[1] Vorbereitungen auf einen Neuanfang

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Briar Cliff


August 2016

Bevor der Große Umzug nach Mazedonien in den neuen Stall anstand, wollte ich bei all meinen Pferden noch eine Kontrolle bezüglich der Hufe vollziehen. Die erste machte dabei Classic Gold. Ich hatte sie zusammen mit ihrem Stutfohlen Classic Spring gekauft, als sie noch tragend war von unserem Hengst Silberstern. Hätten wir gewusst, dass ihr Vorbesitzer keine tragende Stute samt Fohlen ernähren könnte, hätten wir sie so wohl nicht gedeckt, doch wir hatten uns nicht über den Zustand der Besitzer vergewissert. Allerdings war ich ihm nicht böse darüber, schließlich hatten wir nun eine Zuchtstute, die auch im Juni das Fohlen bei uns auf Chattahoochee Hills gebar und alles glatt lief.

Es war noch früh am Morgen als ich Smetti auf der Couch ein wenig zur Seite schob und meinen Kakao trank. Ich versuchte mich so ruhig wie möglich zu verhalten um ihn nicht zu wecken, doch irgendwie schien es mir nicht zu gelingen, denn er wachte kurz nach meinem ersten Schluck auf. „Guten Morgen“, murmelte er verschlafen und streckte sich. Kurz darauf zog er mich rasch zu sich. „Eigentlich wollte ich dich nicht wecken“, lächelte ich ihn verschlafen an. „Das hast du auch gar nicht“, grinste er. Es war noch immer ungewohnt ihn ohne Brille zu sehen und auch, dass er mich zu sich gezogen hat fand ich etwas merkwürdig. Schließlich war er doch mit Fayenne zusammen. Oder war ich auf dem ältesten Stand?
„Klar, du warst auch vorher schon wach“, sagte ich und fügte einen Ironischen Unterton bei. „Ich trink mal weiter meinen Kakao, ich fang schon mal an Classy die Hufe zu kontrollieren. Dann habe ich das für Mazedonien schon mal aus dem Kopf und wir haben nur noch den Tierarzt besuch vor uns.“ „Soll ich dir irgendwie helfen oder soll ich Classic Gold dann morgen reiten und heute nur kurz mit der Bodenarbeit versorgen?“ „Ja…mach das so wie du mir das grade gesagt hast, aber überlaste sie noch nicht. Classic Spring musst du ja auch mitnehmen, am besten machst du nur einen Spaziergang heute. Mit dem Reiten lassen wir es am besten auch bis Dezember, bis das Stutfohlen dann abgesetzt ist“, dachte ich laut nach und traf auf Zustimmung. Ich nahm noch die letzten Schlucke meines nun abgekühlten Kakaos und machte mich dann schon auf den Weg in die Schmiede. Sie hatte keine Hufeisen, also fielen diese weg und ich musste weniger zu den beiden mit mir herumschleppen. Ich nahm mein Hufmesser, meine Raspel, meine Feile und ein wenig Huföl mit zu den beiden, als ich in den Stall ging. Neugierige Köpfe schauten zu mir rüber und zeigten sich genauso desinteressiert wie schnell sie interessiert geschaut hatten. Classy und ihr Fohlen bewohnten zurzeit eine der größeren Boxen und verbrachten die Nacht immer drinnen im sicheren Stall. Man wusste nie, wann die Wölfe in Canada zuschlagen konnten und bei meinen jüngsten war mir die Sicherheit wesentlich wichtiger als die Freiheit.
Ich nahm die beiden nach einer ordentlichen Begrüßung aus der Box und band Classic Gold an. Sie war noch ein wenig zickig, aber was gemacht werden musste, musste gemacht werden. Smetti sollte später vorbeischauen, denn sie war Männern gegenüber wohl noch sehr misstrauisch, aber ich wusste wie sensibel er mit meinen Tieren umging und überlegte mittlerweile ihm ein Pferd zu schenken. Er half mir schließlich die ganze Zeit mit meinen und war im Umgang echt geübt. Aber vielleicht hatte es auch Gründe, weshalb er sich selbst kein Tier zulegte. Classy war auch mir noch etwas unsicher gegenüber, gab mir aber sicher die Hufe. Auch wenn ihre Hufe in einem Optimalen Zustand waren, waren sie dennoch zu lang und mussten gezielt gekürzt werden. Links vorne hatte sie eine minimale Huffehlstellung die man aber in mehreren Etappen wieder richten könnte. Classy ließ mich auch ganz artig ihre Hufe richten, nur beim Korrigieren wurde sie ein wenig schwieriger als geplant. Grund dafür, war Classic Spring und ihr rumhampeln auf der Stallgasse. Ich konnte von Glück sprechen, dass Smetti gerade um die Ecke kam und das junge Stutfohlen im Zaum hing. „Danke sehr. Du bist ein Schatz“, lächelte und er warf mir ebenfalls ein Lächeln zu, ehe er seine Brille rasch säuberte. Er bespaßte das Fohlen und ich machte Classic Gold die Hufe ordentlich, was nun auch schneller von Statten ging als vorher mit dem hastig umherspringenden Falbfohlen, das uns in Schach hielt. „Das machst du super, Classy“, lobte ich sie und bat Smetti darum sie gerade vorzuführen. „Alles klar, Chef“, lachte er und band meine Zuchtstute ab und führte sie mir in der Stallgasse im Schritt und im Trab vor. Anfangs sehr schwer, da sie sehr misstrauisch gegenüber männlichen Wesen war, doch dann überwand sie sich ein wenig und folgte. Wahrscheinlich mehr aus Angst als aus Überzeugung. Dafür sollte ja gleich der Spaziergang sein, um das Vertrauen zwischen den beiden zu stärken, aber auch um Spring zu entladen, die wie ein Gummiball durch die Gegend sprang und neugierig zu den anderen Stuten an die Boxen ging und unterwürfig kaute. „Du kleines Monster du“, kicherte ich und lobte das Jungtier. „Classic Gold sieht gut aus. Classic Spring muss ja noch nicht zum Hufschmied“, lächelte ich. „Ich mach mich mal auf den Weg mit den beiden, könntest du mir noch gerade den Strick zu Classic Springs Halfter geben? So hol ich das kleine Biest nicht mit.“ Ich nickte lachend und sah mich kurz um als ich ihm dann den Strick von Deila gab. Sie hatte heute nämlich eh nur eine Pause vom Training und würde nur die Hufe gemacht bekommen. Sie blieb noch eine Zeit lang beschlagen, bis ich sie gekört sein würde, damit ich sie auf Turnieren und im Training besser im Springen und Military reiten konnte ehe sie in die Zucht kam. Aber das hatte noch Zeit, schließlich mussten wir noch ein wenig an ihren Unarten feilen, damit sie nicht mehr stieg und sich besser händeln ließ als jetzt im Moment. Denn so ging es nicht weiter. Entweder ich oder unsere Trainerin konnten sie noch führen und das übten wir jetzt schrittweise. Wenn sie brav lief, wurde sie gelobt. Ich ging zur Weide, auf denen meine Stuten noch ruhten und näherte mich meiner neuesten Stute. Candy hatte uns erst vor zwei Monaten erreicht und machte sich im Training erstaunlich gut. Das weiche Fell an der Schnauze fühlte sich so vertraut und so sanft an. Sie war zwar noch etwas misstrauisch, hatte sich aber schnell an uns und die Umgebung gewöhnt. Ich hoffte inständig das der Flug gut gehen würde und meine Pferde sich nicht allzu sehr anstellen würden. Das wir uns alle einleben mussten, war klar. Ebenso mussten sich die Pferde an das Klima gewöhnen welches dort herrschte. Im Sommer war es sehr warm und im Winter fror man selbst mit Pulli. Aber ich war es gewohnt. Ich kam schließlich aus dem Land und dem Ort. Ich kannte viele und ich wusste wie begehrt dort Arbeit war, also würden Stallburschen sich relativ schnell auffinden lassen. Ich würde mich demnächst nur noch auf die Pferdezucht konzentrieren und Smetti würde die Hufschmiede leiten. Es schien wohl sein Beruf zu sein.
Ich führte Candypie in Richtung unserer Hufschmiede und band sie dort an. Nebenberuflich arbeitete Smetti momentan in einem Tommy Hilfiger Outlet, in dem er mit seinem Style sehr gut reinpasste. Candypie stand brav und ruhig da, bis ich meine Sachen zusammenpackte und mich neben ihr hinstellte um ihre Hufe zu säubern. Auf den ersten Blick sahen sie ganz okey aus, aber je mehr ich sie begutachtete, desto mehr sah ich zu bemängeln. Candypie hatte sehr sehr weiche Hufe, welche die Hufeisen nur mit Mühe trugen. Mir war es zu riskant sie mit den Hufeisen laufen zu lassen und so entschied ich mich für Hufschuhe. Candypie blieb ganz artig und brav stehen und ließ mich meine Arbeit machen ohne zu zucken. Ich schnitt ihr die Hufe nur minimal aus und raspelte dann ein wenig um die Form zu festigen. Das Feilen ging auch schnell von statten und ich konnte in aller Ruhe Hufschuhe in ihrer Größe suchen. „Irgendwo mussten die doch hier sein“, murmelte ich und kramte in diversen Kisten rum um verschiedene Modelle und Größen zu finden.
„Hey du, rate mal wer wieder da ist“, schaute mir eine Grinsebacke durch das große Tor der Schmiede, welche mich gleich zum Lächeln animierte. „Mein liebster Arbeitskollege“, grinste ich und ging ein kleines Stück auf ihn zu. „Lief alles super. Erst war Classic Gold echt ängstlich und misstrauisch, fast schon biestig, als es um ihr Fohlen ging. Aber bis zum Ende hatte sie sich dann doch beruhigt.“ „Glück gehabt, hätte böse enden können. Vor allem, weil sie ja dank einem Vorbesitzer nicht gut auf Männer zu sprechen ist“, griff ich noch mal auf. Er nickte kurz und kramte dann in einer Kiste rum. „Das Modell müsste eigentlich Candypie passen, hat eine Stoßdämpfung und die Hufe können sich etwas erholen.“ „Ey, du hast verdammt gut gelernt, weißt du das“, lachte ich und klopfte ihm auf die Schulter. Obwohl er 2 Jahre älter als ich war, redete ich mit ihm wie mit einem Jüngeren. Wahrscheinlich einfach nur, weil ich seine Chefin war und autoritär wirken sollte. Er zog dem Schimmel die vier Hufschuhe an und es saß wirklich alles. Er hatte einfach ein Händchen dafür. „Wie sieht‘s eigentlich mal mit einem eigenen Pferd aus? Wäre das nicht was für dich?“, fragte ich zögerlich und blickte kurz zu ihm. Er kratzte sich etwas am Kopf und seufzte. „Weißt du Rachel, ich habe Angst dem Tier nicht gerecht zu werden. Besser ich kümmere mich bei dir um die Zuchtpferde und hab so eine Reitmöglichkeit, als dass ich eins hab, wo ich täglich hinterher muss und ihn selbst arbeiten muss oder sowas. Mir fällt das so einfacher“, sagte er und schien ein mulmiges Gefühl zu haben. „Schön okey, kannst dir auch gerne in ein bis zwei Monaten eins fest aussuchen und dann als Reitbeteiligung ohne Kostenbeteiligung nehmen. Würde mich sogar freuen“, grinste ich und lobte das Vollblut, das neben uns stand und löste den Strick vom Halfter. Candy lief noch sehr, sehr ungewohnt auf den Hufschuhen. Ihr Gang glich eher dem mit Transportgamaschen und brachte mich ein wenig mehr zum Lachen. Nach einigen Minuten ging sie ordentlicher und immer taktklarer, so wie wir es gewohnt waren. „Machst du grad Alinghi’s Hufe in der Schmiede und beschlägst sie mit normalen Hufeisen. Also im Prinzip das Ganze Paket? Sie wird die Saison noch laufen und nächste dann nur Trainiert werden von einem Trainer in Mazedonien“, erklärte ich noch kurz und ging mit Candypie einen kleinen Spaziergang um sie an die Hufschuhe zu gewöhnen. Obwohl sie noch nicht lange da war, blieb sie sehr ruhig mit viel Elan bei der Arbeit und Erfolgswillen.

