[6] Ganz in Schwarz und voller Schlamm | Der Unfall - Teil 1

Geschrieben von Muemmi im Blog Sportpferdezentrum und Gestüt Naundorf. Ansichten: 231

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~ Beschreibung der Protagonisten ~

(c) Muemmi | 17300 Zeichen | 16. August 2017
Aus der Sicht von: Luisa Goeke
Bericht gilt für: Medivh, Candy Fireflies, Amber, Mon Amie


Gähnend drückte ich den Knopf am Automaten und hatte sofort den Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase. In schwarzer Reiterhose und dunklem Longshirt gekleidet stand ich relativ früh an diesem Morgen in der Küche und richtete das Frühstück für uns alle her. Dann ging ich hinaus in den Flur und nahm die Briefe von gestern mit ins Bürozimmer. Es war noch ziemlich dämmrig, die Sonne kam an diesem verregneten Augusttag nicht durch die Wolken. Sogar einige Nebelschwaden zogen über die etwas weiter entfernten Koppeln, die man vom Schreibtischfenster durch die Stallungen hindurch sehen konnte. „Ist ja wie im Herbst.“ jammerte ich und mir fuhr ein Stich durchs Herz. Fast hätte ich „Dein Lieblingswetter, Idefix“ drangehängt. Es war jetzt über einen Monat her, dass mein Kleiner friedlich eingeschlafen war und doch fehlte er mir immer noch, wie am ersten Tag.

Plötzlich hörte ich es draußen rumpeln. Ich drehte mich um und ging zurück zur Haustür. „Zieh dir später was Warmes an, draußen ist es saukalt. Knappe 9 Grad.“ Willi hing seine Jacke an den Haken im Flur und rieb sich dann die Hände. „In der Küche ist frischer Kaffee“ murmlte ich und wir grinsen uns beide an. „Frischer Kaffee klingt super!“ Dave kam gerade die Treppe runter und wirkte erstaunlich gut gelaunt. „Du schon so früh wach?“ neckte ich ihn und gehe mit beiden in die Küche. Sein leicht verwunderter Blick, aber anschließendes Lächeln blieb von mir nicht unbemerkt. „Wann wollt ihr beiden starten?“ fragte ich ihn, der sich drei Tassen aus dem Hängeschrank nahm und diese dann für uns alle füllte. „Leo ist grade auf, in ungefähr einer Stunde wollen wir verladen haben und los.“ Heute stand für die beiden Jungs ein Militaryturnier an. Dave würde mit seinem Schimmelhengst Medivh starten, der in diesem Jahr die beste Saison der Pferde auf Naundorf hinlegte und Leo würde mit seinem Hengst Candy Fireflies teilnehmen. Er war mittlerweile ein sehr guter Reiter und mit Feuereifer dabei, sein eigenes Pferd zu trainieren und selbst besser zu werden. „Morgen!“ flötete dieser auch, als er 10 Minuten später in die Küche kam und rieb sich den Schlafsand aus den Augen. „Hmmm, Kaffee...“ Er grinste und ich drückte ihm die Tasse in die Hand, die ich für ihn aus dem Hängeschrank genommen hatte. „Danke.“ Er schenkte sich ein und setzte sich dazu. „Wo sind Tom und Mia?“ Ich antwortete nicht auf Daves Frage und strich mir unbeteiligt eines der Brötchen. Auch die anderen schwiegen, Willi zuckte nur mit den Schultern und verschwand dann zum Stalldienst. Dave hatte als Einziger noch nicht wirklich die Beziehung zwischen den beiden erkannt, da sich das Ganze langsam entwickelt hatte, als er in England war. Keiner der beiden hatte es bis jetzt offen zugegeben und sie achteten darauf, sich nicht von irgendjemanden eindeutig erwischen zu lassen, aber zwischen den beiden knisterte es gewaltig. Der Altersunterschied von knapp 20 Jahren war den beiden dabei vollkommen gleich. Mich freute das Glück, das Mia und Tom hatten und sagte nichts dazu. Ich kannte die beiden, sie würden nicht streiten, wenn es in die Binsen ging. Oder sich so anschweigen wie Dave und ich. Seit der Sache mit Susan gingen wir uns eigentlich aus dem Weg, redeten aber ganz normal miteinander, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Ich fragte mich dabei immer wieder, was ich mir denn erhofft hatte, er hatte mir nichts versprochen oder mir gar eindeutig Avancen gemacht. Dennoch schien etwas zwischen uns zu schweben, dass wir beide nicht ansprechen wollten, uns aber belastete. Manchmal fragte ich mich, ob ich nicht wirklich Schuld am Abbruch von Susans Lehre bei uns auf dem Zentrum hatte.

