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Sommerwind - Teil 1

Geschrieben von ChiaraBaptistaa im Blog ChiaraBaptistaa. Ansichten: 176

'baskerville old face'Akira

'baskerville old face'Die Lichtung war einsam und verlassen, nur eine einzige Gestalt saß am Lichtungsrand an der großen Eiche gelehnt, als ob er schon lange auf mich wartete. Akira war in menschlicher Gestalt zu sehen, doch alle wussten, wie schnell er sich verwandeln konnte. Eine kleine, helle Füchsin trat auf die Lichtung und Akira sah auf. ‚Da bist du ja endlich, ich warte schon seit Anbruch der Dunkelheit auf dich, Belou‘. begrüßte er die Füchsin. Mich. ‚Du hast deinen Bruder gefunden, jetzt wird es Zeit, die Abrechnung zu tätigen‘. meinte Akira und stand auf. Nebel kam zwischen den Bäumen hervor, so dicht, dass der Boden zu verschwinden schien. ‚Was willst du, Akira‘? fragte ich ihn, und bleckte die Zähne. Ich wusste, wenn er sich jetzt verwandelte, konnte ich nichts mehr gegen ihn unternehmen, als Wolf war er zehnmal stärker als ich. ‚Meine Rechte einfordern‘. knurrte er und der Nebel um ihn herum schien sich zu drehen, zu formen, um ihn zu wirbeln. ‚Was für Rechte? Du hast ihn mir fortgenommen, hast ihn in Unwissenheit leben lassen, nur zu deinen eigenen Gunsten! Du hast es nicht verdient, irgendeine Belohnung für deine Missetaten zu verlangen, Akira‘! brüllte ich und schnappte nach dem Nebel, der immer mehr zunahm und alles in milchiges weiß tauchte. ‚Du bist ein Monster, Akira. Du hast es nicht verdient, als Anführer zu dienen, als Rudelführer und Respektperson. Ich kenne mehr Wölfe, die loyaler sind als du, und sie verdienen es mehr denn je, deinen Posten einzunehmen. ‘ ich wurde immer wütender. Der Nebel zog sich langsam zurück und ein Wolf, schwarz wie die Nacht stand mir gegenüber, mit gebleckten Zähnen und zum Angriff bereit. ‚Sie hat Recht, Akira. Sie hatte das Recht, ihren Bruder wiederzufinden. Er ist der Einzige, den sie noch hat. ‘ grummelte hinter mir eine tiefe Stimme. Diese Stimme hatte ich schon einmal gehört. ‚Warum mischst du dich ein, Puma? ‘ schrie Akira hinter mich. ‚Du bist ein Niederer, und hast dich mir zu unterwerfen! ‘ Akira stellte die Nackenhaare und begann aus tiefster Kehle zu knurren. ‚Vielleicht hast du Recht, Ja, ich bin ein Niederer, aber ich höre schon lange nichtmehr auf dich, Akira. Meine Herrin ist einzig und allein die Urmutter und ihre Priester. Du und deine Gefolgschaft, ihr habt mir und den anderen Weten nichts zu sagen. Wir sind die Beschützer dieses Waldes, und obwohl Belou in der Mitte der Grenzen steht, kann sie doch frei zwischen unseren Territorien wechseln. Sie hat sich nicht für sie Seite der Weten, auch nicht für die Seite der Furile entschieden. Sie ist eine Ampure. Sie kann sich immer noch für den Urvater oder die Urmutter entscheiden. Nur zwinge sie zu nichts. ‘ Ein Mensch trat auf die Lichtung, dicht hinter mir hielt er an und ich drehte den Kopf zu der mir sonst so bekannten Stimme. Hinter mir stand ein cremefarbener Puma, mit freundlichen grünen Augen, die jetzt jedoch auf Akira gerichtet waren. Sein Blick war hasserfüllt und feindselig. Er fauchte. ‚Belou. Komm da weg. Ich darf die Grenze nicht übertreten, sonst tötet er mich. Bitte. ‘ als sein Blick meinen streifte, sah ich Fürsorge und Angst, und ich ging einen Schritt auf ihn zu. ‚Kyle. ‘ flüsterte ich atemlos.