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Nach unserem kleinen Spaziergang band ich sie vor der Box an. „Wir ziehen dir jetzt erst einmal die Dinger hier aus und dann kannst du ein bisschen auf die Weide.“ Ich zog ihr die Hufschuhe aus und band sie dann wieder ab. Ich fragte mich ob sie noch heller wurde, oder ihre paar Dapples bleiben würden, aber das war nun mal immer das Problem mit Schimmeltieren. Es war wie ein Überraschungsei. Candypie schaute noch ein wenig unsicher durch die Gegend, war aber nicht glotzig. Heute war einfach ein bisschen was los auf Chattahoochee Hills, da der Umzug bald Anstand und die Möbel allesamt schon rüber geflogen wurden. Mittlerweile war es auch schon 12 Uhr und ich würde nachdem Candypie auf der Weide stand, auf Smetti warten um mit ihm was zu essen. Mein Magen knurrte nämlich bereits schon. Ich machte mich auf dem Weg zum Wagen und wählte schon mal die Nummer. Ich hatte mich noch nicht in den Wagen gesetzt, da hatte ich ihn auch schon am Hörer. „Ich bin jetzt mit Alinghi fertig, sie hat mich einige Nerven gekostet, aber wir sind jetzt durch. Soll sie zu Deila auf die Weide oder zu wem soll ich sie stellen? Die Zicke meint mit mir auch grad den Affen zu machen und tänzelt rum…“ – „Stell sie zu Deila und Candypie. Bonbone ist ja momentan nicht da, da wird sie Chefin sein in der Herde. Balerinë hält sich ja eh eher alleine auf, wenn Bohne nicht da ist und fühl sich irgendwie bei den Großen weniger wohl. In Mazedonien kommen eh noch ein paar Stuten und ein Hengst dazu. Naja mindestens ein Hengst. Man weiß ja nie. Du kennst mich ja, ich gehe gerne Pferde kaufen… Aber ich muss definitiv reduzieren um mich auf die Zucht zu konzentrieren. In Mazedonien kommen nämlich noch zwei KWPN Hengste dazu. Einer ist ein fünfjähriger Scheckhengst bereits erfolgreich L-Platziert im Springen und der andere ein Falbhengst mit einer Dressurbegabung und erfolgreich momentan in der A-Dressur. Heißen ‚Lost Boy‘ und ‚Achter Tag‘. Unterm Reiter aber wahre Engel und auch im Umgang sehr angenehm. Achja, Alinghi kannst du ruhig mal eine geben, die braucht das manchmal. Oder zieh mal kurz am Strick damit die weiß, dass du da bist. Ich hol dich gleich an der Weide ab, wir gehen essen. Hab auch ein anderes Oberteil für dich dabei“, dann legte ich auf. Ich mochte ihn gerne. So als besten Freund. Naja vielleicht auch mehr, aber ich hatte immer Pech in der Liebe gehabt, als ob sich das ändern würde.
Ich schaltete den Motor an und sah mit einem gekonnten Schulterblick hinter mich. Der Weg war frei und ich parkte in aller Ruhe aus. Ich ließ mir Zeit. Schließlich wusste ich wie weit der Weg zur Weide war. Doch das würde sich in Mazedonien ändern, dort hatte ich so viel Weideland meines Opas geerbt, das ich in der ganzen Umgebung des Hofes entweder bebauen oder als Weideland und Felder nutzen konnte. Was ich auch tun würde. Die Weiden waren grün aber eher von der mageren Sorte, sodass auch Kaltblüter dort problemlos den ganzen Tag draufstehen könnten. Aber dazu kam es wohl nicht. Ich hatte momentan andere Zuchtpläne.
Und da stand er auch schon wartend auf mich. Kurz die Haare gerichtet und schaute mich mit leuchtenden Augen durch die Brille an. Würde ich stehen, wären meine Knie schon längst weich geworden. „Kommst du rein?“, rief ich durchs Fenster und schon lief er zur Beifahrertür. „Ist ja gut, bin ja schon da“, grinste er. „Wohin fahren wir jetzt eigentlich?“ „Zum Steakhouse, ich habe Hunger“, sagte ich trocken und er starrte mich nur an. Ich konnte mir das Lächeln nicht verkneifen. „Jaa, einmal. In Mazedonien wird es so qualitativ hochwertiges Fleisch nicht mehr geben“, lachte ich. Er lachte ebenfalls. Immerhin einer der sich freute. Abby war die einzige, die noch mit uns kommen würden, alle anderen verabschiedeten wir. Wir mussten uns auch neue Trainer suchen und einen neuen Tierarzt. Die langen Reisen würden zu viel Zeit beanspruchen. „Ich habe mir Gedanken gemacht, Smetti“, sagte ich ernst und strich mir eine Strähne aus dem leicht gebräunten Gesicht. „Worüber?“ Ich konnte seine Neugierde aber auch seine Ungewissheit fast schon spüren. „Über den Umzug. Ich habe sowohl Nephilim als auch Hendersin verkauft. Ich habe auch für zwei weitere Pferde zwei Interessenten, allerdings bezweifle ich, dass ich die Tiere verkaufe, da sie für die Zucht interessant sind. Ich spreche nämlich von ‚Deila‘ und unserem neuen Hengst ‚Achter Tag‘… Außerdem werde ich, denke ich, die Hufschmiede nicht mehr leiten. Ab und zu höchstens noch Hufe raspeln und Fehlstellungen bearbeiten, ansonsten wirst du dein eigener Herr sein. Du kannst auch die Preise ändern, wenn dir das lieb ist. Ich werde mich aber nun als Hufschmied zur Ruhe setzen und nur noch in der Pferdezucht tätig sein und hier und da mal Kellnern gehen oder in einem Café arbeiten.“
„Aber du hast dir doch alle aufgebaut. Ich kann das nicht annehmen. Ich mach das nicht alleine… Wir sind doch ein Team.“ „Ja, aber mein Rücken hat leider ein paar Probleme gemacht und deswegen geht es nicht mehr“, wurde ich leiser und leiser. Er brummte nur kurz und schaute dann ruhig aus dem Fenster. Sein Blick war sehr nachdenklich. Der Weg zog sich in die Länge, weder Musik brachte die Stimmung ein wenig in die Höhe und ebenfalls redeten wir nicht mehr. Erst als wir ausstiegen, brachte er zwei Worte raus. „Ich mach’s.“ „Was?“ „Du hast schon richtig gehört. Ich mach’s“ Ich konnte meine Freude kaum fassen. Ich sprang dem jungen Mann fast in die Arme, so sehr freute ich mich auf sein Einverständnis. „Longierst du später Maekja, dann mach ich noch ein bisschen Bodenarbeit mit Rohdiamant. Der wird nächstes Jahr auf einer Show präsentiert, wenn er soweit ist.“, Er nickte grinsend. „Mach ich“, und dann nahm er mich einen Moment lang in den Arm. Ich genoss diesen Moment. So viele Gefühle die in mir hoch schossen und mein Herz, das bis zum Hals schlug. Es war ein verdammt guter Moment. Doch genauso schnell wie er angefangen hatte, hörte er auch auf. „Lass uns reingehen. Wir haben Hunger“, grinste er wieder und hielt mir die Tür auf. Wir bestellten einen Tisch für 2 und unterhielten uns, bis das Essen gebracht wurde. Es schmeckte bestens.



