Storm

Dieses Thema im Forum "Eigene Geschichten" wurde erstellt von Savo, 14 Apr. 2012.

  1. Savo

    Savo Wildfire

    tja, das ist jetz nich der Anfang der Geschichte, sondern der - find ich - traurigste Teil. Genau den hatte ich die ganze Zeit immer im Kopf und da ich nich weiß, wie ich den Anfang vollstopfen soll, kommt jetzt einfach nur dieser Ausschnitt.
    Die Szene kam fast genauso in einem alten Rollenspiel, das ich mit einer Freundin gespielt hab (damals im Schueler.cc xD)
    ich könnte zwar da den ganzen Anfang rausschreiben, aber das is alles so durcheinander^^
    naja, kommen wir zur Sache
    (auf meinem PC sind das ganze jetz fast vier Seiten^^)



    Storm führte mich durch den Wald. Ungeschickt, wie ich war, stolperte ich über die eine oder andere Wurzel, bis sich die Bäume lichteten und den Blick auf einen uralten Tempel freigaben.
    "Da wären wir.", murmelte Storm. In seiner Stimme lag ein Hauch der Angst und Verzweiflung.
    Traurig sah ich ihn an.
    Er hatte mir gesagt, dass es nur eine einzige, letzte Möglichkeit gab, den bösen Geist in seinem Inneren endgültig loszuwerden. Er wollte mir jedoch noch nicht sagen, was er vorhatte.
    "Was hast du?", fragte ich vorsichtig, doch anstatt eine Antwort zu geben, nahm er meine Hand fest in seine und stieg mit mir die Stufen des Tempels hinauf.
    Langsam bekam ich Angst. Warum wollte er mir nicht sagen, was er vorhatte? Dieser Vampir war so geheimnisvoll wie eh und je.
    Wir betraten einen kleinen Vorraum. Ranken und Unkraut hatte sich durch die Steinmauern gekämpft und ließen das Gebäude wie eine Urwaldruine erscheinen.
    Ich sah mich um und entdeckte eine alte Holztür, die zu einem anderen Raum führte, den ich jedoch nicht für sonderlich groß schätzte. Denn an der gegenüberliegenden Seite des Eingangs klaffte ein großes Loch in der Wand und dahinter lag ein gigantischer Saal.
    Da konnte der Nebenraum mit der Tür nicht allzu groß sein.
    "Geh schonmal vor.", meinte Storm und nickte in die Halle. Ich zögerte kurz, doch er lächelte mir zu und öffnete die Holztür.
    Was er da tat, wusste ich nicht, denn wie er es wollte, ging ich in den Saal.
    Jetzt, wo ich hier stand, wirkte dieser Raum irgendwie unheimlich.
    Nahe dem Loch stand ein schwerer Steintisch, ansonsten stand hier nichts.
    Dann entdeckte ich etwas am Boden und trat näher.
    Dort, aufgemalt, wie es schien, waren zwei Kreise. Einer war kleiner, wodurch das Ganze wie ein runder Rahmen aussah. Im Zwischenraum der beiden Kreise standen einige Zeichen, die in meinen Augen keinen Sinn ergaben. Ein weiteres Zeichen war in der Mitte des kleineren Kreises.
    "Das ist ein Bannkreis.", ertönte Storms Stimme neben mir und ich erschrak. Ich hatte ihn gar nicht kommen hören.
    Jedoch erleichtert sah ich ihn an. Ich mochte es nicht, so lang von ihm getrennt zu sein, auch, wenn es gar nicht so lang war.
    In seinen Händen hielt Storm eine Schatulle, die er nun zum Steintisch trug. Neugierig folgte ich ihm.
    "Was hast du denn nun vor? Was…" Ich verstummte.
    Er hatte die Schatulle geöffnet und zum Vorschein kam ein Dolch, mit silbernem Griff und goldener Klinge.
    Langsam dämmerte es mir, was er tun wollte, doch das konnte einfach nicht wahr sein!
    Der Vampir betrachtete den Dolch, dann drehte er sich zu mir um. Sein Blick richtete sich tief in meine Augen und ich konnte viele Gefühle in ihm erkennen: Angst, Trauer, Verzweiflung und auch ein bisschen Hass.
    "Akuma muss sterben.", murmelte er, "Doch da er in mir wohnt, kann er nur getötet werden, wenn man mich tötet."
    Ich schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein Ernst sein. Akuma war böse, ja. Und er war eindeutig eine Gefahr für die Menschen, wenn er erneut die Kontrolle über Storm an sich reißt. Doch das konnte doch nicht die einzige Lösung sein! Storm durfte einfach nicht sterben!
    "Nein.", hauchte ich.
    "Lu… Versteh doch-"
    "Nein!", diesmal schrie ich ihn förmlich an, "Ich hab dich schon einmal fast verloren! Das mach ich nicht noch einmal mit!"
    Der flehende Ausdruck in seinen Augen brachte mich zum Schwanken. Ich sank auf die Knie und spürte, wie die Tränen über meine Wangen flossen.
