1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

[04] Der dunkle Riese

Geschrieben von vampyrin im Blog väämps Blog ^^. Ansichten: 911

April 2016 - Finnland

„Das soll doch wohl ein Scherz sein oder?!“, fassungslos deutete die junge Frau auf den Schwarzwälder Fuchs neben ihr. „Nein, wie kommst du darauf?“, erwiderte ich freundlich. „Weil das ein verdammtes Kaltblut ist! Und mit dem willst du ein Sportgestüt aufziehen?“
„Aber warum denn nicht?“
„Papa.“, sie schien fast den Tränen nahe. „Wir wollen doch Erfolg haben oder nicht? Dann können wir doch nicht mit dem dicken Vieh auf Turnieren antanzen, die werden uns auslachen! Wir brauchen richtige Sportpferde! Warmblüter! Im besten Falle mit ordentlicher Abstammung. Er ist das absolute Gegenteil von dem was wir brauchen!“, missmutig schob sie den gewaltigen Kopf zur Seite, dessen neugierige Schnauze an ihrer Jacke herumknabberte.
„Barockpferde sind immer etwas kräftiger. Aber er hat Talent, das kannst du mir glauben!“
„Barock? Das ist kein Barockpferd mehr, das ist ein dickes, fettes Kaltblut! Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung dass du nichts als Spott ernten wirst wenn du mit diesem Vieh“, wieder schob sie energisch den Kopf zur Seite, „wenn du mit diesem Vieh auf einem Dressurturnier vorreitest! Die Richter werden dich auslachen, ich selbst lache solche Leute aus!“

Ich seufzte. Ihr fehlte einfach das Verständnis für diese schönen Tiere. Hilfesuchend blickte ich zu Hannes, der nur ratlos die Schultern zuckte. „Wie kommst du eigentlich darauf? Früher hatten wir doch auch vernünftige Pferde, woher kommt der plötzliche Umschwung?!“, sie konnte es nicht lassen mir die Sache auszureden, dass das Tier bereits praktisch in meinem Besitz war verschwieg ich jedoch vorerst. „Weil ich sie Leid war! Immer diese Einheitsbrei-Pferde. Ich möchte etwas mit Charakter und über die Jahre hinweg habe ich mich mehr und mehr mit diesen schönen Tieren beschäftigt und sie sehr lieb gewonnen.“
„Einheitsbrei hin oder her! Leistung ist das was zählt. Und du willst keinen Bauernhof aufmachen, sondern ein Sportpferdegestüt!“
„Sie ihn dir doch erst mal an. Zeig ein bisschen Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Dingen.“, grinste ich. „Komm, ich zeig dir mal wie er toll er Laufen kann.“ Ihr Augenrollen, als ich mich abwandte konnte ich förmlich spüren auch wenn ich es nicht sehen konnte. „Viljo, wärst du so nett?“, wandte ich mich nun an den Herren mittleren Alters, der unserer Diskussion bisher schweigend beigewohnt hatte. Er nickte nur kurz und verschwand mit dem großen Hengst in Richtung der Ställe. Hannes und ich folgten ihm und auch Maira entschloss sich nach kurzem Zögern hinterher zu dackeln. Viljo tauschte in Windeseile das Halfter gegen einen Kappzaum aus, packte sich die Longe und wies uns den Weg zum Reitplatz. Hier nahm ich den Hengst entgegen und ließ ihn zu Beginn im Schritt um mich herum laufen. Nach und nach führte er so alle Gangarten vor. Für einen Hengst seines Alters war er sehr gut erzogen auch wenn er sich einen kurzen Ausbruch des Temperaments nicht entgehen ließ. „Na beeindruckt?“, rief ich zur Bande rüber, wo sich die ‚Kinder‘ an den Zaun gelehnt hatten. Maira hatte den Kopf auf den verschränkten Armen niedergelassen und folgte dem Fuchs mit missmutigem Blick. Hannes sagte irgendwas zu ihr und lachte, doch ich konnte nicht verstehen was. Offenbar allerdings nichts was ihr sonderlich gefiel, ihrem bösen Funkeln in seine Richtung nach zu folgern. „Hooo.“, rief ich mit ruhiger Stimme um den Hengst durchzuparieren. Er schnaubte einige Male und schüttelte die prächtige Mähne. „Und unter dem Sattel?“, hörte ich meine Tochter aus der Ferne rufen. Bevor ich antwortete holte ich den Fuchs zu mir her, tätschelte ihm belohnend den Hals und rollte die Longe auf, bevor ich mich zu den anderen an die Bande gesellte. „Er ist noch nicht allzu lange unter dem Sattel.“

