1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

KG 19

Dieses Thema im Forum "Archiv" wurde erstellt von deivi, 29 Jan. 2009.

?

Welcher Geschichte soll gewinnen?

  1. Zwischen den Fronten - der Fluchtversuch

    0 Stimme(n)
    0,0%
  2. Auf und davon

    0 Stimme(n)
    0,0%
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. deivi

    deivi Don't drink and daif Staff

    Stammdaten der Kurzgeschichten:
    - Titel der Kurzgeschichte:
    - Thema der Kurzgeschichte:
    - Verfasst am:


    Thema
    : 'Elternliebe'
    Zur Geschichte: Ihr schreibt aus der Sicht eines Mädchens, welches ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern hat.Sie streiten unablässig, was ihr sehr zu Herzen geht.Deswegen entscheidet sie von zuhause abzuhauen...schafft sie es?

    Regeln:
    -Startgeld von 15 Joellen gehen an mich (deivi)
    -Zahlungsgrund: KG 19
    -Wer nicht überweist wir disqualifiziert
    -Es wird frühestens abgestimmt wenn 4 teilgenommen haben


    Schon überwiesen:
    -Samanta
    -Isi-Ladys
    -LiiSaxP
    -Leyla
     
  2. Isi-Ladys

    Isi-Ladys Die Zwillinge xD

    Stammdaten der Kurzgeschichten:
    - Titel der Kurzgeschichte: Zwischen den Fronten - der Fluchtversuch
    - Thema der Kurzgeschichte: Elternliebe - Ein Mädchen haut von zuhause ab, weil sich die Eltern dauernd streiten. Schafft sie es?
    - Verfasst am:31. Januar 2009


    "Nein, hast du nicht!", schrie meine Mutter. "Du machst nichts! Den ganzen Tag hockst du auf dem Sofa rum. Mach doch mal was! Oder willst du, dass das Kind herunterkommt?!" Kurz darauf erschall das Geräusch einer Ohrfeige.
    "Kümmer du dich doch um Vivien! Ich bin es leid, mich herum kommandieren zu lassen. Schon vergessen, ich verdiene das Geld. Das ist mein Haus!" Das war die Stimme meines Vaters.
    Stumm weinte ich. Die Tränen fanden ihren Weg aus meinen Augen auf den Parkettboden, mein Körper wurde von leisen Schluchzern geschüttelt. Dann ging ich zurück in mein Zimmer und nahm eine Tasche vom Schrank.

    Ich spürte Kälte, als ich erwachte. Müde schlug ich die Augen auf, mein Magen grummelte, ich hatte Hunger, meine Kehle war trocken. Dennoch war es ruhig ; und ich genoss diese Ruhe. Sie war das, worauf ich wochenlang, ja, monatelang gewartet hatte. Ich lehnte den Kopf an die Mauer.
    Schließlich machte ich mich auf den Weg, etwas zu essen zu suchen und holte einen zerknitterten Zwanzig-Euro Schein aus meiner Hosentasche, während ich mich auf den Weg zum Geschäft machte.
    Einige Minuten später war ich gesättigt. Was nun? Ich war von zuhause abgehauen, ohne Plan, ohne Zuflucht, ohne Zukunft. Ohne Freunde, ohne Unterstützung, ohne Familie. Ich würde mich alleine durchschlagen müssen.
    Seufzend schloss ich die Augen und setzte mich in eine kleine, aber relativ saubere dunkle Gasse. Was nun?
    Ich fror immernoch, deshalb wollte ich mich umziehen. Aber... Wo nur?

    Kurze Zeit später saß ich bei McDonalds, nein, ich genehmigte mir kein teurer Menü, sondern zog mich auf der Toilette um. Okay, etwas ärmlich, aber besser, als nachts zu erfrieren oder mich in Sackgassen umzuziehen, in denen zwielichte Gestalten lauerten. War ich das jetzt... eine zwielichte Gestalt? Mit einer Tasche, in der die Leute vielleicht Drogen vermuteten?
    Geschwind, ohne mich umzublicken, trat ich wieder auf die Straße.
    Würden meine Eltern mich suchen? Ich wusste es nicht. Aber ich wusste, dass ich es nicht wollte ; nach Hause zurückkehren, zu einem Vater, der meine Mutter schlägt und zu einer solchigen, die sich ständig mit ihm streitet.
    Auf der anderen Seite war dort Wärme, eine Dusche, die ich schon jetzt vermisste und etwas zu essen. Mein Magen knurrte, aber ich musste mir noch ein wenig Geld für morgen und die darauffolgenden Tage aufheben.

