Die Feste des Himmels

Dieses Thema im Forum "Eigene Geschichten" wurde erstellt von Samanta, 7 März 2012.

  1. Samanta

    Samanta Leseratte

    Ja, hatte ja schonmal den Anfang gepostet, wurde aber auf Grund des Backups gelöscht. Hatte heute noch ein bisschen Zeit weiterzuschreiben und poste dann jetzt schonmal wie weit ich so bin :D. Würde mich über Kommentare freuen.

    Die Feste des Himmels


    Sie lächelt. Der Wind zerzaust ihr langes blondes Haar, reißt an ihren Kleidern. Er runzelt die Stirn, legt den Kopf schief und schüttelt ihn dann.
    "Nein."
    "Warum nicht?" Fragend sieht sie ihn an.
    "Es geht nicht."
    "Warum?"
    Er schnaubt wütend und sagt: "Stell mir keine Fragen, die ich dir nicht beantworten kann."
    Sie zuckt mit den Schultern und sagt: "Dann eben nicht." Sie wendet sich von ihm ab und geht. Er sieht ihr nach, seufzt.
    "Das hast du gut gemacht." Er zweifelt daran.
    "Wieso?"
    "Alles nur zu deinem besten."
    "Schön", sagt er und geht.

    Wütend. Ja sie ist wütend. Sie lässt sich auf ihr Bett fallen und stößt sich dabei den Kopf. Es ist ihr egal. Ein wütender Schluchzer entweicht ihrer Kehle. Nie wieder, schwört sie sich. Sie steht auf, greift nach ihren wenigen Habseligkeiten und geht.

    Er sitzt in seinem Zimmer, sieht auf das leere Papier vor ihm und wartet. Nichts. Er macht sich Vorwürfe. Heute wird sie ihn bestimmt nicht besuchen kommen. Langsam blättert er durch das Buch, überfliegt die Seiten und verweilt hier und da ein bisschen länger. Sanft, beinahe zärtlich streicht er über eine Seite des Buches und lächelt.

    Ein Sommertag. Er erinnert sich gerne an diesen Tag. Die Sonne lässt ihr blondes Haar leuchten, der Wind reißt an ihren Kleidern. Ihr Geruch weht ihm in die Nase. Er lächelt. Schön, so schön. Genau wie heute. Seine Tür geht leise auf.

    "Sie ist weg."
    "Was?" Er springt auf und packt den Boten. "Seit wann?"
    Der Bote zuckt mit den Schultern. Er stößt den Boten zur Seite und rennt zu ihrem Zimmer. Er klopft. Nichts. Bitte nicht, denkt er und öffnet die Tür. Sie ist nicht da.

    Sie wendet sich nicht noch einmal um. Zu sehr schmerzt es sie, ihr zu Hause zu verlassen. Es geht nicht anders, redet sie sich ein, doch es hilft nichts. Mit festen Schritten geht sie weiter. Ihre Schultern zittern beinahe unmerklich.

    "So viel Last auf so zarten Schultern", sagt er und dreht sich zu dem Mann hinter ihm um.
    "Es ist ihr Schicksal." Er schweigt, sieht ihr nach und wendet sich schließlich ab.
    "Sie wird nicht wiederkommen", sagt er, "habe ich Recht?"
    Der Mann nickt und sieht ihn an. Er schweigt, sieht sich wieder nach ihr um.

    Tränen laufen über ihre Wangen. Sie möchte nicht weinen, aber es geht nicht anders. Sie muss ihr zu Hause verlassen. Sie muss ihn verlassen.
    Er wendet sich wieder ab, kann ihr nicht länger nachsehen. Es tut zu weh. Er geht in sein Zimmer und setzt sich an seinen Schreibtisch. Wieder starrt er auf das weiße Papier vor ihm. Langsam hebt er den Stift auf und betrachtet ihn. Schließlich setzt er an und beginnt zu zeichnen.
    Stunde später, er sitzt noch immer an seinem Schreibtisch, vor ihm die fertige Zeichnung. Er starrt darauf und rührt sich nicht. Wie es ihr wohl geht?

    Erschöpft lässt sie sich auf den Boden sinken. Nirgends entdeckt sie ein Haus oder etwas anderes, wo sie unterkommen könnte. Es ist eine klare, kalte Nacht. Sie friert. Gänsehaut hat sich auf ihrem ganzen Körper gebildet. Sie fröstelt. Sie sollte weiter, aber sie ist müde. So müde.

