[SK 459] Alle Stuten

Dieses Thema im Forum "Stutbuch Wettbewerbe" wurde erstellt von Canyon, 3 Mai 2018.

  1. Canyon

    Canyon Bekanntes Mitglied

    [SK 459] Alle Stuten
    [​IMG]
    Regeln:
    - Es dürfen nur Stuten teilnehmen (Keine Hengste, Wallache oder Fohlen)
    - Jeder darf mit bis zu drei Stuten teilnehmen, dabei ist es egal, wem diese gehören.
    - Der Text darf maximal 3000 Zeichen enthalten, bitte überprüfen auf www.lettercount.com etc.!
    - Bitte überweist 5 Joellen an mich (Canyon) mit dem Grund: SK 459
    - Der Teilnehmerzahl ist auf höchstens 10 Pferde begrenzt.
    - Der Teilnahmeschluss bleibt vorerst offen und wird mindestens einen Tag vorher angekündigt.
    - Ist die SK mehr als 2 Monate offen, erfolgt die Abstimmung auch ohne, dass 10 Stuten teilgenommen haben, allerdings unter der Voraussetzung, dass es mindestens 5 Teilnahmen gibt.
    - Hufschmied- und Tierarztberichte sind mit dem richtigen Datum zu versehen.
    - Bitte achtet darauf, die Teilnahmebilder bei abload.de oder ähnlichem hochzuladen, damit sie auch später im Gewinnerthema angezeigt werden.

    Gründe für eine Disqualifikation:
    - die Zeichenzahl des Textes stimmt nicht
    man hat mit Doppelaccounts abgestimmt
    - es wurde gebettelt
    - es wurde nicht überwiesen
    - die Teilnahme ist unvollständig
    - es liegt ein Verstoß gegen die Regeln vor
    - die Aufgaben wurden nicht erfüllt

    Aufgaben
    Die Kür darf frei ausgedacht werden, jedoch muss sie folgendes beinhalten:
    - das Einreiten/ Führen am Anfang der Kür mit anschließendem Grüßen
    - alle 3 GGA auf rechter und linker Hand
    - mindestens 2 verschiedene Hufschlagfiguren außer ganze Bahn
    - Richter verabschieden am Ende der Kür

    Die Gewinnerstuten werden durch folgendes System ermittelt:
    Aussehen Körungstext / Userabstimmung
    1 Punkt für jede Stimme

    Abstammung
    1 Punkt: Für jedes vorhandene Elternteil
    1 Punkt: Für jedes vorhandene Großelternteil[
    -0,5 Punkte für Inzucht betreffend Eltern & Großeltern je Pferd/Pony

    Offizielle Turniere & Wettbewerbe
    1 Punkt für jede Turnierschleife erster Platz
    1 Punkt für jede Schönheits Wettbewerb Schleife
    1 Punkt für jede Turnierschleife zweiter Platz
    1 Punkt für jede Turnierschleife dritter Platz
    1 Punkt je Fohlenschau-Schleife
    2 Punkte je Reiterspiel-Schleife

    Gesundheitscheck wenn vorhanden
    2 Punkte für Tierarztuntersuchung
    2 Punkte für Hufschmieduntersuchung
    Die Gesundheitschecks dürfen max. 6 Monate alt sein

    1 Punkt pro Ausbildungsbericht (nur Stufenerhöhungen zählen!)
    1 Punkt für ein Zubehörbild
    2 Punkte für ein Bild mit Zubehör & Bewegung
    Es wird nur ein Zubehörbild gewertet.

    Mindestpunktzahl für die Gewinner: 20 Punkte

    Teilnahmen bitte nach folgender Reihenfolge gliedern:
    Username
    verlinkter Pferdename
    Pferdebild
    Steckbrief (gespoilert) inkl. Turnierschleifen und korrekter Abstammungsverlinkung
    TA und HS Berichte (gespoilert)
    Trainingsberichte, nur die Stufenerhöhungen! (gespoilert)
    Kür + Zeichenzahl und Name des Prüfprogrammes


    Viel Spaß und Erfolg bei der Teilnahme!
     
  2. sadasha

    sadasha Bekanntes Mitglied

    sadashas Teilnahme mit
    Skadi
    [​IMG]
    [​IMG]
    Stute
    21. November 2011 | 5 Jahre
    Rasse Andalusier - Friese
    Stockmaß/Endmaß 155cm
    Fellfarbe Schimmel
    Geno x

    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


    [​IMG]
    Charaktereigenschaften
    Ausgeglichen, Aufmerksam, Intelligent, Sozial, Ruhig, Loyal, Frech, Neugierig

    Beschreibung
    Skadi ist eine wunderschöne Stute, mit atemberaubend weichen Gängen.
    Sie ist lernwillig und möchte ihrem Reiter gefallen, ist aber dennoch nichts für Anfänger,
    da sie auch gerne mal testet.


    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


    [​IMG]
    Trainingsplan
    Fohlen ABC ✔ | Eingeritten ✔ | Eingefahren ✔

    Schleifenaufstieg | Trainingsaufstieg | Potential
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Variationen

    Dressur E A L M S

    Lektionen der Dressur: E A L LM LP M S
    Doma Classica: WE WA WL WM WS
    Alta Escuela: WE WA WL WM WS
    Doma Vaquera: WE WA WL WM WS


    Western E A L M S
    Western Pleasure: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Reining: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Trail: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Cutting: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Barrel Racing: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Pole Bending: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Roping: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1
    Hunter under Saddle: LK5 LK4 LK3 LK2 LK1


    Distanz E A L M S
    Distanzritte: EL EVG1 EVG2 EVG3 EVG4 CEN* CEN** CEN***

    Fahren E A L M S

    Dressurprüfung: CAI-A1 CAI-A2 CAI-A4
    Ausdauerprüfung: CAI-M-A1 CAI-M-A2 CAI-M-A4
    Hindernisfahren: CAI-C-A1 CAI-C-A2 CAI-CA4

    Freiheitsdressur / Zirzensik
    Kompliment ✔ | Knien x | Liegen ✔ | Sitzen x | Stehen x
    Rückwärtsrichten ✔ | Spanischer Schritt ✔ | Spanischer Trab x
    Passage ✔ | Piaffe x | Seitengänge x | Traversalen x | Fliegender Wechsel ✔ | Pirouette x
    Steigen (undefiniert) ✔ | Levade x | Pesade x | Ballotade x | Croupade x
    Kapriole x | Courbette x | Lancade x


    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«

    [​IMG]
    Offiziell
    376. Westernturnier
    324. Fahrturnier
    217. Synchronspringen
    220. Synchronspringen
    221. Synchronspringen
    226. Synchronspringen
    469. Dressurturnier
    227. Synchronspringen
    473. Dressurturnier
    229. Synchronspringen
    477. Dressurturnier
    232. Synchronspringen
    233. Synchronspringen
    488. Dressurturnier

    Inoffiziell

    keine

    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


    [​IMG]
    Von Rasmus
    Von Ramires Aus der Evia
    Von Rhondor Aus der Oliviana | Von Uglia Aus der Skandivia

    Aus der Enya
    Von Katander Aus der Elain
    Von Kosmonaut Aus der Verdura | Von Lifur Aus der Emira

    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«

    [​IMG]
    Körpunkte
    Abstammung 0
    Schleifen 14
    HS 2
    TA 2
    Trainer 1
    Zubehör 1
    Gesamt 20


    Schleife
    SK

    Eingetragene Zucht Gwynedd Stables

    Besitzer sadasha (Sophia Finch)
    VKR/Ersteller Muemmi


    Nachkommen
    keine

    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


    [​IMG]
    Letzter Tierarztbesuch 22. April 2018
    Gesamteindruck gut


    Letzte Zahnpflege 22. April 2018
    Letzte Wurmkur 22. April 2018
    Letzte Impfung 22. April 2018


    Letzter Hufschmiedbesuch 22. April 2018
    Ausgeschnitten/Korrigiert 22. April 2018


    Beschlag vorne keiner
    Beschlag hinten keiner


    »⊱ —————————————— ⚜ —————————————— ⊰«


    PNG | Puzzel PNG | Offizieller Hintergrund
    [​IMG]
    Tierklinik Zur Lindenweide
    Besuch bei Emma
    Filou Farrige Etoile Filante und Skadi


    Heute fuhr ich zu einer Kundin die 2 Pferde für mich hatte die ich mir ansehen sollte. Als ich auf dem Hof ankam wurde ich von der Besitzerin der Pferd Emma Chariton begrüßt. Wir gingen gemeinsam in den Stall und wir holten den Friesenhengst Filou Farrige Etoile Filante aus seiner Box. Ich ließ ihn mir Vortraben es sah alles gut aus, dann checkte ich seinen Gesundheitszustand. Der Rappe war in bester Verfassung. Seine Augen waren klar, seine Schleimhäute waren feucht rossig. Dann Impfte ich und gab eine Wurmkur dann sedierte den Hengst den Zahnbehandlung war nie fein. Als er ruhig war machten wir die Maulsperre fest und begann mit der Zahnpflege, es war nötig, noch länger und er hätte nichts mehr gefressen. Nach dem die Zähne wieder in Ordnung waren banden wir ihn in seiner Box fest bis er wieder munter war. Ich trage noch die Neuerungen in seinen Pferdepass ein, während Emma eine alte Bekannte holte. Skadi die schöne weiße perle wie ich sie nannte als sie noch in meinem Besitz war, da ich wusste wie sie auf Tierärzte reagierte bat ich um Unterstützung. „ hallo mein Mädchen!“begrüßte. Sie spitzte die Ohren als ob sie mich erkannte. „ Kennen sie die Vergangenheit der stute?!“ fragte ich Emma, sie verneinte. „ Skadi war lange Zeit in meinem Besitz, in dieser Zeit ist sie desöfteren abgehauen, und hatte sich einmal so schwer selbst vergiftet da wussten wir nicht ob wir sie retten konnten. Es brauchte lange um Skadi ein Vertrauen aufzubauen. Da ich aber zeitlich eingeschränkt war gab ich sie der Züchterin zurück, und jetzt hat sie ein tolles zuhause!“. Auch Skadi ließ ich Vortraben und sie hatte nichts. Ich redete behutsam auf die Stute ein und kontrollierte ihren Gesundheit zustand. Auch da war nichts auffällig und ich impfte die Stute und gab ihr die Wurmkur. Dann sediert ich die schöne und begann ebenfalls mit Zahnbehandlung. Skadi hatte nur ein paar scharfe ecken die sie beim fressen und reiten störten, ich feilte diese wieder glatt und brachte sie in die Box dort banden wir sie an bis sie wieder munter war. Ich trug bei ihr auch alles im Pass ein und machte noch einen kontrollblich bei Filou der mittlerweile wieder munter in der Box stand.
    [​IMG]
    22. April 2018 | 5640 Zeichen von sadasha
    Hufschmiedbericht für Filou Farrigé Etoile Filante und Skadi

    Der Tacho zeigt 140km/h, die Musik ist voll aufgedreht, die Autobahn ist so gut wie frei. Noch 15 Minuten laut Navi bis wir die Gwynedd Stables erreichen. Just als mein Lieblingslied anspielte, drehte ich die Anlage noch ein bisschen mehr auf. Pitch musste mich dafür hassen, doch der Rüde lag eingerollt im Fußraum des Beifahrersitzes und versuchte ein wenig zu schlafen. Beinahe hätte ich die Ausfahrt verpasst. Kurz bevor ich auf den Hof fuhr regelte ich die Lautstärke auf einen normalen Pegel herunter. Noch einmal las ich mir durch was heute anstand, ehe ich ausstieg. Pitch war jetzt wieder hellwach und bereit für Alles, was jetzt kommen mochte. Freudig lief er mit mir um den Wagen herum, aus dessen Kofferraum ich noch den Hufbock nahm, ehe ich den Wagen abschloss.

    Beinahe rannte ich in eine Frau rein, die sowieso schon unsicher auf den Beinen schein. “Entschuldigung! Mrs Charlton?” begegnete ich ihr etwas unsicher durch den Zwischenfall. Sie lächelte. “Keine Sorge, ich bin vielleicht nicht schnell und vielleicht auch nicht gelenkig, aber umgeworfen hat mich noch keiner so schnell. Sind sie Mr. Crowley?” sagte sie ohne meine Frage zu beachten und warf einen Blick auf das was ich bei mir trug. Natürlich erkannte sie mich als Hufschmied. Ohne eine Antwort abzuwarten sprach sie weiter. “Mitkommen, Filou Farrigé Etoile Filante steht noch in seiner Box, ist aber sauber. Falls Ihnen das nicht reicht müssen sie selber Hand anlegen, der Kasten steht da.” Sie deutete auf eine graue Putzkiste, aus der die Putzsachen und Pflegemittel rausquollen, so voll war sie. Der etwas forsche Umgang irritierte mich, doch Mrs Charlton schien das nicht allzu böse zu meinen. Sie wirkte wie jemand, der schon viel erlebt hatte und dadurch Ecken und Kanten entwickelt hat. “Sie wären übrigens ein großer Schatz, wenn sie auch die Stute meiner Kollegin fertig machen würden. Die hatte vergessen sich ebenfalls einzutragen, will aber mit ihrer Stute demnächst durchstarten. Mit zu langen Hufen geht das nur schlecht.” Ich hatte keine Chance etwas zu erwidern, da sie gleich wieder verschwand als wir die Box des Friesenhengstes erreicht hatten. Zum Vortraben musste ich mir also jemand anderen abgreifen. Ein junger Mann, der gerade von einem Ausritt zurückkam band sein Pferd kurzerhand an um Filou vorzuführen. Der Rappe hatte sehr schwungvolle Gänge und fußte recht gleichmäßig auf, was wohl auch seinem Beschlag zu verdanken war. Er neigte sicherlich dazu die Vorderhufe ungleich abzunutzen und stand dadurch etwas nach außen, da auch die Eisen entsprechend zu Grunde gingen. Das ließ sich jedoch durch einen gut Job meinerseits wieder korrigieren. In aller Ruhe schnitt ich die Hufe nacheinander aus und überprüfte meine Arbeitsfortschritte regelmäßig und richtete dann die neuen Aluminiumeisen auf dem Amboss her. Irgendwann tauchte Mrs Charlton wieder auf und wirkte zufrieden. “Sie haben seine leichte Fehlstellung trotz der Eisen bemerkt?” erkannte sie lächelnd und zog meinen Hocker zu sich um Platz zu nehmen. Pitch rannte sofort zu ihr um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Sanft kraulte sie seinen Nacken, während sie mir dabei zusah wie ich die neuen Beschläge aufschlug, ehe ich die Hufe mit Öl fettete. Als ich fertig war streckte ich meinen Rücken kurz durch und sah mir dann an wie Filou mit seinen neuen Eisen lief. Da er Eisen bereits kannte und ich kein Experiment gemacht hatte lief er wie erwartet gut und durfte zurück in seine Box.

    Ich erschrak abermals, als ich mich umdrehte und Mrs Charlton hinter mir stand. Sie lachte triumphierend und begleitete mich zu der Stute ihrer Kollegin. Skadi war Filou vom Gebäude her ähnlich. Der Bau eines typvollen Friesens, doch das Fell war reinweiß. Eine beeindruckende, makellose Gestalt! Mrs Charlton entging nicht, dass mir Skadi gefiel und schmunzelte. “Sie zieht immer die Blicke auf sich. Ist aber nicht ohne. Sie läuft leider genauso schlecht wie meiner, ist aber unbeschlagen.” Schweigend holte ich den Schimmel aus seiner Box und warf einen ersten Blick auf die dunklen Hufe. Nach Mrs Charltons Behauptungen schwante mir Übles, doch ganz so furchtbar sah es gar nicht aus. “Miss Finch korrigiert sie selbst so gut sie kann, wenn es bis zum nächsten Termin noch dauert. Wie es aussieht hat sie das auch dieses Mal wieder gemacht. Lassen Sie sich davon nicht täuschen.” sagte sie mit einem abwertenden Unterton, den ich nicht ganz einordnen konnte. Eigentlich hatte ich gedacht die beiden Frauen hätten ein gutes Verhältnis. Skadi lief beim Vortraben ganz und gar nicht rund. Ich entschied Mr. Owen in der Nähe zu halten, damit ich zwischendurch den Trab nochmal sehen konnte um zu schauen ob die Korrektur griff. Es dauerte eine ganze Weile bis ich zufrieden war. Skadi war zwar ruhig, machte einem die Arbeit aber nicht leicht. Sie suchte sich Beschäftigung und wenn es ihr zu langweilig wurde lag die Beschäftigung darin nicht zu kooperieren. Als ich endlich soweit war nur noch die Hufe zu fetten, überkam mich eine Wonne voll Glückseligkeit. Zufrieden räumte ich mein Werkzeug zurück in die Schmiede , während Mr. Owen die Stute zurück in ihre Box brachte. Als der Arbeitsplatz so sauber war, wie ich ihn erreicht hatte schilderte ich Mrs Charlton meine Ansicht zu Skadis Hufen. Sie zog die Schultern hoch. “Das sage ich ihr ständig, aber Skadi lässt sich wohl nicht beschlagen. Davon ist sie felsenfest überzeugt. Nächstes Mal sollten sie mit ihr persönlich sprechen. Ich werde schauen, dass sich die Möglichkeit bietet. Heute ist sie außer Haus.” Unzufrieden stimmte ich zu. Nachdem wir auch den finanziellen Part geklärt hatten machte ich mich auf den Heimweg.