    Storm kniete sich vor mich, legte die Hände an meine Oberarme und zog mich an sich. Das Gesicht an seiner Brust vergraben saß ich da und ließ meinen Tränen freien Lauf.
    Seine Nähe tat mir gut, doch tat sie auch genauso sehr weh.
    "Wir müssen das tun.", flüsterte Storm, "Wir müssen, sonst hat das nie ein Ende. Akuma ist eine große Gefahr und dieser Dolch wird mich töten. Und wenn ich gehe, werde ich ihn mit mir nehmen. Lu… Lucia. Ich tue das für die Menschheit, aber vor allem für dich."
    Er zögerte kurz, bevor er fortfuhr.
    "Das alles hat aber nur Sinn, wenn du es tust. Wenn ich durch die Hand eines Menschen sterbe, der mich liebt, ist die Kraft des Dolches noch wirksamer."
    Entsetzt schob ich ihn ein Stück weg, doch da er mich noch immer festhielt, wurden es nur ein paar Zentimeter.
    "Ich soll dich töten?", fragte ich mit weit aufgerissenen Augen.
    Er nickte, stand auf und zog mich mit auf die Füße.
    "Und je eher wir es hinter uns bringen, desto schneller ist die Welt erlöst."
    Ohne zu zögern legte er seinen langen, weißen Schal ab - sein Markenzeichen. Den Schal, den er bei jedem Wetter trug und der schwarz wurde, wenn Akuma die Kontrolle übernahm – und legte ihn neben die Schatulle. Sein Shirt folgte.
    Dann nahm er den Dolch, wiegte ihn einen Augenblick in der Hand und lief an mir vorbei.
    Aufmerksam folgte ich ihm mit meinem Blick und betrachtete seine Augen, als er im Bannkreis stehenblieb und sich zu mir umdrehte.
    "Komm.", sprach er und ich lief zu ihm. Langsam. Jeder Schritt schwer, als hätte ich Steine an den Füßen.
    Storm reichte mir den Dolch und wie in Trance nahm ich ihn entgegen, weiterhin fest auf seine Augen fixiert.
    Und plötzlich füllten sich diese wunderschönen, dunkelblauen Augen mit Tränen.
    "Ich hätte nie gedacht, dass es mir am Ende doch so schwer fallen würde. Ich war fest entschlossen zu sterben, aber jetzt, wo ich dich mit diesem Dolch sehe, habe ich… Angst."
    Eine einzige Träne löste sich, kugelte seine Wange hinunter und landete lautlos am Boden.
    Ich kämpfte gegen die Eigenen an, doch es fiel mir schwer, sie zurückzuhalten.
    "Ich liebe dich, Lucia.", meinte Storm und legte einen Finger auf seine nackte Brust, genau über die Stelle, wo sein Herz schlug.
    "Ich liebe dich.", wiederholte er, "Das habe ich immer getan und werde es immer tun. Ich bitte dich: Bringe es schnell zu Ende, trauere nicht zu lang und lebe dein Leben weiter. Ich werde immer bei dir sein." Sein Finger wanderte nach vorn und blieb vor meinem Herzen in der Luft stehen. "Genau da."
    Während er sprach, flossen meine Tränen wie kleine Wasserfälle und ich brachte ein Nicken zu Stande. Schluchzend schloss ich meine Hand fester um den Griff des Dolches.
    "Ich liebe dich auch.", japste ich, trat einen Schritt vor und hob die Hand.
    Ein letztes Lächeln breitete sich auf Storms Lippen aus und mit einer stolzen Geste hob er den Kopf und schloss die Augen.
    "Durch die Hand, die mich liebt werde ich sterben um die Welt und ihre Bevölkerung zu schützen!", rief er der Decke entgegen, "Ich werde sterben und den bösen Geist, der in mir wohnt und den Namen Akuma trägt, mit mir nehmen!"
    Er hob die Arme und mit einem kaum merklichen Nicken gab er mir ein Zeichen.
    Ich nahm allen Mut zusammen, den ich hatte, vielleicht sogar noch mehr.
    Und mit einer einzigen, gezielten Bewegung, stach ich zu. Und kaum hatte der Dolch die glatte Haut durchbohrt, sackte Storm zusammen, der Dolch glitt klirrend zu Boden und – ich wusste selbst nicht genau, warum es so schnell ging – bevor der Vampir aufkam, war ich zu Boden gesunken, um ihn mehr oder weniger aufzufangen. Sein Kopf landete sanft in meinem Schoß. Die Wunde in seiner Brust blutete stark und aus seinem Mundwinkel floss ein schmales Rinnsal.
    Einen Spalt breit, öffnete er die Augen und blickte mich an.
    "Danke.", hauchte er und schloss die Augen wieder, "Du hast es geschafft. Und du wirst leben."
    Unzählige Tropfen rollten mein Gesicht hinab und landeten auf dem seinen.
    "Ich werde leben. Ich verspreche dir, weiterzuleben. Ich verspreche dir, dich niemals zu vergessen und ich werde dich immer lieben."
    Ich wusste nicht, ob er meine Worte verstanden hatte. Kein Muskel in seinem Körper zuckte mehr…
    Storm war tot.