'baskerville old face'Heimat

'baskerville old face'Ich fuhr schreiend aus meinem Traum hoch. Schweißnass und zitternd saß ich kerzengrade im Bett, Idefix musterte mich misstrauisch. Meine Hände griffen nach meinem Handtuch und ich wischte mir über das Gesicht. Als mein Herzschlag sich einigermaßen beruhigt hatte, stand ich auf und machte mich auf den Weg um Kyle zu suchen. Ich brauchte Antworten.

'baskerville old face'Kyle war in einem kleineren Zimmer untergebracht, dass zwar groß, aber nicht annähernd so schön wie meines war. Er lag auf einem kleinen Bett in die Decke gerollt und murmelte im Schlaf. Als ich eintrat, beschlich mich das Gefühl, beobachtet zu werden, doch als ich mich umsah, war niemand zu sehen. Ich fragte mich, ob zehn Jahre beobachtet werden jemanden doch vorsichtiger werden lassen. Auf Zehenspitzen ging ich an Kyles Bett, und sah den wutverzerrten Gesichtsausdruck auf dem schlafenden Gesicht. „Kyle?“ flüsterte ich. „Kyle, ich bin es, Belou. Oder René.“ Ich rüttelte ihn leicht an der Schulter, und er schreckte hoch. „Ach du meine Güte, Belou! Hast du mich geweckt?“ fragte mich ein verwunderter und müder Kyle. „Kyle, ich hab ein paar Fragen an dich. Könnten wir uns mal hinsetzen und du versuchst mir zuzuhören?“ erwartungsvoll blickte ich zu ihm. „Ja, natürlich, kein Problem. Worum geht es denn?“ der plötzlich hellwache Kyle musterte besorgt meinen Gesichtsausdruck. „Also, um ehrlich zu sein, habe ich seit zwei Jahren komische Träume. Meistens kommen verschiedene Geschöpfe darin vor, doch meistens bin ich allein mit einem Mann, der sich in einen Wolf verwandeln kann. Sein Name ist Akira, glaube ich. Ich träume jede Nacht davon, dass ich mich in einen Fuchs verwandeln kann und vor Menschen fliehen muss, oder gegen einen kämpfen soll. Meistens endet der Traum damit, dass ich schreiend oder weinend aufwache, und nicht weiß, ob ich wirklich noch klar denken kann, oder ob ich einen Heiler aufsuchen soll. Ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen, doch jetzt kamst auch du in meinem Traum vor und ich dachte…“ meine Stimme brach, und ich merkte, wie ich weinte. Kyle legte die Arme um mich und hielt mich in seinen Armen fest an sich gedrückt. „Ist alles okay…“ murmelte er immer und immer wieder. „Das war kein Traum.“ Sagte er dann. Ich riss mich von ihm los und starrte ihn entgeistert an. „Was?!“ rief ich entsetzt, „Was soll das heißen, das war kein Traum?“ keuchte ich. „Das soll bedeuten, dass du wirklich in diesen Situationen warst, am Lagerfeuer bei der Versammlung, du hast die Hetzjagd überstanden und du hast diese Nacht mit Akira geredet. Und ich habe immer auf dich aufgepasst. Ich wurde von den Weten geschickt, über dich zu wachen und achtzugeben, dass du nicht in unnötige Probleme mit reingerissen wirst.“ Meinte Kyle seelenruhig und ohne jede Missgunst in der Stimme. Ich schaute ihn an und wusste nicht, ob ich ihm glauben sollte oder nicht. Da er aber über all meine Träume Bescheid wusste, und ich sie ihm nicht erzählt hatte, musste er die Wahrheit sagen. Ich ließ es zu, dass er mich in seinen Armen sanft hin und her wiegte, als ich anfing zu schluchzen. Ich konnte es nicht fassen. War ich verrückt? Oder hatten wir einfach eine übersinnliche Verbindung zueinander? All diese Fragen schirrten mir im Kopf umher, und ich wusste keine Antwort. „Dann…“ begann ich, doch Kyle brachte mich zum Schweigen. Seine Lippen fühlten sich sanft auf meinen an, als er mich mit einem Kuss zur Ruhe brachte. Schockiert sprang ich vom Bett auf. „Was soll das, Kyle?“ fragte ich ruhig, viel ruhiger, als mein Herz pochte. „Ich.. Es tut mir leid, Belou. Ich weiß auch nicht, was mich so weit getragen hat.“ Murmelte ein zerknirschter Kyle. Ohne seine Entschuldigung zu akzeptieren rannte ich aus dem Zimmer und den Flur hinunter zu meinem Raum. Ich verschloss die Türe, ließ mich gegen sie sinken und dachte über meine Träume nach. Ich erinnerte mich an die Versammlung, von der ich geträumt hatte, und beschloss, die Lichtung zu suchen. Ich werde da sein, und auf dich warten, meine Tochter, flüsterte eine mir völlig neue Stimme in mir. Hilf mir, dich zu finden, meinte ich daraufhin. Ich führe dich. Brich so schnell wie möglich auf, sage niemandem etwas. Ich werde dir helfen. Ich werde auf dich dort warten. Wie ferngesteuert bewegte ich mich durch das Köhlerhaus, suchte Vorräte und nützliche Dinge, die mir auf der Reise behilflich werden konnten, und noch vor Morgengrauen ritt ich in den still daliegenden Wald.