    Drei Tage verstreichen. Montag, dann Dienstag...
    Suchen sie mich nicht? Mum, Dad - vermissen sie mich? Ich fühlte mich kraftlos ; ich hatte gestern mein letztes Geld für eine Wasserflasche ausgegeben. Gierig stürzte ich den letzten Rest des kühlen Nass' herunter, bevor ich mich aufrichtete. Meine Glieder schmerzten vom Liegen auf dem harten Betonboden. Meine Haare waren verfilzt, struppig, voller Schmutz und vor allen Dingen fettig. Ich hasste dieses Gefühl! Es klebte und war unangehnem, ich konnte es nicht beschreiben.
    Noch müde tastete ich nach meiner Tasche, ich wollte meine Kleidung wechseln. Als ich nichts fühlte, öffnete die unwillig die Augen ; und riss diese sofort auf, sprang hoch. Wo... wo war meine Tasche? Hektisch sah ich hinter der Mülltonne nach, sah mich verwirrt um. Das konnte doch nicht sein, gestern war sie doch noch da gewesen.
    Dann fiel es mir ein. Verärgert setzte ich mich auf den Boden. Verdammt! Gestern Abend war ein Penner vorbeigekommen, sah meine Klamotten, meine Tasche. Er fragte, ob er etwas davon haben dürfte. Ich hatte ihm ein T-Shirt zugeworfen, doch er hatte nach mehr verlangt, was ich ablehnte. Er musste also weider gekommen sein, um sich das zu holen, was er wollte, neue, halb frische Klamotten. Na toll.

    Eine Stunde später überfiel es mich, machte mich fertig.
    Die Kälte schien sich zu verstärken, es waren gefühlte Minus 30°C. Meine Zähne klapperten, während mir abwechselnd heiß und kalt wurde, es schüttelte mich. Dazu kam das starke Hungergefühl und schließlich... die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Wärme. Da wusste ich es : Es konnte alles gut werden. Wenn ich jetzt nach Hause ginge. Meine in Tränen aufgelöste Mutter würde, Gott dankend, dass ich wieder gekommen war, sich meinetwegen mit Vater versöhnen.
    Ja...ein warmes Gefühl durchströmte mich, bevor ich zur Seite wegkippte und mir meine Augen den Dienst versagten.
    Da war nur noch endlose, einlullende Schwärze.
     
  3. Lisa

    Lisa i love the way u lie.. :|

    Stammdaten der Kurzgeschichten:
    - Titel der Kurzgeschichte:
    - Thema der Kurzgeschichte: Ein Mädchen ist verzweifelt weil ihre Eltern sich streiten, sie stehen kurz vor dem aus. Aus verzweiflung rennt Sie von Zuhause weg.. Klappt es?
    - Verfasst am: 01. Februar 09

    Ich schlug meine Augen auf. Was war das grade? Dieses Knallen...etwas ist zerbrochen. Ganz deutlich habe Ich es gehört. Einbrecher? Ich keuchte und schluckte. Kalter Schweiss stand mir auf der Stirn. Schnell sprang Ich aus dem bett und zog meinen Morgenmantel an. Mein Digitalwecker zeigte 00.30 an. Leise schlich Ich aus dem Zimmer, die Treppe hinunte. Ich hörte ein schluchzen. Dann brüllte eine männliche Stimme:,,Halt den Mund! Du weckst sonst noch Amy auf! SEI RUHIG!" Mein Vater. Wieder schepperte es. Ich schrie aufund riss die Türe des Wohnzimmer´s auf. Meine Mutter saß auf der Couch, Ihr Gesicht Tränenüberströmt. Mein Vater stand hinter dem Sessl, neben Ihm Glasscherben und unsere Vitrine war beinahe leer. Ich starrte sekundenlang zwischen den beiden hin und her. Ich spürte etwas heißes auf meiner Wange. Tränen. ,,Mum? Dad?", piepste Ich mit einem Kloß im Hals. Das Gesicht meines Vater´s war wutverzerrt doch als er begriff das Ich i der Tür stand entspannten sich seine Muskeln. Er lächelte. Ich biss meine Zähne zusammen. Unter Tränen schrie Ich:,,Was soll das? Warum tut Ihr das? Ihr seid schrecklich! Ich hasse euch!" Meine Mutter schluckte und meinte:,,Schätzchen, geh wieder ins Bett ja? Mama und Papa sind jetzt still, versprochen! Wir hatten nur einen kleinen Strei okay? Wie du mit deinen Freunden manchmal hast!" Ich ballte meine Hände zu fäusten. ,,Lügner! Ihr seid beide Lügner! Ihr denkt Ich verstehe nichts, stimmts? Aber das tue ich sehr wohl!" Wutentbrannt rannte Ich in mein Zimmer, knallte die Tür und schmiss mich weinend auf mein Bett.

