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Manchmal kommt es ganz anders....

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 238

(c) Ravenna



schwarz - Sarah

- Hansi





"Sching, schang...."

"Was macht ihr da eigentlich?!" meine Hände blieben in der Luft stehen, gerade hatte ich Papier nehmen wollen.Hansi antwortete der leicht verwirrten Kathi. "Wir spielen...sieht man doch." wahnsinnig diese genaue Antwort! "Das dient genau welchem Zweck? " dieses Mal war es an mir zu antworten. "Wir haben doch zwei neue Aufträge erhalten. Wir debattieren gerade darüber wer nach Spanien darf." Kathi sah aus als würde sie sich gleich die flache Hand auf die Stirn schlagen, stattdessen nahm sie die Hände in die Luft fuchtelte von einem zum anderen. "Ah und das nennt ihr debattieren?....Also ich hätte ja die Münze geworfen." kurz sahen wir uns alle an, dann brachen wir in Gelächter aus. "Als wäre der Münzwurf so erwachsener." giggelte ich hervor. Trotzdem....wer würde jetzt fahren? Also kehrten wir zurück zu unserer Partie, die leider für Hansi gut ausging. "Dann setzt dich nochmal an die Bücher - es geht um eine S** Dressur!" witzelte ich in Hansi's Richtung. ..nun denn würde es eben für mich in Richtung Deutschland zu Alicia gehen, auch gut!





Wie von Sarah bemerkt hatte ich mir noch einmal ein bisschen Lektüre zu rate gezogen. Das letzte Mal hatte ich ein S Dressur Pferd unter mir gehabt in meiner Ausbildung vor knapp 5 Jahren. Da es in der S** nur noch darum ging, Aufgaben zu vertiefen und Übergänge zu verbessern konnte ich es meistern!

Am nächsten Morgen wurde ich von Cayden zusammen mit Sarah zum Flughafen nach Edinburgh gefahren, ab da würden sich unsere Wege trennen. Dank des Glückes ging es für mich nun nach Spanien. Im Flugzeug faltete ich meine knapp 1,89 Meter hinter dem Sitz zusammen, ein nach Bratenfett und Alkohol riechender Mann pflanzte sich direkt neben mir – jap und da verließ mich mein Glück gleich wieder. In den nächsten Stunden gewöhnte ich mich – nicht – an den Geruch, versuchte aber mich mit Lektüre und Musik weitestgehend zu beschäftigen. Bereits nach einer Stunde hätte ich gern die Beine ausgestreckt. Am Flughafen von Barcelona quetschte ich mich aus dem Gang heraus, bei sonnigen 11° war es angenehmer als bei uns in Schottland. Kurz streckte ich meine Nase der Sonne entgegen, dann schlurfte ich mit Rucksack hinüber zum Ausgang – jetzt noch ein Taxi Richtung Haras Equitador finden!



Vorbei an „Zäunen“ aus buntem Mosaik, einem Baustil den ich nicht zu benennen vermochte und unzähligen anderen Auto´s kamen wir dem Ende der Stadt immer näher. Bei dem Fahrer hatte ich gelernt nicht allzu oft auf die Straße zu sehen – er besaß einen haarsträubenden Fahrstil! Trotzdem genoss ich die Landschaft, die an mir herüber flog, zumindest hatte der Fahrer einige Brocken Englisch gekonnt. Zwar stellte ich mir die Frage, wie ich wohl wieder zum Flughafen kommen würde, aber jetzt freute ich mich auf Marismeño.

