[01] Die Dänen

Geschrieben von Ravenna im Blog Caed Crevan. Ansichten: 343

Willkommen

Ich bin und bleibe ein Schreiberling. Obwohl ich eigentlich Joelle ganz den Rücken kehren wollte nutze ich die Plattform trotzdem dafür weiterhin meine gewürfelte Grütze an Geschichten zu schreiben. Mal was gänzlich anderes...damit ich mich trotzdem komplett aus dem virtuellen Reiterhof verziehen kann und trotzdem irgendwann ein Pferd in meinen Stall stelle. An diesem Part der Geschichte sind wir allerdings noch nicht. Wem das Konzept gefällt kann gern mal einen Kommentar da lassen. Rohfassung von heute... noch nix überarbeitet.
Geschichte wird spielen in England, Mercia bisher, des 8. Jahrhunderts. Ein genaues Datum kommt zu einem späteren. Here we go!

Von der Anhöhe aus konnten sie das Schiff erkennen. Dicht an dicht saßen die Männe darin, vorn jedoch am Bug konnte man einen stehnden Mann erkennen. Eines der Schiffe war bereits gelandet, die Pferde ausgeladen, die ersten Männer in Kettenhemden besahen sich das Land. Ihre Gesichter wirkten wild, selbst auf diese Entfernung. Eadric musste seine Augen eng zusammen kneifen, seine alten Augen ließen ihn allmählich im Stich. Ryce jedoch starrte mit den Augen der Jugend halb fasziniert, halb ängstlich hinunter zu den Männern. Mit den Fingern griff er die Zügel seines Ponys fester, um vor seinem Vater zu verbergen wie sehr seine Hände zitterten. Dem Priester jedoch war es nicht entgangen, Eadric beugte sich hinüber, strich dem Jungen über das Haupt. “Es ist gut Furcht vor den Männern aus dem Norden zu haben. Viel Unhei..” mit einem harschen Wort des Vaters wurde der Priester “Setzt meinem Sohn keine Flausen in den Kopf, Priester.” das letzte Wort kam vor verachtung triefend über die Lippen des Lords. Ryce sah den Mann an, einst als Sklave geboren hatte er sich als Krieger schnell einen Namen gemacht, in der Haustruppe eines Lords hatte er in jungen Jahren gedient. Jetzt besaß er selbst eine kleine Feste, im Norden von Mercia. Umgeben von einem hohen Erdwall reichte sie gerade aus um einer Garnison von 200 Mann mit Haushalt Platz zu bieten. Aethelwold war hochgewachsen, von breiter Statur, trug seine Haare kurz, in seinem Gesicht saß eine knollenartige Nase, die in den vergangenen Jahren mehrmals gebrochen worden war. Ryce hoffte seitdem er den Mann kennengelernt hatte zumindest die Statur seines Vaters zu erhalten, nicht aber die knollige Nase. Als ihn der Blick aus den wässrigblauen Augen des Vaters traf, schaute er schnell wieder vor sich auf das graue Pony. Die Ohren des Ponys zuckten, hin und her, neben den kräftigeren Schlachtrössern sah es jämmerlich aus. Genau so fühlte sich Ryce in diesem Moment, da er Krieger neben sich und dort unten am Flussufer hatte. Männer mit großen Schwertern an der Seite ihrer Hüfte, wildem Haar und die Arme so voller Armringe, dass sie das Morgenlicht zurück warfen. Ryce wurde unruhig. Wollte sein Vater nicht endlich zur Feste zurück? Seit Tagen waren sie unterwegs, noch nie hatte der Junge so lange im Sattel seines Ponys gesessen, das treue Tier schien ebenso wie er erschöpft zu sein.