    [​IMG]
    Trainerbericht Dressur | 31. März 2017 | E - A


    Ich verzog das Gesicht, als der Wecker klingelte, aber nicht, weil ich aus dem Bett musste, sondern weil mich seit Tagen schlimme Halsschmerzen plagten. Irgendwas mit den Mandeln. Ich konnte kaum den Kaffee trinken, den ich auch für den Rest der Belegschaft frisch aufgebrüht hatte und auch die Stimme versagte ihren Dienst immer wieder. Ich schrieb mit Kreide die heutigen Aufgaben an die Tafel, als Willi zur Tür rein kam. „Morgen!“ meinte der in seinem muffeligen Ton, ich nickte ihm nur zu. „Immer noch Halsweh?“ meinte der dann doch mitfühlend und ich nickte noch einmal. Genau in dem Moment kam Dave zur Tür rein, der jetzt seit gut zwei Monaten hier arbeitete und diese Woche auf den Hof gezogen war. „Geht schon, danke“ krächzte ich und räumte den Frühstückstisch hin, während sich die beiden Männer an den Tisch setzten und über die Weiden sprachen. Allmählich kamen auch die anderen: Tom, Mia, Susan und Leo. Nachdem ich die erste heiße Tasse Kaffe intus hatte, konnte ich leichter reden und erklärte mit wenigen Worten die Aufgaben. Leo würde heute mit Willi die hinteren Weiden kontrollieren und ein altes Gatter neu einhängen, Mia und Susan würden sich um die Fohlen kümmern und sich dann den täglichen Aufgaben des Berittes annehmen. Dave würde mit mir und Willi vormittags im Stall klar Schiff machen, während sich Tom an die Büroarbeit machte. Nachmittags, wenn Willi mit Leo unterwegs wäre, würden wir uns um Spring- und Dressurtraining kümmern. „Tom übernimmt Webster und Reykja, die beiden müssen wir mal ein wenig pushen, damit in der Saison auch das Dressurstandbein stärker wird. Wir sind im Fahren und im Military sehr sehr gut, aber nur dafür ein Aushängeschild zu sein, öffnet uns zu wenige Tore in die S-Klassen.“ meinte ich ruhig und hustete dann doch. „Dave wird mir heute Mainstream und Amber abnehmen, für´s Springen bin ich die Woche noch nicht fit genug.“ Dave nickte und lächelte. Er hatte sich in meine Cremellostute regelrecht verliebt und träumte jetzt schon von ihren ersten Fohlen, am besten mit seinem frisch gekrönten Hengst Heros. „Ich selber werde Skadi in der Dressur fördern, sie ist noch sehr niedrigklassig und leicht zu reiten.“ meinte ich weiter und richtete das Wort eher an Tom. „Ist in Ordnung. Kommst du mit in den Stall?“ „Nachdem ich hier aufgeräumt und nach Idefix gesehen habe komme ich euch hinterher.“ Susan erzählte danach von ihren Prüfungen und wie es derzeit mit den Fohlen lief. Sie himmelte dabei heimlich Dave an, allen war ihre große Zuneigung zu ihm längst aufgefallen, vor allem Leo. Dave nickte nur, lächelte freundlich und klemmte sich dann den letzten Rest seines Honigbrotes in den Mund, bevor er das Kammerl verließ. „Man, Susan. Wegen dir kann Dave nichtmal in Ruhe frühstücken.“ meinte Willi dann ganz ungeniert. Leicht beleidigt, weil ihr Schwarm einfach so abgerauscht war, strich sie sich ihre Semmel. „Kümmer dich doch um dein Zeug Willi.“ erwiderte sie trotzig. „Schluss mit dem Kindergarten. Ihr kennt Dave doch, immer auf Achse.“ Tom. Er hatte es dick, wenn in der Früh schon Unfrieden auf den Hof kam. Dann wandte er sich an mich: „Lass stehen Luisa. Ich mach das schon. Geh rüber.“ Dankbar lächelte ich ihm zu und ging Dave hinterher in den Flur ins Hauptzimmer. Dort am Ofen hatte Idefix sein Körbchen. Er wurde in letzter Zeit immer schwächer, die letzten kalten Tage im Februar hatten ihm stark zugesetzt und er hatte sich trotz der ersten sommerlich, warmen Frühlingstage nicht wieder erholt. Der Tierarzt war letzte Woche hier und sehr deutlich: Wenn sich Idefix nicht in den nächsten Tagen deutlich erholen würde, sähe er keinen Ausweg mehr. Er war mittlerweile auch schon 12 Jahre alt, für einen Jack Russel eigentlich noch nicht sehr alt, allerdings war auch seine Mutter Paddi nur 10 Jahre alt geworden. Zu meinem Erstaunen saß Dave neben dem Körbchen und kraulte den weißen Rüden. „Er sieht besser aus. Schlapp und müde, aber deutlich besser.“ „Na mein Schatz, wie geht’s dir? Ja, komm her, lass ich in den Arm nehmen.“ flüsterte ich Idefix zu, der mir vorsichtig die rechte Backe ableckte, nachdem ich mich im Schneidersitz neben Dave gesetzt und meinen Hund auf den Schoß gezogen hatte. „Wenn du nur mal so mit mir reden würdest.“ scherzte Dave und streichelte Idefix über den Kopf. Ich zuckte innerlich zusammen. Solche Dinge sagte er mir in letzter Zeit häufiger. „Das ist nicht witzig Dave.“ sagte ich doch recht kühl und kraulte Idefix den Bauch. Der lag jetzt in meinem Schoß und schien sich wirklich langsam zu erholen. „Entschuldige.“ sagte der jetzt ernst, ein wenig Bedauern schwang in seiner Stimme mit. „Außerdem weißt du, dass das nicht geht.“ Ich hob Idefix wieder zurück in sein Körbchen und breitete die Decke über ihm aus. Er kuschelte sich ein und sah mich von unten mit runden Augen an. Ich streichelte nochmal über seinen Kopf, dann sah ich Dave an. Der hatte die Strin gerunzelt. „Ich würde mit Susan in Teufelsküche kommen.“ Da verdrehte er seine hübschen blauen Augen, die auch mich nicht ganz unberührt gelassen hatten, seit er vor einigen Wochen das erste Mal vor mir stand. „Ehrlich Dave, du musst Susan da mal klar sagen, dass es so nicht weiter geht. Tom ist grad nach deinem Abflug in die Presche gesprungen. Und ich möchte mich da nicht einmischen.“ Ich stand nun auf, er tat es mir nach. „Warum das?“ überging er meinen Tadel und sah mich auf einmal sehr durchdringend an. Ich schwieg zwei Sekunden, rührte keine Miene und meinte dann: „Klär das!“ Und grinste dann doch. „Ok, ist in Ordnung, ich rede später mit ihr.“ gab er dann lächelnd nach, sah dabei aber auch schuldbewusst auf den Boden. „Ciao Kleiner!“ zwinkerte ich Idefix zu und bat Dave dann, mir zu folgen. „Tom war so lieb, den Küchendienst zu übernehmen. Er war gestern lange fleißig, Bürokram wird heute kaum anfallen. Da hat er endlich genügend Zeit für Webster und Reki.“ „Letztere macht sich auch langsam richtig, richtig gut, ich hab ihm erst zugesehen, er hat ein Händchen, den Jungpferden die Lektionen schnell anzutrainieren.“ „Und sie sauber abrufen zu lassen und sie zu korrigieren. Ohne Tom wären wir wohl wirklich aufgeschmissen. Wir denken aber trotzdem darüber nach, einen zweiten Korrekturreiter einzustellen. Was meinst du?“ „Ich? Ich bin für Dressur nicht gut genug, um mir da eine Fachmeinung zu bilden. Aber einen Korrekturreiter mehr könnten wir gut brauchen.“ Susan kam genau in dem Moment hinter uns aus dem Haupthaus, auch sie hatte wohl ihr Frühstück schon beendet, dicht gefolgt von Leo und Willi. Als sie mich mit Dave zusammen sah, änderte sich kurz ihr Gesichtsausdruck. Ich hasste es, in diesem Drama Teil zu sein, obwohl ich mich nie direkt einmischte. Also schickte ich Dave mit einer direkten Anweisung sofort vor in den Stall und unsere Wege trennten sich. Ohne nochmal auf Susan einzugehen, machte ich mich an die Arbeit und fütterte die Pferde. Willi fuhr mit dem Traktor den Mist zusammen, während Leo und Dave das Ausmisten anfingen. Mia kam kurz vorbei und meinte, dass der Tierarzt angerufen hätte, dass er morgen nochmal nach Idefix sehen wollen würde. „Danke dir!“ Dann zog sie wieder von dannen, Susan hinterher. Als ich fertig mit Füttern, Heu geben, Putzen und Fegen war, holte ich Skadi und bürstete ihr schneeweißes Fell sauber und flocht ihr einen Bauernzopf in die Mähne. Sie sah damit immer recht hübsch aus. Dann sattelte ich sie und führte sie hinüber zum Platz. Dort war Tom mit Webster schon fleißig am Wiederholen der letzten Übungen, der Holsteinerhengst war wirklich ein Prachtkerl und tanzte unter Tom nur so dahin. Was ich im Springen und im Military gut konnte, hatte Tom in der Dressur perfektioniert. So ergänzte sich jeder auf dem Hof. „Sieht super aus!“ meinte ich, als er locker an mir vorbei galoppierte. Von der Stute ließ sich der Hengst nicht wirklich ablenken, Skadi stand auch ganz brav neben mir und ließ mich in Ruhe aufsteigen. Im versammelten Trab kam Webster erneut vorbei, ging dann wieder in den Mitteltrab und erneut in den Galopp. Die Hilfen von Tom waren kaum zu sehen. Ich ritt Skadi warm, bevor auch ich los legte und die einfachsten Sachen abfragte. Skadi würde heute von A auf E aufsteigen, Webster allerdings den großen Sprung von A nach L machen. Deswegen übernahm das Tom. Ich ritt also mit meiner leichten Erkältung heute nur einige wenige A-Aufgaben, die sich aus Mitteltrab und -galopp, Ganzen Bahnen, Zirkeln, Schlangenlinien und Volten zusammen setzten. Ich Leichttrabte und saß aus, hielt, wechselte den Zirkel, ritt Bögen und galoppierte wieder an. Ich liebte Skadis Galopp. Anfangs war die Stute wirklich schwierig, weil sie neu auf dem Hof war und mich noch nicht kannte. Auch bei Tom testete sie erst an, aber war dann wirklich sehr gelehrig und auch gut zu reiten. Sie war eigentlich nur unterfordert, denn als Warlander hatte sie eine kräftigere Statur und wurde meist als Kaltblutpferd gehalten, das eben nicht sehr viel spritzige Aufgaben brauchte. Skadi aber hatte Köpfchen. Der zwar ebenso intelligente Webster aber war anders. Der schwitzte mittlerweile ordentlich unter Tom, der dem Hengst viel abverlangte. Er war die Ruhe selbst und war auch gern dazu bereit, sich ausgiebig streicheln zu lassen. Er bettelte nie und war auch sonst sehr sozial. Allerdings hatte er sich sehr sehr schnell als Springer disqualifiziert, als klar wurde, dass wir ihn niemals über einen Wassergraben bringen würden. Davor hatte der Hengst nämlich ziemlichen Respekt. „So gar nicht seine Mutter Lacura...“ meinte ich damals trocken, die im vorherigen Leben wohl ein Fisch gewesen sein musste. Tom ritt gerade die letzte Runde ab und hielt auf das Gatter zu, als sich Dave zu uns gesellte. „Soll ich ihn dir abnehmen?“ meinte der, doch Tom winkte ab. „Lass mal. Ich hab heute nichtmehr viel zu tun. Und Reykja braucht nicht sehr lange, ich hab viel mit ihr gemacht letzte Woche. Aber danke.“ Dave sah Tom hinterher, der langsam am langen Zügel hinüber zu den Hauptstallungen ritt. „Du, Luisa. Mia würde Mainstream gerne im Training übernehmen wollen, bei den Fohlen ist alles klar und ihre Reitschülerin ist abgesprungen. Daher geht sie mit Susan zusammen trainieren in der Halle. Wäre das ok für dich?“ Als wenn der Tagesplan auch nur 3 Stunden so bleiben würde, wie man ihn aufgestellt hat. Auf einem Hof ändern sich dauernd zig Sachen an einem Tag, aber ich liebte Mia dafür, dass sie sofort zur Stelle war und den anderen die Arbeit abnahm. Zusätzlich war Susan fest eingebunden. „Ist gut. Und Amber?“ „Mach ich. Nach dem Mittag. Bist du fertig mit Skadi?“ Ich nickte. „Geht´s dir gut?“ fragte er dann vorsichtig, als ich nochmal hustete, nachdem ich abgestiegen war. „Ja. Ich würde mich nur Mittags gern eine Stunde hinlegen. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich bei Amber gerne zusehen.“ „Ob ich da noch ordentlich Springreiten kann,...“ murmelte er und mein Herz machte einen Satz. Schon die zweite Anmerkung heute. Derweil war Military Dave´s Fachgebiet. Amber hatte vor einigen Wochen die Klasse S im Springen erreicht und sahnte seither in den Turnieren eine Schleife nach der anderen ab. Nun würden wir die Stute ins Gelände lassen. Ich ließ auch das unkommentiert und führte die weiße Warlanderin hinüber den Stallungen. Dort half Dave mir ohne weitere Worte beim Absatteln und versorgen der Stute. Als er ihr abschließend liebevoll den Kopf streichelte, sah ich ihm einen unbeobachteten Moment lang zu. Mir war damals schon klar, dass er den Hof auf den Kopf stellen würde. Aber dass er auch mich so erwischen würde… als er sich zu mir her drehte, lächelte ich dann doch, was ihn jetzt verwundern ließ und meinte, dass ich hinüber gehen würde, um das Mittagessen zu kochen. „Ich fahre hinaus zu Willi und Leo. Denen helfen. Ich bring sie dann mit, wenn wir fertig sind.“ Er verließ den Stall, ohne mich noch einmal anzusehen. Jetzt war ich verwirrt. Ich ging hinüber und kochte Gratin. Mittags kamen dann auch alle, Mia erzählte mir vom Fortschritt mit Mainstream. Sie Stute war jetzt im Stande, Sprunghöhen von 1,50m hühelos zu nehmen. „Wir haben 10 Hindernisse aufgebaut, das mit dem Wassergraben haben wir mal wieder provisorisch gelöst. Aber sie macht das sehr sehr gut. Da sie ja schon in der Klasse S geht, war sie heute sehr gelehrig. Und die S* wird keine Schwierigkeit mehr sein.“ Ich war glücklich, dass das mit Mainstream so gut klappte und ich neben Amber jetzt auch eine weitere Stute hatte, die in der S -Klasse ging. Die Saison würde bestimmt die ein oder andere Schleife nach Naundorf bringen. „Ok, also ist das auch geschafft. Danke euch beiden!“ Ich lächelte und Susan schien das mit dem Frühstück schon wieder vergessen zu haben. Sie schien immer wie ausgewechselt, wenn sie bei den Fohlen war, ganz egal, was den restlichen Tag passierte. Ich musste zugeben, dass sie bei ihrer Hingabe für die Fohlen durchaus ein Händchen bewies und nun hatten wir ja mit unseren Neuankömmlingen und Babys so einige auf dem Hof. Wir aßen zusammen und dann ging es wieder auf den Hof. Leo begleitete Willi noch bei den Reparaturen und zog auch Susan mit ins Boot. Tom machte sich ans Training mit Reykja und wollte danach ins Büro gehen. „Ist in Ordnung, dieses Mal räume ich auf.“ versprach ich und fing an, abzuspülen. Dave blieb erst am Tisch sitzen und studierte die aktuellen Anmeldungen für die wöchentlichen Turniere. „Lass mich dir helfen, dann kannst du schlafen gehen und dich erholen. Ich melde für die Turniere diese Woche, danach mache ich Amber fertig. In zwei Stunden, wenn du zusehen willst, können wir uns auf dem Platz treffen.“ „Ist ok, danke Dir.“ Er stand jetzt an der Spüle und stellte die letzten Teller neben das Waschbecken. In mir schlug sich die Erschöpfung die Bahn und ich war wirklich dankbar. Ich legte das Spültuch neben Dave und berührte ihn mit der rechten Hand an der Schulter, als ich mich bedankte. Zu Müde, um noch genau auf ihn zu achten ging ich hinüber zu Idefix, nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach oben. Dort kuschelte ich mich in sein Fell, streichelte ihn und schlief dann ein. In weiter Ferne hörte ich Dave das Geschirr verräumen, dann den Kaffee kochen, Willi war kurz im Haus und telefonierte, ich hörte Susan und Dave kurz miteinander reden, dann wieder Ruhe. Ich dämmerte so vor mich hin. Dann Geschirrklappern. Ich drehte mich um und auch Idefix spitzte müde die Ohren. „Luisa?“ flüsterte Dave vorsichtig, als er die Türe zu meinem Schlafzimmer aufdrückte. Meine Wohnung war für jeden meiner Angestellten offen, solange ich mich dort befand und die Haustüre offen stand. Eine Vereinbarung, die aber jeder nur im Notfall nutzte. Sie lag über den Gemeinschaftsräumen und dem Büro, direkt neben der von Tom. „Ich stell dir den Tee da hin, Honig ist auch dabei. Lass dir Zeit, ich telefoniere noch eben mit einem Veranstalter wegen dem Jubiläumsturnier, dann mache ich Amber fertig.“ „Ist die Zeit schon rum?“ murmelte ich und sah ihn müde an. „Du hast fast drei Stunden geschlafen.“ meinte er, lächelte und ging dann wieder. Was? Drei Stunden? Idefix schnarchte neben mir, ich versuchte ihn nicht zu wecken, als ich aufstand und mir meine warmen Reitsachen anzog. Nebenzu nippte ich am Fencheltee, den keiner außer mir auf dem Hof leiden konnte. Dann ging ich nach unten. Dave war schon weg, die Küche aufgeräumt, das Büro leer. Tom war also noch im Stall. Als ich durch die Gasse ging, führte er Reykja gerade aus dem Solarium. Auch sie hatte er ordentlich gefordert. Reki würde Webster dicht folgen in der Dressur und sollte mit ihrem Stammbaum zusätzlich ein kleines Juwel unseres Hofes werden. Sie war gerade 6 Jahre alt, genau richtig, um ordentlich mit dem Training anzufangen, was man ihr auch optisch ansah. Ihr Vater Red war immer ein Baby geblieben, Reki allerdings schlug voll nach Seana, auch wenn diese ihr keinerlei Scheckung mitgegeben hatte. An die Überraschung bei der Geburt kann ich mich heute noch erinnern. „Sie war heute wirklich sehr lieb, ist sie immer, aber sie macht Webster echte Konkurrenz. Ich würde sie die Woche bei der Dressur vorstellen, vielleicht haben wir ja Glück. Derzeit sind viele starke Newcomer in der Gegend.“ Tom warf Reki eine leicht verblasste, rote Fleecedecke über und wickelte ihr Bandagen, während er mir berichtete, was er heute mit Reykja alles gemacht hatte. Die Stute würde ab sofort in der L-Klasse gehen, genauso wie Webster. Ich hatte vollstes Vertrauen in Tom und freute mich, man sah ihm richtig an, dass er heute Spaß hatte. „Ich werde rüber zum Spielplatz gehen, Dave trainiert Amber heute das erste Mal im Gelände.“ Tom nickte, wenn die Rede vom ´Spielplatz´ war, dann war unser kleiner Parcour auf einer abseitigen Wiese gemeint, den wir extra für´s Military hergerichtet hatten. Der Begriff kam von Leo und Dave, der sich irgendwann bei uns eingebürgert hatte. Den Namen hatte der aber eigentlich gar nicht mehr verdient. Nicht wie zu Anfangs standen dort nur 8 Hürden, sondern mittlerweile über eine Sandfläche und den Teich erweitert ganze 25 Stück. Wir hatten vor vier Wochen ordentlich angepackt, Baumstämme gestapelt, Hecken gepflanzt und einen reitbaren Weg zum Teich hinunter angelegt. Das meiste stammte vom Gelände selbst, die Bäume waren Rückschnitte der umliegenden Birken und Kiefern. Ich schlich mich langsam zum größten dieser Baumstämme, die wir seither oft als Zuschauerplatz nutzten und lehnte mich halb an. Dave hatte mich noch nicht gesehen und jagte Amber über den Platz. Die Stute sah unter ihm so wahnsinnig beeindruckend und stark aus, irgendwie stimmte die Chemie zwischen den beiden. Dann setzte sie zum ersten Sprung an, schloss sauber ab, warf die Beine nach vorne und galoppierte wild schnaubend auf das nächste Hindernis zu. Dave ritt manchmal sehr riskant, was mir nicht immer gut gefiel, aber wenn er auf Amber saß, war er wie ausgewechselt. Er lobte ihr klopfend den Hals, als er immer noch unbemerkt in meiner Nähe vorbei kam. Nur Amber hatte mich gesehen und spitzte die Ohren, was auch Dave registrierte. Er sah sich nach dem Baumstamm um, ich winkte ihm und ging langsam in die Mitte des Platzes. Er nickte angestrengt, nahm die Zügel kürzer und ritt das nächste Hindernis an. Er brauchte zwei Sprünge, um wieder genauso gut zu reiten, wie in der ersten Runde – oder bildete ich mir das nur ein? „Sie kommt gut an den Sprung und landet auch sauber, nur die Höhe macht mir immer Sorgen. Und sie muss zügiger ins Wasser. Lass ihr mehr Platz vorne, das sah eben richtig gut aus Dave!“ Er sagte nichts, grinste und ließ sich ein paar Zentimeter Zügel aus den Händen ziehen. Amber schnaubte ab und setzte erneut an, wuchtete ihr und Dave´s Gewicht über den ersten Stamm, dann über den Absprung und hinunter zum Teich. Sie zögerte merklich, aber Dave ließ nicht locker und trieb sie abwärts. Mit einem mächtigen Satz brach sie die Oberfläche ein, die eben noch spiegelglatt gewesen war und preschte auf der anderen Seite hinaus. „Guuut! Super!“ rief ich lobend, mich so über den ersten Erfolg freuend, dass ich kurz meine kaputte Stimme vergaß. „Sehe, du hast den Tee getrunken!“ lachte Dave und trabte Amber kurz an, ritt einige Wendungen und ließ sie dann kurzzeitig Schritt gehen. „Haha.“ Ich grinste in den Boden. „Fühlst du dich besser?“ „Ja, aber immer noch starke Halsschmerzen. Evt. fahre ich morgen rüber zum Tom´s Mutter, die hat immer einen guten Rat.“ Ich lächelte und sah ihn jetzt direkt an. Da schnalzte er mit der Zunge und trieb Amber wieder zum Galopp. Gut eine Dreiviertel-Stunde ritt er Amber durch den Parcours, wechselte Ruhe- mit Trainingsphasen ab. Dann war auch hier endgültig Schluss. „Mach Feierabend!“ Ich hob die linke Hand und winkte, bevor ich hinüber in den Stall ging. Abendfütterung. Vorher drehte ich aber noch eine Runde zu den Fohlen und zu Taciturn. Die Shettystute war die Erzieherin in dem Babyhaufen aus Nachkommen meiner letzten Zuchtpferde des Gestütes Ammersee. Viele meiner alten Hasen waren jetzt in Ruhestand und auf der Gnadenweide. Dann ging es wirklich in den Hauptstall, füttern, misten, die restlichen Pferde von der Weide holen. Willi, Leo und Susan kamen von den Weiden. „Das Holztor draußen war doch maroder, als ich dachte. Wir haben ein neues gebaut, sind aber nicht ganz fertig geworden. Ich müsste morgen auch neue Aufhänger für die Angel holen. Ich bin eh in der Stadt. Die alten hat es bei dem Sturm so verbogen.“ berichtete mir Willi und ich schickte ihn und die Azubis in den Feierabend. „Ich krieg das hier hin, alles gut, Tom ist drin im Büro, sagt ihm, dass er ebenfalls Feierabend machen kann. Der Rest kann bis morgen warten.“ „Danke, schönen Feierabend!“ Leo und Susan machten sich auf den Heimweg, beide wohnten in der Nähe des Hofes und hatten über das Wochenende frei bekommen. „Ciao Dave, schönes Wochenende!“ „Ciao Leo, bleib sauber!“ lachte der und betrat mit Amber im Schlepptau die Gasse. Ich war schon am Fegen, als er den Sattel und das Zaumzeug in die Kammer trug. „Hier ist alles sauber, Licht ist aus. Ich geh rüber in den Hengststall und schau nochmal nach dem Rechten.“ „Ist ok, ich mache hier alles klar und geh dann rüber.“ „Ok, bis gleich.“ Ich fegte den Rest zusammen, löschte dann auch das Licht und ging in die Küche. Dort saß Tom und rauchte seine Feierabendpfeife. Wir redeten noch lange über die Fahrturniere und die Dressuren, die Erfolge und auch über den zweiten Korreturreiter, als Dave wenig später dazu kam. Als es auf 21:00 Uhr zu ging, verabschiedete ich mich von den beiden, die mir eine gute Nacht wünschten. Ich ging aber erst noch hinüber ins Büro. Das Hoftagebuch war aufgeschlagen und der Eintrag für heute von Tom schon gemacht. Er hatte den Alltag und die Reparaturen notiert, die Fortschritte der Trainingseinheiten und was die Azubis heute gemacht hatten. Für die Pferde stand notiert:
    „Trainingseinheiten in der Dressur: Webster von Weltstar von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Reykja aus der Seana von Red Diamond II von Niveau A auf Niveau L – erfolgreich abgeschlossen, Skadi vom Gestüt Helsing von Niveau E auf Niveau A – erfolgreich abgeschlossen, erstere beiden geritten von: Tom Weber, letztere von: Luisa Goeke, Trainingseinheiten im Springen: Red Possy Pleasure Mainstream aus der Ysun von Red Diamond von Niveau S* auf S** - erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Mia Andalik, Trainingseinheiten im Military: Amber von Atlanta von Niveau L auf Niveau M – erfolgreich abgeschlossen, geritten von: Dave Lange. Unterzeichner: Tom Weber“
    Ich lächelte und klappte das Buch zu, löschte das Licht und ging dann nach oben. Für heute waren wir wirklich fleißig genug gewesen.