„Packt zusammen, sonst kommt ihr zu spät los, ich räum ab.“ meinte ich und wünschte den Jungs viel Erfolg. „Seid bitte vorsichtig, es hat heute Nacht ordentlich geregnet!“ warf ich noch hinterher, doch die zwei hörten bei sowas gern weg. Wenn Dave und Leo etwas zusammen machten, wurden beide zu verspielten, albernen Kindern. Dass bis jetzt noch nichts passiert war bei deren Blödsinn, schob ich nur auf deren unverschämtes Glück. Erst vor drei Wochen war ein Heuballen vom Speicher gestürzt und hätte Leo dabei fast überrollt, weil die beiden nicht bei der Sache waren. „Guten Morgen.“ murmelte Mia lächelnd, als sie kurz vor Tom in die Küche kam. „Guten Morgen“ Ich lächelte ebenfalls, Mia strahlte ein solches Glück aus, das einen sofort selbst ansteckte und die traurigen Gedanken meinerseits sofort auf die Seite schob. Sie schmierte sich nur schnell ein Nutellabrötchen und stürzte ihren Kaffee. „Ich hab Willi versprochen, heute auf den äußeren Koppel zu helfen.“ „Ich werde gleich nach dem Stalldienst dazu kommen, Tom ist ja heute unterwegs.“ Sie lächelte, bejahte und verließ dann die Küche. Ich fing an zu spülen, als dann auch Tom langsam eintrudelte. Er hatte heute nicht viel auf dem Hof zu tun, da er später zu einem Futterlieferanten fahren und sich anschließend zwei Pferde zum Trainieren ansehen würde. „Luisa… Ich muss was mit dir besprechen.“ fing er dann nach ein paar Minuten an und schien sich dabei sichtlich schwer zu tun. „Geht es um Mia?“ fragte ich ruhig und vorsichtig und sah ihn lächelnd an. Es schien sich ein großer Brocken bei ihm zu lösen, denn er nickte und wirkte niedergeschlagen. „Ist alles in Ordnung Tom?“ meinte ich und setzte mich ihm gegenüber. „Ja, es ist wirklich mehr als in Ordnung, ich habe nur Bedenken…“ „Was ich davon halten könnte?“ unterbrach ich ihn und er lächelte. „Ich kenne euch beide jetzt eine ganze Weile. Wie ihr miteinander umgeht, vor allem wenn es um die Dressur geht. Ich glaube nicht, dass es noch einmal zu so einer Situation wie mit Susan und Dave kommt.“ „Das hat mir am meisten Sorgen gemacht, dass wir eventuell auf Ablehnung stoßen, weil es dieses Jahr genug Trubel gegeben hat.“ „Mia ist anders Tom. Du bist anders. Selbst wenn es aus irgendwelchen Gründen einmal nicht mehr sein soll, denke ich, macht ihr das um Weiten besser als jeder andere hier auf dem Hof. Natürlich wünsch ich euch das nicht!“ Ich lächelte immer noch und sah ihn direkt an. Er umfasste seine Kaffeetasse und wirkte jetzt so ausgelassen und glücklich wie Mia zuvor. „Genieß es einfach. Ich bin die Letzte, die was dagegen hat!“ meinte ich, stand auf und verräumte die restlichen Sachen. Das hatte ja lange gedauert, bis er es offen zugibt, dachte ich mir. „Und du? Habt ihr, Dave und du, mittlerweile miteinander geredet?“ fragte er dann vorsichtig, obwohl er das eigentlich nicht musste. Tom konnte sich nicht genauso einfühlen wie Mia, aber ich konnte Eins und Eins zusammen zählen, dass sie sich ihm anvertraut hatte, wie sehr es mich tatsächlich belastete. Böse war ich ihr nicht, die beiden waren jetzt meine Familie. „Nein.“ Tom schwieg. „Ich würde heute Abend gerne unser beider Pläne zur Teilhabe mit den anderen besprechen. Dabei nehme ich ihn mir auf die Seite. Ich denke, einen besseren Zeitpunkt über das Verhältnis in jeder Art zu reden gibt es nicht… Oder?“ fragte ich und sah ihn hilflos an. Das mit Dave schlauchte mich schon ganz schön. „Ja, ich denke, dass das wirklich eine gute Idee ist. Ich sag es Mia und nehme mir Leo auf die Seite, damit du da in Ruhe reden kannst.“ Er stand auf. „Danke.“ „Ich muss danke sagen.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, grinste und ging dann leichteren Schrittes hinaus. „Ich bin am frühen Nachmittag wieder hier, bis später!“ rief er noch vergnügt, dann hörte ich die Haustür gehen.

