Das teuflisch gute Pferd (Gestütsblog 2)

Geschrieben von Sissicat im Blog Fiery Highland Stables. Ansichten: 102


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Das teuflisch gute Pferd
Am nächsten Tag ging meine Familie Sightseeing, während Mary und ich den Hof weiter aufbauten. Es war ein wunderschönes großes Gelände genau auf den Schottischen „Highlands“, es gab aber auch in der Nähe die Schottische Küste, welche mich wie auch die Highlands in ihren Bann gezogen hatte.
Nach einer Weile entschieden Mary und ich uns in die Stadt zu fahren um etwas zu kaufen. Als wir aus dem Einkaufsmarkt kamen, blieb Mary stehen und meinte: „Michelle! Schau mal.“ Verwirrt drehte ich mich um und sah auf ein Plakat, ein Zirkusplakat. „Ein Zirkus, schön. Gehen wir heim?“, fragte ich und wandte mich ab, doch Mary schnappte meinen Arm und zog mich energisch herum, worauf ihr rotes Haar wild herumflog. Sie deutete auf einen Teil des Plakates wo stand dass sich der Zirkus auflöste und das seine letzte Show sein würde. „Komm lass uns dorthin gehen, bitteee.“, jammerte meine Freundin und zog einen Schmollmund, ich lachte und nickte dann geschlagen. So brachten wir unseren Einkauf nachhause und fuhren zu dem Zirkus. Neben uns waren noch ein paar andere Leute gekommen, jedoch viel weniger als wie normalerweise in einen Zirkus gingen. Die Shows des Zirkus waren normal, wie überall halt. Doch dann kam ein schwarzer Achal Tekkiner in die Manege, ohne Mensch. Der Hengst verbeugte sich vor dem Publikum und führte Kunststücke auf, z.B. sprang er auf seinen Hinterbeinen umher, löste Matheaufgaben, dirigierte das Orchester und suchte einen Freiwilligen? Hatte ich das richtig verstanden? Der Hengst sah sich suchend um und wieherte abwartend, dabei klopfte er unruhig mit dem Huf. Ich wusste nicht ob ich den Hengst richtig verstanden hatte aber als ich aufgestanden war, wieherte er glücklich und deutete mit seinem Kopf von mir zur Manege und zurück. Zögernd trat ich über den Rand der Manege hinweg und stand vor dem Pferd, dieses wieherte worauf ein Zirkusmitarbeiter angeeilt kam, er erklärte mir was jetzt mit mir geschehen würde: „Zu aller erst brauchen sie keine Angst zu haben, Lassie. Unser Sebastian hat nur ein neues Kunststück gelernt und möchte dieses mit ihrer Hilfe vorführen, wir nennen es tanzen.“ Verwirrt sah ich den dicken Mann an, das Pferd wollte mit mir tanzen? Die Fragezeichen schienen bereits über meinem Kopf zu stehen da der Mann mir erneut versuchte zu erklären was passieren würde, ich nickte dann einfach um sein Gerede zu unterbrechen. Das Zirkusorchester fing an ein Lied zu spielen und „Sebastian“ trat vor mich, er verbeugte sich erneut und sah mich erwartungsvoll an. Es war mir ein wenig unheimlich ein Pferd vor mir zu haben welches so schlau war. Ich knickste dann einfach, da es mir am logischten vorkam.

Plötzlich stieg der schwarze Hengst auf seine Hinterbeine und begann abwechselnd einmal seine Vorderbeine links und dann rechts wieder auf den Boden zu stellen. Da verstand ich endlich was meine Aufgabe war. Lachend tat ich es den Hengst nach und sprang, wenn er seine Vorderbeine links abstellte nach links. Als wir dies ein paar Mal taten nickte der Hengst und begann sich nach rechts in einer Pirouette zu drehen, ich tat es ihm nach und drehte mich ebenfalls. Danach stupste er mich an, stellte sich neben mich und hob abwechselnd sein linkes Vorderbein oder sein rechtes als würde er betteln. Auch dies tat ich ihm nach, als diese Nummer fertig war wieherte „Sebastian“ zufrieden und verbeugte sich erneut, doch diesmal vor dem Publikum. Ich lachte und knickste ebenfalls als die anderen Zuschauer klatschten.

