[RS] The Dark Academy

Dieses Thema im Forum "Rollenspiele" wurde erstellt von NorwegeerStar, 23 Aug. 2019.

  1. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Das Ende des Schuljahres steht an, ein letzter Umzug in eine frische Stadt mit ungeahnten Möglichkeiten, bevor die großen Sommerferien euch in die Freiheit.
    Doch dieses mal zieht es die elitäre Akademie nicht in eine Großstadt, Sir Dark hat sich ein abgelegenes altes Herrenhaus gesucht, dass etwas von seinem Glanz verloren hat, doch nich immer eindrucksvoll vom Preis seiner Erschaffung zeugt.
    Auf einer Anhöhe gelegen, mehrere Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt und mehrere dutzend Kilometer von der nächsten Großstadt weg, gibt es dem weißen, dreistöckigen Gebäude etwas idyllisches. Immerhin schafft man es zu Fuß die wenigen Kilometer bis an den rauen Nordseestrand zu laufen, das Salz in der Luft ist zu schmecken und in die andere Richtung ziehen sich so weit das Auge reicht nur Wiesen und Felder.

    Vielleicht hat es etwas mit den etwas zu ausschweifenden Parties der letzten Monate zu tun gehabt, vielleicht dachte sich der Schulleiter auch nur, dass es den Schülern mal gut tut zurück in die Natur zu kommen.
    Und nun sind sie hier, die Zimmer der Schüler verteilt wie es die Räumlichkeiten eben her geben, viele der Unterstufenschüler teilen sich ihre Zimmer, bei gutem Wetter bietet der Garten eine willkommene Abwechslung.

    Was könnte da schon schief gehen?!
     
  2. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Formular
    Nachname
    : Alekperowa
    Vorname: Valeria
    Alter: 17 Jahre
    Charakter: Valeria ist selbstbewusst und hat kein Problem ihre Stärken auch der Öffentlichkeit zu zeigen, dabei wirkt sie immer locker und gar nicht so verklemmt, wie man meinen möchte. Ihr ist es sehr wichtig, nach Außen etwas darzustellen, schon alleine weil sie es seit Kindheitstagen nicht anders beigebracht bekommen hat - Versagen ist gleichzusetzen mit Verrat der Familie. Um dieses Gesicht zu wahren gibt sie sich beherrscht, manchmal fast schon unterkühlt und hat einen ausgeprägten Ordnungssinn. Dazu kommt, dass sie gerne versucht ihre Meinung durchzusetzen, 'Fehler' anderer gerne berichtigt - nicht aus Bosheit oder um andere vorzuführen, viel mehr aus Reflex - doch oftmals kommt das wie ein kleiner Stich in die Seite. Dennoch ist sie eigentlich ein sehr Kontaktfreudiger Mensch und überaus lebhaft, wenn sie unter Freunden oder gar fast alleine ist, dann blüht sie auf und vergisst ihre Fassade der Ordnung und Besinnung häufiger. Sie besitzt sehr viel Verständnis für die Probleme und Wehwehchen anderer, sie selbst aber verzichtet gerne darauf sich die blöße zu geben und eine Schwäche vor anderen einzugestehen, jedoch hat sie kein Problem offen auf andere zu zugehen und freut sich über neue Gesellschaft.
    Aussehen: Dunkelblonde, fast braune Haare reichen ihr in üppigen, unbändigen Locken fast bis zur Hüfte und umrahmen damit den zierlichen Körper des grade einmal 1,66m großen Mädchens. Ihre Haut ist Klischeehaft hell, mit Sommersprossen im Gesicht, die einen scharfen Kontrast bilden und etwas Fehl am Platze auf den scharfen Wangen- und Kieferknochen wirken. Ihre Augen sind ein ebenso scharfes, durchdringendes Blau, dass einen in seiner ganzen Kälte bis auf die nackte Seele zu starren scheint, wenn Valeria einem in die Augen sieht. Entschärft wird ihr Gesicht nur durch den kleinen Schmollmund, den sie durchaus einzusetzen weiß, und die kleinen Grübchen rund um ihre Mund- und Augenwinkel, die von dem stetigen Lächeln herrühren könnten. Ihre Figur zeugt noch von dem Sport den sie früher betrieben hat, unter den schlanken Rundungen zeichnen sich kräftige Muskeln ab, vorallem in den Beinen, da Valeria bis vor drei Jahren regelmäßig Ballet getanzt hat.
