[10] Wyrd bið ful aræd!

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 459

Svejn

Zum Anfang hatte ich das Gefährt das mir Rena angeschleppt hatte etwas nüchtern betrachtet, innerhalb der ersten Tage aber feststellen müssen das es mir in meinem derzeitigen Zustand mehr Mobilität ermöglichte. Die Rippen konnten nicht heilen, wenn ich ständig damit beschäftigt war die Arme zu bewegen um mich selbst im Rollstuhl vorwärts zu rollern.Jetzt ging das ganze wesentlich schneller, sodass auch meine Eltern bald wieder abgereist waren, der Unfall hatte sich vor nun knapp einem Monat zugetragen.


Allerdings stellte ich an diesem Nachmittag gleich zwei Dinge ernüchternd fest...meinen siebartigen Verstand und das mein “Senioren-Roller” natürlich mit Strom betrieben war. Während Thjalfe also hängenden Kopfes gemütlich neben dem Gefährt einher ging, blieb ich plötzlich stehen. Ich schaute auf die Lichter: Aus. “Shit.” murmelte ich. Sah einmal hinter mich und konnte im Dunst über der Wiese grade noch die Ranch erkennen. Humpeln hätte keinen Zweck und mein Handy lag natürlich in der Putzbox. Also besah ich mir meinen großen Burschen eingehend. “Wagen wir es einfach.” Erst ließ ich Thjalfe etwas zurück gehen, dann gab ich ihm das Kommando sich hin zu legen. Der Kopf neigte sich zum Boden, scharrte mit einem der Hufe und plötzlich sank das ganze Pferd vorn in die Knie. Dafür bekam er ein Leckerli, den Trick beherschten wir noch nicht allzu lang. Auf einem Bein springend bewegte ich mich zu ihm, legte mich auf ihn und fand meine Position auf seinem Rücken. “Auf gehts mein Junge, hoch mit dir.” dabei klopfte ich ihm kräftig auf die Schulter um ihn zu ermutigen. Erst ging es äußerst langsam in die Höhe, dann ging ein ruck durch das Pferd und ich hielt mich an den Resten der Mähne fest um nicht herunter zu rutschen. Auf seinem breiten Rücken zerrten sich die Muskeln in den Bein fast ein wenig schmerzhaft auseinander, wochenlang nur liegen und sitzen zollten ihren Tribut, die Muskeln waren nicht mehr gewöhnt auf einem Pferd zu sitzen.

Langsam trat Thjalfe den Weg in Richtung der Ranch an, auf meinen gelassenen Hengst konnte ich mich verlassen, noch mehr sogar nachdem er mich auch in dem Sturm nicht allein gelassen hatte. Verena hatte mir davon erzählt, wie er sie zu mir geführt hatte. Tränen des Stolzes waren in meinen Augen gewesen, obwohl ich mir sicher war das diese Treue Teil seines Charakters war. Thjalfe würde sie jedem zeigen der ihn gut behandelte. Manchmal musste ich daran denken ob er zu alten Zeiten wohl ein gutes Schlachtross gewesen wäre? Ich schloss einfach die Augen, ließ mich treiben in seinem Schritt und genoss es wieder auf dem Pferd zu sitzen. Es würde nicht mehr lange dauern bis mir die Ärzte erlaubten die Schiene um das Bein nicht mehr zu tragen. Die Verletzung war längst geheilt, trotzdem hatten sie es vorgezogen aufgrund der alten Brüche es länger Ruhen zu lassen. Der Physiotherapeut, der alle drei Tage auf die Ranch kam sorgte trotzdem dafür das es bewegt wurde. Das Reiten würde Tarek sicher nicht gut heißen, aber heute würde er ja nicht kommen. Allerdings kannte ich einige andere die mich sicherlich strafen würden - allen voran Bellamy, zu meiner Verwunderung auch Caleb. Manchmal fragte ich mich ob der Kerl in seiner Vergangenheit mit jemandem im Rollstuhl zu tun gehabt hatte. So sicher wie er immer dabei war den Stuhl auseinander und wieder zusammen zu bauen, auch wenn ich kurze Strecken mittlerweile mit Krücken hinter mich brachte - die stammten natürlich auch von Caleb. Er gab mir Rätsel auf, aber ich spürte mein Misstrauen, die anfängliche Missgunst aus meinen Gedanken weichen. Unter anderen Umständen kennengelernt, hätte Caleb mir vielleicht sogar ein Freund sein können.