'baskerville old face'Die Lichtung



'baskerville old face'Am frühen Nachmittag legte ich die erste Pause ein. Ich hatte begriffen, dass ich nicht die Einzige war, die sich in ein Tier verwandeln konnte, nicht die Einzige, die diese Träume hatte. Ich hielt an einem schmalen Bachlauf, den ich für geeignet hielt für eine Rast. Suana konnte grasen und sich erholen und ich konnte mir ein wenig die Beine vertreten. Meine Beine waren ganz verkrampft von dem langen Galopp über Stock und Stein, und als ich wieder soweit laufen konnte, dass ich bereit war, weiter zu traben, raschelte es in einem Gebüsch nicht weit von meiner rechten Hand entfernt. Für einen wilden Hund oder eine Raubkatze war der Busch allerdings zu klein, und da ich weder Qualmwolken wahrgenommen noch gerochen hatte, war ich mir ziemlich sicher dass es auch kein Mensch sein konnte. Doch ich täuschte mich. Als ich dem Gebüsch den Rücken zukehrte, und mich daran zu schaffen machte, aufzubrechen, wurde ich von zwei starken Armen auf den Boden gedrückt. Ich schmeckte Blut mit Dreck vermischt. Halte durch, sagte die Stimme in meinem Kopf. Sie klang nach einem wütenden Fauchen. Ich hörte auf, mich zu wehren, da mein Angreifer mich dadurch nur noch fester gen Boden drückte. „Geh runter!“ presste ich heraus, doch der Unbekannte reagierte nicht. Wegelagerer, Frauenschänder, Mörder – so ziemlich alles konnte sich in diesem Dickicht verstecken, und nur auf die nächste Gelegenheit warten. „Wie ist dein Name, Fremde?“ zischte mein Angreifer. Es war ein Mann, nicht viel älter als ich, schätzte ich, und doch viel stärker. „Wer hat dich beauftragt?“ zischte der Mann wütend. „Belou! Niemand hat mich geschickt! Ich bin allein, unbewaffnet und eine Frau! Ich bin auf dem Weg zu einem Ort, weit weg von hier.“ Flüsterte ich, in der Hoffnung dass der Mann es hörte. „Ziemlich wagemutig für eine Frau, sich allein im Wald rumzutreiben, findest du nicht auch?“ sagte der Mann in normaler Lautstärke und etwas freundlicher. „Im Moment werde ich unmenschlich auf dem Boden zusammengedrückt.“ Piepste ich, und merkte, wie er sein Gewicht verlagerte. „Henry! Lass die Dame in Ruhe! Riechst du nicht, dass sie weder Wete noch Ampure ist?“ rief ein Mann von etwas weiter links. Ich merkte schwere Schritte auf dem Boden, dann wurde besagter Henry hochgerissen. „Fragt man eine fremde Dame etwa so nach ihrem Namen?