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Besuch bei Bonbone

„Der Flug steht schon ein wenig länger fest.“ „Und warum hast du mir nichts davon gesagt? Ich mein, du bist eine Woche in Dänemark, was ist hier mit deinen Pferden?“ Sein Blick bohrte sich gerade so in mein Gesicht. „Ich habe den Plan für die nächste Woche schon in den Stall gehängt. Abby hilft dir dabei und Stella, Simons‘ Ex reitet in der Woche dann die Pferde, wäre lieb, wenn du meinen die Hufe machen könntest. Sind hauptsächlich Barhufer und vielleicht 2-3 Hufeisen anzunageln. Darf ich jetzt meinen Koffer weiter packen?“ Irgendwie kotzte es mich an, dass er mich jetzt kontrollieren wollte. Einerseits verstand ich ihn aber schon. Ich hatte es keinem gesagt, nicht mal den Hofarbeitern. „Nein! Ich find das unfair! Ich will auch mit. Ich sag einfach den Job als DJ in der Bar ab und komm vorbei.“ „Smetti, nein! Ich flieg nur hin um Bonbone die Hufe zu machen, da hatte mich Anabell drum gebeten und ich wollte ein wenig Zeit mit ihr verbringen, weil sie demnächst zur Krönung soll und dann wieder heimkommt. Sie wird direkt nach Mazedonien geflogen. Ich werde alleine fliegen!“ Die Stimmung wurde immer schlechter. „Fährst du mich bitte zum Flughafen?“ „Ja.“ Wir gingen die Treppe gemeinsam runter, sprachen jedoch nicht mit einander. Den Koffer hievte auch er alleine in den Kofferraum. In der Zwischenzeit setzte ich mich auf den Beifahrersitz und nahm mir ein Kaugummi aus der Lehne in der Mitte. Auch während der Fahrt schwiegen wir. Er war nicht wütend, eher enttäuscht. Auch am Flughafen war unsere Stimmung eher geknickt und ruhig als aufgeschlossen wie sonst. „Pass gut auf dich auf“, sagte er geknickt und nahm mich in den Arm, als wolle er mich nicht mehr loslassen. „Mach ich“, flüsterte ich und gab ihn einen Kuss auf die Wange. Noch einmal atmete ich seinen Geruch ein. Er würde mir die Woche über fehlen, aber ich musste meine kleine Zicke endlich mal wiedersehen. Er gab mir noch einen sanften Kuss auf die Stirn ehe ich den Weg zum Flugzeug antrat. Ein kurzer Blick über die Schulter und man zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich bekam Gänsehaut als ich den Sitz im Flugzeug belegte und versuchte mich mit Kopfhörern in den Ohren von den ersten Startturbulenzen abzulenken. Ich hasste es zu fliegen…ebenso wie ich es hasste lange Strecken zu fliegen. Irgendwie würde ich das ganze schon überstehen. Und so war es auch. Ich hatte den Flug gut überstanden und war nun auf Dänemark, nahe dem Isländergestüt auf dem Bonbone stand. Im Flugzeug ereilte mir die Nachricht, dass unser erster Myzequeahengst Zot die Kolik nicht überstanden hatte und ich war zugegebenermaßen am Boden zerstört… Aber ich musste weiterdenken. Weiterleben. Gott schenkte und nahm einem das Leben, so wie er es wollte. Ich seufzte als ich den Hof von Anabell betrat und wie üblich zur Wattweide, wo Bonbone beherbergt wurde. Ich suchte mit meinem Blick die Weide nach dem Braunen Getier ab, fand es auch gleich. Ich pfiff kurz und schon reckten sich die Ohren nach vorne. Aber das war es auch. Sie hatte sich also nicht wirklich verändert. Sie war noch immer die alte Zicke. „Bohne“, zielsicher stapfte ich auf sie zu nahm sie ans Halfter. Okey, zumindest das hatte sich geändert. „Ich habe dich vermisst, mein Baby“, grinste ich kurz und klopfte ihr kurz den Hals. „Du bekommst heute die Hufe gemacht“, erzählte ich ein wenig und führte sie in die Stallgasse, wo ich Bohne rasch anband und meine Instrumente aus dem Koffer packte. Das Hufegeben hatte sich auch stark gebessert und erleichterte mir gerade einiges an Arbeit. Ich war nur hier um die Hufe ein wenig zu kürzen und zu raspeln. Am Ende feilte ich sie auch noch und gab Bonbone ein Leckerli aus Erdnussbutter, damit sie auch ein Erfolgserlebnis erlebte. Sie wieherte schrill und ich lächelte. Ich hatte sie mehr als vermisst. „Hey du“, lauschte ich einer mir bekannten Stimme und hob den Kopf. „Na du, lange nicht mehr gesehen.“ „Ja, das stimmt. Wie geht es dir? Wie läuft es mit der Zucht?“, fragte sie neugierig und freute sich wirklich mich zu sehen. „Naja, eben ereilte mir die Nachricht, dass Zot die Kolik nicht überlebt hat. Mein Grundstein ist weg… Aber die anderen waren bei meiner Abreise wohl auf. Und wie geht es Kjarkur und Slaufa bei euch?“ „Das ist weniger gut. Komm mal her“, sagte sie und gab mir eine Umarmung. Das war es was ich gebraucht hatte. Vielleicht eher von Smetti als von ihr, aber er war ja leider nicht hier. „Danke.“ „Kein Problem“, lächelte sie kurz. „Kjarkur ist schon Vater von ein paar Fohlen und Slaufa hat sich prächtig entwickelt“, grinste sie. Wenn du magst, kannst du ihn auch gerne mal besuchen. Komm ruhig mit.“ Und schon machten wir uns auf dem Weg zu Kjarkur und Slaufa mit Bonbone. Sie wieherte so fürchterlich häufig, dass es mich fast schon nervte. „Jetzt hör doch mal auf, du Elephant“, moserte ich rum und Bella nahm Slaufa von der Weide. „Lass uns einen Spaziergang machen. Dann können wir noch ein wenig plaudern.“


