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AliciaFarina

Vin I Isländer I Stute

Vin I Isländer I Stute
AliciaFarina, 2 Feb. 2020
    • AliciaFarina
      Ihre Zeit bei Ofagwa

      Ankunft
      by Ofagwa

      " Piep , piep , piep " , mein wecker klingelte , genervt drückte ich auf aus und schaute vom Bett aus aus meinem Fenster. Sonne , Hitze ... blauer strahlender Himmel. Wir sind nun seit genau 1 Woche in Australien , meine Isländer stehen auf der Berg weide und da wir recht nah am Ozean leben und auch einen kleinen Strand haben , genießen meine Isländer die schöne frische Briese. Das Winterfell aus Deutschland haben sie in Null Koma nichts abgelegt. Aber etwas Fehlt .. ich bin mittem umgeben von Outback .. umringt von Schafen und Rindern die ich seit nun 1 Woche mein Eigen nenne und ich habe kein Quarter Horse.

      Er kommt ...
      by Ofagwa

      Zitat : ich habe kein Quarter Horse , das hat natürlich mein lieber bester Freund Kevin mitbekommen , der auf einem der kleineren Höfe in der umgebung lebt. Heute morgen sah ich nur einen riesen Truck auf meinen Hof fahren , nach seiner Aussage " ist das noch einer der kleinen Trucks" ... Kultur schock Pur kann ich nur sagen. Auf jedenfall fuhr dieser auf meinen Hof und dann hörte ich nur ein Schnauben. Cailey , die gerade vorn an der Weide stand , was mich ziemlich wunderte die Weiden die ich hier besitzt sind mindestens Doppelt so Groß wie in Deutschland , wirrte aufgeregt . Kevin stieg auf un ging auf mich zu ," Du willst doch nicht die arme Cailey damit Quälen das du auf ihr die Zäune abreitest und ab und zu die Rinder und Schafe von A nach B treibst oder ?" , ich dachte nach .. Nein denn das Stütchen würde mir den Vogel Zeigen ," Nein?", sagte ich leicht verplant. " Dachte ich mir", Kevin zog mich mit zum Hänger und sagte " Welcome to Austrailia" , ich öffnete die Tür und ein wunderschöner Quarter Horse Hengst schaute mich liebevoll an. " Wow " , sagte ich nur und legrte meine Hand auf seinen Kopf. Kevin holte ihn runter . " Er heißt Small Joker Likes Dun , und ist ein 8 Jähriger Quarter Horse Hengst , und er bekommt die Pille für Männer , du kannst ihn also zu Cailey stellen." ich schaute etwas verdutzt bis Kevin mir die Packung vom Tierarzt in die Hand drückte . " Eine in der Wohche , ich gebe sie ihm immer Sonntags . " Ich lachte sofort " ich weiß garnicht wie ich dir danken soll " , Kevin lachte und sagte , du hast Isländer nach Australien gebracht , und ich wollte schon immer mal einen reiten ... du hast genug getan". Ich lächelte ihn an und umarmte ihn Herzlich. sofort nahm ich Dun vom Hänger , er war gelassen und auf Cailey reagierte er nicht. Naja Okay heute war Samstag also musste diese Pille wohl was bringen. Ich führte ihn zum Gatter und ließ ihn , nachdem ich die Gamaschen entfernte , auf die weide zu Cailey. Er sagte ihr aufgeregt 'hallo' machte aber keine anzeichen Hengstig zu sein. Zusammen Galoppierten sie gen Sonne zu den anderen Herden mitgliedern. " Das Passt , Die Isländer stehen auf der Berg Koppel am Haus , dann kann ich mit denen Morgen runter".. Kevin lachte " Blödii , du musst eh morgens und abends füttern , Dun kennt das er wird die Herde nach hier vorne führen , der hat doch hunger". Stimmt sagte ich und schaute auf die Pillen Packung ... " jetzt sag du mir bitte wie ich dem Tierarzt klar mache das mein Hengst die Pille braucht?" , sagte ic und lachte , Kevin erzählte mir das dies hier normal sei , als wir uns auf den Weg ins Haus machten , denn 1 Dollar musste ihm ihm geben , Pferde verschenken ist wie in Deutschland auch hier Illegal...

      Sunday Morning
      by Ofagwa

      .. ich ging über den Hof und genoss die wärmende Sonne am Morgen. Sie stand noch nicht sehr Hoch es war ein gutes Klima um die Pferde zu Trainieren. Ich holte mir ein Knoten Halfter aus dem Stall und ging auf die Weide zu den Isländern. Die junge Stute Mön , die erst seit einigen tagen bei den Ausgewachsenen Stuten stand , schaute mich schon an. Ich ging auf sie zu und legte ihr behutsam das blaue Knoten Halfter an. Sie schnaubte , das Halfter kannte sie ja schon. Sofort kam Vin zu uns und wollte sich auch ihren Keks abholen , den bekam die freche Stute und ich führte Mön vom Platz. Ich ließ sie auf den Longierplatz gehen und machte das Halfter ab. Scoubi , der auf der Hintersten Weide zusammen mit Dun stand , Sah uns und Wirrte , er scharrte wild mit den vorder Beinen und legte die Ohren an " du Teufel" , sagte ich gelangweilt und schaute wieder weg , dieses Verhalten war uns ja schon bekannt. Mön legte sich genussvoll in den Sand und wälzte sich wieder und wieder. Sie stand auf und der Staub rieselte nur so von ihr herab. ich nahm den langen Strick vom Halfter ab und scheute damit die junge Isländer Stute , sie schnaubte und versuchte mir zu drohen... , doch ich reagierte mit abwehr und scheute sie weiter , noch einmal plusterte sie sich auf und stellte sich gerade vor mich , ich warf mit dem strick nach ihr un sie wich aus , sie trabte weiter um mich herum und begann zu kauen " na siehst du" , sagte ich und scheuchte sie erneut , nun leckte sie sich die Lippen , das wollte ich , ich ließ den Druck ganz weg und sie durfte zu mir kommen. " Feein" , sagte ich und strich ihr mit meiner Hand über den Kopf, dabei kaute sie. Sofort halfterte ich sie auf und ließ sie stehen , ich holte Adrenaline von der weide , legte ihr ein Bonsal an und saß schnell auf , ich holte davor noch die kleine Mön vom Platz und dann ging es in Richtung Fluss. Scoubi musterte die Stuten am Zaun und folgte uns , auch Dun folgte aber er wieß Scoubi immer wieder zurück. Mön war sichtlich angespannt , denn der junge Hengst strahlte nicht gerade ruhe aus. Am Fluss entspannte das junge Stütchen sich wieder und spielte im Wasser , sie war ein gutes Handpferd , und auch Adrenaline hatte Freude am dem kühlen nass. Ich ritt hindurch , nun war ich in der Steppe , weit und breit nur Fläche. Mön wurde etwas übermütig und trabte aufgregt neben der ruhigen Criollo stute her , aber sie machte keine Anstallten loszurennen. Wieder auf dem Hof beendete ich den Tag indem die Pferde alle Heu bekommen haben. die Isländer teilten sich das Futter friedlich doch Cailey hatte kurz etwas gegen Shorty . Aber Schluss endlich war alles Okay.

      Ihre Zeit bei Veija
      Pflegebericht für alle meine Pferde
      August 2014, by Veija

      Gähnend erhob ich mich aus meinem Bett. Heute würde ich mich um alle meine Pferde kümmern. Das hieß, ich hatte einen sehr langen Tag vor mir. Langsam torkelte ich ins Badezimmer und stieg in die Dusche. Gestern Abend hatte ich mich einfach nur müde ins Bett geschmissen, da der ständige Regen einen einfach nur müde machte. Als ich fertig mit duschen war, zog ich mir eine Jeans an, meine Reitstiefel, eine langärmige Bluse und einen weißen Westernhut. Den, den ich so gut wie immer trug wenn ich auf dem Hof rumlief. Nun doch endlich wach sprang ich die Treppe runter, schnappte mir einen Apfel und ging über den Hof in den Stall. Zu erst wollte ich nach meinen vier Schätzen sehen. Mit Schätzen meinte ich meine Englischen Vollblüter. Zur Zeit hatte ich 4 Stuten, doch bald kam noch ein Hengst dazu, der meine Mädels bestimmt aufmischen würde..

      Generell waren in letzter Zeit sehr viele neue Pferde hinzugekommen, doch ich würde mich ja wie gesagt heute gut um alle Tiere kümmern.
      Das erste Pferd war Hell, die heute sehr unruhig wirkte. "Na mein Mädchen", flüsterte ich ihr zu und seufzte leise. Ich musste mich wirklich mehr mit meinen Tieren beschäftigen. Die Stute legte die Ohren an und blickte mich skeptisch durch die Gitter an. "Ist ja gut...", flüsterte ich und holte mir ihr Halfter. Die vier kamen heute in die Führanlage, damit sie langsam wieder Muskeln aufbauten. Schließlich hatten sie lange gestanden. Das lange Stehen war auch ein Grund, weshalb ich mir bald Hilfe auf den Hof holen wollte. Jemanden, der die Tiere morgens auf die Koppel brachte und Abends wieder reinholte. Nicht mehr und nicht weniger. Und das auch nur, wenn ich wegen dem Ausbildungsbetrieb nicht hier war. Oder er würde sich auch in meinem Betrieb einfinden, damit wir schneller arbeiten konnten, denn es standen noch immer Aufträge an.
      Als ich Hell dann nach einigem Probieren aufgehalftert hatte, kratzte ich ihr schnell die Hufen aus und brachte sie in die Führanlage. Es folgten mit weniger Schwierigkeiten Supernova, ihre beste Freundin, Faster und Jagger. Ich stellte die Anlage so ein, dass sie im langsamen Schritt vor sich hin trotten konnten, und nicht sofort weitergeschoben wurden, wenn sie einmal kurz stehen blieben. Ich hatte schon zu viele schlechte Erfahrungen mit diesen Anlagen gemacht, als dass ich sie schneller einstellte. Zurück im Stall fing ich an die Boxen der vier zu misten. Ich war damit nun doch recht schnell fertig. Die Tränken der EV's waren kontrolliert und sie hatten genügend Heu. Nun jedoch kam die Schwierigere Aufgabe. Das Mischen des Zusatzfutters. Ich konnte das überhaupt nicht leiden und vermischte mich ständig, weshalb ich lieber zu wenig als zu viel gab. Zu erst schnappte ich mir Hells Eimer. Da die Stute zur Zeit weder im Sport noch in Umständen war, bekam sie von allem ein wenig. Vom Hafer, der Luzerne, der Kleie, den Gerstenflocken und den Maisflocken bekam sie je eine halbe Schaufel. Von den Rübenschnitzeln gab es eine Ganze.
      Nova und Faster bekamen das Selbe, Jagger bekam nur eine halbe Schaufel Rübenschnitzel.
      Als ich damit fertig war, ging ich zur Führanlage und stellte sie ein wenig schneller, so dass die Pferde traben mussten. Da ich ja dabeistand, konnte ich mir genau die Bewegungsabläufe der einzelnen Tiere anschauen. Da ich keine Auffälligkeiten feststellen konnte, stellte ich die Anlage aus und nahm Hell und Nova zusammen an die Hand. Die anderen Beiden konnten noch kurz warten. Nachdem ich nochmal die Hufen kontrolliert hatte, kamen die zwei in die Box und stürzten sich sofort auf ihr Kraftfutter. Ab sofort würden sie das jeden Tag bekommen. Jedoch anders rationiert, wenn sie wieder im Training standen. Ich ging zurück und holte Faster und Jagger. Die beiden älteren Stuten trotteten gemütlich neben mir her und warteten geduldig, bis ich nach dem Hufekratzen ihre Halfter abgenommen hatte und sie sich auf ihr Futter stürzen konnten. Nun waren schon einmal ein paar Pferde geschafft, doch es standen noch viele weitere vor mir und der Tag war noch lang. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass wir gerade erst 8 Uhr hatten. Das hatte wirklich sehr fix gegangen.
      Nun waren meine Hengste an der Reihe. Ich ging die Stallgasse entlang und an jeder Box wurden mir Nasen entgegen gestreckt. Kurz überlegte ich, ehe ich die Halfter von Ready for Action, End of Day, King Bee und Enjoy Nature holte. Enjoy Nature und End of Day nahm ich in die Linke, Action und King Bee in die rechte Hand. Mit den vier Fohlen ging ich auf die Koppel und lies sie toben. Am Ende des Abends würde ich sie wieder reinholen, denn immer eingesperrt in der Box war für die Kleinen alles andere als gut. Als ich das gemacht hatte, mistete ich ihre Boxen aus und kontrollierte ihre Tränken. Dann gab ich jedem Fohlen ausreichend Heu und betrachtete mit das Kraftfutter. Jedes Fohlen bekam eine Schaufel Hafer und eine halbe Schaufel Rübenschnitzel. Vom Rest jeweils nur eine Hand voll. Ich wollte die Mägen der Kleinen nicht zu sehr belasten. Trotzdem sollten die Tiere groß und stark werden. Als ich damit fertig war, überlegte ich was ich mit den anderen Hengsten anstellen konnte. Blue, Winny, Dead, Funky und Gen wollte ich auf die Koppel bringen. Nur Spooky wollte ich ein wenig reiten. Schließlich neigte sich der Tag doch schneller dem Ende als gedacht. Natürlich konnte ich sie nicht zusammen an die Hand nehmen, weshalb ich jeden Hengst einzeln auf die Koppel brachte. Sie hatten alle einen kleinen abgetrennten Teil für sich, weit weg von den Stuten, da ich ja wusste wie meine Hengste reagieren konnten. Als die 5 nun auf der Koppel waren, ging ich zu Spooky und begrüßte ihn kurz. Da ich mich nun doch etwas beeilen musste, putzte ich ihn schnell und schwang mich nach dem satteln in den Sattel. Der Hengst kannte mich ja schon und wusste auch was ich von ihm verlangte, weshalb er brav unter mir her ging. Eigentlich hatte ich heute nicht so recht Lust den Hengst ordentlich zu reiten, weshalb es bei ein paar Runden Schritt, Trab und Galopp blieb. Im Stall sattelte ich ihn wieder ab und kontrollierte die Hufe. Jedoch war er nicht fertig mit Arbeiten, denn der Kleine war ziemlich dick geworden. Ich führte ihn in die Führanlage und stellte sie ein. Dort musste er noch ein wenig abspecken.
      Dann fing ich an die Boxen auszumisten. Die der Hengstfohlen waren schon fertig, weshalb ich nur noch die der sechs großen Hengste machen musste. Alles in allem waren die Tiere sehr pflegeleicht, weshalb ich dort recht schnell fertig war. Ich kontrollierte die Tränken und gab allen Heu, ehe ich das Kraftfutter rationierte. Genuine bekam eine halbe Schaufel Hafer, Luzerne, Kleie, Gesternflocken, Maisflocken und Rübenschnitzel. Das Selbe bekamen auch Dead, Blue und Winny. Funky bekam eine ganze Schaufel Rübenschnitzel und für Spooky musste ich wieder anders rationieren. Der Hengst bekam eine ganze Schaufel Hafer und eine Ganze Rübenschnitzel, Luzerne, Kleie, Gerstenflocken und Maisflocken gab es jeweils eine Halbe. Nach einem Blick auf die Uhr ging ich zu Spooky, und befreite ihn aus der Führanlage, ehe ich ihn in die Box brachte und er sich schnaubend auf sein Futter stürzte. Auch die anderen Hengste kamen nach und nach wieder in ihre Boxen, ehe ich mir die Hengstfohlen schnappte und auch sie wieder in den Stall brachte. Es war mir dabei doch zu gefährlich, die Stuten neben die Hengste auf die Koppel zu stellen. Seien die Hengste noch so klein. Als ich damit fertig war, ging ich zu meinen Stuten. Ohne groß zu fackeln kamen Bella, Lena, Holly, Princess, Vice, Devil, Rosy und Amarula auf die Koppel. Amarula, Devil und Rosy bekamen jedoch jede einen seperaten Teil auf der Koppel, da sie noch relativ neu in der Gruppe waren. Ich flitzte in den Stall und mistete alle Boxen aus, ehe ich die Tränken kontrollierte und den Pferden ihr Heu gab. Das Kraftfutter rationieren klappte dieses Mal sehr einfach, da alle erwachsenen Pferde von Allem eine halbe Schaufel bekamen. Die beiden Fohlen Snapper Little Lena und Miss Holly Golightly bekamen jede eine halbe Schaufel Hafer, eine halbe Schaufel Rübenschnitzel und vom Rest jeweils nur 1-2 Hände, wie die Hengstfohlen.
      Als ich damit fertig war, ging ich die Tiere wieder einsammeln. Zwar hatten sie nur gute 1 1/2 Stunden auf der Koppel gestanden, aber besser als nichts.
      Ich schnappte mir zu erst Holly und Lena. Bei Lena musste ich verdammt vorsichtig sein mit dem was ich tat, da die kleine blind war. Um so wichtiger war es, dass ich sie immer mit Holly zusammen hatte, da die kleine Rappstute der Blinden zeigte wo sie langgehen konnte und sie auch warnte, vor allem was ihr gefährlich werden konnte. "Hallo Lena", sagte ich zu der Kleinen und streichelte ihren Kopf. Natürlich lagen ihre Ohren flach am Kopf, doch wer konnte es ihr verübeln? Ich fragte mich nur stark, wie ich sie longieren konnte, oder ob das komplett flach fiel.. Ich würde schon sehen. Ruck zuck standen die Beiden in ihren Boxen und vorsichtig tastete sich Lena mit ihrem Kopf vor, bis sie im Kraftfuttereimer versank und wie Holly genüsslich kaute. Als nächstes holte ich Bella, Princess und Vice rein. Devil, Rose und Amarula brachte ich alle einzeln rein, was natürlich wieder etwas dauerte. Als sie jedoch alle drinnen waren, konnte ich mich der letzten Gruppe Pferde widmen, die ich in meinem Stall fand. Meine kleine aber feine Turniertruppe, die keine war. Da ich mich ein wenig beeilen musste, brachte ich Chocolate zusammen mit Gipsy auf die Koppel, Striga zusammen mit Gulrót, Palimé mit Vin, und Skrúður zusammen mit Hængur und Maxi. Schnell mistete ich die Ställe aus, kontrollierte die Tränken und gab den Tieren Heu.
      Gipsy und Choco bekamen vom Kraftfutter von allem eine halbe Schaufel und von den Rübenschnitzeln eine ganze, die erwachsenen Isis bekamen von allem eine halbe Schaufel. Striga und Gulrót bekamen von den Schnitzeln eine halbe Schaufel und vom Hafer eine Halbe, vom Rest jeweils nur 2 Hände voll.
      Als nun alle ihr Futter hatten, ging ich auf die Koppel und holte zu erst Striga und Gulrót rein. Dann Gipsy und Chocolate. Dann Palimé und Vin und zum Schluss die 3 Isländerhengste. Als alle zufrieden kauend in ihrer Box standen, wischte ich mir einmal über die Stirn. Nicht viel gearbeitet mit den Pferden heute und trotzdem total k.o. Leicht unzufrieden ging ich ins Haus und schnappte mir etwas zu essen, ehe ich entschied mir doch etwas Richtiges zu machen. Die nächsten Tage würde ich die Pferde der Reihe nach durchtrainieren, und mir endlich einen Stallburschen einstellen, denn so konnte es definitiv nicht weitergehen.

      Aaron, der Neuzugang
      Aus Verenas Sicht:

      Hektisch hüpfte ich aus dem Bett und mein Blick flog zur Uhr. Verdammt, dachte ich mir. Mein neuer Trainer und Stallbursche würde bald ankommen. Ich musste die Dusche heute bleiben lassen und lief einfach in Alexis' Zimme rein. "Aufstehn, Aaron ist fast da!", sagte ich und drehte mich um. Ich sah gerade noch, wie sie erschrocken aus dem Bett fiel und dumpf auf dem Boden aufkam. "Sorry!", sagte ich gerade noch so, da hüpfte ich schon die Treppe runter, während ich mir meine Stiefel anzog. Ich öffnete die Haustür und da stand er schon. "Ich..äh.. wollte gerade klopfen", sagte er und grinste verlegen. Da stand er nun, unser neuer Trainer und Stallbursche. Ich konnte wirklich Hilfe gebrauchen. Besonders wenn ich mal ein paar Wochen weg war um Pferde zu trainieren, beruhigte es mich ungemein, wenn ich neben meiner Cousine und Auszubildenden noch jemanden am Stall hatte, der Ahnung von Pferden hatte. Sein fragender Blick riss mich aus den Gedanken. "Äh, ja klar! Willkommen auf der Gips Reminder Ranch. Ich bin Verena, die Leiterin des Hofes. Und da ist Alexis, meine Cousine und Auszubildende", gerade hatte ich den Satz beendet, lief Alexis schon die Treppe runter und fiel beinahe noch hin, hätte ich sie nicht so halb aufgefangen. "Pass auf", zischte ich leise, während sie Aaron überschwänglich die Hand schüttelte.
      "Na dann wollen wir mal..", sagte ich nun wieder lächelnd zu dem Neuen und zeigte ihm zunächst sein Zimmer. Es lag zwischen meinem und dem von Alexis. Der Arme tat mir jetzt schon leid.
      "Alexis?", fragte ich und drehte mich um. Natürlich stand sie genau hinter mir. "Würdest du Frühstück machen, ich zeig Aaron den Hof." Missmutig willigte sie ein und Aaron und ich verliesen die obere Etage, um nach draußen zu gehen. "Wir sind gerade erst aufgestanden, deshalb stehen noch alle Pferde im Stall", sagte ich zu ihm und führte ihn ein wenig auf der Anlage herum, ehe wir in den Stall gingen. Er war begeisterter Springreiter und natürlich gefiel ihm unser Springplatz besonders gut. Nur fehlte uns leider noch ein Pferd für ihn. Doch das würde sich bald schon noch finden.
      Im Stall angekommen, gingen wir zu erst die Stuten der Westernstallung durch. Bella, Lena, Holly, Princess, Vice, Devil, Cherokee, Amarula, Dancing, Summer und Hope. Besonders gefielen ihm Cherokee und Wimpy, da die beiden ein wenig eigen waren, was ihren Charakter anging. Danach gingen wir zu den Hengsten der Westernstallung und ich zeigte ihm Gen, Spooky, Ready for Action, Pow, Dayli, King, Enjoy, Ali, Winny und Blue. Spooky fand er aufgrund seiner Farbe sehr interessant und auch Blue entlockte ihm ein Lächeln. Er war kein so großer Westernfan, doch er sagte, er würde die ganze Materie gerne erlernen.
      Die Englischen Volllbüter interessierten ihn auch sehr, und er konnte gar nicht sagen ob er Hell, Nova, Jagger, Faster oder Walker am tollsten fand.
      "Nun kommen wir zum letzen Teil, meinen Sportpferden", sagte ich und zeigte ihm die restlichen Pferde: Choco, Gipsy, Striga, Skrúður, Vin, Hængur, Maxi, Palimé, Gulrót, mein neues Fohlen Peppy und meine beiden DRP's Cuba und Spirit.
      "Der Tekke und die Reitponys machen etwas her", sagte er. "Springen die auch?", fragte er mich dann, was ich mit einem Nicken beantwortete. "Generell kannst du mit allen meinen Pferden springen, doch wir werden die noch ein richtiges Springpferd hier auf den Hof holen, versprochen", sagte ich lächelnd und konnte das Strahlen in seinen Augen erkennen.
      Nachdem wir mit der Inspektion fertig waren, gingen wir ins Haus, wo Alexis uns das Frühstück gemacht hatte. Während des Frühstücks erzählte Aaron uns einiges aus seinem Leben, und dass seine Familie früher einmal Pferde gehabt hatte, doch er war zu groß für sie geworden und ein richtiges Springpferd konnten sie sich nicht leisten. Nachdem dannd er Hog, wo er Springstunden nahm, bankrott gegangen ist, hatte er den Traum vom Springen aufgegeben. Meine Anzeige hatte ihm neuen Mut gemacht, weshalb er nun hier war, um wieder mit Pferden zu arbeiten. "Das höre ich gerne!", sagte ich. "Wie wärs denn mit einem kleinen Ausritt? Alexis?", fragte ich in die Runde und sah in das vor Glück grinsende Gesicht meiner Cousine, was wohl ein eindeutiges 'Ja' war. "Aaron?", fragte ich nun an ihn gewandt und er antwortete: "Na klar, warum nicht", antwortete er lächelnd und ich biss ein letzes Mal in mein Brötchen. "Alex, räumst du ab? Ich mach dein Pferd dann soweit fertig, bis du zu uns kommst", sagte ich und blickte nun in ein sehr, sehr verärgertes Gesicht. Doch ich hatte noch ein Attentat auf sie vor, dass sie nicht ausschlagen würde. Zusammen mir Aaron ging ich dann wieder die Pferde durch, bis er sich für eines entschieden hatte. Er wollte Choco näher kennenlernen und holte ihn schonmal aus der Box, band ihn an dieser an und fing an zu putzen. Ich war mir nicht ganz sicher, welches Pferd ich holen sollte und suchte deshalb zu erst das Pferd für Alexis aus. Sie hätte mich sicher umgebacht, hätte ich ihr einen der Isländer geholt, weshalb ich sie auf meinen gelehrigen, aber stütmischen Pow setzte.
      Ich war in der Versuchung, Devil zu reiten, doch damit hätte ich die beiden Hengste verrückt gemacht, weshalb ich mich für meinen Wallach Gipsy entschied. Ein wenig Abwechslung tat ihm sicherlich gut.
      Nachdem ich Gipsy und Pow geputzte hatte, kam Alexis in den Stall und steuerte sofort den Hengst an. Sie wusste genau, dass ich niemanden außer mir Gipsy reiten lies, da er mein ein und alles war.
      Aaron sah etwas unbeholfen mit dem Westernsattel aus, weshalb ich Alexis anwies ihm zu helfen. Etwas anderes erregte meine Neugierde. Peppy brummelte ein wenig unbeholfen und tapste um ihre Mutter herum. Ihre Vorderbeine standen ein wenig komisch, weshalb ich sofort meinen Tierarzt des Vertrauens anrief. "Hallo Dr. Canary, hier ist Verena. Wäre es möglich, dass Sie in den nächsten Tagen einmal vorbeikämen? Mein vor kurzem geborenes Stutfohlen läuft nicht klar und scheint Probleme mit den Vorderbeinen zu haben....Ja, ja ok. Gut. Es wird jemand hier sein", antwortete ich ihr und legte auf. "Was ist los?", Alexis hatte sich hinter mich gestellt und schaute Peppy zu, wie sie langsam in der Box umherging. Auch Aaron hatte sich zu uns gesellt. "Ich habe gerade den Tierarzt angerufen, Dr. Canary soll sich die Stute in den nächsten Tagen einmal ansehen." Damit war das Gespräch beendet und ich machte mich daran, Gipsy zu satteln. Alle drei Pferde hatten einfache Wassertrensen im Maul und ihre älteren Sättel. Auch die Pads waren ein wenig älter. Die neuen Sachen, die ich vor kurzem gekauft hatte, wurden nur für die Shows benutzt. Ich zog allen drei noch Bandagen an, ehe ich den Sattelgurt bei Gipsy nochmals nachzog und als erste auf den Hof ging. Dort schwang ich mich hoch und ging vor. Hinter mir Aaron, als Schlusslicht Alexis. Ich zeigte den Beiden, doch vor allem Aaron die Gegend. Wir ritten an einem Fluss vorbei, der in einen See mündete. "Hier kann man im Sommer sehr gut mit den Pferden schwimmen. Ist auch hier in der Gegend der einzige See, in den man mit Pferden rein darf", erklärte ich den beiden, ehe wir umdrehten und ein Stück galoppierten. Ich hatte mich neben Aaron gesellt, weil ich sehen wollte, ob er sich auf dem Tekken halten konnte- aber auch, weil Choco manchmal ganz schön abgehen konnte, wenn er wollte. Nach dem kurzen Galopp ging ich wieder nach vorne und dann waren wir auch schon wieder am Hof, sattelten die drei Pferde ab und brachten sie auf die Koppel. Nun waren die anderen Pferde dran und ich beauftragte Aaron, sich um die Englischen Vollblüter zu kümmern, während ich mich um die Hengste und Stuten der Westernstallung kümmerte und Alexis sich um die Turnierpferde.

      Aus Aarons Sicht:
      Ich hatte von meiner Chefin den Auftrag bekommen, mich um die Englischen Volllbüter zu kümmern. Auf Hell sollte ich besonders aufpassen, da sie wohl eine kleine Zicke war. Etwas unsicher betrachtete ich mir die Palominostute, aber ebenso die Braune in der Nachbarbox, die ständig ihren Kopf zu Hell neigte und sie anbrummelte. Die Beiden schienen sich wohl zu verstehen, weshalb ich sie ans Halfter nahm und sie zusammen nach draußen auf die Koppel brachte. Nova, wie an dem Schild der Braunen stand, war das Gegenteil der hellen Stute. Sie war ruhig und gelassen, aber auch etwas trotzig, wenn ich nicht den Weg ging, den sie gehen wollte. An der Koppel angekommen, zog ich zu erst ihr Halfter aus, was sich als großer Fehler bewies, denn als sie davon galoppierte, setzte Hell einfach nach, riss den Kopf hoch und galoppierte ebenfalls über die Koppel. "Mist..", fluchte ich und ging ihr nach. Etwas widerwillig kam sie dann doch auf mich zu und lies sich das Halfter ausziehen. Meine Chefin hatte zum Glück nichts davon mitbekommen, weshalb ich nun die anderen Pferde rausholte. Jagger und Faster brachte ich auch zusammen raus. Als letztes war dann der braune Hengst dran, der mich wohl besonders ins Herz zu schließen schien. "Mal ein Kerl unter den ganzen Weibern, nicht war mein Junge?", fragte ich den Hengst und streichelte seinen Kopf, den er mir sanft in die Hand schmiegte. Er musste leider alleine stehen, da er nicht mit den Stuten zusammendurfte. Doch er konnte über den Zaun hinweg mit ihnen schmusen- es sei denn, eine von ihnen kam zum schmusen zu ihm rüber. "Armer Junge..", flüsterte ich, ehe ich die Halfter an die Zaunpfähle hing, in den Stall ging und mit dem Ausmisten anfing. Meine Chefin hatte Recht gehabt: heute morgen war noch niemand im Stall gewesen, weshalb ich einiges zu tun hatte mit ausmisten, Wasser geben und füttern. Das Füttern war so eine Sache für sich, da jedes Pferd unterschiedliche Kraftfutteranteile bekam. Bis ich da drin war, würde es wohl eine ganze Weile dauern...

      Aus Alexis' Sicht:
      Murrend stiefelte ich zu den Turnierpferden rüber. Alexis mach dies, Alexis mach das, Alexis mach mach mach.. summte ich vor mich hin, ehe ich an den Boxen ankam. Choco und Gipsy waren schon draußen. Die nächsten die ich also rausbringen konnte waren Palimé und ihr Fohlen Peppy. Zu ihnen auf die Koppel stellte ich noch Gulrót und Striga, damit die Fohlen und Jungpferde ein wenig zusammen waren. Dann brachte ich Skrúdur, Maxi und Haengur auf die selbe Koppel. Ich überlegte kurz ob ich Spirit dazu stellen konnte. Aber sie hatten genug Platz um sich aus dem Weg zu gehen, weshalb ich ihn also zu den beiden Hengsten stellte. Dann waren nur noch Vin und Cuba da, die ich doch zu den Fohlen und Palimé stellte. Dann war meine Palominostute nicht ganz so überfordert mit den Kleinen. Kaum waren alle draußen, fing ich auch schon an die Boxen zu misten und ihnen Wasser und Futter zu geben...

