[RS] Gran Balsur

Dieses Thema im Forum "Rollenspiele" wurde erstellt von Ravenna, 13 Aug. 2016.

  1. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Sechsunddreißig, siebenunddreißig, achtunddreißig... Wenn er nicht zuerst seinen Umsatz steigert, lohnt es sich nicht, ihm einen Kredit zu gewähren. Ich saß über den Holztisch gebeugt, biss auf dem Kiel einer Feder herum und war mir nicht sicher, welches Gefühl in mir überwog: Das der Konzentration in Anbetracht der vielen Zahlen, oder das der abgrundtiefen Langeweile ob derselben. In den ersten Tagen war ich oft zusammengezuckt, wenn ich plötzlich eine Berührung an meinem Körper gespürt hattr; Theofanu vermochte es, leise wie ein Schatten hinter mir aufzutauchen. Jetzt stieß ich jedoch nur ein leises Seufzen aus, als wie aus dem Nichts ihre Finger durch mein Haar glitten. Sie berührte mich oft auf Arten und Weisen wie diese, nicht verführerisch, aber ständig präsent. Ich wusste, dass sie versuchte, mich mögen zu lernen, und dass sie recht daran tat in Anbetracht unserer baldigen Ehe. Ich wusste auch, dass ich es ihr manchmal sehr, sehr schwer machte. Vor allem in den Abendstunden, wenn es meine Pflicht gewesen wäre, mich zu ihr zu legen... So gut wie möglich kam ich allen Aufgaben nach, die meine neue Stellung mit sich brachte, aber diese Schuldigkeit konnte ich nicht erfüllen.
    "Igraine wartet auf dich."
    Ich schob die Permanente zur Seite, lehnte mich zurück. "Achja?"
    "Du hast ihr schon vor Wochen einen Ausritt versprochen. Es wird Zeit, ihn einzulösen. Außerdem wird die Pause dir auch guttun."
    Wenn es nur um sie gegangen wäre, hätte ich mich jetzt mit Theofanu gestritten. Es war der Gedanke an Igraines enttäuschte Miene, der mich nachgeben ließ.
    Ich hatte ein dünnes Fell über meine Schultern geworfen, um die Kälte auszusperren, nun breitete ich eine leichte Decke über Toraks Kruppe. Vielleicht war das unnötig, vermutlich sogar; er war den Norden gewöhnt, außerdem hatte es in diesen Tagen zum ersten Mal getaut. Aber mir war es zu kalt. Mir würde es hier immer zu kalt sein. Behände schwang ich mich auf den Rücken des Hengstes, um Igraine am Stall ihres Ponys abzuholen. Dem Tier war in den Kämpfen nichts passiert, den Göttern sei Dank. Leise klapperten Toraks Hufe auf dem Pflaster.
     
  2. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Der Anblick des kleinen zottigen Ponys hatte mich bereits an dem Tag auf dem Markt verwundert, bei meiner erneuten Zusammenkunft hatte ich lachen müssen. Es handelte sich um das freche Biest, welches mich aus dem noch eisigeren Norden in diese Stadt gebracht hatte. Es war damals noch jung gewesen, weniger zottig aber dafür Willensstark. Die kleine gescheckte Stute hatte mich so manches Mal in den Sand gesetzt, nur allzu willig hatte ich sie hinter mir gelassen als Queran mir Torak geschenkt hatte. Jetzt Ariene mit dem Pony zu sehen, es war seltsam. Sie trug das Schwert ihrer Mutter, ritt mein altes Pony - ob Igraine wusste das ein teil von mir all die Zeit bei ihr gewesen war? Zumindest schien das Alter Vernunft in das Pony gebracht zu haben, denn mit Igraine ging die Stute weitaus nachsichtiger um als zu meiner Zeit. Ich zählte die Jahre zurück, das Pony musste nun an die 20 Winter gesehen haben...ersichtlich älter als einige der Schlachtrösser. Eifrig sattelte Igraine ihre Stute, während ich im Hinterhof schon neben meinem Pferd stand, ein drückendes Gefühl in meiner Magengegend Maurdry bald gegenüber zu stehen. Ich hörte die Spötteleien der Wachen die ebenfalls im Hinterhof waren - natürlich. In ihrer Ansicht sollte ein Krieger nicht auf ein Kind aufpassen sollen...viele von ihnen stammten aus dem Süden. Ihre Frauen durften keine Waffen, manche mussten sich verschleiern, es gab sogar separate Frauengemächer. Die Frauen im Norden waren frei...und besonders an Igraine war ein Wirbelwind verloren gegangen. Die schmale Waffe wusste sie besser zu führen als ihre Mutter damals. Mit ihren 10 Jahren war sie fast ein wenig zu erwachsen. Ob das an der Magie lag?
    Dann wurden meine Gedanken abgelenkt, denn Hufgetrappel erfüllte den Hof. Ich wandte den Kopf. Das schwarze Tier schritt mit großen Schritten aus, seine Nüstern gebläht die Zügel sanft angenommen.Torak war schon immer ein imposantes Tier gewesen, mir blieb jedoch beinahe der Atem stocken beim Anblick seines Reiters. Obgleich seine südliche Herkunft ihm ohnehin eine dunklere Haut gegeben hatte als vielen der Nordländer, so sah er nun noch blasser aus. Das dünne Fell das über seine Schultern gelegt war fiel auch über die Kruppe von Torak, seine Hände waren eingepackt in Handschuhe. Sein Gesicht wirkte nahezu abgekämpft - wo war der stolze Krieger? Ich ahnte ihn irgendwo in den Gesichtszügen des jungen Mannes, der in diesem Monat um gut einige Jahre gealtert schien, wenn gleich seine Gestalt noch immer imposant war. Was hab ich ihm da nur angetan? Schoss es mir durch den Kopf. Natürlich...hätte ich ihm nicht Zugang zur Stadt verschafft, dann würde vielleicht ein anderer die Rolle des Stadthalters einnehmen müssen. Ich mühte mich zu einem Lächeln, war mir bewusst das es eher einer Grimasse gleichen musste. Die Bilder von Theofanu und ihm eng umschlungen in den Laken eines Bettes, wollten sich einfach nicht verschieben lassen. In nicht weniger als drei Tagen sollte die Hochzeit sein. Vielleicht sollte ich mit Igraine die Stadt verlassen, sie auf Reisen unterrichten. Dann würde ich nicht mit ansehen müssen wie der Bauch meiner Geliebten anschwoll, oder noch schlimmer hinter dem Rücken meines Lehnsherren in ihr Bett steigen. Es war bereits einmal geschehen..es würde wieder geschehen.
     
