Of Screws and Metal - Hof-Nebenstory Teil 2

Geschrieben von Occulta im Blog Nebenstorys. Ansichten: 916

Teil 2
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Endlich war der erste Arbeitstag gekommen. Ich hatte meine Messwerkzeuge sorgfältig geputzt und kontrolliert, und meine Stahlkappenschuhe ebenfalls ein wenig gepflegt. Die Arbeitskleidung würde ich von der Firma bekommen, das hatte man mir bereits mitgeteilt. Aber ich war unsicher, ob die Schuhe ebenfalls dazugehörten, also nahm ich sie zur Sicherheit mit. Als Transportmittel diente Ben‘s altes Fahrrad, das er mir freundlicherweise eigentlich ständig auslieh, weil er selbst immer den Bus nahm. Die Fahrt dauerte nicht lange, aber ich fuhr auch einigermassen kriminell, weil ich so aufgeregt war. Ich stand zehn Minuten zu früh vor dem Eingang, da ich absolut sichergehen wollte. Bei mir wusste man schliesslich nie, was alles noch schiefging unterwegs. Glücklicherweise empfing mich schon nach kurzem Warten jemand, und zeigte mir meinen Garderobenschrank. Dann durfte ich tatsächlich neue Schuhe anprobieren, und auf meinem Arbeitsplatz lag sogar eine Holzkiste, auf der mein Name aufgeklebt war, und in deren Innerem sich ein Set komplett neuer, ebenfalls mit meinen Initialen beschrifteter Messwerkzeuge befand. Ich war wirklich sprachlos, denn in der alten Firma hatte ich diese Dinge alle selber kaufen müssen. Man erklärte mir auf meine Nachfrage hin, dass so die Qualität in der Produktion nicht aufgrund unterschiedlicher Messwerkzeuge mit variierenden Messfehlern gefährdet werde. Von Mr Harper sah ich an diesem Morgen keine Spur, aber das war mir noch so recht. Dafür lag, fein säuberlich gestapelt, ein erster Auftrag auf dem Tisch vor mir. Ich war sofort hellauf begeistert, dass man mir von Anfang an Verantwortung übergab und ich schon jetzt mehr machen durfte, als nur bereits laufende Grossserien zu prüfen. Die Zeichnung sah nicht allzu kompliziert aus, und man hatte mir eine detaillierte Anleitung für den Arbeitsablauf in der Firma beigelegt. Trotzdem kam ich mir zunächst ein bisschen verloren vor, in dieser riesigen Halle mit all den fremden Arbeitern. Ich wusste nicht genau, an wen ich mich wenden konnte, also fragte ich den nächstbesten. Ein Typ fortgeschrittenen Alters, mit blonden Haaren und Schnauz. Er erkannte gleich, dass ich „die Neue“ war, und zeigte mir bereitwillig alles Nötige. Da ich noch nie mit Maschinen dieses Herstellers gearbeitet hatte, brauchte ich einen Moment, bis ich mich zurechtfand. Zum Glück hatten selbst die verschiedensten Maschinensteuerungen unterschiedlicher Hersteller meist ähnliche Symbole und Knöpfe. Einmal mehr war ich froh, dass in meinem Job so vieles einheitlich und genormt war. Nachdem ich ein wenig mit der Bedienung der Maschine herumgespielt hatte, begann ich, das passende Programm für den Auftrag auf dem Computer in der Nähe zu suchen. Ich druckte mir alle wichtigen Dokumente aus und legte die Werkzeuge bereit. Dann begann ich mit dem Einrichten. Ich brauchte den ganzen Morgen dafür, weil ich mir alles Nötige zusammensuchen musste und machte nur kurz Mittag, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Man versicherte mir mehrfach, dass ich für diesen ersten Auftrag mehr als genug Zeit hatte, damit ich mich in aller Ruhe einleben konnte. Trotzdem wollte ich natürlich mein Können unter Beweis stellen. Sobald alle Spannzangen gewechselt und eingestellt, der Lader umgerüstet und die Werkzeuge montiert waren, überflog ich das Programm nochmal, dann übertrug ich es auf die Maschine und testete es Satz für Satz. Vorsichtig