    Es begann vor ca. 4 Monaten. Mein Vater bekam einen neuen Job als Eventmanager. Von da an hatte er keine Zeit mehr für uns. Meine Mutter war einsam. Sie ging immer öfter ins Internet und so kam es das Sie einen anderen Mann kennen- und lieben lernte. Wenn man eine Bettgeschichte ''lieben'' nennen konnte. Mein Vater hatte Wind davon gekriegt und den Typ zusammengeschlagen. Das war vor 2 Monaten. Er musste vor Gericht. Geldstrafe. Seit dem hassen meine Eltern sich regelrecht. Immer wieder wirft mein Vater meiner Mum miese Ausdrücke an den Kopf. Schlampe, Hure etc. Jetzt leben wir so... in einem Scherbenhaufen. Ich wusste nicht mehr was ich tun sollte. Nacht für Nacht das geschreie und gepolter, manchmal hatte Mum blaue Flecken. Sie ist ja angeblich so tollpatschig und stößt sich. Wer´s glaubt! Ich spielte oft mit dem Gedanken abzuhauen, aber was würde das ändern? Stattdessen lenkte ich mich anders ab. Mit schmerz. Meine Arme sahen schrecklich aus aber das hatte ich verdient. Wie konnte ich nur so dumm sein und glauben alles würde wieder gut?

    Eine Stunde später tapste ich benommen ins Badezimmer. Es würde ohnehin wieder eine schlaflose Nacht. Meine Eltern waren zu Bett gegangen. Besser gesagt; Mum auf der Couch und Dad im Bett. Ich öffnete die knarrende Tür und schloss Sie auch schnell wieder hinter mir. Ich sah in den Spiegel. Meine Augen waren rot und verquollen. Meine Haare zerzusselt, mein Gesicht rot und irgendwie geschwollen. Ich seuftzte und öffnete die Türen des Spiegelschranks.

    ff





     
  4. Leyla

    Leyla twilight-lover

    Stammdaten der Kurzgeschichten:
    - Titel der Kurzgeschichte: Elternliebe: Auf und davon
    - Thema der Kurzgeschichte: Die Eltern eines Mädchens streiten sich nur noch. Eine Welt bricht für sie zusammen und sie haut von zu Hause ab. Schafft sie es?
    - Verfasst am: 1.2.09


