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Körung - wie läuft das ab?

Dieses Thema im Forum "Pferde & Ponys" wurde erstellt von Eowin, 1 Juli 2016.

  1. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Hallo ihr Lieben,

    da ich darum gebeten wurde, möchte ich euch im Folgenden den Verlauf einer realen Körung schildern.
    Offenbar ist das von Verband zu Verband etwas unterschiedlich. Daher kann es da durchaus Abweichungen geben.
    Standart ist eine Körung bei 2-3 jährigen Hengsten. Ältere Hengste müssen entweder nachgekört werden, in die Sattelkörung, über Eigenleistung gekört werden oder vor der eigentlichen Körung die Hengstleistungsprüfung ablegen. Da das aber zu weit führt, gehe ich jetzt auf die "Standart-Körung" für junge Hengste ein.
    Gut zu wissen: Kleinstponys unter 87cm aller Rassen (Shetlandpony, Partbred Shetlandpony, AMH, Falabella...) müssen keine HLP ablegen. Alle größeren Rassen schon.

    1. Vorlaufen auf Pflaster
    Zunächst werden die Pferde auf Pflaster oder Asphalt vorgestellt.
    Meist wird zunächst in die Bahn hinein getrabt, dann wird das Pferd vor den Richtern aufgestellt.
    Dabei soll das Pferd aufmerksam den Kopf heben und die Ohren neugierig nach vorne stellen. Viele helfen dabei etwas nach ;) aufgestellt sollen alle Gliedmaßen des Pferdes deutlich zu sehen und zu beurteilen sein.
    Anschließend geht man die Bahn einmal im Schritt hoch und runter (enge Wendung), dann im Trab.
    Dann wird erneut aufgestellt, dieses Mal mit dem Blick in die andere Richtung, damit die Richter beide Seiten des Pferdes sehen können.
    Anschließend wird die Bahn im Trab verlassen.
    Bei den meisten Pferden läuft ein Peitschenführer hinterher, der dafür sorgt, dass das Pferd frisch vorwärts läuft. Es ist nicht erwünscht, dass die Pferde daherschlurfen, allerdings dürfen die Hengste an der Hand auch nicht angaloppieren. Übung ist gefragt!
    Sinn des Ganzen: Auf hartem Boden erkennt man evtl. vorliegende Lahmheiten am besten. Durch die enge Wendung werden evtl. vorhandene Krankheiten sichtbar (Wendeschmerz) - beispielsweise lösen Arthrose und Spat einen Wendeschmerz aus, aber auch viele andere Sachen.
    Außerdem kann auf geradem, ebenem Boden am besten das Exterieur beurteilt werden. Auf Gras oder im Sand würden z.B. die Hufe halb darin verschwinden und die Bewertung verfälschen.

    HIER erkennt man das sehr gut.

    2. Freilaufen in der Acht
    Ganz simpel gesagt wird hier das Pferd in der Halle laufen gelassen. Dabei werden ungefähr auf den jeweiligen Mittelpunkten der Zirkel "Hindernisse" aufgebaut, um die das Pferd herum läuft - es bildet sich also eine Acht.
    Hier wird das Pferd auf beiden Händen und in allen drei GGA angeschaut und beurteilt. Mehrere Peitschenführer sorgen dafür, dass das Pferd passend die Hand und/oder die Gangart wechselt.
    Bei sportlich eingesetzten Pferden wie DRP, Warmblütern, Welsh, Haflinger usw wird hier auch frei gesprungen, um die Springmanier beurteilen zu können.

    HIER ist ein schönes Video. Da ist auch der gesamte Körungsverlauf dargestellt. Nur leider ohne freispringen. Ich such mal, ob ich noch was nettes finde.

    3. Dreiecksbahn
    Hier wird - wie der Name schon sagt - ein großes Dreieck in die Halle gelegt.
    Hier wird wieder vor den Richtern aufgestellt. Ich kenne den Ablauf dann so, dass einmal im Trab, einmal im Schritt vorgeführt wird und zuletzt in die andere Richtung aufgestellt wird. Man soll übrigens immer erst die linke Seite des Pferdes zeigen.
    HIER ist ein Video. Und SO beschreibt es die FN - also doch anders. Im Zweifelsfall sagen die Richter an, was sie gerade wo sehen wollen. Das war bei mir der Fall.
    Häufig werden die Pferde auch erst auf der Dreiecksbahn vorgeführt, wenn alle Hengste zur Notengebung einlaufen. Das läuft dann im Schritt ab -> Schrittring.
    Stuten und Fohlen werden ebenfalls zur Beurteilung auf der Dreiecksbahn aufgestellt.
    @Zasa - dein Senf bitte! :D


    Jegliche Beurteilung unter dem Sattel findet in diesem Fall erst in der HLP statt.

    Hoffe, ich konnte euch hier einen kleinen Einblick gewähren ;-)

    Viele Grüße, Eo

    EDIT: Was mir noch wichtig ist: Ein Hengst soll Ausdruck haben und hengsttypisch sein. Es ist durchaus erwünscht, dass die kernig sind und die werden nicht schlechter beurteilt, wenn die mal zur Seite springen oä. Im Gegensatz dazu kenne ich einige Hengste, die nicht gekört wurden, weil sie zu lieb waren. Deswegen ist ein frisches Vorwärts immer sehr wichtig.
    Und wenn ihr die Videos schaut - so ein Junghengst ist bei weitem nicht immer brav!
     
