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Reitferien (Suche nach vernünftigem Titel läuft :D)

Dieses Thema im Forum "Eigene Geschichten" wurde erstellt von Paradise, 11 Mai 2009.

  1. Paradise

    Paradise Hoffnungsloser Fall :)

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    'Daran könnte ich mich glatt gewöhnen', ging es mir durch den Kopf, während mir der Fahrtwind durch die Haare strich. Hinten auf dem Gepäckträger schwankte der Ranzen, den ich gleich endlich in die Ecke stellen durfte - für 6 herrliche, warme Wochen - und im Gepäckkorb vorne flatterte das Zeugnis.
    Ich musste es einfach direkt vor meiner Nase haben. Obwohl ich die Noten schon vorher gewusst hatte, war es für mich immer noch ein Wunder, schwarz auf weiß.
    Ein Schnitt von 2,3 und eine Eins in Deutsch. Sicher, in Deutsch war ich schon immer gut gewesen, schriftlich stets ein Einserkandidat, doch die mündliche Beteiligung hatte mir immer alles versaut. Und dieses Mal, ganz ohne festes Vorhaben, nur mit dem Wunsch, die leidige Physikvier wegzukriegen, war ich im gesamten Notenbild nach oben gerutscht. Mission Achte Klasse erfolgreich beendet.

