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Dass ich weinen muss

Dieses Thema im Forum "Eigene Geschichten" wurde erstellt von Eowin, 11 Okt. 2011.

  1. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    Hey!

    Mal etwas ganz anderes. Eigentlich keine Kurzgeschichte. lest selbst.


    Dass ich weinen muss



    Das bin ich. Was bin ich. Ich bin ich. Bin das ich?
    Regen, Sonne, Sommer, Winter, von Vögeln und Stürmen und Donner und Blitzen. Was mag ich?
    Es geht durch meinen Kopf, es fließt zu mir, ich brauche nicht denken, nicht drüber nachdenken, von alleine, Gedanken in meinem Kopf. Zu viele Gedanken. Dann Leere.
    Es ist nicht steuerbar, nicht lenkbar. Es kommt. Dann fließt es durch mich, wie Strom, wie Wärme, wie Fülle, die mich ganz einnimmt, erst ganz macht, erfüllt, ausfüllt. Spiel mit Sprache, Buchstabe und Buchstabe, ein Wort ein Satz, Konnotation, erst im Kontext mit Sinn, wo ist der Sinn, ist das Sinn, welchen Sinn will ich geben, hat das Sinn? Gib mir Sinn!
    Ich schreibe und schreibe, spüre den Schmerz nicht, der in meine Fingerspitzen steigt. Sie sind rot, eine Delle, ganz egal. Der Gedanke zählt. Ihn festhalten, aufs Papier bringen, bevor er verfliegt. Verfliegt, wie Nichts, wie Rauch, wie Nebel, als sei er nie da gewesen. Eine Schwade vor Augen, wabernd und Angst einflößend, eine Drohung meiner selbst, ein Zwang. Er muss aufs Papier, der Gedanke, ich platze, er muss raus, muss raus.
    Meine Hand fliegt über das Papier, Buchstaben, die ich nie wieder werde lesen können, Buchstaben, die anderen meine Welt eröffnen. Wie ist es möglich, Welten zu öffnen, Welten zu schaffe, zu vernichten, zu schließen, zu öffnen und am Ende alles mit einem Strich auszulöschen, als hätte es sie alle nicht gegeben.
    Es sind Chiffren, nur einzelne Siglen, ohne Bedeutung. Und doch so voll von Gefühl, von mir selbst, meinem Ich, meinem Selbst, meinem Inneren, meiner Seele, meiner Bestimmung, wenn es denn dann so was gibt.
    Es ist Philosophie, es ist Hass, es ist Liebe, es ist Nüchternheit und Trunkenheit, es bringt mich um und hält mich am Leben. Was will ich? Was will es?
    Ich zittere, ganz ergeben, dem, was ich tue, dem Gedanken, dem Willen, der Lust und Gier. Und hinter allem spüre ich Macht.
    Macht, die ich sonst nicht habe. Macht, nach der ich mich nie gesehnt habe. Doch sie ist da. Sie erfüllt mich, wärmt mich. Es ist schön. Ich fühle, dass ich lebe. Es ist mein Leben, meine Erfüllung, erst damit bin ich ganz, vollkommen.
    Der Strom erfasst mich, durchfließt mich, ich sauge scharf die Luft ein, sie durchströmt mich und gibt Energie, weiter zu machen. Ist es das, wofür ich geboren bin? Als hätte ich nie etwas anderes gemacht.
    Egal, wo ich bin. Egal, für was andere mich halten. Ich existiere in der Schrift, die ich auf das Papier bringe, in jeder zittrigen Zäsur, die ich hinzufüge, in jeder Chiffre, erscheint sie noch so undeutlich.
    Was bin ich? Das bin ich. Ich, ich.
    Es ist Macht. Die Macht, Menschen fühlen zu lassen. Ich lasse sie fühlen, was ich will. Ich habe die Macht, sie fühlen zu lassen. Herzen brechen, Herzen träumen, Menschen weinen, Menschen lachen. Wut, Hass, Liebe, Trauer, Resignation, Gleichgültigkeit, Intoleranz, Ignoranz – all das ist mein. Mein! Mein. In der Sprache. Denn die Sprache ist mein. Ich habe sie mir zu Eigen gemacht.
    Und ich spüre den Schmerz nicht, der durch meine Finger siegt wie sich das Gift vom Biss einer Schlange aus im ganzen Körper verteilt. Ich bin völlig infiziert von der Macht, der Magie der Sprache.
    Denn Sprache ist die Magie, das Zaubern, Zaudern, Wunder und Vergessen.
    Ich liebe sie, die Sprache, die Chiffren und Siglen, die Buchstaben und Sätze, den Sinn, den ich ihnen gebe. Ich lebe in ihnen. Ich BIN Sprache.
    Und ich schreibe und schreibe. Unermüdlich, ohne zu blinzeln, ohne etwas zu spüren. Und ich denke mich hinein in das, was ich tue. Ich fühle, was ich auf das Papier bringe. Jeder Strich kommt aus meinem Herzen, meinem Leben, meinem Sinn, meinem Verständnis.
    Ich denke mich hinein, ich fühle, was ich schreibe.
    So sehr, dass ich weinen muss.
    Bis ich weinen muss.

    © Eowin

    Und ich gebe den dezenten Hinweis, dass ich mit Vergnügen denjenigen erschlage, der das copyright bricht.
     
  2. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    Sehr schön! Regt in jedem Falle zum Nachdenken an den wer fragt sich nicht stets was bin ich oder wer bin ich! man könnte es vllt. Kurzgedichte nennen so als Mischung aus Gedicht und Kurzgeschichte XD
     
  3. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    scheint, als seist du nicht hinter den gedanken gestiegen...
    da steht nämlich was besonderes hinter^^ hab ich aber glaub ich ganz gut verpackt^^
     
  4. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    ne tut mir leid schreibst du evtl. in dein Tagebuch?^^
     
  5. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    nein, aber hier ist ja auch grad kein rate-mal-mit-rosental xD
     
  6. Ravenna

    Ravenna I walk her path...

    ok hat ich auch nicht vor ^^ war nur mein erster gedanke
     
  7. NorwegeerStar

    NorwegeerStar Nashorn

    Bäms, voll in Rage geredet =O
    Ich meine geschrieben.. gelesen... du weißt schon!
    Ist es wirklich so? Fühlt es sich so an?
    Aber es ist toll geschrieben.. wirklich!
     
  8. Eowin

    Eowin Hufschmied =)

    japp, genau SO.
     

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