Gebisse - die Qual (der Wahl)

Dieses Thema im Forum "Pferdetalk" wurde erstellt von Janina2205, 8 Mai 2016.

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Welches Gebiss verwendet ihr?

  1. Stangengebiss

    3 Stimme(n)
    10,7%
  2. Einfach gebrochenes

    12 Stimme(n)
    42,9%
  3. Doppelt gebrochenes

    13 Stimme(n)
    46,4%
  4. Olivenkopf Trense

    6 Stimme(n)
    21,4%
  5. Schenkeltrense (Knebeltrense)

    3 Stimme(n)
    10,7%
  6. Kandare

    3 Stimme(n)
    10,7%
  7. Pelham

    2 Stimme(n)
    7,1%
  8. 3-Ring-Trense o.ä.

    0 Stimme(n)
    0,0%
  9. Gebisslos

    14 Stimme(n)
    50,0%
  10. Andere

    1 Stimme(n)
    3,6%
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  1. Janina2205

    Janina2205 Aktives Mitglied

    Hallo ihr Lieben! :)

    Ich habe mich viele Stunden ins Thema Gebisse eingelesen und vieles wurde mir dadurch schmerzlich klar.

    Wenn man sich informiert findet man heraus, dass quasi jedes Gebiss für das Pferd im besten Fall nur unangenehm, aber meist doch schmerzhaft ist. Ist ja auch logisch, es ist schließlich ein Fremdkörper. Ich würde auch nicht gerne mit einem Kugelschreiber im Mund herum laufen.
    Wenn es euch interessiert könnt ihr euch ja selbst genauer informieren (z. B. Hier http://herzenspferd.de/wirkung-gebisse/ und auf diversen anderen Seiten) , ich fasse nur kurz zusammen:

    Einfach gebrochene Gebisse drücken auf die Lade des Pferdes, ggf wird die Zunge gequetscht. Es kann zum Nussknacker-Effekt kommen
    Doppelt gebrochene Gebisse drücken auf lade und Zunge
    Stangen Gebisse drücken ebenfalls auf die lade und können die Zunge quetschen.

    Es gibt auch viele Artikel die bezeugen, dass die Atmung des Pferdes (vor allem beim Rennen) durch Gebisse massiv beeinflusst wird. Kurz zusammengefasst: Durch das Gebiss, den Fremdkörper, wird das Pferd quasi zu fressen animierte (es kommt zur Speichel Produktion) , gleichzeitig soll es Rennen.

    Als Reiter und Pferdefreund war ich natürlich erstmal schockiert darüber, dass es wohl keine Möglichkeit gibt ein Pferd mit Gebiss wirklich pferdefreundlich zu reiten. Klar, es kommt immer auf die Reiterhand an, doch auch eine feine Reiterhand nimmt mal die Zügel auf und läuft nicht nur am langen Zügel. Und die Studien zeigen, dass es zu den Schmerzen und dem Druck schon dann kommt. Also nicht nur beim unverantwortlichen reißen im Maul.

    Also was tun?

    Was kann man mit seinem Gewissen vereinbaren?
    Gebisslos reiten ist die naheliegende Antwort. Und wer die Möglichkeit hat sollte das in Betracht ziehen
    Da ich mit meiner RB nur ins Gelände kann (kein Platz oder Halle, nur ggf auf der Weide reiten möglich) ist das versicherungstechnisch kritisch.

    Viele Reiter sind auch der Meinung, dass es ohne Gebiss viel zu gefährlich im Gelände ist. Falls das Pferd durchgeht könne man es sonst nicht mehr bremsen. Für mich klingt das jedoch nicht plausibel. Hat es denn jemals funktioniert ein geängstigtes Pferd durch schmerzhafte Einwirkung auf das Maul wieder anzuhalten wenn es flüchtet?

    Was denkt ihr darüber?


    Belehrt mich bitte auch gerne eines besseren und zeigt mir ein "Wundergebiss" dass nachweislich gut für das Pferdemaul ist, wenn ihr eines kennt. Ich würde gerne mit gutem Gewissen reiten.

    Reitet ihr ohne Gebiss ins Gelände?
    Welches Gebiss benutzt ihr, habt ihr euch genau darüber informiert?


