[01] Ein ganz neuer Anfang

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 715

Mit der Hand drehte ich das Glas um seine eigene Achse, dabei sah ich der Flüssigkeit in dessen Bauch neugierig zu. herum,herum,herum.

"Dein wievieltes Glas ist das,Kumpel?" Vernichtend sah ich den Typen hinter der Bar an, beziehungsweise sollte es das werden allerdings war die Bewegung des Kopfes zu viel da sich mir alles drehte. "Höchstens 3!"nuschelte ich, wobei mich die vier leeren Gläser neben mir und das fünfte in meiner Hand lügen straften. Mist du bist echt betrunken!

In mein Blickfeld bewegte sich eine Hand, die Stimme des Typen vorderte den Autoschlüssel. Erstaunt sah ich ihn an,verkündete in meiner besten Stimme "Ich werd schon nicht fahren!", die Hand blieb wo sie war "Um sicher zu gehen nehm ich deinen Schlüssel, wenn du nüchtern bist kannst du sie wieder haben." Mürrisch warf ich ihm die Schlüssel meines klapprigen Wagens entgegen.

Der Abend war für mich gelaufen,also orderte ich noch einen Whisky überlegte wie ich ohne Navi jetzt zurück nach Inverness kommen sollte. Für ein Taxi hatte ich nicht mehr das Geld. "Fährt noch ein Bus?"fragte ich als der Typ gegen 3 Uhr langsam begann den Pub zu schließen, leider schüttelte er den Kopf. Also verschwand ich auf Puddingbeinen in die nasskalte Nacht von Edinburgh. Zumindest hatte ich hier sowas wie einen Schlafplatz. Es dauerte zwei Stunden bis ich den Pensionsstall fand den ich für meim Pferd gemietet hatte bis ich etwas in Inverness gefunden hatte. In meinem derzeitigen Zustand kümmerte ich mich nicht darum was alles in der Box herum lag. In eine Regendecke und die Abschwitzdecke meines Pferdes gewickelt legte ich mich todmüde zu ihm in die Box. Wieso ich eigentlich noch hier war...tja das fragte ich mich seit knapp zwei Monaten. Und dieser Gedanke hielt mich trotz der Müdigkeit noch eine ganze Weile wach. Momentan spielte ich Fremdenführer in einem Museum hier in Edinburgh. Die Ausstrahlung der Serie Outlander sorgte dafür das Frauen aus aller Herren Länder ihren Urlaub nach Schottland verlagerten um ihrem Traum im Kilt zu begegnen. Deswegen hatte man alle Mitarbeiter vor einem Monat dazu angehalten einen Kilt zu tragen gleich im Zusammenhang mit einer Namensänderung jeder hatte den Namen einer historischen Figur verpasst bekommen.

Seit dieser Umstellung hasste ich diesen Job, noch mehr verabscheute ich jedoch die gierigen Blicke der Frauen. In Gruppen standen sie beisammen um zu rätseln was die “Schotten” unter ihrem Rock trugen. In zwei weiteren Punkt erschütterte ich sie ebenfalls, mir wuchs kein “feuerrotes Haar” auf dem Kopf und ich war alles andere als ein Highland Hüne. Ich für meinen Teil trug unter dem Kilt auch weiterhin meine Boxershorts, nachher legte ich mich auf die Fresse und jeder konnte etwas sehen. Schließlich war ich auch kein waschechter Schotte, nur eingewandert. Da ich allerdings einen Job brauchte, die Suche bisher erfolglos gewesen war und ich nunmal meine Pension und die Kosten für mein Pferd zu tragen hatte musste ich vorerst bei diesem bleiben. Braum war im Moment noch das einzige was mir noch geblieben war.

