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Noise in the silence - Bow River Ranch Story

Geschrieben von Veija im Blog Veijas Real Life Gedöns ^-^. Ansichten: 131

Noise in the silence
Zeitliche Einordnung: Mai 2021
April 2022, by Ravenna & Veija
Tschetan
Ich streckte meinen Körper Seesternartig aus, drehte mich dann auf die Seite, um mein Handy zu erreichen. Dabei zuckte ich zusammen - ich zog mir selbst an den Haaren. Der Wecker zeigte gerade 5 Uhr an. Mir missfiel das einerseits. Andererseits richtete ich mich auf, nachdem ich den Wecker aus und meine Haare befreit hatte. Mit den Händen strich ich mir über das Gesicht, klatschte die Hände gegen meine Wangen, um die Müdigkeit aus mir heraus zu bekommen. Anschließend rollte ich über das Bett, um den Raum zu erhellen.
Der Anblick war noch immer seltsam. An das große Bett dagegen hatte ich mich schnell gewöhnt. Nicht mehr meine Schwester im selben Raum atmen zu hören, hatte mich einige Zeit gekostet. Vor knapp 2 Wochen hatte ich endlich das versprochene Zimmer im Haupthaus beziehen können, mit einer tollen Aussicht auf den Wald und einen Teil der Berge. Von hier aus konnte ich bei guter Sicht den Eingang zur Ferienranch sehen. Allerdings befand ich mich nicht auf der Sonnenseite des Hauses. Diese würde genau in der anderen Richtung aufgehen. Ich konnte gerade so erahnen, dass die Dämmerung einzusetzen begann. Vom Boden klaubte ich meine Shorts vom Vortag und warf sie in den Wäschekorb, drehte die Socken wieder auf richtig herum und zog sie mir an. Dabei schaute ich mich etwas um. Wo war die Hose gestern gelandet?
Wenig später schlich ich mich mit meinen Boots in der Hand die Treppe hinunter. In der Küche kippte ich mir schnell ein Glas Wasser in den Rachen - das musste als Frühstück genügen. Anschließend - mit dem Hut auf dem Kopf - befand ich mich bereits auf dem Weg in den Stall. Seit einigen Wochen hatte mir Caleb die Pflege und das Training von zwei der Pferde anvertraut. Nicht nur das, ich hatte sie mir aus allen Jungpferden aussuchen können. Ich hatte mich dabei für eine zweijährige Stute namens Like a Prayer entschieden, die ich überhaupt einmal an den Menschen gewöhnen musste - nachdem sie ihre meiste Zeit auf den weitläufigen Weiden am Nordhang verbracht hatte. Colonels Blue Splash war meine nächste Wahl: eine solide vierjährige Fuchsstute, die es mir mit ihrer Neugierde zum Menschen angetan hatte. Vor allem aber mit ihrer Ruhe. Laurence hatte letztens einen der Bäume fällen müssen. Während also die Kettensäge angeworfen wurde und nach und nach die Äste flogen. An diesem Tag war sie mir im Gedächtnis geblieben. Also hatte ich nicht lange gezögert, sie zu wählen. Als Pferd für die Ferienranch war sie damit hervorragend geeignet. Beide Stuten teilten sich ein Paddock, damit ich nicht nur ihr Training, sondern auch ihre generelle Pflege übernahm. Und an Tagen wie heute trieb es mich auch sehr früh aus dem Bett.

Am Eingang des Paddocks stand die Badewanne voll mit Wasser. Ich schüttete mir ein wenig des kalten Nass ins Gesicht, um auch den letzten Anflug von Müdigkeit aus dem Gesicht zu bekommen. Anschließend widmete ich mich den Haufen der beiden Stuten, die es aus dem Weg zu schaufeln gab. Immerhin war ich so die elendigen Boxen los. Das nasse Stroh oder die Späne aus den Ecken zu holen empfand ich als deutlich ätzender. Aus dem Container füllte ich die Wanne weiter mit Wasser und lugte hinein, um zu sehen, wie viel Wasser noch darin war. Ich beschloss, diesen am Wochenende zu füllen. Ein kritischer Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich noch genügend Zeit hatte, um mit Blue Splash zu arbeiten. Zügigen Schrittes holte ich mir also den Strick samt Halfter aus der Sattelkammer. Vorerst beschränkte sich meine Arbeit auf den Round Pen. Blue Splash hatte bereits gelernt sich im Round Pen zu bewegen, sich überall anfassen zu lassen und vor allem war aufgefrischt worden, die Hufe zu geben. Aktuell lernte sie auf leichten Druck zu weichen und meiner Körpersprache dabei zu folgen. Dabei beschäftigte ich sie gern mit den Pylonen: Slalom oder die liegende Acht. Heute hatte ich eine ganz neue Übung mit ihr vor.
Da sie mittlerweile gut gelernt hatte seitwärts an mich heran zu treten wollte ich mit ihr an der Aufstiegshilfe stehen. In ihrer künftigen Aufgabe als Ferienranchpferd, musste sie auch von ungeübteren oder nicht so gelenkigen Reitern bestiegen werden. Dafür war es besonders wichtig, dass sie ruhig an der Aufstiegshilfe stand. Also nahm ich nach dem putzen die solide Box mit in den Round Pen. Nach einer kurzen Aufwärmphase holte ich die Box zu mir rein, ließ sie die junge Stute begutachten, nahm sie dann wieder auf und trug sie an eine andere Stelle. Dort stellte ich mich auf die Box. Neugierig kam Blue Splash näher. Ich gab einen kleinen Pfiff von mir für sie als Bestätigung, strich ihr mit der Hand zwischen die noch plüschigen Ohren. Dann gab das Handzeichen für die junge Stute seitlich zu mir zu kommen. Kurz ratterte es in ihrem Kopf, dann tat sie einen fragenden Schritt auf mich zu. Also ließ ich wieder meinen kleinen Pfiff hören.
"Das hast du dir von Louis abgeschaut, oder?", vernahm ich Cayce Stimme hinter mir.
"Was meinst du?"
"Das Gepfeife. Louis hör ich auch in einer Tour mit seinen Pferden pfeifen." Ich musste schmunzeln.
"Wir haben beide vom selben Großvater das Reiten gelernt. Ich denke, daher kommt das. Um ehrlich zu sein habe ich nie gefragt, wieso er das macht. Ich habs einfach kopiert." Dabei kratzte ich mir lachend am Hinterkopf.
"Viel Erfolg beim Training", wünschte mir Cayce und fasste sich dabei an den Hut.

Aimee
“Hm?”, horchte ich auf, als mein Vater zum wiederholten Mal meinen Namen rief.
“Aimee, mach doch mal den Eierkocher aus. Mensch Kind, was ist denn in letzter Zeit los mit dir?”, damit drehte er sich um und verließ die Küche des kleinen Bungalows. Ich stand seufzend auf, ging zum Eierkocher und zog den Stecker aus der Steckdose. Augenblicklich hörte das nervtötende Piepsen, das mir bis eben völlig entgangen war, auf zu nerven und verstummte. Irgendwie hatte ich vergangene Nacht nicht gut geschlafen und war heute komplett gerädert. Dagegen konnte auch der Kaffee, den ich ab und zu morgens trank, nichts ausrichten. Der einzige Trost, der sich mir heute bot, war der Wochentag. Freitag. Der Nachmittagsunterricht beschränkte sich auf zwei Unterrichtsstunden nach dem Mittagessen. Das Wochenende näherte sich mit großen Schritten.
Ich schüttete das Wasser der Eier im Waschbecken ab. Der warme Dampf erwärmte mein Gesicht und vertrieb tatsächlich einen Teil meiner Müdigkeit.
Aus dem Schrank kramte ich zwei Eierbecher hervor, die ich mit Eiern befüllt auf den Tisch stellte.
Wenig später kam Brian wieder in die Küche und setzte sich an den Tisch. “Soll ich später aus Calgary noch das Kraftfutter für die Pferde mitbringen? Ein paar Säcke bekomm ich ja in den Kofferraum.”
“Ja, das wäre gut. Frag Caleb gleich noch, dass er dir einen Scheck mitgibt. Dann kannst du direkt bezahlen.”
“Wenn gleich noch Zeit ist”, murmelte ich und sah auf die Uhr. Ich musste mich so langsam ranhalten.
“Sonst lass dir halt eine Rechnung ausstellen und nimm die mit… apropos, du nimmst doch gleich die Kids und Tschetan mit rüber, oder?”, ich nickte “der kann dir dann ja tragen helfen. Oder du fragst jemanden, der da arbeitet.”
“Ja, Dad. Ich werd schon klar kommen. Bin ja nicht zum ersten Mal da.”

Eine viertel Stunde später stand ich vor der Tür des Haupthauses und hob die Hand, um zu klopfen. Total dämlich, sonst lief ich dort doch auch ein und aus, was war denn heute los? Vorsichtig drückte ich die Klinke nach unten trat in den dunklen Flur. Hm, war er noch nicht wach? Und sonst war auch noch niemand hier? Oder waren schon alle auf der Ranch unterwegs?
Ich räusperte mich. “Ca… Caleb?”, rief ich in den dunklen Flur hinein und vernahm ein Poltern aus dem 1. Stock. War Tschetan etwa auch noch nicht fertig für die Schule? Kaya und Betsy waren mir bisher auch noch nicht begegnet.
“Ich komm gleich”, rief Caleb dann jedoch von oben zu mir runter. Ich nickte. Im Nachhinein dachte ich mir, dass er das Nicken ja gar nicht hatte sehen können. Schließlich trat ich ganz ins Haus hinein, zog die Tür hinter mir zu und ging in die warme Küche. Dort legte ich meine Hände um die warme Kaffeekanne auf dem Tisch. Morgens war es noch echt kalt draußen.
Wenige Minuten später trat Caleb in die Küche. Er war noch dabei, sich sein Hemd zuzuknöpfen. Es blieb mir erspart, mich peinlich wegzudrehen, weil Caleb unter dem Hemd ein Shirt anhatte. Stattdessen nahm ich meine Hände von der Kanne weg und rieb sie ein paar Mal gegeneinander.
“Wie kann ich dir helfen, Aimee?”, fragte er mich freundlich, nahm eine Tasse aus dem Schrank und schenkte sich etwas des warmen Getränks ein. Ich beobachtete ihn dabei, bis mir bewusst wurde, dass er mir eine Frage gestellt hatte.
“Ich.. äh..”, stammelte ich drauf los und stoppte mit der reibenden Bewegung meiner Hände. “Ich fahr gleich mit dem Auto zur Schule. Hab meinen Dad gefragt ob ich dann schon mal einen Teil des Kraftfutters mitbringen soll. Dazu müsstest du mir aber einen Scheck mitgeben, damit ich das schon mal bezahlen kann, was ich mitnehme.”
“Mmm hm”, antwortete er nur und verschwand aus der Küche. Verdutzt schaute ich ihm nach, bis ich ein “Kommst du?”, aus dem Flur hörte. Unsicher stapfte ich ihm nach.
“Wo bist du denn hin?”, fragte ich ins Dunkle hinein, ehe mich der grelle Lichtstrahl der Deckenlampe kurz blendete.
“Erstmal das Licht anmachen”, verkündete er schulterzuckend, aber mit einem Grinsen auf den Lippen.
Wir kamen in seinem Büro an. Dort standen zwei Tische. Auf dem Rechten herrschte ein sichtliches Chaos um den PC- Bildschirm herum. Der Linke dagegen schien sichtlich aufgeräumter. Es gab verschiedene Stapel mit Unterlagen, alle schön säuberlich und akkurat aufeinander gelegt. Ich grinste kurz. Der Schreibtisch gehörte wohl Ylvi. Ich sah mich weiter im Raum um, während Caleb in diversen Schubladen herum kramte. Gegenüber seines Schreibtisches hing ein neues großes Foto. Es zeigt ein paar der Hengste vor schwarzem Hintergrund. Blue und Gangster waren dabei, natürlich. Aber auch Nachtschwärmer, der seit kurzem verkauft war.
“Hier”, meinte Caleb plötzlich und reichte mir ein Blatt aus dem Scheckheft mitsamt dem Kuli, mit dem er unterschrieben hatte. “Trag einfach später den Betrag ein, für den du Säcke mitbringst. Bezahl nichts weiter im Voraus.” Ich nickte, bedankte mich und verließ das Haupthaus. Kaya und Betsy standen bereits am Wagen, von Tschetan fehlte weiterhin jede Spur.
Hinter mir fiel die Tür erneut ins Schloss, was mich zum umdrehen bewegte. Auch nicht Tschetan. “Caleb ist Tschetan noch drinnen?” Er schüttelte den Kopf. “Habt ihr ihn gesehen?”, fragte ich die Mädchen, klickte gleichzeitig auf den Autoschlüssel, damit das Auto sich auf schloss. Beide verneinten ebenfalls. Wo steckt er denn wieder?
“Ich muss noch grade meinen Schulranzen holen gehen, bin gleich wieder da”, erklärte ich mich und joggte zurück zum Bungalow, holte meine Tasche, verabschiedete mich von meinem Vater und ging zügigen Schrittes zurück zum Wagen. Die Tasche verstaute ich im Kofferraum. Dann beschloss ich Tschetan anzurufen. Er hatte sein Handy zwar fast nie dabei, aber falls doch, ging er immer ran. Gerade hatte er es wohl wieder irgendwo liegen gelassen, denn es kam sofort die Mailbox. Ich schaute auf die Uhr. 5 Minuten Zeit hatten wir noch, dann mussten wir aber wirklich los.