    (c) Muemmi | 22.544 Zeichen

    Die Kür
    "Sophia ihr seid jetzt an der Reihe!" rief Eve mir aufgeregt zu, denn ich hatte die Ansage aus dem Lautsprecher gekonnt überhört, während ich Skadi noch warm ritt. Die Schimmelstute war nun schon seit ein paar Wochen bereit für diese Prüfung und wir würden sie gemeinsam ohne Probleme meistern. So zumindest der Plan. Höchst motiviert trabten wir in die Halle und hielten in der Mitte um die Richter zu grüßen. Dann starteten wir auf der linken Hand im Trab und ritten auf den nächsten Zirkel. Hier galoppierten wir an und automatisch veränderte sich Skadis raumgreifender Trab zu einem kompakten, versammelten Galopp. Um das Arbeitstempo zu halten, trieb ich ein wenig hinterher. Die hübsche Stute reagierte und gab ein wenig mehr Dampf. Nach drei Runden parierte ich zum Schritt und ritt wieder auf die ganze Bahn. An der nächsten langen Seite trabte ich sie wieder an und ritt einfache Schlangenlinien, ehe wir mit einer Kehrtvolte den Hufschlag wechselten. Skadis Ohren schossen beim Anblick der vor ihr liegenden geraden nach vorne. Diese Motivation nutzte ich um auch auf der rechten Hand einen guten Galopp vorzustellen. Auch Trab und Schritt stellten wir auf dieser Hand noch vor, ehe wir uns wieder in der Hallenmitte einfanden um uns von den Richtern zu verabschieden. Abermals im Trab verließen wir die Halle. Draußen angekommen sprühte Skadi weiterhin vor Energie und so beschloss ich sie noch gut abzureiten. Erst dann brachte ich den hübschen Schimmel zum Pferdehänger, wo Eve bereits auf uns wartete.
    1515 Zeichen | gezählt mit charcount.com | von sadasha

    [​IMG]
     
    Bracelet, Tassila, Cascar und 3 anderen gefällt das.
  3. Cascar

    Cascar ∞ SchafZähmer und PapageienZüchter ∞

    Cascar Winterscape präsentiert
    Himmawallajugaga

    himmi_zuchthg_off.jpg

    Steckbrief
    Stallinterne Informationen
    _________________________________

    Zuchtname des Pferdes: Himmawallajugaga
    Rufname(n): Himmi, Walla, Rose
    Besitzer: Cascar Winterscape
    Reitweise: Englisch
    Vorbesitzer: Canyon
    Vorkaufsrecht: Zambi

    Tierarzt: Eddi Caen
    Hufschmied:
    Ausbilder: Cascar Winterscape
    Reitbeteiligung:

    Stall: Stutenstall
    Weide: im Gelände liegende Koppeln
    Einstreu: Stroh
    Futter: Heu, Saftfutter;
    Kraftfutter 2x täglich
    Anmerkungen:

    Portrait:


    Abstammung
    _________________________________


    Von: Glucerinus
    Glacoom x Kjirgia

    Aus der: Hamba Nala
    Klimaxx x Hamba Senegal

    Zur Zucht zugelassen:

    Züchter: unb.
    Eingetragene Zucht:
    Akhal Teke Breeding Association (ATBA)
    / Winterscape Stables (WCS)
    Gencode: n. g.
    Vererbung: n. g.
    Nachkommen:


    Exterieur
    _________________________________

    Geschlecht: Stute (weiblich)
    Geburtsdatum: 02.02.2012
    Rasse: Achal Tekkiner
    Herkunft: Neuseeland

    Stockmaß/Endmaß: 170 cm
    Art: Pferd
    Typ: Vollblut

    Fellfarbe: Rappschimmel, metallic
    Langhaar: dunkelgrau
    Abzeichen:
    Sonstige Erkennungsmerkmale:


    Interieur
    _________________________________

    freundlich ◆◆ bösartig

    introvertiert ◆◆◆ extrovertiert

    intelligent ◆ unintelligent

    selbstbewusst ◆◆◆ unsicher

    sozial ◆◆ unsozial

    nervös ◆◆◆◆ beständig

    ausgeglichen ◆◆◆ unausgeglichen

    temperamentvoll ◆◆◆ ruhig

    aufmerksam ◆◆◆◆ unaufmerksam

    streitlustig ◆◆◆ friedlich

    naiv ◆ dominant

    loyal ◆◆◆◆ untreu

    arbeitsfreudig ◆◆◆ faul

    geduldig ◆◆◆ ungeduldig


    Charakterbeschreibung: Himmawallajugaga ist eine imposante und, im Vergleich zu anderen
    Pferden ihrer Rasse, recht große Erscheinung. So bringt sie eine gewisse Austrahlung, die nur
    einigen Tekkinern eigen ist, von Haus aus mit. Besonders auf Shows und in der Freiheitsdressur
    kann sie so Zuschauer in ihren Bann schlagen und für die Rasse begeistern.
    Charakterlich besitzt Himmi viele Eigenschaften, die sie außerhalb der Bahn zu einem
    ruhigen, verlässlichen Pferd machen, das gerne arbeitet gefordert werden will.
    Im Wettbewerb hingegen entwickelt sie einen eigenen Kopf, zeigt Ehrgeiz und Entschlos-
    senheit. Nicht zuletzt diese Eigenschaften machen den Schimmel zu einem guten Rennpferd.

