Pferdige Erfahrungen Thread

Dieses Thema im Forum "Pferdetalk" wurde erstellt von Occulta, 17 Dez. 2016.

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  1. Occulta

    Occulta Schattenpferd

    Hoi hoi

    Ich hatte heute die etwas seltsame Idee, ein Thema zu gründen, in dem ihr alle möglichen Erfahrungen im Umgang mit Pferden posten könnt - also hier ist es.

    Sinn davon: Ich möchte damit einen Anreiz geben, dass mehr kleine Erfolgs- (oder auch Misserfolgs-?) Geschichten, Tipps und Tricks, Alltagserlebnisse usw. hier geteilt werden, ohne dass dafür jedes Mal ein neues Thema aufgemacht werden muss.
    Kennt ihr den Moment, wenn ihr vom Stall nach Hause kommt, etwas Lustiges oder Lehrreiches erlebt habt, eure Finger kribbeln und ihr es den anderen gerne mitteilen wollt, aber es ist a) zu lang für die Profilnachrichten und b) zu wenig wichtig für ein extra Thema? Genau dafür ist dieses Thema gedacht.
    So wie ich mir das vorstelle, entsteht so am Schluss eine Sammlung von Erfahrungen, von denen jeder hier profitieren kann. Gerne dürft ihr dabei auch ein wenig diskutieren, aber haltet es im kleinen und vorallem freundlichen Rahmen, damit es übersichtlich bleibt und den Usern die Lust am posten nicht vergeht.

    Wenn ihr etwas postet, das einen Lernwert hat, wäre es toll, wenn ihr jeweils möglichst viel dazu erläutert, also zum Beispiel wie der Ausbildungsstand des Beispielpferdes ist, was die genauen Umstände der Situation waren, ob ihr auch externe Quellen habt, die eure Beobachtung stützen etc.

    Ansonsten seid ihr völlig frei und könnt über alles berichten, was euch oder euren Kollegen so im Alltag passiert ist. Es kann also durchaus auch nur eine lustige Geschichte ohne grössere Bedeutung sein :)

    Ich freue mich auf eure Beiträge, haut in die Tasten! :D
    LG
     
  2. Occulta

    Occulta Schattenpferd

    Ich bringe am besten gleich mal ein Beispiel, damit ihr eine Idee bekommt ^-^

    Und zwar habe ich mit Muffin ja schon allerlei Sachen erlebt (Jungpferdeausbildung ist unheimlich spannend :D), aber etwas, was mir letztens ziemlich zu denken gegeben hat war folgende Situation:
    Ich war mit Muffin in der Halle und habe sie vor dem Reiten etwas warmgeführt, wie ich es eigentlich immer tue, bevor ich aufsteige. Das hat verschiedene Gründe, zum einen sehe ich so jeweils schon vom Boden aus, ob sie etwas beunruhigt und ob sie auf mich achtet, zum anderen erhoffe ich mir, dass Gurt und Sattel dadurch noch in eine bequeme Lage rutschen, bzw. allfällige Hautfalten beim Gurt geglättet werden, bevor ich ganz anziehe. Dabei blödeln wir auch mal ein wenig rum, ich teste ihre Aufmerksamkeit oder frage Tricks ab. Meine Mum war auch dabei, weil sie mir Reitstunde geben wollte. Ich liess Muffin frei hinter mir herzockeln. Sie folgt mir eigentlich immer, wenn ich es möchte, aber natürlich lässt sie sich auch manchmal ablenken, oder bleibt stehen um irgendwo zu schnüffeln. Darf sie auch, ist schliesslich ein Pferd und kein Roboter. Ich lasse meinem Partner gewisse Freiheiten und erwarte nicht in jeder Sekunde unseres Zusammenseins bedingungslose Unterwürfigkeit, denn ich weiss ja, dass ich sie jederzeit dazu bringen kann das zu tun, was ich von ihr möchte. Irgendwann blieb sie also stehen, um sich am Bein zu kratzen und dabei fiel der Zügel über ihren Hals. Natürlich stand sie mitten rein und erschreckte sich. Sie zog ein paarmal den Kopf hoch, trabte einige Meter davon und versuchte, den um ihr Bein gewickelten Zügel irgendwie loszuwerden. Meine Mum schob sofort Panik und rief mir zu, ich solle etwas tun. And guess what? Ich bin einfach stehengeblieben und habe gewartet. Muffin merkte nach wenigen Sekunden, dass sie dem Druck durch Weglaufen nicht entkommen kann und - clever wie sie ist - blieb stehen und sah mich fragend an. Ich ging ruhig zu ihr hin und konnte problemlos ihr Bein aus der Schlaufe heben. Dann lobte ich sie ausgiebig.