Tschetan
Auf die Minute genau riss ich die Beifahrertür auf, ließ mich ätzend auf dem Sitz nieder und zog Beine und Tür als letztes hinzu. Aimee sah mich ungläubig von der Seite an. “Was?” fragte ich. Gestikulierte nach vorn. “Willst du nicht los?” Keine Regung. Die Mädchen auf der Rückbank kicherten.
“Ist das’n Scherz?”
“Kannst du in ganzen Sätzen sprechen?”, so ganz sah ich immernoch nicht was ihr Problem war. Ich widmete dem Tacho einen Blick, auf dem die Uhrzeit stand. Genau genommen war ich nicht zu spät.
“Der Hut, dein Aufzug. Alter, du miefst nach Pferd. Deine Haare sind nicht gekämmt und wenn ich genau hinseh, find ich sicherlich noch Heu”, kommentierte Aimee.
“So renn ich doch ständig rum?”
“Aber doch nicht in der Schule!”, ich zuckte mit den Schultern.
“Heute dann wohl schon. Umziehen und Duschen würde bedeuten, wir kommen zu spät”, ich deutete dabei mit den Lippen auf die Uhr im Armaturenbrett. Aimee grunzte, schüttelte den Kopf und startete ohne weiteren Kommentar den Motor. Ich warf den Mädchen auf der Rückbank einen Blick zu. Kaya grinste und schlug die Hand vor den Mund, um das Kichern zu unterdrücken. Ich machte eine kreisende Bewegung mit der Faust vor meinem Gesicht. Das Zeichen für ‘verrückt’. Dann zwinkerte ich.
“Schnall dich an!”, ranzte Aimee mich an. Während der Wagen die lange Auffahrt der Ranch hinaus fuhr.
Um nicht weiter in ihren Unmut zu gelangen schnallte ich mich an, zog mir den Hut vom Kopf und steckte ihn fest zwischen Scheibe und Armaturenbrett vor mir. Im Spiegel des Wagens sah ich mir mein Gesicht an. “Im Handschuhfach sind Feuchttücher”, stellte Aimee sachlich fest. Also wischte ich mir den groben Dreck aus dem Gesicht. Anschließend löste ich die beiden geflochtenen Zöpfe und zog mir die Zopfgummis über den Arm, um mit gefächerten Händen meine Haare ein wenig zu kämmen.
“Willst du meine Bürste?” fragte Betsy hinter mir und rechts von mir tauchte eine zierliche Hand mit Bürste auf. Dankbar griff ich danach und kämmte mir meine langen Haare. Mittlerweile kamen keine Kommentare mehr von Aimee, dass ich mich in Bezug auf die Haare schlimmer hatte wie ein Mädchen. Sie hatte ziemlich schlucken müssen, als sie von den Residential Schools erfahren hatte. Noch meiner Großmutter hatte man als Mädchen in eine solche geschickt. Ich trug meine Haare also lang, für all jene Ahnen, denen es nicht erlaubt worden war.
Nach dem Kämmen entfernte ich die Haare aus der Bürste, warf sie aus dem Fenster und gab Betsy ihre Bürste zurück. “Dankeschön”, bedankte ich mich ehrlich bei ihr. “Besser?”, fragte ich in Aimees Richtung, erhielt allerdings keine Antwort von ihr. Ich knuffte sie leicht in die Seite, sie zuckte zusammen, quiekte und sah mich halb lachend, halb ungläubig von der Seite an. Aber ihr Lächeln zeigte mir, dass sie nicht mehr wirklich wütend auf mich war. Ich lehnte mich im Sitz zurück, streckte die Beine so, gut es eben ging, aus und genoss den Ausblick aus dem Fenster. Noch ein paar Monate dann hatte auch ich endlich den 16. Geburtstag hinter mir und durfte fahren.

An der Schule trennten sich unsere Wege ab dem Auto. Ich nahm Kaya in den Arm, küsste sie auf die Stirn. “Tschetan, du bist peinlich!”, schimpfte sie dabei mit mir. Ich zog eine Augenbraue nach oben, sah Betsy an.
“Wann hat meine kleine Schwester beschlossen ihr Bruder sei peinlich?”, Kaya kicherte leise. “Als mein Bruder beschlossen hat, sich noch schlimmer als Louis zu benehmen!”, damit verschwanden beide Mädchen mit kichern. Ich spürte noch immer ein leichtes Zittern in mir, jedes mal, wenn Kaya sprach.
“Wohin starrst du?” hörte ich eine mir mittlerweile bekannte Stimme in meinem Rücken. Nicholas trat an meine Seite, die Hand an der Stirn, als würde er seine Augen gegen die Sonne abschirmen. “Gibt´s da heiße Mädchen zu sehen,mhm?”
“Ich hoffe doch nicht, dass du ein Auge auf meine Schwester geworfen hast, sonst müsste ich dich töten”, knurrte ich spielerisch. Nicholas verweilte in seiner Pose.
“Niemand tötet hier irgendwen. Bewegt euch Jungs. Ab zum Unterricht!”, scheuchte uns Aimee los. Ich spürte ihre Hand in meinem Rücken, wie sie Nicholas und mich vorwärts schob. Wann war das eigentlich passiert?
Seit dem Tag an den heißen Quellen…und der Zeit, in der Nicholas auf der Ranch half. Irgendwie hatte er sich in den kleinen Kreis unserer Freunde geschlichen. Wie lang war das jetzt her? 1 oder sogar fast 2 Monate? Nur Aimee fand ich von Zeit zu Zeit noch bei Bryce….und noch immer mochte ich nicht, dass sie mit ihm zusammen abhing. Selbst Nicholas hatte mir einmal zugestimmt…dass sein ehemaliger Kumpel nicht der beste Umgang war. “Was hast du als erstes?”, fragte ich Aimee.
“Geschichte, bei Mrs. McIntosh …genau wie du auch!”
“Dann trenn ich mich noch draußen von euch, Doppelstunde Sport,” seufzte Nicholas.
“Dann sehen wir uns in der Mittagspause.” trällerte Aimee. “Komm jetzt!”

Ylvi
Seitdem Aimee die gesamte Bande mit zur Schule nehmen konnte, hatte sich mein Leben ziemlich erleichtert. Plötzlich hatte ich einen fast ungewohnten Raum an Zeit am Morgen. Abgesehen davon hatten Louis und ich den Bungalow auch immer öfter für uns allein. Tschetan hatte drüben im Haupthaus eines der Zimmer bezogen. Betsys Zimmer wurde auch bereits fertig gestellt. Solang bewohnte sie hier bei uns mit Kaya das Zimmer. Immer häufiger nahmen wir unser Frühstück auch drüben im Haupthaus ein. Wir hatten Dells Tod noch nicht alle vergessen, würden es vermutlich nie. Aber ein jeder hatte seinen eigenen Frieden damit geschlossen. Die Situation mit Caleb hatte sich beruhigt. Wir hatten nicht weiter über die Küsse gesprochen. Oder im generellen viel über uns. Trotzdem verbrachten wir viel Zeit. Die beiden Mädchen, Louis, Caleb und ich. In Calgary sorgten wir gern mal für verwirrende Blicke von fremden Menschen. Louis hatte ich in einem ruhigen Moment von den Küssen mit Caleb berichtet.
Zu meiner Überraschung war daraufhin kein Streit entstanden. Keine Vorwürfe.Genau in solchen Momenten wurde mir klar, wieso ich Louis an meiner Seite hatte. So anders als Caleb. Dabei fielen mir immer wieder seine Worte ein von einst. Dort oben auf dem Hügel an dem Tag als Louis mir das Leben gerettet hatte. Wolf und Rabe.
Sie führten eine Symbiose. Doch eine jede Spezies band sich auf Lebenszeit an einen einzigen Partner. Lange Zeit hatte ich die Worte für Irrsinn gehalten. Doch immer häufiger kam mir der Gedanke das es vielleicht gar nicht mal so verkehrt war. Die Anziehung, die Gefühle die ich für Caleb empfand, konnte ich nicht ignorieren. Offenbar erging es ihm da ähnlich. Wir hatten ein Miteinander gefunden. Arbeiteten normal gemeinsam. Doch eine gewisse Distanz herrschte. Ich konnte allerdings nicht sagen ob es an unserer erneuten Annäherung lag, oder seinem generellen Unmut darüber, dass Louis und ich die vorläufige Vormundschaft für Betsy übernommen hatten. Zumindest war ich froh, dass er es gut verbergen konnte, wenn wir unterwegs waren mit den Mädchen.
Plötzlich wurde die Welt um mich herum duster. “Wolltest du nicht abwaschen, statt in die Luft starren?“, hörte ich Louis amüsierte Stimme in meinem Ohr. Er nahm die Hand von meinem Gesicht, stattdessen spürte ich sie an meiner Schulter. “Erwischt”, murmelte ich. Starrte hinunter auf meine Hände, die im Wischwasser hingen. “Ein wenig Tagträumen sei dir erlaubt.”
“Zu gütig.”
“In der Zeit wie du hier rumstehst, hatte ich Zeit das Bad zu reinigen und dich dabei zu beobachten, wie du in der Gegend rumstarrst.”
“Ah ein Stalker also?”
“Ich hab eher daran gedacht, wie schrecklich langweilig wir geworden sind.”
“Langweilig?”
“Überleg doch mal. Wir haben heute einen kinderfreien Tag. Vor drei Jahren hätte ich dafür gesorgt, dass wir den ganzen Tag nicht aus dem Bett kommen”, schnurrte er neben mir. Ich schenkte ihm einen Blick mit erhobener Augenbraue. Soso. “Stattdessen sind wir spießig und putzen das Haus.”
“Vor drei Jahren hätten wir allerdings auch nicht jederzeit mit einer Überprüfung durch das Jugendamt rechnen müssen”, stellte ich nüchtern fest. “Aber wir könnten nach dem Abwasch einen Ausritt machen.”
“Jetzt, fängt es an interessant zu werden“, sprach Louis anzüglich. Ich schüttelte meine nasse Hand in seine Richtung.
“Draußen, mit den Pferden!”, lachend wich er mir aus. Küsste mich auf die Wange.
“Dann widme ich mich mal meinem Stalltrakt und wir sehen uns später?”
“Geh schon!” scheuchte ich ihn davon, musste lächeln und kehrte nicht zu meinen trübsinnigen Gedanken zurück.

Aimee
Ich hasste Geschichtsunterricht. Also eigentlich liebte ich Geschichte- und Tschetan saß eh jedes Mal gerade, wenn irgendwas über die Native American gesprochen wurde. Aber bei Mrs. McIntosh, bei der ich mich wirklich fragte, wer diese Frau freiwillig geheiratet hatte, verging mir der komplette Spaß daran.
“Aimee, wie hieß der 1. Präsident der Vereinigten Staaten?”, fragte sie mich. Natürlich, sie wusste immer genau, wann ich ihr nicht zuhörte. Dumm nur, dass ich die Antwort wusste.
“George Washington”, antwortete ich mit gestreckter Brust. Pah, die Antwort war goldrichtig.
“Und wie hieß der zweite?”, fragte sie mich weiter.
Diesmal musste ich überlegen. Jefferson oder Adams? Nein, Jefferson kam später, dann muss es wohl Adams sein.
“Adams…ähm, John Adams.”
Mrs. McIntosh nickte. “Der Dritte?”
“Thomas Jefferson”, kam meine Antwort wie aus der Pistole geschossen.
“Von wann bis wann?” Uff. Tschetan sah mich zerknirscht von der Seite an und zuckte kaum merklich die Schultern. Er konnte mir also auch nicht helfen. Also musste ich drauflos raten.
“1800 bis 1810?”, fragte ich unsicher.
“Fast”, antwortete die Lehrerin. “1801 bis 1809. Für die Klausur nächste Woche möchte ich alle 46 Präsidenten wissen. Wer die Daten dazu schreibt, bekommt Extrapunkte. Feierabend für heute.” Mit diesen Worten klingelte die Pausenglocke. Mir fiel die Kinnlade runter. Alle Präsidenten plus Jahreszahlen? Wann würde ich diesen Blödsinn in meinem Leben nochmal brauchen? Richti, niemals.
“Manchmal hab ich das Gefühl, die ist verrückt”, sagte Tschetan und setzte sich schräg auf meinen Tisch. Ich war nur durch Zufall hier in seiner Klasse gelandet. Eigentlich war nur in der Parallelklasse ein Platz frei gewesen. Doch hier in dieser musste ein Schüler mit seiner Familie umziehen, so dass ich nun doch hier war. Darüber war ich nun unglaublich froh, denn Tschetan und ich konnten uns bei den Hausaufgaben unterstützen- oder eher voneinander abschreiben. In manchen Fächern war er unglaublich gut, in anderen ich.
Es klingelte wieder, die kurze Pause war vorbei und es ging mit Englisch weiter. Eins meiner Lieblingsfächer.
Fünf Schulstunden später war endlich Mittagspause. Tschetans und mein Weg trennten sich im Flur getrennt, als Bryce auf uns zukam. Mit einem “Würgs” verschwand Tschetan im Gang rechts von uns.
“Hey Aimee, wie gehts dir?”, umschwärmte Bryce mich, stellte sich neben mich und zog mich an der Hüfte näher an ihn heran.
“Gut, gut”, war meine knappe Antwort. Irgendwie war mir heute nicht so wirklich nach ihm zumute.
Er zog mich noch enger zu sich rüber. “Kommst du mit raus zu den Jungs?”
“Klar”, antwortete ich reflexartig, obwohl ein ‘nein’ in meinen Gedanken kreiste. Zusammen mit ihm ging ich also raus zu den Jungs. Ein paar der Cheerleaderinnen standen auch dabei. War ja klar, dass die Sportlerjungs die Cheerleadermädels anzogen. Wie ich allerdings darein passte, das wusste ich bis heute nicht. Ich fand Cheerleading toll, konnte mir aber selbst nicht vorstellen, von einer Menschenpyramide runterzuspringen und wie eine Katze auf den Füßen zu landen. Da saß ich lieber im Sattel, obwohl ich wirklich kein Profi darin war.
Die Mädels erzählten von ihrem letzten Training und wie unglaublich anstrengend das gewesen war und wie unglaublich erschöpft sie gerade waren, und dass man Football doch gar nicht mit Cheerleading vergleichen konnte. ‘Würgs’ dachte ich und meine Gedanken kreisten augenblicklich um Tschetan. Wo war er hin verschwunden?
Ich ließ meinen Blick schweifen. Heute bei dem tollen Sonnenschein hatte es fast alle Schüler in der Mittagspause nach draußen verschlagen. Kaya und Betsy saßen mit ein paar anderen Mädchen auf einer großen Decke und aßen ihr Mittagessen. Tschetan stand.. natürlich. Drüben bei den Bänken bei den anderen Natives. Wo hätte er auch sonst sein sollen? Allerdings hatte sich Nicholas zu ihm gesellt, das war neu. Er und Bryce schienen nicht mehr so gut miteinander auszukommen. Tschetan hob den Blick und schaute zu mir rüber. Ich lächelte ihn an, er lächelte kurz zurück.
Bryce war meinem Blick gefolgt und räusperte sich, womit er meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. “Ihr habt euch vor fünf Minuten noch gesehen, vermisst du die Rothaut etwa schon?” Plötzlich verstummten alle in unserem Kreis. Jeder wusste, dass Bryce es auf die Jungs (und natürlich Mädchen) drüben abgesehen hatte. Ich gab ihm die Chance, seine Aussage noch einmal zu überdenken.
“Bitte?”, fragte ich ihn spöttisch und verschränkte die Arme vor der Brust.
“Ich hab dich gefragt, ob du die Rothaut da hinten etwa schon vermisst. Ihr könnt den Blick gar nicht voneinander lassen.”
“Kannst du mal aufhören ihn so zu nennen?”, erhob ich meine Stimme. Die anderen tauschten fragende Blicke. “Er heißt Tschetan. So wie ich Aimee heiße und du Bryce. Wieso musst du immer gleich rassistisch werden?”
“Die Rothäute haben hier auf unserer Schule nichts verloren, die haben ihre eigenen Reservate oder was auch immer, wo sie hingehen können. Was machen die überhaupt hier?” Zustimmendes Gemurmel aus dem Kreis.
“Weißt du was Bryce? Fick dich. Dich und deine rassistische Meinung. Ich hab echt gedacht, der Schlag ins Gesicht hätte dir einen Denkzettel verpasst. Aber anscheinend bist du wirklich ein Arschloch… Ich geh dann mal zu den Rothäuten, wie du sie so charmant nennst. Ciao!” Damit wollte ich abdampfen, doch Bryce hielt mich am Arm fest. Ich wurde etwas lauter. “Lass mich los!”
“Erst haut der indianische Spast mir eine rein, dann klaut er meinen besten Freund und jetzt stiehlt er auch noch mein Mädchen?” Bryce machte einen Schritt auf mich zu, niemand in der Runde schien auch nur zu atmen, alles schien sich in Zeitlupe abzuspielen.
Plötzlich spürte ich Hände, die mich von hinten erfassten und von Bryce wegzuziehen versuchten. Ebenso machte sich jemand an Bryce’ Hand zu schaffen, um sie von meinem Arm zu bekommen. Benommen schüttelte ich den Kopf, ich sah wieder klarer. Zwischen meinen “Rettern” Tschetan und Nicholas sowie Bryce hatte sich ein heftiges Wortgefecht aus rassistischen Beschimpfungen und sonstigen Schimpfwörtern entwickelt.
Endlich hatte Nicholas meinen Arm befreit. Gemeinsam mit Tschetan stolperte ich einen Schritt nach hinten, doch er fing mich geschickt auf. Nicholas diskutierte noch immer mit Bryce.
“Wie kann sich ein Mensch so verändern? Mensch Bryce, wir waren beste Freunde!”
“Wie kann mein bester Freund mir einfach so den Rücken kehren und einem anderen Kerl so in den Arsch kriechen!”
“Was ist aus dir geworden?!”, keifte Nicholas und drehte sich zum Gehen.
“Ja, nimm das Gesocks von der Ranch gleich mit, ihr seid doch alle nicht ganz normal!”
Ich wollte ansetzen, um noch etwas hinzuzufügen, doch war augenblicklich damit beschäftigt, Tschetans Faust festzuhalten und ihn wegzuschieben. “Nicht nochmal”, flüsterte ich ihm zu, berührte dann seine Schultern und drehte ihn zum Gehen um.
Aus dem Augenwinkel folgte ich Bryce’ Blick zu Kaya und Betsy rüber. Auch Tschetan war seinem Blick gefolgt. “Halt dich bloß von ihnen fern!”, knurrte er.
‘Er wird doch nicht?’, dachte ich.
Als wir uns ein paar Meter entfernt hatten, seufzte Nicholas. “Er war nicht immer so.” Ich sah ihm dabei zu, wie er zurück schaute und etwas murmelte wie: ‘Warum war ich eigentlich mit ihm befreundet?’