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„Was bin ich froh, dass du wieder da bist.“ Endlich war ich wieder zuhause bei Smetti, bei meinen Pferden und trotzdem hatte ich noch keinen Abschied von meinem Hengst genommen. Aber die anderen Pferde halfen mir dabei schon ziemlich, denn ich musste weitermachen. „Komm wir gehen ausreiten, ich erzähl dir, wie es in Dänemark war“, und schon machten wir uns auch auf den Weg in den Stall. „Welches nimmst du Rachel?“ „Croatoan, mein faules Lieschen. Die wird immer fetter. Ich weiß gar nicht wie sie im letzten Turnier noch auf dem Siegertreppchen landen konnte“, ich musste Lachen und steckte auch Smetti damit an. „du bist fies“, lachte er und schaute sich um. „Dann nehme ich…puh. Soviel Auswahl steht ja gar nicht. Kann ich Sweety nehmen?“ Die Frage klang ziemlich zögerlich. „Klar, hol sie dir und mach sie fertig. Bis dahin sitze ich dann im Westernsattel und komm im Schneckentempo dann vorbei.“ Er lächelte und ich grinste kurz. Croatoan war einfach verdammt faul. Anders kann man das nicht nennen. Ich wanderte zur Weide und sah mich nach der Bay Roan Stute um und fand sie liegend und fressend auf der Weide unter einem schattenspendenden Baum. „Du faules Stück“, murmelte ich und nahm mir das Halfter vom Haken. Bald würden alle eine neue Ausrüstung bekommen auf dem Hof, zumindest, wenn wir in Mazedonien angekommen waren. „Tony!“, rief ich und die Stute riss den Kopf hoch und sah aufmerksam zu mir rüber. Nur sehr langsam rappelte sie sich auf und schüttelte den Staub aus ihrem hellen Fell. „Komm her du Fettsack“, grinste ich und lächelte das pummelige Pony an. Langsam stapfte sie auf mich zu uns legte erst mal ihren Kopf an meinen Körper und wir schmusten ein bisschen ehe ich ihr das Halfter anlegte und sie zum Stall führte. Ich machte sie rasch fertig nach dem langen Putzen und legte ihr auch die grünen Gamaschen an. Dann stieg ich auch schon auf. Genau in diesem Moment kam mir Smetti auf dem Schimmel schon durch die Stallgasse entgegen. „Und du bist nicht mal losgeritten“, grinste er mich an und ich trieb Croatoan an. Im Schritt ritten wir eine kleine Runde um den Hof. An manchen Stellen trabten wir auch, aber hauptsächlich waren wir im Schritt unterwegs, damit ich in aller Ruhe von der Woche in Dänemark erzählen konnte. „Bonbone hat sich super gemacht. Unterm Reiter nimmt sie wie vorher auch schon die feinsten Hilfen an, hat dabei aber keinen starken eigenen Kopf mehr wie vorher. Sie kooperiert endlich mit dem Reiter“, erzählte ich mit aller Freude. „Das freut mich so sehr für dich“, lächelte er mich an und gab der ruhigen Schimmelstute eine kurze Parade. „Ich bin stolz auf dich Smetti.“ „Warum?“, fragte er etwas verwirrt und sah mich an. „Weil du ganz schön beim Thema reiten hinzugelernt hast.“ Wir ritten wieder zurück zum Hof und spritzten die beiden Pferde ein wenig ab um auch sie von der Hitze ein wenig zu erlösen. Dann brachten wir die Pferde gemeinsam auf die Weide für den Rest des Tages.

