1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
Wolfszeit

WHC' Solist [6/20] /03.24

a.d. Vakany v. Sasancho

WHC' Solist [6/20] /03.24
Wolfszeit, 16 Mai 2021
Zion, Friese und Mohikanerin gefällt das.
    • Wolfszeit
      09.07.2019| Wolfszeit
      Hazel| Heute hatte ich eine kleine Überraschung für mein Mounted Games Team vorbereitet. Da es heute zu heiß war um zu trainieren würden wir heute erst bei den Fohlen vorbeischauen und dann mit den Ponys zu See spazieren. Als Brynn, Charly, Milly und Chloe auf dem Hof angekommen waren. Erzählte ich ihnen davon alle zusammen gingen wir zur Koppel, wo die Fohlen standen. Colour Splash die die neugierigste der Stuten war, kam direkt mit ihrem Fohlen WHC‘ Candela an den Zaun. Colour Splash ließ sich von den Mädchen kraulen und auch die kleine Candela kam nach einigen Minuten an den Zaun und ließ sich vorsichtig Kraulen. Auch WHC‘ Jaydeen der Jährling, der erst seit ein paar Tagen wieder auf der Ranch war kam an den Zaun in der Hoffnung ein paar Leckerlies abzustauben. Seine Hoffnung wurden nicht enttäuscht als ich den Mädchen ein paar Möhren zu verfüttern gab. Als wir die Möhren auspackten kam auch Vakany mit dem jüngsten der Fohlen WHC‘ Solist und Maskotka mit WHC‘ Mitena. Bis auf Mitena ließen sich alle Fohlen ein wenig Streicheln währen ihre Mütter Möhrchen fraßen. Nachdem die Möhrchen leer waren wollten die Mädels unbedingt noch das neue Shetty sehen. Also gingen wir zum Unterhausauslauf. Die aufgeweckte Dunkelfuchsstute Fraena von Hulshóf kam auch direkt an den Zaun und ließ sich ihr flauschiges Fell kraulen. Auch Voilá und Mini Cookie kamen an den Zaun um sich kraueln zu lassen. Danach ging es daran die Ponys zu holen. Brynn und Milly holten Nabuko und Rumkugel vom Oberhausauslauf, während Charlotte und Chloe Miss Monty und Minnie Maus holten. Ich holte PFS‘ Caruso. Wir liefen bis zum Bach hinunter wo die Pferde ein wenig planschen durften. Minnie legte sich sogar in den Bach dankbar über die Erfrischung. Caruso war sich nicht so sicher was er von dem Bach halten sollte und trank nur ein wenig. Nach dem alle Pferd erfrischt waren liefen wir zum Hof zurück und brachte die Pferde in ihre Ausläufe zurück. Für die Kinder gab es noch eine kalte Limo bevor es zurück nachhause ging.
      Tierarzt Bericht
      Junges Mädchen-17.Juli 2019
      Sebastian O´Melly Luchy Montrose, WHC ´Mitena, Maskotka
      Gut gelaunt stieg ich aus meinem Wagen. Bereits vor ein paar Tagen war ich auf den Hof von Frau Montrose gewesen um eins ihrer Jungpferde zu Impfen. Sie kam also nun auf mich zu und reichte mir freundlich die Hand. Dann führte sie mich wieder in den Stall. Diesmal zu einem noch recht jungen Fohlen und seiner Mutter. Die beiden wurden mir nun von Frau Montrose als Maskotka und Mitena vor. Mitena war das Fohlen wegen dem ich heute auf den Hof gekommen war. Nun machte die Frau die Box der beiden Pferde auf und betrat sie, der Stute legte sie nun ein Halfter an. Ich machte mich mit ihr bekannt, erst als alles in Ordnung war ging ich auf das Fohlen zu und ließ auch die kleine Mitena sich mit mir bekannt machen. Als das Fohlen ruhig stand, sah ich es mir an es war in einem Guten Zustand. Also verabreichte ich nun die Wurmkur und anschließend die Impfung. Danach kam der Chip für die Registrierung des Fohlen´s. Den ich nun mit einer Spritze unter die Haut des Fohlens gab und dann die Nummer auslas. Alles war korrekt ich gab Frau Montrose bescheid und gab ihr die Nummer. Dann verabschiedete ich mich von den drei Damen und verließ den Stall.
    • Wolfszeit
      16.03.2020|Wolfszeit
      Quinn| Ich stand am Fenster, welches mit wunderschön glitzernden Eiskristallen überzogen war. Es war noch dunkel draußen. Hier oben in den Bergen lag immer noch ein wenig Schnee und über Nacht wurde es frostig kalt. Ich konnte es immernoch nicht glauben, dass ich gestern auf meiner ersten Körung war und dann mein Herkules auch noch Erfolg hatte. Eigentlich wollte ich nicht hinaus in die Kälte, doch die Pferde warteten auf ihr Frühstück. Also packte ich mich warm ein und ging hinaus. An den Fußspuren im Schnee erkannte ich, dass Jesse schon unterwegs war. Ich ging zum Scheune hinüber und holte dort meine Schubkarre und belud sie mit einer Ladung Heu um sie zum Hallenauslauf hinüber zu fahren. Die meisten Pferde schliefen noch gemütlich im Stroh und nur Fraena von Hulshóf und Darragh standen am Tor und klauten sich das erste Heu noch bevor es in der Futterkrippe war. “Ihr zwei seid doch eigentlich schon rund genug”, sagte ich zu den beiden und streichelte dem Mini Muli über den Hals. Fraena steckte ihren Kopf so tief in das Heu das nur noch ihre Ohren herausschauen. Als das Heu in der Krippe war gesellte sich auch die kleine New Forest Stute Minnie Maus dazu und durchsuchte meine Taschen nach einem Leckerlie. “Heute hab ich nichts für dich Mäuschen”, sagte ich schmunzelnd zu der Stute und kraulte sie hinter den Ohren. “So, jetzt muss ich aber weiter die anderen haben auch noch hunger”, sagte ich zu den Ponys und ging zurück zur Scheune um eine neue Ladung Heu zu holen. Diesmal ginge es mit der beladenen Schubkarre zum Unterhausauslauf. Dort standen alle drei Stuten neugierig. Antigone, die noch nicht lange bei und war, stand mittendrin. Die Fellponystute hatte sich scheinbar sehr gut integriert. “Curly, du stehst im Weg”, sagte ich zu der Haflingerstute die gerade einen langen Hals machte um sich Heu aus der Schubkarre zu klauen. Curly Lure machte allerdings keine Anstalten sich vom Fleck zu bewegen. Erst als ich das Tor öffnete ließ sich die Stute samt Tor zur Seite schieben. Verfolgt von Doo Wop, Curly und Antigone fuhr ich meine Schubkarre zu Futterraufe um mein Heu dort abzuladen. Geduldig warteten die drei Ponydamen bis ich das Heu abgeladen hatte. Während die bunter Criollo Stute und die Palominostute ihr Heu fraßen, folgte mir Curly zurück zum Tor um nachzukontrollieren ob ich nicht vielleicht noch etwas besseres dabei hatte. “Ne Goldi, dein Müsli gibts nach der Arbeit”, sagte ich und strubbelte ihr durch den Schopf bevor ich zurück zu Scheune ging. Dort traf ich auf Matt. “Morgen Matt”, begrüßte ich den großen dunkelhaarigen Mann. “Morgen Quinni. Wollen wir die Offenställe gerade zusammen ausmisten? dann geht es schneller”.”Na klar”, erwiderte ich und sprang mit auf den Weidemann, wo Matt schon den Mistcontainer aufgeladen hatte. So ging die Fahrt als erstes zum Hallenauslauf. Bis auf Ursel - die Bäringöttin und Nurja standen alle schon am Heu. “Schau nur der Heuhaufen hat drei paar Ohren”, sagte Matt schmunzelnd. Hinter dem Heu schauten ein paar graue, ein paar blonde und ein paar rote Ohren hervor. “Scheint als wollten Voilá, Fraena und Cremella verstecken spielen”. Der letzte kleine Kandidat stand zufrieden Zwischen Baroness Of The Guard und Miss Monty und wedelte zufrieden mit seinem Eselschweif.”Warte ich mach das Tor auf”, sagte ich und hüpfte aus dem Traktor. Matt fuhr hinein und ich verschloss das Tor wieder hinter ihm. Am Unterstand angekommen erwartete mich ein sehr niedliches Bild. Nurja lag noch im Stroh und blickte mir entgegen. Ursel - die Bärengöttin stand ein wenig weiter vorne und bewachte sie. “Na Bärin, passt du brav auf?”, sagte ich und streichelte sie am Hals. Mit ihrem großen weichen Nüster beschnupperte sie mein Gesicht. “Ja, eine brave bist du” flüsterte ich und kraulte sie an ihrer Lieblingsstelle. “Du sollst nicht die Pferde kuscheln, du sollst misten”, neckte Matt mich der aufeinmal hinter mir stand. “Aber schau doch wie süß die beiden sind”, erwiderte ich während ich zu Nurja rüberging. “Gut geschlafen meine süße?”, sagte ich und zupfte der Stute einen Strohhalm aus dem Schopf. “Na gut meine hübsche ich fürchte du musst jetzt aufstehen, damit wir hier misten können”. Ich stand auf und scheuchte die Stute hoch. Die beiden braunen Stuten verkrümelten sich zum Heu und so konnten Matt und ich in Ruhe misten. Nachdem der Unterstand und der Paddock gemistet war ging es weiter zu den restlichen Ausläufen. Um halb sieben waren alle Pferde gefüttert und die Ausläufe sauber. Als nächstes galt es nun die Pferde auf die Koppel zu bringen. ich machte mich also auf den weg zum Hallenauslauf. Auf dem Weg kam mir Lina entgegen. “Morgen Lina”, begrüßte ich sie. “Morgen, bringst du gerade die Pferde raus?”. “Ja ich wollte gerade damit anfangen”, erwiderte ich. “Voilá brauchst du nicht rausbringen, die hol ich mir gleich. Ich muss noch noch schnell nach Peppermint schauen. Lancasters Peppermint hatte sein Futter gestern nicht komplett fressen wollen,weshalb Lina zuerst nach ihm sehen wollte. “Na klar ich lass die Maus stehen”, antwortete ich und ging weiter richtung Auslauf. Als erstes waren Ursel und Cremella dran. Die beiden Ponys waren ein Herz und eine Seele. Als die beiden auf der Koppel waren folgten auch die restlichen Ponys, Pferde und Esel aus den Ausläufen und Ställen. Als alle Pferde auf der Weide waren verweilte ich ein wenig am Koppelzaun und beobachte die Fohlen auf der Weide. WHC’ Candela und WHC’ Solist liefen ein wenig um die Wette, wobei man der kleinen Scheckstute ihre Vollblutabstammung anmerkte, da sie gut eine Länge vor dem hellbraunen Hengst lief. Trotz ihrer Geschwindigkeit war auch die Verwandtschaft zu Colour Splash nicht zu leugnen. Die großflächige Scheckung und das Fuchsfarbene Fell waren eindeutig. Bei Solist war das schon nicht mehr ganz so einfach. Er hatte zwar die hellbraune Farbe seiner Mutter Vakany geerbt, doch die Scheckung, war bei ihm nur sehr schwach ausgeprägt. Die langen Beine gaben auch einen Hinweis auf seine Springabstammung. Dennoch hatte er auch definitiv die Raumgreifenden, schwungvollen Gangarten seines Vaters geerbt. Wir alle waren gespannt wie der kleine Hengst sich entwickeln würde, da es ihm doch ein wenig an Geschick fehlt. Das dritte Fohlen im Bund war WHC’ Mitena. Währen ihre Mutte Maskotka mit den anderen beiden Stuten graste, probierte sie eine Portion Gras. Die kleine Stute war auch das älteste der drei Fohlen, sie war nun schon fast ein Jahr 11 Monate alt. Jetzt wo bald die nächsten Fohlen kommen würden wollen wir die drei auch bald Absetzen. Candy und Mitena würde zusammen ein kleine Herde mit Antigone, Doo Wop und Curly Lure bilden. Curly ist trotz ihrer 6 Jahre doch noch recht verspielt, weshalb sie eine gute Partnerin für die beiden Fohlen bietet. Doo Wop ist der Ruhepol der Gruppe, mit ihrer ausgeglichenen ruhigen Art. Antigone hatte ziemlich schnell die führung in der kleinen Gruppe übernommen. Sie ist zwar freundlich, lässt sich allerdings nicht gerne herumschubsen. Alles in allem denken wir das die drei Stuten genau richtig sind um zwei junge Pferde zu erziehen. Bei Solist wird das ganz ein wenig schwerer werden. Da er ein Hengst ist kann er nicht bei den Stuten stehen und leider haben wir keinen Spielkameraden für ihn. Entweder wir geben ihn zur Aufzucht auf einen anderen Hof oder wir bringen ihn zu Alec auf den Hof. Alec hatte einen anderthalbjährigen Tinkerhengst dort stehen. Balisto wäre ein gute Spielgefährte für unseren Solist und bei Alec wüssten wir auch das er gut aufgehoben ist. Ich schaute den Fohlen noch ein paar Minuten zu bevor ich mich wieder an die Arbeit machte. Antigone, die jetzt knapp eine Woche bei uns war, wartete schon auf dem Auflauf auf mich. Ich wollte sie heute das erste mal reiten. Die Palominostute wieherte mir leise entgegen. Ich ging in die Sattekammer um dort ihre Putzbox und ihr neues Halfter. Vor zwei Tagen waren nämlich die neuen Kollektionen in Luchys Shop eingetroffen und da Antigone noch kein Halfter etc. hatte durfte ich etwas für sie aussuchen. Dabei rausgekommen war ein hübsches Set mit Lila-Weiß-Goldenen Marbel Muster. Ich holte das Halfter der Stute und streife es ihr über. “Hübsch siehst du aus” sagte ich zu der Stute und führte sie zum Putzplatz. Nachdem ich die Stute angebunden gatte holte ihre ihre Abschwitzdecke um diese mit der Winterdecke zu tauschen. Bei einem Fellpony würde man zwar Plüschfell erwarten, doch einerseit kam Antigone aus Deutschland, wo der Winter deutlich milder war als bei uns und andererseits hatte der Händler sie geschoren. Da wir immer noch minusgrade hier oben haben muss sie dieses Jahr eine Decke tragen. Eigentlich versuchen wir die Pferde wenn möglich nicht einzudecken um ihre Körpereigene Thermoregulation nicht einzuschränken. Als die Decken getauscht waren putzte ich die Stute gründlich, bevor ich sie Sattelte und wir uns gemeinsam auf den Weg zur Reithalle machten. In der Reithalle war Jace gerade dabei, Sheena eine Reitstunde auf Ursel zu geben. Dafür dass Sheena erst seit 8 Monaten ritt, machte sie das schon super. Normalerweise würde Sheena Walking On Sunshine oder Black Lady reiten. Die beiden Stuten waren allerdings tragen, weshalb die beiden nicht einsatzfähig waren. Elvish Beauty sollte in der Reitstunde laufen, genauso wie El Pancho. Damit Sheena trotzdem ein Pferd zum reiten hatte, hatte Jamie ihr Ursel geliehen. Die Highlandstute war sehr brav nur ein wenig weniger schwungvoll als sonst. Ich begab mich mit Antigone zusammen in die Mitte der Halle, wo ich nachgurte und dann Aufstieg. Nachdem ich 15 min Schritt geritten war gurtete ich erneut nach und legte sie Abschwitzdecke auf die Bande. Jace hatte die Reitstunde inzwischen beendet und Sheena wollte die Bäringöttin drauße noch ein wenig trockenreiten. Bis jetzt war Antigone sehr brav gewesen. Nun wollte ich antraben und musste zugleich festellen, dass die Stute ein wenig treibig war. Schnell musste ich auch feststellen, dass ihr wohl schon länger kein anständiges training mehr zugekommen ist, denn ihre Ausdauer war doch recht kurz. Nach einer viertelstunde mit Trab und einem kurzen Galopp beendete ich das Training. Ich musste leider feststellen da neben ihrer Ausdauer auch ein paar andere Dinge zu wünschen übrig ließen. Auf der linken Hand ließ sie sich nur schwer abwenden und im Rücken war sie recht fest. Ich würde mit Luchy zusammen einen Trainingsplan ausarbeiten. Der schwerpunkt wird jetzt erst einmal auf dem Muskelaufbau liegen. Außerdem sollte sich ein Ostheopart sich einmal den Rückn anschauen um festzusellen ob sie Blockaden hatte. Ich ritt Antigone trocken bevor ich sie noch unters Solarium stellte. Nach dem Wärmebad durfte sie dann auch eingedeckt auf die Koppel.
      Luchy| Ich wollte heute zu erst nach den Tragenden Stuten sehen. Vakany und Minnie Maus ware hochtragen und es würde vermutlich nicht mehr lange dauern bis sie abfohlten. Sunny Empire und Black Lady waren vermutlich mitte des Monats dran. Chessqueen, Baroness Of The Guard, Antigone und Walking On Sunshine ließen sich noch nichts anmerken wann sie soweit waren, aber allzu lang konnte es bei ihnen nicht mehr dauern. Ich ging zu der Koppel wo die Stuten standen ,so wie die Fohlen vom letzten Jahr und Mas’uda. Den Stuten schien es gut zu gehen. Vakany hatte schon ein wenig Milch im Euter, was darauf hindeutet das das Fohlen innerhalb der nächsten zwei Wochen zur Welt kommen würde. Nachdem ich die Stuten und natürlich auch die Fohlen begutachtet, beschmust und mit einem Leckerlie versorgt hatte machte ich mich auf den Weg zu meiner Stute Keks. Keks kam mir schon entgegen galoppiert als sie mich kommen sah. “Na meine hübsche”, begrüßte ich die braune Stute. Sie grummelte mich freundlich an und ich stecke ihr ein Leckerlie zu bevor ich den Strick einklingte. Die braune Stute hatte immer noch ein dickes Fell, der Frühling ließ wohl noch auf sich warten. Nachts gingen die Temperaturen immernoch bis zu -18 Grad runter und auch Tagüber war es nur knapp über Nullgrad. Ich führte die Stute in den Stall, wo sie während ich sie putzte, schonmal unter dem Solarium ein wenig aufwärmen durfte. Sauber und mit Reitpad und Halsring ausgestattet machen wir uns auf den Weg in die Reithalle. Ich ritt sie erst warm und arbeitete sie dann ein wenig in Trab und Galopp bevor ich noch ein bisschen an den Seitengängen arbeitete. Als ich die Halle verließ betrat Jayden mit Crystal Sky die Halle. Auf dem Putzplatz traf ich Samu Promise Of Sundance. Ich brachte Keks zurück zur Koppel. Auf der Koppel nebenan spielten ein paar der Hengste miteinander. Amigo versuchte an PFS’ Caruso Kopf ranzukommen. Der Shetty Hengst hatte allerding recht wenig erfolg. Nabuko, Rumkugel und Abe’s Aelfric rannten ein wenig um die Wette. PFS’ Artic Tiger, der Miniature Horse Hengst grase friedlich unter El Pancho. Der Kleine Hengst hatte sich so einen mobilen Regenschutz gesucht. El Pancho schien das Pony unter seinem Bauch nicht zu stören, denn er döse ein wenig. Nun holte ich mir LMR Royal Champion. Der junge Hengst war nun seit ca. zwei Monaten angeritten und bei jetzt machte er sich super toll. Ich putzte den Schecken gründlich bevor es gesattelt Richtung Platz ging. Ich den jungen Hengst heute das erste mal draußen reiten. Gleich beim Warmreiten fiel mir auf das der junge Hengst sehr unkonzentriert war. Er schaute sich ständig um, blieb stehen und stolperte deshalb ein paar mal über seine Füße. Da ich den Hengst nicht überfordern wollte beließ ich es heute dabei, die Grundgangarten ab zu fragen. Für das erste Mal hatte der junge Hengst das sehr gut gemacht. Als Belohnung und da er momentan ein wenig dünn war gabs ein Portion Mash für Champ. Zufrieden verputzte er es, bevor er wieder auf die Koppel durfte.
      Quinn| Inzwischen war es Nachmittag geworden und somit an der Zeit die Schulpferde reinzuholen und auf die Paddocks zu stellen, damit die Reitschüler es einfacher hatten dies einzufangen. Als ich zu den Koppel kam stand Little Buddy am Tor wie bestellt und nicht Abgeholt. “Willst du schon wieder nach hause?”, sagte ich schmunzelnd zu dem Vollblut Hengst und kraulte ihn kurz, bevor ich weiter ging. Als erstes wollte ich die beiden Stuten Nathalie und Finest Selection holen. An der Koppel rief ich Nathi und die Scheckstute kam brav angetrabt. Die Fuchsstute stand glücklicherweise eh schon am Zaun, da sie genau wusste wann es zu Reitstunde rein ging. Mit beiden Stuten an der Hand ging es zum Stall, wo die beiden Stuten noch ein wenig die Sonne auf dem Paddock genießen durften bevor die Kinder kamen. Als nächstes wollte ich British Gold und Miss Leika holen. Gold spielte ein wenig fangen aber Leika ließ sich gleich brav halftern. Auch Elf Dancer, LMR Fashion Girl, LMR Ice Rain, Legolas und Capatin Morgen kamen nacheinander rein. Matt hatte heut viel zu tun, so dass er mich gebeten hatte ihm PFS’ Arctic Tiger abzunehmen. Ich holte mir den kleinen Hengst und wollte mit ihm auf dem Platz gehen. Auf dem Dressurplatz war allerdings gerade Jamie mit Lady Moon. Da ich Freiarbeit mit dem kleinen Silbernen Hengst machen wollte, musste ich wohl woanders hingehen. In die kleine Halle konnte ich auch nicht weil Colin dort ein Pferdespielplatz für Carry On My Wayward Son, Blue Heart und die Jungpferde aufgebaut hatte. In der kleinen Halle war Jesse mit Miss Griselda Braun. Zum Glück war die Longierhalle frei. Erst ließ ich den Hengst ein wenig laufen, damit er sich auspowern konnte, bevor ich ein paar Lektionen mit ihm übte. So hatten wir immerhin 20 min bis Samu mit Saturn in die Halle wollte. Der Braune Hengst war heute leider ein wenig eingeschränkt durch seine Ataxie, sodass er nicht immer Reitbar war. Da Tiger allerdings sehr brav mitgemacht hatte räumten wir also das Feld. Ich beschloss mit dem kleinen Mann noch eine runde um den Hof zu spazieren. So begegneten wir Jayden und Lina die gerade mit Lady Swan und Acerado von einem Ausritt wiederkamen. Auf der Koppel wurde er schon von seinen Freunden erwartet. Ich hatte ein wenig Zeit bevor ich wieder los musste. So beschloss ich Hazel noch ein wenig zu zu sehen. So langsam hatte sie es raus wie man mit dem kleinen wilden pony umgehen musste. Dennoch ließ es sich Miss Monty nicht nehmen ein zwei bocksprüngen ein zu bauen. Am Abend ging es dann daran alle Pferde wieder reinzuholen. Ich begann bei Jora. Danach folgten All Hope Is Gone, Vikar, Injaki, Look at my hair und Don Carlo. Als aller letztes kam heut What’s Happend In The Dark rein. Der Araberhengst bekam dafür als erstes sein Abendessen. Nachdem schließlich alle Pferde versorgt waren, lümmelte ich mich nach einer warmen Dusche mit einem Buch auf mein Bett.
      16624 Zeichen
      23.06.2020|Wolfszeit
      Wilkommen kleines Baby
      “Alec,Alec,Alec”, rief Eva und riss die Tür auf und machte das Licht an. “Was ist denn los?”, grummelte Magnus neben mir.”Weißt du eigentlich wie spät es ist Eva?”, mein Blick auf die Uhr bestätigte die Vorahnung, dass es noch sehr früh war. 4:30 leuchtete mit entgegen. “Das Fohlen kommt”, quietsche die blonde junge Frau. “Geh schon ich komme gleich nach”, schickte ich die Weg. “Magst du mitkommen und sehen wie ein Fohlen geboren wird?”, fragte ich Magnus grinsend. Ich hatte nun schon einige Fohlen auf die Welt kommen sehen, doch für Magnus würde es das erste sein. “Na klar”. Wir beide zoge ums Jeans und Shirt über. “Heute sogar mal ohne styling”, stichelte ich . Er grummelte nur etwas unverständliches.

      Jetzt wo es nun auch Nachts wärmer war, verbrachten auch unsere Boxenpferde, die Nacht auf der Koppel. Die Stutentengruppe bestehend aus Liliada, Avicii und Mystic Fantasy Dahlia, stand in der Nähe des Bachlaufs und sah aufmerksam Richtung Wald. Ein paar Meter von ihnen Entfernt lag Ases Maskwamozi im Gras. Die Appaloosastute wurde letztes Jahr von dem Isländerhengst Glymur besamt worden und nun war es soweit, nach 338 Tagen. Die Beine des Fohlen waren schon zu sehen. Magnus, Eva und ich beobachten die Geburt aus etwas Entfernung. Nach ca.10 min lag ein wunderschönes Fohlen im Gras. Die nasse braune Mähne klebte noch verstrubbelt am Hals des Fohlens. Das Gesicht das Fohlen ist geziert von ein hübschen Kopfabzeichen, was sich über ihr hübsches blaues Auge zog. Das Fell des Fohlens war hellbraun. Die weißen Ohren des Fohlens lagen noch ein wenig verwirrt am Kopf des Fohlens. Ases hatte sich inzwischen Aufgerappelt und legte das gepunktete Hinterteil des Fohlen trocken. Nach ca.einer halben Stunde begann das Fohlen seine Beine zu sortieren und versuchte das erste mal auf zu stehen. “Owwww ist das niedlich”,quitsche Eva entzückt. “Süß, das kleine”, sagte Magnus. Seine Augen leuchteten wie bei einem kleinen Kind an seinem Geburtstag. Das Fohlen stnd inzwische auf seinen langen Stelzen und starkste zu Wamzi. Die braun gepunktete unterstützte ihr kleines Fohlen bei der Suche nach dem Euter. “Wie soll sie eigentlich heißen?”, fragte Eva. “Ahvani”, murmelte Magnus. “Oh, ja das klingt gut”, stimmte ich zu. WHC’ Avhani hatte das Euter inzwischen gefunden und begann zu trinken. Wir saßen noch eine Weile auf der Koppel und beobachten das Neugebore.

      Als wir zurück zum Haus gingen sah ich auf die Uhr. Es war schon halb sechs. In Bett gehen lohnte nun nicht mehr. Wie jeden morgen hieß es nun Also die Pferde rausstellen. Wir begannen damit die Hengste rauszustellen. Osgiliath, ZM’S Zanaro, Aschenflug, Wo der Wolf Heult, Darly Gone Mad, Sasancho, Aldaire und Chocolate Churro stürzten sich uach gleich auf das frische Gras. Danach kamen noch Löwenherz, Torasho und die beiden Jungpferde WHC’ Solist und Balisto auf die Koppel. Ermgravin, Lilli, Fanya, BS’ Little Snowwhite und Ardehel genossen die Sonne. PFS’ Caillean und Delyx waren die letzten die rauskamen.
      24.06.2020| Wolfszeit
      Das Perfekte Quadrilliepferd
      Jace| Es war noch dunkel als ich aufwachte. Am Himmel war nur ein schmaler lila Streifen zu sehen und über den Wiesen am Bach hin noch Nebel. Ich duschte mich zog mich an und ging nach unten. Die Sonne tauchte alles in orangegelbes Licht und machte den Weg zu Fohlenkoppel zu einem wunderschönen Erlebnis. Friedlichen lag die Koppel vor mir. LMR Fashion Girl stand zusammen mit Vakany und ihrem Fohlen WHC’Venice nahe am Zaun und graste.Das kleine braune Fohlen mit den weißen Punkten lag ganz nah an seiner Mama und schlief. Die kleine Stute war kaum zu sehen im hohen Gras und dem Nebel. Man erkannte das Fohlen eigentlich nur daran, dass das Gras dort plattgedrückt war, denn Außer einem kleinen Ohr war nicht viel zusehen. Vakany und Girly hoben den Kopf als ich mich näherte. Die hellbraune Flecken der hellen Stute schimmerten golden in der aufgehenden Sonne. Als die Falbstute mich erkannte senkte sie wieder den Kopf und zupfte weiter Grashalme aus. Fashion Girl wieherte mir leise entgegen und streckte mir ihre hübsche rosa Nase entgegen um mich nach Möhren abzusuchen. In meiner hinteren Hosentasche wurde die hübsche Stute auch fündig, auch wenn sie eigentlich schon rund genug ist. Die braune Stute steht jetzt fast seit 9 Monaten auf der Fohlenkoppel und ihr Bauchumfang hatte nicht nur wegen dem guten Gras zugenommen. Ich bin mir sehr sicher, dass sie eine gute Mutter wird, da sie schon bei fremden Fohlen einen ausgeprägten Mutterinstinkt hat. Außerdem sind wir sicher, dass das Fohlen nicht nur die Springveranlagung seiner Eltern erben wird, sondern auch die hervorragenden Gänge von Herkules. Ich strich Girly über ihre hübsche Stirn. “Du wirst eine wundervolle Mutter”, sagte ich zu der Stute. Ich kraulte die braune noch ein wenig an ihrer Lieblingsstelle und wie immer begann Girly dabei Grimassen zu schneiden. Nachdem Girly ausreichend gekrault war ging ich hinüber zu der alten Eiche , wo die beiden Jungpferde mit einem Großteil der restlichen Stuten standen. Bis auf WHC’ Mimithe schliefen alle Fohlen noch. Mimi probierte gerade der grasenden Candela in Ohr zu beißen. WHC’ Candela bemerkte das Ponyfohlen allerding und nahm den Kopf hoch. Mimithe sah ein wenig verwundert aus als sie in die Luft biss. WHC’ Mitena sah mich über Candelas Rücken hinweg an. Die schüchterne Stute versteckte sich öfter hinter Candy.Der kleine Solist war definitiv der mutigste von den drei Jungpferden. WHC’ Solist würde heute zu Alec ziehen. Der kleine Balisto brauch noch einen Spielkameraden und Solist kommt nun in ein Alter, wo er nichtmehr mit den Stuten zusammen stehen kann.Candela hatte sich inzwischen sehr gut entwickelt und zeigte sich Selbstbewusst. Mitena war leider noch sehr zurückhaltend. Wir alle waren schon gespannt wie die Stute sich entwickeln würde, wenn Candela ausziehen würde. Ich persönlich hoffe ,dass Mitena etwas aus sich rauskommt. Wenn die kleine sich noch ein wenig Selbstbewusster präsentieren würde könnte sie ein wahrer Dressurstar werden. Minnie Maus rief ihr Fohlen wieder zu sich bevor es noch mehr quatsch anstellen konnte, was Mimi zum Anlass nahm und sich fröhlich schmatzend einen schluck an der Milchbar gönnte. Ihre Schwester WHC’ Minya lag im feuchten gras und richtete sich auf. Verschlafen schüttelte das kleine Fohlen den Kopf und blinzelte in die Morgensonne. Tautropfen hingen der kleinen Tigerscheckstute in der Mähne. Minnie Maus schnupperte an ihrem Baby und schleckte ihr liebevoll über das feuchte Fell. Hinter mir raschelte das Gras. Ich drehte mich um und dort lag der kleine Oshawa im Gras und träumte. Im Traum zuckte WHC’ Oshawa und bewegte die kleinen Hufe. Sunny Empire, die Mutter des kleinen Hengstes beknabberte Mas’uda. Masu und Empire waren unzertrennlich und ergaben ein wunderschönes Bild wie sie sich im Sonnenaufgang beknabberten. Ich nahm meine Handy raus, machte ein Foto und schickte es in die Gruppe. Sogleich kam ein ‘AWWWW’ mit einem Herzsmiley von Hazel. Für gewöhnlich steht sie immer um halb sechs auf, um joggen zu gehen. Es fehlten nur drei Stute und ich hatte auch schon eine Ahnung wo sie sich aufhielten. Gerade die Fellponystuten Anitgone und Baroness of the Guard hielten sich besonders gerne am Waldrand auf. Dort fand ich die beiden auch. Antigone schlief noch ,während Nessi sie bewachte. Da ich die Palominostute nicht wecken wollte blieb ich auf Abstand und fand ein paar Meter weiter auch die letzte Kandidatin. Black Lady stand etwas abseits. Seit ein paar Tagen hatte sie die ersten Geburtsanzeichen. Es konnte nicht mehr lange dauern bis sie ihr Fohlen bekommen würde. Es war wohl besser die Stute heute im Auge zu behalten. Auch dieser Kugelrunden Stute stecke ich eine Möhre zu bevor ich zurück zum Hof ging. Langsam lichtete sich der Nebel und auch die anderen Fohlen hüpften inzwischen fröhlich über die Koppel. Fashion Girl folgte mir noch bis zum Tor wo sie sich noch eine Möhre erbettelte. Ich strich der Stute noch einmal über ihre hübsche Blesse, bevor ich mich auf den Weg zu meinem nächsten Schützling machte. Inzwischen war es hell genug, sodass ich kein Licht im Stall machen musste. Da aktuell ein großer Teil der Stuten auf der Fohlenkoppel stand, war der Stall recht leer. Da die Pferde gerade erst gefüttert worden waren, kam mir kein Kopf entgegen. Ich ging zu Joras Box und sah hinein. Die dunkelbraune Stute war gerade dabei die letzten Reste ihres Müslis zu verspeisen. Neben ihr kam gerade ein weißer Kopf mit einer langen Mähne aus der Box. “Na Beauty, hast du schön geschlafen”, sagte ich zu der hübschen Stute und strich ihr durch die lange Mähen. Elvish Beauty gehört mit Lady Moon, Herkules und Look at my hair zu den Mähnenwunder auf diesem Hof. Was ich allerdings am meisten bewundere ist wie Sheena und Colin das immer schaffen diese Stute immer so sauber und ordentlich zu halten. Nun streckte auch Jora ihren Kopf raus und stupste mich an. “Ist ja gut meine hübsche”, sagte ich schmunzelnd zu der jungen Stute und nahm ihr Halfter von der Box. Die Stute pustete mir freundlich Luft ins Ohr ,während ich sie halfterete. Das dunkle Lila Halfter sah hervorragend auf der Stute aus. Ich ging mit der Stute zum Putzplatz und holte ihre Putzbox aus der Sattelkammer. Als ich vor Joras Schrank stand hörte ich Hufgeklapper auf der Stallgasse. Legolas, der große schwarze Hannoveraner stand jetzt neben Jora. Lina befestigte gerade die Stricke an seinem Halfter. Sie war so süß, gerade im Umgang mit Pferden. Das Gespräch zwischen mir und ihr hatte mir zwar geholfen zu verstehen weshalb sie so seltsam zu mir gewesen war, aber es hatte mich auch verwirrt. “Erde an Jace”, sagte Jayden der aufeinmal neben mir stand. “Oh, morgen Jay”, murmelte ich. “Na, was starrst du Lina so an”, stichelte er “Ist da jemand verliebt”, halt die Klappe Jay”, zischte ich als ich sah das Lina rüber kam. “Morgen Jungs”, sagte sie fröhlich. “Morgen “, erwiderte Jayden nur schelmisch grinsen. “Denkst du dran heute Farena und Voilá zu machen”, trällerte Lina und quetschte sich an mir vorbei in die Sattelkammer. “Wie kommt es denn dazu?”, fragte ich Jayden und sah ihn schief an. “Hab ne Wette verloren”, murmelte er. “Was für eine Wette?”. “Wer den cooleren Reitunterricht macht”, gab Jayden kleinlaut zu. Naja, es gibt definitiv schlimmeres als mit Farena van Hulshóf und Voilá zu arbeiten. Ich selbst möchte die kleinen Ponys sehr gerne. “Na, dann viel Spaß dabei”, sagte ich und ging wieder zu meiner Stute. “Wie läuft es mit Divine?”, fragte ich Lina, die gerade mit Legolas Putzbox wiederkam. Der weiße Freiberger war inzwischen fast 3 Monate bei uns. Was das reiten anging hatten wir noch keine großen Fortschritte mit HMJ Divine erreicht. “Ganz gut, wenn man vom reiten absieht?”, kam eine Stimme von der anderen Seite des Lackschwarzen Hengstes. Ich bürstete das dunkelbrauner Fell meiner Stute. “mmm, naja, zum Glück geht es ja nicht darum das am besten gerittene Pferd zu präsentieren”. “Ja”,sagte sie grinsend “allerdings hatte ich eine Idee. Dafür bräuchte ich dich und ein Pferd was brav Handpferde mitnimmt. Bist du dabei”. “Klar”, sagte ich etwas zu schnell. Jora war inzwischen sauber, sodass ich kurz in die Sattelkammer verschwand um Kappzaum und Longiergurt zu holen. “Dann also heute Nachmittag in der Halle?”, fragte ich Lina, während ich Jora anzog. Bevor der Kappzaum drauf kam holte ich noch Gamaschen, da ich der ungeschickten Stute zutraute einen Knoten in ihre Beine zu machen. “Dann bis später”, rief ich Lina noch zu, während ich mit der braunen Stute in Richtung Longierhalle ging. Zu meinem Glück lagen schon Stangen in der Halle sodass ich keine mehr holen musste. Ich begann damit Jora zum aufwärmen erst einmal fleißig im Schritt voran zu schreiten. Da Jora dieses Jahr langsam angeritten werden sollte, longierte ich mit Gurt, damit die junge Stute sich schon einmal daran gewöhnt etwas umgeschnallt zu haben. Da Jora auf Veränderung sehr empfindlich reagiert, wird das anreiten bei ihr besonders langsam ablaufen. Genau deshalb wird sie seit 3 Wochen mit Gurt longiert. Natürlich ist die Stute noch weit davon entfernt perfekt zu laufen, doch sie lernt erstaunlich schnell. Aktuell ist sie leider wieder ein wenig überbaut, was sie wieder ein wenig aus der Balance wirft. Weil die Stute noch im Wachstum ist soll sie nach dem anreiten nochmal eine Weile nur vom Boden aus gearbeitet werden, bis sie vollständig ausgewachsen ist. Inzwischen war sie warm und ich nahm auch den Trab und Galopp dazu. Nach einer halben Stunde beendete ich die Trainingseinheit. Ich lief noch 10 Minuten um den Hof bevor ich die Stute koppel fertig machte. Ihre Weidekameraden Miss Leika, Elvish und LMR Ice Rain waren bereits auf der Koppel und grasten zufrieden in der Morgensonne. Sobald ich Jora frei ließ trabte die junge Stute zu Ice Rain hinüber und begrüßte sie freundlich. Ich mochte Jora. Die braune Stute strahlte leichtigkeit aus und in ihrem Auftreten ließ sich ihre Abstammung nicht leugnen. Ihr Vater Red Diamond II ist ein erfolgreiches Springpferd und ihre Mutter Promise Of Sundance ist eine Prämienstute, die durchaus wusste weiß wie man sich bewegt. Die Sprungkraft ihres Vaters hatte sie definitiv geerbt. Gleich in der ersten Woch auf dem Hof war die Stute über den Paddockzaun gehüpft und ausgebüchst. Wo ich so an der Koppel stand überlegte ich welches Pferd für die Divineaktion geeignet ist. All Hope Is Gone ist definitiv zu launisch dafür, gerade jetzt wo viele der Stuten wieder rossig sind. Vikar fällt raus, weil er heute seine Westerneinheit hat. Sheena kam gerade zur Koppel um Elvish Beauty zu holen. Und da fiel es mir ein ich könnte mit El Pancho ausleihen. Der gutmütige Knabstrupperhengst war geradezu perfekt dafür, da er sogar mit Divine zusammen wohnte. “Hey, Sheena”, grüßte ich die junge Frau. “Hi, Jace”.
      “Dürfte ich mir El Pancho heute ausleihen?”, kam ich direkt zum Punkt, weil mir gerade einfiel, dass ich Gone und das Fohlen noch machen musste bevor die neue Stute ankam. “Oh ja, gerne, das passt mir heute ganz gut. Mein Bruder hat mir die kleine aufgedrückt, weil er und Luchy irgendetwas wichtiges in der Stadt machen müssen”. “ Danke. Viel Spaß mit der kleinen”. Nach Beendigung des Gesprächs machte ich mich auch gleich auf den Weg zu Fohlenkoppel um WHC’ Mitena zu holen. Die ganze Herde war inzwischen zum Waldrand gewandert, das es dort deutlich kühler war. Als ich mich der Herde näherte, sah ich dass alle Pferde da waren.

      Nur eine Stute fehlte. Black Lady. Ich ging ein paar Meter von der Herde weg und entdecke die Rappstute etwas abseits im Gras liegen. Neben ihr lag ein kleines braunes Fellbündel. Das Fohlen war noch ganz nass und wusste noch nicht so recht wo es war. Der Kopf war geziert von einer großen weißen Blesse, die das Auge aus sparte. Das was man von dem Fohlen sah, ließ sofort den Vater erkennen. Da war es also WHC’ Secret Fashion. Black Lady rappelte sich auf und begann ihr Fohlen trocken zu lecken. Ich zog mein Handy aus der Tasche und machte ein Foto von den beiden.

      Schaut nur das Fohlen ist da, schrieb ich darunter als ich es in unseren Hofchat schickte. Blacky und dem Fohlen schien es soweit gut zu gehen, sodass ich mich zurück auf den Weg zu Mitena. Wie immer kam Candela mutig auf mich zu und das dunkle Palominofohlen hielt sich noch zurück. Ich streichelte Candela über den rot weißen Hals und steckte der jungen Stute ein Leckerlie zu. Das reichte aus, dass Mitena Eifersüchtig genug war um hinter Candy hervor zu kommen. Ich arbeite erst seit ein paar Tagen mit der schüchternen Stute. Hier auf dem WHC’ erzogen wir die Fohlen zu beginn nur soweit, dass sie sich brav führen lassen und auch Tierarzt und Hufschmied kein Problem ist. Alles weitere folgte nach und nach. Da die Jungpferde dann bis sie ca. Jahr sind kaum Menschenkontakt haben sind viele der Fohlen anfangs sehr zurückhaltend. Jetzt hieß es für Mitena, erst einmal die Grundkommandos zu wiederholen. Da die Stute sich allerdings extrem schüchtern zeigt, sind wir bisher noch nicht über das Halfter anlegen hinaus gekommen. Mitena war inzwischen bis auf eine Nasenlänge an mich rangekommen. Nun machte die junge Stute einen langen Hals um an das Leckerlie zu kommen, welches ich ihr hinhielt. “Braaav machst du das”, sprach ich ruhig mit der Stute. Vorsichtig angelte sich sich das Leckerlie aus meiner Hand und sie trat gleich einen Schritt vor um noch ein weiteres Leckerlie ab zu zocken. “Super Mausi.”, lobte ich Mitena und Candela bekam gleich einen Tadel .“Candy, dräng dich nicht in den Vordergrund”, sagte ich und schob den Kopf der Scheckstute zur Seite. Langsam streckte ich meine Hand nach Mitena aus und berührte die Stute an der Schnauze. “Super, kleine Maus”, lobte ich und strich ihr vorsichtig über den Kopf. Brav ließ sich die Stute streichen und genoss es als ich begann sie zu kraulen. “Baaaav Mitena”. Nach einer kleine kraul Runde zeigte ich der Stute das Halfter was ich mitgebracht hatte und ließ sie daran schnuppern bevor ich sie vorsichtig damit am Hals berührte. Brav machte die kleine Stute das mit und ließ sich halftern. Danach versucht ich die Stute ein paar Schritte zu führen brav folgte sie mir. Auch wenn sie Menschen gruselig fand hat sie das führen offenbar nicht vergessen. Mit einem Blick auf die Uhr beschloss ich, dass es nun genug für die junge Stute war, schließlich musste ich noch meinen Tinkerhengst reiten bevor die neue Stute ankam, damit ich den Nachmittag dann für die Stute und Divine nutzen konnte. Also gab ich Mitena noch ein Leckerlie und entließ sie wieder. Sobald sie merkte das es von mir nichts mehr gab trabte sie auch sogleich zurück zu Candela. Ich brachte das Halfter zurück und holte mir All Hope Is Gone von der Koppel. Der Tinker war heute aufgeweckt, weshalb das holen ein wenig schneller ging als sonst. Da seine Mähne eingefolchten war konnte ich mir das Mähnebürsten sparen, weshalb auch das putzen schneller ging als sonst. Danach sattelte ich den Rappen und ging mit ihm auf den Platz. Ich wärmte ihn auf und als es in die Arbeitsphase ging begann der launisch Hengst rum zu mäkeln, sich gegen meine Hilfen zu wehren und zu bocken. Der Hengst wollte wohl heute länger arbeiten. Nach 15 min hatte ich den Konflikt mit Gone geklärt und wir konnten ein paar Dressurlektionen reiten. auf dem Weg zu Stall sah ich dann auch schon den LKW vorfahren. Ich drückte Jesse den Tinker in die Hand. “Kannst du ihn wegbringen? Ich muss die Stute in Empfang nehmen”. Saget ich und verschwand in Richtung einfahrt.Der Fahrer stieg gerade aus und ließ die Klappe hinten runter. Briar war scheinbar das letzte Pferd welches ausgeliefert wurde, denn sie stand alleine hinten auf dem Hänger. Briari hieß die Stute, die nun aus dem Hänger geladen wurde. Die Schimmelstute war rein weiß bis auf einen braunen Fleck, ein sogenanntes Bloodmark, am Kopf. Ich nahm die Stute entgegen und Luchy übernahm den Papierkram. Die hübsche Stute wirkte freundlich und folgte mir Brav. Ich wollte sie erst ein wenig rumführen, damit sie sich die Beine vertreten konnte. Nachdem wir ein wenig gelaufen war, ließ ich sie noch einen Moment grasen. Doch davor begann die Stute sich erst einmal zu strecken. Das sah ziemlich lustig aus. Luchy hatte gesagt ich solle Briar zu Beastly Domina auf de Koppel stellen. Einerseits damit die braune Stute nicht länger alleine war, andererseit weil die beiden Stuten sich schon kannten, da sie zusammen auf dem Deer Forest EC lebten. Also ging ich mit der Schimmelstute im Schlepptau zur Hauskoppel. Mina wierthe uns entgegen ,sobald sie Briair erkannte. Ich ließ Briair zu Mina und die Stuten begrüßten sich freundlich und begannen dann auch gleich zu spielen. Ich beobachtete die beiden Stuten noch eine halbe Stunde und nachdem sie begonnen hatten zu grasen ließ ich sie allein. Wie Luchy bereits vermutet hatte, erkannten sich die Stuten.

      Mein Blick auf die Uhr bestätigte mich darin ,dass es nun Zeit für die Mittagspause war.