    Freue mich auf zielbringende Antworten. :)

    Lg

    http://www.wege-zum-pferd.de/2009/0...sens-einfach-oder-doppelt-gebrochenes-gebiss/
    http://friederike-uhlig.de/bakarbeit_uhlig.pdf
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 8 Mai 2016
  2. Ally

    Ally #AlExYs-RaSïïNe

    eigentlich reite ich am liebsten mit gebiss. ist schmerzhaft, kurz und ehrlich gesagt aber für mich komfortabler und besser für die hilfengebung. an unserem stall reiten wir aber hauptsächlich gebisslos, aber nicht mit solchen riesengestellen wie hackamore oder sidepull, ist einfach so nen "bändele" mit dem man hauptsächlich, wenn man denn mit aufgenommenen zügeln reitet, druck auf das nasenbein ausübt. find ich nicht so toll, aber da ich eh 99% nur ins gelände gehe, ists ok, weil ich dann mit entspanntem zügel auch gut traben und galoppieren kann. platzarbeit funktioniert damit nicht so super, weil meine rb es mit der anlehnung noch nicht so hat und es ihm dann nicht wirklich gefällt, nen konstanten druck aufm nasenbein zu haben, ab und an reißt er dann dadurch den kopf hoch und läuft wie nen alpaca. gelände geht eigentlich super damit, wobei ich eben wirklich lieber ein gebiss hätte. aber durchparieren kann man ihn damit super, obwohl er nicht allzu sensibel was druck aufm kopf angeht ist, und zügelhilfen klappen auch.
    würde mich allerdings auch interessieren, ob es ein gebiss gibt, was dem pferd und dem reiter gut tut. gebisslos finde ich eben ein bisschen aua für den nasenrücken, fände das auch nicht so toll, wenn da so nen bändchen (es sei denn man hats super duper gepolstert) auf meine nase drückt und man kann nicht jedes pferd damit reiten, erst recht was sensible pferde angeht oder eben sture pferde, die wenn sie mal durchgehen durchgehen und sich da nicht durch ein bissl zug rechts links stoppen lassen. fände da nen flexibles (weil wenn dann nehm ich am liebsten gebrochene gebisse) metallding im mund schon besser, aber das kommt eben auch darauf an, was für nen gebissloses gestell man da nimmt
     
  3. Occulta

    Occulta actually dead Staff

    Ich mache mir schon Gedanken darüber, seit wir Muffin haben. Mein Fazit ist: solange sie einen zufriedenen Eindruck macht, bzw. das Gebiss weiterhin ohne zu zicken annimmt oder sogar (was sie seit etwa dem 3. Reitversuch mit Trense immer getan hat und tut) bereitwillig das Maul aufmacht, wenn ich mit der Trense komme, gehe ich davon aus, dass das Ganze nicht so schlimm sein kann, wie es immer dargestellt wird. Ich finde, es kommt auch stark drauf an, ob man die richtige Gebissgrösse gewählt hat und wie das allgemeine Wohlbefinden des Pferdes ist. Auf jeden Fall sollte man das Gebiss (wenn man es denn benutzt) dem Pferd aber so angenehm wie möglich machen. Dazu gehören z.B. das Vorwärmen mit warmem Wasser im Winter und das regelmässige Überprüfen der Zähne.
    Trotz meiner eigentlich neutralen Einstellung gegenüber dem Gebiss habe ich mir letztens ein Bosal gekauft (wie manche per WA mitbekommen haben). Ich habe Muffin auch schon vorher manchmal gebisslos (mit Halfter oder Knoti) geritten, habe sie sogar ganz am Anfang so eingeritten. Ich möchte das Bosal in erster Linie zur Sensibilisierung auf Druck und Sitzhilfen und später einfach als Abwechslung nutzen. Man sollte ein Pferd aber in jedem Fall vom Boden aus auf das Gebisslos Reiten vorbereiten, um eben genau dieses Gefühl der fehlenden Kontrolle zu verhindern. Viele Leute denken, sie können einfach ein Hackamore o.ä. draufpappen und losreiten, stellen aber relativ schnell fest, dass das Pferd nicht in gewünschter Weise reagiert. Das liegt daran, dass das Pferd zuerst lernen muss, auf den seitlichen Druck anstelle des 'Schmerzes' im Maul zu reagieren und diesen in der neu gewonnenen 'Freiheit' nicht einfach zu ignorieren. Muffin habe ich z.B. mit dem Knoti vom Boden aus auf beide Seiten gebogen, wobei man immer dann lobt und loslässt, wenn sie dem Druck wie gewünscht folgen. Das ist aber nur eine Möglichkeit der Vorbereitung, wichtig ist, dass man sein Pferd kennt und merkt, wann es so weit ist.
    Zum gebisslos Ausreiten noch folgendes: In der Schweiz z.B. müssen wir ziemlich aufpassen damit, da im Falle eines Unfalls die Versicherung nichts zahlen würde, wenn nicht mit Gebiss geritten wurde. Aus demselben Grund führen bei uns auch viele Reiter ihre Pferde mit Trense spazieren. Ich behaupte, ein gut vorbereitetes Pferd lässt sich problemlos ohne Gebiss bremsen und kontrollieren, doch die Versicherungsleute wissen das offenbar nicht. Das sollte man also immer auch im Voraus bedenken.