    "Verdammt!" Klirr "Das hast du ja ganz klasse hingekriegt!" "Halt doch die Klappe!" "Was hast du gerade gesagt? Für was hältst du dich eigentlich?" Ich wollte das nicht hören. Ich presste mir die Hände auf die Ohren, kniff die Augen zusammen, wollte losschreien. Aber ich blieb liegen wie eine Statue. Mom brach in Schluchzen aus. Es war halb zwölf. Ich konnte nicht schlafen. Und das seit zwei Wochen.
    Eine Tür knallte zu. Mom kam die Treppe herauf. Ich konnte ihr Schluchzen jetzt deutlich hören. Und ich wusste, dass sie heute wieder im Gästezimmer schlafen würde. Die Tür knallte ein zweites Mal. Es war Dad. Und er war sturzbesoffen. Er trampelte die Treppe hoch wie ein Riesenmammut. Aber ich hörte, dass auch er nicht ins Schlafzimmer ging. "Nein!", dachte ich nur. Ich wollte losbrüllen, wollte auf den Flur rennen, wollte Dad am Arm packen, wollte ihn die Treppe hinunterstoßen. Ich spürte, wie mir die Tränen kamen, wie sie stumm aus meinen Augenwinkeln liefen. Heiß und kalt gleichzeitig. Ich verkrampfte mich, machte kein Geräusch. Das alles war so falsch. So falsch wie etwas nur sein konnte. Ich kniff die Augen zusammen. Wenn ich doch nur irgendetwas tun könnte. Ich wusste genau was Dad tat. Und ich hasste es. Ich hasste ihn. Ich hasste ihn so abgrundtief wie man einen Menschen nur hassen konnte. Ich konnte Moms Schreie hören. Ich konnte alles hören. Alles. Ich hörte, wie Mom "HÖR AUF!" kreischte. Ich konnte Dads schmieriges, besoffenes Lachen hören. Ich musste hier raus. Ich hielt das alles nicht mehr aus. Ich verkrampfte alles, zerrte alles auseinander, versuchte mich abzulenken. Ich ballte die Hände zu Fäusten, die ich nicht entspannte. Ich riss meine Schultern nach hinten, schug mit dem Kopf auf das Kissen, begann mich herumzuwälzen. Der niemalsendende Albtraum hatte gerade erst begonnen. Mom schrie, schlug, Dad war besoffen und stärker. Es ging nicht mehr. Es machte mich einfach nur fertig.
    Ich sprang mit einem Satz aus dem Bett. Ich wusste, dass sie mich nicht hörten. Sie hatten beide vergessen, dass ich noch da war. Ich sah schon ihre Gesichter vor mir, morgen beim Frühstück. Wie sie kein Wort miteinander sprachen. Wie Mom schweigend ihr Müsli essen würde, einmal fragen würde, ob wir heute eine Klassenarbeit schrieben und wie Dad mich fragen würde, was ich denn zu essen mithaben wollte. Wie Mom ihre Tränen unterdrückte. Wie Dad sich Aspirin reinschaufelte um die Kopfschmerzen loszuwerden. Ich konnte das nicht mehr. Es ging nicht mehr.
    Ich zog mich um. Hose, Socken, T-Shirt und Jacke, Schal, Mütze, Handschuhe, Reitjacke. Eine andere hatte ich nicht in meinem Zimmer. Mom schrie. Ich schlug hart mit der Faust auf die Matratze. Ich öffnete das Fenster, schob die Schreibtischlampe beiseite und öffnete es ganz. Mein Zimmer war im ersten Stock. Ich musste lebensmüde sein.
    Lieber sich da unten das Genick brechen als Mom schreien zu hören.
    Ich kletterte auf den Fensterabsatz draußen. Es war dunkel, kalt, unheimlich. Aber das war mir egal. Vielleicht würde es sie wachrütteln. Mom, sich endlich von diesem Dreckskerl zu trennen. Und Dad, dass er endlich sah, dass er einen Fehler machte. Aber da machte ich mir keine Hoffnungen. Unten war Rasen. Ich schloss die Augen, schickte ein Stoßgebet zum Himmel, und hangelte mich raus. Ich hing jetzt nur noch mit den Händen am Fensterabsatz. Ich ließ mich fallen und kam unsanft auf dem Boden auf. Dabei verknackste ich mir den Knöchel. Aber ich ignorierte das. Ich war vielleicht naiv, aber ich war nicht blöd. Ich holte mein Fahrrad aus dem Schuppen und fuhr los. Ich hatte kein Geld, kein Essen, kein Trinken. Aber ich wusste immerhin, wo ich hinwollte.
    Ich hatte genau 6 Stunden, dann würde die Polizei benachrichtigt, ich hatte vielleicht 24 bis sie nach mir suchten. Vielleicht reichte das. Hoffentlich. Ich hatte den Schlüssel für den Stall in meiner Jacke. Und dahin fur ich jetzt. Ohne Licht. Es war eiskalt. Der Wind kam durch die Mütze und die Handschuhe. Ich fror erbärmlich. Der Schnee lag nicht mal einen cm. Aber es war kalt. Verdammt kalt.
    Das Schloss am Stall war halb eingefroren, aber ich bekam es auf. Ich schob mein Fahrrad hinein, schob von innen den Riegel vor und machte erstmal Licht. Die Pferde sahen mich alle etwas verständnislos an. Ich konnte es ihnen nicht verdenken. Ich ging in die Sattelkammer und nahm mir drei Winterdecken von der Leine. Dann machte ich das Licht wieder aus, wickelte mich in die Decken ein und legte mich auf das Stroh-Heu-Polster neben den Heu- und Strohballen. Und zum ersten Mal seit zwei Wochen fand ich wieder Ruhe.