    Das Fahrrad fiel scheppernd auf den Ständer, mit ordentlich Schwung. So viel Schwung sogar, dass es in elegantem Bogen in die Hecke kippte. Reaktionsschnell fischte ich das sensationelle Zeugnis aus dem Korb und zerrte den Ranzen herunter, da rauschte das Fahrrad auch schon klingelnd ins Geäst. Das arme Gestrüpp musste böse Federn lassen. Egal. Summend riss ich es aus den begrünten Zweigen, stellte es ordentlich hin und schleppte meinen Ranzen zur Tür. Das die Hecke aussah wie ein Vogel in der Mauser war nebensächlich.
    Wichtig waren jetzt nur das Zeugnis, die Ferien - und Mamas alljährliches Festessen.
    Sie kriegte es irgendwie immer mit einem Mix aus Fleiß, Überstunden machen, betteln und lange Wochenenden einsparen hingedreht, ihrem Chef einen gehörigen Urlaub aus dem Kreuz zu leiern, der sich mit meinen Großen Ferien deckte, deshalb war der letzte Schultag für sie und mich gleichermaßen fast so etwas wie ein Feiertag.
    Meine Mutter arbeitete in einem kleinen, aber feinen Buchladen. Der Vorteil: Die Lehrbücher für das nächste Schuljahr waren immer fix da.
    Sparte eine Menge Stress - jedes Mal, wenn andere Klassenkameraden darüber jammern, das dieses und jenes Buch noch nicht da ist, grinste ich in mich hinein.
    Der Buchladen, in dem meine Mutter tagein, tagaus potentielle Käufer berät, ist klein und eher etwas für 'Kenner'. Er verkauft, nicht wie andere, nur die großen Bestseller, sondern zusätzlich viele Bücher aufstrebender Autoren oder echten Insidern. Es dauerte, bis jemand den Laden für sich entdeckte. Hatte dieser Kunde aber erst einmal Feuer gefangen, war ein Stammkunde geboren, denn nach den Büchern, die dort verkauft wurden, konnte man sich in der ganzen Stadt die Hacken ablaufen, ohne sie zu finden. Der Standort war vielleicht wenig vorteilhaft, - das Geschäft war eingequetscht zwischen Fotogeschäft und Reformhaus - aber durchaus gemütlich durch den begrenzten Platz. Ich hasse diese Riesen-Buchläden, in denen man vom Angebot regelrecht erschlagen wird. Nein danke - dann lieber klein, aber fein.
    Das Platzmanagement war sowieso klasse dort. Trotz der Enge war Platz geblieben für eine 'Amateur-Ecke'. Dort fand man Bücher von Leuten aus der Region, die ihr Buch unter die Leute bringen wollten. Sie taten das meist mit Mini-Auflagen und waren dankbar für die Verkaufsplattform, die ihnen der Laden bot.
    Mama war davon auch restlos begeistert und schleppte ein Amateurbuch nach dem nächsten nach Hause. Sie waren gut - die Storys waren vielleicht nicht unbedingt spannend, aber der Schreibstil gefiel mir oft wirklich. Trocken und trotzdem humorvoll, wie viele Menschen aus unserer Region. Hier oben, am Arsch der Welt - Norddeutschland. Naja, zumindest ein Meer haben wir hier, und manchmal war das Wetter ja auch ganz ordentlich…
    Meine Mutter schwärmte aber nicht nur von anderen Amateurschreiberlingen.
    Ich wusste ganz genau, dass meine Mutter davon träumte, eine ihrer selbstgetippten Konstruktionen würde einmal in diesen Regalen stehen. Wie lange schwärmte sie schon davon? Den Überblick hatte ich längst verloren - lange auf jeden Fall.
    Und gerade deshalb würde sie sich natürlich über die Eins in Deutsch freuen und sich einreden, es läge sicher an ihren grandiosen Autoren-Genen, die zum Tragen kamen.
    Den Ranzen über der rechten Schulter und das Zeugnis in der Hand fummelte ich mir den Haustürschlüssel aus der Hosentasche.
    Schnell drehte ich ihn im Schloss und drückte die schwere Glastür auf.
    "Bin wieder da!" Meine Stimme hallte durch das Haus. Keine Antwort. Komisch…
    "Mama?", rief ich stirnrunzeld. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sie mich regelrecht überfallen und sich sofort mein Zeugnis schnappen würde. Stattdessen - gar nichts!
    Nur ein leichter Geruch nach gebackenen Bananen - meinem Lieblingsessen - hing in der Luft. Also hatte sie vorhin noch gekocht, weit konnte sie demnach nicht sein. Unschlüssig stellte ich den Ranzen neben die Tür, in mein Zimmer konnte ich ihn nachher schmeißen und mich an der immer dicker werdenden Staubschicht darauf ergötzen.
    Ich ging ins Wohnzimmer und blickte zufällig durch die Terrassentür. AHA! Wie konnte ich so blöd sein? Bei diesem nordseeuntypisch schönen warmen Sommerwetter hatte sie natürlich auf der Terrasse gedeckt und mich gar nicht gehört.
    Gerade positionierte sie die Käsehäppchen neben den gebratenen Bananen und wandte sich zur Tür. "Lina!", rief sie überrascht und riss die Terrassentür auf. "Du bist ja schon da!" Ich grinste. Das war Mama, wie ich sie kannte und liebte. "Und, Schatz? Wie ist das Zeugnis?", erkundigte sie sich. "Ziemlich okay, finde ich", antwortete ich und reichte ihr das steife weiße Druckerpapier, dass es wie durch ein Wunder unverknickt nach Hause geschafft hatte.
    Ein paar Sekunden studierte sie es, dann stieß sie einen spitzen Freudenschrei aus.
    "Du hast eine Eins in Deutsch? 'Ziemlich okay', was? Bist du noch zu retten? Das ist doch super!" Eine regelrechte Kaskade von Lobhudeleien ergoss sich über mein knallrot angelaufenes Haupt, dass von meiner Mutter sofort auf die Terrasse bugsiert wurde. Grinsend setze ich mich auf den Stuhl und betrachtete andächtig die aufgetischten Speisen. Vielleicht lag es an dem Terrassentisch, der schon deutlich kleiner war als der Wohnzimmertisch, an dem wir sonst aßen, aber unser kleines Ferien- beziehungsweise Urlaubsfestmahl kam mir noch üppiger vor als sonst.
    "Haben wir was zu feiern?", lachte ich, als meine Mutter das Zeugnis endlich beiseite legte und stolz ihr Werk betrachtete. Käsehäppchen, belegte Brote, ein herrlich sommerliches, kaltes Himbeersüppchen als Vorspeise und nicht zu vergessen meine heißgeliebten gebackenen Bananen. Dazu gab es natürlich (was heißt hier natürlich, wie zum Teufel schaffte sie das eigentlich jedes Jahr, so ein phänomenales Menu zusammenzuschustern?) noch Salat, Mozzarella mit Tomate und Basilikum… Normalerweise gab es nur ein warmes Gericht und ein paar kalte Häppchen.
    "Ob wir was zu feiern haben? Natürlich!", grinste meine Mutter zurück und deutete auf mein Zeugnis. "Seit wann bist du denn hellseherisch begabt, Mama?" Ich steckte ihr die Zunge raus. "Haben dir die Bananen was von meinem Zeugnis gezwitschert, bevor du es gesehen hast?"
    Meine liebe Mutter lächelte nur ihr verständnisvolles Mutterlächeln. "Es ist eine Überraschung", verriet sie mir geheimniskrämerisch. Na toll, nur nicht zu viel verraten, was!?
    Tja, so war sie nun mal. "Greif zu!", forderte sie mich auf. "Die Überraschung verkünde ich sowieso erst beim Nachtisch!"
    Widerspruch zwecklos - meine Mama konnte wirklich stur sein. Trotzdem hätte ich sie für niemanden anderes eingetauscht. Sie war eben ein Unikum, ein wenig verschroben, (für meinen Geschmack manchmal etwas zu sehr) jung geblieben…
    Und mit ihr konnte man wirklich jeden Blödsinn machen, der einem gerade einfiel. Es ist vielleicht ungewöhnlich und auch ein bisschen albern, dass mein Verhältnis zu meiner Mutter so gut war, und es bediente vorzüglich das Klischee 'verhätscheltes Einzelkind'. Aber besonders seit der Scheidung meiner Eltern standen wir uns eben nah. Alle, die da guckten, kicherten, lästerten, waren wahrscheinlich nur neidisch auf einen derartig starken Rückhalt. Ich war mir ziemlich sicher, dass es sich so verhielt, und das half mir, das blöde Gerede zu überhören.
    Ich tauchte den Löffel in die Himbeersuppe (war sie selbstgemacht? Hoffentlich nicht, billig sind frische Himbeeren ja auch nicht gerade…) und schlürfte ihn genüsslich.
    Dafür erntete ich zwar einen mäßig empörten 'Benehmen ist Glückssache, oder wie?' - Blick von meiner Mutter, aber der erste Mundvoll schrie einfach danach, zelebriert zu werden. Er war köstlich.