    Edit: Wen's interessiert, der kann sich die (sehr unverblümte) Meinung von Rick Gore ansehen, der sich ausdrücklich gegen Gebisse ausspricht. Ich persönlich halte ihn für einen der besten Pferdemenschen, von denen ich je gehört habe. Ich habe schon sehr viel von seinen Videos und Berichten gelernt und kann es absolut weiterempfehlen. Aber da ich mich nicht auf eine bestimmte Methode versteife, sondern versuche, das Beste aus verschiedenen Ansätzen herauszupicken, habe ich auch teilweise über diese Einstellung hinweggesehen. http://www.thinklikeahorse.org/index-7.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 9 Mai 2016
  4. Zasa

    Zasa ..just my love..

    Cloud reite ich mit einem einfach gebrochenem Gebiss, dem Sprenger Dynamics RS oder einem Ledergebiss.
    Immer mit abwechslung, zum Springen jedoch nur das Sprenger.
    Beides ist nach vielem testen für ihn das beste, sensibelchen und etwas maulig wenn es nicht passt.
    Zudem find ich ein Gebiss in ruhiger Hand für das Pferd angenehmer, als jemand der versucht gebisslos eine Anlehnung zu erzwingen..gebisslosreiten gilt ja als Impulsreiten..naürlich geht es auch andersrum^^ (Natürlich kann man bei korrekter Ausbildung auch gebisslos eine selbsttragende Haltung erzielen).
    Allerdings geht Cloud mittlerweile auch super am Knoti und fängt an sich schön in V/A zu dehnen, bzw bei Impulsgabe auch Ansätze zur Selbsthaltung, jedoch nur in der Halle. Draußen ist er noch schnell ablenkbar.

    Ich finde es ist von Pferd und Reiter abhängig. Was nimmt das Pferd am besten an, und was ist für den Reiter anhand seiner Fähigkeiten geeignet. So vorweg kann man das also nicht festlegen..probieren, probieren, probieren :)
     
  5. Julie

    Julie Bekanntes Mitglied

    Der Nussknacker Effekt ist längst widerlegt.
    Grundsätzlich kommt es auf das Können des Reiters drauf an ob ein Pferd ein Gebiss als unangenehm oder schmerzhaft empfindet. Pferde, die schlechte Erfahrungen mit Gebissen gemacht haben, fühlen sich auch ohne Gebiss meistens eher wohl.

    Die Atmung des Pferdes wird übrigends weniger durch ein Gebiss wie durch einen Sperrriemen beeinflusst, oder durch einen zu eng verschnallten Nasenriemen bzw einer zu eng verschnallten Kinnkette. Zuviel Speichel im Maul ist in der Regel ein Anzeichen dafür, dass Sperrriemen und/oder Nasenriemen/Kinnkette zu eng verschnallt wurden, da das Pferd dann nicht mehr schlucken kann.
    Pferde im Rennsport haben in der Regel keine Probleme mit der Atmung, sofern das Gebiss passt. Die Hilfen im Rennsport sind auch etwas anders wie im herkömmlichen Reitsport. Das einzige was da sein kann, ist dass die Zunge zurückklappt, aufgrund der hohen Geschwindigkeit, wodurch es ersticken kann. Aus diesem Grund wird dort während eines Rennens auch die Zunge unten festgebunden. Im Trabrennsport wird außerdem noch ein sogenannter Overcheck verschnallt.

    Allgemein gesagt, ich halte es für ein Gerücht, dass ein korrekt verschnalltes und passendes Gebiss automatisch schmerzhaft oder uangenehm ist.
    Es spielen einfach sehr viele Faktoren mit, ob ein Pferd glücklich oder unglücklich ist, mit einem Gebiss.