    Geschichte: Himmawallajugaga stammt aus Neuseeland, wurde jedoch einst aufgrund der
    Auflösung der Tekkinerzucht nach Norwegen verkauft. Nun soll ebendiese wieder in das Leben
    gerufen werden, weshalb die Stute erneut einen Platz in der Herde der WCS findet.
    Der Schwerpunkt ihrer Förderung liegt derzeit im Renn- und Distanzbereich.


    Qualifizierungen & Erfolge
    _________________________________

    Eignung: Distanz, Galopprennen

    Springen: E A L M S
    Military: E A L M S
    Western:
    Distanz: E A L M S S* S** S***

    Galopprennen: E A L M S S* S** S***
    Fahren:

    Dressur: E A L M
    Gangreiten:
    Wendigkeit: E A L M S

    Turnierbedingter Aufstieg | Trainingsaufstieg | Potential


    Auszeichnungen:

    [​IMG][​IMG][​IMG][​IMG][​IMG]

    2. Platz; 266. Distanzturnier | 1. Platz; 356. Galopprennen
    1. Platz; 440. Galopprennen | 1. Platz; 441. Galopprennen
    1. Platz; 442. Galopprennen


    Ausbildungsstand
    _________________________________

    Fohlen ABC:
    Longiert:
    Eingeritten:
    Eingefahren:

    Beurteilung: Himmi ist stets konzentriert bei der Arbeit, möchte
    aber gefordert werden und ist selten erschöpft. So stellt sie an einen Trainer
    recht hohe Ansprüche.

    Gelassenheitstraining:
    Hindernisgewöhnung: ✔
    Hängergewöhnung:
    Startboxgewöhnung:

    Roundpen: schnell, konzentriert, buckelt gern
    Reitplatz/Reithalle: gibt nur ungern im Nacken nach,
    raumgreifende Gänge
    Gelände: schaut gerne alles an, für jeden Spaß zu haben,
    mag Wasser und Querfeldeinritte, trittsicher


    Gesundheitszustand
    _________________________________

    Gechippt:
    Geimpft:
    Bekannte Krankheiten:
    Anmerkungen:

    Hufzustand: annehmbar
    Prüfstand:
    Beschlag vorn:
    Beschlag hinten:
    Anmerkungen: etwas lange Hufe,
    nicht beschlagen

    Tierarztbericht (28.04.2018) (Calypso)
    Heute verschlug es mich zu Cascar Winterscape nach Neuseeland. Wir kannten uns bereits, sie hatte ein paar Pferde von mir trainiert, und ich war froh sie mal wieder zu sehen. Gegen Nachmittag kam ich bei ihr an und die Begrüßung war sehr freundlich und vertraut. Sie führte mich sogleich zu ihrem Achal Tekkiner Hengst Yacedor Gepir. Der große, schlanke Cremello Hengst begrüßte mich mit einem energischen Schnauben. Nach dem ersten Kennenlernen ließ ich ihn mir zuerst von Cascar auf dem Hof vorführen, im Schritt und Trab. Danach tastete und hörte ich ihn genauestens ab. Er war sehr temperamentvoll, das merkte ich schnell, aber keineswegs ängstlich oder aggressiv. Nach der Routineuntersuchung wollte ich weiter machen mit den Impfungen. Ich sah mir seinen Impfpass genau an und bereitete dann alles vor. Cascar hielt den Hengst am Halfter fest als ich die Spritzen verabreichte. Ein bisschen rumgezappel und aufgeregtes Schnauben waren alles was Yacedor Gepir von sich gab. Lobend tätschelte ich ihn am Hals. „Gut dann machen wir gleich mit den Zähnen weiter.“ beschloss ich und sah mich um ob wir hier an Ort und Stelle die Behandlung fortsetzen konnten. Vorher checkte ich aber noch schnell den Chip mit dem Lesegerät. Schließlich, nach einigen Diskussionen, hatte Gepir das Maulgitter dran und ich sah in sein Maul. Ich konnte nichts gravierendes feststellen und feilte nur ein paar Kanten ab. Der Hengst schlug sich tapfer und war zum Glück recht händelbar. Kurz darauf stand er wieder zufrieden in seiner Box und würdigte mich keines Blickes mehr. Ich nahm ihm das nicht übel, so reagierten die meisten Patienten von mir. „Gut, dann hole ich mal Himmawallajugaga.“ meinte Cascar und machte sich auf den Weg zur Box. Wow, was für ein Name, dachte ich mir und musste grinsen.Die fast schwarze Stute wurde angebunden und machte auf mich sogleich einen ruhigen, ausgeglichenen Eindruck. Auch bei ihr fing ich wieder damit an sie abzuhören mit dem Stethoskop und abzutasten. Cascar führte sie dann auf dem Hof im Schritt und Trab vor. Sie lief taktrein und alles war in Ordnung. Impfen klappte mit Himmawallajugaga einwandfrei. Ein paar beruhigende Worte und Streicheleinheiten und die Stute ließ alles mit sich machen. Ich hoffte das es mit der Zahnbehandlung genauso ablaufen würde. Auch bei ihr kontrollierte ich natürlich die Chipnummer und holte dann das Maulgitter für die Zahnuntersuchung. Bei ihr war es zunächst nicht ganz so leicht das Maulgitter anzulegen. Sie warf den Kopf hoch und ging etwas rückwärts. Mit viel Geduld schafften Cascar und ich es dann doch und die Pferdebesitzerin hielt sie gut fest, während ich mir das Gebiss genauestens ansah. Auch bei ihr waren nur kleinere Unebenheiten im hinteren Zahnbereich, die ich leicht weg feilen konnte. Ich arbeitete mit einer Handfeile und keiner elektrischen. So konnte ich genauer sein und ich hatte die Erfahrung gemacht das es die Pferde viel weniger nervös machte. Nach einer halben Stunde waren wir fertig und die dunkle Stute wurde entlassen. Ich trug dann die Impfungen in deren Pässe ein und schrieb eine Überweisung für Cascar´s Hengst Bem-Te-Vi. Er sollte kastriert werden aber ich machte solche Eingriffe nicht ambulant, das war mir einfach zu riskant. Durch die Überweisung würden sie schneller einen Termin in einer Pferdeklinik bekommen. Die Überweisung und die Wurmkuren gab ich Cascar mit und wir hielten noch einen kurzen Plausch, bevor ich mich auf den Weg nach Hause machte. – vom 28.04.2018

    Trainingsberichte (10)
    Rennen E/A (Cascar)

    Der Tag ist entsetzlich warm, selbst um sieben Uhr morgens. Trotzdem fällt es mir ziemlich leicht, die zierlichen Reitstiefel, die ich ausgesprochen gern benutze, wenn es um meine Tekken geht, anzuziehen und das Haus zu verlassen. Auch im Stall bin ich die erste, also beginne ich ohne Umschweife mit dem Füttern der Pferde. Nach dem gestrigen Aussortieren zur Sommerweide ist es hier drin deutlich ruhiger und ich lasse mir Zeit. Gegen halb acht treffen dann Olli, Marc, Maria und zu meiner Freude die neuen Besitzer von Devri, Diego und Rubi, ein. Die letzteren sind Geschwister, ehemalig auf das Training von Rennpferden spezialisiert und seit kurzem mit auf dem Hof. Als Ausbilder. „Morgeen.“, grüßt als erster Oliver, bevor er sich einmal durch die blonden Haare fährt und dann Himmi den grauen Schopf krault. Ich grinse, erwidere den Gruß und zeige dann den Geschwistern die Box ihrer Stute. Sie haben die Liebe bisher erst ein- zweimal gesehen und begutachten die imposante Falbin einmal mehr neugierig. Farblich passen Pferd und Reiter gut zusammen: Diego hat rotes Haar, das er beim Frisör fesch hat schneiden lassen. So sieht man ihm seine knapp vierzig Jahre kaum an. Auch Rubi scheint noch jung, ich weiß, sie ist mitte dreißig, aber ihre Augen glänzen und das dunkelbraune Haar ist stark.

    „Du musst zu Feuerzauber!“, rufe ich kurzerhand Marc zu, der daraufhin auf den Hacken umkehrt und, wie ich annehme, zum Turnierstall läuft. Ich habe dann endlich Zeit für Dizzy, den Maria soeben aufgehalftert und aus der Box geführt hat. Der (leider sehr dreckige) Rappe ist mein heutiges Pferd und weil Maria nichts zu tun hat, hilft sie mir beim Putzen und Satteln. Mit Diego haben wir eine neue Trainingsmethode für unsere Galopper entwickelt. Diese baut deutlich mehr auf Kondition und den Ehrgeiz unserer Hottas.

    Vierzig Minuten später reiten wir über Trainingsmethoden und Turniererfolge redend vom Hof, hintereinander, geradewegs in den Wald. Maria ist im Stall und mistet aus.

    Dizzy läuft von Anfang an entspannt, obwohl er zu merken scheint, dass wir einen Ausritt machen und er vermutlich irgendwann galoppieren kann. Das führt dazu, dass er schon bald vor heimlicher Aufregung seine Beine nicht mehr koordiniert bekommt und auffällig oft stolpern. Ich versuche das mit einem Grinsen zu ignorieren und beteilige mich am Gespräch. „Wo ist eigentlich Kazoom?“, fragt Diego. „Draußen, auf der Sommerweide. Der hat Pause.“, klinke ich mich rasch ein. „Ach, das funktioniert? Ist er dann im Herbst nicht total lahm?“, mutmaßt Diego, aber Marc beruhigt sie: „Im Gegenteil, der ist dann nicht mehr so ausgelaugt und hat massenhaft Energie. Wie wir nach einem Urlaub. Olli, lass uns traben, Feuerzauber ist schon genervt.“ Oliver lässt sich nicht zweimal bitten und treibt Himmi in den Trab, der Dizzy eher zum Galopp reizt. Mit einem Satz springt der Rappe an und ich habe Mühe, ihn vor Devri und Feuerzauber durchzuparieren. Schließlich lache ich und lasse den Lieben laufen. Warm ist er ja, passieren kann von der Seite nichts.

    Und da haben wir es schon, das Wettrennen. Es dauert keine Minute und die vier Pferde setzen sich gegenseitig unter Druck, wir blockieren den, glücklicherweise leeren, Waldweg total. Erst als der See nach geschlagenen zehn Minuten in Sicht kommt, pariere ich ernsthaft durch. Distraction keucht und sein Hals ist feucht, aber er ist merklich ausgeglichener. Genüsslich streckt er den Hals, während wir am Ufer entlangreiten. „Lasst' durch's Wasser gehen!“, ruft Diego von weiter hinten. Ich nicke, obwohl ich nicht weiß, ob er das sehen kann und lenke mein Pferd über den feinen, weißen Sand Richtung Sonne und Wasser. Dizzy spitzt die Ohren und watet dann beinahe ohne zu zögern in das kühle Nass. Uns folgen Marc und Feuerzauber und etwas unbegeisterter Diego und Devri. Olli bekommt Himmi derweil nichtmal in unsere Nähe, sodass er absteigt und der Stute schonend beibringt, dass so viel Wasser eigentlich klasse für sie ist.

    Nach unserem Ausflug kehren wir ausgehungert auf den Hof zurück, wo wir unsere Pferde auf die Weide bringen und tatsächlich noch vor dem Frühstück die Boxen ausmisten. In der Konstellation sehen wir uns erst am folgenden Tag wieder, an dem wir den Hühs die Startboxen zeigen und eben speziell den Start und das darauf folgende Lenken auf die Innenbahn üben. Einzeln. Es stehen jedes Mal drei bis vier Ausbilder neben Reiter und Pferd und bewerten Taktik und Zusammenspiel. Gegen meine Erwartungen klappt das ziemlich gut und schafft vor allem eine entspannte Atmosphäre. Am dritten Tag werden unsere vier Schützlinge dann nur im Schritt und Trab longiert und ein kleiner Ausritt im Trab zum See stärkt die Bindung und fördert die Ausdauer.

    So kommt es, dass wir eines schönen Sonntags mit dem LKW und vier antrainierten Pferden auf die A

    uckland Rennbahn fahren. Der Himmel ist von grauen Wolken bedeckt, sodass die Temperaturen echt „nur“ knapp die 25°C erreichen. Gut, dass wir keine S-Galopper haben, da ist so eine Qualifikation schnell geschafft.

    Tatsächlich soll es aber nicht so problemlos gehen: Distraction ist hibbelig ohne Ende, als würde er wissen, wie die Bahn aussieht. Das legt sich keinesfalls, als Maria uns in die Startbox bringt und Dad den Start über die Lautsprecher ansagt. Ich bin tatsächlich heilfroh, als sich die Tore öffnen und die ganze Energie aus meinem Pferd herausbricht. Ich keuche auf, als die Zügel straff werden und der Rappe Gas gibt. Wir kommen gut weg, die innere Spur gehört von Anfang an uns. Bisher führen wir, aber ich will mich nicht umdrehen, das bremst nur. Deshalb höre ich am Schnaufen, wie Olliver mit Himmi von hinten an uns anschließt und … überholt. Mit angenommenen Zügeln und einem vergleichsweise schweren Jockey zieht die Graue an uns vorbei, ihre Augen sind starr auf die Bahn zu ihrer Rechten und Linken gerichtet. Ich lächle gegen den zerrenden Wind, lasse alle Vorsicht gehen und gebe Dizzy die Zügel vor. Daraufhin wird der Hengst zum einen schneller, zum anderen trudelt er und zieht mehr in die Mitte. Die Kurve liegt hinter uns, ich muss mich darum also nicht zwingend kümmern. Trotzdem gibt es einen gewissen Wegverlust, den Diego genau im richtigen Moment nutzt, um innen an uns vorbeizuziehen. Auch Devri befindet sich im Sprint, von Feuerzauber bekomme ich anschließend nichts mit; ich treibe Dizzy mit meiner Stimme und mit meinen Schenkeln, mache mich auf seinem Rücken so flach wie möglich und … wir passieren die Ziellinie als Dritte. Logisch.

    Die Reuther sind geborene Läufer, von Himmi reden wir nicht, sie könnte heute problemlos auf das M gesetzt werden. Devri hat indes gerade so ihr L geschafft und Feuerzauber und wir hier haben ein lockeres A. So können wir gegen Abend beruhigt nach hause fahren und unsere Pferde versorgen. Der Sommer hat begonnen und mich packt eine seltsame Euphorie. Das Wissen, dass diese Pferde hier sehr groß werden können.



    Distanz E/A (Canyon)

    Während einige unserer Vollblüter das Galopptraining bestritten, wurden die anderen weiterhin in der Distanz gefördert, wo sie auch später erfolgreich werden sollten.

    Wieder einmal hatten wir vier Pferde zum trainieren und da sich Teo um den kleinen Bart kümmerte, hatte auch Charly Zeit für etwas Training.

    "So kann das nicht weitergehen", meinte sie, als sie die neue Stute Himmawallajugaga aus ihrer Box holte. "Wir haben viel zu viele Pferde, die trainiert werden müssen, das schaffen wir einfach zu viert nicht. Bis nächsten Monat habe ich noch jemanden gefunden, länger halte ich das nicht durch!"

    Ich konnte Charly da vollkommen verstehen, denn Petyr und ich hatten jedenfalls eine ruhige Nacht zum Entspannen, welche Charly und Nico meist damit verbrachten, ihren Sohn zu umsorgen. Ich könnte mir so etwas anstrengendes nie vorstellen.

    Petyr holte die schwarze April Rain aus ihrer Box, während ich Devrienterreuth reiten würde. Nico war bereits dabei Worgait auf seinem Paddock zu putzen, wo der schreckhafte Hengst zur Zeit noch lebte.