    Über Dich: Sie stammt aus Russland, ihr Vater kommt ursprünglich aus Aserbeidschan, ihre Mutter ist gebürtige Russin - vielleicht sieht Valerias Gesicht daher aus wie eine schneidend zarte Mischung. Nicht nur, dass sie durch den Ölfirmabesitzenden Vater eine Stange Geld besitzt, nein, sie wuchs auch im Luxus eines ersehntem Einzelkindes auf - seit je her hat man Papas kleiner Prinzessin jeden Wunsch von den Augen abgelesen, mittlerweile ist sie alt genug und besitzt genügend Kreditkarten, um dies allein zu erledigen. Auf drängen ihrer Tochter schickten sie sie vor einigen Jahren auf die Akademie, nachdem Valeria die Nase voll hatte von Privatlehrern und -schulen. Ihr bester Freund war ihre erste Liebe, Nikolaj, und ist Sohn eines einflussreichen Russischen Politiker, weshalb Valerias Eltern ihn noch immer gerne Zuhause sehen. Zudem spielt sie fließend Klavier, obwohl sie seit ihrem Eintritt in dir Akademie nicht eine mehr geübt hat - aber irgendeinen Vorteil muss das Auserwählt sein ja auch haben, der über die körperlichen Kräfte hinaus geht.
    Stärken: Ist offen und Hilfsbereit, besitzt großen Tatendrang, gute Freundin
    Schwächen: "Schwächen? Ich habe keine.." - außerdem besteht sie zu oft auf ihre Meinung und ist häufig stur
    Du bist?: Auserwählte und schon dreieinhalb Jahren auf der Akademie
     
  3. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Formular:
    Nachname:
    Rousseau
    Vorname: Noël Dominique, "Nick"
    Alter: 17
    Charakter:
    Man würde es bei einem Blick in sein perfektes Zeugnis nicht glauben, doch Noël ist jemand, der die Finger nicht krummer als nötig macht. Frei nach dem Motto "So viel wie nötig, so wenig wie möglich", setzt er bei allem, was er tut, ganz eigene Prioritäten - abhängig davon, was ihm Spaß macht, welches Ziel er gerade verfolgt oder auch mal, was sein Vater verlangt -, und investiert dann gerade haargenau so viel Energie, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt, aber eben auch nicht mehr oder weniger. Es ist seine schnelle Auffassungsgabe, die ihm dabei hilft, die den besagten Aufwand kleinhält, sodass man fälschlich glauben könnte, alles flöge ihm zu.
    Meistens weiß Noël ziemlich gut, bei wem er sich was leisten kann, kennt sozusagen seinen Stand in der Gesellschaft, nur ob er sich dann damit auch abfindet, das ist ein anderes Thema. So kann er, wenn er will, durchaus ein wahrer Vorzeigesohn sein, wohlerzogen und höflich, aber genauso oft ist er auch schon mit Autoritätspersonen aneinandergeraten, weil er sich nunmal überhaupt nicht gerne kleinhalten lässt. Gegenüber Gleichaltrigen begibt er sich schon immer ganz automatisch in eine Anführerrolle, und das mit mehr oder weniger Nachdrücklichkeit und Freundlichkeit, abhängig davon, wie leicht die anderen dies akzeptieren.
    An Regeln aller Art hält der Junge sich nicht gerne, das reicht von "Natürlich habe ich die AGB gelesen" bishin zu "Ist mir doch egal, ob ich diese Wand nicht besprühen darf". Dieser Trotz, den er nicht ablegen kann und will, macht ihm manchmal das Leben schwer und hat schon für den einen oder anderen Besuch der Polizei bei seiner Mutter gesorgt. Aber über seinen Verfehlungen steht Noël genauso drüber wie er es über seinen Emotionen zu tun scheint, denn zumindest nach außen hin würde er sich nie anmerken lassen, was gerade in ihm vorgeht.
