[RS] No Water for the Boat

Dieses Thema im Forum "Rollenspiele" wurde erstellt von peachyes, 1 Apr. 2017.

  1. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    "Verfluchte Schei.ße." Mit einem wütenden Tritt kickte ich das lose Brett aus seinen Angeln. Immer wieder fanden sich in meiner vermeintlich sicheren Behausung, die ich seit gestern mein eigen nannte, Löcher, die es zu stopfen galt. Da war natürlich nicht besonders hilfreich, dass ich das Loch gerade durch den gezielten Tritt noch vergrößert hatte. Leise fluchend griff ich durch das Loch nach dem Stück Holz. Natürlich erst, als ich mich versichert hatte, dass keiner von diesen schei.ß Zombies da draußen rumlungerte. Schnell zog ich es wieder rein und griff nach dem Hammer und den Nägeln. Es war immer das gleiche, wenn ich in eine neue Stadt kam. Die Häuser waren Bruchbuden und man musste sie erst einmal sicher machen, bevor an Schlaf überhaupt zu denken war. Seit gestern war ich damit beschäftigt die zahllosen 'Rattenlöcher' zu stopfen. Es wäre einfacher, wenn ich mich hier jetzt einrichten und hier bleiben würde, aber im Gegensatz zu vielen anderen, wollte ich einfach wissen, was hier los war. Wie war es soweit gekommen war und ob es etwas gab, das man gegen diese Viehcher tun konnte. Meine Einheit hatte ich schon lange verloren, war aber nicht unbedingt böse darum, denn auch wenn wir als Einheit im Krieg gut funktioniert hatten, fühlte ich mich alleine am wohlsten. Viele Leute auf einem Haufen fielen viel mehr auf und lockten die Zombies doch erst Recht an. Ein Grund, wieso ich mich von anderen Menschen fernhielt. Mit einigen gezielten Hammerschlägen schlug ich das Brett wieder fest und suchte weiter nach undichten Stellen in meiner Verteidigung. Den Hammer dabei immer im Anschlag, um im Notfall zuschlagen zu können, um genug Zeit zu haben, nach meiner Waffe zu greifen und schießen zu können. Nach drei weiteren Stunden hatte ich auch die restlichen Löcher stopfen können und erschöpft, aber auch höchst zufrieden, setzte ich mich und lehnte mich an die Wand. Kurz schloss ich die Augen und drohte hinüber ins Reich der Träume zu gleiten, als ich etwas hörte. "Das darf doch nicht ..." Ich kauerte mich hin und zog meine Waffe, zielte auf die Tür und wartete ab. Leise Schritte waren zu hören. Eigentlich viel zu leise für diese gehirnamputierten Zombies, aber man konnte ja nie wissen. Vielleicht war es auch nur eine Taktik dieser Biester, dass sie so taten, als hätten sie kaum Verstand in der Birne. Die Schritte näherten sich und verharrten dann kurz vor der Tür. Leise entsicherte ich die Waffe und wartete. "Na, wer bist du denn?" Überrascht sah ich mich Auge in Auge mit einem Iltiss, der mich neugierig ansah. Offenbar war ich hier der Eindringling. Ich sicherte die Waffe wieder und steckte sie weg. "Hast du Hunger?" Das Tier legte den Kopf schief und musterte mich. Vorsichtig griff ich nach meinem Rucksack und holte etwas Fleisch heraus, hielt es ihm hin. Schnuppernd beobachtete mich das Tier und rückte dann etwas näher. Stück für Stück, aber immer mich beobachtend. Schließlich packte er das Fleischstück und zog sich wieder zurück. Ich lächelte sanft. Der Hunger war wohl stärker gewesen, als die Angst. "Willst du noch was?" Wieder hielt ich ihm etwas hin und er nahm es erneut. Nachdem der Iltis satt war, rollte er sich in einer Ecke zusammen und beobachtete mich. Ich schmunzelte und verschloss meinen Rucksack. Nicht, dass dieser Dieb mich im Schlaf ausrauben würde. Nachdem ich ein letztes Mal überprüft hatte, ob alles sicher war, kehrte ich zurück und gestattete mir ein paar Stunden Schlaf, die ich auch dringend nötig hatte.
     
  2. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Doch auch die Ruhe barg Gefahren in sich. Man bekam die Zeit nachzudenken - über das, was einmal war, und über das, was die Menschheit noch erwartete. Eine dunkle Zukunft, die jedes Mal, wenn sie meine Gedanken umhüllte, ein Stückchen Hoffnung mit sich riss. So manch einem durfte es den Verstand bereits geraubt haben. Dass mein Vater noch irgendwo da draußen auf der Suche nach seiner Tochter herumirrte, ich bezweifelte es. Alles was mir übrig blieb, war zu glauben, dass er nicht hatte leiden müssen. Es machte das Gefühl, den letzten Menschen in meinem Leben verloren zu haben, etwas erträglicher. Einen schnellen, schmerzlosen Tod; das war es, was ich den Überlebenden wünschte; wofür ich betete. Die Menschheit hatte ihren Planeten zerstört und nun, wo ihnen nichts mehr lieb, richteten sie ihren Zerstörungswut gegen sich selbst - ob es nun gewollt war oder nicht, das spielte letztendlich doch keine Rolle mehr. Die Zeit konnte man nicht mehr zurückdrehen; es ließ sich keine Tat rückgängig machen. Ich spürte wie die Müdigkeit mir langsam endlich das Bewusstsein raubte. Ein paar Stunden Schlaf hatte ich dringend nötig und ich sollte diese Chance nutzen; wer wusste schon, wann ich das nächste Mal dazu kommen würde.

    Schweratmend riss ich die Augen auf und unterdrückte gerade noch so den Schrei, welcher in meiner Kehle kitzelte. Ein Albtraum. Etwas, das mich seit dem Beginn dieser Katastrophe plagte. Vorsichtig fuhr ich mit der Hand, welche den Tragriemen des Rucksacks umklammerte, über meinen Bauch. Wie erwartet, hatte sich kein Beißer an ihm zu schaffen gemacht. Sonst wäre ich vermutlich gar nicht mehr dazugekommen, allerdings wollte ich nur noch einmal sicher gehen. In dem Zimmer war es mittlerweile so dunkel, dass es einen Moment brauchte bis ich die Schemen der Gegenstände erkennen konnte: alles unverändert. Vorsichtig raffte ich mich auf - noch immer die Trägheit des Schlafes in meinen Gliedern - und bewegte mich mit kleinen Schritten in Richtung Fenster, wagte einen kurzen Blick durch die Stofffetzen. Draußen war es stockduster; die Straßenlaternen hatten wohl schon vor Längerem den Geist aufgegeben. Das Stromnetz war - bis jetzt - in jedem Ort, in den ich einen Fuß gesetzt hatte, gekappt gewesen. Ich vermutete, dass die Hauptverteiler in allen Fällen beschädigt worden sein mussten: eine wirkliche Bestätigung hatte ich jedoch nicht. Wie auch?
    Es mussten wohl mindestens zwei bis drei Stunden vergangen sein, genaue Zeitangaben waren für mich allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Uhr suchte man bei mir vergebens und auch das Akku meines Smartphones hatte schon nach der ersten Woche keinen Saft mehr gehabt. Nichts wirklich verwunderliches bei einer Apokalypse.
    Mit einem Schmunzeln auf den Lippen schulterte ich den Rucksack erst einmal auf - mit der Absicht meine Vorhaben von vorhin in die Tat umzusetzen. Sauberes Trinkwasser und Lebensmittel waren wohl das wichtigste, ohne sie war ein wirkliches Überleben nicht möglich. Es war ohnehin schon schwer genug. Etwas zögerlich näherte ich mich der Zimmertür, legte die freie Hand auf die Türklinke und stoppte kurz in meiner Bewegung. Ich hielt die Luft an, um wirklich sicher zu gehen, kein Geräusch von außerhalb dieses Zimmer zu überhören. Nachdem ich mir innerlich etwas Mut zugesprochen hatte, drückte ich die Klinke leise herunter und öffnete die Türe nur Spalt für Spalt. Innerhalb des Hauses war totenstill. Sanft setzte ich einen Fuß vor den anderen, um auf dem knarzenden Holzboden so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Schlafende Drachen sollte man nicht wecken, hatte mein Vater immer zu mir gesagt.
     
