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Eine Freundin für Caletta

Geschrieben von Mongofisch im Blog Heimatlos. Ansichten: 54

arialAchtung, Zeitsprung xD



arial„Wie die Zeit vergeht“, sagte ich nachdenklich zu Kimi, der glücklicherweise den Hof nicht verlassen hatte.

arial„Da hast du Recht“, nickte er. „Wann müssen wir los?“

arial„Ich denke, wenn wir in einer Stunde aufbrechen, sollten wir es rechtzeitig schaffen“, sagte ich.

arialCaletta war mittlerweile 6 Monate alt und die Zeit war gekommen, dass sie endlich von Cala weg sollte. Natürlich nicht alleine, eine Freundin musste her. Nach langem hin und her war es heute soweit, Maira, ein Tinkerfohlen, etwa im gleichen Alter wie meine Kleine, kam aus Kanada. Ich war gespannt, da ich sie ja bis jetzt nur von Fotos kannte, hatte sie aber direkt ins Herz geschlossen.

arial„Ich bring eben die Stuten raus“, holte Kimi mich zurück aus meinen Gedanken. Ich nickte ihm nur kurz zu und brachte anschließend die vier Hengste auf ihre Weide.

arialDann lief ich an der Halle vorbei, ließ den Reitplatz hinter mir und stand vor dem neuen Offenstall, wo die beiden Fohlen zusammen stehen sollten. Der See musste weichen und auch einige Bäume hatten ihre Zeit beendet. Die Bauarbeiten gingen recht schnell, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte. Das Ergebnis konnte sich jedoch sehen lassen: Ein großer Paddock, umzäunt mit einem hellen Holz, bot den beiden Kleinen ausreichend Platz sich zu bewegen. Der Stall war in zwei Teile aufgeteilt, ein offener und ein geschlossener. Der geschlossene Teil hatte zwei Eingänge, die jeweils mit einem Lamellenvorhang ausgestattet waren, um die Kälte draußen zu halten. Eine Heuraufe im Unterstand konnte auch bei schlechtem Wetter genutzt werden.

arial„Freust du dich“, erschrak Kimi mich plötzlich. Ich drehte mich um und überlegte kurz: „Hm, natürlich freu ich mich, aber es geht plötzlich alles so schnell. Es kommt mir so vor, als wäre Caletta gestern erst zur Welt gekommen und nun geht sie schon von ihrer Mama weg, bekommt eine neue Freundin, wird schon fast erwachsen.“

arialKimi legte den Kopf schief: „Sie wird doch noch nicht erwachsen, nur eben etwas älter und muss ihren eigenen Weg gehen.“

arial„Aber es kommt mir so vor, weißt du?“

arialKimi nickte nur, nahm mich dann an der Hand und lief zum Haus. „Wir müssen gleich los, sonst verpassen wir noch die Ankunft.“

arial„Ja, du hast recht, für Wehmut ist jetzt keine Zeit“, lächelte ich und packte alle wichtigen Papiere zusammen, damit wir Maira nachher auch mitnehmen durften.

arialZum Glück fuhr Kimi, ich fühlte mich dazu nicht in der Lage, ich war viel zu aufgeregt.

arialDie Fahrt nach Helsinki war lang und kam mir heute noch viel länger vor. Alle fünf Minuten schaute ich auf die Uhr, ob wir es auch noch pünktlich schaffen würden.

arial„Die werden das Fohlen wohl nicht einfach alleine stehen lassen wenn wir zu spät kommen“, lachte Kimi nach einiger Zeit.

arial„Ich weiß, ich weiß, aber sie muss ja nicht noch unnötig warten, die Reise war sicher anstrengend genug für sie.“



arialEtwa um 14 Uhr kamen wir am Flughafen an. Ich konnte es kaum erwarten und machte die Tür auf, als Kimi noch nicht mal den Motor ausgemacht hatte.

arial„Komm schnell“, grinste ich, schnappte mir die Papiere und lief los.

arial„Weißt du überhaupt wo wir hinmüssen“, rief Kimi und kam mir rasch hinterher.

arial„Was denkst du?“ Sagte ich schnippisch. „Ich weiß schon wo mein kleines Fohli ankommt.“

arialStill lief er mir nach und ich kämpfte mich durch den Schilderwald, bis ich endlich am richtigen Schlater angekommen war. Ich nannte der freundlichen Dame die Lebensnummer meines Pferdes und übergab ihr die Papiere, welche ich zuvor per Post bekommen hatte. Sie prüfte alles sorgfältig und forderte uns dann lächelnd auf, ihr zu folgen.

arial„Ich bin so aufgeregt“, flüsterte ich Kimi zu und drückte seine Hand.

arialNach mehreren Türen und elendig langen Gängen roch es plötzlich nach Pferd, weit konnte es nicht mehr sein. Die Dame öffnete eine Tür und machte eine Handbewegung. Ich betrat den großen Raum, man konnte schon fast Stall sagen, und erkannte die kleine Maira sofort.