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Die Tage des Umzugs waren gezählt. Heute würden die ersten Pferde ihren Weg in die neue Heimat machen und ich würde mit ihnen fliegen. Der Transport würde etwas länger dauern als vorher geplant aber anders würde es wohl nicht gehen. „Nimmst du bitte Sweety Candypie? Sie kann direkt mit rüber fliegen. Der Tierarzt und der Zahnarzt haben sie ja schon besucht und haben auch das Ok gegeben, das sie fliegen darf. Mit ihr gehen Alinghi und Croatoan. Die anderen müssen noch verbereitet werden. Obwohl, statt Croatoan geht dann doch lieber Deila mit. Das Pummelchen hat ihre Füße noch nicht gemacht bekommen…“, sagte ich zu Abby und Smetti die mir aufmerksam zu hörten. „Was ist mit Cleavant? Oder Itaque?“, hakte Abby noch einmal kurz nach. Ich dachte einen Moment nach, eigentlich könnten die beiden mit. Wären da nicht die Hufe. „Nein, ich mach denen noch die Hufe, dann kommen die mit. Acacia wird auch direkt von der Vorbesitzerin nach Mazedonien verschifft. Das ist dann auch aus dem Kopf. Classic Gold und Classic Spring sehen heute dann auch noch das neue Zuhause. Das wäre dann der erste Rutsch. Der zweite Rutsch kommt dann in zwei Tagen. Meine Cousine empfängt drüben die Pferde und versorgt sie dann bis wir alle da sind.“ Die beiden nickten und machten sich dann auch schon vom Acker. „Das wird noch stressig“, murmelte ich und machte mich auf den Weg zu unserem Mixpony ‚Cleavant ‚Mad Eyes‘‘. Er war noch nicht wirklich lange bei uns, 1-2 Monate vielleicht, aber Valerie kümmerte sich super um ihn. Sie nahm am Reitunterricht teil, ging mit ihm spazieren und betüddelte ihn den ganzen Tag. Ab und an setzte sie sich auf die Weide und sah ihm beim Grasen zu. Sie waren das Dreamteam schlecht hin. „Val? Magst du zuschauen wie ich Cleavant die Hufe mache?“, rief ich in die Stallgasse entlang und die 17-Jährige kam mir lächelnd entgegen. „Klar, warum nicht?“, grinste sie. „Was bekommt er denn?“ „Erstmal die Kontrolle und dann evtl Hufeisen. Wobei ich nicht weiß ob er die überhaupt braucht.“ „Okey.“ Gemeinsam gingen wir zu Cleavant und nahmen ihn aus der Box. Er stand auf Spähnen aufgrund seiner Heu/Stauballergie und bekam morgens und abends einen großen Haufen nasses Heu, damit auch er die passende Heuration bekam und ein wenig Beschäftigung über die Nacht hatte. Zudem kam noch, dass er eine Paddockbox hatte und immer wieder raus könnte um frische Luft zu schnappen. Val nahm den jungen Hengst schon einmal aus der Box und ich ging währendessen in die Schmiede um meine Ausrüstung zu schnappen und wieder zu den beiden zurück zu kehren. Val und Cleavant passten perfekt zusammen und sie hatte ihn schon blitzeblank geputzt und auch schon die Hufe ausgekratzt. „Danke“, lächelte ich und sie ging zur Seite. Seine Hufe waren etwas zu kurz, aber dennoch ziemlich hart, so dass ich sie nur kurz begradigte und ein wenig raspelte. Ich feilte auch noch mal kurz drüber und ließ ihn dann von Val vorführen, sowohl im Schritt und Trab. Er lief gut. „Soll er Hufeisen bekommen oder nicht?“, fragte sie mich noch einmal und ich starrte kurz Löcher in die Luft. „Nein, die Witterungszustände im Gebirge auf der Weide sind ganz in Ordnung, die braucht er da nicht. Und auch sonst sind weniger Asphaltierte Straßen in Mazedonien zu finden…“, ließ ich meinen Gedanken freien Lauf. „Wenn du magst gebe ich dir grad eine Stunde Unterricht auf ihm. Sie nickte und ging rüber in die Sattelkammer während ich bei Cleavi stehen blieb. Er war eines der treuesten Pferde auf dem Hof und wie geschaffen für Val. „Sollen wir ihn jetzt schon rüber fliegen oder möchtest du ihn erst später rüber fliegen lassen, wenn die letzten den Hof verlassen?“, fragte ich noch einmal nach. Schließlich war es fast ihr eigenes Pferd mit dem sie machen konnte, was auch immer sie wollte. „Was macht denn Merita mit den Pferden, wenn sie auf sie aufpasst?“, fragte sie misstrauisch. Aber ich kannte ja meine Cousine wie meine Westentasche. Sie würde genau das machen, was ich ihr sagen würde. „Nichts, zumindest nichts außer sie regelmäßig füttern, raus und wieder reinstellen. Ich vertrau ihr da sehr.“ Val nickte kurz und überlegte während sie aufstieg. „Reite ihn erst einmal ein wenig warm im Schritt. Dann kannst du ihn antraben.“ Val ritt ihn gute 15 Minuten im Schritt warm ehe sie ihn antrabte. Er reagierte auf sehr feine Hilfen und hatte manchmal Mühe Valerie’s unruhiges Bein zu verstehen. „Geh mal auf den oberen Zirkel und bau in der oberen Hälfte einen Trab-Schritt-Trab-Übergang ein und wenn das einigermaßen sitzt, dann galoppierst du ihn ein wenig an.“ Sie nickte und gab sich alle Mühe ihm die Hilfen gut umzusetzen, schaffte es aber nicht ganz so gut. „Setz dich ein wenig tiefer in den Sattel, wenn du durchparierst und versuch dein Bein ruhiger am Pferd zu halten. Die nächste Stunde geht’s wohl wieder an die Longe. Sitzschulung“, grinste ich und auch wieder versuchte sie das umzusetzen, was ich ihr anriet. „Aber er versteht die Hilfen nicht“, maulte sie ungeduldig rum. „Wegen deinem unruhigen Bein“, wiederholte ich abermals. „Warte, ich geh die Longe holen“, sagte ich und machte mich schon auf den Weg und verließ den Reitplatz. „Reite ihn erstmal im Schritt und geh ein paar Bahnfiguren bis ich wieder da bin.“ „Alles klar“, sagte sie und parierte den Braunen durch. Ich beeilte mich um wenig Zeit zu verlieren, damit sie nicht nur Schritt ritt und kam nach 5 Minuten wieder am Reitplatz an und nahm den jungen Hengst an die Longe. Zunächst im Trab und dann im Galopp ließ ich sie einige Übungen machen, damit ihr Bein ruhiger anlag und führte das gut 30 Minuten durch. Die Zeit verging wie im Fluge und je mehr sich Val anstrengte, desto mehr blieb ihr Bein auch ruhig. Die nächste Zeit kam sie wohl öfter an die Longe, wenn wir in Mazedonien sein würden. Heute würde wohl auch noch Cleavant ‚Mad Eyes‘ noch mit nach Mazedonien fliegen.


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Ein Auftrag in Norwegen
Smetti saß gerade im Büro und heftete bearbeitete Aufträge in die verschiedenen Aktenordner. Die ganzen Aufträge lagen vor ihm auf dem Bürotisch, verstreut bis in die hinterste Ecke und er hatte es sich genau Heute vorgenommen, alles zu sortieren, da uns nur noch wenig Zeit hier in Canada blieb, bis wir endgültig von diesem Kontinent verschwanden. „Wo war das andere davon?“, maulend suchte er das zugehörige Blatt zu seinem letzten Auftrag. „Ich frag einfach Rachel nach dem Blatt, die weiß eh alles…“, murmelte er und griff nach seinem Smartphone und entdeckte einen entgangenen Anruf einer unbekannten Nummer. Nicht einmal die Vorwahl kannte er. „Erst rufe ich Rachel an und dann kümmere ich mich darum.“ Beep. Beep. Beep. „Was gibt’s?“, fragte ich gefasst auf seine Frage. „Weißt du, wo das andere Blatt zum Auftrag hin ist? Ich finde das nicht.“ „Schau mal unter den Ordner“ Kurz darauf fand Smetti das Blatt und heftete auch dies ab ehe er noch einmal zum Telefon griff und die unbekannte Nummer wählte. „Nicolaus du Martin. Freut mich, dass sie zurückgerufen haben. Wir haben einen Stall in Norwegen und eines unserer Pferde bräuchte einen neuen Duplo-Beschlag. Wäre es möglich in näherer Zukunft vorbeizuschauen?“ Smetti brauchte einen Moment zum Nachdenken und zum Durchdenken der Termine für die nächste Woche. „Hm, ich würde den Flug morgen nehmen und wäre so gegen 15 Uhr bei ihnen und ihrem Hengst. Den Rest klären wir dann morgen.“ Der Kunde am anderen Hörer stimmte zu und legte kurz darauf auf. Dann rief er mich noch einmal an und erzählte mir, dass er den Flug in der Frühe buchen würde und jetzt noch Croatoan die Hufe machen würde. Ich antwortete ihm, dass das wohl klarginge und ich hoffte, dass er rechtzeitig wieder da sein würde, weil wir noch einiges zu tun hatten und ich gerade auf Candypies Rücken saß um sie in der Dressur zu fördern und gegenfalls ein paar Übergange zu üben wie den Stand-Schritt und den Schritt-Stand um sie langsam fortzubilden, bis wir in der neuen Heimat auf Hochtouren trainieren würden. Denn vor uns lag eine weitere Saison voller Turniere und die Möglichkeit mit Haustrainer zu arbeiten und voran zu kommen. Smetti machte sich also auf den Weg zur Weide um das Roan Getier zur Schmiede zu führen und wie immer, dauerte es so seine Zeit, da Tony einfach verdammt faul war. Auf den Turnieren musste man sie richtig überzeugen und wüsste man bei uns am Stall nicht, wie wir sie motivierten, so würde man uns höchstwahrscheinlich Doping vorwerfen. „Komm schon du Trantüte. Geht das nicht schneller?“, moserte Smetti rum. Auch er hatte heute keinen wirklich guten Tag gehabt und ihn nervte Croatoan’s langsame Art. Sie lernte zwar schnell, bewegte sich aber fast schon in Zeitlupe. So schleichend wie sie sich auch bewegte, war er froh, wenn er sie in der Reitstunde mitreiten konnte um sich durchzusetzen. „Weißt du was Tony? Ich setz mich einfach auf dich drauf“, entschlossen blieb er stehen und mit ihm auch sie und sah ihn nur verwundert an, als er ihr auf den Rücken sprang. „So ist’s fein“, lobte Smetti sie und trieb die Stute energisch vorwärts. Gleich schritt sie auch schneller voran und sie erreichten die Schmiede schneller als zu Fuß. „Geht doch. Ich glaub ich mach das auf dem Rückweg auch…“, murmelte er und band Croatoan an beiden Seiten an. Da sie sowieso stehen blieb und gleich wahrscheinlich dösend dastand, würde es so oder so keinen Unterschied machen. Der junge Hufschmied kratzte ihr erst fein säuberlich die Hufe und schaute sie sich genau an. Er kontrollierte bis hin zu den Trachten und schnitt dann ruhiger Hand aus. Sie hatte ein wenig lange Hufe und so schnitt er mehr aus als normal und raspelte sie dann in zurecht. Wie vorhergesagt döste die junge Stute bereits und Smetti hatte seine Arbeit bereits getan. Mit dem Klicken beim Öffnen der Stricke, öffnete auch unsere kleine Schlafmütze ihre Augen und sah Smetti müde an. „Ach komm schon“, lächelte er und begann die Schlafmütze zu kraulen. „Was hätte ich nur ohne dich gemacht.“ Ein paar Momente später saß er auf der Stute und trieb sie wieder zur Weide um endlich für heute Schluss zu machen. Er musste noch Sachen zusammenpacken und morgens in der Frühe aufstehen.
„Tschüss meine Kleine“, lächelte er mich an und gab mir wie immer einen Abschiedskuss auf die Stirn. Es war so unser ‚Ritual‘ geworden und es schmerzte immer ein wenig wenn er mit einer dieser Maschinen losflog um seine Arbeit zu erledigen. Dieses Mal waren es gut 5800 km bis nach Norwegen und ich machte mir, glaubte ich zumindest, mehr Sorgen als er. Auch wenn ich später auf Magic Attack noch einen Ausritt machte und Abby auf Acacia mitnahm, würden meine Gedanken wohl nur um das Wohl meines Freundes drehen.