Angekommen an unserem Ziel, gab ich dem Fahrer sein Geld, verabschiedete mich und schlenderte auf den Hof zu. Bereits im voraus hatte Sarah Bescheid gegeben, das nicht sie sondern ich kommen würde. Der Hof war modern, aber eben „spanisch“ gehalten….ich glaubte zu wissen, das diese Art von Gebäuden Finca genannt wurden, aber Architektur war nicht mein Fall. Es herrschte noch eine morgendliche Ruhe, war es doch gerade mal 10 Uhr, doch eine zierliche Frau kam geradewegs auf mich zu. Wobei in Anbetracht meiner Größe fast jede Frau zierlich wirkte die mir nur knapp bis ans Kinn reichte. „Sind sie Herr Viklund?“ wurde ich gerade heraus gefragt, winkte jedoch ab „Götter! Nicht Herr Viklund...nenn mich doch bitte Hansi, Jenny?“ letzteres sollte eine Frage sein, als sie nickte wusste ich das ich die Inhaberin des Hofes vor mir hatte. „Wir haben Marismeño bereits von der Koppel geholt, angebunden hab ich ihn für dich auch schon mal, dann kannst du gleich mit dem Putzten anfangen.“ Ich nickte, folgte Jenny auf dem Fuß. „Allerdings will ich mich bei der Bodenarbeit erstmal ein wenig mit ihm Bekannt machen. Ich nehme an einen Round Pen habt ihr?“ fragte ich, während wir in ein helles, schönes Stallgebäude traten. Etwa in der Mitte stand ein edler PRE Hengst in weißem Fellkleid, sein Kopf war hoch erhoben, die Ohren neugierig in unsere Richtung gespitzt. „Ausstrahlung hat der Kerl ja!“ sagte ich, nicht ohne eine Spur der Bewunderung. Freundlich ließ sich der leicht aufgeregte Hengst an den Nüstern streicheln. Jenny zeigte mir sein Putzzeug, wollte noch kurz ein anderes Pferd holen, mir dann Gesellschaft leisten und mir zeigen wo der Round Pen sich befand. Marismeño ließ sich ohne Umstände von mir putzten, in Begleitung von Jenny fand ich den Zirkel. Dort machte ich dem Hengst ein wenig „Dampf unter dem Hintern“ wobei es ihm an Temperament und Vorwärtsdrang nicht fehlte. Eher musste ich sein Tempo immer wieder mal zügeln, doch auf die Stimme reagierte er nach kurzer Eingewöhnungszeit wirklich gut. Freiarbeit schien er noch nicht allzu sehr gewöhnt zu sein, doch wusste er mit den stimmlichen Kommandos eine Menge anzufangen, schließlich lief er auch vor der Kutsche, war diese also gewohnt. Am Ende des gemeinsamen Kennenlernens trat ich neben den Hengst, streichelte über die leicht ölige Mähne, sein weißes Fell, dann holte ich schwung und landete auf dem blanken Rücken des Hengstes. Leicht schreckte er zurück, ging vorn ein wenig nach oben, beruhigte sich dann jedoch. Mit dem Gewicht gelang es mir ihn durch den Pen zu dirigieren, der Strick hielt leichten Zug – fast selbstständig fand er in die Aufrichtung. „Brav!“ lobte ich ihn. Am Nachmittag wollte ich richtig mit ihm arbeiten, also kam ich wieder von seinem Rücken, brachte ihn in die Box und suchte mir im Dorf eine Gelegenheit um zu Essen.



Bei einem Kaffee hatte mir Jenny noch fix erklärt bei welchen Übungen Marismeño noch Schwierigkeiten hatte oder die er unter ihr ab und an nicht ganz korrekt ausführte. Da es ihr aber an nötiger Zeit fehle hatte sie einen Trainer geholt um dabei zu helfen. Besonders das Halten aus der Passage sei mehr holprig als seidig. Das Rückwärtsrichten stellte auch ein kleineres Problem dar, dabei musste ich leicht schmunzeln, auch vom Boden aus hatte er es überaus ungern getan. „Ansonsten macht er wirklich alles super mit, den Rest muss man einfach immer wieder üben, aber das kann ich auch machen...nur die Fehler, da lass ich lieber andere heran“ Also führte mein Weg in den Stall, wo sich Marismeño genüsslich im nieder gelassen hatte in seiner Box. Nun klebte an seiner Unterseite beträchtlicher Dreck, den ich erst gründlich entfernen musste ehe es ans Satteln ging. Stilecht besaß er keinen Dressursattel, sondern einen schön geformten Barocksattel, bei dessen Anblick ich kurz stutzte – passte ich da auch hinein?

Ich zuckte die Schultern, legte dem Hengst sorgfältig die Kandare an und schon führte mich Jenny in Richtung der ebenso großen, erhellten Halle. In der Halle selbst fiel mir dann auf – Training im Rückwärtsrichten mit der Kandare machte sich doof. Also zog ich diese wieder vom Kopf, kramte den Clicker und die Möhrenstücke heraus und begann damit ihm diese Übung etwas schmackhafter zu machen. Mit dem Clicker hatte Jenny bereits mit dem Hengst gearbeitet, sodass er nicht erst darauf konditioniert werden musste. Nach und nach stellte er sich nicht mehr dagegen, sowohl auf Stimme und auf Handzeichen ging er rückwärts – ohne eine Wende mit dem Arsch zu vollführen oder unwillig mit dem Schweif zu schlagen. Nun ließ er sich gerade nach hinten schicken...ohne unschöne Kurve. Also kam das Kopfstück wieder dran und ich auch mal in den Sattel. Neben dem Aufwärmen fragte ich auch einige der Lektionen ab. Einmal um den Hengst warm zu machen, mich aber auch wieder an meine eigene Lehrzeit zu erinnern – die Versicherung das ich die richtigen „Hebel“ bediente. Es dauerte eine Weile ehe wir uns auch hier aufeinander abgestimmt hatten, aber bald klappten Traversalen, Travers und auch die Passage, als hätten wir nie etwas anderes getan. Nun ging es aber im Schritt an das Rückwärts vom Reiter aus – wie auch bereits zuvor zeigte sich sein unsagbares Talent von schneller Auffassungsgabe. Als erinnere er sich an die Möhrenstücken ging er geradewegs zurück, sofort wurde der Hengst von mir davon gelobt.