Vor dem Eingangstor hielt ich den Hengst an, sah hinauf zu dem großen Schild das dort angebracht war “Gips Reminder Ranch” sah über die Wiesen, hinauf zu den Bergen. Ironischerweise kreiste dort oben wieder der Adler, zog einsam seine Kreise überblickte das Land von einem Berghang zum nächsten. In den letzten Wochen hatte ich das Tal kaum zu Gesicht bekommen, der Sommer aber hatte es verändert - die Wiesen wirkten grau, nicht mehr so satt grün. Bald würde es nicht mehr zu unserem zu Hause zählen, Rena hatte vor die Ranch hier zu verlassen. Ganz konnte ich es noch nicht glauben, noch mehr hatte es mich aber getroffen das sie mit Bellamy als erstes darüber gesprochen hatte. Es war eine knappe Woche her, da hatte ich beide im Stall angetroffen als sie mich sahen hörte ihr Gespräch auf, ihre Blicke beinahe gehetzt auf mir. Weiter gedacht hatte ich mir nichts dabei.

Vor einigen Tagen hatten wir eine unserer neuerlichen Abende im Hotel in Calgary verbracht, das Zimmer war für jeden dritten Samstag im Monat von uns reserviert worden. Den Tag verbrachten wir in der Stadt, zu Anfang noch verbunden mit Untersuchungen im Krankenhaus. Die entscheidende Frage hatte einer Guillotine gleich zwischen uns gestanden, bei der Erwähnung das sie Pläne schmiedete die Ranch zu verlassen hatte das Blatt herunter fallen lassen. Seitdem nagten Bisse an meinem inneren. Ich hatte mich erschrocken, bis dahin hatte ich jedoch nicht gewusst das Bellamy ihr erster Vertrauter war. Der Abend war trotzdem gut verlaufen, trotz allem war ich geschockt gewesen, stiller und in mich gekehrt. Ich kannte die von ihr beschriebene innere Unruhe, sie ließ einen zwar glücklich sein aber hing einem Hammer gleich über einem. Langsam trampelte Thjalfe auf der Stelle, also ließ ich ihn das Tor passieren, wie ich wieder runter käme stand noch aus - hinlegen mit mir wäre nicht grade eine Glanzleistung.

Weiter in Gedanken ritt ich den Weg hinab in Richtung des Stalles, mir würde schon wer über den Weg laufen. Gestern Abend hatte mich Bellamy in der Küche vorgefunden, grübelnd über den Papieren der Connemarafohlen. Vor dem möglichen Umzug sollten die drei auf jedenfall in ein passendes zu Hause umziehen, auch Kürbisvieh würde ich generell eventuell abgeben wollen. “Du grübelst zu viel, die Falten bleiben noch.”kommentierte sein Mitbewohner als er ein trat, verwundert aber lächelnd hob ich meinen Kopf. “Ich werde alt, da muss ich eh mit Falten rechnen.” Bellamy nickte, zog die Kühlschranktür auf holte ein Bier heraus und fragte mit der erhobenen Flasche ob ich auch wolle. Ich nickte, nur um es einem Moment später vor mir stehen zu sehen. “Was machst du?” “Schauen wem ich die Fohlen anvertraue, sie sind langsam alt genug verkauft zu werden. Jetzt wo so etwas großes ansteht.” damit hatte ich indirekt den nicht abwendbaren Umzug gemeint, zu meiner Verwunderung schien Bellamy diese Aussage nicht fragwürdig zu stimmen. “Hat sie dir also endlich erzählt das sie vor hat die Ranch hinter sich zu lassen und neu anzufangen?” fragte Bellamy stattdessen. Nach einem Schluck Bier schaute ich den Jungen genauer an. In diesem Sommer waren die Züge um seine Augen weicher geworden, aber sein Gesicht markanter, er war braun von der Sonne. Zum ersten Mal sah ich ihn nicht mehr als Jungen, seine Schultern waren breit geworden. “Dann hat sie mit jedem darüber gesprochen?” Bellamy schüttelte den schwarzen Haarschopf. “Sie hat sich mir als erstes anvertraut...Wieso weiß ich nicht aber es ist so.” Das hatte mich schwer schlucken lassen, Bellamy als vertrauter? Alexis hätte ich verstanden, ja vielleicht sogar Caleb….aber Bellamy? Warum hatte sie nicht mit mir gesprochen? Eine fiese Stimme in mir erklang, noch war sie schwach doch sie konnte eine unheimliche Macht entfachen. Du bedeutest ihr nicht genug. Weniger entschlossen drängelte ich sie nieder, aber der Gedanke hatte sich fest gesetzt und nagte an meinen Gedanken wie ein Parasit.