Ich ging wieder auf meinem Platz als der Zirkusdirektor sich verabschiedete und eine Menschenmenge hinausströmte. „Mary warte schonmal bei dem Auto, ich komme gleich nach!”, rief ich der rothaarigen zu und rannte in die Manege und durch den Vorhang. „Entschuldigung!“, rief ich als ich den Zirkusdirektor gemeinsam mit ein paar anderen Akteuren und Sebastian da stehen sah. „Lassie die Vorführung ist vorbei, wir haben wirklich keine Zeit, es muss heute noch alles weg…“, erklärte der dicke Mann von vorhin und nahm sich erschöpft die Mütze vom Kopf. „Es dauert nicht lange. Ich wollte nur fragen was mit ihren Tieren geschieht.“, meinte ich und sah den schwarzen dünnen Hengst an, der neben dem dicken stand. „Verschieden. Einige unserer Tiere werden an andere Zirkusse verkauft, manche werden an Privatpersonen verkauft.“ „Und was ist mit ihm?“, unterbrach ich ihn und wandte meinen Blick wieder dem Mann zu. „Sebastian… Mit ihm wissen wir ehrlich gesagt überhaupt nicht was wir machen sollen… weißt du, Lassie, er ist ein sehr schwieriges Pferd, wahrscheinlich weil er so klug ist. Er lässt sich nur von unserer alten Pferdetrainer trainieren oder gar reiten. Es interessieren ihm die anderen Menschen gar nicht… er tut meistens beinahe so als sei er ihnen überlegen. Daher möchte kein Zirkus das Risiko mit ihm eingehen, statt ihm kannst du auch gleich versuchen eine Katze zu trainieren. Beide würden nur das machen was sie wollen.“, erklärte er und fuhr sich erschöpft über seine Glatze. „Und daher? Was passiert mit ihm?“, fragte ich noch einmal, diesmal eindringlicher. „Naja… außer dem Schlachter bleibt uns nichts mehr übrig-“ Sofort unterbrach ich ihn energisch und voller Wut: „Niemals! So ein talentiertes Tier! Das können Sie nicht machen! Ich werde ihn nehmen. Wieviel wollen Sie?“ Der Mann hob überrascht eine Augenbraue, nickte dann aber und teilte mir die Summe mit. Ohne zu zögern lief ich zu der nächsten Bank, hob das Geld ab und brachte es dem Glatzkopf. „Hier bitte.”, brummte ich und nahm ihm den Strick ab, an welchem Sebastian hing. Plötzlich kam eine junge Dame, mit langem, glänzendem schwarzem Haar, grünen Augen und gebräunter Haut angerannt. „Chica! Warten sie!“, rief sie mir hinterher und rannte zu mir. „Danke. Das sie Devil of a Butler gerettet haben bedeutet meinen Brüdern und mir sehr viel.“, erklärte sie und tätschelte den Hals des Hengstes. Plötzlich machte es in meinem Kopf klick: „Sebastian. Devil of a Butler. Er ist nach Sebastian Mikaelis aus dem Anime Black Butler benannt!“ Das Mädchen lachte und streckte mir ihre Hand hin: „Rose Rodrigez, Trapez Künstlerin mit stolzen 24 Jahren.“ Plötzlich kamen zwei lachende junge Männer um die Ecke, der kleinere der beiden hatte lockiges schwarzes Haar und braune Augen, der andere hatte ebenfalls schwarzes Haar jedoch glattes, blaue Augen und eine gebräunte Haut, außerdem hatte er ein paar nicht schön aussehende Narben in seiner linken Gesichtshälfte. „Und das sind meine großartigen Brüder, Jack und Timo. Jack hatte mit mir am Trapez gearbeitet und Timo war für Pferde und die Kätzchen zuständig.“ „Kätzchen?“, fragte ich verwirrt, als mir auffiel das die Narben die Timos kantiges Gesicht zerstören wie Krallenspuren aussahen. „Wir hatten hier früher Löwen und Tiger. Timo hat sich um sie gekümmert, eigentlich – glaube ich jedenfalls – liebten sie ihn aber als eines Tages einer der Tiger ausgebrochen war und Timo ihn hinterher zurückholen wollte, sprang Timo dem Tiger in den Weg als dieser gerade vor wütenden Menschen weglief. Ohne zu realisieren wen er da angegriffen hatte war er weiter gerannt. Timo wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, eigentlich wollte unser Direktor den Tiger erschießen lassen aber-“ „Dank mir leben alle unsere Kätzchen jetzt in einem Reservat.“, die Stimme mit einem starken spanischen Akzent unterbrach Rose. Ich sah auf und da stand dieser Timo, von nahem sah sein Gesicht, sein Hals und auch der Teil seiner Brust, die man durch den V-Ausschnitt seines T-Shirts sehen konnte, noch um einiges schlimmer aus, was mir nun auch auffiel war dass das linke Auge milchig weiß angelaufen war, was wahrscheinlich bedeutete das er halbblind war.