Die nächsten Tage verbrachte ich damit sein weiteres „Problem“, die seidigeren Übergänge zu üben, manchmal schien er zu schnell auf ein Kommando eingehen zu wollen. Reagierte auf jedes feinste Signal, sodass auch der Reiter darauf achten musste nicht zu hektisch die Hilfen zu geben. Im Grunde schien daran schon alles zu liegen, deswegen bat ich Jenny am dritten Tag in den Sattel zu steigen um mir eine Prüfung vor zureiten. Wie ich vermutet hatte, gab Jenny an manchen Stellen die Hilfen etwas zu „hart“, zu schnell woraufhin der Hengst dies aus schnell ausführen wollte und ins Haspeln geriet beim Wechsel der Gangarten. Ich gab ihr an diesem Tag also noch ein paar der Tricks mit auf den Weg, sprach wie so davon das alles eine Sache der Übung war. „Dein Hengst hat nicht nur eine super Grundausbildung genießen dürfen, auch durch sein Intellekt macht er sich wirklich gut in der Dressur. Wobei sein Talent natürlich auch nicht zu verachten ist, fordere ihn weiter so. Wer weiß vielleicht reitet ihr beiden eines Tages ja nochmal Olympia?“ Die junge Frau lächelte, schüttelte dann aber den Kopf „Mir reichen die regionalen Turniere hier eigentlich ziemlich aus. Ich bin nur wahnsinnig gespannt, wie sehr sich sein Talent an seine Fohlen weiter gehen könnte!“ Noch eine Weile unterhielten wir uns, während dieser Zeit brachten wir den Hengst in den Stall. Kurz putzte ich ihn noch über, bevor es für ihn wieder auf den Paddock mit Zugang zu der Koppel ging. Für mich hatte sich mein Training mit ihm beendet, also kam die Zeit des Abschiedes von Jenny und dem Hof Haras Equitador, ihr Hengst würde mir im Gedächtnis bleiben.



Da es Hansi nach Spanien verschlagen hatte um dort ein Pferd von Jenny zu trainieren, fuhr ich nun auf der Autobahn in Richtung Paderborn. Dort erwartete mich eine junge Friesenstute, die in der Dressur eins weiter gebracht werden wollte. Ursprünglich waren Nienke und Alicia für unser Distanzrennen angemeldet gewesen, für ein Training...doch schlechtes Wetter und miese Planung des ganzen Rennens im Dorf hatten dafür gesorgt das es verschoben wurde. Da Caed Crevan im nächsten Monat anderweitig beschäftigt sein würde – hatten wir unsere Teilnahmen quittiert und das Training mit den vier Teilnehmern angesagt. Nun hatte mich Alicia gefragt mich trotzdem einem Training der Stute zu widmen. Zum Glück erwartete mich kein Stau auf der Autobahn,sodass ich ruck zuck von Berlin aus nach Paderborn kam – ich hatte meinen Eltern ihr Auto abgeluchst. Zudem hatte ich sie zur Hochzeit von Cayden und mir eingeladen – wir hatten uns auf den 21.6 für einen Termin geeinigt und es gab noch eine Menge zu organisieren.

Am Hof von der Schildburg angekommen, begrüßte mich Alicia bereits freundlich. „Wie war die Reise?“

„Wie immer...langweilig und anstrengend. Zumindest kam ich mal wieder zum Lesen, dass wird immer weniger in letzter Zeit.“ Sie nickte, stimmte mir zu...auch sie war ursprünglich eine ziemliche Leseratte gewesen – bevor sie einen Hof zu führen hatte. „Aber du hast wenigstens noch Teamkollegen….ich steh fast allein da.“ stellte sie nüchtern fest. „Oh ja….dafür bin ich ziemlich dankbar! Wie geht’s deinen Pferden? Besonders Give...ist er endlich gekört?“

„Leider, leider Nein...vielleicht beim nächsten Mal!“ Wir schlenderten über den Hof zu den Offenställen der Stuten, wo mich auch Nienke erwartete. „Da ist sie nun!“ undeutlich zu erkennen war die hochgewachsene Rappstute zwischen den anderen Stuten. Mit einem Halfter holten wir die hübsche Stute herunter, gingen in den Stall um sie dort fertig zu machen.

