hörte ich Erus Stimme in meinem Kopf. Guten Flug, Eru, mein Verbündeter, mein Freund. Grüße deine Familie von mir und danke ihnen nochmals für die wundervollen Pferde. Möge die Urmutter deinen Flug bewachen und feindliche Geschütze von deinen Federn abprallen. Gikal wird außer sich sein vor Freude, fügte ich noch hinzu und sah, wie der flinke Vogel sich in die Lüfte erhob und geschmeidig über den klaren Nachthimmel in Richtung Wetenlager glitt. 'tempus sans itc'Ich werde ihn auf seinem Weg begleiten und beschützen. 'baskerville old face'Danke. 'baskerville old face'Tränen rannen mir über die Wangen, als ich wieder in die Höhle ging, zu Henry hin und in seine Arme hinein. „Wo ist Eru?“ fragte er verwirrt, und sah zum Höhleneingang. „Weg. Auf dem Weg nach Hause.“ Murmelte ich und sah auf. „Er war Gikals Vater, nicht wahr?“ seine Stimme klang ermüdet, doch ich konnte auch die Gewissheit über seine Feststellung hören. Also sparte ich mir die Antwort, ließ ihn los und legte mich auf den Boden. Ich wollte schlafen, vergessen und loslassen. Einfach mal keine Verpflichtung und Angst haben. Und innerhalb von ein paar Augenblicken war ich eingeschlafen.

'baskerville old face'Akira ritt auf seinem Pferd durch den Wald, langsamer, wachsamer. Die Hunde waren fort, genauso wie seine Begleiter. Er war alleine. „Ich werde dich noch fangen, Belou. Vielleicht nicht jetzt und nicht morgen, doch irgendwann werden wir uns gegenüberstehen.“ Sagte er und stieg vom Pferd. Er band es fest und verwandelte sich in den Puma, der in mir Angst und Panik hervorrief. Als Puma schlich er zwischen den schlafenden Bäumen hindurch, immer näher an eine Lichtung heran. Er ließ die letzten Bäume hinter sich und trat in das Mondlicht auf der Lichtung, frei von Wolken strahlte es auf ihn herab, kalt und mit Silberschein schien sein schwarzes Fell. Über seinem Kopf flog ein Vogel, ein Falke, mit dunklem Gefieder, doch menschlich grünen Augen. Eru. Akira bemerkte ihn nicht, er war in die Witterungssuche vertieft, wollte mich finden. Doch anstatt dass der Falke den Puma ignorierte und weiter Richtung Heimat flog, schoss er im Flug hinunter, ließ sich zuerst auf einem Ast über dem Feind nieder und konzentrierte sich. Nebelstreifen bildeten sich und anstatt eines Falken saß ein Braunbär an den Baum geklammert da, sprang auf den Puma, der nicht wusste wie ihm geschieht und packte ihm im Nacken. 'tempus sans itc'Ein Gestaltenwechsler. 'baskerville old face'Die Urmutter selbst war verwundert. Doch als ich mich wieder auf die entstandene Kampfszene konzentrierte, hatte sich etwas verändert. Der Puma hatte sich zu wehren begonnen, kämpfte gegen den Bären, schlug mit seinen Tatzen um sich und verbiss sich in dem dichten Fell seines Gegners. Dann geschah etwas, was ich nicht gedacht hätte. Die Lichtung glühte auf, der Boden bebte, als ob er gleich in zwei Teile brechen würde, und zwischen den Bäumen erkannte ich ein helles Fell nach dem anderen. Eine Füchsin sprang auf die Lichtung, ihr Fell war hell, und der Puma ließ vom Bären ab. Eru zog sich in eine Ecke zurück, leckte seine Wunden und staunte über die vielen hellen Felle, die hier und da aus den Bäumen blitzten. „Akira, es reicht!“ rief die Füchsin – Ich. „Es ist genug Blut geflossen, genug Menschen und Gestaltwandler mussten unter dir leiden und um ihr Leben bangen, es reicht!“ schrie ich Akira in das wutverzerrte Pumagesicht hinein. „Du hast mir nichts zu sagen, Belou!“ schrie er zurück, doch ich konnte seine Stimme wanken hören. Er sah die Felle und die Augen zischen den Bäumen nun auch. Akira drehte sich im Kreis und fauchte, schlug nach mir und knurrte. „Du bist auch nur ein Sohn der Urmutter. Warum ist es so weit mit dir gekommen? Du hast den Glauben an sie verloren, hast deine Seele verkauft, hast dich selbst verloren.“ Sagte ich, und Mitleid stieg in mir auf. „Die Urmutter existiert nicht! Alles nur Aberglaube und Ammenmärchen! Meine Seele? Ich habe mich nicht verloren, mich niemandem verschrieben. Du und deine Freunde, die sich hinter den Bäumen zu verstecken versuchen, ihr könnt mir nichts anhaben! Vor euch steht der größte Anführer der Furile!“ rief er, und Schaum bildete sich vor seinem Maul, die Fangzähne blitzten gefährlich im Mondschein. 'tempus sans itc'Er muss mich nur einmal sehen, 'baskerville old face'sagte die Stimme in meinem Kopf, doch sie kam nicht aus meinen Gedanken, sie kam aus dem Wald um uns, vibrierte in der Luft, und brummte in der Erde. „Was soll das, Füchsin?“ fauchte ein wild gewordener Akira mich an, doch bevor ich antworten konnte, kam eine Löwin zwischen den Bäumen hervor, ihr Fell war schneeweiß im Mondlicht, ihre Augen strahlend blau. „Mein Sohn.“ Traurig sah die Löwin zu Akira hin. „Du bist nicht sie!“ geiferte Akira, immer wütender fauchend und immer verbissener knurrend. „Mein armer, verlorener Sohn.“ Tränen standen in den Augen der Urmutter, als sie sich Akira gegenüberstellte.
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