    Aussehen:
    Glanzloses, schwarzes Haar reicht Noël in vergleichsweise ordentlichen Locken bis in den Nacken und die Stirn, umrahmt ein etwas kantiges Gesicht, dem man ansieht, dass es nicht mehr das eines Kindes ist, und nimmt ihm doch seine Schärfe. Er hat die warmen, braunen "Hundeaugen" seiner Mutter, die er selbst als viel zu unscheinbar und sanft empfindet. Dafür wirkt sein Werbeplakat-Lächeln, dem des Vaters so ähnlich, die geraden, weißen Zähne entblößend, immer irgendwie spöttisch, egal, ob es so gemeint ist, oder nicht. Der Junge ist hochgewachsen und athletisch, flache Muskeln zeichnen sich unter den Kleidern ab. Noëls Modegeschmack ist in wenigen Worten beschreibbar: Sehr teuer, sehr fein und immer sehr dunkel.
    Über Dich:
    Noël ist das zweite Kind einer unscheinbaren Französin und eines erfolgreichen amerikanischen Politikers. Seine Schwester Amélie ist acht Jahre älter und er, Noël, der späte letzte Versuch, eine zum Scheitern verurteilte Ehe doch noch zu retten. Die Scheidung der Eltern hat ihn mehr mitgenommen, als er zugeben würde, weshalb er, als er sich entscheide musste, mit wem er gehen wollte, kurzerhand die Flucht nach vorne antrat und auf das Internat auswich. Im Herzen ist Noël ein Künstler, er liebt das Zeichnen und Malen.
    Stärken: Schnelle Auffassungsgabe / Kreativität / Ehrlichkeit
    Schwächen: Kritikunfähigkeit / Regeluntreue / Verschlossenheit
    Du bist?: Dank des Einflussreichtum des Vaters auf die Dark Academy gekommen und seit mittlerweile knapp einem Jahr dort.
     
  4. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Valeria

    Der Tag hätte wohl kaum besser anfangen können, ich hatte mit meiner Mutter gemeinsam ausgiebig gefrühstückt und jeden Gedanken an das kommende Semester verdrängt, hatte mir fest vorgenommen gehabt dem ganzen so optimistisch wie möglich entgegen zu treten. Erst am letzten Schultag hatte Sir Dark verkündet wohin es gehen sollte und ich war - so wie viele meiner Mitschüler - alles andere als begeistert gewesen. Je mehr in der Umgebung zu tun war, desto weniger musste ich Zeit tatsächlich in der Schule verbringen und mein noch immer schlechtes Gewissen in regelmäßigen Abständen beruhigen, dass alles in Ordnung sei. Doch ein Herrenhaus mitten im Nichts in Belgien war das absolute Gegenteil davon, auch wenn Sarah schwärmte von der See, der Landschaft und den ganzen Vorteilen und von ganzem Herzen versuchte mir das ganze Schmackhaft zu machen. Doch spätestens beim Packen meiner Kleider war eine Welle an Zweifeln über mich gerollt, nicht, dass ich in dieser Situation die geringste Chance gehabt hätte etwas zu ändern, etwa die Schule schmeißen oder wechseln zu können. Daran hatte auch Cassandra mich gehässig erinnert, dass erste Mal seit Wochen hatte sie sich zu Wort gemeldet und binnen Sekunden den Tag ruiniert. Danach hatte ich mit grimmiger Miene meine Koffer gepackt, wieder ausgepackt, die Sachen von neuem durchgesehen und zum Teil wieder eingeräumt, anderes aus den Schränken genommen und das Spiel hatte von vorne begonnen, bis ich meinen Namen laut durch das Haus hatte hallen hören, mein Weckruf, dass die Zeit in meinem goldenen Käfig abgelaufen war, bevor ich in den nächsten gesperrt wurde.