Während des gesamten Fluges hörte er seine Playlist rauf und runter und schlief eigentlich die meiste Zeit mit den Kopfhörern in den Ohren. In Norwegen angekommen, mietete er sich erst einmal einen Jeep um mobil zu sein, morgen würde er auch wieder zurückfliegen, also wurde es nicht ganz so teuer mit dem Mietwagen. Schlafen würde er in einem günstigen Motel und auch sonst beschränkte er bei seinen Aufenthalten die Zeit auf das geringste. Er hatte jetzt noch gute 3 Stunden auf den langen Straßen Norwegens vor sich bis er die Tyrifjord Ranch erreichen würde um zu seinen heutigen Kunden zu stoßen. Auch die Fahrt gestaltete sich eher unkompliziert, nur eben verdammt langwierig. Hier und da erspähte er mal einen Elch und anderes Wild, ließ sich davon jedoch nicht ablenken. Nach langer Fahrt sah er die kleine Einfahrt vor sich und lenkte den Wagen hindurch um auf dem Parkplatz zu halten. Einen Moment genoss er noch die Ruhe und vergaß den Stress den ihn zuhause wieder erwartete. „Nur noch zwei Wochen, dann ist der Stress vergessen“, murmelte er und begab sich aus seinem Wagen, packte seine Sachen zusammen und machte sich auf die Suche nach Nicolaus du Martin aka Nico und ging erst einmal zum Haupthaus rüber, fand ihn dort aber nicht. Da er sich ein wenig schlau gemacht hatte über die Ranch, wusste er, dass dies ein Trainingshof war und versuchte es am Reitplatz. Dort wurde er auch fündig und sah wie er einen Norweger gerade abritt. „Ist das der Hengst, der neue Hufeisen braucht?“, fragte Smetti direkt und recht unvorsichtig dem Unbekannten gegenüber. „Sie haben aber recht schnell den Weg nach Norwegen zu unserer Ranch gefunden, aber leider muss ich Sie enttäuschen. Der Hengst steht gerade noch in seiner Box dort hinten im Stall. Ich bin in 5 Minuten fertig und bringe den Wallach hier auf die Weide, dann komm ich zu ihnen und bleibe bei Marid, weil er ziemlich irre ist.“ „Alles klar, ich mache mich schon mal auf den Weg zur Box und bereite meine Utensilien vor, bis gleich“, gab Smetti von sich und packte dann seine Sachen um den Stall zu betreten. Sie beherbergten hier viele verschiedene Rassen und hatten zwischendurch auch ein paar Wallache untergebracht und während er sich Gedanken machte, kam Nico auch schon vorbei um den aufgebrachten Hengst aus seiner Box zu führen. Für Smetti würde dies hier zu einer Herausforderung werden, hoffte aber inständig, dass er und das Pferd alles gut überstehen würden. Unruhig tänzelte Marid auf der Stelle und blähte Smetti gegenüber die Nüster, ehe er einmal schrill wieherte. „Ruhig jetzt!“, sagte der Mann barsch gegenüber seinem Hengst und ließ ihn zurückweichen. Der Hengst brauchte wohl die starke Hand und so blieb Nicolaus du Martin die ganze Zeit über bei Smetti und Marid und unterhielt sich mit dem jungen Hufschmied. „Wie kamen Sie eigentlich so jung an eine eigene Hufschmiede?“, fragte der werte Herr etwas barsch, doch das machte ihm nichts. „Meine Chefin hat sie mir übergeben, sie hat sich nun auf die Pferdezucht spezialisiert und zieht ihr Ding durch. Ich habe mit der Hufschmiede und unserem Umzug schon genug zu tun.“ „Kann ich verstehen. Wohin geht’s denn?“, Smetti hatte seine Neugierde geweckt. „In die Heimat meiner Freundin Rachel. Wir ziehen auf einen neu erbauten Hof in Mazedonien, nahe der Hauptstadt Skopje“, lächelte Smetti und nahm dem unruhigen Araber die alten Beschläge ab. „Achso, das Land ist mir nicht gänzlich unbekannt. Es liegt doch im Balkan oder?“ „Jap, das schon. Grenzt an Serbien, Albanien, Kosovo und Griechenland.“ Smetti hatte alle Mühe sich seine Hufe anzuschauen, da der Hengst zappelte wie eh und je. „Interessant“, sagte Nico und beruhigte, während Smetti die Hufe kürzte und anschließend raspelte, seinen Hengst. Das Feilen gelang ihm trotz Aufregung, nur beim Aufnageln der neuen Duplobeschläge gab es ein paar Komplikationen, aber auch die meisterte Smetti hervorragend. „Ich bin dann fertig.“ Smetti wischte sich etwas Schweiß von der Stirn und wischte es sich an der Schürze ab. „Der Kerl hat jetzt neue Duplo-Beschläge der Standartreihe und hat tolle Hufe.“ „Tut mir leid für die Komplikationen, er ist etwas sehr anstrengend, wobei es sich aber auch schon gelegt hat.“ Smetti sah ihn verwirrt an. „Er war schlimmer?!“ „Jap, mit mir in der Nähe geht es ja noch, aber ohne mich dreht Marid ganz ab.“ „Hallelujah“, murmelte der Hufschmied und packte seine Sachen zusammen. Nicolaus brachte in der Zeit Marid wieder in die Box. Smetti stellte noch eine Rechnung aus und machte sich dann ab. Er brauchte den Schlaf, schließlich hatte er morgen wieder einen langen Tag vor sich. Der Flug und dann wieder die Arbeit auf dem Hof mit dem Umzug und alles, all das würde wieder Stress bedeuten. Den Flug zurück würde er gut hinter sich bringen.