    Was hat dieses Pferd in dem Moment gelernt? Richtig - wenn ich mich irgendwie verheddere, muss ich einfach stehen bleiben und der doofe Zweibeiner da befreit mich, der Druck geht weg. Weglaufen, rennen, whatever = offensichtlich keine Lösung für dieses Problem. Meine Mum ist dann erstmal ausgeflippt und meinte das sei ja so gefährlich gewesen, und was wenn sie weitergerannt wäre, und und und. Meine Gegenfrage war, warum hätte sie denn weiterrennen sollen? Indem ich weder gerufen noch mit den Armen gefuchtelt habe und auf Abstand geblieben bin, habe ich keinen zusätzlichen Druck aufgebaut, der sie weiter verwirrt hätte. So konnte sie sich ohne Störfaktor mit der Situation beschäftigen und nach einer Lösung suchen. Worstcase wäre meiner Erfahrung nach, auf so ein Pferd zuzurennen und einzugreifen, auch wenn das für viele die erste Reaktion wäre, denn man will ja dem Pferd 'helfen'. Tatsächlich aber habe ich Muffin so ermöglicht, selbst zu lernen und herauszufinden, was die einfachste Lösung ist - nämlich stehen zu bleiben und auf mich zu warten. Das ist doch schlussendlich genau das, was wir immer erreichen wollen: ein Pferd, dass sich bei Problemen an uns wendet, anstatt selber Entscheidungen zu treffen und die Flucht zu ergreifen.

    Was ich dazu noch sagen muss ist, dass Muffin bereits ausgiebig an Seile gewöhnt ist. Ich habe mit ihr immer mal wieder Schrecktraining gemacht und ihr gezeigt, dass es nichts Schlimmes ist, wenn sich ein Seil um ihre Beine wickelt. Ich mache das auch oft nebenbei im Alltag, überhaupt gewöhne ich sie bei jeder Gelegenheit an Neues und nehme mir die Zeit, wann immer möglich. Sie hatte also die nötige Vorbereitung und war nicht komplett unerfahren mit Dingen, die ihre Beine berühren oder sich darum wickeln. Daher konnte ich auch so ruhig bleiben; weil ich wusste, dass mein Pferd genügend vorbereitet ist, um nicht gleich total auszuflippen und sich ernsthaft zu verletzen. Ausserdem waren wir alleine in der Reithalle, also eine geschlossene, reizarme Umgebung ohne Fluchtmöglichkeit - gute Voraussetzungen für diese Lernerfahrung.

    Und zum Schluss: Eine gute Übung ist es auch, etwas Mut zu haben und das Pferd einfach mal den Führstrick hinterherziehen zu lassen. Es soll so kontrolliert und ruhig herausfinden dürfen, dass es beim Drauftreten bloss den Huf heben muss, um dem Druck zu entkommen. Wenn es nun irgendwann dazu kommen sollte, dass mein Pferd sich losreisst oder mich abwirft, wird es höchstwahrscheinlich nicht kopflos wegrennen, sich verheddern und Panik bekommen, sondern bereits wissen, was zu tun ist. Ich habe festgestellt, dass man Pferde viel zu oft beschützen will und ihnen so keine Gelegenheit lässt, sich mit Gefahren auseinanderzusetzen, was im Endeffekt nur Nachteile bringt. Wie Rick Gore einmal so schön gesagt hat: Horses have a brain, believe it or not - so let them use it.

    (Allerdings, nur um es noch einmal erwähnt zu haben: Lasst eure Pferde bitte nie absichtlich in die Zügel stehen! Die Situation war so nicht geplant, aber ich hab dem Ganzen seinen Lauf gelassen, weil ich sowieso nicht viel mehr hätte tun können. Absichtlich würde ich das jedoch nie tun, auch nicht jetzt, wo sie es ja 'kennt'. Denn natürlich ist es jedes Mal schmerzhaft, wenn sie auf die Zügel treten, sich erschrecken und dann den Kopf hochreissen, das möchte man eigentlich immer verhindern - nur manchmal ist man eben zu wenig schnell oder es ist einfach nicht möglich, zum Beispiel wenn man stürzt. Meine Botschaft ist lediglich, dass es oft mehr nützt, ruhig zu bleiben und die Situation nicht noch weiter aufzuheizen, ausserdem das Pferd bestmöglich vorzubereiten!)
     
    Zuletzt bearbeitet: 17 Dez. 2016
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  3. Elsaria

    Elsaria Liebe die welt und die welt liebt dich xD oder so

    Naja. Da ist es mal gut ausgegangen. Das deine Mutter ausflippt ist verständlich. Stell dir vor Sie tritt auf die zügeln im galoppieren und reißt den Kopf hoch. Da kann sie sich mal schnell das Genick brechen.

    Wenn du vorhattest sie frei zu lassen wieso hast du nicht einfach die zügel abgebaut?
     
