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Ein Trakehner auf dem Tinkerhof

Geschrieben von Mongofisch im Blog Heimatlos. Ansichten: 90

arialMüde raffte ich mich auf und verließ mein warmes Bett. Ich hatte heute wieder einen straffen Zeitplan, deswegen machte ich mich schnell fertig und lief runter in die Küche. Dort saß zu meinem Erstaunen Kimi und trank wie immer seinen Tee. „Guten Morgen“, sagte ich. „Was machst du denn schon hier?“ Verwirrt schaute ich in sein grinsendes Gesicht. „Du hast heute so viel zu tun, da wollte ich dich ein bisschen unterstützen“, gab Kimi frech zurück. Ich grummelte nur und nahm mir zum Frühstück einen Apfel. Ich biss ein großes Stück ab und sagte dann: „Ok, dann kannst du mir gleich helfen die Pferde raus zu bringen und zu misten. Um 9 kommt die Tierärztin für Caletta und irgendwann vormittags kommt Calista an.“ Kimi nickte, stand auf und sagte: „Na dann los!“ Er verließ die Küche, eilig folgte ich ihm nach draußen. Es war kalt, aber zumindestens schneite es nicht mehr. Wir fütterten die Pferde und saßen dann einen Moment im Stutenstall. Fressgeräusche drangen aus den Boxen, es klang beruhigend, obwohl ich gar nicht aufgeregt war. Ich fühlte mich eher leer. Gestern noch voller Freude, heute wieder weit unten. Seit Kimi bei mir arbeitete, spielten meine Gefühle verrückt, ich konnte es mir selber nicht erklären, aber manchmal macht es mich sehr traurig. Plötzlich fiel mir auf, das Kimi mich anstarrte. Erschrocken wandte ich meinen Blick ab und stammelte mit hochrotem Kopf: „Komm, die Pferde müssen raus.“ Lachend stand der junge Mann auf und öffnete die Box von Grey. Heute schaffte er es, das Halfter ganz alleine anzulegen. Stolz kam in mir auf, ich verdrängte dieses Gefühl jedoch schnell wieder und schnappte mir Summer. Zusammen brachten wir die beiden Stuten auf die Koppel. Cala blieb mit dem Fohlen drin, da der Tierarzt gleich kommen würde. Ich hatte Caletta mit Cala zusammengestellt, da sie sich so gut verstanden.

arialNachdem auch die beiden Hengste auf ihrer Weide standen, teilten Kimi und ich uns auf: Er mistete den Stutenstall, ich die beiden Boxen der Hengste. Grade als ich die Boxen einstreute, hörte ich ein Auto und lief zum Parkplatz.

[color=rgb(0,0,0)arialHeute kam ich wieder auf den Hof von Lisa. Dieses Mal stand die kleine Caletta auf dem Plan. Das Fohlen war erst wenige Tage alt und ich sollte nachsehen, ob alles so weit in Ordnung war.

arialAuf diesen Auftrag freute ich mich – Fohlen waren immer eine wundervolle Aufgabe und hier war es besonders wichtig, von Anfang an einen Grundstein für eine gesunde Aufzucht zu legen.

arialNach einigermaßen kurzer Zeit war ich mit meinem Mercedes Kombi auf dem Hof von Lisa angekommen und wurde direkt sehr freundlich begrüßt.

„Na, dann lass uns mal direkt zu der Kleinen gehen!“, meinte ich, woraufhin ich in den hellen, geräumigen Stall gerührt wurde.

arialIn einer Box relativ weit am Ende der Stallgasse stand Caletta zusammen mit ihrer Mama, die mich direkt leicht von der Seite angiftete.

arial„Kannst du gleich die Mami ans Halfter nehmen, damit wir hier alle heil wieder herauskommen?“, fragte ich.

arial„Das ist gar nicht ihre Mama“, antwortete Lisa mir, woraufhin ich entsetzt die Augen aufriss.

arialKurz erklärte sie mir, dass Caletta mit der Flasche aufgezogen wurde und in Calacirya ihre Ziehmutter sah. Calacirya jedoch hatte noch nicht einmal ein Fohlen gehabt.

arialIch kniff die Augen zusammen und sah nach, ob die Stute Milch produzierte. Dies kam manchmal vor und konnte dann riesige Schwierigkeiten bereiten, war in unserem Falle jedoch nicht der Fall. Dies war schon einmal ein Grund zum Aufatmen.

arialDennoch nahm Lisa die große Stute ans Halfter, damit ich in Ruhe nach dem kleinen Falbschecken sehen konnte.

arial„Hat die Kolostrum gehabt?“

arial„Was hat die?“, fragte Lisa mich verwirrt.