  3. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Einige Stunden später - dem Müdigkeitsgefühl zu urteilen waren es definitiv nicht mehr als ein paar Stunden - schlug ich die Augen wieder auf. Der Iltis war noch immer da und sah mich neugierig an. Ich schmunzelte. Offennbar hatte er den Vorteil erkannt, in meiner Nähe zu bleiben, denn in meinem Rucksack befand sich noch einiges an Essen. "Wollen wir uns mal ein bisschen umsehen?" Ich schulterte meinen Rucksack, denn alleine zurücklassen würde ich ihn auf keinen Fall. Es war schon schwer genug gewesen, das verdammte Ding überhaupt zu bekommen. Als ich mich in Bewegung setzte, folgte das Tier. Nicht unbedingt mir, eher dem Essen in meiner Tasche. Seit ich gestern angekommen war, hatte ich eigentlich nur den unteren Teil des Gebäudes inspiziert. Die Wahrscheinlichkeit das oben Zombies lauerten, war gering. Diese Biester konnten nämlich nicht besonders gut Treppen steigen und so lange sich oben keine 'Beute' befand, verirrten sie sich nur selten in die oberen Stockwerke. Ich zögerte kurz an der ersten Stufe. Besonders stabil sah das hier nicht gerade aus, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Vorsichtig belastete ich die erste Stufe. Ein leises, aber kaum hörbares Knarzen ertönte. Nicht gerade vertrauenserweckend, aber die Stufe hielt. Während ich mich langsam nach oben tastete, huschte der Iltis behände an mir vorbei ohne sich irgendwelche Sorgen machen zu müssen. Oben angekommen, erwartete er mich bereits. "Jaja, du hast gut reden. Du wiegst ja auch keine 90 kg", sagte ich leise und sah mich um. "Welche Richtung nehmen wir zuerst?" Der Iltis sah mich an, aber er regte sich nicht, also musste ich wohl entscheiden. Ich entschied mich für den linken Teil. Leise tastete ich mich vorwärts. Wer wusste schon, ob sich nicht doch einer von diesen Mistkerlen hier oben befand. Die Waffe entsichert und immer im Anschlag, ging ich weiter, bis ich zur ersten Tür im Haus kam. Ich blieb davor stehen und lauschte. Nichts zu hören. Als ich die Tür langsam aufschob, huschte der Iltis an mir vorbei. Er hatte offenbar gar keine Angst. Ich schob meinen Kopf vorsichtig durch die Tür. Niemand da. Leise atmete ich auf und sah mich etwas in dem Zimmer um. Kaum ein Möbelstück war hier noch intakt, aber man konnte sicher das ein oder andere gebrauchen. Ansonsten war nichts interessantes und ich schlich weiter, was auf dem Holzboden nicht immer ganz einfach war, aber mit der Zeit wusste ich, wohin ich treten musste, um keine Geräusche zu verursachen. Der Iltis begleitete mich auf meiner Erkundungstour. In jedem Zimmer fand ich nichts vor, außer Zerstörung. Hier musste irgendjemand gewütet haben. Schließlich hatte ich den linken Teil vollständig untersucht und ein paar Minuten später stand ich vor der letzten Tür auf der rechten Seite. Lauschend stand ich dort. Der Iltis neben mir war ebenfalls aufmerksam. "Hast du das gehört?", fragte ich leise und zog mich ein wenig zurück. Irgendetwas war da doch, oder? Langsam zog ich mich in eines der angrenzenden Zimmer zurück und wartete ab. Der Iltis war noch immer neben mir. Offenbar hatte er nicht vor, mich zu verlassen. Angespannt wartete ich, ob sich irgendetwas tun würde.
     
  4. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Unwillkürlich fuhr mein Körper zusammen, als eines der Bretter unter meinem Gewicht ein fürchterliches Knirschen von sich gab. Ich hatte damit gerechnet, das stand außer Frage, seit Monaten kümmerte sich niemand mehr um dieses Haus, es war allem möglichen schutzlos ausgeliefert - dennoch hatte es mich kalt erwischt. Gerade einmal ein paar Schritte hatte ich mich aus dem Zimmer gewagt und blieb nun wieder wie angewurzelt stehen, lauschte. Zu Beginn meines Besuches hatte sich hier kein einziger Beißer herumgetrieben, aber das war nun ein paar Stunden her und diese Viecher verliefen sich oft dorthin, wo sie Beute vermuteten. Meine freie Hand ballte sich zu einer Faust, während die andere das Messer fester umklammerte - in meinem Kopf malte ich mir bereits die schlimmsten Szenerien aus. Es geschah jedoch nichts. Nur der Wind, welcher durch die offenen Stellen des maroden Gebäudes drang, und das leise Knirschen des Holzboden war zu hören. "Tief durchatmen, Fayne.", flüsterte ich mir zu, um nicht in Schweiß auszubrechen.
    Noch einen kurzen Moment hielt ich inne, bis sich meine verkrampften Muskeln langsam entspannten und ich leise aufatmete. Vermutlich würde ich eher an einem Herzinfarkt sterben, als das mich ein dieser Beißer zu fassen bekam - allerdings würde ich in beiden Fällen so oder so angeknabbert werden, da gab es wohl kein Entrinnen. Mein Blick wanderte noch einmal den Flur entlang, jedoch konnte ich nichts ungewöhnliches bemerken. Ich entschied mich kurzerhand dazu in der Nähe der Wand zu laufen in der Hoffnung, dass der Boden dort weniger unter meinen Füßen nachgab. Das Knirschen war zwar nicht ganz verschwunden, doch dürfte es im Erdgeschoss nicht mehr allzu laut hörbar sein - und wenigstens das war ein schon einmal Fortschritt. Jetzt musste ich nur noch das Badezimmer oder die Küche finden ohne unnötig Zeit zu verschwenden und möglichst ohne unerwünschten Besuch.
    Da sich das Schlafzimmer hier im oberen Geschoss befand, war es nur eine logische Folgerung, dass das Bad hier ebenfalls liegen musste - zumindest in meiner Logik. Ich richtete meinen Blick wieder auf den Boden. Das ganze Gebäude schien mit ihm ausgestattet zu sein; zumindest hatte er sich ebenfalls durch das Erdgeschoss gezogen. Allerdings bezweifelte ich, dass im Badezimmer Bretter als Bodenbelag dienten. Fliesen eigneten sich für diesen Bereich doch um einiges besser. Wenn ich also nur den Übergang erkannte, würde ich mir vielleicht die eine oder andere unangenehme Überraschung ersparen. Immer wieder huschte mein Blick zwischen den Türen und dem Flur entlang, während ich mich Schritt für Schritt fortbewegte. Auch wenn ich glaubte hier keinem Beißer zu begegnen, musste ich vorsichtig sein - diese Dinger waren unberechenbar. Vielleicht waren sie nicht mehr die Hellsten, zeigten kein rationales Verhalten mehr; das Gefährliche an ihnen waren ihre tierischen Triebe, ihre Instinkte.
     