    Für Mama wurde es nie einfacher mich weg zu schicken, sie hatte mir Küsse auf beide Wangen gedrückt bis der Fahrer sie erinnerte, dass der Runway nur für kurze Zeit geräumt war und "Miss Valeria im Handumdrehen wieder zurück sei, da die Ferien ja nicht all zu weit entfernt waren." Das hatte ihre feuchten Augen getrocknet und ich hatte sie noch einmal in den Arm geschlossen, ehe ich die wenigen Stufen in den Jet gestiegen war, wo das Personal nur darauf wartete das ihr einziger Passagier Platz nahm.
    Der Flug war viel zu kurz, als ich an dem kleinen Flughafen ankam und meine Koffer entgegen nahm hätte ich schwören können, dass wir mitten im Nirvana gelandet waren. "Fräulein Alekperowa?" Der schwarze Anzug des Chauffeurs stach aus dem pastellfarbenem Hintergrund der Landschaft hervor wie ein irritierender Stein im Schuh, sah so unglaublich unpassend aus, aber wenn ich ehrlich war hatte ich nichts anderes erwartet. Seit zwei Jahren versuchte ich Vater zu überzeugen, dass ein simples Taxi vom Flughafen genügte um an der Academy anzukommen, doch jedesmal winkte er ab und lachte, als gingen meine Worte einfach an ihm vorbei - und vermutlich taten sie das auch. "Ja, vielen Dank." lächelte ich, doch es erreichte meine Augen nicht. Er hatte nach meinen Koffern gegriffen und die Tür für mich geöffnet, sodass ich in den schwarzen Mercedes steigen konnte während er das Gepäck verstaute.
    Das letzte Dorf lag bereits eine ganze Weile hinter uns, als sich die windende Auffahrt vor uns auftat, von der Hauptstraße abführte und auf einem kleinen Hügel ein Kalkweißes Haus offenbarte, dass größer wurde je näher wir kamen, nervös hatte ich unbewusst angefangen an meinen Locken zu ziehen, sie aufzudrehen und wieder springen zu lassen und als ich mir dieser Tat bewusst wurde, sperrte ich die Haarpracht in einem festen Dutt ein, nur Sekunden bevor das Auto zum stehen kam auf dem Schotter vor der großen, dunklen Eingangstür. Entweder ich war eine der Ersten oder der Letzten, außer mir war niemand zu sehen und das große Anwesen lag still vor mir, als ich aus dem Auto stieg, den schwarzen Samt meines Rocks glättete und meinen ersten Schritt auf das Grundstück setzte. Die Luft war schwer vor Luftfeuchtigkeit, das Salz war auf den Lippen zu spüren und ein sanfter Wind wehte, zog an dem schmalen Rüschen meiner Bluse. Okay, vielleicht war das hier genau das was ich bräuchte.
    Ich versicherte dem Chauffeur, dass ich von hier aus durchaus selbstständig klar kam bedankte mich mehrfach, doch er bestand darauf die Koffer für mich in die große Halle hinter der Doppelflügligen Tür zu tragen, ich biss mir auf die Innenseite meiner Wangen um das höfliche Lächeln zu halten und meine Zunge zu hüten, dankte ihm abermals und drückte ihm achtlos mehrere grüne Scheine in die Hand um ihn abzuwimmeln und war dann für einen süßen Augenblick alleine, ehe ich schnelle Schritte von festen Absätzen auf den Marmorstufen rechts von mir wahrnahm. "Sir Dark!" Mein Lächeln wurde warm, während der hochgewachsene Mann auf der untersten Stufe ankam und seinen Kopf kurz verneigte, und jetzt auf mich zu kam. Alric Dark war der aktuelle Schulleiter und hatte sich in den letzten Wochen besonders viel Mühe gegeben, mir mein Dasein so angenehm wie möglich zu machen, bedauerte er doch sehr das ich mich auch nach all der Zeit so wenig in das Schicksal fügen wollte, dass man mir vorgesehen hatte. "Valeria, schön Sie wieder zu sehen, hatten Sie eine gute Anreise?" Seine Hand streckte sich aus, legte sich kurz auf meine Schulter wo meine Haut verhängnisvoll anfing zu pulsieren und schon reckte Cassandra ihren hässlichen Hals. Weißt du, dass ich ihm seine Manieren beigebracht habe?! Sie klang fast liebevoll während mein Blick stur und ungerührt auf dem Mann vor mir lag, ich mechanisch nickte und sein Lächeln verflog. Er hatte ein Gespür dafür wenn etwas nicht stimmte, doch bevor er etwas hätte sagen hören, hörte man einen Motor vor der Tür und unser Gespräch war jäh beendet. "Ihr Zimmer ist im Ersten Stock, die Treppe hinauf, links und den Gang hinunter. Ich habe mir die Freiheit genommen, die Zimmer einzuteilen. Sarah wird direkt neben Ihnen sein. Und nun, auf!" Er scheuchte mich quasi vor sich her und ich konnte es nicht erwarten dem Gespräch zu entkommen, nahm ohne Probleme die beiden großen Koffer hoch und schleppte sie ohne größere Mühe die Stufen hinauf.