arial„Ob die Biestmilch bekommen hat.“

arial„Nein, die Mutter hat sie gar nicht ran gelassen.“

arial„Gut, oder eher nicht gut. Aber ich hab noch was“, meinte ich. Ohne einen weiteren Augenblick abzuwarten fuhr ich nach Hause und holte einen Beutel eingefrorenes Kolostrum. Gott Lob melkte ich meine Stuten immer nach der Geburt, um für Notfälle etwas zu haben.

arialWieder bei Lisa angekommen, gingen wir ins Haus und erwärmten die gelbliche Biestmilch auf Körpertemperatur. Es war ein heikles Unterfangen – würde sie anbrennen, bekäme Caletta ein Problem.

arialAnschließend füllten wir das zähe Zeug in eine Flasche um und tränkten das Baby damit. Gierig saugte sie am Nuckel.

arial„Das ist total wichtig. In der Biestmilch sind sämtliche Abwehrstoffe. Ohne die hat ein Fohlen in den ersten vier Monaten so gut wie kein Immunsystem. Und erst danach dürfen wir impfen“, erklärte ich kurz. „Ich hoffe, dass es jetzt noch früh genug ist, du musst sie unbedingt genauestens beobachten und sag mir Bescheid, wenn irgendwas ist. Und wenn sie nur einmal hustet!“

arialErst, nachdem Caletta die ganze Flasche leer getrunken hatte, schaute ich weiter nach ihr. Ich ließ sie auf der Stallgasse laufen um zu sehen, ob der Bewegungsablauf in Ordnung war, ich schaute in die Nüstern, Ohren, schaute mir After und Ohren an.

arialAuch die Gelenkte tastete ich ab und beobachtete sie, ob irgendwas nicht in Ordnung ist. So weit war aber alles klar.

arialNun bekam sie noch eine für ihr Körpergewicht angemessene Breitband-Wurmkur, die sie zwar nur widerwillig annahm, aber akzeptierte.

arial„Ich bring dir nachher noch etwas Biestmilch vorbei. Gib ihr morgen ruhig noch einmal was davon. Zu viel können die davon nicht kriegen, aber nach einer bestimmten Zeit ist die Magenwand nicht mehr für die Stoffe durchlässig. Ich hoffe inständig, dass das bei ihr noch nicht der Fall ist. Normalerweise müssen die spätestens in den ersten 24 bis 48 Stunden was bekommen…“

arialIch erklärte ihr noch kurz, dass sie die Kleine ruhig bei Calacirya lassen solle, aber das Euter der Ersatzmama beobachten solle. Und natürlich, dass sie auf den Gesundheitszustand der Kleinen vermehrt achten müsse.

„Zusätzlich brauch sie nun alle vier bis acht Wochen eine Wurmkur. Ich lass dir eine da für das nächste Mal. Und denk dran: Erst nach drei Wochen das Halfter auf, die Nackenbänder sind erst noch zu instabil. Sie steht aber ziemlich korrekt, da müssen wir nicht viel dran machen.“

arialDann verabschiedete ich mich und brachte ihr relativ spät abends noch das Kolostrum vorbei.

arialNun hoffte ich mit Lisa, dass es mit Caletta alles gut gehen würde. Sie war ein wirklich nettes, liebevolles Fohlen und ich drückte ihr alle Daumen.

arial[color=rgb(90,90,90)© Eowin

[color=rgb(0,0,0)arialGrade als meine Tierärztin den Hof verlassen hatte, rollte auch schon ein weiteres Auto auf den Hof. Hinten dran ein Pferdeanhänger. Calista! Aufgeregt wartete ich, bis der Wagen zum Stehen gekommen war und die Fahrerin ausstieg. Die Begrüßung fiel knapp, aber freundlich aus. Calistas Züchterin schien im Stress zu sein, schnell luden wir die Stute ab, der Papierkram war schon lange erledigt, dann fuhr die Frau auch schon wieder davon. Glücklich wie ein kleines Kind stand ich neben meiner neuen Stute.

arialCalista ist eine Trakehner Fuchsstute. Ich hatte sie vor einiger Zeit aus Deutschland gekauft, und nun war sie endlich da. Meine Herausforderung!