    Genauso köstlich war der ganze Rest. Die Bananen, die Käsehappen, einfach alles war perfekt. Die Vögel zwitscherten, die Sonne schien, der Himmel war blau wie auf sämtlichen Mallorca-Postkarten und neben dem Teller meiner Mutter ruhte schwarz auf weiß meine Eins. Es war fast schon kitschig schön, hier mit vollem Bauch auf der Terrasse in der Sonne zu sitzen und das Leben zu genießen.
    Doch in ebendiesem vollen Bauch grummelte es nervös. Die Überraschung…
    Innerlich versuchte ich, meine Erwartungen klein zu halten. Ich meine, was sollte jetzt schon kommen? Was sollte es denn bitteschön zu feiern geben? Außerdem wollte Mama es eh erst beim Nachtisch verkünden. Und aller Vielfalt zu Trotz hatte ich den noch nicht entdecken können.
    Wollte sie mich auf den Arm nehmen? So sah es wohl aus.
    Plötzlich, als ich mich mental von der angeblichen Überraschung schon verabschiedet hatte, erhob sich Mama plötzlich. "Ich hol den Nachtisch, ja?", informierte sie mich und huschte ins Wohnzimmer. Ich saß mit großen Augen auf meinem Stuhl.
    Also doch Nachtisch! - Also doch Überraschung?…
    Als meine Mutter wiederkam, musste ich grinsen. Äußerst tapsig überquerte sie die Türschwelle und machte um jede eventuelle Stolperfalle einen großen Bogen.
    In den Händen hielt sie zwei Gläser, gefüllt mit Eis. Als sie den Eis'becher' vor mir abstellte, kriegte ich wirklich feuchte Augen. Sie hatte sich wirklich unwahrscheinliche Mühe gegeben. "Du musst dir doch nicht immer so viel Arbeit machen", murmelte ich.
    "Ach was, ich hab doch auch was davon - mir jedenfalls schmeckt es." Sie zwinkerte mir zu. Ich schüttelte den Kopf - meine verrückte Mutter!…
    Dann wandte ich mich meinem Eis zu. Es war offenbar das Himbeereis, dass sie vorgestern gekauft hatte, aufgefüllt mit Schlagsahne, obenauf auch noch ein hübscher Klecks. Darauf thronte eine Himbeere (also doch frische Himbeeren!) und darüber noch ein wenig Himbeersuppe. Himmlisch.
    "Du solltest mal ein Rezeptbuch schreiben", riet ich ihr mit vollem Mund.
    Geschmeichelt lächelte sie in sich hinein. "Da wollte ich lieber etwas anderes schreiben, aber naja… Was nicht ist, kann ja noch werden, nicht?"
    Ich prustete in die Schlagsahne. Sie war wirklich unverbesserlich mit ihren Autorenträumereien.
    "Sag mal, du machst doch immer bei diesem Preisausschreiben mit, in dieser Zeitschrift, oder?" Ich nickte und fragte mich, was das mit der Überraschung zutun hatte. Hätte ich gewonnen, hätte sie es nie geschafft, es so lange für sich zu behalten!
    Für den ersten Platz gab es nämlich einen Laptop - und den wollte nicht nur ich unbedingt haben. Auch Mama schwärmte davon, wie genial es wäre, einen Laptop zu besitzen. "Schreiben, wo immer man auch ist…", pflegte sie zu seufzen. Sie dachte aber auch wirklich an nichts anderes…
    "Was ist damit?", fragte ich bemüht uninteressiert und schob mir einen neuen Löffel Eis in den Mund. "Nunja", sie fischte ihre Himbeere vom Sahnehaufen, "du hast gewonnen." Sie grinste mich an.
    "WAS?" Mir fiel die Kinnlade herunter. Gewonnen? Und das hatte sie so lange für sich behalten können? "Den Laptop?" Das wäre einfach zu schön um wahr zu sein.
    Ich meine - HALLO? Ein Laptop! Der helle Wahnsinn!
    "Naja… Nein." Ich ließ enttäuscht den Löffel sinken. Na klasse. Monatelang hatte ich teilgenommen, teilgenommen, teilgenommen, und jetzt gewann ich mal etwas, und dann… Dann gab es garantiert nur irgendeinen bescheuerten Trostpreis.
    "Was guckst du denn so traurig? Der Preis ist mindestens genauso klasse!", sagte sie und grinste. Ich hätte mir am liebsten den Mozzarella in die Ohren gestopft, um es nicht hören zu müssen. Was sollte genauso gut sein wie ein Laptop? Von dem SIE mir doch erst monatelang vorgeschwärmt hatte? Sie hatte oft sehr merkwürdige Vorstellungen von gut und schlecht.
    "Was ist es?", murmelte ich wenig begeistert. Meine Mutter grinste mich immer noch an. Sie ließ ihren Löffel klingelnd in das leere Glas fallen. "Du hast den zweiten Platz gewonnen. Vierwöchige Reitferien für zwei Personen, Lina."
    Auch mein Löffel zischte scheppernd in das Glas und Himbeereisspritzer besudelten meine neue weiße Hose.
    Reiten? ICH?
     