  3. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Ich hatte nicht gewusst, dass er da sein würde.
    Unwillkürlich schlossen sich meine Finger fester um Toraks Zügel, leicht setzte ich mich im Sattel zurück, zwei kleine Gesten, unbewusst meinerseits, die ausreichten, um den Hengst zum Halten zu bringen. Hatte mein Blick eben noch nachdenklich an den Strähnen von Toraks dunkler Mähne gehangen, so fixierte er sich nun auf Arviu, lag beinahe fassungslos auf ihm. Ich atmete ein. Ich atmete aus. Ein Moment verstrich. Ich wurde mir bewusst, dass mir die Lippen offen standen und schloss sie hastig, schluckte. Ich hatte wirklich nicht gewusst, dass er da sein würde. Sonst hätte ich Theofanus Aufforderung zu diesem Ritt niemals wahrgenommen. Sie hatte es gewusst. Bei den Göttern, diese...! "Maurdry!" Igraines Stimme riss mich aus meiner Schockstarre, nach kurzem Zögern ließ ich Torak wieder angehen und auf die beiden zu. "Ich grüße euch, Igraine, Ar...Ruvrik." Wie sollte ich ihm gegenübertreten? Was sagen, was tun? War es an mir, mich zu rechtfertigen, gar zu entschuldigen? Ich wollte ihm so vieles sagen. Dass ich ihm seine Frau nicht hatte nehmen wollen, das vor allen Dingen, und auch nicht seine Tochter - Ihre zwei Väter nannte sie uns, dabei wollte ich das doch gar nicht, ich wollte kein Vater sein, niemandes, ich war viel zu jung dafür, ich war doch nur ein Junge, mit der Eroberung dieser Stadt hatte ich in den Augen meines Vaters zum Mann werden wollen, doch nur in einer Hinsicht hatte es funktioniert, ich fühlte mich alt, unglaublich alt, und unglaublich müde... Tagelang hatte ich nach den richtigen Worten gesucht, sie vor dem Spiegel geübt und wieder verworfen. Und letztendlich war die einfachste - und feigste - Lösung gewesen, mich zur Gänze von Arviu fernzuhalten. Das hatte ich nun davon. Ihm plötzlich gegenüberzustehen warf mich völlig aus dem Konzept. Fahrig ließ ich die hellen Augen über Igraine wandern, über ihr Pony, über Arvius Pferd, überall hin, nur nicht zu ihm, und... "Das ist ja mein Pferd." Meine Stimme klang tonlos, aum merklich schoben sich meine Augenbrauen zusammen. Ich hatte nicht damit gerechnet, die Stute jemals lebendig wiederzusehen. Nicht, dass es mich gestört hätte. Sie war zu nervös für den Krieg und vertrug den Geruch von Blut nicht. Aber das war gerade das einzige, auf das ich meine Gedanken richten konnte, ohne vor Nervosität rücklings von Toraks Rücken zu rutschen.
     
  4. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Ich wollte gerade auf seinen Gruß reagieren. Seine offensichtliche Abneigung gegenüber mir traf mich, der Herd an Wut der sich ohnehin in meiner Magengegend gebildet hatte, verknotete sich noch enger. Mit einem kleinen Teil meiner Wahrnehmung sah ich aber auch die stumme Verzweiflung in seinem Blick. In dem Augenblick da sich seine Augen auf mich gelegt hatten wollte er diesen Hof wieder verlassen. Die Bemerkung über sein Pferd lockerte die Stimmung ein wenig auf. Ein gestelltes Lächeln stahl sich mir auf die Lippen."Ich fand sie am Fluss an einen Ast gebunden. Da ihr den schwarzen Hengst nun euer nennen könnt, dachte ich es sei nur fair mir eure schnelle Stute zu nehmen." ich wollte noch etwas anfügen als ich ein freudiges Kreischen hinter mir vernahm. Igraines Freundin schien angekommen zu sein. Die zwei Jahre ältere Eleni trug ein Kleid, ihr Haar sitsam im Nacken zusammen gebunden. Ihr Pony war eine schmale Schimmelstute die brav hielt als ihre Herrin dies verlangte. Sie saß in einem Damensattel, aufrecht. In diesem Anblick war sie ganz anders als die quirlige Igraine. Was hatte sie zu einer Freundschaft bewoben? Igraine lief auf sie zu umarmte Eleni, nur um dann freudig zu ihrem eigenen Pferd zu laufen. Behende und mit Anlauf schwang sie sich auf dessen Rücken, brachte das Pony auf Höhe ihrer Freundin. So verließen sie den Hof. Ich selbst beeilte mich auf den Rücken meiner Stute zu kommen, lenkte die Stute in einem flotten Trab auf Höhe von Maurdry. Ich wusste nicht was ich sagen sollte also schwieg ich einfach. Wir folgten der Hauptstraße hinunter zum Stadttor an dem wir nicht aufgehalten wurden. Als wir die Gassen der Stadt verlassen hatten schien mir die Sonne ungehindert ins Gesicht, ich drehte den Kopf nach oben schloss die Augen und atmete tief ein und aus. Die Last auf meinen Schultern wurde etwas weniger, immer wenn ich die Stadt verließ. Ich vermisste das Reisen.... nicht das Kämpfen aber das an einem Ort verweilen hatte mir nie sonderlich gut getan. "Wie ergeht es dir als Stadthalter?" irgendwie musste ja schließlich ein Gespräch in Gange kommen.
     
  5. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Das Lächeln in seinem Gesicht wirkte nicht echt, dennoch nahm ich es als solches hin, zwang ein Ähnliches auf meine Lippen. Das alles hier, begriff ich, war für Arviu genauso schwer wie für mich. "Du hast dein gutes Recht in Anspruch genommen", nickte ich, die flinke Stute betreffend, die Arviu für sich beansprucht hatte. Da Ihr den schwarzen Hengst nun Euer nennen könnt, sagte er. Ich hatte Arviu versprochen, dass ich ihm Torak zurückgeben würde, sobald das alles hier vorbei war. Nun fragte ich mich unwillkürlich, ob es jemals vorbei sein würde.
    Die freudige Begrüßung der beiden Mädchen unterbrach das erzwungene Gespräch, ich war mir nicht sicher, ob ich darüber dankbar oder enttäuscht sein sollte. Quirlig und voller Energie und Vorfreude schlugen die beiden auf ihren Ponies sogleich den Weg vom Hof und kurz darauf aus der Stadt hinaus ein. Arviu ritt neben mir, die erste Zeit legten wir schweigend zurück. Die Sonne schien in mein Gesicht, der schmelzende Schnee schmatzte unter Toraks Hufen. Wie es mir als Statthalter erging, wollte er wissen. Ich unterdrückte ein Seufzen. "Bitte frag mich das nicht." Zu sagen, dass es mich gut ging, wäre eine glatte Lüge; zu sagen, dass der Posten mir missfiel, reine Undankbarkeit. Immerhin hatte ich ihn Arviu zu verdanken. Vielleicht hatte mein Vater recht damit, dass ich eine verdammte Memme war, aber beim Anblick der zwei Kinder, die fröhlich auf ihren Ponies voran ritten, sank mein Herz schwer wie ein Stein in meine Magengegend hinab. Ich vermisste es, so jung und frei und unbesorgt zu sein wie sie. Und ich vermisste meine Geschwister, an die mich die beiden erinnerten. "Ich wollte mit dir reden, Arviu, aber ich wusste nicht, wie. Ich habe... In der Zeit deiner Genesung habe ich Entscheidungen über deinen Kopf hinweg getroffen, und ich hoffe, dass du sie mir nicht übel nimmst." Mein Blick ging geradeaus, ich schaffte es nicht, den anderen Mann anzusehen. Meine Finger verkrampften sich um Toraks Zügel, meine Knie an seinem Leib, und der Hengst tänzelte unter dieser verwirrenden Hilfengebung.
     
