[RS] Gran Balsur

Dieses Thema im Forum "Rollenspiele" wurde erstellt von Ravenna, 13 Aug. 2016.

  1. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Sechsunddreißig, siebenunddreißig, achtunddreißig... Wenn er nicht zuerst seinen Umsatz steigert, lohnt es sich nicht, ihm einen Kredit zu gewähren. Ich saß über den Holztisch gebeugt, biss auf dem Kiel einer Feder herum und war mir nicht sicher, welches Gefühl in mir überwog: Das der Konzentration in Anbetracht der vielen Zahlen, oder das der abgrundtiefen Langeweile ob derselben. In den ersten Tagen war ich oft zusammengezuckt, wenn ich plötzlich eine Berührung an meinem Körper gespürt hattr; Theofanu vermochte es, leise wie ein Schatten hinter mir aufzutauchen. Jetzt stieß ich jedoch nur ein leises Seufzen aus, als wie aus dem Nichts ihre Finger durch mein Haar glitten. Sie berührte mich oft auf Arten und Weisen wie diese, nicht verführerisch, aber ständig präsent. Ich wusste, dass sie versuchte, mich mögen zu lernen, und dass sie recht daran tat in Anbetracht unserer baldigen Ehe. Ich wusste auch, dass ich es ihr manchmal sehr, sehr schwer machte. Vor allem in den Abendstunden, wenn es meine Pflicht gewesen wäre, mich zu ihr zu legen... So gut wie möglich kam ich allen Aufgaben nach, die meine neue Stellung mit sich brachte, aber diese Schuldigkeit konnte ich nicht erfüllen.
    "Igraine wartet auf dich."
    Ich schob die Permanente zur Seite, lehnte mich zurück. "Achja?"
    "Du hast ihr schon vor Wochen einen Ausritt versprochen. Es wird Zeit, ihn einzulösen. Außerdem wird die Pause dir auch guttun."
    Wenn es nur um sie gegangen wäre, hätte ich mich jetzt mit Theofanu gestritten. Es war der Gedanke an Igraines enttäuschte Miene, der mich nachgeben ließ.
    Ich hatte ein dünnes Fell über meine Schultern geworfen, um die Kälte auszusperren, nun breitete ich eine leichte Decke über Toraks Kruppe. Vielleicht war das unnötig, vermutlich sogar; er war den Norden gewöhnt, außerdem hatte es in diesen Tagen zum ersten Mal getaut. Aber mir war es zu kalt. Mir würde es hier immer zu kalt sein. Behände schwang ich mich auf den Rücken des Hengstes, um Igraine am Stall ihres Ponys abzuholen. Dem Tier war in den Kämpfen nichts passiert, den Göttern sei Dank. Leise klapperten Toraks Hufe auf dem Pflaster.
     
