Hofstory| Schmerzhafte Vergangenheit

Geschrieben von Wolfszeit im Blog Whitehorse Creek Stud. Ansichten: 173

Colin| „Das hast du heute super gemacht“, sagte ich zu Vikar. Sagte ich zu dem Tinker und steckte ihm ein Leckerlies zu. Ich band ihn vor dem Torstall an und sattelte ihn ab. Als ich gerade aus dem Stall kam fuhr Matt vor, der meine Schwester vom Flughafen abgeholt hatte. Kaum war sie ausgestiegen stürmte sie mir auch schon Entgegen. Ich schloss sie in meine Arme. „Endlich hab ich dich wieder, Schwesterchen“, flüsterte ich ihr zu. Sheena hatte Tränen in ihren großen braunen Augen. Das war verständlich immerhin hatten wir uns 10 Jahre lang nicht mehr gesehen. Nach dem Tod meiner Eltern war sie zu Freunden der Familie gezogen und ich hatte versucht mich selbst über Wasser zu halten. Wir hatten zwar immer mal wieder Briefkontakt doch als Sheena umzog brach dieser ab. Es kostete ein Jahr suche bis ich sie wiedergefunden hatte. „Ich lass dich nie wieder los“, schniefte meine Schwester. „Ich fürchte das du aber genau das tuen musst, da steht noch jemand der meiner Aufmerksamkeit bedarf.“, als hätte Vikar mich verstanden fing er an rum zu blöden und zu flehmen. Schweren Herzen ließen wir uns dann doch los und gingen zu dem Tinkerhengst. „War deine Reise gut? Ich hätte dich auch selbst abgeholt, doch man ist leider ziemlich beschäftig auf so einem Hof.“ Sheena war mit etwas abstand zu dem gefleckten Pferd stehen geblieben und schaute ihn etwas schüchtern an. „Du kannst ihr ruhig streicheln“ sagte ich schmunzeln. Ganz zaghaft hielt sie ihm die Hand hin und der gutmütige Hengst schnupperte daran und begann sie abzuschlecken. Nun traute sie sich Vikar zu streicheln. Wir redeten noch ein bisschen über ihre Reise und brachten den Hengst auf die Koppel wo er von Injaki wiehernd begrüßt wurde. „So jetzt gehen wir mal schauen wo meine Frau mit meinem Kind ist“. „Wo, wie viel doch in 10 Jahren passiert ich meinen ja du hast mir das geschrieben aber es ist noch so unwirklich“. Ich zeigte meiner Schwester den Hof und recht schnell fanden wir auch Luchy und Aleen hinter der großen Reithalle auf der Wiese. Die kleine ließ mit Begeisterung ihr Pony Farea von Hulshóf grasen und rannte auch mal ein kleines Stück über die Wiese. „Darf ich Vorstellen, das ist meine Schwester Sheena“ sagte ich und deutete auf das zierliche Mädchen neben mir. „und das ist meine Frau Luchy und meine Tochter Aleen“. „Hallo, schön euch kennen zu lernen. Wow man sieht die Ähnlichkeiten zu euch.“ „Sie erinnert mich an dich als du noch klein warst“. Wir blieben noch eine weile bei den beiden bevor ich ihr den restlichen Hof zeigte und wir dabei auch schon einen großen Teil der Angestellten begegneten. Ich zeigte ihr auch ihr Zimmer. „Was hältst du davon, wenn wir bei dem schönen Wetter zu Bach reiten?“ schlug ich meiner Schwester vor. „Mmmm du weißt das ich quasi noch nie auf einem Pferd saß?“ „Auch das geht schon, zieh dich um ich mach uns die Pferde fertig wir treffen uns am Tor Stall.“, rief ich ihr zu und ging zu Koppel um Blue Heart und Abadon All Hope zu holen. Ich putzte Abadon und Blue kurz über bevor ich für Abadon ein alten Voltigiergurt holte damit Sheena etwas zum festhalten hatte. Danach Trense ich Blue und Abadon. „Wie komme ich jetzt da rauf?“, sagte Sheena. „Ganz einfach ich schmeiß dich rauf. Stell dich neben Abadons Schulter, dann hältst du dich am Gurt fest und gibst mir dein linker Fuß. Auf drei ziehst du dich hoch.“ Etwas unelegant ladet meine Schwester auf dem Pferd und auch mich begab mich auf mein Pferd. Wir ritten runter zum Bach: dort angekommen zog ich mein T-shirt aus und ließ Blue in den Bach laufen. Abdon folgte uns mit Sheena. Wir unterhielten uns den ganzen Ausritt über die 10 Jahre in den wir uns nicht gesehen hatten.