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Tausend Sterne am Himmel

„Meinst du Rising Star könnte gegen Ende der Woche zusammen mit Croatoan, Classic Gold, Classic Spring, Calorro und Riverside mit rüber fliegen? Also Calorro nur wenn Rising Star auch mit rüber fliegt“, fragte mich Smetti und ich schaute ihn nur nachdenklich an. „So an sich eigentlich schon. Nur würde ich den beiden dann heute noch die Hufe machen, wenn es geht. Riverside bräuchte auch neue Aluminiumeisen.“ „Ich habe hier immer so viel zu tun mit deinen Pferden. Kannst du denen nicht selber die Hufe machen?“ „Also langsam nervt mich deine Maulerei. Ich muss die Pferde trainieren die heute auf dem Plan stehen: Candypie, Balerinë, Silberstern, Attentivenly, Meister Propper, Born to Die und Itaque. Von den Fohlen ganz zu schweigen! Ich denke ich hab da einiges mehr zu tun als du!“ Ich hasste es mit ihm zu streiten, aber er musste einsehen, dass ich ebenfalls viel zu tun hatte und ob ich jetzt drei Pferden die Hufe mache oder gut 10 zu versorgen und trainieren habe ist dabei aber ein ganz großer Unterschied. „Ist okey, ich mach als erstes Risa und Calorro…“, grummelte er wütend und ging in die Küche. Unsere Möbel blieben allesamt hier und würden für einen Nachmieter da sein. Er machte sich einen Kaffee zum Mitnehmen und verließ dann mit einem lauten Knall die Tür. „Penner“, murmelte ich und zog mich rasch um. Wir hatten gerade mal 9 Uhr und so fing der Tag schon an. Der Stress tat uns beiden nicht gut. Das konnte noch was werden...