  2. Melly

    Melly ↑ That's me

    hehe!Toll,mach weiter!Ich fahr auch bald in die reiterferien!! :D
     
  3. Flair

    Flair Pflaume

    AH :D woran erinnert mich das nur.. :) :D Ist voll toll die Geschichte :)
     
  4. Casii

    Casii l

    woah, richtig geil xD
    Weiter. Weiiter. WEIIITER :]
     
  5. Cleo

    Cleo Gesperrte Benutzer

    Das ist eine Geile geschicht loss schreib weiter
     
  6. Isa

    Isa Guest

    Toll, schadzz, mach weiter :)
     
  7. Paradise

    Paradise Hoffnungsloser Fall :)

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    Das Mondlicht wandert langsam über die Wand und meine Gedanken wandern mit.
    Hin und her. Ich und reiten, das passt ja zusammen wie Kuh und Fahrradfahren!
    Ich habe noch nie auf dem Pferd gesessen, du meine Güte. Sonderlich sportlich war ich auch nicht. Es reichte gerade für eine sonntägliche Fahrradtour, aber reiten?
    Das war vielleicht nicht so anstrengend, aber auf die Dauer war da Ausdauer gefragt.
    Ich und Ausdauer - auweia…
    Sollte ich das Los annehmen? Ich hatte in den Sommerferien sowieso nichts vor.
    Die anderen in meiner Klasse fuhren dauernd weg und waren restlos begeistert.
    Wenn sie nach den Ferien dann mit ihren Sonnenbränden prahlten, konnte ich nur den Kopf schütteln. Warum in die Ferne schweifen? Ich finde es zuhause schöner.
    Nur einer von vielen Punkten, in denen ich einfach anders bin als die anderen.
    Ich war klein und die Pubertät hatte bis jetzt nur in Form von Pickeln zugeschlagen.
    Ich wurde zwar nicht gehasst, aber gemieden. Alle waren nett zu mir, sie bemühten sich, nicht allzu sehr auf mich herabzusehen. Ich nahm es ihnen nicht übel.
    Sie waren nett zu mir, und ich wusste, sie spielten in einer anderen Liga.
    Das tat weh, aber nur manchmal. Die meiste Zeit bekam ich meine verkokste Existenz ganz gut auf die Reihe. Auch wenn ich keine Freundin hatte, ich war ja nicht abgeschnitten von der Außenwelt. Ich kam klar. Nicht mehr, nicht weniger.
    Das war schon das nächste Problem. Vier Wochen für zwei Personen. Zwei.
    Und jetzt? Ich konnte niemanden aus meiner Klasse fragen. Das war eben ein ganz anderes Niveau. Und wen hatte ich denn sonst? Ach man, war das immer kompliziert.
    Obwohl… die Lösung des Problems schnarchte drei Zimmer weiter und träumte von vielen, vielen Bestsellern mit ihrem Namen auf dem Einband.
    Ich wusste, dass sie damals mal geritten war, und dass sie das Reiten vermisste. Aber es gab einfach keinen gescheiten Stall in der Nähe, das hatte sie mir einmal vorgejammert und wenn sich daran irgendetwas verändert hätte, dann säße sie jetzt hundertprozentig schon längst wieder einfältig grinsend auf dem Pferd. Sie war ein Typ Mensch, der ohne große Bedenken alles tat, was ihm Spaß machte.
    Sie würde enttäuscht sein, wenn ich jemand anderen mitnahm. Schließlich hatte sie sich garantiert Chancen ausgerechnet, und wenn man bedachte, wie viel Mühe sie sich beim Essen geben ha… - Moment!
    Das gab es doch nicht! 'So eine Schleimerin!', dachte ich grinsend. Sie spekulierte wirklich darauf, dass ich sie mitnahm. Wen sonst sollte ich denn schon fragen?
    Ach du meine Güte. Ich wollte gar nicht wissen, was die anderen Ferienreiter dazu sagen würden, sollte ich dort tatsächlich mit meiner Mutter aufschlagen…
    Die Alternative wäre, allein zu fahren. Aber allein? Das bekam ich doch niemals hin!
    Oh Hilfe… Es sah aus, als würde meine Mutter den Sieg davontragen.
    Eine andere Wahl hatte ich ja nicht, und sie würde sich freuen, das was sicher.
    Die Entscheidung war gefallen. Langsam glitt ich in einen unruhigen Dämmerschlaf.