drehte ich an den Vorschubreglern, um schön langsam beobachten zu können, ob es irgendwo Probleme gab. Besonders wegen möglicher Kollisionen musste ich aufpassen, weil ich mit der Maschine ja noch nicht so vertraut war. Bis auf einen kleinen Fehler beim Stangenlader klappte alles. Stolz, dass ich offensichtlich auch mit mir unbekannten Maschinen immer noch klar kam, produzierte ich ein erstes Teil und passte dann noch die Offset-Korrekturwerte an, damit die Masse in den jeweiligen Toleranzen lagen. Trotzdem – um die Serienproduktion zu starten, war es mittlerweile schon zu spät. Ausserdem musste ich das Stück zuerst sowieso noch gegenprüfen und freigeben lassen. Ich beschloss, das auf den nächsten Tag zu schieben; ich lag ja bisher sehr gut in der Zeit. Als ich nach dem umziehen durch den Gang Richtung Parkhaus lief, wo Ben’s Fahrrad auf mich wartete, erhaschte ich einen Blick durch eine Glastür, hinter der wohl ein Konferenzraum oder so war. Mr Harper sass darin, an einem Tisch mit einer Handvoll anderer Herren, allesamt gekleidet in feinsten Anzügen; und er wirkte noch viel gelangweilter, als bei unserem ersten Treffen. Er starrte zurückgelehnt und mit verschränkten Armen auf die weisse Tischplatte vor sich, rollte dann einen kurzen Moment lang die Augen beiläufig zu mir, denn er hatte wohl die Bewegung meines Vorbeilaufens bemerkt – und wandte sich schliesslich wieder seinen Gesprächspartnern zu, als hätte ich ihn daran erinnert, dass er sich konzentrieren sollte. Ich war froh, dass er mich an diesem ersten Tag in Ruhe gelassen hatte und hoffte, dass es auch so weitergehen würde. Je weniger ich mit ihm zu tun hatte, desto weniger konnte ich negativ auffallen, oder mich über seine Art nerven.

Zuhause gönnte ich mir ein Bad und backte zum Abendessen einen Apfelkuchen. Den übriggebliebenen Teil stellte ich mitten auf den Tisch, damit Ben ihn nicht übersah. Er hatte mir geschrieben, dass er heute spät nachhause komme, woraufhin ich ihn eingeladen hatte, einfach rein zu schleichen und sich ein Stück zu schnappen. Ich liess ihm die Türe offen, denn hier brach eh niemand ein (gab ja nix zu holen…) und auf ihn warten wollte ich nicht, weil ich für den zweiten Arbeitstag fit sein musste.
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Schon interessant. Dass es nie einfach gut laufen konnte, ohne irgendwelche Probleme? Ich wusste nicht wieso, aber ich ahnte sofort, wie es enden würde. Als ich nämlich in den folgenden Tagen wieder am Arbeitsplatz aufkreuzte, begegnete ich irgendwann einem bekannten Gesicht – einem, über das ich mich alles andere als freute. Es handelte sich um einen jungen Herren, der mit mir in der Mittelschule in eine Klasse gegangen war. Wir hatten nie viel miteinander zu tun gehabt, aber ich wusste etwas über ihn, das sich in einem Lebenslauf nicht besonders gut machen würde. Und er wusste, dass ich es wusste. Daniel „Danny“ Borke, der mit seinen Kumpels einmal nach der Schule ein Mädchen aus einer Parallelklasse verschleppt und unschöne spiele mit ihr gespielt hatte. Dummerweise war das Mädchen verliebt in ihn gewesen, und deshalb zu naiv, um zur Polizei zu gehen. Ich hatte zufällig mehr gesehen, als mir lieb gewesen war. Ich war bloss wiedermal zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Auf einem Baum in unmittelbarer Nähe, um genau zu sein. Ich hatte mich dort oben nach der Schule vor einer dummen Kuh versteckt, der ich damals Geld für eine Packung Kaugummis schuldete. Das war das erste Mal gewesen, dass ich erleben durfte, wie sich Panik anfühlt. Denn wer weiss was passiert wäre, wenn mich