  6. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Ich konnte den Mann neben mir nicht lesen, sein Gesicht war von mir abgewandt, was ich jedoch sehr wohl lesen konnte war mein Hengst. In der Nähe von Stuten hatte sich Torak nie sonderlich aufgeregt, jetzt jedoch tänzelte er ein wenig nach vorn seitlich, bog den Hals weit auf. Verkrampfte Finger am anderen Ende der Zügel waren oft ein Hinweis darauf. Seine Antowert überraschte mich nicht, seine blasse Haut war also nicht allein auf seine Abwesenheit in der Stadt Zurückzuführen.
    Tat er mir Leid? Irgendwie schon...Hatte ich ihm verziehen meine Geliebte als Frau genommen zu haben? "Du hast sie über meinen Kopf hinweg getroffen. Allerdings..." ich verstummte sammelte kurz meine Worte. "Doch irgendwie kann ich deine Entscheidung verstehen, Theofanu ist dein Schlüssel zur Stadt gewesen. Sie ist in der Lage dir noch Nachkommen zu schenken. Zumal es sicherlich nicht nur dein Einfall war, Theofanu ist willensstark und stur. Ich selbst habe ihr selten etwas abschlagen können." mein herz schlug mir dabei bis an die Brust, denn eigentlich kochte wieder Wut in mir auf. ihc hielt meinen Blick also nach vorn gerichtet auf die sich stetig bewegenden Hinterteile der Ponys. Manches Mal drehte sich Igraine verstohlen um, während sie dem geplapper der älteren zu hörte. Wieder schweigen zwischen uns....ein richtiges Gespräch schien zwischen uns nicht wirklich zu funktionieren. Hatte ich endgültig meinen Willen nach Glück im Leben verspielt? "Es tut mir Leid....ich glaube wir sollten darüber nicht sprechen. Das drückt nur die Stimmung. Hast du Neuigkeiten aus dem Rest des Landes? Gibt es noch jemanden der Widerstand leistet?"
     
  7. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Nicht nur mein Einfall, das sagte er so leicht dahin. Nein, beim besten Willen, es war nicht nur mein Einfall gewesen, im Gegenteil, genauer gesagt war es keineswegs auch nur ansatzweise mein Einfall gewesen, und noch viel weniger mein Wille. Nachkommen, bei den Göttern, ich wollte keine Nachkommen von Theofanu, ich teilte ja nicht einmal das Bett mit ihr, ich hatte das doch alles nur für die Stadt getan. Das alles ging mir im Kopf herum und noch so vieles mehr, nichts davon sprach ich aus. Arviu könnte es missverstehen, er könnte denken, dass ich mich nur beschwerte, statt dankbar zu sein für die Stellung und die Ehre, die mir zuteil wurde, oder stolz; oder dass meine Worte sich gegen Theofanu richteten, sie als Frau abwerteten, die es nicht wert war, mir des Nachts Gesellschaft zu leisten, dabei lag mir nichts ferner, als auch nur irgendetwas Schlechtes gegen diese Frau zu sagen. Vielleicht war es besser, dass Arviu von selbst so schnell da Thema wechselte. Vielleicht ersparte er uns beiden jede Menge Schmerz und Missverständnisse. Ich atmete tief ein und aus.
    "Die Schlacht bei Karkás hat sich vor wenigen Tagen zu Gunsten der Südmannen entschieden", berichtete ich ruhig, ganz der Geschäftsmann, zu dem ich in den letzten Wochen geworden war. Ich müsse mein Temperament zügeln, hatte Theofanu immer wieder gesagt, das südliche Feuer in mir bändigen, denn mit lauten Worten und einem schnell gezogenen Schwert führte man keine Verhandlungen. Ich gab mir Mühe, doch leicht war das nicht für mich - Stets brodelte die Flamme dicht unter der Oberfläche, wartete nur darauf, freigelassen zu werden und wurde drängender mit jedem Tag, an dem ich sie unterdrückte. "Und auch die Belagerung von Izeldir hat ein Ende gefunden, man hat sich dem Süden ergeben. Euer Land ist besiegt, Arviu." Meine Oberlippe zuckte, die Anspannung bebte in meinen Schultern. "Es war in erster Linie ziemlich leichtsinnig, sich überhaupt mit uns anzulegen." In meinen Gedanken stieß Theofanu ein zentnerschweres Seufzen aus. Ach, Maurdry. Musstest du das jetzt sagen?
     
