Nix übers Pony

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 201

Ich glaube mein letzte Laber-Post ist schon eine ganze Weile her. Nachdem die Beziehung zu meinem Freund beiseitig im Januar beendet wurd hat sich so viel in kurzer Zeit geändert. Zu Mitte Februar bin ich in eine hübsche Wohnung 2 Minuten Fußweg von meiner Arbeit gezogen. Leider bisher ohne Internet. Erst hieß es die Leitung sei blockiert. Als der Techniker da war stellte sich heraus - Leitung Tod, Kabel irgendwo im Eimer. Naja...also hat man leider viel Zeit zum Nachdenken...und dazu hab ich letztens mal meine Gedanken aufgeschrieben. Der untere Text könnte einigen Bekannt sein, das hab ich auch schon bei Instagram gepostet. Aber irgendwie wollt ich das mit dem Rest der Community auch mal Teilen. Joelle ist ja quasi Teil des Lebens geworden haha
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Eigentlich hat sich das bereits früh abgezeichnet. Ich war immer ein Läufer der Nische. Das hinterher laufen von Trends hat mir nie gefallen. In meiner Pubertät, wenn alle um mich herum begannen sich zu entwickeln, bin ich irgendwie auf der Strecke geblieben. Mit meinem 16 Lebensjahr, also vor fast 10 Jahren, bin ich Head over Heels aktiver in die Pferdewelt geflogen, denn ich durfte nicht mehr aktiv turnen. Meine Tage waren gefüllt mit Schule und Stall. Während andere meines Alters plötzlich anfingen mit Jungs sich zu treffen, Themen wie Beziehung und Sexualität DAS Thema war. So konnte ich dem ganzen einfach nie folgen. Hatte ich das Gefühl nicht dazu zugehören? Tatsächlich nicht. Ich verstand ihre Faszination einfach nicht. Ich prophezeite mir selbst ich sei einfach ein Spätzünder. 2012 schließlich kam mir ein deutlich älterer Mann zu nahe, viel zu nahe. Mir gelang es gerade so die Tür des Transporters zu öffnen...und zu gehen. Die Umarmung, der Kuss auf meinen Hals. Ließen mich völlig verwirrt zurück. Ich begann Männern aus dem Weg zu gehen. Begann mir eine eigene Wahrheit zu erzählen, immer und immer wieder bis ich schlussendlich so sehr an sie glaubte. Das sogar mein Körper mit Stress und Angst auf die pure Anwesenheit von Männern reagierte die in meiner Nähe waren. Je weniger ich mich jedoch auf die Angst konzentrierte desto bewusster wurde mir im Inneren - war es überhaupt Angst? Hatte ich nicht vielmehr immer genau dann Angst wenn es um Beziehungen ging...um Nähe….viel mehr um Sex? Also ging ich ihm aus dem Weg. Aber kann man dem Willen nach emotionaler Nähe davon rennen? Guess what. Man kann es nicht. Stattdessen staut es sich auf. Man errichtet Mauern aus Gefühllosigkeit. Als ich meinem Partner wieder einmal stark vor den Kopf gestoßen habe. Stieß ich auch Gefühle von mir. Bis ich im Mai 2017 auf meine Sippe traf. Einen Mann den ich in seiner Art so faszinierend fand. Er half mir meine vermeintliche Angst vor Männern zu bekämpfen. Gefühle kamen ins Spiel. Und die Realisation meiner eigenen Lüge. Sie brach zusammen. Zusammen wie ein Kartenhaus, mit mir inmitten der Trümmer.