Wenige Stunden später saßen wir im Auto. Nicholas hatte sich dazu gesellt, er saß hinten in der Mitte zwischen Kaya und Betsy und schien mit den Beiden den Spaß seines Lebens zu haben. Immer wieder sah ich Tschetan einen kurzen Blick in den Seitenspiegel zu werden, in dem er Kaya lachen sah. Niemand von uns ‘Großen’ schien Worte über die Sache mit Bryce verlieren zu wollen. Schließlich erhob Tschetan doch die Stimme: “Kaya, Betsy. Habt ihr gesehen, was in der Mittagspause vorgefallen ist?”
Die zwei nickten.
“Ich möchte, dass ihr euch von diesem Jungen, Bryce, fernhaltet. Wenn er auf euch zukommt oder euch belästigt, bleibt nicht stehen, geht weg und sucht euch jemanden, der euch helfen kann. Zur Not einen Lehrer.”
“Tschetan, ich glaube nicht, dass er so etwas tut”, mischte sich Nicholas kleinlaut ein. “Ich meine ja, er ist ein Arsch und ja, er ist rassistisch. Aber er wird sich doch von den Kindern fernhalten…”
“Teenies”, warf ich ein.
“Was?”
“Kaya und Betsy werden dieses Jahr schon 12. Kinder ist da gut gesagt”, ich lachte, um die Situation doch ein wenig aufzulockern. “Apropos Nicholas. Gut, dass du dabei bist. Wir müssen noch zum Laden und Kraftfutter für die Pferde abholen. Dann kannst du tragen helfen.”
“Na großartig”, antwortete er mir lachen.

Beim Laden angekommen klärte ich die Bezahlung anhand des Schecks, während Tschetan und Nicholas die Säcke einluden. Akribisch studierte ich die Rechnung, ehe ich den geforderten Betrag in den Scheck eintrug und ihn schließlich, nach einer weiteren Kontrolle, überreichte. Es handelte sich um ein paar hundert Dollar- und dabei nahmen wir gerade mal einen Teil des Futters mit. Ein Pferd war schon teuer, aber eine ganze Ranch? Die ganzen Kosten zu stemmen erschien in meinen Augen unmöglich!
Wieder auf der Ranch angekommen trafen wir sofort auf Caleb. “Bringt ihr die Säcke bitte in die Futterkammer des Hauptstalls?” Wir nickten alle fleißig, dann ging er wieder seiner Wege.
Kaya und Betsy verschwanden in Richtung des Bungalows, während ich das Auto vor den Hauptstall stellte, damit wir noch so weit tragen mussten. Zum Glück kamen uns Cayce und Bellamy entgegen und halfen uns beim Ausladen.
“Nicholas ich hab gesehen, deine Eltern verkaufen einen ihrer dreijährigen Hengste? Oder stellen ihn zur Verfügung?”, fragte Cayce.
Nicholas nickte. “Ja, Rocket… ich meine Rocking Waves. Ein tolles Tier.”
“Caleb hat ein Auge auf ihn geworfen, er wollte jetzt am Wochenende auf Turnier fahren und ihn sich vielleicht auch anschauen, er fährt ja quasi an eurer Haustür vorbei dazu.”
“Caleb fährt weg? Jetzt?”, fragte Tschetan ungläubig und runzelte die Stirn. “Aber die Frau vom Jugendamt kann doch zu jeder Zeit kommen?”
Cayce zuckte die Schultern. “Er wird wohl wissen, was er tut.”
“Ich wusste gar nicht, dass ihr auch Pferde habt?”, mischte sich Bellamy interessiert ein.
“Wir besitzen eine kleine Deckstation, manchmal wird da auch ein wenig hin und her getauscht. Rocket ist so ein Tausch, aber meine Eltern haben einfach keine Zeit für eigene Pferde, geschweige denn, sie auf Turnieren vorzustellen. Wir haben noch drei Wallache, unsere Freizeitpferde. Aber Rocket fällt aus dem Raster… vielleicht nimmt Caleb ihn ja auch zur Verfügung und stellt ihn auf Turnieren vor? Wenn er gut ist, kann er in ein paar Jahren zurück zu uns kommen zum Decken.”

~ Ein paar Tage später ~

Ankunftsbericht von Thiz Bye Bye Bay
Trainingsbericht für Gunners Styled Gangster (Reining LK 3 - LK 2), Heza Bat Man (Reining LK 5 - LK 4) und GRH’s Bellas Dun Gotta Gun (Reining LK 3 - LK 2)