Als Ryce den Blick von den Ohren seines Ponys löste konnte er die Dänen sehen, noch mehr von ihnen waren nun ebenfalls auf den Rücken ihrer Pferde. “Schau sie dir genau an mein Sohn, ist deine Ausbildung erst einmal beendet werden sie deine Feinde sein.” Damit zog er harsch am Zügel seines Pferdes, die restlichen Männer folgten. Eadric nahm die Zügel fester in die Hand und zog das Pony des jungen Lords hinter sich her. Den Blick zurück hätte er in diesem Moment nicht wagen sollen. Die Männer zu Pferd folgten ihnen im harschen Tempo die Anhöhe hinauf. Der Priester kreischte halb auf als er dem gewahr wurde. “Herr sie folgen uns!” “Sollen sie nur.” knurrte Aethelwold, spornte seinen Hengst zu einem Galopp an. Der Priester vermochte sich kaum auf seiner Stute zu halten, während die Männer seines Vaters den Jungen in die Mitte nahmen. Ryce klammerte sich mit den Beinen auf dem Rücken fest, schloss halb die Augen da ihm der Matsch von dem Hengst seines Vaters ins Gesicht geschleudert wurde. Sein Herz schlug ihm bis zum Halse, seine Hände verkrampften sich um die Zügel. In einem so schnellen Galopp war er bisher nicht gereist. Überhaupt war Ryce nicht viel gereist.

Aus der zweiten Ehe des Herren stammend war ihm der Mann auf dem Pferd vor sich beinahe gänzlich fremd. Seine erste Frau hatte ihm einen Erben geschenkt, die zweite Frau hatte er nur auf drängen der geistlichen geheiratet. Aethelwold war dieser Frau bald überdrüssig geworden, hatte sie an einen der fremden Höfe geschickt, die ihm Treue geschworen hatten. Dort war Ryce geboren worden, aufgewachsen. Obgleich die Priester seiner Mutter versucht hatten aus dem Jungen einen Gottesfürchtigen Menschen zu machen, so genoss er zu sehr die Freiheiten am Hofe. Noch im Frühjahr seines achten Lebensjahres sollte er in das Kloster eintreten. Wie oft hatte sich der Junge dem Lesen entzogen um im Wald dem Krieger Dasein entgegen zu träumen. Als er zum ersten Mal seinem Vater begegnet war hatte er ihn bewundert, ihn und alle anderen Männer die das Dorf besucht hatten. Seitdem hatte auch Ryce ein Krieger werden wollen. Einen Dämpfer hatte dieser Wunsch jedoch vor einigen Tagen bekommen.

Dänen wie jene die ihnen jetzt folgten hatten die kleine Burh angegriffen in der sie gelebt hatten. “Schneller!” brüllte einer der Männer hinter ihm. Vor den Augen des Jungen jedoch spielte sich das Blutvergießen ab. Dänen waren des Morgens in die Kirche gekommen, für die Heiden gab es keine heiligen Sonntage. Zunächst war es nur einer von ihnen gewesen. Ein leichtfüßiger, schmaler Mann, seinen Bart trug er lang zu einem Zopf geschlungen. Bei jedem seiner federnden Schritte klapperten die Glocken die in die Strähnen eingearbeitet waren. Seine Haupthaare waren zu einem wirren Zopf an seiner rechten Kopfseite getürmt. Ryce hatte sich unter den Augen seiner Mutter davon stehlen können, in eine der Nischen gezwängt beobachtete er den Mann der vorüber ging. Der Priester wich angsterfüllt einige Schritte zurück, stolperte wegen der langen Robe und blieb dann lieber stehen. Der Mann hatte zu sprechen begonnen, in einer seltsamen Sprache die Ryce nicht zu sprechen vermochte, doch klang sie faszinierend. Trotzdem er die Sprache nicht nicht verstehen konnte hing er im kindlichen Eifer an den Lippen des Mannes, der nun direkt vor dem Priester stand. Das erste Furchtsame Schluchzen der Frauen ging durch die kleine Kirche.