  8. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Mir waren die schroffen Berge im Kopf, die Nadelspitzen Grate die sich vor einem auftaten, wenn man Izeldir vor sich hatte. Dort befand sich seit Jahrhunderten die ertragreichste Erzmine des Nordens, damit hatte man einen wichtigen Schlag erlagt. Wie viele Menschen sich jetzt wohl in dem Geflecht aus Minen verbargen? Die Schlacht bei Karkás war keine neue Nachricht für ich...unweit dieser Stadt hatte ich meine Kindheit der ersten Jahre verbracht, dort stand die Festung Gran Balsur. Meine süße Schwester hatte in den Gärten des Palastes gespielt. Hatte sie dort auch ihr Leben gelassen? Sie war nur meine Halbschwetsre gewesen, doch trotzdem hatte ich stets eine besondere Verbindung mit ihr gehabt. In gewisserweise erinnerte mich Igraine an sich. Ich musste schwer, sehr schwer Schlucken bei dem Gedanken an ihren Tod. Euer Land ist besiegt, Arviu "Mein Land....ist es das?" flüsterte ich, während ich auf den Horizont starrte...Ozean erstreckte sich zu meiner rechten, die Sonne schien wärmend auf mich herab...ich spürte die herrschende Kälte kaum. Die Augen besaß ich wie jemand aus dem Norden, meine Haut jedoch? Ein Erbe meiner Mutter. Nie hatte ich mich verlorener gefühlt als ich den vergangenen Wochen...ruhelos, gebrochen. Dieser Krieg hatte mich auf eine Weise verändert, die Lügen auf denen mein Leben basierte. War ich je ein treuer Nordmann gewesen? Hatte nicht mein Herz auch für die warmen Wüsten geschlagen? Die Hitze die des Tages auf einen herein brach, die Kälte die sich in der Nacht breit zu machen pflegte. Tagelang nichts als Sand zu sehen, die Oasen jedoch kleine Paradiese in der unnahbaren Natur? Auch das hatte ich geliebt. Ich schloss die Augen, reckte meine Nase der Sonne entgegen, ich spürte die feuchte einer Träne auf der Wange. "Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. Vor Jahrhunderten schonmal herrschte in diesem Land Einheit, dann teilte es sich...bis mein Land versuchte die Herrschaft an sich zu reißen, nur um eine Niederlage einzustecken. Ist es mein Land? Ich teile sowohl das Blut des Nordens als das des Südens...auf meinen Reisen fühlte ich mich überall geborgen." ich öffnete die Augen wieder, deutete wage nach vorn zu Igraine. "Der Krieg hat einen langen Arm, noch Jahre später vermag er sich seine Opfer zu holen. Ich wünschte ich könnte Igraine für immer vor den Schrecken eines Krieges bewahren. Ich glaube nicht daran das der Norden sich nie wieder erheben wird...dazu sind die Menschen zu stolz, andere zu Machthungrig." ich seufzte "Der Süden muss behutsam vorgehen....vielleich hat Theofanu Recht....Verbindungen mit Hochzeiten könnten aus diesem Land tatsächlich eines machen. Beide Länder haben ihre Vorteile...als EIN Land, könnten wir viel mehr erreichen. " Ursprünglich hatte ich von meinen Plänen erzählen wollen diese Stadt zu verlassen, aber noch fühlte ich mich nicht bereit dazu. Vielleicht später.
     
  9. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Dieses dramatische Gerede! Am liebsten hätte ich Arviu von der dummen Stute geschubst. Er war so ekelhaft melancholisch, dass es mich förmlich wütend machte. Ich verstand ja, dass die letzten Wochen nicht leicht für ihn gewesen waren, aber, bei den Göttern, auch mich hatten sie aufgewühlt, verwirrt, vielleicht sogar gebrochen. Auch ich hatte Entscheidungen treffen müssen, die ich nicht treffen wollte, und Dinge tun müssen, die ich nicht tun wollte. Und mit jedem Tag war die unterdrückte Flamme in mir größer und heißer geworden. Wie also konnte Arviu nur so ruhig sein, während es in mir brodelte, während in mir alles danach schrie, das drängende Feuer endlich freilassen zu können?
    "Und nur die Toten werden das Ende des Krieges sehen", erwiderte ich bissig. "Es liegt in der Natur des Mannes, zu kämpfen. Wir werden von Kindesbeinen an zu Kriegern erzogen. Du und ich, und vor uns unsere Väter, und nach uns unsere Söhne ebenso." Schön für Arviu, wenn er sich beiden Ländern verbunden fühlte. Bei mir sah das anders aus und daran änderten weder meine neugewonnene Stellung hier noch die bevorstehende Heirat mit Theofanu etwas. "Also hör auf, zu jammern. Das hilft niemandem weiter. Auch Igraine nicht." Ich war ein Mann des Südens, unumstößlich. Oder? Wenn man mich fragte, dann schon. Wenn mir jemand Fremdes ins Gesicht sah, das wusste ich, so sahen sie nur meine Augen, die denen der Nordmänner viel zu sehr ähnelten. Wenn es eines gäbe, was ich an mir ändern könnte... Kaum zu glauben, wie viel so etwas wie die eigene Augenfarbe anrichten konnte. Sie hatte meine Familie zerrüttert, und mein Schicksal zum Negativen verkehrt. Mit gottverdammten braunen Augen wäre ich jetzt nicht einmal hier, bei den Göttern. "Es ist mir egal, ob das Land sich jemals wirklich vereinigen wird oder ob es für alle Zeiten im Krieg versinkt. Es ist mir alles egal. Ich will einfach nur nach Hause." Wütend und frustriert schlug ich die Fersen in Toraks Seite. Der Hengst galoppierte völlig perplex mit einem unwilligen Buckeln an, erst einige Sprünge später hatte ich ihn wieder an der Hand und parierte ihn zum Trab. Mein Schwert scharrte leise, als ich es aus der Scheide zog; patzig schlug ich mit der Klinge in den nächstbesten Busch, ließ kleine Äste und welke Blätter zu Boden rieseln.
    Nach Hause also, ja, Maurdry? Und wo, denkst du, ist das?
     
  10. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu

    Dieses Land war ihm also egal? Wieso hatte er dann seinen so heiß geliebten Süden also verlassen? Natürlich wusste ich das ein Jammern nichts bringen würde, am aller wenigsten Igraine. Aber er hatte seine Familie nur verlassen müssen, sie war nicht getötet worden. Enthauptet und ihre Köpfe auf Spießen dem Volk präsentiert worden. Ich hätte dort vielleicht mit ihnen hängen sollen. Stattdessen hatte ich diesem Idioten dazu verholfen meine Heimat zu besetzten. Die Wut die sich in all den Wochen angesammelt hatte brodelte auf, auch ich kannte das Temperament des Südens...doch der Winter in mir hatte es stets gut abkühlen können, doch dieser Mann schaffte es immer wieder mich zu brodeln zu bringen. Als Torak so plötzlich nach vorn preschte scheute die Stute, kam ein wenig von der Straße ab, strauchelte ein wenig. Noch in ihrer Bewegung sprang ich aus dem Sattel, hörte und sah aus dem Winkel meiner Augen wie Maurdry auf den Busch einschlug.
    Schneller als ich es vielleicht beabsichtigt hatte befanden sich meine Dolche in meiner Hand und ein pfiff auf meinen Lippen. Ein Pfiff der Torak dazu veranlasste, noch auf der Hinterhand zu drehen und auf mich zu zu kommen. Noch in der Drehung des Hengstes durchschnitt ich den Gurt der den Sattel hielt. Maurdry als erfahrener Reiter gelang es nicht komplett hin zu fallen. Ich entging seinem Schwertstreich nur allzu leicht, da er sich erst von dem Sattel befreien musste. Anschließend jedoch folgten einige schnelle Paraden, die ich zu blocken vermochte. "Wenn du dieses Land als so schrecklich empfindest, wieso bist du dann überhaupt noch hier? Wieso hast du dich auf die Heirat mit Theofanu eingelassen! Sie war dir wahrscheinlich nur allzu willig in eurem Bett" natürlich war sie das...sie war schon immer Pflichterfüllend gewesen, denn von jeglicher Art der Gefühle konnte bei Maurdry wohl nicht die Rede sein.
     