    Hätte die Beschreibung nicht gereicht, so zierten doch auch dunkle Schilder die Türen und in feiner kursiver Schrift standen die Namen an den Türen, so war es ein leichtes mein Zimmer zu finden. Während ich den Gang hinunter ging, hörte ich aus dem meisten Zimmer schon Geräusche, war wohl doch eine der letzten Ankömmlinge gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25 Aug. 2019
  5. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Noël

    Ich stieß die Tür mit der Schulter auf, wuchtete eine Kiste in das kleine Zimmer, ließ sie auf den Schreibtisch fallen und fragte mich bei einem genervten Blick aus dem Fenster, was zur Hölle ich ganz persönlich Mister Dark wohl getan hatte, dass er mich mit diesem Umzug strafte. Ich meine, in Ordnung, ich mochte die Abgeschiedenheit des Ortes. Ich mochte auch die endlosen Wiesen, die zum Umherstreunern einluden, ich mochte die rauhe Nordsee, ich mochte all die Motive, die förmlich danach flehten, gezeichnet zu werden, und an dieser Stelle musste ich meine eigenen Gedanken unterbrechen, damit sie nicht allzusehr ins Positive abschweiften. Denn bei all dem durfte man nicht vergessen, dass wir hier in Belgien waren. Fast zweihundert Staaten auf dieser wundervollen Erde und er brachte uns ausgerechnet nach Belgien. Ich verdrehte die Augen.
    Das Zimmer war klein, aber ich hatte es für mich alleine, immerhin. Nicht, dass es nicht einige Leute gab, mit denen ich gut klar kam - Vor allem Louis war mir ein recht guter Freund geworden, mit ein paar anderen Jungs traf ich mich ab und zu, um Laufen zu gehen, und einige Mädchen hatten mir im Laufe des Jahres nicht gerade unauffällige Avancen gemacht, die ich gewiss nicht alle hatte ablehnen können -, aber ich schätzte doch sehr meinen persönlichen Freiraum, meinen Rückzgsort. Als die Schule noch in Dublin angesiedelt war, hatten offiziell genau drei Leute mein Zimmer gesehen, einfach, weil ich es nicht mochte, wenn andere Menschen in meinen Sachen herumwühlten, aber dass es mir gleichzeitig einen Touch der Unnahbarkeit verlieh, war ein netter Nebeneffekt. Win-Win, wie man so schön sagte. Die Dunkelziffer war etwas höher, Carter hatte sich mindestens einmal Zugang verschafft und randaliert, ich hatte es nie beweisen können, aber sein Blick am nächsten Morgen hatte Bände gesprochen. Dieser vermaledeite Vollidiot, überhaupt, diese dämlichen Auserwählten, diese... Erneut bremste ich meine Gedanken, biss mir auf die Lippe. Der Idiotenhaufen würde mir sicher früh genug wieder allen Grund dazu geben, mich über sie zu ärgern, das brauchte ich ihnen ja nicht vorwegnehmen.