    Trotz der Tatsache, dass heute der viel umjubelte erste Ferientag war, dampfte der Cappuccino an diesem Morgen nur halb so duftend und die Vögel schienen mit nur halb so schön zu singen wie sonst. Verdammt, warum eigentlich ich?
    Ich und Reiten - oh je. Mit Mutter in die Ferien fahren - oh je. Überhaupt ich - oh je…
    "Was ist los?" Die Frage meiner Mutter kam so plötzlich, dass mir fast die Nutella vom Messer auf das Tischtuch rutschte. Typisch Mama.
    Fast immer merkte sie, wenn etwas nicht stimmt - Mutterinstinkt oder so etwas… Aber die Sensibilität um zu unterscheiden, wann sie nachbohren sollte und wann nicht, die fehlte ihr.
    "Nichts!", gab ich leichthin zurück. Das war meine Standartantwort. Sorgfältig schmierte ich mir die Nutella auf das frische Brötchen. Naja, es war nicht frisch - aber immerhin frisch aufgebacken. Meine Mutter rührte in ihrem Kaffee. Schwarz.
    Mich schüttelte es schon, wenn ich schwarzen Kaffee nur sah. Wie bekam man so etwas nur heruntergewürgt? Ich hatte ja schon drei Monate Gewöhnungszeit gebraucht, bis ich nur noch einen Zuckerwürfel in den Cappuccino warf.
    "Irgendetwas ist doch los", beharrte Mama. "Willst du nicht in die Reitferien?"
    Ich schraubte sehr konzentriert das Nutellaglas zu. Kalt erwischt.
    "Schon, aber…" Ich konnte förmlich schon hören, wie meine Mutter mir ins Wort viel: 'Was aber?'
    Meine Mutter ließ den Löffel los, der leise klirrend in die schwarze Brühe hinabsank.
    "Was aber?" Ich schaffte es irgendwie, nicht aufzuseufzen und biss stattdessen kräftig in mein Brötchen. Ich kaute sorgfältig. Irgendwie musste ich Zeit gewinnen.
    Wie bringe ich meiner Mutter bei, dass ihr Geschleime erfolgreich war? Und vor allem: Wie sage ich ihr, dass ich mich zu Tode schämen muss, wenn sie mitkommt?
    "Es ist nur…", begann ich, als ich den Brötchenbissen heruntergeschluckt hatte, "alle, die mit Begleitung da sind, die werden ihre… ihre Freundinnen dabei haben. Das heißt, du wärst da ziemlich einsam, wenn du mit mir fährst."
    VERDAMMT, war ich gut! Jetzt hörte es sich an, als ginge es um ihr Wohlergehen. Das Dumme an der Sache war: Ich hatte nicht das Gefühl, dass Mama mir das abkaufen würde.
    Und tatsächlich. Die Stirn legte sich in Falten, sie legte ihr Käsebrötchen zur Seite und sah mich durchdringend an. "Ich bin dir also peinlich."
    "Nein!", widersprach ich heftig.
    "Doch", entgegnete meine Mutter trocken. "Ich muss nicht mitkommen. Du kannst gerne eine deiner Freundinnen…"
    Entnervt knallte ich mein Nutellabrötchen auf das alberne, orange Frühstücksbrett.
    Krümel sirrten auf das geblümte Tischtuch.
    "Wie oft noch? Ich habe keine Freundinnen!" Wie gut ich mich mit meiner Mutter auch verstand, in diesem Punkt war sie entweder geplant uneinsichtig - oder einfach strunzblöd. Sie verstand diesen Unterschied nicht, den Unterschied zwischen Freundlichkeit aus Freundschaft und Freundlichkeit aus Mitleid. Sie waren vielleicht nett, aber nicht, weil ich es verdiente, sondern weil ich mitleiderregend war.
    Mama schüttelte den Kopf. "Also, komme ich jetzt mit oder nicht?"
    "Natürlich", murmelte ich beschämt.
    Mit einem undefinierbaren Blick und einem weiteren Kopfschütteln griff meine Mutter wieder zum Käsebrötchen. Auch ich nahm mir wieder mein Frühstück zur Hand. Es war jetzt egal. Ich würde dahinfahren. Ich würde versuchen, mich nicht zu blamieren. Und dazu musste ich mich informieren.
    Innerhalb von zehn Minuten saß ich vor unserem PC und durchwühlte das WWW nach Informationen über Pferde und Reiten und alles, was ich zum Überleben brauchen würde.
     
  8. Cranberry

    Cranberry Aktives Mitglied

    wuuuaaaah °_° wunderschöne geschichte ♥
     
  9. Stoepselchen

    Stoepselchen Möchtegern-Sylar

    Ich liebe deinen Stil :blink:
     
  10. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Klasse Schreibstil *applaudier* =)
     
  11. Elsaria

    Elsaria Guest

    weiter oO
     
  12. Fratzi

    Fratzi Dressur-Helferlein

    Einfach wahnsinn wie du dir das aus den Fingern saugst o_O Mir gehts in der Schule genauso.. :/
     
  13. joe

    joe smile

    Richtig schön geschrieben.
     
  14. Sasii

    Sasii Das beste an mir ist Lelo. Immer. ♥

    Was soll man schon groß sagen?
    Super Schreibstil,interessant geschrieben,nicht so 0-8-15 aber auch nicht unglaubwürdig,man will sofort weiter lesen.
    Ich zähle mich zu Leseratten,und kann dir garantieren,dein Buch würde ich sofort kaufen und innerhalb von einem tag auslesen! (Hehe,mein rekord ist übrigens alle harry potter bücher in 1 einhalb wochen gelesen *stolz* xDD)
     
  15. Caballo

    Caballo Muii, ich bin ein Monster ^^

    Die Geschichte ist Klasse! Niocht langweilig, aber auch nicht zu überladen, die Gedankengänge sind gut und überhaupt ist alles sehr gut Formuliert! Die Abschweifungen sind auch super, echt klasse darauf geachtet das es nicht zu lanhg wird! Ich bin schon gespannt auf die Forstetzung! Viel Glück!
     