arialDie 3-Jährige Stute schnaubte aufgeregt und sah sich neugierig um. „Das ist dein neues Zuhause meine Süße!“ Sanft strich ich ihr über den Hals. „Komm ich zeig dir deine Box.“ Ich lief mit meinem Pferd zum Stall rüber und stellte sie dort in die Box gegenüber von Summer. Hektisch lief sie auf den Paddock, kam aber direkt zurück und machte sich über ihr Heu her. „Das ist aber kein Tinker oder?“ Ich erschrack, als Kimi plötzlich neben mir stand. Böse sah ich ihn an: „Musst du mich so erschrecken? Nein, sie ist eine Trakehner Stute. Mein Goldstück.“ Lächelnd beobachtete ich Calista. „Sie ist wirklich hübsch, aber ich mag den dicken Heat lieber“, grinste Kimi. Ich lachte und wandte mich meinem Stallburschen zu. „Ich muss jetzt noch zu einem Kunden, kannst du in einer Stunde etwa die Pferde reinholen? Und dann kannst du gerne Feierabend machen.“ - „Klar mach ich, viel Spaß!“

[color=rgb(0,0,0)arialHeute fuhr ich erneut zu Lena. Nach kurzer Fahrt kam ich auf ihrem Gestüt, wo ich bereits erwartet wurde, an. Wir winkten uns kurz zu, anschließend parkte ich mein Auto und Lena half mir, die Werkzeuge zum Putzplatz zu bringen. „Heute sind die Hengste dran“, sagte sie und fügte noch hinzu: „Ich hole schon mal den ersten Kandidaten.“ Ich nickte nur kurz und sortierte dann weiter meine Sachen, während Lena im Stall verschwand.

arialEinen Augenblick später kam sie mit einem hübschen Kohlfuchs zurück. Sie band ihn an und erklärte mir kurz: „Das ist Baccardi, ein Deutsches Reitpony. Bei ihm müssen die alten Eisen ab und dann soll er barhuf laufen.“ Ich hörte aufmerksam zu und nickte dann zustimmend. Mit einem Leckerli stellte ich mich dem Hengst vor und hob dann den ersten Huf, um das Eisen abzunehmen. Das war zwar anstrengend, ging aber schnell über die Bühne, sodass ich auch bei den anderen Hufen schnell die Eisen abgenommen hatte. Der dunkle Hengst mit den blauen Augen blieb dabei brav stehen und ließ mich ungestört meine Arbeit machen. Ich legte die alten Eisen beiseite und fing nun damit an, die Hufe ordentlich auszuschneiden. Zuerst kürzte ich die Hufwände und die Trachten. Die Hufe hatten eine gute Form, sodass ich nicht viel schneiden musste. Mit der Raspel rundete ich die Hufwände ab, damit diese schön rund waren. Zum Schluss schnitt ich an jedem Huf den Strahl zurecht, dann war der erste Hengst fertig. Zur Belohnung bekam Baccardi ein Leckerli. Lena band ihn los und führte ihn zurück in den Stall.

arialDraki, ein Isländerhengst, war der nächste auf unser langen Liste. Der Schimmel hatte die Ohren gespitzt und betrachtete mich genau, während Lena ihn am Putzplatz anband. Mit einem Leckerli begrüßte ich ihn und fing dann an, die Hufeisen abzunehmen. Der Hengst stand brav still, war aber immer aufmerksam. Ich fuhr damit fort, die Hufe auszuschneiden. Auch den Hufbock fand Draki weniger Interessant, sodass die Behandlung relativ schnell ging. Die Arbeitsschritte waren die gleichen wie bei Baccardi. Ich lobte Draki ausgiebig und Lena brachte ihn anschließend zurück in den Stall.

arialAls nächstes war ein 2 Jähriger Hengst dran. Radioactive hatte eine außergewöhnliche Farbe und lief aufmerksam neben Lena her. Sie band ihn an und ich begrüßte ihn mit einem Leckerli. Der Kleine hatte selbstverständlich noch keine Hufeisen, weswegen ich direkt mir dem Ausschneiden anfing. Zuerst kürzte ich die Hufwände und Trachten. Bei den kleinen Hufen war das nicht viel, sodass ich dann die Hufwände abrundete. Zum Schluss schnitt ich an allen Hufen den Strahl zurecht. Der Hengst war dabei brav, dafür lobte ich ihn nun. Lena führte ihn in den Stall, während ich auf den nächsten Kandidaten wartete.

arialTowelie war ebenfalls ein Isländer und 3 Jahre alt. Langsam trottete er Lena hinterher, die ihn am Putzplatz anband. Ich begrüßte den Hengst und fing dann direkt mit dem Ausschneiden an. Ich ging vor, wie bei den anderen Pferden, Towelie wirkte etwas abwesend, sodass ich ungestört arbeiten konnte. Erst als ich ihm ein Leckerli hinhielt, schien er aus seiner Traumwelt zurückzukommen. Zufrieden kaute er das Leckerli, dann brachte Lena ihn zurück in den Stall.