arial„Hallo kleine Maus“, sagte ich liebevoll und streckte ihr meine Hand entgegen. Sie schien müde zu sein, schnupperte aber trotzdem vorsichtig an meiner Hand. „Du bist ja wirklich Zucker!“ Ich konnte es noch gar nicht glauben, dass sie jetzt da war, dass ich sie mit nach Hause nehmen konnte.

arialEs mussten nur noch einige Papiere unterschrieben werden, dann war alles geschafft. Kimi und ein Angestellter des Flughafens holten das Auto, um Maira direkt hier zu verladen. Ich kümmerte mich derzeit um meine kleine Stute. Sie war sichtlich gestresst, freute sich aber über die Leckerlis, die ich ihr mitgebracht hatte. „Es ist nicht mehr weit, dann lernst du dein neues Zuhause kennen, wir haben es extra für dich und deine neue Freundin bauen lassen. Es wird dir gefallen“, erklärte ich ihr, während ich ihr liebevoll über den dünnen Hals strich, an welchem noch der Gurt vom Transport hing. „Das machen wir auch bald ab“, lächelte ich, dann war Kimi auch schon mit dem Auto da und öffnete den Anhänger. Behutsam legte ich der Kleinen das Halfter an und führte sie aus der Box. Sie schien wirklich nur noch ihre Ruhe haben zu wollen, ohne zu Murren folgte sie mir in den Anhänger und ließ sich brav anbinden.

arial„So“, sagte ich, als Maira sicher im Hänger stand. „Auf geht’s nach Hause.“ Mit allen Papieren, dem Equidenpass und dem Fohlen im Gepäck ging es zurück zum Gestüt.



arialEs war bereits stockdunkel, als wir den Hof erreichten. Die Uhr zeigte kurz vor Acht und die anderen Pferde standen schon erwartungsvoll am Tor.

arial„Die wollen sicher langsam rein“, lachte ich, während Kimi vorsichtig über den Hof zum Stutenstall fuhr. „Wir stellen sie erstmal in die Box neben Cala und Caletta, morgen ziehen die beiden dann in ihren neuen Stall“, sagte ich, während wir ausstiegen und vorsichtig die Klappe des Anhängers öffneten. Ich schlüpfte durch die kleine Seitentür und band Maira ab. Sie war plötzlich hellwach und aufgeregt. „Alles gut“, beruhigte ich sie, führte sie behutsam rückwärts vom Hänger und brachte sie dann in den großen Stall.

arialIn der Zwischenzeit holte Kimi schon mal die Hengste von der Weide und fütterte sie, dann kam er zu mir: „Können wir die Stuten schon holen?“

arialIch nickte: „Ja, Maira steht erstmal sicher in der Box.“

arialWir holten rasch noch die restlichen Pferde von der Weide und beobachteten dann das neue Fohlen. Neugierig streckte sie ihren Hals, um in die Nachbarbox zu gucken. Cala war davon nicht begeistert, sie verteidigte noch immer mit allen Mitteln 'ihre' Caletta. Doch die Kleine war sehr interessiert an der Neuen. Sie lief auf den Paddock und wartete einen Moment, ob ihre Nachbarin auch raus kommen würde. Maira hatte den Wink verstanden und verließ ebenfalls die Box. Die beiden gleichaltrigen Fohlen beschnupperten sich neugierig über den Zaun und Caletta quietschte einmal kurz.

arial„Ich glaube, die werden sich gut verstehen“, lächelte ich. „Komm, wir füttern hier noch schnell und verziehen uns dann auch.“

arialKimi stimmte mir zu, wir versorgten rasch die anderen Pferde, machten dann das Licht aus und gingen ins Haus.

arial„Hast du Hunger“, fragte Kimi mich grinsend.

arial„Nicht so richtig, du?“

arial„Nein, ich nicht“, sagte er und machte sich einen Tee.

arial„Machst du mir auch einen?“

arialKimi nickte und goß jedem eine Tasse ein. Anschließend setzten wir uns ins Wohnzimmer und schauten fernsehn.

arialIn den letzten Monaten hatte sich einiges getan. Kimi und ich hatten so etwas wie eine feste Beziehung, wir verstanden uns gut und ich mochte ihn wirklich sehr. Es gab mittlerweile sogar Wochen in denen er gar nicht nach Hause fuhr, sondern hier auf dem Hof blieb. Wer weiß, vielleicht würde er ja auch irgendwann seine Wohnung auflösen und für immer bei mir einziehen, aber wir wollen auch nichts überstürzen.



arialDer Wecker klingelte heute schon früh, es war viel zu tun und ich drehte mich missmutig um. Das Bett neben mir war leer. Kimi schien wohl schon auf den Beinen zu sein und als ich mir die Augen rieb, hörte ich ihn unten in der Küche. „Ich will den Tag erleben, an dem er länger schläft als ich“, murmelte ich zu mir selbst und schälte mich aus dem Bett.

arialRasch sprang ich unter die Dusche, zog mich an und lief runter in die Küche.