Ich räumte also auf. Schloss 2018 meine Ausbildung ab. Startete in einen Job den ich liebte, zog von meinem toxischen Zuhause aus in ein eigenes Refugium. Wurde glücklicher, mental gesünder. Und immer wenn ich in der Sippe war, genoss ich seine Nähe...emotional gesehen. Um ihn irgendwie auch immer an mich zu binden, schenkte ich ihm ganz wissenschaftlich meinen Körper. Das mag schlimm klingen. Doch für mich war es nichts weiter. Es war wie Frühstücken, das Geschirr abzuwaschen. Aber das Gefühl danach war...nicht schön. Ich verstand noch immer nicht. Wieso taten Menschen das gern? Wieso war jeder so fixiert darauf. Da es selten geschah beließ ich es dabei. Im Frühjahr 2019 wurde mir bewusst das ich nicht Achtsam mit meinen Gefühlen umging. Das ich von ihm nicht bekommen würde was ich suchte. Wir verblieben Freunde. Ich widmete mich derweil der größten Herausforderung dem Mann zu schreiben, den ich in all den Jahren so sehr vor den Kopf gestoßen hatte. Er verzieh mir..innerhalb weniger Wochen wurden wir ein Paar. Verbrachten den Sommer gemeinsam. Wir haben eine Verbindung, sie wird nicht weichen...aber sie war nicht genug. Nach unendlich vielen ehrlichen Gesprächen beschlossen wir unsere Beziehung zu beenden. Wieso? Meine fehlende sexuelle Anziehungskraft. Im Sommer 2019 stolperte ich zum ersten Mal über den Begriff. Doch noch immer erzählte ich mir diese innere Lüge: Ich bin bloß ein Spätzünder. Doch in der geführten Beziehung wurde es immer deutlicher - meine Asexualität. Mein Ringen nach Bindung ist verworren in einer Kultur die auf Sex basiert. Für mich kann Liebe existieren ohne Sex. Die höchste Intimität ist nicht der Austausch von Körperflüssigkeiten. Sich ausziehen und Sex haben ist einfach. Emotionale Intimität ist das was ich möchte. Ich hatte und habe sie, in meinem Ex-Partner. Doch hier ist die Krux - es war nicht genug. Ich fühlte mich allein bei dem Gedanken an Sex mental unter Druck gesetzt. Ich tat alles um dem aus dem Weg zu gehen. Wohingegen er sich abgelehnt gefühlt hat. Ist das falsch? Ist er deshalb ein schlechter Partner? Absolut nicht! Es mag einige geben die dies meinen würden. “In einer Beziehung muss man nunmal Kompromisse eingehen!”
Ach ja? Muss ich? Bedeutet das wir müssen beide emotional Leiden damit eine Beziehung funktioniert? Absolut nicht! Daher unsere Entscheidung uns zu trennen. Jeder wieder eine eigene Wohnung zu beziehen. Aber wir bleiben einander erhalten.
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Und trotzdem ist diese Entscheidung so schwer. Die Gefühle sind nicht weg. Treffen wir uns...dann sind da diese Berührungen. Ich kann sie genießen. Doch wie soll das ganze weiter gehen? Ab einem bestimmten Punkt wird er eine neue Partnerin an seiner Seite haben - Was dann aus der Freundschaft...dieser emotionalen Bindung wird ist ungewiss.

Der Gedanke daran lässt mich fast traurig zurück. Außerdem die Realisierung das eine weitere Partnerschaft nun noch schwerer zu finden sein wird. Wir alle tragen Boxen mit uns herum. Eine Box voller Erwartungen und Wünsche. Treffen wir auf andere Personen legen wir diese auf einem Tisch aus...
Nimm "Sex" und "Keine Kinder" vom Tisch kann das schonmal schwer werden. Während ich mit dem Umzug beschäftigt war...hat mich das Thema kaum getroffen. Dafür danach...Tränen des Leides sind mir die Wangen heruntergelaufen. Es hat ein paar Tage gedauert bis ich das ganze für mich irgendwie klamüsert habe.

Der Post-Text ...und auch der emotionale Ausbruch sind schon wieder ein paar Wochen her. Ich kann lockerer damit umgehen. Vor allem aber versuch ich mir damit nicht ein Label aufzudrücken, ich "zerdenke" das Thema nicht länger. Ich habs einfach als Tatsache akzeptiert und werd eben sehen wohin mich das führt.

Glückwunsch, wenn du bis hier gelesen hast.
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