Verena

Ich war gerade mit Only Known in Texas im Round Pen und schnalzte immer wieder, damit sie nicht stehen blieb, als mir ein großer Schatten auf dem Hof auffiel. Ich dachte mir weiter nichts dabei und konzentrierte mich weiter auf Texas, aber der Schatten entpuppte sich langsam als Alif, auf dessen Rücken jemand saß- nicht nur jemand, sondern Svejn! “Whoa.”, sagte ich ein paar Mal, bis die Stute stand. Weil ich sie nicht mitnehmen wollte, verließ ich den Round Pen ohne sie und stiefelte zu Svejn. “Bist du bescheuert?!”, fuhr ich ihn an und hielt Alfi fest. “Wo ist dein Rollstuhl? Du darfst noch nicht reiten!”, keifte ich ihn an, ehe ich sein vor Schmerz verzerrtes Gesicht sah. “Komm, wir holen dich da erstmal runter.”, sagte ich und brüllte die Namen von Bellamy und Caleb in den Stall, die mir halfen, Svejn vom Pferd zu holen und ihn auf eine Bank zu setzen. Bellamy kümmerte sich um Alfi, Caleb verschwand auf eine knappe Handbewegung meinerseits wieder. “Wieso reitest du?”, fragte ich ihn dann und verschränkte meine Arme vor der Brust, ehe Octavia zu uns kam und nach Texas fragte. “Hol sie wieder mit auf die Koppel.”, sagte ich lächelnd aber bestimmt und wandte meinen Blick dann wieder Svejn zu.


Svejn

Ich hatte schon Atem genommen als Octavia noch einmal dazwischen kam, in dieser Zeit hatte ich Gelegenheit den Zorn über die Schmerzen hinunter zu schlucken - Verena hatte ja nicht Unrecht mit ihrer Wut. Die alte Frustration sammelte sich wieder in mir, nicht so stark wie bei meinem Aufenthalt im Krankenhaus, aber mir fehlte das Reiten. Durch die Verletztung fühlte ich mich nicht ganz als Teil der Ranch, Bellamys Erwähnung am vorigen Abend hatte dazu beigetragen. Als ich Verena dann ansah, schluckte ich noch einmal, meine Gedanken waren nicht frei von Zorn, Anklagung und der dringenden Frage warum. Trotz der eines kleinen Kindes gleich sammelte sich in mir. Wer ist sie das sie so mit mir redet! flüsterte die Stimme in meinem Verstand, die nur schwer der Vernunft wich Sie sorgt sich um dich!

Nur langsam sammelte sich milde in mir, erst jetzt sprach ich aus was ich zu sagen hatte. “Der Rolator hatte keinen Akku mehr, das Handy hatte ich im Stall vergessen...Hätte ich gewartet bis ihr euch Sorgen macht...ich..” ich sah zu ihr auf, griff nach der verkrampften Hand. Sie hatte die Arme verschränkt, krallte sich in den Oberarm, von mir nicht unbeobachtet. Ich löste ihre Umklammerung auf, strich sanft über den Handrücken, spürte die Anspannung weichen. “Ich wollte nicht das ihr euch Sorgen macht.” du hast zu viel was dir bereits Sorgen bereitet. Meine Lippen zierte ein scheues, entschuldigendes Lächeln. “Kommt nicht wieder vor, versprochen! Ich weiß das ich meine Gesundheit nicht einfach auf´s Spiel setzten sollte, ab jetzt hab ich immer die Krücken dabei auf denen ich dann zurück komme. Wäre es nicht Thjalfe gewesen wäre ich nicht auf´s Pferd gestiegen.”

Gern hätte ich sie zu mir gezogen, ihre Lippen geküsst nur um mir ihrer Gefühle wahr zu werden, ich wollte ihr nicht Misstrauen, aber der Verrat meiner Exfreundin saß noch tief. Nicht das ich daran dachte sie würde mich betrügen, aber nicht ins Vertrauen gezogen zu werden, kratzte an mir.

Verena warnte mich noch einmal zu früh damit zu beginnen sei nicht die beste meiner Taten, ich versicherte ihr das alles in Ordnung sei. “Morgen hab ich den Termin, da wird schließlich entschieden was genau jetzt ist.” “Aber du solltest trotzdem besser auf dich aufpassen. Es war Thjalfe, aber auch der Hengst ist nicht unfehlbar.” Langsam beruhigten sich meine Sinne, zusammen mit Rena kehrte ich zum Haupthaus zurück, ließ den Blick über den Hof gleiten - bald würde ein anderer Anblick sich vor mir auftun.

