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Mein Fohlen Caletta

Geschrieben von Mongofisch im Blog Heimatlos. Ansichten: 79

arialEisiger Wind schlug mit entgegen, als ich aus der Tür trat. Der Hof war bedeckt von einer zarten, weißen Schicht Schnee, kleine Flocken fielen unregelmäßig vom Himmel und setzten sich in meinem Haar fest, während ich zum Stutenstall lief. Es war noch dunkel und ich hatte heute viel vor, sodass ich mich beeielte, den Pferden ihr frühstück zu geben. Vor einem Monat hatte ich mein erstes Fohlen bekommen, welches neben Calacirya die Box bezogen hatte. Die kleine Caletta wurde von mir mit der Flasche aufgezogen, da ihre Mutter sie nicht angenommen hatte. Gierig nuckelte sie die Milch aus der Flasche, wobei die Hälfte auf dem Boden landete. „Mensch, du sollst das trinken und nicht deine Box damit tränken“, lachte ich und streichelte dem Fohlen über den Hals. Nach kurzer Zeit war die Flasche leer und ich steckte sie in meine Jackentasche. Caletta schien noch eine Milchfalsche zu erwarten, bestimmt knabberte sie meinen Schal an und zog kräftig dran. „So nicht!“ Erschrocken sah sie mich an. „Sei nicht immer so frech.“ Zum Abschied klopfte ich ihr den Hals, dann schloss ich die Box von außen und lief zum Hengststall. Heat und Monster wollten schließlich auch ihr Frühstück rechtzeitig bekommen. Der junge Labrador Jury folgte mir aufgeregt, entschied sich aber dann doch anders und verschwand hinter ein paar Büschen. Flink schmiss ich den beiden Hengsten ihr Heu zu und verteilete das Kraftfutter. Draußen wurde es langsam hell, sodass ich nun die Stuten auf die Weide stellte. Auch Caletta durfte heute mit raus, bekam aber eine leichte Decke, damit ihr junger, zarter Körper nicht auskühlte.

arialNachdem auch die Hengste auf ihrer Koppel standen, frühstückte ich schnell was und machte mich dann auf den Weg zu Lena, bei der ich heute einen Hufschmied-Termin hatte.

arialHeute war ich bereits den dritten Tag bei Lena. Nachdem ich meinen Wagen geparkt und alles ausgepackt hatte, brachte die junge Frau mir das erste Pferd für heute: Milka Luflee, eine Isländerstute. Ich begrüßte sie kurz und fing dann damit an, die alten Hufeisen abzunehmen. Die junge Stute stand dabei brav still und ich fuhr damit fort, die Hufe ordentlich auszuschneiden. Zuerst kürzte ich die Hufwände und die Trachten, anschließend rundete ich die Hufwand etwas ab. Zum Schluss schnitt ich noch den Strahl zurecht, dann war die Stute fertig und konnte zurück in die Box. Vorher bekam sie allerdings noch ein Leckerli zur Belohnung.

arialAls nächstes war Totbringer dran. Die hübsche Stute sollte ebenfalls barhuf gehen, wesshalb ich nach einer kurzen Begrüßung direkt mit dem Abnehmen der Eisen anfing. Gelangweielt und fast schlafend stand die Stute am Putzplatz und beachtete weder mich, noch irgendetwas anderes, sodass es relativ schnell ging, bis alle Eisen ab waren und ich mit dem Ausschneiden der Hufe fortfuhr. Zuerst kürzte ich die Hufwände und die Trachten, die bei diesem Pferd noch sehr gut aussahen. Anschließend rundete ich die Hufwände mit der Raspel ab und korrigierte mit dem Hufmesser den Strahl. Nachdem ich den letzten Huf abgesetzt hatte, klopfte ich Totbringer den Hals. Verschlafend guckte die Stute mich an und bekam ein Leckerli von mir, bevor Lena sie zurück in den Stall brachte.