  5. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Der Iltis spitzte die Ohren und auch ich verharrte angespannt, meine Waffe immer im Anschlag, hinter der Tür. Ein Knirschen war zu hören und ich glaubte auch das leise aufdrücken einer Tür zu vernehmen. Dann war alles still. Jedenfalls für den Moment. Ich versuchte noch mehr zu hören, aber kein Laut drang mehr an mein Ohr und vielleicht hatte ich mich auch getäuscht. Dieses Haus war alt und baufällig. Vielleicht war es nur ein loses Dielenbrett. Das hörte man doch immer wieder, dass alte Häuser knarzende Geräusche von sich gaben. "Bestimmt war es das", sagte ich leise, mehr zu mir selbst. War ja auch kein anderer da, mit dem ich hätte reden können. Obwohl ich annahm, dass das Geräusch, das ich gehört hatte, keine Schritte waren, blieb ich wo ich war und lauschte angestrengt. Bildete ich mir das nur ein oder waren das leise Schritte, die sich langsam den Flur entlangtasteten. Wenn dem so war, dann konnte es sich um keinen dieser fleischfressenden Mistkerle handeln, denn die schlichen nicht und trotzdem waren sie die gefährlicheren. Langsam zog ich mich ein wenig in den Raum zurück und sah mich um. Verstecken konnte ich mich hier nicht, also blieb nur der Angriff. Ich schlich wieder zur Tür und lauschte. Ich hatte mich also nicht getäuscht. Leise, tastende Schritte näherten sich, verharrten kurz vor der Tür und gingen dann weiter. Ich legte meinen Zeigefinger auf die Lippen, um dem Iltis zu signalisieren leise zu sein. Als die Schritte sich ein wenig weiter bewegt hatten, schlich ich zur Tür und zog sie leise auf. Ab jetzt musste ich schnell handeln, wenn ich die Überraschung auf meiner Seite haben wollte. Ich hob meine Waffe und tastete mich langsam vorwärts. Ich erblickte einige Meter weiter eine junge Frau. Jedenfalls nahm ich das an. Sie bewegte sich leise und versuchte wohl keinen Lärm zu machen. Ich hätte ihr einfach in den Rücken schießen können, denn offenbar konzentrierte sie sich im Moment bloß auf das, was vor ihr lag. Ich musste nur schnell genug sein, bevor sie wieder nach hinten sah. Ich schoss nicht, auch wenn es ein leichtes gewesen wäre, sondern hielt die Waffe bloß auf sie gerichtet, während ich mich ihr näherte. Schnell und leise, ein Vorteil, wenn man beim Militär gewesen war. Nicht, dass ich völlig geräuschlos war, aber doch schnell genug, um ihr keine Zeit zu geben, sich umdrehen zu können. Ich drückte ihr die Pistole gegen den Kopf. "Messer fallen lassen oder ich drücke ab." Um ihr zu zeigen, dass ich es ernst meinte, entsicherte ich die Waffe. Ich nahm nicht an, dass sie mir mit dem Messer wirklich gefährlich werden konnte, aber ich hatte die Situation eben gerne unter Kontrolle und egal wie stumpf ein Messer war, es konnte immer verletzen, wenn man wusste, wie man damit umzugehen hatte. Während ich darauf wartete, dass sie meinem Befehl folge leistete, ließ ich sie nicht aus den Augen, um jederzeit reagieren zu können. Ich würde natürlich vermeiden wollen, sie über den Haufen zu schießen. Sie war immerhin ein Mensch und für gewöhnlich tötete ich keine Menschen, aber wie gesagt, ich hatte gerne die Kontrolle. Der Iltis beobachtete uns von einem 'sicheren' Platz aus. Offenbar hatte ich mir mit meiner Güte einen neuen Freund angelacht. Wenigstens einen, der nicht redete oder mir Ärger machen konnte.
     
  6. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Eine der Türen stand offen und der Boden des Zimmers, welches sich hinter ihr verbarg, sah nicht aus wie der restliche. Vielleicht irrte ich mich auch, aber es war es Wert einen Blick zu riskieren. Doch kam ich nicht dazu. Ich hatte mich so sehr auf meine eigenen Schritte konzentriert, dass ich die herannahenden hinter mir gar nicht gehört hatte. Ein großer Fehler, denn im nächsten Moment spürte ich den Lauf einer Waffe an meinem Hinterkopf. Schei.ße. „Messer fallen lassen oder ich drück ab.“, drang eine tiefe, männliche Stimme in meine Ohren und ohne einen Moment zu zögern, löste ich den Griff um das alte Metall - das leise ‚Klick’, welches die Waffe von sich gab, als der fremde sie entsicherte, leistete genügend Überzeugungsarbeit. Das Messer fiel mit einem Poltern zu Boden und ich ballte meine Händen zu Fäusten. Mit einem festen Biss auf meine Unterlippe unterdrückte ich den Schrei, welcher meine Kehle hinaufkroch und mit aller Macht versuchte über meine Lippen zu kommen. In dieser Situation allerdings auch noch Beißer anzulocken, wäre katastrophal. Gerade jetzt hatte ich mit der Pistole an meinem Kopf und dem Fremden im Nacken genug Probleme. Der Mann hatte nicht die Absicht mich zu töten, zumindest nicht in diesem Moment. Er hätte mir sonst schon längst eine Kugel in den Kopf gejagt. Ja, er musste noch nicht einmal ein guter Schütze sein. Egal, an welcher Stelle die Patrone in meinen Körper eingedrungen wäre, dieser Kerl hätte sogleich mein Todesurteil unterschrieben. Beißer wurden von dem Geruch von Blut angelockt und verletzt hätte ich erst recht keine Chance gegen diese Viecher gehabt. Ich hätte mich nicht so sicher fühlen dürfen. Zwar lief man in letzter Zeit immer weniger Überlebenden über den Weg, aber es gab sie noch - auch in unmittelbarer Nähe. Ich versuchte aus dem Augenwinkel den anderen Menschen auszumachen, doch stand er direkt hinter mir - er ließ mir also keine Möglichkeit etwas zu erkennen. Die Dunkelheit machte es ohnehin schon schwer genug. In meinem Kopf rotierte es. Ich suchte nach passenden Worten, doch alles was mir letztendlich einfiel, war es meinen Mund zu halten. Eine falsche Aussage und dieser Typ pustete mir vielleicht doch das Gehirn weg - schließlich hatte ich keine Ahnung, wer er war. Als sich ein metallischer Geschmack in meinem Mund breit machte, wurde ich aus meinem Gedankenzug gerissen. Anscheinend hatte ich meine Zähne ein bisschen zu fest auf meine Lippe gedrückt. Ich bewegte mich keinen Zentimeter mehr und blieb weiterhin stumm, wartete einfach darauf, was dieser Kerl als nächstes tun würde. Es war im Moment wohl die beste Lösung, einfach nur da zu stehen und ihm keinen Ärger zu machen.
     