    Und, hey, wenn man von ihnen absah, hatte ich mich doch im letzten Jahr ganz gut an der Schule eingelebt. Hatte Freunde gefunden, schrieb hervorragende Noten und hatte mir insgesamt einen Ruf aufgebaut, bei dem es wohl Ansichtssache war, ob man ihn als "gut" bezeichnen wollte, aber der mir gefiel. Und auch hier, in der neuen Bleibe, hatte ich mich in der vergangenen Woche bereits eingerichtet, die Schränke mit meinem Hab und Gut gefüllt und schonmal ein wenig die Räumlichkeiten und die Umgebung ausgekundschaftet. Dafür hatte ich genug Zeit gehabt, zu Hause war ich nicht gewesen.
    Blieb nur noch die Frage, wie ich die schwarzen Bilderrahmen, Fotos aufwändiger Graffitikust, die die letzte verbliebene Kiste füllten, in diesem doch um einiges kleineren Zimmer unterbringen sollte, zuvor hatten sie wie eine Bordüre meine Wände gesäumt, das war hier nicht mehr möglich. Und ob es sich überhaupt lohnte, mich hier wieder aufwändig einzurichten, wenn die Schule ja doch früher oder später wieder umziehen würde; Ich hätte es nicht offen zugegeben, aber dieser Lebensstil des ständigen Wandels war nichts für mich. Da ich jedoch zum einen nicht wusste, wo ich die Dinger sonst lagern sollte, und es mir zum anderen nicht nehmen lassen wollte, den Raum ein wenig zu personalisieren, beschloss ich, mir im Laufe des Tages einen Hammer und ein paar Nägel zu besorgen; drei oder vier gleichmäßige Bildläufe über dem Bett, das sähe doch gut aus.
    Für jetzt sollte es aber erstmal gut sein, die meisten Schüler waren heute im Laufe des Tages angekommen und ich beschloss, zu sehen, ob nicht Louis oder Morton unter ihnen waren. Kurz betrachtete ich mich selbst im Spiegel, zupfte das schwarze Hemd und die ebenso dunklen Locken zurecht, beschloss, den Dreitagebart Dreitagebart sein zu lassen, schnappte meinen Schlüssel und zog im nächsten Augenblick die Zimmertür hinter mir zu.

    "Hey, Nick, was geht?"
    Kumpelhaft schlug ich mit dem dunklen Kerl ein, deutete mit einem anerkennenden Nicken auf seinen Kopf: "Schicke neue Frisur." "Extra für die Ladies!", Morton grinste, "Hast du Vanessa Bingley gesehen? Ich schwöre dir, die hat über die Ferien zwei Körbchengrößen zugelegt!" Ich ließ zu, dass ein ebenso flüchtiges wie spöttisches Lächeln die Ebenmäßigkeit meiner Züge in ihrer Contenance durchbrach. "Es war nur eine Woche, Mort'."