      Nach der Pause machte ich zusammen mit Lina auf den Weg zur Koppel um El Pancho und HMJ Divine zu holen.”Was genau hast du eigentlich vor?”, fragte ich Lina neugierig. Naja, ich habe überlegt, entweder liegt es an de Halle, dass Ivi nicht läuft oder es liegt daran, dass er nicht alleine laufen will. Ich habe nämlich inzwischen rausgefunden, dass er wohl nach dem Feldtest ausschließlich zweispännig gefahren wurde. Deshalb habe ich mir gedacht wir könnten das mal probieren ob er läuft wenn jemand neben ihm ist”, erklärte die Finnin. “Das klingt sehr logisch”,stimmte ich zu. Inzwischen waren wir auch an der Weide angekommen und Lina rief nach Divine. Der weiße Hengst kam nach einer halben Minute auch vom hintersten Ende angetrabt. El Pancho der meistens mit Divine irgendwo rumhing folgte ihm im Schritt um zu schauen ob es etwas spannendes gibt. “Du hast ihr ja schon gut erzogen”, meinte ich anerkennend. Lin Halfter den Freiberger und wir warteten bis Pancho angetrottet war . “Na Panch, heute musst du dich mit mir abgeben”, begrüßte ich den freundliche Knabstrupper. Mit den beiden Hengsten machten wir uns auf dem Weg zu Putzplatz um die beide zu Putzen und zu satteln. “Lass uns auf den Platz gehen, da haben wir auch gleich die Halle weg” schlug ich vor. “Das ist eine super Idee stimmte” Lina mir zu und wir machten uns auf den Weg zum Platz. Ich gurtete nach, stellte meine Steigbügel ein und stieg auf. Lina saß inzwischen schon auf dem weißen Freiberger und versuchte los zu reiten. Divine lief auch los, aber wie von einem Magneten angezogen lief er nicht außenrum sonder parkte zielsicher neben Pancho ein und war auch nicht in der absicht weiter du laufen. “Hast du einen Magneten an Pancho geklebt”, kommentierte Lina das ganz lachend. “Nagut, dann nochmal zusammen”. Ich trieb den grauen Knabstrupper an und wie durch ein Wunder lief Divine gleichzeitig los und wich El Pancho auch bei Wendungen nicht mehr von der Seite. “Also im Schritt funktioniert das ja ganz gut, wollen wir es im Trab probieren”, fragte ich Lina. “Na klar, ich glaub ich hab ein anderes Pferd unter mir”, sagte sie lachend. Ich trieb den Hengst in den Trab und Divine lief sogar im Gleichschritt. “Haha, ich glaube wir können einen super Par de deux mit den beiden Reiten”, sagte Lina lachend. Sogar gemeinsame Volten und das Rückwärtsrichten klappte synchron. Ich steuerte Pancho auf den Zirkel und ließ ihn angaloppieren. Auch das klappte Problemlos. Nach ein paar Runden parierte ich Pancho wieder zum Schritt durch. “Jetzt müssen wir nur noch herausfinden wie wir ihm beibringen auch alleine zu laufen”, sagte ich lachend. Wir probieren noch einige Bahnfiguren, bevor wir das training beendeten und die beiden Hengste wieder auf die Koppel durften. “MMM ich glaube ich sollte mir El Pancho öfters ausleihen, der ist ja echt klasse”, meinte ich zu Lina. Divine und El Pancho hatten sich inzwischen zu den anderen Hengsten Gesellt die am Waldrand grasten. Divine brauchte auch nicht lange bis er im Bach lag um sich abzukühlen. Typisch Pferd gab es danach ein Sandbad, sodass dort statt einem weißen nur noch ein hellbraunes Pferd. “Na viel Spaß beim putzen morgen”, sagte ich zu Lina bevor wir zurück zum Hof gingen.
      20130 Zeichen
      09.10.2020|Wolfszeit
      Pflegekinder
      Avicii, Liliada, Mystic Fantasy Dahlia, Ases Maskwamozi, WHC' Avahni, Valquira, Fortun, Morian, ZM's Zanaro, Aldaire, Torashko, Chocolate Churro, Löwenherz, Osgiliath, Fanya HMJ 7469, Zephyr, Sasancho, WHC' Solist, Balisto, Ardehel, BS' Sowwhite, Darly Gone Mad, Lilli vom Hirschberg, Ermgravin, Aschenflug, Wo der Wolf Heult, PFS' Caillean, Delyx

      Magnus| Ich wachte auf, weil die ersten Sonnenstrahlen durchs Fenster fielen. Ich schlug die Augen auf und blicke in das friedlich schlafende Gesicht, von Alec. Seine Haut leuchtete hell im Sonnenlicht. Das Licht machte die braunen Strähnen in seinen Haaren sichtbar und betonte seine wunderschönen Wimpern. Ich lächelte und schmiegte mich wieder an ihn. Ich lauschte seinen ruhigen gleichmäßigen Atemzügen und schlief wieder ein.

      Als ich erneut aufwachte hörte ich das Alec schon unter der Dusche war. Ein Blick auf meinen Wecker verriet mir auch sogleich, dass es schon 9 Uhr war. Ich stand auf und sah aus dem Fenster. In den Schatten glitzerte schon der Raureif auf dem Gras, denn hier oben in den Bergen, dauerte es nicht lange bis der Herbst so einzog. Dennoch zwitschern auch hier schon die ersten Vögel. Alec kam nur mit einem Handtuch um die Hüften aus der Dusche und umarmte mich von hinten. “Morgen Babe”, raunte er mir ins Ohr. Seine Haut war wunderbar warm, sodass sich die Härchen auf meiner Haut aufgestellt. “Du bist so schön warm, willst du nicht noch ein wenig hier bleiben”, sagte ich genüsslich. Darauf hin murmelte er nur etwas unverständliches, bevor er sich von mir löste um sich anzuziehen. Auch ich verschwand unter der Dusche und genoss das warme Wasser auf meinem Körper. Nach dem Duschen, zog ich mich an und stylte mich, wie immer vermutlich ein wenig zu extra für den Stall.
      Im Wintergarten, war das Frühstück bereits angerichtet. Alec und Anu saßen schon bei Tisch. Ich gesellte mich zu den beiden und genoss den Ausblick auf die Hauskoppel wo die Stuten in der Morgensonne grasten. Avicii und Liliada grasten Seite an Seite in der Morgensonne. Vicii und Lila waren seit ich sie kannte unzertrennlich und bewegten sich selten unabhängig voneinander fort. Luchy hatte mal erzählt, dass die Stuten schon immer sehr oft zusammen waren. Lila wurde dann verkauft, was die Hellbraune Stute wohl recht gut verkraftete. Liliada hingegen, hatte es wohl nicht allzu gut verkraftet. Sie hörte auf zu fressen und magerte ab. Das schien ihre neue Besitzerin auch nicht groß zu stören. Statt sich um die Schwarzbraune Stute zu kümmern, kaufte sie sich ein anderes Pferd und ließ Lila allein auf einer Koppel stehen. Sie wäre vermutlich verhungert, wenn niemand sie entdeckt hätte. Eine Bekannte von Luchy erkannte die Stute und Benachrichtige Luchy. Diese hatte dann beschlossen Lila zurück zu holen. ch hatte Fotos gesehen, die hübsche Stute war wirklich nur noch der Schatten ihrer selbst gewesen. Als Lila und Avicii wieder vereint waren, wich Lila der hübschen braunen Stute nicht mehr von der Seite und wurde zu ihrem Schatten. Auch wenn Lila sich gerne mal Aufgespielt ist Avicii, das einzige Pferd was immer alles darf bei Lila. Avicii ist eine wundervolle Stute und zwar nicht nur wegen ihrer Außergewöhnlichen Färbung. Vicii ist für ein Vollblut sehr ruhig und leicht zu Händeln, sogar ein Kind könnte man ihr anvertrauen ohne das etwas passieren würde. Außerdem ist die die Stute sehr verschmust. Niemand kommt an der Stutenkoppel vorbei ohne die erdfarbene Stute zu streicheln.
      Gedankenverloren rührte ich in meinem Kaffe und beobachtete wie Vicii und Lila anfingen sich zu putzen. Anus Stute Mystic Fantasy Dahlia, war damit beschäftigt wie man das Tor öffnen könnte. Zum Glück kannten wir die schlaue Stute und hatten das Tor extra Dahlia sicher gemacht. Denn Die Stute neigt leider dazu, dass ihr schnell langweilig wird, weshalb sie auch immer Spielzeug hat. Allerdings schien der Torverschluss spannender zu sein, als ihr Joy Ball. Dieser lag nämlich unbeachtet unter dem Baum. Die letzte Stute auf der Koppel war Ases Maskwamozi mit ihrem Fohlen Ahvani. Die Appaloosastute stand bei Lila und Vicii und döste.ein wenig, Während ihr Fohlen einen Schmetterling jagte. Das kleine Stutfohlen war jetzt schon fast 4 Monate alt und brachte einiges an Leben in die kleine Herde. Der Vater des Fohlens ist nicht wie man erwarten würde ein Appaloosa oder ein Vollblut, sondern ein Isländer. Glymur ist ein hübscher Smokey Black Schecke und damit genauso ein Hingucke wie unsere Wamzi. Das Ziel der Anpaarung war ein Gangpferd zu erhalten, welches Größer als ein Isländer ist. Das hatte auch tatsächlich gut funktioniert, denn die kleine Vahni zeigt viel natürlichen Tölt.
      Nachdem ich mein Frühstück mit frischen Crossaints beendete hatte, machte ich mich zusammen mit Alec auf den Weg zu den Koppeln. Es galt nämlich nach den drei Neuankömmlingen zu schauen. Die drei Pferde kamen aus Schweden. Ihr Besitzer hat aktuell zu wenig Zeit um sich selbst um seine Pferde zu kümmern und es wird vermutlich länger so bleiben. Also hatte er Luchy um Hilfe gebeten. Da auf dem WHC nicht der Platz für drei weitere Pferde, vorhanden ist, kamen sie zu uns. Die beiden Stuten Valquiria und Fortun standen noch separiert von der Herde, damit sie sich erst einmal an die neue Situation gewöhnen können. Gestern hatten die Stuten neugierig ihr neues Zuhause erkundet. Nach dem langen Flug hatten wir sie über nacht gleich auf die Koppel gelassen. Wenn man die Stuten so an sah hatten sie auch ganz gemütlich geschlafen. Denn das helle Fell der beiden hatte nun hübsche braune Matschflecken. "Die beiden sehen aus als könnten sie einen Spaziergang gebrauchen", sagte Alec und Strich der neugierigen Schimmelstute durch die Mähne. "und ein paar schicke Halfter", fügte ich hinzu. Alec verdrehte nur die Augen. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht allen Pferden ein hübsches Outfit zu zuteilen. Jedes Pferd hat dadurch seine Farbe im der es perfekt zu Geltung kommt. "Was hältst du von Oliv für Vali oder doch eher Bordeaux…", überlegte ich laut. "Mach doch mal langsam, lass die beiden Schönheiten doch erstmal ankommen", sagte Alec lachenden und befestigte den Strick an Fortuns Halfter. "lass uns den Schönheiten doch erstmal den Hof zeigen". "Na gut, aber wir fahren noch die Woche bei Luchy vorbei", erwiderte ich und hakte den Strick in das Halfter des Schimmel. Vali war eine echt brave Stute.
      Wir gingen den Weg runter zum Hof. Hier und da blieb eins der Pferde stehen um sich umzusehen. Auf dem Hof war so früh noch wenig los. Anu frühstückte noch und Eva war vermutlich noch nicht einmal Aufgestanden. Nur Basti war schon unterwegs frisches Heu und Wasser auf die Koppeln bringen. Es würde nicht mehr allzulange dauern, bis die meisten Pferde die Nacht im Stall verbringen. Denn hier in Kanada wurde es richtig kalt. Nicht wie in New York wo es selten unter die Null Grad fällt. Hier sind auch Tagsüber teilweise Temperaturen unter - 20 Grad zu erwarten. Und es wird nicht mehr lange dauern bis die Temperaturen hier nachts unter 0 Grad fallen.
      Wir waren inzwischen einmal um den Hof spazieren und wieder an den Stallungen angekommen. Vali hatte sich vorbildlich benommen. Fortun hatte sich zweimal Grundlos erschrocken, hat sich aber gut Händen lassen. "Lass und die beiden noch ein wenig putzen, bevor sie wieder auf die Koppel kommen", sagte ich zu Alec. Da die beiden noch kein eigenes Putzzeug hatten holte ich das von Churro und Aldaire. "Die zwei haben noch ganz schön wenig Winterfell. Ich fürchte wir müssen die bald eindecken, das Klima hier ist nicht ganz so mild wie in Schweden", stellte Alex fest. Ich hatte derweil einige Mühe den Matsch aus dem grauen Fell der Stute zu bürsten.
      Sauber und entspannt ging es für die beiden zurück auf die Weide.
      Alec wolle als nächstes zu unserem Frisch gekört en Hengst ZM' Zanaro. Ich hingegen wollte zu Aldaire. Der Berberhengst hatte, laut Alec zu viel Weidebauch und ich hatte ein Abspeckprogramm bekommen.
      Heute stand ein längerer Ausritt an. Ich ging an die Koppel und als ich das Tor öffnete kam Daire auch schon an getrottet. Ich hängte den Strick in seinem Halfter ein und ging mit dem Hengst zum Putzplatz, wo er wie immer erstmal einen halben Apfel bekam,bevor ich begann sein von der Sonne erwärmtes Fell zu bürsten. Der Hengst verlor ganz schön viele Haare, das war der Nachteil am Fellwechsel. Allerdings hatte der Hengst schon ganz schön viel Plüsch bekommen. Nachdem der Hengst Staub und Haarfrei war holte ich den Fellsattel und Blosal und legte es dem Hengst an. Danach begab ich mich von der Aufsteighilfe aus auf seinen Rücken. Heute war ein schöner Sonniger Spätsommertag. Aldaire schlug von allein den Weg zum Fluss ein und ich ließ den Hengst laufen. Im gemütlich Trab lief der Braune den Waldweg entlang. Das Hufgeklapper wurde begleiten von ein paar Vögel die ihre Lieder sangen.
      Am Fluss wurde der Berber langsamer und fiel in den Schritt um vorsichtig die Böschung hinunter zu klettern. Laut prustend stieg der Hengst ins Knietiefe Wasser und eine Ente flog empört schnattert hinfort. Fröhlich planschte Aldaire im Wasser. "Genieß es nochmal, bevor es richtig klat wird mein Dicker", sagte ich zu dem Hengst und tätschelte seinen Hals. Nachdem ich und der Hengst nass genug waren trieb ich ihn an und brav kletterte er die Böschung wieder hoch. Ich lenkte den Weg den Waldweg entlang Richtung Galoppwiese.
      Auf dem Weg dorthin kamen mir Eva und Fanya HMJ 7499 engegegen. Beide waren von oben bis unten gesprenkelt. “In welches Matschloch seit ihr denn gefallen?”, fragte ich Eva. “Wir sind die Geländestrecke geritten und oben im Wald ist es so nass, dass es da extrem Matschig ist”. Ich unterhielt mich noch kurz mit Eve bevor ein Specht der sich lautstark beschwerte unser Gespräch beendete. Als der Berber die Wiese erblickte stellte er die Ohren auf und wartete auf das Signal zum los laufen. Im Schritt betrat ich die Wiese. "Na los großer hab deinen Spaß", das ließ sich der Hengst nicht zweimal sagen und starte direkt in den Galopp. Der Wind strich mir kalt durchs Gesicht und riss schon die ersten Blätter von den Bäumen. Am Waldrand parierte ich Aldaire durch und schlug den Weg zurück zum Hof ein. Nach Insgesamt 2 Stunden war ich mit Aldaire wieder am Hof angekommen.
      Alec war scheinbar inzwischen mit Zany fertig, denn Chocolate Churro stand auf dem Putzplatz und döste. Allister hatte gerade Torashko angespannt um mit ihm das Futter abzuholen. Es war zwar nicht nötig, dass mit der Kutsche zu machen, doch Allister, bestand meistens darauf, seinen Tory anzuspannen und es selbst zu holen. Der alte Mann genoss die Zeit mit seinem Pferd und auch Torashko war nach solch einem Tripp noch gelassener als Sonst. Ich ritt zum Putzplatz, wo nun auch Anu mit Löwenherz stand. Sie wollte den Tinker heute zum ersten mal selbst reiten. Bisher hatte sie entweder vom Boden gearbeitet oder die Nichte von Allister ritt ihn. Der kleine Tinker hat leider große Probleme Vertrauen zu Erwachsen aufzubauen, doch ist ein Kind in seiner Nähe ist er wie ausgewechselt.
      Ich sattelten Aldaire ab und brachte ihn zurück zur Koppel. Osgiliath warte schon in etwas Entfernung und beobachtet misstrauisch das Geschehen. Ich kraulte meinen Berberhengst noch ein wenig, bevor er beschloss das es genug war. Auf dem Rückweg blieb ich an der Koppel mit den anderen Neuankömmlingen stehen. Der eine war Zephyr. Der Gidranhengst war jetzt seit knapp 3 Wochen bei uns. Der Fuchs ist wendig und schnell, aber weil er sehr sensibel ist haben wir ihn noch nicht mit in die große Hengstherde integriert. Er hat nur Sasancho als Gesellschaft bekommen. Der große Holsteiner ist neben Tory der entspannteste Hengst auf dem Hof.
      Obwohl noch keiner Zephyr geritten war, war schon zu erahnen woher er seinen Namen hatte. Der Dunkelfuchs ist unglaublich schnell und wendig. Der zweite Neuankömmling ist Morian. Der Hengst der von seinem Besitzer liebevoll Kürbis genannt wird ist kein ganz unbekannter. Er ist nämlich eines der Pferde aus dem HMJ vom letzten Jahr. Doch nun war der Hengst kaum wieder zu erkennen. Er war kräftig und gut im Futter. Sein rotes Fell ist nicht mehr so matt, sonder es ist seidig und glatt. Dazu glänzt es mit einem leichten goldenen Unterton in der Sonne. Ich beobachte wie der Friedrichsborger neugierig seine Nase über den Zaun strecke. Auf der andern Seite des Zaunes standen die Jährlinge Solist und Balisto und beäugten den Fuchs neugierig. Solist trat einen Schritt vor und beschnupperte den großen Hengst. Solist spielt sich ein wenig auf und quietscht auf. Zephyr nahm das zum Anlass durch zu starten. Sancho schloss sich an und als die beiden an Morian vorbeiflitzen war auch diese nicht mehr zu halten. Freudensprünge machen galoppierte er den anderen beiden hinterher. Während er mit dem Holsteiner noch ganz gut mithalten konnte hatte er gegen Phyri keine Chance.
      Die beiden Jährlinge hatten nun begonnen zu spielen, wobei Solist im Vorteil war weil man Balisto super an seiner langen Mähne ziehen konnte.
      Ich hatte den Hengsten lang genug zugeschaut und machte mich auf den Weg zu den Minis. Ich wollte heute Ardehel und Little Snowwhite anspannen. Auch wenn die Stuten charakterlich sehr unterschiedlich waren, gaben sie ein gutes Gespann ab. Snowy wiehert mir schon zu als sie mich entdeckte. "Na süße hast du Lust ein bisschen was zu arbeiten?", begrüßte ich die Stute und strich ihr über die weichen Nüstern, bevor ich die Halfter der Stuten holte. Ich Band beide am Putzplatz an und begann sie zu putzen. Zum Glück waren die beiden Stuten recht sauber, sodass ich nur den Staub aus dem Fell bürsten musste. Dann schirrte ich die Ponys an und ging mit ihnen auf den großen Platz. Dort machte ich nach dem warmlaufen ein paar Dressurlektionen, bevor ich zum Abschluss noch eine kurze Runde ins Gelände ging.

      Ich hatte die Ponys Fertig versorgt und stand nun neugierig am Zaun des Reitplatzes, denn Alec wollte nun Zephyr reiten. Anu drehte schon mit Redneck ihre Runden. Wobei der zweite Name des Hengstes deutlich besser passte, Daryl Gone Mad. Luchy hatte mir erzählt, dass sie den Hengst vom Tierschutz übernahm. Er ließ sich nicht anfassen und trat um sich sobald man ihm zu nahe kam. Ursprünglich war der Vollbluthengst ein Rennpferd gewesen. Wegen einer eher enttäuschend Gewinnquote wurde er offiziell aus dem Sport genommen. Was danach mit ihm geschah ist ungewiss. Daryl landete dann als Tierschutzfall bei Luchy und ging danach an eine erfahrene Trainerin. Dort wurde der Hengst wieder liebevoll zu einem Reitpferd umgeschult. Er lebte dann noch einige Zeit auf der Gips Reminder Ranch, bevor er zu uns kam. Da der Hengst durch seine Vergangenheit nur schwer Vertauen fasst, lag das bisherige Ziel bei uns sein Vertrauen zu gewinnen und ihn aufzutrainieren. Vor kurzem hatte Anu sein Talent zum Springen entdeckt und beginnt ihn nun schritt für schritt daran heranzuführen. Auch wenn Daryl kein reines Nervenbündel mehr ist, ist er dennoch mit vorsicht zu genießen, weil unsicherheit sich häufig in aggression bei ihm äußert.
      Alec hatte nun mit Zephyr den Platz betreten. Der Dunkelfuch drehte seine Ohren in alle Richtungen und schaute mit großen Augen und aufgepusteten Nüstern in die Gegend. “Magnus kannst du ihn mal kurz festhalten?”, rief er mir zu. Ich ging zu ihm auf den Platz und hielt Phyri, während Alec nachgurtet. Nachdem ich ihm gegengehalten hatte ging ich zurück und setzte mich auf den Zaun. Der Dunkelfuchs war zwar noch etwas guckig, aber das legte sich nach einigen Runden. Mit jeder Runde wurde der Fuchs lockerer und begann ab zu schnauben. Als Alec antrabte begann der Hengst sich rauszuheben. Der Hengst wirkte unausbalanciert, was sich auch im Galopp zeigte. Während Alec noch ein wenig ritt ging ich zu den Koppeln und wollte die Pferde ablichten.
      Mit Kamera im Gepäck ging ich zuerst zu den Stuten. Auf der ersten Koppel standen Fortun und Vali. Die Schimmelstute kam neugierig auf mich zu , was sich wunderbar als Fotomotiv machte. Fortun war ein wenig zurückhaltender und beobachtete mich lieber auf etwas Abstand. Ich saß noch eine ganze Weile auf der Koppel und es entstanden einige hübsche Fotos von den Stuten. Auf der nächsten Koppel wollte ich vor allem Ahvani fotografieren. Das kleine Fohlen hatte sich bisher wunderbar entwickelt und war genauso wie ihre Eltern wunderschön. Es war erstaunlich wie groß sie inzwischen geworden war.
      Auf der letzte Stutenkoppel standen Lilli und Fanya grasend zusammen. Lilli ist inzwischen wunderbar bemuskelt und kaum noch vergleichbar mit dem Pferd was Alec anfangs vorgefunden hatte. Ihre lange Mähne ist inzwischen gepflegt und auch nicht mehr so dünn und zerrupft wie damals. Doch auch Gräfin hat sich gemacht. Sie hat an Masse zugelegt Un ihr Fell glänzte Seidig. Gräfin begann freudig über die Wiese zu rennen und stecke die anderen beiden an. Ich genoss den Anblick von Fanya vor einem Jahr war kuam denkbar gewesen, dass sie mal so viel Lebensfreude ausstrahlen wird.
      Die letzten Models für heute, waren dann noch Wolf, Aschenflug, Delyx und Caillean. Die Hengste boten sich heute leider nicht so schön an, weshalb ich relativ schnell aufgab.
      Die Bilder von Morigan, Fortun und Vali würde ich ihrem Besitzer schicken. Sicher freut er sich wenn er sieht, dass es seinen Pferden gut geht. Ich bin schon sher neugierig auf den Vergleich in ein paar Monaten. Aufgrund des Zeitmangels waren die drei Pferde wohl etwas aus dem Training, was man ihnen auch ansah. Aber mit ein wenig Training werden auch diese drei wieder gut bemuskelt sein.
    • Wolfszeit
      [​IMG]
      20.03.2021|Wolfszeit
      Zurück nach Hause...
      Mystic Fantasy Dahlia| Osgiliath| ZM’s Zanaro| Aschenflug| Wo Der Wolf Heult| Darly Gone Mad| Zephyr| Sasancho| WHC’Solist| Morian

      Alec| So langsam begann es auch bei uns wärmer zu werden und man konnte schon die ersten Schneeglöckchen unter der schmelzenden Schneedecke entdecken. Ich hatte Zephyr gerade rausgestellt und beobachtet nun wie Solist und Balisto im Schnee spielten. Die Vollblüter und Sasancho veranstalten ein Wettrennen auf der Nachbarkoppel, während Dahlia und die anderen Stuten gemütlich grasten. Heute war ein Tag, der ein klein bisschen traurig ist, denn die drei Gastpferde werden uns heute verlassen. Ihr Besitzer hat entschieden, dass sie nun lange genug bei uns waren. Fortun soll wohl auf einen Lebenshof gehen, wo sie ein glückliches Leben auf der Weide führen darf. Vali und Mo gehen zurück aufs LSD. In ca. 1 Stunde würden die drei abgeholt werden, um sich auf die lange Reise nach Schweden zu begeben. Zuerst möchte ich mich den beiden Stuten widmen, bevor ich auch Mo fertig mache. Als Erstes führte ich Valquiria aus ihrer Box. Sie war recht sauber, dass die drei Pferde eh eingedeckt waren. Also putzte ich nur die Beine der Schimmelstute und bürstete ihr Langhaar. Damit die Stute genauso hübsch wie sie jetzt war, Zuhause ankommen würde flocht ich ihre dicke, lange Mähne zu einem spanischen Zopf. Auch ihren Schweif flocht ich locker ein. Somit fehlten nur noch die Transportgamaschen, die ich der Stute allerdings erst später anziehen werde, schließlich muss sie die Dinger noch lang genug tragen. Ich entließ Quira zurück in ihre Box und holte mir nun Fortun auf die Stallgasse. Auch bei dieser Stute machte ich Mähne und Schweif hübsch bevor sie zurück in ihre Box durfte. Der dritte im Bunde, Morian, war mir am meisten ans Herz gewachsen. Der freche Hengst strahlte unglaublich viel Lebensfreude aus. Kaum zu glauben, was aus dem damals so abgemagert Tier geworden ist. Wie auch meine Fanya stammt Morian aus dem Horsemakeover. Natürlich hatte ich in der Anfangsphase auf der Bow River Ranch beobachtet. Morian war mir damals, vor allem wegen seiner leuchtet roten Fellfarbe aufgefallen. Zwischen den ganzen braunen und schwarzen Pferden war der Fredricksborger mit der leuchtenden Mähne geradezu rausgestochen. Ganz anders als Fanya, war der Hengst trotz seiner Geschichte aufgeschlossen und freundlich. Ich muss schon zugegeben, dass ich ein Stück weit Stolz darauf bin das Collin mir seinen Hengst anvertraute. Morian hatte jetzt knapp ein halbes Jahr bei uns verbracht und das Kürbispony hatte nicht nur mich verzaubert. Auch Magnus war einfach nur begeistert von dem hübschen Hengst gewesen. Zwar wohl eher weil er nun ein neues Pferd hatte, welches er modisch ausstatten konnte, aber so war er nun mal mein Magnus.
      “Na mein große, heute geht es für dich nach Hause”, sagte ich zu dem Hengst und strich ihm über die hübsche Blässe. “Ich bin mir sicher Collin freut sich dich endlich wieder zu sehen”. Zwar hatte uns Morians Besitzer zwischendurch auch mal besucht, aber dennoch hatte er den Hengst nun schon länger nur auf Fotos gesehen.
      Ich betrat die Box des Fuchses und streifte ihm sein Halfter über. Sanft brummelte der Hengst und holte sich seine Streicheleinheit ab. Morian liebt Aufmerksamkeit und wenn man mal seine Leckerlis oder Streicheleinheiten vergisst, kann er sehr nachtragend werden. Ein wenig wehmütig kraulte ich das immer noch flauschige Fell des Pferdes. Auch wenn Morian, natürlich nicht das einzige Pferd hier auf dem Hof war, war er doch etwas ganz besonders. Obwohl wir deutlich buntere Pferde haben als den Hengst, ist den meisten Besuchen trotzdem immer Morian als erstes Aufgefallen. Ich führte den Hengst aus seiner Box und entdeckte dabei, das seine rechte Halsseite von hübschen Mistflecken geziert war. Ich holte also das Putzzeug und begann das rot Goldene Fell zu putzen. Anschließend flocht ich auch Morian inzwischen sehr prächtige Mähen ein. Als er fertig zu Abreise war, beschloss ich noch ein Foto von ihm zu machen.
      “Schau mal her hübscher”, sagte ich zu dem Hengst, bevor ich ein Bild mit meinem Handy machte. Gleich darauf sendete ich es an Collin. Der Kürbis kann es kaum erwarten endlich wieder nach Hause zu kommen, schrieb ich dazu. Du hast ihn aber extra hübsch gemacht, bekam ich sogleich als Antwort.
      Ein Bilck auf die Uhr verriet mir auch sogleich, dass es nun so weit war und das poltern de LKW, der auf den Hof fuhr, bestätigte mir das ganze. Schnell legte ich Morian die Transportgamaschen an und trat mit dem Hengst nach draußen. Es hatte begonnen zu schneien und so kamen weiße Wölkchen auf Mos Nüstern. Freundlich begrüßte ich den Spediteur, der gerade die Klappe öffnete. Anschließend lud ich den barocken Hengst aus.
      “Gute Reise, Morian”, verabschiedete ich mich von dem Hengst und strich ihm ein letztes mal über die weichen Nüstern.
      Nachdem der Fuchs aufgeladen war, folgten natürlich auch noch die beiden Stuten und als Letztes übergab ich dem Mann noch die Papiere der Pferde bevor ich mich wieder von ihm verabschiedete. Mit einem brummen, startete der Mann den Motor und der LKW fuhr vom Hof. “Da fahren sie nun davon”, sagte ich mehr zu mir selbst, denn erst als Magnus mich sanft berührte, bemerkte ich, dass er sich neben mich gestellt hatte. “Mach dir nichts draus, er wird es dort genauso gut haben wie hier”, flüsterte er mir zu und ich wusste, dass es stimmte.

      5247 Zeichen
    • Wolfszeit
      Nationalteam XII | 25. Mai 2021
      Glymur/Northumbria/Snúra/Waschprogramm/Checkpoint/Satz des Pythagoras/St. Pauli’s Amnesia
      Legolas/Crystal Sky/HMJ Divine/Nathalie/Maskotka/El Pancho/WHC’Solist


      Niklas
      Lina und Jace für die letzten Tage noch einmal zusammen sehen, hätte ich nicht erwartet. Doch ich freute mich darüber, dass sie sich dafür einsetzte die Zerwürfnisse zu klären. Vriska lief allein auf die Weide, um dort ihren Hengst zu holen. Seine helle Decke reflektierte das Licht des Mondes, der zum Teil am Himmel schien. Solche Details interessierten mich sonst selten, aber sie löste etwas in mir aus, dass ich seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Auf dem Platz zeigte sich mir, dass meine Hilfe brauchte und das nicht infrage stellte. Sie akzeptierte es nicht nur, sondern verlangte danach. Auch wenn Vriska die letzten Minuten immer wieder damit verbrachte, auf Abstand zu gehen, wusste ich, dass es genauso stark wollte wie ich. Nur ich konnte ihr helfen besser zu werden und wieder mehr Freude zu finden. Ihre Losgelassenheit in meiner Nähe übertrug sich auch auf mich, was mich in meiner Annahme nur bestätigte.
      “Na, worüber denkst du nach?”, lächelte Vriska mich an. In der Hand hielt sie Glymurs Strick. Der Hengst lief einige Schritte auf mich zu und streckte seinen Kopf hoch zu mir. Ich strich ihm über sein Nasenbein. Ein hübscher Junge ist ihr Hengst. Seine blauen Augen schimmerten so schön, wie die von Smooth. Eigentlich war kein Fan davon, denn so zog ein Pferd immer die Aufmerksamkeit auf sich, wurde genauer von den Richtern betrachtet und grundsätzlich der Zuschauerliebling. Ebenso belastend waren die Fans, die ein hübsches Pferd mit sich brachte. Auf meinem letzten Turnier stand eine ganze Traube aus Mädchen, die nicht nur mich, sondern auch mein Pferd anhimmelten.
      “Dies und dass”, antwortete ich kurz und wir liefen los zum Stall.
      “Wie geht es dir eigentlich?” Vriska reagierte nicht direkt auf meine Frage. Es wirkte, als würde sie jeden einzelnen Schritt zählen, den wir zum Stall benötigten.
      “Schon viel besser. Beim Schlafen habe ich Schwierigkeiten, die richtige Position zu finden. Wenn ich mich anstrenge, drückt es noch ziemlich. Sonst geht es. Besonders in deiner Nähe”, murmelte sie zum Ende hin. Es ging ihr wirklich besser bei mir, was meine Annahme bestätigte.
      “Das freut mich zu hören”, antwortete ich und schaute zu ihr rüber. Sie blickte noch immer zu Boden.
      “Wir müssen noch die Kür machen”, warf sie ein, bevor wir den Stall betraten.
      “Das stimmt”, sagte ich und überlegte, worauf sie hinauswollte.
      “Vielleicht sollten wir gleich damit anfangen”, schlug Vriska vor und stellte Glymur in die Box. Dort nahm sie die Decke vom Hengst. Den Gang heruntersah ich Lina, die vor ihrem Hellen stand, der munter das Kraftfutter auf dem Boden verteilte.
      “Es wäre besser, wenn du nicht so starrst. Außer du willst dich bei ihr entschuldigen”, flüsterte die Kleine in mein Ohr. Dabei spürte ich ihre Hände auf meinen Schultern. Im Nu drehte ich mich um und mein Verlangen, dass sich unsere Lippen berühren sollte, wuchs plötzlich. Empört ballte ich meine Faust.
      “Wieso so sollte ich?”, brach es aus mir heraus. Erschrocken tritt sie einige Meter von mir weg. Auch Glymur schlug seinen Kopf nach oben und seine Hufe schellten an dem Holz der Box. Der Knall brachte mich zurück in die Scheune. Meine Knie wurden weich und im nächsten Moment fand ich mich auf dem Boden wieder. Es war dunkel. Die Lichtstrahlen traten durch die Lücken im Holz. Mit meiner linken Hand stütze ich mich ab und spürte den Sand unter mir. Kalte Luft wirbelte um meinen Körper, die wenigen Haare stellten sich auf. Es wurde heller. Nur in Unterwäsche saß ich im Dreck und rief nach meiner Mutter, nach Hilfe. Niemand hörte mich. Bis ich eine mir bekannte Stimme vernahm.
      “Niklas, hörst du mich?”, fragte Vriska. Ihre Hände lagen an meinen Wangen und sie kniete vor mir. Lina war auch dazu gekommen, unsicher stand sie neben uns. “Kann ich irgendwie helfen?”, fragte sie vorsichtig.
      “Ein Glas Wasser wäre nett”, stammelte ich und blickte zu Boden. Steinboden, Beton, kein Sand und erst recht nicht Schweden. Ich wiederholte es mehrfach in meinen Gedanken, bis ich sich die Anspannung löste. Meine Uhr vibrierte, um mich darüber zu informieren, dass mein Herzschlag extrem hoch war. Lina verschwand direkt und Vriska kniete noch immer vor mir.
      “Du hast uns einen riesigen Schreck eingejagt”, erklärte sie mir und setzte sich neben mich. Wir lehnten an der Box von Glymur und sie legte ihren Kopf auf meiner Schulter auf. Ihre Hände streichelten über meinen Arm, was mich beruhigte. Zusammen machten wir die 478 Atemübung, die ich ihr ursprünglich gezeigt hatte. Lina benötigte ewig und ich begann auf dem Daumenknochen herum zubeißen.
      “Hast du Ju Bescheid gesagt?”, fragte ich aus heiterem Himmel.
      “Ich … ja. Aber er kommt nicht.” Sie wirkte bedrückt und schaute mir nicht in die Augen.
      “Wieso?”
      “Weil er gerade besseres zu tun”, murmelte Vriska. Ich konnte nicht glauben, was da sagte und holte mein Handy aus der Hosentasche. Dort sah ich, dass sie ihn kontaktiert hatte und er ziemlich genau darauf einging, wieso er nicht kommen würde. Es flog quer durch den Stall und traf beinah Lina, die gerade wieder kam. Meine Beine winkelte ich an, stützte meinen Kopf mit meinen Armen. Die Ellenbogen drückten gegen meine Knie und einige Tränen liefen meine Wangen herunter. Leise schluchzte ich. Elendig fühlte ich mich und sah vermutlich auch danach aus.
      “Möchtest du darüber reden?”, fragte Lina einfühlsam. ”Wenn nicht, ist das auch ok …”, fügte sie dann noch leise hinzu. Das Wasserglas stellte sie neben mir ab und zögerte einen Moment, bevor sie sich auch auf den Boden setzte.
      “Er will nicht mehr, nur gut genug sein, wenn ich ihn brauche. Außerdem hat er gerade viel mit Linh zu tun. Es ist immer wieder das Gleiche mit ihm, kaum hat er jemanden dann wird er eklig. Stößt mich von ihm und schiebt es dann auf mich. Ich kann das nicht mehr”, schluchzte ich noch mehr. Keiner der beiden blickte ich an, sondern drückte meinen Kopf noch mehr in meine Hände. An meinen Beinen spürte ich etwas Warmes herunterlaufen, was nur Blut sein konnte. Vriska schien es auch zu bemerken, denn sie stand auf und holte aus dem Putzkasten ihres Pferdes einen noch sterilen Verband, den sie mir liebevoll um ein Schienbein band. Erst dann schaute ich auf zu ihr. Sie reinigte vorher die Wunde noch mit einem sauberen Tuch und Wasser. Kein Wort verließ ihren Mund, doch auf ihren Lippen lag ein Lächeln.
      “Manchmal ist es besser sich zu distanzieren, bevor es toxisch wird … du hast es nicht verdient so behandelt zu werden”, murmelte Lina und wurde zum Ende hin immer leiser. Sie hatte recht, aber wen hatte ich noch ohne ihn? Spätestens in Schweden musste ich das geradebiegen. Ich richtete mich wieder auf und begutachtete kurz, was Vriska mit meinem Bein getan hatte. Es sah wirklich fachkundig aus. Lina benötigte ziemlich lange, bis die Worte über ihren Lippen kamen, solange, dass Vriska ihrem Hengst gefüttert hat und mich fragte: “Soll ich Humbi noch neues Heu geben?”
      “Das wäre toll, ich komme dann gleich nach”, erwiderte ich und schaute ihr nach, als sie den Stall verließ. Sie lief gleichmäßig und elegant. Ihr Po wackelte dabei, obwohl sonst nicht viel an dran war. Dann griff ich nach dem Glas Wasser. Nach drei kräftigen Schlucken gluckerte es in meinem Bauch und das leere Glas stellte ich wieder bei Seite.
      “Was meinst du mit, so sollte ich nicht behandelt werden?”, fragte ich Lina nach einem prüfenden Blick, ob Vriska da sein könnte.
      “Na ja, wie soll ich das sagen … niemand hat es verdient einfach so weggestoßen zu werden, vor allem ohne den wahren Grund zu kennen … ohne die Chance zu haben, seine Fehler wieder gutzumachen …” Sie sah mich dabei nicht an, sondern starrte auf ihre Finger. Natürlich verstand ich, worauf sie hinauswollte, und Ju meinte sie damit keineswegs.
      “Es war nicht in Ordnung von mir, dich vorhin scharf zurechtzuweisen und zu beleidigen. Ich kann es nicht leiden, wenn man sich ungefragt bei meinen Pferden einmischt. Jahrelang mischten sich alle bei der Arbeit mit meinen Tieren an und mein Unterricht war stets sehr streng. Deswegen kam direkt meine Abwehr. Es tut mir leid und bevor du was sagst. Ich wollte dir das mit Vriska später erzählen, wenn es weniger aufregend und stressig ist. Sie … ich benötige das im Moment und einfach und sie wollte es. Deswegen konnte ich das Angebot nicht sausen lassen. Sie bettelte und winselte förmlich danach …“, bevor ich weitersprechen konnte, wurde ich unterbrochen.
      “Ich bettelte und winselte also nach dir?”, wiederholte Vriska meine Worte, als sie den Stall betrat. Ihre Stimmung konnte ich nicht einschätzen, denn auf den Lippen lag wieder mal ein Lächeln aber in ihren Worten schwang eine Enttäuschung mit.
      “Also, wenn ihr zwei noch was zu klären habt, … kann ich auch gehen”, warf Lina ein und machte Anstalten aufzustehen.
      “Ach alles gut. Wir klären das später, schließlich braucht sie mich noch”, sagte ich mit geschwellter Brust. Vriska nickte hastig. Das Grinsen verschwand dabei nicht, sondern wirkte noch intensiver und größer, als wäre sie geehrt.
      “Humbi frisst dann auch, seid ihr noch nicht fertig oder können wir die Kür machen?”, erkundigte sie sich und legte die Decke ihres Hengstes zusammen. Lina stand wie angewurzelt und wir beide sahen zu ihr.
      “Okay, … ich finde euch außerordentlich seltsam und ich verstehe ungefähr nur die Hälfte, aber …ich glaube, ich habe schon mehr gehört, als ich wissen möchte, …” ihr war förmlich anzusehen, wie unangenehm ihr die Situation war.
      “Wir gehen erst mal zurück zum Feuer, schließlich hat Anders Geburtstag”, sagte ich lief mit Vriska los. Stumm folgte sie mir. Auch Lina kam mit.
      “Ach hat der Hund direkt zwei Knochen ausgebuddelt, wie niedlich”, suchte Ju Streit, als wir bei der Gruppe ankamen. Am Feuer saßen einige Leute, den etwas wurde kühler. Auch mir fröstelte es an den Beinen. Ein Blick zum Tisch, an dem Ju saß, verriet mir, dass er gut dabei war. Um die zehn leeren Bierflaschen standen dort und das nächste hielt er bereits in der Hand. Auch Chris wirkte angeheitert und freute sich uns drei zu sehen. Statt uns dazu zurufen, stand er auf und kam zu uns. Vom Hof waren nicht so viele zu sehen, obwohl meine Uhr erst kl. 22.20. m. anzeigte. Langsam brannte mein Bein ziemlich, aber ich ließ mir nichts anmerken.
      “Lasst euch nicht aufstacheln von Ju, der hat zu viel getrunken”, erklärte Chris und nahm uns mit zu einem freien Tisch, nah am Feuer.
      Lina
      Ich bekam den Kommentar von Ju kaum mit als wir zum Feuer kamen, denn meine Gedanken waren noch woanders. Dieser Tag heute war einfach ziemlich verwirrend. Immerhin gab es eine positive Sache zu verzeichnen, meine Schwester hatte recht gehabt, ein Streit ist offensichtlich kein Weltuntergang. Ob das auch für die Zukunft zutreffen wird, wird sich noch zeigen.
      Aber etwas anderes beschäftigte mich gerade eigentlich viel mehr. Was hatte ich da im Stall eigentlich gerade wieder von mir gegeben? Niemand hat es verdient so weggestoßen zu werden … vielleicht sollte ich erst einmal beginnen meine eigenen Ratschläge zu befolgen, bevor ich diese an andere weiter verteilte. Hatte ich meinem Vater jemals eine Chance eingeräumt? Nein, darüber wollte ich jetzt nicht näher nachdenken.
      Erst jetzt, wo ich noch mal über das gerade Geschehen nachdachte, fiel mir auf, dass ich nicht nur Ratschläge verteilt hatte, die ich selbst nicht nur befolgt, sondern auch, dass ich mit diesem Ratschlag das Thema ungewollt auf mich gelenkte. Wow, noch mehr Feingefühl hätte man nicht beweisen können, gut gemacht! Na ja, immerhin weiß ich jetzt was ich falsch gemacht hatte. Ich sollte dringend lernen meine Klappe zu halten und nicht immer jedem helfen zu wollen, vor allem dann, wenn nicht danach gefragt wurde.
      In Gedanken spielte ich erneut die Szene von eben durch und da fiel mir auch wieder der zweite Teil ein, den Niklas gesagt hatte … Sie bräuchten das beide. Schön soll mir egal sein, abgesehen davon, dass ich absolut nicht in der Position wäre irgendwer, irgendwas zu verbieten, aber so wirklich verstanden hatte ich das ganz nicht … was mich ganz besonders Irritierte hatte, war die Tatsachen, dass keiner der beiden irgendetwas wie ein schlechtes Gewissen zu haben schien, nicht mal ein winziges bisschen … Aber wer weiß, vielleicht habe ich auch einfach die Stelle im Leben verpasst, an der sich Moralvorstellungen geändert haben oder aber es fehlt mir einfach noch das Puzzlestück, um die Sache gänzlich zu verstehen.
      Ein leichter Wind kam auf und erst jetzt bemerkte ich wie kühl es hier draußen geworden war und die kleinen Härchen auf meiner Haut begannen sich aufzustellen.
      "Mensch Lina, zieh dir mal was an! Dir stehen im wahrsten Sinne des Wortes die Haare zu Berge", Scherze eine mir wohlbekannte Stimme und ich bekam auf einmal ein Sweatshirt zugeworfen. Da ich bis eben noch voll in Gedanken war, war ich ein wenig verwirrt, doch reflexartig fing ich es.
      "Guter Fang", lobte Jayden mich ein wenig spöttisch, der neben dem Sweatshirt Werfer stand. Ich verdrehte nur die Augen bei seinem Kommentar.
      "Sag mal, kannst du Gedanken lesen oder was, Samu?"
      "Nein, kann ich leider noch nicht. Da ich dich aber seit Stunden nicht mehr gesehen haben, dachte ich, mir ich bring die mal was mit, erfroren bist du leider so schlecht zu gebrauchen", scherzte Samu fröhlich weiter. Natürlich hätte er schon wieder wunderbare Laune, woher auch immer.
      "Danke, ich dachte schon du machst dir einfach Sorgen, weil ich deine Freundin bin, aber natürlich geht's dir nur um die Arbeitskraft", antworte ich sarkastisch und streifen mir den Sweater über. Da es eins von Samus Sweatern war, war es mir natürlich viel zu groß, für mich eher ein Kleid als einen Pullover. Egal, immerhin würde dann nicht mein Zeug riechen, als käme es aus dem Räucherofen.
      "Sag mal, wo hast du eigentlich die ganze Zeit gesteckt? Ich dachte Jace und du wollten nur die Pferde von der Koppel holen?“, fragte Samu neugierig, während wir uns mit dem Rest des Hofteams an einem Tisch niederließen. Dieser Rest war wohlgemerkt nicht sehr groß, er bestand lediglich aus Jayden, Sheena, Quinn und Matt. Der Rest war scheinbar irgendwo anders abgeblieben.
      "Habe ich auch, aber dann würde ich im Stall aufgehalten", erklärte ich.
      "Ich hoffe nicht von Jace?", fragend sah Samu mich an.
      "Nein, wieso fragst du?"
      "Wie ich finde, ist Jace für die Umstände ein wenig zu gut gelaunt. Ich sag es dir. Der hat irgendwas vor", spekuliert Samu.
      "Meinst du? Außer dass er heute erstaunlich redselig war, empfand ich ihn heute als ziemlich normal."
      "Das ist es ja gerader, außer mit dir hat er kaum etwas geredet. Das ist nicht Jace typisch", bestand Samu darauf.
      "Ich habe meine Namen gehört?", frage Jace nun auf einmal, der sich gerade mit einer Flasche Bier dazu gesellte.
      "Ich habe Samu nur mitgeteilt, wie toll ich es finde, dass du wieder mit uns redest", sagte ich überzeugenden.
      "Na, solang du nur Gutes sagst, darfst du gerne weiterreden", erwiderte Jace mit einem breiten Grinsen.
      “Bilde dir mal nicht zu viel ein, Jace”, kommentierte Jayden das Gespräch, was zu allgemeiner Erheiterung beitrug.
      Ich war so vertieft in die Gespräche mit meinen Kollegen gewesen, dass mir gar nicht auffiel, dass Jace irgendwann verschwand. Erst als er plötzlich wieder neben mir stand, bemerkte ich es.
      “Lina, möchtest du gerade mal mitkommen, ich würde dir gerne etwas zeigen”, raunte Jace mir zu. Die anderen unterhielten sich immer noch fröhlich und nicht mal Samu schien Notiz von mir zu nehmen. Neugierig, was Jace mir um diese Uhrzeit noch zeigen wollte, stand ich auf und folgte ihm. Schon ein kleines Stück entfernt vom Feuer nahm ich wieder die kühle Nachtluft wahr, weshalb ich das Sweatshirt enger um mich rumzog. Der Himmel über uns war klar und ließ den Blick auf einen hell leuchtenden Halbmond zu. Jace schlug nicht wie ich erwartete hatte den Weg zum Haus ein oder Ähnliches, sondern er ging in Richtung Reitplatz. Auch wenn ich mich wunderte über die Richtung, war ich doch neugierig genug, um ihm zu folgen.
      “Jace, was soll das hier werden?”, fragte ich, obwohl ich schon ahnen konnte, was er vorhatte. Was ich sah, ähnelte einer Szene aus einem Film, der Reitplatz vor mir erschien in ein sanftes Licht, das von den Lichterketten stammte, die als Lichtquelle dienten. Doch nicht nur die Reitplatzbeleuchtung erhellte den Platz. Auf den Pfosten des Zauns standen überall Kerzen, die in dem sanften Wind immer mal wieder flackerten. In der Mitte des Platzes glänze ein lackschwarzes Klavier.
      “Ich möchte dir etwas schenken. Einen Moment, der dir hoffentlich im Gedächtnis bleiben wird”, raunte mir Jace ins Ohr, der hinter mir stehen geblieben war. Ich konnte seinen Körper ganz dicht an meinem spüren. Ein Schauder rieselte mir über den Rücken und sorgte dafür, dass sich die winzigen Härchen auf meiner Haut aufstellten. Irgendwo ganz tief in meinem Herz begann sich wieder etwas zu regen. Ich wollte protestieren, denn ich hatte mich doch bereits entschieden, doch meinem Gehirn bekam es nicht auf die Reihe einen Satz zu bilden.
      “Bevor du irgendwas, sagst, warte erst einmal ab”, flüsterte er und ergriff meine Hand und eine Wärme begann durch meinen Körper zu fließen. Er führte mich zu einer der Bänke auf dem Grünstreifen. Um die Bank herum standen Teelichter und tauchten alles in ein schwaches Licht. Jace selbst setzte sich nicht zu mir auf die Bank, sondern ging rüber zu dem Klavier, auch hier hatte er Kerzen platziert, deren Flammen sich flackernd auf dem schwarzen Lack spiegelten.
      “Lina, ich weiß, du wirst das alles hier in ein paar Tagen verlassen. Ich weiß, ich habe viel Scheiße gebaut. Ich möchte nicht, dass du mich so in Erinnerung behältst … dieses Lied ist für dich”. Schon fast zaghaft begannen seine Finger, die Tasten zu berühren. Die Töne schienen förmlich in der Luft zu schweben und formten eine Melodie voller Gefühl. Die Töne nahmen mich mit, brachten mich in eine andere Welt und für den Augenblick schien es nichts mehr um mich rumzugeben, die Welt schien dort zu Enden, wo die Schatten das Licht verdrängten. Einen Moment lang musste ich daran denken, wie ich Jace das erste Mal begegnet war. Es war mein erster Tag hier gewesen. Jayden hatte mich losgeschickt, um Jace zu holen, da er bei irgendetwas helfen sollte. Er hatte nur mit einem Handtuch bekleidet die Tür geöffnet und indem Moment musste ich mich zusammenreißen, nicht zu glotzen wie ein Vollidiot. Nicht, dass sein Körper nicht er beachtenswert gewesen wäre, was mich damals wie heute viel mehr faszinierte waren seine Augen.
      Die letzten Töne des Liedes holten mich zurück in das hier und jetzt. Jace spielte einen letzten Ton und ließ die Hände sinken ein entspanntes lächeln lag auf seinem Gesicht. In mir spürte ich eine tiefe Verbundenheit. Ein Hauch von Trauer mischte sich in meine Gefühle. Ich hatte mich bereits entschieden einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und dazu gehörte auch die Gefühle für Jace hinter mir zu lassen. Ich wollte aufstehen, um den Platz zu verlassen, bevor Jace noch etwas sagen konnte, was mich doch hier hielt. Doch Jace war mir bereits einen Schritt voraus und hielt mich auf. Er stand direkt vor mir, doch ich sah ihn nicht an, aus Angst mich wieder in seinen Augen zu verlieren, wie so oft im letzten halben Jahr.
      “Lina kleines, sieh mich an”, Jace sprach sanft und legte mir eine Hand unters Kinn, was mich dazu, zwang ihn anzusehen. Seine Augen sagten mehr als tausend Worte. Ich weiß, dass du es gefühlt hast, schienen sie zu sagen. “Lina, ich …”, setzte er an, doch ich unterbrach ihn im Wort.
      “Jace, ich weiß, was du jetzt sagen möchtest, aber das geht nicht … zu oft hat sich in den letzten Monaten gezeigt, dass das hier nicht funktionieren wird”. Meine Stimme zitterte leicht und mir fiel es schwer klare Sätze zu formulieren. “Es tut mir leid”, die letzten Worte waren kaum hörbar.
      Jace
      Ein Glänzen trat in ihre wunderschönen blauen Augen. Ich blieb relativ gefasst, weil ich mit so einer Antwort bereits rechnete. Mir war bereit beim Planen dieser Aktion klar geworden, dass ich sie vermutlich nicht aufhalten konnte, aber ich konnte nicht anders. Ich benötigte einfach die Bestätigung, dass sie es auch gefühlt hatte. Es nicht nur meine Einbildung war. Auch wenn sie es nicht ausgesprochen hatte, ich kannte die Antwort.
      “Ich weiß, deine Entscheidung steht fest, trotzdem möchte ich, dass du weißt, dass du immer einen Platz in meinem Herzen haben wirst.” Liebevoll strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte.
      “Bitte versprich mir, dass du nicht deine Zeit damit verschwendest auf mich zu warten”. Linas Stimme zitterte immer noch.
      “Ich werde es versuchen, aber versprechen kann ich das nicht”, antworte ich ehrlich. “Aber eine Sache möchte ich dir noch geben”, sagte ich und kramte etwas aus meiner Hosentasche.
      “Damit du mich nicht vergisst”. Mit diesen Worten ließ ich ein zartes silbernes Armband in ihr Hand gleiten, daran ein kleines Hufeisen.
      “Oh, Jace das kann ich doch nicht annehmen”, sagte sie und ihre Augen wurden groß.
      “Doch das kannst du, es soll dich immer an all das hier erinnern”, antworte ich nur lächelnd und schloss zart ihre Finger um das Schmuckstück. Gleich darauf schloss ich sie in die Arme.
      “Das werde ich nie vergessen”, murmelte sie. Einen Moment lang verharrten wir in der Umarmung, bis sie sich von mir löste, denn ich hätte sie am liebsten nie wieder losgelassen.
      “Ich glaube, wir sollten dann mal so langsam zurückgehen. Nicht das wir noch vermisst werden”, unterbrach Lina die Stille der Nacht.
      “Geh du ruhig vor. Ich sollte hier lieber noch aufräumen, bevor der Zaun noch anbrennt”, sagte ich und deutete auf einer der Kerzen, die schon ziemlich weit runtergebrannt waren.
      “Ich kann dir auch helfen”, bot Lina freundlich an.
      “Nein, nein ich habe das allein aufgebaut und baue das jetzt auch allein ab”, lehnte ich ab und schob sie Richtung Tor.
      “Ok, wenn du in einer Stunde nicht aufgetaucht bist, schicke ich die Feuerwehr vorbei”, antwortete sie halb ernst, halb scherzend und machte sich tatsächlich auf den Weg zurück zu den anderen. Ich blickte ihr noch einen Moment hinterher, in diesem Sweater sah sie noch viel kleiner aus als sonst. Das Einzige, was mich nicht eifersüchtig werden ließ, als ich sie in dem Sweater sah, war die Tatsache, dass es eindeutig Samus war, denn es war offensichtlich von einer finnischen Eishockeymannschaft. Lina verschwand in der Dunkelheit und begann ich pflichtbewusst den Reitplatz wieder aufzuräumen.
      Schritte unterbrachen die Stille. Auch die Hufe eines Pferdes ertönten auf dem Beton. Milena kam auf den Platz und stieg auf. Snúra hampelte einige Schritte.
      “Wenn du dich mit den Pferden genauso anstrengst wie sie zu erobern, dann kann mal was ganz Großes aus dir werden”, erklärte sie mir und bremste die Scheckstute ab. Auf Sattel und Helm verzichtete sie, saß locker auf dem Rücken ihres Pferdes und die Beine baumelten.
      “Danke für die Anerkennung. Aber sag mal bist du hier eigentlich der Newsletter, oder warum weißt du überhaupt wofür das ganze hier ist?”, fragte ich sie skeptisch.
      “Ich habe Lina gehen sehen und nur für eine Freundin wäre das hier alles wohl zu großer Aufwand. Deswegen ziemlich offensichtlich was dein Plan war. Da sie aber ging …“, Milena stoppte und sprach nicht weiter.
      “Ich habe bereits damit gerechnet, dass sie geht. Die Erfolgschancen waren ohnehin nicht hoch”, antwortete ich seufzend.
      “Das ist schade, aber auf die Chancen, auf die sie setzt, sind auch nicht wirklich hoch”, murmelte sie fast unverständlich und kreiste im Schritt mit der Stute um mich. Einen Moment lang beobachtete ich die für mich ungewohnten Bewegungsabläufe der Stute, bevor ich antworte: “Mag sein, aber in diesen Fall ist sie leider Beratungsresistent.”
      “Vermutlich hat das nichts mit Beratungsresistent zu tun, niemand kann wissen was passiert, wenn man es nicht versucht. Also wie gesagt, setz’ dich hin und trainiere so viel wie möglich mit denen Pferden. Dann trittst du auf neutralen Boden gegen ihn an”, ermutigte sie mich.
      Tatsächlich war es schon immer mein Ziel gewesen international auf Turnieren zu starten. Mit Herkules hatte ich auch sicherlich ein Pferd mit entsprechendem Potenzial im Training. “Das klingt als wäre das mal mindestens einen Versuch wert”, antworte ich nachdenklich.
      “Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass am Sonntag auch ein Richter mit bewertet, der im Vorstand sitzt des kanadischen Teams. Also wenn du dir eine Dressurkür überlegen würdest, dann sind deine Chancen sicher nicht so schlecht”, verriet sie mir. Mehrfach prüfte Milena, ob jemand anderes vor Ort war. Doch wir waren allein. Sie töltete ihre Stute an und blieb auf dem Zirkel bei mir.
      “Bis Sonntag eine Kür auf die Beine zu stellen ist überaus sportlich, aber sicher nicht unmöglich” murmelte ich vor mich hin, während ich noch darüber nachdachte.
      “Einige im Verein haben noch nicht mal angefangen”, lachte sie.
      “Na, wenn das so ist, schaff ich das easy”, sagte ich überzeugt.
      “Siehst du. Ich glaub’ an dich, Lina würde das sicher ebenfalls beeindrucken”, munterte Milena mich weiter auf. Mit Snúra hatte sie schon mehrfach die Hand gewechselt und lenkte mich vollkommen davon ab aufzuräumen. Die Kerze am Zaun waren bereits heruntergebrannt und ausgegangen. Auch die Kerzen auf dem Klavier neigte sich langsam dem Ende zu und das Wachs drohte auf den Lack zu tropfen. Gerade noch rechtzeitig pustete ich sie aus. Währenddessen nahm ich auch wahr, dass die Teelichter, die um Bank herumstanden, nach und nach ausgingen.
      “Oh, verdammt ich sollte jetzt wirklich aufräumen”, ermahnte ich mich selbst und setzte mich in Bewegung, um die Teelichter aus dem Gras zu sammeln, bevor ich diese nicht mehr finden würde. Milena zog weiterhin mit ihrer Stute Runden und warf immer wieder einen Blick zu mir. Snúra bewegte sich gleichmäßig und deutlich schwunghafter als andere Pferde vom Hof. Es wirkte sehr ungewohnt, unbeschreiblich.
      Im Inbegriff zu gehen, hielt mich Milena erneut auf und sagte: “Falls du Hilfe benötigst, weißt du wo du mich findest.”
      “Alles klar, falls dieser Fall eintritt, werde ich darauf zurückkommen”, antworte ich freundlich, bevor ich den Platz mit den Kerzen verließ. Das Klavier würde ich später wegräumen. Ich brachte den Karton mit den Kerzen wieder in den Keller, bevor ich mich auf dem Weg zum Feuer machte. Die Personenanzahl dort war mittlerweile deutlich geschrumpft, dennoch konnte ich Lina und Samu entdecken, die sich gerade mit Jayden und Sheena unterhielten. Zu meinem Erstaunen allerdings hatten, nicht nur die beiden Jungs ein Bier in der Hand, sondern Lina auch. Ein einzigartiger Anblick, denn Bier gehörte normalerweise nicht zu ihren bevorzugten Getränken. Für gewöhnlich griff sie nur zum Bier, wenn es einen besonderen Anlass gab und nichts anderes zum Anstoßen da war, oder wenn etwas Nüchtern zu langweilig wurde. Wenn ich die Runde ums Feuer so ansah, konnte letzteres zutreffen, also holte ich mir auch ein Bier und gesellte mich in die Runde.
      “Da ist unser verlorenes Schäfchen, dachte schon du schwächelst”, triezt Jayden mich auch sogleich.
      “Ich schwächeln nicht Jay”, konterte ich sogleich und öffnete meine noch geschlossene Flasche an der Tischkante.
      “Stimmt, wer hier schwächelt sind eindeutig die Mädels”, lenkte er nun ein, denn offenbar hatten beide noch ihre erste Flasche in der Hand.
      “Selbst schuld, wenn ihr nur dieses Zeug kauft”, steuerte nun Lina zu dem Gespräch bei und deutete mit einer Geste auf ihre Flasche.
      “Das ließe sich ändern, wenn du es wirklich willst”, offenbar fühlte Jayden sich herausgefordert an seine persönliche Hausbar zu gehen. Doch die beiden Mädels lehnten dankend ab.