    Möchtest du wirklich gebisslos reiten, musst du das Pferd vorher dahingehend ausbilden. Bestimmte Gebisslosvarianten sind außerdem zum klassisch englischen Reiten nur bedingt geeignet und bedürfen einiges an Erfahrung wie zB ein mechanisches Hackamore.
    Außerdem sollte man bedenken, dass auch Gebisslos Zäumungen nicht unbedingt schmerzfrei sind, nur weil das Pferd nix im Maul hat. Der Schmerz wirkt sich dann halt auf die Nase aus und es gibt auch Zäumungen die dem Pferd das Nasenbein brechen können, bei falscher Anwendung.
     
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  6. Gaitano

    Gaitano When nothing goes right, go left!

    Um den Nussknackereffekt zu erreichen musst du (physikalisch betrachtet) vertikal Druck/Zug zum Unterkiefer aufbauen. Bei korrekter Handhaltung ist das beim Reiten aber nahezu unmöglich. Die Chance hast du allenfalls beim Führen, Longieren mit Longierbrille, oder Ausbindern.

    Wirklich Drücken kann da in meinen Augen auch nichts, sofern alles passt. Um einen groben Eindruck zu bekommen, lohnt sich immernoch das Testen von Gebissen am eigenen Schienbein oder Unterarm, wo nur wenig "Fett und Muskelmasse" über Knochen liegen.
     
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  7. Eddi

    Eddi Jolly Happy Feet!

    Gebisslos gut, Gebiss böse - gibt's nicht. Für mich hängt da alles zu 90% vom Reiter und der Reiterhand ab. Wer sagt denn, dass man gebisslos keinen Druck ausüben kann? Auch unangenehmen Druck? Der findet lediglich woanders stand, nämlich auf der Nase. Ein Reiter, der seinem Pferd mit einem Gebiss solche Schmerzen zufügt, wird das auch mit Leichtigkeit mit einer gebisslosen Zäumung schaffen. Ob da dann der Kiefer anknackst oder das Nasenbein ist im Verhältnis doch wieder das Gleiche, beides schlecht.

    Ich reite seit 1 1/2 Jahren gebisslos - meine RB schon immer mit Sidepull. Allerdings wurde sie auch darauf ausgebildet. Dieses Pferd kennt nichts anderes und hat noch nie ein Gebiss aus der Nähe gesehen. Die Hilfegebung ist auch leicht anders als mit Gebiss. Für mich war die Umstellung kein Problem, weil ich vorher zwei Jahre Reitpause hatte, aber ich rate jedem davon ab, jetzt einfach mal spontan auf gebisslos umzuschwenken, denn das bedarf sowohl für Pferd als auch für Reiter eine große Umstellung (und dann am besten mit einem guten Trainer an der Seite).
    Ich fahre mit gebisslos sehr gut. Das fängt bei dressurtechnischer Arbeit an, geht über kleine Sprünge bis hin ins Gelände. Hatte da noch nie Probleme und unsere Versicherung deckt das ab, da sollte man sich natürlich vorher erkundigen. Ich finde aber, man kann das nicht an der Zäumung festmachen. Ich würde sofort ein anatomisch gut sitzendes Reithalfter mit Gebiss bevorzugen, wenn mein Pferd zum Beispiel auch nicht den Kopf für gebisslose Zäumungen hat (so viel Auswahl gibt es da ja auch noch gar nicht).

    Und ich weiß nicht, inwieweit du dich schon mit gebisslosen Zäumungen beschäftigt hast, aber da sind einige sehr scharfe dabei, die ich nie in die Nähe meines Pferdes lassen würde... :D Also Gebisslos = besser gibt es meiner Meinung nach nicht. Alles steht und fällt mit dem Menschen, der auf dem Tier sitzt. Dementsprechend ist das Gebissthema für mich eindeutig in das "Was zu Pferd und Reiter am besten passt" einzuordnen, egal ob mit oder ohne Gebiss, beide Seiten müssen sich wohlfühlen und glücklich sein.
     
  8. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Ich kann es nicht mehr hören.
    Jetzt ist es in, sich den Halsring umzuschnallen und ohne alles ins Gelände zu ballern. Da werden unbedacht (!!!!) eine Vielzahl an gebisslosen Zäumungen verwendet - ohne witz, ich kotz im kreis!
    Beispiele: Ein Sidepull darf unter keinen Umständen in Anlehnung geritten werden. Es ist dafür ausgelegt, über Impulse zu reiten. Wem wird das Ding empfohlen? Richtig, einem Dressurreiter!
    Knotenhalfter wirken durch die Knoten, die auf empfindlichen Stellen im Gesicht liegen. Selbstredend ist Druck hier nicht nur unangenehm, sondern bei harter Hand gern auch schnell mal Schmerzhaft... Und zwar so richtig...
    Und über das Hackamore brauchen wir ja hoffentlich gar nicht zu reden.