    Am nächsten Tag wurde ich durch Nathalie geweckt. Nathalie stand vor der Tür und wollte die Pferde füttern. Ich sah kurz an mir herunter, befreite mich aus den Decken und schob den Riegel zurück. Nathalie starrte mich an als sähe sie einen Geist vor sich. "Was machst du denn hier?", fragte sie verständnislos. "Das ist ... kompliziert", sagte ich ausweichend. Sie nickte, starrte mich weiter an und meinte dann "Wenn du schonmal hier bist kannst du auch die Pferde füttern." Ich nickte. Ich hatte jetzt ein paar Stunden Schonfrist. Meine Eltern mussten arbeiten. Keiner von denen kannte mich gut genug um zu wissen, wo nach mir zu suchen war.
    Als ich mit dem Füttern war, verabschiedete ich mich hastig von Nathalie und fuhr weiter. Immerhin hatte ich eine Nach überlebt. Es war nicht warm und mir tat jeder Knochen weh, aber ich hatte es überlebt. Ich hatte Hunger, und ich hatte Durst. Ich hatte noch 8 km vor mir. Dann lag die Uni vor mir. Ich gelang irgendwie unbemerkt in den Raum vor Hörsaal 2. Dort gab es immerhin einen Wasserspender. Ich trank gierig 4 Becher leer und gelangte dann genauso unbemerkt wieder hinaus. Fakt war: Ich hatte keinen Cent in der Tasche, keine Verwandten in der Stadt, die Polizei auf dem Hals und jede Menge Hunger. Alles in mir sträubte sich dagegen, aber ich hatte genau eine Wahl. Die Suppenküche. Immerhin würde ich mir meiner Reitjacke dort nicht auffallen. Und ich musste den ganzen Vormittag warten.
    Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass das alles hier vielleicht doch nicht so eine gute Idee war. Ein bisschen sehnte ich mich nach dem geheizten Klassenraum und einer gefüllten Brotdose. Nur um ganz sicher zu gehen, dass ich wirklich nichts dabei hatte, kramte ich in den Taschen meiner Jacke. Und plötzlich fühlte ich etwas, das sich sehr verdächtig nach Geld anfühlte. Und tatsächlich. Ein 5€-Schein. Ich brauchte 10 Sekunden bis ich wusste, was das war. Wechselgeld. Von den Reitstunden. Ich setzte mich wieder auf mein Fahrrad und machte mich auf den Weg zum Supermarkt. Von 5€ durfte ich mich jetzt einen Tag ernähren. Das ging nicht gut, war aber nicht unmöglich. Ich begann zu rechnen. Wenn ich beim Bäcker vier normale Brötchen kaufte, war das 1€. Damit hatte ich Frühstück und Abendbrot. Dann blieben mir 4€ für den Rest. Das müsste zu machen sein. Ich kaufte zwei Flaschen Wasser, eine Tafel Schokolade und eine Packung Milchbrötchen. Damit war meine Versorgung gerettet. Die Verkäuferin sah mich zwar ziemlich schief an, aber ich ignorierte sie.
    Vor mir tauchte das Bild meiner Mutter auf, wie sie zu Hause saß und weinte. Was tat ich hier eigentlich? Ich sah auf meine Brötchentüte hinab. Mom musste völlig fertig mit der Welt sein. Ich sah es vor mir. Mom auf dem Sesselhocker, völlig in Tränen aufgelöst. Minnies besorgtes, wissendes Gesicht in der Schule. Minnie würde wissen was los war. Ich schluckte schwer. Mom. Aber dann kam plötzlich Dad dazu. Riss die Tür auf. Starrte Mom an. Ich wollte schreien. Wollte nicht daran denken. Es durfte nicht weitergehen. Es musste sein. Ich durfte nicht zurück!
    Ich stellte mein Fahrrad in den Schulfahrradständer von einer Schule ganz in der Nähe, pflanzte mich auf eine Parkbank und begann die Brötchen zu essen. Danach war ich erstmal satt. Ich stand auf und ging in die Innenstadt. Dort würde mich wahrscheinlich keiner so schnell suchen. Immer wenn ich zu viel Zeit und kein Geld hatte ging ich einen Buchladen und las mir Witzbücher durch "Uli Stein", "Nichtlustig" oder sowas in der Richtung. Damit bekam man locker eine halbe Stunde oder mehr rum. Und es war warm. Also blieb ich anderthalb Stunden. Erst las ich, dann überlegte ich mir, welche Bücher ich als nächstes kaufen wollte.
    Danach ging ich zu NewYorker und überlegte mir dort, welche T-Shirts ich bei der nächsten Shoppingtour kaufen würde. Es blieb mir nichts anderes übrig. Danach konnte ich kaum noch laufen, und flüchtete zu Leffers auf das große Sofa im Erdgeschoss. Dann setzte ich mich auf dem Platz vor Leffers auf eine Bank neben eine alte Oma und aß meine Milchbrötchen und die Schokolade. Ich brach die erste Flasche Wasser an. Bis jetzt ging es mir wirklich zu gut.
    Mir war nicht mal mehr kalt.
    Die Oma sah mich ein bisschen merkwürdig von der Seite an. Sie räusperte sich einmal, doch sie wandt schnell den Blick ab, als ich sie kühl, fast herausfordernd ansah. Der Blick tat mir schon fast wieder leid. Kurz darauf stand die Oma auf und ging. Sie erinnerte mich ein bisschen an Tante Doria. Sie wusste was los war. Und wenn sie es nicht wusste, sie ahnte es. Doch sie sagte keinen Ton. Sie ging nicht zur Polizei, sie sprach nicht mal mit meiner Mutter. Ja klar, Doria war Dads Schwester. Dennoch... Als ich an Dad dachte krallten sich meine Hände an der Parkbank fest. Mein Milchbrötchen schmeckte auf einmal trocken und es kostete mich ein bisschen Überwindung, den Bissen herunterzuschlucken, den ich im Mund hatte. Ich hatte es tun müssen. Es gab keine Alternative. Oder doch? Nein. Ich durfte jetzt nicht in Selbstzweifel aufgehen. Das wäre das Ende. Für mich, und für Mom. Das durfte ich nicht zulassen!

