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Der namenslose Hof

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 541

Der Postbote kam mit seinem Auto direkt die Straße nach unten gefahren die zum neuen Hof führte, es war seltsam noch keinen richtigen Namen für ihn zu haben. Trotzdem musste ich jetzt auf der Hut sein, Corvus konnte im tiefsten Schlummer liegen hörte er den Wagen der Post erwachte er. Mr. McRaghaen pflegte ihm stets ein Leckerli zu geben, nur musste ich aufpassen das der kleine Racker von einem Hund nicht von dem Auto erfasst wurde. Angus spielte gerade noch ziemlich vergnügt in seinem selbstgebauten – zumindest mit Caydens Hilfe – Sandkasten, bei dem Motorengeräusch erhob sich der Junge und blickte sich um. „Komm her Angus!“ rief ich ihn zu mir an die Hand, wir warteten auf ein Paket für ihn. Während also Angus aus dem Sandkasten trat, sich die Hosenbeine abklopfte und auf staksigen Beinen auf mich zu kam, raste ein kleiner schwarzer Schatten um die Hausecke herum. Cayden war hinter dem Haus geblieben um dort die frei laufenden Stuten unter Beobachtung zu haben. Corvus rannte mit einem Affenzahn in Richtung der Einfahrt, dem Punkt dem auch Angus zusteuerte, da ich hier stand. Ich biss die Zähne aufeinander bleckte sie um dann noch Rufen zu wollen „Achtung Angus!“ als der Parson Russel und der Junge auch schon zusammen stießen, übereinander fielen und von jedem ein Schreckensschrei zu hören war. „Corvus!“ kam es von einem empörten Angus der sich den schwarzen Hund von den Knien schob und es sich betrachtete, dabei floss nicht eine Träne. Ich überbrückte die Distanz zu meinem Sohn – eine Aussage die fast noch komischer war als die Tatsache das der Hof keinen Namen hatte, um ihm auf zu helfen. „Alles in Ordnung bei dir?“ Angus blickte mit zusammen gekniffenen Augen in Richtung Corvus, schob die Unterlippe nach vorn und nickte dann aber. Ich bot ihm meine Hand an der er sich nach oben zog.


Nach dem Frühstück hatte Angus den Zusammenstoß mit Corvus schon wieder vergessen, da er unserem Balljunkie den kleinen roten Ball immer wieder warf. „Heute gibt’s wieder ne Menge zu tun, ich wollte mit Topas und dir auf Noir heute auf die Militarystrecke von Caed Crevan. Cayden was hast du vor?“ Mein Mann schluckte den letzten Rest seines Tees herunter „Die Boxen im Stall müssen teilweise neue Türen bekommen ehe wir da Pferde hinein stellen können und die Bretter von Round Pen sollten wohl auch mal erneuert werden. Ansonsten kann ich dir heute auch noch Antaris abnehmen mit dem Dressurtraining, hab mich gestern beim erneuern der Holzlatte die Darym geschrottet hat schon mit ihm angefreundet. Nebenbei hab ich natürlich ein Auge auf Angus. Wollten heute Abend nicht auch Siobhan und Ty zum Grillen vorbei schauen?“ Ich bestätigte seine Frage, freute mich schon auf den Abend. Durch den Umzug wohnten wir nun noch näher an Classical Harmony als zuvor, sodass wir nun noch öfter gemeinsam waren.

Mit Lia räumte ich noch den Tisch auf ehe es in Richtung Paddock ging um die beiden Stuten zu holen. „Reiten wir hin oder wollen wir fahren, Sarah?“ fragte mich Lia „Was willst du?“

Lia kratzte unsicher an der Bürste herum, schien erst mit der Sprache nicht heraus zu rücken „Naja, wir hatten lange keinen Ausritt mehr.“ So war es beschlossene Sache, es würde ein längerer Ritt werden, danach ein paar der Geländesprünge. Topas war bisher nur einmal mit mir zusammen dort gewesen, Noir kannte die Strecke schon um einiges besser. Außer ihrer Erfahrung an den Geländesprüngen war sie auch schon zwei Klassen über der erst kürzlich unter dem Sattel stehenden Stute, aber Topas strengte sich an um auch einmal dorthin zu kommen. Catalina war bereits das ein oder andere Mal selbst mit ihr durch den Parcours gesprungen.