    Nico hatte ein gutes Händchen für genau solche Pferde, weswegen er den Hengst unbedingt haben wollte. Laut seiner früheren Besitzerin war Worgait vor einiger Zeit noch unberührbar gewesen und hatte sich seitdem um Meilen verbessert.

    Reiten ließ sich der Hengst bis jetzt auch nur im Gelände und außerdem gebisslos, er hasste Gebisse und das konnte ich gut verstehen!

    Nachdem alle Pferde geputzt und gesattelt waren, trafen wir uns vor dem Stallgebäude, stiegen auf und begannen unser Distanztraining.

    Bereits in den letzten Tagen hatten Petyr und ich uns alle Mühe gegeben, die Pferde darauf vorzubereiten und hatten das Training auf dem Platz und an der Longe versucht so abwechslungsreich wie nur möglich zu gestalten.

    Den heutigen Trainingsschritt schafften wir allerdings nicht alleine, sodass Charly und Nico uns beiden mal wieder aushelfen mussten.

    Für drei der vier Pferde war es das erste Mal, dass sie einen Distanzritt gehen mussten. Das war zwar auf der einen Seite einfacher, aber die Pferde waren auch um einiges unerfahrener.

    Nachdem wir alle im Sattel saßen, ging es auch schon los, allerdings im langsamen Schritt, damit sich die Pferde erwärmen und einlaufen konnten. Bei sonnigen 18 Grad und nur wenigen Wolken am Himmel, war es genau die richtige Zeit für einen anstrengenden Ritt durch die Wildnis Norwegens und auch wenn wir alle ein GPS-Gerät dabei hatten, so konnte es schon mal vorkommen, dass wir vom Weg abkamen. Das machte das ganze zwar spannender, aber auch gefährlicher.

    Als alle vier Pferde erwärmt waren, trabten wir im leichten Sitz an und los ging es, hinaus in die wunderschöne Landschaft Norwegens.

    Wäre ich nicht vor einigen Tagen an den Cliffs Of Moher in Irland gewesen, so hätte ich geglaubt, dass kein Ort der Welt die tolle Landschaft von Norwegen toppen konnte.

    Ich war mittlerweile schon oft genug auf einem richtigen Distanzturnier gewesen und wusste, dass unser Training im Gegenteil zu so einem Turnier noch recht leicht und aushaltbar war.

    Worgait und Nico ritten natürlich an der Spitze. Das passte nicht nur zum Charakter zum Pferd, sondern auch perfekt zu Reiter. Nico gab gerne an und vor allen anderen reiten, das konnte er auch zu Genüge. Gleich dahinter kam die flinke Himmawallajugaga mit Charly, welche mit ihren langen Beinen und ihrer seltenen Farbe wohl die Blicke als erstes auf sich ziehen würde. Leider gab es hier in dieser halben Wildnis noch nicht mal einen Spaziergänger, der sich so weit in den Wald vorwagte, um die Stute sehen zu können.

    Devri kannte ich noch nicht allzu lange, jedoch hatte ich mich jetzt schon in sie verliebt. Sie war eine der seltenen Pferde, welche man stets von der Gruppe trennen konnte, ohne, dass sie unruhig wurde. Sie liebte es sogar, einfach mal Zeit für sich zu haben und das es mir des Öfteren genau so ging, fühlte ich mit ihr.

    Auch wenn April bereits auf L in der Distanz ging, bildete sie das Schlusslicht. Sie gab sich stets mit allem zufrieden und hatte nicht das Bedrängnis, vorne mirzumischen. Petyr schien das gar nicht witzig zu finden. Anscheinend wollte er unbedingt beweisen, dass April Rain besser war, jedoch zeigte seine Stute nicht das Interesse daran, dies auch zu wollen.

    Das Wetter in Norwegen war in den letzten Tagen immer kälter geworden und auch die Regengüsse hatten zugenommen. Der erste Schnee würde wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

    Um so mehr Vorsicht war auf den rutschigen Wegen geboten, sodass wir die Pferde unnatürlich oft durchparierten und Tempo rausnehmen mussten. Auch an unseren typischen Galoppstellen war der Boden so durchnässt, dass wir sie nur in einem langsamen Trab durchreiten konnten.

    Worgait hatte mehr erwartet und auch wenn Nico sein Bestes gab den Hengst zurückzuhalten, tänzelte dieser aufgeregt und schien nicht zu verstehen, dass das Wetter nicht zuließ, dass wir das Tempo verschnellerten.

    Unsere kleine Gruppe löste sich irgendwann auf, als Petyr mit April Rain einen anderen Weg reiten musste, um die benötigte Kilometeranzahl für eine Aufstufung zu schaffen und Nico sich dazu entschied, mit Worgait von den Stuten wegzureiten, um diesen vielleicht etwas beruhigen zu können.

    Also blieben nur noch Charly mit Himmel und ich mit Devri zurück, was jedoch eine der besten Mischungen war. Die Stuten kannten sich bereits sehr lange und hatten schon viele Ausritte miteinander bestritten, sodass sie ungefähr das gleiche Tempo hatten und gut zusammen laufen konnten.

    Die Fünfzehn Kilometer dauerten länger als sonst, auf Grund des langsamen Tempos, doch irgendwann kamen Charly und ich wieder auf der Tyrifjord Ranch an, wo wir unsere beiden Pferde so schnell wie möglich absattelten und in warme Decken hüllten. Auch Worgait und Nico hatten den Weg wieder zurück gefunden und waren sogar einige Minuten vor uns im Ziel gewesen.

    Petyr würde noch einige Zeit brauchen, immerhin musste er 30 Kilometer mehr reiten als wir.

    Meine Devrienterreuth verfrachtete ich erst einmal in die warme Box, wo sich die Stute hungrig und durstig aufs Futter und Wasser stürzte. Ich war gespannt, ob die Tekken, welche eigentlich nur die südliche Wärme gewöhnt waren, es hier oben im Norden über den Winter aushalten würden.

    Nachdem die Pferde versorgt waren, erlöste Charly Teo von Bart und Nico und ich erledigten die Stallarbeit, während wir gespannt auf die Ankunft von Petyr warteten.

    Etwa 1 ½ Stunden später, mittlerweile war der Stall bis auf den letzten Krümel gefegt, ritt Petyr mit der schwarzen April auf den Hof. Beide waren von unten bis oben nass und ich fragte mich, ob das der ihr eigener Schweiß, oder dem Regen zu verdanken war.

    Auch April wurde umgehend versorgt, immerhin hatte nun auch sie das Distanztraining erfolgreich bestanden und konnte wie alle anderen eine Stufe höher laufen.



    Distanz A/L (Canyon)

    Ich konnte es selbst kaum begreifen, was diesen Monat alles auf uns zukommen sollte. Wir hatten das Training über den Winter weitestgehend eingestellt, jedoch war der Winter verhältnismäßig recht mild, sodass Charly angeordnet hatte, diesen uns zu nutze zu machen. Ich merkte das viele Reiten jetzt schon in den Knochen. Zum Glück half mir Charly dabei einen guten Plan aufzustellen, an welchen ich mich halten konnte. Vormittags war also meist die Bodenarbeit an der Reihe, weswegen wir dann den Nachmittag für das individuelle Training freihatten. Für zwei Wochen hatte Charly die Rennbahn in Sylling jeden Tag für zwei Stunden gemietet und sie verlangte von uns, dass wir diese auch nutzen sollten. Da Petyr in der ersten Januarwoche noch beruflich unterwegs war, begann ich mit Vuyo zwei unserer jungen Vollbluthengste zu trainieren. Vuyo war früher einige Zeit Jockey gewesen und würde mich so sehr gut bei der Ausbildung der beiden unterstützen. Osgiliath war ein hübscher und ziemlich sportlicher Hengst und da er erst seit zwei Monaten zum Gestüt gehörte, drückte ich ihn Vuyo in die Hände. Mir blieb dann wohl nur noch unser Cotsworlds Eik, dessen Name ich ziemlich scheußlich fand, seinen Charakter jedoch vergötterte. Unser Eiki war eines der schlausten, aber auch gefährlichsten Tiere der Tyrifjord Ranch, kannte man ihn jedoch erstmal richtig, ging es gar nicht anders, als sich in ihn zu verlieben.

    Das Training fand jeden Nachmittag auf der großen Rennbahn statt. Nachdem wir die ersten Tagen vor allem damit verbracht hatten die beiden and die Startbox zu gewöhnen, ging es in den letzten Tagen vor allem dann um die Geschwindigkeit und dafür erhöhten wir die zurennende Strecke jeden Tag um einige Meter. Da Eik noch einige Gleichgewichtsprobleme während des Starts hatte, arbeitete ich mit ihm vor allem daran. Vuyo absolvierte ein umfangreiches Schrecktraining mit Osgiliath, da der junge Hengst ungewohnte Geräusche gar nicht mochte. Am Ende der Wochen hatten wir den ersten Schritt gewagt und aus den beiden unerfahrenen Hengsten junge Rennpferde gemacht.

    In der zweiten Woche ging es dann mit den nächsten Pferden weiter und zum Glück war auch Petyr von seiner Reise zurückgekehrt, da Vuyo und ich dringend seine Unterstützung brauchten. Diesmal waren es drei Pferde, welche trainiert werden sollten und dazu kam noch, dass alle drei bereits auf A liefen. Zum Glück fiel dadurch das Startboxtraining aus und wir konnten uns die ganze Woche auf die Rennbahn konzentrieren. Petyr teilte ich Alysheba zu, welcher bereits recht jung sein erstes Training bekommen hatte und außerdem noch aus einer bekannten Zucht stammte. Charly und Nico hatten bei seinem Kauf große Hoffnungen in ihn gesetzt und bis jetzt waren sie auch nicht enttäuscht wurden. Vuyo würde sich der verrückten Teufelstanz annehmen, welche ihm letzten Jahr einen riesigen Schritt nach vorne gewagt hatte. Für mich blieb dann nur noch des Teufels Schwester und das war natürlich niemand anderes als Grenzfee. Beide Stuten würden wohl nie mehr eine Karriere auf der Rennbahn hinlegen, nachdem sie bereits in jungem Alter kaputt gespielt worden waren, jedoch wollte Charly trotzdem, dass die beiden ihre Angst überwanden. Außerdem brauchten sie Bewegung und in diesem Punkt stimmte ich Charly zu.Auch mit den drei Pferden versuchten wir zu dritt das Training so abwechslungsreich und leerreich wie nur möglich zu gestalten und tatsächlich schien diese Taktik auch zu funktionieren. Bereits nach den ersten Tagen waren vor allem Fee und Teufel viel gelassener geworden und auch Sheba, welcher Stute nicht allzu sehr mochte, hatte sich daran gewöhnt mit den beiden auf der Rennbahn zu stehen. Am Wochenende nahmen wir mit allen drei Pferden an einem Turnier teil und auch wenn es bei uns eher die hinteren Plätze wurden, waren wir trotzdem stolz auf den Fortschritt unserer Vollblüter.

    Zwei Wochen waren bereits geschafft und auch wenn mir das Training viel Freude bereitete, sehnte ich mich nach einer Erholungspause. Zum Glück stand als nächstes ein Distanztraining mit drei Tekken an. Vuyo würde wie immer Raja reiten, während mein Trainingspartner Worgait war. Ich hatte keine Ahnung, was sich Nico dabei gedacht hatte, als er den fast nicht zu reitenden Worgait aufs Gestüt geholt hatte, aber ich konnte Nicos Taten meist sowieso nicht nachvollziehen.

    Für Petyr blieb dann nur noch die hübsche Himmawallajugaga und so waren alle recht zufrieden mit ihren Trainingspartnern. Die drei Tekken liefen in der Distanz bereits auf A, sodass unser Ziel war, dass alle drei die 45 Kilometer für die L-Distanz schaffen würden. Tag für Tag ging es also hinaus ins matschige Gelände und es war ein Wunder, dass es nicht bereits am ersten Tag Verletzungen gab. Jedoch lag der Vorteil darin, dass sich die Pferde so viel schneller an gefährliches Gelände gewöhnten und das war bei einem Distanzritt natürlich sehr brauchbar. Den ersten Tag begannen wir mit 35 Kilometern, also in etwa der Strecke eines E-Ritts. Die geplante Strecke für die nächsten Tagen wurde dann jedoch immer länger und auch das Tempo erhöhten wir Schritt für Schritt. An den Vormittagen boten wir den Pferden in der Bodenarbeit einen Ausgleich und während ich die Halle für mich und Worgait beanspruchte, nutzen Vuyo und Petyr mit Raja und Walla den Außenplatz. Irgendeinen Vorteil musste das wilde Pferd ja haben, welches Nico angeschleppt hatte.

    Am Ende der Woche war ich ziemlich geschafft, allerdings hatten wir unser Ziel erreicht und alle drei Pferden liefen am letzten Tag des Trainings erfolgreich mit guten Pulswerten die 45 Kilometerstrecke durch den norwegischen Wald.

    Als letztes Training für diesen Monat, und das erste Mal in meinem Leben war ich froh darüber, dass das Training in der Halle stattfand, war das Dressurtraining. Leider, ich bedauerte dies sehr, hatte Vuyo andere wichtige Termine, sodass Nico seinen Part übernahm. Hinzu kam noch, dass zwei der Stuten ihm gehörten und er natürlich jeden der auch nur in die Nähe der beiden kam genauestens beobachtete. Ich schaffte es mich aus der ganzen Angelegenheit herauszureden, indem ich mein eigenes Pferd trainieren würde. Ich liebte Óslogi und obwohl er bis jetzt noch nie unter dem Dressursattel gegangen war, wollte ich ihn so vielseitig wie nur möglich ausbilden.

    Petyr würde Shari reiten, welche bereits letzten Monat unendlich viel Talent in der Dressur gezeigt hatte und Nico würde sich mit seinem neuen Liebling Colore Splash beschäftigen.

    Für mich und Nico standen also die Lektionen aus der A-Dressur an, ich versuchte jedoch ihm nicht allzu oft über den Weg zu laufen, denn auf sein ständiges Kommandieren hatte ich keine Lust. Wir beide übten nu also Schritt - Galopp Übergänge, Viereck Verkleinerung und natürlich dann gleich auch die Vergrößerung, das Überstreichen im Galopp und zum Schluss dann auch die Kehrtwende auf der Vorhand. Nico beobachtete mein Training mit viel Genugtuung, denn ich wusste genau, dass mein Hengst nicht das gleiche Talent besaß wie seine Stute. Logi brauchte bei den meisten Lektionen etwas Länger, dafür absolvierte ich das Training nicht nur in der Halle, sondern auch im Gelände oder auf der Weide. Hier merkte ich, dass Logis Elan um einiges anstieg und auch meiner war leicht erhöht, was vielleicht auch daran lag, dass ich nicht ständig Nico über den Weg lief.

    Petyr kämpfte währenddessen mit Shari. Er war nicht der geduldigste und die Stute schien dies auch nicht gerade zu sein. Immer wieder verweigerte den Außengalopp oder die Hinterhandwendung, wenn sie sich jedoch dazu überreden ließ, dann klappte es zu meist sofort perfekt. Das Überstreichen im Trab oder den einfachen Galoppwechsel erlernte sie mit links und so erschien Petyr immer öfter mit einem selbstgefälligen Strahlen auf den Lippen nach einem gelungenen Training im Stall.

    Alle drei Pferde schafften den Aufstieg bis zum Ende der Woche. Shari zeigte die wenigste Veränderung, da sie vieles bereits konnte, Logi hatte keine Lust mehr auf den Dressursattel und Splash trug ihren Kopf noch ein Stückchen höher als sonst.

    Aber am meisten war ich auf mich, und natürlich auch auf meine Helfer stolz. Wir hatten das unmögliche geschafft und jedes Pferd erfolgreich trainiert. Am Ende des Monats gönnte ich mir also ein freies Wochenende, bei welchem ich die geniale Natur Norwegens vom Rücken der Pferde aus erkundete, denn das hatte ich mir verdient!



    Distanz L/M (Cascar)

    Ashqar, mein Freund, begrüßte mich auch an diesem Morgen, bevor auf der Koppel hoch das Gras stand, mit einem freudigen, hellen Wiehern. Wie es bereits Routine war, folgte er mir am Zaun bis zum Tor, ließ sich dort bereitwillig aufhalftern und von mir mit zum Training nehmen. Es war noch früh und der Tau glänzte in den Gräsern, die Vögel sangen.