    Stück für Stück gesellten sich mehr Schüler auf dem Hof dazu, hier und da grüßte ich sie flüchtig, ich kannte nicht alle Namen, sie kannten meinen, das reichte. Giovanni zündete eine Zigarette an, hielt sie mir mit spitzen Fingern hin, um mich daran ziehen zu lassen, wenn ich wollte, was ich genau einmal tat, bevor ich sie ihm ohne eine Regung im Gesicht und ohne ihn recht anzusehen zurückreichte und im Stillen beschloss, dass das für die nächsten drei Monate reichte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26 Aug. 2019
  6. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Valeria

    Der Raum war quadratisch, recht schmucklos eingerichtet und ein kleiner Gang führte in ein Bad, dass eine zweite Tür hatte - Sarah Raum, schoss es mir durch den Kopf, wie clever von Sir Dark, ich verdrehte die Augen und ging zurück in mein Zimmer. Eine große Kommode stand vor dem Fenster das einen weiten Blick auf das flache Land bot, grüne Wiesen soweit das Auge reichte und ganz hinten, am Horizont ein sanftes Blau. Vielleicht war es Meer, vielleicht war es einfach nur der Himmel, dass würde ich wohl früh genug herausfinden. Meine Finger glitten über das schwere Holz und ich zog die oberste Schublade auf, wie absolut unpraktisch für jemanden wie mich, der am liebsten Kleider und Blusen trug, da müsste ich wohl in den nächsten Tagen irgendwo einen Kleiderständer auftreiben und ihn noch in das Zimmer stellen. Es brachte ja doch nichts, ich konnte hier herum stehen und an jeder Kleinigkeit etwas aussetzen oder ich räumte meine Sachen aus, denn aus dem Koffer leben wollte ich bestimmt nicht. Ich hievte einen nach dem anderen auf das Blütenweiße Bettzeug und sortierte so gut es ging meiner Kleider in den Schrank, meine Schulsachen auf den kleinen Schreibtisch an der Wand gegenüber dem Bett und hatte so relativ schnell den ersten Koffer ausgeräumt, schob ihn unters Bett ehe ich den Reißverschluss des zweiten geöffnet hatte und inne hielt. Oben auf dem Gepäck lagen zartrosafarbene Spitzenschuhe und ein Zettel war an dem Samt der Bänder befestigt und ich erkannte die Schrift meiner Mutter. 'Du hattest immer das strahlendste Lächeln auf der Bühne, dass vermisse ich am meisten!' Ein wehmütiges Lächeln schlich sich auf meine Lippen während ich die Schuhe aus dem Koffer holte und kurz meine Finger über den Stoff gleiten ließ. Sie hatte Recht, ich hatte immer großen Spaß gehabt aber in den letzten Jahren an der Academy war mein liebstes Hobby untergegangen, ich hatte mir selbst eingeredet das es einfach nicht möglich war. Vielleicht, so beschloss ich, hatte ich ja unrecht und könnte mal wieder anfangen. Als ein Versprechen an mich selbst, es nicht wieder zu vergessen, platzierte ich die Schuhe behutsam auf der Kommode, wo ich sie jeden Tag sehen könnte, steckte den Zettel hinein und machte mich an meinen zweiten Koffer.
    "Hallo hallo!" Die Stimme drang an mein Ohr, der Kopf steckte schon in der Tür, ein breites Lächeln auf Sarah Lippen grüßte mich und ließ auch mich erstrahlen. "Hey!" Sie kam mit zwei großen Sprüngen ins Zimmer und umarmte mich stürmisch, als hätten wir uns Ewigkeiten nicht gesehen, spürte ihre Aufregung sich auf mich übertragen. "Schön hast du es hier, ein bisschen Chaotisch?" Ich verzog das Gesicht, mir gefiel es ja selbst nicht, aber ich hatte fürs erste keine andere Wahl gehabt und alle Kleider und Blusen an ihren Bügeln an die Jackenhaken zu hängen und als diese bereits platzten, hatte ich versucht so ordentlich wie möglich die Kleider über den Stuhl zu hängen. "Ich brauche einen extra Schrank.. oder zumindest einen Kleiderständer, sonst werde ich verrückt!" jammerte ich, hatte derweil auch den zweiten Koffer unter dem Bett verschwinden lassen und spürte sogleich Sarah Hände auf meiner Haut, zogen an mir. "Na komm, lass uns das Anwesen erkunden und den anderen Hallo sagen, vielleicht gibt's ja heute Abend schon eine Einweihungsparty?" Oh die würde es bestimmt geben, das war Tradition und da machten sogar alle Lehrer beide Augen zu, selbst bei den nicht Auserwählten. "Hast du schon wen anderes gesehen?" Sanft schüttelte ich den Kopf, griff noch meinen Schlüssel während ich schon aus dem Zimmer gezogen wurde und den Flur hinunter. Anscheinend folgte Sarah auch nur den Stimmen die sie vernahm, denn Augenblicke später standen wir auf dem Hof wo sich ein Großteil der Schülerschaft aufhielt.
     

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