Vor zwei Monaten war ich meiner Freundin hinterher nach nachgezogen, die seit zwei Jahren hier studiert hatte. Geplant war im Frühjahr unsere Hochzeit. Jetzt schlief ich vollkommen besoffen in der Box meines Hengstes und versuchte die wenigen Scherben auf zu sammeln. Nur weniger Wochen nach meiner Ankunft hier hatte sie unsere Beziehung für beendet erklärt, mich aus der Wohnung geworfen und ich hatte nichts mehr gehört. Im Prinzip trauerte ich nicht darum das sie fort war. Allerdings hatte ich meinen gut bezahlten Job, meine Wohnung und etliche Freundschaften aufgegeben und saß hier jetzt erstmal fest. Das Pferd verkaufen kam nicht in die Tüte, allerdings hatte ich auch nicht das Geld die Transportkosten noch einmal aufzubringen. Ich wohnte in einer komplett überteuerten Pension, fand keinen sinnvollen Job und das wenige Geld das ich besaß versoff ich in den Pubs der Stadt. Svejn du bist am Arsch. War so ziemlich der letzte klare Gedanke den ich vor dem Einschlafen noch von mir gab.


Der nächste Tag begann mit dröhnenden Kopfschmerzen, dem Geruch nach Pferdescheiße und ein stetiges “Klopfen” auf meine Leistengegend. Ich musste nicht den Kopf heben um zu wissen das mich Braum gerade angeschissen hatte. Das machte so ziemlich das aus wie es mir ging - beschissen. Trotzdem half es alles nichts, ich erhob mich auf die Füße und hatte zumindest das Glück das meine Kleidung unversehrt geblieben war. Die Äpfel schüttelte ich in die Box, hing die Decken über die Tür und betete einfach das sich um diese Uhrzeit keiner im Stall befand. Dem war natürlich (!) nicht so, der ältere Mann sah mich verwirrt an, ich nickte freundlich und flüchtete aus dem Stall. Das würde ein Scheißtag auf ganzer Linie werden, da war ich mir sicher. Bei dem Pubbesitzer rief ich an, bekam zumindest den Schlüssel meines Wagens und konnte damit nach Inverness zurück fahren um mich auch umzuziehen. In der Pension duschte ich, warf einen Cocktail an Kopfschmerztabletten ein (gesund war etwas anderes) und begab mich zum Frühstück das mir Mrs. Gibbons immer zurecht stellte. Zwar war es noch nicht fertig als ich in die kitschig eingerichtete Küche kam, aber sie war emsig dabei. Auf dem Tisch lag eine Zeitung vom Vortag, die ich wahllos in der Mitte aufschlug und zu lesen begann.


Craighnure, 5.11.2015


In der letzten Woche berichteten wir bereits von dem Gasleck das einer jungen Familie das Leben kostete. Jetzt wurde der Sachverhalt geklärt [...]



Ich überflog den weiteren Text nur ohne den Inhalt aufzunehmen bis ich auf das Wort Pferd stieß

[..] Sarah McAlistair und ihr Mann besaßen selbst einige Pferde und einen Trainingsstall, der jetzt aufgegeben werden muss. Fast alle der Pferde kamen bisher bei freiwilligen Helfern unter. Zur Zeit wird nur für den halbblinden Bucks ein zu Hause gesucht, der sich bisher auf einem befreundeten Hof der Familie in Inverness befindet. Dort sind auch vorerst die Trainingspferde untergebracht, die Familie McAlistair betreut hat. Bis zur Abholung durch die Besitzer werden sie dort verweilen.

Tracy McFayden



Anbei befand sich ein Bild des Pferdes welches ganz offensichtlich Bucks darstellen musste. Ein Schecke mit etwas angefressener Mähne der ziemlich verstört in einer Ecke stand. Selbst als mein Essen von Mrs. Gibbons neben mich gestellt wurde starrte ich auf das Bild des Pferdes. Der Hof wo er stand befand sich hier in Inverness...hier gab es nicht allzu viele Höfe. Der Scheißtag wandelte sich als mein Arbeitgeber anrief und die Führung für heute absagte, damit hatte ich unerwartet einen freien Tag und setzte mich in mein Auto. Damit machte ich mich auf die Suche nach dem Hof. Ich brauchte einen besseren Stellplatz für Braum, zusätzlich noch ein Pferd das ihm Gesellschaft leisten konnte. Irgendwo auf einem der vier Höfe hier gab es ein Pferd namens Bucks, dessen Aussehen mich in den Bann gezogen hatte.