    Auf dem Weg zum Putzplatz begegneten uns Oliver und Himmawallajugaga - unseren neuen Trainingspartnern. Denn Himmi und Ashqar liefen auf der gleichen Stufe und sollten in den kommenden Wochen und Monaten zu wahren Weggefährten werden.

    Oli und ich begrüßten uns an diesem Tag mit einem Handschlag, während sich die Pferde beschnupperten. Ich ging eigentlich davon aus, dass Ashqar ein vernünftiger Hengst war und mit Stuten klarkam - wie sich im Laufe des Putzens herausstellte, war das sicher der Fall. Das Problem war eher, dass der Schecke Himmi selbst einfach toll fand. Das äußerte sich durch einiges Imponiergehabe; kurz nach dem satteln musste ich mein Pferd ein wenig maßregeln, da es so unaufmerksam war, dass ich seine Hinterhand kaum mehr wegbewegt bekam. Oliver quittierte das mit einem Grinsen.

    Abgesehen davon verlief aber alles problemlos und wir konnten wohlbehalten gegen halb zehn in die Sättel steigen und den Hof nebeneinander verlassen. Es ging in den Wald, in Richtung Stadt. Insgesamt fünf Stunden würden wir unterwegs sein; Verpflegung, Regensachen, Handys und das Pulsmessgerät für die Pferde hatten wir dabei.

    Wir ließen es locker angehen, ritten viel Schritt und Trab und eher selten, in Anstiegen, Galopp. Beide Pferde standen gut im Training, Ashqar vielleicht etwas besser, und bestanden das L-Niveau dieses Tages - auch pulsmäßig.

    Als wir am späten Nachmittag heimkehrten war es wohl Oliver, der etwas blass und müde war und der Distanzreiterei offensichtlich nicht zu viel abgewinnen konnte.

    Trotzdem ging es gleich am nächsten Morgen wieder nach draußen. Und am Tag darauf, wie am Tag darauf. Insgesamt vier Wochen lang trainierten wir mit den beiden Pferden, die sich im Übrigen grundsätzlich gut verstanden, auf verschiedenen Strecken, in verschiedenen Tempi und allmählich zunehmender Streckenlänge, bis ich überzeugt davon war, dass Beide in einem mittleren Distanzritt starten konnten.

    Probiert wurde das knappe anderthalb Wochen später. Dieses Mal fand der Ritt, eine offizielle Veranstaltung, nördlich der WCS statt. Wieder fuhr meine Mum, Jeannine, Oli und mich mit dem LKW und den Pferden. Nur dieses Mal war das Wetter eher schlecht - es regnete hin und wieder und dichte Wolken bedeckten den Himmel.

    Dafür war es nicht so warm. Schon halb zehn verschlug es Oliver, Himmawallajugaga, Ashqar und mich zur Startlinie und anschließend auf die Bahn. Die Pferde waren in Topform und sprühten nach einer Ruhewoche nur so vor Energie. Ich hatte das Gefühl, auf einem Pulverfass zu sitzen.

    Genau so verlief der Ritt letztendlich. Ashqar und ich hängten Himmi und Oli relativ früh ab und trabten beinahe die gesamte Strecke, ausgenommen einem Teil des zweiten Drittels, das wir aufgrund des steinigen Bodens im Schritt gingen. Es lief alles recht gut, nur war mein Pferd nach dem Lauf sichtlich erschöpft - der Schweiß machte weiße Flocken an Ashqars Hals und er atmete schwer. Ich führte ihn mit einer Decke auf der Kruppe trocken, bis das zweite Pärchen auch eintraf, mit einem Wiehern begrüßt wurde und anschließend mit uns seine Runden zog. Nachdem unsere Schützlinge auch etwas getrunken hatten und im Hänger am Heu zupften, kümmerten wir Reiter uns erst um uns. Dazu gehörten auch Essen und Trinken, vor allem aber trockene Sachen anziehen. Erst gegen 17:00 traten wir den Heimweg an.

    Auf der Fahrt ventilierten Oli und ich unseren Ritt und kamen ehrlich zu dem Schluss, dass die Pferde der heutigen Herausforderung mehr als gewachsen gewesen waren und ohne Sorge M-Distanzen laufen konnten.



    Distanz M/S (Cascar)

    [Hinweis: Um die maximale Zeichenzahl des Beitrags einzuhalten, ist der Bericht gekürzt!]

    […]

    Tag 3



    Als ich am nächsten Morgen den Stall betrete, fällt mir augenblicklich Ashqars schlechte Laune auf: Der Hengst macht keine Anstalten mich zu begrüßen und entlastet in seiner Box mit zu mir gedrehtem Po. Sogar als ich mit dem Austeilen des Futters beginne dreht er sich nur zögerlich um, während Bahar und Dizzy schon eifrig kauen. Deshalb geselle ich mich letztendlich zu meinem Pferd.

    Ashqar schielt ein wenig zu mir, während er frisst und ich ihm leise erzähle, dass wir nur noch heute reiten werden und morgen Ruhetag ist und dass das Wetter heute viel besser als gestern ist. Währenddessen streichle ich sanft seinen Hals. "Na? Eine kleine männliche Mimose?", fragt Paul, der sich wohl eher unbemerkt (schon wieder!) angeschlichen hat und nun mit einem Arm an den Gitterstäben des Boxenfensters angelehnt zu Ashqar und mir sieht. "Keine Seltenheit.", erwidere ich trocken. "Hey, ganz ruhig.", wirft er da ein. "Sag mal … Hast du Hunger? Ich kenne dich nur so, wenn du Hunger hast." Und tatsächlich hat Paul vermutlich nicht unrecht; zusammen verlassen wir den Stall und begeben uns zum Frühstück im Speisesaal der kleinen Pension. Die alltäglichen Gespräche nehmen da wieder ihren Lauf; sie beginnen vonseiten Anns mit: "Es soll heute aber nicht gewittern, oder?" Helga beruhigt sie, es sei lediglich Regen vorhergesagt, der gegen 18:00 einsetzen wird. Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns höchstwahrscheinlich schon nicht mehr auf dem Pferderücken.

    Die Frage nach der Route ist dann Artemis' Beitrag zum Morgengespräch. Wieder muss Helga auf einen Biss in seine Käseschnitte verzichten: "Heute legen wir nochmal knapp 70 Kilometer zurück, wir werden circa acht Stunden unterwegs sein. Die Route wird uns allen Einiges abverlangen, besonders da wir schon anfänglich erschöpft sind. Dafür ist unsere Zielhütte am Waldrand gelegen und verfügt über Weiden und Ställe, sodass unser Ruhetag morgen sehr lohnend sein wird.", schließt er. Einzig der lange Weg zu diesem idyllischen Platz dämpft meine Vorfreude.



    Wenig später putzen, satteln und bepacken wir die Pferde beinahe routiniert. Selbst das Anlegen der Hufschuhe wirft keine Fragen mehr auf ("Ist das zu fest?" - "Ist es schlimm, wenn der Klettverschluss da drüber schaut?") und so können wir pünktlich 8:00 aufbrechen.

    Von unserer Pension aus, die ja ein wenig außerhalb von Irm liegt, biegen wir durch das taunasse Gras in Richtung des Stadtzentrums ab. Es stellt sich heraus, dass Irm über eine sehenswerte Altstadt verfügt, die wir quasi im Vorbeigehen besichtigen können. Außerdem fließt dort ein gleichnamiger Fluss durch das Tal, dem wir bis aus dem Städtchen hinaus folgen werden.

    Diesen Plan setzen wir im frühen Sonnenschein und besserer Laune (wäre Ashqar ein Mensch, würde ich sagen, er redet wieder mit mir) direkt um. Demnach ist die Irm ein klarer, breiter Gebirgsbach und schlängelt sich zwischen zahlreichen Felsabbrüchen hindurch. Die Stadt an ihrem Ufer schläft zwar noch, als wir hindurch reiten, sodass das Hufgetrappel noch weit zu hören ist, sieht aber trotzdem einladend und puppig aus. Meiner Meinung nach viel zu schnell verlassen wir die Zivilisation wieder und widmen uns altbekannten, steilen Waldwegen parallel des schmaler werdenden Bachs. Mit zunehmender Höhe haben die Pferde mächtig zu kämpfen, halten sich aber tapfer und im zügigen Schritt. Das einzig Gute an der Höhe ist, dass neben der dünner werdenden Luft auch die Dichte an Ungeziefer abnimmt. So haben wir oberhalb der Baumgrenze immerhin nicht mehr mit Bremsen und Fliegen zu tun.

    Stattdessen öffnen sich vor uns weite Ebenen mit blühenden Blumen aller erdenklichen Farben; gelb, lila, orange, das Blau der Vergissmeinnicht. Um die herrlichen Blüten schwirren andere Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und auch die Pferde würden wohl am liebsten mal die Alpenkräuter kosten - zumindest schaut sich Kazoom neugierig um und Himmawallajugaga wagt in einem Augenblick von Pauls Unaufmerksamkeit einen Bissen in das saftige Gras. Sie kommt ungestraft davon und probiert es ab da immer mal wieder.

    Plötzlich hat Ashqar unter mir einen Stellenschock, indem er heftig zusammenzuckt, den armen Bahar auf sein Hinterteil auflaufen lässt und mit gerecktem Hals nach links schaut. Da bemerke ich auch das braune Murmeltier, das wohl gerade - zu schnell für meinen Hengst - aus seinem Bau aufgetaucht ist und uns nun ebenso entsetzt beobachtet, wie Ashqar es. Ich lache und kraule den Mähnenkamm meines Pferdes; der Hengst mach daraufhin noch einmal einen kleinen Satz, beruhigt sich aber recht schnell wieder und wir können unseren Weg fortsetzen.

    Den ganzen Vormittag bewegen wir uns so im Kraut- und Strauchbereich mit einigen herausragenden Felsen dazwischen. Nach unserer Mittagspause steigen wir dann weiter auf und sehen uns zum ersten Mal mit einem echten Problem konfrontiert: Nach einer Rechtskurve am Hang kreuzt ein riesiges Geröllfeld unseren Weg. Zwischen den grauen, losen Steinen aller Größen ragen zwar Gräser und Blumen hervor - das ist aber (auch laut Helga) kein Garant für die Festigkeit des Bodens.

    Quintus geht mit unserem Reiseleiter im Schritt heldenhaft voran. Wahrscheinlich macht der Wallach das jeden zweiten Tag, denn ich kann richtig beobachten, wie er mit den Vorderhufen Steine auf ihre Festigkeit testet, bevor er einen Schritt macht. Helga lässt ihm dazu den Zügel lang und auch bezüglich der Wegwahl viel Raum. "Macht einfach langsam, wir haben ja Zeit. Steigt lieber ab, wenn es euch zu brenzlich wird.", meint er, bevor wir anderen den steinigen Untergrund betreten.

    Als erstes sind Paul und Himmi an der Reihe. Die Stute tippelt nervös am Weg, kann sich augenscheinlich nicht entscheiden, ob sie bei der wartenden Pferdegruppe bleiben oder Quintus folgen soll. Schließlich macht sie aber mit hoch erhobenen Kopf einen kleinen Satz nach vorn und zockelt dann, ohne viel auf den Weg zu schauen und auch mit einigem Gestolper dem Wallach hinterher. Kazoom wiehert daraufhin, bevor Ann ihn mit einem Schnalzen antreibt. Der Dunkelbraune ist vorsichtiger und bleibt immer wieder stehen und scharrt sogar einmal. Seine Reiterin lobt ihn für seine Experimentierfreudigkeit, steigt aber schließlich ab und führt den Hengst auf die andere Seite, da er augenscheinlich sehr unsicher ist.

    Als nächstes folgt ein gelassener Bahar mit Artemis auf dem Rücken. Die zwei sind augenscheinlich ein eingespieltes Team, denn es gibt kaum eine Diskussion vor den ersten Felsen - der Araber geht einfach behutsam los, auf die Steine zu, und dann trittsicher von einem zum anderen. Artemis lobt ihren Hengst, während mein Ashqar, obwohl Dizzy und Marc noch da sind, nervös tänzelt. "Ist doch gut!", sage ich zu ihm und als Marc mir anbietet, zu zweit loszugehen, willige ich dankbar ein. Auch mein Schecke ist einer von der schnellen Sorte und ich halte ihn zurück, damit er nicht zu traben versucht. Trotzdem tritt Ashqar nicht fehl und agiert auch sonst sehr trittsicher. Distraction lassen wir so hinter uns zurück, aber der Rappe hat allgemein eher die Ruhe weg und lässt sich von Marc bereitwillig navigieren.

    So sind nach etwa zwanzig Minuten alle wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen. Helga lobt uns: "Sehr schön. Dann geht es jetzt noch einige Stunden hier oben, auf dem Berg, und nachher auch wieder weiter unten weiter, bevor wir die Hütte erreichen."

    Diese Aussage entlockt mir einen Seufzer, denn meine Konzentration ist ganz schön am Boden. Ich schätze, ich muss einfach mal wieder richtig schlafen. Ashqar scheint das auch zu denken, denn er dümpelt die kommenden Kilometer ein bisschen vor sich hin. Der Weg erlaubt es nun - er ist wieder ein bisschen breiter und ein wenig abfallend, bald tauchen Sträucher neben dem Weg auf.

    Erst gegen 17:00 sehe ich die Hütte hinter dem nächsten Tal, die wir alle eine halbe Stunde später glücklich und erschöpft erreichen.



    Tatsächlich ist dieser Bau, obwohl drin, über der Gaststubentür, ein Schild mit "Diese Hütte wird mit dem Hubschrauber ver- und entsorgt" steht, ziemlich großräumig und modern. Neben dem Haus, das neben uns die betreibende Familie und etliche Wanderer beherbergt, gibt es wie versprochen ein geräumiges Stallgebäude, dessen Eingang auf eine gut befestigte, weiträumige und bisher leere Koppel zeigt. Erleichtert atmen wir auf, als wir die Szenerie im nachmittäglichen Sonnenschein erblicken.



    Heute sind wir so auch sehr schnell mit dem Absatteln, Putzen und versorgen der Pferde, denn die Vierbeiner werden hier alles haben, was sie brauchen. Und auch unserem gemeinsamen Ruhetag sehen wir glücklich entgegen; auf 2000 Metern Höhe können wir heute einen wunderschönen Sonnenuntergang in den Bergen beobachten (der vorhergesagte Regen tritt nicht ein?), Karten spielen und den Tag ausklingen lassen. Beinahe die Hälfte unserer Reise ist schon geschafft.



    Distanz S/S* (Cascar)

    [Hinweis: Um die maximale Zeichenzahl des Beitrags einzuhalten, ist der Bericht gekürzt!]

    […]

    Tag 8 & Tag 9



    Unser Ruhetag ist dieses Mal um einiges spannender, als der zuvor: Weil Sonntag ist und unsere Pferde in einem Stall der Meraner Pferderennbahn stehen, bekommen wir ein ebensolches Rennen live und in Farbe mit. Ausnahmsweise bin ich da ein ganz normaler Zuschauer - wir sitzen ja normalerweise in der Besitzerloge und schauen unseren eigenen Pferden beim Sport zu. Und ich kann sagen: So und im Kreis von Freunden ist ein Pferderennen sehr viel aufregender. Vor allem das Wetten und gemeinsame Fachsimpeln über das mutmaßliche Siegerpferd ("Der ist groß, macht große Schritte, gewinnt." - "Na Marc, vielleicht kann er aber auch - so wie du - seine Beine nicht koordinieren und wird deshalb … Vierter." – Ann). Außerdem ist das Wetter sehr viel besser als gestern und es ist wieder wärmer. Den Tag können wir also so richtig genießen.

    Wie unsere Pferde, im Übrigen. Den halben Tag stehen sie auf einem Paddock, im Halbschatten, und bekommen nur wenig des Trubels um das Pferderennen mit. Stattdessen werden ihre Boxen vom dortigen Pflegepersonal ausgemistet und wir, die jeweiligen Reiter, widmen uns der Fellpflege in ausgiebigem Maße.

    So geht der Tag erlebnisreich, aber nicht erschöpfend zuende und wir sehen alle gespannt unserer letzten und bisher größten Tagesetappe entgegen.