    Ein Gebiss wird seit Jahrtausenden beim Pferd verwendet. auch darf man nicht verkennen, dass ein Pferd für die Menschen das Leben bedeutete - niemand wäre hier ein unnützes Risiko eingegangen. Denn auch "nur" wenn das Pferd gnatzig wegen dem Gebiss geworden wäre, hätte das z.B. in einer Schlacht zum Tode führen können...

    Die Forschung ist was Gebisse anbelangt sehr weit gekommen. Es ist auch mittlerweile klar, dass dünnere Gebisse viel häufiger verwendung finden sollten, da viele Pferde für ein dickes gebiss gar keinen Platz im Maul haben. Aber klar: Wenn ein zu dickes verwendet wird, drückt es unweigerlich. Da sind wir aber wieder beim Thema: Ein Gebiss muss - wie ein Sattel eben auch! - passen. Sonst ist das alles schmarrn.

    Was ich damit sagen möchte: Einen gebisslosen Zaum zu benutzen kann genau so gefährlich und nachhaltig schädigend sein wie ein Gebiss. Das Pferd kann da genau so gnatzig drauf werden. Außerdem ist die Bremse NIE im Maul.
    Es ist wichtig, mit bedacht (!) die exakt richtige Zäumung für sich und sein Pferd auszusuchen. Und diese muss passen, und zwar wirklich gut.

    EDIT: Übrigens ist es so: Probieren geht über studieren. Mein Mini hat jetzt das 4. gebiss. Hast du ne Ahnung, wie schwer es ist, in 9cm Gebissweite so viele verschiedene Gebisse zu finden?! Aber muss halt sein.
    Wenn man mal etwas neues ausprobieren möchte:
    - die Baucher-Trense soll ganz toll sein. Sie hat im Prinzip eine Öse, in der die Trense eingeharkt wird. So verteilt sich etwas Druck, den man über den Zügel aufbaut, auch auf das Genick. Da haben wohl sehr viele sehr gute Erfahrungen mit gemacht.
    - Myler Bits. Es gibt sogar ein Buch dazu, welches Pferd welches Gebiss braucht usw. Ich hatte mal zufällig das Glück, auf einer "Anfänger-Variante", also wie Wassertrense mit Ösen, zu reiten. Toll toll toll, ehrlich. Die sind sehr weich, liegen gut im maul, bringen die Hilfen klar, aber sanft rüber, klemmen nicht und sind gut verarbeitet. Da es die in Mini gibt, werde ich mir auch wohl noch eine holen. Probieren geht wie gesagt über studieren.

    Mein Mini ist übrigens ein mega-sensibelchen. Wassertrense mag er nicht, einfach gebrochen ist eigentlich noch fast etwas butt für ihn, aber bei einer doppelt gebrochenen liegen die Gelenke auf seinen Laden -.-
     
    Zuletzt bearbeitet: 10 Mai 2016
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  9. Janina2205

    Janina2205 Aktives Mitglied

    Update:
    Also aus einer Vielzahl von Gründen und gelesenen tierärztlichen Studien (nicht nur die von Dr Cook natürlich ;D) graust es mich davor nochmal ein Gebiss in ein Pferdemaul zu stecken - zumal es wirklich nicht nötig ist. Ich reite seit 2 Jahren im Knotenhalfter (und zwar nur im Gelände, da meine RB einfach nur auf einer Weide steht, ohne Halle oder Reitplatz) und das klappt großartig. Man sollte niemals die Möglichkeit nutzen müssen Schmerzen auslösen zu können um sein Pferd zu kontrollieren, das sollte auch anders gehen und tut es auch und wenn nicht dann fehlt's an Kommunikation, denn mit Metall (oder Gummi oder Leder...) im Maul kann man nicht kommunizieren, das geht über Körpersprache.
    Ich will hier niemanden "haten" und habe auch nichts persönlich gegen "Gebiss-Überzeugte" - Ihr seit bestimmt tolle Menschen - aber ich stimme eben überhaupt nicht zu, dass ein Pferd einen "ohne Gebiss ja umbringt" oder es nicht schädlich ist (klar, Hackamore und andere gebisslose Zäumungen können auch schaden, aber mit nem gut sitzendem Knoti muss man sich schon sehr anstrengen um dem Pferd so weh zu tun wie mit dem Gebiss an seiner Zunge und Zahnfleisch. Habe natürlich auch schon von krassen Gebiss-Vertretern gehört, dass ich mein Pferd missbrauche und das auf der Nase schlimm weh tut mit dem Knoti :rolleyes:)

