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Lebenslauf (2)

Geschrieben von Bahiyah im Blog Bahiyah's "Gedankensammelstelle". Ansichten: 200

Ich war dem züngelnden Seil schutzlos ausgeliefert. Immer häufiger griff es nun nach mir, peitschend, nicht bereit seine Beute entkommen zu lassen. Angetrieben von der Angst, die mich ergriff, schoss ich am Berghang entlang.



Der Mann folgte mir wie ein Schatten. Ross und Reiter schienen miteinander zu verschmelzen und diese Einheit verfolgte mich gnadenlos. Sie hetzten mich ohne Pause, schon bald ermüdete ich.

Mein ganzer Körper war schweißüberströmt und auf dem Hals bildeten sich Schaumflocken. Auch meine Verfolger kämpften sich Meter um Meter vorwärts. Ich hatte einen kleinen Vorsprung gewonnen, den ich immer weiter ausbaute. Rasch sah ich mich um. Die Gegend kam mir bekannt vor und doch fühlte ich mich verloren. Ganz in der Nähe gab es einen, von Büschen verdeckten Waldweg. Wenn ich es bis dahin schaffte ...

Ein lauter Ruf schreckte mich aus meinen Gedanken auf und spornte mich an. Fast schon verzweifelt stürmte ich um eine Kurve und sprang über dichtes Gestrüpp. Schließlich fand ich mich auf einem von Bäumen gesäumten, engen Pfad wieder. Der versteckte Weg! Ich hatte es geschafft.

Vor Anstrengung zitternd stand ich zwischen den grünen Giganten. Gespannt wartete ich auf meine Verfolger. Dieser ritt verwundert und enttäuscht an meinem Versteck vorbei. Fluchend zog er weiter. Erleichtert begann ich das spärliche Gras abzurupfen. Irgendwo zwitscherte ein Vogel und die Stille des Waldes beruhigte mich. Langsam trottete ich den Pfad entlang, immer weiter in den Wald hinein. Es duftete nach Kiefernharz und Fichtennadeln. Schnuppernd sog ich die Luft ein und schüttelte munter meine üppige Mähne. Ich ließ den Wind in ihr spielen, suchte mir einen ruhigen, geschützten Ort und legte mich zum schlafen ins weiche Moos nieder. Das widersprach zwar unseren Gewohnheiten, aber ich war so müde, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Leicht flüsterte mir der Wind Geschichten ins Ohr. Geschichten von ewiger Freiheit, so schlief ich schnell ein.

In meinen Träumen galoppierten wir alle gemeinsam über die feuchten Wiesen. Die Fohlen sprangen munter umher. Plötzlich stürzte eines zu Boden. Ein Schatten legte sich über den kleinen Körper. Das Fohlen wieherte ängstlich ...

Zitternd schreckte ich hoch. Der schrille Ruf des jungen Lebens hallte noch in meinen Ohren. Vorsichtig sah ich mich um, konnte aber niemanden entdecken. Ich erhob mich und schüttelte den Sand aus meinem Fell. Es wurde schon Nacht, und der Mond erleuchtete die kleine Lichtung. Libellen tanzten wie Feen im silbrigen Licht der Nacht. Libellen! Das bedeutete, dass ganz in der Nähe eine Wasserstelle sein musste! Durstig verließ ich den verzauberten Ort und machte mich auf die Suche nach etwas zu trinken.
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