  7. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Ich musste zugeben, das war einfach gewesen. Ohne zu zögern ließ sie das Messer fallen und schien sich auch nicht wehren zu wollen. "Okay und jetzt ganz langsam ein paar Schritte rückwärts. Ich warne dich. Eine falsche Bewegung und ich jage dir eine Kugel durch den Schädel." Vermutlich machte ich viel zu viel aufhebens um das hier, aber es kam selten vor, dass man noch Überlebende antraf und ich wollte nicht mit einem stumpfen Messer in der Brust zu Grunde gehen. Nicht, dass ich davon ausging, dass sie vorhatte mir zu schaden, aber sicher ist sicher. Ich wartete, bis sie meinem nächsten Befehl folge leistete, erst dann fühlte ich mich ein wenig sicherer, denn selbst ohne meine Waffe hätte ich sie wohl ausschalten können so dünn und klein wie sie war. "Gut gemacht", sagte ich beinahe sanft, die Waffe noch immer an ihrem Kopf gepresst. Es war lange her, dass ich mit Menschen in Kontakt gekommen war und ich musste zugeben, dass ich eventuell etwas übertrieben hatte. Nicht jeder hier war automatisch mein Feind, aber ich konnte eben nie vorsichtig genug sein. Es liefen genug Irre da draußen rum und damit meinte ich nicht diese verfluchten Zombies. Es gab sogenannte 'Jäger' und die schossen auf alles, was sich bewegte. Ganz egal, ob man infiziert war oder nicht. Sie schien auf jeden Fall nicht zu denen zu gehören, sonst wäre sie vorsichtiger gewesen. "Wer bist du und wieso bist du hier", fragte ich nun also. Sie stand noch immer mit dem Rücken zu mir. Vielleicht war das auch erstmal besser so. Die Waffe ließ ich noch nicht sinken, wollte erst herausfinden, was sie hier wollte und ob sie mir eventuell gefährlich werden könnte. Ich wartete ihre Antwort ab und rückte dann noch ein Stück näher an sie heran. "Wenn ich jetzt die Waffe senke, dann wirst du dich ganz langsam umdrehen und deine Hände schön in die Höhe strecken, damit ich sie sehen kann. Hast du das verstanden?" Ich musste zugeben, es fühlte sich gut an, die Oberhand zu haben. Lange war ich ganz allein gewesen und es hatte mir nichts ausgemacht, aber ein wenig menschlichen Kontakt brauchte wohl jeder. Wobei wohl die meisten versucht hätten, sich in Freundschaft zu nähern und das Gegenüber nicht mit einer Waffe bedroht hätten. Ich war eben durch und durch Soldat. Erst die Situation unter Kontrolle bringen und dann konnte man immer noch schauen, ob der vermeintliche Gegner in guter oder in schlechter Absicht gekommen war. Frei nach dem Motto 'erst schießen, dann fragen' - nur dass ich nicht geschossen hatte und das auch nicht vorhatte, solange sie sich nicht dumm verhielt.
     
  8. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    „Okay und jetzt ganz langsam ein paar Schritte rückwärts. Ich warne dich. Eine falsche Bewegung und ich jage dir eine Kugel durch den Schädel.“, stumm befolgte ich seinen Befehl. Ich hatte auch nicht wirklich etwas gegen ihn in der Hand. Allein schon seiner Stimme nach zu urteilen, musste er um einiges größer und damit auch stärker sein als ich - und zusätzlich besaß er noch eine Waffe, das größte Argument sich nicht mit dem Typen anzulegen. Er behandelte mich zwar wie einen Schwerverbrecher, aber ich würde es ihm nicht übel nehmen - wäre ich an seiner Stelle gewesen, hätte ich es wahrscheinlich nicht anders gemacht. Hier draußen konnte man nicht wissen, wer Freund oder Feind war. Bei seinen lobenden Worten verdrehte ich leicht die Augen; war froh darüber, dass er mein Gesicht genauso wenig sehen konnte, wie ich das seine. Schließlich hielt er mir den Lauf immer noch an den Hinterkopf, die Waffe weiterhin entsichert. „Wer bist du und wieso bist du hier?“, das war seine erste Frage, die er stellte, und ich leckte mir kurz das Blut von meiner Unterlippe, ehe ich überhaupt darüber nachdachte ihm zu antworten. Was erwartete er jetzt? Dass ich ihm die Wahrheit sagte? So wenig er mir vertraute, so wenig vertraute ich ihm. „Eine verlorene Seele und aus dem gleichen Grund wie du, nehme ich an.“, brachte ich über die Lippen und zuckte leicht mit den Schultern. „Um zu überleben und um nicht von diesen Beißern ausgeweidet zu werden.“ Das sollte als Antwort erst einmal genügen. Ihm gleich alles zu offenbaren, wäre töricht von mir gewesen. Ich hörte wie er einen weiteren Schritt auf mich zu kam; die Bretter gaben unter seinem Gewicht nach, knirschten. „Wenn ich jetzt die Waffe senke, dann wirst du dich langsam umdrehen und deine Hände schön in die Höhe strecken, damit ich sie sehen kann. Hast du verstanden?“ Er hörte sich an, wie einer dieser Cops aus den alten TV-Sendungen, die mein Vater beim Essen immer hatte laufen lassen. Es fehlte nur noch, dass er mir die Handschellen anlegte und mir meine Rechte vorbetete, während er mich abführte. Allerdings behielt ich dies für mich. Keinen größeren Ärger verursachen, das war nun meine Priorität. Also hob ich meine Hände leicht in die Höhe, die Finger gespreizt - wie ein braves Mädchen, befolgte ich seine Anweisungen. Und nun hieß es erst einmal wieder warten, denn bis dieser Kerl mir nicht die Waffe vom Kopf nahm, würde ich mich nicht umdrehen. Eine Waffe gegen den Hinterkopf gehalten zu bekommen war das eine, ihr allerdings mit den Augen in den Lauf zu schauen war eine andere Sache. Diese Dinger sahen schon gefährlich aus, wenn man nicht mit ihnen bedroht wurde.
     
  9. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Sie befolgte meine Befehle anstandslos, wollte wohl wirklich keinen Ärger machen, weshalb ich mich ein klein wenig entspannte, sie aber dennoch nicht aus den Augen ließ. Auf meine Frage antwortete sie sehr schwammig, aber intelligent. Ich hätte es vermutlich nicht anders gemacht. Ich bezweifelte, dass sie aus dem selben Grund wie ich hier war, aber ich ließ es unkommentiert, konzentrierte mich lieber darauf, dass sie keine Dummheiten machte. Sie reckte die Hände in die Höhe und schien zu warten, dass ich die Waffe tatsächlich wegnahm. Was ich, nachdem ich zwei Schritte zurückgetreten war, dann auch wirklich tat. "Umdrehen. Die Waffe ist immer noch entsichert und versuch nicht mich herauszufordern. Ich bin an der Waffe ausgebildet und ich werde sie benutzen." Ich wartete, bis sie auch diesem Befehl folgte und gestattete mir, sie einmal kurz zu mustern. Nein, diese halbe Portion würde mir nun wirklich nicht gefährlich werden. Es sei denn natürlich sie hatte eine ähnliche Ausbildung genossen, wovon ich eigentlich nicht ausging. Ich sicherte die Waffe und packte sie weg. Was genau hatte ich mit all dem hier eigentlich bezwecken wollen? Ich hätte sie einfach ziehen lassen können. Nun war ich in der unangenehmen Situation Konversation zu treiben. "Tut mir leid, dass ich so grob war. Ich musste sichergehen, dass du keiner von diesen Irren bist, die zum Spaß alles töten, was ihnen über den Weg läuft." Das war doch schon mal ein Anfang. Vielleicht konnten wir ja ein Abkommen oder sowas treffen, denn offenbar hatten wir uns beide hier in diesem Haus verschanzt. Ich nur, weil ich etwas zum Übernachten brauchte. Sie eventuell sogar länger. Die meisten der Überlebenden blieben zumindest in der gleichen Stadt. Ich war da anders. Ich zog immer weiter und versuchte irgendwie herauszufinden, was zur Hölle hier eigentlich los war. Obwohl ich jetzt 'unbewaffnet' war, ging ich nicht davon aus, dass sie Dummheiten machen würde. Wenn ich ehrlich war, dann sah sie elendig aus. Dürr und irgendwie zerschunden. Nicht gerade so, als könnte sie für sich selbst sorgen geschweige denn irgendjemandem gefährlich werden. Ich widerstand nur knapp dem Drang ihr etwas von meinem Essen anzubieten. Wir kannten uns kaum und in dieser Zeit musste jeder sehen, wo er blieb. Dass ich mein Essen bereits mit einem Iltis geteilt hatte, ließ ich da einfach mal außenvor. Einem Iltis, der immer noch in seiner Ecke saß und das ganze neugierig beobachtete. Vermutlich hatte das verdammte Biest die Tollwut oder sowas. Warum sonst sollte er mir überall hin nachschleichen? Trotzdem verjagte ich ihn nicht.
     