~ some weeks later ~

Mit etwas Mühe humpelte ich die Treppe wieder nach unten, “Alles klar Joe, dann kommst du in einer Woche wieder?” fragte ich ohne zurück zu blicken meinen Therapeuten. Die Muskeln in meinem Bein schmerzten, da sie in der letzten Stunde stark beansprucht worden waren. Seit knapp vier Wochen war ich die lästige Schiene um mein Bein los, seitdem durfte ich auch ohne mein elektrisches Gefährt durch die Gegend wandeln. Auf längeren Strecken kam ich jedoch gern darauf zurück. “Ja genau. Denk dran langsam!” damit meinte Joe das reiten….ich hatte nach unendlichen Stunden des Nervens endlich seine Erlaubnis erhalten. Wie ein Schuljunge grinsend brachte ich ihn zum Tor und humpelte am Stock dann in Richtung Stall. “Rena?!” rief ich einmal laut, quer durch den Stall. Wie aus der Pistole geschossen kam besagte Frau aus einer der Boxen, den Blick verwirrt besorgt, schien sich aber beruhigt zu haben. “Brüll doch nicht so! Ich dachte dir sei was passiert” Mit dem feuchten Schwamm in der Hand kam sie näher heran, einen Moment später klatschte mir der Schwamm an die Schläfe. “Idiot” murmelte sie, umarmte mich dann aber. “Tut gut dir endlich wieder auf Augenhöhe zu begegnen.” murmelte ich in ihre Haare. In den letzten Wochen waren wir enger zusammen gewachsen, nachdem wir einen kleinen Streit ausgefochten hatten. Nach einem Abend an dem Caleb sie mal wieder zur Weißglut gebracht hatte, ich mal wieder schlechte Laune wegen meiner Verfassung gehabt hatte, war irgendwie alles auf einmal gekommen.

Es hatte an mir genagt das sie Bellamy ins Vertrauen gezogen hatte, was ich ihr auch so direkt an den Kopf geworfen hatte. Dann hatte sie plötzlich begonnen zu weinen, was mich hatte weicher werden lassen. Rena fühlte sich zerrissen, das schon seit einer ganzen Weile. “Mit dir wurde es besser, aber seit deinem Unfall….du hast genug mit dir selbst zu tun!” “Der Unfall hat nie etwas daran geändert wie ich für dich empfinde, das darfst du nicht denken. Die Zerrissenheit verstehe ich doch, sie nagte jahrelang an mir selbst, tut es noch. Aber ich würde mit dir auch nach Timbuktu ziehen, wenn das dein Wunsch wäre. Du musst mit mir reden, wir müssen beide offener werden. Versprich mir das.”

Dort war mir aufgefallen wie viele Jahre der Erfahrung zwischen uns lagen, trotzdem störte es mich nicht weiter, solange es Rena nicht beeinträchtigte. “Was hat er gesagt?” “Die Muskeln heilen, tun wieder ihre Arbeit, ich darf ganz langsam anfangen wieder zu reiten. Den Rolator soll ich nur noch nehmen um weitere Strecken zu überbrücken. Solange soll ich den Stock hier nehmen.” damit wedelte ich mit dem Stock vor uns beiden her. Geschickt griff Verena danach, befreite sich aus der Umarmung und schaute ihn sich an, ehe sie ihn mir gab und mich musterte. Andere Frisur, grauere Haare und du könntest als House durchgehen.”

“House?”

“Sag jetzt nicht du kennst Dr.House nicht?”

“....eh”

“Der Doktor der immer doofe Witze über seine Patienten macht, das Genie. Okay ist nur gestellt die Serie aber ich fand die damals super.” Ich zuckte mit der Schulter, der Trend musste irgendwie an mir vorüber gegangen sein. “Ich geh dann mal das Bett für Fiona herrichten, die müsste hier bald auftauchen.” Damit hob ich Verena den Schwamm wieder auf, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und verschwand im Haupthaus. Mittlerweile machten wir kein wirkliches Geheimnis mehr aus der Beziehung die wir führten, spätestens durch meinen Unfall war es auch dem letzten aufgefallen, es schienen alle soweit zu akzeptieren, zumindest sprach sich niemand dagegen aus.