      Vriska
      Mit der Aussage, dass Niklas sich heute nicht einbilden sollte, ins Zimmer zurückzukehren, verabschiedete Ju sich mit Linh. Sie kamen seit unserer Rückkehr zum Feuer nicht mehr voneinander weg und fraßen sich förmlich auf. Schön war es nicht mit anzusehen, als würden sie es mit Absicht tun, um es mir unter die Nase zu reiben. Wehmütig schaute ich ihnen nach, was Chris natürlich kommentieren musste: “Keine Sorge, du bist heute auch noch dran.” Sorgen? Wieso sollte ich mir Sorgen darüber machen?
      Die beiden besten Freunde wechselten kein Wort miteinander, stattdessen arbeiteten Niklas und ich an unseren Küren weiter. Er stand immer wieder auf, holte ein Bier nach dem anderen. Etwas Stärkeres stand nicht zur Verfügung, sonst hätte Nik das bereits in sich hineingeschüttet. Im Gegensatz zu Chris wurde er immer stiller und wollte vergessen, was er im Stall sah. Die Nachrichten waren ebenfalls nicht förderlich. Am Nachbartisch lachten sie und kamen keiner Trauerfeier nah, wie wir. Mein Handy vibrierte. Tyrell.
      “Vrisi, hast du kurz Zeit?”, fragte er irgendwie bedrückt. Ich hatte auf Lautsprecher gestellt, um nebenbei die Kür kritzeln zu gönnen und Deutsch würde ohnehin niemand verstehen. So meine Annahme. Der Empfang war deutlich besser als im Zimmer.
      “Natürlich, schieß los”, antwortete ich gespannt und machte eine Linie von M zu K. Dazu schrieb ich Tempoverstärkung Tölt. Statt einzelne Worte mir zu notieren und irgendwelche Buchstabenkombinationen dazuzuschreiben, malte ich für jede Einheit ein Viereck mit den wichtigen Buchstaben. Darin zeichnete ich den zu reitenden Weg.
      “Ich habe dir ein Pferd geschickt, kannst du mir mal sagen, was du davon hältst?”, fragte Tyrell. Die Worte verließen seinen Mund sehr gewählt, als würde er es ablesen und hätte es auswendig gelernt. Pferd verstand Niklas, denn er hob seinen Kopf und beugte sich mit über mein Handy. Bis die Website vollständig geladen war, machte ich bei der Kür weiter. Niklas nahm mehrere Schlucke aus dem Bier und wollte wieder aufstehen, um das nächste zu holen. Doch ich legte meine Hand auf seinen Oberschenkel und flüsterte: “Snälla. Stanna här, du har druckit tillräckligt.” Sanft nickte er und legte auch seine Hand auf meinen Oberschenkel.
      “Hallo? Bist du noch da?”, erkundigte sich Tyrell, den ich schon wieder vergessen hatte.
      “Ähm, ja. Die Seite musste noch laden”, erklärte ich und scrollte entlang. Auf dem Bild wurde ein Hengst mit Punkten vorgeführt, im Schritt und Trab. In den Gängen fehlte es an Schwung und er belastete die Vorderhand übermäßig. Sein Rücken hing durch.
      “Also die Bilder sprechen schon mal nicht für ihn”, sagte ich als ersten Eindruck zu meinem Chef.
      “Vem är det här?”, murmelte Niklas mir zu.
      “Din Chef”, scherzte Tyrell und prallte mit dem bisschen Schwedisch, dass er sprach. Seine Kenntnisse waren besser als meine, trotzdem konnte er noch an seiner Aussprache feilen. Niklas sagte nichts mehr, doch seine Hand wanderte immer weiter auf die Innenseite meines Oberschenkels. Ich trug noch meine Reithose, was es für ihn schwieriger machte, seinen Willen durchzusetzen. Die Abstammung sagte mir gar nichts, allerdings waren die Standardbred keinesfalls mein Fachgebiet. Doch Niklas schüttelte wild mit dem Kopf, offenbar war dieser Hengst die reinste Katastrophe.
      „Was auch immer du mit dem vorhast, lass es“, riet ich ihm. Der hübsche Typ neben mir klopfte auf meinen Oberschenkel, als würde er mich wie ein Pferd loben. Absurd, aber das Kribbeln stieg wieder in mir auf und hoffte darauf, dass die Küren bald fertig sein würden.
      „Waschprogramm“, las er dann den Namen des Hengstes vor, langsam und gab sich Mühe ihn richtig auszusprechen. Doch es klang nach Woschprogromm und ich fing anzulachen.
      „Waschprogramm“, betonte ich den Namen richtig und erklärte ihm, wie er auf Schwedisch übersetzt werden würde: „Tvättprogram.“ Niklas fing auch anzulachen, Chris setzte mit ein. Einen ungewöhnlicheren Namen hätte man einem Pferd nicht geben können.
      “Ich habe ihn gestern versehentlich gekauft”, gab Tyrell zu. Mein Lachen wurde lauter und ich fiel beinah von der Bank.
      “Jetzt erklärst du mir bitte, wie man versehentlich ein Pferd kaufen kann”, forderte ich ihn auf.
      “Ich hatte eine Liste von Pferden auf dem Tisch zu liegen im Büro, weil ich wieder Wetten wollte. Doch es war keine Wettliste, sondern eine Liste von Pferden, die zum Verkauf standen. Dass keine Quoten dazu standen, wunderte mich schon, jedoch war sein Wert im Mittelfeld. Ich rief dort an und wenig später war dies ein mündlicher Kaufvertrag. Folke regelten den Rest und kam einige Stunden später mit dem Ding am Hof an. Zurückgeben kann ich ihn nicht, deswegen steht er nun hier. Aber er ist niedlich”, vermittelte Tyrell. Schwer zu glauben, dass man ein Pferd aus Versehen kaufen, kann und dann es nicht mal mehr zurückgeben.
      “Okay, ich bin bald zurück. Dann werden wir sehen, was wir mit dem Wischi Waschi machen”, lachte ich wieder.
      “Wischi Waschi? Alles okay bei dir?”, hinterfragte er.
      “Bei uns ist es nach 0 Uhr, was erwartest du? Unser Trainer feiert noch seinen Geburtstag”, präzisierte ich die aktuelle Situation in Kanada.
      “Dann geh bald schlafen, wir freuen uns schon auf dich”, verabschiedete Tyrell sich und legte auf. Sie freuten sich auf mich, doch meine Freude wieder nach Hause zukehren verschwand mit jeder Stunde, die ich hier verbrachte. Ich hatte mich mittlerweile an die viel freie Zeit gewöhnt, die ich auch mit Lernen verbringen konnte. Außerdem bedeutete es, dass ich bei Niklas sein konnte. In Schweden würde jeder zu seinem Alltag zurückkehren und uns würde es nicht mehr geben. Gab es überhaupt ein uns, oder bildete ich mir das nur ein. Ich schaute nicht zu ihm, nur auf sein Blatt, dass mittlerweile auch nach einer Kür aussah. Seine Schrift war sehr ordentlich und die Punkte zeichnete er als Kreise. Jenni tat das in der Oberschule auch, aber zu seinem Schriftbild passte es. Obwohl das Blatt keine Linien hatte oder andere Orientierungspunkte, hätte man ein Lineal unter seine Zeilen halten können und bis auf die Unterlänge einzelner Buchstaben, würde die Schriftlinie gerade sein. Sogar die Mittellängen bildeten eine Linie und ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass auch die Oberlängen vom Minuskel L oder H über die Versalhöhe ragten.
      “Denkst du, ich schaffe das nicht mit Smooth?”, Niklas Stimme klang traurig, als hätte ich durch mein Starren auf sein Papier sagen wollen, dass seine Stute nicht mehr dazu in der Lage wäre.
      “Ich bin fest davon überzeugt, dass ihr beide das schafft. Du kennst deine Stute lang genug und wenn ihr frühgenug mit dem Warmreiten beginnt, dann wird das was”, munterte ich ihn auf. Dabei sah ich hoch zu ihm. Seine Augen waren glasig und er blickte immer wieder nach oben, um seine Tränen zurückzuhalten. Ich strich ihm mit meiner Hand über seine Wange. Sein sonst sehr präziser rasierter Bart wurde in den letzten Tagen ziemlich vernachlässigt und Stoppeln befanden sich unter seinem Wangenknochen. Er begann zu lächeln.
      “Jag gillar dig verkligen”, wurde Niklas sentimental. Seine Worte überforderten mich und ich senkte meinen Kopf, um seinen Blicken zu entkommen. Unweigerlich schaute ich dabei zu Chris, der wie eine 14-Jährige sich freute, beim Schauen eines Twilight Filmes. Niklas Hand lag noch immer auf meinem Bein und er drückte fest zu, denn ich wollte aufstehen und einfach hier weg. Es gelang mir nicht. Stattdessen nahm er seine andere Hand hinter meinen Kopf und drückte sanft seine Lippen auf meine. Meine Anspannung fiel von mir und ich fühlte mich für einen Moment frei wie ein Vogel, der durch die Lüfte schwang. Ich erwiderte den Kuss, legte meinen Arm um seinen kräftigen Oberkörper und die andere Hand verschwand in seiner Hose. Ich genoss den Augenblick der Vollkommenheit und wollte nichts anderes als ihn. Dann trennten sich unsere Lippen wieder und er sah wieder tief in meine Augen.
      “Du är min tjej”, flüsterte Niklas und gab mir einen Kuss auf die Stirn.
      „Och du full“, murmelte ich, unglaubwürdig wollte ich den Kuss vergessen, denn es war etwas anderes als zu vor. Wir küssten einander nicht auf den Mund, nur am Hals oder anderen Stellen des Körpers.
      „Wärst du so freundlich, uns etwas Neues zu trinken zu holen“, befahl er mir. Ohne Einspruch zu erheben, stand ich auf und holte aus dem Kasten drei Bier. Eigentlich wollte ich kein Alkohol trinken, es blieb mir jedoch nichts anderes übrig. Sie waren mittlerweile ziemlich warm und der erste Schluck schmeckte schal, sehr unangenehm. Ich verzog mein Gesicht, während die Männer kaum die Flasche vom Mund absetzten.
      Bei meiner Kür fehlte nicht mehr viel, vor allem bei der Musik tat ich mich noch schwer. Glymur hat viel Schwung in seinen Gängen, weswegen ein ruhiges Lied die falsche Wahl wäre. Nur im Tölt konnte er eine gute Versammlung zeigen, jedoch sollten drei Gänge vorgeritten werden. Morgen würden zwei Einheiten anstehen zum Üben der Kür. Beacon of Light von Priest notierte ich mir. Das dazugehörige Album kam dieses Jahr heraus und immer wieder hörte ich ihre Lieder sehr gern. Die ersten Sekunden waren ruhig, bis der Bass einsetzte und der Synthi schneller wurde. Beim Einreiten könnte die Musik leise sein, nach dem Gruß würde ich antölten und die Energie des Liedes nutzen, um das Tempo meines Hengstes zu nutzen. An ruhigen Stellen wäre der Schritt positioniert.

      Hannes
      Wäre ich ein romantischer Mensch, würden mir die Dunkelheit gepaart mit dem sachten silbernen Licht des Mondes Gänsehaut verpassen, doch war ich weder romantisch, noch mochte ich die Dunkelheit und das Einzige, woran ich denken konnte, war Ambrose. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mit Niklas über meine abtrünnigen Gefühle zu reden, doch er schien momentan mal wieder zu beschäftigt mit Frauen, speziell Vriska, zu sein. Zu meinem Glück lag die Abreise nah, doch Ambrose gehörte mit zum Team Schweden, weshalb ich ihn auch in der Heimat sehen würde. Um dem ganzen Trubel des Geburtstags aus dem Weg zu gehen, spazierte ich gedankenversunken über den Hof, als ich plötzlich ein Rascheln aus den seitlichen Büschen des Weges vernahm und mein Herz beinahe aus der Brust sprang vor Angst. Am ganzen Körper zitternd, brachte ich nur ein ersticktes “Hallo?” hervor, gerade als ich mich umdrehen wollte, spürte ich eine Wärme an meinem Rücken und eine Hand, die mir den Mund zuhielt. Abrupt begann ich mich zu wehren, bis die fremde Person vor mich trat und mich dann losließ – Ambrose. Noch verwirrter als vorher, spielten meine Gefühle verrückt und ich stand wie angewurzelt vor ihm; seine Haut glänzte silbern im Mondlicht, was seinen Muskeln die extra Definition verpasste. “Ich wusste nicht, dass du noch nicht geoutet bist.”, begann er sanft das Gespräch.
      “Ich bin nicht schwul!”, brüllte ich ihn fast an und statt erschrocken zurückzuschrecken, machte er einen Schritt auf mich zu und lehnte sich nach vorne und flüsterte in mein Ohr “Sicher?”. Augenblicklich stellten sich alle Haare meines Körpers auf und meine Hände wanderte wie von selbst zu seinem Oberkörper, ohne weiter darüber nachzudenken, küsste ich ihn und empfand erneut dieses warme, sichere Gefühl. Verwirrt trifft es wohl am besten, denn als wir langsam voneinander abließen, war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich wirklich nichts für Männer empfand. Um meine Gedanken schnell woanders hinzulenken, fragte ich völlig aus dem Kontext “Wollen wir vielleicht zurück zur Geburtstagsfeier?”. Ambrose sah mich mit seinen strahlenden Augen an und nickte lediglich. Gemeinsam schlenderten wir zurück ins Zentrum des Hofes und gesellten uns zu den anderen.

      Niklas
      Das Schwierigste der an der Fahrt konnte ich abhaken auf meiner imaginären To-do-Liste, die Kür. Vriska hing noch immer über ihren Skizzen, die für kaum einen Sinn ergeben. Überall waren Pfeile, Bemerkungen und weggestrichenes. Teilweise erkannt ich ein Dressurviereck, welches sie falsch beschriftete.
      “C, M, R, B, P. Nicht C, R, M, P, V”, wies ich sie auf die Fehler hin.
      “Es tut mir leid.” Vriska schaute nicht einmal zu mir, stattdessen drehte sie das Blatt um und zeichnete das große Viereck erneut. Sie stoppte mehrfach, bis ich mir das nicht weiter anschauen konnte. Ich nahm ihren Stift, strich ihre Buchstaben weg und beschrifte es vollständig. Verloren blickte sie auf das Blatt.
      “Det räcker för idag.” Meine Hand strich ihr durchs Haar, dass sie seit dem Reiten im Zopf trug. Einige Strähnen hingen locker herum.
      “Du här rätt”, stimmte sie mir zu. Vriska gähnte und ich erinnerte mich an ihre Worte, dass sie früher schlafen, gehen wollte. Doch nun war es beinah 1 Uhr und die kleine Feier schien noch lange nicht zu Ende zu laufen. Überraschend saß Hannes nirgendwo. Den ganzen Abend sah ich ihn nicht. Vor meinem Termin sprach ich kurz mit ihm, aber dann. Der Kleine bereitete mir Sorgen als üblich. Etwas stimmte nicht, dass konnte ich spüren.
      “Hej, ni tre!” Grüßte Anders, als er zu unserem Tisch kam. Er hielt einen Teller in der Hand, auf dem ein Stück vom Huhn lag und eine Portion Kartoffelsalat. Beinah synchron grüßten wir ihn zurück.
      “Jag kan redan se. Du arbetar flitigt med dressyrprogram.” Er lachte.
      “Jag har varit klar sen igår”, erklärte Chris.
      “Jag är precis klar. Det blir inte lätt för Smoothi, men vi kan göra det.” Mein Blick fiel zu Vriska, die ihren Kopf wieder zur Tischplatte senkte. Dabei grinste ich. Ihre Worte hallten durch meine Ohren, vermutlich hätte ich sonst das Bestmögliche mit Humbi versucht, die mir nicht hörig ist. Es fehlte ebenfalls die Zeit, um sie auf intensive Einheiten vorzubereiten. Ihr fehlte nicht nur die Kondition, sondern auch ihr muskulärer Zustand ließ zu wünschen übrig. Vriska legte ihre Hand auf meinen Oberschenkel, als merkte sie meine abwegigen Gedanken. Eine wohlige Sicherheit breitete sich in mir aus, mein Herz schlug schneller und ich spürte, dass mein Grinsen breiter wurde, unbewusst.
      “Det kan du göra”, trug Herr Holm dazu bei. Dann erzählte er noch etwas zum morgigen Ablauf, den er bereits in der Gruppe teilte. Der Vortrag endete gar nicht mehr, bis Chris ihn unterbracht. Unser Trainer wünschte eine gute Nacht und verließ den Tisch.
      “Heute Nacht bleibst du mir?”, quengelte Vriska, als Chris vorlief. Das Feuer brannte kaum noch und nur wenige saßen noch dort.
      “Wenn du dich benimmst.” Ich legte meinen Arm auf ihre Schultern und verlagerte mein Gewicht.
      “Es wäre aufmerksam, wenn du auf den aufpasst.” Sein Kumpel drehte sich zu uns um und lief rückwärts weiter.
      “Vielleicht sollte ich besser auf dich aufpassen”, scherzte ich, als Chris stolperte und mit einem Gesäß im Dreck landete. Wir lachten. Von selbst stand er auf und verabschiedete sich. Vriska blickte mich mit ihren großen Augen an, vor Müdigkeit färbten sie sich rot. Im Zimmer fiel sie direkt ins Bett, nicht mal die befleckte Reithose zog sie aus. Unbeholfen blickte ich mich um. Dann zog ich mich aus und legte mich zu ihr.
      “Willst du dich nicht wenigstens umziehen?”, schlug ich vor, während ich mich etwas mit der Decke umhüllte. Vriska nickte, stand auf und warf die Reitsachen über den Stuhl am Tisch. Sie krabbelte mit ins Bett und setzte sich direkt auf mich. Mit meinen Händen an ihrem Rücken legte ich mich etwas höher und sah ihr tief in die Augen.
      “Was war vorhin im Stall los?”, fragte sie mit ruhiger Stimme. Ihre Worte klangen entschlossen, umso mehr verunsicherte mich die Frage. Mein Blick wandte sich ab von ihr und ich schaute an die Decke. Ein Stechen in meinem Genick ließ mich zusammenzucken. Sie legte ihre Hände auf meine Brust, während ich darüber nachdachte, was ich sagen könnte.
      “Das …”, stammelte ich nervös. Nicht einmal Lina hatte ich davon erzählt. Ju wusste es, teilweise. Einige Teile davon. Wenige Teile. Mit meinen Backenzähnen biss ich auf der Seite meiner Wange herum. Beim Herunterschlucken meines Speichels schmeckte es eisenhaltig, blutig. Alte Wunden öffneten sich und mein Kiefer zuckte.
      “Ich kann darüber nicht sprechen und ich möchte auch nicht, dass du es weißt”, antwortete ich schlussendlich.
      “Oh okay, es tut mir leid. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.” Sie öffnete ihren Zopf und die langen blonden Haare legten sich über ihre Schultern. Ihre Hüfte bewegte sich langsam vor und zurück. Ich schloss meine Augen und ließ mich von ihrer Lust mitziehen. Bevor sie einen weiteren Schritt machen konnte, drehte ich Vriska nach unten und küsste ihren Hals.
      Aus dem Badezimmer hörte ich sie bitterlich weinen. Düstere Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Im Halbschlaf zog ich meine Boxershorts hoch näherte mich der Badezimmertür. Leise klopfte ich an die Tür, sie sagte nichts und öffnete diese. Vriska kniete am Boden und kleine roten Flecken übersäten ihn. Schockiert drehte sie sich um und schubste mich raus. Von innen schloss sie ab und ich stand unbeholfen vor der Holztür. Ich spürte ihre innere Unruhe, eine unangenehme Energie breitete sich im Raum aus und ich lege mich zurück ins Bett. Ihr Eyeliner verschmierte ihr Gesicht. Sie wischte noch einige Male herum und legte sich zurück zu mir.
      “Ich wollte nicht, dass du das mitbekommst”, versuchte Vriska sich zu entschuldigen.
      “Bitte tu das nicht mehr … erst recht nicht, wenn ich da bin”, bedrückte es mich. Sie legte sich auf meine Brust und strich über meinen Bauch.
      “Du schliefst tief und fest, dachte ich zumindest”, murmelte sie unverständlich und ich spürte ihre Tränen auf meiner Haut.
      “Hör auf zu weinen, sprich lieber mit mir als in deiner Trauer zu versinken.” Dabei legte ich eine Strähne hinter ihr Ohr.
      “Wieso machst du das?”, stammelte sie.
      “Wovon sprichst du?” Vriska verunsicherte mich. Ich wollte sie nicht verletzen, sondern ihr helfen. Wenn ich sie nicht sitzend im Bad gesehen hätte, wäre ich auch in dem Moment noch der Meinung.
      “Irgendetwas Tiefsinniges lief zwischen dir und Lina, ich weiß, dass es auch dir etwas bedeutet. Doch du liegst bei mir im Bett und bist die dritte Nacht in Folge hier. Du machst mir schöne Augen, Hoffnung auf eine bessere Zeit, die aber nicht kommen wird. Stattdessen sind in den letzten Tagen viele schlimme Dinge passiert. Deinetwegen. Milena ist noch immer mit mir zerstritten. In Lina sah ich eine neue gute Freundin, die vermutlich sehr enttäuscht ist und das alles wird noch schlimmer ab der nächsten Woche. Der Teufelskreis wird immer größer.” Warf Vriska mir vor, womit sie womöglich recht hatte.
      “Hör auf.” Meine Bitte klang abweisend und sie schreckte zurück. Eine weitere Antwort bekam ich nicht mehr, stattdessen drehte sie sich weg von mir. Ich hörte sie schluchzend, versuchte Vriska aufzumuntern. Distanziert stieß sie mich von ihr. Sie schlief vor mir ein und ich dachte noch viele Stunden über ihre Worte nach. War ich so ein schrecklicher Mensch?

      Nächster Tag.

      Noch bevor mein Wecker klingelte, wachte ich auf. Meinen Arm streckte ich langsam zu Vriska, die jedoch nicht mehr neben mir lag. Ich schaute mehrmals, doch sah sie nicht. Vor dem Schlafengehen vergaß ich die Kontaktlinsen herauszunehmen, meine Augen schmerzten. Erst 8 Uhr. Ohne groß über den Tag nachzudenken, sammelte ich meine Kleidung vom Boden auf. Das Shirt fehlte. Einen Blick zur Küche verriet mir auch wieso. Vriska hatte es sich übergeworfen und es glich einem Kleid bei ihrer Körpergröße.
      „Ich bräuchte das wieder“, merkte ich an.
      „Bei der fehlenden Höflichkeit, nein. Du hast noch mehr Shirts“, lehnte sie ab und setzte sich auf den Stuhl, auf den sie am Abend ihre Reitsachen gelegt hatte. In der Hand hielt sie eine Tasse mit einer dunklen Flüssigkeit, die sich als Kaffee herausstellte.
      „Soll ich etwa so gehen?“, scherzte ich. Sie schaute noch immer gelangweilt in meine Richtung.
      „Wie du aussiehst, weiß wohl jeder. Also ja. Musst du. Und wieder kommen, brauchst du auch nicht“, murmelte Vriska und schlürfte einen Schluck aus der Tasse. Sie verwirrte mich.
      „Was ist los mit dir?“ Empört blieb ich stehen und schaute zu ihr. Sie sah entschlossen aus, aber irgendwie zufrieden.
      „Die Frage solltest wohl eher du dir stellen.“ Ich lief die Meter, die uns trennten, zu ihr, ging in die Hocke und legte meine Hände auf ihre Knie. Vriska zitterte und entschlossen war sie auch nicht mehr. Die Reste von der Schminke hatte sie aus dem Gesicht entfernt. Ihre Augen waren rot, verweint. Obwohl mein Shirt ihre Oberschenkel größtenteils bedeckte, sah ich ihre frischen Wunden.
      „Ich möchte nicht, dass du dich schlecht fühlst. Erst recht nicht meinetwegen. Wenn du mir egal wärst, würde ich gar nicht erst vor dir Knien und mich über dein Wohlempfinden erkundigen. Sondern hätte gewartet, bis du einschliefst und wäre zu Chris verschwunden. Außerdem …“ Ich stockte. So wie ich es formulieren wollte, klang es wie ein Vorwurf. Aber ich wollte nicht ihr vorwerfen sich an mich herangemacht zu haben, denn ich hätte sie abweisen können, ihr klar und deutlich vermitteln können, dass ich es nicht wollte. Das tat ich nicht.
      “Außerdem?”, wiederholte Vriska und schaute endlich zu mir.
      “Nimm es mir bitte nicht persönlich. Du wolltest es und hast dich auf mich gesetzt. Alles geschah aus freien Stücken”, legte ich ihr nah.
      “Du hast recht. Ich sollte sauer auf mich sein und jetzt geh bitte”, sagte Vriska und stieß meine Hände von sich.
      „Ich werde nicht gehen, solang du hier traurig hängst.“ Auf dem Boden nahm ich Platz, winkelte meine Beine an und legte die Arme darauf.
      „Wieso bist du so aufdringlich und komme mir jetzt nicht, dass du mir nur helfen willst? Das höre ich andauernd“, murmelte sie genervt.
      „Weil ich weiß, dass es nicht gut ist in so einer Phase allein zu sein und Selbstmitleid zu versinken.“ Es war mir eine Herzensangelegenheit, denn von Zwischenfall im Stall lag es mir noch schwer im Magen. Ju wollte nicht mit mir drüber reden und heute könnte ich es wohl auch nicht erwarten. Was mich nicht vom Willen abbrachte, später mit ihm ein Gespräch zu führen.
      „Kaum vorstellbar, dass jemand wie du das wissen sollte“, entgegnete Vriska mit zitternder Stimme.
      „Nun, ich bin auch nur ein Mensch. Und jetzt zieh dich an, ich habe eine Idee, wie wir dich auf andere Gedanken bringen können“, schlug ich vor. Sie grinste und sagte: “Was auch immer du vorhast, aber das muss noch warten. Ich hätte für einige Minuten wirklich gern meine Ruhe.” Auf ihrer Stirn bildeten sich kleine Falten und spürte, dass sie es ernst meinte.
      “Na gut, dann gehe ich rüber zu Ju, hole ein paar Sachen und dusche hier. Danach dann los?”, stellte ich alternativ vor. Vriska nickte. Es war mir ein Rätsel, warum sie plötzlich mich mied.