      Aus Verenas Sicht:
      Ich musste mich um die meisten Pferde kümmern, doch das war kein Problem, denn mir gehörten sie ja auch alle. Ich hatte mich mit dem Handy schon auf die Suche nach einem Springpferd für Aaron gemacht, und mir waren auch schon ein paar ins Auge gesprungen, doch ich war mir noch nicht so sicher, ob ich sie holen würde, denn Aaron war erst einen Tag hier. Die Verkäuferin war mir jedoch sehr vertraut, und falls sie nichts für Aaron waren, würde sie die Pferde auch zurücknehmen.
      Am Westernstall brachte ich zu erst die Fohlen zusammen auf eine Koppel. Lena, Holly, Hope, Ready for Action, King, Enjoy und End waren glücklich nochmal miteinander draußen sein zu dürfen. Bald konnte ich sie nicht mehr zusammen auf die Koppel bringen, da einige eingeritten würden und ins Training kamen. Doch solange sie klein waren, konnten sie ihr Leben noch genießen. Gen und Spooky brachte ich zu Pow auf die Koppel, der bis dato alleine gestanden hatte. Ali, Blue und Winny kamen auch zusammen. Dann waren die Hengste auch schon alle draußen. Bei den Stuten brachte ich Devil und Amarula zu Palimé, Vin und Cuba. Da Palimé die Chefin dieser Herde war, würden Devil und Amarula sich unterordnen müssen.
      Bella brachte ich mit Vice und Cherokee auf die Koppel, ehe als letztes meine beiden neueren Pferde rausstellte: Summer und Moon, wie ich sie gerne nannte. Als alle draußen waren, mistete ich die Boxen und stattete sie alle mit Heu aus, ehe ich jedem der Pferde Kraftfutter rationierte, bevor ich Alexis und Aaron ins Haus schickte etwas zu kochen, denn es war schon Abend geworden in der wunderschönen Türkei und es war schon am Dämmern. Nun mussten alle Pferde wieder rein, was ich auch in einer dreiviertel Stunde geschafft hatte.
      Ich ging ins Haus, wo die beiden auf mich warteten und wir gemeinsam etwas aßen. "Und wie gefällt es dir bis jetzt hier, Aaron?", fragte ich ihn. "Ganz gut, wirklich!", antwortete er mir und grinste bis über beide Ohren. Ich lies es damit gut sein und lächelte kurz. "Morgen ist wieder viel zu tun, geht euch ausruhen, ich räum das hier auf", sagte ich und fing an die Spülmaschine einzuräumen. Die beiden gingen nach oben, während ich die Küche in Ordnung brachte und die Person anrief, von der ich die Springpferde kaufen wollte. Ich durfte mir die Tiere mal anschauen kommen.
      Voller Vorfreude ging ich noch einmal kurz durch den Stall, um zu schauen, ob auch wirklich alles in Ordnung war. Dann ging ich ins Bett. Morgen würde ich die Tiere gucken fahren.

      Probereiten
      by Sissicat

      Nervös trommelte ich auf meinem Lenkrad herum, heute würde ich meine vielleicht neuen Ponys, isi's um genau zu sein, ansehen.Die beiden eine Stute (Vin) und ein Hengst (Haegur) würden für Faera,blódi und blossi Kameraden werden und mir womöglich auch bei der Zucht helfen.Ich fuhr weiter und da sah ich auch schon das Hoftor, ich seufzte nervös dann fuhr ich durch das Tor und parkte meinen Wagen unter einem alten Baum.Dannach stieg ich aus und sah mich um auf dem Hof ging es ziemlich hektisch zu da der Hof wie es aussah bald umzog, darum wurden auch viele Isländer verkauft.Ich versucht niemanden zu stören und ging herum um die Hofbesitzerin (Veija) zu suchen.Bald fand ich sie, sie stand gerade vor einer Tür und trug eine Kiste herraus.Ich ging zu ihr und sagte:,,Hallo ich bin Michelle ich komme um mir Vin und Haegur anzusehen." Veija lugte hinter der Kiste hervor und lächelte mich an:,,Willkommen, ich weis hier ist gerade viel los, wegen dem Umzug und so..aber egal komm mit ich zeig dir die beiden."Sie stellte die kiste ab und ging mit schnellen Schritten zu einem größeren Gebäude zu, vermutlich der Stall.Ich folgte ihr in das Gebäude und streichelte im vorbeigehen den ganzen Pferden und Pony's die Schnauzen.Bald kamen wir zu einer braunen Isistute,Vin, ich streichelte ide kleine und überlegte schon welche Farbe sie als Halfter bekommen sollte...cream...genau sie würde ein cream farbenes bekommen.Ich lächelte und öffnete die Boxen Tür der Stute.Plötzlich sahen mich ihre Augen frech an und sie schubste mich, mir war das aber ziemlich egal da ich das von meinen anderen Pferden gewohnt war, bei meinem Hof war es schwieriger ein Pferd zufinden das nicht ab und zu zickig,frech oder wild ist.Ich kraulte Vin hinter ihren Ohren sofort hörte sie auf mich zu schubsen und genoss es einfach nur gestreichelt zu werden.Ich nahm das Halfter das mir Veija gegeben hat und legte es Vin andann führte ich sie nach draussen dort zeigte mir veija den Sandplatz.Dort band ich Vin an und hollte mir ein Sattelzeug für die kleine als erstes wollte ich sie mal warm reiten dann eventuel die gangarten ein bisschen durchchecken warscheinlich mache ich dann auch noch bodenarbeit.Ich sattelte die kleine Stute dann stieg ich auf als erstes passierte nichts doch dann triebelte Vin etwas herum ich lies sie losgehen und sie wollte beinahe gleich angaloppieren aber ich hielt sie zurück ich schaffte es sie im zaum zu hallten.Bald haben wir 3 Runden im Schritt bezwungen so das ich sie antraben lies auch das ging ziemlich gut.Als ich sie antölten lies brauchte sie ein weilchen bis sie merkte was ich von ihr wollte aber bald hatten wir auch ein paar runden getöltet.Ich lies Vin nachher angaloppieren wobei ich bald bemerkte das sie bald übermütig wird sie buckelte ein wenig aber nach der zeit legte das sich.Den Pass probierte ich nicht aus da ich selbst noch keine richtige Ehrfahrung mit dieser Gangart hatte.Dann stieg ich ab und führte Vin einfach mal ein paar Runden hinter mir her.Veija hatte uns anfangs zu gesehen war aber nachher weg gegangen um weiter zusammen zu packen.Ich probierte noch ein paar Kunststücke mit der kleinen aus und wurde positiv überrascht.Sie war eigendlich ziemlich nett wenn man ihr zeigt wer der chef ist.Ich streichelte sie und gab ihr ein Lickerli, dann ging ich wieder zum Stall und sattelte Vin ab und stellte sie in ihre Box. Veija kam gerade vorbei und zeigte mir wo das zweite Pferd stand, Haengur, der Hengst.Haengur schnüffelte freundlich an meiner hand als ich ihm über seine Schnauze streichelte.Ich nahm das Halfter von veija entgegen und führte ihm zum sattelplatz dort angekommen half mir Veija noch beim satteln dann verschwand sie wieder.Ich streichelte Haengur und stieg auf wie bei Vin zuvor ritt ich ein paar runden schritt gefolgt von ein paar trab runden.Ausser das er beim Trab oft tölten mochte lief alles glatt.als er dann zum tölten anfing verliebte ich mich wegen seinem leichten gang.Ich lies ihn auch noch angaloppieren aber das war nicht ganz so bessonders.Ich stieg ab und streichelte das schöne fell des Hengstes.Dann ging ich vor ihm her noch ein paar Runden, brav folgte er mir und ich wusste jetzt schon das ich beide Pferde,Vin und Haengur, schnell ins herz schliesen würde.Ich streichelte Haengur nochmal und entschied mich statt Kunststücken ein paar Sprünge zu probieren.ich baute ein Cavaletti auf und stieg wieder auf ich trabte mit Haengur eine Runde dann lies ich ihm galoppierend auf das Hindernis zu trotten.Er sprang leichtfüßig darüber hinweg und ich wusste sofort das aus ihm ein gutes Springpferd werden würde.Ich lies ihn noch zweimal über das Cavaletti springen dann stieg ich ab und führte ihn zurück in den Stall dort sattelte ich ihn ab und stellte ich in seine Box.Natürlich bekam er von mir noch ein Leckerli, ohne sowas gehe ich doch nie!Ich lächelte und streichelte ihn auch Vin wurde von mir nochmal gestreichelt als ich vorbei ging.Ich stackste zu Veija und erzählte ihr begeistert über das Probereiten.Veija lächelte und wir machten uns aus das sie noch den Papierkram regeln würde und mich dann anrufen würde wenn ich die Pferde bekommen könnte.Glücklich verabschiedete ich mich und fuhr nach hause.

      Tierarztbericht für alle Pferde
      Februar 2015, by Loulou

      Heute hatte ich wieder einen Großauftrag vor mir. Ich sollte alle Pferde von Verena behandeln. Von meiner Wohnung bis zu ihr war es nicht sehr weit, weshalb ich sehr schnell bei ihr war. Außerdem freute ich mich, da ich meine Beiden Pferde Snuff und Steel Heart besuchen konnte. Leider mussten mich meine Pferde verlassen, da ich beruflich bedingt umziehen musste und die Pferde nicht mitkommen konnten.
      Bei Verena angekommen verwickelte mich Caleb zunächst in ein Gespräch und wollte mich gar nicht mehr gehen lassen. Als ich mich dann endlich von ihm lösen konnte, kam mir Verena auch schon entgegen und umarmte mich lächelnd. Wir redeten eine Weile, bevor wir uns zu dem ersten Pferd begaben. Die erste war Drag me to Hell, die ihre alte Besitzerin sofort erkannte. Sie wiehrte mir freudig entgegen und streckte ihren Kopf aus der Box heraus, um gestreichelt zu werden. "Na mein Mädchen?", sagte ich und nahm sie raus. Es folgte eine allgemeine Untersuchung aller Vitalwerte, doch die waren top in Ordnung. Ich schaute mir ihren Pass an, ehe ich die nötigen Impfungen auffrischte und ihr die Wurmkur verpasste. Zum Schluss wurde sie gechippt, was ihr nicht so wirklich gefiel, aber das musste sein.
      Schon waren wir mit ihr fertig, ehe Verena schon das zweite Pferd holte. Es war Supernova, die mich auch noch erkannte. Lächelnd streichelte ich ihren Kopf und überprüfte ebenfalls ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie. Fertig war auch Nova.
      Nun kam Verena mit einer wunderschönen Red Roan Sabino Stute. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Als nächstes war Faster an der Reihe. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Nun war ein Hengst an der Reihe. Firewalker hies der Gute. Auch seine Vitalzeichen wurden überprüft, seine Imfpungen aufgefirscht, die Wurmkur verpasst und der Chip unter die Haut gesetzt. Das Selbe geschah auch mit dem kleinen Hengst Filly. Augen auf betrachtete ich nur durch die Box hindurch, ihr fehlte nichts, da der Tierarzt erst vor Kurzem nach ihr geschaut hatte.
      Wir waren fertig mit den Englischen Vollblütern und gingen zu den 3 Pferden der Angestellten. Der alte Wallach Emilio war der erste, um den ich mich kümmerte. Ich checkte seine Vitalzeichen, frischte Impfungen auf, gab ihm die Wurmkur und setzte den Chip unter seine Haut. Alles lies er brav über sich ergehen, ehe ich ihm ein Lekerli hinstreckte, welches er genüsslich fraß.
      Das nächste Pferd war Black Ops. Sie kannte ich auch noch, auch wenn sie sich nicht mehr an mich erinnern konnte. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Das letzte Pferd der drei war ein Isländer Mix, mit einer sehr schönen Farbe. Die Kleine war zunächst etwas zickig, doch auch hier klappte alles. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Der erste im Sportstall war Gipsy. Ihn kannte ich auch noch. Er war neben Bella Verenas Lieblingspferd. Ich konnte mir nicht vorstellen, was wohl geschehen würde, wenn einem der Beiden etwas zustoßen würde. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor seine Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihm eine Wurmkur und chippte ihn. Schon war der Wallach fertig.
      Die nächste war eine sehr ungewöhnliche Stute. Eine Kreuzung aus Quarter Horse und Andalusier. Doch auch ihre außergewöhnliche Rasse konnte sie nicht vor dem Tierarzt schützen. Ich überprüfte wie bei den anderen zuvor ihre Vitalzeichen, frischte die Impfungen auf, gab ihr eine Wurmkur und chippte sie.
      Es folgten Skrúður, Vin, Hængur, Gulrót, Harley, Náttdís und Eldrian Antrax, deren Vitalzeichen alle in Ordnung waren, weshalb ich sie impfen konnte bzw die Impfungen auffrischen konnte. Allen verpasste ich eine Wurmkur und chippte die Pferde, die noch nicht gechippt waren.
      Bei Snuff und Steel Heart ging ich besonders gründlich vor, da die Beiden erst vor ein paar Tagen in Verenas Stall gewechselt hatten. Die beiden hatten etwas erhöhte Temperatur, doch das kam durch den Stress und die ganzen neuen Pferde. Dennoch konnte ich impfen, Wurmkur verpassen und chippen. Schon waren wir mit den Sportpferden fertig, weshalb Verena und ich zu den Westernpferden gingen. Zu erst waren die Hengste dran.
      Die ersten waren Genuine und Spooky. Es folgten Ready for Action und Stütchen. Mit Stütchen war natürlich Funky Powerbabe gemeint, doch für mich und Verena war er mehr weiblich, als männlich. Genau so stellte er sich auf an, als wir chippen wollten. Doch es sei ihm verziehen. Die nächsten waren King Bee, Enjoy und Ali. Gefolgt von What Lies Ahead, Gun and Slide und Charly. Bei ihnen klappte auch alles super, weshalb ich schnell bei Flintstone, Sympath und Siku war.
      Nun kam der schwierigste Kandidat: Zues. Impfen mussten wir mit dem Blasrohr, die Wurmkur mischten wir ihm in sein Futter. An chippen war nicht zu denken.
      Schon waren wir fertig mit den Hengsten, weshalb es zu den Stuten ging. Die erste war Bella, die mich neugierig beäugte. Sie kannte mich ja auch schon lange. Lächelnd klopfte ich ihren Hals, ehe ich ihre Vitalzeichen untersuchte, sie impfte, ihr die Wurmkur gab und schließlich chippte.
      Bei Snapper Little Lena war das Ganze etwas schwieriger. Die Stute war nämlich blind und reagierte auf alles ganz anders, als die anderen Pferde. Wir holten ihr Holly Golightly zur Hilfe, damit sie sich an ihr orientieren konnte. Ständig hatte sie ihre Nase an Hollys Fell, um sich zu vergewissern, dass sie noch da ist. Die Untersuchung verlief noch sehr gut. Das impfen und die Wurmkur ging auch noch, nur das chippen machte ihr und Holly ein wenig Probleme. Doch alles verlief gut, weshalb wir uns den restlichen Pferden widmen konnten.
      Princess Gun, Vice, Devil, Cherokee Rose, Amarula, Moonrise, Summertime, Dawn of Hope, Honey, Angelic Desolation, Born to Die, Comeback of a fallen Goddess, Croatoan, Raised from Hell, Sheza, Secret, Wusel und Crow. Mal verlief die Untersuchung sehr gut, mal hatten wir ein paar Probleme. Doch nun waren wir fertig und Verena zeigte mir noch voller Stolz ihr erstes Paint Horse Fohlen. Aquila. "Wirklich eine Schönheit", sagte ich und wir gingen noch ein wenig ins Haus, um zu reden. Schließlich verabschiedete ich mich von ihr und ihren Mitarbeitern, ehe ich nach Hause fuhr.

      Darling
      April 2015, by Veija

      Schon früh am Morgen waren meine Mitarbeiter und ich auf den Beinen. Schließlich stand heute eine Art "Frühlingsputz" an, in dem wir alle Pferde bewegen wollten und ihnen ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen.
      Wir begannen im Stutentrakt, wo Caleb, Aaron, Alexis, Aliena und ich nacheinander Bella, Princess, Devil Rosy, Amarula, Shadow, Summer und Like Honey and Milk in die Führanlage brachten, ehe wir uns um die Boxen kümmerten. Nach einer halben Stunde waren diese wieder sauber, so dass wir in jede Box einen Sack "Streupellets" schütteten, ehe wir die Heunetze auffüllten, das Wasser kontrollierten und jedem Pferd seine Ration Kraftfutter dosierten. Dann kamen die 8 Pferde wieder rein. An eine Pause war jedoch nicht zu denken, da wir nun Angelic Desolation, Bailey, Goddess, Croatoan, Sheza, Crow, Grace & Pluie in die Führanlage brachten, ehe wir auch deren Boxen ausmisteten. Raised from Hell und Annie blieben im Stall. Annie sollte sich noch ein wenig einleben, bevor es an die Arbeit ging. Raised from Hell bekamen wir nur mit Mühe ausgemistet, da sie noch nicht wirklich händelbar war. Seufzend schüttelte ich den Kopf. Sie war wohl ein Pferd, dass man brechen musste, um mit ihr arbeiten zu können. Caleb und ich würden uns in der nächsten Zeit wohl mit ihr beschäftigen müssen... Nun kamen die 8 wieder rein und stürzten sich auf ihr Kraftfutter.
      Weiter ging es zu den Hengsten. Gen, Spooky, Funky, Ali, Winny, Blue, Flint und Pathy kamen ebenfalls in die Führanlage. Siku stellten wir in den Round Pen, Sol kam kurz auf die Koppel. Zues stand noch immer in Penals eingezwängt auf einem Stück der Koppel, weshalb wir ihn nicht ausmisten mussten. Erneut waren wir nach einer guten halben Stunde fertig, so dass alle Pferde wieder in ihre Boxen zurück konnten- ganz zum Leidwesen von Sol, dem das bisschen Gras, was zur Zeit auf der Wiese war, sichtlich schmeckte.
      Weiter ging es zu den Vollblütern, wo wir in den letzten Tagen zwei Neuzugänge bekommen hatten.
      Erneut brachten wir die Pferde in die Führanlage. So waren Hell, Nova, Jagger, Faster, Abby, Zucker, Manni und April innerhalb 5 Minuten in Bewegung. Faster stellten wir in den Round Pen, da wir ihn nicht gerne mit den Stuten zusammenliesen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir soweit fertig, dass die Pferde wieder reinkonnten.
      Es war fast geschafft, denn es fehlten nur noch 2 Stallteile. Nun waren wir also bei den Sportpferden angelangt: Gipsy kam auf die Koppel, Skrudi, Vin, Haengur und Glaeta kamen zusammen mit Ops, Oca, Snuff und Heart in die Führanlage. Emilio, Antrax, Maracuja, Callus und Kunis stellte ich auf verschiedene Koppeln. Für die Pferde viel zu schnell waren wir fertig mit der Arbeit, denn sie wollten liebend gerne noch weiter grasen. Doch alles fanden wieder ihren Platz in ihren Boxen.
      Nun gingen wir zu den Jungpferden in den großen Offenstall. Lächelnd begrüßten wir Lil, Holly, Action, King, Enjoy, Striga, Gulrót, Peppy, Dawn, Wildfire, Harley, Charly, Secret, Wusel, Náttdís, Aquila, Nucu und Nani. Wir verbannten alle Fohlen aus dem überdachten Bereich des Stalls, so dass wir in Ruhe ausmisten konnten. Aliena und Alexis gingen zudem noch über die Koppel und äfpelten diese ab. Als wie fertig waren, konnten die Fohlen und Jungpferde wieder unter den überdachten Teil. Es fing nun ziemlich stark an zu regnen, weshalb alle unter Dach wollten. Natürlich spielte Wildfire wieder mit dem Stroh und schmiss alles durch den Stall. Lachend schauten wir den Tieren zu, ehe wir überlegten, ihnen beim nächsten Misten auch Pellets zu geben. Doch uns war es lieber, die Fohlen schliefen im warmen Stroh.
      Wieder im Hauptstall angekommen, zog mich Caleb zur Seite. "So... something changed", sagte er unerwartet zu mir und ich merkte, wie mein Herz in meiner Brust hämmerte. "Something changed?", fragte ich ihn. "Yes, darling", sagte er in seinem charmanten Ton. In letzter Zeit hatte er mich immer öfter darling genannt, ohne dass er mir wirklich aufgefallen war- naja, jetzt viel es mir auf. "I'm sorry..", sagte er noch leise, ehe er seine Lippen auf die Meinen presste. Völlig verwirrt reagierte ich einfach gar nicht und stand stocksteif vor ihm, ehe ich den Kuss leicht erwiderte. Viel zu plötzlich löste er sich von mir und verschwand einfach in der regnerischen Nacht. "Wow..", sagte ich leise und strich mir über die Lippen, bevor ich ein unterdrücktes Lachen hörte. Aaron hatte uns gesehen. "Na was der Kerl vorhat...", sagte er unschuldig und zuckte mit den Schultern. Natürlich wusste er über Calebs Vorhaben bescheid, doch er wollte mir nichts verraten. Verwirrt ging dann also zurück ins Haus, wo ich mich nach dem Duschen sofort ins Bett legte.
    • AliciaFarina
      Alte Trainingsberichte:
      Stufenerhöhung Gangreiten von E auf A
      by BellaS

      Heute ging es ein zweites Mal zu Veija und diesmal hatte sie einen Großáuftrag für mich. Ihr hatte mein Training von Skrúður scheinbar so gut gefallen das ich nun auch ihre drei anderen Isländer Trainieren sollte. Ich wurde sehr freundlich begrüßt und zum Koppel geführt auf der die Isländer standen. „Wir beginnen mit Hængur, dann Glæta und dann Vin.“ sagte ich. „Ich denke das wir heute nicht fertig werden
      Vin
      Schon Veijas Umgang mit der Stute machte klar, das sie und Glæta grundverschieden waren. Vin schien eine echte Lady zu sein: Klug, Stolz und Frech. Mit Veija unterm Sattel zeigte sie, abgesehen von ständig wiederkehrenden Versuchen zu zicken, glänzende Gangarten. Ich grinste: „Sie benimmt sich wie meine Laufey.“ sagte ich und schwang mich in den Sattel. Die braune Stute wusste sofort bei wen sie zicken konnte und bei wem nicht. Sie zeigte einen wirklich angenehmen Tölt und was das beste war, einen renntauglichen Pass. „Diese Stute ist ein ungeschliffenes Juwel.“ rief ich Veija vom Pferderücken aus zu, „Die würde ich glatt mitnehmen.“
      Ich feilte noch etwas am Pass, schärfte Veija aber ein nach dieser Gangart immer entspannende Übungen zu machen. „Viele Isländer verspannen sich beim Pass so sehr, das sie bleibende Schäden davontragen wenn dies nicht frühzeitig bemerkt wird.“ Im Galopp musste man Vin, wie viele anderen fünfgängige Pferde sehr deutlich treiben damit sie nicht in einen passartigen Mischgang abdriftete. „Das ist nicht weiter schlimm. Ich denke das wir auch Vin ab jetzt auf Stufe A reiten können.“ sagte ich. Bei der anschließenden Verabschiedung fügte ich hinzu: „Sollten sie jemals erwägen Vin zu verkaufen. Wie gesagt, ich nehme sie sofort.“ Erschöpft stieg ich in mein Auto und fuhr davon. Allerdings war ich mir sicher das ich nicht das letzte Mal bei Veija gewesen war.

      Stufenerhöhung Gangreiten von A auf L
      Heute, nach vier Wochen Pause, ging es wieder zu Veijas vier Pferden. Ich hatte mich auf einen mehrtägigen Aufenthalt vorbereitet, da ich die Pferde nun kannte und intensiver mit ihnen trainieren wollte. Auch vor Veijas Hof hatte der Winter nicht halt gemacht, was mir etwas ungelegen kam, denn bei einer Schneedecke wie dieser würde ich in der Halle trainieren müssen. Ich parkte mein Auto und traf kurz darauf auf die Besitzerin der vier Pferde, welche ich in den nächsten Tagen trainieren sollte. Zusammen diskutierten wir den jeweiligen Stand der Pferde und welches Training für die Stufenerhöhungen notwendig sein würde.
      Die meiste Arbeit würde ich zwangsläufig mit den Isi-Mix Glæta haben. Da die Stute sich schon im tölten schwer tat, würde es mit Sicherheit länger dauern bis ich sie in Gang auf L Niveau gebracht hatte. Skrúður musste ich im Trab weiter fördern, da bei ihm die Gefahr bestand das er ihn, wie viele Tölt freudige Isländer, ganz verlor. Vin war eine kleine Prinzessin, welche gerne Bockte und ihrem Reiter das Leben schwer machte. Allerdings freute ich mich besonders auf dieses freche Stute, denn sie stellte ein Herausforderung da und war meiner Zuchtstute Laufey sehr ähnlich. Hængur hingegen benötigte kaum noch Training. Der Hengst war sehr schön und einfach zu reiten, was meine Aufgabe einfach zu machen versprach. Von meinem Umzug nach Gut Muschelsand war ich noch immer ein bisschen gestresst, doch ich begann sofort nach meinem Gespräch mit Veija, das Training von Glaeta.
      Veija, mit der ich inzwischen beim du war, half mir beim Satteln der roten Stute, so dass es kaum eine viertel Stunde dauerte bis ich auf dem Pferd saß. Da ich Glaeta nicht zum ersten mal sah und ritt, entfiel das langwierige Vorreiten und wir konnten sofort mit dem Training beginnen. Ich hatte mir dieses Mal ein weniger enges Zeitfenster gesteckt, und konnte somit in aller Ruhe im Dressurviereck starten.
      Am langen Zügel ritt ich die üblichen Bahnfiguren, die auch als Biegeübungen genutzt wurden. Ich begann mit einfachen Zirkeln und Volten und ging nach ein paar Minuten zu Zirkel verkleinern und vergrößern und Schenkel weichen über, um das Pferd geschmeidig zu machen. „Glaeta bracht das besonders.“ rief ich Veija zu, die aufmerksam zuschaute. Als die Stute schließlich lockerer wurde und begann besser auf meine Hilfen zu reagieren, wechselte ich aus dem Dressurviereck auf die kiesgestreute Ovalbahn. Glaeta reagierte viel besser auf die üblichen, langsamen Vorübungen zum Tölt als im letzten Training. Als ich die Zügel kurznahm und das Tempo drosselte, zog sie automatisch den Kopf nach oben und begann zu trippel, so wie ich das sehen wollte. Anstatt sofort loszutölten, lobte ich die Stute ausgiebig und wiederholte die Übung einige Male, jedes Mal mit einem noch besseren Ergebnis. Als ich schließlich die Hilfe zum antölten gab, verfiel die rote Stute tatsächlich sofort in ein paar Meter holprigen Tölt. Ich parierte durch bevor sie in den Trab fallen konnte, um die Übung mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. Als ich Veijas Applaus hörte, begann ich zu grinsen und töltete wieder an, was sich als Fehler erwies. Ohne die Sorfälltige Vorbereitung auf den Tölt fiel Glaeta sofort wieder in den Trab. „Mist“ fluchte ich leise und ärgerte mich über meine Unvorsichtigkeit. Zum Glück verliefen die weiteren Übungen mit Glaeta sehr gut und beinahe Fehlerfrei. Am ende der ca. zwei Stunden Arbeit war die rote Stute schweißverklept, konnte aber eine ganze Runde auf der Ovalbahn im Tölt gehen ohne in den Trab zu fallen. Um die angestaute Energie abzulassen, ließ ich Glaeta am Schluss ganz nach Lust und Laune galoppieren. Ich genoss die Geschwindigkeit, da Isländer viel schneller galoppierten als durchschnittliche Großpferde und erklärte Veija, dass ich ihrer Stute nun Ruhe gönnen und Morgen weiter trainieren würde. Da es, trotz der Anfahrt, noch nicht spät war, brachten wir Glaeta auf ihre Weide und sattelten Haegur, den ich heute noch reiten wollte.
      Der Hengst ging, wie erwartet, wunderbar und problemlos. Während der üblichen Aufwärmübungen zermaterte ich mir das Hirn was ich mit Haegur trainieren sollte, da er augenscheinlich schon alles konnte um in Gang auf L Niveau zu gehen. Schließlich entschied ich mich für die eindeutig höchste Stufe der Töltreiterei: Bahnfiguren im Tölt und Geschwindigkeitsvariationen. Wie ich schnell feststellte, brachten Volten und Schlangenlinien den Hengst auf dem Konzept und verwirrten ihn, was darauf hindeutete das er solche Übungen nur selten oder noch nie gemacht hatte. Ich blieb bei Veija stehen und fragte sie diesbezüglich. Die Antwort lautete, dass Haegur tatsächlich bisher im Tölt nur stumpf gerade aus geritten worden war. „Momentan finden Reiterspiele für Gangpferde statt.“ erzählte ich Veija vom Rücken des ungeduldig scharrenden Hengstes aus. „Das wäre sicher ein gutes Training für ihn hier.“ Ich klopfte dem Hengst den Hals und fing von Veija nur ein abwesendes Nicken auf, welches mich dazu bewog die Stirn zu runzeln und weiter mit Haegur zu trainieren.
      Die Geschwindigkeitsvariationen fielen ihm leichter als manch anderem Isländer. Junge Pferde ohne angeborenen Tölt mussten sehr, sehr langsam geritten werden, während man schnelle Naturtölter häufig zurücknehmen musste damit sie nicht in den sogenannten „Schweinepass“ verfielen. Bei Haegur trat keins dieses Probleme auf, er wurde nicht hektisch und versuchte auch nicht zu drängeln, sodass ich schließlich wieder zu Volten und Schlangenlinien überging. „Interessant“, meinte ich zu mir selbst, während ich eine Volte ritt „Viele Pferde brachen diese Biegungen sogar sehr um gut zu Tölten, ich habe bisher noch kein Pferd gekannt, welches das so aus dem Konzept bringt. Mittlerweile war es doch recht spät geworden und der Hengst, der mich trug, machte die Volten jetzt so souverän, dass ich ihn Morgen nicht mehr würde reiten Müssen. „Das hätten wir.“ sagt ich zu Veija die jetzt auch Geistig wieder anwesend war und schwang mich aus dem Sattel. Haegur abzusatteln und zurück auf seine Weide zu bringen dauerte nicht lange, und ich verbrachte noch einen lustigen Abend mit meiner Gastgeberin
      Tag 2
      Heute begannen wir wieder mit Glaeta. Sie zeigte sich sehr kooperativ und lernwillig, was mich freute. Wieder begannen wir mit sehr sogfälltigen aufwärm und Biegeübungen, ehe wir wieder zum Tölt übergingen. Natürlich hatte ich kein Wunder bewirkt, und der rötlichen Stute fiel das tölten noch immer nicht leicht, doch es zeigte sich schon ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Vortag. Ich nahm die Zügel auf und begann kleine Paraden zu geben um Glaeta davon abzuhalten sich auf den Zügel zu legen. Dann nahm ich sie soweit zurück das sie beinahe stand und töltete an. Wie immer nahm sie die Vorderbeine unglaublich hoch und begann nach ein paar Metern hektisch zu werden, doch sie sprang nicht in den Trab um sondern blieb im Tölt bis ich sie wieder durch parierte. Nach diesem Erfolg übten wir fleißig weiter, und nach etwa einer Stunde schwang ich mich zufrieden von Glaetas Rücken. „Wir haben super Fortschritte erzielt.“ meinte ich zu Veija. „Ich denke das können wir als L Niveau gelten lassen. Wenn du fleißig mit ihr weiter übst, wird es ihr bald nicht mehr so schwer fallen flüssig zu tölten.“
      Als nächstes wandte ich mich Skrúndur zu, der das ganze Gegenteil von Glaeta war. Im Gegensatz zu ihr, neigte er dazu seinen Trab zu verlieren. „Gangpferde heißen zwar Gangpferde weil sie besondere Gangarten beherrschen, die man fördern und nutzen kann was aber nicht heißt dies auf kosten anderer Gangarten zu tun.“ hatte ich zu Veija gesagt. Skrúndur war der erste Auftrag für mich und meinen Ausbildungsbetrieb gewesen, und so sah ich im Training des Hengstes etwas besonderes. Schnell war er gesattelt und zu Training bereit. Da ich bei ihm besonders den Trab fördern musste, dauerte das Aufwärmen nicht besonders lange und ich konnte schnell zum eigentlichen Training übergehen. Schon im Schritt entlastete ich seinen Rücken überdeutlich und ließ ihm viel Kopffreiheit, ehe ich begann zu treiben. Seine erste Reaktion war es, den Schritt zu beschleunigen, was nicht unbedingt meine Absicht gewesen war. Also trieb ich ihn weiter bis er in einen holprigen Tölt fiel. Sofort parierte ich durch und beim nächsten Versuch sprang er in den Trab. Ich lobte ihn sehr ausgiebig und versuchte das ganze noch einmal. Es klappte auf Anhieb, sodass ich nach einigen weiteren Wiederholungen in den Tölt wechselte. Im Tölt ging er so souverän, das ich dort nicht weiter üben brauchte, schließlich wechselte ich zum Passtraining. Zwischendurch ließ ich ihn immer wieder traben, um seine Flexibilität zwischen den Gangarten zu verbessern und auch im Rennpass zeigte er sich ausgesprochen gut. Nach der intensiven und nervenaufreibenden Arbeit mit Glaeta, genoss ich Skrúndus Leichtigkeit und Geschwindigkeit. Sehr sorgfältig achtete ich auf Entspannungsphasen zwischen den Strecken die ich im Pass ritt, da Isländer durch das viele reiten dieser Gangart häufig Muskulaturschäden davontrugen. Dies alles hatte ich allerdings schon mehrfach betont und so verzichtete ich diesmal darauf, in der Hoffnung das Veija alles behalten hatte.
      Als letztes war Vin an der Reihe, die kleine Prinzessin die ich mir wegen der Ähnlichkeit zu meiner Laufey für den Schluss aufgehoben hatte. Wie erwartet begann sie sofort ihren Reiter zu testen und bemerkte sehr schnell das man mit mir nicht so einfach seine Scherze treiben konnte. Ich beschloss den Fokus heute auf den Passgang zu legen. Die Aufwärmübungen klappten, bis auf den mehrfachen Versuch eine Volte abzukürzen relativ gut. Nun wechselte ich auf die Ovalbahn und begann mit dem Tölt. Vin war ein Naturtölter, deshalb brachte ich an dieser Gangart nicht mehr viel verbessern und ich begann befriedigt mit dem Passtraining. Beim ersten Versuch begann sie die Geschwindigkeit nach eigenem ermessen zu erhöhen, was ich garnicht gut fand. Nach einem kurzen Kampf mit der Stute gelang es mir schließlich sie zum Schritt zu bewegen und ich stellte fest das ich nun etwas Vorsichtiger würde sein müssen. „Hui, da müssen wir wohl mal ein bisschen Energie ablassen.“ sagte ich laut. Aus längerer Erfahrung wusste ich, das die Arbeit mit übermütigen Pferden extrem Nervenaufreibenden war. Vin musste ihre Energie ablassen ehe ich richtig ans Training gehen konnte und so spornte ich sie zu einem Rasanten Galopp an. Sie genoss das Tempo sichtlich und auch ich grinste als ich die Stute zum stehen brachte. „Solltest du VIN jemals vermissen, musst du bei mir nachschauen.“ rief ich Veija zu, die das mit einem übertrieben Nachdenklichen Gesichtsausdruck quittierte. Das Passtraining verlief schließlich wie gewünscht. Als ich Vin wieder auf ihrer Weide untergebracht hatte, stellte ich fest das es zur Rückfahrt schon reichlich spät war. Netterweise durfte ich noch einmal in meinem Gästezimmer übernachten und am nächsten Tag trat ich die Heimreise an, zufrieden alle vier Pferde auf L Niveau gebracht zu haben.