    Ich verbrachte noch den ganzen Nachmittag in der Stadt. Dann nahm ich wieder mein Fahrrad und fuhr zurück zum Stall. Ich traf Nathalie. Und die sah mich dieses Mal nicht nur schief an. "Was machst du hier?", fragte sie. "Du hast schon mal im Stall übernachtet. Was ist los?" Ich kannte sie zu gut, als dass ich sie hätte abwimmeln können. Es blieb mir nichts übrig. Ich erzählte ihr die ganze Angelegenheit. Sie schüttelte den Kopf. "Weißt du was? Du kommst erstmal mit zu mir und dann überlegen wir uns eine Lösung." Ich sah sie an. "Zu dir?" "Was hast du denn gedach? Dich im Stall erfrieren lassen? Ganz bestimmt nicht!"

    Inzwischen leben Mom und ich in Berlin in einer Sozialwohnung. Dad hatte sie rausgeschmissen, als sie sagte, dass sie sich von ihm trenne wollte. Mir gefällt es hier nicht. Die Mädchen in meiner Klasse sind alle reicher als ich und ich schreibe ihnen zu gute Noten, um mich nett zu finden. Aber alles ist besser als das, was wir hinter uns gelassen haben. Mom hat vorgestern einen Job gefunden, in Brandenburg. Ich hoffe jetzt, dass wir umziehen können, in eine größere Wohnung, wieder aufs Land.
     
  5. Samanta

    Samanta Leseratte

    Ich ziehe meine Teilnahme zurück !!
    Das überwiesene Startgeld spende ich dem Gewinner !!
     
  6. deivi

    deivi Don't drink and daif Staff

    Bitte abstimmen ;)

    Sind nur 2 Teilnehmer drin, da sonst wohl kein Interesse mehr besteht.
    Gewinner braucht 5 Stimmen-
     
  7. deivi

    deivi Don't drink and daif Staff

    Die Isis haben gewonnen =)
    [​IMG]
     
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen