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Lebenslauf (1)

Geschrieben von Bahiyah im Blog Bahiyah's "Gedankensammelstelle". Ansichten: 195

Hab ich auch irgendwann mal angefangen... ^^



Die graue Stute entfernte sich langsam von der Herde. Der Leithengst, ein stämmiger Schimmel, sah ihr nach. Die Stute war noch jung, es war ihr erstes Fohlen, das sie zur Welt bringen sollte, doch ihr Instinkt riet ihr das richtige.



Verborgen zwischen den hohen Sträuchern der Camargue legte die Graue sich nieder. Ihr Körper erzitterte unter den Wehen, als sie das Fohlen herauspresste. Der Atem ging angestrengt und sie stöhnte noch einmal auf, dann lag es neben ihr. Ein kleines hellgraues Fohlen mit einem feinen weißen Stern auf der Stirn und einer weißen Socke. Liebevoll fuhr die Graue mit der Zunge über das feuchte Fellbündel. Dieses stieß ein klägliches Wiehern aus und strampelte mit den langen, dünnen Beinen. Die Mutter stand auf und ihr Stutfohlen versuchte es ihr gleichzutun. Doch immer wieder fiel es um. Plumps! Verdutzt saß es auf seinem kleinen Hinterteil. Brummelnd ermunterte die Stute ihr Neugeborenes. Endlich klappte es. Genüsslich saugte das Fohlen die süße Milch. Gemeinsam kehrten die beiden zur Herde zurück.



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So wuchs ich wohlbehütet auf, sorgsam bewacht von meiner Mutter Silbermöwe, mit der ich jedes Jahr in die Ebene an meinen Geburtsort zurückkehrte. Unser Leithengst Giron, mein Vater, leitete uns über die Jahre, in denen ich groß wurde, sicher von einem Ort zum anderen.



Ich war vier Jahre alt, als jenes Ereignis geschah, welches mein Leben verändern sollte.

Es war ein friedlicher Aprilmorgen, der Nebel lag noch über der sumpfigen Wiese und die Herde weidete friedlich am Rand des kleinen Tümpels. Ein Reiher stakste durch das seichte, klare Wasser. Ich döste an der Seite meiner Mutter vor mich hin, als ein sich rasch näherndes Pferd uns aufschreckte.

Es kam im rasenden Galopp von den naheliegenden Dörfen. Wir hielten stets Abstand von den Menschen, weil sie manchmal einige von uns einfingen. Und nun saß einer dieser Zweibeiner auf einem drahtigen Braunen, der auf die Herde zukam. Diese stob auseinander und riesige Wasserfontänen spritzten auf, als wir durch das niedrige Wasser preschten. Meine Mutter und ich liefen am Rand der Gruppe von etwa 25 Pferden. Darunter waren auch zwei Fohlen, schon ziemlich flink auf den Beinen. Schnell erreichten wir den Rand der Wasserfläche und legten an Tempo zu. Unsere Mähnen und Schweife flatterten, gepeitscht durch den Wind, der über die weite Ebene strich. Schneller, immer schneller wurden wir, unsere Hufe trommelten einen rasenden Dreitakt. Der Reiter schloss immer näher auf. Ich warf einen Blick zurück - und wieherte panisch auf, als ein Seil mich knapp verfehlte.

Er drängte mich von der Herde ab, die mir über die Jahre solchen Schutz geboten hatte. Schrill rief ich nach Silbermöwe, doch Giron drängte weiter. Sie warf mir einen letzten verzweifelten Blick zu, dann verschwanden sie um einen Bergausläufer.

Nun war ich allein auf mich gestellt!

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