    Neunzig Kilometer. Neunzig Kilometer bergab bis zum Gardasee. Nach all den Strapazen und Leistungen der vergangenen Tage eine schiere Herausforderung.

    Schon halb sechs stehen Ann, Artemis und ich auf - wir sind die ersten, die das Bad unserer Pension benutzen und auch die, die die Pferde füttern werden. So beeilen wir uns alle mit der Morgentoilette und schweigen die meiste Zeit. Erst im Stall, den wir praktisch mit dem Überqueren der Straße erreichen, werden wir alle etwas gesprächiger. "Na, Bahar, gut geschlafen?", fragt Ann beim Eintreten den gescheckten Hengst, der uns neugierig entgegensieht. "Bestimmt. Gestern den ganzen Tag.", meint Artemis dazu. Wahrscheinlich erinnert sie sich daran zurück, wie das ruhige Pferd während des Putzens in ein tiefes Dösen verfiel.

    Ashqar macht eher heute einen schläfrigen Eindruck und auch die übrigen Pferde - Himmawallajugaga, Kazoom, Distraction und Quintus - werden erst mit dem entsprechenden Futter und dem Aufstieg der Sonne über die Baumwipfel wacher und motivierter. Gegen sechs Uhr zehn sind alle Vierbeiner versorgt und wir gesellen uns zu den Männern ("Eher Jungs, oder?") zum (menschlichen) Frühstück.

    Unser Aufbruch erfolgt kurz darauf und meinerseits auch innerlich mit Pauken und Trompeten, so merkwürdig aufgeregt bin ich. Wir verlassen alle miteinander zu Pferd das Gelände der Rennbahn und reiten im Schritt durch das noch etwas verschlafene Meran. Hinter uns türmen sich die Alpen. Einige Gipfel orange, durch die Sonne, die auf das feste Gestein scheint. Und vor uns erstreckt sich zwar ein bergiges Land, allerdings sind diese Berge niedriger und bewaldet oder führen Obst- und Weinplantagen. Ich merke schon in diesem Moment, dass die Gegend, in die wir reiten, wohl um einiges wärmer und heimeliger sein wird, als es das undankbare Gebirge war.



    Und wärmer wird es wortwörtlich - keine zwei Stunden später haben wir Meran hinter uns gelassen und arbeiten uns zielstrebig gen Süden vor, während die Sonne von einem klaren, blauen Himmel scheint. Es geht zwar die meiste Zeit bergab und zwar auf recht breiten, menschenleeren Schotterwegen, aber trotzdem sind alle Bewegungen recht anstrengend und schweißtreibend - bei Mensch und Pferd. Hinzu kommt die Eintönigkeit der Landschaft, die eben bei den regelmäßigen Pflanzreihen von Wein und Apfelbäumen eine logische Konsequenz ist. Ich muss mich zwingen, immer wieder etwas zu trinken und nicht wegzunicken. Ashqar denkt wahrscheinlich auch darüber nach - er wird lediglich wach gehalten durch die Bremsen, nach denen er beißen oder treten muss.

    Wir alle atmen auf, als wir in einem kleinen Ort eine Pause im Schatten einlegen und für kurze Zeit nichts tun können. Nur danach geht es munter weiter, aber nun im Trab. Neunzig Kilometer müssen ja an einem Tag auch erstmal geritten werden.

    Während das Thermometer gefühlt unerbittlich steigt, bestimmt schon über dreißig Grad, ackern wir uns Straßen, Feldwege und Trampelpfade entlang. Selbst für erfahrene Distanzpferde wie Bahar und Ashqar ist das eine ganz schöne Prozedur, wobei es am härtesten vermutlich den guten Quintus trifft, der die Hitze rassetechnisch ja weniger verträgt als die Araber oder Tekken. Letztere scheinen im Übrigen die Einzigen zu sein, die der Situation etwas abgewinnen können. Kazoom, Distraction und Hinmawallajugaga zockeln eifrig im Trab vorneweg und scheinen gar keine Pause, oder etwa derartiges, machen zu wollen. Sie sind an diesem Tag sozusagen der Motor der Gruppe.

    Das ändert sich bis zum frühen Abend nicht, als wir auf einer Anhöhe halten und in ein Tal schauen. "Aah.", macht Ann undefiniert - denn dort unten glänzt das weite und undurchdringlich blaue Wasser des Gardasees. Wenn wir das Ufer dieses Sees erreichen, haben wir es geschafft und tatsächlich beritten die Alpen durchquert.



    Letztendlich dauert es noch eine gute Stunde, bis wir den breiten Asphaltweg verlassen und die Wellen des Sees wirklich sehen können. Als Helga uns auffordert, abzusteigen und eine Pause zu machen, etwas zu trinken begreife ich erst nicht, dass wir alle es geschafft haben.

    "Wir haben die Alpen durchquert.", höre ich mich da auch zu niemand bestimmten sagen, während ich kurz darauf im Schneidersitz auf dem Boden sitze und Ashqar grasen lasse.

    Artemis scheint sich angesprochen zu fühlen, denn sie nickt, während sie nach unten stiert und hin und wieder etwas aus ihrer geöffneten Wasserflasche trinkt. "Wir haben's echt geschafft.", meint da auch Marc und er scheint - ganz unüblich - regelrecht ehrfürchtig zu sein. Paul indes betrachtet die Berge am Horizont und sagt gar nichts und Ann ist nicht bei uns, sondern mit Kazoom am Wasser und lässt den Dunkelbraunen mit kräftigen Zügen trinken. Helga steht mit Quintus auch etwas abseits und telefoniert - mit unserer Unterkunft, hat er gesagt. Von dort werden wir morgen, und alle Pferde in einem LKW, zurück nach Garmisch fahren; dort parken ja am Wiesenhof unsere Autos und Hänger.

    Weil es jetzt aber noch nicht so weit, sondern erst 18:00 am Vortag ist und wir augenscheinlich gerade Zeit haben, satteln wir die Pferde spontan ab und gesellen uns zu Ann und Kazoom an das Ufer. Es dauert nicht lange und Bahar und Himmi sind mit Artemis und Paul schon im Wasser (schwimmend!), während sich Ashqar und Dizzy noch zieren. Letztendlich überwiegt aber die Sehnsucht nach Abkühlung und wir planschen munter rund eine halbe Stunde. Danach stehen wir ein bisschen doof da, weil unsere Sachen nass sind und wir den Pferden die Sättel natürlich nicht mehr auf die nassen Rücken legen können. Und wieder ist es Helga, der uns mehr oder weniger rettet: Er verkündet, dass es nur noch knapp sieben Kilometer am Seeufer entlang wären, bis zu unserer Pension.

    So bekommen unsere Schützlinge zwar das Gepäck auf den Rücken, aber wir Reiter laufen und führen. Gegen 20:30 erreichen wir so unsere letzte Etappe - am Gardasee - und verbringen anschließend essend, lachend und spielend einen letzten Abend miteinander. Ich selbst betrachte das als (gelungenen) Abschluss unserer Alpenquerung.



    Springen E/A (Cascar)

    "Ach komm, das ist doch nicht dein erstes Mal!", sage ich scherzhaft zu Distraction, während er mit krampfhaft an die Brust gezogenen Kopf versucht, sein Vorderzeug zu beschnuppern. Das trägt er nur, wenn es an den Sprung geht und gerade heute scheint den Rappen das brennend zu interessieren. Himmawallajugaga, die am Anbindebalken neben Dizzy steht, macht da einen entspannteren Eindruck: Sie entlastet und verscheucht mit ihrem Schweif die letzten Fliegen des Sommers.

    Der anbrechende Winter ist bei uns immer das Trainingssignal: Die Distanz- und Galopppferde genießen das Ende ihrer Sportsaison und für alle, die in der Dressur und dem Springen aktiv sind, beginnt die trainingsintensive Jahreszeit. Himmi und Dizzy sind ja das heutige Beispiel dafür. Beide kennen den Sprung, sollen aber heute auch Bekanntschaft mit der Anfängerstufe machen. Dafür werde ich mit Distraction arbeiten, während Paul so lieb ist, sich einmal mehr der Rappschimmelstute anzunehmen. Wobei ja zu bemerken ist, dass Paul sein eigenes Pferd hat - nur ist Rhodus eher ein Westernkandidat. "Schau, Dizzy. Kannst dir eine Scheibe von Himmi abschneiden!", sagt Paul auch in dem Moment scherzhaft, als ich darüber nachdenke. "Mädels sind halt wesentlich cooler.", füge ich deshalb an. Paul schnaubt missbilligend und bindet wortlos sein Pferd los. Ich tue es ihm nach und gemeinsam machen wir uns auf den Weg - einmal quer über den Hof - zu unserem einzigen Reitplatz. Mein Dad war so lieb, uns schon im Morgengrauen, unmittelbar nach dem Füttern der Pferde, die Sprünge aufzubauen. Auf dem Platz sind wir heute die ersten, sodass wir noch ein wenig das Bild der tauüberzogenen Stangen genießen können. Wo können wohl angesichts der klaren Luft und frischen Temperaturen von Glück reden, dass der Boden nicht gefroren ist.

    Zuerst führen Paul und ich nebeneinander unsere Pferde warm. Dann wird das erste Mal nachgegurtet und die Pferde bekommen Gamaschen, Streichkappen und Hufglocken angelegt. Ich kontrolliere noch einmal Dizzys Ausrüstung, bevor ich aufsteige und sowohl Bügel, als auch Zügel aufnehme. Paul tut es mir nach und im Nu sind wir auf der Bahn und reiten die Pferde unabhängig voneinander mit verschiedenen Bahnfiguren und Gangartwechseln warm. Erst nach etwa vierzig Minuten beginnen wir mit einigen Cavalettis und Sprüngen auf der E-Höhe und -weite. Die neue Stufe bauen wir von da an schleichend ein: nachdem Paul und ich registriert haben, dass unsere Pferde gut warm sind, erweitern wir die Gymnastikstrecke um ein höheres Kreuz am Ende der Reihe. Distraction setzt ohne zu zögern darüber und meistert die Höhe, während Paul Himmi ein wenig überreden muss. Die Stute schnaubt gleich danach ausgiebig, während ihr Reiter sie lobt. "Mach mit ihr mal den Graben!", weise ich Paul an und wende Distraction, um eine weitere Kombination aus höheren Sprüngen zu probieren. Weil Dizzy an dem letzten mit dem Hinterhuf hängen bleibt, muss ich bald darauf durchparieren und absteigen, um das Hindernis wieder ordnungsgemäß aufzubauen.

    Nach insgesamt zwei Stunden beenden wir dann das Training. Das grobe, grundsätzliche Ziel ist erreicht: Beide Pferde trauen sich die A-Höhe zu. Einen solchen Parcours fehlerfrei in hervorragender Zeit zu bestreiten, ist eine Frage des regelmäßigen Trainings und der Erfahrung. Für's erste ist Pauls und mein Job also getan.

    Distraction und Himmawallajugaga bringen wir wieder auf den Putzplatz, wo wir das Fell der schwitzenden Pferde aufrauen und abtrocknen und schließlich mit einer Abschwitzdecke zudecken. Bis das Fell wieder trocken ist müssen die beiden jetzt in ihre Boxen und wohl oder übel fressend ausharren - für den Nachmittag steht ihnen dann ein ausgiebiger Koppelgang bevor.



    Springen A/L (Cascar)

    Der erste Dezember ist bei uns auf dem Gestüt einer der letzten Termine des Jahres, an dem wirklich trainiert wird. Die Zeit danach ist für gewöhnlich eine Ruhephase, bis Weihnachten. Deshalb machen Ann, Carina, Paul und ich auch genau heute unsere Pferde fertig, um noch eine Runde zu springen - auf deutlich erhöhtem Niveau im Vergleich zu vor drei Monaten. Erschwerend hinzu kommt, dass die Kälte mittlerweile klirrend ist. Ohne eine Reithalle macht das das Erwärmen der Pferde deutlich langwieriger.

    Nichtsdestotrotz sind alle gut gelaunt: Eingemummelt in Daunenjacken und Thermoreithosen haben Ann und ich Yacedor Gepir und Distraction aus dem Stall geholt, während Carina und Paul im Hauptstall nach Himmawallajugaga und Earl Grey's Darjeeling gesehen haben. Nun arbeiten wir alle nebeneinander am Anbindebalken an der Säuberung von Fell, Langhaar und Hufen unserer Pferde.

    "Himmi hat keinen Mähnenkamm.", stellt Paul fest und Carina reicht ihm wortlos den von Early. "Danke.", sagt Paul und hebt die Hände. Mir entgeht das Blitzen in seinen Augen nicht, während er Carina noch einen Moment länger über den Rücken seines Pferdes ansieht. Auch Ann schnaubt abfällig und wendet sich dann Gepirs Hufen zu. Alle vier Pferde haben schon Winterfell - wenn auch Early deutlich mehr als die Tekken - und das Putzen und Streicheln hat wieder einen gewissen Teddybäreffekt. Das bedeutet auch, dass das Scheren bald ansteht. Während ich so darüber nachsinne, stupst mich Distraction mehrmals mit seiner weichen Nase an und ich kraule gedankenverloren seine Stirn. Den schwarzen Hengst habe ich mittlerweile richtig lieb gewonnen - vor allem, da er das einzige Pferd ist, dass ich derzeit aktiv im Springen trainiere. Anders geht es wohl Ann auch nicht, die im Sommer zwar Kazoom durch die Alpen geritten hat, ansonsten aber einen sichtbaren Hang zu Gepir hat, mit dem sie regelmäßig auf Dressurturniere fährt. Earl Grey's Darjeeling indes gehört Carina und ich muss zugeben, dass die beiden immense Fortschritte machen, vor allem in ihrer Beziehung zueinander. Paul hat ja eigentlich sein eigenes Pferd, ist aber so lieb - und vielleicht auch ein wenig begeistert vom Kontrast - Himmawallajugaga zu reiten, besonders im Springen.

    Insgesamt sind wir also ein recht optimistisches, vollblutlastiges Quartett, das seinen kurzen Weg zum nördlich gelegenen Reitplatz antritt. Dort wartet nämlich Olli schon auf uns, mit fertig aufgebauten Sprüngen der Stufe A und L. Wir grüßen alle freundlich und Oliver winkt, dann beginnen wir damit, unsere Pferde warm zu führen. Earl Grey's Darjeeling wird sogar von Carina longiert, bevor es and Nachgurten und in den Sattel geht. Das Warmreiten dann erfolgt in der Abteilung und in allen drei Grundgangarten, mit verschiedensten Bahnfiguren. So kommt es, dass wir den ersten Sprung erst nach knapp zwanzig Minuten des Aufwärmens machen. Distractions Fell dampft da schon, aber nichtsdestotrotz ist mein Pferd frisch und voller Elan und Ehrgeiz am Sprung. Es macht mir richtig Freude, den Knaben zu reiten. Ein paar Blicke zur Seite verraten mir, dass die kalte Luft auch auf die anderen eine belebende Wirkung hat - gut zu erkennen an den roten Wangen der Reiter.

    Als es an die neue Stufe und damit höheren Hindernisse geht - die im Übrigen uns allen aus dem Einzeltraining bekannt sind - wird die Situation noch ein wenig aufgedrehter. Während Carina mit Early souverän die neue Höhe meistert und die beiden sichtlich zusammenarbeiten, braucht Gepir anfangs ganz schön Überzeugung durch Ann, um den Absprung zu wagen. Der Cremello ist eben nicht so für den Parcours gemacht, sein "Fliegen" ist eher das der Galopppirouette. Nichtsdestotrotz schaffen es schließlich auch diese beiden Gesellen heile durch die L-Kombination.

    Dann sind da noch Paul und Himmi. Da ist es eher der Reiter, der zusehends Respekt vor dem Sprung hat. Beim ersten kleinen Oxer reißt Paul ganz entsetzt die Augen auf und äußert dann: "Krass, geht die da weit hoch." Ich lache herzlich über diese Reaktion, denn ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Springstunden mit Spearmint erinnern. Da ging es mir ähnlich.