  10. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Wieder knirschte der Boden unter den Füßen des Mannes, diesmal jedoch schien er sich von mir zu entfernen. Kurz darauf verschwand das kalte Metall von meinem Hinterkopf und mein Herz schien vor Erleichterung einen kleinen Purzelbaum zu schlagen, es fühlte sich auf jeden Fall so an. „Umdrehen. Die Waffe ist immer noch entsichert und versuch nicht mich herauszufordern.“ Bei seinen Worten hätte ich am liebsten gelacht, denn wir beide wussten wohl, dass ich ihm nichts anhaben konnte - wahrscheinlich nicht einmal, wenn ich es wollte. „Ich bin an der Waffe ausgebildet und ich werde sie benutzen.“ Eine Information, die ich zu schätzen wusste. Er würde also nicht einfach wahllos herum ballern, ein Vorteil. Dass er allerdings von ihr Gebrauch machen würde, daran zweifelte ich nicht. Schließlich hatte er mir das Ding im entsicherten Zustand an den Schädel gedrückt. Ich wäre nicht einmal verwundert gewesen, wenn er sogar den Finger am Abzug gehabt hätte. Wie zuvor befolgte ich seine Aufforderung ohne ein Zögern, drehte mich vorsichtig um - die Hände weiterhin erhoben. Ich fing seinen Blick ein, der Fremde musterte mich. Seine Augen verrieten mir, dass er mich für kein Stückchen konkurrenzfähig hielt. Nun, das war mir nichts neues. Meine Augen folgten jedoch nach nur wenigen Sekunden seinen Händen, wie er die Waffe sicherte und dann endlich verstaute. Ein kurzer Moment zum Durchatmen. Erst als der Kerl wieder das Wort erhob, erlaubte ich es mir sein Gesicht etwas genauer zu betrachten. In der Dunkelheit erkannte man nicht viel und auch der Sicherheitsabstand machte die ganze Sache nicht einfacher. Auffallende Gesichtszüge, Bart, blaue Augen - und er schien jung, nicht viel älter als ich. „Tut mir leid, dass ich so grob war. Ich musste sichergehen, dass du keiner von diesen Irren bist, die zum Spaß alles töten, was ihnen über den Weg läuft.“ Bei seinen Worten zog ich leicht eine Augenbraue in die Höhe. Erst hielt er mir eine Waffe an den Kopf und nun schmiss er mit einer Entschuldigung nach mir? Ich konnte ihm keinesfalls böse sein und dafür gab es einen einfachen Grund: dieser Typ versuchte zu überleben. Er war nur vorsichtig, misstrauisch, achtsam. Und das gelang ihm wohl um einiges besser als mir. Über den Weg trauen, würde ich ihm deshalb trotzdem nicht: kein bisschen. „Und du, wer bist du? Was suchst du hier?“, stellte ich ihm die gleichen Fragen, welche er mir zuvor gestellt hatte. Eine Verschwendung, wenn ich es nicht getan hätte. Ob ich seine Entschuldigung annehmen würde, dieses Recht behielt ich erst einmal für mich. Schließlich hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was dieser Kerl hier vorhatte. Wieso er sich überhaupt an mir aufhielt? Er hätte auch einfach seiner Wege gehen und mich hier zurücklassen können, immerhin stellte ich für ihn keines Wegs eine Gefahr dar.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28 Apr. 2017
  11. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Es herrschte Misstrauen auf beiden Seiten. In Zeiten wie diesen konnte zu schnelles Vertrauen leicht zum Tod führen. Da war es beinahe lebensnotwendig, misstrauisch zu sein. Während ich sie musterte, tat sie das gleiche bei mir, sah aber vermutlich genauso wenig, wie ich. Ich konnte nur erkennen, dass sie recht klein war und dunkle Haare hatte. Jedenfalls waren sie nicht blond. Ansonsten erkannte man nicht viel. Es dauerte eine Weile, aber irgendwann richtete sie eine Frage an mich. Die gleiche, wie ich sie ihr schon vorher gestellt hatte und ebenso wie sie, antwortete ich ausweichend. "Ich bin nur auf der Durchreise. Vier, fünf Tage und ich bin wieder weg hier." Wir hatten uns allerdings offenbar dafür entschieden das gleiche Haus zu unserem Unterschlupf zu machen. Für mich stellte das keinerlei Probleme dar. Ich würde nicht lange hier sein und in Zeiten wie diesen war das Eigentumsrecht schon lange nicht mehr gültig. "Ich für meinen Teil sehe darin kein großes Problem. Das Haus ist groß genug und auch, wenn ich von Teamwork nicht viel halte, können wir sicher voneinander profitieren. Vier Hände können das Haus besser sichern, als zwei und du hättest hinterher ein besser gesichertes Haus. Haben wir also beide was davon." Ganz davon abgesehen, dass ich, wenn sie etwas dagegen haben sollte, dieses Haus nicht kampflos aufgeben würde und wenn es dazu kommen sollte, dann hatte sie keine Chance. "Wie lange bist du schon hier?" War sie auch erst gestern angekommen oder lebte sie schon länger hier? Das war etwas, das mich tatsächlich interessierte, denn wenn sie wirklich schon länger hier war, dann hatte sie das Haus nicht unbedingt gut gesichert. Eigentlich hatte sie die untere Etage gar nicht gesichert und das war ein ziemlich dummer Fehler, denn auch wenn die Beißer nicht so behände Treppen steigen konnten, wenn sie Blut geleckt hatten, dann bewältigten sie auch dieses Hindernis und dann war man am A.rsch. Vor allem, wenn man bedachte, dass sie offenbar nichts als dieses stumpfe Messer zur Verteidigung hatte und noch nicht einmal richtig damit umgehen konnte. Andernfalls hätte sie mit Sicherheit versucht sich zu wehren. Ich hatte schon Leute getroffen, die hatten auch mit vorgehaltener Waffe noch gekämpft. Sie hingegen hatte sofort das Messer fallen lassen, was mich darauf schließen ließ, dass sie keinerlei Erfahrung im Kämpfen hatte. Dass sie so lange durchgehalten hatte, war da ja schon fast ein Wunder, denn normalerweise überlebte man eine solche Epidemie nicht ohne zu kämpfen. Sie musste also irgendwelche Fähigkeiten besitzen, die ihr erlaubt hatten so lange zu überleben. Ich wollte gerade eine weitere Frage hinterherschieben, als von unten ein Geräusch heraufdrang. Instinktiv griff ich wieder nach meiner Waffe und entsicherte sie. "Ist noch jemand hier", fragte ich sie flüsternd und überwand leise die paar Meter zu ihrem Messer , hob es auf und reichte es ihr. Falls wir unerfreulichen Besuch bekamen, war es besser, wenn sie auch bewaffnet war. Ich bedeutete ihr uns in eines der Zimmer, das am nächsten lag, zurückzuziehen, bevor ich durch die Tür schlüpfte und angestrengt lauschte.
     