    Ich sehe immer mehr Menschen die sich Informieren und einfach mal kritisch hinschauen. Meiner Meinung nach gehört einfach kein Metall ans Pferd - nirgends. Dafür könnte man mich "Tree-Hugger" oder "Softie" nennen, aber ich denke es sollte für's Pferd einfach so natürlich wie möglich sein, in jeder Hinsicht:
    24/7 auf ausreichend großer (die meisten sind ja zu klein) Weide, barfuß, gebisslos, keine geflochtenes Langhaar, keine Decken (außer in medizinischen Fällen), nicht zu lange oder zu oft reiten (da auch bei gut passendem Sattel bereits nach 15 min entzündete, gereitzte Stellen auftreten) usw. Viele kontroverse Themen :p

    Ich hoffe ihr habt alle einen schönen Tag! :)
     
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  10. Elsaria

    Elsaria Liebe die welt und die welt liebt dich xD oder so

    Das ist ein Thema wo es verschiedene parteien gibt.

    Gebisslos schön und Gut aber
    ich habe 3 jahre lang in der zucht gearbeitet, mit Hengsten die gedeckt haben, auf dem phantom oder natur!
    Hengste ohne gebiss zu reiten, ist unmöglich, schon 3 fach wenn die natursprung machen dürfen.... Du hast mit einem knotenhalfter niemals die kontrolle über ein wildgewordenen Deckhengst der nur 1 im Sinn hat wenn er stuten die rossig sind erpäht möchte er da hin, komme was wolle, manchmal hast du sogar mit gebiss kaum die kontrolle.
    Mal dir jetzt aus, wieviele chancen du dann mit einem wekrzeug ohne gebiss hast?

    so gibt es halt pflerde mit denen man mit halsring, und ectrpp gut klarkommen und brav sind, aber andere pferde benötigen halt die gebisse, und da denke ich das jeder Pferdebesitzer der klar im kopf ist, weiß wie sie mit umzugehen haben und auch nach dem besten gebiss für sein Pferd sucht
     
  11. Canyon

    Canyon Bekanntes Mitglied

    Ein Hengst soll nicht ohne Gebiss geritten werden können? Dann wurde da wohl irgendwo in seiner Erziehung ein großer Fehler gebaut.
    Ich bin keine gute Reiterin, aber wenn selbst ich es schaffe, mit Halsring einen Hengst im Gelände zu reiten, dann sollten das auch andere schaffen. Und nicht nur das, dieses Pferd läuft auch ohne Probleme ohne Gebiss und auch ohne Sattel neben Suten im Gelände her und steht sogar neben einer Stutenweide. Entweder das ist ein Zauberpferd, oder es ist bei jedem Hengst möglich. Und ja, er deckt frei und steht zu dieser Zeit für diese Monate auch bei der Stute. Ich weiß nicht, was die Geheimzutat ist. Vielleicht liegt es wirklich nur am Charakter des Pferdes, oder aber es hat alles, was es zum Leben braucht, vielleicht auch dank seines Hengststatus. Kein Plan, aber es funktiniert, das weiß ich, und nicht nur bei ihm.

    Edit: und ich würde einen Araber jetzt nicht zu den von Natur aus ruhigen Pferden zählen :p
     
    Zuletzt bearbeitet: 25 Feb. 2018
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  12. Elii

    Elii #ELeCtRâ-GiiÂdÂ

    Gebisslos hat weniger mit Vertrauen und Erziehung zu tun, sondern einfach auch mit der Ausbildung. Eine gebisslose Zäumung draufhaben und wirklich gesunderhaltend gebisslos reiten ist eben ein großer Unterschied, den leider die meisten nicht sehen (wollen).

    Manchmal gibt es auch Pferde denen gebisslos einfach nicht gefällt und auch da sollte man nicht einfach sein Ding durchziehen, sondern eben dem Pferd entsprechend entscheiden.
    Grundsätzlich läuft nicht jedes Pferd auf Gebiss gut, doch genauso ist ohne Gebiss nicht für Jedes das Richtige.