    Eine ganze Weile saß ich so da. Allmählich versiegten die Tränen. Sanft fuhr ich mit den Fingern über Storms Gesicht, strich ihm die Haare aus der Stirn und dachte nur an seine Augen und sein Lächeln.
    Ich merkte gar nicht, dass der Kreis, in dem ich saß, zu leuchten begonnen hatte, doch plötzlich riss mich eine Stimme in die Wirklichkeit zurück. Eine Stimme, die ich nur allzu gut kannte. Ungläubig hob ich den Kopf und erblickte einen Geist, gerade mal einen oder zwei Meter vor mir. Zu gern hätte ich geglaubt, dass es Storm war, wäre da nicht der schwarze Schal und diese glühend roten Augen.
    "Ihr Narren.", knurrte Akuma und der blanke Hass brannte in seinem Blick, "Glaubt ihr wirklich, dass ihr mich so losgeworden seid? Nein. Mich tötet man nicht so einfach."
    Drohend zeigte er mit dem Finger erst auf mich, dann auf Storms leblosen Körper.
    "Dieser Idiot hatte wirklich geglaubt, dass er mit seinem Opfer die Welt retten würde. Tja, er ist umsonst gestorben, denn ich existiere weiterhin!"
    Entsetzt starrte ich ihn an und Akuma fing an zu lachen. Ein kaltes, herzloses und triumphierendes Lachen.
    "Tja, Süße. Dein Geliebter ist ziemlich dumm gewesen. Mich kann man nur persönlich töten! Dieser Dolch hat mich zwar geschwächt, aber nicht ausgelöscht!"
    Ein böses, breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht, dann war er verschwunden und mit ihm das Leuchten des Bannkreises.
    "Das kann nicht sein.", keuchte ich und erkannte, dass Akuma wohl recht hatte.
    Storm war umsonst gestorben. Er war tot und Akuma lebendig wie eh und je.
    Meine Hände griffen allmählich ins Leere. Verwirrt blickte ich hinab und sah, dass Storm sich aufgelöst hatte. Eine leuchtende Kugel war übrig geblieben, die höher stieg, zersprang und damit spurlos verschwand.
    Storm war weg. Einfach so.
    Verzweifelt stand ich auf, fiel beinahe wieder hin und stolperte aus dem Tempel. Keuchend und mit weit aufgerissenen Augen flog ich fast die Treppe hinunter, rutschte auf der letzten Stufe ab und landete hart auf dem erdigen Boden.
    Wimmernd setzte ich mich auf, doch meine Beine wollten sich nicht dazu bewegen lassen, aufzustehen.
    "Storm. Nein. Das darf nicht wahr sein.", stammelte ich.
    Das konnte nicht sein!
    Und ich selbst konnte auch nicht mehr. Unter diesen Umständen konnte ich mein Versprechen nicht halten. Mit dem Wissen, dass Storm völlig umsonst gestorben war, konnte ich nicht weiterleben…
    Plötzlich kam ein heftiger Wind auf, zischte mir ins Gesicht und schien sofort kehrt zu machen, um mir in den Rücken zu stoßen. Als würde er mir sagen wollen, ich solle aufstehen, weitergehen.
    Und wie durch Zauberei legte sich etwas Weißes um meine Schultern. Ein vertrauter Geruch wehte mir in die Nase. Der Wind hatte Storms schneeweißen Schal aus dem Tempel zu mir getragen.
    Du hast es mir versprochen, schien der Wind, der Sturm, mir sagen zu wollen.
    Und plötzlich merkte ich, dass Storm mich nicht verlassen hatte. Er würde über mich wachen und vielleicht sogar meine Schritte lenken. Und mit seiner Hilfe würde ich es schaffen, Akuma aufzuspüren und endgültig zu vernichten.
    Und ich war mir sicher: Wo auch immer Storm jetzt war, er würde mich nicht allein lassen und mir Hilfe schicken. Egal wie. Egal wo. Egal wann.
    Und mit diesem Wissen band ich mir den Schal so, wie er es immer getan hatte, die Enden hingen kurz über dem Boden.
    Dann lief ich los, den Weg zurück, den wir gekommen waren und merkte nicht, dass meine Hilfe schon länger da war, als ich ahnte…
     
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  2. alligirl

    alligirl von grund auf böse!

    Ich finds toll! *-* Weiter!
     
  3. Friese

    Friese And now it must go high, because it can´t get lowe

    Traurig aber richtig schön. ^^
     

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