      Vriska
      Niklas verschwand, endlich. Sein Verhaltenswechsel zu einem charmanten interessierten jungen Mann schüchterte mich ein. Lina schaute er nach, aber suchte die Aufmerksamkeit bei mir. Ständig kam er zu mir und benötigte die Bestätigung. Das wollte ich nicht. Einerseits gefiel es mir, dass Niklas versuchte mich aufzumuntern, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Andererseits kam er mir Tag täglich näher, eine Nähe, die ich in meiner aktuellen Lage nicht gebrauchen konnte. Den Abstand musste ich mir wieder erkämpfen. Ein Blick über den Tisch brachte mich auf eine Idee. Die Visitenkarte lag noch immer neben den Äpfeln. Ich schaute um mich, Niklas schien noch einiges mit Ju klären zu müssen, was ich den beiden nach dem gestrigen Abend nicht verübeln konnte. Keiner von ihnen verhielt sich angemessen der Situation. In meinem Kopf spielten sich die Bilder ab, vor allem die Worte, die sein bester Freund in den Mund nahm. Lag es an mir? Ich wollte es nicht glauben, doch ein Schmerz zog sich durch meine Brust, ein Stechen. Wieder begann ich an meinem Piercing herumzubeißen. Das musste ein Ende haben und Niklas war nicht das Ende, auch nicht der Anfang von etwas Gutem. Obwohl. Er spielte eine tragende Rolle dabei, die ich ihm nicht zusprechen wollte. Beherzt griff ich zu der kleinen Pappkarte und betrachtete sie. Auf der Vorderseite stand nicht viel mehr als der Name von Erik, die Rückseite hingegen fiel mir direkt ins Auge. Ich stellte erst heute fest, dass auch seine Adresse darauf gedruckt wurde. “431 53 Mölndal”, murmelte ich vor mir hin. Kanadisch klang der Ort nicht und auch der Straßenname irritierte mich. Müsste er nicht in Kanada leben, wenn Erik in der Botschaft arbeitete?
      Im Handy tippte sich die Adresse wie von Zauberhand ein und Karten zeigte mir, dass das die Adresse mehr als 4h fahrt, vom Heimathof entfernt lag. Könnte es an der Aktualität liegen? Ich benötigte mehr Informationen und begann das Internet nach ihm zu durchforsten. Dabei stellte ich fest, dass sich Niklas und er auf Instagram folgten. Sein Profil war privat. Auch Markierung konnte ich nicht sehen. Es blieb mir nur, mich bei ihm zu melden. Das Geheimnisvolle erweckte Interesse mir, ein kleines Verlangen dem auf die Spur zu kommen, erwachte in meinem Kopf. Zunächst speicherte ich die Nummer unverbindlich als “just friends” ein, um neugierigen Blicken der anderen zu entkommen. Dann sah ich den leeren geöffneten Chat vor mir. Sein Profilbild war genauso leer, nur der von mir gewählte Name stand am oberen Rand meines Handys. Was schreibt man jemanden, den man nicht kennt, aber das gerne ändern würde? Fragen konnte ich diesbezüglich niemanden. Jenni würde endgültig als verrückt einstufen und Lina hätte sicher viel zu sagen, außer etwas Nettes. Also musste ich selbst eine Lösung finden. Da kam es mir direkt in den Kopf. Wild entschlossen, versuchte ich ihm auf Schwedisch zu schreiben, doch ich scheiterte. Das hätte sicher einen guten Eindruck gemacht. Stattdessen tippte ich: “Hoffentlich hast du alles wieder sauber bekommen” und sendete es ab.
      Schlagartig stellte ich den bitte-nicht-stören Modus ein und legte es mit dem Bildschirm nach unten auf den Tisch, den eine Hose trug, ich noch immer nicht. Mein Herz raste in meiner Brust. In meinen Ohren hörte ich das Rauschen meines Blutes und ich sackte in den Stuhl mit dem Blick nach oben. War es eine Erleichterung, den Schritt getan zu haben oder ein ridiküler Einfall? Seitdem ich nicht mehr bei meiner Mutter in England lebte, war es ein einziges auf und ab mit meinen Gefühlen. Jeden zweiten Typen fand ich anziehend, konnte mir mehr vorstellen aber stieß ihn nur doch wieder von mir. Bei Tyri dauerte es mehr als drei Jahre bis ich mich aus seinen Fesseln entreißen konnte, umso mehr versuchte ich jeden Moment zu genießen – zu leben.
      Aus meinen Gedanken riss mich dann doch Niklas, der in das Zimmer hineinstürzte mit einem äußerst verärgerten Gesichtsausdruck. Eruptiv legte ich meine Hand auf den Tisch über die Visitenkarte, um meine Spuren zu verwischen. Er sagte kein Wort, stand nur im Raum, schaute Richtung Badezimmer. In der Hand hielt er frische Kleidung und seine Brille trug er auf der Nase.
      “Kann ich dir helfen? Suchst du was Bestimmtes?”, überkam es mich. Doch sein Blick lockerte sich und er antwortete: “Er wollte schon wieder diskutieren, obwohl ich ganz normal mit ihm sprach. Wieso kann er nicht gewöhnlich sein, wie wir alle?” Niklas brannte es auf der Zunge, als wollte mehr erzählen. Etwas hinderte ihn.
      “Im Gegensatz zu dir, ist er von seinen Emotionen gesteuert, die du ziemlich verletzt hast”, vermittelte ich ihm.
      “Du auch, also musst du das mit ihm klären. Ich will es nicht noch schlimmer machen.” Beschloss er und lief ins Badezimmer. Ohne auf eine Antwort zu warten, schloss er die Tür und im nächsten Moment hörte ich bereits das Wasser rauschen. Wieso sollte ich das klären? Eine Überlegung war es Wert, obwohl mir gerade ganz andere Dinge durch den Kopf liefen. Nach einem kräftigen Schluck aus meiner Tasse drehte ich erwartungsvoll mein Handy wieder um, tippte auf den Bildschirm. “Messages, 5 min ago, 3 Notifications … just friends”, überflog ich. Alsdann hob ich hoch und die Antworten erschienen: “Ich dachte schon, du meldest dich nie. Alles gut bei dir? Und ja, alles wieder sauber, war direkt in der Waschanlage.” Das kleine Herz in meiner Brust begann Luftsprünge zu machen und darnach tippte ich: “Freut mich zu hören, wäre ein Skandal gewesen mit solchem Unflat durch das Land zu fahren. Nach deiner Antwort fühle ich mich besser und bei dir?” Wieder drehte ich es direkt um, aber stand auf und machte mich fertig. Für das kollektive Morgenessen zeigte die Uhr die falsche Zeit an und auch Glymur musste noch warten, bis er auf die Weide konnte.
      Da Niklas etwas plante, zog ich mir die Reithose von gestern an und überlegte, welches Oberteil es werden sollte. In seinem Shirt fühlte ich mich wohl, aber andere könnten es falsch deuten. Schlussendlich verabschiedete ich mich von dem Oberteil und suchte wieder mal meinen Kapuzenpullover. Von draußen drückte die Hitze hinein, aber es fiel mir schwer, ein Shirt zu wählen. Bisher bedeckte nur ein Sleeve meine Narben und irgendwelche Gespräche darauf, wollte ich nicht lenken. Wie gelähmt stand ich vor einem Berg aus Kleidung und starrte darauf. Eine warme Hand berührte mich an der Schulter und ich zuckte zusammen.
      “Ach jetzt bekomme ich mein Oberteil wieder? Verstehe”, scherzte Niklas und gab mir einen Kuss auf die Haare. Alsdann griff er nach einem Shirt für mich und drückte es in meine Hand. Es war ein lockeres Shirt mit sehr engem Ausschnitt am Hals aber dafür bauchfrei in dunkelblau. Ein Aufdruck befand sich auf der Rückseite. Ich warf es mir über und es fehlte nur noch eine ordentliche Frisur.
      “Und was hast du vor?” Ich bürstete vor dem Spiegel meine Haare und sah zu ihm, als er sein Handtuch zur Seite legte, um sich was Frischer drüber zuwerfen. Etwas zu lange starrte ich und merkte selbst, dass mein Blick unangebracht immer weiter nach unten sank.
      “Nicht das, was du gerade denkst. Aber geht in die richtige Richtung”, deute er an. Also ging es um die Pferde, doch was ich genau damit zu tun hatte, konnte ich mir auch nicht erklären. Erst nach dem er sich Stoff über den muskulösen Körper zog, konnte ich meinen Blick von ihm wenden und meinen Zopf fertig machen. Es entging ihm natürlich nicht und provokant stellte Niklas sich in den Türrahmen, die Arme breit, um mir den Weg zu versperren.
      “Wie heißt das Zauberwort?”, schaute er herunter zu mir und grinste breit.
      “Muss das jetzt sein?”, rutschte es genervt über meine Lippen. Sein Gesichtsausdruck änderte sich eruptiv und Niklas drückte mich gegen die Badezimmertür. Diese Hand an meinem Hals und die andere rutschte langsam in meine Hose. Bevor ich mich von ihm abwenden konnte, presste er seine Lippen auf meine und ich erwiderte den leidenschaftlichen Kuss. Das hatte mir gefehlt, der Niklas, der genau wusste, was er wollte, ungeachtet davon wie es mir ging oder ich mich fühlte. Zielgerichtet und entschlossen, etwas anderes erwartete ich von ihm nicht. Im nächsten Moment vergaß ich meine Zweifel des Aufstehens und er öffnete seine Hose. Niklas löste seinen festen Griff und ich ging in die Knie.
      Peinlich berührt stand ich auf und blickte hoch zu ihm. Er ordnete alles und schloss den Hosenstall. Dabei schaute er tief in meine Augen.
      “Beim nächsten Mal überlegst du dir hoffentlich, was du sagst. Also mach’ dich noch mal frisch und ich warte auf dich”, erklärte er und setzte sich an den Tisch. Ich wusch meine Hände und das Gesicht, bevor ich wieder das Badezimmer verließ. Er hielt mein Handy in der Hand und schien unzufrieden zu sein.
      “Wieso schreibst du mit Erik und vor allem, warum so?”, schimpfte Niklas. Ich konnte nicht nachvollziehen, was ihn das anging und wieso er einen Grund darin sah, dass ich mich verteidigen sollte.
      “Soll ich mich entschuldigen, oder was geht in deinem Kopf ab?”, fragte ich vorsichtig, um einer erneuten Maßregelung zu entgehen.
      “Das kann ich dir sagen. Du gehörst nur mir und ich bestimme, was du tust und was nicht.” Wie in Zeitlupe spulten sich seine Worte in meinen Ohren ab. Die Augen wurden größer und ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte, außer: “Okay, wenn du das sagst.” Mein Haupt senkte sich und er nahm mich in den Arm.
      “Ich will nur das Beste für dich, denk daran. Und ich kenne ihn lange genug, um dir sagen zu können, dass er dich nur verletzen wird.” In mir begann sich alles zu drehen und das wohlige Gefühl verschwand. Niklas war steht’s ehrlich zu mir, doch waren seine Anschuldigungen nur eine Maßnahme mich an der kurzen Leine zu halten oder eine gerechtfertigte Aufklärung? Er gab mir mein Handy zurück und lief los zum Stall. Meine Schritte verkürzten sich und ich prüfte, was Erik mir schrieb: “Wie lange bist du noch hier? Wollen wir uns in der Zeit noch mal richtig treffen? Es würde mich freuen.” Ich würde mich auch freuen, doch die positiven Gefühle verwandelten sich in ein unangenehmes Drücken in der Brust.

      Lina
      “Ist das Kaffee?”, fragte ich Samu verschlafen, als ich meinen Kopf in die Küche steckte. Eigentlich war ich ja kein Kaffeetrinker, doch heute war es dringend nötig. Der wenige Schlaf der letzten Tage begannen nun so langsam seine Folgen zu haben. Die Tatsache, dass mein Hirn heute Nacht lieber mit den Ereignissen des Tages beschäftigt war, verbesserte die Situation auch nicht gerade.
      “Ja, aber eigentlich ist das meiner”, protestierte Samu als ich ihm einfach seine Tasse stahl, um einen großen Schluck daraus zu nehmen.
      “Jetzt nicht mehr”, antworte ich ihm nur und gähnte. Samu betrachtet mich einen Moment, bevor er antwortete: “Ok, offensichtlich hast du den auch mehr nötiger als ich”. Stimmt, ich trug definitiv noch meine Schlafsachen, denn ich hatte mich bisher noch nicht in der Lage gefühlt etwas anzuziehen.
      “Danke. Mal wieder höflich und zuvorkommen so wie immer. Aber warum bist du schon so wach?”, murmelte ich und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Auch wenn Samu ausgeschlafener sein sollte als ich, war er doch genauso spät im Bett gewesen. Aber er war schon immer so gewesen. Irgendwoher nahm er immer unglaublich viel Energie her. Aber nicht diese nervige hyperaktive Energie, sondern viel mehr eine positive ruhige Energie.
      “Also erst einmal haben wir schon fast halb 9 und Zweites ist doch ein schöner Tag heute. Soll ich dir noch einen machen?”, fragte er beiläufig.
      “Mmm …passt schon, mir fällt gerade wieder ein, warum ich das Zeug nicht mag. Aber was genau macht diesen Tag jetzt schon so schön? Habe ich was verpasst?”, fragte ich misstrauisch.
      “Nein, hast du nicht. Es ist einfach ein schöner Tag. Es ist warm, die Sonne scheint …”, begann Samu auszuführen.
      “Manchmal glaube ich, du bist eine Pflanze. Sobald die Sonne aufgeht, kannst du deine Fotosynthese betreiben und bist happy.”
      “Müsste ich dann nicht grün sein”, scherzte mein Gegenüber.
      “Irgendwo richtig … Aber hör auf meine Theorie infrage zu stellen, es ist noch zu früh, um über so was nachzudenken.” Ich leerte die Tasse und stellte sie in die Spülmaschine. Samu der offenbar voller Tatendrang war, stand auf und verkündete, dass er jetzt die Pferde auf die Weide stellen würde.
      “Kannst du meine Bitte auch rausstellen?”, fragte ich ihn. Wenn er schon so viel Energie hatte, konnte er sie ja wenigstens sinnvoll einsetzten.
      “Alle?”, fragte er nach, während er sich einen Müsliriegel aus dem Schrank fischte.
      “Ja bitte, bis auf Divine, den bring ich gleich selbst raus.”
      “Ok” war seine einzige Antwort und er verschwand seinen Müsliriegel essen aus der Küche. Ich für meinen Teil wählte den Weg zurück zu meinem Zimmer, doch ich kam nicht weit. Im Flur begegnete mir ein ähnlich gut gelaunter Jace. Das war ein wenig unerwartet nach gestern.
      “Guten Morgen”, kam es für meinen Geschmack ein wenig zu euphorisch aus seinem Mund. Was ist denn heute los mit den Menschen? Warum sind die so gut gelaunt?
      “Morgen”, antworte ich irritiert. Glücklicherweise war er nicht auf ein Gespräch aus, sodass ich mich schnell in mein Zimmer verkrümeln konnte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits viertel vor neun war. Wenig ambitioniert sammelte ich Samu Pulli, den er mit gestern geliehen hatte von dem Stuhl, wo er lag. Dabei fiel mir das kleine silberne Armband entgegen, welches mit Jace gestern in die Hand gedrückt hatte. Besser ich verstaute es erst einmal in meine Schmuckkästchen, denn ich fühlte mich nicht ganz wohl dabei es tatsächlich zu tragen. Auch wenn Jace gesagt hatte es solle mich an hier erinnern, war mir klar, dass er nicht hier im Allgemeinen gemeint hatte. Außerdem hätte man bei der Szenerie gestern auch etwas ganz anderes erwarten können anstelle einer einfachen Liebeserklärung. Die Szene auf dem Reitplatz gestern wäre schon fast Oskar verdächtig, mit dem Unterschied, dass es kein Film war, sondern das reale Leben. Wie ich so daran dachte, spürte ich ein paar der Gefühle wieder hochkommen. Entschlossen schüttelte ich den Kopf. Nein, Jace ist ein abgeschlossenes Kapitel und genau deshalb gibt es heute keinen Platz für Jace in meinem Kopf. Am besten konzentriere ich mich heute auf meine Pferde. Von denen würde mir wohl keiner eine plötzliche Liebeserklärung machen.
      Ich ging in Bad, um mich frisch zu machen. Ich wusch Hände und Gesicht. Nach einem kurzen Blick auf das Wetter und die angesagten Temperaturen beschloss ich auf großartige Schminke zu verzichten. Meine Haare flocht ich zu zwei französischen Zöpfen. Diese Frisur hatte sich schon öfter bewährt, denn so hatte ich keine Haare im Gesicht und in der Regel sahen die Zöpfe auch nach dem Reiten noch halbwegs okay aus.
      Meine Oufitwahl fiel heute auf die schwarze Reithose kombiniert mit einem blau weißen Shirt.
      So konnte ich mich angezogen und halbwegs wach auf dem Weg zu meinem Pferd machen. Als ich aus der Haustür trat, konnte ich gerade noch sehen, wie Samu mit Legolas und Sky den Weg zu den Koppeln hochlief. Damit das es warm war und die Sonne schien, hatte er zwar recht gehabt, aber ich befürchte, dass es nicht den ganzen Tag so angenehm wie jetzt bleiben würde, denn schon jetzt stand die Sonne hoch am wolkenlosen Himmel.
      Auf dem Weg zu Stall stand Bubbels so plötzlich vor mir, dass ich beinahe über den Hund drüber fiel, weil ich ihn nicht gesehen hatte.
      “Mensch Bubbels, wo kommst du denn auf einmal her”, tadelte ich den Dalmatiner. Dieser blickte mich allerdings nur aus seinen braunen Augen an und wedelte freundlich mit dem Schwanz. Vermutlich war der immer hungrige Hund mal wieder auf der Suche nach etwas zu Essen.
      “Sorry, ich habe nichts für dich dabei”, sagte ich zu dem Hund und streichelte ihm über den Kopf. Beinahe sofort warf Bubbels sich auf den Rücken und hielt mir seinen Bauch hin. Dieser Hund wusste einfach zu gut, wie man bekommt, was man möchte. Also ging ich in die Hocke, um den gepunkteten Bauch zu kraulen.
      “Genug jetzt, da wartet noch jemand anderes auf mich.” Mit diesen Worten beendete ich die Streicheleinheit und stand wieder auf. Bubbels hielt diesen Vorschlag offensichtlich nicht für sinnvoll, denn er versuchte mich mit Faxen wieder zum Streicheln aufzufordern. Als ich nicht weiter darauf einging, stand der Hund auf und folgte mir in den Stall.
      Kaum hatte ich den Stall betreten, kam begleiten von einem leisen wiehern, ein weißer Kopf aus einer der Boxen.
      “Godmorgon. Ein Hübscher ist das. Geht es dir … na ja, besser? Du warst so plötzlich weg”, sprach Chris, der einige Meter weiter an der Box seines Wallachs stand. Bubbels schien sich sehr für Chris zu interessieren, denn er lief zielstrebig auf ihm zu und begann ihn abzuschnüffeln.
      “Guten Morgen. Ähh ja, ich habe gestern nur ein wenig Abstand gebraucht”, erklärte ich knapp. Ich sprach eigentlich nicht gerne mit praktisch fremden über solche Dinge. Niklas und war da irgendwie eine Ausnahme gewesen. Divine streckte mir seine feuchte Schnauze ins Gesicht und pustete mich an. Sanft schob ich seine Schnauze weg.
      “Das klingt doch gut”, lächelte er und streichelte dem Hund über den Kopf. Wirklich erstaunt über meine Worte schien er nicht zu sein, als wäre es eine rhetorische Frage gewesen. Seine Reaktion war zwar irgendwie ein wenig seltsam, aber ich sollte aufhören immer alles zu hinterfragen.
      “Wie heißt er eigentlich?”, fragte ich und deutete auf den braunen Wallach.
      “Das ist Hammy, also Ally Hamlet mit vollen Namen. Sag Hallå.” Dabei hielt er seine Hand nach oben, der Wallach hob seinen Huf, der gegen die Boxenwand stieß, und schüttelte seinen Kopf. Chris lachte. Auch ich musste dabei lächeln.
      “Oh so ein höfliches Pferd ist mir bis jetzt noch nicht begegnet. Das ist wirklich ein cooler Trick”, sagte ich anerkennen.
      “Danke”, befahl Chris dann ihm und Hammy verlagerte das Gewicht, dabei steckte seinen Kopf zwischen die Vorderbeine.
      “Hammy scheint sehr talentiert zu sein”, stellte ich freundlich fest. Irgendwie hätte ich von Chris nicht erwartet, dass sein Pferd auch solche Tricks beherrschte.
      “Ist der Rentner. Ich habe zu Hause noch eine junge Stute, aber sie ist im Beritt und noch nicht fertig für so ein Training. Aber so wie es scheint, wirst du ja bald auf öfter bei uns sein. Dann siehst du sie mal”, sagte Chris und legte seinem Wallach das Halfter um. Daraufhin führte er ihn aus der Box und gab ihm eine große Portion Kraftfutter in einer Schüssel.
      “Da freue ich mich schon deine Stute kennenzulernen.” Beim Geräusch des Futters begann Divine ungeduldig zu werden und mit den Hufen über den Boden zu scharren.
      “Ich glaube, ich gehe diesem ungeduldigen Herrn hier sein Frühstück holen”, verkündete ich und verschwand in Begleitung von Bubbles in der Futterkammer. Da ich Ivys Futter gestern schon vorbereitet hatte, braucht ich nicht lange, um sein Futter zu holen. Bubbles staubte noch eine halbe Möhre ab, mit der er sich auch direkt in eine Ecke verzog. Divine musste ich einmal kurz daran erinnern, dass er warten sollte, bis sein Futter im Trog war, bevor ich es einfüllen konnte. Zufrieden begann der Freiberger zu fressen.
      “Und was steht bei dir noch auf dem Plan für heute?”, unterbrach Chris die Stille im Stall. Bis auf die Geräusche der Pferde lag eine Ruhe über den Hof.
      “Für den Hübschen da steht heute ein wenig Dressur auf dem Plan, genauso wie für Legolas. Die beiden Stuten haben heute Springtag … und was ich mit Pancho mache, habe ich mir noch nicht überlegt”, beantworte ich Chris frage.
      “Oh Mann, dann wünsche ich dir viel Erfolg. Das wird wohl ziemlich stressig. Meine morgendliche Beschäftigung kommt dann auch”, sagte er und deutete zur Tür. Niklas kam rein, gefolgt von Vriska, die den Kopf hängen ließ und nicht sehr zufrieden wirkte. Seinen Wallach stellte er zurück in die Box.
      “Danke, dir auch viel Erfolg.” Divine hatte so gut wie aufgefressen, weshalb ich mir seine Sonnencreme aus dem Beutel vor seiner Box holte. Was wohl zwischen den beiden vorgefallen sein mag, dass Vriska so unzufrieden ist? Gestern sah das immerhin noch ganz anders aus. Brav ließ sich der Freibergerhengst eincremen, bevor er auch noch die letzten Futterkrümel aus dem Trog schleckte.
      “Morgen”, grüßte ich Niklas, der gerade an Ivys Box vorbeilief.
      “Na, gut geschlafen?”, fragt er freundlich und bleibt bei uns stehen.
      “Geht so, aber zum Glück gibt es Kaffee”, antwortete ich wahrheitsgemäß. Divine kam neugierig an die Tür, um zu sehen, wer denn da stehen geblieben war.
      „Ich bevorzuge Mate, aber klar. Koffein ist für die meisten ein guter Start in den Tag.“ Niklas tätschelte den hellen Hengst, während Vriska gespannt auf ihr Handy sah und breit grinste. Die Begeisterung des Herrn hielt sie deutlich in Grenzen, denn er warf ihr böse Blicke zu, die sie nicht mal beachtete. Stattdessen lief sie weiter zu ihrem Hengst, der weiter hinten stand. Liebend gerne würde ich wissen, was bei den beiden nicht stimme, aber im Gegensatz zu Milena besaß ich genug Contenance, um solche Fragen für mich zu behalten.
      “Normalerweise bevorzuge ich ausreichend Schlaf, anstelle von Koffein, das ist der allerbeste Start in den Tag.”
      “Ehekrise oder was stimmt bei euch nicht?”, übernahm Chris meine Gedanken.
      “Ach, Kindergarten. Sie akzeptiert die Tatsachen nicht, stimmt’s”, antwortete Niklas sogleich und warf einen Blick zu Vriska, die verärgert den Kopf drehte.
      “Willst du das wirklich hier ausdiskutieren? Na dann. Hör einfach auf, dich in meine Angelegenheiten einzumischen. Ich bin ein Mensch wie jeder andere und möchte nicht hin und her geschubst werden, so wie du es gerade benötigst. Also reiß dich zusammen und alles ist gut”, machte sie eine kräftige Ansage und wendete sich wieder ihrem Hengst zu. Seine Scheuerstellen wurden über Nacht deutlich schlimmer und sie mit einer Salbe einschmierte.
      “Hätte ich mal nicht gefragt”, murmelte Chris beinah unverständlich und stand noch immer verloren mitten im Gang herum. Mein Hengst schien ein wenig verwundert über den Stimmungswechsel, denn er hob den Kopf ein Stück in die Luft und seine Ohren, die vorher freundlich nach vorne Gerichtet waren, begannen sich in alle möglichen Richtungen zu bewegen. Wow, immerhin hat Vriska keine Schwierigkeiten ihr Problem zu kommunizieren, auch wenn ich lieber nicht dabei sein wollte. Jetzt gerade war einer dieser Zeitpunkte, wo man sich gerne in Luft auflösen würde.
      “Kaikki hyvin”, murmelte ich meinem Hengst zu und strich ihm beruhigen über den Hals, was bei Ivy allerdings kein Stück weit zu Entspannung führte.
      „Humbi wartet schon, ich bin gleich wieder da“, verabschiedete sich Niklas und verschwand wieder aus dem Stall.
      „Eigentlich sollte ich Vriska gleich bei Arbeit mit Humbria unterstützen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass das nicht einfach wird, heute“, sagte Chris nachdenklich zu mir.
      „Ach das ist also euer Plan. Ich wurde nicht einmal gefragt, also ist deine Annahme richtig. Viel Spaß noch.“ Vriska wollte gerade verschwinden, dich er stellte sich geschickt in den Weg.
      „Nichts da. Du bist die Einzige, die Tölten kann. Also bleib hier, mir zuliebe“, bremste er ihre Entschlossenheit.
      „Jetzt fängst du auch noch an, aber gut. Ausnahmsweise“, antwortete sie und lehnte sich an die nächste Boxenwand. Wieder nahm Vriska ihr Handy zur Hand und direkt wandelte sich ihre Stimmung. Das breite Grinsen erleuchtete wieder ihr Gesicht. Diesen Ausdruck auf ihrem Gesicht hatte ich schon einmal gesehen, als dieser Botschafter hier gewesen war. Wie hieß er gleich … ach, ja Erik. Ob es da wohl einen Zusammenhang gab?
      Laut prustend schüttelte sich Divine auf einmal, häufig ein Zeichen, das er sich entspannte. Immer wieder faszinierend, wie gut dieses Pferd die Stimmung spiegelt. Während Vriska immer noch mit einem breiten Grinsen auf ihrem Handy herumtippte, zog ich Divine Fliegenmaske und Halfter an.
      “Ich gehe dann mal mein Pferd auf die Koppel bringen, soll ich noch irgendeins mitnehmen?”, fragte ich freundlich als ich den weißen Hengst aus der Box führte.
      “Nein alles gut”, antwortete Chris. Da Vriska so aussah als wäre sie gerade wo ganz anders, verließ ich den Stall nur mit meinem Hengst. Brav trottete er mir hinterher.
      Auf der Koppel hatte mein weißes Pferd natürlich nichts Besseres zu tun, als sich erst einmal zu wälzen. So schön diese weißen Pferde auch waren, die Farbe ist nicht gerade praktisch.

      Vriska
      Seine plötzliche Meinungsänderung konnte ich nicht nachvollziehen. Dass er mehr oder weniger mir von Anfang an versuchte zu helfen, spürte ich, doch nun mich als sein Eigentum herabzustufen, ging mir zu weit. Langsam wurde mir klar, wovon Ju sprach am See. Er musste dieses Verhalten bei seinem besten Freund schon öfter miterlebt haben müssen und wollte Lina eigentlich davor schützen, doch ich wurde das Opfer seiner Gier. Ein eruptives Gefühl sie davor zu schützen, unterbreitete sich in meinem Kopf. Bevor mich mein vibrierendes Handy wieder ablenkte. Natürlich wollt ihr wissen, was Erik wollte. Ich wechselte zum Messenger Dienst und scrollte die bisherigen Nachrichten durch, bevor ich die neuen las.

      “Ich würde mich auch freuen dich wiederzusehen. Am Montagmorgen geht es wieder zurück und am Sonntag ist ein kleines Ereignis am Hof.
      -
      Na dann, komme ich am Sonntag auf jeden Fall vorbei, oder wäre das ein Problem für dich?
      -
      Für mich nicht. Niklas hat jedoch mein Handy genommen und sehen, dass wir schreiben. Er wurde richtig sauer.
      -
      Was geht ihn das an? Was hat er denn gesagt? Er war schon immer komisch.
      -
      Er meinte, dass du mich nur verletzen wirst und ich es gar nicht erst versuchen sollte. Obwohl nie die Rede davon war, dass wir heiraten und Kinder bekommen. Es nervt mich.
      -
      Spannend. Warum geht er denn davon aus, dass wir mehr vorhaben? Oder muss ich was wissen haha
      -
      Nur so viel, dass ich dich attraktiv finde, sonst hätte ich auch nicht nach deiner Nummer gefragt, um nicht zu sagen, dass ich so was sonst nicht mache
      -
      Das kann ich nur zurückgeben und ja, du wirktest nicht wirklich geübt. Es macht dich interessant
      -
      Dein Outfit sieht man nicht auf einem Pferdehof. Dass jemand auf dich ein Auge werfen wird, war wohl vorhersehbar
      -
      Ach, egal wo ich hingehe, überall sorge ich für Aufmerksamkeit. Berufskrankheit würde ich sagen, aber ich muss dann los
      -
      Willst du heute Abend vorbeikommen?
      -
      Ich sage dir spontan Bescheid”

      Aufgeregt steckte ich mein Handy zurück, denn eine Antwort war nicht mehr nötig. Erst jetzt fiel mir auf, dass Lina und Chris mich anstarrten. Ich merkte gar nicht in meinem Wahn, dass sie wieder kam.
      “Okay, ich merke schon, dass mein Gesicht rot sein wird und auch mein Lächeln sehr breit ist. Jeder von euch darf eine Frage stellen oder ihr schweigt. Für immer”, lachte ich.
      “Schreibst du da etwas mit einem Gewissen Botschafter?”, fragte Lina neugierig.
      „Ich kann es selbst kaum fasse aber ja, nachher kommt er vielleicht sogar“, freute ich mich und vergaß die Schwierigkeiten zwischen Lina und mir.
      „Du bist aber auch eine. Erst machst du Niklas schöne Augen und jetzt willst du was von seinem Halbbruder.“ Chris schüttelte amüsiert den Kopf. Meine Augen wurden groß und ich sah wieder zu Lina, die genauso schaute wie ich.
      “Hast du gerade Halbbruder gesagt?”, fragte sie dann perplex.
      “Offenbar hat er das nicht gesagt, nach dem Erik hier war. Das könnte jetzt schlimm werden”, antwortete und deutete auf Niklas, der genauso gelähmt im Stalleingang stand. Humbria stupste ihn freundlich an der Schulter und schlug nervös mit dem Schweif.
      “Das hast du jetzt nicht gesagt, oder?” Niklas sah frustriert seinen Kumpel an. Dann zog er stark am Strick, was seine Stute nur noch mehr verunsicherte.
      “Ich wollte das nicht, es tut mir leid.” Chris suchte die richtigen Worte, nur Niklas hörte das wohl nicht. Er ballte seine Faust und biss auf seiner Wange herum. Ohne etwas zu sagen, stützte ich mich zu der Stute, nahm den Strick aus seiner Hand und führte sie aus dem Stall. Einige Runden führte ich sie im Kreis im Schritt bis Humbria ruhiger wurde. “Prima”, lobte ich sie. Niklas stand noch immer wie versteinert an der Stelle. Sogar seine Hand formte sich in der Haltung des Stricks. Vorsichtig trat ich an ihn heran und legte meine Hand auf seine Schulter, während seine Stute entspannt neben am Gras zupfte.
      “Fass mich nicht an”, fauchte Niklas mich an und Humbria schreckte wieder zurück.

      Lina
      Offensichtlich waren die Familienverhältnisse zu Erik ein schwieriges Thema, ein sehr schwieriges Thema, denn in Niklas schien es förmlich zu brodeln und Vriska schien die Situation nicht gerade zu verbessern.
      “Vielleicht bringst du Humbi erst einmal auf den Paddock”, sagte ich zu schließlich zu ihr, in der Hoffnung, dass sie meinen Vorschlag auch befolgen würde.
      „Nej, die beiden sollen sie bewegen“, flüsterte Niklas kaum hörbar.
      “Meinetwegen könnt ihr auch in die Halle oder sonst wo hingegen, Hauptsache hier rennt nicht gleich ein panisches Pferd über den Hof”, sagte ich nachdrücklich zu Vriska. Ein freies Pferd wäre jetzt sicherlich nicht hilfreich und mein Gefühl sagte mir zudem, dass Vriska hier auch gerade nicht erwünscht war. Ich ging ein paar Schritte auf Niklas zu, blieb allerdings weit genug weg um ihm seinen Freiraum zu lassen.
      “Hey, ich bin mir sicher, du hast deine Gründe so zu fühlen und das vollkommen okay.” ich würde gerne behaupten, dass ich seine Reaktion nachvollziehen kann, aber das konnte ich aufgrund der geringen Faktenlage leider nicht. So blieb mir nicht viel übrig, als mich so verständnisvoll wie möglich zu zeigen und weiterhin darüber nachzudenken, wie ich ihn auf andere Gedanken bekommen könnte.
      „Ich dachte wirklich, dass Vriska und ich etwas Besonderes hatten, doch ich Idiot habe selbst dafür gesorgt, dass sie ausgerechnet bei dem landet. Ein Typ, der immer alles perfekt in seinem Leben macht, aber das derer zerstört, die ihm im Weg stehen. Ich … es tut mir leid. Das alles. Ich wollte dich nicht verletzen“, Platze es aus Niklas und er umarmte mich. Das kam für mich jetzt irgendwie ein wenig überraschend. Auf einmal wirkte Niklas so komplett anders als sonst, viel fragiler, emotionaler. Mein Kopf benötigte noch einen Moment, um die Sätze vollständig zu verstehen, bis ich allmählich begriff, dass da noch weitgehend mehr hinter stecken musste.
      “Ist schon okay … verletzt zu werden gehört zu den Gefahren, die das Leben mit sich bringt”, sprach ich das Erste aus, was mir in den Kopf kam und überraschte mich selbst wie locker ich das auf einmal sah. “Und was Vriska angeht … du kannst nicht dafür für wen sie sich Entscheidet, das hätte auch ganz ohne deinen Einfluss passieren können”, versuchte ich irgendetwas Aufmunterndes zu sagen.
      “Erik wird das sicher geplant haben … kann ich dir vertrauen, oder gibt es etwas, was du mir noch sagen musst?”, fragte er vorsichtig. Dabei schaute er an mir vorbei und mied Augenkontakt.
      “Natürlich kannst du mir vertrauen”, versicherte ich ihm.
      “Danke dir, was hast du jetzt vor?” Seine Stimmung änderte sich punktgenau, ein Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus. Wow, so einen schnellen Stimmungswechsel hatte ich jetzt nicht erwartet. Ein leicht verwirrter Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es noch ca. 1 Stunde bis zum Frühstück dauern würde. Genug Zeit also, um noch zu tun, was ich eigentlich vorgehabt hatte.
      “Ich wollte jetzt eigentlich Nathy und Masko in die Führanlage bringen, damit die schon mal warmlaufen könne, während ich die Halle fürs Freispringen vorbereite”, beantwortete ich Niks Frage.
      “Na gut, dann werde ich allein mein Pferd betreuen gehen. Nicht, dass die beiden noch auf blöde Ideen kommen”, sagte er und blickte in den Stall. Dort unterhielten sich Vriska und Chris noch, während Humbria entspannt danebenstand.
      “Was genau habt ich eigentlich mit Humbi vor?” Ich war schon irgendwo ziemlich neugierig. Noch während ich auf die Antwort wartete, überlegte ich schon, ob ich die beiden Stute einfach an Jayden abtrat. Er schuldete mir ohnehin noch einen Gefallen, da ich neulich seinen Koppeldienst gemacht hatte.
      “Bei dem Sprungtraining auf dem Geländeplatz galoppierte sie nicht und machte es mir unmöglich überhaupt einen Sprung anzureiten. Wohingegen der Galopp gestern auf dem Platz ziemlich gut war. Außerdem töltete sie bei dem Springen, deswegen soll Vriska mal gucken. Heute muss ich Humbria entweder bezahlen oder zurückbringen, somit benötige ich die Meinung von jemandem. Alle anderen von Gangmenschen ritt zwar besser, aber keiner von ihnen war wirklich gut auf mich zu sprechen”, erklärte Niklas ruhig und geduldig.
      “Das wäre schade, wenn du sie zurückbringen müsstet. Sie so ein hübsches Pferd und irgendwie mag ich sie. Aber das klingt, als könnte es interessant werden … vielleicht sollte ich doch mitkommen”, überlegte ich laut.
      “Schon, aber ich kann kein Pferd gebrauchen, das dauerhaftes Training bedarf. Deswegen soll Vriska beurteilen, ob die Stute überhaupt das Potenzial dafür hat und wenn nicht … dann fängt die Suche wieder an.” Niklas senkte den Kopf und winkte die drei aus dem Stall zu uns. Chris nickte.
      “Dann hoffe ich mal, dass sie Talent hat.”

      Vriska
      Mit Abstand zu seinem Herrchen wurde Humbria ruhiger und entspannte sich. Chris half mir die Stute zu Satteln und die Trense anzulegen. Immer wieder drehte sich um und schaute genau was wir machten. Als Chris den Sattel holte und ihn langsam auf ihren Rücken packen wollte, legte Humbria die Ohren an und schnappte nach ihm. Unsicher schaute ich zu Niklas und Lina, die sich noch immer unterhielten.
      “Vriska, wir schaffen das schon. Jeder von uns hatte schon mal Kontakt zu verschiedenen Pferden, da werden wir diese Nuss auch Knacken”, lenkte Chris meine Aufmerksamkeit wieder auf die Stute.
      “Du hast recht, ich möchte nur nichts falsch machen”, erklärte ich.
      “Dafür ist es wohl redlich spät, aber wir sorgen dafür, dass es nicht schlimmer wird”, munterte er mich auf und legte erneut den Sattel auf ihren Rücken. Langsam strich ich ihr über den Hals. Sie konzentrierte sich auf mich und knusperte an meinem lockeren Shirt herum. Die Trense reichte ich Chris, denn Humbria lief stets mit erhobenem Kopf und machte es mir unmöglich das Genickstück richtig zu positionieren.
      “Ich wusste gar nicht, dass Nik Gebisslos reitet”, sagte ich zu Chris, der das Ceto ihr umlegte.
      “Die Zähne müssen wohl noch gemacht werden, hatte ich mitbekommen.” Ich drehte mich von ihr weg, um meinem Helm zu holen und die Chaps über meine Stiefeletten zu ziehen. Doch Humbria gefiel es gar nicht, dass ich aus ihrem Blickfeld verschwand. Mit dem Ziel vor den Augen lief sie mit zur Sattelkammer und Chris konnte sie nicht daran hindern. Neugierig blickten Humbi mich an und senkte ihren Kopf. Ihre Augen funkelten und ich lachte. Aus meiner Hosentasche holte ich ein Leckerli, dass sie sogleich verschlang.
      “Damit verziehst du das Pferd aber wirklich”, tadelte Chris, der nun auch zur Tür reinschaute.
      “Nein, das nennt sich Bestechung und lieber soll sie sich alles anschauen, als panisch durch die Gegend zu tanzen”, lachte ich schloss meinen Helm. Zusammen warteten wir, bis Niklas uns zu sich winkte.
      “Interessant wie ruhig sie bei euch ist. Uns wurde gesagt, dass sie fremde, nicht so mag”, erklärte er dann, als wir ankamen. Mir verkniff ich etwas zu sagen, doch Chris hatte die passende Antwort parat: “Ach, mit genug Geduld funktioniert das. Wer weiß, was das für Fremde waren, die sonst mit ihr Kontakt hatten.” Niklas nickte und zu viert liefen wir zum Platz. Die Sonne, die am wolkenlosen Himmel stand, brannte auf meiner Haut. Nach dem Duschen hätte ich mich eincremen sollen mit dem Sonnenschutz, dachte ich.
      Chris half mir auf die große Stute, nach dem ich die Steigbügel auf meine Länge eingestellt hatte, das letzte Loch und überschlagen zeigte mir, wie kurz meine Beine für einen normalen Sattel waren. Zu Hause hatte ich eigene Monoriemen, die ich an jedem Sattel verwendete.
      “Und was genau wird das jetzt hier?”, fragte ich Niklas, der mit Lina im Grünstreifen saß. Humbi lief sehr schwungvoll unter mir.
      “Du bist heute dafür zuständig zu beurteilen, ob dieses Pferd eine Zukunft bei mir hat und wenn ja welche. Humbria soll grundsätzlich alle drei Disziplinen laufen, dafür ist wichtig, dass der Tölt nicht die Gänge dominiert”, erklärte er sachlich, beinah abweisend. Ich nickte und konzentrierte mich wieder auf die Stute. Was Chris Aufgabe dabei war, konnte ich mir nicht erklären. Als sie lockerer wurde, gurtete ich noch mal nach und trabte am langen Zügel auf dem Zirkel. Humbria suchte immer wieder den Kontakt und schlug dabei hektisch mit dem Kopf. Ihre Schwebephase verkürzte sich dabei stark und Taktfehler schlichen sich ein, ich spürte das ihr Vorderhuf vor dem dazugehörigen Hinterhuf abfußte. Im Rücken machte sie sich steif und ihre Oberlippe spitzte sich nach oben. Ruhig strich ich den Hals und sprach auf sie ein. Mein Sitz verlagerte ich leicht nach vorn, um sie zu entlassen. Erst nach einigen Handwechseln und Schrittpausen vernahm ich eine Besserung ihres Taktes. Ständig lobte ich ihre richtigen Schritte und strafte nicht. Erst jetzt adhibierte ich die Zügel. Direkt verkrampfte Humbi sich wieder, drückte den Rücken weg und hob den Kopf. Auch im Schritt wurde es nicht besser.
      “Also so viel kann ich dir sagen, an Vriska liegt es nicht”, kommentierte Chris das Verhalten der Stute.
      “Ja, sie sitzt heute wirklich gut”, lobte auch Niklas mich, überraschenderweise. Es motivierte mich, sein Pferd zu reiten, obwohl der Boden ziemlich weit von mir entfernt lag. Der Gedanke manifestierte sich in meinem Kopf und meine Beine wurden unruhiger, was sich auch auf Humbria auswirkte. Ihre Schritte verkürzten sich und noch weiter erhob sich ihr Haupt.
      “Kaum sagt man was Nettes, sitzt du wieder wie der erste Mensch auf dem Pferd.” Niklas Worte trafen mich nun noch tiefer und Humbria schlug heftig mit dem Kopf. Meine Hände verkrampften sich dabei und sie töltete an. Bewusst wurde mir das erst nach einigen Metern, doch im Tölt hatte sie sehr viel Takt, ihr Rücken wurde lockerer und sie schnaubte sogar ab. Mit meiner Stimme lobte ich und verschleierte, dass das unbewusst geschah. Ich spürte, dass alle Blicke sich auf uns richteten, doch es war ein schönes Gefühl. So viel Druck, wie ich aufbauen konnte, legte ich den Schwerpunkt tiefer in den Sattel und versammelte ihren Tölt bis zum Schritttempo. Die Zügel hielt ich locker in meinen Händen und blieb flexibel. Ihre Vorderhand strampelte kräftig und immer mehr Pferd baute sich vor mir auf. Nach der kurzen Seite nahm ich den Druck wieder weg, um das Tempo zu verstärken. Außergewöhnlich gut setzte Humbria die Tempounterschiede um und das panische verspannte Pferd entwickelte mehr Takt als Glymur.
      “Ich schätze, du solltest die Disziplin ändern. So viel Tölt habe ich noch nie bei einem Pferd ihrer Größe erlebt. Von Natur aus bietet sie extrem viel Takt und Losgelassenheit an, ohne dabei vor etwas wegzurennen”, erklärte ich Niklas, während Humbria am langen Zügel den Kopf zu Boden streckte und entspannt Schritt lief.
      “Also würde mein Plan mit ihr nicht funktionieren?”, hinterfragte er.
      “Das würde ich so nicht sagen. Deine Stute ist sehr unsicher und findet im Tölt eine Möglichkeit die Balance zu finden, die Versammlung und sogar Verstärkung beherrscht sie. Doch der Galopp wird dementsprechend deutlich mehr gelaufen sein und benötigt intensives Training, aber unmöglich ist es nicht”, versicherte ich und strich ihr über den Hals. Direkt hob sie ihren Kopf wieder und die Schritte verkürzten sich.
      “Zu Deutsch: Wenn ich gute Noten bekommen will, sollte ich ein anderes Pferd holen oder Humbria in einen intensiven Beritt stecken, wenn ich selbst keine Zeit habe?”, fragte er erneut. Entweder wollte Niklas die Tatsachen nicht wahrhaben, oder er war heute schwer von Begriff. Ich nickte nur.
      “Gut, danke. Dann kannst du Abreiten.” Er klang genervt und enttäuscht. Auch sein Verschwinden vom Platz unterstützte meine Annahme. Lina folgte ihm.
      “Der hat das ja schnell verkraftet”, murmelte ich. Jedoch so laut, dass Chris es auch hörte. Er lief neben uns her und sagte: “Schwer zu sagen, aber es gab auch keine Notwendigkeit mehr zu bleiben.”
      “Warum lauschst du meine lauten Gedanken”, giftete ich ihn an.
      “Wer so laut denkt, sollte damit rechnen, dass jemand etwas dazu sagt. Außerdem bist du auch nicht besser”, gab er ehrlich zu. Natürlich hatte Chris recht, doch es war von Anfang an klar, dass wir einander nicht Rechenschaft für irgendwas schuldig waren. Stolz auf Humbria reiten zu dürfen, fühlte ich mich wirklich wohl auf ihrem Rücken. Gerade, weil es das erste und letzte Mal für mich war, schätzte ich den Moment und genoss die letzten Runden auf ihr.
      Im Stall nahmen wir das Zubehör von ihr runter und Chris brachte sie zurück auf die Weide. Ich machte den Heusack für sie fertig und lief ebenfalls dorthin. Direkt stürzte sie sich auf diesen und wir beide begaben uns zum Frühstück, dass gleich fertig sein sollte.