„So ich muss dann wirklich los, meine Freundin wartet, sie wird sehr überrascht sein das ich jetzt ein Pferd habe.“, erklärte ich und lachte. Plötzlich zog Timo ein paar Dokumente aus seiner Hosentasche. „Das sind seine Dokumente, die wirst du brauchen.“, meinte er ziemlich emotionslos und reichte sie mir. Ich bedankte mich und wollte gehen, doch Sebastian ließ sich keinen Millimeter von Timo wegzerren. Timo seufzte und flüsterte dem Hengst etwas in sein Ohr, dann tätschelte er ihm den Hals und verbeugte sich, der Achal Tekkiner neigte seinen Kopf und ging mir dann brav hinterher.

Wie erwartet war Mary überrascht als ich ihr unseren Zuwachs zeigte, sie war aber eher positiv überrascht. So fuhr Mary zurück zum Stall um den Hänger zu holen. Während Sebastian und ich auf sie warteten, fuhr ich dem Hengst durch seinen Schopf, wie bei dem Teufel aus dem Manga und Anime, hatte man den Schopf lange gelassen und dem Hengst einen Mittelscheitel verpasst, der Rest seiner Mähne war normal kurz geschnitten. „Du bist talentiert und hübsch weißt du das eigendlich?“, fragte ich ihn lachend, dann sah ich mir seine Hufe an, welche zuhause definitiv ausgeschnitten und gefeilt werden müssen, aber man kann sie denke ich ohne Hufeisen lassen. Nun kam auch schon Mary angefahren und half mir dabei Devil in seinem Hänger zu helfen und Transportgerecht zuzumachen. Nach kurzer Fahrt waren wir zuhause wo meine Familie bereits zurück war und gespannt meinen Hengst ansahen. „Du hast Recht, er sieht aus wie Sebastian.“, meinte mein Bruder nach einem prüfenden Blick und kratzte sich an seinem drei-Tage-bart. „Ich dachte du hast dir Black Butler nie angesehen? Weil es ja so ein Mädchen Anime ist?“, fragte ich ihn grinsend, worauf mein Bruder rot wurde und stotterte: „D…der ist ja auch der volle Mädchen Anime, ich habe n…nur das Poster gesehen!“ Carina und ich wechselten einen kurzen Blick und nickten wissend. „Ich bringe Sebastian jetzt in seine Box, ihr könnt ja schonmal das Abendessen vorbereiten.“, meinte ich und führte Sebastian in den großen Stall neben dem Hauptgebäude. „Ich hoffe es macht dir nichts das du jetzt noch allein bist… ich werde schauen das ich dir bald einen guten Kameraden finde.“, meinte ich und hielt dem großen Hengst meine Hand hin. Ich wollte das meine Verbindung mit dem Hengst genauso gut wurde wie die Beziehung, die dieser vernarbte Trainer mit ihm hatte. Ich merkte das Sebastian mich wenigstens ein bisschen zu schätzen schien, jedoch merkte man an seiner steifen Haltung das es für ihn abnormal war so lange von diesem Spanier getrennt zu sein. „Ich lass dich dann mal allein…“,seufzte ich und verlies den Stall.
Flair, Veija und Wolfszeit gefällt das.
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