    Zuletzt bearbeitet: 1 Juli 2016
    Jackie, Zion, Occulta und 2 anderen gefällt das.
  2. BellaS

    BellaS Ich bin ...äh ...'Eigen'

    Danke für die detaillierte Beschreibung! Ich würde meine zukünftigen Körtexte gerne an den realistischen ablauf anpasse und da hilft das hier, sowie die Vides, enorm. :)
     
  3. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Bitte, bitte :)
    Wegen der Dreiecksbahn frag ich auch nochmal nach. Bin grad dezent in Panik, weil mich das grad eeeetwas verunsichert hat - und ich muss Dienstag auf die Dreiecksbahn *partääi*

    Das mit dem Knabstrupper lohnt sich übrigens zu ende zu gucken, da sieht man mal, was man so alles einbauen kann :D :D :D
     
    BellaS gefällt das.
  4. Zasa

    Zasa Bekanntes Mitglied

    Ich sag mal wie es bei uns am Landgestüt war^^
    Zunächst wird vor den Richtern aufgestellt, die linke Seite des Pferdes. Es ist darauf zu achten das das Pferd mit allen Beinen sichtbar steht, häufig steht eine zweite Person weiter vor dem Pferd (welche auch auf dem Dreieck mitläuft) welche das Pferd aufmerksam hält (das es nach vorne schaut).
    Bei uns wurde dann zunächst eine Runde im Schritt gelaufen, die zweite getrabt. Immer darauf achten das das Pferd fleißig und ohne groß sichtbare Einwirkung läuft.
    Möglicht schnell, damit das Pferd bestmöglich unter tritt. Ein angaloppieren ist zu vermeiden, jedoch nicht weiter schlimm, da die Richter einen kernigen Hengst wollen. Danach wird nocheinmal aufgestellt mit der rechten Pferdeseite zu den Richtern.
    Es ist auch möglich das die Richter nur eine Runde verlangen, so wie es die FN beschreibt also. (Aufstellen, 1. kurze Seite Schritt, lange Seite Trab, 2. kurze Seite Schritt, aufstellen.
    (Die Dreiecksbahn wurde bei uns übrigens nur bei den Stuten angewand)

    Unsere Körungen fingen immer mit dem Vermessen an, dazu wird das Pferd gerade aufgestellt und mit einem Stockmaß gemessen.
    Danach ging es zur Pflasterstrecke. Übrigens als Zusatz zu dir, wird auch auf die Gangkorrektheit geschaut, also ob das Pferd richtig abfußt, bzw in die Spur der Vorderbeine :)
    Nach der Pflasterstecke ging es in die Halle. Dort wurde dann, je nach Körung (Dreiecksbahn häufig weg gelassen) mit dem Freilaufen in einer Acht weiter gemacht.
    Dazu wurde das Pferd noch einmal vor den Richtern aufgestellt, dann losgelassen. Die Richter wollen alle GGA's sehen, jedoch durch Aufregung meist nur Trab und Galopp möglich.
    Danach folgte das Freispringen. Dazu wurde das Pferd wieder eingefangen und mit einer kurzen Schnur, welche sich schnell löst, auf die abgesperrte Strecke geführt.
    Das Freispringen besteht auf 3 Sprüngen, ein kleines Kreuz, kleiner Kreuzoxer und als letztes ein normaler Ochser, welcher je nach Können immer höher gebaut wird.
    Dabei ist es egal ob das Pferd Dressur oder Springer ist, man beurteilt das gesamte Vermögen. Ausnahme waren kleine Rassen wie Shettys sowie Welsh A, sowie schwere Rassen wie Tinker, Friesen, allg Kaltblüter. Bei diesen Rassen kann es auch möglich sein, das statt Freilauf nur die Dreiecksbahn in Frage kommt.
    Nun wird auf die Ergebnisse gewartet. Danach geht es in den Schrittring, wo alle Pferde in einer großen Runde hintereinander im Schritt gehen, während die Richter sagen "Hengst blabla gute Merkmale/nicht ist nicht/gekört".


    Falls erwünscht, kann ich auch noch was zum Ablauf zur Körung der älteren Hengste sagen.
     
    Eowin gefällt das.
  5. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Gerne auch zu den älteren hengsten, da bin ich noch nie gewesen bzw. bei den Minis ist es der gleiche Ablauf, da da ja keine Sattelkörung etc. in frage kommt.

    Ich bin heute noch einmal auf der Dreiecksbahn gewesen. Hier war es so, dass wir zunächst linke Seite zu den richtern aufgestellt haben, dann eine runde Trab drumzu, dann rechte Seite aufstellen. Anschließend Schrittring mit allen Fohlen.
    Bei uns wurde also auf der Dreiecksbahn, wenn man alleine ist, gar kein Schritt verlangt.
     

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