[RS] Vive La France

Dieses Thema im Forum "Rollenspiele" wurde erstellt von Loki, 2 Sep. 2016.

  1. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Paris im Juni 1832:
    Seit der Julirevolution von 1830 und dem Sturz König Karls X. regiert in Frankreich König Louis Philippe I. im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie. Die königliche Gewalt und die vermögenden Schichten besitzen im Land ein starkes politisches Übergewicht vor der restlichen Bevölkerung. Schon bald sind die republikanischen Kreise im französischen Bürgertum (hauptsächlich Intellektuelle, Künstler und Bildungsbürger) unzufrieden und fordern Reformen.

    Soviel zur Einführung, es geht hier um den Juniaufstand 1832, wer keine Ahnung davon hat, dem lege ich nahe einfach den Wikipedia Eintrag dazu zu lesen - ist echt nicht viel, weil dieser innerhalb von zwei Tagen niedergeschlagen wurde. Mir geht es in diesem Rollenspiel nicht um die vollständige geschichtliche Korrektheit (bin ja auch kein Experte), aber die Rahmenbedingungen wie die Zeit, das Land und die Kultur sollten schon eingehalten werden (sprich: beispielsweise bei den Namen fänd ich es doof wenn jemand seinen Charakter, sagen wir mal Matthew Smith oder Hans Müller nennen würde - ihr versteht sicher was ich meine).
    Dieses Mal gibt es keine Steckbriefvorlage, es steht euch frei über euren Charakter das zu schreiben, was man möchte, ihr könnt das Ganze als Text oder in Steckbriefform einfach hierrunter posten.

    Viel Spaß wünsche ich euch!
     
    Canyon, Leaenna und kira gefällt das.
  2. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Anmeldung

    Sebastien Lefort (von seinen Freunden auch Bastien genannt) ist ein großer und schlanker junger Mann mit schwarz-braunem, dickem Haar auf dem Kopf, das zwar gelockt ist, aber stets eine gewisse Ordnung besitzt. Die Augen des 23-Jährigen haben einen braunen Ton und die Nase ist nicht weiter auffällig. Seine Mimik hält sich meist eher ernst, ein Lächeln besteht häufig bloß aus einem Mundwinkelzucken. Er ist kein Mann von vielen Worten. Was er sagt ist rar und stets sorgsam überdacht. Umso mehr Gedanken streifen meist durch seinen Kopf, weshalb er selten wirklich zur Ruhe kommt und oft besorgt um sein Tun ist. Genau diese Bedachtheit macht Sebastien zu einem äußerst wertvollen Studenten an der Universität, hinterfragt er doch alles und jeden. Sie war es auch - verbunden mit dem Vermögen seiner Familie - die es ihm überhaupt ermöglicht, studieren gehen zu dürfen. Doch Menschen, die kritisieren, werden nicht immer gerne gesehen, vorallem wenn sie beginnen die Regierung zu hinterfragen oder (wie bei Sebastien) drohen aufständig zu werden. So ist es nicht für jeden offensichtlich, doch insgeheim gehört Sebastien zu einer Gruppe Rebellen, die tatsächlich eine erneute Revolution herbeirufen wollen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18 Sep. 2016
  3. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain Lemaitre
    Geboren am 9. Mai 1810, 22 Jahre alt

    Romain ist ein relativ hochgewachsener Kerl von schlanker Statur, zwar nicht schlacksig, doch untrainiert - ein Mensch, dem man ansieht, dass er keine harte Arbeit kennt. Die Bequemlichkeit, die er dank des Kapitals seiner Familie nie anders kennengelernt hat, hat ihn zu einem eher arbeitsscheuen, verwöhnten und in dieser Hinsicht recht sturen jungen Mann heranwachsen lassen. Seine Augen sind von einem warmen Grünton. Sie tun ihren Dienst nicht immer so gut, wie sie sollten, weshalb Romain immer ein Lorgnon in der Westentasche trägt, doch meistens ist er zu eitel, es auch zu benutzen. Das mausbraune Haar trägt er stets aus Prinzip um einen Hauch länger, als die Mode er für üblich hält, und das einfach nur, weil er es kann; die Strähnen, die ihm in gekämmtem Zustand mittlerweile bis über die Augen fallen würden, stehen meist wirr vom Kopf ab. Den Ansatz eines Bartes dagegen entfernt er stets gewissenhaft. Manchmal malt sich eine leichte Abfälligkeit in Romains Mundwinkel, die man ihm nicht allzu hart ankreiden darf: Viel Verständnis für die, denen es schlechter geht als ihm, scheint er nicht aufbringen zu können, doch das ist nicht böse gemeint, mit dieser Gabe der Empathie wurde er leider einfach nicht gesegnet. Noch viel öfter allerdings zeigt sich auf seinen Lippen ein mildes, gar unbekümmertes Lächeln, das die ordentlichen, weißen Zahnreihen entblößt ...Nunja, ob diese darstellerische Sorglosigkeit wirklich besser ist, ist ein anderes Thema. Ja, sicher, wenn man will, kann man einiges Negatives über Romain sagen: Dass er zu oft nur an sich denkt, oder dass er, scheinbar gleichmütig gegenüber seinen Mitmenschen, weit über dem durchschnittlichen Lebenstandard lebt. Aber eigentlich ist es nicht seine Schuld, wie er aufwuchs und erzogen wurde. Es ist höchstens seine Schuld, dass er nicht öfter seinen Kopf einschaltet, um über seinen beschränkten Horizont hinauszublicken.

    Romain ist Student und außerdem Cousin von Sebastien Lefort
     
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  4. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Die Sonne schien an diesem Tag besonders hell zu strahlen, der Himmel war beinahe wolkenlos. Die Reflexion des Lichts auf den weißen Seiten des Gesetzbuches in meinen Händen blendeten mich. Ich schlug das Buch zu und legte es auf meinen Schoß. Im Jardin du Luxembourg tummelten sich die Menschen, an diesem warmen Sonntag und ich beschloss, dass ich für diesen Tag genug für mein Studium gelernt hatte. Zwar war es völlig ermüdend, all die Paragraphen auswendig zu lernen, doch Jura studierte ich auch bloß meinen Eltern zuliebe. Ich hatte es als Studiengang nicht wirklich präferiert. Das alles war jedoch kein nennenswertes Problem, denn immerhin wendete ich einen großen Teil meiner Zeit für höhere Zwecke auf. So stand ich von der Parkbank auf und klemmte mir das Buch unter den Oberarm, um mich auf den Weg zu meiner bescheidenen Wohnung zu machen.
     
  5. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Mit einem tiefen Zug inhalierte ich den Rauch der Zigarre und stieß ihn durch die Nase wieder aus. Das war ja wieder typisch. Da wollte man einmal so freundlich sein und seinem werten Cousin einen Besuch abstatten, und wer war ich da? Monsieur Lefort. Aber weshalb sollte ich mich ärgern. So, locker an die Wand vor dem Haus gelehnt, bekam ich wenigstens noch ein paar Sonnenstrahlen ab, während ich meine Zigarre genoss. Es war ein warmer, wolkenloser Tag, der den Sommer lächelnd willkommen zu heißen schien und die Menschen nach draußen in die Parks und Gärten lockte, die Männer und Frauen, die flanierten und die neuesten Moden zur Schau stellten. Ich fragte mich unwillkürlich, wo Bastien war - Ob er auch irgendwo saß und das Gesicht in die Sonne hielt. Aber nein, das sähe ihm nicht ähnlich, für die kleinen Freuden des Lebens hatte er nie viel übrig gehabt. So wie ich meinen Cousin kannte, hockte er eher mit einigen seiner Kumpanen in irgendeinem Keller und fantasierte darüber, wie er die Obrigkeit zu stürzen plante.
     
  6. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Nicht sehr lange benötigte ich, um in der Rue de Valette angelangt war - in der Straße, in welcher ich ein Zimmer bewohnte. Zwar könnte ich mir sicher mit dem Vermögen meiner Eltern ein luxuriöseres Heim leisten, doch verbrachte ich ohnehin nicht sonderlich viel Zeit dort, sondern war meist nur zum Schlafen anwesend. Schon von weitem konnte ich eine große, schlanke Person erkennen, die an einer Hauswand gelehnt wohl gerade eine Zigarre genoss. Ich musste nicht lange überlegen, um zu wissen, um wen es sich dort handelte. Es war mein Cousin Romain, ein maßloser Taugenichts, um ehrlich zu sein, doch er war mein Cousin und da ich niemals in den Genuss von Geschwistern gekommen war, hatte ich mich stets als eine Art älterer Bruder für ihn gesehen und fühlte mich immer schon auf eine gewisse Art verantwortlich für ihn. Einige Schritte später war ich bei Romain angekommen. Stumm sah ich meinen Cousin an, ehe ich mein Schweigen brach. "Romain", sagte ich feststellend und nahm das Buch, das noch unter meinem linken Arm klemmte, in meine Hand. "Du hast wohl wieder zu wenig zu tun." Ihn mit ins Haus einzuladen war unnötig. Romain würde so oder so mitkommen. Sonst wäre er wohl kaum hier.
     
  7. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Na, wer sagte es denn: Lange ließ Bastien mich nicht warten. Fast so, als hätte er gewusst, dass ich da sein würde, kam er nur wenige Minuten später die Straße entlang. Ich sah ihm entgegen, während er sich mir näherte, schließlich vor mir stehen blieb. Für einen Augenblick lag sein Blick stumm auf mir, ehe er sich zu einigen wahrlich liebreizenden Worten hinreißen ließ. Ich zog einen leichten Schmollmund, während ich mich von der Wand abstieß. "Welch herzliche Begrüßung, Cousin." Nachlässig strich ich das Jackett an meinem Rücken glatt und klopfte etwas Staub von dem teuren Stoff. "Du tust gerade so, als würdest du dich nicht freuen, mich zu sehen." Ich schnickte etwas Asche von der Zigarre in meinen Fingern und erlaubte ihr, zu erlöschen. Ich würde sie später noch einmal entzünden können. Nicht jeder mochte den Geruch in der Wohnung - Wenn ich auch nicht verstehen konnte, warum. "Wo hast du dich herumgetrieben?" Ungefragt griff ich nach dem Buch, das Sebastien in der Hand hatte. Ich hielt es vor mich, erst etwas näher am Gesicht, dann doch ein ganzes Stück weiter weg, bis ich einen Abstand gefunden hatte, um lesen zu können, was darauf stand. Fast hatte ich erwartet, irgendwelche aufrührerischen Schriften in den Händen zu halten, und war beinahe ein wenig enttäuscht, dass es sich nur um Jura handelte. Auch ich studierte - Medizin, das war am besten für den Ruf -, aber mit einem Fachbuch traf man mich doch eher selten an. Ich hatte nicht vor, jemals Arzt zu werden. Wer wollte sich schon mit den Krankheiten und Gebrechen fremder Leute herumschlagen? Doch das Studium machte etwas her und ich konnte es mir leisten, also war es gar kein so schlechter Zeitvertreib gegen die Langeweile des Alltags.
     
  8. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Er stieß sich von der Hauswand ab und klopfte den Staub von seinem Jackett. Ich blickte meinen Cousin weiterhin an. "Du tust gerade so, als würdest du dich nicht freuen, mich zu sehen", hörte ich ihn sprechen. Ein Seufzen drang aus meinem Mund. "Ich wäre erfreuter, würdest du deine Zeit nicht immer nur mit Nichts-Tun verbringen", erwiderte ich mit hochgezogenen Augenbrauen. Immer wieder fragte ich mich, wie es sein konnte, dass Romain solch ein Tunichtgut wurde. Wie konnte es sein, dass ein Mensch sich mit derart unnützen Beschäftigungen die Zeit vertrieb, wie es mein Vetter tat? Es war mir ein Rätsel. "Wo hast du dich herumgetrieben?", fragte Romain dann und griff nach meinem Buch - ungefragt, versteht sich. Ein kleines Wenig musste ich dann doch schmunzeln, als ich sah, wie er den Abstand suchte, sodass er den Titel enziffern konnte. Doch das Schmunzeln verweilte nicht allzu lange auf meinen Lippen, das war einfach nicht meine Art. "Ich habe gelernt, im Luxembourg...das könntest du auch einmal versuchen", beantwortete ich seine zuvor gestellte Frage und runzelte dann die Stirn. "Wieso benutzt du niemals dein Lorgnon?" Ich nahm das Gesetzbuch wieder aus Romains Hand und öffnete dann die Tür zum Haus.
     
  9. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Allmählich wurde Sebastiens Blick geradezu bohrend. So, wie er mich anstarrte, müsste man fast meinen, ich habe irgendwo einen großen Fleck auf dem Hemd; zum Glück wusste ich ziemlich genau, dass dem nicht so war. Und da sollte noch einmal jemand sagen, ich sei hier der mit den schlechten Augen. Ja, würde ich meinen skeptischen Cousin nicht schon so lange kennen, hätte ich vermutlich spätestens jetzt angefangen, mich unter seinen ernsten Augen zu winden wie ein Fisch auf dem Trockenen. "Ich wäre erfreuter, würdest du deine Zeit nicht immer nur mit Nichtstun verbringen", sagte Sebastien in diesem Moment. Immer diese Vorwürfe. Und dann dieses dramatische Seufzen! Ich stieß ein unwilliges Grunzen aus. "Mon Dieu, Bastien, du wiederholst dich - Und das jedes Mal, wenn wir uns sehen." Ich ließ zu, dass er mir das Buch aus den Händen nahm. Das Lächeln, das kurz auf seinen Lippen aufgeblitzt war, war schon wieder verschwunden. Nicht ungewöhnlich für Bastien, aber manchmal wirklich schade. "Ich tue außerdem nicht nichts. Jetzt gerade in diesem Moment bin ich sogar außerordentlich aktiv. Ich besuche den Ochsen, der sich mein Vetter schimpft. Das ist harte Arbeit mit so einem störrischen Tier!"
    Gelernt hatte er also. Nungut, das war zwar nicht unbedingt meine präferierte Freizeitbeschäftigung, aber solange Bastien sich in sein Jurastudium vertiefte, kam er zumindest nicht auf andere dumme Gedanken. Lockeren Schrittes folgte ich meinem Cousin ins Haus hinein, während ich seiner Frage zuhörte. Warum ich mein Lorgnon nicht benutzte, wollte er wissen. "Ich sehe furchtbar damit aus. Außerdem ist es unpraktisch." Es war nicht so, dass ich Sebastien nicht verstand - Was seine politischen Ansichten anging, meinte ich, nicht seine Meinung über meine Sehkraft. Oft genug hatte er mir, sehr nachdrücklich, seine Position erläutert. Und ich begriff, was er meinte, wirklich; zumindest glaubte ich, es zu begreifen. Es machte für mich nur einfach keinen Sinn, warum es sich überhaupt mit so etwas herumschlug, mit den Problemen anderer Leute. Uns ging es doch gut, uns hatte es nie an etwas gemangelt und würde es auch nie, er war doch ebenso wohlhabend aufgewachsen wie ich. Konnte er sich damit nicht zufrieden geben?
     
  10. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Natürlich war Romain mal wieder in keinster Weise in der Lage, etwas ernst zu nehmen, doch was hatte ich erwartet? Ich würde mich stets wiederholen, wenn wir uns sähen. Mochte sein. Doch irgendwie schien nie etwas von meinen Worten in seinem Kopf anzukommen. Es würde Romain sicherlich nicht schaden, einmal seinen Verstand anzuschalten, doch das war ihm vermutlich viel zu anstrengend. Er sprach weiter. Im Moment würde er sehr aktiv sein und dann folgte eine seiner klassischen Neckereien, denen nicht nur ich, sondern wahrscheinlich jeder, der auf Romain traf, des Öfteren zum Opfer fiel. Ich unterdrückte ein Augenrollen und beließ es bei meinem von Skepsis getränktem Blick und einem dezenten Kopfschütteln. Gemeinsam traten wir in das Haus ein - wobei mir einmal mehr der unbekümmerte Gang meines Cousins ins Auge fiel, als gehörte ihm die Welt und trotzdem wäre er von keinerlei Last betroffen. Auf meine Frage, warum er sein Lorgnon nicht benutze, antwortete er damit, dass er damit furchtbar aussehe und es unpraktisch sei. Ich drehte mich an der ersten Stufe zur Treppe zu Romain um und hob meinen Zeigefinger. "Unpraktisch ist nur, dass du zu eitel bist, es zu benutzen", belehrte ich ihn und drehte mich wieder um, um den Gang treppauf fortzusetzen. "Wie geht es Onkel und Tante?", fragte ich dann beiläufig, während ich die Treppenstufen hinauf ging.
     
  11. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Jetzt schüttelte er sogar schon den Kopf über mich, nur, weil ich mir einen kleinen Spaß erlaubt hatte. Ich unterdrückte ein Seufzen und verkniff mir weitere Worte. Manchmal schaffte Sebastien es wirklich, einem das Gefühl zu geben, man sei seine größte Bürde überhaupt. Ich schloss die Tür hinter mir und folgte meinem Cousin die Treppe hinauf, schob mit der Hand seinen erhobenen Zeigefinger fort, als er sich zu mir umdrehte, nur, um mich erneut belehren zu wollen. "Du wirst mir sicherlich zustimmen, Bastien, dass das Land größere Probleme hat als meine Sehkraft." Mit diesen Worten hoffte ich, ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dem musste er, gerade er, einfach zustimmen. Vielleicht hatte ich damit nun einen neuerlichen leidigen Vortrag über die Unmenschlichkeit unserer politischen Situation heraufbeschworen, doch dann ginge es zumindest nicht mehr um mich.
    "Vater und Mutter geht es gut", berichtete ich im Treppensteigen von meinen Eltern, Sebastiens Onkel und Tante. Mit den Fingern fuhr ich mir durch das wirre, dunkle Haar. "Maman hat sich ein neues Kleid schneidern lassen, das sie nächste Woche in der Oper anziehen möchte. Ich sehe schon die neidischen Blicke der anderen Frauen auf ihr liegen!" Ich sprach gerne über diese Dinge: Mode, Opern, Kunst und Kultur. Über die Sachen, die meinen Alltag ausmachten. Vielleicht war es das, was mich am meisten von meinem Cousin unterschied. Ich mochte das Leben, das uns geschenkt worden war. Die letzten beiden Treppenstufen nahm ich auf einmal. Anstrengend war mir ein solcher Aufstieg nicht. Ich war vielleicht nicht der Stärkste oder muskelbepackteste Zeitgenosse, doch auch ich kannte Sport - Reiten und Tanzen gehörten einfach zum guten Ton.
     