      Distanztraining E auf A
      by Veija

      Im Moment war mal wieder gar keine Zeit für die Pferde. Ein Wunder, dass ich mit dem Trainieren nachkam. Doch heute würden wir uns um alle Tiere kümmern, schließlich sollten sie bald Kör- und Krönbereit sein!
      Ich schmiss Bellas Vielseitigkeitssattel auf ihren Rücken, Aliena kümmerte sich um Princess, Alexis kümmerte sich um Wimpy, Caleb um Amarula und Aaron um Shadow, die mit Abstand die bravste von allen war
      Die Strecke war schnell ausgesucht: die selbe wie für alle anderen Pferde, die wir auf A bringen wollten. Also ging es nach dem satteln schon los. Zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim und konnten sagen, dass die Pferde mit ein wenig mehr Training fertig für die Klasse A waren. Fertig für ihre Box stellten wir die 5 Pferde weg, ehe 5 andere an der Reihe waren.
      Nun ging es um Summer, Honey, Ally, Bailey und Goddess. Wir entschieden uns spontan, wer wen reiten sollte, wobei ich mich für Goddess entschied. Schließlich konnte ich nicht immer die selben Pferde reiten- aber es gab welche, auf die ich niemand sonst lies; normalerweiße. Zu diesen Pferden gehörten Gipsy und Bella.
      Also ging es ans satteln. Wir brauchten ein wenig länger, als vorher, weil die 5 auf der Koppel gestanden hatten und dementsprechend aussahen. Doch endlich ging es los!
      Wir ritten die selbe Strecke wie eben: zunächst über den Hof, auf den Feldweg. Dann eine lange Schrittstrecke, einen Berg hoch im Galopp, ein wenig Trab, eine lange Schritstrecke, eine Galoppstrecke und eine lange Trabstrecke. Dann waren wir auch schon wieder daheim. Leider dämmerte es nun, weshalb diese fünf die Letzten für heute waren. Nach dem absatteln kamen sie in die Box, wo sie reichlich Heu und Kraftfutter bekamen, damit das Training in den nächsten Tagen besser weitergehen konnte. Nun gingen alle ins Bett und freuten sich auf morgen- oder auch nicht. Denn es stand noch mehr Arbeit an.
      Schon am frühen Morgen waren wir alle auf den Beinen und machten Toy, Sheza, Grace, Gen und Spooky fertig.
      Nun standen wir vor der Frage, wer die Hengste reiten sollte. Zum Schluss entschieden wir uns dafür, dass ich meinen geliebten Spooky ritt und Caleb sich Gen schnappte. Aliena ritt Toy, Alexis Sheza und Aaron Grace. Nach dem satteln also ritten wir auf den Hof, wo wir uns nach dem nachgurten auf die Pferde setzten. Wir ritten die selbe Strecke wie am Tag zuvor und konnten am Ende des Trainings 5 erfolgreich in der Klasse A laufenden Pferde vorstellen. Etwas schneller als gestern machten wir die Tiere für die Koppel fertig, ehe neue fünf folgten. Funky, Ali, Winny, Blue und Flint. Auch mit ihnen waren wir ruck zuck auf der Strecke und wieder zurück. Für zehn Pferde hatten wir heute noch Zeit. Doch wir alle wollten Feierabend machen, weshalb wir uns doch sehr beeilten. Die nächsten waren: Dash, Suke, Sol, Gipsy und Emil.
      Hier waren die Reiter sofort klar- naja, zwei davon. Gipsy würde ich reiten und Emilio würde von keinem Anderen außer außer Aaron geritten werden. Nach dem satteln ging es auf die Pferde und auf die Strecke. Weil wir ein wenig auf den alten Wallach achten mussten, blieben Aaron und ich ein wenig zurück, während die anderen drei ihre Pferde ganz normal trainierten. In dieser Zeit verquatschten Aaron und ich uns, so dass wir viel zu spät am Hof ankamen, und es schon dunkel wurde. Da wir nichts riskieren wollten, beließen wir es für heute dabei und brachten alle Pferde weg.
      Am morgigen Tag waren alle ziemlich schlecht gelaunt. Sie hatten alle Muskelkater- verständlicherweise. Doch die Arbeit musste getan werden und wir waren fast fertig!
      Es fehlten nur noch: Skrudi, Vin, Hartmut, Letty, Ops, Snuff, Heart und Maracuja, die bald wieder zurück an Ofagwa gehen würde. Nichts desto trotz, trainierte ich sie mit.
      Wir mussten die Pferde zwar aufteilen, und mit Snuff, Heart und Cuja zu dritt gehen, doch es lohnte sich allemal.
      Am Ende des Tages waren alle Pferde in Distanz auf der Klasse A angelangt! Wir hatten zwar über einen Monat mit dem ganzen Training gebraucht, doch hauptsache wir konnten sie jetzt weiter fördern.
    • AliciaFarina
      Ihr Leben bei BellaS I
      Zwei schreckliche Wochen
      April 2015, by BellaS

      Als ich am Morgen aufwachte, wusste ich bereits, dass dieser Tag nicht unbedingt zu den schönsten in meinem Leben gehören würde. Mein Kopf schmerzte, kaum hatte ich mich im Bett aufgerichtet und sobald mir auch wieder einfiel, was noch alles zu tun war, hatte ich nicht einmal mehr das geringste bisschen Lust aufzustehen. „Liegenbleiben wäre herrlich“, dachte ich und griff nach der Wasserflasche neben meinem Bett.
      Ich hatte gestern den ganzen Tag gearbeitet und viel zu wenig getrunken, das Resultat spürte ich nun wie einem Holzhammer in meinem Kopf.
      Laut seufzend machte ich Anstalten aus dem Bett zu steigen und hatte mich gerade in die Senkrechte gehoben, als mit auffiel, dass ich nicht mehr alleine im Bett lag. Mein Freund regte sich und schlug die Augen auf. Für Jonas, der seit kurzem in Kiel als Architekt arbeitete, war heute Wochenende, doch auf mich wartete jede Menge Arbeit. Ich wusste genau, dass er es hasste wenn ich nicht mal am Wochenende viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen hatte, doch da eher eher schlecht als Recht ritt und keine Lust hatte seine Reitküste zu verbessern, musste er eben auch auf einen gemeinsamen Ausflug in Form eines Ausrittes verzichten.
      Grummelnd drehte er sich weg und schlüpfte wieder unter seine Decke, während ich in meine Reithose steig und halb die Treppe herunter fiel, als in der Küche ein ohrenbetäubendes Scheppern losging, gefolgt von mehreren, nicht minder lauten Flüchen.
      Das Schlimmste befürchtend stürzte ich in die Küche. Tabea stand vor einem völlig entleertem Schrank, eine Pfanne in der Hand. Ich starrte sie entgeistert an, unfähig den Sinn ihrer Aktion zu durchschauen.
      »Ich wollte doch nur Spiegeleier...«, begann sie, während mein Freund, der hinter mir in der Küchentür stand, lauthals zu lachen begann.
      »Bella, ich hab dir gleich gesagt, dass dieser Stapel von Kochzeugs instabil ist.«
      In gespielter Entrüstung stemmte ich die Hände in die Hüften. »Kochzeugs?!«
      »Ja, das war ein Doofer Stapel.« mischte sich jetzt auch noch Tabea ein.
      Ich wusste, meine Konstruktion war nicht sonderlich klug gewesen, doch so schnell wollte ich mich auch nicht geschlagen geben. »Also ich habe jetzt etwas zu tun.«, meinte ich und schnappte mir einen Nutella-Toast von einem Teller auf dem Tisch. »Ich gehe jetzt füttern. Solltet ihr eine besserer Konstruktion für diesen Schrank finden, dann räumt ihn meinetwegen anders ein.«
      Ich trat vor die Tür und atmete erst einmal tief durch. Die frische, morgendliche Seeluft tat meinem Kopf gut und ich begab mich in Richtung unserer Sattel und Futterkammer, die in einem separaten Häuschen neben dem Stallgebäude untergebracht war. Zum ersten Mal war ich froh, dass Cata noch in Schottland bei Ravenna war. Ich hatte sie heimlich um die Reise beneidet, doch jetzt fand ich es gut, nicht ständig ihren Spot zum Thema 'Kochzeugs' ertragen zu müssen.
      Im Stall standen Momentan nur Morgaine und Catas Neuzugänge Dorn und Steel Heart. Selbst Fire's Grace war mit einer Decke über Nacht auf der Koppel geblieben.
      Ich packte den Stapel mit Futterschüsseln, welche Tabea in einem Überschwang von Kreativität mit den Pferdenamen in Form von Grafitis verziert hatte und begann das Training für heute zu planen, als mein Handy anfing zu vibrieren.
      »Ja?« Mit einem Blick aufs Display sah ich, dass es Cata war.
      »Du, Bella. Ich hab...«
      »Ist alles ok? Wenn du so anfängst bedeutet das nichts gutes!«
      Ich begann mir bereits das ein oder andere Horrorszenario vorzustellen, doch was sie tatsächlich sagte übertraf alles.
      »Du, Bella. Ich habe ein Grundstück gekauft Hier in Schottland. Ich, Ich werde hierbleiben.«
      Völlig entgeistert starte ich mein Telefon an. War heute der erste April und alles nur ein schlechter Scherz? Nein, der war schon seit einigen Wochen vorbei aber.... Ich wusste nicht weiter und war unfähig zu antworten.
      »Es tut mir leid, Bella.«, hörte ich die Stimme meiner Freundin und Kollegin aus dem Lautsprecher und dann platzte mir der Kragen.
      »Hach. Dafür bist du also nach Schottland geflogen.«, jetzt lag nur noch kalte Wut in meiner Stimme und alles vernünftige Denken hatte sich abgeschaltet.
      »Wie schön für dich. Aber ich finde, so was sagt man einem Auge in Auge und nicht übers Telefon.«
      Catalina stammelte etwas von Spontanentscheidung, doch ich ließ sie nicht erst zu langen Erklärungen ansetzten.
      »Komm mir nicht mit 'Spontanentscheidung'. So etwas plant man! Mir reicht es mir dir! Lass dich hier nicht wieder blicken!...«
      Was ich im Laufe des Telefonats noch alles von mir gab, ist zu meinem Glück aus meinem Gedächtnis verschwunden, doch es würde mich nicht wundern wenn es sich in das von Cata eingebrannt hätte.
      Der restliche Tag war für mich gestorben. Im Versuch, alles normal weiterlaufen zu lassen hatte ich versucht zu reiten, doch sogar der sture Bock Topar war an diesem Tag starr vor Angst gewesen. Schließlich hatte Tabea mir energisch die Zügel abgenommen und hatte meine Arbeiten erledigt. Ich weiß noch immer nicht, was ich ohne sie gemacht hätte. Den Rest des Tages verbrachte ich in einem Zustand hilfloser Wut, bis ich mich am Abend endlich bei meinem Freund aus heulen konnte.
      Jetzt, im nach hinein kommt mir mein Verhalten ziemlich Kindisch vor, doch in diesem Moment fühlte ich mich Verraten und Hintergangen.
      Kurze zwei Wochen später hatte sich, zumindest fühlte es sich so an, mein halbe Leben verändert. Viel war passiert auf meinem, inzwischen Namenlosen Hof. Das Ausbildungszentrum UHAP Ocean Wave hatte geschlossen und würde seine Tore nicht wieder öffnen. Catalinas Sachen waren aus dem Haus und den Ställen verschwunden, ebenso wie ihre Pferde.
      Ich stand nun da, ohne festen Beruf und mit einem Hof voll Pferde. Auch das Geld war auf einmal an allen Ecken und Enden knapp. In diesem Dilemma hatte ich mich entschlossen, nicht wieder allein als Ausbilderin zu arbeiten und mich schließlich an meine Ausbildung als Sattlerin erinnert. Und dann änderte sich schlagartig noch einmal alles.

      Wieder war Cata und ein Anruf schuld, doch dieses Mal traute ich meinen Ohren noch weniger.
      »Bella? Zuhören, nicht auflegen!«, waren die ersten Worte die aus meinem Telefon drangen.
      Ich unterdrückte den wütenden Impuls auf den roten Button zu drücken als ich wieder Catas Stimme erkannte.
      »Ich höre.«
      »Ein Grundstück. Ein Stück Kiesstrand, Schottische Hügel und jede Menge Platz.«
      »Willst du mir jetzt vorschwärmen? Da bist du aber an der ganz falschen Adresse!«
      »Nein, das steht zum Verkauf. Schnäppchen.«
      Bevor ich antworten konnte hatte sie aufgelegt, doch wenige Sekunden später vibrierte mein Handy erneut. Diesmal waren es WhatsApp Nachrichten mit Bildern.
      Etwas entnervt öffnete ich die App und mir blieb fast das Herz stehen. Ich sah eine Landschaft wie im Traum, meinem Traum.
      Graugrüner Rasen, Meer und Hügel. Das ganze nur unterbrochen von Weidezäunen und einer Ansammlung von Gebäuden am Rand des Bildes.
      ''Das könnte dir gehören.'' stand darunter und ich musste schmunzeln. Das ganze klang doch ziemlich nach schlechter Werbung, doch ich hatte im Kopf breites meine Finanzen aufgerufen.
      Drei Handyfotos hatten mich erwischt. Schnell hatte ich eine Überfahrt gebucht, meiner kleinen Familie Bescheid gegeben und war unterwegs um mir alles anzusehen.
      In Folge kehrte ich aufgekratzt und mit einer Urkunde zurück nach Hause. Es war ein Kaufvertrag.

      Umzug Es war kaum zu glauben, dass es noch April war. Die Sonne brannte und machte das Kisten schleppen nicht angenehmer. Die Isländer schwitzen unter den Resten ihres Winterfells und warteten ungeduldig auf die Abfahrt. Ich klopfte Laufey den Hals. „Alles gut, in Schottland ist es nicht so heiß.“, sagte ich zu meiner Stute.
      Jetzt war alles entschieden und es gab kein zurück. Ich würde Cata nach Schottland folgen. Ein riesiges Grundstück gehörte bereits mir. Mehrere Tage hatte die Kaufurkunde mir beinahe Löcher in die Tasche gebrannt, bis ich mich endlich aufraffen und die Neuigkeit verkünden konnte. Eine Isländerzucht sollte dort oben entstehen, meine Zucht. Ich hatte meine Überredungskünste weniger einsetzten müssen als ich gedacht hätte. Sowohl mein Freund, als auch meine kleine Schwester wollten mir nach Schottland folgen, obwohl ich über ihren Kopf hinweg entschieden hatte.
      Nun versuchte ich meine eigene Aufregung im Zaum zu halten, während ich meine acht Pferde in den großen Transporter lud. Sämtlicher Hausrat war in einem gemieteten LKW verstaut und die Überfahrt gebucht. Es tat mir im Herzen weh die Ostsee und mein altes Zuhause in Deutschland zu verlassen, doch ich freute mich auch schon wie ein kleines Kind auf meinen ersten Ausritt über die weiten Wiesen auf Morvern. Colles Virides – Die Pferde der grünen Hügel, so würde ich meine Zucht taufen, der jetzt nichts mehr im Wege stand. Winter Cloud, Morgaine und Liddle Miss Sunshine waren in Deutschland zurück geblieben und somit würde ich mich jetzt voll und ganz auf meine Leidenschaft konzentrieren – die Islandpferde.
      Ein letztes Mal verabschiedete ich mich von meinen Eltern, Freunden und der Restlichen Familie, die mir beim Umzug geholfen hatten. Von jetzt an, würden wir nur noch zu viert klarkommen müssen. Außer meinem Freund und meiner Schwester würde mich auch Linn Rheintal begleiten. Sie war eine Freundin aus meiner Zeit als Reitschülerin und hatte mir ihre Hilfe angeboten. Da ich wusste, es wartete Arbeit, hatte ich ihr Angebot dankend angenommen. Es war eins zum anderen gekommen, und so hatte ich bereits eine kleine Crew zusammen, bevor wir überhaupt nach Schottland aufgebrochen waren. Unter Abschiedsrufen und Winken stieg ich ins Auto und als mein ehemaliger Hof schließlich Hinter einer Kurve verschwand, war ich froh nicht fahren zu müssen, denn es kamen mir die Tränen. Fünf geschlagene Stunden dauerte die Fahrt nach Amsterdam. Von hier aus ging unsere Fähre hinüber auf die grüne Insel, unser neues Zuhause.
      Im Gegensatz zu Tabea und Linn hatte mich keine Seekrankheit geschlaucht, doch ich sah genauso mitgenommen aus als wir die Autos schließlich aus dem Bauch des Schiffes lenkten. Ich hatte die Nacht auf die Pferde aufgepasst und somit keinen Schlaf bekommen und auch die Verständigung mit der Niederländischen Schiffsmannschaft war anstrengend gewesen. Nicht einmal die weiteren zwei Stunden Fahrt konnte ich verschlafen, denn mir war die Aufgabe zu teil geworden den LKW mit den Pferden zu steuern. Die Schleichwege welche die Schotten als 'Straßen' zu bezeichnen Pflegten und meine Müdigkeit machte die Fahrt nach Morvern zu einem Albtraum.
      Als ich Laufey, Vinkona, Vidja, Stássa, Faera, Slaufa, Vin, Topar und Sólfari endlich ausgeladen hatte, war es mir vergönnt in meiner 'Übergangswohnung' auf Caed Crevan ins Bett zu fallen. Auf Colles Virides würde in wenigen Wochen alles fertig sein, doch jetzt wollte ich mich als erstes von der Reise erholen.

      Gangreiten L - M
      April 2015, by BellaS

      Die Isis hatten sich gut in ihrem neuen Zuhause eingelebt, und auch ich trauerte meinem alten Hof an der Ostsee kaum hinterher. So wagte ich schon nach kurzer Zeit ein erstes Training.
      Ich hob dem Sattel von seinem Platz und stieß, wohl zum hundertsten Mal in den letzten Tagen, an einen leeren Sattelhalter, welcher unglücklich an der Wand angebracht worden war. „Mist Ding.“, schimpfte ich und verließ die Sattelkammer. Immer wieder gab es Momente wie diesen, wo ich mir wünschte in meiner Sattelkammer Zuhause zu stehen.
      „Hier ist mein Zuhause.“, korrigierte ich mich selbst in Gedanken und rückte das Sattelpad auf dem Rücken meiner Stute zurecht, ehe ich den Sattel auflegte und den Gurt schloss.
      Wenige Minuten später trug Vin, die Buckskin Stute, die meiner Laufey vom Charakter glich wie eine Kopie, ihre Trense und ich führte sie zur neuen Ovalbahn.
      Dem Holz der Bande sah man schon an der Farbe an, dass es erst seit wenigen Tagen dem Wetter ausgesetzt war und auch der frisch aufgeschüttete Kies hatte sich noch nicht in alle Winde zerstreut.
      Ich überprüfte die Bügellänge und saß auf.
      Sofort wollte Vin ihrem Bewegungsdrang Luftmachen und machte einige schnelle Schritte vorwärts, kaum hatte mein Hinterteil den Sattel berührt. Ich verlor das Gleichgewicht und kippte nach Vorne, ehe ich nach dem zweiten Bügel angeln konnte. Kaum hatte ich meine Balance auf dem Pferderücken wiedergefunden, hielt ich die freche Stute energisch an und tadelte sie für ihren Übermut.
      Indes schien sie der Tadel ihrer Reiterin nicht weiter zu stören, sie hatte ein Grasbüschel mit langen Halmen entdeckt und versuchte mir die Zügel aus der Hand zu ziehen und an das Gras zu kommen.
      „Himmelherrgott.“, murmelte ich, bereits angenervt und trieb Vin vorwärts. Schon nach dem Warmreiten waren meine, ohnehin angestrengten, Nerven zum zerreißen gespannt.
      Leider war das Tier unter mir sensibel genug um genau dies zu merken. Sie nutze die Gelegenheit um das Tempo weiter anzuziehen. Beinahe völlig entnervt stellte ich fest, dass es an den Gängen meiner Stute beinahe nichts auszusetzen gab, nur in Sachen Gehorsam würde dringend etwas Erziehung benötigt werden. Ich hatte Vin erst vor wenigen Wichen von Veija übernommen und war, mit Ausnahme von zwei Trainingseinheiten, nicht sonderlich gut mit der Stute und ihrem Umgang vertraut.
      Erst als alle Versuche das Tempo zu drosseln scheiterten, erkannte ich, dass es an mir lag. Ich saß verkrampft im Sattel und hörte nicht auf mein Pferd. „Ich glaube dieses Training war noch keine gute Idee. Eine Mütze Schlaf wäre wohl sinnvoller gewesen.“, dachte ich mir und zwang mich dazu, mich im Sattel zu entspannen und auf mein Pferd einzugehen.
      Tatsächlich, auf einmal ließ die Stute sich beinahe Mühelos zu etwas Tölt überreden. An ihrem Pass wollte ich heute noch nicht arbeiten, nicht solange ich nicht völlig bei der Sache war.
      So verlegte ich mein 'Gangtraining' kurzerhand auf einen Ausritt. Ich beugte mich vom Pferd herab, öffnete das Tor der Bahn und machte für meine kleine Schwester mit ihrer Stute Vinkona platz, die scheinbar etwas trainieren wollte.
      Ich ritt im Schritt über den Hof und einfach vorbei am Haupthaus in Richtung offenes Land. Zwar lagen die Höfe hier auf Morvern verhältnismäßig dicht beieinander, doch trotzdem bot das schottische Hochland jede Menge Platz für Ausritte, vorzugsweise im wilden Galopp.
      Wieder töltete ich an, doch lange hielten wir uns nicht beim Tölt auf. Ich gewährte meiner Stute durch eine kaum merkliche Hilfe einen Wunsch und ließ sie nach Herzenslust galoppieren.
      Völlig verschwitzt und erschöpft kehrten Pferd und Reiterin nach Hause zurück. Ich freute mich zwar mehr denn je auf mein Bett, doch endlich hatte sich das Lächeln zurück auf meine Lippen geschummelt.

      Distanz A - L
      Mai 2015, by BellaS

      Ich war nicht motiviert als ich meine Wohnung verließ. Tabea war mir mal wieder gehörig auf die Nerven gegangen und ich war gestresst. Warum? Diese Frage konnte ich mir nicht einmal selbst beantworten. Heute würde wollte, und würde ich das letzte, finale Training mit meiner Lieblingsstute Laufey reiten, denn in den kommenden Tagen würde ich sie bei einer Stutkrönung für alle Rassen vorstellen. Eigentlich hatte ich mir bereits einen Plan gemacht, was ich alles noch einmal üben wollte, doch meine Motivation war für heute scheinbar ins Nichts verschwunden. Trotzdem holte ich das gescheckte Islandpferd, in der Hoffnung jetzt nichts zu verbocken. Langsam und nachdenklich fuhr ich mit der Bürste über Laufey Fell. Ich wollte mir Zeit nehmen, eine richtig gute Verbindung zu meinem Pferd schaffen. Nach dem Höllenritt von vor einigen Wochen war dies auch bitter nötig gewesen, denn Laufey würde zwar für mich durchs Feuer gehen, aber ab und zu reichte es auch ihr. Ich betrat die Sattelkammer und blieb wie immer einen Moment vor der beachtlichen Sammlung Schleifen am Platz meiner Stute stehen. Ich war mit keinem anderen meiner Pferde bisher so erfolgreich gewesen und deshalb sollte der erste Teil meiner Pläne nun wahr werden: Laufey sollte die Zuchtzulassung bekommen.
      Kurze Zeit später betrat ich die große Ovalbahn. Ich schloss das kleine Tor in der Bande und saß auf. Laufey machte schon gar keine Anstalten mehr am Bahnrand einige Grashalme zu erwischen, diese Lektion hatte sie zum Glück schon lange gelernt. Obwohl ich die Zügel lang auf ihrem Hals liegen lies, schritt die Stute kräftig aus. Ich wusste, so frech sie auch war, ich konnte mich auf sie verlassen. In aller Seelenruhe entwarf ich einen neuen Schlachtplan, welcher wohl besser zu meiner Laune passen würde. Erst nachdem ich diesen fertig gestellt hatte, nahm ich die Zügel auf und begann damit das Pferd überhaupt zu lenken. Laufe spitze die Ohren und legte noch einen Zahn zu. Sie hatte den Mittelschritt inzwischen verinnerlicht: Kein Huf schliff über den Boden, kein Stolpern, kein Schlenderschritt – ja, man könnte sagen die Stute stolzierte über die Bahn, als müsste sie mit einer showreifen Darbietung ein imaginäres Publikum begeistern. Nun verkürzte ich die Zügel um anzutölten. Zwar machte sie sich im ersten Moment fest, besann sich dann aber ihrer „Zuschauer“ und lieferte einen flüssigen Tölt. Sie trug Glocken an den Vorderbeinen, was sie die Vorderbeine im Tölt und Pass höher heben ließ. Indem ich ihren Rücken entlastete und ein wenig mehr trieb, schaffte ich einen Übergang vom Tölt in den Trab. Zum Glück war auch an diesem Heute nichts auszusetzen, denn für eine Auseinandersetzung über die Geschwindigkeit beim Traben oder das gehen einer nicht vorhandenen Mischgangart aus Trab und Tölt reichten meine Nerven Heute wirklich nicht mehr aus. Da die Showhalle bei einer Krönung für Rennpass nicht geeignet war, würde ihre spektakulärste, fünfte Gangart unvorgeführt bleiben. Zum Schluss blieb noch unsere gemeinsame Lieblingsgangart, der Galopp. Ich musste sie heute zurück halten, denn oft kam es vor, dass ich Laufey einfach ungebremst laufen lies. Heute jedoch war ernsthafte Vorbereitung, kein lustiges Training zwischendurch und so musste Laufey mit einem gesitteten Tempo vorlieb nehmen. Wieder im Schritt lobte ich Laufey ausgiebig. Der Krönung stand nun nichts mehr im Wege.

      Rechte Hände
      Mai 2015, by BellaS

      Ich ließ mich auf die Bank vor unserem Haus fallen und beschloss mich von jetzt an bis Morgen meinen Zentimeter mehr von der Stelle zu rühren. Immer öfter war ich nach der getanen Arbeit des Tages zu Müde und gestresst für Entspannungen wie Lesen oder einem Ausritt, geschweige denn, dass ich genug Zeit dafür habt hätte.
      Seit Linn auf Colles Virides eingezogen war hatte sie zwar einen kleinen Teil meiner Aufgaben übernommen und auch Tabea war nicht untätig, doch 12 Pferde waren einfach zu viel für drei Personen.
      Ich hatte mich bisher nicht mit der unbequemen Frage beschäftigen wollen, doch nun wurde ich von allen Seiten dazu gedrängt mich nach mindestens einem weiteren Helfer für den Hof umzusehen.
      Während ich so meinen Gedanken nachhing, ließ Jonas sich neben mich auf die Bank fallen. Obwohl Jonas nicht viel mit Pferden am Hut hatte, half er doch wo er konnte, gerade in Situationen wie der Jetzigen.
      „Bella, so kannst du doch nicht weitermachen.“, sagte er und strich mir eine Lockige Haarsträhne aus dem Gesicht, „Du machst dich damit selber kaputt. Du überarbeitest dich.“
      „Nein, ich will keinen Neuen einstellen, die machen doch noch viel mehr Arbeit und Linn hilft mir doch.“
      „Mensch, sei doch nicht so stur. Du weißt doch selber was Sache ist, handle gefälligst. Ich weiß, dass du darüber Nachdenkst.“
      Im meinem Kopf befand sich, nach aktuellsten Meldungen nur noch Chaos. Einerseits wollte, und brachte ich Hilfe, andererseits wollte ich die Zügel selber in der Hand behalten und nur Leute haben von denen ich wusste, dass sie mich ebenso schätzten wie ich sie.
      „Du kochen ja irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe hoch.“, ärgerte ich mich über mich selbst und blieb grübelnd auf der Bank sitzen.

      Langsam erhob ich mich von der Bank. Meine Freundin machte mir in den letzten Wochen wirklich Sorgen. Bella gehörte leider zu dem Typ Mensch, der allen Neuerungen äußerst skeptisch gegenüber steht. Diese Neigung konnte ihr jetzt zum Verhängnis werden, und ich hatte nicht die Absicht dies zu zu lassen.
      Ich muss zugeben, dass ich keine Ahnung von Pferde, Zuchten und der Führung eines Hofes hatte, doch Ahnung vom Zustand der Überarbeitung, ja des Burnouts hatte ich.
      „Hör auf so schwarz zu malen.“, ermahnte ich mich selbst, „Annabell ist ebenso erwachsen wie du und muss wissen was ihr gut tut.“
      „Aber auch Erwachsene sind zuweilen unvernünftig.“, raunte eine Stimme in meinem Kopf und das schlimmste war, ich wusste, dass sie Recht hatte.

      „Ein Schlachtplan muss her.“, witzelte ich. Jonas saß mir gegenüber am Küchentisch, neben mir Linn. Bella war schlafen gegangen, ich hatte jedoch den Verdacht, dass sie heimlich an der Tür stand um zu lauschen.
      Der Freund meiner Schwester hatte uns soeben seine Sorgen gebeichtet und wir waren völlig seiner Meinung.
      „Stallarbeiter brauchen wir. Soviel ist sicher.“, stimmte auch Linn bei und sprach damit aus was uns allen auf dem Herzen brannte.
      „Aber über Bellas Kopf hinweg?“, wand Jonas ein.
      „Sie hat selber Pech wenn sie nicht merkt wann das Maß voll ist.“, stellte ich klar. „Nur wie kommen wir an brauchbare Leute?“
      „Internetanzeige?“, ließ sich nun wieder Linn vernehmen.
      „Nein, da gucken Hinz und Kunz rein. Strolche sollten wir Bella nicht zumuten.“
      „Anzeige in der hiesigen Zeitung?“
      „Besser, vielleicht können wir bei Ravi fragen?"
      „Das ist eine gute Idee. Ich hab gar keine Ahnung wo ihre ganzen Stallhelfer herkommen.“, nahm auch ich wieder am Gespräch teil. „Ich reite Morgen hin. Oder besser anrufen?“
      „Das ganze ist doch eilig oder? Ruf an!“, meinte Linn.
      Gesagt getan. Alle verschwanden auf ihre Zimmer und ich griff zum Handy um die Nummer unserer Freundin zu wählen.