arialAls sie zurück kam, führte sie eine kleine, cremefarbene Isländerstute, band sie an und erklärte mir: „Das ist Kempa, sie ist ruhig im Umgang und auch bei Hufschmied macht sie keine Probleme. Sie soll ebenfalls barhuf gehen.“ Ich nickte und begann sofort, die Hufeisen, welche schon ziemlich abgelaufen waren, abzunehmen. Anschließend kürzte ich die Hufe und schnitt den Strahl zurecht. Lena hatte recht behalten, die Stute war total lieb und ließ alles brav machen. Zur Belohnung gab ich ihr ein Leckerli und streichelte ihr über die warmen Nüstern. Dann wurde sie zurück in den Stall gebracht und die nächste Stute war dran.

arialWhite Pearls Sunset, eine Mixstute, ließ sich brav von Lena anbinden und betrachtete mich neugierig. Ich begrüßte sie und fing dann damit an, die Hufeisen abzunehmen, da auch diese Stute barhuf gehen sollte. Sunset gab mir brav die Hufe und stand fast ohne eine Bewegung da und ließ mich arbeiten. Ich lobte die Stute, nachdem ich die Hufe ausgeschnitten und zurecht gefeilt hatte.

arialAls nächstes waren Buried Hope und die beiden Fohlen Columbia Frau Frelsi und Nökkvadís Frau Frelsi dran. Bei der großen Stute nahm ich die Hufeisen ab, anschließend schnitt ich bei allen drei Pferden die Hufe aus. Hope war zwar etwas neugierig und musste alles untersuchen was ich ihr zeigte, war aber, wie die beiden Fohlen, brav und weigerte sich nicht. Bevor die Stuten zurück in den Stall kamen, gab ich jedem noch ein Leckerli.

arialNun kam das erste Pferd, welches neue Eisen bekommen sollte. Little Grey war eine hübsche Mixstute, die mich neugierig begutachtete, während Lena sie anband. Ich gab ihr ein Leckerli zur Begrüßung, über das sie sich sehr zu freuen schien. Zuerst nahm ich, wie bei den anderen Pferden, die alten Eisen ab. Anschließend suchte ich neue, passende Eisen raus und erhitze das erste im Schmiedeofen. Während ich darauf wartete, dass es heiß genug war, strich ich Grey über den Hals. Sie stand gelassen neben mir und auch als ich das glühende Eisen auf ihren Huf legte, machte sie keine Anstalten. Mit dem Hammer formte ich das Eisen, sodass es perfekt auf den Huf passte. Im Wasser kühlte ich es dann ab und schnitt mit der Schere den Schneegrip auf das Eisen zu. Mit zwei Nieten befestigte ich die Einlage und nagelte dann beides auf den Huf. An das Hufeisen konnten außerdem noch Stollen befestigt werden. Zur Belohnung gab ich der Stute und sie konnte zurück in den Stall.

arialDie letzten Stuten für heute, Pögn und Saints Row, sollten ebenfalls neue Eisen mit Schneegrip bekommen. Ich wiederholte also die Abläufe wie bei Grey und nach kurzer Zeit hatten beide Stuten die neuen Eisen an den Hufen. Die beiden Ponys waren dabei lieb und ich konnte meine Arbeit ohne Probleme machen. Bevor sie zurück in den Stall kamen, gab ich beiden noch ein Leckerli.

arialWährend Lena die Stuten zurück in den Stall brachte, räumte ich mein Werkzeug zusammen und verstaute es im Auto. Die junge Frau kam zu mir und wir verabschiedeten uns. Ich machte mich fröhlich auf den Weg nach Hause.