  12. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    "Du wirst mir sicherlich zustimmen, Bastien, dass das Land größere Probleme hat als meine Sehkraft", sprach Romain. Nun, dem konnte ich tatsächlich nichts entgegenstellen. Er hatte Recht, ausnahmsweise. Ja, mein guter Cousin wusste, wie er von sich ablenken konnte und das auf eine unverschämt elegante Weise. Ich beschloss, ihn vorerst mit meiner Kritik in Frieden zu lassen, wobei wohl angemerkt werden sollte, dass ich mich selten an solche Vorhaben hielt. Meist vergaß ich sie schlicht und ergreifend. "Tatsächlich, das kann man wohl sagen", stimmte ich Romain letztlich zu, wobei keine Spur von Zufriedenheit in meiner Stimme lag.
    Und dann erzählte er mit seiner für ihn bekannten Unbekümmertheit von Tante, die irgendein Kleid in der Oper tragen wollte - vollkommen belanglosen Kram in meinen Augen und ich interessierte mich in keinster Weise dafür. Aber das war Romains Welt und meine war...eine andere. Auch wenn ich ab und an versuchte, Romain die Augen für das zu öffnen, was wirklich zählte: Die Zukunft Frankreichs. Immerhin betraf diese auch ihn. Rasch hatten wir die Treppenstufen hinter uns gelassen, wobei Romain an den letzten beiden Stufen an mir vorbei sprang, sodass ich nach ihm vor meiner Wohnungstür stand. Ich zog den Schlüssel aus meiner Westentasche, schloss die Tür auf und trat ein. Sogleich befand ich mich in meinem spärlich eingerichteten Wohnraum. Auf jegliche Art von Dekoration hatte ich bei der Einrichtung verzichtet. Alles, was sich hier befand, hatte einen bestimmten Zweck. Was jedoch hier stand, war von guter Qualität und von meinen Eltern finanziert. Allerdings eben, wie erwähnt, eher rar. Ein Sessel mit rotem Samt überzogen stand am Kamin und ein kleiner Kaffetisch daneben. Ein Holzstuhl stand an meinem Sekretär, ein Schrank an der Wand und ein Bett daneben. Es mangelte mir an nichts, wozu brauchte ich auch luxuriöse Dekorationen, es kam ohnehin kaum jemand zu Besuch - was ich selbstverständlich auch so wollte. "Später treffen wir uns wieder im Café. Wirst du da sein?", fragte ich aus dem Nichts heraus und legte mein Buch auf dem Sekretär ab. Mit wir waren einige meiner Studien-Kollegen gemeint, mit denen ich mich öfter zusammen traf, um Politisches zu klären. Wir waren gerade am Überlegen, wie wir die Bürger von Paris auf unsere Seite holen konnten. Es würde nicht mehr allzu lange dauern, bis wir mit unserem größeren Plan in Kraft treten könnten, davon war ich überzeugt.
     
  13. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Obwohl er ursprünglich derjenige gewesen war, der nach dem Wohlergehen meiner Eltern gefragt hatte, überging Sebastien geflissentlich die Antwort, die ich ihm gab. Vermutlich, weil sie ihm nicht gefallen hatte - Weil er nichts hören wollte von Kleidern und Opernbesuchen. Stattdessen schien mein Cousin noch ein wenig verdrießlicher zu werden als vorher, als er mir erklärte, dass ich recht damit hatte, dass das Land größere Probleme hatte. Vielleicht war es nicht ganz fair von mir gewesen, zu meiner Selbstverteidigung ausgerechnet an seinem wundesten Punkt anzusetzen. Andererseits schien oft irgendwie alles und jeder Bastiens wunder Punkt zu sein - es war manchmal schwer, diesen nicht zu treffen.
    Sobald wir in das Zimmer meines Cousins eingetreten waren, ließ ich mich in den roten Sessel neben dem Kamin fallen. Das stilvollste Einrichtungsstück dieser Hundebehausung, wenn man mich fragte, und daher seit jeher mein selbsternannter Stammplatz. Sebastien hatte sich freiwillig für diese spärliche Möblierung entschieden, dann sollte er sehen, wo er saß, wenn einmal Besuch da war. Ich ließ den Blick einmal durch den Raum schweifen, wie ich es stets tat, wenn ich wieder hier war, gerade so, als hoffte ich jedes Mal aufs Neue, irgendwann einmal etwas zu sehen, das ich noch nicht kannte; doch auch dieses Mal wurde diese Hoffnung wieder enttäuscht. Der Sekretär und der Stuhl, der Schrank und das Bett. Das war's.
    Ob ich nachher auch ins Café kommen würde, fragte Sebastien mich aus dem Nichts. Ich wusste schon, dass es dabei nicht wirklich ums Kaffeetrinken ging - Leider. Mein Cousin hatte mich schon einige Male zu diesen Treffen mitgenommen, mich zuhören und seine Studienkollegen kennenlernen lassen. Viel beizutragen war mir bisher nie möglich gewesen. Dennoch wusste ich, was diese Zusammenkünfte Bastien bedeuteten - Und was es bedeutete, dass er mich dabei haben wollte. "Ja, ich komme mit", antwortete ich mit einem Nicken. Wir waren als Kinder zusammen groß geworden wie Brüder und liebten einander wie solche, obgleich sich unsere Lebenswege so unterschiedlich entwickelt hatten. Bastien als der etwas Ältere war seit jeher und auch heute noch immer wieder bemüht, einen guten Einfluss auf mich zu nehmen, mich für das zu begeistern, für das er schwärmte. Und auch, wenn ich seine Ansichten nicht immer nachvollziehen konnte, so wusste ich dieses Handeln zu schätzen. Wirklich.
     