      Lina
      Vriskas Urteil schien mir ziemlich eindeutig. Humbi war für den Gangsport, wohl deutlich besser geeignet als für alles andere. So zügig wie sich Niklas entferne, schien ihm das auch klar zu sein.
      “Und was machst du jetzt mit ihr?”, fragte ich vorsichtig, als ich ihn eingeholt hatte.
      “Zwei Behinderte kann ich eigentlich nicht gebrauchen, aber sie zurück zu so einem Stall geben, kann ich auch nicht”, antwortete Niklas nachdenklich.
      “Verstehe ich, dass du sie nicht dahin zurückbringen möchtest”, stimmte ich ihm zu.
      “Was würdest du machen?”, fragte er mich und bremste abrupt ab.
      “Ich würde sie mitnehmen und falls sie wirklich gänzlich ungeeignet ist, dafür sorgen, dass sie irgendwo hinkommt, wo ihr Potenzial genutzt werden kann”, beantwortet ich seine Frage ehrlich.
      “Danke für deine Meinung, dann werde ich mal die Zahlung klären, sehen wir uns beim Frühstück?” Ich bejahte seine Frage, woraufhin er sich entfernte. Ich für meinen Teil schlug dann den Weg zum Frühstück ein. Unterweges begegnete mit Samu, der offenbar gerade das Heu verteilt hatte, denn ein paar Halme hingen noch an seinem Shirt.
      “Hast du die Pferde gefüttert oder im Heu gebadet?”, fragte ich ihn als mir auffiel, dass er das Heu sogar in den Haaren hing.
      “Pepper war der Meinung so ein bisschen Heu würde mein Outfit verbessern”, sagte er lachend und strich sich die Halme von Shirt.
      “Ahh, er wollte dir also Extension verpassen. Ach! Und danke für den Koppelservice heute”, bedankte ich mich fröhlich.
      “Für dich doch immer gerne. Offenbar hast du die Zeit ja wenigstens sinnvoll genutzt, um deine gute Laune wiederzufinden”, sagte er schon fast loben zu mir.
      “Danke für die Anerkennung, aber da musst du die Laune loben, die ist mir gewissermaßen zugelaufen”, erläuterte ich. Vriska und Chris saßen schon an einem der Tische und auch ein paar der anderen hatten sich bereits eingefunden.
      “Wie kann einem denn die gute Laune zulaufen?”, hinterfragte Samu meine Antwort.
      “Wenn du gesehen hättest, wie charmant das Pferd von Chris ist, wüsstest du wie das geht!”, versicherte ich ihm. “Und schau, da kommt auch gute Laune auf vier Pfoten.” Von irgendwoher war Bubbels wieder aufgetaucht und unterzog jedem der Anwesenden einer Futterkontrolle.
      “Das Pferd ist Charmant … Soll ich mir Sorgen machen, woher du weißt, warum das Pferd charmant ist? Hat es mit dir gesprochen?”, scherzte Samu, doch ich merkte, dass eine gewisse Ernsthaftigkeit in seiner Stimme mitschwang.
      “Nein, brauchst du nicht, ich höre noch keine Stimmen oder so! Hammy kann lediglich ein paar großartige Tricks und wenn du mir nicht glaubst, kannst du dir ja selbst von Chris zeigen lassen, was Hammy kann”, verteidigte ich mich. Auf einmal kam Jace gut gelaunt aus dem Büro und wedelte mit etwas in der Luft herum.
      “Lina! Ich habe hier etwas was dich sehr freuen wird!”, verkündete, als er vor mir und Samu stand und drückte mir einen Briefumschlag in die Hand.
      “Was genau ist das, Jace”, fragte ich, bevor ich in den Umschlag schaute, denn nach der Aktion gestern fragte ich lieber vorher. Nicht dass mir noch mitten auf dem Hof ein weitere Liebesbekundung entgegenflog. Zugegebene maßen unter anderen Umständen, wäre das süß, aber in der aktuellen Lage … eher schwierig.
      “Das ist Post vom Schweizer Zuchtverband, steht doch drauf. Ich denke mal da sind Divines Abstammungspapiere drin”, erklärte Jace enthusiastisch. Beruhigt, dass ich ungefähr wusste, was darin war, öffnete ich den Umschlag und zog den Inhalt heraus. Jace Vermutung bestätigte sich, neben dem Abstammungsnachweis, befanden sich auch noch seine Feldtestergebnisse darin. Die Noten hatte ich bisher nur teilweise rausfinden können. Umso mehr freute ich nun die genaue Aufschlüsselung zu haben.
      “Ivy muss auch damals schon ziemlich brav gewesen sein, er hat Bestnoten im Verhalten”, stellte ich fest, als ich den Zettel überflog.
      “Hätte mich jetzt auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre”, kommentierte Samu da ganze grinsend. “Immerhin ist Ivy ein wahres Lämmchen, vermutlich war er sogar schon als Fohlen so ruhig und ausgeglichen.”
      “Sag das lieber nicht, manchmal bin ich mir nicht mal sicher, ob er weiß, dass er ein Pferd ist”, scherzte ich. Vermutlich könnte man Ivy genauso gut in eine Kuhherde stellen, solang man ihn oft genug streicheln kommt, wäre er sicherlich genauso glücklich wie mit pferdigen Freunden.
      “Wenn du jetzt seine Papiere hast, kannst du Divine ja endlich zu Körung anmelden”, sagte Jace triumphierend. Einen kurzen Moment freute ich mich darüber, bis mir klar wurde, dass ich das nicht könnte. Denn in drei Tagen würde ein ziemlich großer Ozean zwischen meinem Pferd und mir liegen.
      “Nein, kann ich nicht. Ich werde nämlich in 3 Tagen nicht mehr hier sein”, erläuterte ich die Umstände, warum ich ihn nicht direkt anmelden würde. Sosehr ich mich auch über diese gute Nachricht freute, Ivys Körung würde noch eine Weile warten müssen, denn einen ungünstigeren Zeitpunkt konnte es nicht geben.
      “Aber ich könnte doch auch mit ihm auf die Körung gehen”, warf Jace ein.
      “Ich bin mir sicher, sie möchte den hübschen lieber selbst Vorstellen”, sprach Samu sogleich meine Gedanken aus.
      “Genauso ist es. Ich würde Divine gern selbst vorstellen. Mit einem eigenen Pferd ist das noch mal etwas anderes und mit Ivy sowieso”, bremste ich Jace aus.
      “Na gut, das sehe ich ein. Wäre es mein Pferd würde ich vermutlich auch lieber selbst gehen”, gab Jace klein bei. Währenddessen sah ich mir Divines Abstammungspapiere an.
      Durch meine Recherchen über Divines Vergangenheit wusste ich mittlerweile eine ganze Menge über Freiberger. Welche Hengste in der Freibergerszene wichtig waren, was der Unterschied zwischen Urfreiberger, Basisfreiberger und Freiberger war, was die Rasse ausmachte und noch vieles mehr.
      Na ja, der wichtigste Fakt in Bezug auf meinen Hengst ist allerdings, dass seine Farbe häufig gar nicht richtig erkannt wird. Die dominant Weißen Freiberger, die zur Zucht benutzt werden, sind häufig als Schimmel eingetragen, denn es gibt in der Schweiz tatsächlich nur einen einzigen Verband der diese Sonderfarbe als solche anerkennt und auch diese Pferde zur Zucht zulässt. Genauso gibt es nur ein paar wenige Züchter, die diese besondere Farbe gezielt Züchten.
      “Oh Eiger ist sein Opa”, murmelte ich vor mich hin. “Judää … Jura … Wow, damit vereint Ivy einfach wichtige Hengstlinien”, plapperte ich begeistert weiter. Den beiden Jungs war anzusehen, dass sie von all dem nichts verstanden. Wie sollten sie denn auch, immerhin hatte keiner der beiden sich damals nützlich gemacht um mir bei der Recherche nach Ivys Herkunft unterstützt!
      “Ok, ich mach es mal kurz für euch, weil ihr das ohnehin nicht versteht. Divine ist so was wie wahres Gold, weil er nicht nur gute Hengstlinien vereint, sondern weil er dabei auch noch 0 % Fremdblut hat. Er ist somit, ein waschechter Urfreiberger von denen gibt es nicht mehr allzu viele”, erklärte ich so kurz wie möglich.
      “Du weißt aber schon, dass man auf Papieren nicht reiten kann?”, kommentierte Jace das Ganze.
      “Sagt der mit dem Vakanyfohlen im Stall”, erwiderte ich und verdreht die Augen.
      “Ey, der Kleine hat schöne lange Beine und er bewegt sich auf der Weide schon ganz wunderbar”, verteidigte er sich sogleich.
      “Ist doch gut Jace, wir wissen doch das dein Fohlen ganz großartig ist. Auch, wenn wir es nur außergewöhnlich selten zu Gesicht bekommen. Warum versteckst du den kleinen eigentlich bei Alec?”, trug Samu mit deutlich ironischem Unterton zu Unterhaltung bei.
      “Ich verstecke Solist nicht”, protestierte Jace. “Er steht bei Alec, damit der kleine Tinker nicht ohne andere Fohlen aufwachsen muss.”
      “Ja ja, das werden wir ja sehen, ob du ihn nächstes Jahr dann zurückholst, wenn es an seine Grundausbildung geht”, sagte Samu und lachte. Jace hatte schon recht, dass der kleine Solist ziemlich viel Potenzial hatte, aber manchmal übertrieb er ziemlich. Immerhin war der Falbhengst gerade einmal ein knappes Jahr alt und er tat immerzu als habe er schon Olympia mit dem kleinen gewonnen.
      “Ich hoffe eher für dich, dass dein Pferd Teamfähiger ist als sein Name vermuten lässt” triezte ich Jace nun auch.
      “Ohhhh, das ist doch nur ein Name. Und zwar ein deutlich schönerer als Twinkle Star oder so was.”
      “Weißt du überhaupt was der Name deines Pferdes bedeutet?”, fragte ich. Immerhin wusste ich das Jace kein Deutsch verstand und ich konnte es mir auch nur schwer vorstellen, dass er sich die Mühe gemacht hatte, das zu Googlen.
      “Äh, es hat eine Bedeutung?”, antworte Jace und Samu wie auch im mussten schmunzeln. Hatte ich es mir doch gedacht.
      “Ohhhh, jetzt verstehe ich auch, worauf du eben hinauswolltest.” Diese Erkenntnis hatte ziemlich lange gebraucht, schließlich war das englische Wort den deutschen nicht gerade unähnlich.
      “War das jetzt zu viel für deine grauen Zellen oder ist das zu komplex für vor dem Frühstück”, scherzte Samu und bot damit den idealen Punkt, um zum Essen überzugehen.

      © Mohikanerin, Wolfszeit, Zion | 99.774 Zeichen

    • Wolfszeit
      Nationalteam XIII | 1. Juni 2021
      Northumbria // Satz des Pythagoras // Glymur // St.Pauli‘s Amnesia
      El Pancho // WHC’ Solist // Don Carlo // Briair // Legolas// Ases Maswamozi// WHC’ Ahvani// Lilli vom Hirschberg// Ermgravin// Liliada// Avicii// Balisto// Ardehel// BS’Little Snowwhite// Torashko// Chocolate Churro// Aldaire// Löwenherz // Finest Selection // Nathalie//HMJ Divine


      Niklas
      “Wie oft willst du uns heute noch stören?”, stöhnte Ju und stütze sich aus dem Bett nach oben. Linh lag unter ihm, bekleidet.
      “Macht doch was ihr wollt, ich wechsle nur meine Schuhe, denn Frühstück wartet.” Ohne einen weiteren Blick auf sie zu werfen, griff ich nach meinen dreckigen Turnschuhen und stellte die Reitstiefel beiseite.
      “Ist es schon so spät?”, fragte er dann in den Raum. Ich nickte und ging aus dem Zimmer. Eine erneute Auseinandersetzung wie am früheren Morgen wollte ich verhindern. Viele Gedanken und Eindrücke rauschten durch meinen Kopf, verwirrten mich. Auf halbem Weg drehte ich eruptiv um und rannte beinah hektisch zurück. Wieder hingen sie übereinander aber schenkten mir keine Aufmerksamkeit. Im Badezimmer stand meine kleine Dose und ich griff nach hier. Direkt sammelte sich Speichel in meinem Mund, den ich nutzte, um die zwei kleinen Pillen zu schlucken. Die Wirkung würde erst in einer halben Stunde einsetzen, doch die reine Tatsache beruhigten meinen Geist. Dass Smoothie unter keinen Umständen abgegeben werden wird, stand fest, bloß bei Humbria war ich mir unsicher. In der kurzen Zeit baute ich eine Bindung zu ihr auf. Sie ließ nur wenige an sich heran und gab mir die Möglichkeit neue Dinge zu versuchen, zu entdecken. Es half mir zur Ruhe zu kommen. Am Geld scheiterte es nicht, doch meine Zeit war begrenzt. Insbesondere, wenn ich nun häufiger bei Einsätzen in Stockholm eingesetzt werden sollte. Dann fehlte sogar die Zeit, um Smoothie zu besuchen.
      Die Tische zum Frühstücken waren voll besetzt. Lina saß lachend bei ihrer Truppe, Chris hatte Vriska noch im Schlepptau. Einige Reihen weiter war mein Bruder mit seinen Chaoten und noch weiter der Rest des Vereines. Es fühlte sich plötzlich so an, als wäre ich das lästige Beiwerk des Vereins.
      „Är det ingen som vill ha dig med dig längre? “, lachte Ju mit Linh im Arm, die es nicht so lustig fand. Schmerzerfüllt zuckte er zusammen, denn ihre Faust berührte alles andere als sanft seinen Oberarm. Unverständlich zischte er ihr etwas zu und setzten sich mit an den Tisch, an dem bereits Milena und Max saßen. Bevor ich entschied, mich doch zu Chris zugesellen, atmete ich tief durch und lief los. Als ich mich setzte, rutschte meine Brille von der Schiene. Sie blickten zu mir, jedoch sagte keiner etwas. Ich schob sie wieder hoch und suchte nach Herrn Holm, der uns alle um 10 Uhr geordert hatte.
      “Und? Was ist mit der Stute?”, erkundigte sich nun auch Chris.
      “Sie kommt mit nach Schweden, aber im Team werde ich nicht mit ihr reiten”, antwortete ich nach einer Bedenkzeit.
      “Also verlässt du uns?” In seiner Stimme schwangen Enttäuschung und eine Traurigkeit mit, die ich nicht richtig deuten konnte. Ich lachte.
      “Nein natürlich nicht, sonst würdet ihr nur noch National reiten können. Das will doch keiner”, scherzte ich.
      “Na dein Glück. Aber mit welchem Pferd? Du kennst die Regeln”, erinnerte mich Chris.
      “Mal sehen, was ich Zuhause dann finde. Irgendein Pferd wird mir schon zu laufen. Ansonsten kenne ich genug Leute, die mir für das gewisse Kleingeld eins finden.” Vriska meldete sich dann zu Wort, doch ich benötigte einen Moment, bevor ich mich auf ihre Worte einlassen konnte. In mir kochte wieder die Wut hoch, aber ich riss mich zusammen.
      “Wir haben eine Stute in der Ausbildung, Form. Sehr geschickt und talentiert unter dem Sattel. Wenig Tölt, kein Pass aber viel Galopp. Sie wird derzeit vom Chef geritten, der genauso wenig Interesse an mehr als drei Gängen hat”, erklärte sie und nahm ihr Handy zur Hand.
      “Und was soll an der besser sein als Humbi?”, fragte ich abfällig und stütze meinen Kopf auf meinen Arm ab.
      “Mir ist es egal. Ich versuche dir nur bei der Pferdesuche zu helfen”, antwortete sie und schob das Handy zu mir. Vor mir erstrahlte eine pechschwarze Stute mit einem kleinen Stern auf der Stirn und einer rosafarbenen Unterlippe. Ihre blauen Augen schauten direkt in meine Seele, doch vom äußeren ließ ich mich bereits bei Humbi blenden. Das durfte kein zweites Mal passieren. Ich scrollte weiter und lass den Trainingsplan der Stute. Der Chef arbeitete beinah täglich mit ihr, neben entspannten Ausritten in allen Gangarten stand sie öfter im Aquatrainer und lief schon L-Lektionen auf dem Platz. Ihre Trackingwerte vermittelter ebenfalls einen guten Ausbildungsstatus. Die Mutter hatte sich einen Namen im Rennsport gemacht und auch ihr Vater schien erfolgreich zu laufen. Sogar in der Dressur hatte er sich lokal einen Namen gemacht. Erstaunt schaute ich mir die Noten an und auch, die aus dem Westernsport. Vintage war ein ziemlicher Alleskönner, was für Form follows Function nur Gutes vermelden ließ.
      „Na gut, sie scheint wirklich gar nicht so schlecht zu sein. Ich werde dann einen Termin mit deinem Chef ausmachen“, sagte ich schließlich zu ihr und gab das Handy zurück.
      „Schon in Ordnung, ich kläre das mit ihm“, bot Vriska an. Zustimmend nickte ich. Auch Chris wollte die Rappstute nun genauer betrachten und klickte interessiert auf dem Bildschirm herum, bis es vibrierte. Schnell griff sie wieder nach ihrem Handy und das gleiche Lächeln wie im Stall breitete sich in ihrem Gesicht aus. Genervt verdrehte ich die Augen und schweifte meinen Blick zu Lina, die amüsiert mit Jace sprach. Einige Wortfetzen griff ich auf, natürlich war das Hauptthema Pferde. Anfangs sprachen sie über Divine, was mich neugierig machte. Doch schnell sprangen sie um zu einem anderen Pferd, was offenbar ein Nachwuchshengst von Jace war.
      „Und Vriska, weißt du schon, wie es weitergeht? So ganz ohne uns?“, fragte Chris und lenkte wieder die Aufmerksamkeit auf ein unnötiges Gespräch.
      „Vor euch hatte ich schon ein Leben, ein sogar wunderbares. Den ganzen Tag auf dem Pferdehof arbeiten und früh schlafen. Was man nun mal, so macht“, scherzte sie und sah immer wieder zu mir. Wieder biss sie auf ihrem Lippenpiercing herum, was ein unangenehmes Geräusch mit sich brachte.
      „Ach, wenn das so ist. Ich freue mich auf monatliche Einladungen zum BBQ“, strahlte er.
      „Ich weiß gar nicht, ob ich euch so oft ertragen kann“, lachte sie.
      „Und ich schätze das da ohnehin keiner kommen würde“, mischte ich mich beim Gespräch ein.
      „Sei doch nicht immer so ein Spaßverderber“, echauffierte sich Chris. Unrecht hatte er nicht, aber einen Kommentar dazu ersparte ich mir. Endlich sah ich Herrn Holm kommen. Die Nacht ging wohl bei ihm noch länger. Unter seinen Augen zeichneten sich große Augenringe ab und sein Gang war geknickt.
      „Guten Morgen alle miteinander. Ich entschuldige meine Verspätung und deswegen ist der Plan für heute ein anderer. Wer bedarf für ein Training hat, kann ab 11 Uhr mit uns am Platz und der großen Halle rechnen. Ansonsten übt so viel wie ihr könnt. Am Abend soll jeder seine Dressurkür einmal Ablaufen auf dem Platz und wer möchte, kann noch an einem Geländespringtraining teilnehmen, das wir ab 20 Uhr machen wollen. Stärkt euch, ihr habt noch viel zu tun!“, sprach Herr Holm und setzt sich zu der Chefin und ihrem Mann an den Tisch zum Essen. Schon nach einigen Minuten amüsierten sie sich prächtig und ich war immer noch wütend auf Vriska. In ihrem Gesicht zuckte nicht einmal, wenn ich zu ihr schaute. Sie schien mich Größenteils zu ignorieren, als hätte sich das mit uns in Luft aufgelöst.

      Lina
      “Was tust du da?”, fragte ich neugierig und schielte auf Jace Handy, auf dem er gerade herumtippte. Ich konnte lediglich sehen, dass er mit Alec schrieb.
      “Euch beweisen, dass ich mein Pferd nicht vor euch verstecke”, antwortete er und tippte weiter.
      “Welches Pferd versteckst du vor uns?”, fragte nun Jayden der offensichtlich nur ein Teil des Gespräches mitbekommen hatte.
      “Gar keins. Ich werde Solist nämlich gleich herholen!”, antworte Jace überschwänglich.
      “Das glaube ich erst, wenn ich es sehe”, betonte ich noch einmal, es war typisch für Jace eine große Klappe zu haben. Doch, ob er das auch durchziehen würde, war meistens recht ungewiss.
      “Na, dann wirst du heute noch ins Staunen kommen, ich muss nämlich jetzt los, mein Pferd wartet”, erwiderte er und stand auf, um sein Geschirr wegzubringen.
      “Macht er nicht wirklich?”, murmelte Jayden staunend.
      “Natürlich macht er das. Du kennst doch Jace, bietet sich eine Möglichkeit, dass er sich beweisen kann, macht er das auch”, sagte Samu lachend zu ihm, der das Gespräch bisher stumm verfolgt hatte, um sich sein Frühstück hineinzuschaufeln. Wie recht Samu da nur hat, selbst wo es nichts zu beweisen gibt, versucht Jace etwas zu beweisen … genug davon, kein Jace heute!
      “Jayden, du möchtest sicherlich Masko mit zum Freispringen nehmen?”
      “Ich vermute mal, Nein ist keine Möglichkeit?”, schlussfolgerte Jayden auch so gleich.
      “Richtig, gut erkannt!”
      “Ok, dann nehme ich das Monster wohl mit”, antworte er und mampfte weiter.
      “Sie ist kein Monster, zumindest nicht, wenn sie ausreichend beschäftigt wird”, stellte ich die Faktenlage richtig. Samu grinste nur vor sich hin. Er selbst hatte die Stute ein halbes Jahr lang trainiert und kannte somit ihre Eigenarten. Die roten Streifen, die Masko vor zwei Tagen mit der Longe verursacht hatte, zeichneten sich immer noch auf meinen Handflächen ab. Allerdings war die Stute daran nicht wirklich schuld. Die Fuchsstute nicht ausreichend auszulasten ist einfach doof und ohne Handschuhe longieren, noch viel doofer, gerade bei einem Pferd wie Masko.
      “Dann nehme ich eben das nicht Monsterpferd mit, auch gut”, antwortete Jayden und leerte seine Tasse. „Na dann gehe ich wohl mal an die Arbeit“, fügte er an und verschwand in dieselbe Richtung, in die Jace vorhin verschwunden war.
      “Was wird das denn? Hast du heute noch irgendetwas vor?”, fragte Samu zwischen zwei bissen.
      “Ja, nämlich die letzten Tage hier genießen oder es zumindest versuche ich es. Und das geht deutlich besser, wenn man keine 5 Pferde am Tag bespaßen muss”, erklärte ich munter. “Und wo wir schon bei Bespaßen sind, hast du eine Idee was ich heute mit Pancho machen kann?”
      “Was hast du denn die letzten Tage so mit ihm gemacht?”, fragte er und steckte sich das letzte Stück Brötchen in den Mund. Ich musste einen Moment nachdenken. Innerhalb der letzten zwei Wochen war so viel passiert, dass ich mir nicht wirklich sicher, ob ich Pancho überhaupt nennenswert trainiert hatte.
      “Jaaa … ich glaube, er ist ziemlich kurz gekommen in den letzten Tagen”, räumte ich ein.
      “Was heißt denn hier, ich glaube? Normalerweise kannst du doch jedes Detail deines Trainings aufzählen?”, stellte er fest.
      “Hänellä on sinut ilmeisesti pää kierretty sinulle”, fügte der Finne amüsiert hinzu. Damit hatte Samu nicht ganz unrecht. Normalerweise notierte ich mir nach jedem Training alle wichtigen Dinge. Was ich gemacht hatte, was gut gelaufen war, was nicht so gut funktioniert hatte. Doch bei dem, was hier alles los gewesen war, hatte ich nicht nur Divine vergessen, sonders offensichtlich auch noch andere Dinge.
      “Ach, auf einmal findest du das also lustig? Missä on herra. Tiedän paremmin, mikä on sinulle hyväksi?”, fragte ich ihn. Entweder war mein bester Freund kaputt oder er hatte endlich begriffen, dass ich selbst auf mich aufpassen konnte.
      “Hän on tyytyväinen, Että olet onnellinen”, antwortete er mit einem Lächeln auf den Lippen. Er schien einen Moment lang, nach den richtigen Worten zu suchen, bevor er weitersprach: “Jos Ruotsi sinulle onnellisuus tarkoitta Aion et sinä edelleen olla tiellä.” Trotzdem widerstreben in seiner Stimme, spürte ich, dass er es so meinte.
      “Kiitos, se merkitsee minulle paljon”, antwortete ich ihm und lächelte. Für ein paar Minuten aß jeder von uns stumm sein Frühstück.
      “Du wirst dir jemand Neues suchen müssen, der dich daran erinnert, dass du noch keine 80 bist, wenn ich nicht mehr da bin. Sonst wirst du noch zum Opa”, scherzte ich, um die Stille zu unterbrechen.
      “Jetzt werde mal nicht frech junges Fräulein. Ich weiß immerhin, wie man einen Koffer packt im Gegensatz zu dir!”, zog er mich auf und lachte.
      “Dank dir habe ich diese Weisheit nun auch erlangt. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Was mache ich mit dem dicken Knabstrupper?”, versuchte ich auf mein eigentliches Anliegen zurückzukommen.
      “Weiß ich doch nicht, er ist dein Schützling nicht meiner. Vielleicht machst du das mit Pancho, was du nicht mit den anderen Pferden machst. Ich muss dann auch mal los. Im Gegensatz zu dir habe ich ein paar Pferde mehr zu versorgen als du”, beantwortete Samu die Frage wenig hilfreich und trank seinen Kaffee aus.
      “Vielen Dank für deinen Rat”, sagte ich sarkastisch und verdrehte die Augen.
      “Für dich doch immer gerne.” Grinsend stand er auf und sammelte sein Geschirr ein. “Viel Spaß beim Nachdenken, irgendwas wird dir sicher einfallen. Du bist doch sonst so kreativ”, sagte mein bester Freund und wand sich ab, um wie auch schon Jace und Jayden zuvor im Stall zu verschwinden. Nicht mal in Ruhe Frühstücken konnten die Jungs, als gäbe es einen Wettbewerb wer am schnellsten Arbeitet. Ein Blick auf meine Schüssel verriet mir, dass ich noch ca. eine halbe Müslischüssel lang Zeit haben würde, darüber nachzudenken wie ich den grauen Hengst heute bespaßen wollte. Während ich so darüber nachdachte, ließ ich meinen Blick über die anderen Tische schweifen, bis mein Blick an Niklas hängen blieb. Obwohl er bei Chris und Vriska saß, schien er an der Konversation nicht wirklich Teil zuhaben. Stattdessen ging sein Blick vielmehr in meine Richtung. Ein kleines Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Ich sollte ihm Gesellschaft leisten gehen und vielleicht hat er auch eine Idee, was ich mit Pancho machen kann. Also schnappte ich mir den Rest meines Frühstücks und begab mich zu dem anderen Tisch rüber.
      “Hey, ist hier noch ein Platz frei?”, fragte ich Niklas und deutete neben ihn auf die Bank.
      “Sieht so aus”, murmelte er leise und rückte ein beiseite, um mir Platz zu machen.
      “Alles ok so weit?”, fragte ich, während ich mich neben ihn setzte. Mir war nicht entgangen, das Vriska ihn gewissermaßen nicht beachtete.
      “Offenbar bin ich für alle nur noch Luft, außer dir”, stammelte Niklas.
      “Was redest du denn für einen Quatsch?”, protestierte Chris und richtete sich zu uns auf.
      “Also wenn ich das Richtig sehe, bist du maximal Luft für Vriska … und die ist, glaub ich gerade in einer anderen Welt”, merkte ich an, denn sie tippte schon wieder auf ihrem Handy herum.
      “Was ist mit mir?”, erhob sie ihren Kopf und schien wieder anwesend zu sein.
      “Nik ist der Meinung, dass er für uns nicht mehr existent ist”, wiederholte Chris.
      “Aha. Und wie kommst du bitte darauf?”, legte Vriska ihr Handy zur Seite.
      “Können wir bitte das Thema lassen, es nervt”, stand Niklas aus und blickte erwartungsvoll zu mir.
      “Ich habe ein viel besseres Thema, und zwar könnte ich mal ein wenig Inspiration gebrauchen in Bezug auf El Panchos Bespaßungsprogramm für heute. Du hast doch sicher eine großartige Idee”, wand ich mich Nik zu.
      “Da Smoothie ewig warm geritten werden muss, wollen wir Ausreiten? Dann kann ich danach mit ihr noch die Kür üben”, schlug er vor.
      “Ja, das klingt nach einer perfekten Idee. Dass ich da nicht von selbst drauf gekommen bin …”, stimmte ich zu. “Dann lass uns doch gleich die beiden holen.” Er nickte und lief voraus. Ich stellte noch schnell mein Geschirr weg und machte mich dann auf den weg zur Koppel. Natürlich standen die Hengste heute auf der hintersten Koppel, damit der Weg auch möglichst lang war. Die meisten Hengste standen am Waldrand und grasten dort im Schatten. Nur drei von ihnen waren nicht allzu weit vom Tor weggekommen. Divine und El Pancho grasten gerade einmal 3 Meter vom Tor entfernt. Tiger, der auf seinen Schatten beim Grasen nicht verzichten wollte, stand bequem unter Divine. Immerhin muss ich so nicht auch noch über die ganze Koppel rennen.
      “Na ihr drei”, sprach ich die drei an, während ich das Tor öffnete. Natürlich haben Ivy und Panchy den Kopf und kamen freundlich auf mich zu getrottet. Freundlich streichelte ich den beiden über die Stirn, bevor ich den Strick in das Halfter des Knabstruppers einhakte. Divine trottete hinter uns her, als ich Pancho aus dem Tor führte. “Du bist erst später dran”, sprach ich zu dem Hengst und schloss das Tor vor ihm. Mit dem grauen Hengst am Strick machte ich mich auf den Weg zurück zu Stall, doch offenbar wollte El Pancho seinem Namen mal wieder alle Ehre machen und lief unglaublich langsam hinter mir her. Kurzentschlossen baute ich den Strick als Zügel an sein Halfter.
      “Wir machen das jetzt anders, sonst sind wir morgen nicht am Stall”, sagte ich zu dem Hengst und zog mich auf seinen Rücken, was auch nur ging, weil er nicht allzu riesig war. Geduldig warte Pancho, bis ich oben war. In einem fleißigen Schritt ritt ich das graue Pferd zum Stall.

      Niklas
      Lina verschwand mit der nötigen Ausrüstung, um das besagte Pferd zu holen. Ich vergaß bereits nach einigen Minuten, welches es sein sollte und lief, in das Stallgebäude. Smoothie stand ruhig in ihrer Box und steckte aufmerksam den Kopf nach draußen. Leise brummelte sie. „Jag går inte tillbaka. Kommer också att gå med skorna “, informierte ich meine Stute und legte ihr das Halfter um. Gemütlich folgte sie. Prüfend warf ich mein Blick nach hinten. Ihr rechtes Hinterbein hakte und die Kurve aus der Box heraus, nahm ich zu eng. Unsanft knallte sie mit ihrem Huf gegen die Tür. „Jag är ledsen“, entschuldigte ich mich. Vor dem Gebäude wäre mehr Platz, um sie zu putzen. So band ich sie an der Stange an und holte von drinnen ihre Putzbox. Einige Strohhalme dekorierten ihren Schweif, die ich als Erstes entfernte und zu Boden warf. Ihr Fell war mäßig dreckig, Grasflecken trug sie keine. Das erleichterte mir das heutige Putzen und ich war fertig, als Lina auf dem Rücken von dem grauen Hengst ankam.
      „Ach und ich dachte, dass ich vor dir fertig sei“, scherzte ich kniend an dem verletzten Bein meiner Stute. Ich massierte ihr Gelenk und legte die wärmend um es.
      “Ja sorry, der gnädige Herr möchte heute seinem Namen alle Ehre machen”, antwortete Lina und rutschte vom Rücken des Pferdes.
      „Wieso denn das?“ Verwundert folgte mein Blick ihrer Bewegung. Als sie am Boden aufkam, schreckte Smoothie mit dem Kopf nach oben und brummelte den Hengst an, der neugierig sich zu ihr streckte.
      “El Pancho heißt der Gelassene. Manchmal praktisch, aber meistens würde ihm ein wenig mehr Geschwindigkeit nicht schaden”, schilderte Lina und band den Hengst an.
      “Dann wird er heute einiges zu tun haben”, merkte ich an und wickelte die erste Bandage um ihr Schienbein. Die Unterlage ließ ich aufgrund der hohen Temperaturen im Putzkasten.
      “Gut so, der hatte die letzten Tage genug frei.” Lina machte ebenfalls den Hengst fertig und sprintete förmlich. Nur Vriska machte schneller ihr Pony fertig. In der Sattelkammer betrachtete ich mein Equipment und entschied doch die Kandare zu nehmen. Für das Training im Anschluss würde ich sie benötigen. Ein Spiegel hing an der Wand, erinnerte mich daran, dass ein Helm heute nicht funktionierte. Es gab nichts Schlimmeres als die Kombination aus Helm und Brille außerdem saßen meine Haare ungewöhnlich gut. Vorbereitung war alles, doch ich war es nicht. Die Kontaktlinsen hatten mir am morgen Schmerzen zugefügt, meine Schuhe wechselte ich bereits mehrfach und unentschlossen saß ich am Morgen beim Essen. Dafür vergaß ich die Medikamente nicht, immerhin. Smoothie spitzte die Ohren, als ich mit dem Zaum herauskam und nahm die Gebisse an. Die Zügel legte ich über ihren Hals und zog noch mal den Gurt nach. Auch Lina war beinah fertig mit ihrem Hengst.
      “Können wir dann?”, fragte ich und lief zur Aufstiegshilfe, die einige Meter neben dem Anbinder stand. Smoothie folgte mir und ich schickte sie näher heran, in dem ich mit meiner Hand zu mir deutete. Einige Schritte setzte sie vor, ehe ihre Hinterhand sich näher zu mir drehte. Nun konnte ich aufsteigen, ohne mich anstrengen zu müssen. Ich drehte im Stall zu Lina, die ihrem Hengst gerade die Trense über die Ohren zog.
      “Bin gleich so weit”, antworte sie und verschloss die Trense.
      „Ihr benötigt aber auch immer lange“, scherzte ich. Meine Stute trieb in die Richtung der beiden, die sich so gleich wieder anbrummten. Eigentlich sollte ihre Rosse vorüber sein, doch bei einigen Hengste konnte Smooth nicht wieder widerstehen, es zu versuchen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Offenbar waren wir uns beide noch ähnlicher, als ich es bisher für möglich kannte. Obwohl ich die Stute, solange mein Eigen nennen konnte, lernte ich sie täglich mehr kennen. Im selben Gedanken kamen mir wieder die Zweifel. Zweifel, ob ich wirklich bereit für ein weiteres Pferd sein könnte. Ob ich mich von ihr trennen könnte und wie es mit ihr weitergehen würde. Mir würde die Zeit fehlen ein Pferd für die Turniere vorzubereiten, zu arbeiten und dann noch weiterhin ihr gerecht zu werden.
      “Bist du da festgewachsen? Ich dachte, wir wollten los”, unterbrach Lina meine Gedanken, die inzwischen auf ihrem Pferd saß.
      “Im Kopf vielleicht, aber bewegen geht”, antwortete ich kurz und trieb Smoothie voran. Den Kandarenzügel legte ich auf den Sattel vor mir und die anderen hatte ich nur locker in einer Hand. Pancho hatte Mühe uns zu folgen, so bremste ich die Stute über meinen Sitz. Sie holten uns auf. Schweigend ritten wir nebeneinanderher. Lina hatte ein wenig Mühe den grauen Hengst in einem vernünftigen Tempo zu halten, denn das Gras schien deutlich interessanter zu sein als alles andere. Immer wieder versucht Pancho stehenzubleiben, um sich einen Snack zu schnappen. Es war ziemlich lustig mit anzusehen, denn Smoothie lief treu gerade auf, warf nicht einmal einen Blick zum Gras. Ich spürte, währenddessen das noch immer ihr rechtes Bein Taktfehler verursacht, wodurch sie das Tempo immer mal wieder erhöhte, was ich mit einer Erhöhung der Körperspannung herunterregulierte. Die Stute reagierte punktgenau.
      „Bist du immer so still beim Ausreiten? Sonst hast du doch immer was zu sagen“, unterbrach ich die Stille.
      “Ja und Nein. Hier draußen verliere ich mich gerne mal in meinen Gedanken”, antwortete Lina und blickte mich entschuldigend an.
      “Und worüber denkst du nach? Willst du doch lieber hierbleiben?” Smoothie wehrte mit ihrem Schweif die Fliegen ab und stolperte dabei mehrfach über die Wurzeln, die vom feinen Sand bedeckt waren. Unkonzentriert kippte ich nach Vorn, was Smoothie dazu bewegte eruptiv stehenzubleiben und mich nach hinten kippen ließ. Elegant sah anders aus. Auch Pancho bremste.
      “Nein, das ist es nicht. Ich freu mich auf Schweden, wirklich. Es ist nur … ich habe ein wenig Angst davor, die die für mich zu einer Familie geworden sind, zu verlieren … wahrscheinlich mach ich mir einfach wieder zu viele Gedanken.” Während sie sprach, zupfte sie an Panchos Mähne herum.
      “Ich weiß, wie es ist seine Familie zu verlieren, nicht schön. Aber ich denke, dass sie dich nicht direkt vergessen werden, und sie können dich doch besuchen kommen. Du ziehst nur nach Europa und nicht auf den Mars”, versuchte ich sie aufzumuntern.
      “Du hast einfach irgendwie recht”, murmelte sie, doch Panchos Mähne hatte noch keine Ruhe vor ihren Fingern.
      “Wenn du so weiter machst, dann hat das arme Pony gleich gar keine Mähne mehr”, versuchte ich den Hengst aus ihren Fängen zu befreien.
      “Oh, ja”, murmelte sie und strich die Stelle glatt, an der sie herumgezupft hatte. “Sorry Panchy, wenn du jetzt meinetwegen eine blöde Frisur hast, tut es mir leid”, sprach sie zu dem Hengst. Schon fast erleichtert darüber, dass das Gezuppel endlich ein Ende hatte, schüttelte sich El Pancho.
      Mittlerweile hatten wir uns wieder in Bewegung gesetzt und auch das Sprunggelenk meiner Stute bewegte sich flüssiger. So entschieden wir endlich zu traben. Ich nahm den rechten Kandarenzügel zwischen Zeige- und Mittelfinger, darunter den linken und den Trensenzügel hielt ich normal. Die Kandare nahm ich sehr locker und ließ die Zügel ohne Spannung hängen. In der rechten Hand hatte ich nur den rechten Trensenzügel. Smoothie trabte im mittleren Tempo vorwärts und schnaubte mehrfach ab. Lina mit Panchy hatte deutlich mehr Arbeit, um ihn überhaupt in den Trab versetzen zu können.
      “Kommt ihr klar?”, fragte ich und blickte nach hinten.
      “Ja, alles klar bei uns”, meldete sie zurück. Mit gespitzten Ohren trabte ihr Hengst hinterher und Smoothie verlangsamte ich über meinen Sitz etwas ab. Im Gegensatz zu meinen Kameraden lehrte mich mein Opa Teile der Reitkunst. So trieb ich sie nur, wenn eine Hilfe notwendig war. Ansonsten lagen meine Beine locker und ruhig im Sattel und parallel zum Bauch. Meine Stute konzentrierte sich darauf, auf Impulse meinerseits zu achten. Im Westernreiten verbreitete sich ebenfalls diese Art des Reitens. Während sie locker im Genick blieb und es der höchste Punkt in ihrer Oberlinie war, streckte sich der Kopf von Pancho nach oben. Bequem sah es nicht aus. Lina kämpfte damit den Hengst vorwärts zubekommen. Doch er ignorierte die treibende Hilfe und lief in seinem Tempo weiter. Wir bauten immer Abstand zu den beiden auf. Ich parierte meine Stute in den Schritt durch, legte die Kandarenzügel wieder ab und die der Unterlegtrense hingen locker durch. Mit gerötetem Kopf und vollkommen außer Atmen holte Lina auf. Panchy bremste abrupt ab. Seinen Kopf legte er in die Zügel und schüttelte diesen mehrmals von oben nach unten. Es brannte in mir ihr zu helfen und vor allem dem Pferd mehr Freiraum zu geben. Doch ich sagte nichts, denn erst zu kritisieren, dass sich bei Humbi einmischte am Vortag und dann einen Vortrag zu halten, wäre unklug. Deswegen richtete ich mich wieder auf Smoothie ein, die tiefenentspannt vorwärtsschritt. Freundlich strich ich über ihren Hals. Die Rappstute kam vor meinem inneren Auge wieder auf und es war naheliegend auf dem Lindö Dalen Stuteri.
      Sie gehörten zu den Einzigen im Småland und Östergötland, die Standardbreds als Reitpferd züchteten. Zudem stand Nobel ebenfalls bei ihnen, den Opa vor seinem Tod an sie abgab. Es wäre schön zu sehen, was aus ihm geworden ist. Von meiner nächtlichen Schlaflosigkeit wusste ich, dass er regelmäßig auf Passrennen Siege nach Hause brachte. Je später die Nacht, umso mehr Pferde recherchierte ich aus unserer Zucht. Es lag mir am Herzen, wo die Pferde nun waren. Nicht jedes konnte ich bisher finden, doch einige wie Nobel standen noch in der Region.
      “Sag mal, was machst du eigentlich so, wenn du nicht gerade auf einem Pferd sitzt, hast du noch irgendwelche anderen Hobbys?”, fragte Lina interessiert.
      „Wenn ich nicht arbeite oder koche, dann bin ich wohl im Urlaub. Oder eben im Club mit meinen Leuten“, dachte ich laut. Lina wählte eine ziemlich schwierige Frage, um die Stille zu unterbrechen.
      “Reisen, ein schönes Hobby. Ich würde so gerne mehr von der Welt entdecken. Früher war mein größter Traum immer ein Känguru in freier Wildbahn zu sehen”, erzählte sie versonnen.
      “Hast du sie denn mittlerweile schon mal gesehen?”, fragte ich neugierig.
      “Nein, leider nicht. Australien ist leider nicht gerade um die Ecke”, antwortete sie.
      „Na dann sollten wir, dass nächstes Jahr ändern. Bisher war ich nur in Sydney. Mehr kenne ich von Australien nicht.“ Als würde meine Stute dem Gespräch folge, hob sie den Kopf und schnaubte bestätigt ab. Freundlich lachte ich und strich über ihre kurze Mähne.
      “Wow, das wäre toll.” Ein begeistertes Leuchten trat in ihre Augen.
      “Dann haben wir einen Plan. Aber jetzt sag mir mal, was mit deiner Schwester ist. Wir reden nur über Pferde, Schmerz und die Zukunft. Was ist denn mit dem hier und jetzt?” Es bedrückte mich, sie einfach von hier mitzunehmen, denn sie war vermutlich nicht besser auf Vriska zu sprechen als ich. Dann würde Lina in wenigen Tagen gemeinsam mit ihr sein Tag und Nacht den Hof bewirtschaften. Unaussprechliches würde in ihrem Kopf los sein, soviel dachte ich mir.
      “Juliet ist fast der einzige Mensch, den ich mitten in der Nacht anrufen kann und der dann auch noch zuhört. Mir verdankt sie sicherlich bald eine Schlafstörung”, scherzte sie. “Aber ganz ehrlich, ich glaube ohne sie wäre ich schon lange durchgedreht. Egal wie bescheuert meine Ideen auch sein mögen, sie steht immer hinter mir. Sogar als ich damals, ich müsste so ungefähr 8 gewesen sein, mitten in der Nacht im Wald Einhörner suchen wollte, ist sie mitgekommen, anstatt mir zu erklären, dass es Einhörner gar nicht gibt. Ach, Juli ist einfach die beste große Schwester, die man sich wünschen kann und genau deshalb freue ich mich umso mehr, sie bald wieder zusehen, also so in echt, nicht nur auf dem Bildschirm”, erzählte Lina unbeschwert.
      “Jetzt hast du doch sogar ein Einhorn, also erkläre mir nicht, dass es die nicht gibt. Das Horn ist vermutlich durch die Evolution verschwunden, aber es gibt sie noch”, sagte ich Ernst zu ihr und war froh darüber, dass ihre Stimmung direkt besser wurde.
      “Ich könnte mir auch kein besseres Einhorn wünschen, auch wenn er kein Horn hat”, stimmte sie mir zu.
      “Das lässt sich sicher ändern. Also, das fehlende Horn mein ich”, scherzte ich weiter.
      “Möchtest du ihm etwa eins ankleben? Ich weiß einfach nicht, ob das eine vielversprechende Idee wäre, so tollpatschig wie Ivy ist … nicht, dass er noch irgendwen aufspießt”, gab sie zu bedenken, lächelte aber weiterhin.
      “Man kann doch einen rosa Plüschball auf die Spitze machen, oder so was. Lass uns aber erst mal den heutigen Tag überstehen. Das wird sicher noch stressig”, legte ich nach und am Wegesrand tauchten die ersten Zaunpfähle des Hofes auf.
      “Was du nicht sagst, aber irgendwie wird das schon werden”, sagte Lina optimistisch. Sie hatte recht, doch nach dem, was heute schon alles geschah, würde es nur schlimmer oder viel besser werden. Wir trabten die Pferde erneut an, aber die Kandare hing weiterhin locker herum. Panchy kam diesmal auch besser hinterher. Während Lina am Stall abstieg, ritt ich weiter zum Platz, auf dem Herr Holm noch Unterricht machte mit Ju und Amy.

      Lina
      Am Stall sattelte ich El Pancho ab. Als ich gerade wieder aus der Sattelkammer kam, ritt Samu mit seiner Schimmelstute in die Stallgasse.
      “Ah, wie ich sehe, hast du wohl eine Beschäftigung für Pancho gefunden”, sagte der Finne und ließ sich aus dem Sattel gleiten.
      “Ja, ich war mit Niklas ausreiten, hat sich so ergeben”, erläuterte ich. Briair streckte die Nase aus, um an Pancho zu schnuppern, doch der döste bereits.
      “Und war euer Ausritt schön?”, erkundigte Samu sich, während er die Trense seiner Stute öffnet.
      “Ja, schon. Wir haben eine nette Unterhaltung geführt”, antwortete ich und warf einen Blick auf mein Pferd, dessen Kopf mit jeder Minute tiefer sank.
      “Ich glaube ich bring den mal lieber zurück auf die Koppel, bevor er hier noch umfällt”, scherzte ich und sprach mein Pferd an, um es zu wecken. Langsam gingen Pancho Augen auf und seine Ohren nach vorn.
      “Na komm, du kannst auf der Koppel weiterschlafen”, sagte ich zu dem Hengst und zog sanft am Strick. Pancho bewegte sich kein Stück weit.
      “Sieht nicht so aus, als wäre Pancho überzeugt davon mitzukommen”, machte sich Samu über mich lustig.
      “Warte nur ab, den Überzeuge ich schon”, antworte ich und gab dem grauen Pferd einen Klaps mit dem Strick. Langsam verlagerte er sein Gewicht auf alle 4 Beine und machte tatsächlich einen Schritt. “Siehst du, sage ich doch.” Triumphierend verließ ich mit El Pancho den Stall und brachte ihn auf die Koppel. Nachdem ich den Knabstrupper auf die Wiese entlassen hatte, ging ich direkt weiter zu der Koppel, auf der Legolas stand. Diese Koppel war deutlich bewaldeter. Von den Pferden war von Weitem nicht zu sehen. Sicherlich würden sie irgendwo zwischen den Bäumen stehen oder sie standen hinter dem kleinen Dickicht am Bach, wo es etwas kühler war als auf der Freien Fläche.
      Schon als ich am Rand des Dickichts angekommen war, konnte ich das helle Fell von Don Carlo durch die Blätter schimmern sehen. Ein Zeichen, das vermutlich auch die anderen Hengste, nicht allzu weit sein konnten. Und tatsächlich auf der anderen Seite des Dickichts stand die kleine Herde. Einige der Pferde hoben den Kopf, als ich von Blättergeraschel begleitet zwischen den Bäumen heraustrat.
      Zwischen den ganzen hellen Pferden fiel der Rappe regelrecht auf. Mit gespitzten Ohren blickte mir Lego entgegen. Ich kraulte den Hengst kurz an seiner Lieblingsstelle, bevor ich ihm sein Halfter überstreife. Brav folgte mir der Rappe von der Koppel.
      Der Stall war bereits wieder leer, als ich ihn mit Legolas erreichte. Um dem Hengst zu ersparen, schon vor dem Training zu schwitzen, beschloss ich ihn drinnen zu putzen. Das Fell des Hengstes war nicht sonderlich dreckig, dafür hatte er Menge Kletten in Schweif und Mähne hängen.
      “Du möchtest heute wohl besonders viel Aufmerksamkeit, großer”, sagte ich zu dem Hengst und ging in die Sattelkammer, um Mähnenspray und Putzkasten zu holen.
      Während das Mähnenspray trocknete, putzte ich schon einmal das restliche Pferd. Anschließend machte ich mich an die Entfernung der Kletten. Nach fast einer halben Stunde war Legolas schließlich wieder Kletten frei. Schnell war der Rappe gesattelt. Bevor ich die Trense holte, räumte ich noch den Putzplatz wieder auf, denn gefühlt 100 Klettern auf dem Boden sahen nicht gerade aus. Da ich beim Putzen eine kleine Verletzung im Maulwinkels des Pferdes entdeckt hatte, hatte ich Divine Glücksradzaum aus dem Spind gekramt. Was auf den Dickschädel des Freibergers passte, sollte auch einem Pferd wie Legolas passen. Meine Vermutung bestätigte sich, leidlich den Backenreimen musste ich ein wenig länger schnallen. “Perfekt”, zufrieden strich ich Legolas über die breite Blesse. Die Glitzersteine auf dem Stirnriemen begannen im Licht zu funkeln, als Legolas seinen Kopf runternahm, um das Leckerli entgegenzunehmen, welches ich ihm hinhielt. Vorsichtig nahm er es von meiner Hand und begann darauf rumzukauen. “So, jetzt müssen wir aber wirklich anfangen zu arbeiten Großer”, sagte ich zu dem Hengst und führte ihn zur Aufstiegshilfe vor dem Stall.

      Während auf dem WHC alle mit ihren Pferden beschäftigt sind, ist Jace fast auf dem SMA angekommen.