Angekommen am Ort der Begierde spürte ich schon deutlich wie es Lia schwerer fiel die aufgeregte Noir ruhig zu halten. Innerhalb des Platzes war sie manchmal kaum zu motivieren, im Military hatte sie jedoch vollkommen ihre Leidenschaft gefunden. Topas war um einiges ruhiger, weshalb ich es für besser hielt die Pferde zu tauschen. Obwohl Topas noch so jung war machte es mich fast stolz das ich sie einer Jugendlichen anvertrauen konnte, zwar brachte sie diese Ruhe auch von Natur aus mit allerdings war manches auch viel Training. Nach dem Tausch versuchten wir uns erst an den weniger großen Sprüngen, die meist einfach nur aus Strohballen und kleineren Kreuzen bestand. Mit jedem Sprung wurde auch Topas ruhiger, während Noir immer hitziger wurde und zwischen den Sprüngen manchmal zu buckeln begann. „Bleib du mit Topas erst mal hier, während ich den ersten Parcours durch springe danach bist du einmal mit Topas an der Reihe?“

Mit den Sprüngen direkt vor der Nase ließ sich Noir kaum noch bremsen, trotzdem zeigte sich ihre ruhige Ader und zumindest die Bremse zwischen den Sprüngen kannte sie. Heute nahm ich den Sprung aus einem großen Baumstamm, vor dem eine größere Hecke stand dahinter jedoch war ein kleines Wasserbecken. Noir zog die Beine an, sprang hinüber nur um bei der Landung den Kopf hoch zu reißen und etwas steif im Wasser stehen zu bleiben. Ich trieb sie weiter, trabte nach dem Sprung an und drehte eine Runde zwischen den Hindernissen und machte den Sprung noch einmal. Dieses Mal sprang sie weniger hoch als weit, landete nicht im Wasser , sodass wir den Parcours für sie ohne Probleme beenden konnten. Nachdem sich Noir entwas abgekühlt hatte stieg ich ab, gab Lia noch ein paar letzte Instruktionen dann ging es für sie los. Nachdem wir bei Topas nun komplett auf Gebisslos umgestellt hatten, war das auch für Lia zu Anfang eine ganz neue Erfahrung gewesen, an die sie sich wirklich schnell gewöhnt hatte. Topas zeigte sich nun weitaus zufriedener und ließ sich von der Jugendlichen in dem Parcours mit feinsten Hilfen führen. Mit ihren jungen Jahren sprang sie souverän über die ersten Militarysprünge, die nur aus kleinen Hecken, kleinen Gartenstühlen und einem Wassergraben bestanden. In der nächsten Woche wollte ich Lia und Topas auf einem kleinen Turnier starten lassen für die Klasse A, hier auf der Strecke war Topas heute schon über ein paar höhere Sprünge gehopst nun müssten die beiden nur noch ein wenig üben. Nebenbei übte sie sich auch noch mit Cielo fleißig in der Dressur, um auch mit ihm einmal Turniere zu starten. Um die beiden Pferde nach dem Springen ein bisschen zu schonen legten wir einen Stopp auf Caed Crevan ein, wo Aiden und Hansi gerade dabei waren die Ställe zu reinigen, Kathi war in der Stadt einkaufen.

Als sich Noir und auch Topas erholt zu haben schienen machten wir uns am Mittag wieder auf den Rückweg zu unserem – noch – namenslosen Hof.