      Ich wollte gerade noch einen Spazierritt mit Ghost machen als mein Handy einen Anruf erhielt - Tabea - stand dort auf dem Bildschirm
      "Hey, was gibt´s?
      "Wir haben da mal eine generelle Frage - wie seit ihr zu euren Pflegern gekommen?"
      Kurz stockte ich, wieso sollte sie das denn jetzt so dringend interessieren? "Naja...Aidens Familie wohnt in Craighnure und schon der Vater hat hier gearbeitet, als der Hof noch der Oma von Kathi und Cayden gehörte, die drei sind sozusagen zusammen aufgewachsen. Hansi...Naja den hat Kathi wohl von einem Festival auf gegabelt...allerdings war das vor der Zeit als ich hier gewohnt hab. Ansonsten könntet ihr in den hiesigen Zeitungen schauen oder im Internet...Cayden kam damals durch ein Auslandspraktikum nach Österreich zu Amy auf den Hof.

      Ich bedanke mich herzlich für diese Auskunft und verließ mein Zimmer. Ich klopfte an Linns Wohnungstür und fand auch Jonas bei ihr. Die beiden hatten wohl meinen Anruf abwarten wollen und saßen mit besorgten Gesichtern auf Linns Sofa.
      „Also Ravi sagt ihre Stallarbeiter haben da schon in der Nähe gewohnt. Wir sollten in die Zeitung schauen oder selber eine Anzeige aufgeben.“

      Ich hatte meinen Laptop schon auf dem Schoß, kaum das Tabea ausgesprochen hatte.
      „Also eine Anzeige im Internet und eine in der Zeitung? Soweit ich weiß geht das auch über die Webseite... oder erst mal gucken?“
      „Wollen wir das wirklich ohne Bella machen?“, fragte Jonas zweifelnd.
      „Hey, wir tun das nur zu ihrem besten!“, meinte Tabea. „Jetzt nicht kneifen hier.“
      „Streitet nicht! Ich suche schon mal!“
      Ich traktierte die Tasten meines Laptops ungefähr eine Stunde lang ehe ich etwas vielversprechendes fand. Die beiden anderen hatten nicht zu Bett gehen wollen, jetzt saßen sie mit Bier auf dem Sofa und warteten gespannt.
      „Hey, hier ist etwas.“, riss ich die beiden aus ihrem Schweigen. Kaum hatte ich die Worte gesprochen, waren Jonas und Tabea neben mir und lasen die Internetanzeige.
      'Zwei fleißige Stallarbeiter suchen eine neue Arbeitsstelle. Finley McLean und Arran McTavish aus Morvern suchen eine Arbeit mit Wohngelegenheit in der Nähe...'
      „Das klingt perfekt. Aber was war nochmal 'payment'?“, fragte Tabea resigniert. Das englisch fiel ihr manchmal noch etwas schwer, dementsprechend war sie froh, dass wir auf dem Hof zumeist Deutsch sprachen.
      „'Bezahlung'.“, kläre Jonas sie schnell auf und studierte die Anzeige weiter. „Könnte das etwas für uns sein?“

      „Jetzt reicht es aber.“, ich öffnete die Tür und trat ein. „Ihr wollt mir jetzt ehrlich zwei Stallarbeiter aufdrücken?“
      Ich hatte Wut im Bau. Durfte ich denn nicht mehr mit entscheiden? Auf meinem Hof?
      „Ich wusste, dass du lauschst.“, sagte Tabi ruhig. „Und du weißt ganz genau, dass das notwendig ist und keinerlei Problem darstellt. Also beruhige dich gefälligst und lies dir das hier durch.“
      Wutschnaubend trat ich zum Laptop und setzte zu einer wenig netten Rede an, als mein Blick auf das Gesicht meines Freundes fiel. Erst jetzt fiel mir die ehrliche Besorgnis daran auf und die ließ den Zorn verschwinden.
      Wie ein Häuflein Elend sank ich aufs Sofa und fühlte gleich darauf Jonas Arm um meine Schultern.
      „Nein, ich weiß ja das ihr Recht habt.“, gab ich zu. „Ich will nur nicht.... will nur nicht...“
      „Jemanden der dich nicht respektiert.“, beendete Tabea den Satz. „Jetzt komm mal runter. Du BIST eine Respektsperson, und sei es nur wegen deines abnormen Streberschädels gefüllt mit Pferdewissen.“
      Sie hatte den Bann gebrochen und ich begann zu lachen. All die Anspannung und der Stress der letzten Wochen brach aus mir heraus und ich konnte meine Gefühle nicht länger unter Kontrolle halten, ja ich versuchte es auch nicht länger. Ich lachte und dabei liefen mir die Tränen über die Wangen. Kaum hatte ich mich einigermaßen beruhigt, drückte meine kleine Schwester mir mein Handy in die Hand.
      „Und jetzt rufst du da an!“

      Zwei Tage waren vergangen und die beiden sollten am nächsten Tag anfangen. Ich hatte mit Linns Hilfe die freie Wohnung im Haupthaus bezugsfertig gemacht, während meine Freundin und ihre vorlaute Schwester einen Ausritt unternahmen. Ich wusste genau, sie machte sich noch immer Sorgen und hatte eine Heiden Angst vor dem nächsten Tag, doch sie verstand es gut ihre Gefühle zu verstecken.
      Ich wollte ihr mal wieder eine Freude machen und schlug Linn vor den beiden nachzureiten. Erst erntete ich nur einen Ungläubigen Blick, dann hatte ich den Tatendrang der jüngeren Frau geweckt.
      „Du reitest besser Vidja.“, rief sie mir entgegen und kam mir mit zwei Pferden entgegen. Sie machte eine Handbewegung hinüber zu dem gepunkteten Pferd.
      „Äh, war Vidja nicht dein Lieblingspferd?“, fragte ich, mich wage erinnernd.
      „Ja, aber die ist brav. Im Gegensatz zu den andren und bei....“
      „Und bei meinen Reitkünsten wird das wohl besser sein.“

      Ich war froh Bella wieder in einem einigermaßen Beruhigenden Zustand zu wissen. Die langen Haare im Wind flatternd preschte sie auf ihrer Stute Laufey vor mir her. Ich wusste, dass sie das Rennen gewinnen würde. Ich hatte das bereits gewusst, als ich sie herausgefordert hatte doch der beste Sieg war das strahlende Lächeln, welches sie mir nun schenkte.
      Wir wendeten unsere Pferde und ritten in gemächlichem Schritt zurück in Richtung Hof als Vinkona unruhig wurde.
      Meine Stute hatte etwas bemerkt und nun sahen auch wir zwei Reiter am Horizont. Wir tölteten ihnen entgegen und ich erkannte bald zwei Menschen auf Vidja und Blossi.
      Als ich mich gerade zu fragen begann wer zum Henker denn auf Blossi saß, konnte ich auch die Reiter erkennen.
      „Nein, du reitest freiwillig?“, rief eine Schwester ihrem Freund entgegen. Unterdessen bemerkte ich zu Linn, dass es eine kluge Entscheidung gewesen war ihm Vidja zu überlassen.

      Ich hatte meine Sorgen für eine Weile vergessen können, doch als ich Abends neben Jonas im Bett lag, kamen sie mit aller Macht zurück. Ich wurde noch lange von immer absurderen 'Was wenn...' Gedanken geplagt, bis ich endlich zur Ruhe kam.
      Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und ging hinunter in die Futterkammer. Ich lud das 'Frühstück' in Form von Heu für meine Vierbeiner auf eine Schubkarre und machte mich auf den Weg zu den Koppeln.
      Ich versuchte extra lange zu brauchen und als ich schließlich wieder am Hauptgebäude anlangte, standen zwei junge Männer dort etwas verloren in der Gegend herum.

      Sowohl ich als auch mein Kumpel Arran waren glücklich über den Anruf und das Stellenangebot gewesen, die uns Gestern erreicht hatten. Es kam von der Besitzerin einer Islandpferde Zucht in der Nähe. Sie war wohl vor kurzem von Deutschland hier her gezogen und benötigte nun Hilfe bei allen anfallenden Arbeiten. Wir hatten nicht lange überlegen müssen. Was konnte schon schiefgehen? So machten wir uns auf den Weg zur angegebenen Adresse, nicht weit von unserem jetzigen Wohnort um uns alles anzusehen.
      Der Hof machte einen freundlichen und gepflegten Eindruck, doch man ließ uns warten. Schließlich kam eine besorgt wirkende Frau auf uns zu.
      „Finley McLean.“, stellte ich mich vor. „Und das ist mein Kumpel Arran McTavish. Er ist leider auf den Mund gefallen.“
      „Annabell Schmiedemann.“, sagte die blonde Frau vor mir und reichte uns beiden die Hand. Als sie mein leicht entsetztes Gesicht sah fügte sie hinzu: „Bella reicht... ja ja. Deutsche Namen.“
      Erleichtert grinsend folgten wir ihr auf einen Rundgang über den ganzen Hof. Die Isländer Stássa, Laufey, Vinkona, Vidja, Slaufa, Faera, Vin, Thowra, Blossi, Sólfari, Uprising und Topar gefielen mir, und meinem Freund schien besonders den, von Bella als Zickig bezeichneten, zuletzt genannten Hengst zu gefallen.
      Ich mochte den Hof. Hier zu arbeiten stellte ich mir als guten Job vor. Auch die anderen Bewohner des Hofes und unsere zukünftige Wohnung bekamen wir zu Gesicht.
      Ich hatte bereits jetzt für mich entschieden, ich würde den Job annehmen und auch Arran schien dazu geneigt zu sein.

      Ich war positiv von den beiden Überrascht worden. Während Arran mir eher wieder schweigsame Typ vorkam, der seine Arbeit ohne viel Federlesens erledigte, schien Finley geneigt die Stimmung hier etwas aufzulockern.
      Alles in allem fand ich in den beiden tüchtige Arbeiter, die ich in den nächsten Wochen wirklich zu schätzen lernte. Das ging so weit das ich eines Abends beim gemeinsamen Grillen sagte:
      „Ich weiß nicht was ich ohne euch machen würde.“
      Daraufhin glitt ein triumphierendes Lächeln über Tabeas Gesicht als wollte sie sagen: 'Hab ich's doch gewusst.'

      Aber das Leben geht weiter
      Juni 2015, by BellaS

      Als ich an diesem morgen erwachte, zeigte mein Wecker wie immer 4:00 Uhr. Meine, zugegeben, leicht seltsame, innere Uhr hatte mich auch heute nicht im Stich gelassen. In der Erwartung die erste auf dem nächtlichen Hof zu sein, schälte ich mich aus dem Bett und verließ meine Wohnung.
      Ich wollte als erstes den Offenstall der kleinen Stute Brött aufsuchen, denn sie schien es mir als einzige nicht übel zu nehmen bereits am frühen Morgen arbeiten zu müssen. Kaum hatte ich allerdings die Haupttür nach draußen geöffnet, stutzte ich. Bella saß auf ihrer Bank neben dem Haus und sie saß schrecklich aus. Offensichtlich hatte sie geweint und war schließlich draußen, auf ihrem Lieblingsplatz, eingeschlafen. Ich hatte keinen blassen Schimmer was passiert sein können, aber es musste etwas gewesen sein, das meine Freundin traurig und wütend zugleich hatte werden lassen. Zumindest zeugten davon die benutzten, zerknüllten und zu kleinen Fetzen verarbeiteten Taschentücher, welche teils neben ihr auf der Bank, teils vom Wind über den ganzen Hof verteilt, lagen. Während ich noch überlegte, was ich nun tun sollte, schlug Bella ihre Augen auf und sah sich verwundert um, als erinnerte sie sich nicht an den Umstand, der sie auf ihren derzeitigen Platz befördert hatte. Verwundert schaute sie zu den Taschentüchern, dann zu mir. Wenige Sekundenbruchteile darauf schienen die, mir unbekannten, Ereignisse vom Vortag wieder auf sie einzustürmen und sie sackte auf ihrer Bank in sich zusammen. Vorsichtig nährte ich mich meiner Freundin und ließ mich neben ihr nieder. Was war passiert? Hatte es etwas mit mir zu tun? Ich legte ihr unsicher den Arm um die Schultern, doch es verging noch eine gefühlte Ewigkeit, bis ich mich traute sie zu fragen was denn passiert sei.

      Ich konnte nicht klar denken. Ständig verschwamm alles vor meinen Augen und ich konnte die gestrigen Ereignisse noch immer nicht fassen. „Er ist weg, Linn. Dieser... Dieser...“, doch mir fiel kein passendes Schimpfwort ein, mit dem ich meinen Freund, nein, Exfreund treffend beschreiben konnte. „Er ist weg. Weg. Einfach weg. Hat sein Zeug genommen und ist abgehauen.“, ich brach in ein seltsam irres Gelächter aus, aber ich erfasste mein Verhalten überhaupt nicht. Ich redete einfach. „Und dann hat er mich angeschrien und dann ist er weggefahren und... und..“, ich brach wieder in Tränen aus, obwohl ich es gar nicht wollte. Immerhin verdichtete sich mein Blickfeld langsam wieder und die Fähigkeit logisch zu denken kehrte zurück. Mich zusammenreißend versuchte ich meiner Freundin, die jetzt neben mir saß, mir halt gab und keine Fragen stellte die Ereignisse vom Vorabend zu erklären. „Ich weiß nicht mehr, warum wir uns gestritten haben. Auf jeden Fall lief es darauf hinaus, dass wir jetzt hier waren, in Schottland. Und dann hat er gesagt er will nach Hause, hier sei es scheißen und solche Sachen. Dann haben wir uns angeschrien und dann, dann hat er gesagt er packt sein Zeug und fährt nach Hause. Und das hat er dann gemacht.“, wieder versuchte ich einem Heulkrampf zu entgehen. Linn sagte nichts, ich spürte nur, wie ihr Arm sich etwas fester um meine Schultern legte. Gegen sechs Uhr morgens stieß auch Tabea zu uns und ich fasste mich langsam. Ein Gefühl sagte mir, dass ich etwas Zeit für mich brauchte. Schließlich erhob ich mich wacklig von der Bank und marschierte Kommentarlos in Richtung Offenstall. Laufey stand am Zaun und bemerkte meine Stimmung sofort. Zwar waren auch Vin und Faera dort, doch ich sehnte mich nur nach der Gesellschaft meiner kleinen, frechen, treuen und sensiblen Stute. Ohne zu putzen, zu satteln oder mich sonnst in irgendeiner Form aufzuhalten erfasste ich Laufeys Mähne, öffnete das Gatter, lotste die Stute hinaus ohne den Rest meines Chaos-Trios auf freien Fuß zu setzen und kletterte mit Hilfe des Eisengatters auf ihren Rücken. Sie schien ganz genau zu wissen was ich wollte, denn Laufey galoppierte aus dem Stand an und trug mich in den Wald. Ich lenkte sie nicht, mir war egal wohin es ging.

      Während des ganzen Tages machte ich mir Sorgen um Bella. Sie war mit Laufey einfach abgehauen, ohne Sattel, ohne Zaumzeug, ohne nichts. Ich wusste zwar, sie war eine exzellente Reiterin, doch in diesem Zustand machte sie mir Sorgen. Ich besuchte Arran und Finley und berichtete den Beiden in knappen Sätzen vom Vorfall. Im laufe des vergangenen Monats waren die zwei Stallarbeiter mehr und mehr in unsere Familie hineingewachsen und so sah ich es als meine Pflicht an, die beiden zu informieren. Natürlich hatten sie die Szene auf der Bank längst mitbekommen, wenn man in einem Haus lebt und auf einem Hof arbeitet bleibt nicht viel geheim, doch ich wollte sichergehen, dass alle Bescheid wussten um Bella nicht auf dem falschen Fuß zu erwischen. Immer noch in Gedanken bei Bella machte ich mich auf den Weg zum Fohlenstall um mein Vorhaben von heute Morgen in die Tat umzusetzen und Brött ein wenig zu beschäftigen. Ich holte die kleine, jetzt schon bald große, Stute von ihrer Koppel und ging mit ihr in den Roundpen. Bella hatte mir die Geschichte ihres ersten Pflegepferdes, Crimetime, erzählt und damit die Idee wach gerufen, den großen roten Gymnastikball auf für das Training von Brött einzusetzen. Seit ich diesen Ball vor einigen Tagen ins Training eingebracht hatte, konnte Brött die üblichen Übungen des Fohlen ABC fast nicht mehr abwarten, so sehr liebte auch dieses Fohlen das Spiel mit dem Ball. Lächelnd sah ich zu wie Brött die Kugel durch den Roundpen kickte, verdutzt stehen blieb als sie feststellte, dass der Ball hüpfen konnte, nur um ihn dann um so mehr zu jagen. Ich stand an der Band, schob den Gymnastikball ab und zu von mir weg, wenn Brött mich aufforderte mitzuspielen und hing meinen Gedanken nach.

      Meine Schwester hatte es gestern echt erwischt. Ach ich machte mir Sorgen, verständlicherweise. Ich meine, erst macht der Freund Schluss und haut ab und dann schmeißt sie sich auf das nächst beste Pferd und reitet planlos in den Wald, wer macht sich da keine Sorgen? Schließlich beschloss ich meine Vinkona zu nehmen und, natürlich völlig zufällig und ohne jegliche Hintergedanken, in den Wald zu reiten. Meine Stute benahm sie wunderbar, wie immer, doch leider war ich mit meinen Gedanken überall, sodass ich Bella auf meinem Ausritt nicht fand, wie ich ursprünglich geplant und gehofft hatte. Vielleicht war sie vom Pferd gefallen und lag jetzt irgendwo im Wald? Aber nein, bis Bella vom Pferd fiel musste schon ein Wirbelsturm kommen. Ich saß auf dem Hof ab, band meine Stute an und befreite sie vom Sattelzeug, ehe ich in die Futterküche ging. Irgendein kreativer Anfall und eine Packung bunter Permanent Marker hatte mich vor einiger Zeit dazu getrieben die Futterschalen mit den Namen der Pferde, natürlich in Form von Graffitis, zu bemalen. Nun suche ich die Futterschale mit dem Schriftzug 'Vinkona' und füllte sie mit einen Hand voll Pellets und ein wenig Gerste. Lächeln sah ich zu wie meine Stute ungeduldig den Kopf über ihr Essen senkte.

      Ich war mittlerweile abgesessen und Laufey graste friedlich an einem Bächlein, von dem ich auch noch nicht gewusst hatte, dass es es gab. Ich gab mir alle Mühe und langsam gelang es mir die Gedanken zu ordnen, die sich bisher nur wirr im Kreis gedreht hatten. Seltsamerweise fühlte sich der Platz in meinem Herzen, von dem ich bis gestern geglaubt hatte Jonas würde ihn ausfüllen, gar nicht leer an. Hatte ich die Grundlage für dieses abrupte Ende etwa selbst gelegt? Wie lange ging das denn schon so? Vermisste ich ihn überhaupt? Auf diese Fragen fand ich keine befriedigenden Antworten, doch ich schaffe es mich zu sammeln. Natürlich, seine gewohnte Gegenwart fehlte, aber es war nicht so schlimm wie es hätte sein können. Er hatte mir nicht 'das Herz gebrochen', wobei ich mich fragte, warum nicht. Langsam wandte ich mich wieder meiner Stute zu und kletterte auf ihren bloßen Rücken. Jetzt, wo die schlimmsten Gefühlsausbrüche nicht länger von mir Besitz ergriffen hatten, war es schwieriger Laufey zurück zum Hof zu lenken. Ich würde mich nicht verkriechen, ich würde heute Nachmittag,... Wie spät war es überhaupt? Vielleicht drei, oder vier? Egal, ich würde einfach reiten, denn der Umgang mit Pferden ist etwas das bei allen Verletzungen hilft, gerade bei solchen am Herzen.

      Nächster Tag
      Es fühlte sich komisch an in einem leeren Bett aufzuwachen, doch nicht unbedingt schlecht. Es machte mir schon Sorgen wie schnell ich diesen Schlag ins Gesicht überwunden hatte, doch – nicht drüber nachdenken! Ich stand auf, stieg in meine Klamotten und schnappte mir auf dem Weg nach draußen ein Brötchen vom Vortag, welches ich im gehen verspeiste. Auf meinem Weg zu Weide grüßte ich Arran, der gerade dabei war Linns Offenstall zu säubern. Gapur stand zusammen mit Blossi und Uprising auf dem Hengstpaddock und auch Vidja fehlte. Scheinbar war Linn gerade dabei sie irgendwo zu reiten. Nun ja, mich sollte das ganze nicht stören, denn ich würde mich heute Morgen ein wenig mit Thowra beschäftigen. Die Stute hatte eine Runde Dressur schon länger nötig. Unwillig folgte Thowra mir zum Putzplatz, wo ich ihr grau weißes Fell, das momentan eher grau-grün war, gründlich mit verschiedenen Striegeln bearbeitete. Ich holte ihren Sattel von ihrem Platz und entfernte entnervt etwas Vogelkot von ihrer Trense. Ich würde bald nicht nur die Sättel abdecken müssen, denn die Schwalben, die an den Dachbalken des Stallgebäudes nisteten, wurden immer dreister. Ich holte mir Helm und Handschuhe, doch bevor ich aufsitzen konnte wurden meine Nerven wieder auf die Probe gestellt. Tabea hatte sich scheinbar auf meine Stute gewagt, denn die Bügel waren viel zu kurz eingestellt und dazu nicht anständig hochgezogen sondern völlig wirr verknotet. Jetzt wirklich entnervt löste ich die Riemen, stellte die Bügel ein und nahm mir vor Tabea einmal mehr gründlich zu erklären was sie NICHT machen sollte. In einer flüssigen, geübten Bewegung legte ich die Zügel auf Thowras Hals und schwang mich in den Sattel. Das Dressurviereck war frei, doch auf der Ovalbahn erblickte ich Finley. Mein wunderbarer Stallhelfer, eigentlich Helfer bei allem, lieferte sich seinen täglichen Kampf mit Topar. Der sture Hengst hatte mal wider seine 5 Minuten und meinte wie ein wilder über die Bahn rasen zu müssen. Grinsend sah ich zu wie Finley versuchte den Hengst mit verschiedensten Mitteln zu Raison zu bringen. Leider half nicht viel. Erst als der dunkelhaarige Mann resigniert die Gerte fallen ließ, die er in der Hand gehalten hatte, beruhigte sich Topar. Für ihn war alles was mit Gerten zu tun hatte fies und gemein, doch Finley ließ sich nicht davon abbringen ihn mit Gerte zu reiten. Immer wieder schaute ich zu den beiden hinüber und rief Finley Tipps zu, eigentlich nur um ihn etwas zu Triezen während ich die graue Stute im Dressurviereck warm ritt. Da Thowra in Dressur noch nie wirklich trainiert worden war, aber die meisten Übungen aus anderen Zusammenhängen bereits kannte, würde ich heute Morgen nicht viel Arbeit haben. Wir begannen mit dem Mittelschritt, welchen Thowra für das Viergang Training sowieso beherrschen musste. Sie schritt zugig aus, hob alle Hufe gleichmäßig vom Boden ab und blieb dabei wunderbar weich und gebogen auf der Zirkelline. Es versprach wirklich entspannt zu werden. Beim Versuch rückwärtszurichten meinte sie kurz Zicken zu müssen, doch alles in allem verlief das kleine Dressurtraining wunderbar. So beschloss ich das ganze einfach mal als Stufenerhöhung durchgehen zu lassen.

      Ich hatte mich mal wieder mir diesem sturen Bock von Hengst herumgeärgert, doch ich wollte nicht aufgeben. Arran sagte manchmal – sofern er überhaupt mal etwas sagte, dass ich eh nie aufgeben würde, zumindest nicht bis ich mir an der Wand den Schädel eingeschlagen hätte beim versuch mit dem Kopf durchzugehen. Irgendwie hatte er ja recht. Ich brachte also Topar in seinen Offenstall zurück und überlegte was als nächstes zu tun war. Irgendeine kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüsterte etwas von 'nichts zu tun' und 'Pause', aber ich ignorierte sie – auf einem Hof wie diesem gab es immer etwas zu tun das getan werden musste. Ich überlegte. Eine Boxentür im großen Stall war kaputt. Zwar stand dort nie ein Pferd, aber sie zu reparieren konnte nicht schaden. Auf dem vom Offenstall zum Hauptstall traf ich auf meinen Kumpel Arran. Er machte ein komisches Gesicht. Das Gesicht, das er immer machte wenn er jemanden etwas fragen musste und es am liebsten vermeiden wollte. „Hey, was's los?“, fragte ich ihn und schnitt eine komische Grimasse. „Nichts.“ „Nichts sieht anderes aus.“ „Ich will nicht drüber reden, ja.“ „Dann nicht, ich will dir nur helfen.“ „Na gut. Hab ärger mit Mila.“ „Warum?“, ich fragte mich was in aller Welt los war. Erst war bei Bellas Familie Land unter und jetzt zoffte sich Arran mit seiner Freundin. „Sie will, dass wir zusammen ziehen. Aber ich wohn' ja mit dir hier.“ Okay, das war wirklich ein Problem. Arrans Freundin, Mila Weston hatte gerade ihre Ausbildung zur Pferdewirtin fertig und suchte Arbeit in der Gegend, aber Arran konnte hier vom Hof auch nicht so einfach weg. Bis nach Morvern war es ja noch ein ganzes Stück – zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren. Auf einmal machte es 'klick'. „Mila sucht immer noch Arbeit?“ „Joa, warum?“ „Mila Weston und Arran McTavish, Gestüt Colles Virides 1, Postleitzahl vergessen, Morvern. Klingelt's? Mila ist Pferdewirtin.“

      Nachdem Thowra ihr Futter aufgefressen hatte, kam sie zurück auf den Stutenpaddock, denn mit Gras reichte es erst mal für Heute. Wieder ein Pferd auf meiner Trainingsliste weniger. Jetzt waren noch Slaufa, Sólfari und Stássa an der Reihe. Ganz schön viel Arbeit für einen Tag. Nun ja, vielleicht würde ich auch Stássa auf Morgen verschieben, mal sehen. Ich holte die kleine, westerngerittene, Stute von der Weide und machte sie fertig. Ein wenig Gangtraining war angesagt. „Hoffentlich ist die Ovalbahn frei.“, dachte ich und saß auf. Die Bahn war frei. Das reiten im Westernsattel fühlte sich noch immer ungewohnt an, wenngleich in Slaufa in letzter Zeit oft geritten war. Die Stute ging auf ihre Krönung zu und so widmete ich ihr viel Zeit. Wir begannen in langsamem Tempo. Ich hatte mir eine gute Stunde für Viergang eingeplant und hoffte meinen Plan halten zu können. Schlangenlinien, Volten, Slaufa reagierte prima auf meine, manchmal etwas unbeholfenen Kommandos. Veija hatte die Stute wirklich fein geritten und ich war froh über jede Stunde Training zu der ich die Stute ihn ihre Hände gegeben hatte. Nachdem sich Slaufas Muskulatur ausreichend aufgewärmt hatte, begannen wir mit ordentlichem Tölt. Nicht zum ersten Mal stellte ich fest, dass Westernsättel für diese Gangart mehr als gut geeignet waren, dafür konnte man im Trab nur schwer bis gar nicht entlasten. Genau hier lag das Problem. Slaufa konnte zwar traben, aber es war schwer ihr verständlich zu machen was man wollte. Mehr schlecht als recht beugte ich mich nach vorne um den Rücken des gescheckten Pferdes zu entlasten und, siehe da, Slaufa trabte. Leider schaffte ich ich es, auch nicht zum ersten Mal, mir das Sattelhorn in die Magengrube zu bohren. Aua! Ach dieser, eher ungemütlichen, Trabrunde blieb als letztes noch der Galopp. Hier war alles ganz einfach, denn Slaufa galoppierte auch als dem Tölt. Nach einer Runde Galopp bemerkte ich, dass sich Zuschauer an der Bahn eingefunden hatten. Es waren Arran und Finley, dir mir Sicherheit etwas von mir wollten. Ich parierte Slaufa durch und lobte sie. Sie hatte ihre Sache gut gemacht, also saß ich auf und ging zu den Beiden. „Irgendwas kaputt, Pferd ausgebrochen, fehlt was?“, fragte ich scherzhaft. „Witzig.“, schnaubte Finley. „Arran hier hat ein Anliegen.“

      Ich fühlte mich in keinster Weise wohl in meiner Haut. Warum musste man immer mit den Leuten reden? „Ähm, also ich. Also ich wollte. Also ich habe eine Freundin.“ Super, damit hatte ich schon mal falsch angefangen, denn Bellas Gesicht verdüsterte sich. Wahrscheinlich dachte sie an Jonas. „Ja?“, fragte sie, „Weiter.“ „Nun ja, Mila und ich haben uns gestritten. Sie will, dass wir zusammen ziehen aber von hier bis nach Morvern ist es zu weit um jeden Tag zur Arbeit zu fahren.“ Warum faselte ich so einen weit schweifenden Blödsinn? Finley schien sich das auch zu fragen, denn jetzt wurde er ungeduldig und schaltete sich ein. „Mila Weston ist Pferdewirtin auf Arbeitssuche und würde gerne mit ihrem Freund zusammen ziehen. Nun, hier gibt es eh zu viel Arbeit und das hier ist ein Gestüt. Zudem...“ „Zudem ist eine Wohnung im Haupthaus frei und jetzt wollt ihr wissen ob ich sie einstellen kann?“ „Äh, ja.“ Das war nun wieder ich. „Das würde mir helfen und vielleicht allen etwas Arbeit ersparen.“

      Eine Woche darauf
      „So kommt es immer wieder, dass der Hof Zuwachs bekommt.“, stellte ich fest als ich Morgens aus dem Fenster sah. Mila war vor zwei Tagen eingezogen. So waren jetzt alle Wohnungen hier im Haupthaus belegt und ich verstand mich recht gut mit der, nur wenig jüngeren, Frau. Mila Weston war aufgeschlossen, freundlich und hatte ein gutes Gespür für Pferde. Gerade sah ich zu wie sie mit Arran vom Hof ritt. Die beiden wollten mit Faera und Blossi einen Distanzritt unternehmen. „Wahrscheinlich wird das ganze eher ein romantisches Ausritt zu zweit.“, stellte ich mit einem bitteren Beigeschmack fest. Jonas hatte sich nicht ein mal mehr gemeldet.

      Gangreiten M - S
      Juni 2015, by Seimure

      Ich hatte von Bella den Auftrag bekommen, mich einmal Vin anzunehmen. Da meine Freundin im Moment nur wenig Zeit hatte, hatte ich diese Aufgabe liebend gerne übernommen. Ich sollte Vin im Gang trainieren. Die Stute war zwar manchmal etwas übermütig und frech, sie erinnerte mich jedoch an mein Lieblingspferd aus meiner Reitschulzeit, das war auch ungefähr wie Vin gewesen und ich war gut mit ihr zurecht gekommen.
      Ich holte Vins Halfter und ging über den Hof hin zur Weide. Es dauerte etwas, bis ich Vin eingefangen hatte, denn die Stute liebte es, sich irgendwo zu verstecken und dann, wenn man sie endlich gefunden hatte, wegzulaufen. Schließlich konnte ich ihr das Halfter anlegen und trabte mit ihr hinüber zum Putzplatz. Das Putzen dauerte nicht lange, denn Vin hatte sich auf der Weide zum Glück nicht eingedreckt.
      Nach einer Viertelstunde stand ich startklar im Dressurviereck und gurtete nach. Beim Aufsitzen zappelte Vin ein bisschen, hörte, als ich die Zügel aufnahm, jedoch sofort damit auf. Sie schien zu wissen, was jetzt kommen würde und stellte sich von spielen auf arbeiten um.
      Zum aufwärmen ritt ich ein paar einfache Bahnfiguren, damit Vin nicht zu fest wurde und sich gut bog. Zum Training gingen wir dann auf die Bahn.
      Ich hatte Vin ihre Hufglocken angelegt, dadurch hatte sie einen sehr flotten Schritt. Ich nahm die Zügel kurz und trieb dagegen. Sie wechselte in einen tadellosen Tölt, den sie eineinhalb Runden lang taktklar hielt, bis ich sie wieder durchparierte. Ich wiederholte die Übung noch ein Mal, dann ging ich mit Vin wieder ins Dressurviereck.
      Auch hier ließ ich sie antölten. Nach einer halben Runde Tölt wechselte ich auf den Zirkel bei A. Ich ließ sie ein paar Handwechsel durch und aus dem Zirkel machen, dann trieb ich sie wieder auf den Hufschlag und ritt noch diverse Schlangenlinien, bis ich sie nach ein paar Minuten durchparierte.
      Ich ließ Vin noch eine kleine Verschnaufpause, bevor ich das Dressurviereck verließ und die Passbahn ansteuerte.
      Vin wollte zurück zum Hof, aber mit etwas Geduld konnte ich sie dazu überreden, die Passbahn doch noch zu betreten.
      Ich ließ Vin antraben und trieb sie dann in den Galopp. Nach ein paar Metern gab ich ihr die Rennpasshilfen, auf die sie mehr schlecht als recht reagierte. Am anderen Ende der Passbahn parierte ich sie also durch und probierte es noch einmal. Auch dieses Mal klappte es nicht so, wie ich es wollte. Ich versuchte es nocheinmal. Dieses Mal reagierte Vin perfekt und wechselte vom Galopp in einen wunderbaren Rennpass. Den hielt sie etwa die Hälfte der Bahn durch, bis ich sie wieder in den Trab fiel. Ich versuchte es noch einmal und das Training schien Wunder gewirkt zu haben: Vin lief tadellos, und wollte gar nicht mehr aufhören. Ich lobte die heute so fleißige Stute ausgiebig.
      Ich ließ Vin die Zügel frei und lenkte sie in Richtung Hofplatz. Dort erwartete mich eine fragend dreinschauende Bella, die gerade Stássa putzte. Als ich grinsend einen Daumen hob, verzog sich auch ihr Mund zu einem stolzen Lächeln.