  14. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Im nächsten Moment tat es mir beinahe Leid, so bitter ignoriert zu haben, was Romain über seine Mutter erzählt hatte. Beinahe. Vielleicht könnte ich mir hin und wieder doch etwas mehr Mühe geben mit meinem Vetter... Dieser setzte sich in den roten Sessel - sein Standartplatz sozusagen - und ich bemerkte, wie er sich im kargen Raum unsah, als erwartete er irgendetwas Neues. Da konnte er vergeblich suchen. Meine Frage, ob er mit ins Café kommen würde, bejahte Romain und ich konnte mir ein zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken. Ich wusste es zu schätzen, wenn er mich dorthin begleitete, auch wenn ich meist nicht den Eindruck machte, als wüsste ich irgendetwas an meinem Cousin zu schätzen, was keineswegs der Fall war. Ein "Danke" wagte sich dennoch nicht auf meine Lippen. "Sehr gut", sagte ich stattdessen und setzte mich auf den Stuhl am Sekretär, während ich dort einige lose Blätter ordnete. "Es wird viel zu besprechen geben." Ich beendete sogleich mein Ordnen und blieb dann still sitzen, der Blick noch zum Sekretär gerichtet, ehe ich mich wieder erhob und zu meinem Schrank ging. Aus diesem holte ich eine Flasche Wein und zwei Becher. "Auch Wein?", fragte ich Romain beiläufig, wobei mir die Antwort schon fast klar war. Mittlerweile war ich in einer recht versöhnlichen Stimmung angelangt und so stellte ich Flasche und Becher auf den kleinen Kaffetisch und zog dann den Stuhl dazu, sodass ich meinem Cousin halbwegs gegenüber saß. "Wie war deine Woche?", fragte ich, mal wieder recht zusammenhangslos, bezogen auf die Konversation zuvor, lockerte mein Halstuch und den aufgestellten Hemdkragen darunter und schenkte dann in beide Becher Wein ein.
     
  15. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    War das etwa ein Lächeln auf den Lippen meines Vetters? Es geschahen noch Zeichen und Wunder an diesem schönen Frühsommertag! Fast hätte mich ein passender neckender Spruch auf Bastiens Kosten übermannt, doch ich zwang mich, den Mund zu halten. Dieser Anblick war so selten, dass ich ihn nicht leichtfertig verscheuchen wollte. Für einen Moment schien mein Cousin sich selbst nicht ganz sicher zu sein, ob er einen Anflug von guter Laune wirklich zulassen durfte; gerade so, als hätte er voll Schreck das Zucken seiner eigenen Mundwinkel bemerkt und versuche nun, es wieder hinunterzukämpfen, während er fahrig die Zettel auf seinem Sekretär hin und her schob. Als er dann jedoch aufstand und eine Flasche Wein und zwei Gläser aus dem Schrank holte, sickerte der Gedanke in mein Hirn, dass ich es wohl tatsächlich irgendwie geschafft haben musste, seine Stimmung mit meiner Zusage zu dem Treffen im Café aufzuhellen. Wenn das bloß immer so einfach wäre.
    "Sicher, sicher", erwiderte ich, als er fragte, ob ich auch etwas von dem Wein wolle, und meine Antwort war vermutlich genauso pro forma wie seine Frage selbst; wir beide hatten sie schon vorher gekannt. Ich hatte einen Ellbogen auf die Armlehne des Sessels gestützt und drehte eine meiner dunklen Haarsträhnen locker zwischen den Fingern, während ich meinen Cousin mit einem milden Lächeln beobachtete. Als er sich mir gegenüber setzte und fragte, wie meine Woche gewesen sei, schloss ich für einen Augenblick die Augen, nur um Sebastien danach blinzelnd anzusehen. "Gut. Anstrengend." Ich löste die Finger aus meinem dichten Haar, griff nach dem Weinglas und spielte stattdessen an dessen schlankem Stiel herum. "In meinem Tanzclub ist ein Mädchen, das mir Avancen macht. Avancen! Man sollte meinen, das sei mein Part. Und Vater seinerseits liegt mir in letzter Zeit auch wieder vermehrt mit dem Thema in den Ohren, es werde Zeit, mich zu vermählen." Ich schüttelte milde den Kopf. Vermutlich waren das alles keine Dinge, die Sebastien als 'Probleme' bezeichnen würde. Aber immerhin eines hatten wir, jeder auf seine Art und Weise, doch gemeinsam: Keiner von uns wollte das Ruder seiner Zukunft aus der eigenen Hand geben. "Und bei dir, Vetter?" In einer lockeren Geste hob ich das Weinglas, um mit Bastien anzustoßen.
     
  16. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Ich hatte nach seiner Woche gefragt, also durfte ich mich nun nicht über die Belanglosigkeit dessen, was Romain mir erzählte, aufregen. Immerhin konnte ich mir doch einmal etwas Mühe geben, Interesse für seine Problemchen vorzugaukeln. "In meinem Tanzclub ist ein Mädchen, das mir Avancen macht. Avancen!", riss mich Romain mit seiner Stimme aus meinen Gedanken. Was, beim besten Willen, sollte ich darauf erwidern? Doch da fuhr mein Cousin schon fort mit seinem Gerede. "Nun", sagte ich langsam um etwas Zeit zu gewinnen um mir eine geeignete Antwort zu überlegen. "Eindeutig hat Onkel da Recht. Wenn du noch ein wenig älter wirst, wird dich bald gar keine Dame mehr haben wollen." Der trockene Sarkasmus in meiner Stimme war nicht zu überhören, auch wenn sich meine Mimik nicht regte. "Und dieses Mädchen aus deinem Tanzclub...ist sie wenigstens...ansehnlich?", fragte ich dann mit erhobener Augenbraue. Es war sicherlich keine Schwierigkeit zu erkennen, dass mir eine solche Konversation nicht leicht fiel. Ich war eben Anderes gewohnt. "Und bei dir, Vetter?" Ich zuckte mit den Schultern. "Das Übliche. Vorlesungen besuchen, Lernen und Solches. Nichts Besonderes." Als Romain sein Weinglas erhob, geiff nicht nach dem meinen und hob dieses ebenso, wenn auch mit einer nicht ganz so lockeren Geste wie mein Vetter es getan hatte. "Auf Frankreich!"
     