Besuch auf der GRR

"Fiona was machst du?", für diesen schönen deutschen Satz könnte ich meine Tante umarmen, da sie in der Zeit in der ich wieder in Idaho lebte anfing deutsch zu lernen. "Ich packe meine Tasche und werde wie Petyr wieder als Trainer tätig!", verkündigte ich freudestrahlend. Luce grinste und nahm mich in den Arm, es war schon eine halbe Ewigkeit vergangen seit dem meine Eltern gestorben und ich vom Pferd gestürzt war. Mein lieber Cousin Petyr hatte sich vor einiger Zeit mit seinem besten Freund Malte in Norwegen selbstständig als Trainer gemacht und mich motiviert wieder mit dem Pferdetraining anzufangen. Meine Tasche war gepackt und ich verabschiedete mich von Pallton, den anderen Pferden, Finley (mein kleiner Aussie Welpe) und von Willow (dem Aussie meiner Tante, der sich aber mittlerweile Meiner angenommen hatte) und stieg zu Scott ins Auto. Scott startete den Land Rover und wir tuckerten zum Flughafen, an dem er mich absetzte. Der Flug bis nach Kanada dauerte knappe zwei Stunden, ehe Rena mich vom Flughafen abholte und zur Ranch fuhr. Sie hatte mich wie schon beim Horse & Dog Trail Kurs herzlich begrüßt und ich freute mich ebenfalls wieder hier zu sein. Auch wenn es nur Besuch wie jeder andere hier auf der GRR war, freute ich mich wie ein Kleinkind Gipsy wieder zu sehen, allerdings sollte ich nicht ihn trainieren, sondern Thjalfe den Hunter Hengst im Springen etwas weiter bringen. Der braune Ekzemer - Hengst gehörte Svejn, dem Freund von Rena und der auf der Ranch wohnte. Im Moment war er verhindert selber zu reiten, da er seit einem Unfall in einem 'elektrischen Rollator' saß und auf der Ranch rumkurvte. Doch als wir auf der Ranch ankamen, war vieles verändert seit dem ich hier mit Pallaton war. Überall standen wunderschöne Vollblüter, aber es waren nur noch wenig Westernpferde hier, was mich ziemlich stutzig machte. "Rena was ist denn hier passiert?", fragte ich sie verwundert. Nach einem tiefen Seufzer begann sie zu erzählen, dass sie ihr Trainingskonzept geändert hatte und sie nur noch ein paar Westernpferde behalten würde. Auch würde es bald nicht mehr Gips Reminder Ranch, sondern O'Connor Racing Stable heißen. Verdattert schaute ich sie mit weit geöffneten Augen an und musste erst einmal schlucken. Ich brachte nur ein gehauchtes 'okay' hervor. Mit einem Handzeichen bedeutete Rena mir ihr zu folgen. Langsam setzte ich mich in Bewegung und folgte ihr. Ein Mann im Rollator in schwarzer Kleidung tauchte vor mir auf und gab mir unbegeistert die Hand. "Hey ich bin Svejn." Das war auch schon alles was er sagte. Zu dritt liefen (fuhren) wir zum Stall und er zeigte mir den braunen Hengst, mit dem ich arbeiten würde. Vorsichtig tätschelte ich ihm die Nüstern und strich ihm über die Stirn. "Wir sehen uns dann nachher!", erzählte ich Thjalfe und verschwand zusammen mit Svejn und Rena im Wohnhaus. Aliena hatte wie schon beim Kurs hier auf der GRR wieder gekocht und gab mir freundlich einen Teller mit Spaghetti Bolognese. Auch Octavia war da (logischer Weise, denn sie wohnte und arbeitete hier). Caleb und alle anderen versammelten sich am Tisch. "Du bist also Fiona, die letztens extra noch einen Tag länger hier geblieben war um Gipsy noch einmal zu sehen?", feixte Caleb. In diesem Moment warf Rena ihm einen bösen Blick zu und die kurzzeitige Anspannung zwischen den Beiden war deutlich zu spüren. Nach dem Essen kam Caleb kurz zu mir und entschuldigte sich kleinlaut. "Schon okay.", erwiderte ich und ging zusammen mit Verena in den Stall, da wir wieder einen kleinen Ausritt geplant hatten. Gewohnt machte Rena Bella fertig und ich kümmerte mich um Gipsy. Irgendwie hatte ich mich ja ein bisschen in den Kleinen verschossen, was Rena aber lustig fand. Es war mir eine Ehre einen ihrer Lieblinge zu reiten. Also fertig für den Ausritt führte wir die Pferde nach draußen und stiegen auf. Mittlerweile hatte ich mich auch daran gewöhnt bei Gipsy vorsichtig im Maul zu sein. Die Sonne schien und die Temperatur war angenehm, was für ein schöner Tag! Während wir durch die Wälder strichen, erzählte mir Rena auch von den Pferden die sie verkaufte und fragte mich ob ich eventuell Interesse an einem hätte. Nach einer kurzen Grübelpause, beschloss ich mir zusammen mit Verena die Pferde anzuschauen. "Naa Lust auf ein Mini-Rennen bis zu dem großen Baum