Ich löschte ein paar Minuten danach das Licht in der Küche und warf mir meine Softshelljacke um. Es war wirklich frisch draußen, als ich über den Hof lief und den Stalldienst mit dem Misten begann. Die Pferde hatten eben fertig gefressen, Mia und Willi führten die ersten gerade hinaus auf den Sandplatz. Es hatte heute Nacht so geregnet, dass wir die Pferde nicht auf die Koppel lassen wollten, damit sie sich nicht verletzen konnten. Das schonte anbei auch die Grasnarbe und damit die gesamte Koppel. Kurz danach rumpelte hinten im Hof der Hänger, ein Motor wurde angelassen und es knirschten die Reifen, bis man schließlich nichts mehr hörte. Die Jungs waren jetzt also unterwegs. „Hoffentlich reiten sie heute mal etwas vorsichtiger, bei dem Boden…“ Dann schob ich die Mistkarre zur nächsten Box.

Wir waren bis ca. 9 Uhr mit dem alltäglichen Dienst beschäftigt, die Pferde danach alle glücklich versorgt. Amber und Mon Amie durften ihre Runden in der Führanlage drehen, da sie diese Woche auf Turnier waren und wegen ihrer Muskelkater nur leicht bewegt werden sollten. Dann schwang ich mich auf das Stallmountainbike und radelte zu Willi und Mia hinaus auf die Koppeln. Wir hatten wieder mit einigen Gattern am Rand des Kiefernwaldes zu kämpfen, da alte Zweige herab gestürzt waren und einige Lattungen gebrochen hatten. Einfach zurechtschneiden durften wir die Bäume am Rande laut Gemeinde nicht ohne Weiteres. Zudem brauchten wir dafür ein spezielles Team, da die Kiefern teilweise mehrere Meter hoch waren. Tom hatte sich erst letztens wieder fürchterlich darüber aufgeregt, weil es uns jedes Mal Geld und Zeit kostete. „Ich kann das Gatter langsam nicht mehr sehen…“ fluchte Willi und wir hieften es zu dritt aus der Angel.

Nach gut 2 Stunden waren wir endlich mit den nötigen Reparaturen und dem Kontrollgang fertig, Hände und Stiefel voller Schlamm und Dreck. Es fing nun leicht zu nieseln an und wir waren froh, als wir mit dem Abladen und Verräumen des Werkzeuges fertig waren. Willi fuhr den Traktor rückwärts unter den Unterstand und drehte dem gerade die Zündung ab, als wir einen Wagen schlittern hörten. Zeitgleich ertönte im Haupthaus das Telefon.

