[08] Irgendwo muss ich das loswerden

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 419

Inspiriert von Leaenna <3

Das Jahr 2017 steht irgendwo zwischen Wahnsinn und Verzweiflung, Glück und Ängsten.

Das Jahr 2016 war wundervoll...schwierig aber alles in allem gut, ich hatte mir ein Pferd gekauft, wir haben alle Barrikaden überwunden, ich fühlte mich stark.


Und dann flog ich von ihr herunter. Ich stellte 2017also in den Dienst der Überwindung...der Überwindung von Angst, ich wollte nicht länger in Angst leben.

Doch 2017 begann mit einer Verletztung...und wenn es eines ist das ich hasse, sind es Dinge die mich einschränken. Mit dem angerissenen Kreuzband habe ich trotzdem weiter gemacht wie zuvor, bin geritten - mit Schmerz. Und mein Pony hat es mir auch nicht einfacher gemacht, denn sie hat sehr genau gespürt - einiges kann ich einfach nicht tun. Also habe ich fast ausschließlich vom Boden aus mit ihr gearbeitet, versucht irgendwie mit meinem verletzten Knie klar zu kommen.

Allerdings stellte sich schnell heraus - es ist nicht nur das Knie, mein ganzes rechtes Bein ist mitgenommen. Durch das Turnen, durch einen anderen Sturz im Jahr 2011. Durch die Schonhaltung fingen nun auch andere Sehnen an zu schmerzen beim laufen. Aber ich biss mich da durch, zum Sommer hin hatte ich das Gefühl - jetzt wirds! Beim Pferd hätte es zumindest vom Boden aus nicht besser laufen können.


Nach den Zwischenprüfungen im April fiel bei mir auch endlich ein gewaltiger Druck von den Schultern, außerdem hieß das - Endspurt zur Ausbildung! Aber die Arbeit stellte eine erste Belastung dar, es fing klein an...zu dem Zeitpunkt habe ich es nicht wahr genommen.


Im Mai traf ich auf einen alten Bekannten, mit ihm hatte ich schon einmal Kontakt gehabt, er lud mich ein zum Mitsommerlager. Ich spürte was mir seit 2014 gefehlt hatte...Kontakt zu Menschen die das Thema “Wikinger” mit mir teilten. Und...das Bogenschießen. Vor allem aber hatte ich endlich auch einen Sport den ich betreiben konnte, OHNE Schmerzen im Bein! War ich also nicht gerade im Stall, verbrachte ich meine Zeit in meiner Sippe. Ich bin ein Meister der Verschleierung...ich fühlte mich glücklich, lebte.

Meine Schlaflosen Nächte, der Streit mit meinen Eltern nahm zu. Und dann traf ich einen Typen der alle Mauern einriss...vom ersten Moment an war es anders. Brander berührte mich in einer Art und Weise wie es mir bisher nicht passiert war...und ich begann meine Mauern, all die Gefühle die ich Jahrelang begraben hatte offen zu legen und damit begann das seelische Leid.Langsam und kriechend.

Ich erkannte was ich war, was ich den Leuten um mich herum antat...vor allem meinen Eltern und die Wahrheit gefiel mir absolut nicht. Aber anstatt daran zu arbeiten stürzte ich mich weiter in die Arbeit mit Samira, reiten klappte noch immer nicht, einfach weil sie manchmal noch gegen mich arbeitete und ich mit Schmerzen auf ihrem Rücken saß - absolute Katastrophe.

Im September habe ich dann beschlossen das liegt am alten Stall,habe mein Pony in den Hänger verfrachtet und bin umgezogen. Dort lief es zunächst besser. Ich bekam von der Hofbesitzerin dort die Erlaubnis mit ihren Isländern zu arbeiten. Ich lernte Erill kennen...ein Wallach der sehr hochsensibel ist.

Seine erste Reaktion auf mich war Flucht. Pia rief mir dann zu ,dass ich ganz ruhig ran gehen muss. Ich war etwas verwirrt - noch langsamer konnte ich ja gar nicht laufen!

Ich wurde etwas frustriert, so schwer konnte das doch nicht sein! Als es nicht klappte hab ich mir dann also Pias anderes Pony geholt. Später habe ich Pia und Erill beobachtet, ich verstand was sie mit der Ruhe meinte. Ulfi, das Pony das ich nun genommen hatte, war wie Samira.