      Jace
      Von Weitem konnte ich schon das Efeu bewachsene Stallgebäude sehen. Zuletzt war ich hier Ende Juni gewesen, als das kleine Fohlen von wie hieß die Stute noch mal...Wamzi. Eigentlich trug sie einen anderen Namen, doch der war so unaussprechlich, dass ich ihn mir nicht merken konnte. Wo ich so gerade an das Fohlen dachte, fiel mir wieder ein, dass ich Alec dringen Fragen musste, ob es wirklich auch diesen Tölt hatte. Irgendwie konnte ich mir das nur schwer vorstellen.
      Der Kies knirschte unter den Reifen als ich den Parkplatz erreichte. Schon von hier aus konnte ich sehen, dass sich auf dem Hof doch wieder einiges verändert, hatte in den letzten zwei Monaten. Die Türen und Fenster des Stalles hatten einen neuen Anstrich bekommen und die fehlenden Steine im Pflaster waren ersetzte worden. Die Paddocks, die zu den Boxen gehörten, waren nun nicht mehr gepflastert, sondern mit Sand eingestreut.
      Auch im Stall sah es nun um einiges neuer aus, stelle ich fest als ich eintrat. Jetzt machte der alte Hof echt etwas her. Auf dem Putztplatz entdeckte ich Anu, die gerade die Tinkerstute sattelte.
      “Hey, Jace. Was machst du denn hier? Ich dachte, ihr hab Gäste drüben?”, begrüßte sie mich und umarmte mich freudig. Die Stute sorgte dafür, dass die Umarmung nur kurz war, denn sie schob ihren Kopf zwischen uns. Schon fast so als sei sie ein wenig Eifersüchtig.
      “Ja, da denkst du richtig, aber ich wollte mal nach meinem kleinen schauen kommen. Außerdem sind die vielen Menschen ganz schön anstrengend…”
      “Seit wann findest du Menschen denn anstrengend? Du kannst doch sonst nicht genug Aufmerksamkeit bekommen.” Anu lachte und begann dem Tinker die lange, dicke Mähne einzuflechten.
      “Mm, die meisten von denen gehen mir auch nicht auf die Nerven, nur dieser eine Typ..”, erklärte ich Anu. “... weiß gar nicht, was Lina so großartig an ihm findet”, fügte ich murmelt hinzu.
      “Macht dir etwas jemand Konkurrenz um die weibliche Aufmerksamkeit? Vielleicht sollte ich dann auch mal vorbeikommen”, scherzte Anu. “Aber sag mal wie kommt es dann dazu, dass du ihn so wenig leiden kannst? Ich meine, er macht dir deine Aufmerksamkeit streitig, aber das tut Jayden auch und über den redest du nicht so”, fragte sie neugierig.
      “Das ist eine lange Geschichte. Weißt du wo Alec ist?”, versuchte ich ihre Frage unbeantwortet zu lassen.
      “Der müsste mit Gräfin auf dem Platz sein”, antworte sie.
      “Ok, danke. Dann sehen wir uns später vielleicht noch mal”, verabschiedete ich mich und verließ die Stallgasse, bevor sie noch weitere Fragen stellen konnte.
      Tatsächlich fand ich Alec auf dem Platz, wo er gerade mit einer braunen Stute an einfachen Galoppwechseln arbeitete. Etwas weiter hinten auf dem Reitplatz ritt Eva gerade Liliada warm. Mit ihren langen Beinen hatte die Vollblutstute ein ordentliches Tempo darauf uns schritt elegant durch die Gegend. Um Alec nicht in seiner Konzentration zu stören, stelle ich mich leise an den Zaun und beobachtete ihn dabei, wie er mit der Stute arbeitete. Nach gut 10 Minuten hatte er das Training offenbar beendet, denn er trabe die Stute nun in einem folgten Trab am langen Zügel. Als Zeichen, dass er mich bemerkt hatte, nickte er mir zu und trabte weiter. Während ich darauf wartete, dass Alec endlich fertig war, scrollte ich eher desinteressiert durch meinen Instafeed, bis ich über einen Beitrag von Lina stolperte. Sie musste ihn offenbar gestern irgendwann gepostet haben. Das Bild zeigte Divine und El Pancho die im Sonnenuntergang grasen. Neugierig las ich die Bildunterschrift: “ For the world has changed, and we must change with it.
      Wie ihr sicher alle gemerkt habt, ist es hier ein wenig still gewesen die letzten drei Tage. Es gibt ein paar Ereignisse, die hier einiges Verändern werden.
      Wie die meisten von euch bereits mitbekommen haben sollten, hat das HMJ leider ein Ende gefunden. Auch wenn Divine so die Möglichkeit verwehrt, bleibt sich im Finale zu präsentieren, freu ich mich dennoch, sein Können zukünftig auf zahlreichen Turnieren zu präsentieren. Bisher stand noch nicht fest, was Mit Divine, nach ende des HMJs geschehen wird doch in diesem Zuge habe ich eine gute Nachricht für euch. Divine wird bei mir blieben. An dieser Stelle wünsche ich auch noch allen andren HMJ Teilnehmer weiterhin viel Glück mit ihren Schützlingen und dass die Pferde, die nicht bei ihren Trainern bleiben, ein schönes neues Zuhause finden.
      Ich auch noch etwas Weiteres anzukündigen. In meinem Leben wird es bald eine große Veränderung geben. Bei dieser Veränderung werde ich Divine erst einmal nicht mitnehmen können, weshalb es hier auch vorübergehen ein wenig stiller bleiben wird. Aber macht euch keine Sorgen, Divine wird von Samu gut versorgt und ihr werdet trotzdem noch das ein oder andere Update bekommen <3. Leider werdet ihr dann nicht mehr viel von Lego und den anderen Pferden hören, denn die werde ich leider auch nicht mitnehmen.
      Jetzt noch etwas zur aktuellen Lage. Wenn es eins gibt, was ich diese Woche gelernt habe ist es: longiere niemals ohne Handschuhe! Vor allem, wenn es ein Pferd mit zu viel Energie ist. Masko ohne Handschuhe zu longieren war definitiv die dümmste Idee diese Woche. Ansonsten stand für Nathalie diese Woche recht viel Gelände- und Springtraining an. Legolas wird langsam zum Dressurcrack und Pancho hatte eine ziemlich entspannte Woche. Mit Divine freue ich mich endlich über Fortschritte in der Dressur, langsam macht der süße das richtig gut. Klar von einer S Dressur sind wir noch weit entfernt, aber die Grundlagen werden immer sicherer.

      Ich hoffe, ihr hattet auch ohne meine Updates, eine schöne Woche.”
      “Was liest du da?”, riss mich Alec stimme auf einmal aus meinen Gedanken. Er hatte mit seiner Stute neben mir angehalten
      “Nur Linas letzten Post”, antwortete ich ihm und hielt ihm mein Handy hin. Er ließ die Zügel seiner Stute auf ihren Hals sinken und nahm das Gerät entgegen.
      “Was für Veränderungen meint sie denn? Und wie kommt es eigentlich dazu, dass Divine jetzt ihr gehört?”, fragte er als er mir das Handy wieder gab.
      “Ach, stimmt, das weißt du ja alles noch nicht.” Ich hatte ganz vergessen, dass Alec zwar da gewesen war, aber er war nur da gewesen, weil ich irgendetwas dämliches gemacht hatte. “Okay, du bekommst jetzt erst mal die Kurzfassung. Die genauen Details kenne ich nämlich auch nicht zu 100 %. Na ja, dass da irgendetwas zwischen Niklas und Lina läuft, hast du ja mitbekommen. Frag mich nicht was sie an dem Typen so großartig findet …”, fing ich an zu erzählen.
      “Ach, ist doch ein hübscher. Ich verstehe schon was sie an ihm findet”, was Alec ein.
      “Äh, ja … wärst du dabei gewesen bin ich mir sicher, du würdest anders denken. Aber egal, darum geht es jetzt nicht. Dass ich dann ein wenig Eifersüchtig geworden bin und ein wenig die Kontrolle verloren habe, weißt du auch. Na ja, auf jeden Fall am Abend, nachdem das alles passiert ist, gehörte ihr auf einmal Divine. Ich weiß auch nicht genau, wie es dazu kam, aber ich würde mal sagen Niklas ist bei der Sache nicht ganz unbeteiligt. Niklas hat sie auf jeden Fall erfolgreich zwei Tage lang vom Arbeiten abgehalten … was meinerseits zu einer weiteren Dummheit führte, aber das weißt du auch schon. Was dann zwischen den beiden passiert, ist weiß ich nicht so genau. Was ich weiß ist, dass Niklas gestern auf einmal was mit Vriska am Laufen hat oder hatte? Keine Ahnung. Und warum Lina heute Morgen trotzdem so gute Laune hat, ist mir ein Rätsel …” Ich ließ absichtlich aus, was gestern zwischen ihr und mir auf dem Reitplatz geschehen war. Bestimmt musste ich mir ansonsten wieder einen Vortrag anhören oder irgendeine Lebensweisheit über das Schicksal anhören.
      “Also der letzte Teil ergibt irgendwie nicht so viel Sinn”, sagte Alec und trieb seine Stute in den Schritt.
      “Aber es ist so passiert, ich bin mir sicher! Wobei ihre gute Laune könnte auch mit Divines Zuchtpapieren zusammenhängen …”, überlegte ich laut, während ich neben seiner Stute herlief.
      “Was haben denn jetzt die Zuchtpapiere damit zu tun?”, frage Alec verwirrt.
      “Na, die sind heute angekommen, also kann Lina ihn jetzt zur Körung anmelden. Auf jeden Fall hat sie sich sehr über die Papiere gefreut”, erklärte ich.
      “Aber hat sie in ihrem Post nicht irgendwas von Veränderung geschrieben, wo sie Divine nicht mitnehmen kann?” Mittlerweile waren wir am Stall angekommen und Alec hielt die Stute an.
      “Ach ja, habe ich dir gar nicht gesagt … Sie geht mit Niklas nach Schweden, zumindest ist das ihr Plan”, murmelte ich. Der Gedanke gefiel mir nicht sonderlich gut vor allem nicht, wenn ich daran dachte, dass sie dort mit Niklas und Vriska hinging. In meinem Kopf konnte dabei einfach nichts Gute bei rauskommen.
      “Ah, ja jetzt ergibt das schon mehr Sinn, auch wenn ich das Gefühl habe, dass da noch ein paar Infos fehlen.” Alec war abgestiegen und begann nun die braune abzusatteln.
      “Kannst du mir gerade mal Gräfins Halfter holen, hängt vor ihrer Box”, fügte er noch hinzu.
      “Ja, ich weiß, so ganz zusammen Reimen kann ich mir das ganze auch noch nicht”, räumte ich ein und ging in die Stallgasse, um besagtes Halfter zu holen. Ich lief zweimal die Stallgasse auf und ab, denn auf keinem der Schilder konnte ich den Namen Gräfin entdecken. Avicii, Ases Maswamozi … Ermgravin … gravin. Vielleicht meinte Alec diese Box. Ich nahm das rote Halfter, welche vor der Box hing und ging damit zurück zu Alec: “Ich hoffe, das ist richtig.”
      “Ja, danke. So, jetzt haben wir schon eine Menge geredet, aber das war doch nicht der eigentliche Grund warum du gekommen bist, oder?”, fragte Alec nun nach. Ich war ganz froh darüber, dass er das Thema wechselte.
      “Ja, genau. Eigentlich möchte ich Solist mitnehmen. Meinst du denn, das geht?”
      “Ich kann dir ja schlecht verbieten dein eigenes Pferd mitzunehmen, oder?”, lachte Alec. “Aber, ja das ist kein Problem. Balisto ist so ruhig, dass es ihm meisten reicht mit den älteren zu spielen. Ich bringe sie jetzt auf die Koppel, dann können wir deinen Rabauken gleich holen”, schlug er vor.
      “Perfekt, so machen wir das. Aber ich hätte da noch ein Anliegen”
      “Das wäre?”, fragte Alec, während er die Stute losband und loslief.
      “Ich muss noch eine Dressurkür ausarbeiten und habe einfach keinen Plan, wo ich angefangen soll”, erläuterte ich mein Anliegen.
      „Wofür benötigst du denn eine Dressurkür? Und bis wann benötigst du die?“, fragt Alec verwundert.

      Währenddessen sind Vriska und Chris auf dem Whitehorse Creek mit ihrer Kür beschäftigt.

      Vriska
      “Ich kann das nicht”, beschwerte ich mich lautstark, als ich Glymur zurück in den Schritt holte. Der Hengst lief großartig, doch meine Schulter schmerzte heute wieder besonders stark. Chris kam mit seinem Wallach zu uns.
      “Ach, jetzt stell dich doch nicht so an. Ihr macht das großartig”, lobte er uns.
      “Schon, aber ich kann mir das nicht merken und es bringt mir auch nichts.” Enttäuscht trabte ich Glymur wieder an und ritt auf dem Zirkel bei A. Er schüttelte mit dem Kopf und ich lockerte wieder meine Hände, denn er trug die neue Kandare, die ich mit Lina zusammen in der Stadt kaufte. Ehrlich gesagt ritt ich zuvor nur ein einziges Mal mit einer isländischen Kandare und da war Bruce dabei, der mich immer wieder korrigierte. Die Kinnkette hing durch, da ich nicht wusste, wie fest diese sein sollte.
      “Dann steig ab und lass es. Verkriech dich im Zimmer, versinke im Selbstmitleid oder was auch immer du dann machst”, zickte mich Chris an und lenkte seinen Wallach zurück auf die Mittellinie.
      “Warte!”, rief ich ihm nach und trieb Glymur in seine Richtung.
      “Jetzt hörst du mir doch zu?”, fragte er überrascht und hielt wieder an.
      “Ist das der Eindruck, den du von mir hast?”, hinterfragte ich seine Aussage. Es machte mir zu denken, wenn Leute diese Meinung von mir hatten.
      “Schon, du unterhältst dich mit kaum jemanden, willst, dass alle auf dich zu kommen und hast dich direkt an den nächsten ran gemacht, der eigentlich jemanden hatte. Und das hast du dann wiederholt und jetzt erwartest du, dass alle dich mögen. Wirklich sozial ist das nicht. Dazu kommt dann noch, dass unwillkürlich bei jedem Drama du mit drinhängst, also würde ich mir an deiner Stelle mal Gedanken machen”, gab er offen zu. Verblüfft bremste ich Glymur in den Halt. Wie er es aussprach, wurde mir klar, wovon er sprach. Eine Bindung hatte ich zu niemanden und durch den Ausschluss für eine bestimmte Zeit, machte ich mir nichts mehr daraus was die Leute von mir dachten.
      “Danke”, murmelte ich und eine Träne lief die Wange herunter.
      “Klar, müssen wir uns nicht alle lieben, auch wenn Niklas das anderes sieht. Aber es wäre trotzdem nicht schlecht, wenn man sich unterhalten könnte. Zudem hast du auch die Möglichkeit wieder zu kommen, auch wenn das nun schwieriger wird”, sprach Chris weiter und umkreiste uns im Trab. Glymur schlug mit seinem Schweif und jedes Mal, wenn Hammy uns vorbeitrabte, legte er die Ohren an.
      “Denkst du wirklich, dass ich wieder komme?”, fragte ich verunsichert.
      “Von dem was ich bisher sah, dein Umgang mit den Pferden, deine reiterlichen Leistungen, würde ich ja sagen, aber das drumherum ist auch wichtig. Wenn es dir wirklich wichtig ist, dann solltest du etwas ändern”, erklärte Chris und lenkte Hammy weg von uns. Aus seiner Hosentasche holte er wieder seine Kür und verabschiedete sich. Ich verließ den Reitplatz, damit er ungestört üben konnte und trabte sinnlos, um die aufgebauten Sprünge herum. Die Sonne brannte auf meiner Haut. Langsam, aber sicher breitete sich die Mittagshitze aus.
      „Eigentlich gehört sich das nicht, aber ich habe euer Gespräch belauscht“, sagte Herr Holm und trat an uns heran.
      „Okay“, antworte ich kurz und blickte ihn an.
      „Die Neuen haben es in der Gruppe nie leicht, aber es wäre schön, wenn du wiederkommst“, erklärte er sanft und legte seine Hand an mein Bein. Innerlich breitete sich ein ungutes Gefühl aus. Ich wusste nicht richtig zu deuten, was er mir damit sagen wollte. Auch, weil ich Ähnliches schon bei den anderen beobachtete.
      „Aber dazu gehört auch, dass du an deinem Sitz arbeitest“, lachte er und schob mein Bein in eine andere Position. Meine Wade berührte mehr den Bauch des Hengstes und ich setzte mich um. Zustimmend nickte er und ich ritt wieder an. Zum Glück ging es um meinen Sitz. Er gab mir noch einige Tipps, ehe er sich wieder zu Chris richtete. Im Schritt ritt ich Glymur ab.
      Am Stall duschte ich meinen Hengst ab und legte wieder die Decke um. Aus dem Putzkasten holte ich das Kadaveröl, um die Mistviecher loszuwerden.
      “Alles gut, du hast gleich wieder deine Ruhe”, beruhigte ich Glymur beim Einsprühen. Unruhig schlug er mit seinem Schweif. Wenig später liefen wir zur Weide und Glymur schmiss sich mit der Decke direkt in den Dreck. Wozu machte ich das Ding eigentlich sauber? Chris' Worte schwebten immer wieder durch meinen Kopf. Was ich bisher tat, war wirklich nicht das klügste, umso überraschter schaute ich, als Linh zu mir kam.
      “Gut, dass ich dich gefunden habe”, sagte sie und gab mir ein Zeichen, ihr zu folgen.
      “Ach ja? Was ist denn los?”, fragte ich überrascht und lief ihr nach. Es konnte nicht um ihre Stute gehen, denn sie trug keine Reitsachen und steuerte die Zimmer an.
      „Ich ertrage den Typ nicht mehr, bring den zur Vernunft“, erklärte sie und öffnete die Tür. Wie ein eingeschnapptes Kind saß Ju auf dem Sofa und sah in die Leere. Überfordert schaute ich zu Linh, die Tür wieder schloss. Auf dem Gang hörte ich ihre Schritte.
      “Kannst du mir erklären, warum ich hier bin?”, fragte ich daraufhin Ju, der mir keines Blickes huldigte.
      “Weil ich ihr das gesagt habe”, antwortete er trocken.
      “Aha. So, jetzt bin ich da. Und was soll ich machen? Putzfrau?” Der Gedanke kam nicht von irgendwo. Obwohl Niklas nicht da war, herrschte hier wieder ein heilloses Chaos, dass dringend beseitigt werden sollte. Auf der Arbeitsfläche der kleinen Küche türmte dreckiges Geschirr in Kombination mit benutzten Töpfen und Werkzeugen. Auch auf dem Tisch sah es nicht besser aus. Neben Häufchen aus Papier und Besteck lagerte sich getragene Kleidung.
      “Wenn du schon so fragst … aber nein. Ich will wissen, wie es passieren konnte, dass es plötzlich so unangenehm zwischen uns wurde. Am Anfang hatte ich das Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der mich versteht und die gleichen Ziele verfolgt wie ich. Doch dann verschwand die Person auf einmal und trieb einen Keil zwischen alle”, begann er zu erzählen. Es brauchte in meinem Kopf etwas, bis ich verstand, worauf das gerade hinauslief. Tausend Dinge schwirrten durch meine Gedanken und nach dem, was Chris beim Reiten zu mir sagte, machte es das nicht einfacher. Viel tiefer war meine Begeisterung verankert, dass Erik heute kommen wollte, aber sich seitdem auch nicht mehr meldete. Stattdessen fing ich wirklich an, etwas Ordnung zu machen, wogegen Ju nichts einzuwenden hatte.
      “Wenn du so anfängst, stelle mir bitte präzisere Fragen. Ich möchte nicht beim Urschleim anfangen”, murmelte ich beim Abwaschen.
      “Wieso habt ihr miteinander geschlafen, da gehören immer zwei dazu? Und sag’ jetzt nicht wieder, dass du es nicht weißt”, holte er den Hasen aus dem Sack. Wieso? Das war eine gute Frage. Die Töpfe hatte ich sauber, bevor ich antwortete. Es schien, als hätte Ju alle Zeit der Welt, um auf meine Antwort zu warten. Nicht mal sein nerviges Nachfragen und Druck ausüben, kam nicht.
      “Es war für den Moment einfach so ein Gefühl”, hielt ich mich kurz. Doch die Antwort reichte ihm nicht und er fragte erneut: “Was für ein Gefühl? Werde genauer.“ Ich fühlte mich wie bei einem sehr unangenehmen Vorstellungsgespräch oder als würde hier gleich die Verstecke Kamera zur Tür hereinkommen.
      „Wieso ist das denn so wichtig? Es gehört jetzt der Vergangenheit an“, murmelte ich.
      „Wer hätte es gedacht! Da redest du dich direkt wieder heraus. Ich möchte nur verstehen, wieso er nicht mit mir darüber gesprochen hat, sondern so ein Geheimnis darum macht”, gab er zu.
      “Verstehe ich, aber wieso sprichst du dann nicht mit ihm, sondern mit mir?”, fragte ich.
      “Es nervt mich einfach und aus seiner Sicht wird es deutlich unpersönlicher sein. Ich möchte nur mit ihm wieder eine normale Freundschaft führen können.” Jus Worte klangen wirklich besorgniserregend. Hatte ich mich dazwischen gedrängt?
      “Ich wollte einfach dazu gehören und nicht als die Süchtige weiter dastehen. Das ist nur nach hinten losgegangen und dann auf einmal heute früh, wurde er extrem Ernst und hat mehr hineininterpretiert als ich wollte. Deswegen habe ich mich heute entschieden, dass mehr oder weniger zu beenden und habe dann endlich einen Schritt gewagt, den ich nach dem ersten Mal schon hätte tun sollen”, erklärte ich beim Abtrocknen der Teller, die ich nacheinander in den Schrank stellte. Langsam konnte man wieder die Oberfläche der Arbeitsplatte sehen.
      “Wie, es wurde dir zu Ernst?”, wollte er genauer wissen.
      “Es wurde ihm plötzlich wichtig, was ich fühle und wie es mir geht. Aber das wollte ich nicht. Ich empfand ihn als attraktiver, als es ihm egal war und er nur seinen Willen wollte.” Ich schämte mich dafür, dass zu sagen, aber ihm eine Lüge aufzutischen, hätte es nicht angenehmer gemacht.
      “Tiefgründiges ist wohl nicht deins”, sagte Ju trocken und stand nun auf, um mir beim Sauber zu machen zu helfen.
      “Meine erste und einzige Beziehung endete in einem großen Drama und seitdem nehme ich Abstand von Menschen, die der Meinung sind, mir bei meiner emotionalen Lage helfen zu wollen. Deswegen wollte ich auch nicht, dass das mit uns in eine Richtung gelenkt wird. Reicht das jetzt?”, fragte ich eindringlich und blickte zur Tür.
      “Du wolltest einfach nur mit ihm schlafen?”, wollte er erneut wissen. Langsam nervte mich dieses Gespräch.
      “Ja, wie oft den noch. Mehr nicht. Und du hättest das nicht mit gemacht”, sagte ich warf ihm das Geschirrtuch entgegen.
      “Du hättest einfach fragen können, aber als ich bei dir war, wolltest du so viel Abstand wie möglich”, rief Ju mir nach, als ich zur Tür lief.
      “Ich rede darüber nicht und jetzt vertrag dich bitte wieder mit Niklas, das ist mir wichtiger als alles andere”, sprach ich aus. Er nickte und ich konnte endlich gehen. Die Küche hatte ich in der Zeit geschafft und ich musste auch bei mir endlich etwas Ordnung hineinbringen. Deswegen lief ich zur mir und begann saubere und dreckige Wäsche auf jeweils einen Haufen zu werfen. Dabei stelle ich fest, dass so gut wie alles in die Maschine musste. Ich wechselte meine Reithose und zog meine geliebten grauen Jogger an, die mich förmlich anlachte. An meinen Beinen zeichnete sich die Naht der Leggings ab. In einem Korb brachte ich alles zum Waschraum und stellte die Maschine ein auf 30 °C.

      Zurück bei Alec und Jace auf dem SMA.

      Jace
      “Ich habe dir sicherlich erzählt, dass ich super gerne auf internationalem Niveau reiten würde, oder?”, begann ich zu erklären.
      “Ja, das hast du schon des Öfteren erwähnt, aber was hat das mit einer Dressurkür zu tun?”, hakte Alec nach.
      “Ja, dazu komme ich ja jetzt. Unsere Gäste haben Sonntag eine Prüfung und mir wurde vorgetragen, dass auch ein Vorstandsmitglied des kanadischen Teams sitzt, anwesend sein wird. Wenn ich mich anstrenge, könnte, dass meine Chance sein.”
      “Ich verstehe, wobei ich dir nicht ganz abnehme, dass das deine einzige Motivation ist. Wen willst du beeindrucken?”, antworte Alec breit grinsend. Er kannte mich wohl einfach zu gut.
      “Niemanden, außer dem Vorstandsmitglied versteht sich”, beteuerte ich.
      “Ist klar”, feixte Alec. Mittlerweile waren wir an den Koppeln angekommen und Gräfin beobachtete mit gespitzten Ohren die anderen Pferde auf der Koppel. Ich öffnete für Alec das Koppeltor, sodass er die Stute hineinführen konnte.
      “Achtung Jace, die Minis”, versuchte Alec mich noch zu warnen, doch da waren die Ponys schon durch das Tor geschlüpft.
      “Machen die das immer?”, fragte ich ein wenig erstaunt und sah den beiden Miniponys hinterher. Alec blieb dabei ganz entspannt und stellte derweil die Warmblutstute auf die Wiese.
      “Ja, kommt schon mal vor. Die beiden haben einfach nur Unsinn im Kopf”, antwortete Alec nur schulterzuckend und schloss das Koppeltor. “Na, dann suchen wir mal die beiden, die sind bestimmt wieder in der Futterkammer.” Ich folgte meinen Kumpel zurück in den Stall, wo die beiden Ponys gerade die Stallgasse herunter trabten.
      “Wofür habt ihr die beiden eigentlich?”, fragte ich, während wir den Ponys folgten. Die beiden erreichen nun langsam das Ende der Stallgasse und wurden langsamer.
      “Na kommt her ihr zwei”, lockte Alec die Stuten. Daraufhin drehten sie sich tatsächlich um und kamen näher.
      “Wir haben sie einfach so. Gerade Magnus hat einen Narren an den beiden gefressen. Er nimmt sie gerne mit zum Ausreiten mit oder so”, erzählte Alec und griff nach dem Halfter der kleinen Fuchsscheckstute, die nun vor ihm stand. Ich griff nach dem Halfter der anderen Stute, die auch so gleich zu schmusen versuchte.
      “Habt ihr schon mal überlegt die beiden zu fahren, dann haben sie vielleicht weniger Unsinn im Kopf”, schlug ich vor und griff nach einem Strick, der vor einer der Boxen hing.
      “Nein, daran habe ich bisher nicht gedachte, aber das wäre sicherlich mal einen Versuch wert. Da wäre nur das Problem, dass sich außer Allister niemand damit auskennt und der ist schon beschäftigt genug mit seinem Tory.”
      “Weißt du was, ich komm nächste Woche mal vorbei und schau mir die beiden mal an, vielleicht kann man mit den beiden ja was anfangen. Aber ich komme nur, wenn du mir dafür bei meiner Kür hilfst.” Auch Alec hatte mittlerweile einen Strick in das Halfter der Ministute eingehängt und so konnten wir zurück zu Koppel gehen.
      “Na gut. Ich helfe dir, aber du wirst allein damit anfangen müssen oder noch ein wenig hierbleiben. Ich habe hier nämlich noch zu tun und du hast doch sicher auch noch ein paar Pferde zu bewegen. Ich kann kaum glauben, dass du schon fertig bist mit der Arbeit”, antwortete Alec mit einem Blick auf die Uhr.
      “Ja, da hast du recht. Ich bin zwar schnell, aber so schnell auch wieder nicht. Also kommst du dann heute Abend vorbei?”, fragte ich und wir stellten die beiden Miniponys wieder auf die Koppel, wo sie direkt davon flitzten.
      “Ja, denke schon, aber ich werde noch mal anrufen und dir Bescheid sagen, wann ich komme. Aber jetzt lass uns doch mal dein kleiner Solist holen”, erinnerte mich Alec wieder an den Grund für mein Kommen. Ich hatte schon ganz vergessen wie entspannt ich in der Gegenwart meines Kumpels war. Manchmal vermisste ich die Zeit in New York, wie wir gemeinsam um die Häuser zogen. Kaum zu glauben, wie man von New York mitten in der Einöde landete.
      “Alec wir sollten uns öfter sehen”, verkündete ich.
      “Wie kommst du denn jetzt da drauf?”, fragte Alec amüsiert.
      “Ich dachte gerade an New York. An die Zeit als wir noch jung waren, also so richtig jung meine ich”, teilte ich meine Gedanken mit ihm.
      “Ja, New York, das waren Zeiten. Aber Jace, du weißt schon, dass du einen Club hier vergeblich suchen wirst, oder?”, scherzte er.
      “Ja, aber ich rede auch nicht vom Feier gehen an sich, mir geht es viel eher um unsere Freundschaft, wir sehen uns viel zu selten.” Mittlerweile waren wir an den Hengstkoppeln angekommen. In etwas Entfernung konnte ich die Pferde grasen sehen. Ich konnte Alec Hengst Chocolate Churro entdecken und gleich daneben graste das Pferd von Magnus. Zwischen Churro und einem kompakten Fuchsschecken stand ein heller, schlaksiger Junghengst. Sein helles Fell glänzte in der Sonne und die zweifarbige Mähne fiel ihm in leichten Wellen über den Hals.
      “Wow, er ist echt groß geworden”, sagte ich staunend zu Alec.
      “Ja, er ist schon fast so groß wie Churro. Und ein unglaublich kluger kleiner Kerl hast du da”, stimmte Alec mir zu.
      “Ich hoffe vor allem, dass er genauso talentiert ist, wie hübsch. Auf ihn wartet eine große Karriere, wenn er mal so weit ist”, sagte ich mir ein wenig Stolz in meiner Stimme zu ihm.
      “Selbst, wenn er nur halb so begabt ist, wie seine Mama hast du ein spitzes Pferd und jetzt hole ihn endlich. So wie ich dich kenne, ist dir nicht einfach so eingefallen ihn jetzt abzuholen, da steckt doch sicher wieder irgendeine von deinen Wetten hinter.” Ein Grinsen trat auf in seinem Gesicht.
      “Sag mal, warst du heute Morgen dabei?”, scherzte ich. “Du hast nämlich recht. Jayden, Lina und Samu sind mir nämlich so sehr damit auf die Nerven gegangen, ich würde Solo verstecken, da habe ich beschlossen ich hole ihn jetzt.”
      “Ahh, ganz der Jace den ich kenne, muss sich ständig beweisen.” Alec lachte herzhaft. “Und jetzt los, hol dein Pferd”, fügte er hinzu und drückte mir ein Halfter in die Hand.
      “Klingt fast so als wolltest du mich loswerden”, erweiterte ich empört ging aber trotzdem mit dem Halfter auf die Pferde zu.
      “Na, Kleiner kennst du mich noch?”, freundlich hielt ich dem Falben die Hand hin. Neugierig schnupperte der Hengst an mir. Nach einer ausgiebigen Inspizierung durch Solist streife ich ihm das Halfter über den Kopf.
      “Mein Gott hast du viel Mähne bekommen”, staunte ich nicht schlecht als Schopf und Mähen auseinander sortierte. Mit dem Junghengst am Strick kehrte ich zu Alec zurück, der bereits am Tor wartete.
      “Mein Gott warum hat er denn auch so viel Mähne, ich glaube die muss ab”, beschwerte ich mich bei ihm.
      “Oh mach das bitte nicht. Die letzte Mähne, die du geschnitten hast, sah einfach nur schlimm aus. Außerdem was machst du denn schon mit ihm, er wird doch sicher wieder auf die Koppel kommen, da kann er seine Mähne doch wohl behalten”, brachte Alec als Einwand.
      “Na gut, da hast du recht, vielleicht sollte ich das lieber lassen”, gab ich zu. Alec hatte irgendwo recht, die letzte Mähne sie ich geschnitten hatte, war nicht allzu ansehnlich gewesen. Auf dem Weg zu Hänger fiel mir wieder die Frage ein, die ich Alec noch stellen wollte: “Sag mal Alec, was ist eigentlich mit Ahvani, macht die auch diesen komischen Tölt wie ihr Vater?”
      “Ja, Ahvani töltet ganz ausgiebig, das macht sie meisten sogar lieber als Trab, aber daran ist doch nichts komisch”, sagte Alec amüsiert.
      “Na, ich weiß nicht. Ich finde diese Gangart äußerst suspekt.” Inzwischen waren wir am Hänger angekommen und Alec war so freundlich die Klappe zu öffnen.
      “Meinst du er wird darauf gehen?”, fragte ich meinen Kumpel als mir einfiel, dass vermutlich niemand das mit ihm geübt hatte.
      “Wirst du doch gleichsehen”, antwortete er nur geheimnisvoll. Langsam führte ich den Falbhengst an die Rampe heran. Brav folgte er mir auch als ich weiterging. Wow, so problemlos hatte ich wohl noch kein einziges Jungpferd verladen.
      “Warum kann er das so gut?”, rief ich Alec aus dem inneren des Hänger entgegen.
      “Na, weil ich das mit ihm geübt habe, du Dummkopf. Mir war schon klar, dass du ihn irgendwann wieder mitnehmen wirst”, antwortete er und verschloss die Stange hinter Solist.
      “Oh cool, kann er denn noch irgendwas?”, fragte ich nach und kletterte wieder aus dem Hänger.
      “Er kann alles, was ein Pferd in seinem Alter können muss und ich muss schon sagen, er ist echt ein kleiner Streber, ganz im Gegensatz zu seinem Besitzer”, triezt er mich.
      “Ey, so schlecht war ich jetzt auch nicht in der Schule”, protestierte ich.
      “Ja, in ausgewählten Fächer warst du gut, stimmt.” ich schloss die Hängerklappe und sah dann noch einmal nach Solist. Er stand ruhig im Hänger und knabberte an seinem Heunetz.
      “Na, wenn du so charmant heute bist, freue ich mich ja so richtig dich heute Abend noch einmal zu sehen”, erweiterte ich seine Sticheleien. “Also dann mach ich mich mal auf den Weg”, verabschiedete ich mich und umarmte meinen Kumpel freundschaftlich. “Wir sehen uns dann heute Abend”, verabschiedete auch Alec sich. Ich stieg in mein Auto und mit Solist im Hänger machte ich mich auf den Rückweg.
      Nach 1 ½ Stunden fahrt, auf denen sich Solist ausgezeichnet benommen hat, ist Jace auch wieder auf dem WHC angekommen.

      Lina
      Ich hatte gerade Divine nach dem Training wieder auf die Koppel gebracht und entdeckte Samu im Innenhof, der sich dort wohl gerade für eine Pause niedergelassen hatte.
      “Ist das etwas eine kalte Wasserflasche, die du dahast?”, fragte ich und setzte mich dazu.
      “Ja ist es und mich beschleicht das Gefühl, das du die gerne haben möchtest. Ich habe das Gefühl heute hast du es eindeutig auf meine Getränke abgesehen”, scherzte er und reichte mir die Flasche. Gierig nahm ich einen großen Schluck. Bei den Temperaturen, die heute schon wieder herrschen, war ein kaltes Getränk Gold Wert.
      “Eigentlich ist mir das egal wem das Getränk gehört, Hauptsache es ist kalt”, antwortete ich ihm, als mein erster Durst gestillt war. Ein Motorengeräusch ließ mich aufhorchen.
      “Ach, schau mal wer auch wieder auftaucht. Was glaubst du, hat er sein Pferd auch wirklich dabei?”, scherzte Samu sogleich. Seine Frage beantworte sich praktisch von selbst, denn aus dem Anhänger kam ein aufgeregtes Wiehern, welches auch gleich für irgendwo beantwortet wurde.
      “Ich glaube, das heißt ja”, antwortete ich lachend. Es dauerte noch einen kurzen Moment bis der Motor ausging und sich die Tür des Autos öffnete.
      “Es ist immer noch so warm hier draußen”, beschwerte sich Jace, während er ausstieg.
      “Na, das ist mal wieder typisch. Kaum angekommen schon gibt es Beschwerden”, kommentierte ich.
      “Ah, was ein großartiges Empfangskomitee, das geht aber netter. Was macht ihr zwei eigentlich da, müsst ihr nicht Arbeiten oder so?”, fragte Jace.
      “Im Gegensatz zu dir haben wir schon gearbeitet, du hast immerhin ziemlich lange gebraucht”, beantworte Samu seine Frage.
      “Ja, ich musste noch bestaunen, was Alec aus dem Hof gemacht hat. Das sieht doch immerhin aus wie einen komplett neuen Hof”, berichtete Jace von seinem Ausflug.
      “Aber jetzt zeig uns doch mal endlich dein Pferd, oder hast du das doch dagelassen”, forderte ich ihn neugierig auf.
      “Nein, natürlich habe ich ihn nicht dagelassen. Schaut!”, antworte Jace und öffnete die kleine Tür am Hänger. Neugierig schaute dort ein heller Kopf mit einer hübschen Blesse heraus.
      “Ihr kennt ihn ja bereits, auch wenn er noch deutlich kleiner war als er das letzte Mal hier war. Aber einer von euch beiden könnte sich dann jetzt mal nützlich machen und mir beim Ausladen helfen”, rief er uns zu.
      “Ah, bei einem so hübschen Kerlchen helfe ich doch gerne”, rief ich begeistert und stand auf.
      “Dann klettre mal rein”, forderte Jace mich auf und reicht mir seine Hand, damit ich leichter hineinsteigen konnte.
      “Danke”, sagte ich und ließ mir von ihm in den Hänger helfen. Im Hänger kam mir auch gleich eine neugierige Schnauze entgegen. Natürlich fand diese Schnauze auch direkt die Hosentasche mit den Leckerlis. “Tervetuloa takaisin Solist”, sprach ich zu dem Falbhengst und steckte ihm ein Leckerbissen in die Schnauze. Zwischenzeitlich hatte Jace nun auch die Hängerklappe geöffnet.
      “Lina, wenn du so weit bist, könnt ihr zwei aussteigen”, reif Jace mir von draußen zu. Mit einem sanften Zug löste ich den Strick, mit dem der Hengst angebunden war.
      “Na, dann wollen wir mal aussteigen, hübscher.” Langsam ließ ich den Hengst ein paar Schritte rückwärts treten und schlüpfte unter der vorderen Stange hindurch. Brav ging das junge Pferd Schritt für Schritt die Rampe hinunter, bis er schließlich auf dem Hof stand. “Braaav”, lobte ich den Falben und klopfte ihm den Hals.
      “Der kleine ist definitiv echt hübsch geworden”, sagte Samu anerkennend, der inzwischen auch neben dem Hänger stand. Ich betrachtete den Hengst, der neben mir stand und neugierig die Umgebung beobachtete. Obwohl er jetzt erst ungefähr 1 ½ Jahre alt sein müsste, war er schon recht groß. Sein helles Fell glänzte in der Sonne und die Mähne lag im lang auf dem Hals.
      “Also bei der Mama ist das auch kein Wunder, der, na ja nun mehr nicht mehr so, kleine war schon immer hübsch”, fügte ich zu Samu Kommentar hinzu.
      “Danke für deine Hilfe”, bedanke sich Jace und nahm mir den Führstrick aus der Hand. “Meint ihr, der Platz ist frei? Dann kann der Kleine sich erst einmal ein wenig austoben”, fragte Jace und strich Solist über die Mähne.
      “Keine Ahnung. Da wirst du nachsehen müssen”, antworte Samu schulterzuckend. Schritte kamen näher zu uns und drehte mich um. Niklas stand da mit einer Kochschürze und im ersten Moment sah es aus, als trüge er nichts darunter. Jedoch unpassender Weise Reitstiefel dazu.
      “Hej ihr drei, Hunger?”, fragte er freundlich.
      “Wo du es so erwähnst, ja! Was gibt es denn?”, antworte Samu. An seinem lächeln konnte ich erkennen, dass er Niklas Outfit offenbar ziemlich lustig fand.
      “Einen kalten Kartoffelsalat mit warmem Reh dazu. Es genug für euch alle da”, lud er uns ein. Wie Niklas so beschrieb, was er gekocht hatte, begann sich mein Bauch zu melden. “Oh, das klingt unheimlich lecker. Da bekomme ich gleich richtig Hunger”, sagte ich begeistert.
      “Wir haben alles aufgebaut und warten auf euch. Normalerweise hätte ich es mit Elch oder Rentier gemacht und noch Camembert hinzugefügt, also experimentell heute”, erzählte Niklas offen weiter und schien wie ausgewechselt. Ohne auf eine Antwort zu warten, lief er zurück. Bis auf eine Unterhose trug er wirklich nichts unter der Schürze. Während Niklas davon schlenderte, faselte er weiter, schien nicht zu erwarten, dass jemand zuhörte.
      “Was ist denn bitte mit dem los? Hat der irgendwie zu viel Sonne abgekriegt?”, murmelte Jace verständnislos vor sich und sah Niklas mit einem irritierten Blick hinterher.
      “Keine Ahnung, ich weiß nur, dass du dein Pferd da jetzt bald bewegen solltest, weil ich jetzt sonst gleich verhungere”, antwortete ich Jace.
      “So hungrig kannst du ja noch nicht sein, wenn du noch so wissbegierig auf das Pferd sein kannst”, stichelte Samu. Allerdings wusste ich, dass er mindestens genauso neugierig war wie ich. Jace hatte sich tatsächlich schon in Bewegung gesetzt. Auch wenn Solist noch ein wenig schlaksig war, ließ sich bereits eine gewisse Anmut in seinem Gang erkennen. Der Reitplatz war tatsächlich leer, was sicherlich auch der Mittagshitze zu verdanken war. Kaum hatte Jace den Hengst freigelassen, trabte er auch schon los. Solist trabe erst eine Runde in einem eindrucksvollen Trab am Zaun entlang, selten hatte ich ein Pferd seine Füße so hochheben sehen.
      “Die Füße bekommt er schon mal hoch, wobei das ziemlich lustig aussieht”, merkte Samu an. Kurz blieb Solist vor dem kleinen Zäunchen, welches das Dressurviereck abgrenzte, stehen, um kurz darauf einen riesigen Satz darüberzumachen.
      “Was geht denn hier ab? Und warum wurde ich nicht eingeladen?”, kam Milena an und wackelte aktiv zu uns. Sie führte sich, als gehöre sie zu uns.
      “Die zwei da bewundern meinen kleinen Solist”, brüste Jace sich sogleich, wobei er das meinen besonders betonte.
      “Na da macht er sich seinen Namen zumindest allen Ehren und passt auch ziemlich gut zu dir”, antwortete sie und stellte sich zu uns.
      “Danke dir, er war auch schon als Fohlen immer so, dass er alle Aufmerksamkeit auf sich zog, deshalb habe ich ihn ausgewählt”, erklärte er Milena stolz. Jace genoss die Aufmerksamkeit, die ihm und seinem Pferd zuteilwurde, sichtlich. Solist galoppierte ein paar Meter, bevor er wieder langsamer wurde. Mit der Nase auf dem Boden lief er im Schritt über den Sand und schien eine geeignete Stelle zu suchen, um sich zu wälzen. Scheinbar wurde er nicht fündig, denn statt sich auf den Boden zu werfen, kam er zu uns an den Zaun.
      “Na dann beeilt euch mal mit dem Hübschen, Niklas wartet sicher nicht ewig auf uns”, verabschiedete sie sich und verschwand ebenfalls.
      “Ich für meinen Teil habe genug gesehen, ich habe jetzt Hunger”, verkündete ich und wandte mich auch zum Gehen. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Samu mir folgte.
      “Dann geht ihr zwei schon mal vor. Ich bringe ihn hier noch weg und komme dann auch”, rief uns Jace noch hinterher.

