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Ein Sturm zieht auf..

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 424

Die Wolken am Himmel zogen sich unsanft zusammen, wurden grau – hier auf den Inseln kam es im Verlauf des Frühlings öfters zu heftigen Gewittern. Also schwang ich mich vom Rücken des jungen Hengstes, um ihn zurück in den Stall zu bringen. Seit nun mehr fast zwei Wochen befand sich Ghost in der richtigen Ausbildung zum Reitpferd. Seitdem ich ihn gekauft hatte zusammen mit Kathi hatten wir Übungen mit ihm gemacht, Hansi hatte viel Bodenarbeit gemacht und ihn bereits an Sattel und Trense gewöhnt. Jetzt hatte er vor knapp einer Woche das erste Mal einen Reiter auf seinem Rücken gehabt. Bis hier hin hatte der Hengst wirklich wunderbare Arbeit geleistet , weder gebuckelt noch sonst irgendwelche Unarten entwickelt.

Wenige Minuten später betrat ich mit dem jungen Hengst am Zügel den Stall, einige Regentropfen hatten den Weg meinen Nacken hinunter gefunden. „Uuua...nächstes Mal nehm ich ein Tuch mit.“ flüsterte ich leise. Den leicht verschwitzten Hengst stellte ich in eine der Boxen als ich den Sattel in die davor vorgesehene Kammer brachte. Die Stirn kraus gezogen drehte ich mich im Kreis herum. „Wo hab ich denn jetzt seine..?“ da fand ich die grüne Abschwitzdecke, brachte sie zurück in die Box um sie ihm auf den Rücken zu legen. Als ich nochmal in die Kammer wollte um noch ein wenig Müsli zu holen, nahm ich leise geflüsterte Worte wahr. Ich drehte mich verwundert um, hatte ich das nicht vorher auch schon gehört oder war die Musik noch an? Da ich jedoch aus den Lautsprechern nichts hörte stiefelte ich die kleine Treppe zum Heuboden hinauf. Es gab nur zwei kleine Fenster, die sanftes Dämmerlicht erschufen. Genau unter so einem sah ich nun Cayden auf dem Boden sitzend, an seine Schulter gelehnt erkannte ich die kleine Lia, auf ihrem Gesicht konnte ich die Tränen erkennen. Cayden hielt sie im Arm strich mit sanften Bewegungen über ihren Rücken, murmelte dabei Worte auf Gälisch. Als er mich sah, hob er seine Hände um mich wieder davon zu scheuchen, ich nickte still und krabbelte die Leiter wieder hinunter. In letzter Zeit war Lia abweisender denn je gewesen, hatte sich sogar von Maeve abgekoppelt – sonst waren beide Freundinnen wie Geschwister. Ich schüttelte den Gedanken zunächst beiseite, dann lief ich hinaus in den leichten Nieselregen. Da sich die Wolken weiter zusammen zogen wollte ich Bucks noch in den Stall zu bringen – bei einem Gewitter im letzten Jahr war er schließlich ausgebrochen. Es war immer noch schwierig mit dem kleinen Pottockhengst, allerdings nahm er endlich wieder richtig zu, seine Mähne und der Schweif hatten beinahe wieder eine normale Länge. Allerdings wurde der Kleine schon wieder von seiner Augenentzündung geplagt, Maren hatte beim letzten Besuch erwähnt falls es nicht besser würde , müsste das Auge entfernt werden. Natürlich wollte ich das es dem Hengst besser ging, aber solche Maßnahmen fand ich doch etwas zu drastisch – beide Augen? Cayden und ich wollten in dieser Sache noch eine zweite Meinung einholen. Zusammen mit dem Pottockhengst brachte ich auch Moon in den Stall, der noch immer mit einer Decke herum lief – seine Arthrose machte momentan wieder einiges an Mucken. Erst letzte Woche hatte er eine leichte Kolik gehabt, ich machte mir wirklich Sorgen um meinen geliebten Hengst.