Caleb
Selbstsicher verließ Gangster die Laderampe des Pferdeanhängers. Erst als all seine Hufen knirschend im Schotter zu Stehen kamen, reckte er den Hals in die Luft und wiehrte einmal laut. Aus dem Inneren des Hängers antwortete ihm Batman lautstark. Auch Barbie machte sich bemerkbar. Ein paar Pferde wieherten ebenfalls. Manche ganz nah und lauter, andere weiter weg und leiser. Ich befand mich mit den Pferden auf dem Gelände des ersten Turniers für dieses Jahr. Mit an Bord hatte ich nur meine drei Pferde Gangster, Batman und Barbie. Für das Training mehrerer Pferde hatte mir die Zeit gefehlt. Für Batman würde es auch das erste Turnier unter mir sein. Ich war wirklich gespannt, wie der Hengst sich in fremder Umgebung machte. Barbie und Gangster hatte ich schon ein paar Mal mit auf Tour gehabt, weshalb sie auf den ersten Blick ruhiger zu sein schienen. Batman würde ich in der LK 5 vorstellen und meine beiden anderen Pferde in der LK 3, um alle drei für höhere Turniere in diesem Jahr zu qualifizieren. Blue war bewusst zu Hause geblieben. Mit ihm zusammen hatte ich bereits so viele Erfolge mein Eigen nennen können, und er machte sich bei der Rancharbeit und im Reitunterricht so gut, da brauchte ich ihn mir nicht mehr auf den Turnieren zu verheizen. Und Gangster? Tja, Gangster würde hoffentlich noch ein paar Turnierjahre vor sich haben. Nach und nach rückten nun aber auch die Jungpferde auf, so dass ich mir um den Turniernachwuchs keine Sorgen machen musste. Eine Ranch präsentierte sich am Besten durch seine Nachzucht, die … erfolgreich auf Turnieren abschnitt. ‘Und dann hast du nur eins deiner Nachwuchspferde dabei’, lachte ich innerlich und drückte einem der Helfer auf dem Turnier meinen Hengst in die Hand. Es war ein kleines Turnier, jeder kannte hier jeden. Deshalb hatte ich auf eine Begleitung verzichtet. Freundliche Helfer gab es hier zur Genüge.
Nachdem alle drei Hengste in ihren Paddockboxen verstaut waren und Gangster sich beruhigt hatte, schlenderte ich zum Abreiteplatz, um mir die Konkurrenz anzuschauen. Eines der Pferde fiel mir sofort ins Auge. Ein hübscher Braunschecke mit schwarzer Mähne und weißem Schweif. Ein wirklich unglaublich hübsches Tier! Eine ganze Weile schaute ich dem Training dieses Pferdes zu. Mir fiel sofort auf, dass er schnell überfordert schien, rollte sich vorne ein und entzog sich den Zügelhilfen. Ich blickte auf die Uhr. Batman hatte heute Abend noch seinen ersten Start, wenn ich ihn in Ruhe an die Umgebung gewöhnen und warmreiten wollte, musste ich ihn gleich fertig machen.
“Entschuldigen Sie”, sprach ich den Reiter des Schecken an, “starten sie auch später in der LK 5?” Er nickte. “Perfekt, Sie haben da ein wirklich hübsches Tier!”, lobte ich das Pferd.
“Hübsch ist er wirklich, leider nicht unglaublich talentiert. Das hier ist jetzt sein… ich glaube sechstes Turnier. Wenn er sich heute auch nicht gut macht, werden wir ihn verkaufen.” Ich schmunzelte.
“Wie ist er denn gezogen, wo kommt er her?”
“Wir haben ihn seit er ein Jährling ist. Er kommt von einer Farbzucht in Montana. Vater ist Town ain’t big enough und die Mutter Worth the wait”, erklärte mir der Mann und klopfte den Hals des verschwitzten Hengstes.
“Ich bin immer auf der Suche nach neuen Pferden”, lachte ich und stellte mich vor.
“Bow River Ranch? Davon hab ich schon gehört”, er schien in seinem Gedächtnis zu kramen, “Reiner und Cutter kommen von da, nicht wahr? Startest du auch später?”
“Ja genau”, antwortete ich und erzählte ihm kurz etwas zu den drei Pferden, die ich mitgebracht hatte.
“Ist davon eins zu verkaufen?”
Ich verneinte.
“Schade, aber vielleicht sagt dir Benny hier ja zu.”
Etwa eine Stunde später saß ich auf einem von oben bis unten rausgeputzten Batman. Ich strich ein letztes Mal über meinen schwarzen Hut, ehe ich ihn auf den Kopf setzte und mit dem Abreiten begann. Ich gab dem Hengst genug Zeit, sich die Umgebung zunächst anzuschauen. Ich wollte vermeiden, dass er mir wegen eines flatternden Vorhangs oder einem Knacken im Lautsprecher wegsprang, dessen Existenz er vorher nicht zur Kenntnis genommen hatte. Der schicke Scheckhengst, dessen Name Benny, also eigentlich Thiz Bye Bye Bay war, hatte sich eine Pause verdient und wartete am Rand, während sein Reiter gewechselt wurde. Der Mann, der ihn eben geritten hatte, schien nicht der zu sein, unter dem der Hengst gleich laufen würde. Ich schmunzelte. Unüblich war das nicht. Ich war gespannt, wie der Hengst sich unter seinem richtigen Reiter machte.
Nachdem Batman abgeritten war, ließ ich ihn noch ein paar Runden am langen Zügel drehen. Als Benny aufgerufen wurde, verließ ich mit ihm den Abreiteplatz und stellte mich am Rand auf, um dem Ritt beizuwohnen. Batman schaute sich interessiert um, ließ sich gar nicht verrückt machen von dem ganzen Trubel und ließ wenige Sekunden später den Kopf und die Unterlippe hängen.
Benny zeigte schon beim Einreiten Schwierigkeiten. Meines Erachtens nach war er viel zu lange und zu hart abgeritten worden. Er betrat schon klatschnass den Platz. Da hatte es auch nichts gebracht, ihm eben eine kurze Pause zu gönnen. Das ruhige Stehen an X schaffte der Hengst schon nicht, das reindrehen in die Spins war eine Katastrophe. Bei der zweiten Richtung machte er sogar einen Hopser nach vorne, da er mit Galopphilfen gerechnet zu haben schien. Mit einem Ruck an der Kandare wurde er zurück nach hinten gezogen, ehe der Spin in die andere Richtung folgte. Die Spins waren nicht schlecht, aber der Hengst stand so unter Spannung, dass er sein Potenzial gar nicht zeigen konnte. Der Rest der Pattern war eine ebenso große Katastrophe, wie ihr Anfang. Zerknirscht streichelte ich Batmans Hals. Würde das ein Mitleidskauf werden oder hatte Benny vielleicht doch das Zeug, gar nicht so schlecht zu sein, wenn man ihm Zeit ließ?
Nach dem Ritt verschwand der Reiter des Hengstes mit hochrotem Kopf und einem 0 Score, einer der Roll Backs war in die falsche Richtung gewesen, auf dem Abreiteplatz. Noch bevor er den Hengst für seinen Misserfolg, der zu 100% auf den Reiter zurückzuführen war, strafen konnte, griff ich ein. “Ich kauf den.”
“Wie bitte?”, der Mann mit dem roten Kopf schien verwirrt.
“Entschuldigen Sie, ich hatte eben beim Abreiten des Hengstes mit dem … Dude gesprochen, der ihn abgeritten hat. Er meinte, wenn Benny heute auch nicht läuft, geht er weg. Ich hätte ihn gerne.”
“Was zahlen Sie denn?”
“Das, was er wert ist.”
Nach einigem Feilschen einigten wir uns auf einen eher niedrigen Preis. Der Hengst wurde in die freie Paddockbox neben meinen Hengsten gebracht. Ich würde später nach ihm sehen, jetzt musste ich erst einmal mit Batman starten und ein besseres Beispiel für den Reitsport abgeben, als der Dude mit Benny.
Batman war gelassen, hörte mit wunderbar zu und stand an X auch wirklich still. Die Spins waren langsam aber genau. Es kam mir heute nicht auf Schnelligkeit sondern auf Sauberkeit an. Die Zirkel waren okay für meine Ansprüche, ich musste ihm noch viel helfen, die Spur zu halten – aber das war in Ordnung. Die Galoppwechsel waren nur einfache mit einer kurzen Trabphase dazwischen, Punktabzug würde es dafür nicht geben, aber auch keine Pluspunkte. Die Sliding Stops und Roll Backs waren ebenfalls langsam aber sauber. Wir verließen den beleuchteten Platz mit einem 69er Score. Einen Punkt Abzug gab es, weil es mir beim zweiten Roll Back im Außengalopp angesprungen war. Kann passieren, war kein großes Ding.
Als ich am noch Besitzer von Benny vorbeikam hielt ich kurz an und sagte: “Ich veranlasse gleich die Überweisung des Geldes für den Hengst.” Er übergab mir die Papiere und einen hingekritzelten Kaufvertrag. Dann dampfte er mit noch immer hochrotem Schädel davon.
Nach einem kurzen Abreiten von Batman, der nun auch sichtlich geschwitzt hatte, fand ich mich wieder im Stalltrakt ein, in dem meine Tiere untergebracht waren. Ich versorgte Batman, band ihn mit Abschwitzdecke in der Box an und näherte mich der Box meines neuen Scheckhengstes. “Hey, Benny”, sagte ich leise und öffnete die Tür. Die Ohren des Hengstes flogen sofort nach vorne und er kam neugierig auf mich zu. “Du bist ein Braver, nicht wahr?”, ich streichelte über seinen warmen Kopf. Augenblicklich fiel mir auf, dass er komplett verschwitzt ohne Decke hier stand. Ich ging also kurz zu meinem Trailer und nahm eine der Ersatzdecken, die ihm von der Größe her mit Sicherheit passen musste. Zum Glück hatte ich immer mehr Decken dabei, als ich brauchte. Er schien dankbar über die Wärme zu sein, denn seine Hinterhand hatte zu zittern begonnen. “Armer Kerl …”, murmelte ich und entschied dann, ihn über Nacht auch mit einer gefütterten Decke einzudecken.
Auf dem Weg zurück zum Trailer autorisierte ich die Überweisung des Kaufvertrages für den Hengst. Nun hatte ich offiziell ein neues Pferd. Ich schmunzelte. Die Farbzucht in Montana, aus der er stammte, würde ich mir in naher Zukunft aber auch noch anschauen fahren. Denn wie hieß es so schön? Pferde konnte man nie genug haben.
Ich verbrachte noch zwei Stunden im Stall. Batman war umgedeckt für die Nacht und alle hatten noch eine ausgiebige Portion Heu bekommen. Benny war noch immer nicht trocken und fing wieder an zu zittern. Ich fluchte leise vor mich hin, ging wieder zum Trailer und holte eine andere Abschwitzdecke, die ich auf seinen Rücken legte, nachdem ich ihm die Nasse ausgezogen hatte. Über die Abschwitzdecke legte ihn nun die gefütterte Regendecke und schloss die Paddocktür, damit es von außen nicht so in seine Box zog. Ich kontrollierte nochmal, ob alle Boxen richtig verschlossen waren. Dann ging ich zu meinem Trailer, um endlich ins Bett fallen zu können.
Am nächsten Morgen kam ich nicht so gut aus den Federn. Cayce hatte mich darüber unterrichtet, dass zuhause ein Sturm gewütete hatte. Die Rinder waren weg – Bisons hatten den Zaun zertrampelt und auf der Ranch war wohl auch nicht mehr alles im grünen Bereich. Wir telefonierten eine Weile. Ich war schon am Zusammenpacken und wollte mich auf den Rückweg machen. Cayce versicherte mir jedoch, dass sie alles im Griff hatten. Ich versprach ihm, gleich nach meinem letzten Start einzupacken und nach Hause zu kommen.
Zum Glück waren meine beiden verbleibenden Starts mit Gangster und Barbie am Morgen, so dass ich mich am frühen Mittag mit meinen drei, nein vier Pferden auf den Rückweg machen konnte.
Nach einem schnellen Kaffee ging ich sofort in den Stall. Gangster, Batman und Barbie fraßen genüsslich ihr Heu. Benny lag noch mit geschlossenen Augen in der Box. Er hatte schließlich auch einen anstrengenden Tag gehabt. Als ich jedoch seine Boxentür öffnete, öffnete er die Augen und stand auf. Kurz schüttelte er sich, ehe er mir wieder seinen Kopf entgegen streckte. Ich lächelte. So ein nettes Pferd!
Zu meinem Glück zitterte er nicht mehr. Unter der Decke war er angenehm warm, weshalb ich auch entschied, ihm die doppelte Decke anzulassen.
Dann machte ich Gangster fertig, denn mit ihm würde ich zuerst starten. Um Zeit einzusparen sattelte ich Barbie ebenfalls und band ihn an seinem Halfter in der Box vor seinem Heunetz an. So hatte er etwas zu tun und ich müsste ihn nicht gleich noch in aller Eile putzen und satteln.
Zusammen mit Gangster ging ich zum Abreiteplatz. Bennys Besitzer traf ich auch wieder an. Er schaute nicht schlecht, dass ich auch so einen schönen Scheckhengst vorzuweisen hatte. “Das ist einer von meinen Reinern die auch Cow Sense haben”, meinte ich und fuhr durch Gangsters rabenschwarze Mähne. “Hab schon drei Nachkommen von ihm Zuhause, top Tiere.” Ich zog ihm absichtlich die Nase lang, denn, und ich hatte mir das schon gedacht, kam prompt die Nachfrage nach dem Verkauf der Tiere. Ich schüttelte den Kopf, versicherte ihm aber, dass ich mich bei ihm melden würde, falls er doch in Frage kommen würde – natürlich würde ich mich nicht bei ihm melden, dachte ich, als ich mich umgedreht hatte.
Der Ritt mit Gangster war leider eine halbe Katastrophe. Er regte sich so über Kleinigkeiten auf, so dass er am Ende beim Roll Back nicht einmal mehr von meinem Bein wegging. Ich bog ihn um mein inneres Bein herum, wechselte die Seite und bog ihn auch um mein anderes Bein. Erst als er schön davon wegging, positionierte ich ihn erneut, gab die Hilfen zum Roll Back und parierte ihn nach ein paar Metern wieder durch. 0 Score, ich dankte ab und verließ trotzdem unter mäßigem Applaus den Platz.
Auf dem Abreiteplatz ging ich die einzelnen Bestandteile der Pattern mit ihm nochmal durch. Dieses Mal sprang er beim Roll Back direkt vom Bein weg. Ich parierte zum Schritt durch und ließ ihn noch eine Weile am langen Zügel gehen. Meine Gedanken kreisten um die Heimat, ich war nicht bei der Sache.
Wenig später spiegelte sich das auch beim Ritt von Barbie wider. Aufgrund seines antrainierten Know Hows überspielte er meinen Fehler mit dem Zurückwechseln in den richtigen Galopp – ich hatte ihn im Außengalopp fälschlicherweise anspringen lassen. Das kostete uns definitiv die Platzierung, denn der Rest der Pattern war nicht schlecht.
Nach meinen beiden Starts packte ich alles zusammen und lud es in den Trailer. Mit Batman hatte ich Platz 13 gemacht, mit Gangster gar keinen und mit Barbie Platz 19. Für das erste Turnier dieses Jahr war ich … ganz zufrieden. Ich wusste, woran ich arbeiten musste und würde auch mit den Gedanken hoffentlich mehr bei der Sache sein. Mit einem neuen Pferd im Schlepptau machte ich mich auf den Heimweg.



Tschetan
“Wartet!” Ich stemmte die Füße in die Bügel, drehte mich der Stimme zu. Louis lief auf mich zu. “Nehmt das hier mit”, damit hielt er ein Gewehr im Holster nach oben. Wortlos befestigte er es an meinem Sattel. Ich war erstaunt…dass er mir eine Waffe anvertraute. “Cayce und Laurence mussten auf der Suche gestern 2 der Rinder erlösen”, sprach Louis ernst, “passt aufeinander auf und keine Risiken in den Bergen, ja?” Nicholas sah zu mir, dann nickten wir ihm zu.
Vor zwei Tagen war ein heftiger Sturm über die Ranch gefegt. Wir hatten gut mit den Reparaturen zu tun. Von den Pferden war keiner zu Schaden gekommen. Eine kleine Herde Bisons hatte sich ins Tal verirrt und war an den nördlichen Hängen durch die Gatter der Rinder gebrochen. Zäune hielt diese Giganten nicht auf. Dadurch war eine Panik in der Herde entstanden. Wenige der Tiere waren vom Plateau an der Ferienranch in den Tod gestürzt, andere hatten wir einfangen können. Allerdings fehlten einigen der Kühe noch immer ihre Kälber. Daher waren O’, Nicholas, Aimee und auch ich herangeholt worden, um die Kälber zu suchen. Waren sie zu stark verletzt, würden wir sie erlösen müssen. Aimee war im Team mit Octavia und Cayce bereits losgeritten. Wir hatten das Areal aufgeteilt. Sicherlich hatte auch Cayce ein Gewehr dabei, denn weder Aimee noch O’ traute ich zu, abzudrücken.
“Wo willst du starten?”, fragte Nicholas.
“Wir reiten hinauf zu den Weiden. Es hat noch nicht wieder gestürmt oder geregnet. Oben auf dem Hang folgen wir am besten den Spuren. Die der Bisons werden sich deutlich von denen der Kühe unterscheiden. Von da aus…könnte ich vielleicht die Spuren der Kälber ausfindig machen.”
Nicholas zog sich den Hut tiefer ins Gesicht. “Wie die Cowboys alter Zeiten! Mit Gewehr und Fährtenlesen.” Ich ging nicht weiter darauf ein. Ich war nicht wirklich erpicht darauf, Gebrauch vom Gewehr zu machen. Allein bei dem Gedanken daran zog sich in mir etwas zusammen. Ich hatte bereits geschossen. Louis und Caleb hatten mir im letzten Sommer den Umgang damit gezeigt. Natürlich hatte ich auch bereits getötet. Was allerdings nicht bedeuten musste, dass es mir gefallen hatte. Außerdem war ich auch nicht sonderlich erpicht darauf, der Bisongruppe zu begegnen. Die Jungen wurden geboren, die Kühe konnten ziemlich ungemütlich werden in dieser Zeit. Das würde die erste Bewährungsprobe für Sungila werden. Sie war noch nicht allzu lang unter dem Sattel. Ihre Hauptaufgabe würde eines Tages aber werden, Touristen sicher durch das Gelände zu tragen. Daher hatte ich mich für sie entschieden. Louis hatte meine Wahl nicht weiter kommentiert. Jedoch hatte er angemerkt, dass Nicholas besser Easy reiten sollte. Ein rancherfahrenes Pferd, um Sungila die nötige Sicherheit zu geben. Am Rind war die Stute unerschütterlich, schließlich liefen die Rinder teilweise mit bei den Pferden auf der Weide - um die Pferde von Beginn an, an ihre Aufgabe zu gewöhnen. Ein Bison jedoch war eine komplett andere Hausnummer.

