Vom Pferdemarkt am Boden aller Tatsachen

Dieses Thema im Forum "Pferdetalk" wurde erstellt von Eowin, 27 Aug. 2012.

  1. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Hallo liebe joellis!


    Ich wurde bewegt, dieses Thema zu eröffnen, weil ich am Samstag auf einer Hofauktion von einem Zuchthof war. Unter den Hammer kamen dressurpferde mit guter Abstammung, allesamt deutsche Sportpferde.

    Vollkommen schockiert war ich, als ein 15 jahre alter Wallach, der in der Dressur Platzierungen bis M hatte, für 1500€ vom Hof gegangen ist.
    Teilweise wurden für die Pferde nciht einmal 1500.- (das MIndestgebot!) geboten und wurden somit gar nicht verkauft. Und auch in deren Pedigrees waren Weltmeyer, Sandro Hit, donnerhall, Florestan I und Co zu finden.

    Da schaue ich mich im Internet um und sehe Anzeigen, wo die Besitzer versuchen, ihre "Wald und Wiesen Klepper" für 4.000.- und mehr zu verscherbeln.
    Kein wunder, dass diese nicht über den Tisch gehen.

    Doch was diese Auktion in mir bewegt hat, ist folgendes: Sie hat mir die Augen geöffnet. Der Pferdemarkt ist am Boden. Und zwar so sehr, wie ich es vorher niemals zu träumen gewagt hätte.

    Da werfen sich erstmal 2 Fragen auf: Woran liegt das und wie ändern wir das?
    Denn Fakt ist: Es lohnt sich nicht, ein Fohlen großzuziehen, wenn man dafür nicht einmal das Mindestgebot von 1500€ bekommt. Wo man doch für eine Decktaxe sich schon kaum anstrengen muss um 1000€ zu zahlen.

    Und die Fragen leite ich mal an euch weiter.

    wie seht ihr die Situation auf dem Pferdemarkt? Habt ihr die Auswirkungen schon direkt zu spüren bekommen? Wie geht ihr / eure Stallbesitzer / eure Reitlehrer etc mit der Situation um?

    Und lohnt es sich da noch, überhaupt mit Pferden zu arbeiten?

    Freue mich auf eure Meinungen =)


    Liebe Grüße, Eo
     
  2. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Das Ding ist, es läuft da ähnlich wie es hier auf Joelle ging:
    Es wurden immer mehr und mehr Pferde gezüchtet, zunächst gingen die Preise in die Höhe für die ach so tollen Pferde, jetzt sind so viele Pferde da und so wenig Käufer, dass sie mit dem Preis einfach ins Bodenlose fallen.
    Einfachste Regel, die dem Menschen immer und immer wieder zum Verhängnis wird:
    Nachfrage bestimmt Menge und dadurch letztlich den Preis.

    Zum Beispiel:
    Viel Nachfrage, wenig Pferde = hoher Preis.
    Viel Nachfrage, viele Pferde = angemessener Preis.
    Wenig Nachfrage, wenig Pferde = angemessener Preis.
    Wenig Nachfrage, zu viele Pferde = tiefer Preis.

    Das war schon in jedem Wirtschaftsbereich so - denn nichts anderes ist die Pferdezucht.
    Was man dagegen tun kann?
    Wir? Gar nichts!

    Die Züchter, ob hobby oder richtig groß?
    Nicht mehr so viele Fohlen ziehen, sich dem 'Markt' anpassen.

    Und Tatsache ist, dass wirklich in den seltensten Fällen der Kaufpreis der wirkliche Kostenfaktor bei einem Pferd war, es waren eigentlich schon immer die gut 20 Jahre monatlicher Unterbringung, Futter und TA/HS-Kosten, die ein Pferd so teuer machten.
    So sind die Käufer heute vielleicht nur schlauer, weil sie schon vorher wissen, dass sie dieses Geld nicht aufbringen können (oder wollen) und kaufen sich ganz einfach keine Pferde mehr.

    Außerdem ist sicherlich auch die Diskussion um eine Pferdesteuer nicht grade hilfreich, um die Wirschaft in diesem Zwei an zu kurbeln...
     