  16. Paradise

    Paradise Hoffnungsloser Fall :)

    Caballo, echt? Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, diese Exkurse ins Leben der guten Lina sind viel zu lang geraten :D
     
  17. Saphira5

    Saphira5 Gesperrte Benutzer

    weiterschrieben *ungedulidg binz*
     
  18. Paradise

    Paradise Hoffnungsloser Fall :)

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    Die Luft im Auto war stickig. Aber das war nicht der einzige Grund, warum ich nach Luft schnappte, als ich mich in den Beifahrersitz sinken ließ. Es war die pure Panik.
    Sicher, ich hatte zwei Tage lang Wissen in mich hineingestopft. Aber wie viel davon hatte ich behalten? Und viel wichtiger: Wie viel davon konnte ich in der Praxis umsetzen? Meine Finger krallten sich um das Pferdesachbuch, dass ich mir prompt angeschafft hatte. Die zwei anderen Sachbücher lagen auf der Rückbank - unabhängige Meinungen verschiedener Autoren konnten sicher nicht schaden…
    Ich musste über mich selber den Kopf schütteln. Wenn ich ehrlich zu mir war: Ich übertrieb es aber wirklich gründlich! Trotz aller Vorbereitung benahm ich mich, als ginge es ins Weltall, nicht auf irgendeinen Ferienhof drei Fahrtstunden entfernt.
    Trotzdem rumpelte es in meinem Magen, als meine Mutter sich auf den Fahrersitz plumpsen ließ und den Schlüssel umdrehte. Ziemlich albern grinste sie mir zu. Dann trat sie das Gaspedal durch und mit quietschenden Reifen und aufheulendem Motor schossen wir aus der Einfahrt. Mein Herz machte einen erschrockenen Satz auf die Höhe meiner Ohren, bis es mir wieder in die Hose rutschte.
    "Mama, lass das! Sonst bist du den Führerschein los, ehe wir überhaupt auf der Autobahn sind!"
    "Jaja", murmelte sie und grinste weiter. Wenigstens fuhr sie jetzt nicht mehr wie eine besenkte Sau, sondern wie ein normaler Mensch; bei meiner Mutter hatte das echt Seltenheitswert. Entweder, sie war dermaßen hektisch, dass sie jede Radarfalle mitnahm, die auf dem Weg lag, oder sie schlich betont vorsichtig herum.
    Nervös knetete ich meine Finger und betrachtete meine Füße.
    Diese Füße steckten bereits wie festgeleimt in Mamas alten Gummireitstiefeln. Ihre neueren thronten im Kofferraum auf ihrem Koffer, der nicht nach Reitferien aussah, sondern nach einer Weltreise. Ich fragte mich, was sie alles für Krempel mitgeschleppt hatte. Vielleicht hatte sie ja auch zig Bücher mitgenommen, um ihr Wissen aufzufrischen? Bei dem Gedanken musste ich fast grinsen.
    Doch das Grinsen verschwand wieder. Mein Blick wanderte zum Straßenrand; zu dem Deich, an dem wir entlangfuhren. Für vier Wochen musste ich nun auf dem Reiterhof zubringen. Eine ziemlich lange Zeitspanne, fand ich. Aber die Besitzerin, mit der meine Mutter endlos lange Emails ausgetauscht hatte, um sich über alles zu informieren, hatte erklärt, dass das für sie wichtig war. Für sie, so meinte sie, zählten vor allem die persönlichen Kontakte. Der Hof lag nun einmal in der Pampa, niemand würde auf die Idee kommen dorthin zu fahren, außer der Hof würde ihm empfohlen - oder er ist Stammkunde. Und Stammkunden wollte sie gewinnen mit diesen langen Aufenthalten. Zeit, den Hof, die Pferde, sie selbst und ihre Tochter lieb zu gewinnen.
    Ihre Tochter… Die machte mir auch irgendwie Angst. Die Besitzerin, Mona hieß sie, meinte, Linda wäre ungefähr in meinem Alter, ein Jahr älter. 14 also.
    Ich musste schlucken. Gleichaltrige Mädchen spielten für mich ja schon in einer anderen, unerreichbaren Liga. Wie sollte das Verhältnis zwischen mir, meines Zeichens Angsthase, Reitanfänger und nichtswissend, und Linda, genannt 'Linny', 14 Jahre, reitet wahrscheinlich ihr Leben lang, weiß und kann alles, denn schon sein?
    Auf der Unterlippe kauend verabschiedete ich mich von den Deichschafen, die links von mir vorbeisausten, und wandte meine Gedanken anderen Schafen zu - den Heidschnucken nämlich… Die Heidschnucken, die die Weiden der Lüneburger Heide regierten. In der irgendwo im Nirgendwo ein kleiner Ferienreithof stand, der mein Verderben sein würde. Oder auch nicht…
    Das mochte der liebe Herrgott wissen - und die Schafe…