“ fragte der Mann, der Henry von mir runtergezogen hatte ihn. „Sie ist eine Fremde!“ stieß Henry aus. „Akira meinte, wir sollen alle Fremden zuerst beobachten, dann befragen!“ grummelte er. „James, du weißt selbst, was er verlangt hat.“ Murmelte Henry noch ein letztes Mal, dann ließ er einen hasserfüllten Blick in meine Richtung ab – und James‘ Faust schnelle auf seine Magengrube zu. „Nein!“ schrie ich, und streckte die Hände in die Richtung der beiden Streitenden. „Halt.“ Die Beiden warfen mir einen verdutzten Blick zu. „Er hat völlig richtig reagiert. Ich bin hier fremd und bin anscheinend in Akiras Territorium vorgedrungen… Was bedeutet ich bin jetzt auf dem Platz der…Furile?“ strengte ich mich an, das Wort richtig auszusprechen. Lauf zu deinem Pferd, reite fort von den Männern, oder verwandel dich und kämpf! Wiederholte die Stimme in meinem Kopf meinen eigenen Gedanken. Nein. Ich bin auf keiner Seite. Weder Gut, Böse oder Neutral. Ich mach meine Sache ab sofort allein. Meckerte ich die Stimme an. Und es kam keine Antwort. Henry und James blickten mich immer noch verwundert an. „Was denn?“ fragte ich, und tastete mein Gesicht ab, um mich zu vergewissern, dass ich nichts vom Boden an mir hängen hatte. „Sie riecht wie eine erwachsene Frau, muss aber erst fünfzehn sein, wenn sie sich noch nicht entschieden hat.“ Stellte James verwundert fest. Henry knurrte. Ich schaute ihn an, und als ob es das Normalste der Welt wäre, knurrte ich zurück. „Ruhig, ihr Beiden. Wir nehmen sie mit und bringen sie zu der Versammlung, sollen die Ältesten entscheiden, was mit ihr passiert.“ Meinte James bestimmt und wies auf meine Stute. „Kann sie mit unseren Arabern mithalten?“ nickte er in Suanas Richtung. „Klar. Sie ist schneller, als ihr vermutet.“ Selbstzufrieden stand ich auf und stieg auf Suanas breiten warmen Rücken. „Wir sollten ihr die Augen verbinden.“ Grummelte Henry und nickte auffällig in meine Richtung. „Nicht nötig. Entweder, sie wird vom Clan akzeptiert, oder aber…“ James beendete den Satz nicht, und ich hatte die schlimmsten Vorstellungen von verschiedenen Arten, jemanden abzuweisen. Gift, Erhängen, Erschießen, Ertränken. Also ritt ich ohne Augenbinde neben den beiden Herren her. Den Weg, dachte ich, hätte ich mir so wie so nicht merken können. Für mich sah jeder Baum hier gleich aus.