    Über ein Pferd, dass außer Kontrolle gerät hat niemand Kontrolle :) Da ist es egal ob man einen Bindfaden ums Maul bindet oder ob man mit der blanken Kandare drauf sitzt.
     
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  13. Janina2205

    Janina2205 Aktives Mitglied

    Da stimme ich dir zu. Aber ich denke das "Problem" an der Sache bei Elsarias Geschichte ist, dass es sich eben um eine hektische Deckstation handelt. Da werden die Pferde nicht wirklich als Individuen betrachtet und sicher bemüht sich auch keiner groß um die Erziehung und Handhabung der Pferde. Da nimmt man eben den schnellen Weg (schummeln nenne ich das) und kontrolliert der Pferd mit Schmerz/der Androhung von Schmerz.
    Mit Zeit (the slow way is the fast way) und gutem Horsemanship lässt sich jedes Pferd nur mit Körpersprache kontrollieren - klappt ja auch unter Pferden so. Da rennt keiner mit ner Peitsche, Gebissen und Ketten rum :D
     
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  14. Janina2205

    Janina2205 Aktives Mitglied

    Da stimme ich dir voll und ganz zu. Aber Gebisse (und besonders eben schärfere Gebisse) vermitteln vielen Reitern dann ein falsches Gefühl der Sicherheit, dass sie brauchen da sie eben doch einfach Angst vor diesen großen, starken Tieren haben. Davon profitieren natürlich all die Equipment-Hersteller die sich neue schöne Sachen einfallen lassen können und Profit mit der Unsicherheit anderer machen. (klappt natürlich genauso bei Menschen die nach sanfteren Gebissen suchen -> Gummi, Leder, viele neue Ideen... *schulternzuck*)

    Und ja es hat mit der Ausbildung zu tun - niemand sollte sich je einfach auf ein Pferd setzen und erwarten, dass das alles klappt. Aber wenn ich mein Pferd vom Boden aus am Knotenhalfter biegen kann und führen kann sollte es bei ausreichender Beziehung und etabliertem Status auch vom Sattel aus klappen.

    Noch was das mir dazu einfällt, habe ich mal gehört: "Nicht das Equipment kontrolliert das Pferd, sondern die Körpersprache"
     
  15. Elii

    Elii #ELeCtRâ-GiiÂdÂ

    Also die Auswahl der Zäumung hat nur bedingt damit zu tun, dass manche Reiter unsicher sind.
    Manche Pferde mögen Gebisslos nicht, weil eben ein deutlicher Druck auf der Nase entsteht und bevorzugen ein Gebiss. Das hat dann nichts damit zu tun, dass die Hersteller einen beeinflussen.
    Genauso wie das unterschiedliche Material, den unterschiedlichsten Pferde zusagt. Sonst gäbe es das nicht.

    Wie gesagt, man sollte es nicht als das einzig Wahre ansehen, das ist es nämlich nicht. Es ist schön dass es bei dir klappt, aber Hersteller in "Verschwörungstheorien" reinzuziehen, ist dann doch übertrieben :D

    Völlige Kontrolle hat man über ein Fluchttier nie, auch mit der besten Körpersprache nicht :p
     
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  16. Julie

    Julie Bekanntes Mitglied

    Ein Zug am Knotenhalfter verursacht ebenfalls Schmerzen. Knotenhalfter sind nämlich alles andere als nett zum Pferd. Im Gegenteil, sie wirken scharf. Wenn man dann den Strick noch, wie in der Regel üblich unten verknotet ensteht auch noch ein Hebel, ähnlich dem Bosal. Seitliche Zügel üben auch punktuell starken Druck auf Nase und Genick aus, da durch die dünnen Seilchen eine Druckverteilung nicht wirklich vorhanden ist.
    Ich kann dir nur mitgeben, dir die Wirkung vom Knotenhalfter (das eigentlich NICHT zum reiten sondern zum führen entwickelt wurde) nochmal genauer anzusehen.

    https://www.hippovital.at/2015/01/18/gedanken-zum-knotenhalfter-unter-anatomischen-gesichtspunkten/



    Beim Gebisslosreiten geht der Druck vermehrt auf Nase und Genick. Unbedachter Druck führt dann schnell zu einem festen Genick, zu Blockaden in den vorderen Wirbeln bis hin zu Blockaden im Rücken und Kruppebereich. Die Folge sind Schmerzen.

