Bella.

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Bella.


Ich weiß nicht, doch vielleicht habt ihr euch gefragt, was in der letzten Zeit so aus mir geworden ist. Oder ihr habt es euch nicht gefragt, da ich als kleiner, feiner Geist auf Joelle umhergewandelt bin. Regelmäßig da, aber doch nie aktiv. Nie wirklich anwesend.


Mein letzter Blog über mich, beziehungsweise über meine pferdigen Erfahrungen, liegt nun auch schon mehr als ein Jahr zurück und auch zuvor habe ich nie viel geschrieben. Blättere ich nun in meiner Historie auf Joelle, finde ich neben Hofstorys und Urlaubsfotos sogar noch Texte, die während katastrophalen Pubertäts- und Persönlichkeitskrisen entstanden.

Heute, etwa drei Jahre später, sitze ich hier lächelnd und kopfschüttelnd. Mir ist einiges passiert, das ich nun für euch sammeln will, denn irgendwie ist es ein schönes Gefühl, über das eigene Leben und schreiben und festzustellen, wie sehr man daran gewachsen ist.


Im Jahr 2015, der Zeit meiner schlimmsten Krisen, hatte ich in der Schule einen schweren Stand. Ich war alleine, wurde ausgegrenzt und gemobbt und das fraß an mir. Zum Ausgleich begann ich zu leisten. Mir über Noten Anerkennung zu erkämpfen. Natürlich von der Erwachsenenwelt, denn für meine Mitschüler war ich so oder so gestorben.
Diese Phase hat mich mitgenommen und ziemlich nah an der ernsthaften Depression vorbei schlittern lassen. Geholfen hat mir in dieser Zeit vorallem meine Mutter - und Joelle. Die künstliche Identität, die ich mir mit “Bella” in meinen Geschichten aufgebaut habe, hat mir geholfen abzuschalten. Sie war der Teil von mir, der ich immer sein wollte. Die ursprüngliche Version dieser Charakters war nämlich ziemlich perfekt. Konnte so ziemlich alles, war beliebt, hübsch und anerkannt.
Ich weiß nicht ob ich lachen und heulen soll, wenn ich meine ersten Joelle-Texte lese. Rechtschreibfehler soweit das Auge reicht. Hauptsatz an Hauptsatz gereiht, kurz und unrealistisch.

Mit der Zeit habe ich mich dann gefangen. Habe begonnen zur Einzelgängerin zu werden und Menschen auf Abstand zu halten, damit sie mich nicht verletzen. Dabei wurde ich vernünftiger, aber auch selbstkritischer. Wieder erkennt man hier die Veränderung, die “Bella” durchgemacht hat. Sie tat sich schwer damit zu entscheiden, begann zu zweifeln. Sie fiel vom Pferd oder wusste nicht weiter.

Mit dem Schulwechsel aufs Gymnasium und meiner sten Reitbeteiligung, geriet Joelle etwas in den Hintergrund. Zu dieser Zeit verliebte ich mich dann auch in einen stillen Jungen aus meiner ehemaligen Klasse. Meine erste Beziehung begann, die unglaubliche acht Wochen hielt und von der niemand wusste.

Tja, und dann, gar nicht mal so viel später und kurz nach meinem siebzehnten Geburtstag, begann ich etwas, das ich heute Als Abenteuer bezeichnen wurde. Er war 27 und hatte am gleichen Tag Geburtstag wie ich. Zehn volle Jahre älter. Auf den Tag. Man merkte ihm das nicht an und er wurde tatsächlich von meiner Familie akzeptiert. Trotz langen Metaller-Haaren, einem Faible für das Mittelalter, dem immensen Altersunterschied und der Tatsache, dass er eine Zugstunde weit weg von “Zuhause” wohnte.

In der Zeit, die ich mit ihm zusammen war, bin ich unglaublich gewachsen. Soweit, dass der Altersunterschied zum Ende hin keine Rolle mehr spielte und ich mit Schrecken feststellte, dass ich ihm geistig überlegen war. Diskussionen wurden unmöglich und er begann mich Emotional zu erpressen, als er die (für mich wirklich dringend benötigte) Ebenbürtigkeit schwinden sah. Schließlich zog ich selbst den Schlussstrich, was inzwischen ziemlich genau ein Jahr her ist.

Anstelle aber daraus zu lernen, begann ich letzen Sommer einen Sommerflirt, der mich schon wieder in eine Beziehung rasseln ließ. Hier gab es kein Altersproblem, allerdings wohnte er zweieinhalb Stunden Zugfahrt von mir entfernt. Schon wieder Fernbeziehung und mit meiner Familie verstand er sich auch nicht wirklich.
Tja, und dann ging das Spiel wieder von vorne los. Ich bemerkte - diesmal nach recht kurzer Zeit - dass ich mit ihm nicht mehr reden konnte. Wo die rosaroten Wölkchen des Sommers wichen wurde mir nun endgültig klar, dass ich jemanden brauche, der genauso gerne denkt wie ich. Philosophie, Diskussion und einfaches lernen, die Erweiterung der eigenen Fähigkeiten - all das sind Dinge die ich nicht nur für mich brauche, sondern teilen möchte.
Und so ging auch diese Beziehung in die Brüche. Wieder durch mein Verschulden.