  17. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Ob das Mädchen in meinem Tanzclub wenigstens ansehnlich sei, fragte mein Cousin mit einem Gesichtsausdruck, den ich allerhöchstens als 'gequält' bezeichnen könnte. Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Es war offensichtlich, wie schwer Sebastien dieses Gespräch fiel; doch ebenso offensichtlich war, wie viel Mühe er sich dennoch dabei gab. Immerhin auf den Teil mit meinem Onkel einzugehen fiel ihm dann etwas leichter - Er stimmte seiner Aussage zu, dass es für mich allmählich Zeit sei, eine Verlobung einzugehen. Der Sarkasmus in Bastiens Stimme war dabei nicht zu überhören und ich hatte eine ungefähre Ahnung, warum er ausgerechnet hierauf so schlagfertig zu reagieren wusste: Weil er diese Situation nachvollziehen konnte, auf seine Art und Weise. Immerhin war mein Cousin auch nicht verlobt. Für sowas wie Mädchen hatte er vermutlich neben dem Retten der Welt einfach keine Zeit mehr übrig. "Das sagt der Richtige", antwortete ich also mit einem Schnauben, "Monsieur-'Die-Revolution-ist-meine-Frau'. Ich darf dich daran erinnern, dass du älter bist als ich. Du wirst vor mir faltig und runzlig." Die Gläser klirrten leise, als sie aneinander stießen. "Auf Frankreich", sagte Sebastien. "Auf Frankreich", antwortete ich. Auch ich war ein Patriot und auch ich liebte unser Heimatland, auch wenn mein Vetter mir das vermutlich kaum glaubte. Dieses Land hatte mir in meinem Leben bisher immerhin nur Gutes getan.
    "Also", ich nippte an dem Wein, ließ mir den Geschmack auf der Zunge zergehen. "Erzähle mir, worüber ihr nachher sprechen wollt. Weih mich ein, jetzt, im Vorfeld. Ich will vor deinen Freunden nicht so aussehen, als hätte ich keine Ahnung."
     
  18. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Romain lächelte, ich konnte es genau sehen. Sicher amüsierte ihn meine Unbeholfenheit. Doch diese Art von Gerede fiel mir tatsächlich nicht leicht. Man gebe mir Möglichkeiten, an einer politischen Diskussion teilzunehmen und mir fehlte es niemals an Worten, aber so...nein, das war nicht meine Art. "Das sagt der Richtige", erwiderte Romain auf das Verlobungsthema und da hatte er ja auch irgendwie recht. Ich hatte eigentlich noch niemals in meinem Leben wirkliches Interesse an Frauen gefunden und, ähnlich wie bei meinem Cousin, war das schon hin und wieder das Gesprächsthema zwischen meinen Eltern und mir gewesen. Allerdings hatte ich diese in der letzten Zeit nicht gerade häufig gesehen, weshalb dies nicht zu meinen elementaren Problemen gehörte. Ich wäre älter als er, meinte Romain, ich würde eher runzlig werden. "Doch nur ein Jährchen", widersprach ich schulterzuckend. Diesen kleinen Altersunterschied schob ich mir stets zurecht, wie er mir passte, um ehrlich zu sein. Betonte ich einmal, dass ich der Ältere war, milderte ich das eine Jahr in einer anderen Situation gerne einmal ab.
    Zu meiner Überraschung wiederholte Romain meine Worte, als unsere Gläser leise klirrten. "Auf Frankreich." Ich hatte ja etwas wie "Auf das Leben" erwartet, doch wie es schien, konnte man doch stets wieder etwas Neues von anderen Menschen lernen. Ich trank einen kleinen Schluck von meinem Wein, wobei ich den Blickkontakt zu Romain in keinem Moment unterbrach. Ebenso überraschend war, was mein Vetter als nächstes sprach. "Erzähle mir, worüber ihr nachher sprechen wollt. Weih mich ein, jetzt, im Vorfeld. Ich will vor deinen Freunden nicht so aussehen, als hätte ich keine Ahnung." Ein amüsiertes Lächeln huschte über meine Lippen, ehe ich meine Gesichtszüge wieder vollkommen unter Kontrolle hatte. "Du sprichst, als hättest du Ahnung", spottete ich und fuhr dann mit ernsterem Ton fort. "Wir müssen Anhänger gewinnen, die Pariser, zumindest ein größerer Teil, müssen hinter uns stehen, ansonsten macht ein Aufstand keinen Sinn. Deshalb müssen wir vermehrt auf die Straßen, vorallem ärmere Viertel sind wichtig und wir brauchen Flugblätter."
     