    Naja, und dann gibt es da noch Distraction und mich. Der Rappe mit dem mittlerweile kuscheligen, wenn auch etwas klammen Fell setzt ohne zu zucken über die neue Höhe. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir die letzten Wochen vor Saisonende sogar schon einige S-Springen gemeinsam bestritten haben. Im Großen und Ganzen läuft dieses Training also mehr als glatt und vor allem ohne jeden Sturz und ja auch quasi ohne eine Verweigerung (Gepir hat nur gezögert … ). Nach insgesamt zwei Stunden im Sattel können wir deshalb glücklich aufatmen und absteigen. Es folgen noch schier endlose Runden des Trockenführens, bevor es zurück zum Putzplatz und für die Pferde zum Teil mit der Decke, zum Teil ohne auf die Koppel geht.



    Springen L/M (Cascar)

    Unsere Trainingsrunde ist geschrumpft. Und das, obwohl die Temperaturen für winterliche Verhältnisse mit 15°C recht lau sind. Nein, der Grund ist, dass Yacedor Gepir sein Springtraining angeschlossen hat. Seit einigen Wochen arbeitet Ann ihn wieder aktiv in der Dressur.

    Und so sind es nunmehr Carina, Paul und ich, dir Earl Grey's Darjeeling, Himmawallajugaga und Distraction auf dem Putzplatz zurecht machen und satteln. Meine Laune ist ausnahmsweise auf einem Hoch, weil Kira drinnen, bei meiner Mum, ist und Louis und Cedric bis zur Einstellung unserer neuen Stallknechte am Ende des Monats beim Ausmisten aushelfen müssen. Ich sehe sie also nicht.

    Mit einem Lächeln auf den Lippen streife ich also Distraction seine Trense über, während Paul Himmis Sattelgurt verschließt und vorsorglich die Steigbügellänge einstellt. Nebenbei redet er scherzhaft mit Carina. Es versetzt mir zwar einen Stich, aber ich muss mir wohl eingestehen, dass Paul dir Holländerin mehr als nur "ein bisschen attraktiv" findet. Sollte aus den beiden was werden, gönne ich es ihnen jedenfalls.

    Bis dahin - und für diese Gesprächsrunde - habe ich Dizzy. Der im Winter schwarze Hengst geht ruhig, aber aufmerksam um sich blickend, neben mir zum Reitplatz. Weil er ein bisschen quirlig scheint, nehme ich ihn zehn Minuten an die Longe, bevor ich mit Carina und Paul aufsteige.

    Der Parcours ist schon aufgebaut, aber Olli gesellt sich sicherheitshalber zu uns, die treue Seele, und überwacht aufmerksam unser Warmreiten.

    Es geht für alle ganz normal, wenn auch unabhängig voneinander, mit den Grundgangarten und Bahnfiguren los. Es werden viele Biegungen und Gangartwechsel geritten, bevor es tatsächlich erst an die Cavalettis, dann an die Gymnastiksprünge geht. Diese Art des Trainings läuft so schon seit Wochen für jeden von uns. Die einzige Besonderheit ist heute, dass die Sprünge in der letzten halben Stunde einige Zentimeter höher und manchmal auch länger sind. Dizzy scheint diesen Unterschied nicht zu merken, er fliegt über die Stangen, als wäre nichts gewesen. Manchmal reißt er, aber meistens ist unsere beide Konzentration so beisammen, dass die Kombinationen klappen.

    Carina und Early haben allerdings schon ganz schön zu tun. Auch, weil Early recht jung ist und besonders im Parcours noch ihren Takt finden muss. Außerdem fällt es Carina recht schwer, die Ruhe zu bewahren, als ihr Pferd immer und immer wieder reißt - aber immerhin springt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die zwei heute nicht ihren besten Tag haben und deshalb das Training einfach nach bestem Wissen und Gewissen in den kommenden Wochen fortsetzen sollten, um sicherer zu werden.

    Auch Himmi und Paul sind etwas durch den Wind. Paul hat augenscheinlich Angst vor der Hindernishöhe und der langen Flugphase. Zumindest glaube ich das in seinen Augen zu sehen. Umso erstaunlicher ist es, wie souverän sein Pferd die Höhe meistert: Himmawallajugaga scheint das Vertrauen zu genießen, dass Paul mangels Erfahrung in sie setzt. Sie scheint förmlich zu sagen :"Komm, ich nehme dich mit!". Das gefällt mir. Aber die Rappschimmelstute war ja noch nie unemanzipierte Frau unter den Stuten.

    Letztendlich ist die Springstunde so doch ganz erfolgreich. Alle haben die M-Höhe gemeistert - alles weitere bringt das kontinuierliche Training. Ich gratuliere Carina nach dem Absteigen, deren Wangen ganz rot sind, und Paul auch, obwohl der eher erleichtert wirkt, auf dem Pferd geblieben zu sein. Immerhin scheint auch er es schätzen zu können, was Himmi geleistet hat, denn er lobt sie überschwänglich und ist es am späten Nachmittag persönlich, der ihr das Kraftfutter bringt.

    Die Tekkiner und Early bleiben dann den Rest des Tages mit ihrer Decke auf den jeweiligen Weiden. Ihre Tagesaufgabe haben die Pferde zweifellos erfüllt.



    Rennen A/L (Cascar)

    Himmawallajugaga ist jetzt seit knapp einem Monat wieder auf der Rennbahn unterwegs - gleich bei ihrem ersten Rennen hat sie überraschend gesiegt. Anders als Worgait ist sie aber auch noch in anderen Bereichen des Reitens aktiv wie kleinen Springturnieren oder Distanzritten. Kurzum - Himmis vordergründiger Sport ist nicht der eines Rennpferdes, deswegen schreitet ihr Training diesbezüglich sehr langsam und sacht voran. Worgait hingegen hat eine andere Geschichte, weswegen er heute zum ersten Mal richtig auf der Bahn trainiert wird: Erst seit letztem Sommer ist der Hengst wirklich händelbar. Mit dem Rennen - das haben wir gemerkt - wird der Liebe auch ausgelasteter und damit generell ein bisschen ruhiger. Das bekomme ich schon zu spüren, als ich den Buckskin aus seiner Offenstallbox hole und außen an seiner Box anbinde. Er lässt sich recht still putzen, entlastet zwar nicht und legt warnend die Ohren an, als ich an seinen Bauch komme und ihm den Rücken zukehre, um die Hufe auszukratzen, aber das ist im Vergleich zum Anfang eine wirklich tolerante Reaktion. Der Hengst bekommt anschließend eine Stalldecke umgelegt und wird dann von mir auf den Hof geführt, wo der Pferdehänger bereitsteht. Worgait mag viele Macken haben, aber den Hänger schließen die - Gott sei Dank - nicht mit ein, da rennt er förmlich drauf und ich muss aufpassen, nicht unter die Hufe des Pferdes zu geraten. Wenig später ist es Cedric, der Himmawallajugaga - ebenfalls mit einer Stalldecke - zum Anhänger bringt. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen angespannt, denn Worgait und Himmi kennen sich nur vom Sehen. Wir haben auch extra die hohe Zwischenwand eingebaut, damit eventuelle gewollte Zahnkontakte vermieden werden. Tatsächlich gibt es ein gan schönes Geruckel im Innenraum, als Himmi in ihren Anteil tritt. Ein paar Hufe landen an der Zwischenwand, die Stute macht ein paar merkwürdige Geräusche, aber schließlich atme ich auf und wir können endlich losfahren.

    Ich sitze im Auto neben meinem Dad, der fährt, und Cedric, der die ganze Fahrt am Handy sitzt und eigentlich nur mit ist, um die Pferde warmzuführen und zu satteln. So wie ich. Auch für das Training bin ich nämlich als Jockey nun endgültig zu schwer und zu groß. Heute lernen wir deshalb unsere neuen Leute diesbezüglich kennen. Nach Rubys Unfall sind sie und Diego nämlich erstmal nach Hause, auf den australischen Kontinent, zurückgekehrt und das auf nicht absehbare Zeit. Ich persönlich habe dafür vollstes Verständnis, Alois auch, das weiß ich, aber er ist dann eben auch schnell gereizt, weil gute Leute für den Job zu finden nicht leicht ist.

    Auf dem Rennbahngelände wartet erstmal eine Gute und das ist Maria. Sobald die Autotür offen steht, begrüße ich sie stürmisch - Maria Wernske ist unsere Trainerin, war aber auch einige Zeit auf Reisen, um in einem Auslandsaufenthalt in England ihre Arbeit mit den Vollblütern zu perfektionieren. Das ist also heute praktisch unser großes Wiedersehen. Zum Erzählen kommt sie aber gar nicht, denn nach einem kurzen Handschlag mit Alois und Cedric müssen wir die Pferde vom Hänger holen und direkt in den offenen Holzboxen anbinden und satteln. Während ich mir Worgait vornehme und Cedric sich Himmi, besprechen Maria und Alois das geplante Training. Maria ist es auch, die beide Pferde noch einmal durch Vorführen auf Lahmheit und den gesundheitlichen Allgemeinzustand überprüft. Kurz bevor wir dann zum Warmführen aufbrechen, erscheinen unabhängig voneinander zwei neue Gestalten im Rondel. Der Eine kommt vom Parkplatz, ist augenscheinlich mit dem Auto angereist, männlich und Brillenträger. Er mag Mitte zwanzig sein, reicht mir aber nur bis zur Schulter und hat dunkles Haar. Der Andere erreicht das Gelände mit dem Fahrrad und stellt es hastig ab. "Er" ist auch ein Mann, vielleicht dreißig, aber das ist schwer zu schätzen, weil er von der Haut her definitiv afrikanische Wurzeln besitzt und außerdem eine Glatze hat. Unattraktiv macht ihn das nicht, im Gegenteil. Er ist aber auch ein Stückchen größer als Ersterer und damit ja prädestiniert für den Hengst.

    "Hallo", begrüßt uns der kleinere Mann freundlich und mit strahlendem Lächeln. Von Nahem sieht man auch einen nicht ungepflegt wirkenden Dreitagebart. "Ich bin Ken Williams." – "Freut mich, Alois Winterscape.", erwidert mein Dad und auch Cedric und ich grüßen und stellen uns vor. Kurz darauf erreicht uns der Zweite: "Tag. Martin Craft. Aber ihr kennt mich Blacki nennen.", sagt er mit einem schelmischen Lächeln. Mir ist er gleich noch sympathischer als Ken. Während mein Dad noch überlegt, wie er den beiden Neuen so gegenübertreten soll, machen sich Cedric und ich daran, Worgait und Himmi warmzuführen. Die Pferde spüren die Nähe der Bahn und sind entsprechend schnell hitzig und aufgeregt. Nachdem sich Ken und Martin umgezogen haben, ist es für Beide nicht einfach, in den Sattel zu kommen. Wie ich mir das gedacht hatte bekommt der Größere den Hengst, der Kleinere die Stute. "Alles klar?", frage ich Martin und er lacht und bejaht. Man sieht ihn jetzt schon an, dass er Erfahrung mit Rennpferden hat, auch wenn man ihm das vielleicht nicht gleich zutraut.

    Cedric und ich führen die Pferde samt Reiter in die jeweiligen Startboxen und tauchen dann unter der Wand an die Seite der Bahn ab. Maria und Alois haben bereits auf dem "Turm", wie ich es nenne, dem höchsten Punkt der Tribüne, auf dem normalerweise der Kommentator hat und den Überblick über Zeiten und Kameras hat. Von dort ertönt dann auch das Startsignal und sofort öffnen sich die Türen der Startboxen und das Rennen zwischen unseren Tekkinern beginnt. Ich merke schon zu Beginn, aus meiner Perspektive von schräg hinten, dass Ken Mühe hat, Himmi zu halten. Martin scheint da souveräner. Für die erste Kurve lenkt er den Buckskin hinter Himmi, worauf der zwar die Ohren anliegt, Martin ihm aber keine Gelegenheit lässt, auszubrechen oder andere Spirenzchen zu machen. Die lange Seite vergeht dann wortwörtlich wie im Flug und in der letzten Kurve wendet sich das Blatt: Worgait holt mit drei kräftigen Sprüngen ein Stück auf und auf der Zielgeraden kann ich kaum an mich halten, weil es so spannend ist. Während sich Ken unheimlich flach und klein auf dem Pferderücken macht und den Hals der Stute aktiv in die Bewegung drückt, während die Zügel lang sind, holt Martin ein paar Mal - eigentlich zu oft - mit der Gerte aus und schlägt in die Luft. Trotzdem rennt der Hengst unter ihnen wie von der Tarantel gestochen und kommt schließlich einen knappe Meter vor Himmi und Ken ins Ziel. Wahnsinn.

    Ich zögere nicht lange und gehe auf das Pferd zu, das gewonnen hat. Martin bremst ihn bereits zum Schritt. Er atmet so schwer wie das Pferd, letzteres schwitzt außerordentlich. Ich kann aus der Ferne erkennen, dass das auch bei Himmi der Fall ist. Worgait ist ganz platt, so ruhig hat er sich schon lange nicht mehr führen lassen. In dem Rondell zum Absatteln treffen wir Maria und Alois. Während Erstere mit Cedric und mir die Pferde abspritzt, redet Dad mit den beiden Reitern. Ich erfahre danach von ihm, dass die Pferde die Zeiten bravourös gemeistert haben, er aber Martin klipp und klar gesagt habe, dass Peitschenhiebe definitiv nur anzudeuten seien und das auch nur genau zwei Mal, wie es vorgeschrieben ist. Gerade bei einem Pferd wie Worgait sei es wichtig, dem Pferd gegenüber fair zu sein. Ich stimme ihm da zu.

    Von Martin und Ken verabschieden wir uns an der Rennbahn und fahren dann, mit den geduschten und dann trocken geführten Pferden wieder nach Hause. Was ich von den Jockeys halte, muss ich noch überlegen, aber unsere Pferde haben mich heute definitiv von sich überzeugt.

    Die Kür (Kürmusik)
    Ich bin furchtbar hibbelig und aufgeregt und Himmawallajugaga, die mit gespitzten Ohren
    neben mir steht und mit mir darauf wartet, dass wir aufgerufen werden, übernimmt meine
    Stimmung leider eins zu eins. Dabei führe ich sie nur am Showhalfter, ihr gräuliches Fell
    glänzt, weil es mit dem Lammfellhandschuh eine gute Stunde "geputzt" wurde, das Woll-
    band in altrosa stellt einen wunderbaren Kontrast zu ihrer schwarzen, sorgfältig
    eingeflochtenen Mähne dar. Eigentlich kann ich gar nicht aufhören, die Stute zu betrachten.
    Nur schließlich werden wir aufgerufen und als ich losgehe, tänzelt Himmi
    trabend neben mir – fast über die Schulter – in die Halle. Wir halten
    in der Mitte und ich mustere den Rappschimmel gekonnt vor, dann grüße ich.
    Mit dem einsetzen der Musik führe ich das Pferd auf den Hufschlag. Himmawallajugaga ist ein
    Renn- und Distanzpferd, deswegen wird geführt und nicht geritten. So zeigt sich auch ihr Trab
    auf der linken wie der rechten Hand viel schöner und schwungvoller, während sie trotz allem
    souverän an meiner Schulter rechts neben mir geht. Anschließend präsentieren wir im Schritt
    eine 10-m-Volte und finden uns schließlich bei C auf dem Zirkel ein, wo ich Himmi mit wenig
    Motivation in den Galopp bekomme. In derselben Gangart wechseln wir aus dem Zirkel, bei X
    springt die Stute selbstständig um, sodass wir auch den Innengalopp auf der anderen Hand gut
    gebacken bekommen. Schließlich pariere ich das Pferd zum Schritt durch und so kommen wir
    noch zum Schritt auf dieser Hand.
    Letztendlich finden wir uns wieder in der Mitte der Halle ein und zum Ende der Kür
    verabschiede ich die Richter, dann lobe ich Himmawallajugaga, die gleichzeitig im
    Applaus der Zuschauer ihre Ohren spitzt und ein wenig hektisch umherblickt.
    Ich grinse darüber – jetzt kann ich wieder lächeln – und
    führe das Pferd in Ruhe nach draußen.

    1843 Zeichen | zeichenzähler.de | (c) Cascar

    himmi_kroenung_eukaweg.png
     
    Zuletzt bearbeitet: 21 Mai 2018 um 8:04 AM Uhr
    Bracelet gefällt das.

Diese Seite empfehlen