    Er sieht aus dem Fenster. Langsam ist die Nacht hereingebrochen und die Dunkelheit verwehrt ihm einen Blick nach draußen zu werfen. Hoffentlich hat sie einen Unterschlupf gefunden, denkt er. Als es an seine Tür klopft, hebt er den Blick. Schüchtern tritt ein Bote ein und sagt: "Der Meister wünscht Euch zu sprechen." Er nickt und steht auf. Seine Gedanken an sie verdrängt er so gut es geht, bevor er das Arbeitszimmer des Meisters betritt.

    "Ihr wolltet mich sprechen?!"
    Der Angesprochene dreht sich um und wie jedes Mal erschrickt er vor dem jungen Gesicht seines Meisters. Er hat keine Ahnung, wie alt sein Meister eigentlich ist, aber dieser sieht keinen Tag älter als er selbst aus.
    "Ah, da bist du ja." Der Meister lächelt und geht auf ihn zu. "Ich habe etwas für dich."
    Er verneigt sich. "Was kann ich für Euch tun?" Als er den Blick wieder hebt, hält ihm der Meister einen schwarzen Umhang hin. Ungläubig starrt er darauf und sieht dann seinen Meister an. Wieder lächelt dieser.

    "Nimm ihn. Er gehört jetzt dir."
    Zögernd nimmt er ihn und streift ihn sich über. Er lächelt. "Danke."

    Der Meister nickt und bedeutet ihm zu gehen. "Wenn ich dich brauche, werde ich dich rufen lassen." Er nickt und verlässt das Zimmer. Immer wieder streicht er über den Umhang. Der erste Teil seiner Ausbildung ist abgeschlossen. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, verschwindet aber sofort wieder, als er an sie denkt. Leise seufzt er. Der Meister hat Recht. Wenn er gut werden will, dann muss er sie vergessen. Doch er kann sie nicht vergessen, kann diesen verletzten Ausdruck in ihren Augen nicht vergessen.

    Sie sitzt noch immer auf dem Boden, schlingt die Arme um ihren Körper und lehnt sich an einen Baum. Langsam fallen ihre Augen zu. Sie schreckt auf. War da nicht ein Geräusch gewesen? Sie lauscht. Nichts. Erleichtert lässt sie sich zurücksinken, schließt wieder die Augen. Wieder schreckt sie auf. Diesmal ist sie sich sicher. Da war etwas … jemand. Sie lauscht, richtet sich langsam, mit dem Rücken gegen den Baum gedrückt, auf und versucht in der Dunkelheit etwas zu erkennen.

    Er sitzt auf seinem Bett und starrt in die Dunkelheit. Langsam gewöhnen sich seine Augen daran und er kann schemenhaft seine Umgebung erkennen. Er sieht seinen Schreibtisch, das Papier, das sich dort stapelt und den schwarzen Umhang, der auf seinem Stuhl liegt. Wieder lächelt er, kann es fast gar nicht glauben, fühlt sich schuldig. Er weiß, dass er den Umhang nur bekommen hat, weil er sie enttäuscht hat. Das erste was man in der Ausbildung lernt ist, dass man niemanden an sich heran lassen darf. Nur wer keine emotionalen Bindungen hat, kann in diesem Geschäft überleben.

    "Er ist noch nicht so weit", sagt der Mann.
    "Woher willst du das wissen?"
    "Er denkt noch immer an sie. Er muss sie vergessen."
    Kurzes Schweigen. "Ich weiß."
    "Was wirst du tun?"
    Er schweigt.
    "Was wirst du tun?" Ihre Stimme ist lauter geworden.
    Noch immer schweigt er und sieht aus dem Fenster.

    Sie zieht leise ihren Dolch aus der Scheide, wartet. Wieder hört sie dieses Geräusch. Sie sieht sich um. Von wo ist es gekommen? Wieder ein Geräusch… Äste knacken. Ihr Blick zuckt unruhig hin und her. Sie fühlt sich eingekesselt. Stille. Wieder ein Knacken. Leise Schritte, die sich rasch nähern. Angespannt steht sie da, den Baum noch immer in ihrem Rücken, kampfbereit. Nur noch wenige Schritte trennen sie und den Fremden. Sie kann hören wie er atmet.

    Er schließt die Augen, schläft im Sitzen. Doch auch im Schlaf findet er keinen Frieden. Sie verfolgt ihn. Immer wieder erhascht er einen Blick auf ihr vorwurfsvolles Gesicht, aber wenn er sich zu ihr umdreht, ist sie verschwunden. Nur ihre Stimme ist allgegenwärtig. "Wieso?"