  12. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    „Ich bin nur auf der Durchreise. Vier, fünf Tage und ich bin wieder weg hier.“, die Worte des Fremden ließen mich hellhörig werden. Vielleicht besaß er ja wenigstens noch ein bisschen Orientierungsinn und wusste, in welches Städtchen wir uns beide verirrt hatten. Doch mehr konnte ich seiner Antwort nicht entnehmen, nicht, dass ich es erwartet hatte. Ich hätte ihm vermutlich nicht einmal geglaubt, wenn er meinen Frage ohne geantwortet hätte. Allerdings hatten wir uns beide in das gleiche Haus geflüchtet und er hatte mich überrumpelt, mir blieb also nichts anderes übrig als das Beste aus dieser Situation zu machen. „Ich für meinen Teil sehe darin kein großes Problem. Das Haus ist groß genug und auch, wenn ich von Teamwork nichts halte, können wir sicher voneinander profitieren. Vier Hände können das Haus besser sichern, als zwei und du hättest hinterher ein besser gesichertes Haus. Haben wir also beide was davon.“ Stumm lauschte ich seinen Worten, ließ ihn ausreden. Er hatte Recht, ein gut gesichertes Haus war gewiss von Vorteil, dennoch sah ich keinen Sinn darin, noch mehr Arbeit in dieses verfallene Gebäude zu stecken. Ebenso wie ihn hielt mich an diesem Ort gar nichts. Mit einen leichten Schmunzeln auf den Lippen antwortete ich ihm: „Das wird nicht von Nöten sein. So wie du, habe ich nicht vor, hier lange zu bleiben.“ Zugegeben, in der Nähe des Braunhaarigen fühlte ich mich nicht wohl, was wohl vor allem an seinem ersten Eindruck und der Waffe gelegen hatte. Zudem lohnte es sich nicht: Gesellschaft war nicht von langer Dauer, ehe man sich versah, war man wieder alleine. Und ehe ich in meinen Gedanken versinken konnte, riss mich die dunkle Stimme des jungen Mannes wieder in die Realität zurück: „Wie lange bist du schon hier?“ Eine einfache Frage, von welcher ich nichts zu befürchten hatte. „Vielleicht seit ein oder zwei Stunden vor Sonnenuntergang, ich weiß nicht.“, ich log ihn noch nicht einmal an. Die Sonne hatte schon recht tief gestanden, weshalb ich mir als nächstbesten Unterschlupf dieses alte Wohnhaus ausgesucht hatte. Dem Überlebenden lagen noch weitere Fragen auf den Lippen, man sah es ihm an - auch ich hätte ihn mit Fragen überhäufen können, doch entschied ich mich erst einmal für die passivere Rolle in diesem Aufeinandertreffen. Immerhin hatte er eine Schusswaffe und ich neigte schnell zu einem vorlauten Mundwerk. Doch wurden wir beide unterbrochen. Im Erdgeschoss regte sich etwas, es war deutlich zu hören. „Ist noch jemand hier?“, seine Frage war kaum mehr als ein Flüstern und nachdem ich den Kopf als Antwort schüttelte, setzte sich der Fremde vorsichtig in Bewegung. Er schlich an mir vorbei, hob das Messer vom Boden auf und reichte es mir. Zuerst etwas misstrauisch, nahm ich es entgegen - als jedoch ein weiteres Mal die Geräusche ertönten, umklammerte ich es wieder in einem festen Griff. Sein Finger deutete auf das Zimmer gleich auf der anderen Seite des Flures, ehe er hinter dessen Türe verschwand. Mit leisen Schritten folgte ich ihm, suchte hinter seiner großen Statur Schutz. Angst, nun es wäre eine Lüge gewesen, wenn ich behauptet hätte, dass ich keine Angst hatte. Aber ich hatte gelernt mit ihr umzugehen, sie manchmal sogar zu überlisten. Der Grund, weshalb ich mich also hinter ihn kauerte? Dieser Typ besaß sowohl eine Pistole, als auch das Können: er wäre einer gefährlichen Situation besser gewachsen als ich.
     
  13. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Ich musste zugeben, dass ich überrascht war, dass sie auch nicht vorhatte hier zu bleiben, aber es war auch keine dumme Entscheidung, denn immer in Bewegung zu bleiben bedeutete, dass man kein offensichtliches Ziel abgab. Sie war also nach mir gekommen und trotzdem hatte ich es nicht bemerkt. Wahrscheinlich war es zu der Zeit gewesen, als ich kurz draußen gewesen war, um ein paar Sachen zu holen. Ansonsten hätten wir uns schon früher bemerkt und wären früher aufeinandergeprallt. Als sie meine Frage verneinte, ob noch jemand hier sei, war ich sofort in Alarmbereitschaft. Entweder da unten war jemand wirklich tölpelhaft und dachte nicht im Traum daran, dass er durch seinen Lärm Beißer anlockte oder wir hatten es mit eineme Beißer zu tun, der sowieso so laut sein konnte, wie er wollte. Nachdem wir uns beide in das Zimmer zurückgezogen hatten, kauerte sich das Mädchen hinter mich. Für mich kein Problem, denn wie gesagt, sah sie nicht gerade so aus, als würde sie sich sonderlich gut verteidigen können. Unten hielt der Lärm an, konzentrierte sich aber schon bald auf das obere Geschoss und ich konnte hören, wie jemand oder etwas die Treppe heraufkam.Wenige Sekunden später schlüpfte auch der Iltis durch die Tür und zog sich in eine Ecke zurück. Angespannt starrte ich auf die Tür, meine Waffe immer im Anschlag. Erst schien es als würde derjenige, der da draußen rumschlich an unserem Zimmer vorbeigehen, aber dann öffnete sich doch langsam die Tür. Im Zweifelsfall würde ich erst schießen und dann Fragen, doch als die Tür sich ganz geöffnet hatte, blieb kein Zweifel daran, dass wir es mit einem Beißer zu tun hatten. Gierig blickte er uns an und 'torkelte' ins Zimmer. Ganz instinktiv baute ich mich vor der jungen Frau auf und schützte sie vor dem Biest. Ich wartete, bis er noch zwei weitere taumelnde Schritte gemacht hatte und drückte dann ab. Die Kugel traf genau die Stirn und von der Wucht des Aufpralls flog der Beißer nach hinten. Er zuckte noch ein paar Mal, bevor er leblos am Boden liegen blieb. "Wir sollten hier schleunigst verschwinden. Ein Beißer lockt viele andere an und wir waren nicht gerade leise. Na ja, ich war nicht gerade leise", sagte ich an die junge Frau gewandt, deren Namen ich immer noch nicht kannte. War aber wohl auch momentan eher zweitrangig. Ich behielt die Waffe in der Hand, noch immer entsichert, um im Notfall keine wertvollen Sekunden zu verlieren, sondern direkt abzudrücken. "Komm." Ich deutete auf die Tür. Momentan war es sicherer uns nicht voneinander zu trennen, denn vier Augen sahen bekanntlich mehr als zwei. Langsam näherte ich mich der Tür und lugte vorsichtig nach draußen. Noch war nichts zu sehen, sodass ich so schnell und so leise wie möglich in Richtung Treppe huschte. Sie konnte jetzt selbst entscheiden, ob sie mir folgen würde oder nicht. Wobei ich nebenbei bemerkt davon ausging, dass es für sie erstmal sicherer war, sich an mich zu halten. Ich hatte eine Waffe, ich hatte Kampferfahrung und ich hatte etwas zu essen. Gut, letzteres wusste sie nicht und ich war mir auch nicht sicher, ob ich es mit ihr teilen würde, aber solange würde sie vielleicht auch gar nicht bleiben. In Zeiten wie diesen war sich jeder selbst der Nächste.
     