      Hufschmiedbericht
      August 2015, by Sosox3

      Erneut brachte mich mein Beruf nach Schottland auf den Hof von Bella. Auch dieses Mal hatte ich schönes Wetter erwischt und ließ die Landschaft fast magisch aussehen mit dem saftig grünen Gras, welches von Natur aus wuchs und jedem Wetter trotzte. Es musste nicht mit Mühe gewässert werden damit es so aussah wie es hier wuchs. Aber ich konnte mir später noch die Landschaft anschauen und das Wetter genießen.
      Ich war schließlich hier um der mittelgroßen Isländerstute Vin über die Hufe zu schauen und sie ein wenig zu kürzen, da sie laut Bella zu lang waren. Als ich das Haupthaus betrat fand ich Bella auch gleich in ihrem Büro und wir begrüßten uns herzlich. Wir kannten uns nun schon ein wenig länger und ich denke ich werde nun auch etwas häufiger hier auf den Hof kommen um ihren Pferden die Hufe zu machen. Wir besprachen kurz noch etwas ehe sie mich zu der hübschen Ponystute führte.
      Bella kam mit Vin sehr gut hin und die Stute folgte ihr brav zu meinem Auto wo wir sie anbanden und sie mich ein wenig zu verarschen versuchte indem sie mir die Beine nicht geben wollte. Doch wie es so ist wenn ein Dickkopf gegen den anderen kämpft gewinnt einer nun mal. In dem Fall war ich es und konnte ihr die Hufe nun erst gründlichst auskratzen und dann schaute ich nach irgendwelchen Fehlstellung, wobei ich nicht fündig wurde. Dann schnitt ich ihr die langen Hufe auf eine länge von 9 cm damit sie eine angenehme Länge hatte und weiterhin auf Turnieren zugelassen wurde. Als das getan war, nahm ich den portablen Hufbock und stellte ihn so, das ich die Hufe mit der Raspel und im Anschluss mit der Feile bearbeiten konnte. Fertig mit allem ließ ich sie noch einmal vorlaufen und war mit meiner Arbeit zufrieden. Bella brachte sie dann wieder auf die Weide, wo sie sich austoben konnte.

      Ein Sommer auf Rømø
      August 2015, by BellaS

      „Das ist doch nicht dein Erst?!“, klang Linns Stimme aus dem Lautsprecher meines Handys. Ich konnte förmlich sehen wie sie sich die Hand vor den Kopf schlug. „Wie lange sind wir jetzt in Schottland? Ein Jahr? Anderthalb? Höchstens!“ Wieder flackerte ein Bild vor meinem geistigen Auge auf. Diesmal tiegerte meine langjährige Freundin mit dem Handy in der Hand auf dem Hof auf und ab. „Nein Bella, ich weiß noch nicht was ich davon halten soll. Ich hoffe du hast noch nicht für uns alle entschieden?“ „Ich habe nicht einen Moment daran gedacht dich nicht zu fragen.“, erwiderte ich ehrlich. „Ich würde eingehen, müsste ich allein wieder anfangen.“ „Gut.“, ihre Stimme klang erleichtert. „Aber glaub nicht, dass ich jetzt hier alles stehen und liegen lasse um freudig mit dir nach Dänemark zu fahren, Annabell Schmiedemann.“ Wenn sie mich bei meinem vollen Namen nannte, wusste ich, dass es ernst wurde. „Gut. Überlege es dir bitte. Ich hole jetzt Hnakki,wir sehen uns, wenn alles glatt geht heute Abend.
      Hnakki war ein stattlicher junger Hengst, den ich bei einer Zuchtauflösung erstanden hatte. Ein Vertreter der bekannten „van ghosts“ Zucht, aus der auch die Stute Thowra stammte. Es hatte eine Weile gedauert, aber nun konnte er endlich zu uns nach Colles Virides ziehen. Die Frage war nur, wie lange er dort wohl bleiben würde, er und all meine anderen Pferde.
      Aus dem Urlaub nach Hause zu kommen hatte immer etwas bedrückendes. Ich vermisste die Insel, das Meer, alles. Der kleine Anhänger schaukelte hinter meinem Auto her und Laufey hatte endlich aufgehört zu randalieren, kaum war Hnakki neben ihr eingeladen worden. In wenigen Stuten würde ich Morvern erreichen und von dort aus war es nur noch ein Katzensprung bis nach Hause.
      Ich parkte den Wagen. Es war spät und so war niemand mehr auf dem Hof um mir mit dem Ausladen meiner vierbeinigen Begleiter zu helfen. Ich ließ die Rampe herunter, entfernte die Stange hinter Laufey und stieg durch die kleine Tür an der Front des Hängers wieder ein, um sie loszubinden. Wie immer sprang sie förmlich rückwärts aus dem Gefährt. Hnakki benahm sich wesentlich manierlicher. Er wartete bis ich alle Sicherheitsmaßnamen entfernt hatte, dann schritt der ohne zu zögern aus dem Transporter.
      Ich klopfte an Linns Wohnungstür. Sie öffnete mir und machte ein verdrießliches Gesicht, begrüßte mich aber trotzdem. „Hast du die Bilder bekommen?“ „Ja.“ „Himmel. Du bist immer noch sauer?“ Ich kannte meine Freundin al einen wirklich lieben Menschen dem es fern lag überhaupt sauer zu sein, geschweige denn länger als ein paar Minuten. „was denkst du dir eigentlich? Überfällst mich mit solchen Plänen am Telefon! Und überhaupt, wenn du ständig umziehen willst, solltest du keine Pferde züchten. Die mögen das nämlich nicht.“ Ein wenig überrumpelt setzte ich mich. „Ich glaube ich muss mal versuchen dir meinen Standpunkt zu erklären.“ „Schieß los. Ich bin wirklich gespannt.“ Sie setzte sich neben mich aufs Sofa und ich begann.
      „Ich bin von meinen Eltern weg gezogen, als ich mich Stássa meine erste Isistute bekam. Ich wollte machen können was ich wollte, frei sein, das erste Mal in meinem Leben. Früher habe ich es sogar in Erwägung gezogen nie von zu Hause wegzuziehen, aber das gehört hier nicht hin...“ Ich musste mich sammeln, ehe ich fortfuhr. „Mit dem Gut Muschelsand hatte ich mein erstes richtiges und vor allem eigenes zu Hause und eine bunte Sammlung Pferde jeder Rasse. Ich war glücklich, aber auch überfordert. Dann kam Catalina und wir taten uns zusammen. Das UHAP Ocean Wave war super, aber es ging nicht lange gut. Cata lernte Sahra kennen und zog nach Schottland. Ich hatte mich an Teamarbeit gewöhnt und schlug alles in den Wind. Ich zog nach Schottland.“ „Jaaa.“ Soweit kannte sie meine Geschichte als Pferdezüchterin nur von Erzählungen. „Jetzt sind wir ein Team. Ein super Team. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen eine große, bekannte und gute Isländerzucht auf die Beine zu stellen. Zusammen. Als Team. Ich möchte raus aus der Legacy und ich liebe das Meer. Rømø ist ein Traum und ich glaube das diese Insel ein Ort ist, an den Islandpferde wirklich gehören.“ ich beendete meine Ausführungen. „Das war ja ein historischer Roman.“ Linn versuchte ihr böses Gesicht zu wahren, schaffte es aber nicht. „Nun ja, ich glaube, ich kann dich verstehen. Gib mir Zeit, ja?“
      Ich gab ihr Zeit. Am nächsten Morgen, nachdem Hnakki von allen ausgiebig bewundert wurde, rief ich das Team zusammen. „Ich will, dass ihr wisst was Sache ist. Da keine Entscheidung gefallen ist, müsst ihr euch noch keine Sorgen machen, aber es ist besser wenn man von Anfang an weiß was Sache ist.“ Ich erzählte von meinen Plänen. Mila, Arran und Finley runzelte die Stirn, dann ergriff Finley das Wort. „Ich mag deine Pferde, ich mag den Arbeitsplatz hier. Ich wollte eh immer weg, warum nicht nach Dänemark?“ Er räusperte sich. „Egal ob ihr geht oder hier bleibt, ich kann nur für mich entscheiden aber ich bleib bei euch.“ Ich war gerührt. „Ich erwarte keine so schnelle Entscheidung, noch ist ja nichts klar, versuchte ich die beiden Anderen abzuwürgen, doch Mila hatte schon das Wort ergriffen. „Ich werde ich Schottland bleiben, und das gilt auch für Arran. Sie sah ihren Freund bestimmt an. „Wenn ihr hier bleibt, bleibt alles wie immer.“
      „Okaaay, das war doch recht deutlich, von beiden Parteien.“ Linn und ich ritten durch den Wald, meine Lieblingsroute die ich immer dann wählte wenn ich nachdenken musste. Normalerweise ritt ich dann Laufey, aber ich hatte ihr eine Pause von der Fahrt gegönnt. Die Stute stand auf der Weide. Dafür saß ich jetzt auf Vin, Linn hatte ihren Garpur gewählt. „Ich hätte nicht erwartet, dass sie so schnell sein würden.“ Ich starrte auf die Blätter der Brombeerpflanze, die am Weg wucherte. „Wenn du jetzt fragst: Nein, ich brauche noch Zeit.“ Gab Linn mir zu Verstehen das Thema fallen zu lassen, welches sie erst angeschnitten hatte. „Na gut. Was macht Finleys Projekt?“ Meine Freundin grinste. „Die Kutsche, die er aufgetrieben hat ist nicht besonders vertrauenerweckend, aber Topar macht es Spaß. Die Beiden waren gestern das erste Mal im Gelände unterwegs, wobei ich mir mehr Sorgen um den Wagen gemacht habe, als um Topar.“ Wir lachten. Der einstige Stallarbeiter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Topars Ausbildung im Bereich Fahren einmal auszunutzen. Er machte dabei ungefähr genauso schnell Fortschritte, wie das Bild mit dem bockigen Hengst und der klapprigen Kutsche Erheiterung auslöste. „Und, was ist sonst noch passiert während ich im Urlaub war?“, verlangte ich einen Lagebericht. „Arran kümmert sich vorbildlich um Blacky, ich glaube er mag ihn. Auf jeden Fall ist er das einzige Wesen mit dem er hin und wieder redet.“ Ich grinste, konnte mir aber trotzdem nicht vorstellen, dass Arran sprach wenn es nicht unbedingt notwendig war. „Mila trainiert alle Pferde quer -beet. In letzter Zeit vor allem Faera und Stássa. Tabea hat sich mit Vinkona ernsthafte Ziele gesetzt und Thowra und Blossi habe ich versorgt. Alles zu deiner Zufriedenheit?“ Natürlich war ich zufrieden mit meinem fleißigen Team, und dann begann ich Linn von meinem Urlaub zu erzählen...

      Tierarztbericht
      September 2015, by Friese

      Der Weg führte mich zu Annabell Schmiedemann und ihrer Stute Vin. Sie hatte mich gebeten die Stute vor der nächsten Krönung nochmal durchzuchecken und ihr das okay zu geben. Müde fuhr ich also zum Hof und stieg dann aus dem Auto aus. Annabell begrüßte mich freundlich und gemeinsam gingen wir zu der Isländeredame, welche bereits vor ihrer Box angebunden war. Ich begrüßte die Stute und sah mir dann gleich ihren Kopf an. Sie hatte weder an ihren Ohren noch Augen Verletzungen, also begann ich die Nüstern anzusehen. Auch diese waren in einem guten Zustand. Als nächstes tastete ich ihre Körper ab und konnte an diesem weder Schwellungen noch auffällige, warme Stellen verstellen. An ihrer Schulter hatte sie eine kleine Wunde, welche aber schon so gut wie verheilt war. Ich fühlte die Beine nochmal ausgiebiger ab, doch auch diese waren in einem sehr guten Zustand. Ich hörte sie ab und sowohl ihre Lunge als auch ihr Herz hörten sich gut an. Annabell trabte die Stute dann an der Hand nochmal vor und hierbei konnte ich sehen, dass sie hinten ein bisschen steif ging. Dies teilte ich Annabell mit und sie fragte was sie machen könnte. Ich riet ihr zu einem schonenden Training und bei einer Nichtbesserung zum Besuch eines Osteopathen. Dann hörte ich sie nochmal ab und nachdem wir uns verabschiedet hatten, fuhr ich heim.
      Annabell hatte mich um einen weiteren Termin gebeten. Ich fuhr zu ihr in den Stall und schaute mir Vin nochmal an. Unser letzter Termin war 2 Wochen zirka her. Ich sah sie mir nur kurz an und ließ sie nochmal vortraben. Dieses Mal war die Stute weder lahm noch steif. Ich teilte dies Annabell mit und sie war sichtlich erfreut. Ich verabschiedete mich wieder und fuhr auf meinen eigenen Hof.

      Umzug nach Rømø
      September 2015, by Seimure & BellaS

      Das schrille Klingeln meines Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich haute ein paar mal auf das Mistding drauf, bis es endlich Ruhe gab. Dann schlug ich die Decke zurück und wuchtete mich von der Matratze, die mir für diese Nacht als Bett gedient hatte. Mit noch geschlossenen Augen irrte ich ins Bad, wobei ich gegen einen noch leeren Karton stieß. Nachdem ich geduscht und mich angezogen hatte, schlang ich ein kleines Frühstück hinunter und begann dann damit, meine Bettwäsche in den letzten noch leeren Karton zu quetschen. Gestern hatte ich schon alles andere in den Pappdingern verpackt, die jetzt in der Wohnung herum standen. Heute musste ich die Kartons in einem der drei Transporter verstauen, mit denen wir morgen nach Rømø aufbrechen würden. Ich begann damit, die Kartons auf den Hof zu tragen und sie dort abzustellen. Nachdem ich dort alle aufgestapelt hatte, öffnete ich die Tür des Transporters und begann, die Kartons in den "Kofferraum", der mehr einer zu klein geratenen Lagerhalle glich, zu wuchten. Ein paar Kartons musste ich auch auf dem Boden des Wohnabteils abstellen. Als ich aus dem Transporter kam, tauchte in der Haustür ein Umzugskarton auf, dem ein mürrisch dreinschauender Finley folgte. Ich wünschte ihm einen guten Morgen, woraufhin er mich ansah, als würde ich vor Ironie nur so strotzen. Auch Bella kam mit einem Karton aus dem Haus, sah aber sehr viel besser gelaunt aus. "Kannst du die Sattelkammer ausräumen? Ich denke, es sollte alles in den jeweiligen Transporter, in dem auch das Pferd steht, sonst gibts nur wieder Unordnung." Wir hatten uns darauf geeinigt, dass Bella die Hengste, ich Vidja, Meyja, Garpur, Fjara, Snót und Faera und Finley die übrigen Stuten nach Rømø kutschieren würde. Brött würden wir auch noch irgendwo unterbringen können. Ich lief also los, um zuerst einmal die Sättel zu verladen. Ich dachte mir eine Taktik aus: Ich trug auf jedem Arm zwei Sättel, was mich zwar im Gehen etwas verlangsamte, jedoch immer noch schneller ging, als immer nur einen Sattel zu tragen. Als ich mit meiner ersten Ladung Sättel auf den Hof kam, hatte Bella gerade einen weiteren Karton im Transporter verstaut. Als sie mich sah, lachte sie, zog ihr Handy aus der Tasche und fotografierte mich. "Eine spitzen mäßige Sattelschlepperin!", rief sie, ehe sie mir zuwinkte und im Haus verschwand. Ich hängte die Sättel in den kleinen Sattelkammern, die sich zwischen dem Laderaum und dem Pferdebereich befanden.Nachdem ich alle Sättel aufgehängt hatte, und auch Finley und Tabea Erinnerungsfotos geschossen hatten, hängte ich mir alle Trensen und Halfter über den Arm, um dann im Transporter vor dem Rätsel zu stehen, welche Trense zu welchem Sattel gehörte. Mit Hilfe von Fotos, auf denen die Pferde die Trensen und Sättel trugen, konnte ich sie schließlich zuordnen. Als nächstes kam ich auf die Idee, die Putzboxen in die Futterschüsseln zu stecken und diese dann in der Schubkarre zu transportieren.

      Ich war wach, lange bevor mein Wecker mich aus meinen Träumen reißen konnte. Um genau zu sein hatte ich kaum geschlafen. Wie immer kamen mir Zweifel, aber ich verbot mir, die getroffene Entscheidung zu bereuen. Ich schaltete die Weckfunkion meines Handys ab, damit sie nicht gleich in meiner Hosentasche losgehen würde, und rollte mich von der Matratze, die mir als Bett gedient hatte. In den letzten drei Tagen war alles Schlag auf Schlag gekommen. Wir hatten geräumt, gepackt und weggeworfen, hatten Kisten gestapelt und alles organisiert. Tabea war gestern nach Deutschland zurück gefahren, sie hatte ihr freiwilliges Jahr beendet und wollte sich nun ihrer Berufswahl widmen. Vinkona hatte sie schweren Herzens und mit der Aussicht auf baldigen Besuch bei uns zurück gelassen. Auf einmal standen wir zu dritt über einem Berg von Arbeit. Draußen erblickte ich Linn, die verschlafen zum Stall wanderte. Auch ich betrat den Hof und begann, den Inhalt unserer Futterkammer ins Gepäckabteil meines LKW zu räumen, nachdem ich auf dem Weg nach unten schon einen Karton mitgenommen hatte. An der Tür war ich auf Linn getroffen und hatte ihr, mit aller guten Laune die ich aufbringen konnte, die Aufgabe gegeben die Sattelkammer auszuräumen. Jetzt rollte ich eine Tonne Futtergerste über den Hof und scheiterte an der Stufe, die die Tonne vom Innenraum des LKW trennte. „Ich dir helfe.“, erklang Finleys Stimme hinter mir. Er war mittlerweile dazu übergegangen Deutsch zu sprechen, was leider manchmal in grammatikalischem Chaos endete. „Danke.“ Gemeinsam hoben wir die Tonne an und hievten sie in das Fahrzeug. „Hilfst du mir auch noch bei den Pellets und dem Hafer?“ „Klar.“ Finleys Laune schien sich gebessert zu haben. Gemeinsam räumten wir alle Dinge aus der Futterkammer, die ein einzelner nicht heben konnte, dann ging Finley zurück ins Haus, um den Rest der Kartons zu hohlen. Ich schaute auf mein Handy, denn meine innere Uhr war ein wenig durch den Wind. „11:23 Uhr.“, verkündete diese. „Mir müssen sehen, dass wir los kommen. Die Fährte geht heute Abend, und wir brauchen fünf Stunden mindestens nach Newcastle, außerdem müssen wir uns dann dort um einen Guten Platz für die Pferde kümmern.“ „Es fehlt nur noch das Heu für die Überfahrt.“, stellte Linn in Aussicht. „Das kann in den letzten Platz bei mir.“ Ich hatte den einzigen LKW für acht Pferde übernommen, da wir sonst für Brött keinen ordnungsgemäßen Platz gehabt hätten. „Da ist ja ein Platz frei. Am besten packen wir das zwischen Brött und die Hengste, dann gibt’s keinen Radau.“ Gesagt getan. Eine dreiviertel Stunde später war sämtliches Zeug eingepackt und die Pferde samt und sonders verladen. Nach einem letzten Rundgang über Colles Virides stiegen wir in die LKWs, winkten Arran und Mila, die gekommen waren um uns zu verabschieden und traten dann aufs Gas. Ein Fahrzeug nach dem anderen verließ den Hof und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Gefühl des Verlusts in mir breit machte.

      Wir fuhren über immer größer werdende Straßen bis nach Glasgow, wo wir auf die Autobahn fuhren. Als wir bei Carlisle auf die A689 wechselten waren wir erstaunlich gut in der Zeit und hatten schon über die Hälfte des Weges nach Newcastle, wo wir auf die Fähre fahren würden geschafft. Bei Bramton fuhren wir dann auf die A69. Kurz vor Newcastle fuhren wir über die A1 auf die A167, dann auf die Jesmond Road und die A1058, die A19 und die A187 und schließlich auf die Coble Dene, an dessen Ende sich der Fähranleger befand. Das Einchecken dauerte ziemlich lange, da nicht nur unsere Papiere, sondern auch die der Pferde kontrolliert werden mussten. Schließlich fuhren wir durch die Schranke und fanden uns auf einem riesigen Parkplatz wieder, der aber noch fast leer war. Wir stellte die Transporter nebeneinander auf drei freie Plätze und stiegen aus, um uns ein bisschen die Beine zu vertreten. Wir aßen eine Kleinigkeit und schauten nach den Pferden, die alle nicht so begeistert von der Idee schienen, sechs Stunden lang im Transporter zu stehen, sich aber benahmen. Allmählich füllte sich der Parkplatz mit Lastern und PKWs und wir beschlossen, uns schon einmal in die Autoschlange einzureihen, damit wir morgen früh nicht als Letzte von der Fähre fahren mussten. Wir bekamen drei Stellplätze hintereinander zugewiesen und stiegen aus, um Heu aus Bellas Transporter zu holen und den Pferden ihr Abendessen zu geben. Zum Abendessen gingen wir ins Bordrestaurant, wo wir uns die Bäuche vollschlugen und dann wieder runter aufs Autodeck, wo wir in meinem Transporter kletterten. Finley verabschiedete sich in seinen Transporter. Bella würde in meinem Transporter schlafen, da ihr Wohnteil vollkommen mit Kisten zugestapelt war.

      Ich erwachte mitten in der Nacht und schlich mich leise aus der Kabine um Linn nicht zu wecken. Draußen bemerkte ich was mich geweckt hatte, Laufey trat ungeduldig gegen die vordere Wand ihres Transportabteils. Ich stieg ein und quetschte mich durch den schmalen Gang an der Seite bis zu Laufey. Leise sprach ich auf sie ein, streichelte sie und staunte nicht schlecht als Linn mich wach rüttelte. Hab lag ich halb saß ich ein einer unbequemen Haltung am Boden, ich musste eingeschlafen sein. „Sag mal, bist du wahnsinnig?! Ich habe einen Schreck bekommen als ich sah, dass du weg warst.“ „Ich hätte ja auch auf'm Klo sein können, und Guten Morgen erst mal.“ „Ja, guten Morgen. Wir legen gleich an.“ Stunden später saßen wir endlich in einem kleinen Café am Hafen und frühstückten. „Vier Stunden bis Hannover.“, stellte ich fest. „Und dann noch 5 Stunden bis Dänemark.“, ergänzte Finley. „Bis Rømø.”, meinte Linn. Ich hatte schon als Kind lange Autofahrten immer gehasst. Als ich dann irgendwann groß genug war um auf dem Beifahrersitz zu sitzen, war es besser geworden, aber selbst zu fahren machte mir immer noch keinen Spaß. Verkrampft steuerte ich den großen LKW durch den Verkehr und folgte Finley, der sichtlich Spaß an der Fahrt hatte. Als wir uns schließlich auf der A2 in Richtung Hannover befanden, fühlte es sich seit langem einmal wieder an wie nach Hause kommen. Ich sah das Gestüt Sólin vom weitem. Pferde lebten hier keine mehr, aber Mamas Hühner, gerne als „Puschelhühner“ bezeichnet, bevölkerten den ganzen Hof. Als meine Mutter die Haustür öffnete, musste ich mir Mühe geben nicht in Tränen auszubrechen. Schnell wurden die Pferde ausgeladen. Als Finley mit Stássa am Strick aus dem LKW kam, hob die Stute den Kopf und wieherte. Sie schien ihr altes zu Hause zu erkennen. Die Nacht zu Hause war zu kurz, aber sie hatte den Pferden gut getan. Wir standen um 4:30 Uhr auf, aßen ein paar Brote, luden die Pferde ein und verabschiedeten uns. Wenn meine Rechnung aufging, würden wir gegen 11 Uhr auf Rømø sein.

      Um sechs Uhr brachen wir auf. Auf der A7 war es noch relativ leer, wenn es das überhaupt einmal war. Wir fuhren über Hamburg, Neumünster, Rendsburg, Schleswig, Flensburg und schließlich über die Grenze nach Dänemark. Zur Küste brauchten wir noch eineinhalb Stunden. Die Fahrt über den Rømøvej, die Brücke, die nach Rømø rüber führt, kam mir ewig lang vor. Endlich fuhren wir auf die Insel.

      Der Rømøvej, endlich. Ich kramte in meinen Sachen, die neben mir auf dem Beifahrersitz standen, bis ich eine CD hervorzog. „The Magic 5“, verkündete der Titel, auf dem Cover befand sich ein Islandpferd. Schnell und ohne den Blick von der Straße zu nehmen, schob ich die CD in den Player und drückte auf Start. Es war eine Tradition die ich schon seit meinem ersten Urlaub auf Rømø fortsetzte: Spätestens auf dem Damm diese Islandpferdelieder anzuhören. „Celebrate our livetime, come together and we'll ridin' like the wind.“, sang ich mit und war froh, dass niemand mit mir im Auto saß, dem ich auf die Nerven fallen konnte. Wie immer schien der Damm endlos, aber als er in die, gerade mal 22 km lange, Insel mündete, hatte ich das Gefühl nach Hause zu kommen. Ich übernahm die Führung und steuerte zielsicher über die einzige befestigte Straße und über einen ziemlich langen und holprigen Pfad, bis wir eine, von Unkräutern und sonstigem Grünzeug zugewucherte, Einfahrt passierten und schließlich auf dem Hof anhielten, unserem neuen Zuhause. Beinahe übermütig sprang ich aus dem Führerhaus und schaute kurz darauf in die Gesichter von Linn und Finley. „Links ist unser Wohnhaus, rechts ist der große Stall, geradeaus die Scheune, die als Unterstand für die große Wattweide dient...“, zählte ich mit bestem Fremdenführer Tonfall auf. „Willkommen zu Hause.“
      ~
      Die nächsten Tage waren ein völliges Durcheinander und die Pferde lebten sich schneller ein als wir Menschen. Ich ertappte mich noch einige Male dabei, die Sattelkammer links vom Wohnhaus zu suchen und in meiner neuen Wohnung stapelten sich noch immer die Kisten, aber wieder erwarten hatte ich nichts bereut. Nach einem gemeinsamen Strandritt war sogar Finley überzeugt und als dann die Nachricht kam, dass Thowra und Stássa die Körung bestanden hatten, war ich von der Richtigkeit meines Schrittes Überzeugt. Die neue Isländerzucht trug den Namenglæsileikaeyjarinnar,Eleganz der Insel. Ein Name der nicht nur die Pferde und ihre eigentliche Heimat, sondern auch unserer neues zu Hause perfekt beschrieb. Wir waren angekommen, und ich hatte meinen großen Traum endlich ich greifbarer Nähe. Bald schon würde mein erstes Zuchtfohlen das Licht der Welt erblicken.
    • AliciaFarina
      Ihr Leben bei BellaS II
      Fliegen lernen
      Oktober 2015, by BellaS & Seimure

      Der neue Tag schien schon einmal gut anzufangen: der Akku von meinem Wecker hatte in der Nacht seinen Geist aufgegeben, und so kam ich erst um sieben aus dem Bett. Als ich in die Küche kam, wurde ich von Flóki, der erst seit ein paar Tagen bei mir wohnte, begrüßt. Flóki war ein Isländischer Schäferhund, also auch ein „Isländer“, womit er super auf den Hof passte. In den letzten Tagen hatte ich ihn erfolgreich stubenrein bekommen und übte nun mit ihm an den grundlegenden Befehlen wie Sitz und Platz.Der Welpe bekam sein Futter und war dadurch eine kurze Zeit beschäftigt, die ich nutzte, um eine Schüssel Müsli zu essen, ohne das er mir zwischen den Füßen rumwuselte. Dann zog ich mich an und Flóki bekam sein Halsband um den Hals, an dem ich ihn festhalten konnte, wenn er auf die Pferde losging oder anderen Unsinn im Kopf hatte. Als wir auf den Hof kamen, trafen wir auf Finley. Finley hatte Flóki schon fast adoptiert, während man das von Bella, die gerade aus dem Stall kam, nicht sagen konnte. Das lag wohl daran, dass Flóki ihr gerne bei der Arbeit zwischen den Beinen rumlief, während er Finley akzeptierte und auf ihn hörte. Wir gingen in die Sattelkammer und teilten die Arbeit zwischen uns auf. An diesem Wochenende wollten wir mit Peppy, Brött und Vina das Fohlen-ABC machen, da Brött und Peppy schon in ein paar Monaten angeritten werden sollten, und es bei Vina auch nicht mehr lange hin war. Da wir gerade den Fohlenschub hatten, würde auch der kleine Vákur beim Führ- und Putzteil mitmachen. Wir einigten uns darauf, dass Bella Brött übernehmen würde, Finley Vina und ich Peppy. Bella würde danach noch mit Vákur ein bisschen üben.

      Ich war angenervt, musste aber auch mit der 'niiiiiiiiiedlich'-Stimme in meinem Kopf ringen, als Linns Welpe vor ihr aus der Tür hüpfte. Der kleine Flóki war zwar goldig, hatte aber ein ausgesprochenes Talent dafür, immer dann aufzutauchen, wenn man ihn in keinster Weise gebrauchen konnte. Zudem war ich noch nie ein Hundemensch gewesen. Ich war mit Katzen aufgewachsen und somit eher ein Liebhaber der kleinen, leisen und unaufdringlichen Tiger. Allerdings ging es ja nicht wirklich um Katzen oder eben Hunde, die Pferde standen im Mittelpunkt und da waren Linn und ich und absolut einig. Zu dritt betraten wir die Sattelkammer, holten die kleinen Fohlenhalfter und machten uns auf den Weg zum Offenstall der Fohlen. Während Brött eigentlich ein Jährling, eher noch ein Jungpferd war und nur noch aufs Anreiten vorbereitet werden würde, war der kleine Vákur gerade erst vollständig entwöhnt worden. Linns Stutfohlen Peppy, von mir spaßhaft PPA genannt, war nur wenig jünger als Brött, und Vina lag irgendwo dazwischen. Durch Zufall hatten Linn und ich in den letzten Tagen außerdem eine erstaunliche Entdeckung gemacht: unsere vier Fohlen waren jeweils zwei Vollgeschwister. So stammten Brött und Vákur von unserem Blettur und der bekannten Zuchtstute Milka Luflee ab, Vina und Peppy waren Nachkommen von einem Hengst namens Maxi und der Stute Palimé. Ich würde mich zu aller erst Brött widmen und belegte den Roundpen mit Beschlag. Finley und Linn gingen mit Vina und Peppy in die Reithalle.
      Ich führte Brött in den Roundpen. Wir hatten vor kurzem mit den Grundübungen zum Longieren begonnen. Sie akzeptierte nun Longe und Kappzaum und hatte verstanden was ich von ihr wollte, wenn ich sie mit einer langen Longierpeitsche zum Gehen aufforderte. Allerdings hatten wir das langweilige 'im Kreis laufen' bisher nur frei und ohne diese 'komische Ding am Kopf' probiert. Heute würde ich also beides kombinieren und Brött das erste Mal klassisch longieren.