Dabei ging es um Energie. Einen Morgen danach, bevor die Schule begann bin ich also dort in den Paddock. Blieb etwa 10 Meter entfernt von allen stehen und begann zu meditieren. Begann meine gesamte Energie hinunter zu regulieren, die Frustration, die Angst, die Wut darauf das mein Körper nicht machte was ich wollte. Und als ich meine Augen wieder öffnete stand dieses Pony vor mir, noch immer unsicher, aber er war da...und ich hab angefangen zu weinen. Ich spürte eine plötzliche Leichtigkeit die ich sehr lange nicht gehabt hatte...eine Leichtigkeit die ich in der Arbeit mit Samira nie erreicht habe. Denn bei ihr muss ich 110% da sein, keine Ablenkung, denn sonst arbeitet sie direkt gegen einen. Erill war anders...er wollte arbeiten, aber nicht mit jemandem dessen Energie eine Art von Aggressivität beinhaltete.

Und zum ersten Mal in Wochen und Monaten sah ich klarer. Diese Realisierung brachte aber etwas anderes zum Einsturz….das was Brander begonnen hatte, riss mir Erill so plötzlich unter den Füßen weg. Und ich stürzte ungebremst auf die Wahrheit zu - ich war am Ende, mit mir, mit meiner Umwelt. Ich hatte mir selbst Lügen erzählt über das was in mir vor ging.


Oktober und November waren hart...ich war kaum auf der Arbeit, ich war krank geschrieben, sobald ich unter Menschen ging hatte ich Panikattacken, Anfang November einen Nervenzusammenbruch. Ich hatte so viel Zeit darauf verwendet anderen etwas zu beweisen, mein Pony hin zu biegen, dass auch andere mit ihr umgehen können und sie reiten, so viel Zeit darin investiert neben der Ausbildung noch zu arbeiten damit ich mir dieses Pony auch leisten kann. Ich hatte irgendwo unterwegs mich selbst verloren….


Ich hatte Krisengespräche...mit meinen Eltern, anderen Leuten aus der Sippe, Freunden...auch Gespräche mit alten Bekannten. Und ich traf eine Entscheidung, die mir zunächst das Gefühl gab, mir das eigene Herz aus der Brust zu reißen.

Der Verkauf meinen geliebten Ponys.

Es fühlte sich an wie versagen, ich machte mir unfassbare Gedanken. Diese Entscheidung ist auf den Tag einen Monat her. Ich fange an klarer zu sehen...ich kann mich momentan nicht um mich selbst kümmern, ich fühle mich noch sehr viel weniger bereit ein Lebewesen zu pflegen. Klar...sie kann auch meine Therapie sein, aber da ist noch immer das Problem mit dem Knie. Vorerst darf ich gar nicht auf´s Pferd...bzw. Sport überhaupt geht nicht. Nach längeren Strecken beginne ich zu humpel. Meine Sehnen sind so instabil, das mir derletzt die Hüfte ein wenig aus der Pfanne gerutscht ist...und das alles verkrampfte. Ich saß daher komisch auf Samira,was sie dazu veranlasste zu buckeln und ich wieder flog. Ich habe nach wie vor keine Angst auf ihr zu sitzen..keine Angst vor dem Buckeln, dem Steigen. Wovor ich aber Angst habe ich so schwer zu stürzen das ich tatsächlich nie wieder auf ein Pferd steigen darf/kann.

Rückblickend kann ich auf alles was wir geschafft haben bis hier her stolz sein. Ich durfte sie nicht anbinden, nicht neben ihr laufen, sie hat sich manchmal los gerissen - letztens hat eine 3 jährige sie glücklich geführt. Aber ich sehe nun - ich bin noch nicht “der” Mensch auf ihrer Reise. Meine Aufgabe besteht jetzt darin ihr ein gutes zu Hause zu suchen. Danach bedeutet das für mich - mich selbst wieder zu finden. Und ich glaube das kann eine ganze Weile dauern. Jetzt fühlt es sich nicht an wie aufgeben, diese Entscheidung ist der erste Schritt.
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