arialAls ich zurück auf dem Hof war, stand auf dem Parkplatz das Auto von Kimi, neben welches ich meins nun stellte. Ausgestiegen, wurde ich freudig von Jury begrüßt. Schwanzwedelnd folgte er mir zum Wohnhaus, in dem ich in der Abstellkammer meine Werkzeuge verstaute. „So Jury, dann machen wir mal die Ställe sauber“, sagte ich mehr zu mir selber und verließ das Haus wieder. Im Stutenstall nahm ich mir eine Schubkarre und eine Mistgabel und fuhr damit zu Summers Box. Als ich diese öffnete, blickte ich auf eine frisch gemistet, mit Stroh eingestreute Box. Ich ließ die Karre stehen und kontrollierte die anderen drei Boxen. Auch diese waren bereits gemistet. Verwundert lief ich über den Hof und suchte Kimi, der heute eigentlich andere Aufgaben bekommen hatte. Ich fand ihn schließlich Teetrinkend in der Küche. Grinsend sah er mich an: „Na, da bist du ja wieder. Ich bin schon lange fertig.“ - „Ich habs gesehen, danke fürs misten“, lachte ich. „Kein Problem, ich hatte das Leck im Hallendach schnell geflickt und auch der Zaun an der Weide war schnell ausgebessert“, erklärte er mir und nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse. „Super! Machst du heute noch was?“ Fragte ich meinen Angestellten, während ich mir ebenfalls Tee in eine Tasche goß. „Nein, für heute bin ich fertig. Es sei denn, du hast noch irgendwelche Aufgaben für mich?“ Antwortete er. Ich überlegte kurz, mir fiel allerdings nichts mehr ein. „Ich denke, dass wars dann für heute, ich hab auch nichts mehr“, lachte ich. „Obwohl, du könntest mir doch noch helfen. Ich wollte heute mit Caletta das erste mal spazieren gehen, da wäre es super, wenn du mit einer der anderen Stuten mitkommst, du kannst natürlich auch reiten.“ Kimi stellte die Tasse ab und sagte: „Das ist zwar keine Arbeit, aber ich komm gerne mit. Welche der Stuten wäre denn am besten zum Reiten?“ - „Hm, ich denke Cala wäre ganz gut, sie hat eine tolle Beziehung zu der Kleinen aufgebaut“, riet ich ihm. „Alles klar, dann lass uns los!“ Der junge Mann stellte seine Tasse in die Spüle und verließ die Küche. Schnell trank ich meinen Tee aus und folgte Kimi zur Stutenweide. Einen Moment beobachtete ich ihn, wie er sich mit den Stuten beschäftigt. Sie schienen ihn wirklich zu mögen, alle vier standen um ihn herum. Grey bettelte nach Leckerlis, Summer und Cala ärgerten sich gegenseitig. Nur Caletta war etwas zurückhaltender, sie stand ein Stück seitwärts der anderen und beobachtete das Geschehen.

arialIch betrat nun die Weide und lief zu Kimi, der verzweifelt versuchte, Cala das Halfter anzuziehen. „Hilf mir!“ Lachte Kimi, der mir das Halfter verkehrtherum hinhielt. „Was mach ich nur immer falsch?“ - „Probier es mal so rum!“ Grinsend gab ich ihm das Halfter richtig rum zurück. „Huch, ja jetzt geht es“, sagte er kleinlaut, während er es nun schaffte, Cala das Halfter überzuziehen. Caletta hatte sich währendessen neben mich geschlichen und stupste mich vorsichtig an. „Ja, du kommst auch mit.“ Ich streichelte ihr sanft über die Nase und zog ihr das Halfter über. Sie hatte sich früh an das Halfter gewöhnt und machte auch das Führen schon super mit. Ich war sehr stolz auf meine Kleine, dass sie schon so brav war. Gemeinsam gingen wir vier in den Stall, wo Kimi Cala anband und ich Caletta das Halfter abnahm. Während der Finne anfing die Stute anfing zu putzen, beschäftigte ich mich mit meinem Fohlen. Nacheinander zeigte ich ihr den gesamten Inhalt aus ihrem Putzkasten, den sie genau unter die Lupe nahm. Sie versuchte alles einmal anzuknabbern, es schien ihr aber nicht zu schmecken. Mit der weichen Kopfbürste begann ich, dass Fell zu bürsten. Das diente mehr der Gewöhnung, als der Pflege. Caletta guckte zwar etwas hilfesuchend zu Cala, blieb aber ruhig stehen und ließ das Putzen über sich ergehen. Auch die Hufe nahm ich nacheinander alle einmal kurz hoch. Das klappte ebenfalls super. Ich knuddelte die Kleine einmal durch und gab ihr ein Leckerli.