  4. Veija

    Veija Bekanntes Mitglied

    Sie wollte sie ja gar nicht frei lassen Elsaria :) sie hat sie warm geführt und als muffin den Kopf runter gemacht hat ist der Zügel über den Kopf gerutscht:)

    Aber krass occu, ich wäre genau wie deine Mutter in Panik verfallen, was eigentlich der total falsche Weg ist :0
    Wirklich schön zu lesen, dass ihr so unglaublich viele Fortschritte macht! :)
     
  5. Sosox3

    Sosox3 Bekanntes Mitglied

    Sowas ähnliches hatte ich mit einer Freundin auch. Sie hat 3 Stuten, mit 2 wollten wir spazieren gehen, auf einmal reißt sich die eine bei mir los und trabt Richtung Straße (bis zur Straße sinds ca 20 m) ich panisch hinterher a la "Sunny rennt auf die Straßeeeeee" und meine Freundin so: Bleib stehen. Ich so: aber die rennt auf die Straße :eek: und die dann so: So blöd ist die nicht... bleib einfach stehen. Gesagt getan. Sunny blieb stehen und schaut mich richtig doof an, in der Art: Haha, das Opfer ist mir hinterher gerannt.
    Sie kannte ihr Pferd einfach besser und weiß was man der Dummen zutrauen kann oder nicht.:D
     
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  6. Leaenna

    Leaenna Killjoy

    Ich finde deine Reaktion in der Situation unglaublich reif, Occu! Weil du es schaffst, deine "Instinkte" - Hinrennen und helfen - auszuschalten und deine Reaktion so krass zu reflektieren. Das ist verdammt schwer und viele Menschen lernen es ihr Leben lang nicht. Mit all dem Hintergrund, den du zusätzlich beschrieben hast, zb. dass das Pferd Seile allgemein kennt, dass es eine sichere Umgebung war, usw., finde ich dein Handeln auch absolut in Ordnung. Aber dass du diese ganzen Aspekte - Wie wird mein Pferd reagieren und warum, was kennt es, wo sind wir,... - So kurzfristig durchdenken und auf dieser Basis deine Entscheidung zum Handeln treffen kannst, das bewundere ich total. Ich hätte die Situation wahrscheinlich erst im Nachhinein neutral betrachten können und mir dann überlegt, warum ich anders hätte handeln sollen. Mit dem Können deinerseits wirst du euch beiden noch sehr viel helfen können!
     
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  7. Occulta

    Occulta Schattenpferd

    Oh, danke für das Lob ^-^ Natürlich habe ich auch schon oft Fehler gemacht und Dinge falsch eingeschätzt - zum Beispiel hat Elsaria schon recht, ich hätte das ganze von Anfang an verhindern können. Fehler passieren nunmal, aber ich versuche immer daraus zu lernen und besser zu werden - Muffin und ich lernen gemeinsam. Es ist einfach wichtig, auf das Pferd zu achten und sich bei jeder Handlung zu überlegen, was das Ziel ist. Manchmal kann das Ziel nur Spass sein, aber ich lege grossen Wert darauf, auch in Alltagsmomenten bewusst zu handeln und Muffin bei jeder Gelegenheit ein bisschen mehr zu erklären. Wir arbeiten also ständig an unserer Beziehung. Ich sehe einfach viel zu oft Leute bei uns im Stall, die sich mit dem Pferd nur beschäftigen, um es zu bewegen. Sie drücken während dem Einwärmen auf dem Handy rum, reden die ganze Zeit miteinander während das Pferd sie durch die Gegend gondelt, oder ziehen stur ihr Programm durch. Die meisten Bocksprünge oder Schreckmomente die ich beobachtet habe, entstanden, weil der Reiter die Signale, die das Pferd gegeben hat nicht gesehen oder ignoriert hat. Ich versuche jeden Tag mit einem Ziel in den Stall zu gehen, oder auch einfach mir spontan etwas auszudenken. Ich will mein Pferd nicht nur bewegen, sondern mich aktiv mit ihm beschäftigen - sonst bräuchte ich ja kein Pferd zu besitzen, sondern könnte mit dem Fahrrad rumfahren.
    Jedenfalls kann ich Muffin dank diesem bewussten Training selbst mit ihren viereinhalb Jahren schon so gut einschätzen, dass uns kaum noch Dinge aufrütteln - sie ist jetzt schon eines der brävsten Pferde im Stall. Ich weiss genau, was sie kann, was ihr Mühe bereitet, wovor sie Angst hat, wie sie reagiert und was sie mir mitteilen will. Das sind die grossen Vorteile am selber Einreiten. Dadurch überfordere ich sie nicht und kann die meisten Situationen schon entschärfen, bevor sie überhaupt zu einem Problem werden.
    Natürlich ist das Ganze nicht so einfach wie es klingt, und nicht jeder traut sich, mit einem jungen Pferd zu arbeiten. Man muss sich immer weiterbilden, sich mit verschiedensten Themen auseinandersetzen und schlussendlich ausprobieren. Wie weit man dabei gehen will, ist jedem selber überlassen.

    Aber genug von Muffin und mir - ich will auch etwas von euch hören! Sosox3 hat das schon toll vorgemacht, also her mit euren Geschichten und Erlebnissen :D <3
     
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  8. metzdaria

    metzdaria Neues Mitglied

    Muffin ist ja ein genialer Name für ein Pferd! Hat mich gut zum Lachen gebracht :D
     

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