  14. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Die Geräusche drangen immer prominenter in das obere Geschoss hinauf. Für mich war es ausgeschlossen, dass es sich um einen Überlebenden handeln konnte. Selbst mit zwei linken Füßen wäre derjenige darauf bedacht gewesen, nicht gleich die gesamte Aufmerksamkeit aller Beißer in naher Umgebung auf sich zu lenken. Ein lautes Poltern ließ meinen Körper zusammenfahren. Was auch immer im Erdgeschoss wütete, es hatte die Treppe gefunden: es würde also nicht lange dauern, bis sich der Beißer nach oben gekämpft hatte. War einmal der Beutetrieb in ihnen geweckt, ließen sie sich von nichts aufhalten - bis man ihnen den Gar ausmachte. (Oder sie einem selbst.) Der junge Mann zog seine Waffe, richtete sie auf die Tür. Vermutlich würde ein Schuss den unerwünschten Gast aufhalten, allerdings dürfte er ebenso weitere von seiner Sorte anlocken: ein Teufelskreis.
    Ein leises Stöhnen war den Flur entlang zu hören, trampelnde Schritte und mir blieb - wie so oft - die Luft im Halse stecken. Der Rest passierte unfassbar schnell, fast so, als hätte die Vorspultaste auf der Fernbedienung gedrückt. Erst die Stimme des Braunhaarigen riss mich aus meiner Trance. „Wir sollten hier schleunigst verschwinden.“, seine Stimme klang gedämpft, womöglich war der laute Knall der Waffe Schuld. Fast automatisch fiel mein Blick auf den am Boden liegenden Beißer, noch immer zuckten seine Glieder. „Ein Beißer lockt viele andere an und wir waren nicht gerade leise. Naja, ich war nicht gerade leise.“ Wenigstens konnte ich mir nun sicher sein, dass der Fremde sehr zielsicher war. Aber ich hatte schlimmeres gesehen; war nicht mein erster aufgeplatzter Schädel in diesen Tagen. „Komm!“, eine Aufforderung, der ich nur zu gerne nachkam. Dieses Haus war nun alles, nur nicht mehr sicher für uns. Hastig stieg ich über den toten Körper hinweg, folgte dem jungen Mann mit kurzem Abstand. Aus dem Erdgeschoss war nichts zu hören und selbst wenn sich dort unten ein weiterer Beißer aufgehalten hätte, so hätten wir schon längst Bekanntschaft mit ihm gemacht. Dennoch ließ der Braunhaarige Vorsicht walten, kämpfte sich fast Stück für Stück durch das verlassene Haus. Wer wusste schon, wann der nächste Beißer hier auftauchte, um sich seinen Snack zu holen. „Fayne.“, flüsterte ich dem Fremden vor mir zu und musterte seinen Nacken. So viel hatte er sich verdient, schließlich atmete ich noch dank ihm. Was nicht hieß, dass ich ihm vertraute - Dank und Vertrauen waren zwei verschiedene Paar Schuhe. „Mein Name ist Fayne Jackson.“
     
  15. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Wir schafften es relativ unbehelligt aus dem Haus. Als sie mir erklärte, dass sie Fayne Jackson hieß, antwortete ich:"Vincent." Meinen Nachnamen behielt ich für mich. Der hatte hier sowieso nichts verloren. Wir schafften es ohne Zwischenfälle aus dem Haus, aber davor erwartete uns ein weitere von diesen Mistkerlen und wollte sich sogleich auf mich stürzen. Ohne zu zögern drückte ich ab und wenige Sekunden später lag der Beißer tot vor uns. "Schnell weiter. Bald werden noch mehr von den Mistviechern hier auftauchen. Bleib immer dicht hinter mir." Ich agierte gerade völlig im Autopilot. Schießen, rennen, schützen waren gerade meine obersten Prioritäten. Obwohl man mich sicher nicht als Menschenfreund bezeichnen konnte, war ich auch niemand, der eine Frau einfach im Stich ließ. Im Krieg war alles erlaubt, aber auf unbewaffnete Frauen hatte ich trotzdem nie geschossen. Ich navigierte uns so weit es ging aus der Gefahrenzone heraus und blieb erst stehen, als wir uns sicher sein konnten, dass kein Beißer uns mehr verfolgte. Dann drehte ich mich zu ihr um und musterte sie. "Es ist vermutlich besser, wenn wir erstmal zusammen bleiben." Das schmeckte mir natürlich gar nicht, aber wie gesagt: vier Augen sahen nun mal mehr als zwei und in Zeiten wie diesen wäre ich dumm gewesen nicht auf Unterstützung zu bauen. Nicht, dass ich mich nicht hätte alleine durchschlagen können. Ich hatte uns zu einem etwas abgelegenen Haus geführt, das noch recht bewohnbar aussah. Jedenfalls ein Teil davon. Der hintere Teil schien eingestürzt zu sein, aber der vordere Teil wirkte weitestgehend intakt. "Ich werd da jetzt reingehen und überprüfen, ob das ganze sicher ist. Bleib du hier. Hast du eine Waffe mit der du dich notfalls verteidigen kannst?" In der Rolle des Anführers fühlte ich mich wohl, was man mir vermutlich auch anmerkte. Ich hatte schon immer nichts von Unterordnung gehalten und würde das auch in Zukunft nicht tun. Dennoch versuchte ich das ganze nicht allzu sehr nach einem Befehl klingen zu lassen. Es war schwer aus den gewohnten Mustern auszubrechen und bisher hatte sie sich auch gar nicht beschwert, dass ich die Führung übernommen hatte. Meiner Meinung nach auch die einzig kluge Entscheidung. Die Art, wie sie sofort kapituliert hatte, hatte mir nur allzu deutlich gezeigt, dass sie im Kampf kaum Erfahrung hatte. Es war also bloß zu ihrem Vorteil, wenn sie sich mir unterordnete und mir folgte. Sie würde länger leben, wenn sie das tat. Natürlich konnte ich sie nicht dazu zwingen hier zu bleiben. Wenn sie gehen wollte, dann sollte sie das ruhig tun. Immerhin hatte sie ja auch die ganze Zeit ohne mich überlebt.
     