Abens hatte sich das ganze Team nochmal um ein Lagerfeuer versammelt um Sheena zu begrüßen und um den Abend entspannt ausklingen zu lassen. Irgendwann waren wir beide die letzten die noch da saßen. „Colin? , darf ich dich etwas fragen?“. „Du darfst mich alles fragen Schwester“. „Ich habe die Narbe auf deinem Bauch gesehen? Wann ist das passiert? „. Das war Sommer 2011, als ich auf einem Hof in der Nähe von Aberdeen gearbeitet hatte. Es war ein sehr heißer Tag gewesen und ich hatte gerade alle Arbeiten erledigt und wollte noch mal nach den Pferden sehen bevor ich zu Bett ging. Ich öffnete das Tor des Stalls und betrat ihn. Ein panisches wiehern ließ mich in der Bewegung erstarren. Alisha! Wieder gellte ein schrilles Wiehern durch den Stall und auch die andren Pferde begannen nervös zu schnauben und gegen die Boxentüren zu treten. Ein Feuer war ausgebrochen. Oben vom Heulager könnte man einen rötlichen Schein erkennen. Nun nahm ich auch den Rauchgeruch wahr. Was sollte ich nun tun? Das hilflose quieken von Alishas Fohlen mischte sich unter das wiehern. Es schnitt mir in Herz. Ich musste die Pferde hier rausbekommen. Besonders Alisha und ihr Baby die am nächsten am Heulager waren. Ich eilte zur Box von Alisha und griff nach den Halftern. Ich ignorierte die aufsteigende Hitze und den rötlichen Schimmer der Flammen um mich herum. Die weiße Stute war außer sich. Ihr Fohlen drückte sich zitterten an die Wand und wimmerte. Die Vollblutstute bäumte sich vor mir auf. „Alisha ich bin es … scht…“. Alisha war zu sehr in Panik um noch irgendetwas wahrzunehmen und bleckte die Zähne nach mir. Ich wusste ich musste sie retten. Ich öffnete die Boxentür in der Hoffnung die Stute würde mich erkennen, wenn ich sie berührte. Ich versuchte ihr das Halfter anzulegen doch sie riss den Kopf rum und trat nach mir. Ich konnte ihr gerade noch so ausweichen. Egal was es kostete ich wusste ich musste dieses Pferd samt Fohlen retten. Das Fohlen was ich eigenhändig zu Welt gebracht hatte. „Alisha, wir müssen hier raus“ versuchte ich noch einmal die Stute zu beruhigen. Erneut versuchte ich sie zu Halftern. Doch sie stieg. Ihre Hufe wirbelten durch die Luft und sie traf hart meinen Bauch. Ich fiel von der Wucht getroffen um und schlug mit dem Kopf auf der Tränke auf. Winselnd und vor schmerzen gekrümmt stieß ich die Boxentür ganz auf und schaffte es gerade noch aus dem Weg zu springen als die Stute auch schon samt Fohlen an mir vorbei stürmte. Ich blieb ein paar Sekunden benommen liegen bevor mich panisches Gewieher in die Gegenwart holte. Die Angst um die Pferde ließen so viel Adrenalin durch meine Körper fließen, dass ich mich aufrappelte und die restlichen 7 Boxen öffnete und die Pferde in die Freiheit entließ bevor sie dem Feuer zum Opfer fallen würden. Ich schaffte es gerade noch aus dem Stall bevor ein brennender Balken herunterstürzte und den Ausgang versperrte. Ich hatte mich mit letzter Kraft hinter eine Sichere Hausecke begeben als ich schon die ersten Sirenen hörte. Ich betrachtete meinen Körper. Mein Shirt war zerrissen. Unterhalb meines Nabels zeichnete sich deutlich ein Hufabdruck ab. Als ich mich ein wenig Bewegte raubte der schmerz mir fast die Besinnung. Mir wurde übel und vom geschehen um mich herum bekam ich kaum noch etwas mit. Die Stelle pulsierte und begann sich blaurot zu verfärben. Jeder Atemzug wurde zur Qual. Ich bekam noch mit das ein Notarzt eintraf und danach erinnere ich mich erst wieder als ich im Krankenhaus aufwachte. Man teilte mir mit das ich einen Milzriss hatte und man mich gerade noch im letzten Moment operiert hatte. Abends kam auch das Ehepaar dem der Hof gehörte vorbei um sich zu bedanken. Der Stall war leider komplett abgebrannt aber den Pferden war nichts passiert. Doch leider müssten sie ein Großteil der Pferde verkaufen um den Stall neu aufzubauen. Gleichzeitig war ich wieder Arbeitslos. Ich verbrachte noch ungefähr 4 Wochen im Krankenhaus.“ Während ich erzählt hatte war ich in mich gekehrt, da ich alles noch einmal durchlebte. Meine Schwester sagte nicht sondern umarmte mich nur. Für mich war das damals ein schwerer Verlust. Ich hatte in dieser Nacht alles verloren. Das Pferd was ich liebte, meinen Job, meine Heimat, meine Familie. Das war auch der Grund warum ich aus Schottlang weggegangen war.
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