Von Sungilas Rücken aus starrte ich auf den Boden. Zumindest konnte ich keine neuen Spuren ausmachen. Weder von den Bisons, noch von den Rindern. Die Spuren der Bisons hatten keine kleinen Abdrücke. Um mir das ganze besser anzusehen, stieg ich vom Pferd und gab Nicholas die Zügel meiner Stute in die Hand. Ich trennte die Spuren voneinander. Zwei größere Herdenteile waren kleiner, als die Spuren der Bisons. Sie führten in unterschiedliche Richtungen. Nur eine jedoch führte weiter in das Gebirge hinein, fort von der Ferienranch. Ich konnte drei Tiere erkennen, deren Spuren tief im Boden zu sehen waren. Sie konnte ich als die Mutterkühe erkennen. Neben zwei davon befanden sich kleinere, schlurfende Spuren. Die Kälber mussten müde gewesen sein, dass sie kaum die Füße gehoben hatten. Wohlwollend nahm ich außerdem zur Kenntnis - die Spuren der Bisons führten in die andere Richtung. Von meiner hockenden Stellung erhob ich mich wieder. Nicholas Blick ruhte auf mir. Die Art und Weise, wie er mich ansah, vermochte ich nicht ganz zu deuten. Verwirrung? Dann huschten seine Augen hastig auf den Pfad. “Wir müssen in die Richtung, wenn ich dich richtig gedeutet hab?”, fragte er ernst. Mich richtig gedeutet? Ich nickte, deutete mit den Lippen in die entsprechende Richtung.
“Die Spuren mit den Kälbern führen den Berg weiter hinauf. Die der Bisons gehen weiter hinunter ins Tal.”
“Beeindruckend. Ich mein…ja ich kann die Spuren sehen. Das ist nicht schwer. Aber das du überhaupt diese Stelle gefunden hast. Natürlich hört und sieht man in den Filmen von Fährtensuchern. Aber so in Persona. Hab ich das noch nie erlebt. Ich bin beeindruckt! Könnte ich nicht durch die Bäume unten das Tal mit der Ranch erahnen wäre ich hier vollkommen aufgeschmissen”, er reichte mir Sungilas Zügel und ich stellte einen Fuß in den Steigbügel.
“Tja, selbst die US Army musste auf indianische Scouts zurückgreifen,” sprach ich stolz und zwinkerte. Dann stemmte ich Kraft in meinen Fuß und zog mich nach oben. Gerade als ich mein Bein über den Rücken der Stute legen wollte, schoss sie plötzlich rückwärts. Ich prallte mit dem Gesicht heftig auf ihren Hals, krallte mich an Mähne und Hals fest, als Sungila neben rückwärts auch zu einer behenden 180° Wendung ansetzte. Dabei verlor ich endgültig mein Gleichgewicht, flog aus dem Sattel und vom Pferd. Allerdings blieb mein Fuß im Bügel hängen, sodass Sungila mich bei ihren drei Galoppsprüngen neben sich her schliff. Durch das dichte Unterholz gebremst blieb sie allerdings fix wieder stehen. Das alles war so schnell passiert, dass ich perplex in die Richtung starrte in der wir uns soeben noch befunden hatten. Nicholas schien vom Pferd gesprungen zu sein und hastete mir entgegen. Ich richtete den Oberkörper auf um den Fuß aus dem Bügel zu befreien. “Elch!”, sprach Nicholas. Verwirrt sah ich ihn an.
“Elch?!”
“Ja, der kam plötzlich aus dem Unterholz. Hat uns gesehen und rannte wieder weg. Davor muss sie sich erschrocken haben. Alles gut bei dir?”
Erst jetzt merkte ich den unangenehm stechenden Schmerz in einigen Teilen meines Körpers. Beim aufstehen verstand ich auch wieso - Sungila hatte mich und sich in einen riesigen Busch Brombeeren befördert. Mit dem Gesicht war ich einmal durch die Äste gezogen worden. “Dein ganzes Gesicht ist völlig zerkratzt”, stellte Nicholas zerknirscht fest. Ich widerstand dem Versuch mir mit der Hand durch das Gesicht zu fahren. “Erklärt zumindest, wieso das so brennt.” Ich manövrierte die Stute rückwärts aus dem Gestrüpp und kontrollierte ihre Beine. Aber die Stute war unversehrt. Ich sah mich einmal um und machte anstalten, den Sattel wieder zu besteigen. “Wart ‘nen Moment. Du hast da Brombeer in deinem Haar.” Nicholas kam auf mich zu, während ich noch an meinen Zöpfen hinab sah und das unangenehme ziehen im Nacken wahrnahm. Der Versuch, den Strunk einfach aus den Haaren zu ziehen, war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Nicholas versetzte mir einen Schlag auf die Hand. “Du machst das nur schlimmer.” Dann machte er jedoch keine Anstalten. “Darf ich?”
“Was?”
“Hab ich keinen Schlag zu erwarten?”, ich musste schmunzeln. “Du erinnerst dich daran?”
“Zu meiner Verteidigung… ich musste Aimee danach fragen. Für mich waren es nur Haare.”
“Jetzt hol mir schon den Strauch da raus, es piekst. Ich denke nicht du willst mir etwas böses”, dabei zwinkerte ich ihm grinsend zu.” Nicholas drückte behutsam gegen meinen Kopf, damit er besser an meinen Nacken heran kam, friemelte eine Weile an den Haaren herum, um schließlich den Strunk Brombeeren daraus zu befreien.
“Das wär..ouh”, ich sah ihn ratlos an. “Du hast ein paar Dornen im Gesicht.”
“Dann mal ans Werk”, ich hatte da so eine vage Ahnung, wo sie drin steckten. In Ermangelung eines Spiegels war ich auf Nicholas Hilfe angewiesen. Mit den Fingerkuppen holte er vorsichtig die Dornen aus meinem Gesicht. Aus halb gesenkten Augenlidern beobachtete ich ihn. Spürte plötzlich allzu deutlich die Berührung seiner Haut auf der Meinen…und seinen Atem in meinem Gesicht. Als sich unsere Blicke trafen verharrten wir in dieser Position, starrten nur dem anderen in die Augen. Nach einigen Sekunden riss Nicholas sich los, kommentierte meine Befreiung mit “Alles weg” und richtete sich auf.
Ich wischte mir die nassen Hände an der Jeans ab. “Dann lass uns mal diese Rinder finden.”

Aimee
“Was rennt der denn so”, sprach O mehr zu sich selbst als zu mir, dennoch kommentierte ich ihre Aussage mit einem: “Das ist eine gute Frage.” Ich parierte Gin, die Cayce mir wohlwollend zugeteilt hatte, zum Schritt durch. O tat das Gleiche mit Honor. Cayce trabte noch immer mit Devil vorne weg und schien keine Anstalten zu machen, sein Tempo zu drosseln. Plötzlich blieb er so abrupt stehen und drehte sein Pferd in unsere Richtung um, dass Gin laut prustend einen Satz zur Seite machte. “Tschetan hat mir grade getextet, sie haben ein paar Spuren, die hoch zur Ferienranch führen. Wir sollen uns unten im Tal unter dieser umsehen.” Klar, dazu waren wir ja gerade auch nur eine Stunde in die falsche Richtung geritten.
“Willst du nicht Bellamy anrufen? Bis wir dort sind, eine Stunde zurück zur Ranch und eine Stunde in Richtung Ferienranch, ist es schon stockduster. Bell kann ja mit Laurence los, Blue ist ja noch zuhause”, warf O schulterzuckend ein. Cayce runzelte die Stirn und schien wirklich konzentriert nachzudenken. Er wurde immer mehr in die Dunstwolke seiner klatschnassen Devil gehüllt, die sichtlich froh um diese Pause zu sein schien.
“Wieso muss Caleb ausgerechnet jetzt Weltenbummler spielen”, brummelte er vor sich her.
“Er weiß doch Bescheid und kommt heute Abend vom Turnier zurück, mit ihm wäre die Situation hier genau die Gleiche, außer, dass wir noch jemanden mehr zum Suchen hätten”, kommentierte O. Ich hielt mich bedeckt, wollte mich nicht in die Diskussion der Erwachsenen einmischen. Ich kannte weder das Areal noch die Tiere wirklich gut.
Cayce schnalzte und trieb Devil im Schritt an. Als er zwischen uns durchritt erkannte ich sein Handy am Ohr. Ein paar Sekunden später unterhielt er sich schon mit Bellamy, der sich mit Laurence sogleich auf den Weg machen wollte. “Nehmt Blue und Alan. Ich wollte dir schon Gangster unter den Hintern setzen, aber dann kommt ihr mit einem Pferd oder einem Reiter weniger nach Hause.” Cayce lachte. O und ich sahen uns an, sie rollte zunächst die Augen, ehe sie mich doch angrinste. Auch ich lächelte, warf aber dann einen besorgten Blick nach hinten.
“Ähm Leute, wo kommt denn jetzt der Nebel her?”
“Was?!”, fragte Cayce irritiert und drehte sich ebenfalls nach hinten um. “Das auch noch, was ein Mist. Damit wird die Suche noch schwieriger.”
Wir trabten die Pferd an. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Cayce einfach nur schneller zurück zur Ranch, oder unter keinen Umständen in den Nebel geraten wollte. Beides, schlussfolgerte ich, denn bereits nach wenigen Metern galoppierte er Devil an. Gin und Honor folgten schnaufend. Zum Glück befanden wir uns im Tal, so dass sich die Ebene flach vor uns erstreckte und wir nicht ständig bergauf oder bergab reiten mussten.

“Das gibt ganz schön Kondition”, japste ich aus dem letzten Loch pfeifend während der nächsten Schrittpause.
Cayce drehte sich zu mir um: “Bei dir oder beim Pferd?” Er und O sahen sich kurz an, ehe beide laut losprusteten.
“Haha”, kommentierte ich seinen überaus lustigen Witz, stemmte dann jedoch eine Hand in die Hüfte und atmete einmal laut ein und aus.
Als ich an der Ranch angekommen endlich vom Pferd hüpfen konnte, fühlten sich meine Beine wie Wackelpudding an. O schien es da ähnlich zu gehen.
“Wisst ihr was ich gleich brauche? Eine lange und sehr heiße Dusche. Badewanne wäre noch besser. Meint ihr Caleb köpft mich, wenn ich sein Riesenteil oben benutze?”
“Caleb hat oben eine riesen Badewanne?”, richtete ich mich neugierig an O.
“Klar, warst du noch nie oben in seinem Zimmer?”
Cayce zog die Stirn in Falten, verkniff sich ein Grinsen und fragte mit aller Ernsthaftigkeit, die ihm durch sein breites Grinsen noch übrig blieb allen Ernstes: “Ja Aimee, warst du noch nie in Calebs Zimmer?”
Perplex starrte ich die Beiden an. Was sollte das denn jetzt werden? Noch bevor ich zu einer Antwort ansetzen konnte, boxte O ihm gegen den Arm. “Hey, du hast damit angefangen!”, beschwerte er sich, griff dann jedoch die Zügel von Devil nach, die sich mit angelegten Ohren rückwärts und weg vom Tumult bewegte. “Lasst uns jetzt erst die Pferde versorgen.”

Eine halbe Stunde später hatten wir allen Pferden den Schweiß aus dem Fell gewaschen und sie unters wärmende Solarium gestellt. Zum Glück hatte Caleb bereits vor dem Winter aufgerüstet. Zu dem einzelnen Solarium waren zwei weitere dazu gekommen. Dies kam uns jetzt zugute, denn sonst hätten wir die Pferde nicht waschen können.
“Murphy kannst du einen Blick auf die drei haben?”, fragte Cayce, der nun selbst zu merken schien, wie verschwitzt er war. Er rieb sich den Oberarm und schien zu frösteln. Tagsüber war es zwar mittlerweile angenehm warm aber abends wurde es rasch kälter.
“Klar, ich bin eh noch am Misten, wenn die trocken sind stell ich sie euch in die Box. Geht euch aufwärmen.” Dankend nickten wir und verließen den Stall.
Ich wollte in Richtung des Bungalows gehen, in dem mein Vater und ich wohnten, doch O zog mich in Richtung des Haupthauses. “O, was machst…”
“Psssst”, sie legte einen Finger auf ihre Lippen und sagte in Cayces Richtung gewandt: “bis später beim Essen, Cayce.”

O zog mich ins Haupthaus hinein und die Treppe nach oben. Zögerlich folgte ich ihr. Sie schien sich hier gut auszukennen, steuerte sofort ein Schlafzimmer mit Blick über die ganze Ranch an. Ich war zu sehr damit beschäftigt, mir die tollen Möbel anzuschauen, als dass ich merkte, wie O sich hinter mich gestellt hatte. Erst als es vor mir dunkel wurde begriff ich, dass sie mir die Augen zuhielt. Ich spürte einen Druck an meinen Beinen, der mich dazu zwang, einen Schritt nach vorne zu machen. Dann noch einen- und noch einen. “Na geh schon”, sprach O aufgeregt und ehe ich mich versah glotzte ich Calebs riesige Badewanne an.
“Das ist also Calebs riesen Teil”, kommentierte ich das, was ich da vor mir sah.
“Das ist Calebs riesen Teil”, wiederholte Octavia lachend, ging zum Wasserhahn hinüber, stellte ihn auf ‘heiß’ und öffnete ihn.
“O ich glaub nicht, dass wir hier drin sein dürfen.. und seine… seine Sachen benutzen.”
Octavia zuckte mit den Schultern. “Er braucht sie gerade nicht – und außerdem reißt er uns schon nicht den Kopf ab.. hier”, sie schmiss mir eins der großen Handtücher rüber, “zieh dich aus, ich such uns was zum Anziehen gleich.” Mit diesen Worten verschwand sie wieder im Schlafzimmer, welches, dem war ich mir jetzt zu 100 Prozent bewusst, Calebs sein musste.
Ich schälte mich aus meinen verschwitzten Sachen. Nach und nach kamen sie auf dem Boden zu liegen, während ich mir das Handtuch um den nackten Körper wickelte. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Wanne vollgelaufen war. Neben dieser standen ein paar Duschschäume. Ich nahm mir die Packung mit der Aufschrift ‘Himmlischer Rosenblütenduft’ und goss davon einen Schuss ins Wasser. Sofort fing es an zu schäumen.
O kam mit einem Stapel Kleidung aus Calebs Zimmer zurück, teilte sie auf zwei Haufen auf und legte sie auf den Boden unweit der Wanne. “Jetzt klauen wir auch noch seine Klamotten?”
“Er bekommt sie ja zurück.”
Während O sich auszog schaute ich mir das Bad an. Es war aufgeräumt und sauber. Klar, Dolly putzte hier ja auch fleißig. Ob er selbst auch mal einen Handschlag tat? Ich bezweifelte es. Dafür war er viel zu sehr beschäftigt und ich konnte mir ihn wirklich nicht mit einem Putzlappen in der Hand vorstellen. Mit einem Feuchttuch, um einem Pferd die Nüstern abzureiben, damit sie für ein Fotoshooting auch schön glänzten, schon eher.
“Komm”, riss O mich aus meinen Gedanken. Sie ließ das Handtuch auf den Boden fallen und glitt ins Wasser. Sie schien weniger Probleme damit zu haben, nackt zu sein, als ich. Wer konnte seinen Körper als Teenager schon leiden? O schien meine Gedanken lesen zu können, denn sie drehte sich überaus auffällig zur Seite Weg, sagte aber kein Wort. Das Handtuch glitt von meinen Schultern gen Boden. Ich kletterte ins warme Schaumbad und ließ mich langsam hineingleiten. “Du bist echt noch nie hier oben gewesen?”, fragte mich Octavia ungläubig, legte den Kopf auf dem Badewannenrand nach hinten ab und schloss die Augen.
“Nein, was hätte ich denn hier zu suchen gehabt?”, fragte ich sie irritiert.
“Wohl wahr. Ich vergesse nur allzu gerne, dass du nicht die selben Erinnerungen mit Caleb teilst, wie ich. Es kommt mir vor, als seid ihr schon von Anfang an dabei, seit damals.”
“Hm?”
“Ach, nicht so wichtig. Genieß das warme Wasser.”
“Das tut wirklich unglaublich gut”, seufzte ich und schloss ebenfalls die Augen. Was ein Tag…