      Finley und ich banden Vina und Peppy auf den Hof an und putzten sie schnell. Dann gingen wir in die Reithalle, da Bella mit Brött im Roundpen war. Vina und Peppy hatten auch schon die Grundlagen des Longierens gelernt, aber heute stand ein Anti-Schreck-Training an. In der Halle ließen wir die Beiden vom Strick, damit sie sich schon einmal umsehen konnten, während wir einen kleinen Pacours aufbauten. Dieser startete damit, dass die Fohlen mit verbundenen Augen über eine Regenplane laufen mussten, danach bewarfen wir sie mit kleinen Schaumstoff-Tennisbällen und einem Gymnastikball. Zum Schluss mussten die Beiden noch mit bunten Regenschirmen und Besen bekannt gemacht werden. Finley und Vina legten vor. Die Augenbinde fand Vina schon nicht so toll, aber als Finley sie dann auf die Plane führte, fand sie das zu gruselig. Nach ein paar Runden Trab und Galopp und einigen wilden Bocksprüngen, konnte sich Vina jedoch beruhigen, und Finley führte sie erst ein paar Mal ohne Augenbinde über die Plane, dann auch mit, was sie nach einigem zögern auch meisterte. Während Finley Vina mit den kleinen Schaumstoffbällen bewarf, und sie einige Fluchtversuche machte, durfte auch Peppy erst ohne, dann mit Augenbinde über die Plane zu laufen. Glücklicherweise war sie ruhiger als Vina, und wir schafften es beim ersten Anlauf. Vina hatte auch schon den Gymnastikball hinter sich gebracht, und so begann ich, Peppy mit den Tennisbällen zu bombardieren. Sie fand es nicht gerade toll, war aber auch hier ruhiger als Vina. Auch den Gymnastikball überstand sie gut. Finley und Vina hatten währenddessen Regenschirme durch die Gegend gewirbelt und sich gegenseitig mit dem Besen geärgert. Während auch Peppy und ich dies machten, gingen Finley und Vina den Pacours noch einmal durch, was sehr viel besser ging, als beim ersten Mal. Finley und ich bauten alles wieder ab, während die Fohlen die Halle untersuchten. Dann führten wir Vina und Peppy wieder auf den Hof, wo auch Bella und Brött schon waren.

      Brött hatte fast aufgefressen, als Linn und Finley ihr Fohlentraining ebenfalls beendeten. Den Utensilien zufolge, die der kräftige Schotte schleppte, hatten die beiden heute Anti-Schreck Training gemacht. Linn versorgte nun auch Peppy und Vina mit Fohlengerechten Portionen Geste. Als ich sah, wie die kleinen Mäulchen in den Futterschüsseln verschwanden, rebellierte auch mein Magen. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es war bereits 14 Uhr und ich hatte seit dem Frühstück um sieben nichts vernünftiges gegessen. Schnell brachte Brött wieder in ihren Offenstall und verschwand im Haus, um mir etwas zu essen zu machen.
      Nach einer halben Stunde und einer ordentlichen Portion Nudeln machte ich mich gut gelaunt und gesättigt auf zum Stall. Das ganze Fohlentraining hatte lange gedauert, länger als erwartet, und meine Motivation noch Bäume auszureißen hielt sich auch in Grenzen, also sah ich mich gezwungen meinen Tagesplan etwas zu ändern. Ich holte Faera von der Weide und putze und sattelte sie. Die fuchsfarbene Stute würde bald zur Körung gehen, und ich wollte die Kür noch einmal üben. Auf dem Weg zum Reitplatz begegnete ich Linn, die gerade mit Garpur von der Ovalbahn kam. Ich blieb kurz stehen. „Ich übe jetzt nochmal die Kür mit Faera. Garpur ist offensichtlich auch geritten worden. Was hast du noch geplant?“ „Nur ein bisschen Tölttraining mit Meyja und vielleicht Bodenarbeit mit Lykkja, wenn ich dann noch 'nen Nerv dafür frei habe.“ „Okay, dann müssen ja noch einige raus. Was macht Finley?“ „Der? Ich glaube er ist gerade mit Topar raus. Außerdem hatte er vorhin eine handfeste Meinungsverschiedenheit mit Blettur auf der Ovalbahn.“ Linn grinste. „Wenn andere draufsitzen ist sowas eine ganz wunderbare Art der Unterhaltung.“ „Ja, ja.“, lach nur. Auch ich hatte vor einigen Tagen mit besagtem Hengst eine nicht ganz freiwillige Show abgezogen. „Hast du Lust auf einen Ausritt? Nachher? Strand? Ohne Sattel?“ Jetzt war es an mir zu grinsen, denn mit 'ohne Sattel' Ausritten zum Strand hatte Linn ihre ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. „Nur wenn ich Sólfari kriege!“ „Abgemacht.“

      Nachdem ich Garpur mit Gerste, Pellets und Brot versorgt hatte, brachte ich ihn zurück in den Offenstall und holte Meyja von der Weide. Mit der Stute würde ich heute Tölt trainieren, da es wegen ihres einfachen, aber guten Tölt am sinnvollsten war, sie darin zu fördern. Ich putzte und sattelte sie schnell, setzte meinen Helm auf und zog statt der Stiefel Stiefeletten und Chaps an. Ich saß auf und trieb Meyja in Richtung Ovalbahn. Nach dem Aufwärmen übten wir Tölt im Arbeits- und Mitteltempo auf beiden Händen. Als wir etwa eine halbe Stunde auf der Ovalbahn waren, stießen Bella und Fjara zu uns. Fjara schien über das Training nicht sehr begeistert zu sein, und nachdem ich einige Zeit zugesehen hatte, wie Bella sich mit ihr rumschlug, überließ ich ihnen die Ovalbahn, damit sich Fjara wieder beruhigen konnte. Ich ritt mit Meyja noch eine kleine Runde durchs Gelände, wo wir auf Finley und Topar trafen, mit denen wir uns ein kleines Rennen lieferten. Natürlich gewann der Hengst das Rennen, aber Bella würde sagen: „Dafür ist Meyja süß!“ Auf dem Rückweg schwärmte Finley von Snót, deren Western-Kenntnisse er vorhin in der Halle gründlich ausgenutzt hatte. Auf dem Hof mussten wir erst einmal Bella beruhigen, der Fjara wirklich den allerletzten Nerv genommen hatte. Bella brachte Fjara wieder auf die Weide und wir gaben Meyja und Topar ihr Fressen. Während sie fraßen, versuchte ich Finley zu erklären, was es mit der deutschen Zeichensetzung und Rechtschreibung auf sich hatte, denn er sprach Deutsch schon recht gut, wenn er aber etwas schrieb, musste man stundenlang davor sitzen und versuchen, auch nur ein Wort zu verstehen. Nach einiger Zeit brachten wir die Pferde wieder auf die Weide und holten Lykkja. Da Finley nichts mehr zu tun hatte, erklärte er sich dazu bereit, mir mit der Stute etwas zu helfen. Wir hatten Lykkja erst vor ein paar Tagen von ihrer Vorbesitzerin abgeholt, und so war dies ihr erstes Training mit uns. Wir putzten sie schnell und gingen dann in den Roundpen. Zuerst longierte ich sie auf beiden Händen im Schritt, Trab und Tölt, schließlich auch im Galopp. Dann nahm ich Finleys Platz auf dem Gatter ein, und er brachte ihr einige Tricks bei, die ich noch nie einem Pferd hatte beibringen können. Schließlich waren wir fertig und ließen Lykkja wieder zur Herde auf die Weide.

      Irgendwie war die Zeit zu schnell vergangen und der Tag neigte sich bereits seinem Ende entgegen. Ich hatte mich gerade vergewissert, dass es Thowra und Stássa an nichts fehlte. Die werdenden Mütter bekamen jetzt öfter noch etwas Extrafutter und das Reiten hatten wir auf Grund der fortgeschrittenen Trächtigkeit bereits eingestellt. Außerdem hatte ich einen Termin mit Joyce vereinbart, die die beiden als Tierärztin noch einmal begutachten sollte. Normalerweise brauchten Isländer keine so große Aufmerksamkeit wenn es um Fohlen ging und auch diese Stuten sollten ihre Fohlen traditionell alleine auf der Weide bekommen, allerdings wollte ich mir sicher sein, dass dabei nicht zu Schwierigkeiten kam. Stuten und Fohlen waren zu wertvoll.Wieder einmal zog ich meine Uhr zu Rate und erschrak. Es war eindeutig zu spät für einen längeren Ausritt, gerade ohne Sattel und Sicherheit. „Es ist zu spät.“ Stellte ich auch für Linn, die sich gerade zu mir gesellt hatte, fest. Machen wir das Morgen. Ich gehe jetzt allerdings noch mal schnell mit Hnakki an den Strand, der muss ein bisschen rennen sonst wird der Wahnsinnig. „Er hat sich selbst zuzuschreiben, dass er in der Box stehen muss! Hätte er sich nicht unbedingt kloppen müssen...“, muffelte Linn. „Ja. Das zeigt nur, dass er viel Potenzial zum Zuchthengst hat.“ Ich versuchte Hnakki zu verteidigen, aber Linn schien die Lust am Streiten auf einmal verloren zu haben. „Ich nehme Vinkona und komme noch mit zum Strand. Ein Rennpassfoto macht sich bestimmt gut auf unserer Website.“ Linn verschwand im Haus um ihre Kamera zu holen, ich holte die Pferde.
      Es wurde ein flotter Ausritt und es entstanden traumhafte Fotos mit einem Junghengst im Rennpass, den Sonnenuntergang im Hintergrund. Schließlich hatten wir genug. Die Pferde wurden versorgt und wir beschlossen uns noch in meiner Wohnung zu treffen um einen Film zu gucken. Kaum war dieser allerdings vorbei, verschwand Linn nach unten und ich fiel ins Bett.

      Am Sonntagmorgen hatte ich mit Bella und Finley ein üppiges Frühstück, unter anderem mit isländischem Skyr, selbstgebackenen schwedischen Semlor und – auf Bellas Wunsch hin – Musik von den 'Magic 5'. So sehr ich die Musik verabscheute, so sehr machte es Spaß, mit Finley ein Kakaowetttrinken zu veranstalten. Währenddessen untersuchte Bella einen Semla. „Was – ist – das, Linn?“ Ich erklärte ihr, was es mit dem schwedischen Fastengebäck, das ich schon seit meiner Kindheit buk und aß, auf sich hatte. Der untere Teil des kugelförmigen, süßen Brötchens war mit Marzipan gefüllt, darauf tat man dann noch ordentlich Schlagsahne, dann noch den Deckel und viel Puderzucker drauf.
      Nach dem Frühstück mit viel staubendem Puderzucker holten wir Laufey und Sólfari, mit denen wir einen Strandausritt geplant hatten. Wir ritten an der Ovalbahn entlang und über die Passbahn zum Strand, wo wir angaloppierten. Sólfari jagte mir einen riesigen Schreck ein, als er mit einem riesigen Satz Laufey und Bella nachjagte. Wir ritten ohne Sattel, und der Pferderücken war rutschig, was durch das Meerwasser, das uns überall hinspritzte, nicht verbessert wurde.
      Die Sonne war noch mich lange aufgegangen und es war kühl. Bis eben hatte ich noch gefröstelt doch jetzt wärmte die Bewegung mich von innen heraus. Laufey flog förmlich über den Strand, und ich musste mein Gewicht ein Stück weiter mach hinten verlagern, um sie ohne Sattel unter Kontrolle zu behalten und mich auf ihrem Rücken zu halten. Schließlich gab ich meine Versuche die Geschwindigkeit zu drosseln auf und griff in die Mähne meiner Stute. Eiskaltes Meerwasser und Sand spritzte unter den Hufen der galoppierenden Pferde auf und versah Linn und mich mit einer feuchten Kruste. Um nicht alles von mir abzubekommen, gab Sólfari mächtig Gas und lief schließlich eine Nasenlänge vor Laufey. Er wandte den Kopf zu ihr und wieherte freudig, was Linn einen kleinen Herzanfall zu bescheren schien. Als wir die Pferde wieder durchparierten und uns auf den Rückweg machen wurde mir bewusst, dass ich eine gute Entscheidung darin getroffen hatte, Laufey das erste Mal von Sólfari decken zu lassen. Dass die beiden Pferde sich gern hatten war mehr als offensichtlich und so freute ich mich, so entschieden zu haben. Das Verhalten von Laufey und Sólfari erinnerte mich aber nicht nur an den bekannten Pferdefilm 'Spirit', sondern leider auch an meinen Exfreund und unsere Trennung im Streit. Man hätte meinen können, dass genug Zeit vergangen war, um diese Szene für immer aus meinem Gedächtnis zu verbannen, doch in Situationen wie jetzt geisterte sie mir gerne wieder im Kopf herum. „Bella! Nicht verkniffen gucken und vor allem nicht grübeln!“ Linn wusste manchmal wirklich zu genau, was in mir vorging. „Wo ist das Problem?“ „Ach, nichts.“ Diese obligatorische Phrase nervte zwar, gab meiner besten Freundin allerdings zu verstehen, dass ich nicht reden wollte. „Wenn du nicht redest rate ich!“, drohte sie mir an. „Also?“ „Ich will nicht reden! Ich brauche keinen Seelenklemptner in Form meiner besten Freundin!“ „Aha. Schon wieder Jonas?“ „Hmpf.“ Das war ihr offensichtlich Antwort genug und Linn sagte erst einmal eine Weile gar nichts, was mir recht gelegen kam. „Du musst da endlich mal drüber hinweg kommen. Vergiss dieses Arschloch!“ Damit war die Sache für sie offensichtlich erledigt und wir spornten die Pferde nochmals zum Galoppieren an. Unser Ausritt zog sich in die Länge, doch als wir endlich wieder beim Hof ankamen, erwartete uns Finley mit guten Neuigkeiten. „Zwei Mal Hengstkörung bestanden und zur Zucht freigegeben.“, rief er uns entgegen. Ab jetzt gab es kein Halten mehr. Lange hatte ich geplant was nun endlich möglich wurde. Wir befreiten Laufey und Sólfari von Trense beziehungsweise Knotenhalfter und putzen sie. Anschließend ging es aber nicht zurück auf die Weide, sondern auf ein kleines, eigens für diesen Zweck abgestecktes Koppelstück. Wir ließen die beiden laufen und warteten gespannt in einiger Entfernung. Es dauerte nicht lange bis Sólfari zur Tat schritt und ich hatte meine selbstbewusste Stute noch nie so überrascht, glücklich und entspannt zugleich gesehen. „Auf das bald eine ganze Herade wunderhübscher Fohlen auf unserer Weide herumtollt.“, grinste Linn. Wir gönnten dem Pferdepärchen noch etwas Zeit zusammen und ließen sie stehen. Dann trennten sich unsere Wege und jeder ging seiner Arbeit nach.

      68. Stute des Monats Wahl
      Oktober 2015, by BellaS

      Der große Tag war gekommen und mein Spontanentschluss viel zu schnell Wirklichkeit geworden. Ich würde heute mit Vin, einer meiner erfolgreichsten Stuten, an der Wahl zur Stute des Monats teilnehmen. Wir standen neben dem Transporter und noch einmal rückte ich den nagelneuen Gangpferdesattel zurecht und zupfte an der Schabracke. Noch einmal ging ich unsere geplante Kür in Gedanken durch, jeden einzelnen Schritt. Noch einmal rief ich mir die fünf geforderten , sorgfältig zurechtgelegten Abschlusssätze zurecht, die die bisherigen Leistungen meiner Stute ausdrücken sollten, kurz, ich war nervös. Die mit Strasssteinen verzierte Trense glitzerte in der Herbstsonne und ich fröstelte, als wir endlich aufgerufen wurden. Mit Erstaunen hatte ich festgestellt, dass es heute kaum Teilnehmer gab, im großen und ganzen hatten wir also gute Chancen, versuchte ich mir einzureden. Die Zeit hing irgendwo zwischen wenigen Augenblicken und der ganzen Ewigkeit fest, während wir in die Halle ritten. Mechanisch grüßte ich die Richter und rang mir ein Lächeln ab, ehe ich mit der Kür begann. Es gab zwar sehr klare Vorgaben die einem nicht viele Freiheiten erlaubten, doch ich hatte diese etwas beugen müssen. Vin war weder auf Dressur, noch auf Western und gar Springen spezialisiert, so musste ich auf einige Lektionen der Gangreiterei zurückgreifen und hoffen, dass ich dafür nicht disqualifiziert würde. Ich ließ Vin antölten, überstrich die Zügel im Tölt und zeigte schließlich das, was von vielen als 'die Spitzendisziplin der Gangreiterei' bezeichnet wird, den Pass. Zum Glück war die Showhalle großzügig lang und das ermöglichte mir an der langen Seite anzugaloppieren, den Pass zu legen und ein Stück durch die Halle zu 'fliegen'. Nahtlos ging der Pass wieder in den Tölt über und ich machte mit der Präsentation der Gangarten, beziehungsweise der Grundgangarten, meiner Stute weiter. Auf dem Podium sah ich die Richter angeregt diskutieren, doch ich zwang mich hinterher zum grübeln und weiter zu reiten. Vin reagierte heute flüssig und vertraute mir vollständig. Sie zeigte einen raumgreifenden, schönen Trab und ausnahmsweise sogar einen weichen und kontrollierbaren Galopp. Schließlich kam mein großer Part. Ich brachte Vin auf dem Bahnpunkt X, in der Mitte der Halle und in Sichtweite der Richter zum stehen, dann setzte ich zu meinen geforderten fünf Sätzen an. „Vin hat erst kürzlich die Stutkörung mit Bravour bestanden und ein Fohlen aus ihr ist in Planung, bisher hat sie allerdings ein anderes, zu früh abgesetztes, Fohlen aus meiner Herde quasi adoptiert. Sie geht sehr erfolgreich im Gangsport, momentan auf S. Meine Stute hat viele Schleifen abgeräumt, darunter viele Erstplatzierungen. Kürzlich gewann sie beim Joelle Wold-Cup den zweiten Platz im Gangreiten. Vin ist zwar schwierig im Umgang, doch unglaublich intelligent.

      Hufschmiedbesuch
      November 2015, by Bracelet

      An einem wunderschönen, sonnigen Spätherbsttag kam ich gegen 4 Uhr nachmittags auf den wunderschönen Hof von Bella, wie ich sie immer nannte. Ich parkte meinen Wagen neben dem idyllischen Wohngebäude und las mir noch einmal meinen Notizzettel durch, auf welchem ich vermerkt hatte welches Pferd welche Hufeisen bekommen würde. Die Größe betreffend.
      Denn im Grunde bekam die vier Isis, die auf mich warteten, allesamt Wintereisen mit Stollen. Die Sorte welche ich heute mit mir gebracht hatte war speziell von mir entwickelt worden und absolut schneetauglich. Die Eisen besaßen nämlich eine spezielle Einlage, welche verhindert, dass sich Schnee im Huf sammelt und früher oder später das Laufen unmöglich macht und um die Trittsicherheit auch bei Eis zu gewährleisten besaß der neue Beschlag eine spezielle Beschichtung und eine bestimmte Art von Stollenform. Also das aller Beste für den Winter - das aller Beste für Bella + Pferde.
      Inzwischen hatte ich schon meine Schürze umgebunden und meinen Hufschmiedkoffer aus dem Kofferraum genommen. Dann wurde ich auch schon von Bella entdeckt, welche mich freudig begrüßte. Sofort fingen wir an zu plaudern. Dabei gingen wir dann erstmals in den Stutenstall des Gestüts mit dem wunderschönen isländischen Namen, welchen ich leider nicht aussprechen kann.
      Der Stallbursche war zuvor bereits auf der Weide umhergeirrt und hat die beiden süßen Isis für uns in den Stall gebracht, wo sie von ihrer Besitzerin tip-top herausgeputzt wurden.
      Meine erste vierbeinige 'Patientin' war Vin. Ich ließ sie erst etwas an mir Schnuppern und wartete, bis sie sich etwas an meine Anwesenheit gewöhnt hatte. Dann strich ich ihr sachte über den Hals und anschließend über die Schulter vorsichtig hinunter zu ihrem Vorderbein, welches sie ganz brav hob. Ich kontrollierte dabei das Horn an ihrer Sohle, die Trageflächen und den Strahl. Dann ließ ich sie das Bein wieder abstellen und sah mir die Hufwand und den Gesamteindruck der Hufstellung an.
      Klar war, dass sie dringend Ausgeschnitten werden musste. Ebenso, dass sie mich bei den anderen drei Beinchen nach Strich und Faden veräppeln wollte.
      Ich setzte mich daraufhin durch und nahm nun meine Hufrinnenmesser zur Hand. Damit machte ich einen kleinen Probeschnitt in die weiße Substanz ihres Hufes. Daran konnte ich erkennen wie viel Horn entfernt werden sollte. Und dies tat ich dann auch. ,,Schwupps.'',sagte ich und schon hatte ich das alte Horn vom Huf heruntergenommen. Anschließend schnitt ich auch den Strahl in Form, wie man in der Hufschmiedssprache so sagte.
      Dann kürzte ich das Horn der Vorderbeine noch ganz leicht und raspelte die Tragflächen gerade. Dabei bereitete ich auch gleich die Hufe für die neuen Eisen vor, welche auch schon den nächsten Schritt darstellten.
      Dazu erwärmte ich die Eisen in meinem speziellen In-Auto-Ofen und brannte sie anschließend auf Vins Hufe auf. Sie war nicht sonderlich begeistert, hielt aber Still, da sie das Prozedere vom letzten Jahr kannte.
      ,,Braaav.'',lobte Bella und sie entspannte sich wieder.
      Ich nahm nun das Kunststoffteilchen, welches zu den Eisen gehörte und bereitete dieses vor, solange das zugehörige Eisen im Wasserbad, in diesem Fall Kübel genannt, abkühlte.
      Dann legte ich das Kunststoff auf den Huf und nagelte das Hufeisen darauf an. Es war nämlich nicht eines dieser Mainstream-Gummi-U-Eisen sondern wirklich etwas ganz neu entwickeltes.
      Als ich alle vier Beine beschlagen hatte bat ich Bella mir Vin im Schritt und Trab an der Hand vorzuführen. ,,Perfekt.'',lobte ich glücklich meine Arbeit und grinste.
      ,,Na dann an die Anderen.'',stieß ich aus und wandte mich Faera, einem hübschen Füchschen zu. Sie hatte das ganze Prozedere mit angesehen und guckte mich nun etwas skeptisch an als ich auf sie zukam.
      Allerdings nachdem ich ihr eine Möhre gegeben hatte war sie mir auch schon deutlich positiver gestimmt und ich konnte mich ihren Hufen widmen. Dies gestaltete sich dann allerdings etwas schwieriger als gedacht da sie einfach nicht stillstehen konnte. Man merkte, dass sie dies nicht tat um mich zu ärgern oder mich zu testen. Sie hatte einfach nur jede Menge Energie, was allerdings bei Pferden ihres Alters absolut keine Seltenheit war.
      Beim Ausschneiden ging ich außerordentlich vorsichtig vor, damit ich sie, wenn sie wieder einen Tänzler machte, nicht verletzte. Es klappte allerdings dennoch. Genauso die kleine Korrektur ihrer Hufstellung und das Beschlagen an sich.
      ,,Guutes Mädchen.'',sagte ich zu Faera nachdem sie vorgetrabt war und folgte dann ihrer Besitzerin in den Hengststall, wo Hnakki und Sólfari ebenso schön sauber gemacht in ihren Boxen standen.
      Hnakki zeigte sich sofort sehr neugierig, weshalb ich beschloss mit ihm zu beginnen.
      Er war sehr lieb mir gegenüber und machte gehorsam mit. Gab brav immer den Huf wenn ich ihn von ihm wollte und hielt ihn ohne zu mauken.
      Auch seine Hufe schnitt ich sorgsam aus und korrigierte einige Unebenheiten auf den Tragflächen seines Hufhorns ehe ich ihn beschlug.
      Anschließend, last but not least, war der niedliche Sólfari, der sich sehr lange, ganz genüsslich kraulen ließ. Er schien ein richtiger Schmusebär zu sein. Außerordentlich liebenswert.
      Seine Hufe waren etwas trocken, weshalb Bella von mir Hufbalsam zum regelmäßigen Gebrauch bekam. Ansonsten waren sie sehr gut in Schuss, benötigten nur wenig Ausschneiden.
      Dann konnte ich ihn auch schon beschlagen. Beim lauten Zischen des Aufbrennens zuckte er kurz, regte sich aber nicht auf sondern ließ sich von seiner Besitzerin ganz zufrieden verhätscheln.
      Als er fertig war wurde auch er noch einmal an der Hand vorgeführt. ,,Gut geht er.'',sagte ich dann und brachte zusammen mit Bella die beiden eben beschlagenen Pferde auf die Koppel, wo wir ihnen noch etwas beim Toben zusahen, ehe ich dann etwas später wieder heim fuhr.

      Vorahnungen
      Januar 2016, by BellaS & Seimure

      Mitten in der Nacht schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Ein Albtraum? Dann musste ich ihn direkt wieder vergessen haben. „Na ganz toll.“ Ich grummelte und drehte mich auf die andere Seite, aber irgendetwas ließ mich nicht mehr einschlafen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus, schlüpfte in Reitstiefel und Kapuzenpulli und ging hinaus. Irgendwas stimmte doch nicht. Es war stockdunkel und empfindlich kalt. Kein Wunder, der Hebst war hier oben an der See bereits dabei in den Winter überzugehen. Langsam wanderte ich an den Boxen der Hengst vorbei. Die meisten lagen schlafend auf ihrem Strohbett, nur Hnakki streckte mir seine Nase entgegen und schnaubte leise. „Na Süßer. Auch wach?“, flüsterte ich und schob meine klammen Finger unter die üppige Mähne des Hengstes und sie zu wärmen. Herrlich. Ich hätte Stunden so verharren können, doch eine seltsame innere Unruhe trieb mich weiter. Seltsam, absolut seltsam. Ich schaute noch bei den Fohlen vorbei und ging ein Stück am Zaun der großen Weide entlang, aber mit den Pferden schien alles in Ordnung zu sein. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg zurück ins Bett.

      Am nächsten Morgen beim Frühstück erzählte ich Linn von meiner seltsamen nächtlichen Unruhe, doch sie tat es achselzuckend ab. Trotzdem beharrte ich darauf die Pferde alle einmal anzusehen, es bestand ja die Möglichkeit, dass doch etwas passiert war. Zwar schüttelten sowohl Linn als auch Finley den Kopf über mich, aber sie halfen mir doch. Mit Hnakki, Blossi und Topar ritten wir über die Wattweide und trieben unsere Stutenherde zurück zu Hof, wo wir sie alle gründlich absuchten. Mit Ausnahme einer kleinen Wunde an Fjaras Flanke, die ich schnell versorgte, fand sich überhaupt nichts. Allen Stuten ging es gut und auch Fohlen und Hengste zeigten keine Auffälligkeiten. „Bella. Könntest du jetzt bitte aufhören dir Sorgen zu machen? Hier ist nichts.“ Linn schüttelte den Kopf und ich grummelte halb zustimmend. Natürlich konnte ich nicht einfach aufhören mir Sorgen zu machen. Wer konnte das schon? Doch als ich sah wie Finley und Linn sich einvernehmlich angrinsten, verzog ich das Gesicht und verschwand in der Sattelkammer um mit meinem Tagewerk zu beginnen.

      Seit dieser seltsamen Nacht waren Wochen vergangen. Es war Dezember geworden, Weihnachten stand vor der Tür und es hatte geschneit. Thowra, Stássa und auch Laufey wurden mittlerweile nicht mehr geritten und trugen ihre dicken Fohlenbäuche stolz über die Wattweide. Außerdem war meine Stute Faera durch die Körung gekommen und Linns Meyja hatte gute Chancen das Selbe zu erreichen. Eigentlich lief alles wunderbar nach Plan, doch etwas trübte unser Glück. Nur wenige Tage nach jener seltsamen Nacht erreichte uns eine schwarz umrandete Karte. Ein schrecklicher Todesfall. Unsere Freundin Sarah, die Vorbesitzerin von Uprising und Thowra und gute Freundin würde das erste Fohlen ihrer Stute nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn Thowra nach Hause hohlen. Sie und ihre gesamte Familie waren einem Gasleck in ihrem Haus zum Opfer gefallen. Wie viele andere in der Reiterwelt dachten auch wir an Sarah und ihre junge Familie, die ein so tragisches Ende gefunden hatte. Trotzdem, wir konnten nur unsere Anteilnahme ausdrücken und weiter machen – etwas anderes konnte sowieso niemand gebrauchen. Resigniert stütze ich den Kopf in die Hände und starrte in meinen heißen Tee. Draußen tobte ein regelrechter Schneesturm und ich kam gerade völlig durchgefroren vom Distanztraining mit Snót zurück. Linn ritt in der Halle und Finley stand wahrscheinlich dabei und sah ihr zu anstelle seine Arbeit zu erledigen. Weiter starrte ich resigniert und wütend in meine Tasse. Meine Trauer über Sarah war nur ein Vorwand, in Wahrheit war ich einfach nur eifersüchtig auf die beiden die sich in der letzten Zeit unaufhaltsam näher kamen. Ich und Männer, das war ein Paradox. Einerseits wollte ich einen neuen Freund, mehr als vieles andere, andererseits plagten mich immer noch Sorgen und düstere Vorahnungen über die Trennung von meinem letzten dieser Art. Ich musste mich dringend ablenken und so setzte ich mich an den Computer. Dafür hatte ich schon so lange nicht mehr die Zeit gehabt, obwohl ich Technikkrams jeglicher Art liebte. Erst spät in dieser Nacht fiel ich ins Bett.

      Und schon wieder meinte die Zeit rennen zu müssen. Weihnachten war gekommen und gegangen, mit Mayalie war ein neues Pferd eingezogen. Auch ein neues Jahr war angebrochen und unsere Zuchtstuten zeigten die ersten Anzeichen, dass ihre Fohlen bald das Licht der Welt erblicken würden. Mal wieder hatten man mich mit Aufträgen bombardiert und ich war in der letzten Zeit so viel in der Welt unterwegs gewesen, dass ich so ziemlich alles andere verdrängt hatte. Jetzt standen noch zwei Körungen an, die Geburten von zwei Zuchtfohlen und dann würde ich wieder durchatmen können. Hoffte ich zumindest.

      Der Signalton, der eine neue Whatsappnachricht meldete, riss mich aus dem Schlaf. Die Nachricht war von Bella.
      Lust auf einen Austritt? Mayalie braucht Bewegung. :3
      Verschlafen tippte ich eine Antwort und stand dann auf. Was um Himmels Willen machte Bella um diese Zeit draußen? Es war gerade einmal halb fünf, und meistens war ich die einzige, die vor sechs Uhr auf dem Hof war. Ich machte mich schnell fertig und ging dann mit Flóki raus. Der schwarz-weiße Hund war schnell gewachsen und hatte nun fast seine Endgröße erreicht. Seinen Dickkopf hatte er zwar nicht verloren, aber er durfte seit ein paar Tagen alleine auf dem Hof rumlaufen. Draußen fiel mir gleich Mayalie ins Auge, was bei dem Koloss von einem Pferd auch nicht schwierig war. Ich mochte Kaltblüter nicht besonders gerne, aber ein Shire Horse war immer ein großer Traum von Bella gewesen, der sich mit Mayalie nun erfüllt hatte. Jetzt kam Bella mit Mayalies Putzzeug aus der Sattelkammer. Sie winkte mir fröhlich zu und machte sich dann ans Putzen. Ich überlege derweil, welches Pferd ich für den Ausritt nennen könnte. Viđja nicht, weil sie seit einer Woche nicht mehr geritten wurde, da sie von dem Leihhengst Ljóski ein Fohlen erwartete und ich bei meiner Lieblingsstute keine Risiken eingehen wollte. Schließlich entschied ich mich für meine Stute Vínd, welche genau wie Mayalie noch ein Neuzugang auf dem Hof war. Die kleine Stute war wie ich eine Frühaufsteherin und so dauerte es nicht lange, bis ich sie gesattelt hatte. Wie immer sah es ungemein lustig aus, als sich Bella auf Mayalies Rücken schwang. Wir schlugen den Weg zum Strand ein, den längsten und zugleich schönsten Weg für einen Ausritt. "Was ist eigentlich in dich gefahren?", fragte ich Bella, während wir durch den leise knirschenden Sand hinunter zum Wasser ritten "Sonst bist du doch immer erst um halb sieben bei den Pferden. Frühstens." "Ach, ich weiß nicht. In letzter Zeit bist du den ganzen Tag immer mit Finley zusammen, und irgendwie wollte ich dich mal wieder so richtig für mich haben", sagte sie, während wir mit den Pferden durch das flache Uferwasser platschten. "Bella, so ist das nunmal, wenn man einen Menschen gefunden hat, den man liebt und mit dem man seine Zeit verbringen möchte. Was meinst du, wie es mich manchmal genervt hat, wenn Jonas anwesend war, und du dich nur für ihn interessiert hast", sagte ich beschwichtigend. Bella warf mir einen düsteren Blick zu. "Das war anders. Finley gehört zum Team und wir sind ja auch befreundet. Und wenn die zwei Freunde, die als einzige in der erreichbaren Umgebung sind, plötzlich nur noch Augen für einander haben, dann fühlt man sich so... alleine. Du hattest wenigstens noch Tabea, und mit der warst du ja auch gut befreundet. Ich würde einfach gerne ein bisschen mehr Zeit mit dir verbringen." Nach einer kurzen Pause sah sie mich von der Seite her an. "Aber ich weiß, dass Finley mit dir den allerbesten Mensch gefunden hat, den er finden konnte", fügte sie mit einem kleinen Lächeln hinzu. Wir wechselten einen kurzen Blick und mussten lachen. Wie auf Kommando galoppierten wir an und jagten über den Strand. Nur für Augenblicke waren wir wieder die beiden Mädchen, zehn und dreizehn Jahre alt, die sich beim gemeinsamen Reitunterricht zunächst ignoriert hatten und schließlich aber zu den besten Freundinnen die man sich vorstellen konnte geworden waren.