Nachdem die Latten am Round Pen erneuert waren, ich den Knirps mit Mittagessen versorgt und danach ins Bett verfrachtet hatte, machte ich mich gemeinsam mit Hund und Babyphone auf zum Stall. Dort fischte ich aus dem Haufen Halfter das von Antaris heraus um ihn noch ein wenig zu putzten um anschließend an der Arbeit für die Dressur zu arbeiten, wie ich es Sarah versprochen hatte. Nach einem Monat unter dem Sattel ließ sich Taris schon ohne weiteres im Mitteltrab und dem Mittelgalopp arbeiten, wohingegen der einfache Galoppwechsel noch Probleme bereitete, wie mir meine Frau erklärt hatte. Nach der ersten Kennlernphase ritt ich den Hengst warm, bevor wir uns der Versammlung widmeten, die gerade für höhere Lektionen besonders wichtig waren. Mit vollem Eifer ließ sich Taris von mir durch das Viereck führen, die Ohren dabei Aufmersam zu mir – der Hengst gefiel mir wirklich gut. Vor allem war er, jetzt mal abgesehen von Darym, das auch meiner Größe richtig tragen konnte. Mit voller Konzentration widmete ich mich also weiterhin seiner Stellung und Biegung, die gerade bei der 10 Meter Volte noch nicht so sonderlich zu klappen schien. Falls er die nötige Versammlung für die Volte fand, sich besser bremsen ließ in seinem Tempo würde es auch hin hauen mit dem einfachen Galoppwechsel. Probeweise hatte ich es auch schon probiert, seine Reaktion auf die Galopphilfe nach der Schrittphase kam etwas verzögert vor allem aber ziemlich holperig. Deswegen widmete ich mich nun besonders den Übergängen der verschiedenen Gangarten, damit sie flüssiger wurden. Erst dann konnte man den Galoppwechsel noch genauer angehen. Am Ende der Stunde hatte Taris die Wechsel schon flüssiger auf dem Kasten, ließ sich außerdem prima auf der Volte halten ohne nach außen über die Schulter zu gehen. Der Hengst machte wirklich gute Fortschritte. Anschließend stieg ich aus dem Sattel, brachte ihn auf den Paddock zu den anderen Hengsten zurück. Cheveyo sollte heute Nachmittag einige neue Lektionen vor der Kutsche absolvieren, dazu wollte ich allerdings auf Sarah und Lia warten. Zumindest hatten sie mir bereits geschrieben sie seien auf dem Rückweg – hoffentlich bevor es so aus Eimern zu schütten begann, wie es die Wolken am Himmel vermuten ließen.


Mitten im Nieselregen kamen wir dann auch endlich am Hof an, die letzten Kilometer waren wir im Galopp geritten. Komplett nass waren wir nicht, aber wir hatten zwei offensichtlich geschaffte Pferde. Zum letzten Überputzten ließen sie die Köpfe leicht hängen mit halb geschlossenen Augen. Wir brachten sie noch zurück auf den Paddock, liefen hinüber zum Platz und dann begann es richtig zu stürmen. Die große Eiche in unserem Hinterhof wurde mächtig von links nach rechts geschwungen, sodass wir uns einen freien Nachmittag einräumten. Auch Angus kam bald aus seinem Zimmer, rieb sich etwas verträumt noch die Augen und kam zu mir gerannt. In der Hand hielt ich mein momentanes Buch „Runenschicksal“ auch Angus zeigte reges Interesse an Büchern, sah auf mein Buch und trottete dann zum Buchregal um auch sich eins zu holen. Noch konnte der Junge natürlich nicht selbst lesen, ließ sich von Cayden oder mir aber sehr gern vorlesen. „Lesen?“ dabei hielt er das große Märchenbuch nach oben, legte den Kopf leicht schief. Diese Geste verleitete mein Hirn dazu an einen Hund zu denken, ich grinste breit. „Welche Geschichte?“ fragte ich ihn. Unschlüssig ließ er sich auf dem flauschigen Teppich nieder, blätterte und wählte dann wie ich dachte irgendwas, verkündete dann aber „König Drosselbart!“ Also legte ich mein Buch beiseite, setzte mich im Schneidersitz neben ihn und begann zu lesen, ich fand es klasse das selbst deutsche Märchen auf Englisch übersetzt wurden.