Mit trainierter Schnelligkeit rammte der Mann mit dem Knoten am Kopf dem Priester die Axt direkt zwischen die Augenbrauen. Der begonnene Schmerzenslaut wandelte sich in ein heiseres Gurgeln, jetzt brach zwischen den Frauen Panik aus. Von hinten durch den kleinen Eingang der Kirche strömten nun weitere Männer. Der beherrschte, langsame Gang des ersten Mannes fehlte ihnen, sie waren hier um Beute zu machen, zu töten. Während andere zu rennen begannen, konnte Ryce den Mann durch das Gewirr der Beine hindurch kurz sehen. Seine Arme waren ausgebreitet und er lachte, sein Gesicht vom Blut des Priesters besprenkelt. “Bewahre der Mann der das Töten liebt.” waren die Worte seiner Mutter eines Tages gewesen. Jetzt aber schlug sein Herz schneller. Die ersten Leichen leisteten dem Priester Gesellschaft. Hinter dem Altar plünderten die ersten die Schätze der Priester. Der Weg aus der Kirche war frei, doch voller Schrecken sah er den Geschehnissen in ihr zu, versteckt in seiner Nische. Doch schnell merkte er, dass einzig die anwesenden Männer getötet wurde, die Mägde wurden flankiert von mehreren Männern aus der Kirche geführt. Verängstigt folgten sie ihnen. Durch die geöffnete Tür fiel nun Licht, direkt im Gang konnte Ryce den Körper eines Jungen sehen der nur wenig Älter als er selbst war. Sein Körper war aufgeschnitten, von seinem Bauch bis hinauf zur Kehle, bereits jetzt ließen sich Fliegen auf dem verdrehten Körper nieder. Ekel stieg in dem Jungen auf, er schüttelte den Kopf. Dann hörte er wie sein Name durch die Kirche schrillte.

Verzerrt war sie die Stimme seiner Mutter, Hilda stolperte von der Seite in den Mittelgang, wurde gewahr, dass es nicht der Leichnam ihres Sohnes war und drehte sich panisch um. Damit lief sie dem Mann mit dem Zopf direkt in die Arme. Dann geschah etwas das sich Ryce nicht erklären konnte. Beinahe zärtlich strich er der Frau durch das voller Angst verzerrte Gesicht. Ihr Antlitz war nicht häßlich, nicht von Stunden vieler Arbeit gebeugt war ihr Körper. Trotz der drei Kinder die sie bereits auf die Welt gebracht hatte behielt sich ihr Körper die Straffheit der Jugend. Mit ihren 25 Jahren zählte sie noch längst nicht zu den alten Weibern. Sie litt einzig unter einem Mann der dem Krieg mehr Beachtung schenkte als ihr. Jetzt war in ihren Gedanken jedoch einzig Angst und die Sorge um das einzige ihrer Kinder das überlebt hatte. Sie wusste um ihre Schönheit die jedem Mann die Sprache verschlug, es war die Sorge um Ryce die sie nun gerade stehen ließ. Würde hatte sie selbst in diesem Moment noch. Langsam fuhr die Hand des Mannes ihren Körper hinab, über ihre Brüste, bis hin zu ihrer Körpermitte. Ihr Blick huschte ängstlich zu der Hand die noch immer die Axt hielt. Dem Mann schien die Regung nicht entgangen zu sein. Fast Irrsinnig lächelnd hob er die Axt an seine Lippen. Hilda konnte deutlich das Blut auf ihr erkennen. Wessen Blut wohl noch daran klebte? Mit der Zunge leckte er das Blut von der Klinge. Hilds Miene verzog sich im Ekel und Unglauben. Langsam tat sie einen Schritt von ihm zurück, wurde jedoch von seiner Hand aufgehalten und im nächsten Augenblick spürte sie seine Lippen hart auf den ihren. Sie wollte schreien als sich seine Zunge einlass verschuf, der schale Geschmack des Blutes ließ sie halb würgen. Neuen Mut fassend biss sie dem groben Kerl kräftig auf die Zunge. Jetzt passierte zweierlei. Der Mann wich mit einem Laut des Schmerzes von ihr und anschließend rannte etwas schmales in ihn herein, wenn es auch nicht vermochte den Mann aus dem Gleichgewicht zu bringen. Mutig hatte sich Ryce aus seiner Nische gezwungen um seiner Mutter zur Hilfe zu kommen. Mit dem kleinen Schwert aus Holz drosch er nun auf das Kettenhemd des fremden ein. Mit der Hand die nicht die Axt hielt verpasste er dem Jungen einen Schlag auf die Wange. Taumelnd ging der Junge zu Boden, richtete sich auf und rannte trotz der erhobenen Axt auf den Krieger zu. Hilda schrie als das Schwert ihres Sohnes unter dem Schlag des Kriegers zerschmettert wurde. Schützend stellte sie sich vor das Kind, hielt ihn an den Haaren um ihn aufzuhalten. Stolz wallte in ihr auf, dass ihr Sohn der kaum 9 Winter zählte sie beschützen wollte. Ryce verlor halb den Mut als der hochgewachsene Mann vor ihm wieder zu Lachen Anfing, seine linke Gesichtshälfte pochte vor Schmerz. Mit ruhiger Gewalt trennte er Hilda von Ryce schubste den Jungen zu Boden.