Wie viel Zeit wir im warmen Wasser verbrachten wurde mir erst bewusst, als ich Stimmen aus dem Flur vernahm. ‘Sie sehen heute wieder bezaubernd aus, Miss Dolores’, jemand kicherte. ‘Ach Laurence, ich sagte Ihnen doch schon ein paar Mal, sie sollen mich Dolly nennen.’
“O, psssst, O!”
“Hm?”
“Da kommt jemand!” Kaum hatte ich meine Warnung beendet, öffnete sich die Tür des Badezimmers. Zuerst trat Dolly herein, gefolgt von… Laurence?
“Ach du liebes bisschen!”, erschreckte sich Dolly und zuckte kurz zusammen. Laurence drehte sich peinlich berührt im Türrahmen um, als hätte er gar nichts gesehen. “Was macht ihr hier?”, richtete sich Dolly an uns, die sich von ihrem ersten Schreck erholt zu haben schien.
“Caleb hat eine große Wanne und wir waren den ganzen Tag unterwegs, um die Rinder zu suchen”, erklärte sich O und kramte mit einer Hand nach dem Badetuch, welches sie schließlich erwischte und schwungvoll nach oben zog. Bemüht, es nicht ins Wasser zu tunken. “Das Wasser wird allerdings kalt, sieht wohl so aus, als müssten wir eh jetzt raus.” Sie stand auf, wickelte das Handtuch geschickt um ihren nackten Körper und verließ die Wanne, indem sie sich auf den flauschigen Teppich davor stellte. “Wenn ich bitten darf?”, fragte sie an Dolly gewandt und zeigte zur Tür, aus dessen Rahmen Laurence verschwunden war. “Wir sind direkt weg”, kicherte sie.
Dolly stellte ihren Putzeimer mit dem dampfend heißen Wasser auf den Boden, verließ das Badezimmer und zog die Tür hinter sich bei. Von draußen hörte ich sie und Laurence leise miteinander reden. Mir war schon öfter aufgefallen, dass die Beiden Zeit miteinander verbrachten. “Ich würde es Laurence gönnen”, zwinkerte O mir zu.
“Iiiih O, da ploppen Bilder in meinem Kopf auf, die ich nicht sehen möchte”, ich lachte und stieg ebenfalls aus der Wanne, wickelte mich ins Handtuch ein und rubbelte mich irgendwie trocken, damit ich mich anziehen konnte. “Du hast selbst die Boxershorts von Caleb geklaut?”, kommentierte ich ein wenig verzweifelt die Ausbeute der Braunhaarigen. Sie zuckte nur mit den Schultern und wiederholte ihre Aussage von eben: “Er bekommt die Sachen ja wieder.”
Fertig angezogen verließen wir das Bad. Beim Vorbeigehen an Laurence und Dolly schien Octavia sich die Aussage: “Schönen Abend noch euch Beiden”, nicht verkneifen zu können. Manchmal war sie kindischer als ich.
Wir wollten gerade das Haupthaus verlassen, öffneten die Tür und liefen – wer hätte es gedacht, in Caleb hinein. Dieser musterte uns von oben bis unten. “Kann es sein, dass ihr meine Sachen tragt?”, fragte er uns grinsend und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich fing an etwas unverständliches zu stammeln, was einer Entschuldigung gleich kam. O dagegen blieb cool, drückte ihm ihr Handtuch in die Hand, drehte sich nach hinten um, nahm mir meines weg und tat das Gleiche.
“Kannst du ja gleich mit in die Wäsche nehmen, dann kannst du dir auch sicher sein, dass sie wieder in deinem Schrank landen, bis gleich beim Essen.”
Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg und ich meine Augen niederschlug. O stolzierte an Caleb vorbei nach draußen, blieb nach wenigen Schritten jedoch stehen, als sie merkte, dass ich ihr nicht folgte. “Kommst du oder was?”
“Ich… ähm…”
“Die Sachen hätte ich gerne wieder, ja?”, entgegnete Caleb mit einem belustigten Unterton in der Stimme, machte mir Platz, damit ich nach draußen gehen konnte und schloss dann kopfschüttelnd die Tür hinter sich.
“Wo kam der denn jetzt her?!”, fragte ich O, die mir vor Lachen gar nicht antworten konnte. Sie bekam sich gar nicht mehr ein – und als sie anfing wie ein Schwein zu grunzen, konnte ich nicht mehr anders und prustete ebenfalls drauflos. “Also langweilig wird’s hier nie.”

Caleb
Hinter mir fiel die Haustür mit einem dumpfen ‘klack’ ins Schloss. Grinsend zog ich mir den Hut vom Kopf und legte ihn auf seinen Platz auf der Kommode. Meine Stiefel stellte ich daneben auf den Boden und meine Jacke hängte ich an einen der freien Haken. Ich legte den Kopf schief. Es waren zu viele Haken unbesetzt. Betsys Jacke fehlte. War sie noch draußen unterwegs?
“Betsy?”, rief ich einmal laut doch erhielt keine Antwort. “Hm.”
Mein Weg führte mich von der Küche, in der ich mir ein Glas Wasser holte, ins Esszimmer, wo ich einen gedeckten Tisch vorfand. Nach einem Blick auf die Uhr wurde mir klar warum. Ich hatte es pünktlich zum Essen nach Hause geschafft, was ein Zufall!
Nach und nach trudelten die Mitarbeiter der Ranch ein und verteilten sich auf die freien Plätze. Laurence und Dolly traten gemeinsam ein und Laurence rückte ihren Stuhl zurecht. Seit die gute Dolly hier arbeitete, bestand ich darauf, dass sie mit uns gemeinsam aß- wann immer sie das wollte. Morgens erwischte ich sie fast immer beim Naschen, so dass sie später beim Frühstück so gut wie nie Hunger hatte. Abends aber gesellte sie sich beinahe immer zu uns.
“Cayce, schon was Neues von Tschetan und Nicholas gehört?”
Cayce nickte. “Eben über den Pager kam, dass die Beiden die Rinder und Kühe gefunden haben, ein Kalb ist dabei. Sie müssen allerdings draußen übernachten … sie hätten es nicht mehr vor Anbruch der Dunkelheit zurück geschafft.”
Ich nickte. Das war zwar nicht die Antwort, die ich hören wollte, aber immerhin hatten sie die Tiere gefunden und würden sie hoffentlich am nächsten Morgen unbeschadet zurückbringen. “Und die anderen Tiere? Ich hab die Herde eben überflogen – wo ist der Rest?”
Betretenes Schweigen.
Schließlich räusperte Laurence sich. “Zwei Tiere waren so schwer verletzt, dass wir sie erschießen mussten”, dabei zeigte er auf sich und Cayce.
“Verdammte Bisons!”, warf Bellamy ein und wurde jäh von Laurence unterbrochen.
“Verdammter Sturm, Bellamy. Die Bisons gerieten auch nur in Panik, gib ihnen nicht die Schuld.”
Das Gespräch über die Rinderherde zog sich noch ein paar Minuten. In meinem Kopf rechnete ich unentwegt hin und her, wie viele und vor allem welche Tiere noch da waren.
“Hab ihr zwei Rinder oder zwei Kühe erlöst?”, fragte ich in Cayces Richtung gewandt.
“Zwei Kühe, von den Kälbern keine Spur.”
“Also zwei Kühe und zwei Kälber weniger, macht 13 erwachsene Tiere und 4 Kälber”, ich überlegte weiter, “Tschetan und Nicholas haben ein Kalb und die Mutterkuh sowie… wie viele der Rinder?”
“Ich glaube 2 weitere”, warf Bellamy ein.
“Dann müssten draußen 10 erwachsene Tiere und 3 Kälber stehen?”
Alle schienen zu überlegen. Es waren zwei aufregende Tage gewesen, rechnen gehörte heute Abend wohl zu niemandes Stärke.
“Ach, ich geh jetzt zählen.” Cayce stand auf und verließ den Raum, bevor irgendjemand auf die Idee kam, Widerworte einzulegen.
Wieder sah ich mich am Tisch um. Betsy fehlte noch immer. Octavia, Aimee, Louis, Kaya und Ylvi fehlten aber ebenfalls noch, weshalb ich mir noch keine allzu großen Sorgen machte.
Die Haustür wurde geöffnet und wenig später stand Cayce im Türrahmen. “10 Erwachsene und 3 Jungtiere.” Er stemmte den Arm in die Hüfte und schnaufte.
“Sind Sie etwa gerannt, Mr. Cayce?”, fragte Dolly belustigt, hielt sich die Hand vor den Mund und kicherte.
“Na aber sicher!”, er lachte und setzte sich wieder auf seinen Stuhl.
“Essen Louis und Ylvi heute nicht mit?”, fragte ich in die Runde und bekam als Antwort Gemurmel.
“Und Kaya und Betsy?”
Wieder keine Antwort.
Sollte ich zu Louis und Ylvi rüber gehen und schauen, ob alles in Ordnung war? Bevor ich allerdings, vielleicht umsonst, einmal quer über den Hof lief, zückte ich mein Handy und schrieb Ylvi eine kurze Nachricht. Kaum hatte ich es wieder in meine Hosentasche gesteckt, vibrierte es. Die Antwort auf dem Bildschirm machte mich stutzig. Kaya war bei ihnen, aber Betsy fehlte.
“Hat jemand von euch Betsy heute gesehen? Sie ist nicht bei Louis und Ylvi.”
Ich blickte in zunächst ratlose Gesichter. Hier und da wurde sie heute gesehen, aber seit ein paar Stunden wusste niemand mehr, wo sie sein sollte.
“Es tut mir Leid euch alle jetzt hier vom Esstisch vor dem Essen aufzujagen, aber …”
“Ich such in den Ställen”, meldete sich Cayce sofort zu Wort.
“Ich schau bei den Koppeln … Laurence, guckst du bei den Paddocks?”, dirigierte Bellamy und stand auf.
“Ich geh zu Louis und Ylvi und von dort zum hinteren Teil der Ranch.” Damit stand auch ich auf und verließ den Raum.

Hinter mir fiel die Tür des Bungalows von Ylvi und Louis ins Schloss. Auch sie waren in heller Aufregung und halfen bei der Suche nach Betsy. Kaya hatte mir einen guten Tipp gegeben. Ich solle mal im alten Bungalow von Betsy und Dell schauen. Ihre Freundin hat heute immer wieder von ihrem Vater gesprochen und wie sehr sie ihn vermisse.
Ich hatte nur noch wenige Schritte, bis ich vor der Tür des Bungalows stand, in dem einst Dell gewohnt hatte. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst, wie unfair das Leben war. Als ich an die Tür klopfte, bildete sich ein Kloß in meinem Hals. War sie überhaupt hier? Was würde ich gleich zu ihr sagen? Was wollte sie hören – oder viel besser, was musste sie hören?
Es blieb still hinter der Tür, dennoch trat ich ein. Der zunächst dunkle Raum wurde von Licht durchflutet, als ich den Schalter betätigte. Kurz musste ich die Augen zusammenkneifen. Allerdings gewöhnten sich meine Augen schnell an die Helligkeit.
“Betsy?”, fragte ich einmal in den Raum hinein, erhielt jedoch wie im Haupthaus zuvor keine Antwort.
Mein Weg führte mich sofort in Betsys altes Zimmer, in dem ich sie jedoch nicht antraf. Langsam stieg ein wenig Panik in mir hoch. Wo war sie bloß?!
Mit dem Öffnen der Tür von Dells altem Schlafzimmer fiel jedoch alle Last von meinen Schultern. Dort im Bett lag das Mädchen zusammengekauert unter der Decke.
“Betsy?”, fragte ich erneut, erwartete allerdings keine Antwort.
Zu meiner Verwunderung jedoch drehte sie sich im Bett um und schaute mich aus verquollenen Augen an. “Hm?”, war ihre Reaktion auf meine Frage. Dann drehte sie sich zurück, wandte sich wieder von mir ab und zog die Decke bis an ihr Kinn.
Langsam ging ich auf das Bett zu, vernahm jeden meiner Schritte zehnmal so laut. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Nervös rieb ich meine Hände aneinander, als ich das Mädchen fragte: “Darf ich mich zu dir setzen?”
Statt einer Antwort rückte sie nach links und machte mir am Rand des Bettes Platz. Eine meiner Hände legte ich auf ihre Schultern, mit der anderen tippte ich flink ein ‘hab sie’ in unsere Hofgruppe, damit sich niemand weiter Sorgen machen musste.
Eine ganze Weile saß ich schweigend neben ihr, während sie leise vor sich hin schluchzte. Sie so weinen zu hören zerbrach mir jedes Mal das Herz, besonders deshalb, weil ich ihr den Schmerz nicht nehmen konnte.
“Wir haben dich beim Abendessen vermisst und uns Sorgen gemacht”, fing ich an leise mit ihr zu reden, “zum Glück hatte Kaya einen Verdacht, wo ich dich finden kann … Ich … Möchtest du … Möchtest du darüber reden?”
“Nein”, kam nach einer ganzen Weile die knappe Antwort des Mädchens.
“Soll ich einfach hier bei dir sitzen?”
“Ja …”