arial„Guten Morgen“, begrüßte Kimi mich und gab mir einen Kuss. Ich lächelte und setzte mich an den Tisch. „Hast du gut geschlafen?“

arialEr nickte und stellte mir einen Tee hin: „Ich schlafe doch immer gut.“

arial„Das stimmt“, grinste ich und trank einen Schluck. Komisch, wie ich vor einigen Monaten noch Tee zum Frühstück verabscheut hatte und nun trank ich jeden Morgen einen.

arial„Ich möchte mich gar nicht lange aufhalten, ich kann es gar nicht erwarten Maira und Caletta zusammen in ihren neuen Stall zu bringen“, sagte ich zwischen zwei Schlücken Tee.

arial„Also ich wäre auch so weit fertig“, grinste Kimi und stellte seine leere Tasse in die Spüle. Auch ich beeilte mich, meinen Tee auszutrinken und zog mir dann Jacke und Schuhe an.

arial„Wollen wir zuerst die Hengste raus bringen, dann die Stuten und Cala als letztes?“, fragte Kimi, während wir über den Hof zum Hengststall liefen. „Ja, ich glaube das ist eine gute Idee. Ich hoffe Cala macht kein zu großes Theater, sie hängt ja immer noch sehr an der Kleinen.“

arial„Das wird schon“, ermutigte Kimi mich, während wir den Hengsten ihr Frühstück gaben und anschließend zu den Stuten hinüber gingen. Auch hier verteilten wir die morgendliche Ration Futter und warteten, bis alle aufgefressen hatten, dann brachten wir zuerst Heat, Monster, Brave und Dave auf die Weide, dann kehrten wir in den Stall der Stuten zurück.

arial„Gut“, sagte ich. „Du nimmst Hunter und ich nehme Grey und Summer.“

arialRasch standen die drei Pferde auf der Koppel und nun ging es daran, Cala von der Kleinen zu trennen. Ich dachte kurz nach und erklärte dann: „Ich denke, Caletta wird weniger ein Problem mit der Trennung haben, sie ist ja schon seit einiger Zeit nicht mehr so bezogen auf Cala. Von daher würde ich sagen, du nimmst die Kleine ans Halfter und bleibst mit ihr in der Box und ich nehme Cala und versuche sie alleine auf die Weide zu bringen.“

arialZwar nicht hunderprozentig überzeugt von meinem Plan nickte Kimi und halfterte Caletta auf. Ich tat es ihm gleich, zog Cala das Halfter über die Ohren und führte sie energisch aus der Box. Überrascht von diesem 'Angriff' folgte sie mir zunächst brav. Als wir den Stall verlassen hatten, merkte sie jedoch, dass 'ihr' Fohlen nicht dabei war und wurde unruhig. Schnaubend tänzelte sie neben mir her. „Alles gut“, beruhigte ich sie und tätschelte ihren Hals. „Deine kleine Maus muss ab jetzt alleine klar kommen und du musst das auch.“

arialSie schien von der Idee gar nicht begeistert zu sein. Ein durchdringendes Wiehern erschütterte die Stille. Aus dem Stall kam die Antwort: Caletta wieherte laut, wenn auch nicht so panisch wie Cala.

arial„Komm, es wird alles gut“, murmelte ich und führte Cala weiter in Richtung Weide. Grey und Summer standen neugierig am Zaun und guckten, scheinbar interessiert an der Situation. „Schau, deine Freunde warten schon auf dich“, beruhigte ich die aufgeregte Stute und öffnete das Gatter der Weide. Bevor ich sie jedoch vom Strick ließ, schloss ich das Tor wieder, sicher ist sicher.

arialZu meinem Erstaunen dauerte es gar nicht so lange, bis Cala sich etwas beruhigt hatte und sich mit der Suche nach etwas Gras beschäftigte. „Hauptsache erstmal den sterbenden Schwan spielen“, lachte ich und kehrte zum Stall zurück.

arial„Alles gut hier?“ Fragend schaute ich in die Box von Cala.

arialKimi grinste mich an: „Ja, sie hatte nur Augen für Maira.“

arialErleichtert atmete ich auf, wenigstens machte sie nicht so ein Theater. „Gut, dann nehm ich Maira und dann geht’s auf in den neuen Stall“, grinste ich und öffnete vorsichtig die letzte Box. Die dunkelbraune Stute schaute mich neugierig an, ich zog ihr das Halfter über die Ohren und führte sie raus. Kimi folgte mir mit Caletta und so spazierten wir zum Offenstall.

arialEs dauerte nur einen kurzen Augenblick, da fingen die beiden Fohlen auch schon an zu spielen. Sie schienen sich gut zu verstehen und erkundeten gemeinsam ihr neues Heim.

arial„Schön“, lächelte ich erleichtert über diese wirklich einfache Zusammenführung.

arial„Ja, besser hätte es gar nicht laufen können“, stimmt Kimi mir zu und legte seinen Arm um mich.
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