'baskerville old face'Am Abend, noch bevor die Sonne unterging, erreichten wir die Lichtung. Hunderte Kreaturen standen bis hinter die ersten Baumreihen verteilt, tuschelnd, flüsternd und lachend. Als ich in den Lichtkegel des Lagerfeuers trat, hörten alle Gespräche plötzlich auf, und alle Augenpaare hefteten sich an mich. Ich suchte nach den Gestalten aus meinem Traum, und fand sie als kleines Grüppchen zusammenstehend vor, etwas abseits und als Einzige in ein Gespräch vertieft. Bei ihnen stand auch Akira, und ein Mann den ich irgendwo schon einmal gesehen habe, ich wusste, wer er war, jedoch wusste ich nicht, woher ich ihn kannte. Ein paar quälende Minuten später stand Akira auf, und stellte sich zu einem Mann mittleren Alters und einer Frau fortgeschrittenen Alters. Der Gesichtsausdruck von den dreien war angestrengt und besorgt. Der Mann hatte hervortretende Augen die im Feuerschein die Farbe von nasser Baumrinde hatten, eine schlaksige Figur und lange Gliedmaßen. Seine Haare waren im Nacken zusammengebunden und von einem tiefen Braun, welches seiner Hautfarbe glich. Die Frau war klein, ungefähr meine Schulterhöhe, hatte schneeweißes Haar und eine gebeugte Haltung. Sie stützte sich auf einen geschnitzten Eichenstock, in den Zahlreiche weiß schimmernde Edelsteine geprägt worden waren. Ihr Gesicht war wettergegerbt, jedoch hatten ihre strahlend blauen Augen etwas Jugendliches, Frisches. Alle drei sahen jetzt in meine Richtung, und ich lächelte sie an. Akira war der Einzige, der eine Regung zeigte, denn er grinste, und seine gebräunte Haut bekam Lachfältchen um die grünen Augen. „Hallo, Sommerwind.“ Begrüßte er mich, und seine normal laut gesprochenen Worte hörten sich auf der verstummten Lichtung wie ein Schrei an. Ich nickte zur Begrüßung, weil mein Mund sich so trocken anfühlte wie eine Wüste während der Trockenzeit. James, der immer noch neben mir stand, blickte fragend auf mich herab. „Du kennst Akira schon?“ fragte er mich flüsternd. „Ja, aus meinen Träumen.“ Krächzte ich die Antwort. Noch ein fragender Blick, dann zuckte er die Achseln und setzte ein schiefes Grinsen auf. „Das Fest beginnt, willst du tanzen?“ zwinkerte er und im selben Moment flatterten tausende kleine Lichter auf der Lichtung auf und ab, und spielten eine fröhliche Melodie, die ich noch nie gehört hatte. „Gern.“ Staunte ich über die Lichter, als James meine Hand nahm und mich galanten Schrittes zum Tanz führte. Da ich nicht tanzen konnte, und James dies bald merkte, forderte er mich auf, mich auf seine Füße zu stellen, damit es wenigstens den Anschein hätte, als hätte ich Spaß. Ich kam seiner Bitte nach, und so tanzten wir die ganze Zeit. Als die Lichter das nächste Lied anstimmten, besorgte James mir etwas zu trinken aus einer nahegelegenen Eishöhle. Staunend sah ich den Lichtern zu, wie sie durch die Luft wirbelten und tanzten, leise klingelten, wenn sie sich in Gruppen zusammengesellten und ihre Farbe von hellem grün je nach Gemütszustand wechselten. „Gefällt dir die Feier, Belou?“ fragte mich jemand, und als ich mich umdrehte, stand ich Henry gegenüber. „Ja, vor allem das Tanzen und die Musik sind wundervoll.“ Antwortete ich freundlich. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen, dafür dass ich dich zu Boden geworfen hatte.“ Räusperte sich Henry, und sah verlegen zu Boden. „Schon vergessen.“ Winkte ich ab und lächelte ihn an. „Faszinierend, nicht wahr?“ fragte er nach einer kleinen Pause. „Was?“ verdattert blickte ich ihm in die Augen, die im Feuerschein so dunkel waren wie ein tiefer Bergsee, in dem sich Sterne spiegelten, denn in Henrys Augen schimmerten helle Punkte. „Die Irrwichtel. Die Lichter. Sie sind wunderschön, nicht wahr?“ fragte er erneut, und so ruhig, wie ich sonst nur James kannte. „Ja, sie sind traumhaft schön.“ Murmelte ich verträumt und beobachtete die Lichter über mir. Irrwichtel. „Manchmal, wenn sie jemanden mögen, und er für sie singt, kommen sie sogar zu einem und lauschen seinen Liedern.“ Träumte Henry vor sich hin. „Wirklich? Schade, dass ich nicht gut singen kann.“ Niedergeschlagen blickte ich zu Boden. Sanft drückte Henry mein Kinn wieder hoch. Er bewegte sich so leise wie der Wind in laublosen Bäumen. „Deine Stimme muss nicht schön sein, um die Irrwichtel zu berühren. Sie muss Gefühl haben, sie muss in ihnen etwas bewegen. Sie leben von der Musik, und manche sind über hunderte von Jahren schon hier in unseren Wäldern, um unseren Liedern zu lauschen.“ Erklärte Henry sanft. „Komm, ich zeig dir wie es geht.“ Er nahm meine Hand und zog mich in eine dunkle Ecke, wo die Wärme und das Licht, dass das Feuer spendete, nicht hingelangten. „Es ist ganz einfach.“ Flüsterte er, schaute gen Himmel und begann leise ein Lied in einer Sprache zu singen, die ich nicht verstand.