  19. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Romain

    Natürlich, daß Argument mit dem Alter ließ Bastien nicht gelten, nicht in dieser Situation. Ich musste Schmunzeln: Bei so mancher anderer Gelegenheit wies er nur zu gerne darauf hin, dass er der Ältere war, der Lebenserfahrenere und der, der im Zweifelsfall das Sagen hatte. Aber ich nahm ihm das nicht übel, wieso sollte ich. Tatsächlich lag unser Altersunterschied ja wirklich nur bei einen kleinen Jahr und das wussten wir beide.
    Ein wenig schien Sebastien meine Nachfrage zu verwirren; als hätte er mit einer solchen Reaktion von mir nicht gerechnet uns vermutlich war da sogar etwas dran. "Du sprichst, als hättest du Ahnung", sagte er, und obwohl der Spott in seiner Stimme nicht zu überhören war, kam ich nicht umhin, mit einem zustimmenden Lächeln die Schultern zu zucken, Zeigefinger und Ringfinger locker vom Weinglas abgespreizt. Wohl wahr, ich mogelte mich so manches Mal durchs Leben, indem ich so tat, als wüsste ich über etwas Bescheid, von dem ich in Wirklichkeit keine Ahnung hatte. Mein Studium, zum Beispiel. Aber wenn ich etwas gar nicht mochte, dann, dieser kleinen Schummeleien entlarvt zu werden. Zumindest nicht von Außenstehenden. Bei meinem Vetter war das etwas anderes, der Versuch so oder so sinnlos: Er kannte mich einfach zu gut.
    Sebastien wurde wieder ernst. Manchmal war es faszinierend, wie schnell er sich selbst aus einer fröhlichen Situation herausreißen, jedes Lächeln von seinen Lippen wischen konnte. Meistens jedoch wünschte ich mir, er würde das lassen und einfach mal etwas lockerer werden. Auch mein Lächeln verblasste unwillkürlich ein wenig angesichts dieser Ernsthaftigkeit, spielte nur noch flüchtig um meine Mundwinkel, während ich Bastien lauschte, der auf meine Frage antwortete. Ganz verschwand es jedoch nicht. "Wir müssen Anhänger finden", erklärte er, "die Pariser, zumindest ein größerer Teil, müssen hinter uns stehen." Sonst mache ein Aufstand keinen Sinn. Bastien hielt meinen Blick mit dem seinen fest, eisern; so lange wie möglich hielt ich ihm stand, ehe ich nachgab und den Blickkontakt abbrach. Ich wusste nicht recht, wo ich stattdessen hinsehen sollte. Ich sah auf die Weinflasche, dann auf meine eigene Hand. "Du weißt, dass ich dir gerne helfe, wo ich kann", erwiderte ich schließlich langsam. Wie ich mir diese Hilfe vorstellte, dessen war ich mir jedoch selbst nicht ganz sicher. Ich war kein mitreißender Redner, selbst kaum überzeugt von Bastiens Plänen, wie sollte ich jemand anderes davon überzeugen? "Wenn ihr finanzielle Mittel benötigt..." Geld, immerhin das hatte ich, immerhin das kannte ich in meinem Leben.
     
  20. Loki

    Loki And it hurts like hell to be torn apart

    Sebastien

    Für einige Momente hielt Romain meinem Blick stand, ehe er diesem auswich und begann, langsam zu sprechen. "Du weißt, dass ich dir gerne helfe, wo ich kann." Ja, das wusste ich...meinte ich zu wissen. Es war mein Cousin, wir beide standen uns sehr nahe und vermutlich würde der Eine so ziemlich alles für den Anderen machen. Jedoch war es nicht immer möglich und ich befürchtete, dass das, was ich von Romain verlangte, vielleicht etwas zu viel war. "Wenn ihr finanzielle Mittel benötigt...", setzte er dann weiter an und verstummte schließlich. Nein, eigentlich war Geld nicht unser Problem. Es fehlte an Menschen, die Andere überzeugen konnte, an Kämpferherzen... Ich seufzte auf. "Romain...", begann ich, doch ich war mir nicht sicher, wie ich fortfahren sollte. Mit dem Zeigefinger tippte ich am Stiel meines Glases herum und überlegte. "Wir brauchen dein Geld nicht." Ich sah ihn durchdringend an. "Wir brauchen dich. Wir brauchen jeden einzelnen Mann. Ich brauche dich...und ich muss auf dich zählen können, egal was kommt... Es geht nicht um die stupiden Spielchen von kleinen Schuljungen. Wir tragen die Verantwortung für unser Land und für dessen Zukunft." Ich beugte mich vor, klopfte meinem Cousin brüderlich auf die Schulter und rang mir ein dezentes Lächeln ab.
     

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