Im letzten halben Jahr habe ich die Zeit, die mir neben der Schule und meiner neuen Reitbeteiligung blieb, viel zum zeichen, zocken, streamen und auch zur Selbstreflektion genutzt. Seit meiner schlimmsten Zeit in der Schule führe ich unregelmäßig Tagebuch und es ist spannend den Prozess mitzuverfolgen, wie man selbst erwachsen wird.

Durch das Gaming habe ich inzwischen Freunde in ganz Deutschland und der Schweiz, mit denen ich mich regelmäßig treffe. Ich bin angekommen. Ich bin glücklich. Ich fühle mich stabil wie noch nie. Auch in der Schule, im Kurssystem der Oberstufe, bin ich nicht mehr allein. Ich bin sogar geachtet, weil es mir leicht fällt und ich gerne helfe.
In einem Jahr werde ich um diese Zeit meine Abiturklausuren schreiben und ich muss sagen: Ich freue mich darauf. Der Weg zum Abi fällt mir bisher so leicht, dass ich die Prüfungen nicht wirklich fürchten muss und ich freue mich darauf mit der Schule auch ein weiteres, zu weiten Teilen unerfreuliches, Kapitel meines Lebens hinter mir zu lassen.

Seit zwei Jahren festigt sich nun der Gedanke, dass ich tatsächlich Informatik studieren möchte. Zwar wird mir regelmäßig gesagt, dass ich lieber in eine Geisteswissenschaft gehen sollte, da ich doch so gerne denken, diskutieren und mich austauschen würde, doch irgendwie möchte ich das nicht zum Beruf machen.
Ich nutze Langeweilephasen nun also, um mich ein wenig in der Welt der IT auszubreiten. Ein paar Brocken Programmiersprachen hier, ein bisschen anlesen dort. Auch ein Praktikum in dieser Sparte habe ich hinter mir, das mir sehr gut gefiel.

Was die Zukunft aber tatsächlich bringt, kann ich nicht wissen. das kann niemand. Nun habe ich erstmal meine Facharbeit abgegeben, in der ich mich (hauptsächlich dank mangelnder Wahlfreiheit) dann doch für Philosophie entschieden habe. “Gibt es die Gegenwart?” lautete mein Thema und ich bin ziemlich zufrieden mit dem, was ich schließlich zu Papier gebracht habe. Nun verbringe ich meine Osterferien in der Hoffnung, dass mein Lehrer derselben Meinung ist.

Abseits vom schulischen hat sich seit Mai letzten Jahres wieder ein Ponytier in mein Leben geschlichen. Vinskaupurr vom Schepershof, genannt Vinny, ist ein neunjähriger Isländerwallach und ein wirklich tolles Pony. Mangels Zeit hat seine Besitzerin, die noch ein weiteres und etwas schwieriges Pony besitzt, mir sein Training weitestgehend überlassen.
Dank dieser Entlastung hatte sie nun so viel Zeit für Orri, das besagte Pony, dass inzwischen Ausritte zu zweit und in der letzten Woche sogar ein kleiner Wanderritt möglich sind. Einige Male durfte ich nun auch Orri reiten und auch er hat sich unglaublich gemacht. Aus dem unausgeglichenen und ängstlichen Pony, das jegliche Unsicherheit durch Tempo kompensiert hat, ist ein feiner und frecher Isländer geworden. Auch Vinny, der anfänglich mit einer menge überschüssigen Pfunden, fehlender Ausdauer und verlorenem Galopp, sowie Tölt zu kämpfen hatte, ist inzwischen ein relativ solider Viergänger, dessen Ausdauer sogar im Galopp wieder brauchbar ist.

Auch reiterlich bin ich gewachsen. Ich habe meine Angst vor dem Tempo und durchgehenden Pferden besiegt, wozu Orri einen großen Teil beigetragen hat, habe meinen Sitz derart verbessert, dass ich ganz problemlos alle Gangarten und diverse Hüpfer auch auf dem bloßen Pferderücken sitze (man bedenke, dass ich trotz sechs Jahren Reitschule beim zweiten Mal ausreiten im letzten Sommer von Vinny fiel, weil er sich erschrocken und einen Satz gemacht hatte - und da hatte ich einen Sattel).
Mit meiner Trainerin lerne ich jetzt Doppellonge und fahren vom Boden. Vielleicht wird Vinny ja irgendwann ein Kutschpony.


Soo. Ich würde sagen, nun fehlt nur noch eins. Ich habe nämlich beschlossen den ganzen Mist, den ich in der Vergangenheit über meine Figur und dieser Geschichte hier kompensiert habe, endlich mal hinter mir zu lassen. Daher werde ich meine bisherige Story, die trotz allen Wandlungen immer irgendwie zusammenhing, auflösen.

Ich habe auch vor wieder ins Spiel einzusteigen, doch mein nächsten Charakter wird kein verzerrtes Spiegelbild meiner selbst sein. Das habe ich jetzt wirklich durch. Ein Thema zum Verkauf meiner Pferde etc. pp folgt. Es wird Zeit für einen Neustart mit blanker Festplatte, nicht nur das Drücken des “Reset” Buttons.


In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine schöne Osterzeit und alles Gute! Ich hoffe, dass ich hier nun wieder öfter und richtig anzutreffen sein werden!


// Wollt ihr Fotos von Orri und Vinny haben? Wenn ja, dann bastele ich demnächst mal einen Fotoblog zusammen.
Loki, Sevannie, Cascar und 8 anderen gefällt das.
  • Ravenna
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