Svejn hatte beschlossen die Frau am Leben zu lassen, sie sollte ihm die Nächte in diesem Land wärmen. Dann schaute er auf den Jungen, die Ähnlichkeit der beiden war nicht zu leugnen, doch was sollte er mit ihm? Harbard kam zurück in das steinerne Gebäude. “Reiche Beute! Was ist mit der Missgeburt?” Svejn musste nicht hinter sich blicken um zu wissen das Harbard den Jungen meinte. Svejn lächelte gewinnend, Harbard war einer seiner langjährigsten Freunde, Steuermann auf der Wyvern, zusammen hatten sie viele Scharmützel überlebt. Jetzt waren sie in dieses Land gekommen um Ruhm und Reichtum zu erlangen. “Lass ihn zurück. Erinnerst du dich was Bjarne stehts sagte? Lasst jemanden am Leben der von den Schrecken berichten kann und lass ihn deinen Namen wissen.”


Und Ryce kannte den Namen. Bevor er seine Mutter hatte aus der Kirche geschleift hatte, war der Krieger nocheinmal zurück gekehrt. Mit dem Finger deutete er auf sich sprach es mehrere Male aus. In diesem Moment verstand Ryce nur den Namen Svejn, erst viel später sollte der Junge von Svejn dem Blutigen erfahren. Als das graue Pony unter ihm zu Straucheln begann, wurde der Junge aus den Gedanken gezogen. Nur schwer hielt es ihn im Sattel, doch ihm erschrak mehr was sein Vater im Begriff war zu tun. Als der Junge seinen Erinnerungen nachgegangen war, hatte der Krieger sich zurückfallen lassen. Im allgemeinen schien ihr Tempo um einiges Langsamer geworden zu sein. Der Blick zurück verriet ihm , dass die Dänen hart an ihren Fersen hingen. Mit dem Schwert schlug der Mann der erst seit einigen Tagen wieder als Vater in sein Leben getreten war auf die Krippe seines Ponys. Das Tier röchelte mehr denn es vor Schmerz aufschrie. Ryce schrie mit ihm auf, das Tier war einen harten Galopp nicht gewöhnt, erschöpft von der Reise. Plötzlich spürte er wie das Tier unter ihm nachgab, unsanft wurde er über den Hals des Tieres in Richtung Erde katapultiert. Mit den Händen zuerst schlug er auf den Boden. Jetzt konnte er sie nicht länger unterdrücken die Tränen. Auf allen vieren kroch er zu seinem sterbenden Pony, welches Geräusche von sich gab die der Junge noch nie vernommen hatte. Zugleich traf ihn der Schlag seines Vaters im Gesicht, ausgerechnet jene die auch vom Dänen bereits blau war. “Hör auf zu weinen. Männer! An die Waffen.” blaffte er in einem Atemzug. Es waren ungefähr 10 Mann gegen eine ganze Horde von berittenen Dänen. Das Glück sollte an diesem Tage nicht mit ihnen sein. Ryce jedoch blickte nach dem Massaker an seinem Vater fast fasziniert dabei zu wie sie dem Herren noch lebend langsam die Haut von den Knochen zogen. Er hatte diesen Mann nicht als Vater geliebt, aber noch war er am Leben. Was auch immer die Krieger der Dänen mit ihm vorhatten. Sie nahmen ihn mit in ihr Lager.
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