    Ihr ganzer Körper steht unter Spannung. Keiner macht den ersten Schritt. Es ist vollkommen dunkel. Kein Licht dringt durch die Bäume. Hart schlägt ihr Herz gegen ihre Brust. Kein Geräusch verrät ihr, von wo sich die Gefahr nähert. Plötzlich berührt sie etwas. Erschrocken schreit sie auf. Etwas Weiches streift ihr Gesicht. Sie rührt sich nicht, obwohl ihr Verstand ihr sagt, dass sie laufen soll, so schnell sie kann. Plötzlich bricht das Mondlicht durch die Wolken und erhellt die Lichtung.

    "Was wirst du tun", fragt sie erneut, doch er schweigt.
    Sie ist wütend, geht zu ihm und sagt dann: "Sag schon. Was wirst du tun?"
    Er dreht sich zu ihr um und sagt dann: "Wir werden sehen."
    Sie seufzt, will ihm über die Wange streichen, aber er entzieht sich. "Nicht."
    Er bemerkt den verletzten Ausdruck in ihren Augen, aber es berührt ihn nicht. Schon lange nicht mehr.
     
  2. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Ich kann mich nur wiederholen, es ist wuuuuuuuundervoll:3
     
  3. Samanta

    Samanta Leseratte

    Fortsetzung:

    Sie erstarrt. Mit weit aufgerissenem Mund starrt sie das Pferd vor ihr an. Vorsichtig hebt sie die Hand und will über den schönen, schwarzen Kopf streichen, aber es zuckt zurück, schnaubt. Ehrfürchtig betrachtet sie das Pferd und versucht sich ein weiteres Mal zu nähern. Wieder zuckt das Pferd zurück, schnaubt nervös und trabt davon.

    Schweißgebadet wacht er auf und sieht sich um. Sie ist nicht da. Leise flüstert er ihren Namen, versucht sie zu erreichen, aber sie ist nicht da. In seinem Herz macht sich eine Traurigkeit breit, die er bisher nicht gekannt hat. Sie zieht sich von seinem Herzen, durch seinen Körper und hinterlässt einen so großen Schmerz, dass er beinahe glaubt, ihn schon physisch zu spüren. Er ringt nach Atem und spürt wenige Sekunden später, wie Tränen über seine Wangen laufen.

    Er geht, lässt sie zurück. Zurück in dem kleinen Raum. Sie sieht ihm nicht nach, sieht aus dem Fenster. Als er schließlich fort ist, dreht sie sich um und verlässt ebenfalls den Raum. Sie schleicht durch die Gänge zu ihrem Zimmer und sinkt aufs Bett. Sie weint nicht. Schon lange nicht mehr.

    Das Pferd ist verschwunden. Sie ist wieder alleine. Alleine in der Dunkelheit. Sie lehnt sich erschöpft an den Baum und schläft sofort ein. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist es wieder da. Dieses Pferd. Schwarz, mit einem kleinen Stern auf der Stirn. Sie lächelt und will es streicheln, doch es lässt sich nicht anfassen, bleibt aber immer in ihrer Nähe. Sie geht weiter. Es folgt ihr.

    Er wacht auf, sieht sich um. Es ist morgen. Irgendwann muss er wohl eingeschlafen sein. Langsam rappelt er sich auf, will das Zimmer verlassen. Sein Blick fällt auf den Umhang. Er geht darauf zu und zieht ihn an. Ohne ihn darf er von nun an das Zimmer nicht mehr verlassen. Langsam öffnet er die Tür und tritt auf den Flur. Stille. Er geht auf das Zimmer gegenüber zu und klopft.

    Egal wohin sie geht, es folgt ihr überall hin. Immer wenn sie sich umdreht, geht es einige Meter hinter ihr und folgt ihr geduldig. Sie weiß nicht, was sie damit anfangen soll. Sie hat versucht es zu streicheln, aber es ist scheu. Sie lächelt. Es würde ihr gefallen einen Gefährten zu haben. Als sie sich diesmal umdreht ist es verschwunden. Sie ist ein wenig traurig, aber ist sich fast sicher, dass es zurück kommt.