arialDer letzte, der keine neuen Eisen bekam, war Novio, ein Lusitano Hengst. Mit einem Leckerli begrüßte ich ihn, nachdem Lena ihn angebunden hatte. Kurz ließ ich ihn die Werkzeuge beschnuppern, dann fing ich mit dem Ausschneiden an. Nachdem ich die Hufwände und die Trachten gekürzt hatte, rundete ich die Hufwände mit der Raspel ab und schnitt zum Schluss den Strahl zurecht. Der Hengst stand die ganze Zeit über ruhig da, weswegen er nun ein Leckerli bekam. Lena führte ihn in den Stall und brachte mir den nächsten.

arialEypor, ein gescheckter Isländerhengst, sollte heute für den Winter ausgerüstet werden. Ich begrüßte den Hengst und machte mich dann daran, die alten Hufeisen abzunehmen. Nach einiger Zeit hatte ich das geschafft und schnitt anschließend die Hufe zurecht. Nun suchte ich neue, passende Eisen raus und erhitzte das erste im Schmiedeofen. Neugierig beobachtete Eypor mich, während ich das Eisen mit einer Zange aus dem Feuer nahm. Zum Anpassen legte ich es auf den ersten Huf. Der Rauch störte den Hengst nicht. Mit einem Hammer formte ich das Eisen in die richtige Form, anschließend kühlte ich es in einem Eimer mit Wasser ab. Mit einer Schere schnitt ich den Schneegrip passend auf das Eisen und befestigte es mit zwei Nieten, so konnte es später nicht verrutschen. Zum Schluss nagelte ich das Eisen samt Grip an den Huf. Ich wiederholte alles bei den anderen drei Hufen. Lobend klopfte ich dem Hengst den Hals und gab ihm noch ein Leckerli. Lena band ihn ab und brachte ihn zurück in den Stall.

arialAls letztes für heute war Ghosts an der Reihe. Der Hengst sollte ebenfalls neue Eisen mit Schneegrip und Stollen bekommen. Nachdem ich den Rappen kurz begrüßt hatte, fing ich damit an, die alten Eisen abzunehmen. Mit dem Unterhauer bog ich die Nägel grade und zog das Eisen dann mit einer Zange vom Huf. Das wiederholte ich bei den anderen drei Hufen und schnitt dann alle Hufe ordentlich zurecht. Die neuen Eisen legte ich neben den Schmiedeofen, das erste erhitzte ich darin. Auch Ghosts war vollkommen ruhig, während ich das heiße Eisen auf den Huf legte. Es passte von Anfang an super, sodass ich es direkt im Wasser abkühlte. Dann schnitt ich den Schneegrip zurecht und nagelte es zusammen mit dem Eisen auf den Huf. Auch den anderen Hufen verpasste ich neue Eisen, ebenfalls mit Schneegrip. Außerdem konnten Stollen an die Eisen angebracht werden. Ich kontrollierte alles nochmal, dann lobte ich den Hengst. Lena brachte ihn zurück in den Stall, während ich meine Sachen zusammenpackte und im Auto verstaute. Die junge Frau kam aus dem Stall wieder und wir verabschiedeten uns. Dann machte ich mich auf den Weg nach Hause.

[color=rgb(0,0,0)arialAls ich die Einfahrt entlang fuhr, war es bereits dunkel, im Stutenstall brannte jedoch noch Licht. Auf dem Parkplatz stand noch Kimis Auto. „Hm“, murmelte ich vor mich hin, während ich meinen Wagen parkte und ausstieg.

arialIm Stall war keine Menschenseele zu sehen. Ich schaute in jede Box und fand Kimi schließlich bei Cala und Caletta im Stroh sitzend. Das kleine Fohlen lag neben ihm und ließ sich genussvoll kraueln. Augenblicklich zeichnete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht. Vorsichtig betrat ich die Box und hockte mich neben die beiden. „Geht es ihr gut?“ Flüsterte ich. Kimi nickte und antwortete leise: „Ja, ich habe ihr die Milch von der Tierärztin gegeben, jetzt schläft sie.“ - „Gut.“

arialEinige Zeit saßen wir so schweigend in der Box und beobachteten Caletta beim Schlafen. Das was Eowin mir gesagt hatte, machte mich nachdenklich. Ich hoffte inständig, dass die Biestmilch nicht zu spät kam und die Kleine durchkommen wird.

arial„Ich gehe jetzt auch mal ins Bett“, flüsterte ich und stand auf. „Ja, ich fahre auch langsam nach Hause.“ Kimi stand auf und wir verließen gemeinsam den Stall. Ich winkte ihm noch kurz zu, dann verschwand er auf dem Parkplatz. Nachdem ich im Stall das Licht ausgeschaltet hatte, lief ich zum Haus und ging müde ins Bett.
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