„Das ist Tom!“ rief Mia. In ihrer Stimme schwang Panik mit, irgendetwas stimmte nicht. Willi sah mich ebenfalls geschockt an. Tom bretterte niemals mit seinem alten Audi, schon gar nicht bei schlechtem Wetter oder gar auf dem Hof. Er legte quasi mitten in der Einfahrt eine Vollbremsung hin, zog die Handbremse und nahm nur den Gang raus. „Luisa!“ brüllte er aus vollem Hals. Mir wurde ganz anders. Er war nicht wütend, seine Stimme überschlug sich zu sehr. „Hier, ich bin da!“ Mia und ich rannten auf ihn zu. Er war blass und kam uns entgegen. „Leon hat mich gerade angerufen. Dave. Er ist gestürzt.“ „Oh mein Gott.“ Mia schlug sich die Hand vor den Mund, während mir auf einmal komplett schwarz vor Augen wurde. Dave. „Ich war auf der Hauptstraße, da hat mich Leo per Handy erreicht, ich bin sofort hier her. Das muss die Turnierleitung sein.“ Er hörte das Telefon ebenfalls schrillen. Willi rannte sofort los ins Büro, Mia, Tom und ich rannten hinterher. „Ja. Sie ist hier. Wir kommen sofort.“ Willi legte auf. „Dave ist auf dem Weg ins Krankenhaus, Medivh ist schwer verletzt, kann aber wohl stehen. Wir sollen sofort kommen.“ Den ersten Schock überwindend sammelte ich mich und sah Tom an. „Ein Hänger ist auf dem Gelände, wir fahren mit einem weiteren hin, falls wir uns trennen müssen. Du und Willi übernehmt das. Mia und ich fahren jetzt sofort rüber, Mia, hol den Notfallkoffer, ich hole die Bandagen und noch eine Decke.“ Tom nickte und eilte davon, Willi erzählte mir kurz und knapp, was am Telefon noch gesagt wurde. „Dave war ansprechbar, als sie ihn verarztet haben, er ist gegen ein Hindernis aus Baumstämmen gekracht. Er muss sich aber einiges gebrochen haben.“ „Oh Gott…“ Ich kämpfte gegen das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. „Medivh steht und kann laufen, mehr haben sie mir nicht gesagt.“ „Danke Willi, versucht so schnell wie möglich nach zu kommen, baut mir aber nicht auch noch einen Unfall!“ Er nickte ernst und rannte dann los.

„Oh Gott…“ Wie in Trance raffte ich einige Sachen zusammen, nach klares Wasser und Bandagen mit. Mia fuhr meinen Nissan auf den Hof und warf die Notfallkiste in den Kofferraum, als ich gerade zu ihr lief. „Und los!“ „Sicher, dass du fahren kannst?“ „Ja, steig ein.“ Jetzt war ich plötzlich klar im Kopf. „Es wird schon nicht so schlimm sein. Willi meinte, er wäre ansprechbar gewesen, stimmt das?“ „Ja, er muss aber einige Brüche haben…“ Mir fiel sofort sein Lächeln heute morgen ein, als er die Treppe herunter kam und mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Da klingelte mein Handy. „Geh für mich ran.“ „SPZ Naundorf, Andalik für Goeke? Ja. Sie sitzt neben mir. Ja. Gott sei Dank. Ja, ist in Ordnung. Ich werde sie sofort weiterschicken. Gut. Danke, auf Wiederhören!“ Sie legte auf und atmete ruhig durch. „Krieg jetzt keine Panik Luisa, es klang alles soweit gut. Das Krankenhaus, sie werden Dave gleich operieren. Er ist weiter ansprechbar geblieben. Mehr wollte Sie mir am Telefon nicht sagen. Nur, dass er nach dir verlangt hat.“ Ich atmete durch und versuchte ruhig zu bleiben. Es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Turnierplatz, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen. Ich fuhr viel zu schnell auf den Platz und wurde sofort von einem Security-Menschen angehalten, der mir wild fuchtelnd entgegen kam. Durchs offene Fahrerfenster rief ich ihm zu, dass wir von Naundorf für den Unfall da waren. Er winkte mich sofort weiter in Richtung eines abgelegeneren Platzes. Ein Tierarzt war vor Ort und tastete gerade Medivhs Beine ab, als wir ungefähr 30m entfernt anhielten. „Oh mein Gott…Medivh…“ Mia und ich hatten so etwas noch nie gesehen. Medivh, der wunderschöne Holsteiner-Schimmel stand zitternd und mit gestrecktem Hals da und rührte sich kaum. Sein Hals, Kopf, Brust und die Flanke waren voller Schlamm- und Grasflecken vom Rutschkontakt mit dem Boden. Was uns aber so schockierte, als wir langsam auf die Gruppe zugingen, waren die Wunden am Kopf, der Brust und den Beinen, aus denen hellrot das Blut floß und sein weißes Fell einfärbte.