Ich schwieg wieder, strich ihr sanft über die Schulter und schaute mich im Zimmer um. Wir waren noch nicht dazu gekommen, den Bungalow auszuräumen. Es fühlte sich noch nicht richtig an. Alles hieran war falsch. Wieso musste so ein liebes und nettes Mädchen zuerst die Mutter verlieren und dann auch noch den Vater?
An der Wand, genau gegenüber des Bettes, hing ein Bild von einem jungen Dell zusammen mit einer sehr jungen Frau, die ein Kind auf dem Arm hielt. Ich vermutete, dass es sich dabei um Betsy und ihre Mutter handelt. Die Beiden sahen so glücklich aus und strahlten in die Kamera. Da war er wieder, der Kloß in meinem Hals, der sich eben zu lösen begonnen hatte.
Ein paar Mal noch versuchte ich Betsy zu überreden, mit mir über ihr Verhalten und ihre Traurigkeit zu sprechen. Jedes Mal blockte sie mich ab. Also versuchte ich es mit Ablenkung.
“Ich hab heute mit Steffen telefoniert. Nima geht es unglaublich gut bei ihm, er freut sich so sehr, sie gekauft zu haben. Außerdem möchte er Kholáya auch haben, dann hat Nima eine Freundin von hier.”
Endlich drehte sie sich in meine Richtung um, setzte sich auf und wischte sich die Tränen vom Gesicht. “Nima geht es gut?”
“Ja, Nima geht es sehr gut, Steffen hat sie unglaublich lieb.”
Betsy lächelte kurz, senkte dann jedoch ihren Blick. Zögerlich streckte sie die Hand aus und legte sie auf die Meine. Ich rührte mich nicht. Meine Angst war zu groß, eine falsche Bewegung zu machen und sie zu verschrecken. Als Adoptivvater, was ich für sie noch immer werden wollte, müsste ich mich an solche Dinge langsam herantasten. Ich hatte nicht die größte Erfahrung mit Kindern und jüngere Geschwister besaß ich ebenfalls nicht.
Dennoch hob ich langsam meine andere Hand und legte sie sachte auf die Ihre. Sie zuckte nicht zurück, sah jedoch wieder zu mir auf.
“Caleb, ich vermisse ihn so sehr.”
Langsam nickte ich. Mein anfängliches ‘Ich weiß’ verwarf ich und antwortete stattdessen: “Ich auch.”
“Heute haben alle geholfen – bei der Rindersuche, weißt du? Sogar Dolly hat geholfen, sie hat Lunchpakete für unterwegs gepackt. Kaya und ich waren beim Satteln der Pferde dabei und haben hier auf dem Hof mit angepackt. Louis wollte nicht, dass wir mitkommen und bat uns stattdessen, die Pferde zu füttern – schließlich hatten die auch Hunger … aber alle waren da … selbst du hast versucht so schnell es geht nach Hause zu kommen”, sie fing wieder an zu schluchzen, “nur Dad nicht. Mein Dad war nicht da, er konnte nicht helfen.”
Sie zog ihre Hand aus den Meinen und setzte sich auf ihre Knie, um auf einer Höhe mit mir zu sein und mich zu umarmen. Etwas überfordert legte ich meine Arme um ihren kleinen Körper und hielt sie fest … Ich hielt sie eine ganze Weile einfach nur fest.
Als das Schluchzen wieder verebbt war, erzählte sie weiter, was sie bedrückte: “Alle Leben irgendwie ihr Leben weiter, als hätte er nicht existiert. Niemand redet über ihn, wenn ich dazu komme und über ihn gesprochen wurde verstummt ihr, als wäre ich noch zu klein, um mit der Wahrheit umzugehen. Ich werde dieses Jahr 12 Jahre alt, ich bin kein kleines Kind mehr. Ich weiß, was der Tod bedeutet und ich hasse ihn, ich hasse den Tod und ich hasse die Welt, dass sie mir meinen Dad genommen hat!” Wieder stiegen Tränen in ihren Augen hoch.
Ich wusste zunächst nicht, was ich ihr antworten sollte. Ein paar Mal setzte ich an, verstummte dann jedoch wieder, bis mir die richtigen Worte einfielen: “Betsy das Leben geht weiter, so schwer es uns auch fallen mag. Wir sprechen noch viel über Dell und denken an ihn. Doch wir haben… Angst in deiner Gegenwart über ihn zu sprechen. Wir möchten dich nicht verletzen. Wir können nicht in dich hineinschauen wie es dir geht und wie du damit klar kommst. Deshalb verstummen wir.”
“Aber ich möchte, dass ihr über ihn sprecht”, kam es von dem Mädchen neben mir. “Ich möchte, dass ihr euch an ihn erinnert und ihn nicht… vergesst.”
“Wie könnten wir, die Ferienranch trägt seinen Namen”, ich lächelte mild. “Hör mal … bezüglich der Ferienranch wollte ich noch mit dir sprechen. Irgendwie ist nie der richtige Zeitpunkt dazu, warum dann nicht jetzt?”, ich sah sie auffordernd an, “So langsam wird es Zeit, dass wir den Bungalow hier räumen. Ich mein, hier ist alles noch so … hier ist alles noch so. Ich habe überlegt, dass wir einen Teil zur Ferienranch bringen und einen Teil ins Haupthaus in dein neues Zimmer. Ich möchte, dass du entscheidest was wir wohin bringen sollen.”
Betsy erwiderte nichts, setzte sich nur auf und sah sich im Zimmer um. So viele Erinnerungen hafteten an den Möbeln, den Bildern, der Kleidung. “Die Entscheidung musst du nicht jetzt treffen.” Betsy nickte. Ihr Blick blieb an dem Bild hängen. Das Bild von ihren Eltern und ihr. “Für das allerdings habe ich einen besonderen Platz ausgesucht. Darf ich ihn dir zeigen?” Sie nickte. Ich nahm vorsichtig das Bild in die Hand, reichte ihr Schuhe und Jacke und nachdem wir beide angezogen waren, verließen wir den Bungalow in Richtung des Haupthauses.

Drinnen führte unser Weg sofort zum großen Wohnzimmer und dessen Kamin, auf dem einige Bilder standen. Unter anderem auch ein Bild von Verena und Svejn … wie schnell die Zeit vergeht.
“Hier möchte ich es gerne dazu stellen. Es sollte einen Ehrenplatz bekommen, wo es jeder sehen kann.” Ich reichte Betsy das Bild und hob sie hoch, um es auf den Kaminsims zu stellen. Zwischen das Bild von mir zusammen mit Vulture und dem Bild von Louis, Ylvi, Kaya und Tschetan. “Zu meiner neuen Familie …”, murmelte Betsy. Ich hatte sie nicht ganz verstanden, vermutete nur, was sie gesagt haben könnte. Nachfragen wollte ich jedoch nicht, es schien nicht für meine Ohren bestimmt gewesen zu sein.
“Wollen wir jetzt zu den Anderen gehen und noch was essen? Vielleicht haben sie uns sogar noch etwas übrig gelassen”, lachte ich und kratzte mich kurz am Hinterkopf.
Wir gingen zurück ins Esszimmer, in dem sich wieder alle befanden. Sie hatten tatsächlich auf uns gewartet – auch Louis, Ylvi und Kaya befanden sich nun im Haupthaus. Betsy wurde von den dreien in die Arme geschlossen, ehe wir uns setzten.
Ein paar Minuten später hatte jeder sich den Teller vollgeladen und war, nach einem wirklich anstrengenden Tag, zufrieden am Kauen.
“Ich möchte, dass ihr über ihn sprecht.” Betsy erhob die Stimme, “Ich bitte euch. Redet über meinen Dad, erzählt euch lustige und nicht so lustige Geschichten … und vor allem, hört nicht auf, wenn ich dazu komme, denn sonst habe ich das Gefühl, dass ihr ihn vergessen wollt.” Es folgte eine unheimliche Stille. Die Menschen am Tisch hielten in ihren Kaubewegungen inne und rührten sich nicht mehr.
Laurence war derjenige, der als Erster etwas sagte: “Also einmal … ja genau, da hat mich dein Vater ganz schön zur Weißglut getrieben, ich hätte ihn am liebsten mit dem Besen verprügelt”, er lachte. Alle anderen stimmten in sein Lachen ein. Die Geschichte kannte ich auch noch nicht – und während Laurence erzählte, nahm ich Betsys Hand. Als unsere Blicke sich trafen nickte ich ihr zu. Betsy lächelte kurz zurück, wandte sich dann aber wieder Laurence und seiner Geschichte zu, wie Dell einen ganzen Tag lang nicht das tun wollte, was Laurence ihn angestellt hatte.

Tschetan
“Wieso bleibst du stehen?”, kam Nicholas Stimme von hinten. Ich ließ ihn bis zu mir aufschließen, als er das getan hatte, brauchte ich ihm keine weitere Erklärung geben. “Du hast sie tatsächlich gefunden!”
Unten in einer kleinen Senke standen drei erwachsene Kühe. Ich sah mich von dem idyllischen Anblick ein wenig um. Das Tal war weit fort. Die Spurensuche hatte uns tief in das Gebirge geführt. Die Bäume an dieser Stelle wurden immer karger. Wir hatten oft absteigen müssen, um einige der Wege mit den Pferden bewältigen zu können. Die halbwegs gerade Senke vor uns war bewachsen mit hohen Gras. Unzählige unterschiedlich große Findlinge lagen herum. Vor einigen Jahrhunderten musste ein Gletscher an genau dieser Stelle existiert haben und diese riesigen Felsen zurückgelassen. Andererseits konnten sie auch von einer Gerölllawine stammen, die hier hindurch gegangen war. Da es sich jedoch nicht um Neue zu handeln schien, galt dem weniger meine Sorge. Viel mehr schaute ich gen Himmel. “Ich hoffe du hast keine Angst vor Ungeziefer”, murmelte ich in Nicholas Richtung. Der schaute mich von der Seite erst ein wenig verwirrt an, folgte dann allerdings meinem Blick gen Himmel.
“Wir schaffen es nicht mehr zurück,oder?”
“Nicht rechtzeitig. Außerdem brauchen die Pferde eine Pause. Noch haben wir genügend Zeit. Satteln wir sie ab und suchen nach einem Rastplatz für uns.”
“Sollten wir die Pferde nicht anbinden?”
“Nein, die Senke hier ist gut. Sie haben das Gras – und der kleine Bachlauf sorgt für Wasser. So wie die Erde hier aussieht, haben auch die Kühe schon eine Weile hier verbracht. Sie werden sich nicht weit voneinander entfernen. So hoch oben ist die Gefahr zu groß, dass Bären unterwegs sind. Die Pferde sind angebunden eine zu leichte Beute. Wir müssen einfach darauf vertrauen, dass sie nicht weg laufen.”
Ich kaute mir auf der Unterlippe herum. Meine Überlegung war es, eines der Kühe zu hobbeln. Doch wollte ich alle wieder wohlbehalten ins Tal bringen. Sollten Wölfe oder sogar ein Bär auf unsere Truppe stoßen, so war das gehobbelte Tier in Gefahr. Weit würden die Tiere nicht laufen – nicht beim Angebot des Futters. Außerdem kannten sie einander und waren an die Nähe des Menschen gewöhnt. Wir mussten also ihren Instinkten vertrauen. Also zog ich Sungila die Trense vom Kopf, löste den Knoten, mit dem der Riemen am Sattel befestigt war. Schmunzelte. Jetzt war ich froh um die Wahl der Satteldecken, denn genau um solche handelte es sich. Auseinander gefaltet konnten sie uns als Decken in der Nacht dienen. Ein Trick, den ich noch aus dem Reservat kannte. Wie oft hatten wir die Nächte draußen verbracht, irgendwo in der Prärie. Ich suchte in der Satteltasche nach meinem Smartphone. Kein Empfang. “Nicholas? Hast du Netz?”, ich winkte mit meinem Handy, damit er wusste, was ich meinte. Kurz suchte auch Nicholas, schüttelte dann den Kopf. “Gut, ich hab an den Pager gedacht. Ich schick denen im Tal fix eine Nachricht. Dass wir alle gefunden haben, aber die Nacht hier oben verbringen.”
“Gib mir deine Wasserflasche, ich füll die Mal unten am Bach auf. Ich hab tierisch Durst.” Die Idee war tatsächlich keine verkehrte. Ich löste also meine Aluflasche aus ihrer Lederhalterung am Sattel, um sie ihm zu reichen. Schließlich machte ich mich auf zu den Kühen, schaute genau auf die erwachsenen Tiere, ob ich Verletzungen fand. Und sobald die Mutter mich ließ, ging ich auch zaghaft auf das Kalb zu, das im hohen Gras lag. Es schien erschöpft. Aber ansonsten wohlauf. Ein Teil der Anspannung fiel von mir ab. Der erste Teil war geschafft. Ich spürte das Brennen meiner Muskeln, das Ziehen in meinem Gesicht von den Kratzern. Aber ich war glücklich. Erst jetzt konnte ich die wunderschöne Natur um mich herum wirklich sehen. Mit geübtem Blick scannte ich meine nähere Umgebung. Gar nicht allzu weit entfernt sah ich einen riesigen Findling. Auf seinem Weg ins Tal war er dabei auf einen anderen Felsen gefallen. Daneben stand ein halb kahler Kiefernbaum. Darunter platzierte ich beide Sättel, legte die Decken darauf. Einen Platz für die Nacht hatten wir schonmal. Überrascht war ich, als Nicholas nicht nur mit den Flaschen wieder kam, sondern auch einen kleinen Arm voll Äste mit sich trug. Es schien also nicht sein erstes mal draußen in der Natur zu sein. “Sehr schön, du denkst mit!”
“Aber glaub bloß nicht, dass ich das Feuer entfacht krieg.” Er reichte mir meine Flasche zurück. Ich genehmigte mir direkt ein paar Schlucke des kalten Getränks. Der kleine Bach musste von Gletscherwasser getränkt sein.
“Schau in meinen Satteltaschen nach, da müsste eine kleine Metalldose sein. Da hab ich alles drin was wir für ein Feuer brauchen.” Nicholas drehte sich zu den Sätteln um und kramte die Dose hervor. Mit dem größten Stück Holz räumte ich eine kleine Stelle frei und schaffte so eine kleine Grube. Anschließend nahm ich mich der Dose an. Ich holte den Feuerstahl heraus. Ein wenig faseriges Zunder Gras und gut getrocknete Birkenrinde. Mit meinem Messer trennte ich kleine Stücke vom gesammelten Holz ab, um viele kleine Stücke zu haben. Anschließend erzeugte ich einige Funken, um die Birkenrinde zu entzünden. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl entfachte ich rasch ein kleines Feuerchen, das wir fleißig mit den kleineren Ästen fütterten, um ein großes Feuer zu erhalten. Nicholas hatte in der Zwischenzeit die Stelle unter dem Felsvorhang von grobem Geröll und Stöckern befreit. Heruntergefallene Kiefernzweige hatte er im Abstand um das Feuer auf dem Boden verteilt. Das Moos auf den Steinen eignete sich nicht, noch war es zu nass, um es zu nutzen.
“Gut, dass wir die Satteldecken genommen haben,” murmelte er, “wird sicher ‘ne kalte Nacht. Ich geh gleich nochmal auf die Suche nach ein wenig Feuerholz, damit wir gut nachlegen können.” Dann griff er sich plötzlich an den Bauch, lächelte. “Ich bereue außerdem, heute morgen das Frühstück ausgelassen zu haben.” Auch ich spürte das leichte Gefühl von Hunger in meinem Magen. Zwar hatte ich ausgiebig gefrühstückt aber, der Tag war anstrengend gewesen.
“Ich denke das Feuer ist sicher. Ich werd mal was essbares besorgen. Nicht, dass mir der arme, weiße Junge noch verhungert”, scherzte ich. Am Bach hatte ich vorhin schon nah des Wassers die verräterischen weißen Blüten der Brunnenkresse entdeckt. Ich pflückte einige gute Hände voll, wusch sie ausgiebig im kalten Wasser aus. Da wir kein Gefäß hatten, um darin zu kochen, ließ ich die Pilze stehen – auch, wenn sie eine ausgiebige Nahrungsquelle ergeben hätten. Ich blieb unschlüssig am Bachlauf stehen. Er war zu klein, um wirklich Fischen eine Heimat zu geben, außerdem konnte ich kein Leben in ihm ausmachen. Also fiel auch das Angeln aus. Abgesehen von der Tatsache, dass wir wohl auch kein Angelset fertigen konnten. Daher konzentrierte ich mich eher auf essbare Pflanzen, ging hastig eine Liste dieser in meinem Kopf durch … und vor allem die auch zu dieser Jahreszeit wuchsen. Für Blaubeeren war es leider noch zu früh. So pflückte ich Löwenzahn, auf den sich auch die Ponys zu stürzen schienen. Außerdem machte ich am Waldrand eine überraschende Entdeckung. Hier in diesen Höhen hatte sich wilder Lauch angesiedelt. Ich holte ein paar der Stangen aus dem Boden. Sein Geschmack erinnerte stark an den einer Zwiebel, aber immerhin würde er uns ein wenig sättigen. Langsam setzte die Dunkelheit ein. Also beeilte ich mich, das gesamte Zeug am Bach zu waschen.