      Niklas
      “Und wie genau kamst du an diese Zutaten? Im Kühlschrank hatten wir nichts mehr oder überhaupt irgendjemand”, erkundigte sich Ju, der sich dazu entschloss wieder netter zu sein. Eine Entschuldigung verließ seinen Mund bisher nicht, was man ihm schwerlich verdenken konnte. In all den Jahren gab es mehrere Streite, die ich an der Hand abzählen könnte, doch dass er nicht einmal seinen Standpunkt darlegte, war neu für mich. Umso mehr freute ich mich, dass Ju wieder gut auf mich zu sprechen war.
      “Lätt. Jag red med Smoothie till affären och köpte allt som behövdes”, erklärte ich ihm und briet die klein geschnittenen Rehschenkelstücken in der Pfanne an. Zustimmend nickte Ju. Einige Minuten später brachte er alles Wichtige zur befestigten Feuerstelle, an der wir sonst auch immer saßen.
      ”Har du inte övat dressyr?”, fragte Ju, als er wieder hineintrat.
      ”Självklart”, antworte ich konzentriert. Die letzte Portion brutzelte noch. Es benötigte ein gewisses Gefühl, damit es von allen Seiten gleichmäßig gebraten war, ohne zäh zu werden oder verkohlt zu sein. Normalerweise gab es zu Hause Wild nur, wenn ich mit Vater jagen war. In Kanada wäre es mir zu kompliziert die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um ein Reh zu schießen. Im Laden fand ich in der Fleischtheke etwas und nun können Teil daran haben.
      Ju holte den mittlerweile kalten Salat aus dem Kühlschrank und ich zog mir ein anderes Outfit an. Während ich meine Sachen durch sah, entschied ich noch unter die Dusche zu hüpfen. Obwohl es seit Tagen ziemlich warm war, erschien es heute besonders unerträglich zu sein, weswegen ich das Wasser aus dem Duschkopf genoss. Schritte näherten sich, als ich mir ein Shirt überwarf.
      “Kom nu”, scheuchte mich Chris auf. Ich nickte und folgte ihm. Am Tisch hatten sich wirklich viele Leute versammelt.
      “Jag går till Lina”, flüsterte ich ihm zu. Sein allseits bekanntes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus und er ging zu Ju, der mit Linh und Milena an einem Tisch saß. Mein Herz pochte, als ich zu Lina schaute. Samu saß bei ihr und Jace hatten sie offenbar auf der kurzen Strecke verloren, mein Glück. Obwohl ich mir alle Mühe gab, ihm das Leben nicht noch schwerer zu machen, doch ich spürte die negative Energie, die er ausstrahlte, wenn ich dazu kam. Beiden sahen so aus, als könnten sie ein Kaffee gebrauchen.
      “Ska jag göra en espresso?”, fragte ich freundlich und stellte mich zu ihnen.
      “Ja da ich für ein Nickerchen wohl nicht die Zeit habe, wäre so ein wenig Koffein sicher ganz gut”, antworte Lina auf meine Frage.
      “Das du noch mal zu Kaffeetrinker wirst, hätte ich nicht gedacht”, scherzte Samu. “Ich würde auch einen nehmen”, schloss er sich dann Linas Antwort an.
      “So viel noch zu tun heute? Ich könnte da helfen. Aber dann gehe ich mal für jeden eine Tasse holen”, sagte ich und verschwand. Eine Antwort bekam ich ist erst einige Minuten später, als ich die kleinen Heißgetränke brachte. Dann setzte ich mich dazu. Das große Fressen eröffnete ich kurz und bündig.
      “Naja an der Menge bin ich zu einem gewissen Teil selbst schuld, eigentlich ist Ivy schon bewegt, aber ich wollte mit ihm noch mal zu Fluss runter, weil er so gerne badet und dann muss ich noch Nathy bewegen und die Koppeln muss ich auch noch abäppeln. Wenn du helfen willst, gerne, aber musst du nicht, es gibt sicherlich spannenderes als das”, erklärte Lina.
      “Ach, nicht alles muss spannend sein, aber du reichst mir vollkommen”, schmunzelte ich und schob mir eine Gabel voll mit Salat in den Mund. Dann fragte ich: “Macht ihr nachher mit beim Springen auf dem Geländeplatz?”
      Da Lina gerade noch kaute, antwortete Samu zuerst: “Ja, man hat schließlich nicht alle Tage so geniale Trainer wie eure zu Gast.”
      “Zum Glück muss das Pferd springen und nicht ich, das sollte ich gerade noch so schaffen, denke ich. Das ist übrigens echt lecker, könnte ich mich dran gewöhnen”, antwortete dann auch Lina und steckte sich gleich eine weitere Gabel Salat in den Mund.
      “Freut euch nicht zu früh, heute werde ich auch mit als Trainer zur Verfügung. Und gewöhne dich lieber nicht dran. Du könntest natürlich auch mit bei uns wohnen, aber ich glaube nicht, dass Vater darüber so erfreut wäre und entspannt, wäre es sicher auch nicht”, sagte ich zu ihr freute mich über das Kompliment.
      “Wer weiß, vielleicht lernt es sich von dir noch viel besser”, sagte sie lächelnd. “Ich vermute mal, die wenigsten Väter wäre da so begeistert. Vielleicht auch besser, wenn ich mich nicht an so leckeres Zeug gewöhne, sonst kann ich mich nicht mehr allein ernähren”, schob sie noch ein.
      “Ach doch, Chris oder Ju sein Vater würden sich freuen, wenn plötzlich eine nette und hübsche junge Dame einzieht. Aber solang man Vater keine ordentlichen Abstammungspapiere nachweisen kann, wird es ohnehin schwierig”, lachte ich und freute mich über die Anspielung.
      “Na, wenn das so ist, solltest du wohl eher mein Pferd mitnehmen”, scherzte sie munter.
      “Lieber nicht, der hat zu viel gekostet, um auf dem Teller zu landen. Aber jetzt Spaß beiseite, wir müssen heute Abend noch etwas besprechen”, erklärte ich Lina zunehmend ernster.
      “Okay”, antwortete sie irritiert. “Sollte ich mir deshalb Sorgen machen?”
      “Ich denke über ein Kind nach und brauche deine Hilfe nachher”, brachte ich beide zur Kenntnis, denn alles wollte ich nicht direkt verraten.
      Samu blickte ein wenig verwirrt zwischen uns beiden her und man konnte förmlich die Fragezeichen über seinem Kopf schweben sehen.
      “Sanoiko hän lapsi?”, fragte er Lina und der Ausdruck in seinem Gesicht wechselte von verwirrt zu besorgt und wieder zu verwirrt.
      “Kyllä, ja ennen kuin kysyt, en tiedä, myös mistä hän puhuu, Mutta saan pian tietää”, antworte Lina ihm. Ihre Antwort schien ihn nicht wirklich zu beruhigen, denn statt verwirrt sah er nun ein wenig misstrauisch aus.
      “Mein Pferd soll Mutter werden, nicht Lina”, klärte ich ihn auf. Was dachte er nur von mir? Wenn es anderes wäre, würde ich das vor allem nicht vor ihm mit ihr besprechen wollen.
      “Dann ist doch gut”, entgegnete er, aber das Misstrauen war offensichtlich noch nicht ganz verschwunden denn er aß nur zögerlich seinen Salat weiter.
      Lina hingegen schien viel mehr begeistert: “Für Pferdekinder bin ich immer zu haben, vor allem wenn sie dann auch noch so eine hübsche Mama haben sollen.”
      “Dazu aber erst später mehr, Ju will sicher nicht allein sauber machen”, erklärte ich ihr und nahm ihre Teller mit.

      Bis auf Vriska, erfreuten sich alle am Essen und eine Siesta abhielten. Sie saß allein im Zimmer, dachte über Zukunft nach und verfiel erneut in einen Teufelskreis des Selbstmitleids. Auch die Gefühlsachterbahn mit Niklas machte ihr deutlich mehr zu schaffen, als sie sich erhoffte. Er verschwendete bei der Arbeit mit Lina keinen Gedanken an Vriska, denn ganz das Gegenteil. Durch die große innerliche Wunde, die sie wieder aufriss, verlor er den Glauben an sie und widmete sich einer weniger toxischen Person. Der frühe Abend setzte ein, die Temperaturen wurden niedriger und die meisten bereiteten sich auf das Springen auf dem Geländeplatz vor. Niklas wurde als zusätzlicher Trainer herangezogen, da er kein Pferd zur Verfügung hatte. Feste Gruppen wurden nicht eingeteilt, stattdessen konnte jeder kommen und gehen, wie er wollte. Lina, Samu und Jayden ritten ihre Pferde bereits warm. Die wenigen vom Team machten ihre Pferde noch fertig.

      Vriska
      “Ich bin wirklich erstaunt, dass du bei dem Training mit machst”, lobte mich Chris, der seinen Wallach bereits fertig hatte. Ich für meinen Teil kämpfte noch immer mit den Gamaschen, die eigentlich sehr simpel zu befestigen waren. Ungeduldig riss der große Typ sie aus meiner Hand und machte die Gamaschen an den Beinen meines Hengstes fest.
      „So gute Gamaschen und du schaffst es nicht, sie an deinem Pferd zu befestigen.“ Chris klang genervt, drückte mir meinen Helm in die Hand und verließ den Stall.
      “Danke?” Vermutlich wäre das die einzig angebrachte Antwort und wir liefen zum Platz. Glymur trottete müde neben mir her, denn das Training in der Dressur hatte uns beiden ziemlich viel Kraft gekostet. Die Entscheidung heute noch zu springen, traf ich vermutlich unterbewusst, denn als ich Lina mit Niklas so beschäftigt betrachtete, wurde es mir wacklig um die Beine.
      “Benötigst du Hilfe, oder schaffst du es allein?”, bot Chris mir an, als ich den Sattel festzog. Ich verneinte und stieg selbstständig auf mein Pferd auf. Jenni hätte ich dich heute anrufen sollen, dachte ich im Stillen, während Glymur im Schritt entspannt seinen Kopf senkte und schnaubte. Vielleicht war ich wieder mal sehr voreilig in meinen Entscheidungen, genau wie mein Umzug vor einigen Jahren zu Eva, meiner Tante. Tief in mir sehnte ich mich nach der alten Zeit in Deutschland und der Freiheit, die ich damals genoss. Der Tag lief geregelter ab und die Vorfreude am Nachmittag mit dem Fahrrad zu fahren, fühlte sich besser an, als am Morgen früh aufzustehen und an nichts anderes zu denken als ‚Wann beginnt das Frühstück und wann kann ich endlich mal sitzen‘. Es fehlte mir, dass meine Familie wollte, dass etwas aus mir wird und ich mir Gedanken darüber machen sollte, was ich studieren will oder doch lieber eine Ausbildung. Schlussendlich endete es mit einem abgesprochenen Physikstudium und einer miserablen Ausbildung zum Pferdewirt ohne wahrhaftigen Perspektiven.
      “Vriska, hörst du mir überhaupt zu?”, ermahnte mich Frau Wallin. An ihrem Ton entnahm ich, dass schon mehrfach versuchte mit mir zu kommunizieren.
      “Jetzt, ja”, antwortete ich verwirrt und prüfte meinen Sitz, mit dem gleichsam alles stimmte.
      “Du sollst dich mehr auf dein Pferd konzentrieren und nicht in den Gedanken verlieren”, erinnert sie mich. Glymur stolperte derweil fröhlich vor sich hin. Sein Kopf streckte er zum Boden wurde immer schneller, bis ich ihn langsam zurückholte und mit einigen Übungen mehr auf die Hinterhand brachte. Ich schaffte es jedoch nicht einen klaren Gedanken zu fassen und klammerte mich an alten Zeiten fest, die lange zurücklagen und keinen großen Einfluss mehr haben können auf die Zukunft.
      Mein Pony hatte ich genügend aufgewärmt, um den ersten Sprung in Angriff zu nehmen. Die Steigbügel kürzte ich mithilfe meiner Trainerin und galoppierte Glymur auf der rechten Hand auf dem Zirkel an. Vor uns lag ein Baumstamm, den ich auf der Geraden ansteuerte und sprang. Ich merkte, dass sich mein Körper zu früh aus dem Sattel erhob, doch mein Hengst entschied selbstständig später abzuspringen und bei der Landung plumpste ich unsanft in den Sattel.
      „Wenn du so weiter machst, hat dein Pferd bald keinen Rücken mehr“, ermahnte mich Niklas direkt, der mehrere Meter entfernt stand. Genervt schnaufte, ich trabte mit Glymur weiter. Auf einem Zirkel galoppierte ich erneut an und wiederholte den Sprung. Diesmal konzentrierte ich mich besser, sowohl Absprung als auch die Landung waren leichter und koordiniert. Wen wollte ich etwas beweisen? Mir oder Niklas? Egal, zufrieden galoppierte weiter und wechselte mit einem einfachen Galoppwechsel die Hand. Ich blickte fokussiert zum Trapez, das sicher einen Meter hoch war. Glymur wurde schneller und kurz vor dem Hindernis regulierte ich sein Tempo, um ihn besser zu kontrollieren. Gezielt sprang er hab und ich schloss meine Augen, denn sollte ich wieder einmal fallen, würde ich es nicht mitbekommen. So mein Gedanke, doch wir landeten grazil am Boden und galoppierten weiter. Erfreut klopfte ich seinen Hals und parierte einige Meter weiter in den Schritt durch.
      “Offenbar verstehst du nur, wenn man dich beleidigt”, grinste Niklas schelmisch. Ich freute mich, dass er wieder mit mir sprach, doch Lina schien es nicht zu gefallen. Stechende Blicke warf sie mir zu, als sie mit Nathy über den Zaun mit Busch sprang. Die Tage hinwegwuchsen sie extrem gut zusammen und von Stunde zu Stunde verbesserte Lina sich im Sattel. Was anfangs beim Springen noch sehr gezwungen wirkte, machte sie nun wie aus dem Handgelenk. Statt ihm eine Antwort zu geben, schaute ich immer wieder zur Einfahrt, die man vom Platz aus gut im Blick hatte.
      „Da gibt es doch nichts Spannendes zu sehen“, kam Ju angeritten.
      „Doch, einen Weg“, sagte ich knapp und richtete meinen Kopf wieder auf den Platz. Es ich Niklas Stimme wieder vernahm, rollte ich mit den Augen, auch wenn es nicht an mich gerichtet war.
      „Du tust gerade zu, als wäre es der schlechteste Mensch auf der Welt“, kommentierte es Ju und ritt weiter im Schritt neben mir.
      „Und du tust so, als wäre plötzlich alles in Ordnung“, rollte ich wieder mit den Augen und trabte mit Glymur davon. Es fehlte mir gerade noch, dass er mit der Moralkeule um sich schwang, nur weil wir vorhin uns aussprachen.
      „Was denn mit ihr los?“, hörte ich Chris fragen.
      „Die bekommt bestimmt ihre Tage“, stempelte Ju mich ab und trabte Amy an. Für mich waren damit die Typen das letzte, was ich sehen und hören wollte. Im Galopp entfernte ich mich deutlich von der Gruppe, denn der Geländeplatz war weitläufig und brachte mir den nötigen Abstand. Abstand, den ich gerade gut gebrauchen konnte, um den Kopf freizubekommen. Im gestreckten Galopp trieb ich meinen Hengst voran, der auch gefallen daran fand, die letzte vorhandene Kraft herauszulassen. Ich fühlte mich frei und nichts vernebelte mir mehr den Kopf. Der warme Wind umschloss uns und ließen alles hinter uns. Nach einer Weile erreichten wir das Ende des Platzes, was durch einen sehr großen Zaun deutlich wurde. Es befand sich eine Art Tor in ihm, das mit Litze geschlossen war. Dort entlang mussten sich noch weitere Sprünge befinden, die ich jedoch nicht entdecken wollte. Ohne Aufsicht der Trainer wollte ich mich nicht auf die Reise machen, noch nach dem Unfall.
      „Hier sind wir ungestört“, sagte ich zu meinem Hengst, der schnell atmete und gierig am Gras zupfte.
      „Einerseits hoffe ich, dass er es heute nicht mehr schafft“, begann ich meine Gedanken laut auszusprechen.
      „Andererseits bleibt nicht mehr viel Zeit in Kanada und wer weiß, vielleicht ist er genau das, was ich benötige, um Abstand von dem ganzen zu bekommen“, erzählte ich meinem Pferd, dass noch immer seinen Kopf im Gras hatte.

      Samu
      Sally sprang heute konzentriert und war mal wieder mit viel Freude dabei. Jace, der mit Alec und ein paar anderen Menschen am Zaun stand, sah mäßig begeistert aus. Offenbar fand er die Tatsache, dass Niklas heute den Trainer machte, nicht wirklich gut, vor allem Linas Anwesenheit auf dem Platz spielt dabei sicher eine Rolle. Da Alec da war, muss man sich immerhin keine Sorgen darüber machen, dass Jace irgendwelche Dummheiten anstellen würde. Ich für meinen Teil bin mir noch nicht so ganz sicher was ich von Niklas halten soll. Lina hatte heute Nachmittag ziemlich glücklich ausgesehen, obwohl sie bei sengender Hitze die Koppel abäppelten. Das freut mich auch für sie, aber Niklas Stimmungen schienen gefühlt jeden Tag zu ändern und ich bin mir nicht sicher, wohin das noch führen wird.
      Doch statt weiter darüber nachzudenken, konzentrierte ich mich lieber wieder auf meine Stute. Mit recht hohem Tempo überwand ich die Distanz zu dem Sprung, bevor ich die Fuchsstute zurücknahm. Vor uns lagen mehrere Stufen, die es hinaufzuspringen galt. Aufmerksam sah die Stute in die Richtung des Hindernisses, bevor sie absprang. Der erste Sprung war ein wenig zu weit, weshalb wir bei der zweiten Stufe ein wenig knapp waren, doch Sally schaffte dies auszugleichen. In einem leichten Galopp ritt auf Wall bis zum Ende, bevor ich hinunter trabte. Im Vorbereiten bekam ich ein paar Gesprächsfetzen, des Gespräches zwischen Ju und Vriska mit und es schien kein sonderlich harmonisches Gespräch zu sein. Diese Vermutung bestätigte sich, als Vriska zum anderen Ende des Platzes galoppierte. Ich beschloss ich unauffällig zu folgen, denn irgendwie hatte ich im Gefühl, dass sie jemanden zu reden gebrauchen könnte. Sprung für Sprung näherte ich mich dem anderen Platzende. Sobald ich Vriska und ihrem Pferd näherkam, ließ ich Selection langsamer werden.
      “Hey, was machst du denn ganz allein hier hinten. Alles Okay?”, fragte ich und ließ meine Stute neben dem Isländer stehen bleiben.
      “Eigentlich die Ruhe genießen, aber es ist okay, wenn du hier sein möchtest”, antwortete sie abwesend und strich ihrem Pferd weiter über die Mähne. Einen Moment lang beobachtete ich sie dabei, bevor ich weitersprach: “Ruhe vor denen da vorne? Die scheinen dir das Leben ja nicht gerade einfach machen zu wollen.”
      “Ich werde dazu einen großen Teil mit beitragen, aber ich weiß auch nicht so genau, was mit mir nicht stimmt. Das verwirrt mich alles und dann noch so viele Gefühle auf einmal. Ich trage das nicht”, murmelte sie.
      “Was verwirrt dich, möchtest du darüber reden?”, fragte ich freundlich. Sally schnaubte und begann Gras zu zupfen. Vriska dachte mehrere Minuten nach, bevor sie antwortete.
      “Ich dachte, dass ich ein anderer Mensch werde, wenn ich mit jemandem Schlafe und mich dann irgendwie besser fühle. Vermutlich war die Wahl, die erste Möglichkeit zu nutzen, aber auch nicht beste. Doch jetzt ist alles so kompliziert, ich musste mich so vielen schon erklären und eigentlich will ich nur nicht mehr einsam sein. Und dann ist da noch der Typ, mit dem es irgendwie so unverhofft gut anfängt, dass irgendwas nicht stimmen kann”, erklärte sie schließlich und eine Träne lief die Wange herunter. Ich verspürte sofort das Bedürfnis von meinem Pferd zu steigen und sie in den Arm zu nehmen, so traurig und verloren, wie sie gerade aussah. Ich versuchte meine Worte mit bedacht zu wählen, denn nur ungern wollte ich sie noch trauriger machen, als sie ohnehin schon war. “Weißt du ein anderer Mensch wird man nicht einfach so über Nacht, das ist ein Prozess, eine Entwicklung. Dein erster Schritt mag vielleicht nicht der Beste gewesen sein, aber du hast es jetzt in der Hand was du daraus machst. Und auf dem Gebiet Typen bin ich zwar kein Experte, aber ich finde, du solltest mit ihm reden, sieh, wohin es dich führt.”
      Vriska zögerte und betrachtete das Geschehen am Horizont. Die Leere in Augen füllte sich langsam wieder mit Leben. Lächelnd wischte sie die Tränen aus dem Gesicht und begann zu lachen, vollkommen grundlos, zumindest sah ich keinen.
      “Du hast recht, ich hoffe, er schafft es heute Abend. Hier mitten im Nirgendwo ist man schließlich so was wie gefangen”, sie schmunzelte noch immer und gab mir ein Handzeichen im Schritt wieder loszureiten. Ich musste Sally ein wenig zurückhalten, doch nach ein paar Metern passte sie sich dem Tempo des Isländers an.
      “Ja, da hast du recht. Aber manchmal hat das Nirgendwo auch seine Vorteile, hier gibt es wenigstens sehr viel Ruhe”, antwortete ich. ”Ich bin mir sicher, dein Typ wird es schaffen”, fügte ich zuversichtlich hinzu.
      “Danke für deine Zuversicht. Ich mache mir vermutlich wieder viel zu viele Gedanken, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass das was werden könnte. So vom ersten Moment an fühlte ich was, weißt du was ich meine?”, schwärmte sie.
      “Ja, ich verstehe, was du meinst”, antworte ich und strich meiner Stute über den Hals.
      “Wer zuerst wieder bei den Anderen ist?”, fragte Vriska herausfordernd und galoppierte den Kleinen an.
      “Na, dann zeig mal was dein Kleiner darauf hat”, reif ich ihr zu. Ich brauchte Sally nur den Zügel vorgeben und schon sprang die Fuchsstute an. Mit wenigen großen Galoppsprüngen war sie auf einer Höhe mit dem Isländer. Für ein Pferd mit so kurzen Beinen war er ziemlich schnell und er schien sogar noch einmal ein wenig an Geschwindigkeit zuzulegen, dennoch reichte es nicht ganz aus, um mit der Hannoveranerstute mitzuhalten, denn sie kam knapp eine halbe Pferdelänge nach mir bei den anderen an.
      “Respekt, dein Pferdchen hat ganz schön viel Power dafür, dass es so klein ist”, sagte ich anerkennend zu ihr, als sie Glymur neben mir durch parierte.
      “Er ist schon müde und wird sicher gern in sein Bettchen sein”, lachte Vriska außer Atmen und ließ die Zügel locker. Auch der Hengst schnaubte ab und biss mehrfach nach einem Grashalm am Boden.
      “Dann lass uns die beiden wegbringen, die Maus hier hat für heute auch genug getan”, schlug ich vor. Selection schnaubte, wie als wolle sie meine Aussage unterstützen. Vriska nickte nur und begann ihren Hengst abzureiten. Obwohl es inzwischen kühler geworden war, zeichnete sich dennoch ein dunkler Rand unter der Schabracke ab. Ich trieb Sally an und ließ sie am langen Zügeln noch ein wenig um den Platz laufen. Lina war immer noch am Trainieren und so langsam ließ Nathalies Ausdauer sichtbar nach.
      “Lina …”, rief ihr zu, was tatsächlich bewirke, dass sie ihr Pferd durch parierte. Ich ließ Sally bis zu ihr traben und ließ sie neben der Scheckstute wieder in den Schritt fallen.
      “Ist was Samu?”, fragte sie.
      “Du denkst schon daran, dass dein Pferd nicht unendlich viel Energie hat, oder?” wies ich sie indirekt darauf hin, dass sie so langsam zum Ende kommen sollte.
      “Ja, daran denke ich. Ich wollte nur noch den Sprung da ein letztes Mal wiederholen und dann bin ich auch fertig”, erklärte sie mir.
      “Nein Lina. Samu hat recht. Das reicht für heute. Du musst mich nicht weiter beeindrucken, ich sehe schon, dass ihr beide es darauf habt”, mischte sich nun auch Niklas ein.
      “Okay, okay. Hast du gehört Nathy, der Chef hat gesagt wir sind fertig. Hast du gut gemacht, Süße”, sagte sie zu ihrer Stute, ließ die Zügel länger und klopfte der Stute den Hals. Sofort schüttelte Nathalie den Kopf und schnaubte.
      “Ziemlich motiviert heute. Ist heute irgendwie gute Laune Tag?”, fragte ich schmunzelnd.
      “Möglich, vielleicht habe ich auch einfach gelernt, wie man Fotosynthese betreibt, so wie du”, antwortete sie verschmitzt.
      „So jetzt verratet mir aber mal bitte, was ihr da hinten getrieben habt“, kam Chris mit seinem Wallach neugierig an. Vriska ritt uns noch immer stillschweigend nach.
      “Genau das, was wir hier auch gerade tun. Wir haben eine Unterhaltung geführt”, beantwortete ich die Frage.
      “Na dann wird dich sicher nicht interessieren, dass gerade jemand für dich gekommen ist Vriska”, wand er lächelnd ein und zeigte nach drüben zum Zaun. Verwirrt schaute sie sich um, aber blieb mit ihrem Pferd bei uns. Auch mein Blick ging, in die Richtung in die Chris deutete. Tatsächlich stand dort ein junger Mann, den ich hier schon einmal gesehen hatte. Es war der Botschafter, der vor fast einer Woche hier gewesen war. Offensichtlich war das also der Besuch den Vriska noch erwartete.
      “Möchtest du deinen Besuch nicht begrüßen?”, fragte ich Vriska freundlich.
      “Ich weiß nicht, was ich sagen soll, also versuche ich es zufällig wirken zu lassen”, sagte sie unsicher.
      “Du solltest nicht so viel darüber nachdenken, dir wird schon das richtige einfallen”, versuchte ich ihr Zuspruch zu geben.
      “Letztes Mal wurde es schon komisch, deswegen verstecke ich mich noch zwischen euch”, duckte Vriska und drängte sich mit ihrem Pferd zwischen Lina und mich.
      “Du kannst dich gerne noch länger verstecken, aber ich glaube Erik ist klug genug, um zu wissen, dass Pferde keine 8 Beine haben, also wird dein Plan vermutlich nicht funktionieren. Aber wenn es dich beruhigt, wenn es wieder komisch werden sollte, schicke ich dir Samu als Rettung vorbei”, trug nun Lina zu dem Gespräch bei.
      “Nett, dass ich auch gefragt werde, aber wenn ich damit helfen kann, mach ich das gerne. Aber ich glaube, dass du das gar nicht nötig haben wirst, gerettet zu werden”, sagte ich zu ihr.
      “Aber ich sehe schrecklich aus und nach Pferd rieche ich auch, so geht das nicht”, antwortete Vriska noch nervöser und biss auf ihrer Unterlippe herum. Glymur schlug ebenfalls mit seinem Kopf.
      “Dieser Zustand lässt sich ändern. Das Problem liegt nur darin, dass du dann trotzdem vom Reitplatz runtermusst”, meldete sich Lina wieder zu Wort.

      Vriska
      Wieso war er schon hier und warum waren Lina und Samu so nett zu mir, obwohl ich mir nicht mal Mühe gab mein Verhalten zu bessern? Den beiden müsste ich dringend eins unserer Pferde überreichen – Friedensnobelpreis. Aber das ging gerade nicht. Meine Gedanken waren so wirr wie mein Verhalten, aber Chris holte mich zurück.
      „Wollen wir dann zu Stall?“, sagte er und stieg ab von Hammy. Ich nickte und stieg ebenfalls vom Pferd. Lina und Samu taten uns gleich. Im Gespann machten wir uns auf zum Tor und spürte wie meine Knie weicher wurden.
      „Wie lange wolltest du dich noch verstecken?“/, scherzte Erik und schmunzelte. Natürlich hatte er gemerkt, dass ich ihn sah. Doch, bevor ich etwas antworten konnte, half mir Chris und begrüßte ihn.
      „Lange nicht mehr gesehen, du hättest den Tag auch mal länger bleiben können“, sagte er zu ihm.
      „Jetzt bin doch da, außerdem musste ich noch woanders hin“, erklärte Erik und schaute immer wieder zu mir, als wir zum Stall liefen.
      „Dann können wir doch froh sein, dass ihr beiden einen Draht zueinander gefunden habt“, brachte Chris ein und unterhielt sich weiter mit ihm. Ich konnte in der Zeit tief durchatmen, aber schämte mich ein wenig dafür, noch kein Wort mit ihm gewechselt zu haben. Schließlich war er extra meinetwegen hergekommen. Lina, Samu und Chris liefen in den Stall und ich blieb bei Erik stehen, der abrupt vor dem Gebäude verharrte. Erwartungsvoll schaute er zu mir und mir steckte irgendwas im Halse fest. Kein Wort brachte ich heraus, stattdessen sah ich ihn nur an.
      “Und jetzt schweigen wir uns den ganzen Abend lang an, oder wie stellst du dir das vor?”, fragte Erik.
      “Gute Frage, aber ich freue mich das du da bist”, sagte ich schlussendlich und umarmte ihn fest. Ganz offensichtlich hatte er keinen Pferdeduft an sich, was ich änderte. Freundlich stupste mich Glymur am Rücken an, als ich Erik wieder loslassen wollte.
      “Ich schätze dein Pferd, weiß mehr als ich”, lachte er und trat einige Schritte zurück. Als hätte Glymur uns verstanden, wippte er mit seinem Kopf auf und ab.
      “Kommst du, oder willst du da ewig herumstehen?”, unterbrach und Chris. Er hatte recht und ich ließ Glymur einfach draußen stehen, um von der Box sein Halfter zu holen. Da draußen ebenfalls eine Anbindestange war, band ich ihn dort an. Im Stall war es mir persönlich sowieso zu voll. Erik blieb auf Abstand zu den Pferden und erzählte mir von seinem Arbeitstag. Interessiert, wenn auch unwissend, hörte ich ihm zu, während ich alles von Glymur nahm. In der Box füllte ich das Futter auf, als Chris mich von der Seite ansprach: “Und, wann heiratet ihr?” Perplex blickte ich ihn an und benötigte einen Augenblick, bis ich seine Worte verstand.
      “Wieso sollten wir das tun und vor allem was ginge es dich an?”, fragte ich ihn.
      “Ist doch klar, warum er das wissen möchte, er will zu Hochzeit eingeladen werden”, warf Lina ein, die mit den Gamaschen ihrer Stute in Richtung Sattelkammer unterwegs war.
      “Ich glaube eher, dass er der Trauzeuge sein möchte”, mischte sich nun auch Erik ein, der am Eingang des Stalles stand und lachte.
      “Awkward”, murmelte ich und sonst stillschweigend an allen vorbei, um Glymur ebenfalls die Gamaschen abzunehmen.
      “Das muss dir doch nicht peinlich sein”, versuchte er mich nun wieder zum Lachen zu bringen, doch ich schaute nicht mal zu ihm, sondern versuchte nur so schnell wie möglich mit meinem Pferd fertig zu werden.
      “Es muss dir wirklich nicht peinlich sein, ihr seht gut zusammen aus”, unterstützte Lina seine Aussage und lief mit einer Futterschüssel zurück zu ihrer Stute.
      “Na dann werden wenigstens die Bilder schön, reden muss man schließlich nicht miteinander”, rollte ich mit den Augen und stellte Glymur in die Box. Direkt scheuerte er sich und holte die Salbe, um ihn einzuschmieren.
      “Zumindest über Kinder müsst ihr euch keine Gedanken machen”, sagte Chris und ich schaute verwirrt zu Erik.
      “Chris, du musst immer Spoilern”, beschwerte er sich bei seinem Kumpel.


      © Mohikanerin, Wolfszeit | 98.887 Zeichen

    • Wolfszeit
      [​IMG]
      13.09.2021|Wolfszeit
      Abe’s Aelfric| Acerado| All Hope Is Gone| Amigo| Baroness Of The Guard| Cremella| Elvish Beauty| Fraena van Húlshof| Jora| Little Buddy| LMR Ice Rain| Look At My Hair| Mas’uda| Miss Leika| Nurja| PFS’ Artic Tiger| PFS’ Caruso| Promise Of Sundance| Saturn| Songbird| Sunny Empire| Ursel-die Bäringöttin| Vakany| Vikar | HMJ Divine| Lifesaver| Don Carlo| Herkules| WHC’Solist| Lancasters Peppermit| LMR Royal Champion| Flanell d’Egalité| Walking On Sunshine| Elf Dancer| HMJ Divine
      Aschenflug| Darly Gone Mad| Fanya| Mystic Fantasy Dahlia| Osgiliath| Sasancho| Wo der Wolf Heult| Zephyr| ZM’Zanaro| Fanya| Morian

      Jace| Ich wischte über den beschlagenen Spiegel. Mein eigenes, müdes Gesicht starrte mir entgegen. Dunkle Schatten zeichneten sich unter den Augen ab und mein Hals und meine trug noch Spuren von Sonntagnacht. Die junge Dame hatte sich wirklich alle Mühe gegeben, dass ich sie nicht ganz so schnell vergaß. Dennoch war es nur eine von vielen und sobald die Spuren auf meinem Körper verblassten würde ich auch sie vergessen haben, ihren Namen wusste ich jetzt schon nicht mehr. An diesem Abend hätte ich viel lieber jemand anderen bei mir gehabt. Jemand, der mir mein Herz gestohlen hatte und sich nun auf dem langen beschwerlichen Weg nach Europa befand. Es tat weh zu sehen, wie sie sich in jemand anderen verliebte und noch mehr schmerzte es, als sie mir den Rücken kehrte.
      Es war endgültig, Lina ging mit diesem dämlichen Typen nach Schweden. So richtig realisierte ich die Situation erst, als gestern eine Benachrichtigung auf meinem Handy aufpoppte: “10:00 Instagram: Linas_horseworld hat vor Kurzem etwas gepostet”. In dem Post zu sehen, war sie wie sie ihren Hengst umarmte, im orangeroten Licht der Abendsonne. Ein harmonisches Bild, auf dem sich die innige Verbindung spüren ließ, die Lina und den weißen Freiberger verband. Darunter nur ein kurzes Zitat: “There are no goodbyes for us. Wherever you are, you will always be in my heart ❤️” Die Worte unter dem Bild prägten sich mir ein, besser hätte ich sie nicht wählen können. Lina wird immer in meinem Herzen blieben und früher oder später wird sie schon noch erkennen, dass sie hierhergehörte. An meine Seite und nicht an die von einem so dahergelaufenen Schönling. Allgemein wunderte es mich, dass Lina offenbar seit neustem so leicht herumzukriegen war. Seit Mai gab ich mein Bestes, um Lina bei ihrer Entscheidung bezüglich ihrer Gefühle mir gegenüber zu unterstützen. Und was bekam ich dafür? Richtig, absolut nichts. Fest umgriffen mein Finger, das Waschbecken, sodass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Nur meine Selbstbeherrschung hielt mich davon ab einfach in den Spiegel zu schlagen. Für diesen dämlichen Niklas stelle Lina auf einmal ihr ganzes Leben auf den Kopf und das, obwohl er sie mit seinen komischen Liebeleien zu Vriska kompromittierte. Für Lina wünschte ich mir, dass dieser Affe seine Triebe in Zukunft besser unter Kontrolle hatte. Wenn es eins gab, was ich weniger leiden konnte als Typen, die mir die Mädchen ausspannten, waren es Typen, die dem Mädchen meiner Träume das Herz brachen. Schon beim bloßen Gedanken daran bekam ich das dringende Bedürfnis ihm gleich noch einmal die Nase zu brechen.
      Heute Morgen hatte sich alles so surreal angefühlt, aufzuwachen und zu wissen, Lina war nicht mehr da, dass sie kein Teil des Teams mehr war. Seitdem sie gestern losgeflogen war, hatte ich nichts mehr von ihr gehört, was vermutlich vor allem der Tatsache geschuldet war, dass sie noch im Flugzeug mitten über dem Atlantik saß. Auch gehörte ich vermutlich nicht zu den Top 10, denen Lina unmittelbar mitteilen würde, dass sie gut gelandet war, dafür hatte ich mit meiner Dummheit selbst gesorgt. Aber ich musste irgendwie weitermachen, hatte keine Zeit zum um zu warten. Am Freitag würde das Vorreiten für den kanadischen Kader sein, also hieß es neben der Arbeit fleißig zu trainieren. Seufzend griff ich nach dem hellblauen Hof Shirt, welches an der Tür hing und warf es mir über, schlüpfte in die schwarze Reithose und die Strümpfe. Im Hinausgehen schnappte ich mir noch einen Apfel, den ich auf dem Weg nach unten verspeiste. In der unteren Etage war es still, denn die waren vermutlich noch auf ihren Zimmern, ich war heute ziemlich früh dran. An der Tür nahm ich mein Sneaker aus dem Regal. Neben den Schuhen von Samu, war nun eine Lücke. Dort hatten immer Lina, niedliche kleine Schühchen, mit dem Sternenhimmel auf dem Swoosh gestanden. Bis heute frage ich mich, warum sie sich sogar für ihre Stallschuhe die Mühe gemacht hatte, diese liebevoll zu bemalen.
      Gedankenverloren lief ich über den Hof. Der Wind musste gedreht haben in trug nun die kühle Bergluft zu uns rüber. So warm wie der Sommer hier auch war, die Jahreszeiten wechseln recht schnell. In den Höhenlagen hier konnte man selbst nach einem so heißen Sommer wie diesem, Mitte September den ersten Schnee erwarten. Noch war der Stall nahezu leer, aber nicht mehr lang und dann würden wir die Pferde von den Sommerkoppeln herunterholen. Dann würden die meisten von ihnen nicht mehr die Nacht auf den Koppeln verbringen, sondern im warmen Stall. Nichtsdestotrotz war es unruhig im Stall. Ungeduldig trat Acerado gegen die Boxenwand. Matt hatte gerade mit dem Füttern begannen und dem braunen passte es nicht so ganz, dass Saturn, Carlo und Lifesaver ihr Futter bereits hatten. Herkules schien das Ganze auch zu langsam zu gehen, denn er reckte den Hals lang in der Hoffnung sich einfach selbst bedienen zu können.
      “Morgen”, grüßte ich meinen Kollegen freundlich, bevor ich den Stall wieder verließ, beim Füttern würde ich nur stören. Somit schlenderte ich zu der Koppel hinüber, um nach Solisten zu sehen. Der Falbe hatte die Nacht zusammen mit den anderen Junghengsten auf der Koppel verbracht. Obwohl er erst seit 4 Tagen in der kleinen Herde stand, schien er sich schon relativ gut integriert zu haben. Hier und da hatte er ein wenig einstecken müssen, besonders von Camp, der seinen Chefstatus verteidigte, doch der junge Hengst war klug genug, sich bei den Älteren unterzuordnen.
      “Solo, komm”, rief ich über die Koppel. Flanell der verschmustes aus der Truppe kam sofort an getrottet. Buddy und Champ zuckten nicht einmal mit den Ohren, sondern grasten friedlich weiter. Solist mit Peppermint im Schlepptau folgten dem graunen Hengst mit etwas Abstand. Spielerisch schnappte mein Babypferd nach dem älteren Tigerschecken, was dieser allerdings mit einem Warnenden quietschen quittierte. Sofort begann der Falbe ihn zu beschwichtigen in dem, er unterwürfig kaute. Flany ließ derweil ein wenig verwöhnen und streckte genüsslich den Kopf in die Höhe.

      Samu| “När kommer du äntligen hit till mig? Sängen är alldeles för stor för mig ensam”, klagte Enya und machte einen leidenden Gesichtsausdruck. Wie aufs Stichwort kam Findus an getapst. Freundlich reib die Tigerkatze ihr Köpfchen an ihrem Arm, bevor sie sie sich schnurrend neben ihr bequem machte und mit ihren Pfoten die Decke unter ihr knetete.
      “Är Pettson och Findus inget bra sällskap?”, schmunzelte ich. Natürlich fehlte sie mir auch. Wir telefonierten zwar jeden Tag, aber es war doch etwas ganz anderes sie bei mir zu haben. “Jag kommer att vara med dig nästa torsdag, men för nu bara i två veckor. Jag har några saker att klargöra innan jag kan få visumet”, fügte ich sanft hinzu.
      “Åhh, vad skönt, då kan vi fira din födelsedag här”, strahlte meine Freundin.
      “Ja, det är min gåva till mig själv, så att säga, att ha dig med mig”, lächelte ich liebevoll.
      “Och du är säker på att det inte är en gåva för mig?”, fragte meine Freundin reizvoll und begann gedankenverloren an einer Haarsträhne zu drehen.
      “En present till oss båda. En gästpresent till dig och en födelsedagspresent till mig”, erwiderte ich sanft. Ich wurde ganz wuschig dabei, wenn ich ihre Finger sah, die immer noch die Strähne zwirbelten. Mein Handy erinnerte mich daran, dass es nun Zeit war, das Gespräch zu beenden, denn die Arbeit wartete.
      “Jag måste bryta upp, Makea. Hästarna väntar”, lenkte ich das Telefonat auf das Ende zu.
      “Det var för kort igen. Jag saknar dig redan, Samu”, seufzte die blonde Schönheit.
      “Ja, det var det, men du borde fortsätta studera nu”, stimmte ich ihr zu. Die Zeit verfolgt immer so wahnsinnig schnell.
      “Du har rätt. Vi ses imorgon jag älskar dig”, verabschiedete sie sich und warf mir einen Luftkuss zu.
      “Jag älskar dig också. Vi ses imorgon”, beendete ich das Gespräch nun endgültig.

      Nach einer wohltuenden Dusche schlenderte ich energiegeladen zur Hauskoppel hinüber. Als allererstes wollte ich bei Sunny Empire und Mas’uda vorbeisehen. Auch wenn die blinde Stute gut mit ihrer Situation zurechtkam, überzeugte ich mich lieber morgens als Erstes von ihrer Gesundheit.
      Ein leichter Nebel waberte über dem kleinen Bachlauf, der am Rande der Koppel entlangführte und ließ einzelne Sonnenstrahlen sichtbar werden. Die beiden Stuten grasten friedlich nebeneinander in der morgendlichen Sonne. Sunny stellte neugierig ihre Ohren auf, als ich mich näherte und wieherte mich freundlich an. Immer wieder faszinierend, wie sie die Menschen sogar an den Schritten auseinanderhalten konnte.
      “Guten Morgen, Empire”, begrüßte ich die Stute und strich ihr sanft über das helle Fell. Die kleine Araberstute neben ihr hatte nur kurz den Kopf gehoben. Masu war ein wenig zurückhalten und gab sich lieber mit ihresgleichen ab, als mit dem Menschen. Einen Moment genoss ich die Stille auf dem Hof, denn so wirklich still war es hier die letzten zwei Wochen nicht gewesen. Die beiden Nationalteams hatten das Leben hier ganz schön aufgemischt. Ich hatte erwartet, dass es gut für Lina sein, würde mal wieder unter Leute zu kommen, denn für gewöhnlich musste man schon kreativ werden, sie irgendwo hinzubekommen. Dass meine beste Freundin allerdings nun mit ihrem FREUND auf dem Weg nach Schweden war, kam aber sogar für mich überraschend. Zugegeben, nach Europa zog es sie bereits wieder, nachdem sie Divine in Schweden abgeholt hatte. Wochenlang kam sie aus dem schwärmen nicht heraus und sie hatte ohnehin schon große Sehnsucht nach unserer Heimat gehabt.
      Aber dass Lina jetzt nach knappen zwei Wochen einen festen Freund hatte, so richtig offiziell war schon verrückt. 3 Jahre war die Trennung von Flinn nun her. Seitdem hatte sie so wenig romantische Interessen gezeigt, dass ich schon daran zu zweifeln begann, ob die den Schritt jemals gehen, wird wieder eine Beziehung einzugehen. Umso mehr freute ich mich für sie, dass sie den Schritt doch gewagt hatte.
      “Na Empire, dann hoffen wir mal, dass Lina so glücklich mit Niklas bleibt”, sagte ich zu der jungen Stute und tätschelte ihren Hals. Was ich definitiv jetzt schon sagen konnte, war das Linas neuer Freund etwas ganz Besonderes an sich haben musste. So schnell hatte sie sich bisher niemandem geöffnet, na ja außer ihrem Pferd.
      “Guten Morgen Samu”, grüßte mich Jamie, der Highlandponystute Ursel am Zaun entlanglief. Ich grüßte freundlich zurück, bevor ich auf die Uhr blickte. So langsam sollte ich wirklich mal mit dem Training meiner Pferde beginnen.
      Im Stall herrschte eine entspannte Atmosphäre. Die meisten Pferde hatten ihr Kraftfutter bereits aufgefressen, mümmelten an ihrem Heu oder sahen aus ihren Fenstern.
      Auf dem Putzplatz stand bereits Miss Leika. Ein großer brauner Mistfleck zierte ihre Flanke, den Jayden auch schon intensiv bearbeitet. Jora, die sie Nebenbox von der Stute wohnte, zu der ich jetzt wollte, streckte freundlich ihren Kopf aus der Box. Kurz streichelte ich sie über, bevor ich Elvishs Box betrat. Die Schimmelstute mümmelte an ihrem Heu, wobei die lange Mähne ihr immer wieder in die Augen rutsche. Genervt schüttelte Elvish ihren Kopf. So langsam war echt an der Zeit, die Mähen abzuschneiden. Die Stute störte sich daran und bei ihrem schmächtigen Hals, sah es außerdem auch nicht sonderlich gut aus. Vor der Box griff ich nach dem beerenfarben Halfter der Stute, eine Sache die ich Luchys Tochter zu verdanken hatte, und holte sie aus ihrer Box. Als ich die Schimmelstute an Ice Rain vorbeiführte, schnappte die Scheckstute nach ihr. Konsequent wies ich sie zurecht. Beauty blieb davon recht unbeeindruckt, sondern trotte nur brav neben mir bis zum Putzplatz.
      Noch bevor ich begann die Stute zu putzen, holte ich die Schere aus der Sattelkammer.
      “Ahh, kommt die Mähnen nun endlich ab?”, frage Jayden, der immer noch das Fell der Cremellostute reinigte, die mittlerweile vor sich hindöste.
      “Jap, wird ja auch mal Zeit, ich glaube das arme Pferd ist auch schon ganz genervt davon”, erklärte ich. Als wenn Beauty zustimmen wollte, nickte sie mit ihrem Kopf.
      “Lina würde dir jetzt sicher einen Vortrag halten, warum du das nicht tun solltest. Aber ich stimme dir zu, besonders hübsch sieht das nicht an ihr aus”, grinste mein Kollege.
      “Richtig, aber Lina ist nicht hier, also kommt die Mähne ab”, lachte ich und wand mich der Mähne der Stute zu. Strähne für Strähne fiel die Mähne zu Boden, bis nur noch knapp eine Handbreit an dem Pferd verblieb.

      Jace| Buckelt und quietschend schoss der Tinker Hengst los als ich ihn antraben wollte. Na gut, wenn er laufen wollte, dann sollte er. Energisch trieb ich den Hengst an, sodass er in einen flotten Galopp fiel. Der Rappe versucht noch ein paar weitere Male zu buckeln, was immer dazu führte, dass ich ihn an Tempo zulegen ließ. Vikar hatte sich vorhin deutlich netter benommen. Im Galopp ritt ich einige Handwechsel, verkleinerte und vergrößerte den Zirkel, ließ sich den Hengst richtig auspowern.
      Verschwitzt und müde trotte der Hope am Ende des Trainings unter mir her. Nachdem er seine Energie herausgelassen hatte, konnte ich tatsächlich noch vernünftig mit ihm arbeiten. Mit Looki an der Longe, betrat Quinn den Reitplatz, als mein Handy klingelte.
      “Hallo Alec, hast du schon wieder Sehnsucht nach mir”, begrüßte ich meinen Kumpel.
      “Noch nicht, ich glaube, ich war in den letzten zwei Wochen oft genug bei euch drüben”, lachte Alec am anderen Ende. “Der Grund warum ich eigentlich anrufe, ist dein Vorreiten am Freitag. Ich dachte, wenn du morgen oder vielleicht auch noch heute Zeit hast könntest du rumkommen und ich gebe dir noch ein paar Tipps und vielleicht lasse ich dich ja auch Mo reiten. Auf den bist du schon lange scharf”, bot Alec an.
      “Das klingt hervorragend, danke. Ich denke, ich würde dann gleich morgen früh vorbeikommen”, antworte ich. Nochmal ein paar Tipps von Alec zu bekommen war sicher hilfreich, auf dem Gebiet der Dressur war ein wenig bewanderte als ich.
      “Perfekt, aber eine Frage habe ich noch: Hast du dich eigentlich schon entschieden mit welchem Pferd du reitest?”, fragte mein Kumpel.
      “Nein, noch nicht endgültig. Eigentlich würde ich gerne mit Sunny reiten, aber die ist ja gedeckt, also könnte ich, falls sie mich nehmen, eh nicht mit im Team reiten. Also wird es vermutlich Herkules, auch wenn er schlechter ausgebildet ist”, äußerte ich meine Bedenken.
      “Was ist mit Promise die ist doch gut Ausgebildet?”, schlug mein Kumpel vor.
      “Die ist seit ihrem Fohlen in Rente, sie ist ja bereits 18 Jahre alt”, erklärte ich.
      “Na dann, ist die Entscheidung wohl offensichtlich”, erwiderte Alec im Hintergrund war, ein Wiehern zu vernehmen.
      “Ist zwar nett mit dir zu quatschen, aber ich muss jetzt Schluss machen, ich habe die Ehre Quinn und Hazel gleich beim Kindergeburtstag zu unterstützen und vorher muss ich noch den dicken Tinker aufräumen”, verabschiedete ich mich.
      “Phyri wird auch langsam ungeduldig. Also dann bis morgen”, beendete Alec das Gespräch und legte auf. Hope war mittlerweile halbwegs trocken, für den Rest würde ich ihn gleich noch einmal unters Solarium stellen. Also ritt ich ihm zum Stall und sattelte ihn dort ab.
      Kaum hatte ich den Tinker zurück auf die Koppel gebracht, drückte Hazel mir auch schon Amigos Halfter in die Hand: “Hier, die Kinder kommen in 10 Minuten. Wir putzen zwar gleich mit den Kindern, aber besten putzt du schon mal vor.” Sie selbst verschwand zu den Stuten, um die anderen Ponys zu holen. Der kleine gepunktete Shettywallach, stand mit Rici, Caruso und Tiger am Heu und mampfte gelassen.
      “Na komm kleiner, lass uns ein paar Kinder bespaßen”, sagte ich ironisch zu dem Shetty und wuschelte ihm durch die Mähne. Eigentlich hätte Lina den Geburtstag machen sollen, immerhin hatte sie das ganze Konzept mit der Shettyschule auch ins Leben gerufen, aber sie verbrachte ihre Zeit ja lieber mit Niklas am anderen Ende der Welt anstatt hier.
      Amigo versenkte seinen Kopf noch tiefer im Heu und ließ sich nur wieder willig davon überzeugen mit mir mitzukommen. Vor dem Stall standen bereits Fraena, Cremella und Songbird angebunden. Die beiden Mädels waren bereits dabei die Ponys zu putzen.
      “Ist die überhaupt geritten?”, fragte ich Hazel stirnrunzelnd und betrachtete die kleine Scheckstute. Sie war noch nicht wirklich lange bei uns und obwohl sie bereits 7 Jahre alt war noch nahezu Roh, meines Wissensstandes nach.
      “Geht so, aber für heute reicht es. Aber du solltest dich mal beeilen, in 5 Minuten sind die Kinderchen da”, antwortete sie und kratzte dem Pony den Vorderhuf aus. Kaum hatte sie zu ende gesprochen kam auch schon ein Vater angelaufen und fragte, wo er parken konnte. Freundlich erklärte Quinn dem Mann den Weg zum Besucherparkplatz. Ein paar Minuten später wurde ich von 7 paar Kinderaugen angestarrt, die in einem Halbkreis vor uns standen.
      “Herzlich willkommen hier auf dem Whitehorse Creek. Ich bin Hazel und die beiden neben mir sind Quinn und Jace. Wir werden die nächsten Stunden mit euch verbringen. Wer von euch ist denn das Geburtstagskind?”, begrüßte Hazel die Kinder. Ein kleines blondes Mädchen, mit blau pinker Reithose und pinkem Reithelm meldete sich. Sie hieß Lilly und es war heute ihr 5ter Geburstag.
      “Also bevor wir anfangen können stell ich euch mal die Ponys vor. Die kleine helle da ist Cremella, der kleine Plüschball daneben ist Fraena, die Schecke ist Songbird und der kleine Kerl mit den Punkten dort ist Amigo. Bevor wir jetzt gleich reiten, werden wir die Ponys erst einmal hübsch machen”, setzte Hazel fort und begann den Kindern zu erklären, wie die Ponys geputzt werden. Anschließend durfte sich das Geburtstagskind ein Pony aussuchen. Die kleine wählte Cremella, weil sie ihrer Aussage nach aussah wie das Pony einer Prinzessin.