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  3. life

    life Neues Mitglied

    Meiner Meinung nach ist es so, dass durch die Witschaftskriese auch der Pferdemarkt runtergegange ist und einfach aus dem nicht mehr aufstehen kann. Ich finde es auch sehr krass, wie heutzutage Pferde auf gut deuchtsch "verscherbelt" werden und sonstwohin gehen. Der Spalt zwischen Elitepferden und Gehobenen Freizeitpferden im Preis wird einfach immer breiter und wie du schon sagtest bekommen viele ihre Pferde nicht mehr los, weil der Pferdemarkt so am Grund ist und sie sie nicht für 600 Weggeben wollen, was natürlich auch verständlich ist.
    Wenn jetzt auch noch die Pferdesteuer hinzzukommen sollte, was ich nicht hoffen will, wir Reiten wirklich ein Elitärer Sport werden, Denn das Geld noch zu den immer ansteigenden Unterhaltungskosten für ein Pferd wird einfach zu viel und längst nicht jeder wird sein liebgewonnenes Pferd behalten können. Dank den Biogasanlagen wird Heu, Stroh und Weideflächen immer teurer.
    Wenn ich irgendwo falsch liegen sollte von den Tatsachen her tut es mir leid, soch das ist so in etwa meine Meinung und ich hoffe, dass der Pferdemakrt auch wieder aufblüht und keine Pferdesteuer eingeführt wird und, dass die Leute merken, dass sich Biogasanlagen nicht bezahlt machen, wenn man es auf die Rohstoffe bezieht.
     
  4. Emilia

    Emilia Gesperrte Benutzer

    Ich brauch meine Meinung gar nicht schrieben, ich finde Norwi, hat es gut ausgedrückt und stimme da voll zu !
     
  5. Lancelot275

    Lancelot275 Bekanntes Mitglied

    Ich wollte noch die adere Seite von diesem Preisfallen zeigen, tausende Pferd gehen einfach an den Schlachter weil Züchte hoffen ein sehr gutes Pferd zu züchten.
    Die anderen brauchen sie nicht weil si nicht viel wert sind also komme sie auf Fohlenauktionen, bei denen sie entweder einen guten Besitzer finden oder an den Schlachter kommen (id über 90% ist es der Schlachter).

    Auserdem werden viel zu viele Pferd gezüchtet, dadurch verliehren sie an wert (Wie Norwi scho gesagt hat) und (wie life schon sagte) kommt noch die wirtschaftskriese dazu.
    In Deutschlad ist diese überzüchtug aber noch nicht sooo stark, wenn man mal nach Spanien zum beispiel schaut kann sich keiner mehr ein Pferd leisten, und sämtliche PFerde werden ausgewildert dasu ein Kleiner Film.

    Ja der erste Teil war etwas vom Thema abgeschweift aber ich hoff ihr wisst was ich meine :)
     
  6. rawr

    rawr Guest

    Ich glaube ehrlich gesagt nicht dass zu viele Pferde gezüchtet werden, das Problem sehe ich eher darin, dass wir momentan in einer Rezession stecken, die Menschen haben einfach kein Geld, vieles was man wirklich braucht (Brot, Butter, Milch, Treibstoff...) wird immer teurer und zehrt einen Großteil des Einkommens. Dazu kommt, dass das Einkommen dank Wirtschaftsflaute, Kurzarbeit, Leiharbeit, Minijobs etc. sinkt, man also auch noch weniger Geld hat obwohl man mehr bräuchte. Die meisten Menschen können und wollen sich in solchen Zeiten einfach kein Pferd leisten. Was ich verständlich finde.

    Schlecht natürlich für die, die mit Pferden handeln, denn die trifft es, die Züchter und Bereiter und Händler. Der Druck einen "Crack" zu haben den man für so viel Geld losbekommt, dass er die anderen Pferde im Stall durchzieht wird größer. Die Methoden das zu erreichen rabiater. Der Ruf leidet darunter, Reiter werden als Tierquäler abgestempelt, kaum jemand der nicht in der Szene ist hat noch das Bild der Harmonie im Kopf, dank den Medien steht Reiten nicht gut dar. Potenzielle "Neu-Reiter" suchen sich doch lieber einen anderen Sport...
    So verliert die "Pferdebranche" noch mehr Kunden...

    Es ist ein kleiner Teufelskreis.
    Entgegenwirken wird schwer, Reitsport muss Massentauglicher werden, dazu Tierfreundlicher, denn Deutschland ist per se ein sehr Tierbewusstes Land und duldet Quälereien nicht. Es muss leichter werden an guten Reitunterricht zu kommen, die Ansprüche derer die Reiten steigen, diejenigen die neu Reiten lernen wollen wissen vorher schon mehr bescheid und sind nicht mehr die Zielgruppe "Ferienkinder, Kinder und Jugendliche". Immer häufiger sind es erwachsene die sich den Kindheitstraum erfüllen wollen, für die müssen passende Angebote geschaffen werden... Die Branche muss aus alten Mustern raus und sich dem Wandel anpassen, dann hat sie eine Chance. Solange müssen Züchter, Trainer, Händler und Co. mit der doofen Marktklage leben und sich irgendwie anpassen; Den Bestand reduzieren, Kosten sparen, anderweitig Geld verdienen...

    Aber ich glaube nicht dass der Reitsport wirklich jemals zusammenbrechen wird, dafür ist er zu fest in unserer Kultur verankert und besitzt zu viele die Leidenschaftlich bis zur Selbstaufgabe für Pferde kämpfen.
     
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