  11. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Ich hatte das Scheuen der dummen Stute nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen, Arviu war ein guter Reiter, so etwas würde ihn nicht zu Fall bringen, und Torak war ein nervenstarkes Pferd, das gefährlichere Situationen kannte, als dass es sich von einer hysterischen Artgenossin aus der Ruhe bringen lassen würde. Dachte ich zumindest. Letztendlich jedoch war es nur die simple Macht der Gewohnheit, die Knie stets so eng am Pferdekörper zu halten, dass auch eine plötzliche Wendung mich nicht aus dem Gleichgewicht bringen konnte, die mich in diesem Moment vor dem Sturz rettete, als der Hengst plötzlich auf der Stelle kehrt machte, und es dauerte einen Moment des Schrecks, bis ich begriffen hatte, dass diese Regung Arvius Pfeifen zu verdanken war - Ein Moment zu lang, denn da hatte der andere Mann schon nach seinem Dolch gegriffen und den Sattelgurt durchtrennt. Mit einem unwirschen Fluch auf den Lippen rutschte ich vom Rücken des dunklen Hengstes, gerade geistesgegenwärtig genug, die Schneide meines Schwertes von seinem Körper abzuwenden. So vorsichtig ich in diesem Moment gewesen war, so unbarmherzig schlug ich einen Atemzug später schon damit nach Arviu.
    Ein, zwei, drei Hiebe parierte er ohne Anstrengung, doch jetzt war mein Kampfgeist erst wirklich erwacht. Bis zu diesem Moment war ich mir nicht einmal bewusst gewesen, wie sehr ich es in den letzten Wochen vermisst hatte, ein Schwert auch nur in Händen zu halten, geschweigedenn zu schwingen. Griffig und von angenehmem Gewicht lag es nun in meiner Hand, wie einen Teil meines eigenen Körpers führte ich es voller Selbstverständlichkeit. Angriff von rechts, Parade mit der Rückhand, eine schnelle Drehung und ein geschickter Hieb auf Kniehöhe. "Ist das alles, worüber du dir wirklich Sorgen machst? Geht es insgeheim die ganze Zeit nur darum?!" Noch in der Bewegung griff ich mit der freien Hand an meinen Hals, ließ den schweren Wollumhang zu Boden fallen, mit dem ich beim Reiten die Kälte auszusperren versucht hatte, wechselte das Schwert mitten im Schlag von der Rechten in die Linke und zog mir mit den Zähnen den Handschuh von den Fingern, ehe ich die Waffe wieder richtig griff und Arvius Gegenhieb parierte. "Du hast ein Kind mit Theofanu, bei den Göttern, Arviu, ich -" Ausfallschritt, ich duckte mich unter seinem Streich hindurch und zielte auf seine ungeschützte rechte Seite, "- ich ficke deine Frau nicht, für wen hältst du mich denn?" Die ersten Schweißperlen sammelten sich in meinem Nacken, zum ersten Mal seit Langem hatte ich das Gefühl, mir sei in dieser eisigen Landschaft endlich einmal wieder warm. Und wie gut es tut, endlich einmal alles herauszulassen! Das hier, das konnte ich, darin war ich gut, dafür war ich gemacht, nicht zum Führen einer Stadt, und dieser Gedanke spornte mich nur noch mehr an.
     
  12. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Lügen, alles Lügen! Er sah weder aus wie jemand der auf die Vorzüge einer Frau verzichtete, noch schätze ich ihn dazu ein. Allerdings musste ich mir eingestehen das er ein Mann der Ehre war, wie ungezähmt sein Temperament auch war. Ein kleiner, der klügere Teil meines Verstandes wusste, Maurdry sprach die Wahrheit. Aber wenn er sie nicht in sein Bett geführt hatte, wieso war er dann überhaupt für eine Hochzeit gewesen? "Dann hast du der Heirat also nur zugestimmt um deinen südlichen Arsch zu retten?!" Als er einen Schlag nach oben vollführte um Sunoras Schlag auf den Kopf zu parieren, kam Morgis zu einem Angriff am Oberschenkel. Durch das Spiel auf zwei verschiedenen Bühnen, wurde ich selbst unachtsamer. Maurdry zog mir mit einer geschickten Drehung das Ende des Schwertes an der Schulter entlang. Ich bis die Zähne auf einander, setzte beide Langdolche nun gemeinsam ein, drängte ihn vor mir her mit heftigen Schlägen. Ich war nach wie vor Wütend, doch die Wut vernebelte mir nicht die Sinne. Trotzdem entging mir nicht das Maurdry ein exzellenter Kämpfer war. Es hatte bisher nur wenige Männer gegeben, die mir ebenbürtig waren...Maurdry schien einer dieser wenigen zu sein. Ging es mir mit diesem Kampf nur darum das er mit Theofanu das Bett teilte (oder eben auch nicht) , oder worum eigentlich? Im Grunde war ich neidisch...auf seine Position, am meisten jedoch da seine verdammte Anwesenheit....durch diesem gesamten Krieg mein Leben wie ich es gewohnt war vorbei war. In Maurdry kristallisierte sich einfach jemand den ich für diesen Krieg verantwortlich machen konnte...seine Worte erzürnten mich. Ich war doch kein Vieh das nur erzogen worden war um in irgend einem Krieg zu sterben!
     