  2. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Der Anblick des kleinen zottigen Ponys hatte mich bereits an dem Tag auf dem Markt verwundert, bei meiner erneuten Zusammenkunft hatte ich lachen müssen. Es handelte sich um das freche Biest, welches mich aus dem noch eisigeren Norden in diese Stadt gebracht hatte. Es war damals noch jung gewesen, weniger zottig aber dafür Willensstark. Die kleine gescheckte Stute hatte mich so manches Mal in den Sand gesetzt, nur allzu willig hatte ich sie hinter mir gelassen als Queran mir Torak geschenkt hatte. Jetzt Ariene mit dem Pony zu sehen, es war seltsam. Sie trug das Schwert ihrer Mutter, ritt mein altes Pony - ob Igraine wusste das ein teil von mir all die Zeit bei ihr gewesen war? Zumindest schien das Alter Vernunft in das Pony gebracht zu haben, denn mit Igraine ging die Stute weitaus nachsichtiger um als zu meiner Zeit. Ich zählte die Jahre zurück, das Pony musste nun an die 20 Winter gesehen haben...ersichtlich älter als einige der Schlachtrösser. Eifrig sattelte Igraine ihre Stute, während ich im Hinterhof schon neben meinem Pferd stand, ein drückendes Gefühl in meiner Magengegend Maurdry bald gegenüber zu stehen. Ich hörte die Spötteleien der Wachen die ebenfalls im Hinterhof waren - natürlich. In ihrer Ansicht sollte ein Krieger nicht auf ein Kind aufpassen sollen...viele von ihnen stammten aus dem Süden. Ihre Frauen durften keine Waffen, manche mussten sich verschleiern, es gab sogar separate Frauengemächer. Die Frauen im Norden waren frei...und besonders an Igraine war ein Wirbelwind verloren gegangen. Die schmale Waffe wusste sie besser zu führen als ihre Mutter damals. Mit ihren 10 Jahren war sie fast ein wenig zu erwachsen. Ob das an der Magie lag?
    Dann wurden meine Gedanken abgelenkt, denn Hufgetrappel erfüllte den Hof. Ich wandte den Kopf. Das schwarze Tier schritt mit großen Schritten aus, seine Nüstern gebläht die Zügel sanft angenommen.Torak war schon immer ein imposantes Tier gewesen, mir blieb jedoch beinahe der Atem stocken beim Anblick seines Reiters. Obgleich seine südliche Herkunft ihm ohnehin eine dunklere Haut gegeben hatte als vielen der Nordländer, so sah er nun noch blasser aus. Das dünne Fell das über seine Schultern gelegt war fiel auch über die Kruppe von Torak, seine Hände waren eingepackt in Handschuhe. Sein Gesicht wirkte nahezu abgekämpft - wo war der stolze Krieger? Ich ahnte ihn irgendwo in den Gesichtszügen des jungen Mannes, der in diesem Monat um gut einige Jahre gealtert schien, wenn gleich seine Gestalt noch immer imposant war. Was hab ich ihm da nur angetan? Schoss es mir durch den Kopf. Natürlich...hätte ich ihm nicht Zugang zur Stadt verschafft, dann würde vielleicht ein anderer die Rolle des Stadthalters einnehmen müssen. Ich mühte mich zu einem Lächeln, war mir bewusst das es eher einer Grimasse gleichen musste. Die Bilder von Theofanu und ihm eng umschlungen in den Laken eines Bettes, wollten sich einfach nicht verschieben lassen. In nicht weniger als drei Tagen sollte die Hochzeit sein. Vielleicht sollte ich mit Igraine die Stadt verlassen, sie auf Reisen unterrichten. Dann würde ich nicht mit ansehen müssen wie der Bauch meiner Geliebten anschwoll, oder noch schlimmer hinter dem Rücken meines Lehnsherren in ihr Bett steigen. Es war bereits einmal geschehen..es würde wieder geschehen.
     