Ich nahm mir als erstes Balerinë zu Herzen, denn sie war noch immer sehr übermütig im Handling. Die Rappstute neben mir ging schnellen Schrittes fast vor mir und ich musste sie immer wieder rückwärtsrichten. Irgendwann würde sie es schon lernen. Immerhin blieb sie beim Putzen stiller als all meine anderen Pferde. So beruhigte sie mich auch gleich damit. Heute wollte ich sie nur ein wenig in den Grundgangarten in verschiedenen Bahnfiguren reiten, da sie etwas schwieriger wurde, sobald bei ihr die Rosse einsetzte. Und das war gerade der Fall. „Na komm schon“, murmelte ich und gab ein wenig mehr Druck auf die Zügel, da sie sich gerade quer stellte. Nach mehr maligen ziehen konnte ich sie dann doch überreden mir in die Halle zu folgen in der sich gerade Nicolaus, unser Trainer, mit Meister Propper ein wenig Warm ritt. Mich wunderte es nicht, dass Bali sich da nicht rein begeben wollte. Aber wenigstens im Schritt musste sie ein wenig durchhalten. Ich gurtete kurz nach und schon wurden Meister Propper die Ohren angelegt und gedroht was das Zeug hielt. „Hör jetzt auf!“, motzte ich Bali an und war kurz davor ihr eine zu donnern. Nico behielt den Fellponyhengst vorsichtshalber nur auf dem Oberen Zirkel, damit ich sie auf dem unteren Zirkel ein wenig warm reiten konnte. Als ich richtig mit der Arbeit anfangen wollte, verließ Nico die Halle vorsichtig. Nun hatten wir die Halle wieder ganz für uns alleine, bis Smetti bei uns rein schlich und mich zum Halleneingang bat. „Könntest du vielleicht Riverside und den anderen selbst die Hufe machen? Ich habe gerade einen Auftrag hier in Canada bekommen und müsste wohl heute dorthin für Zwei Hengste. Würde uns ja auch wieder Geld reinbringen in die Kasse.“ Während er sich weiter rechtfertigte oder es zumindest versuchte hatte ich meine Entscheidung schon längst fest beschlossen. „Fahr hin“, lautete meine kurze Antwort und er sah mich nur etwas verwirrt an. „O-ok“, brachte er vorsichtig raus und nahm meine Entscheidung lieber hin als diese zu hinterfragen bevor ich mich doch um entschied. „Ich pack dann gerade die Sachen und hoffe, dass ich bis morgen früh wieder da bin und dir dann bei allem helfen kann“, sagte er mir und gab mir einen Kuss, den ich ein wenig genoss auch wenn wir uns gerade erst gestritten hatten. „Bis dann, mein Großer.“ Während ich versuchte Balerinë die Schlangenlinien schmackhaft zu machen, füllte Smetti alle möglichen Vorräte des Trucks auf und machte sich dann auf den Weg zu seinem neuen Kunden Svejn. Die Fahrt alleine schon dauerte ein paar Stunden bis er überhaupt die Gips Reminder Ranch erreicht hatte und machte sich dann auf die Suche nach dem Besitzer und seinen Pferden. Die Ranch war mehr als riesig und beherbergte viele Reit und Zuchtpferde. Die Suche nach seinem Kunden erleichterte es aber definitiv nicht. Smetti wusste weder wie er noch wie seine Pferde aussahen und zum anderen auch gar nicht wo diese standen um dort auf ihn zu warten. Bis dann ein Mann mittleren Alters in einem Rolator angefahren kam. Seine schwarzen Haare waren zu einem Zopf gebunden und die Seiten waren rasiert, ähnlich kurz wie meine, nur, dass ich einen Undercut besaß. „Sie müssen der Hufschmied sein“, sagte er etwas grimmig dreinschauende Mann und bei genauerem beobachten sah ich das der Mann eine Schiene am rechten Schienbein trug und wohl nicht auftreten konnte. Gekleidet war er ganz in Schwarz und würde Rachel ihm wohl in der Nacht begegnen hätte sie wohl eine Heidenangst gehabt. Aber das hatte sie ja öfter. „Ich bringe sie dann gerade zu meinen zwei Hengsten“, grummelte er und Smetti fühlte sich nicht gerade wohl, da er Svejn nicht einschätzen konnte. „Bekommt Verena nicht auch ein Pferd von ihnen wieder?“, fragte er den jungen Mann und schaute ihn neugierig an. „Ja, woher wissen sie davon? Der Anhänger ist auch schon mit dem Pferd geladen auf dem Hof. Ich hatte Verena vorhin Bescheid gegeben, dass sie sie ausladen soll. Das Pferd hasst mich. Die einzige, die sie irgendwie von Weide zum Stall bringen konnte war Rachel und das auch nur, weil sie konsequenter ist und sich nicht unterbuttern lässt von ihren Pferden…“, sprudelte es nur so aus Smetti heraus. Svejn grinste nur und schmunzelte. „Dann habe ich ja richtige Schätze.“
Ich hatte mich bereits mit Balerinë auseinandergesetzt und sie auf die Weide zu Acacia, Born to Die und Croatoan gestellt um mich dann um Silberstern zu kümmern, welchen ich heute ein wenig ausritt. Er machte sich super unterm Sattel, sehr gelehrig und auch sonst zeigte er sich super kooperativ. Abby ritt zurzeit Candypie auf der Bahn und versuchte die Runde immer schneller zu absolvieren.
Smetti hatte sich in der Zeit schon mit Smaug beschäftigt und ihm seine Hufe gekürzt. Smaug war währenddessen ganz ruhig geblieben und schaute nur hier und da mal zu dem Hufschmied herunter. Auch beim Feilen am Ende schaute der Hengst wissbegierig dabei zu wie ihm die Hufe gefeilt wurde, ähnlich einer Pediküre beim Menschen. Der zweite Hengst war Thjalfe, ein komischer Mix aus Warmblut und Shire horse, dass Smetti so noch nicht gesehen hatte, wobei er einen Weideunfall vermutete. Auch er war so gelassen wie Croatoan, zumindest waren sie von der Gelassenheit sehr vergleichbar. Auch seine Hufe waren gut in Form, nur beschlich Smetti ein unangenehmer Verdacht einer schleichenden Strahlfäule und beim Kürzen der Hufe fiel es ihm immer mehr auf. Er machte die Hufe rasch fertig und lief zum Auto um eine Salbe gegen Strahlfäule zu holen. Diese sollte Svejn 2x täglich auf die Hufe schmieren, dann sollte das wieder im Griff sein. „Ich stelle ihnen die Rechnung aus und mache mich gerade auf die Suche nach Verena.“ Svejn nickte und warf einen Blick auf die Rechnung, welche Smetti ihm ausgestellt hatte. Während Smetti nun Verena suchte, brachte ich Silberstern in die Box und rief kurz bei Smetti an. Es klingelte eine Weile bis er dranging und auch unsere Unterhaltung fiel eher kühl aus. Er hatte Raised from Hell mitgenommen um sie dort abzusetzen und Wolfs Bane nach dem Einreiten wieder mitzubringen. Ich wusste auch nicht was er dort so lange tat. Klar waren die Hin- und Rückfahrt ziemlich lang, dennoch wusste ich irgendwoher, das alles länger dauern würde als gedacht. Ich schnappte mir nun Rising Star um ihr die Hufe zu feilen und auch ihren Sohn Calorro würde ich die Hufe kurz kontrollieren. „Hey Verena, hast du Raised from Hell ausgeladen bekommen?“, fragte Smetti die Ranchleitung und sie nickte. „Na klar, anstrengend ist sie aber immer noch. Ich hätte da noch ein paar Verkaufspferde, wenn du magst kannst du sie dir mal anschauen.“ „Klar, warum nicht“, zuckte er mit den Schultern und folgte der bekannten Züchterin. Sie hatten viele Pferde zu verkaufen und in den Stallungen waren einige Hübsche Tiere dabei. Darunter auch Dynur, welcher vor kurzem erst unseren Hof verlassen hatte und ein Schimmelscheckhengst, welche mit neugierigen Augen zu Smetti sah und seine Ohren aufmerksam nach vorne richtete. „Wer ist denn der Hübsche da?“, dachte er laut und las genauso laut auch den Namen des Schildes aus. „Ist der wirklich so wie sein Name vermuten lässt?“, fragte er vorsichtig und richtete seinen Blick auf die Gestütsleitung. „Nein, er ist ein ganz lieber. Den kann man auch mit anderen Hengsten auf die Weide stellen. Unterm Sattel ist er auch ein Schatz.“ „Hmm.“ Und weiter ging der Weg durch die riesige Stallung und er sah viele verschiedene und auch tolle und erfolgreiche Pferde, welche nun einen neuen Besitzer suchten, doch der Sympathy fort he Devil ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Sag an, was willst du für den Guten von eben?“, fragte er gerade heraus. „9000“, sagte sie direkt und er schluckte. „Sagen wir 8000 und ich mache zwei deiner Pferde die Hufe. Heute noch!“, feilschte er und sie stimmte ein. Rachel würde es nicht wirklich gefallen das Smetti Geld ausgeben würde, aber er passte so gut zu ihm. „Ich bring dich dann zu den zwei Pferden, die die Hufe gemacht brauchen. Wobei… du brauchst sicher die Aluminium-Hufeisen. Ich bring sie besser zu deinem Wagen. Dann hast du ja alles dort“ „So geht’s auch“, lächelte er und machte sich auf den Weg zu seinem Wagen. Erneut rief ich Smetti an um zu sehen wo er blieb und ob er schon losgefahren sei, doch er erzählte mir nur was von ich solle ihm nicht böse sein und von wegen, dass ich nicht allzu lange wach bleiben sollte. Langsam machte er mir ein paar Sorgen und ich wusste nicht wohin uns das führen sollte oder auch würde. Immerhin konnte ich mich jetzt auf Attentivenly einlassen, da sie bald wohl auch auf einer Körung ihr Können und auch ihr Temperament zeigen und heute gab mir Nico eine Stunde auf ihr, damit ich sie ein wenig besser arbeiten konnte und so auf die Körung vorbereiten konnte. Sie machte sich zwar super unterm Sattel, konnte aber die Hölle am Boden sein mit ihrer Aufmerksamkeitssuchenden Art. Doch daran sollte es nicht liegen, ich fragte mich nur wann mein Freund seinen Weg nach Hause finden würde…
„Das ist Drama Baby, die ist noch neu hier. Ich hoffe er stellt sich gut an.“ Der junge Hufschmied nickte nur und sah sich die Hufe des Vollblüters an. Sie waren eigentlich ganz in Ordnung, nur etwas aus der Form. So schnitt er nur sehr vorsichtig die Hufe aus und raspelte sie dann um sie in die Form zu bringen. Auch beim feilen gab er sich wie bei jedem Mal Mühe und lobte den Vollblüter neben sich. Dann schaute er welche Aluminium-Eisen ihr passten und nagelte diese ebenso vorsichtig an. Beim Vortraben ergab sich keine Taktverschiebung und so sahnte das Pferd ein Leckerli ab und mir wurde der nächste und zum Glück auch letzte gebracht. Er hatte den Namen ‚Turf Runner‘ und war ein interessanter Brauner und Smetti vermutete ein Splash-Gen. Auch seine Hufe sahen ihn Ordnung aus, waren auch super in Form, sodass er nur Raspelte und feilte. Turf Runner schaute ihn nur aufmerksam an, als er auch ihm die Aluminium Hufeisen anbrachte. Die leichten Hufeisen waren nicht gerade die einfachsten wenn es darum ging sie anzubringen, doch bis jetzt hatten wir immer Glück gehabt. „So der Gute ist dann auch fertig“, lächelte er mit einem breiten Grinsen und nahm einen Batzen Geld aus der Hosentasche. „Ich habe vorhin noch einmal nachgezählt. Sind genau 8000.“ „Alles klar, wir machen gerade die Unterlagen und dann verladen wir deinen Hengst für den Nachhauseweg.“ Gemeinsam luden wir Dash ein und ich klopfte dem großen neben mir auf die Schulter. „Das wird eine lange Fahrt“, murmelte er seinem neuen Begleiter ins Öhrchen und schloss die Hängerklappe. Dann fuhr er auch schon los. Bis er ankommen würde, würde es wohl schon morgen sein.
Ich hingegen hatte Classic Spring nun doch verkauft. Es tat mir um Classic Gold nur etwas sehr leid, es war schließlich ihr Fohlen… aber auch mit dem ersten Fohlen hatte es keine Probleme beim Absetzen gegeben, also hoffte ich auch dieses Mal drum. Die letzten Stunden hatte ich einiges geleistet: Rising Star hatte die Hufe gekürzt bekommen, Calorro nur eine kurze Kontrolle, er war schließlich erst 2 Monate alt und Rohdiamant wurde zum Spazieren von Abby entführt. So langsam begann es auch zu dämmern und ich brachte mit Abby langsam die Pferde rein. Erst die Fohlen, dann die Stuten und zum Schluss die Hengste. Ich wunderte mich etwas als Abby eine neue Box einstreute, zuckte jedoch nur mit den Schultern und ging dann ins Haus um auf Smetti zu warten. Erst spät in der Nacht legte er sich zu mir ins Bett und nahm mich in den Arm um mich zu ihm zu ziehen und ich murmelte nur was vor mich her. Völlig im Schlaf versunken. Wenn er nur wüsste, dass ich ein Pferd schon sicher gekauft hatte und uns schon in der neuen Heimat erwartete und ich auf weitere 2 geboten hatte. Er würde mich umbringen wollen. In einer Woche würden wir alle vom Hof im neuen Heim sein. Die Flüge waren gebucht und alles bezahlt. Jetzt hieß es nur noch abwarten.

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