Nachdem es fast den ganzen Nachmittag hindurch geregnet hatte widmete ich mich den Zubehör für Cheveyo, denn ihn wollte ich mal wieder vor die Kutsche spannen. Auf einer der Wiesen hatten wir bereits einen Parcours für ihn und folgende Trainingspferde die vielleicht vor der Kutsche trainiert werden können. Dort gab es mittlerweile eine kleine Brücke, einen natürlichen Abhang und natürlich der Slalom. Ansonsten ging es um die Ausführung der Kommandos im Zusammenspiel von Fahrer und Pferd -dabei war nicht nur ich beteiligt sondern auch Cayden hatte in den letzten Tagen mit ihm geübt. Im Grunde war Cheveyo schon fast das was man einen „alten Hasen“ vor der Kutsche nennen konnte, er kannte alle Elemente eines Parcours jetzt ging es einfach um die Verfeinerung. Im Sulky kannte er die Übungen bereits, weshalb wir uns heute für die breitere, richtige Kutsche entschieden um die Übergänge zu Üben und dann zur Entlastung eine Runde ins Gelände zu gehen. Auch Angus war dieses Mal von der Partie, gehalten von Lia zu meiner rechten Seite, er liebte das Kutschefahren wirklich.

Nachdem wir uns in einer langen Schrittphase und kleineren Einwürfen im Trab aufgewärmt hatten, machte ich gezielte Übergänge mit ihm da gerade diese zwischen Trab und Galopp an der Kutsche schwerer fielen. Mit jedem Wechsel den wir machten wurde er Routinierter auch mit der richtigen Kutsche, denn diese würde ab der neuen Klasse auch auf den M Turnieren zu nutzten sein, Sulkys waren nicht länger zulässig. „Wo wollen wir hin, Angus?“ „Kühe!!“ verkündete der kleine Junge aufgeregt, also schlug ich den Weg in Richtung des Farmers ein. Dieser hatte eine kleine Herde von Highlandrindern wie sie hier an fast jeder Ecke gehalten wurden und Angus war neben Pferden auch ein großer Rinderfan.

Auf dem Hof konnten wir eine kleine Pause einlegen, denn von hier bekamen wir auch seit kurzem unser Mineralfutter für Corvus und natürlich frische Milch. Der ältere Bauer freute sich immer über unsere Besuche, die Tatsache das wir mit den Pferden kamen, immer wieder erhielt Cheveyo ein kleines Leckerli. Schon immer vor dem Hof wurde er deutlich schneller und schien sich zu freuen.

Auch heute hatte der Herr einen Apfel übrig, während Lia mit Angus zu den kleinen Rindern ging. „Wir wollen wieder ein paar Flaschen der Milch mitnehmen, Futter reicht uns erst einmal noch.“

Nachdem ich die Flaschen erhalten hatte packte ich sie in die Kutsche, leistete danach Lia und ihrem Bruder Gesellschaft. Angus hatte ein paar Tränen in den Augen „Sie verkaufen die jungen Rinder aus dem letzten Jahr, Angus hat Angst um seine Wookie“

Wookie war ein neugieriges Jungrind, das sich besonders gern zwischen den bereits großen Hörnern streichen ließ. „Wookie wird schon ein tolles zu Hause finden.“ tröstete ich den Knirps, nahm ihn auf den Arm und wir machten uns auf den Heimweg.

Am Abend brachte Cayden ihn ins Bett und bekam den Verkauf von Wookie unter die Nase gerieben, welchen Ausmaß dies noch nehmen würde ahnte ich zu diesem Moment nicht.​
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  • Eddi
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