Zwei Stunden und ebenso viele Höfe später stand ich auf dem von einem Herren namens Aldaire McConnor und damit auch endlich auf dem richtigen. Von hier habe wohl die Besitzerin stets ihr Mineralfutter her gehabt. Zumindest hatte mir das der Herr erzählt.

Er hatte mich erst einmal abgestellt bei seiner Frau, anschließend hatte er mich zu dem Offenstall geführt in dem der Wallach stand. “Das Kerlchen hat wohl ziemlich viel schlechtes durchgemacht. Keine guten Besitzer, dann ist er ein halbes Jahr vollkommen verschreckt auf der Insel Mull umher gelaufen und zu allem übel von Wölfen angegriffen worden. Dazu ist Bucks auch noch fast komplett blind, was seine sowieso schreckhafte Art noch schwieriger macht. Bisher will ihn keiner haben, aber hier bleiben kann er ja auch nicht. Also das schon aber mein wir haben hier Rinder und keine Pferde. Eine Weile kann er natürlich allein bleiben, aber für immer ist das nichts! Schließlich holen die Besitzer bald ihre Tiere hier ab.” erzählte der Mann mir als habe er einen Wasserfall verschluckt, mein Entschluss dabei stand schon fest. Die Wiese und der angrenzende Paddock besaßen Wasseranschluss, ein überdachten Unterstand und ein Schattenplatz unter der großen Linde. “Mister McConnor, ich bin Pferdebesitzer, habe bis zum letzten Jahr als Trainingsjockey gearbeitet und würde mich gern um Bucks kümmern. In den Geschmack eines eigenen Hofes werde ich jedoch nicht kommen. Wären sie dazu bereit mir den Paddock, die Wiese und den alten Reitplatz zu verpachten? Dann könnte ich meinen Hengst hierher stellen zu Bucks und beide hätten endlich die Gesellschaft die ihnen zusteht.” Während ich erzählte zogen sich die buschigen Augenbrauen des Herren zusammen, doch nicht weil er wütend wurde das schien zu passieren wenn er Lächelte. Dann traf mich seine schwere Hand fast schmerzhaft auf der Schulter, der Schwung veranlasste das ich einen Schritt nach vorn machen musste “Mein Junge, das ist eine fabelhafte Idee! Außerdem haben wir ein altes Gästehaus das seit Jahren leer steht, es muss ein bisschen was getan werden und ist nicht sonderlich groß, aber darin können sie gern wohnen. Die alte Mrs. Gibbons muss sich einen anderen Gast suchen. Außerdem hätte ich vielleicht ein weiteres Angebot für sie, mein Sohn kümmert sich momentan um die anderen Pferde, aber er hat nicht die Zeit dafür. Falls sie mal Pferde trainiert haben, kontaktieren sie die Besitzer. Wer weiß vielleicht lassen sie sich überreden das sie weiter machen können wo die junge Frau McAlistair aufhören musste.”


Die nächsten Stunden flogen vorüber wie in einem Traum, plötzlich besaß ich einen Platz für Braum, ein neues Pferd und vor allem wieder eine Perspektive. Sobald alles mit meinem Umzug durch war, wollte ich die Besitzer der Pferde fragen ob sie auch mit mir vorlieb nehmen würden.

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Mein Charakter "Sarah" hat mich die letzten (fast) 5 Jahre auf Joelle begleitet, die letzten zwei Jahre habe ich eine tolle Geschichte geschrieben. Langsam gingen mir die Ideen aus, es wurde langweilig zu schreiben, deswegen habe ich sie zu einem Ende gebracht. Mit einem neuen Charakter und nur noch zwei Pferden komme ich jedoch wieder an den Start.
Wie in dem "Zeitungsartikel" erwähnt gab es ein Gasleck an dem Haus, weshalb alle ohne jegliche Schmerzen im Schlaf gestorben sind. Vielleicht etwas drastisch, aber das kennt ihr ja mittlerweile von mir? :D
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