„In den letzten Wochen hatte ich mich ausgiebig mit Nienke beschäftigt, sie läuft wunderbar vor der Kutsche. In der Dressur arbeiteten wir besonders an konstanter Anlehnung, sowie dem Arbeitstrab gearbeitet.Sie ist in der Dressur außerordentlich begabt, eine solide Grundausbildung hat sie bereits genossen“ Das hörte sich schon ziemlich weit an, da blieb vielleicht nicht mehr viel für mich zu tun. Eine halbe Stunde später ritt ich in der Frühlingssonne auf dem Platz, machte Nienke ein wenig warm. Wir hatten erst eine kleine Ewigkeit benötigt um einander kennenzulernen, ihr schwungvoller Trab war um so vieles anders gewesen als der von meinen Pferden. Mit einiger Mühe war es mir gelungen ihr einen etwas langsameren Trab abzugewinnen, damit ich mich anpassen konnte. Mein Bein wurde nach und nach ruhiger. Zunächst testete Nienke ein wenig aus, blieb aber immer gut zu händeln. Nachdem ich mich an die Stute gewöhnt hatte, fragte ich einige der Lektionen ab. Auch Ansätze des Galppwechsels hatte Alicia bereits eingebracht in ihr Training. Nienke lernte enorm schnell dazu, den einfachen Galoppwechsel bekam sie sogar am schnellsten auf die Reihe, die Schwierigkeiten stellten sich erst ein als es darum ging die verschiedenen Tempowechsel einzubauen. Sie rannte im Trab oftmals unter dem Sattel fort, dann musste ich mich etwas schwer machen ihr ein wenig an Tempo nehmen, sonst wirkte das Reiten von ihr bald zu hektisch. Leider gab ich mit meinen knapp 60 Kilo kein sonderliches Gewicht ab in ihrem Sattel, aber trotzdem reagierte die Stute relativ gut auf mich.

Für das erste Training hatte ich jedoch genug, steig ab und machte mich mit Alicia auf den Weg zum Hof. Ich konnte wieder in einem der Gästezimmer übernachten.

Unabdingbar klemmte ich mich also dahinter ihr das leicht hektische ein wenig „auszutreiben“ - auch an der Longe. Am nächsten Tag hatte ich furchtbaren Muskelkater, dabei trat der sonst so selten ein! Zusammen mit Alicia longierte ich sie öfter , nahm ihr mit der Stimme stetig Tempo aus der jeweiligen Gangart . Auch im Sattel machten wir im Wechsel diese Übungen – es machte Spaß gemeinsam mit einer Kollegin ihr Pferd zu trainieren, besonders da wir von einander lernen konnten. An einem Abend unternahm ich einen kleinen Spazierritt zusammen, dabei saß Alicia auf Tiva einer hübschen Dunkelfuchsstute.Die Ritte durch die Hof umgebende Landschaft taten Nienke mehr als gut, es klärte ihren Kopf und den von mir ebenfalls. Immer besser ließ sie von mir in allen Gangarten regulieren - im Mitteltrab durchquerten wir die Diagonale wechselten in eine 10 Meter Volte um schließlich aus ihr an zu galoppieren. Für heute stieg ich zum letzten Mal von ihrem Rücken, sattelte sie mit steifen Fingern ab und wärmte mir die Finger noch ein wenig unter ihrer warmen Mähne. „Okay, die Sonne scheint zwar schon, aber Kalt ist es nach einer Weile trotzdem noch“ sprach ich zu Alicia, die sich wohlwollend die Hände in die Taschen ihrer Jacke gesteckt hatte. Seufzend und mit klammen Fingern setzte ich mich an die Heizung im Reiterstübchen hielt die Finger dagegen. Dankend nahm ich den Tee entgegen den Alicia uns gemacht hatte. „Schade das es mit dem Rennen nicht so geklappt hat, aber ich hab mich trotzdem über deinen Besuch gefreut.“ Das ich nur verloren hatte...erzählte ich ihr lieber nicht, aber trotzdem war die Woche hier wieder mal im Fluge vergangen.
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