die Jungs dort oben zwischen den Ästen gesehen hätten? Ich hatte jedenfalls dort ausgeharrt, die ganze Zeit hindurch. Jede Sekunde war schrecklich gewesen, aber am schrecklichsten fand ich noch heute die Tatsache, dass das Mädchen nie Anzeige erstattet, geschweige denn mit ihren Eltern darüber gesprochen hatte. Unfähig, die Sache einfach aus meinem jugendlichen Kopf zu verdrängen, hatte ich sie bei der nächstbesten Gelegenheit angesprochen und nachgehakt, wie es ihr gehe. Einer von Dannys Kumpels hatte offenbar von irgendwoher gelauscht und ihm gepetzt, dass ich mehr wusste, als mir guttat. Daraufhin hatte er mich mit allen Mitteln in den Dreck gezogen und vor den Lehrern bei jeder Gelegenheit als fantasierende Lügnerin dargestellt. Ich stellte ihn dafür ein paarmal vor den anderen Kids bloss oder spielte ihm sogar Rache-Streiche – in sowas war ich echt gut. Am Ende hatte er den Vorteil aber trotzdem auf seiner Seite. Die Lehrer mochten mich ohnehin nicht, also fiel es ihnen leicht, dem Musterschüler Danny zu glauben. Es war alles andere als einfach gewesen, unter diesen Umständen auch noch anständige Noten zu schreiben. Ich wusste gar nicht, was inzwischen aus dem Mädchen von damals geworden war, da ich nach Schulabschluss nie mehr etwas von ihr gehört hatte. Aber es interessierte mich auch nicht länger. Ich wollte nur mein eigenes, einfaches Leben führen; morgens aufstehen und zu Arbeit fahren, mittags etwas zwischen die Zähne bekommen, abends müde Nachhause zurückkehren und mich ins (hoffentlich weiche) Bett fallen lassen. Es schien wiedermal, als würde mir das partout nicht gegönnt. Danny war milde gesagt nicht sehr erfreut, als er erkannte, dass ich nun in derselben Firma Arbeitete wie er. Er mochte mich sowieso nicht, und zusätzlich sah er in mir eine Art Damoklesschwert, eine Bedrohung für seinen guten Ruf. Er versuchte folglich, mir auf äusserst dezente Weise klarzumachen, dass ich in seinem Territorium nicht erwünscht war. Ich bemerkte zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmte, als die Masse der Teile, die meine Maschine zuvor so zuverlässig produziert hatte, plötzlich hinten und vorne nicht mehr stimmten. „Shit, what’s wrong now?!“, redete ich erschrocken mit mir selbst, und überprüfte die Offset-Werte. Gähnende Leere. „Hey Tom, did you see anyone mess with my machine? My offset has been deleted!” Mein ‘Arbeitsnachbar’, der mir am ersten Tag geholfen hatte, zuckte mit den Schultern. „Nay, didn’t see nothing, Miss. Maybe you pressed a wrong button?“ Die Antwort war nicht gerade zufriedenstellend, aber da ich die Möglichkeit, aufgrund meiner Unerfahrenheit mit dieser Maschine, nicht ausschliessen konnte, machte ich eben seufzend weiter, ohne mir mehr dabei zu denken. Aber von diesem Augenblick an häuften sich seltsame Fehlermeldungen und Maschinenstopps. Mich piekte der Gedanke daran, was für einen Eindruck von Unfähigkeit das auf die anderen Arbeiter und meine Vorgesetzten machen musste. Es ging sogar so weit, dass meine Messmittel zeitweise verschwanden und mir einmal von Mr Harper mein Messschieber gebracht wurde, der offenbar irgendwie seinen Weg in die Herrentoilette gefunden hatte. Das war das erste Mal seit meinem ersten Tag gewesen, dass ich meinen Boss gesehen hatte. Sein stirnrunzelnder, verurteilender Blick war eines der unangenehmsten Erlebnisse meiner gesamten bisherigen Arbeitskarriere gewesen. „Miss Hayes. I have no Idea, whether someone wants to play a tasteless prank on you, or you in fact like to leave your belongings in unfortunate places. But I recommend you to take better care of the tools we are providing for you.” Meine Ohren waren heiss und ich musste mich zurückhalten, um höflich zu bleiben und ein halbwegs normales “Okay”, herauszubekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich längst die Vermutung, dass Danny hinter all dem stecken musste. Ich begegnete ihm zwar äusserst selten, aber wenn, dann schenkte er mir bloss kalte, drohende Blicke. Wie ich mitbekommen hatte, arbeitete er schon eine ganze Weile hier und war, wie schon in der Schule damals, recht beliebt – das machte es für mich schwierig, ihm irgendwas anzuhängen. Das Ganze war lächerlich und kindisch. Natürlich wären wir garantiert keine Freunde geworden, aber ich für meinen Teil hätte ihn vollkommen in Ruhe gelassen und mich nicht in seine Angelegenheiten eingemischt. Er schien jedoch unglaublich nachtragend zu sein und mich ernsthaft zu verachten. Wenn sie doch nur wüssten, was für eine falsche Schlange er ist… Der einzige Weg, wie ich meine Ehre und meinen guten Ruf in der Firma wieder herstellen konnte war, Beweise für Danny‘s Spielchen aufzutreiben. Das erste, was mir in den Sinn kam, waren Videoaufnahmen. Leider gab es keine Überwachungskameras in der Halle, und ich vermutete, dass Filmen und Fotografieren verboten sein musste – das stand bestimmt in der langweiligen Hausordnung, die ich am ersten Tag nur rasch überflogen hatte. Aber es gab da so einen schönen Metall-Dachträger in nächster Nähe zu meiner Maschine, der sich für eine versteckte Kamera perfekt eignete. Ich überlegte einige Tage hin und her, ob sich die Aktion lohnen würde. Am Ende traute ich mich aber doch nicht, denn bei meinem Glück hätte das bestimmt wieder in einem Desaster für mich geendet. Es vergingen weitere Tage, sogar Wochen, während denen ich mir Danny‘s Machenschaften gefallen lassen musste, ohne etwas unternehmen zu können. Doch dann machte er einen entscheidenden Fehler, indem er meinen Einfallsreichtum unterschätzte. Ich hatte nämlich inzwischen ein für alle Mal genug von dem Theater gehabt und beschlossen, ihm eine Falle zu stellen. Alles, was ich dafür brauchte, war eine CD und ein kleines Wundermittel, genannt „Clue-Spray“. Letzteres fand ich nach kurzer Suche im Internet – ein fluoreszierendes, bei normalem Licht unsichtbares Spray, um Langfinger einzufärben. Angesichts des Preises für ein Fläschchen schluckte ich zwar zweimal leer, aber das war es mir am Ende wert. Der Zeitpunkt für mein Vorhaben war mehr als perfekt, weil nämlich vor kurzem eine neue Maschine ganz in der Nähe meines Arbeitsplatzes aufgestellt worden war, die ich später auch hin und wieder bedienen würde, und die im Moment gerade eingerichtet wurde. Die nächsten paar Tage, während ich auf das vielversprechende Päckchen wartete, hatte ich stets ein leicht triumphierendes Grinsen im Gesicht, das sogar meinem Maschinennachbar Tom kalte Schauer den Rücken runter laufen liess – so sah er mich jedenfalls jeweils an. Als der Spray endlich in meinem Briefkasten angelangt war, konnte mein Masterplan beginnen. Ich beschriftete die ominöse CD sorgfältig mit der Aufschrift „Machine Data“. In der Tat waren darauf wichtige System Einstellungen für die neue Maschine gespeichert, die ich archivieren sollte. Entsprechend ergänzte ich auch die Nummer dieser Maschine auf der CD. Doch anstatt sie sofort zu bei anderen CDs im Schrank sicher zu verstauen, bewahrte ich sie noch etwas länger in einer Schublade auf. Als nächstes plauderte ich ausgelassen mit Angelo über die Maschine und deren Instandsetzung. Natürlich nur, wie es sich gehörte, im Pausenraum, und immerzu unter den wachsamen Ohren von Danny, der jeweils etwas entfernt sass und mit anderen plauderte, oder ein Sandwich ass. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mit Sicherheit, ob mein Plan überhaupt aufgehen würde. Aber der Versuch war absolut idiotensicher und hatte keine unangenehmen Konsequenzen für mich, falls er nicht klappen sollte. Als ich sicher war, dass Danny genug mitbekommen hatte, legte ich die CD fein säuberlich mit dem Spray präpariert auf den Tisch in der Nähe der Maschine. Ich klebte ein Post-It mit meinem Namen darauf, damit jeder wusste, dass die CD von mir war und einfach dort liegengelassen werden sollte. Dann zog ich mich zurück, den werdenden Tatort stets im Augenwinkel beobachtend. Die (ebenfalls nicht ganz günstige) Blaulicht-Taschenlampe hatte ich auch schon in meine Werkzeugkiste verstaut, damit sie bereit für ihren Einsatz war. Zugegeben – ich hegte meine Zweifel, ob ich mit dem Konter nicht zu weit ging und mich gar auf dasselbe, kindische Niveau herunterliess. Aber irgendwas musste ich ja tun, und auch wenn meine Einfälle nicht immer die klügsten waren, so war ich wenigstens kreativ. Am Mittag stellte ich sicher, dass Danny schon im Pausenraum unten war, als ich ging. Ich schlang mein Essen herunter und stempelte mich so garantiert vor ihm wieder ein. Trotz meiner Sorgfalt verpasste ich am Ende doch beinahe den entscheidenden Moment. Kurz nach dem Mittag rief mich nämlich der Produktionsleiter zu sich, mit dem Auftrag, im Materiallager nach einer bestimmten Stahlsorte zu suchen, da der eigentlich zuständige Typ noch nicht wieder aufgekreuzt war. Etwas widerwillig machte ich mich auf den Weg, denn von dort aus hatte ich die CD nicht im Blick. Ich fand die Materialstangen in Rekordzeit und hastete zurück, die ganze Zeit hoffend, dass Danny nicht ausgerechnet während meiner Abwesenheit zugeschlagen hatte. Gerade, als ich zwischen den Maschinen hervorschlich und der Tisch mit der CD wieder in mein Blickfeld kam, sah ich die Zielperson sich ihr nähern. Ich hielt inne und beobachtete gut versteckt hinter einem Stangenlader mit angehaltenem Atem – ich konnte mich vor freudiger Erwartung kaum zurückhalten. Mir entfuhr ein zischendes „yes!“ zwischen zusammengebissenen Zähnen, als Danny beiläufig nach der CD griff und sie einsteckte. Wusste ich doch, dass er nicht widerstehen kann. Was gibt es auch schöneres, als mich schusselig dastehen zu lassen, unter Verdacht, wiedermal wichtige Daten verlegt zu haben? Ich hatte gesehen, was ich sehen wollte. Nun musste ich nur noch Mr Harper informieren, und Danny nach frischer Tat überführen. Dummerweise war der Boss wie so oft inmitten einer wichtigen Sitzung und tauchte nicht vor vier Uhr auf. Ich erwischte ihn endlich, als er sich gerade mit einem der Bürolisten unterhielt. „…It was quite the investment, but I think it is going to be really fast. I’m excited to see it working.” Ich hatte keine Ahnung, worüber die beiden sprachen, und ich fühlte mich etwas fehl am Platz, als ich einfach dazu stiess, aber das war die letzte Chance, bevor Danny Nachhause gehen würde. „Mr Harper? May I talk to you for a second?“ “Miss Hayes. I hope it is important, for you to assault me like this”, und an den Bürolisten gewandt: “I’m sorry, we’ll go on about this another time.” “Sure. Good evening, Ryan.” Wow, sie scheinen sich gut zu kennen, überlegte ich beiläufig. „So?