  13. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Ich hörte die aufgeregte Stimme von Igraines Freundin, ohne ihre Worte zu verstehen. Ich hatte jetzt keinen Blick für die beiden Mädchen übrig, sie sollten sich heraushalten, alles andere war mir in diesem Moment egal, aber Igraine war klug, sie würde begreifen, was hier gerade geschah. Vielleicht würden sie die Pferde einfangen, Torak und die dumme Braune, die vermutlich in ihrer Scheu weggelaufen war.
    "Um meinen Arsch zu retten?!" Ich war Arvius Sündenbock in diesem Augenblick, ich wusste es, ich kannte das Gefühl schon, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, für das ich eigentlich gar nichts konnte, mein Vater hatte es mich ein Leben lang spüren lassen. "Um die verdammte Stadt zu retten! Sie hätten mir alleine nicht -" Ich wich gerade so einem Hieb von Arvius Dolch aus, fluchte, "Sie hätten mir alleine niemals vertraut!" Ich war nur ein Fremder für die Bürger der Stadt gewesen, ein Feind, und nicht zuletzt der Sohn meines Vaters, der sie so schändlich geplündert hatte. Sie hätten mir niemals die Macht überlassen. Ohne mich jedoch hätte der Süden sie niedergerannt, die Stadt völlig beansprucht und das normale Leben, das jetzt so unbeeindruckt weiterlief, aus allen Bahnen geworfen. Gewiss, meine Anwesenheit hatte scheinbar keine Vorteile für die Menschen hier, aber dass meine Abwesenheit nur Nachteile gebracht hätte, das begriffen sie nicht, oder vielleicht wollten sie es auch einfach nicht begreifen. Und Arviu? Verstand auch er das nicht, war auch er so dumm und blind? Hatte ich ihn in all der Zeit wirklich so vollkommen falsch eingeschätzt? "Ich dachte, das wäre in deinem Sinne. Tut mir wirklich leid."
    Der bittere Sarkasmus troff nur so von meiner Zunge, ich stieß die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Jede Faser meines Körpers war hochkonzentriert, doch ich hatte früh gelernt, dass die Anspannung des Kampfes sich nicht in meinen Bewegungen niederschlagen durfte und so hatte sie sich inr Ventil in meinem Kiefer gesucht. Aus so manchem Gefecht in meinem Leben war ich mit schmerzendn Zähnen hervorgegangen. Arviu war ein guter Krieger, so viel stand fest, geschickt und schnell; er arbeitete mit beiden Dolchen gleichzeitig, was schwer zu überblicken war, und mehrmals konnte ich ihm nur knapp mit einem Sprung ausweichen. Meine Wendigkeit war immer meine Stärke gewesen, mein Bruder hatte sich darüber lustig gemacht, hier und jetzt jedoch kam sie mir zugute. Einmal hatte ich Arviu an der Schulter erwischt, aber auch meine Haut brannte, wo seine Klinge mich an den Rippen geschnitten hatte, als ich den Schwertarm gehoben hatte, um den zweiten Dolch abzuwehren. Das Metall der Waffen sang, wenn sie aufeinandertrafen, und noch schien niemand von uns müde zu werden.
     
  14. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Natürlich...es war mein Plan gewesen. Ihn in die Stadt zu schleusen um die Menschen darin zu schützen. Nicht allein um Theofanu zu schützen...irgendwer musste die Erinnerung an den Norden aufrecht erhalten. Wir hatten uns beide in Gefahr begeben um unser Ziel zu erreichen, er sogar noch mehr als ich. Ich umklammerte meine Dolche fester, wirbelte um ihn herum. Hatte die Chance einen Schlag auf seinen Rücken zu platzieren, ließ es dann jedoch und parierte einen Schlag von ihm. Langsam begannen meine Muskeln zu ziehen.
    Das Geschrei der Mädchen klang in meinen Ohren, ich wagte einen kurzen Seitenblick. Sie schienen Torak und die Braune eingefangen zu haben, jetzt rannte Igraine auf uns zu. "Hört auf! Hört auf!" doch verbissen warf ich mich wieder nach vorn. Was aus Wut begonnen hatte, stellte nun eine Art Kräftemessen dar. "HÖRT AUF!" plötzlich hatte ich das Gefühl an meinem Bauchnabel gepackt zu werden. Eine Druckwelle schleuderte mich nach hinten, aber nicht nur mich sondern auch Maurdry riss es hierbei von den Füßen. Mein Steißbein machte auf unangenehme Weise Bekanntschaft mit dem steinigen Boden. Mein Brustkorb tat weh, denn es fühlte sich an wie ein Schlag darauf nach hinten geschleudert zu werden. Meine Dolche umklammerte ich noch immer fest, Maurdry war etwa 10 Schritt von mir entfernt. Mein Blick ging in Richtung Igraine. Sie kniete unweit von uns auf dem Boden, die Hände im Schnee. Sie wirkte blass...ich ahnte das sie in ihrer Wut diese Druckwelle ausgelöst hatte. Sie sah von mir zu Maurdry, erschöpft...aber plötzlich schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen. "Ihr solltet eure Gesichter sehen."
    Ich rappelte mich auf die Knie, sah hinüber zu Maurdry der ähnlich schockiert wirkte wie ich. "Natürlich war es in meinem Sinne...es tut mir Leid. Ich war nicht fair. Theofanus Entscheidung..es störte mich das sie diese ohne mich getroffen hat. Dann die Vorstellung euch in einem Bett...da ist fürchte ich das wenige südliche Feuer über gebrodelt."
     
  15. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Schwer atmend rappelte ich mich vom Boden auf, auf dem ich mich so unverhofft wiedergefunden hatte. Ich stützte die Hände in den Schnee, spürte die Steine unter dem kalten Nass, die sich schmerzhaft in meine Handflächen bohrten, während ich mich auf die Knie stemmte. Meine Hüfte tat weh, der Sturz war nicht gerade sanft gewesen. Mein Schwert hatte die Druckwelle mir entrissen, es war einige Schritte zu meiner Rechten gelandet. "Was bei allen Göttern..." Meine Augen wanderten über die Anwesenden. Igraine. Natürlich, wer sonst. Ich war zu erschöpft, um ihr Lächeln zu erwidern. Überall diese gottverdammten Magier.
    Noch ein wenig unsicher kam ich auf die Füße, klopfte mir Schnee und Dreck flüchtig von den Kleidern, rieb mir über das schmerzende Rückgrat und schenkte der brennenden Schnittwunde an meiner Seite eine fahrige Untersuchung, ehe ich mit vorsichtigen Schritten die Distanz bis zu meinem Schwert zurücklegte, die Waffe aufhob und etwas gewissenhafter reinigte als mich selbst. Es tat mir ehrlich leid, es fallen gelassen zu haben. Das dämliche Teil bedeutete mir mehr, als ich zuzugeben gewillt war. "Halt die Klappe", unterbrach ich Arvius Worte unwirsch, ich hasste Entschuldigungen, sie passten nicht in meinen Wortschatz. Halbherzig drohte ich ihm mit der Klinge, ging dann ohne Hast auf ihn zu -- Riss aus dem Nichts die Waffe hoch und schlug ihm die flache Seite einmal gegen die Schulter. So. Ja, verdammt, ich hatte gerne das letzte Wort.
    Und dann fiel mein Schwert schon wieder, es entglitt meinen Fingern, fiel nutzlos neben mir in den Schnee, meine Arme schlangen sich um Arviu und ich barg das Gesicht an seiner Schulter. Oh, bitte, Maurdry, nicht heulen. Ich schluckte mehrmals heftig. Murmelte Worte in seinen Harnisch. "Ich hab wirklich nicht mit Theofanu geschlafen, Arviu." Für einen Südländer war das schon ziemlich nahe an einer Entschuldigung dran.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23 Apr. 2017
  16. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu

    Kälte drang von unten durch meine Kleidung, wegen der Schneeschmelze erschwerend auch Nässe. Mit einem Seitenblinker nahm ich wahr das Igraines Freundin ihr aufgeholfen hatte. Zusammen waren beide Mädchen aus unserer Hörweite verschwunden, Igraines Blick jedoch lag auf uns. Maurdry hob gerade sein Schwert auf, sanft strichen seine feingliedrigen Hände über das Metall, reinigten es vom Schmutz....dem Blut das daran haftete. Mein eigenes. Noch immer umklammerte ich meine Dolche. Eine Waffe so zu behandeln, ich hatte es nie getan. Wir teilten eben nicht die selbe Meinung über den Krieg, der sicherlich noch nicht hinter uns lag. Der plötzliche, heftige Schlag gegen meine Schulter ließ mich aus meinen Gedanken purzeln wie von einem Baum. Noch ehe ich ganz registriert zu haben schien wie mir geschah, bevor ich einen erstickten Ruf der Überraschung ausstoßen konnte. Spürte ich starke Arme um meinen Körper geschlungen. An der Schulter die soeben noch von der Breitseite des Schwertes getroffen worden war, ruhte nun ein Kopf. In meiner Verwunderung dauerte es bis die Bedeutung der Worte zähflüssig in meinen Verstand hervor drang. Diese Worte waren wohl das nächste an einer Entschuldigung die ich je von diesem Mann bekommen würde. Ich war trotz der Verwirrung jedoch so allgegenwärtig es nicht laut auszusprechen. Diese ganzen letzten Minuten hatten etwas absurdes, etwas ganz und gar absurdes an sich. Das verlorene Klirren meiner Dolche auf dem bedeckten Boden hörte ich kaum. Meine Arme schlossen sich um die schmale Gestalt die sowieso schon an mir hing. Ich sprach nicht, meine Geste, der leichte Druck den ich ausübte mit den Armen und wieder nach ließ. Er sollte als Glaube dienen...ich schenkte seinen Worten glauben, nicht wegen des Kampfes des wir zuvor ausgetragen hatten. Es war der Klang seiner Stimme gewesen, ich hatte ihn bisher nicht oft gehört...aber in ihm klang vertrauen mit, Würde und Stolz....vor allem aber Ehrlichkeit. Es war der Mann der Maurdry sein sollte... irgendwie tief in sich verborgen, hinter der Fassade aus....ja aus was? Sein Vater war nicht länger hier... für wen hielt er das Bild aufrecht?
     
  17. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Auch Arviu ließ seine Waffen in den zertretenen Schneematsch fallen, ich spürte seine Hände in meinem Rücken, den kurzen Impuls, den leichten Druck, er hatte etwas Beruhigendes an sich, und ich wusste, Arviu hatte meine stumme Entschuldigung angenommen. Für einen Augenblick länger noch blieb ich so an ihn gedrückt stehen, vergrub die Finger in seinem Wams und barg das Gesicht an seiner Schulter, versuchte, meinen Atem zu regulieren, bis ich mir sicher war, dass ich alle verräterischen Tränen weggeblinzelt hatte. Warum war ich nur so ein ekelhaft schwacher Mensch. Warum tat dieser Moment der Zuneigung nur so unglaublich gut.
    Schließlich löste ich mich fast ruckartig aus der Umarmung und trat einen Schritt zur Seite. Ohne Arviu anzusehen ließ ich mein Schwert zurück in seine Scheide gleiten, und ohne ein weiteres Wort wandte ich mich ab, um meinen Umhang aufzuheben und dann zu den beiden Mädchen zu gehen, die sich um die Pferde gekümmert hatten. Mit einem gemurmelten "Danke" nahm ich Igraine Toraks Zügel aus der Hand. Ich betrachtete mir den durchtrennten Sattelgurt kurz, den ich so auf die Schnelle nicht würde flicken können, und wollte mich gerade auf den blanken Pferderücken ziehen, als ich die Finger des Mädchens spürte, die an meinem Wams zupften. "Maurdry." Mein Blick wanderte zu ihr hinunter, über ihre Lippen spielte ein Lächeln, und plötzlich fand ich mich in der zweiten Umarmung dieses Tages wieder, als ihre schlanken Arme sich um meine Hüfte schlangen. "Ich hab dich lieb, Maurdry." Zaghaft strich ich ihr durch's Haar. "Ich dich auch, Igraine."
     
  18. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu

    Ich blieb noch einen kleinen Moment länger in Matsch stecken, sah man sich um dann konnte man an einigen Stellen noch Blut erkennen...bereits irgendwie bizarr verfärbt, aber hier hatte vor gut einem Monat ein Kampf getobt. Es wirkte so unwirklich. Ich hatte zuvor jahrelang im Krieg gedient, aber dieser hatte einen Beigeschmack davon getragen den ich wohl noch in Jahren nicht vergessen würde. Mühsam steckte ich meine Dolche an ihren dafür vorgesehenen Platz. Gerade als ich mich auch auf die Füße richtete sah ich die Umarmung von Maurdry und Igraine. Von ihr als meiner Tochter zu reden fühlte sich seltsam an, doch das ich es war konnte ich nicht leugnen. Zwar hatte ich auch das Gefühl in das Anlitz ihrer Mutter zu blicken, aber aus dem Spiegelbild des Wassers schauten mir stets blaue Augen entgegen, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Niemals, bis ich Igraine begegnet war. Ich lächelte bei dem Bild das die beiden abgaben. Maudrys Blick traf den meinen als seine Hand über ihr Haar strich, ein warmer Ausdruck lag in seinen Augen.
    Als ich zu ihnen trat, umarmte Igraine auch mich. Ich gab meinem Impuls nach, fasste sie an den Hüften und hob sie nach oben. Ich ätze leise, da mir der Körper von dem Kampf doch etwas weh tat, meine Muskeln waren eine solche Belastung nicht gewöhnt. Igraines Hände schlossen sich um meinen Hals, plötzlich begann sie zu schluchzen was mich verwirrte. "Es war nicht mit Absicht!" ihre Arme schlossen sich fester um mich. Maurdry zog die Augenbrauen kraus, ich musste in etwa genau so aussehen. "Was meinst du?" "Ich wollte das ihr aufhört....wenn ich so...so außer mir bin kann ich meine Magie manchmal nicht kontrollieren. Aethelwith unterrichtet mich, wenn sie erfährt was passiert ist wird sie mich bestrafen...sie hat mir eingeschärft das sowas nicht mehr passieren darf." Ich strich ihr über den Rücken, ich konnte mich an die Art von Bestrafungen Aethelwiths noch gut erinnern, sie waren nicht hart. "Alles gut, meine Kleine. Sie wird sich einsichtig zeigen, wenn du ihr erzählst, wie du uns auseinander gehalten hast. Oder, wir erzählen ihr erst gar nicht davon, verstanden?" Ich sah hinüber zu Maurdry, der zu nicken schien. Anschließend machten wir uns daran den Sattel von Torak auf eines der Ponys zu schnallen, Ariene kam vor Maurdy auf den blanken Pferderücken, da die braune Stute noch nicht sicher genug war. Danach ging es für uns wieder nach Hause. "Hattest du eigentlich jemals einen Namen für die Stute?"
     