'baskerville old face'Gradún Madgu Jandie mje,

'baskerville old face'greuf mdejr, koep me mje je kle;

'baskerville old face'Marú egu namór.

'baskerville old face'Die Irrwichtel hielten in ihrer Tanz- und Bewegungsrunde still und lauschten. Dann, ganz langsam, eins nach dem anderen kamen sie näher zu Henry. Das Lied was er gesungen hatte, stammte zwar aus einer anderen Sprache, doch die Wirklichkeit der Gefühle, die er in dem Lied zum Ausdruck gebracht hatte, berührte nicht nur mich so weit, dass ich Tränen in den Augen hatte, sondern auch die Irrwichtel, denn sie versammelten sich zu Henrys Füßen, der im Gras saß, und summten die neue Melodie leise und gleichmäßig. „Jetzt bist du dran.“ Flüsterte er mir ins Ohr. Ich durchsuchte meine Gedanken nach einem Lied, dass den Irrwichteln würdig war, und fand schließlich eines, dass ich als Kind immer gesungen hatte. Ich hatte die Wörter nie verstanden, denn mein Vater hatte es mir beigebracht, bevor er zu trinken anfing. Es war ebenfalls eine andere Sprache, doch ich konnte immer noch die Gefühle aus den mir nicht bekannten Wörtern hören, also fing ich an zu singen;

'baskerville old face'Kerupe Geng ejfeo jeofs:

'baskerville old face'‚Arted jemo djde‘!

'baskerville old face'Gendere djie ejdjao ers jerf;

'baskerville old face'Ferjif djid djpa jdef zerte.

'baskerville old face'Mehr konnte ich nichtmehr von dem fremden Lied. Die Irrwichtel wurden immer mehr und saßen schon auf unseren Füßen und Beinen. „Tut mir leid, ich weiß den Rest nicht mehr.“ Murmelte ich, und bemerkte, dass nicht nur Henry mich verwundert ansah, sondern die gesamte Versammlung. „Du hast mit der vergessenen Sprache gesungen.“ Flüsterte Henry, und ich hörte, wie alle Irrwichtel um uns herum mein Lied anstimmten und die Melodie weiterspannen, bis sie ein komplettes Lied aus meiner Strophe gesponnen hatten. „Sie mögen deine Stimme.“ Flüsterte eine schmerzlich bekannte, traurige Stimme hinter mir. Ich drehte mich langsam um und sah Ian und Kyle in die traurigen Gesichter.
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