Maira ließ die Stirn verzweifelt auf die Arme sinken und verblieb einige Minuten in dieser Position, bevor der Kopf wieder hochschnellte. „Das ist also dein Plan? Erfolgreiche Sportpferde ausbilden.. und das erste was du dir anschaffst ist ein dickes Kaltblut, das nicht einmal EINGERITTEN ist?!! Wie lange hast du denn bitte vor so rum zu vegetieren bevor etwas Geld in die Kasse kommt? Rohe Pferde bringen kein Geld, SIE KOSTEN NUR!“
„Oh, er ist nicht roh. Du siehst ja wie schön er sich schon longieren lässt, ist bereits etwas am langen Zügel gearbeitet und hatte auch schon ein-zweimal einen Reiter auf dem Rücken.“, mit seligem Blick strich ich dem Hengst über die weiche Nase, während Maira den Kopf wieder und wieder auf die Arme fallen ließ. „Pass auf, dass du keine Kopfschmerzen kriegst.“, scherzte Hannes und erntete einen weiteren düsteren Blick. „Wir müssen jetzt mal Klartext reden.“, setzte sie an. „Das geht so nicht. Wir brauchen gerade für den Anfang eine kleine Sammlung vernünftiger, erfahrener“, dieses Wort betonte sie besonders. „Pferde. Im Besten Falle sollten sie schon das ein oder andere Turnier erfolgreich gemeistert haben und eine vernünftige Abstammung besitzen, damit wir sie später teuer weiterverkaufen können. Immerhin sind wir keine Aufzuchtstation. Der hier“, sie deutete auf den Hengst. „passt da absolut nicht rein. Ich fürchte den wirst du dir aus dem Kopf schlagen müssen.“
„Oh so einfach ist das nicht. Weiß du, es ist nicht so als würde sein Kauf zur Debatte stehen. Eigentlich ist der schon abgeschlossen und Viljo hier wartet nur noch auf die Zahlung.“
Ihr blieb die Kinnlade offen stehen.
„Und bevor du jetzt etwas in den falschen Hals kriegst, das Ganze stand schon fest bevor du mit an Bord warst. Du hast also keinen Grund dich verraten zu fühlen.“, damit war die Sache für mich erledigt.

Sie schien zu einer weiteren Schimpftirade anzusetzen, schloss dann den Mund und blickte resigniert auf ihre Finger. Ein lautes (etwas zu theatralisches) Seufzen war zu hören. „Was hab ich mir da nur angetan?“, murmelte sie und wandte sich ohne ein weiteres Wort ab. Langsam ging sie in Richtung des Wagens, dabei brummelte sie weiterhin unverständliche Worte vor sich hin. „Die fängt sich schon wieder.“, winkte ich ab, als ich die erwartungsvollen Blicke sowohl von Hannes als auch Viljo auf mir spürte. „Bringen wir den Prachtburschen mal wieder zu seinen Freunden.“

Maira schwieg die ganze Heimfahrt über hartnäckig. Jeder Versuch sie aus der Reserve zu locken war vergebens, also gaben wir schlussendlich auf. „Wie heißt er eigentlich?“, fragte Hannes plötzlich. Tatsächlich hatte ich ihm den Namen des Hengstes nie gesagt. „Finsterforst, das ist wohl ein deutscher Name. Viljo hatte mir da mal irgendwas erzählt. Scheint eine Region in Deutschland zu sein und so viel wie schwarzer Wald zu bedeuten wenn ich mich nicht irre, übrigens auch die Heimat dieser Rasse. Mehr kann ich dir dazu aber auch nicht sagen.“, kicherte ich leise.
„Hmm.. das kommt mir doch von irgendwoher bekannt vor..“, murmelte Hannes und auch er schwieg von diesem Zeitpunkt an, versunken in seinen Gedanken.
Dir, BearBrook, Julie und 4 anderen gefällt das.
  • Eddi
  • Ravenna
  • vampyrin
  • vampyrin
  • Eddi
Du musst eingeloggt sein um ein Kommentar zu schreiben.