    Ich erwachte ruckartig, als mir das Pferdebuch vom Schoß rutschte. Meine Mutter hatte abrupt gebremst. "Was ist los? Sind wir da?", fragte ich erschrocken, warf einen Blick auf die Landschaft und atmete erleichtert auf. Saftige, grüne Wiesen, Kühe, freier Blick bis zum Horizont - dass sah nach zuhause aus. Und Heidschnucken konnte ich auch keine entdecken.
    "Beruhig dich", lachte Mama. "Wir sind noch nicht mal auf der Autobahn! Aber dieser Idiot da vorne hat mir die Vorfahrt genommen."
    Missmutig blickte ich dem glänzend schwarzen Sportwagen hinterher, der in einem irrsinnigen Tempo die Hauptstraße entlangsauste, auf die wir gerade abbiegen wollten. "Na, wenn der mal nicht heute noch einen Unfall baut…", prophezeite ich düster. Gähnend fischte ich das Buch zwischen meinen Reitstiefeln hervor. Während meine Mutter auf die Bundesstraße abbog, die später auf die Autobahn führen würde, las ich gründlich alles nach, was mit der Stellung und Biegung zutun hatte. Es dauerte nicht lange, - wir waren noch nicht auf der Autobahn - da konnte ich die Seite beinahe auswendig. Aber es nützte mir nichts. All das waren leere Worte, die mein Hirn abspeicherte, ohne die wahre Bedeutung zu kennen. Ohne zu wissen, wie ich die Theorie in die Praxis umsetzen konnte. Was tat ich da eigentlich? Ich wusste doch mittlerweile, dass mir das stumpfe Pauken der Informationen nicht weiterhelfen würde. Traurig schlug ich das Buch zu, während meine Mutter auf die Autobahn fuhr.
    Ich meinte, von Zeit zu Zeit den schwarzen Lack des schwarzen Sportwagens aufblitzen zu sehen, während der LKW um LKW überholte. Mama fuhr erstaunlich normal dahin. Wir überholten von Zeit zu Zeit vollgepackte Kleinwagen mit plärrenden Kindern auf dem Rücksitz und Fahrrädern auf dem Dach und den einen oder anderen Lastkraftwagen, ansonsten fuhren wir merkwürdig unauffällig. Vielleicht, weil Mama abgelenkt war. Ich hätte wetten können, in Gedanken war sie schon auf Hof Lindenau - so hieß der Hof, hatte sie mir berichtet. Sie hatte keine Zeit, um zu schleichen, war aber auch zu verträumt, um herumzurasen.
    Es war merkwürdig. Mit jedem Kilometer, den wir bewältigten, schien meine Resignation zu schwinden. Ich konnte mich nur blamieren, niemand erwartete etwas anderes von mir. Also konnte ich auch niemanden enttäuschen. Ich würde mein Bestes geben und vielleicht würde es ja reichen. Und wenn nicht - 4 Wochen sind auch schnell um. Ich muss nie wieder reiten, wenn ich nicht will.
    Als die Hälfte der Strecke hinter uns lag, hatte ich richtig gute Laune. Vielleicht war das das Adrenalin, oder der Mut der Verzweiflung. Oder beides. Egal, es ging mir auf einmal prächtig.
    Doch die gute Grundstimmung hielt nicht lange; Ich hätte es ahnen müssen. Der Verkehr vor uns verdichtete sich immer mehr. Innerhalb weniger Minuten standen wir. Was zum Teufel war da los? Meine Mutter schaltete das Radio an und ungeduldig warteten wir auf die Verkehrsmeldungen. Und schließlich verkündete die Frau uns einen hübschen Unfall. Keine Verletzten, nur Sachschaden. Polizei war schon vor Ort. Es konnte also nicht mehr lange dauern, hoffte ich zumindest.
    Und tatsächlich, nach einer Viertelstunde kam der Verkehr langsam wieder ins Rollen. Über den Daumen gepeilt 5 Kilometer weiter sahen wir dann den Verursacher der Störung. Mama und ich reckten die Hälse und brachen gleichzeitig in lautes Gelächter aus. An der Leitplanke stand ein ziemlich zerknautschter, schwarzer Wagen. Unser 'Freund', der Sportwagenfahrer, stand sprachlos daneben, die Hand auf dem Kotflügel. Fassungslos blickte er auf das, was von seinem Auto übrig war.
    "Soll ich rechts ran fahren und dir eine Kristallkugel kaufen? Du hast Potenzial zum Wahrsagen!", prustete Mama. Ich schüttelte grinsend den Kopf. Mama hupte und winkte dem Idioten, der sich mit starrem Gesicht zu uns umdrehte, fröhlich zu. Durch die Heckscheibe sah ich nur noch, wie er radieschenrot anlief und fuchsteufelswild gegen den Reifen seines demolierten Schatzes trat.
    "Man sieht sich eben immer zwei mal im Leben, was?", schmunzelte meine Mutter, ließ sie Scheiben herunter und drehte das Radio auf.