dahinten? Jetzt wo du dich sowieso auf Rennpferde spezialisierst, können doch auch deine Quarter-Mile-Pferde zeigen was sie können.", sagte ich ich zu Rena lachend, als sie sich augenblicklich an einem Baum platzierte. Grinsend reihte ich mich neben ihr mir Gipsy ein und zählte laut "Eins...Zwei...Drei...LOS!" Gemeinsam schossen wir los und trieben die Pferde zu Höchstgeschwindigkeit an. Im leichten Sitz und lockeren Zügeln galoppierten Gipsy und ich geradewegs an Bella und Rena vorbei. Voller Vorfreude auf den Sieg hatte ich gar nicht mitbekommen, dass Rena sich mit Absicht zurückfallen lassen hatte, weshalb sie jetzt im gestreckten Galopp an uns vorbeizischte. Am Ziel angekommen lachte sie mich aus und freute sich über meinen verwirrten Gesichtsausdruck. Gemütlich im Schritt ritten wir zurück auf die Ranch und brachten die Pferde nach dem kontrollieren der Hufe auf die Weide und schauten uns nun im Verkaufsstall um. So viele tolle Pferde wie sollte man sich da denn für eines entscheiden? "Also ich denke mal, dass dir Chapter 24 gefallen könnte.", erwiderte sie auf meinen ratlosen Ausdruck. Ich nickte und folgte ihr zu einer Box aus der mich ein hübscher Rappschecke anschaute. Begeistert klopfte ich ihm den Hals und ging in die Box. Ich konnte Rena ansehen, dass sie sich freute mir das anscheinend richtige Pferd gezeigt zu haben. Zu einem Probereiten sagte ich nicht nein und begann mich mit dem schönen Hengst vertraut zu machen. "Ich hab noch zu tun Fiona, du kommst hier doch alleine klar oder? Wenn nicht wende dich an einen hier du kennst ja eigentlich alle. Ich hab noch zu tun bis später ich komm dann mal gucken.", erklärte Rena und ging aus dem Stall. Freudestrahlend machte ich Chapter fertig und führte ihn gesattelt auf den Platz und schwang mich auf seinen Rücken. "So Junge was machen wir beide denn jetzt?", fragte ich den schönen Hengst der nur die Ohren in meine Richtung gedreht hatte. Ratlos trieb ich Chapter in Richtung Hufschlag und überlegte was ich mit ihm tun könnte. Um sich erstmal an einander zu gewöhnen ritten wir in allen Gangarten auf dem Platz und auch die Hilfengebung funktionierte einwandfrei. Während wir uns an die Seitwärtsgänge trauten lehnte Rena sich an den Zaun und schaute uns zu. "Hey guckt mal da liegen ein paar Stangen, reitet doch mal darüber, du kennst es ja vom Kurs letzte Woche.", schlug Sie vor. Begeistert ritten wir zu den sechs Stangen die kreisförmig angeordnet waren. Zu erst im Walk und dann im Trott ritten wir hinüber und ich hatte mich mittlerweile schon in den Schecken verliebt und die Entscheidung stand fest, Chapter würde mit nach Idaho kommen. Nach dem gelungenen Proberitt putzte ich Chapter erneut und brachte ihn wieder in seine Box ehe ich Rena aufsuchte. "Ach da bist du ja. Und wie wars, gefällt er dir?", fragte sie mit einem übertrieben freundlichen Lächeln, welches mich zum Lachen brachte. "Es war toll, er ist echt ein super Kerl und würde super zu Pallaton passen! Allerdings wäre es mir lieb wenn er gelegt werden dürfte. Und wie viel soll er denn kosten?", erwiderte ich . Sie stimmte zu, dass Chapter wie Gipsy ein Wallach werden dürfte und sagte mir freundlich "Du kannst ihn für eine kleine Schutzgebühr und einen Gefallen haben." Verblüfft nahm ich sie in den Arm und fragte sie nach dem 'Gefallen', der sich als Training für Gipsy und Candy herausstellte, was mir natürlich zu sagte und ich gleich den nächsten Besuch hier auf der Ranch buchte. Am Nachmittag suchte ich Svejn auf und stellte ihm ein paar Fragen zu seinem Thjalfe. Der ruhige, aber dennoch lauffreudige Hunter würde sicherlich Spaß am Springen haben. "Ich würde mich dann heute noch mit ihm vertraut machen und morgen mit dem Training anfangen wenn es für dich in Ordnung geht." Der schwarzhaarige Mann stimmte zu und erzählte mir noch ein bisschen was von seinem Hengst. Gesagt getan begab ich mich wieder in den Stall und begann Thjalfe vorsichtig zu putzen, um seine Ekzemerhaut nicht unnötig zu strapazieren. Da ich ihn nur etwas laufen lassen wollte liefen wir mit Knotenhalfter und Seil zum Roundpen, in den ich mehrere Stangen platzierte. Ich hakte den Karabiner aus und schickte Thjalfe von mir weg. Gemütlich trottete er über die Stangen. Nach ein paar Übungen um Vertrauen aufzubauen, trieb ich ihn an und er trabte lauffreudig