    Er öffnet die Tür und betritt das Zimmer. Ein kurzes Lächeln seinerseits. Sie erwidert das Lächeln und sagt dann: "Ah da bist du ja." Er nickt und geht auf sie zu. Sie mustert seinen schwarzen Umhang und sieht ihn dann wieder an. "Möchtest du darüber reden?" Er nickt und sagt dann: "Sie ist weg."

    Das Pferd ist wieder da. Seit einigen Minuten folgt es ihr wieder. Sie lächelt und sieht sich immer wieder um. Es ist nicht perfekt, aber gerade das macht es wunderschön. Ihr Magen knurrt, denn sie hat seit Stunden nichts mehr gegessen. Langsam zieht sie etwas zu Essen aus ihrer Tasche und isst. Bald wird sie nichts mehr haben.

    Sie sieht ihn an und geht auf ihn zu. "Ich weiß." Er senkt den Blick. "Sie wird nie wieder kommen. Ich habe sie vertrieben." Sie möchte ihm so gerne helfen, aber sie kann nicht. "Es musste irgendwann so kommen." Er nickt nur, sieht aus dem Fenster und sagt dann: "Ich muss gehen." Sie nickt, sieht ihm nach und sieht dann aus dem Fenster.
     
  4. Franzimausi

    Franzimausi Mitglied

    die Geschichte ist echt total toll
     
  5. Samanta

    Samanta Leseratte

    hab mal wieder weitergeschrieben ...
    Fortsetzung:
    Sie steht wieder vor ihm. "Er war bei mir." Er sieht sie an und sagt dann: "Na und?" "Er wird sie suchen", sagt sie. "Das werde ich zu verhindern wissen", sagt er kalt und wendet sich von ihr ab. Er sieht aus dem Fenster und schweigt. Leise verlässt sie das Zimmer wieder. Sie will nicht daran denken, aber sie denkt an andere Zeiten.

    Sie packt die wenigen Reste wieder zusammen und geht weiter. Das Pferd sieht sie an und folgt ihr dann. Sie lächelt. Mittlerweile hat sie herausgefunden, dass das Tier eine Stute ist. Eine wunderschöne Stute. "Ich werde dich Sahiba nennen", sagt sie leise und lächelte, als die Stute ihre Ohren spitzte. "Ja, Sahiba … Gefährting", flüstert sie leise und lacht dann. Der Name passt. Die Stute ist eine Gefährtin, nicht mehr und nicht weniger, aber es tut ihr gut.
    Er sieht aus dem Fenster. Kalt fühlt sich sein Leben an seit sie weg ist. Die Tür geht auf und einer der Diener sagt, dass er nun zum Training kommen soll. "Ich komme gleich", antwortet er und sieht weiter aus dem Fenster. 2 Tage ist sie bereits vor und es fühlt sich für ihn an, als sei sein komplettes Leben sinnlos. So leer und kalt sind die Mauern ohne sie.

    "Er wird sie suchen", wiederholt sie nun schon zum fünften Mal, aber er hört ihr gar nicht zu. Er scheint sich seiner Sache sehr sicher. "Er wird das tun, was für seine Ausbildung am wichtigsten ist. Er wusste, dass er sie eines Tages vergessen muss." Sie schweigt. Er kann es nicht. Sie weiß, dass er es nicht kann, denn er ist noch immer nicht der, der er eigentlich sein sollte. Er sollte nicht lieben und doch tut er es.

    Sie rastet wieder. Es wird langsam dunkel und sie muss ein wenig schlafen. Während sie das Feuer entzündet hält Sahiba Wache. Sie lächelt und wirft dem Pferd immer wieder Blicke zu. Wie gerne würde sie das Tier anfassen, aber es lässt sich nicht anfassen. Sie muss ihr Vertrauen gewinnen, aber das braucht Zeit. Zeit, die sie nun hat, da sie nicht mehr bei ihm ist.
    Es wird langsam dunkel. Das Training hat er mit Müh und Not hinter sich gebracht. Sein Meister ist unzufrieden mit ihm, aber das ist ihm egal. Er steht wieder am Fenster und sieht hinaus. Wo bist du nur, denkt er und legt seine Hand an die kühle Fensterscheibe.
     
  6. Friese

    Friese Moderator

    Wo echt super. Freu mich schon wenn es weitergeht.
     
  7. Franzimausi

    Franzimausi Mitglied

    freue mich echt auf die nächste Fortsetzung der Geschichte
     
  8. Elle2012

    Elle2012 Neues Mitglied

    ohhh man du kannst gut schreiben einfach wundervolll
     

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