  16. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    „Vincent.“, mehr sagte der junge Mann nicht. Es war kein ungewöhnlicher Name, leicht zu merken.
    Er brachte uns ohne weitere Zwischenfälle aus dem Gebäude, vermutlich hatten wir noch nicht allzu viele Beißer angelockt. Was uns jedoch hier draußen erwartete, war eine ganz andere Geschichte.
    Es dauerte nicht lange, bis der erste uns ausfindig gemacht hatte. Doch bevor er überhaupt die Chance hatte, drückte Vincent ohne Vorwarnung ab. Der Schuss ließ mich zusammen fahren und ich blickte zu dem am Boden liegenden Körper. „Schnell weiter. Bald werden noch mehr von diesen Miestviechern hier auftauchen.“, wenn er mit seiner Munition immer so sparsam war, glaubte ich ihm das gerne. „Bleib immer dicht hinter mir.“ Als ließe ich mir diese Worte zweimal sagen: ich war zwar bis jetzt auch ohne Hilfe zurecht gekommen, aber Kräfte zu sparen - dagegen hatte ich nichts einzuwenden.
    Ich ließ den Braunhaarigen machen, folgte ihm einfach stumm. Unterdrückte den Drang ihn zu korrigieren, wenn ich der Meinung war, dass es wohl schlauer war in die andere Richtung zu gehen oder schon einmal an diesem Punkt gewesen war. Er hatte die Führungsrolle übernommen und ich hatte mich unterzuordnen: so überlebte man am einfachsten.
    Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, blieb Vincent stehen und ich nutzte die Zeit um einmal tief durchzuatmen. „Es ist vermutlich besser, wenn wir erstmal zusammen bleiben.“, sein Gesicht verbarg kein bisschen seine Missgunst: er sah mich wahrscheinlich nur als ein weiteres Maul an, das er zu stopfen hatte. Ich antwortete nicht auf seine Aussage, hielt mich bedeckt. Nun, genauso wie er, konnte ich mir schönere Dinge ausmalen, als mit einem Wildfremden in der Apokalypse überleben zu müssen. Aber man konnte sich eben nicht immer alles aussuchen.
    Er hatte uns inzwischen weiter zu einem abgelegenen Haus geführt - oder viel mehr, was davon übrig war. In Zeiten wie diesen war jedoch alles gebrauchbar. „Ich werd da jetzt reingehen und überprüfen, ob das ganze sicher ist. Bleib du hier.“, ich würde auf ihn hören, wie seit den ersten Minuten unserer gemeinsamen Zeit. Schließlich hatte er die Schusswaffe. „Hast du eine Waffe mit der du dich notfalls verteidigen kannst?“ Ich nickte bloß. Ohne eine Waffe stände ich wohl nicht neben ihm - lebend. Zudem war weglaufen bis jetzt auch immer eine gute Idee gewesen: man durfte nur kein langsamer Läufer sein.
    Ich trat einen Schritt zurück und zog mein Messer hervor, bevor ich mich in der Umgebung umsah. Die offene Fläche bot uns eine gute Aussichtsposition, was für uns nur von Vorteil war. Ein Beißer oder ungewollte Besucher konnten uns nicht so leicht überraschen, was wiederum mehr Sicherheit bedeutete.
     
  17. Samanta

    Samanta Leseratte

    Vincent
    Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass sie sich notfalls verteidigen konnte, schlüpfte ich leise in das, was von dem Haus noch übrig war. Ich lauschte erst einmal eine Weile, bevor ich mich langsam vorantastete. Nach und nach klapperte ich den begehbaren Teil des Hauses ab und stellte sicher, dass auf uns keine unangenehme Überraschung wartete. Erst als ich sicher war, dass wir hier erstmal nicht Gefahr liefen, gefressen zu werden, kehrte ich wieder zurück. Ich wechselte schnell meine Munition, um im Notfall genug zum Schießen zu haben. Normalerweise ging ich sparsam mit meinen Kugeln um. Man bekam zwar immer wieder neue, aber ich musste sie ja nicht sinnlos verschwenden. Die Situation gerade eben war eine Notsituation gewesen. Ich hätte diese Viecher auch mit den Händen oder meinen Messern erledigen können, aber ich hatte nichts riskieren wollen. Nicht, wenn ich im 'Team' arbeitete. "Ist alles sicher", sagte ich zu der jungen Frau und bedeutete ihr dann mir zu folgen. Ich hatte mir jedes Zimmer angesehen und nun das am taktisch klugste zu unserer 'Kommandozentrale' erkoren. Dorthin führte ich sie. Von hier aus konnte man auf drei Wegen nach draußen gelangen, sodass wir im Notfall immer einen Fluchtweg parat haben sollten und nicht Gefahr liefen in einer Falle zu sitzen. Außerdem war dies das Zimmer mit den am meist intakten Möbeln und aus einem der anderen konnten wir uns zwei relativ bequeme Matratzen holen. Also ich konnte die holen. Auch, wenn ich nicht gerade scharf auf Gesellschaft war, ich vergaß nie meinen Anstand in Gegenwart einer Frau - naja zumindest selten. Meine Mutter war an mir verzweifelt, aber eines hatte sie mir immer wieder eingebläut: zu Frauen musste man nett sein und das hatte ich mir weitestgehend bewahrt. Solange diese Frauen menschlich waren. Bei Beißern kannte ich da eher keinen Anstand. Die erledigte ich, egal welches Geschlecht sie hatten. Im Krieg war alles erlaubt und das hier war Krieg, wenn auch auf eine andere Art. Ich schaffte also die beiden Matratzen ins Zimmer und legte sie in zwei unterschiedlichen Ecken auf den Boden. "Hast du schon gegessen?" Ich für meinen Teil hatte das ja getan, bevor wir uns getroffen hatten. Ich ließ mich auf einen der Stühle sinken und verstaute meine Waffe wieder in ihrem Holster. Momentan waren wir einigermaßen sicher. Ich würde mich demnächst daran machen, das Haus soweit einbruchssicher zu machen, es diesen Mistkerlen jedenfalls erschweren, rein zu kommen, aber vorher wollte ich noch überprüfen, ob ich noch genug zu essen hatte.
     
  18. Gummibaerchen

    Gummibaerchen A.R.M.Y

    Fayne Jackson
    Vincent verschwand in dem heruntergekommen Haus. Bei ihm sah alles so bedacht, so professionell aus: ich dagegen musste wirken, als wäre ich im falschen Film. Was ich nicht bestreiten würde, denn jeden Tag fühlte es sich nur mehr danach an. Ich wusste nicht wirklich, was ich machte: ich tat es einfach. Allerdings schien es zu funktionieren. Ich atmete noch, mein Herz schlug noch und ich lief nicht herum mit purer Gier nach Menschenfleisch. Es dauerte nur wenige Minuten bis der junge Mann zurückkehrte. „Ist alles sicher.“, bestätigte er mir mein vorheriges Gedachtes. Schließlich wäre er nicht so geschlendert, hätte es Probleme gegeben. Ich nickte bloß und folgte ihm dann. Das Haus sah von innen besser aus als erwartet; vielleicht gerade, weil die Außenwände es noch leicht schützten. Da er nicht gerade gesprächig schien, hielt ich lieber selbst den Mund. Ich wollte seine ‚Gastfreundschaft‘ nicht zu überstrapazieren. Ohne ein Wort verschwand er und kehrte mit Matratzen wieder zurück. Ich hätte ihm durchaus helfen können, gegen hartes Anpacken hatte ich nichts. Aber wie gesagt, hielt ich mich lieber zurück - beobachtete seine Bewegungen. „Hast du schon gegessen?“, fragte er kurz und knapp. Am liebsten hätte ich Vincent versichert, dass ich bereits gegessen hatte. Doch machte mir das tiefe Grummeln in meinem Bauch einen Strich durch die Rechnung; fast so als hätte er die Worte des jungen Mannes verstanden verstanden. Ich verdrehte die Augen und spielte mit den Enden der Strickjacke. „Nein.“, murmelte ich leise und blickte zu dem Braunhaarigen. Vielleicht hätte ich die Chance in meiner vorherigen Unterkunft gehabt, allerdings war er aufgetaucht und kurz darauf die Beißer. Die Zeit nach Konserven oder irgendetwas Essbaren zu suchen hatte ich nicht gehabt. Meine Augen ließ ich kurz darauf wieder durch den Raum wandern: ich wollte keines Falls aufdringlich wirken. Zum Ballast zu werden, war in meiner Situation keines Falls förderlich.
     

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