und ruhig schnaubend über die am Boden liegenden Stangen. Als er auf Kommando zum stehen kam lobte ich ihn ausgiebig und ließ ihn die Richtung wechseln und galoppierte ihn an. Das Kerlchen hatte Talent, denn er sprang wie eine Gazelle über die die Stangen und das ganz ohne Mühe. "Prima!", wisperte ich freudig. Das sollte es dann für heute auch gewesen sein, die halbe Stunde Bewegung. Also brachte ich ihn wieder in die Box half mit die restlichen Pferde zu besorgen und verkroch mich anschließend in mein Gästezimmer. "Guten Morgen!", verkündigte ich und setzte mich an den Frühstückstisch, ehe ich mich zu Thjalfe begab. Auf dem Platz hatten wir bevor ich mit dem Training anfing ein paar Sprünge mit einem Meter Höhe und neunzig cm Weite aufgebaut. Insgesamt waren es sechs Hindernisse die für die A Klasse gefordert wurden, im Gelände allerdings sieben Hindernisse. Da Svejn nichts zu tun hatte er beschlossen das Training zu begleiten. Rasch war auch der braune Hunter Hengst gesattelt und getrenst. In einer Hand befanden sich die Zügel, in der anderen meine Chaps und die Reithandschuhe. Auf dem Platz zog ich den Reißverschluss meiner Chaps zu, zog die Handschuhe an, gurtete nach und stellte die Steigbügel ein. "So Junge, lets begin!" Ich tätschelte seinen Hals und schwang mich auf seinen Rücken. Zum aufwärmen garten wir ebenfalls Cavalettis aufgestellt über die wir erst im Schritt und anschließend im Trab überritten. Thjalfe versuchte erst gar nicht irgendwelche Anstalten zu machen. Zum Schluss des Aufwärmens ritten wir enge Kurven und wechselten oft die Richtung. Bevor es nun richtig los ging streichelte ich seinen Hals und trieb den Hengst im Galopp zum ersten Hindernis. Ohne Probleme sprang Thjalfe über die Stangen, so dass man denken würde, er wäre ein professionelles Springpferd, trotz der geringen Höhe. "Prima!", lobte ich ihn und lenkte ihn gleich zum nächsten Hindernis. Es war auch kein Problem für die anderen Hindernisse zu überspringen, ich hatte sogar das Gefühl, dass es ihm Spaß machte. Nach einer guten Stunde hatten wir die sechs Hindernisse mehrmals überquert und nur eine einzige Stangen gerissen. Als ich Thjalfe im Schritt zur Ruhe kommen ließ, sprach ich mit Svejn. "Dein Kerlchen ist echt ein tolles Pferd und hat echt Talent!", verkündigte ich begeistert. "Freut mich, dass du mit ihm klar kommst ich hoffe bald selber mit ihm springen zu können.", erwiderte Svejn. Gemeinsam brachten wir Thjalfe zum Waschplatz und ich sprühte ihn ab. Es war ausreichend warm und der verschwitze Hengst hatte es sich wirklich verdient. Vorsichtig begann ich ihn an das kältere Wasser zu gewöhnen und ihn dann komplett zu duschen. Thjalfe genoss die kurze Dusche und schüttelte sich anschließend. Ich musste lachen, da er mich komplett nass gemacht hatte, was mich nicht weiter störte, also griff ich zum Schweißmesser und Handtuch und rieb den braunen ab, bis er nur noch feucht war. Wenn er trocken war dürfte er wieder auf die Weide doch zuvor stellte ich ihn in die Box, damit er trocknen konnte. Nach dem leckeren Mittag erklärte ich Svejn, der heute nach dem Training mit Rena zum Arzt gefahren war, dass er jetzt selber mit Thjalfe arbeiten könne, da der Hunter sehr viel Talent hat und nur noch den Feinschliff brauchte und Svejn das alleine konnte. Ich hätte nie gedacht das der braune Hunter so gut sein würde, also würde es leider nur ein kurzer Besuch hier auf der GRR. Da Svejn auch wieder anfing mit dem Laufen, brauchten beide nicht lange warten, bis das weitere Training beginnen konnte. Da ich hier nichts mehr zu tun hatte, entschied ich schon heute abzureisen samt Chapter. Die Koffer waren gepackt und auch Chapters Sachen wären im Anhänger, denn mein neuer Hengst wurde zum Flughafen gefahren und flog dann zusammen mit mir nach Idaho. Etwas geknickt verabschiedete ich mich von Gipsy, Svejn und den anderen ehe Rena uns zum Flughafen fuhr. Als sie uns absetzte verabschiedete sie mich mit einer Umarmung und half noch Chapter auszuladen. "Guten Flug!" war der letzte Satz bevor sie ins Auto sprang und zurück fuhr. Nach einem angenehmen Flug, holten Luce und Scott mich mit Anhänger und Land Rover vom Flughafen ab und fuhren mich und den neuen Hengst auf die Ranch. Es war mal wieder eine schöne Reise gewesen, auf der ich auch neue Erfahrungen gesammelt hatte.