  3. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Ich hatte nicht gewusst, dass er da sein würde.
    Unwillkürlich schlossen sich meine Finger fester um Toraks Zügel, leicht setzte ich mich im Sattel zurück, zwei kleine Gesten, unbewusst meinerseits, die ausreichten, um den Hengst zum Halten zu bringen. Hatte mein Blick eben noch nachdenklich an den Strähnen von Toraks dunkler Mähne gehangen, so fixierte er sich nun auf Arviu, lag beinahe fassungslos auf ihm. Ich atmete ein. Ich atmete aus. Ein Moment verstrich. Ich wurde mir bewusst, dass mir die Lippen offen standen und schloss sie hastig, schluckte. Ich hatte wirklich nicht gewusst, dass er da sein würde. Sonst hätte ich Theofanus Aufforderung zu diesem Ritt niemals wahrgenommen. Sie hatte es gewusst. Bei den Göttern, diese...! "Maurdry!" Igraines Stimme riss mich aus meiner Schockstarre, nach kurzem Zögern ließ ich Torak wieder angehen und auf die beiden zu. "Ich grüße euch, Igraine, Ar...Ruvrik." Wie sollte ich ihm gegenübertreten? Was sagen, was tun? War es an mir, mich zu rechtfertigen, gar zu entschuldigen? Ich wollte ihm so vieles sagen. Dass ich ihm seine Frau nicht hatte nehmen wollen, das vor allen Dingen, und auch nicht seine Tochter - Ihre zwei Väter nannte sie uns, dabei wollte ich das doch gar nicht, ich wollte kein Vater sein, niemandes, ich war viel zu jung dafür, ich war doch nur ein Junge, mit der Eroberung dieser Stadt hatte ich in den Augen meines Vaters zum Mann werden wollen, doch nur in einer Hinsicht hatte es funktioniert, ich fühlte mich alt, unglaublich alt, und unglaublich müde... Tagelang hatte ich nach den richtigen Worten gesucht, sie vor dem Spiegel geübt und wieder verworfen. Und letztendlich war die einfachste - und feigste - Lösung gewesen, mich zur Gänze von Arviu fernzuhalten. Das hatte ich nun davon. Ihm plötzlich gegenüberzustehen warf mich völlig aus dem Konzept. Fahrig ließ ich die hellen Augen über Igraine wandern, über ihr Pony, über Arvius Pferd, überall hin, nur nicht zu ihm, und... "Das ist ja mein Pferd." Meine Stimme klang tonlos, aum merklich schoben sich meine Augenbrauen zusammen. Ich hatte nicht damit gerechnet, die Stute jemals lebendig wiederzusehen. Nicht, dass es mich gestört hätte. Sie war zu nervös für den Krieg und vertrug den Geruch von Blut nicht. Aber das war gerade das einzige, auf das ich meine Gedanken richten konnte, ohne vor Nervosität rücklings von Toraks Rücken zu rutschen.
     
  4. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Ich wollte gerade auf seinen Gruß reagieren. Seine offensichtliche Abneigung gegenüber mir traf mich, der Herd an Wut der sich ohnehin in meiner Magengegend gebildet hatte, verknotete sich noch enger. Mit einem kleinen Teil meiner Wahrnehmung sah ich aber auch die stumme Verzweiflung in seinem Blick. In dem Augenblick da sich seine Augen auf mich gelegt hatten wollte er diesen Hof wieder verlassen. Die Bemerkung über sein Pferd lockerte die Stimmung ein wenig auf. Ein gestelltes Lächeln stahl sich mir auf die Lippen."Ich fand sie am Fluss an einen Ast gebunden. Da ihr den schwarzen Hengst nun euer nennen könnt, dachte ich es sei nur fair mir eure schnelle Stute zu nehmen." ich wollte noch etwas anfügen als ich ein freudiges Kreischen hinter mir vernahm. Igraines Freundin schien angekommen zu sein. Die zwei Jahre ältere Eleni trug ein Kleid, ihr Haar sitsam im Nacken zusammen gebunden. Ihr Pony war eine schmale Schimmelstute die brav hielt als ihre Herrin dies verlangte. Sie saß in einem Damensattel, aufrecht. In diesem Anblick war sie ganz anders als die quirlige Igraine. Was hatte sie zu einer Freundschaft bewoben? Igraine lief auf sie zu umarmte Eleni, nur um dann freudig zu ihrem eigenen Pferd zu laufen. Behende und mit Anlauf schwang sie sich auf dessen Rücken, brachte das Pony auf Höhe ihrer Freundin. So verließen sie den Hof. Ich selbst beeilte mich auf den Rücken meiner Stute zu kommen, lenkte die Stute in einem flotten Trab auf Höhe von Maurdry. Ich wusste nicht was ich sagen sollte also schwieg ich einfach. Wir folgten der Hauptstraße hinunter zum Stadttor an dem wir nicht aufgehalten wurden. Als wir die Gassen der Stadt verlassen hatten schien mir die Sonne ungehindert ins Gesicht, ich drehte den Kopf nach oben schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Die Last auf meinen Schultern wurde etwas weniger, immer wenn ich die Stadt verließ. Ich vermisste das Reisen.... nicht das Kämpfen aber das an einem Ort verweilen hatte mir nie sonderlich gut getan. "Wie ergeht es dir als Stadthalter?" irgendwie musste ja schließlich ein Gespräch in Gange kommen.
     

Diese Seite empfehlen