      Samu| Große Kinderaugen starrten mich an, als ich mit Vakany aus dem Stall ritt, wo sich ein lustiges Bild bot. Jace, der so etwas wie Kriegsbemalung im Gesicht hatte, schmierte mit zwei kleinen Jungs Fingerfarben auf Amgio. Ein blauer Kreis mit gelben Punkten umrahmte das Auge des Shettys, auf seinem Hintern war ein Handabdruck und eines der Kinder verzierte sein Vorderbein gerade mit grünen Streifen. Die anderen Ponys sahen ähnlich aus.
      “Du hast voll das schöne Pferd! Wie heißt es?”, fragte mich ein kleines Mädchen, das vor meinem Pferd stand und fasziniert den glitzernden Stirnriemen anstarrte. Freundlich lächelnd antwortete ich ihr: “Das ist Vakany. Wenn du möchtest, darfst du sie streicheln” Die bunte Stute hatte den Kopf zu dem Kind heruntergesenkt und beschnupperte es neugierig. Vorsichtig streckte das Mädchen seine kleine Hand nach ihr aus und strich ihr über die rosa Schnauze. Ganz still stand die Scheckstute da und ließ das über sich ergehen.
      “Was machst du jetzt mit ihr? Bist du ein Prinz? Reitest du jetzt zu deiner Prinzessin?”, fragte das Mädchen weiter. Ich musste schmunzeln, wie niedlich Kinder doch sein konnten.
      “Nein, wir gehen auf den Reitplatz, springen”, erklärte ich dem Mädchen.
      “Aber du hast doch sicher eine Prinzessin, oder? Jeder Prinz hat eine! Und wenn du ein Pferd hast, musst du ein Prinz sein!”, beharrt die Kleine weiterhin auf ihrer Meinung.
      “Ja, ich habe eine Prinzessin, allerdings in einem weit entfernten Königreich”, lächelte ich freundlich. Quinn kam hinzu um das Mädchen wieder zurück zu den anderen zu holen: “Na komm Lilly, wir lassen Prinz Samu und Vakany mal springen, gehen und du möchtest doch jetzt sicher auch reiten.” Begeistert ließ sich die Kleine von Quinn zurück zu Melly bringen. Froh gesinnt ritt ich mit der Trakehnerstute in Richtung Koppeln. Ich hatte spontan überlegt, dass ich zum aufzuwärmen eine kleine Schrittrunde im Gelände machen wollte. Als ich an den Fohlenkoppeln entlangritt, wurden wir von Nessy verfolgt, die am Zaun neben uns her trabte. Ihr kleines braunes Fohlen ganz dicht an ihrer Seite.
      Bis auf Jayden der mit Elf im Dressurviereck herum zirkelte, war der Platz leer. Auf dem Springplatz hatte ich vorhin bereits eine kleine Gymnastikreihe aufgebaut, bestehend aus Cavaletti und Steilsprüngen. Nach den zwei Wochen Bootcamap hatte Kany sich heute mal ein lockeres Training verdient. Entspannt ritt ich die Stute erst im Trab und Galopp, bevor ich zum Ende noch ein paar Mal die In-Out Reihe ritt. Wie immer war die Stute konzentriert dabei und alle Stangen blieben liegen. Nach dem Trainer kam Luchy auf mich zu.
      ”Samu, ich hatte gedacht, du könntest das Training von Legolas übernehmen, zumindest so lange du noch hier bist. Er ist nämlich der einzige, den ich noch nicht verteilt habe”, erklärte sie ihr Anliegen. Vakany steckte sie ein Leckerli zu, welches sie genüsslich sabbern fraß.
      “Klar, das mach ich doch gerne. Wie ist das jetzt eigentlich mit Nurja und Fanya sollen die immer noch von Divine gedeckt werden?”, diese Frage geisterte mir durch den Kopf, seitdem ich mit Ivy vorhin ein wenig Bodenarbeit gemacht hatte. Eigentlich hatte ich den Hengst reiten wollen, doch dabei wirkte er so irritiert davon, dass ich nicht Lina war und sie, dass ich es lieber ließ. Nach ein paar Tagen Bodenarbeit würde er sich vielleicht an mich gewöhnt haben.
      “Das ist eine Frage, die ich dir noch nicht beantworten kann. Ich werde demnächst mal mit Lina sprechen, sicher wird das trotzdem irgendwie machbar sein. Hast du eigentlich schon was von ihr gehört?”, frage meine Chefin beiläufig nach. Ich verneinte, die letzte Nachricht von ihr kam als sie ins Flugzeug steig und mir unbedingt mitteilen wollte, wie cool die Businessclass war. Spätestens heute Abend würde sie schon noch ein Lebenszeichen von sich geben. Luchy brachte mich noch auf den aktuellen Stand, wie es mit den Verkaufsfohlen aussah, tatsächlich hatten alle mittlerweile einen Käufer gefunden.
      Vakany war das letzte Pferd für heute gewesen, weshalb ich auf dem Rückweg von den Koppeln noch einmal bei Divine anhielt. Menschenbezogen wie der Hengst war, kam er direkt an getrottet und durchsuchte mich sofort nach Leckerlis.
      “Na großer, ich bin wohl immer noch nicht der auf den du wartest, aber auf Lina wirst du heute vergeblich warten”, sprach ich zu ihm und gab ihm die halbe Möhre, die ich noch dabeihatte. Zufrieden nahm der Hengst das Gemüse entgegen und verlangte danach gestreichelt zu werden. Der Freiberger war etwas ganz Besonderes, das merkte man auch ohne eine solch innige Beziehung zu dem Pferd zu haben wie Lina. Obwohl es gerade einmal halb fünf war, stand die Sonne schon recht tief am Himmel. Hier in den Bergen merkte man recht schnell, wen der Sommer vorbeiging. Mit dem kürzer Werden der Tage, sinken auch die Temperaturen über Nacht rapide, ein Grund warum die Pferde schon ziemlich schnell das erste Winterfell haben werden.
      “Genieße die letzten Sommertage hier, Hübscher. Schweden wartet auf uns”, flüsterte ich dem Hengst zu. Gedankenverloren kraulte ich den Hengst weiter. Dort, wo er und auch ich in Zukunft hinziehen würden, waren die Sommertage lang, dafür war der Winter umso dunkler.

      Am nächsten Morgen war Jace etwas verspätet mit Herkules im Hänger auf dem zu Alec. Beim Einladen hatte der Hengst ein wenig herumgezickt, es schien heute nicht so ganz sein Tag zu sein. Hoffentlich würde das sich nicht negativ auf das Training auswirken.

      Alec| “Prima, Darly”, lobte ich das Pferd. Der misstrauische Vollblüter begann mir allmählich zu vertrauen und mauserte sich zu einem hervorragenden Pferd. Gerade als ich mit dem dunklen Vollbluthengst den Reitplatz verließ, rollte Jace auf den Hof. Aus dem Hänger wieherte es laut und aus dem Stall kam direkt eine Antwort.
      “Perfektes Timing, Jace”, begrüßte ich den blonden Mann, der gerade aus dem Rage Rover stieg. Gut gelaunt kam er auf mein Pferd und mich zu.
      “Ich habe immer ein perfektes Timing”, antworte er ein wenig überheblich. Mein Kumpel wollte dem Pferd über den schlanken Hals streichen, doch Darly legte die Ohren eng an und versuchte nach ihm zu schnappen.
      “Nimms nicht persönlich, er hat ein grundsätzliches Problem mit Menschen”, erklärte ich und ließ mich aus dem Sattel gleiten. Ich wollte gerade fragen, ob es schon was von Lina gehört hatten, als mir gerade noch einfiel, dass es kein gutes Thema war. “Lade du schonmal dein Pferd aus, ich bringe den hier noch zurück auf die Koppel”, fügte ich noch hinzu und führte das Vollblut in den Stall. Anu stand mit Wolf mitten auf der Stallgasse und unterhielt sich mit Silvia die offenbar gerade Zany in seine Box gebracht hatte.
      “Mädels ihr muss mal Platz machen, und am besten geht ihr ganz aus dem Weg, Jace kommt auch gleich noch” Kaum hatte ich Jace, gesagt war Anu auch schon mit dem Schimmel verschwunden. Natürlich war sie das, schließlich konnte sie sich ihrer Meinung nach nicht so vor ihrem Angebeteten blicken lassen.
      “Ist Jace irgendwie ein Zauberwort?”, scherzte Silvia und blickte Anu amüsiert hinterher.
      “Ja, sowas in der Art. Aber jetzt mach mal weiter, Sasancho wartet auch noch auf dich und denke dran um zwei möchte ich dich mit Fanya auf dem Platz sehen, dann gehen wir noch einmal die Aufgabe für die Körung durch”, sagte ich noch zu ihr, bevor ich Darly auf dem Putzplatz führte, um ihn abzusatteln.
      Während Jace seinen Buckskin Hengst putzte, brachte ich den dunklen Vollblüter zurück auf die Koppel. Osgiliath, der auf der Nachbarkoppel stand, versuchte über den Zaun hinweg nach Darly zu beißen. Dieser schlug einmal ärgerlich aus und trabte dann zu Aschenflug, der am anderen Ende der Koppel stand und graste.

      “Anu, willst du jetzt auf den Platz kommen oder nur da herumstehen?”, rief ich der Blonden zu, die seit 2 Minuten wie festgewachsen mit ihrer Schimmelstute am Platz Eingang stand. Sofort trat eine Röte auf ihre Wagen, sie murmelte etwas und führte ihre Stute dann in die Mitte des hinteren Zirkels.
      “Okay, Jace dann noch einmal angaloppieren und die Wechsel. Konzentriere dich und achte darauf, dass er auch wirklich sauber durchspringt”, wies ich Jace an. Daraufhin galoppierte er seinen Hengst an. Die Anwesenheit der Stute schien dem Hengst gutzutun, denn sogleich
      Präsentierte er sich schöner und auch Jace schien von den Zuschauern angespornt. Diesmal sprang der Hannoveraner den Wechsel auch sauber und galoppierte anschließen fleißig weiter.
      “Hervorragend, noch einmal genauso schön und dann kannst du arbeiten”, lobte ich meinen Kumpel. Auch der darauffolgende Wechsel gelang Jace und seinem Pferd fehlerlos, würden sie auch Freitag so reiten, stand dem Vorreiten nichts mehr im Wege.




      22.666 Zeichen
      zeitliche Einordnung Ende August 2020
    • Wolfszeit
      [​IMG]
      28.12.2021|Wolfszeit
      Doo Wop| Injaki| WHC’ Mimithe| WHC’ Venice| El Pancho| WHC’ Afterglow| WHC’ Solist| LMR Royal Champion| Lancasters Peppermint| WHC’ Schachgott| WHC’ Shakoy| Keks
      "Gut, Hazel, das reicht für heute. Arbeite die Woche noch mal an den Wechseln, die könnten noch ein wenig sauberer sein. Am Freitag haben wir noch mal eine Stunde und da möchte Fortschritte sehen", schloss mein Chef die Reitstunde ab und verschwand kurz darauf aus der Reithalle. Dampf stieg von dem verschwitzen Fell der Stute auf und auch mir hatte die Stunde einiges abverlangt, denn die schnellen Manöver erforderten viel Konzentration, um präzise ausgeführt zu werden. Als ich Injaki vor ein paar Wochen mit Erfolg auf der Körung vorgestellte, entschloss mein Chef sich kurzerhand, dass ich nun auch noch Doo Wop auf einer Zuchtveranstaltung vorstellen sollte, da die Stute gerade aus dem Beritt zurückkam. An sich war das nichts Schlechtes, denn die Stute beherrschte die Manöver deutlich besser als ich, aber sie war einen besseren Reiter gewohnt. Wenn das mit der Körung in zwei Wochen etwas werden sollte, würde ich mir beträchtlich Mühe geben müssen, denn die Welt der Cowboys war doch noch recht neu für mich. Der Komfort eines Westernsattels ist allerdings dem eines Springsattels definitiv vorzuziehen. An der Bande hielt ich an, legte der Stute die blaue Abschwitzdecke über das Hinterteil und zog mir selbst auch wieder meine Jacke über. Mit einer leichten Gewichtsverlagerung lenkte ich die Stute durch das offene Hallentor hinaus und eine Welle kalte Winterluft schlug mir entgegen. Ich war bereits voller Vorfreude auf die kommende Veranstaltung. Auf dem letzten Event dieser Art hatte ich jemanden kennengelernt. Niedlich, wie nervös er die ganze Zeit war, dabei war es nicht gerade so als hätte ich mir Injaki eine besonders herausragende Leistung abgeliefert.
      Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen, als sein Bild vor meinen Augen erschien. Er hatte zwar eine gewisse Statur, aber wirkte irgendwie unauffällig und das machte ihn noch interessanter. Diese hübschen braunen Augen eingerahmt von einer Brille, würde ich sicher überall wiedererkennen. Obwohl das Gespräch nur recht kurz gewesen war, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Aufgrund meiner Unfähigkeit würde ich allerdings darauf angewiesen sein, dass das Schicksal mir eine erneute Begegnung bescherte, denn ich vergaß ihn nach seiner Nummer zu fragen … oder ihm meine zu geben. Leise seufzend, tätschelte ich der Stute den verschwitzen Hals. Wop hatte den Weg eingeschlagen, der sich zwischen den Koppeln entlang schlängelte. Schnee lag in der Luft und die gefrorenen Pfützen knackte leise unter dem Gewicht des Pferdes, als sie brachen. Lange würde es nicht mehr dauern bis der Winter endgültig hier Einzug erhalten würde. Es fühlte sich an, als ob hier nur noch Stille herrschte, die einzig gefüllt wurden von dem gleichmäßigen Viertakt, den Wops Hufe im Sand erzeugten.

      Neben uns erstreckte sich die Fohlenkoppel. Groß waren die Racker geworden und die ältesten von ihnen liefen auch bereits ohne Mutter in der Herde. Wie so oft kam Mimithe an den Zaun und verfolgte uns, lief in ausdrucksvollem Trab neben uns her. Das kleine selbstbewusste Pony würde sicher mal ein gutes Tunierpferd werden, wenn auch eines welche eine große Herausforderung sein würde. Auch Vakanys Fohlen, Venice, war groß geworden und mit jedem Tag ähnelte sie ihrer Mama ein wenig mehr, auch wenn sie farblich ganz nach ihrem Vater kam.

      Ich ritt an der Koppel entlang, bevor ich der Wegbiegung folgte, die mit einem kleinen Schlenker wieder zurück zum Hof führte. Die Criollostute schnaubte entspannt ab, als wir auf den Grasweg abbogen. Leiste knisterte das frostige Gras bei Belastung und funkelte lustig in der tief stehenden Wintersonne. Aus der Ferne war ein lautes Motorgeräusch zu vernehmen, welches klang als gehöre es zu Jace Angeberkarre. Zu meinem Erstaunen rollte einige Minuten später allerdings ein dunkelblauer Porsche auf den Hof. Ungewöhnlich, zogen wir mittlerweile solche Kundschaft an? Mit einer winzigen Gewichtsverlagerung brachte ich meine Stute zum Stehen und wartete neugierig wer denn aus der Luxuskarosse aufsteigen würde.
      Als Erstes tauchte ein mit noch recht neu aussehenden Lederstiefel beschuhte Fuß auf, auf die ein bekanntes Logo mit einem Baum geprägt war. Darüber trug sein Träger eine dunkle Jeans, einen einfachen Strickpullover und eine farblich passende gefütterte Jeansjacke. Sein Gesicht kam mir ziemlich bekannt vor, dennoch brauchte ich einen Moment bis mir sein Name einfiel. Es war Quinn Angebeteter!
      „Schickes Gefährt, Raphael“, rief ich dem jungen Mann zu, der mich noch nicht bemerkt zu haben schien. Er hob den Blick von seinem Smartphone und lächelte mich höflich an: "Hallo Hazel."
      "Was führt dich hier zu uns auf den einsamsten Hof in ganz Kanada?", fragte ich, auch wenn ich mir schon denken konnte, wen er hier suchte. Das Grinsen konnte mir dabei nicht verkneifen. Raphael trat ein paar Schritte heran und strich der Stute beiläufig über das Fell.
      "Ich suche Quinn, weißt du, wo sie ist?", fragte er, währen Wop ihn freundlich inspizierte.
      "Also zuletzt habe ich sie in der großen Halle gesehen. Ich kann dir gerne zeigen, wohin du musst", entgegnete ich hilfsbereit. Raphael nickte darauf zustimmend. Mit einem leichten anlegen des Zügels wendete ich das Pferd und steuerte auf die Halle zu.
      "Hast du jetzt umgesattelt? Wenn ich mich recht erinnere, saßt du das letzte Mal im Springsattel?", fragte er interessiert.
      "Ja, da hast du recht, aber das ist schon vor gut eineinhalb Jahren geschehen. Nach fast dreizehn Jahren wollte ich einfach etwas Neues ausprobieren. Das Springen mache nur noch gelegentlich. Die beiden Ponys, die ich in Langley gesprungen bin, sollten ein wenig Routine bekommen, damit auch ein paar der Reitschüler sie zukünftig vorstellen können", antwortete ich erklärend. Wir erreichten die Halle und Wop lief bereits ganz von selbst durch das Tor, um vor der geschlossenen Bande stehenzubleiben. Ich lag richtig mit meiner Vermutung meine Kollegin hier zu finden, auch wenn sie den Knabstrupperhengst, mit dem sie trainiert hatte, derweil gegen Afterglow getauscht hatte. Mit weichen, federnden Bewegungen schwebte die junge Stute über den Sand und stieß im Rhythmus ihrer Schritte kleine, weiße Atemwölkchen aus den Nüstern. Als Quinn erblickte, wen ich hergeführt hatte, erhellte ein strahlendes Lächeln ihr Gesicht und sie parierte Glowy auf unserer Höhe zum Schritt durch und tätschelte ihr lobend den kräftigen Hals.
      "Hey", begrüßte meine Kollegin ihren Gast Freudenstrahlen, "so früh habe ich dich gar nicht erwartet." Die braune Stute reckte ihren Kopf hinauf zu Raphael und beschnupperte ihn mit weit geblähten Nüstern, die Augen weit geöffnet. Sanft strich er dem barocken Pferd über die Stirn, während er Quinn sanft anlächelte: "Ja, ich bin früh, aber lass dich von mir nicht stressen, reite ruhig weiter, ich sehe dir gerne zu."
      Bevor ich weiterhin wie das dritte Rad am Waagen herumstand, verließ ich die Halle und ließ die beiden allein. Im Stall sattelte ich meine Stute ab und stellte sie noch für einen Moment unter das Solarium, damit sie auch wirklich vollständig trocken zurück auf den Auslauf ging. Während die Stute im wärmenden Licht döste, trudelte eine Nachricht auf meinem Handy ein. Sie beinhaltete, dass ich bei den Junghengsten nach dem Rechten sehen sollte, primär nach dem Wasser und dem Heu. Sobald die rötlichen Lampen des Solariums erloschen, brachte ich die Stute zurück in den Auslauf, wo sie sich direkt in den Fallen ließ.

      Aus der Scheune holte ich das Fahrrad, da ich bei der Kälte nur wenig Lust hatte, die eineinhalb Kilometer bis zur Koppel zu Fuß zurückzulegen. Auf dem Weg lief mir Bubbels entgegen, der mir sogleich fröhlich bellend folgte.
      Vier der Hengste standen aufgereiht wie die Orgelpfeifen am vorderen Zaun. Lustigerweise hatten sie sich der Größe nach sortiert. Solist, als der jüngste und kleinste, stand ganz am Rand, daneben Champ. Er war in den letzten Monaten noch ein paar Zentimeter gewachsen, aber vor allem hatte der fünfjährige an Breite gewonnen. Aus dem schmächtigen Jungpferd wurde allmählich ein prächtiger Hengst. Shaky stand daneben und wurde von dem gleichaltrigen Schachgott geärgert. Der Appaloosa versuchte erst in das Ohr des Fuchses zu beißen und als Shakoy dieses schließlich wegzog, wurde seine Mähne attackiert. Nun schnappte er seinerseits nach dem Kopf des hellen Schecken. Schachi quietschte auf und schlug spielerisch mit dem Huf nach seinem Artgenossen. Kopfschütteln aber erheitert stellte ich das Fahrrad in sicherer Entfernung vor neugierigen Jungpferdezähnen ab und schlüpfte durch den Zaun.
      Zielstrebig steuerte ich die Wassertröge an. Der Wasserstand war noch ausreichend und die dünne Eisschicht hatten die Pferde bereits selbst beseitigt. An Heu war auch noch ausreichend vorhanden, denn der große Rundballen war gerade einmal zu einem drittel angefressen. Die beiden Junghengste jagten sich mittlerweile über die weitläufigen Koppel. Der Fuchs, der eine wahrlich gelungene Mischung aus der Hannoveranerstute Keks und einem talentierten Warmbluthengst aus Deutschland war, zeigte sich sogar im Spiel elegant und scheute auch nicht davor zurück, sich gegen den Spielkameraden zu wehen. Zwickte Schachi ihm in den Rücken, rächte er sich gleich mit einem Angriff auf seinen Hals oder die Beine. Ich beobachtete die spielen Pferde noch einen Augenblick, bevor ich mich in Begleitung des Dalmatiners wieder in Richtung Hof machte.

      Person Hazel O'Connor| 9347 Zeichen
      zeitliche Einordnung Anfang Oktober 2020
    • Wolfszeit
      [​IMG]
      Everytime we touch | 01. Juni 2022
      Doo Wop | El Pancho | Injaki | Lancasters Peppermint | LMR Roya l Champion | WHC’ Schachgott | WHC’ Solist | Lilli vom Hirschberg | Elfenlied | WHC’ Mitena | WHC’ Candela | WHC’ Darkroom | Keks | WHC’ Devil’s Eye | Black Lady | WHC’ Poseidon

      Panchy war heute gut in Form, sodass ich mich heute an eine neue Lektion wagte. Gleichmäßig federte der Knabbstrupper über den Sand und wich gehorsam auf des anlegen das Schenkels seitwärts. Ich lobte den Hengst ausgiebig und prompt kam der Kopf rum, um sich ein Leckerli abzuholen. Einige Male wiederholte ich die Schenkelweichen, bevor ich das Training beendete. Ich war zufrieden mit dem Hengst, das war ein guter Start in den Tag. Während ich die Abschwitzdecke auf dem hellen Hinterteil des Pferdes ausbreitete, betrat Hazel mit Doo Wop die Halle.
      “So früh schon, so fleißig, dein Urlaub muss ja wirklich motivierende gewesen sein?”, grinste sie, während sie den Gurt ihrer Stute fest zurrte.
      “Ja, Spanien war schön und nicht so unerträglich kalt wie hier”, lächelte ich versonnen.” Als Raphael mich vor zwei Wochen recht kurzfristig fragte, ob ich ihn nach Spanien begleiten wollte, hatte ich nicht lange überlegen müssen. Europa und dann auch noch mit dem süßesten Springreiter im Umkreis von tausend Kilometern.
      “Wart ihr nur auf dem Turnier oder habt ihr auch anderes gemacht?”, versuchte sich die zierliche Gestalt gefühlvoll an den eigentlichen Grund irreres Interesses heranzutasten.
      „Wir waren auch noch in Barcelona, am Stand und in den wahrscheinlich luxuriösesten Hotelzimmer, die ich jemals betreten habe. Du glaubst nicht wie unheimlich schön so ein Infinitypool ist“, begann ich zu schwärmen.
      “Uhhh, also war es heiß?”, hakte Hazel weiter nach und ihr verwegenes Grinsen macht deutlich, dass sie nicht vom Wetter in Europas Süden sprach.
      “Sí", schmunzelte ich, denn neben den Locations waren auch noch ganz andere Aussichten atemberaubend gewesen.
      “Na dann verstehe ich deine Laune vollkommen”, gluckste Hazel und schwang sich auf ihre Stute, die mittlerweile beinahe eingeschlafen war.
      “Und warum bist du so gut drauf? Hängt das etwa mit dem jungen Mann zusammen, der dich neulich abgeholt hat?”, war nun ich an der Reihe Neuigkeit in Erfahrung zubringen. Dass Hazel seit geraumer Zeit nur noch an ihrem Handy hing, wenn sie nicht gerade auf dem Pferd saß, war mir bereits aufgefallen, doch hätte ich nicht ergründen können wieso. Zumindest bis Jayden mir einen Snap mit den Worten “Unsere kleine Hazel wird erwachsen" sendete. Obwohl aus gefühlten tausend Metern Entfernung aufgenommen, war der junge Mann deutlich zu erkennen gewesen, in dessen Auto die kleine Brünette stieg. Ebenso ließ ihre optische Aufmachung keinen Zweifel daran, was sie von ihm wollte – es war eindeutig ein Date Night Outfit.
      “Woher weißt du das? Sicher, dass du weg warst?“, lachte sie erstaunt.
      “Ich hab so meinen Quellen”, entgegnete ich grinsend,”also sag schon.”
      “Ja, Lewis ist der Grund. Wir gehen nachher auf eine Zuchtveranstaltung, für Westernpferde versteht sich”, sprach sie und das Grinsen auf ihrem Gesicht wurde immer breiter.
      “Oh wie schön, dann wünsche ich dir schon mal viel Spaß für später”, grinste ich und verließ mit Pancho die Halle. Sein Fell war mittlerweile trocken, womit er wieder raus zu den anderen Pferden durfte. Der nächste Weg führte mich zu Peppermint, einem der Junghengste, der diesen Winter angeritten werden sollte. Der gepunktet Warmblüter stand zusammen mit den anderen Jungpferden etwas weiter entfernt auf einer der Weiden an den Berghängen. Dort hinzugelangen, wäre ein ganzes Stück zu Fuß, weswegen ich mir Lilli vom Paddock holte. Die Tinkerstute war ein nicht ganz einfaches Schulpferde, weshalb sie nahezu chronisch unterbeschäftigt war. Schnell putzte ich die Stute über und schallte ihr ein Reitpad auf den Rücken, da sie für mein Gefühl ohne Sattel ein wenig zufriedener lief. Aufgetrenst und mit einem Halfter für den Junghengst ausgerüstet, ginge schließlich los. Wie ein Panzer pflügte das kleine Kaltblut durch den tiefen Neuschnee und bekam für ihre Verhältnisse sogar richtig Tempo. Auf halbem Wege kam mit Felix mit Keks entgegen.
      “Guten Morgen”, grüßte er freundlich und hielt die Warmblutstute auf meiner Höhe an, “Auch so früh schon eine Runde ausreiten, oder wohin soll es gehen?” Neugierig stellte Lilli die plüschigen Ohren auf und reckte den Kopf zu der braunen Stute hin. Kurzes Quietschen erklang, bevor der Hannoveraner den Kontakt doch freundlich erwiderte.
      “Jein, es geht zu den Jungpferden, Peppy holen und ehrlich gesagt wollte ich nicht so weit durch den Schnee stapfen”, lachte ich.
      “Verstehe ich, vor allem, weil du in Spanien bestimmt weniger das Problem mit kalten nassen Füßen hattest”, nickte mein Kollege freundlich.
      “Ja, wenn dann eher gezielt, als unbeabsichtigt”, scherzte ich. Ich erzählte noch ein wenig mehr von Spanien und im Gegensatz zu meiner Kollegin, war Felix weniger an meiner Begleitung interessiert, als tatsächlich an meinem Urlaub. Kaum hatten jeder von uns seinen Weg wieder aufgenommen, tauchten auch schon die Jungpferdewiesen vor uns auf. Viele der Jungstuten drängten sich neugierig am Zaun. Ganz besonders aufdringlich war Elfe, eines der ältesten Tiere in dem bunten Haufen. Die Roanscheckstute drängte sich eng an die Holzbretter, als wolle sie sich hindurchdrücken. Gelassen ließ Lilli die zahlreichen Schnauzen an ihr schnuppern, während ich nach meinem Liebling Ausschau hielt. Rooma oder Darkroom, wie sie eigentlich hieß, kam ganz nach ihrer Mutter Black Lady, einzig die Abzeichen schien sie von Shavalou geerbt zu haben. Besonders niedlich dabei, war die Blesse, die sich auf ihrer Stirn zu einem Herz verformte. Ich entdeckte die Rappstute schließlich etwas abseits des Zaunes in Begleitung von Devil’s Eye und der gleichaltrigen Candela. Zwischen all den bunten Schecken, stach der minimalistische Rappe auf, auch wenn jetzt im Spätherbst viele der hellen Tiere eher in einem Matschbraun erschienen. Schnell verloren die jungen Pferde das Interesse an der Tinkerstute und zerstreuten sich wieder, als ich den Weg zu den Hengsten fortsetzte. Direkt neben dem Wasserfass, stand Jaces Hengst Solo und versuchte sich mit Schachi gegenseitig in Ohren, Hals und Mähne zu beißen, scheinbar auch recht erfolgreich, denn beide Hengste hatten einige Löcher im Fell. Die weiteren Tiere suchten unter der frischen Schneedecke nach einigen Grashalmen. Ich glitt vom Rücken, der kleinen Tinkerstute, ließ sie vor dem Tor stehen. Der Hengst des Begehrens stand glücklicherweise nicht allzu weit weg, sodass der Weg durch den Schnee nur kurz war.
      “Na, Peppy, Lust ein wenig zu arbeiten?”, sprach ich den Hannoveraner an, der daraufhin den Kopf anhob. Zu Begrüßung hielt ich ihm einen Leckerbissen hin, den er zart von meiner Hand nahm. Artig ließ er sich halftern und folgte mir zum Tor, wo die Tinkerstute unverändert stand, nicht einen Huf hatte sie bewegt. Geschickt zog ich mich wieder auf ihren Rücken und begab mich mit dem jungen Pferd im Schlepptau zurück zum Hof. Schnell war Lilli zurück auf ihr Paddock gebracht, sodass ich beginnen konnte mit Pepper zu arbeiten. Für heute hängte ich den Rappen nur an die Longe. Zu Beginn war er ein wenig aufgeregt, ließ sich von Hazel und Injaki ablenken und hielt sich dadurch in der Oberlinie fest, doch mit jeder Runde wurde der Hengst entspannter und begann gegen Ende sogar sich zu tragen. Zufrieden beendete ich damit das Training und bemerkte erst jetzt, dass ich einen Zuschauer bekommen hatte. Ein wohlbekanntes Gesicht grinste mir entgegen, die hellen Augen so strahlend wie die LEDs über unseren Köpfen. Wie ein in Panik versetztes Pferd, begann mein Herz urplötzlich zu rasen, sendete unheimliche Mengen des Lebenssaftes durch meinen Körper.
      “Rhapael”, stammelte ich von den Empfindung übermannt, “solltest du nicht … auf einem Turnier sein, ich dachte, du kommst erst Ende der Woche?” Neugierig, lief der Hengst an meiner Longe auf den jungen Mann zu und beschnupperte ihn.
      “Ja, da hast du schon recht, aber mir war heute nicht danach”, zuckte er mit den Schultern, als sei es ganz und gar nicht wunderlich. Wie hypnotisiert starrte ich auf seine langen, schlanken Finger, die sanft über Peppers Stirn strichen. Ein wohliger Schauer überlief mich, als mein Körper sich erinnerte, dass ebendiese Finger, vor nicht allzu langer Zeit ebenso zärtlich über meine Haut strichen und ich musste mir auf die Lippen beißen, um nicht leise aufzuseufzen.
      “Aber warum bist du dann hier und nicht … Zuhause?”, fragte ich verwirrt. Es kam mir nur wenig sinnig, warum es den Springreiter ausgerechnet mitten im Nirgendwo in die Kälte zog, wenn er auch an einem deutlich gemütlicheren Ort sein konnte.
      “Da ist nicht so nette Gesellschaft?”, sprach er mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.
      Mit großen Augen starrte ich ihn an. Hatte er das wirklich gesagt, oder war das nur ein Produkt meiner Wunschvorstellung?
      “M-meinst du … mich?”, hakte ich ungläubig nach, dass ich mich auch nicht verhört hatte.
      “Ich bin wegen des hübschen Hengstes hier”, sprach er und fuhr damit, fort dem Hannoveraner den kräftigen Hals zu kraulen. Offenbar schienen meine Augen immer großer zu werden, der lachend hängte er an: “Nein, natürlich meine ich dich, Dummerchen.” Unwillkürlich schoss sengende Hitze durch meine Adern, blitzte durch meine Nervenenden und brachte meine Synapsen zum Platzen. Tatsächlich, ich hatte mir das nicht nur eingebildet. Raphael, der aufstrebende Star des nationalen und internationalen Springsport kam hier her, für mich. MICH, das vermutlich unbedeutendste Wesen, was der Reitsport jemals gesehen hat.
      Klar, er hatte mich bereits mit nach Spanien genommen, aber das fühlte sich anders an. Es mochte daran liegen, dass er mich nur deshalb fragte, weil ein Freund von ihm absprang und er nun einen Ersatz brauchte … oder war es am Ende nur ein Vorwand gewesen?
      Ein lautes Scheppern holte mich zurück in die Gegenwart, wo ich mich erst einmal panisch orientierte, was der Auslöser dafür war. Injaki, war offenbar in einem Trotzanfall, samt Hazel in eines der Hindernisse gescheppert, die noch im unteren Teil der gigantischen Reithalle aufgebaut waren. Das junge Tier an meiner Longe war zu Salzsäule geworden und starrte hoch aufgerichtet in die Richtung, in der meine Kollegin zu Füßen, den Criollohengstes lag.
      Reaktionsschnell war Raphael, bereits die wenigen Stufen der Tribüne hinuntergelaufen und befand sich längst auf halbem Wege zu ihr.
      “Hazel, alles in Ordnung?” rief ihr zu, denn Pepper verhinderte wie ein Anker, dass ich mich zu ihr hin bewegen konnte.
      “Ja, alles noch dran”, ertönte eine kräftige Antwort und sie setzte sich langsam auf. Jakie, der sich offensichtlich selbst vor seiner Aktion erschrocken hatte, stand mit gesenktem Kopf daneben, die Zügel hinter den Ohren hängend. Der Springreiter war mittlerweile bei Hazel angelangt und reichte ihr die Hand zum Aufstehen, ihr schien augenscheinlich nichts passiert zu sein. Nachdem Raphael sich der Unversehrtheit, meiner Kollegin versichert hatte, sah er nach dem dunklen Hengst. Vorne links lahmte er leider, wenn auch nicht besonders stark. Wie sich der Criollo wieder bewegte, kehrte das Leben in auch in Pepper zurück.
      “Danke, den Rest schaffe ich allein”, nahm Hazel ihm ungeduldig die Zügel aus den Händen und verschwand mit dem Rappen. Seltsames verhalten.
      “Verschwindet sie immer so schnell?”, fragte Raphael irritiert, woraufhin ich nur mit dem Kopf schüttelte. Gemeinsam verließen wir nun auch die Hallen und begaben uns in den Hauptstall, wo ich Peppermint den Kappzaum abnahm und alles verräumte.
      “Möchtest du noch einen Kaffee, der Weg zu Koppel ist nicht der kürzeste”, warnte ich den jungen Mann, bevor wir den Weg zu den Koppeln einschlugen.
      “Nein, danke, ich bevorzuge meine Schneespaziergänge ohne Zusatzballast”, lehnte er freundlich ab, nahm den Strick vom Haken an der Wand, und hängte den Hengst ab. An seiner Seite folgte ich ihm hinaus in den Schnee. Still war es draußen, alle hielten sich bevorzugt unter einem Dach auf und das glitzern weiß, schluckte die Geräusche der Umgebung.
      “Weißt du, was mir hier draußen gefällt?”, begann Raphael nach einem Moment der Stille, die einzig von den leisen Geräuschen der Schritte und Peppers leisem schnauben durchbrochen wurde. “Hier ist es so schön ruhig und man wird nicht auf Schritt und Tritt verfolgt und angestarrt. Das schenkt einem unheimliche viel Freiheit.”
      “Freiheit, inwiefern?”, fragte ich nach, denn ich verstand nicht so recht, was er meinte.
      “Die Freiheit, alles zu tun, ohne gleich das neue Klatschthema für die nächsten zwei Wochen zu sein”, lächelte er sanft. Wie beiläufig ergriff er meine Hand und verwob unsere Finger miteinander. Warmes Glück perlte durch meine Adern, sammelte sich in meinem Bauch zu einem wohligen kribbeln und beschleunigte meinen Herzschlag.

      .
      © Wolfszeit | Quinn Drake | 12.550 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Ende Oktober 2020}
    • Wolfszeit
      [​IMG]
      Farewelll | 15. August 2022

      Saturn | Lifesaver | Elf Dancer | Little Buddy | Vakany | Elvish Beauty | Miss Leika | Lady Moony | British Gold | Miss Griselda Braun | LMR Ice Rain | Vikar | All Hope Is Gone | Mijou | Briair | Flanell d’Egalité | WHC’ Delicious Donut | WHC’ Mimithe | WHC’ Minya | WHC’ Venice | Amigo | PFS’ Artic Tiger | Songbird | Cremella | Minnie Maus | Curly Lure | Sunny Empire | Baroness Of the Guard | WHC’ Shakoy | WHC’ Solist

      “Morgen geht es in dein neues Zuhause”, flüsterte ich der Stute zu und strich über den immer dünner werden Pelz an ihrem Hals. Minnie würde als Kinderpony zu einer bekannten unserer Chefin ziehen. Die kleine Tochter, dieser schwärmte bereits seit Ewigkeiten von der Ponystute. Jetzt zu ihrem 10ten Geburtstag gaben ihre Eltern nach und wollte ihr den Wunsch erfüllen. In der Ferne tauchen die Jungpferdeweiden auf. Derzeit bestand die Herde aus vielen verschiedenfarbigen Tieren, nur die einjährige Lusitanostute stach mit ihrer feuerroten Farbe heraus. Die Koppel war heute allerdings nicht das Ziel. So bog ich an der nächsten Wegbiegung ab und folgte dem Weg auf die Hochebene. Zwischen dem kurzen Gras sprossen die ersten Blumen hervor und die Frühlingsbrise trug diverse Gerüche zu uns hinauf. Fleißig stapfte das Pony voran, bis wir nach einer ausgedehnten Runde durch die Einsamkeit, wieder an den Koppel angelangten. Erst bei Näherkommen, erblickte ich, weswegen die Junghengste sich am Zaun sammelten.
      “Na über was debattiert ihr hier?”, fragte ich die Gruppe bestehend aus Jace, Raphael und natürlich auch Quinn, die ihre Augen kaum von dem attraktiven Springreiter lassen konnte.
      “Über Jace auch so tolles Pferd. Aktuell sieht er, nicht ganz so nach Spitzenpferd aus”, lacht sie. Unrecht hatte sie damit nicht. Der Falbhengst schien gerade mitten in einem Wachstumsschub zu sein, wodurch seine Hinterhand einige Zentimeter höher stand.
      “Nur weil er gerade ein wenig überbaut ist, heißt das nicht, dass das nichts wird”, protestierte der Blonde pikiert, “Schau dir doch mal die schönen langen Beine an.”
      “Was sagte du nochmal, ist in seiner Abstammung, Cor de la Bryére?”, mischte sich nun auch der andere Mann ein. Jace nickte bestätigend.
      “In der Springszene sind die sehr verbreitet, aber für ein Dressurpferd, ich weiß ja nicht”, fachsimpelte er. Die Namen, mit denen die drei in ihrem Diskurs um sich warfen, sagten mir kaum etwas. Ich hatte schon länger das Interesse an englischen Reitsport und mit ebenso an den klassischen Rassen in diesem Bereich verloren. Für den Westernsport waren die meisten nämlich zu schwungvoll und mir ihren langen Rücken und Hälsen nicht wendig genug.
      “Na gut, dann lass ich euch mal weiterdiskutieren”, verabschiedete ich mich von der Truppe und kehrte mit Minnie zurück zu ihrem Auslauf, wo ich sie absattelte. Ein leztes mal mapfte die Stute ihr Müsli aus einer der bunten Schüsseln, die einst liebevoll verziert worden waren.
      “Auf Wiedersehen, Süße Maus”, verabschiedete ich mich von der Rappstute, bevor sie hinüber zu ihrem Heu trottete und sich zwischen Cremella und Curly zwängte. Songbird kam neugierig angetrottet und staubte noch ein Leckerli ab. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich mich ein wenig beeilen musste, wenn ich mich noch frisch machen wollte, bevor Lewis kam. Er hatte nicht verraten wollen, wohin es ging, umso gespannter war ich darauf, was sich mir eröffnen würde.
      © Wolfszeit | Hazel O'Connor | 2939 Zeichen
      zeitliche Einordnung {Februar 20201}
    • Mohikanerin
      Platzhalter
    Keine Kommentare zum Anzeigen.
  • Album:
    Paddock Trails Hengste
    Hochgeladen von:
    Wolfszeit
    Datum:
    16 Mai 2021
    Klicks:
    1.129
    Kommentare:
    14

    EXIF Data

    File Size:
    147,9 KB
    Mime Type:
    image/jpeg
    Width:
    960px
    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • WHC' Solist

    Rufname: Solo
    geboren 07. Juli 2019


    Aktueller Standort: Whitehorse Creek Stud, Cadomin [CAN]
    Unterbringung: Weide mit Unterstand [24h]


    __________ p e d i g r e e

    Aus: Vakany [Trakehner]
    MMM: Ysun _____ MM: Mystical Star _____ MMV: Pacey
    MVM: Larnella _____ MV: Co Pilot de la Bryére _____ MVV: Cor de la Bryére


    Von: Sasancho [Holsteiner]
    VMM: Coffe _____ VM: Lacura _____ VMV: Leina
    VVM: Cartman _____ VV: Summerlong _____ VVV: Saddy


    __________ i n f o r m a t i o n

    Rasse: Candian Sport Horse [CSH]
    TRAK [50%]; HOL [37,5%]; AV [12,5%]

    Geschlecht: Hengst
    Stockmaß: 173 cm
    Farbe: Wild Bay Dun
    [EE A+A+ nD nO]

    Charakter
    intelligent, selbstbewusst, sensibel, freundlich, brav

    Solist ist ein freundliches, braver Hengst. Auch, wenn der kleine Hengst sensibel ist, er dennoch selbstbewusst und stolziert fröhlich über die Koppel. Solist ist recht schlau, was man daran merkt, dass er schon direkt rausgefunden hat, wie man die Mama am besten ärgert.


    __________ p e r f o r m a n c e

    [​IMG] [​IMG]
    Dressur E [M] – Springen E [M] – Militay E [L] – Fahren E [A]

    Niveau: International

    Monat 20xx
    x. Platz, Veranstaltung


    __________ b r e e d i n g

    [​IMG]
    Stand: 01.01.2023


    xXx wurde im Monat 20xx durch HK XXX zur Zucht zugelassen.

    Zugelassen für: HANN, CSH, BRP, a. A.
    Bedingungen: Keine Inzucht
    Decktaxe: x Joellen, [Verleih auf Anfrage]

    Fohlenschau: -
    Materialprüfung: -

    Exterieurnote: -
    Gesamtnote: -

    __________ o f f s p r i n g

    Solist hat 0 Nachkommen.

    NAME a.d. STUTE [HANN] *20xx


    __________ h e a l t h

    Gesamteindruck: Gesund; gut in Training
    Krankheiten: -
    Beschlag: Barhuf


    __________ a d d i t i o n a l

    Pfleger: Jace
    Reiter: -
    Eigentümer: Jace Sherwood [100%]
    Züchter: Whitehorse Creek Stud, Cadomin [CAN], Luchy Blackburn
    Ersteller, VKR: Mohikanerin

    Solo steht aktuell nicht zu Verkauf.
    Wert: 837 Joellen

    Punkte: 6

    Abstammung [6] – Trainingsberichte [0] – Schleifen [0] – RS-Schleifen [0] – TA [0] – HS [0] – Zubehör [0]
    _____

    Spind – Exterieur – PNG
    Solo existiert seit dem 04. Juli 2019, wurde am 16. Mai 2021