Svejn

Halb neidisch hatte ich Fiona dabei beobachtet wie sie mit Thjalfe durch den Pacours sprang, bald war ich wieder zu alter Kondition bereit, dann würde ich das auch tun können! Zumindest leichte Dressurübungen machten wir zu Zeit schon. Gestern hatte mich Joe noch einmal besucht um zu sehen was ich mit dem Pferd machte, mich gelobt da ich es tatsächlich nicht übertrieb und gemeint das wäre gut zur Unterstützung der Muskeln. Das ich am Wochenende an einer Kür teilnehmen würde verschwieg ich vorerst.


„This is ridiculous! You just can walk for about a week!“ lag mir nun wieder Caleb in den Ohren. War der Herr in den letzten Monaten meine Glucke geworden? Ja vielleicht konnte ich mich erst wieder seit einer knappen Woche gänzlich ohne Krücken durch die Gegend bewegen.Die Anmeldung hatte ich keck raus geschickt, nur manchmal musste ich für längere Strecken noch den Rolator nehmen, aber ich würde niemanden anders Thjalfe auf einer Körung reiten lassen! „Shut up, do your work and help me, please.“ war die Erwähnung die Verena ihm gab und ich rollte die Augen, die beiden waren ein Chaosteam. Thjalfe wurde noch von Caleb gesattelt, während ich mein ehemals verletztes Bein in den Stiefel zwängte. „Du weißt aber schon das ich das nicht für eine deiner besten Ideen halte?“ murmelte Verena und half mir den Verschluß des Schuhs zu schließen. Ich nickte, „Sag ihm das bloß nicht!“ meinte ich verschmitzt lächelnd und ließ mir auf den Hengst helfen. Langsam hatte ich mich daran gewöhnt, Hilfe anderer nicht grundlegend abzuwehren.

Mein Bein schmerzte ein wenig als wir im Trab die Halle betraten, doch mein Gesicht blieb unverzogen, ich würde das durchziehen! Die Grundlagen der Dressur saßen bei der Thjalfe, doch seine Lieblingsdisziplin war es nicht unbedingt. Nachdem ich und Thjalfe die Richter gegrüßt hatten und die Mittellinie verließen folgte ich zunächst der ganzen Bahn. Im Verlauf der langen Bahn nahm ich schließlich die Zügel auf,sodass Thjalfe in einer leichten Anlehnung lief, manchmal mogelte er sich hindurch. Schon bald darauf fanden wir uns auf dem Zirkel wieder nur um später aus dem Zirkel wieder zu wechseln. Wieder auf dem Hufschlag parierte ich durch zum Schritt. Steif atmete ich aus, ja das war wirklich keine gute Idee gewesen. Bisher gab sich Thjalfe wirklich gut, hatte sich noch nicht aus der Anlehnung gemogelt. Sein schwungvoller Trab war jedoch von mir überschätzt worden, noch hatte sich mein Körper nicht wieder an die Bewegung gewöhnt. Ich ritt schließlich wieder im Trab an, vollführte eine halbe Volte rechts, ging einige Schritte vorwärts um dann eine halbe Volte links. In der darauf folgenden Ecke, gab ich dem Hengst eine Galopphilfe und schwungvoll sprang der Hengst an.


Schließlich fanden sich der große Hengst und ich wieder auf der Mittellinie ein, dieses Mal im Schritt, nur mit dem zurücklegen des Gewichtes hielt mein Teddy an, grüßte die Richter. Auf dem Weg nach draußen machte ich mir ein wenig Sorgen wie ich jetzt wieder von seinem Rücken kommen würde. „Hurt yourself?“ fragte mich Caleb, ohne Frage hämisch, meine Zähne knirschten, aber ich nickte, trotzdem half mir Caleb zurück in mein Rentnergefährt.


Trotz des Muskelkaters den ich nach meinem Ritt hatte, freute ich mich darauf endlich wieder mehr mit Anpacken zu können.
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