Am Offenstall der Hengste traf ich Aiden und Hansi, die mir mit einer Schubkarre voller Pferdeäpfel entgegen kamen. „Für heute sind wir fertig!“ verkündete der blonde Hüne „Heute Nachmittag werd ich zusammen mit Catalina noch ein wenig was mit Dorn tun, soll ich dann Thwora mit hinüber zu Bella nehmen?“ In der letzten Zeit hatten wir hier oben eine Menge an Zuwachs bekommen, da sich Bella auf die Islandzucht spezialisiert hatte und sie noch keine fertigen Zuchtpferde gehabt hatte wollte ich ihr unter die Arme greifen. Sowohl Uprising als auch Thowra würden bei ihr ein gutes zu Hause finden, wenn auch letztere noch immer in meinem Besitz war – doch dort wurde sie Rassenspezifischer gefördert als es uns möglich war. Zurück im Stall sah ich gerade noch wie eine etwas geknickte Lia mit Argo am Halfter den Hof verließ und mir Cayden entgegen kam, auf seinem Gesicht lagen leichte Schatten. „Was ist los mit ihr?“ mein Verlobter nahm mir den Strick von Moon ab, begann dabei zu erzählen. „Lia´s Mutter..die Leukämie ist zurück, jetzt macht sie sich unheimliche Sorgen. Ihre Mutter ist im Krankenhaus auf dem Festland, nächste Woche wird Lia sie dort erst besuchen dürfen, da die Mutter wohl noch viele Arztbesuche hat. Außerdem befindet sich ihr Bruder momentan in einer Pflegefamilie in die wohl auch Lia gehen wird, um ihrer Mutter beistehen zu können.“ Mittlerweile saß ich auf einem der Eimer, die Hände auf meine Knie gestützt „Das hat sie wirklich nicht verdient….wie lang ist das letzte Mal her?“ Cayden zuckte die Schultern „Ich weiß es nicht genau, aber damals war die Mutter glaube ich gerade mit dem Bruder schwanger, deswegen wurde es erst festgestellt. Den Vater hat sie erst vor knapp drei Jahren verloren, jetzt vielleicht noch die Mutter“ er strich sich mit der Hand durch das Gesicht über den mittlerweile ziemlich langen Bart. „Ich hab sie einfach ein wenig getröstet“ jetzt zuckte er mit den Schultern „Sie erinnert mich so eine meine jüngere Schwester, immer darum bemüht alles beieinander zu halten. Im Unterschied das bei Lia wohl alles auseinander fällt. Sie hat gefragt ob...“ Cayden hockte sich vor mich zu Boden. „Sie würde gern das wir sie begleiten...wir sind so ziemlich das nächste was einer Familie kommt.“ jetzt lachte er auf, lächelte mir zu „Schließlich ist sie neben dem Internat hier am meisten...in der Zeit seitdem wir hier wohnen war sie selbst in den Ferien kaum bei ihrer Mutter zu Hause, sondern eher hier.“

Dabei musste ich an die beiden oben auf dem Dachboden denken...schon immer hatte sich das junge Mädchen an meinen Verlobten orientiert oder an mir. Sie stellte für mich schon beinahe ein Teil der Familie dar. „Natürlich, wenn sie sich das wünscht kommen wir mit!“ verkündete ich flüsternd. Der Gedanke eine Jungendliche zu ihrer offensichtlich sterbenden Mutter zu begleiten zog mein Innerstes zusammen – das war etwas das sie nicht sehen dürfte. Auf der anderen Seite würde sich Lia´s Zukunft in den nächsten Monaten mehr als nur drastisch verändern, ich wollte ihr beistehen so viel ich es zumindest konnte.

Wir besprachen bei einem Abendessen mit Lia noch wann genau wir zum Krankenhaus aufbrechen wollten. Einigten uns dann auf die nächste Woche, da Cayden und ich noch einen Termin bei einem Paganpriester hatten, der uns trauen würde. Zwar ließen wir uns auch noch offiziell vor dem Standesamt verheiraten, allerdings war das ganze erst in einem Jahr geplant – per Handfasting würden wir für ein Jahr und einen Tag einander versprochen werden und erst dann wahrhaftig heiraten. Wie ich fand war das ein wunderbarer Brauch, dem ich gern zugestimmt hatte. Das gab und die Zeit wahrhaftig herauszufinden ob wir miteinander klar kamen, wenn auch Siobhan immer meinte ich solle mir darüber keine Gedanken machen.

Also würden wir in der nächsten Woche mal wieder auf das Festland fahren.
Dir, Pepe, Elsaria und einer weiteren Person gefällt das.
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