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(c) Muemmi
Eine Helferin säuberte gerade vorsichtig eine Wunde am Kopf, ich merkte sofort, dass Medivh ein Sedativum bekommen hatte, da er keinen Mucks mehr machte. „Er sieht im Ganzen viel schlimmer aus, als es ist, er hat sich nichts gebrochen, nur gezerrt. Meindl mein Name, Sie sind die Leiterin des Hofes?“ Er gab mir nicht die Hand, sondern redete weiter, während er mich kurz ansah und sich dann weiter um Medivh kümmerte. „Allerdings muss er trotzdem schnell in die Klinik…“ Er nickte zu dessen Kopf und mein Blick folgte seiner Aufforderung. Medivh hatte Glück gehabt, er hätte sich auch das Genick brechen können. Später sollte ich erfahren, dass neben dem Hindernis ein Hang mit Kieselsteinen abgegangen war, den Medivh hinunter gestürzt war. Dabei war er mit der linken Seite aufgeschlagen und hatte sich dabei die linke Augenhöhle gebrochen. Er hielt das Lid geschlossen, das nicht mehr ganz an seinem Platz zu hängen schien und einen guten Zentimeter nach unten ging.

Mia konnte den Anblick ähnlich wie ich nicht länger ertragen und ihr rollten die ersten Tränen über die Wangen. „Danke Doc, wir fahren ihn sofort zu Eddi Canary…Da kommt auch schon der Rest meines Teams.“ stotterte ich. Tom und Willi fuhren langsam mit dem zweiten Hänger im Schlepptau auf uns zu, hielten neben dem Xtrail und kamen dann zu uns. Da hörten wir Leo. „Luisa? Mia?“ Wir drehten uns beide um und sahen in dessen verheultes Gesicht. Eine Sanitäterin begleitete ihn, vermutlich wegen des Schocks. „Gott sei Dank, ist dir was passiert? Alles gut Leo, bleib jetzt ganz ruhig, ich fahre jetzt ins Krankenhaus. Willi nimmt dich mit auf den Hof zurück, ihr zwei werdet Candy Fireflies verladen und in eurem Hänger mitnehmen, in Ordnung? Ich rufe dich an, wenn ich mehr weiß.“ Willi stand neben mir, als ich Leo in den Arm nahm und schickte ihn dann mit ihm mit. „Es muss jemand auf dem Hof sein, kümmer dich um ihn! Ich ruf an!“ nickte ich Willi zu und die beiden eilten davon. Tom hatte währenddessen sein Handy gezückt und telefonierte schon mit Eddi, während Mia dem Tierarzt half und Medivh beruhigte. Der registierte erleichtert, dass bekannte Menschen um ihn herum waren und schien jetzt trotz Schmerzen weniger zu zittern und gelassener da zu stehen. Tom legte auf, Mia und er sahen sich an. „Wir werden ihn rüber fahren, sie hat gerade noch einen anderen Notfall, macht aber den OP bereit.“ „Gut, Luisa, fahr ins Krankenhaus, wir kümmern uns um alles!“ sagte Mia, jetzt gefasst und sich die Tränen aus den Augen wischend. „Ja, fahr zu.“ Ich nickte, sah noch einmal auf Medivh und hatte plötzlich schiere Panik davor, was mich dort erwarten würde. Ich atmete noch einmal kurz durch und ließ dann die Zündung des Geländewagens an.

Das Krankenhaus lag in Cottbus, von Naundorf aus auf direktem Weg weiter vom Turnier weg. Ich brauchte trotzdem eine halbe Stunde, bis ich auf dem Parkplatz hielt und sah erst da an mir runter. Ich hatte immer noch die schlammigen Schuhe, die Reitsachen und die Softschelljacke an. Ich suchte im Kofferraum auf gut Glück ein paar Ersatzschuhe und wurde tatsächlich mit ein paar Stiefeletten fündig, die ich beim letzten Turnier im Auto vergessen hatte. Ich schlüpfte schnell hinein, warf die Tür zu und atmete durch. Ich konnte es jetzt nicht länger schieben, ich wollte so schnell wie möglich zu Dave, hatte aber auch solche Angst davor.

An der Info wurde ich sofort weitergeschickt und fand mich dann in einem Wartezimmer auf der Intensivstation wieder. Dort klärte mich eine junge Krankenschwester auf, dass Dave noch immer im OP lag und kümmerte sich darum, dass der behandelnde Arzt von meiner Anwesenheit erfuhr. Und dann begann das Warten, ohne Genaueres zu wissen.

  • Veija
  • Muemmi
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