    Meine Ohren taten langsam ziemlich weh vom Zugwind und der lauten Musik, doch die Hochstimmung blieb. Interessiert bemerkte ich, wie sich die Landschaft veränderte. Die überschaubaren, grünen Kuhweiden wichen Nadelwäldern. Alles wirkte ein bisschen verträumter als zuhause.
    Als meine Mutter von der Autobahn abfuhr, dauerte es gar nicht mehr lange, bis ich wirklich die ersten Heidschnucken zu Gesicht bekam. Wir glitten über immer schmaler und einsamer werdende Landstraßen dahin, bis meine Mutter sich gespannt aufsetzte. "Hier müsste es bald sein…", murmelte sie und zum ersten Mal hörte ich aus ihrer Stimme Nervosität heraus.
    Wie auf das Stichwort tauchte eine Abzweigung auf. Ein Schild mit der Aufschrift: 'Ferienhof Lindenau - 2 Kilometer' stand daneben. Meine Mutter atmete tief durch und bog in die Allee ab.
    Schon nach ein paar hundert Metern sah man die Weiden. Mit unwahrscheinlich vielen Pferden. Die Nervosität ließ mich fast die Luft anhalten. Trotzdem war alles irgendwie perfekt. Die Sommersonne schien durch die grünen Laubbäume, die Pferde sahen beinahe aus wie Märchenwesen. Hätte ich nicht gewusst, dass ich bald auf einem von ihnen reiten sollte, hätte ich diesen Anblick zutiefst genossen.
    Jede noch so schöne Straße hat einmal ein Ende, und das dieser Allee kam bedrohlich schnell näher. Man erkannte durch die Baumstämme schon die Einfahrt - die Gebäude - den Reitplatz…
    Und dann, fasst plötzlich, fuhren wir in die Einfahrt ein.
    Der Blick in den Hof öffnete sich schlagartig. Die Reithalle… der Reitplatz… der Stall…
    Meine Mutter parkte ziemlich fahrig ein und stellte den Motor aus. Ich schloss die Augen und meine Hand, die schon am Gurt lag, krallte sich hinein. Es gab kein Zurück mehr, aber trotzdem schrie plötzlich alles in mir: 'NEIN! Was mache ich nur hier?' Aber der Gurt war heiß geworden durch die stechende Sonne und die Hand verweilte ziemlich ungern auf kochend heißen Gurten. Also schnallte ich mich ab und Mama und ich öffneten gleichzeitig die Türen.
    Ich hatte gedacht, es wäre im Auto ziemlich heiß, doch ich hatte mich geirrt. Draußen war es noch einen Tick wärmer. Auch die Luft war nicht frisch, sondern warm. Tausend unbekannte Gerüche stürmten auf mich zu. Heu, Mist, Pferdefell - all diese Aromen rollte mit einer Woge der Wärme über mich hinweg. Es war fremd, aber es war eigentlich ganz angenehm.
    Da blieb nur eine Frage - wo war Mona, die Hofbesitzerin? Und wo sollten wir hin?
    "Lass uns…", begann meine Mutter, sah sich um und setzte neu an, "lass uns doch einfach mal zum Stall gehen. Irgendwer kann uns sicher sagen, wo Mona ist."
    Ohje. Meine erste Aktion, die ich auf Hof Lindenau brachte, war also, einen Suchtrupp mit meiner Mutter zu bilden? "Wollen wir uns nicht lieber trennen? Dann finden wir bestimmt eher jemanden. Und wir machen weniger den Eindruck, als würden wir den Hof hier überfallen…", schlug ich vor.
    Mama nickte bedächtig. "Ich gehe zur Reithalle. Vielleicht gibt sie ja gerade eine Stunde, oder irgendeine Stellvertretung ist da."
    "Ich nehme mir den Stall vor… Vielleicht treibt sich diese Linny ja da rum", sagte ich betont locker. Dann schlenderte ich los in Richtung des Gebäudes, das zumindest in meinen Laienaugen nach Stall aussah.
    Ich musste einen lächerlichen Anblick abgeben - eine Reithose hatten wir in der Kürze der Zeit beileibe nicht kriegen können. Mein T-Shirt war nach der Fahrt im stickigen Auto ziemlich durchgeschwitzt und mit den ungewohnt engen Gummireitstiefeln an den Füßen lief ich nicht wirklich rund. Zumindest konnte ich ein paar Meter weiter feststellen, dass ich mich in Bezug auf das Gebäude nicht geirrt hatte. Es war tatsächlich der Stall. Ein Schritt, und ich stand im Halbdunkel. Die meisten Boxen waren leer. Die Boxengasse jedoch nicht. Dort standen zwei Mädchen mit dem Rücken zu mir. Jetzt oder nie, dachte ich. Wenn ich jemals lernen wollte, unbefangen auf fremde Leute zuzugehen, konnte ich hier anfangen.
    Unbeholfen räusperte ich mich. "Entschuldigung?", meine Stimme klang merkwürdig hoch und pfeifend. "Wisst ihr vielleicht, wo ich die Hofbesitzerin finde…"
    Die zwei Mädchen drehten sich um und meine Stimme verlor sich im Nirgendwo. Ich musterte die Beiden einfach nur und versuchte mir über die schreckliche Tatsache klarzuwerden. Sie waren hier. Meine zwei schrecklichsten Albträume, gerade die zwei Menschen, die mich auf diesem Planeten am meisten zu hassen schienen, hatten mich gefunden. "Hi… Carolin… Anja…", krächzte ich nur.
     
  19. Elsaria

    Elsaria Guest

    weiter schreiben *qüängel*
     
  20. Saphira5

    Saphira5 Gesperrte Benutzer

    bite weiterschreiben =)
     

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