arial„Kimi, brauchst du Hilfe beim Satteln und Trensen?“ Fragend blickte ich zu ihm hinüber. „Ja, aber ich kann doch sicher auch ohne Sattel reiten oder? Das gefällt mir viel besser!“ - „Natürlich! Komm mit, ich zeig dir wo du ihre Trense findest“, sagte ich und lief zur Sattelkammer. Dort zeigte ich Kimi, wie ich die Trensen sortiert hatte und welches Calas war. Er nahm sie vom Haken und wir kehrten zu den Pferden zurück. Mit meiner Hilfe hatte Kimi die Stute schnell getrenst und ich half ihm beim Aufsteigen. „Weiter vorne“, lachte ich, als er viel zu weit hinten auf dem Pferderücken platz nahm. Grinsend rutsche er ein gutes Stück nach vorne und saß dann gut auf Cala. Ich legte meinem Fohlen das Halfter wieder an und wir setzten uns langsam in Bewegung. Am Reitplatz vorbei gingen wir den Weg in den Wald. Caletta lief aufgeregt neben mir her und guckte sich neugierig um. Die neuen Eindrücke saugte sie nur so auf, mal schnupperte sie da an ein paar Ästen, mal erschrack sie sich vor dem Schnee auf dem Boden. Es war entspannend, einfach mal die Seele baumeln zu lassen und zuzusehen, wie Caletta Neues kennenlernte. Bei Kimi schien auch noch alles in Ordnung zu sein, zufrieden ritt er auf Cala und hatte ein kleines Lächeln im Gesicht. Als er so schweigend neben mir herritt, fiel mir das erste Mal auf, wie hübsch er eigentlich war. Seine blauen Augen spiegelten den Schnee wieder, sein markantes Gesicht sah einfach nur umwerfend aus. Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich ihn anstarrte und blickte schnell woanders hin. „Wollen wir umdrehen?“ Brach Kimi das Schweigen. „Langsam wird es kalt.“ Ich nickte und wir kehrten um, zurück zum Hof.

arialEs wurde schon dunkel, als wir die beiden Pferde versorgten und sie in ihre Boxen stellten. Caletta bekam ihre Flasche, sie hatte sicher großen Hunger. In Windeseile hatte sie die gesamte Milch getrunken und blickte zufrieden drein. Ich klopfte ihr nochmal den Hals, dann schloss ich ihre Box und holte, gemeinsam mit Kimi, Summer, Grey, Monster und Heat von der Koppel. Wir gaben ihnen für die Nacht Heu und schlossen die Paddocktüren.

arialIn der Küche goß Kimi uns noch einen Tee ein und setzte sich erschöpft auf einen Stuhl. „Reiten ist ganz schön anstregend!“ Er trank einen Schluck und stellte seine Tasse ab. „Ach, da gewöhnst du dich ganz schnell dran“, lachte ich.

arialWir saßen noch einige Zeit in der Küche und unterhielten uns über Gott und die Welt. Als es draußen schon stockdunkel war, verabschiedete Kimi sich langsam und machte sich dann auf den Weg nach Hause. Gedankenverloren saß ich nun alleine in der Küche. Ich war glücklich. Wirklich glücklich! Und das war mir heute besonders aufgefallen. Ich hatte einen tollen Mitarbeiter und vor allem, ein wundervolles Fohlen. Auf morgen freute ich mich auch ganz besonders, da würde meine neue Trakehner Stute kommen! Zufrieden verließ ich die Küche und zog mich zum Schlafengehen um. An diesem Abend schlief ich schnell und mit einem Lächeln im Gesicht ein.
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