    Ob Gebisslos oder nicht, kommt mMn einfach aufs Pferd drauf an. Es gibt Pferde die finden Gebisse toll, es gibt Pferde die fühlen sich damit aus verschiedenen Gründen unwohl bzw ist es ihnen einfach unangenehm. Gründe dafür können einfach die Maulbeschaffenheit sein, unangenehme bis schmerzhafte Erfahrungen durch eine harte Hand etc, oder oder oder. Es gibt aber auch Pferde die gebisslos einfach scheiße finden und sich damit unwohl fühlen.
    Hier ist es natürlich sinnvoll sich mit Alternativen auseinanderzusetzen. Aber der Gebisslosdschungel ist in etwa so groß wie der Gebissedschungel. Auch hier gibts gruselige Dinge - abseits von der Hackamore.
    Will man umsatteln auf gebisslos, muss zum einen der Reiter das gebisslos reiten erlernen und zum anderen auch das Pferd. Zaumzeug drauf und ab gehts ist mMn einfach fahrlässig, vor allem für die Gesundheit des Pferdes. Dann sollte man noch dahingehend differenzieren was man mit dem Pferd machen möchte und in welcher Reitweise. Ein Sidepull ist für Dressurarbeit ungeeignet, ebenso ein Bosal bspw.
    Kappzaum oder LG Zaum sind da eher die bessere Wahl.

    Abseits davon sehe ich weniger die Problematik am Gebiss ansich, dass Pferde sauer darauf reagieren sondern die Einstellung vieler Pferdemenschen zum Gebiss, die es einfach als Selbstverständlichkeit ansehen, dass das Pferd so ein Ding im Maul trägt oder es gern mal hart ranpacken, "weil es eh nur eine Wassertrense drin hat" und das dem ja nix tut. Ja, da werden Pferde mit der Zeit maulhart und gebisssauer.

    Im Übrigen ist hier ein guter Artikel von Babette Teschen (die ich am Wochenende kennenlernen durfte *-*) in Bezug auf dieses Thema:

    https://www.wege-zum-pferd.de/2008/08/07/gebissloses-reiten-eine-alternative/

    Ich persönlich bin kein "Nur das" oder "Das" Mensch. Ich find beides unter gewissen Gesichtspunkten ok. Mir ist es beim reiten wichtig, dass es gesunderhaltend für das Pferd ist und das sich das Pferd wohlfühlt. Hier gilt es einfach auf die Körpersprache zu achten mMn. Meine RBs arbeite ich mit und ohne Gebiss (unterm Sattel mit Gebiss, am Boden ohne), sie empfinden beides als angenehm. Auch der Junge obwohl der in seiner Ausbildung schlechte Erfahrungen mit Gebissen gemacht hat. Beim reiten hängen die Zügel immer leicht durch, die Anlehnung ist trotzdem gegeben, außerdem lerne ich gerade noch vermehrter handunabhängig zu reiten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19 Juni 2018
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  17. Findu

    Findu Minimodi Synchronspringen

    Ich oute mich einfach mal als Misch-Masch-Reiter. Im normalen Training (Springen und Dressur) habe ich ein Doppelgebrochenes Olivkopfgebiss an der Trense. An unserer Westerntrense fürs Ausreiten ist eine Doppeltgebrochene Wassertrense und wenn ich ganz motiviert bin, reite ich mit Hackamore (auf dem Platz und im Gelände), mit dem Knotenhalfter hatte ich es mehrfach versucht das mag Herr Pony allerdings so gar nicht leiden! und ab und zu bastel ich mir einen Halsring aus meinen Zügeln.

    P.S. Mein erster eigener Halsring der auch passt (den den ich bisher hatte ist leider minimals zu eng -.-) ist gerade in Arbeit und gut 20 cm sind auch schon geflochten :)
     
  18. Any

    Any Bekanntes Mitglied

    Ich reite meinen mit einer anatomisch geformten, doppelt gebrochenen Wassertrense und möchte aber sobald es ins Gelände geht, ein 3 Ring Gebiss oder ein Pelham rein machen, einfach aus dem Grund der Unberechenbarkeit und Sicherheit für mich.
    Wir sind aber auch viel mit Knoti auf dem Platz unterwegs, bei höheren Lektionen oder um ihn damals wieder feiner zu bekommen, habe ich für ihn eine Kandare gekauft. Wird aber wohl nicht mehr wirklich zum Einsatz kommen, dafür fehlt uns einfach die Motivation und die Zeit :D
     
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