  19. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Maurdry

    Beinahe scheu beobachtete ich den Moment zwischen Vater und Tochter, wandte die Augen ab, als Igraine bei ihm, erst bei ihm und in seinen Armen zu schluchzen begann, und ich wusste, diesen Status würde ich bei ihr nie einnehmen. Aber das war in Ordnung. Ich kannte dieses Mädchen kaum. Eines Tages hoffte ich, meine Geschwister wiederzusehen, und vielleicht, vielleicht würde ich irgendwann selbst ein Kind zeugen, aber das hatte Zeit, zumindest, wenn es nach mir ging. Fahrig nickte ich auf Arvius Worte hin, wenn es sein Wille war, so würde ich niemandem etwas von Igraines Ausbruch erzählen. Magie war mir sowieso nie wirklich geheuer gewesen.
    "Im Süden", berichtete ich, "halten wir es mit unseren Pferden wie mit unseren Waffen." Toraks Tritte waren schwungvoll, aber ruhig unter mir. Mich auf einem blanken Pferderücken zu halten war das geringste Problem, ich hatte dort gesessen, ehe ich auf eigenen Beinen zu stehen fähig gewesen war. Igraine vor mir hatte ihre Finger in der dunklen Mähne des Hengstes vergraben, während die Zügel rechts und links von ihr und in meiner Rechten endend nur locker angenommen waren. "Jeder Mann besitzt ein Schwert, viele haben sogar mehrere in ihren Waffenkammern. Aber nur die wirklich wichtigen Klingen erhalten einen Namen." Vielleicht klang das in Arvius Ohren unmenschlich, für mich war es völlig normal, so zu denken und zu handeln. Unser Volk war bekannt für seine guten Pferde und fähigen Reiter, und es schien in unserem Land bald so viele Pferde zu geben wie Sand in der nahen Wüste. Ständig kamen neue Fohlen zur Welt, nicht immer überlebten alle, da war kein Platz für Sentimentalität. Im Krieg galt das gleiche, wenn nicht noch extremer, hier fielen täglich zahlreiche Pferde unter oder mit ihren Reitern. Tiere wie die nervöse braune Stute, die Arviu nun ritt, waren nur für den Kampf vorherbestimmt. Ein Pferd, das einen Namen trug, fand man nur selten im Gefecht wieder. Diese wenigen Exemplare bedeuteten ihren Besitzern zu viel, als dass sie sie so leichtfertig opfern könnten. Vielleicht war es diese irrationale, einseitig gewichtete Sentimentalität, die man uns Südländern in alledem zugutehalten konnte. "Einem Tier einen Namen zu geben bindet dich daran. Es macht den Verlust nur umso schwerer." Mein Pferd zu Hause hatte einen Namen. Baccarat.
    Wir hatten das Stadttor erreicht, ich spürte den Blick der Wachen auf mir, ehe sie uns einließen. Noch immer erhöhte sich mein Herzschlag in Momenten wie diesen, wenn ich den Männern des Nordens ausgeliefert war, und oft genug machten die Zweifel in mir mich glauben, im nächsten Moment würde einer von ihnen mir den Einritt verwehren, mit dem Schwert auf mich losgehen. Aber das geschah nicht, sie ließen uns passieren und wenn mein Plan aufgegangen war, so hatte man die momentane Veränderung in meinem Gesicht nicht einmal gesehen.
     
  20. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Arviu
    Maurdry hatte Recht, einem Tier einen Namen zu geben band einen ungemein an dieses Tier. Doch hatte ich schon immer ein Talent dafür gehabt mein Herz leichtfertig an Dinge zu hängen deren Verlust mich später traf. Man sollte ja meinen das in den Jahren Weisheit dazu gekommen war, doch schon längst hatte mein Herz sich an die Stute verloren. "Du magst Recht haben. Nur besondere Waffen erhalten einen Namen, doch in ihrer ganz eigenen Weise ist auch diese Stute etwas besonderes. Ich gab ihr im Stillen bisher den Namen Duana." die kleine Braune. Denn im Gegensatz zu Torak war sie zierlich, klein. Es war sehr lange her das ich auf einem reinen südlichen Pferd geritten war, ihre Schnelligkeit und Ausdauer war gerühmt. Ihr Braun schien in der Sonne. "Also ich find den Namen schön." kam es leise von Igraine, die sicher vor Maurdry saß.
    Als wir die Stadttore wieder passierten, sah man die skeptischen Blicke der Menschen. Maurdry schien fast ein wenig in sich zusammen zu sinken. Wenige sah ich jedoch, die erfürchtig da saßen. Sie betrachteten den schwarzen Hengst, das Kind in den Armen des ihnen noch fremden Mannes. Als wüsste Igraine um die Wirkung die ihr Anblick machte, lehnte sie sich nach hinten an die Brust von Maurdry. Ihre Augen schlossen sich halb. Die Ausübung von Magie kostete körperlich Kraft, ein ungewollter Ausdruck, ohne Kontrolle würde sicherlich noch ermüdender werden. Ich musste in mich hinein lächeln, Igraine sorgte dafür das zumindest einige in der Stadt begannen ihr Misstrauen zu verlieren. Trotzdem machte ich mir Sorgen um meine Tochter. Der Ausbruch war auf seinen Kampf mit Maurdry zurückzuführen. Ob dem Südländer klar war, dass sie hätte sterben können? Da ich zurück zu meinen Aufgaben musstee, trug Maurdry Igraine hinauf in das Haus. Ich spürte ein ziehen im Herzen, dann wurde ich jedoch von Maurdry aufgehalten. "Bleib zum Essen." es klang eher nach einem Befehl als eine Bitte, aber trotzdem wollte ich dem nach kommen. Ich vermisste seine Gegenwart.
     

Diese Seite empfehlen