      Ich hatte mir alles aus der Seele geredet und Linn hatte zugehört. Zwar nicht alles wirklich nachvollzogen, aber was solls? Das meiste war eh nur dämliches Selbstmitleid. Noch immer lag Schnee, der sich mittlerweile in einen ekligen, grau braunen Matsch verwandelt hatte. Nur am Strand und in der Halle konnte man vernünftig reiten, ohne das die Pferde ohne Wintereisen sich Schnee in die Hufe traten oder ausrutschten. Ach der Strand, wie ich ihn liebte. Wie ich Rømø liebte, meine neue Heimat. Ich war wirklich angekommen, hatte mir hier eine Exestenz und ein Zuhause aufgebaut. Jetzt, mit einem glücklichen Pärchen an meiner Seite, fehlte mir nur noch eins… „ES REICHT!“ Energisch verdrängte ich den leidigen Gedanken und konzentrierte mich auf meine heutige Arbeit. Mayalie reiten, erledigt. Mit Nátti tölten üben, weiter mit Sattel und Zaumzeug bei Brött und Kylja, Bjatur anlongieren, noch ein paar Pferde reiten. Alles mögliche stand noch auf meiner To-Do, aber ich würde mit Náttdís anfangen. Ich sattelte meine zweite Lieblingsstute und da ich die Halle heute wohl noch oft genug von innen sehen würde, entschied ich mich für die einzig weitere Option. Es ging zum tölten an den Strand. Er war es schwierig Nátti vom galoppieren abzuhalten und überhaupt in den Tölt zu bekommen, dann hatte ich ein Problem mit wirklich üblem und passigem Takt. Gerade als ich zufrieden war, tauchte hinter mir ein Reiter auf. Finley liebte Topar und seitdem er unter dem Westernsattel ging, waren die beiden nur noch schwer zu trennen. „Rennen gefällig?“ Er grinste. Obwohl ich eigentlich sinnvolleres zu tun hatte, konnte ich nicht widerstehen. So kam ich zu einem zweiten, wunderbaren Galopp am Sønderstrand.

      In der nächsten Zeit passierte nichts weiter aufregendes. Wir kümmerten uns um unsere Pferde, begannen mit den Sattel- und Zaumzeugtraining von Kylja und Brött, die bald eingeritten werden würden, bereiteten uns mit Lykkja, Garpur und Vinkona auf die anstehenden Körungen vor und fieberten den Fohlen von Thowra und Stássa entgegen, die nun bald das Licht der Welt erblicken sollten. Auch Laufeys Bauch wurde allmälich sichtlich rund. Und trotzdem hoffte ich, dass sich der Tag in dem ich meine Stute nicht mehr würde reiten können noch etwas verzögerte. Außerdem begrüßten wir mal wieder Neuankömmlinge. Ein junger Hengst und eine hübsche Stute aus meiner Zucht, Bjatur und Tilviljun, kehrten zu uns zurück. Bjatur würde eines Tages wieder auf Wanderschaft gegen, doch für Juni sollte es hier ein längerfristiges zu Hause geben. Für unsere bereits gekörten Zuchthengste gab es nicht ganz so viel Arbeit, allerdings hatten wir auch noch eine weitere Stute gedeckt. Faera trug nun von Black Lemontree, eine gewagte aber aussichtsreiche Kombination. Blettur machte Deckpause. Auch Sólfari und Blossi warteten sehensüchtig auf den Frühling, mit dem wohl auch unsere Fohlenherde an Zuwachs gewinnen würde. Zu allem Überfluss hatte ich mich auch noch in eine gekörte Zuchtstute verliebt und Frejka kurzerhand gekauft. Linn gefiel das zwar nicht unbedingt, doch das störte mich seit ehher sowieso nicht. Bald würde der Frühling auf glæsileika eyjarinnar Einzug halten.

      Wiedersehen macht Freude
      Januar 2016, by BellaS

      Als mich die Nachricht erreichte, dass Rachel wieder einmal Pferde verkaufte, war ich nicht besonders interessiert. Rachel hatte so einiges im Stall stehen. Trotzdem schaute ich mir wenig später an um welche Pferde es ging. Ich entdeckte Morgaine, eine Barockpinto Stute die einst mir gehört hatte, dann aber zu Gunsten meiner Isländerzucht ausziehen musste. Die anderen Pferde schaute ich nur flüchtig an, bis ich mit einem mal hängen blieb. Kjarkur stand zum Verkauf, der Vater meines ungeborenen Zuchtfohlens Silfurtoppa. Ein gekört Isländer allererste Güte. Schon rechnete ich im Kopf meine Finanzen durch und schaute was ich würde ausgeben können, da fiel mein Blick auf eine weitere Anzeige. Slaufa, eine hübsche Scheckstute und kein unbekanntes Gesicht. Kurz vor unserem Umzug nach Rømø hatte ich sie, eigentlich zu Zuchtzwecken, an Rachel verkauft. Von diesem Moment an stand fest, wir würden wieder einmal Zuwachs bekommen. Beide Pferde waren zuchtfertig und gekört, hatten gute Voraussetzungen und waren keine Problemfälle, es sprach nichts gegen ihren Einzug. Selbst für meinen Geldbeutel lief das Geschäft verhältnismäßig schonend ab, auch wenn dieser seit den letzten Käufen sowieso nicht mehr besonders voll war. Schon in den nächsten Tagen würden die neuen Pferde ankommen. Ich erledigte die restliche Büroarbeit in fliegendes Eile und suchte nach Linn um ihr von dem schnell getätigten Kauf zu erzählen. Sie hatte nichts dagegen, zeigte sich aber auch nicht übermäßig begeistert. „Wann hörst du wohl auf Pferde zu kaufen?“, fragte sie mich etwas später während eines gemütlichen Ausrittes durch den Wald. Ich saß auf Vin, meinem besten Turnierpferd, das ich dank der Zucht in der letzten Zeit sträflich vernachlässigt hatte. Linn hatte ihre Vidja nicht reiten können, denn der Fohlenbauch gestattete mittlerweile nur noch Bodenarbeit. Da sie aber die Stute Tilviljun, genannt Juni, bald ins Training nehmen würde, hatte sie sie für diesen Ritt ausgewählt. Seit der Schnee verschwunden war, hatte auch das tägliche Leben auf unserem Hof wieder an Normalität gewonnen. Finley betüddelte die Hengste, kümmerte sich um die Boxen, Heu und was sonst noch alles anfiel, Linn und ich ritten den halben Tag und halfen ihm so gut wir kommen. Trotzdem wurde es immer anstrengender. Mehr Pferde bedeuteten mehr Arbeit und wir waren eben nur zu dritt. Schließlich stellten wir gemeinsam eine Anzeige ins Internet, in der wir nach einem vierten Teammitglied suchten. Jemandem der anpacken und Isländer reiten konnte. Zum Glück war mein Dänisch mittlerweile gut genug für solcherlei Aktionen, auch wenn ich zugeben musste, dass ich von uns dreien die war, die die Sprache noch am schlechtesten beherrschte. Finley lernte gern Sprachen und Linn hatte auch noch ein echtes Talent für so was – kein Wunder also, dass ich hinterher hing. Ich ließ meine Gedanken wandern und unser Gespräch verstummte, als wir beide uns in unsere Parallelwelten zurückzogen. Den Weg kannten wir sowieso im Schlaf. Im laufe des Nachmittags hatte ich noch Laufey an der Longe, deren Bewegungsdrang trotz ihrer Trächtigkeit ungebrochen blieb. Abends ging es noch schnell mit Frejka auf den Platz, denn wir waren noch immer in der Gewöhnungsphase. Erst morgen würde es wirklich interessant werden, denn dann durfte Brött das erste Mal das Gewicht eines Reiters auf dem Rücken tragen.
      Es war doch spät geworden, denn am Abend hatten wir zu dritt einen Filmabend veranstaltet. Als ich erwachte, bekam ich einen Schreck. Es war bereits halb neun. Normalerweise stand ich um sieben Uhr auf um mit der Arbeit des Tages zu beginnen, heute hatte ich gehörig verschlafen. Ein Blick auf meinen Radiowecker zeigte mir auch warum, der Stecker war nicht eingesteckt und somit ging hier nichts mehr, mit ausnehme der Uhr, die mit ''Notfallbatterien'' ausgestattet waren. Warum die nur die Uhr versorgten und nicht auch die Weckfunktion, hatte ich bisher nicht nachvollziehen können. Missmutig steckte ich den Stecker wieder ein, zog mich an und verschwand im Bad. In der Küche schnappte ich mir ein Brötchen von gestern und einen Apfel zum Frühstück, die ich auf dem Weg über den Hof aß. Brött war erst heute Nachmittag an der Reihe, jetzt bekam Hnakki erst mal den Rest meines Apfel und dann einen Sattel auf den Rücken. Wir gingen auf die Passbahn. Rennpass mit Hnakki machte immer gute Laune und eignete sich gut zum Start in den Tag. Jetzt kam noch eine kleine Runde Training mit Vina, denn sie war auch schon bald alt genug für ernsthaftes Longieren und ähnliches. Schließlich war es Zeit für Brött. Sattel und Zaum waren längst Routine, nun würde nur noch das Gewicht eines Reiters dazu kommen. Heute allerdings erst mal in Form eines Sandsacks. Der würde sich nicht wehtun wenn er fiel und ich konnte alleine arbeiten. Allerdings kannte ich meine Stute und so folgte dieser Part erst nach genügend Bodenarbeit um sämtliche überschüssige Energie abgebaut zu haben. Dann wuchtete ich den Sandsack, dem ich im Scherz ein Smileygesicht verpasst hatte, auf ihren Rücken. Einen Moment gab ich ihr Zeit die ungewohnte Situation zu registrieren, dann forderte ich sie auf ein paar Schritte zu gehen. Zögerlich folgte mir Brött. Nach und nach wurde sie sicherer und ich begann sie an der Longe im Kreis zu schicken. Im Schritt kein Problem, doch traben oder galoppieren mit diesem schweren Ding kam nicht in Frage. Ich nötigte sie mittels einer Gerte dazu, woraufhin Brött begann den Sandsack irgendwie loswerden zu wollen. Um den heutigen Tag mit einem positiven Ereignis abzuschließen, beließ ich es dann beim Schritt. Ich konnte mich auch morgen noch mit Trab und Galopp herumschlagen. Zum Abschluss des Tages machte ich einen Strandritt mit Sólfari. Erst hatte ich ohne Sattel reiten wollen, dann reizte mich einer schneller Galopp doch mehr und ich sattelte ihn. Erst ging es im Schritt den Strand hinauf, dann im Galopp zurück nach hause. Immer eine Motivation für die Pferde noch schneller zu werden. Leichtsinnig und glückstrunken wie ich war, ließ ich die Zügel fallen und breitete die Arme aus. Sólfari wusste genau wo es nach Hause ging und er genoss die Kopffreiheit. Mein Hengst ließ ein volltönenes Wiehern ertönen und schüttelte den Kopf. Das typische Bild des wilden Mustangs in der Prärie, nur in unserem Fall des wilden Isländers mit Sattel und Reiter am Strand. Am solchen Tagen ging ich mit ''Ich liebe mein Leben'' im Kopf ins Bett.
      Geweckt wurde ich von einem lauten Hupen. Es war mitten in der Nacht doch ein Transporter stand auf dem Hof. Wahrscheinlich Kjarkur und Slaufa. „Herr im Himmel. Muss das sein?“ Genervt schälte ich mich aus dem Bett, kramte nach irgendwas zum anziehen und und ging nach unten um die Tür zu öffnen. „Frau Wincox konnte ihre Pferde nicht persönlich bringen.“ Ein übermüdeter Fahrer stand auf dem Hof und sprach mich direkt an. „Warten sie, ich bringe nur schnell die Pferde weg. So fahren sie mir nicht wieder los.“ Der Fahrer sah das ein und ich brachte Kjarkur und Slaufa schnell in die, seit gestern vorbereiteten, Boxen. Einige Minuten später hatte ich mich mit den Fahrer bekannt gemacht und ihn in einem des Gästezimmer über den Stallungen einquartiert. Dann ging ich wieder ins Bett um wenigstens noch etwas Schlaf zu bekommen, ehe die Arbeit wieder losging. Als ich wieder erwachte, klemmte ein zettel an meiner Tür. Der Fahrer hatte ihn dagelassen. Er bedankte sich und teilte mir mit, dass er bereits abgefahren sei. Tatsächlich zeugten nur noch die Reifenspuren im Kies von seiner Anwesenheit. Der restliche Tag verlief normal. Gemeinsam mit Linn und Pricess Peppy Ann arbeitete ich mit Vina, dann half mir Finley mit Brött. Heute klappte es auf einmal problemlos, auch im Trab und Galopp. Bald schon würde sich eine echte Person auf ihren Rücken setzen können. Slaufa kam auf die Wattweide, wo Stássa, Laufey, Vinkona und alle Stuten die sie noch kannten freudig begrüßten. Finley ritt Blossi, ich mistete aus, Linn arbeitete mit Vínd. Schließlich kam noch eine lustige Einheit gebisslos reiten mit Snót und ein Ausritt mit Mayalie rundete meinen Tag ab. Alle Pferde täglich zu bewegen war unmöglich, den Versuch hatten wir bereits aufgegeben.

      Cattahoochee Hill's Osterritt
      März 2016, by BellaS

      Ostern war für mich schon immer ein schönes Fest gewesen. Ein Familienfest. Da ich allerdings momentan keine andere Familie als den ''Reiterfreundeskreis'' hatte, der sich über die ganze Welt verteilte, tat es auch nicht weh für Ostern extra nach Kanada zu reisen. Die lustige Eiersuche auf Cattahoochee Hill's war eine schöne Abwechslung zum Alltag und eine gute Gelegenheit um Ostern eben ''mit der Familie zu verbringen''. Meine Stute Vin begleitete mich. Sie war mein Sportpferd und von meiner Sammlung Gangpferde am besten in der Lage einen Geländeparcours wie den geforderten zu absolvieren. Außerdem bestritt ich in letzter Zeit viel zu selten Wettbewerbe mit ihr. Die Aufgabe bestand darin einen Parcours im Gelände möglichst schnell zu durchreiten, dabei mehrere versteckte Ostereier zu finden, ein Plüschküken aus dem Wasser zu fischen und vom Pferd aus ein Osterei zu bemalen. Es klang einfacher als es war, stellte ich fest. Für die Eier bekam ich einen Korb in die Hand gedrückt. Um beide Hände an den Zügeln haben zu können, schob ich diesen an meinem rechten Arm hoch bis zum Ellenbogen und ritt zum Start. Die Sprünge waren das kleinere Problem, obwohl ich mit Vin einen miserablen Springer ritt. Viel gemeiner waren die Eier. Oft genau hinter Sprüngen versteckt. Ich begann mich gezielt an den Stellen umzusehen, die mir als fieses Versteck erschienen. Die Strategie ging auf. Außerdem konnte ich bei manchen Eiern Zeit sparen, da ich mich nur vom Pferd herunter beugen mussten. Isländer waren eben doch Ponys und das war in diesem Fall ziemlich praktisch. Am Fluss brauchten wir etwas länger, da Vin zwar kein Problem mit Wasser hatte, das nasse Küken aber suspekt fand. Schließlich gelang es mir endlich sie von dem kleinen Gelben Mitreisenden zu überzeugen. Gut, dass uns keiner sehen konnte. Am Ziel angekommen fehlte nur noch das Ei. Den Korb mit den Eiern wurde ich zum Glück los. Vom Rücken meines Pferdes aus waren meine Bewegungen beim malen etwas eingeschränkt. Am Ende zierten das Ei ein paar Streifen und Blümchen. Mit einem schwarzen Filzstift setzte ich nun als Krönung noch die Silhouette des typischen, töltenden Isländers mitten auf das Ei. Es war nicht perfekt, würde aber auf größere Distanz bestimmt besser wirken. Kaum war ich fertig, wurde mein Kunstwerk mit einem Band versehen und an einen großen Osterstrauß gehängt. Die Jury würde das Publikum bilden. Ich grinse als ich aus dem Sattel stieg. Ich war ausnahmsweise sogar einmal mit meinem Kunstwerk auf dem Ein zufrieden, auch wenn ich meine Produkte mit Stift und Pinsel sonst selten gut fand. Außerdem hatte der Ritt Spaß gemacht. Eine lustige Idee, gut umgesetzt und den Aufwand der Reise ganz gewiss wert. Ich lobte Vin ausgiebig. Blieb das Ergebnis der Jury abzuwarten.

      Sternzeichen Islandpferd
      März 2016, by Seimure & BellaS

      Mit einem fröhlichen "Guten Morgen!" und einem Kuss auf die Wange weckte ich Finley, welcher sich jedoch nur demonstrativ die Decke über den Kopf zog. In Sachen Aufstehen waren wir beide ganz anderer Ansicht, denn während ich es liebte, um fünf in den Tag zu starten, bevorzugte Finley es, lieber spät aufzustehen. Während er noch vor sich hin döste, frühstückte ich und machte mich fertig für den Tag. Heute stand nicht sehr viel auf dem Plan, denn die Pferde hatten am Wochenende schon trainiert, aber natürlich mussten sie trotzdem versorgt und geritten werden und zudem würde sich heute unser neuer Bereiter vorstellen, der, wenn alles gut lief, auch bald auf dem Hof einziehen würde. Das war auch der Grund, weshalb ich meine Wohnung im Erdgeschoss geräumt hatte und nun bei Finley im zweiten Stock wohnte. Während ich noch darauf wartete, dass mein Freund aufstand, spielte ich mit Flóki, der sich genau wie ich sehr schnell an die neue Wohnung gewöhnt hatte und Finley nun als vollständiges Rudelmitglied ansah. Mittlerweile war Flóki ausgewachsen, benahm sich aber nach wie vor wie ein Welpe. Um sieben schaffte es auch Finley aus dem Bett und es dauerte nicht lange, bis er seinen Morgenmuffel-Modus ausschaltete und sein übliches Grinsen auf seinem Gesichtseinen Platz einnahm. Gemeinsam gingen wir nach unten, wo uns Bella begrüßte und die Aufgaben für den Tag verteilte. Bevor Robin kam, mussten wir nur die Hengste füttern, weshalb wir zu dritt in den Stall gingen, wo wir bei Kjarkur, Garpur, Uprising, Sólfari, Hnakki, Blossi, Blettur und Black Lemontree die Heunetze füllten und die Boxen ausmisteten. Sólfari und Black Lemontree brachten wir dann auf den Paddock und sahen noch kurz nach den Stuten, bevor ein Hupen vom Hof uns aufschrecken ließ. Robin schien etwas überpünktlich zu sein, aber das machte ja nichts. Wir stellten uns ihm alle vor und begannen dann damit, ihm den Hof zu zeigen.

      Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich mir nicht vor der Anstellung unseres neuen Bereiters tagelang den Kopf zerbrochen. Ob das eine gute Entscheidung war, fragte ich mich und ob der Mann, den ich ausgesucht hatte auch eine gute Wahl gewesen war. Am Morgen seiner Ankunft kümmerten wir uns zu dritt um die Hengste, wo ich mich allerdings beeilte um den Mutterstuten und ihren winzigen Fohlen zuzusehen, die erst seit wenigen Tagen auf die Weide durften. Sleipnir, der ältere, war quicklebendig und tobte über die Weide. Thowras Sohn war bereits Mio versprochen und würde umziehen sobald er sechs Monate alt und entwöhnt war. Silfurtoppa hingegen erwies sich als ruhiger, aber offensichtlich klug. Das Stutfohlen war Windfarben. Eine echte Schönheit.
      So lehnte ich am Zaun der Weide und beobachtete meine jüngsten Zöglinge, als Robin ankam. Das Auto parkte neben der Auffahrt und mein Magen machte einen dämlichen kleinen Hüpfer. "Was soll das, Bella? Das ist nur der neue Bereiter!" Ich kramte mein Selbstbewusstsein als Chefin zusammen, drehte mich um und ging um Robin zu begrüßen.
      Er machte einen guten Eindruck und zu dritt zeigten wir dem Dänen den Hof und unsere Pferde. Freundlich war er, offen, aber nicht übermäßig redselig, großmäulig oder nervig. Tatsächlich hatte ich mich schon fast entschieden. Ich musste ihn nur noch reiten sehen.
      Da er in Zukunft einige der Hengste übernehmen sollte, wählte ich Blacky für Robin. Er zeigte sich sofort souverän. Sattelte den Hengst und schwang sich in den Sattel. Er ritt selbstverständlich mit Helm, was ich, Asche auf mein Haupt, zu Hause nicht immer tat. Auch auf der Bahn war ritt er entspannt aber bestimmt.
      Jetzt war alles klar. Robin würde in Linns Erdgeschosswohnung einziehen.

      Während Bella noch mit Robin den geschäftlichen Teil besprechen wollte, machten Finley und ich uns wieder an die Arbeit. Ich holte Princess Peppy Ann von der Weide, um mit ihr weiter an der Longe zu trainieren. Bald würde die Stute fünf Jahre und damit alt genug fürs Einreiten sein. Ich freute mich schon darauf, denn sie würde mein erstes eigenes Pferd sein, das ich einritt. Mittlerweile konnte man gut an der Longe mit ihr arbeiten und täglich trainierten wir eine halbe Stunde, seit neuestem auch schon mit Sattelzeug. Peppy war heute nicht so konzentriert wie sonst, aber das lag vielleicht auch an mir, denn ich war heute auch eher im Standby-Modus. Dafür konnte ich heute gut mit Tilviljun arbeiten, mit der ich mich seit gestern ans Tölten wagte. Sie machte sich in dieser Gangart schon sehr gut, allerdings bisher erst an der Longe und an der Hand, was wir auch heute wieder üben wollten.
      Während ich bei Juni auf dem Anbindebalken saß und darauf wartete, dass sie ihr Futter auffraß, kam auch Finley mit Topar, seinem Lieblingshengst, mit dem er gerade im Dressurviereck gewesen war. Er gab mir einen leichten Kuss und setzte sich neben mich, während Juni versuchte, Topar das Futter streitig zu machen. Finley legte einen Arm um meine Schulter. "Wie wäre es mit einem Ausritt nachher? Nur wir beide?", fragte er mich leise. Ich lächelte. Das allein konnte er schon als Ja deuten, er kannte meine Art halt. Wir küssten uns noch einmal, dann brachte er Topar auf den Paddock und ging wieder in den Stall. Mit einem kleinen Lächeln sah ich ihm nach. In dem nun schon fast einem Jahr, in dem wir zusammen waren, hatte ich unsere Beziehung zu schätzen gelernt und Finley war für mich der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Mit ihm fühlte ich mich komplett.
      Bella kam mit Robin aus dem Büro und rissen mich aus meiner Träumerei. Auch Juni hatte ihr Futter aufgefressen und sabberte nun auf meine hell-lilane Reithose. Scheiße. Bella und Robin kamen nun zu mir rüber und ich versuchte, den grau-grünen Sabber so gut es ging zu verdecken. "Darf ich dir unseren neuen Bereiter vorstellen?", fragte Bella grinsend. Ich lächelte etwas verunsichert. Robin verabschiedete sich von uns - auf Deutsch, was mich, ehrlich gesagt überraschte. Als er weg war, fing Bella sofort an zu plappern: "Er kommt aus Kopenhagen, ist aber in Rødby aufgewachsen. Er hat in Kopenhagen studiert und danach die Ausbildung zum Bereiter gemacht. Außerdem hat er in der Schule Deutschland gelernt. Ist das nicht toll? Er reitet schon seit seiner Kindheit auf Isländern und ist schon auf vielen Turnieren geritten..."
      Ich grinste. Gefühlt erzählte sie mir gerade Robins gesamte Lebensgeschichte, die sie offenbar genauestens kannte. "Bella?", unterbrach ich sie. "Ja?", fragte sie verdutzt. "Du bist hochkant in ihn verknallt", sagte ich lachend. "Das stimmt doch gar nicht!", sagte sie empört, aber ich konnte den unsicheren Unterton in ihrer Stimme hören. "Jonas ist seit mehr als zwei Jahren Geschichte", erinnerte ich sie. Bevor sie sich umdrehte, warf sie mir noch einen unsicheren Blick zu und ging dann in Richtung Weide.

      Linns Worte klangen in meinen Ohren nach. Verdammt. Ich hatte diesem Typen vor gerade Mal zwei Stunden kennen gelernt und direkt warf mir meine beste Freundin die Feststellung an den Kopf, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Das schlimmste daran war, es stimmte. Hatte ich das ganze letzte Jahr mit Neid auf Linn und Finley gesehen, waren mir die Beiden mit einem Mal völlig egal. Solange Robin mich beachtete, war ich zufrieden. Zwei Jahre war es her, dass ich mich so gefühlt hatte. Verliebt gefühlt hatte. Seltsam. Manchmal traf einen das aus heiterem Himmel. Robin hatte sich in seine neue Wohnung zurück gezogen. Sein Zeug würde wohl auch bald ankommen und ich hatte mir schon fest vorgenommen ihm beim schleppen und aufbauen zu helfen. Finley und Linn waren mit Meyja und Slaufa auf einem gemeinsamen Ausritt am Strand. Ich konnte mir jetzt aussuchen ob ich mich lieber um Brött und Vina, die Jungpferde, kümmern wollte, einen der Hengste oder eins der Trainingspferde reiten wollte. Ich entschied mich für etwas Ovalbahntraining mit Náttdís und schloss dann eine Dressureinheit mit meinem dicken Plüsch Mayalie an. Während sie am Putzplatz mit der Nase in ihrer Futterschale wühlte, kam auch Robin wieder hinunter. Wir hatten schon besprochen für welche Pferde er zu ständig sein würde, doch eigentlich hatte er heute noch frei um anzukommen. „Wollen wir noch ausreiten?“ Er ging zielstrebig auf mich zu. Es dämmerte bereits und die Sonne würde bald untergehen. Egal, klar wollte ich. Ich bejahte und wir sattelten uns zwei der Hengste. Ich ritt Sólfari, Robin hatte sich Kjarkur ausgesucht. Am liebsten hätte ich jetzt auf Laufey gesessen, doch meine Lieblingsstute war hochträchtig und wurde nicht mehr geritten. Ich freute mich schon auf die Fohlen, die noch auf die Welt kommen würden. Faera zum Beispiel war überfällig. Seit Tagen kam sie Abends in die Geburtsbox, doch noch war nichts passiert. Jetzt ging es erst mal mit Robin an den Strand. Im Sonnenuntergang. Ich hoffte inständig, dass ich Linn nicht begegnen würde, sonst würde ich mich nicht mehr vor ihrem Spott retten können.

      In der Sache mit Bella war ich mir absolut sicher. Allerdings erzählte ich Finley nichts davon, denn ich wusste, dass Bella mich dafür gekillt hätte. Nachdem ich mit Garpur fertig war schaute ich noch kurz nach Vidja. Sie war merklich runder geworden und ich freute mich schon riesig auf ihr erstes Fohlen. Finley war noch mit Snót in der Halle, weshalb ich Færa von der Weide holte. Da die Sonne schon tief stand, musste sie bald in die Box. Sie fand es dort zwar nicht besonders schön und wehrte sich jeden Abend, in den Stall zu gehen, aber wir wollten, dass das Fohlen geschützt auf die Welt kam, da es ihr erstes war. Bis Finley das Training beendete unterhielt ich mich mit Robin, der wirklich gut Deutsch sprach, aber noch sehr zurückhaltend wirkte. Bald zog er sich in seinen Wohnung zurück und ich holte die Halfter von Meyja und Slaufa, um sie von der Weide zu holen. Natürlich musste die Herde ganz am anderen Ende der Weide stehen. Meyja begrüßte mich mit einem freundschaftlichen Schnauben und begann, mich nach Leckerlis zu durchsuchen, während Slaufa sich eher zurück hielt. Ich halfterte die beiden Stuten und schwang mich auf Meyjas Rücken. Wenn die Pferde zu weit draußen standen, ritt ich oft zurück zum Hof, das ging schneller als Laufen. Ich ließ Meyja antölten und Slaufa, die ich als Handpferd nebenher führte, tat es ihr gleich. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Hof erreicht. Finley war mittlerweile mit Snóts Training fertig und sattelte sie gerade ab. Ich putzte Meyja und Slaufa, während Finley Snót versorgte. "Wollten wir mit Sattel oder ohne ausreiten?", fragte ich ihn. "Ohne, das ist viel lustiger", grinste er. Ich trenste die beiden Stuten noch schnell, dann saßen wir auf und ritten gemeinsam vom Hof.