Zurück im Lager sah ich Nicholas mit einem großen Haufen totem Holz neben dem Feuer sitzen. Die Sättel waren weiter unter den Vorhang verstaut. Beide Decken auf den Lagern aus Kiefernzweigen ausgebreitet. Die Steinwand reflektierte Licht und Wärme, als ich eintrat. “Oh, ich sehe, heute wird das Mahl wohl ein grüner Salat?”
“Lass uns das alles ein wenig klein rupfen und schneiden. Alles zusammen wird das sicherlich kein Festmahl, aber es wird sättigen.”
“Und ich hätte gedacht du gehst mit der Schießbüchse auf die Jagd!”
“Donnerbüchse.”
“Mhm?”
“Donnerbüchse wurde das Gewehr oft genannt. Nicht Schießbüchse.” Nicholas lächelte, rufte seine Brunnenkresse in den Schoss. Ich schnippelte den wilden Lauch, steckte mir eine der Scheiben zwischen die Lippen. Ihr Geschmack erinnerte tatsächlich stark an eine Zwiebel, jedoch deutlich milder. Ich hatte mir das Ganze schlimmer vorgestellt. “Ich hab tatsächlich daran gedacht eine Hasenfalle zu bauen. Doch ich würde in der frühe eher aufbrechen wollen um die Tiere ins Tal zu kriegen, statt Zeit zu verplempern, einen Hasenbraten fertig zu machen.”
“Da pflichte ich dir bei. Das ist deutlich vernünftiger. Ich muss allerdings gestehen … einen mehrere Tage andauernden Ritt mit dir in der Wildnis unterwegs zu sein … ich hab darauf richtig Lust.” Nicholas sprach mit glasiger Begeisterung in den Augen. Ich sah nicht richtig auf in meinem Tun. Doch sah ich, wie meine Finger einen Moment in ihrer Tätigkeit stoppten, bevor sie fortfahren konnten.
“Hier, iss”, damit reichte ich ihm eine Hand voll wildem Lauch und er reichte mir die zerrupfte Brunnenkresse sowie den Löwenzahn. Ohne auf seine Worte einzugehen aßen wir stumm das Mahl. Jeder hing irgendwie seinen Gedanken nach. Wir hatten einen spektakulären Blick auf den Sonnenuntergang. Die Gipfel vor uns wurden nach und nach in weniger Licht getaucht, bis der Himmel aufbrach und dunkelrosa Sonnenstrahlen auf den Berghang geworfen wurden. Leichte Kälte zog ein. Also nahm ich mir die Decke, um sie mir um die Schultern zu legen. Beim Anblick des Himmels konnte ich Nicholas Wunsch schon verstehen, allerdings machte ich mir zu sehr Sorgen um die kleine Herde draußen. Ab und an konnte man die Pferde leise schnaufen hören. Die Geräusche des nächtlichen Waldes wurden immer surrealer und von den Berghängen hallte das Echo eines Wolfsgeheuls wieder.
“Zugegeben das Geräusch jagt mir doch ein Schauer über den Nacken“, flüsterte Nicholas in die Dunkelheit. Ich schlug die Decke ein Stück zur Seite, um den Blick auf die Tasche mit dem Gewehr freizugeben.
“Sie werden uns nicht angreifen. Falls doch, haben wir noch immer die hier.”
“Dann halte ich mich lieber an dich. Ich hab nie gelernt, damit umzugehen.” Bewusst oder unbewusst rückte Nicholas näher zu mir heran. Mein Wunsch noch einmal nach den Tieren zu sehen wuchs. Da ich sie jedoch hören konnte, ließ ich davon ab.
“Lass uns schlafen, der Tag war anstrengend genug.”

Leicht schlotternd erwachte ich. Da mein Handy ausgeschaltet war, hatte ich keinerlei Vorstellung davon wie spät es war. Ich richtete mich halb auf, nahm einen der verbliebenen Totholz Zweige und warf sie auf das langsam sterbende Feuer. Nicholas bewegte sich. Im Licht des Feuers sah ich, wie sich seine Augen öffneten. “Erinner mich dran, wenn wir wirklich mal unterwegs sind einen Schlafsack einzupacken. Meine Gänsehaut nimmt die Ausmaße einer Rauhfasertapete an!” Ich strich mir mit den Händen durch das müde Gesicht, entfernte die kitzligen Haare so gleich mit. Ich legte also noch einen der Scheite auf das Feuer. Dann richtete ich mich auf, schnappte meine Decke.
“Rutsch ein Stück rüber”, gähnte ich lautlos. Nicholas ließ sich nicht weiter bitten. Er rückte gerade so nahe wie er es wagte, an das Feuer heran. Dann hob er seine Decke an. Etwas ungelenk legte ich mich neben ihn. Anschließend warf ich die Decke über die Seine. Tatsächlich spürte ich fast augenblicklich, wie sich unsere Körperwärme unter den Wolldecken verbreitete. “Ich hätte gern mein Büffelfell dabei”, seufzte ich schläfrig. Nicholas rückte mit dem Rücken näher an den meinen heran. “Oh warte,” flüsterte ich, “meine Haare!” Nicholas hob leicht den Oberkörper, damit ich einen meiner Zöpfe unter seiner Schulter hervorziehen konnte.
“Gute Nacht”, seufzte Nicholas. Langsam kroch wohlige Wärme in meine Gliedmaßen und allmählich fand ich halbwegs erholsamen Schlaf.

Schlaftrunken blinzelte ich, brauchte einen Moment das blonde Gesicht so dicht vor dem meinen überhaupt wahrzunehmen. Ich hatte jahrelang so dicht neben Kaya geschlafen, nicht ihre Stirn an der meinen zu spüren erschreckte mich. Ich hatte den Atem von Nicholas in meinem Gesicht. Ich spürte die Gänsehaut in meinem Körper. Vorsichtig rückte ich von ihm fort, machte flüchtig einen Blick in Richtung des Feuers. Nur noch eine leichte Glut glimmte vor sich her. Um die zurückkehrende Kälte zu entfernen, richtete ich mich auf, strich über die vom Tau ganz klamme Decke. Bevor wir los konnten, musste sie ein wenig trockener werden. Ich widerstand dem Gefühl Nicholas bereits zu wecken. Wie es mir erschien, erwachte der Morgen gerade erst. Uns bliebe noch der gesamte Tag, um ins Tal zurück zu reiten. Ich warf die Decke in die ersten Strahlen der Sonne auf einen der Findlinge. Unten am Fluss füllte ich die beiden Flaschen wieder mit klarem Wasser auf. Ich spürte das Brennen in den Fingern vom eiskalten Wasser, spritze mir das kühle Nass jedoch auch ins Gesicht, um meine Gemüter ein wenig zu beruhigen. Ich wusste, dass es zum erwachsen werden gehörte, doch konnte ich getrost darauf verzichten. In meinem Kopf blieb nur der Schatten einer Erinnerung was genau ich geträumt hatte, aber offensichtlich hatte es ausgereicht, die Freude in einige Teile meines Körpers zu befördern. Ich zupfte, nachdem ich mich nach Nicholas umgesehen hatte, sachte an meiner Hose herum um das einengende Gefühl los zu werden. Dann sah ich mich um. Sungila hob ihren Kopf aus dem Gras. Ich schmunzelte und machte mich durch das nasse Gras auf den Weg zu ihr. Es freute mich, alle Tiere wohlbehalten an der selben Stelle zu finden. In der Nacht schienen sie, wie ich es vermutet hatte, eng zusammengehalten haben. Hierin sah ich den großen Vorteil, dass die jungen Pferde oft zwischen den Kühen standen - sie sahen sie durchaus als Teil ihrer Spezies und Herde an.
“Wollen wir direkt los?”, meinen Körper durchfuhr der Schreck, ebbte nur langsam ab. Ich war zu konzentriert auf meine schweifenden Gedanken gewesen. Nicholas in der Stille des Morgens hatte ich nicht erwartet.
“Ich denke wir genehmigen uns noch ein Grünzeug-Frühstück, lassen die Decken in der Morgensonne trocknen und buddeln das Loch vom Feuer wieder zu.”
“Dann übernehm ich das Buddeln … such du das Grünzeug. Die Decke hängt schon neben dem Stein von deiner.”

Nur langsam kamen wir aus dem Hochgebirge in die unteren Regionen. Mittlerweile hatte ich mit dem Lasso dem Kalb die Beine zusammengebunden und den jungen Bullen auf Sungilas Rücken gelegt. Zwischenzeitlich hatte ich bereut, die junge Stute genommen zu haben. Allerdings meisterte sie jede der Aufgaben, die ich ihr geben musste, mit einer Souveränität. Sie erfüllte mich mit Stolz. Wir hatten einen Umweg um die kleine Geröllhalde machen müssen, denn wir hatten nicht riskieren wollen, dass die Kühe dort abstürzten. Hatten sich ungefähr so die ersten Siedler dieses Landes gefühlt, als sie mit ihren Trecks die Gebirge überwanden? “Nicholas! Schau!”, rief ich zu ihm nach hinten. Er bildete das Schlusslicht unserer kleinen Herde. Zwischen dem dichten Wald konnten wir nun das Blockhaus der Ferienranch erkennen.
“Du hast es geschafft!”, rief Nicholas von hinten und schenkte mir ein breites Grinsen, “Ich hoffe Dolly hat den Kühlschrank gefüllt. Mir hängt der Magen in den Kniekehlen!”, rief er spitzbübisch.
“Hat dir mein Festmahl nicht gefallen?”
“Seh ich aus wie ein elender Veganer?”
“Dann lass ich dich das nächste Mal auf die Jagd gehen, ja?”
“Es wird also ein nächstes Mal geben?”, fragte Nicholas, als er neben mir auf dem Hauptweg angekommen war. Ich machte eine unbestimmte Handbewegung.
“Lass uns erstmal dieses Abenteuer beenden”, dann zwinkerte ich und stieg hinter dem Kalb wieder in den Sattel. Bevor Easy unruhig wurde da ich bereits losgeritten war, fand auch Nicholas seinen Weg in den Sattel. Wir trieben nun auf dem breiten Weg die Kühe einfach vor uns her. Der Abstieg hierher war für die Kühe genauso anstrengend gewesen wie für uns, daher ließen wir uns Zeit. “Warte mal, ich setz das Kalb jetzt mal wieder runter”, seufzte ich – darauf hätte ich ja auch kommen können bevor ich aufgestiegen war! Also stieg ich wieder umständlich vom Pferd, löste die Schlinge um die Vorder und Hinterbeine und gab das Kalb zurück in die Obhut der Mutterkuh. Blökend bockte es in Richtung seiner Mutter.

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