“, fragte Mr Harper ungeduldig. Ich stockte einen Moment, weil ich mir bis zu genau diesem Moment tatsächlich noch gar keine Gedanken gemacht hatte, wie ich ihm mit meinem Anliegen am besten gegenübertreten sollte – und welchen Eindruck das bei ihm hinterlassen könnte. Aber dafür war es jetzt definitiv zu spät, ich steckte bereits mit dem Hals in der Schlinge drin. Nach Worten ringend setzte ich an. „Well, there’s been a lot going wrong lately, you know…” “Yes, I do know. I’ve heard many complaints from Mr Finning.” “Yeah. About that. I can prove now, that it wasn’t all my fault.” Mr Harper‘s Augenbrauen hoben sich, sein Gesichtsausdruck sprach Bände. ‘One of those people again. Always trying to blame others. How cheap’, stand quer darüber geschrieben. Ich fuhr rasch fort. “Like I said, I’ve got prove. Today I placed a CD with data from the new Nakamura on one of the tables. I put my name on it and made sure it would not be mistaken for anything else, so there was no reason for anyone to take it. Yet, Danny grabbed it and hid it somewhere, to make me look silly again. He was also behind many of the other little incidents of the past few weeks. I was just never able to provide any evidence.” Mr Harper hörte aufmerksam zu, sagte aber nichts, als ich innehielt. Nun kam der etwas sonderbarere Teil meiner Erklärung, und ich war besorgt über seine mögliche Reaktion. Nichts desto trotz berichtete ich weiter: „I put Clue-Spray, a fluorescent paint, all over that CD, as a trap. Because I knew he would try to humiliate me again. If I’m right, his Hands will glow when illuminated with this.” Ich zeigte ihm die Blaulicht-Lampe. “…You seem to not like Mr Borke much. Do you know him personally?” Etwas überrascht über die plötzliche Frage seinerseits antwortete ich zögernd “Yes. We went to the same school when we were in our teens.” “Did you have any sort of relationship?” “No – no!”, versicherte ich energisch. “So, did something else happen between the two of you that lead you to dislike him?” “Not between us, but he… Well, he was involved in some sort of… Misdoing, I guess?” “And what would that be?”, stocherte Mr Harper weiter. “Sir, I’m not sure if I should talk about that…”, wich ich aus. Es war ja nicht so, dass ich Danny schützen wollte oder so. Aber ich hatte mir geschworen, aus der Sache rauszubleiben, um mir nicht noch mehr Ärger aufzuhalsen. „You should tell me, if it’s important. Maybe you will be a bit relieved to hear that I am not very fond of Mr Borke either. Actually, I’m looking for a way to get rid of him.” Ich war etwas schockiert über seine plötzliche Offenheit, aber meine Neugier war natürlich auch geweckt. Was hat Danny angestellt, um Mr Harper zu vergraulen? Okay, nicht, dass das besonders schiwerig wäre… Aber trotzdem – der sonst so perfekte Danny? Die Frage liess sich wohl von meiner Mimik ableiten, denn Mr Harper erklärte gleich von selbst: „There is something fishy about this person. Whenever I talk to him, he seems to be secretly smiling and thinking lots of stuff that he wouldn’t say. His work isn’t that promising either. He is often late or even ill, but always seems to find an acceptable explanation. It’s kind of getting on my nerves. So, you said he was bullying you?” “I guess you could say that, yes.” “That’s enough for me. Would you be willing to answer questions on the topic, if necessary?” “Ah, sure…” “Alright. I’ll tend to it.” “Wait, what about the fluorescent paint?” “I don’t need to see it. Your word is enough.” “But…” Er wandte sich bereits zum Gehen. Na toll, dann hab ich den Mist umsonst gekauft? Na wenigstens hat es funktioniert… Irgendwie. Uneins, ob ich enttäuscht oder erleichtert sein sollte, begab ich mich zurück zu meinen Maschinen, und schliesslich Nachhause.
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