      Linn und Finley waren mit zwei der Stuten weg, ohne Sattel. Robin und ich hatten uns für zwei Hengste entschieden. Seltsam. Noch seltsamer war allerdings der Mix meiner widerstreitenden Gefühle. Schon beim Satteln und Trensen machte sich unsicheres Schweigen breit, das ich nicht wie sonst brechen konnte. Robin sagte nichts. Ich sagte nichts. Schließlich gurteten wir nach und saßen auf. Jetzt bestand das erste Mal die Notwendigkeit zu reden. „Strand oder Wald?“, fragte ich knapp und traute mich endlich Robin anzusehen. Himmel, er sah so gut aus! Schnell wandte ich den Blick wieder ab, es reichte aber noch um sein Grinsen zu sehen, das mit der Antwort einher ging. „Wir haben Strand, das ist wohl keine Frage.“ Sein Grinsen. „Nein Bella, lass das. Du kennst ihn erst ein paar Stunden.“ „Aber er ist so toll.“ „Du benimmst dich als wärst du ein verliebter Teenie.“ „Egal, bei ihm lohnt sich das!“ „Woher willst du das wissen. Denk an Jonas… Denk an Jonas… Denk an Jonas...“ Die Worte hallten in meinem Kopf. Schlimm genug, dass ich mich nach ein paar Stunden Hals über Kopf verliebt hatte, jetzt stritten auch noch meine Gefühle. „Ausblenden, Bella.“ Ich ignorierte die Achterbahnfahrt und ritt an. „Dann komm.“ Es war einfach schön am Strand. Die Sonne versank im Meer und wir begegneten Linn und Finley nicht. Irgendwann brach Robin das Schweigen und das Antworten wurde immer leichter, bis ich mich einfach wohl fühlte. Den Galopp ließen wir zwar auf Grund der Dämmerung ausfallen, doch auf dem Rückweg ritten wir entspannt nebeneinander und redeten über Gott und die Welt. Nachdem wir die Hengste gefüttert und ich meine restliche Arbeit des Tages erledigt hatten, ließ ich mich in meiner Wohnung aufs Sofa fallen. Ich wollte einen Film sehen. Das meine Wahl heute auf den kitschigsten Liebesfilm fiel, den ich besaß, war auch nicht weiter verwunderlich.
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      Die nächsten zwei Tage verliefen völlig normal. Robin fügte sich in den Hofalltag ein, als hätte er schon immer zum Team gehört. Gemeinsam kontrollierten wir die trächtigen Stuten, die inzwischen alle vier Geburtsboxen belegten. Faera, überfällig mit ihrem Fohlen und Vidja, Laufey und Frejka, die noch etwas Zeit hatten, aber ihr erstes Fohlen erwarteten. Währenddessen scheuchte Linn ihre Stute Lykkja über die Ovalbahn und Finley bespaßte die Junghengst Glanni im Roundpen. Ich würde heute noch mit Brött, Blaer, Vina und Klyja arbeiten. Die jungen Stuten standen alle auf verschiedenen Stuten des Einreitens. Brött kannte schon das Gewicht eines Reiters und lernte nun die Hilfen, die drei anderen gewöhnten sich noch an Sattel und Zaumzeug. Dieses Training nahm immer eine Menge Zeit in Anspruch. Ich schaute außerdem eine Weile bei Robins Training mit Alvari zu, während ich mein Mittagessen verspeißte und gönnte mir gegen Abend eines Ausritt mit Hnakki. Ungefähr so sah meine tägliche Routine aus. Viel Arbeit, viel zu organisieren und doch immer wieder schön.
      Wir konnten sogar ein neues Pferd begrüßen. Eine fünf Jahre junge Stute namens LR Pieaches, die wir kören und vielleicht in der Zucht einsetzten wollten. So verstrichen zwei normale Tage, ehe wieder etwas passieren sollte, das ich so schnell nicht vergessen würde.
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      Mitten in der Nacht erwachte ich unruhig. Mehrere Versuche einzuschlafen liefen ins Leere und so zog ich mir schließlich etwas über und wanderte auf den Hof. Nachdem ich eine Weile Hnakkis Nase gekrault hatte, die aus der Boxentür lugte und sah, dass Sólfari sich bei meiner Ankunft vertrauensvoll zum schlafen hinlegte, kam ich schließlich auf die Idee bei Faera, Laufey, Frejka und Vidja vorbei zu schauen.
      Leise öffnete ich die Stalltür. Sofort fiel mir ein kleines Licht auf, das im Stall brannte. Ich trat vorsichtig und misstrauisch ein. Vidja lugte mir entgegen und verlangte direkt mit einem auffordernden Blick nach Streicheleinheiten, doch die Szene, die sich in Faeras Box abspielte, verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Eine einzelne Taschenlampe spendete spärliches Licht, doch es reichte um die Gestalt zu erkennen, die am Kopf der liegenden Stute kniete. „Robin?“ Mein flüstern war heiser und besorgt. „Was um Himmels Willen…?“ „Psst. Komm her. Hilf mir. Das Fohlen...“ Ich hatte es gewusst, nein, ich hatte es gespürt. Und er auch. Ich öffnete mit fahrigen Fingern die Boxentür und kniete mich neben Robin ins Stroh. Eigentlich hätte Faera alles problemlos meistern müssen, es war bereits ihr zweites Fohlen, doch hier lief irgendetwas gewaltig schief. Ich ahnte böses und sah Robin an. „Liegt irgendwie falsch?“ „Höchstwahrscheinlich.“ „Scheiße.“, und einen Moment später „Wir brauchen einen Tierarzt!“ „Klar, aber der kommt unter Garantie zu spät.“ Ich bewunderte ihn für sein ruhiges und besonnenes Handeln. „Faera muss aufstehen. Manchmal korrigiert sich das Fohlen dann selbst. Wir können nur hoffen und ihr Platz machen.“ Er sprach leise und in ruhigem Ton. Ich wusste nicht, ob er mich oder Faera beruhigen wollte, aber in jedem Fall funktionierte es. Wir zogen uns in eine Ecke zurück und warteten darauf, dass Faeras natürliche Instinkte griffen. Ich konnte sehen wie sich die Muskeln bei den einzelnen Wehen verkrampften. Noch lag sie im Stroh. Die folgenden zehn Minuten waren die längsten meines Lebens. Ein zittern durchlief die Stute und sie begann sich hochzustämmen. Ich glaubte nicht daran, dass das Fohlen sich von selbst in seiner Lage korrigieren würde. Warum hatte ich bloß keinen TA zum Check-Up bestellt, dann wäre so etwas gar nicht erst passiert. Während ich mir noch Selbstvorwürfe machte, war Robin schon aus der Boxenecke aufgestanden. „Wir können ihr nur noch helfen das Fohlen raus zu bekommen und hoffen, dass es nicht erstickt.“ Langsam kehre mein Verstand zurück und auch ich richtete mich auf. Jetzt kam der Teil bei dem ich wenigstens halbwegs wusste was zu tun war. Die nächste Stunde blieb mir nur noch mit Schweißgeruch und Blut in Erinnerung, aber dann war es geschafft. Ein zitterndes, kleines Wesen lag im Stroh. Nicht erstickt, nicht missgestaltet, ein wunderschönes, kleines Stutfohlen mit einer breiten, weißen Blässe. Auch Faera schien wohlauf, denn sie war sofort bei ihren Fohlen und machte einen gesunden Eindruck. Ohne etwas zu sagen verließen wir die Box. „Væna.”, meinte ich schließlich. „Die Liebliche, die Hoffnungsträgerin.“ Damit stand der Name fest. Robin sah mich an. Nicht flüchtig. Er sah mir in die Augen. Ich war Müde, ich konnte dem Blick nicht standhalten ohne mich völlig zu zu blamieren. Verdammt, drei Tage hatten gereicht mir den Rest zu geben. Er stand einfach nur da, sah mir mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht an. Sein Hemd war verschmiert mit dem Blut der fohlenden Stute und ich sah wahrscheinlich nicht besser aus. Zwei Schritte Distanz trennten uns. Er überbrückte sie im Bruchteil einer Sekunde, doch für mich lief alles in Zeitlupe ab. Zwei Schritte, kein Zögern. Und dann küsste er mich. Einfach so. Keine Liebeserklärungen, keine hochroten Gesichter. Einfach nur ein Kuss, der reichte um alles zu sagen.
      Ich wusste nicht wie spät es war. Ich hatte die ganze Zeit einfach nur funktioniert. Wir hatten nicht gesprochen, nur nebeneinander gearbeitet und versucht das bestmögliche aus der Situation zu machen. Jetzt viel die ganze Anspannung von mir ab und ich fing einfach an seiner Schulter an zu heulen. Etwas unbeholfen tröstete er mich. Als wir den Stall schließlich verließen um uns um einen Tierarzt zu kümmern und noch etwas zu schlafen, ging über Rømø Die Sonne auf.

      Einreiten von Brött – Teil II, Satteltraining mit Kylja, Vina & Blear, Ausritt mit Vin
      Mai 2016, by BellaS

      „Uff.“ Robin stöhnte. „Ich hasse das.“ Quer über dem Rücken eines Pferdes zu hängen, war auch wirklich kein schöner Job. Ich kante und hasste ihn. Daher stand ich auch am anderen Ende der Longe und dirigierte Brött, die zum Glück ganz gelassen blieb. Sandsäcke hatten wir schon durch, Langzügel auch. Jetzt war Lektion drei, Mensch hängend, dran. Wie immer hatten wir vorher gearbeitet, daher blieb sie nun ruhig stehen und machte keine diversen Kapriolen oder Bocksprünge. Brött war intelligent und arbeitete immer dann brav mit, wenn sie permanent gefordert wurde. Ruhephasen waren nicht ihre Sache. So suggerierte ich Robin schnell, dass er sich aufsetzen sollte. Reiten an der Longe auf einem jungen Pferd. Immer ein schönes Training für das Gleichgewicht ohne Sattel. Wenn sich das Pferd benehmen konnte, war das der Teil um den ich meinem Freund beneidete. Schritt klappte, Trab klappte, sogar galoppieren mit Reiter erledigte Brött, als sei das nichts besonderes oder neues für sie. Dann reichte es für heute. Morgen kam dann die nächste Lektion, Mensch im Sattel, dann Mensch mit Sattel und Zügeln, dann Mensch oben drauf ohne Longe. Ab diesem Punkt würde ich selbst wahrscheinlich wieder reiten, da ich es hasste, wenn ich zusehen musste, wie andere das erste Mal auf einem verwirrten Jungpferd saßen und sich beim kritischen Punkt durchsetzen mussten. Dieses erste Lösen der Longe war der kritische Punkt. Immer. Hatte das Pferd des Sandsack verkraftet und das Lösen der Longe problemlos überstanden, das das gröbste des Einreitens geschafft und man hatte im Normalfall ein Pferd, dass nicht von unfähigen Menschen traumatisiert war. Einreiten war nicht schwierig und doch eine Kunst. Man brauchte Gefühl fürs Pferd. Das war das, was wirklich zählte.
      Nach einigen Tagen war es schließlich soweit. Ein inneres Kribbeln kündigte den kritischen Punkt an. Robin öffnete langsam den Karabiner der Longe und trat sehr langsam zurück. Brött stand wie versteinert und ich wartete, bis Robin den Roundpen verlassen hatte. Erst jetzt gab ich der Stute behutsam eine treibende Hilfe. Verwirrung, Rebellion. Das waren die Phasen, die genau so eintraten. Zum Glück blieb es bei einem Bocksprung, bis sie sich an alles erinnerte, was wir geübt hatten.
      In den nächsten Wochen folgte dann alles, was sonst noch zum Einreiten gehörte. Das erlernen der Hilfen, ein wenig Respekt. Allerdings ließ ich mir hierfür Zeit. Ein Luxus den man nicht hatte, wenn man fremde Pferde einritt. Grundsätzlich war es schön in der bekannten Umgebung arbeiten zu können und das Training des Jungpferdes voll und ganz in den normalen Alltag einzubinden. Das gab mir innere Ruhe und Brött alle Sicherheit, die sie brauchte. Nebenbei war ich auch mit drei anderen, jungen Stuten an verschiedenen Punkten im Prozess des Einreitens angelangt. Kylja trug die Trense inzwischen mehrere Stunden am Stück bei der Arbeit und lerne gerade den Sattel kennen. Die etwas jüngeren Stuten, Vina und Blear, wurden gerade vom Halfter auf die Trense und das Gebiss umgestellt. Wo momentan im Training der Körungsanwerter Leerlauf herrschte, würde in naher Zukunft wieder Stress an der Tagesordnung sein. Ich arbeitete gerade mit Kylja am Langzügel, als Robin an die Bande des Reitplatzes trat. Kylja trug schon den abgewetzten Sattel, den ich zur Gewöhnung nutze, und lerne gerade Zügelhilfen. Bald würde sie dort angekommen sein, wo ich vor vier Wochen noch mit Brött stand. „Bella. Lust auf einen Ausritt?“ „Klar. Ich mache das hier eben noch fertig.“ Demonstrativ hielt ich sie Zügel in die Höhe. „Wie wäre es, wenn ich Brött nehmen würde. Sie muss langsam mal unter den Reiter raus. Wenn du Vin reitest, hat die Kleine Sicherheit und die Zicke hat ihre Bewegung.“ Robin grinste. „Vin klingt nett. Ich mache die Beiden eben reitfertig. Stress dich nicht.“
      Eine halbe Stunde später war ich tatsächlich im Begriff aufzusitzen. Stillstehen klappte inzwischen, sodass ich vorbildlich aufsitzen konnte. Vin meinte natürlich mal wieder hampeln zu müssen, aber nach einer kleinen Ansage von Robin stand auch die ältere Stute still. Hach, mein Freund war schon ein cooler Reiter und immer wenn er autoritär wurde….. Kaum glitten meine Gedanken in die Welt der Fantasie, wollte Brött die Chance nutzen und sich selbstständig machen. Ich würde mein Hirn wohl in der Gegenwart halten müssen, damit alles klappte. Wir ritten zum Strand und gewannen mit jedem Meter mehr Selbstbewusstsein, sodass wir, trotz Hunden und Strandbuggy-Fahrer einen kleinen Galopp einlegen konnten. Erster Ausritt gemeistert und ein geländesicheres, eingerittenes Pferd mehr im Trainingsstall.

      Fohlenzeit
      Juli 2016, by AlfurElfe & BellaS

      Bellas Sicht
      Ich stand am Zaun der Wattweide und hing meinen Gedanken nach. Verträumt betrachtete ich die kleine Vaena, die inzwischen fast vier Wochen alt war. Ganze vier Wochen waren vergangen, seit Robin mich geküsst hatte. Wie immer, wenn ich an ihn dachte, überließ mich ein angenehmer Schauder. Es war eindeutig nicht bei diesem einen Kuss geblieben… Schön, meine Fantasien mussten warten, jetzt waren meine Schützlinge dran. Vidja war seit Wochen wirklich überfällig. Das Fohlen, dessen Vater ein junger Hengst eine befreundeten Züchterin namens Ljóski war, meinte offensichtlich sich Zeit lassen zu müssen. Diese Tatsache kostete Linn jeden Tag mehr Nerven. Sie konnte die Geburt kaum mehr erwartet und mit jeder weiteren Woche, die der gedachte Termin überschritten wurde, wurde die Sorge um ihre Stute in ihren Augen deutlicher. Auch Frejka und Laufey bewohnten noch die Geburtsboxen, aber beide waren noch nicht überfällig. Im Gegenteil, gerade Laufey hatte eher noch etwas Zeit, aber bei ihrer unvorsichtigen Art hatte ich lieber zu früh als zu spät angefangen, sie nachts in die Box zu stellen. Wobei ich das bisher noch nicht konsequent durchgehalten hatte. Die letzten, sehr sommerlichen, Tage hatte Laufey noch auf der Wattweide verbracht, da ich zu faul war mir jeden Abend das „ich will aber nicht rein“-Spiel anzutun. Ich sammelte das Halfter auf, das mir aus der Hand gefallen war und holte Stássa. Seit Silfurtoppa abgesetzt worden war, war sie etwas lethargisch und ich wollte meine Stute endlich wieder auf Trab bringen. Seit der Geburt ihres zweiten Fohlen war sie noch nicht wieder geritten worden. Ich hatte einfach zu viel zu tun gehabt und sie quasi vergessen. Thowra hatte ich vor kurzem verkauft und auch Fjara hatte bereits einen neuen Besitzer und würde uns in naher Zukunft verlassen. Stássa war dabei ein wenig ins Hintertreffen geraten. Wahrscheinlich war auch ihre Kondition im Eimer, sodass heute nur ein kurzer Schrittausritt zum Strand drin war. Ohne Sattel, da sie noch immer etwas dicker war, als gewöhnlich. Das rührte zwar eher von der Überweidung, als von der Trächtigkeit her, doch ich wollte dem Sattel nicht schaden. Mit dem Training würde sich auch ihre Figur verbessern.

      Linns Sicht
      "BELLAAA!", rief ich quer über den Hof. Na toll. Immer, wenn man sie brauchte, konnte man sie nicht finden. Das verschlechterte meine Laune noch mehr, obwohl das schon fast garnicht mehr ging. Ich suchte den ganzen Hof ab und fand sie schließlich am Zaun der großen Weide. Verträumt beobachtete sie die spielenden Fohlen. "Hörst du schlecht oder WAS? Viðjas Fohlen kommt!", schnauzte ich sie an. Skeptisch sah sie mich an. "Bist du dir ganz sicher?", fragte sie. Ich nickte. "Du weißt schon, dass die meisten Fohlen nicht nachmittags auf die Welt kommen, oder?", fragte sie mich. "Jaaa, Bella, ich bin auch nicht ganz unerfahren, aber Nachmittag ist doch besser als wenn man nachts deswegen aus dem Bett geworfen wird. Und jetzt komm, sonst verpassen wir es noch!" Gemeinsam trabten wir hinüber zum Stall, den wir leise betraten. Bella schrieb noch schnell Finley und Robin, die gerade mit Snót und Kjarkur am Strand waren, dass die Geburt anfing, dann gesellte sie sich zu mir an die Boxenwand. Pferdegeburten waren zugleich eine schönsten und eine der ekligsten Sachen, die ich je gesehen hatte. Doch da es das Fohlen meiner Lieblingsstute war, war die Geburt doch ein Erlebnis. Viðja hatte sich inzwischen hingelegt und man konnte bereits die beiden kleinen Vorderhufe sehen. Ich hoffte inständig, dass es nicht so kompliziert wie bei Vænas Geburt werden würde. Als schließlich ein kleines Scheckfohlen im Stroh lag, war Bella kaum zu halten, denn ich hatte ihr das Fohlen versprochen. Viðja leckte das kleine ab, bevor es das erste mal versuchte, auf seinen stelzigen Beinen zu stehen. "Es ist ein Hengst!", flüsterte Bella. Ich grinste. "Wie wäre es mit 'Ljósfari', der, der mit dem Licht reist?", schlug ich vor. "Ja, das ist ein toller Name! Ich rufe gleich Occu an und erzähle es ihr!", sagte sie, vielleicht doch etwas zu laut, warf dem kleinen Hengst, der nun schon mit dem Trinken begonnen hatte, noch einen verliebten Blick zu und verschwand dann aus dem Stall.

      Bellas Sicht
      Als ich die alte Scheune verließ, war es erst später Nachmittag. Dass Vidja heute drinnen gestanden hatte, war wohl Vorsehung gewesen. Laufey und Frejka wanderten jedenfalls noch auf der Wattweide umher. Ich war glücklich. Ein gesundes Fohlen auf die Welt kommen zu sehen löste immer wieder ein wunderbares Gefühl in mir aus. Ich schlenderte am Zaun der großen Wattweide entlang und traf schließlich auf Robin. Er war offensichtlich gerade von seinem Ausritt mit Finley zurück gekehrt und kam mir nun mit neugierigem Blick entgegen. „Ein Hengst. Ljósfari haben wir ihn getauft.“, erzählte ich schnell, bevor mein Freund fragen konnte. „Und das beste daran: Meiner!“ Er grinste und küsste mich einfach auf den Mund. Gut, dass uns hier keiner sah. Vor den anderen herumzuknutschen schien mir noch immer unpassend. Zwar waren auch Linn und Finley zusammen, doch ich mochte es trotzdem nicht. „Ach Bella. Entspann dich doch mal.“ Und wie immer hatte Robin recht. Ich wollte gerade meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn lenken, als Laufey in mein Blickfeld getrottet kam. Normalerweise hätte mich das nicht davon abgehalten, Robin zu fokussieren, doch irgendetwas mit meiner Stute stimmte nicht. Ich liebte Laufey. Drohten mich meine Gefühle zu überwältigen, half es mir immer mit ihr auszureiten. Sie kannte mich, in alle Situationen und das hatte zur Folge gehabt, dass auch ich sie kannte. „Mit ihr stimmt etwas nicht.“ Robin war nun vollkommen nebensächlich und ich trat an den Zaun der Wattweide. „Hey, Feechen, komm mal her.“ Sie reagierte. Nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Ich kletterte über den Zaun und nahm sie einmal komplett in Augenschein, um gleich darauf einen riesigen Schrecken zu bekommen. Ihr Schweif war blutverkrustet. Nach Luft schnappend suchte ich schnell nach der Ursache. Sie blutete nicht mehr. Die Geburt hatte also noch nicht begonnen. Hätte sie ihr Fohlen allerdings schon alleine auf der Weide bekommen, wäre es jetzt bei ihr. „Robin... Oh scheiße.“ Viel mehr fiel mir im Moment nicht ein. „Bitte lass es nicht das sein, was ich denke, dass es ist….“, betete ich still und fieberhaft. Erst jetzt ließ ich den Blick angstvoll über die Wattweide schweifen und er blieb an etwas hängen, das meine Angst in pure Freude verwandelte. Ein goldenes Etwas kam auf Laufey zugesprungen und forderte konsequent etwas zu Essen ein. Das Fohlen musste schon gestern, oder vorgestern auf die Welt gekommen sein, denn es war bereits sehr sicher auf den Beinen. Außerdem hatte die kleine, goldene Stute wohl ziemlich fiel von ihrer Mama abbekommen. Das erkläre, warum sie schon jetzt alleine herum hüpfte und sich von Laufey entfernte. Kaum war die kleine wieder in Sicht, blühte auch meine Fee wieder auf. Stolz stupste sie ihre Tochter an. Glück im Doppelpack!
      Halastjarna, Sternschnuppe, hatte ich Laufeys Fohlen genannt. Das Abzeichen auf der Stirn und die schicke, goldene Färbung hatten den Ausschlag gegeben. Zwar hasste Linn Namen für Pferde, die mehr als drei Silben hatten, doch das war mir mal wieder reichlich egal gewesen. Bei Linns Stuten durfte sie schließlich die Namen auch selbst aussuchen. Auch wenn ich gerne noch länger am Zaun der Weide gelehnt hätte, wartete doch wieder die Arbeit auf mich. Wir hatten zwei Neuzugänge und zwei Pferde vom Körservice, die umsorgt werden wollten. Die Isländerstuten Fenja und Luna hatte ich beide in mäßigem Zustand für wenig Geld in Verkaufsställen entdeckt. Luna wollte ich allerdings nur kören und dann wieder verkaufen, Fenja hingegen hatte ich lieb gewonnen. Sie war es auch, die ich nun bewegen würde. Ich sattelte sie schnell und putze auch Tilviljun über. Beide Stuten waren im Galopp sehr schnell und so konnte ich Juni gut als Handpferd mitnehmen, denn sie kam wenigstens hinterher. Währenddessen plagte sich Linn in der Halle mit der halben Fohlenherde ab. Sie hatte den großen Gymnastikballl am Start und Hlín, Litfari, Silfurtoppa und Glanni tobten munter mit ihr im Sand herum. Ich sagte ihr kurz Bescheid, dass ich ausreiten würde und scheuchte Finley von der Bande, auf der er es sich bequem gemacht hatte. „Könntest du bitte dafür sorgen, dass die Hengste rauskommen? Alvari, Uprising, Blossi und Sólfari müsstest du zusammen stellen können. Außerdem wäre es cool, wenn du noch Topar ein bisschen Bewegung angedeihen lassen könntest. Der zerlegt noch seine Box.“ Ich ließ meine Worte so im Raum stehen und marschierte nach draußen um endlich meinen Ausritt anzutreten. Eigentlich hatten wir viel zu viele Pferde für uns vier Leute. Wir schafften es nie, jeden Tag alle zu bewegen. Keine Chance.

      Robins Sicht
      Ich konnte Bella nur Recht geben. Wir hatten einfach zu viele Pferde für vier Personen. Auch wenn ich einige Pferde durchaus vermissen würde, war es doch gut, dass meine Freundin vor hatte etwas zu verkleinern. Er würde uns sonst irgendwann einfach über den Kopf wachsen – sofern das nicht schon längst passiert war. Im Gegensatz zu Bella hatte ich ja „nur“ vier Pferde zu versorgen, von denen Frejka auch noch trächtig war und deshalb nicht geritten werden musste. Zuwendung brauchte sie natürlich trotzdem, weshalb ich auch im Moment auf dem Weg zu den Geburtsboxen war, um noch einmal nach ihr zu sehen. Kjarkur hatte ich heute schon bewegt, mit Black Lemontree war ich auch auf der Ovalbahn gewesen und mit Faera war ich dabei die Kondition wieder aufzubauen, die sie nach zwei aufeinanderfolgenden Trächtigkeiten verloren hatte. Außerdem hatte ich mit Kylja, Vina und Blaer weiter daran gearbeitet Sattel und Zaumzeug zu akzeptieren, was gerade bei der letzten der drei Stuten eine echte Herausforderung darstellte. Viel mehr schaffte kein Normalsterblicher an einem Tag, wenn man auch hin und wieder eine Pause machen wollte. Bella hatte also eigentlich überhaupt keine Chance ihre 15 Pferde zu bewegen, auch wenn manche noch nicht geritten werden mussten oder mit Trächtigkeit oder jungen Fohlen ausfielen. Ich bewunderte sie schon jetzt für ihre Ausdauer, sich jeden Tag wieder an die Arbeit zu machen und zusätzlich auch noch alles zu erledigen, was man so tun musste, wenn man einen Hof führte. Mittlerweile war es dämmrig. Kein Wunder, auch im Sommer ging die Sonne irgendwann unter und ein Blick auf meine Armbanduhr sagte mir, dass es bereits halb zehn war. Ich öffnete die knarrende Tür und wurde direkt von Laufey und Vidja begrüßt, die mitsamt Nachwuchs drinnen nächtigten. Frejka jedoch war von der Tür aus nicht zu sehen. Ich spähte in ihre Box und stöhnte sogleich halb begeistert, halb entnervt auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Schnell schnappte ich mir mein Handy und tippte eine Nachricht an die Hof-Gruppe. „Frejka ist scheinbar auch noch dran.“ Fünf Minuten später standen Linn und Finley neben mir, Bella kam kurz darauf und brachte direkt Kaffee und Brötchen mit. „Könnte eine lange Nacht werde.“, meine sie nur schulterzuckend. Kurz nach Mitternacht brachte auch Faera ihr Fohlen zur Welt. Fáfnir tauften wir den kleinen Hengst, ehe wir allesamt in unsere Betten fielen. Drei Fohlen an einem einzigen Tag, auch wenn sie offiziell jeder an einem anderen Tag geboren worden waren. Halastjarna am 11.07, Ljósfari am 12.07 und Fáfnir am 13.07. Damit war der Fohlenwahnsinn nun hoffentlich beendet. Bald würden wir sogar schon für die kommende Saison decken. Wieder Sommerfohlen, allerdings von anderen Stuten. Die Verpaarungen Náttdis – Hnakki und Slaufa – Alvari standen bereits fest und auch Meyja sollte ein Fohlen bekommen. Doch jetzt dürfte erstmal ein Jahr Ruhe sein.

      Ein Wirbelwind
      August 2016, by BellaS

      Wie eigentlich jeden Morgen nach dem Frühstück wanderte ich mit mindestens einem Halfter in Richtung Wattweide um mindestens ein Pferd zum Training zu holen. Heute sollte als erstes Nátti dran glauben und dementsprechend hielt ich das obligatorisch lila-pinke Halfter in der Hand. Dass jedes meiner Pferde eine eigene Farbe für Halfter Schabracke und Dekoteile der Trense hatte, hatte sich irgendwie einfach so ergeben. So trug Sólfari zum Beispiel dunkelblau, Hnakki giftgrün und Laufey orange. Die Jungpferde bekamen mit dem ersten eigenen Sattel und der ersten eigenen Trense ihre Farbe zugewiesen, doch ich war so lange nicht mehr auf dem Festland einkaufen gewesen, dass einigen Pferden noch immer eigene Trensen fehlten. Brött zum Beispiel wurde schon länger geritten und war nur mit unserer grau-weißen Standartschabtracke ausgestattet. Auch Blaer sollte bald ihre eigenen Sachen bekommen und Fenja und Luna fehlte auch noch alles. Es war höchste Zeit für einen Trip nach Deutschland, da ich dort viel lieber Pferdesachen kaufte, als hier in Dänemark. Warum wusste ich auch nicht so genau, aber wenn man nah an der Grenze wohnte, konnte man sich das leisten. So in Gedanken versunken wanderte ich am Weidezaun entlang zum Tor und schrk plötzlich zusammen, als neben mir eine fremde Stimme ertönte. „Entschuldigen sie. Kennen sie sich auf diesem Hof aus?“ Überrascht drehte ich mich zu der unbekannten Frau um und musterte sie. Sie hatte mich auf englisch angesprochen. Urlauberin also. „Muss ich wohl. Ich bin die Eigentümerin.“, erwiderte ich automatisch in der selben Sprache. Wenn man mehrere Jahre in Schottland gelebt hatte, in Deutschland aufgewachsen war und nun in Dänemark wohnte, fiel einem das Wechseln zwischen den Sprachen leicht. „Oh gut.“, freute sie sich. „Ich würde gerne wissen ob es möglich ist, hier Reitunterricht zu nehmen.“ Ich war nun wirklich verwundert. Wir boten keinen Unterricht an und normalerweise nutzen die Touristen so oder so zum reiten den Hof Kommandørgården, da er zur gleichnamigen und einzigen Hotelkette dieser Insel gehörte. Wieso kam diese Frau also zu uns, die wir uns sowohl im Internet als auch am Tor als reinen Zuchtbetrieb ausgewiesen hatten. „Eigentlich sind wir hier nur ein reiner Zucht und Trainingsbetrieb. Wenn sie Unterricht oder Ausritte für...“ Aber weiter kam ich nicht, denn eine begeisterte Kinderstimme unterbrach mich. „Mama, guck mal. Frag mal ob ich die reiten darf. Die ist sooo süß!“ Erst jetzt bemerkte ich das ungefähr 10 Jahre alte Mädchen, das am Zaun stand und Koni an der Nase kraulte. „Unser Kinderpony.“, dachte ich amüsiert und realisierte erst jetzt, dass das Mädchen deutsch gesprochen hatte. „Sie sind aus Deutschland?“, fragte ich, jetzt ebenfalls in meiner Muttersprache sprechend. Erfreut hob die Frau, die offenbar die Mutter der Kleinen war den Kopf. „Ja, sind wir. Sie scheinbar auch. Sie sprechen sehr gutes Deutsch. Akzentfrei.“ „Muttersprachlerin. Hannoveranerraum.“, erklärte ich mich, nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Immerhin war Hannover für das beinahe reinste Hochdeutsch bekannt. Das hatten mir auch zwei andere Sprachen, die ich alltäglich sprach, nicht nehmen können. Ich dachte auch noch auf Deutsch, während Linn im Kopf wahrscheinlich inzwischen bei dänisch war. Die Frau grinste. „Wir kommen aus Kiel. Ach ja. Mein Name ist Marion Hofer und das“, sie deutete auf das Mädchen, „ist Amelie, meine Tochter.“ „Und dann Urlaub an der Nordsee.“ Ich war etwas überrascht. Wenn man sowieso schon am Meer wohnte, musste man doch nicht an einem Meer Urlaub machen, das genauso wenig zum schwimmen geeignet war. „Ähm, also... ja. Warum auch nicht? Und Sie haben mir die Frage zum Thema Reitunterricht noch nicht beantwortet.“ Frau Hofer wich mir aus, das war klar, aber meine Neugierde war hier auch fehl am Platz. Erstmal vorstellen wäre vielleicht angebracht. Und dann die Frage beantworten. Oder anders herum? „Ich heiße Annabell Schmidemann. Und ich wollte meinen Satz gerade beenden. Wir geben eigentlich keinen Reitunterricht. Wenden sie sich an Kommandørgården. „Von dort kommen wir bereits.“ Frau Hofers Stirn legte sich in Falten. „Die Bedingungen der Touristenpferde sind an vielen Stellen unmöglich. Unpassendes Sattelzeug, verletzte Pferde.“ „Oh. Sie kennen sich aus?“ „Natürlich. Ich reite seit ich so alt bin wie meine Tochter jetzt.“ Das Lächeln stahl sich zurück auf ihre Lippen. „Und ich bin Tierärztin.“
      „Wie? Was? Tierätztin?“, erklang plötzlich eine andere, vertraute Stimme hinter mir. Robin. Natürlich. „Wir könnten eine gebrauchen. Topar der Irre hat sich...“ „Langsam Robin. Das sind Urlauber.“, hielt ich ihn zurück, doch Frau Hofer sah in bereits in Bereitschafthaltung an. „Ähm. Frau Hofer. Sie sind im Urlaub und überhaupt...“ Mir war gar nicht wohl dabei, eine Fremde an meine Pferde zu lassen, nur weil sie sich als Tierärztin vorgestellt hatte. „Marion und Unsinn. Natürlich schaue ich mir das Pferd an. Topar.“ „Danke.“ Robin war wieder schneller als mein dämliches Misstrauen und nahm Marion mit. Ich blieb mit Amelie an der Wattweide zurück. „Na dann. Wenn deine Mutter uns schon einen Gefallen tut… Sie heißt Vinkona. Du hast ja eben schon verkündet, dass du sie reiten möchtest.“ Das Gesicht des Mädchens hellte sich auf. „Wie als bist du? Zehn?“ „Elf.“, kam es empört von Amelie und ich musste grinsen. „Und du kannst schon reiten?“ „Na klar!“
      ~
      Ich folgte dem großen, dunkelhaarigen Mann, den Annabell als Robin bezeichnet hatte. Es ging offensichtlich um einen Hengst, denn er hatte ‚der‘ Irre gesagt. Und scheinbar ging es um ein Tier, das häufiger Probleme machte oder hatte. Ich wurde zu einem Anbindeplatz geführt und erkannte das Problem sofort. Der Hengst hatte sich eine lange Wunde am rechten Vorderbein zugezogen. Sofort trat ich heran und besah sie mir genauer. Recht frisch.Maximal zwei Stunden alt, noch offen und relativ tief. Warum hatte ich meine Sachen jetzt verdammt nochmal nicht zur Hand? Als improvisieren. „Haben sie Wasserstoffperoxid 3%?“ Er verneinte. Robin sprach und verstand Deutsch, allerdings die Standartausführung, die man in der Schule oder einem Sprachkurs lernte, verfeinert durch regelmäßige Benutzung. „Teebeutel? Salbei oder Kamille?“ „Ja. Sogar in der Stallapoteke.“ Ah super. Und es wäre super, wenn Sie schon Wasser heiß machen könnten.“ „Kommen Sie mit.“ Während er in eine Richtung davon eilte und ich ihm folgte, begann ich mich umzusehen. Ein ordentlicher Hof, keine Gefahrenquellen für Pferde, gepflegte Pferdenasen die die Aussicht aus ihren großzügigen Boxen genossen. Ein guter Eindruck.
      Die besagte Stallapoteke befand sich, genau wie der Wasserkocher, in der Futterkammer. In dem ausrangierten Medizinschrank entdeckte ich neben dem Tee auch noch einige Salben, nicht brennendes Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Drachenblutpflaster. Perfekt. Während Robin sich um die Teebeutel, zwei, Kamille, kümmerte, desinfizierte ich die Wunde schon einmal. Es fehlte zum Glück ein Stück Haut. Ein Hautlappen wäre unter diesen, nicht ganz idealen Bedingungen eher zur Brutstätte für unvorteilhafte Bakterien geworden. Schließlich drückte ich die Teebeutel, die gezogen hatten, auf die Wunde und sprühte etwas von der Drachenblutpflaster-Tinktur darauf. Diese hatten den Vorteil die Wunde desinfiziert zu halten und die Wundheilung zu beschleunigen, dabei aber kein Vakuum für lustiges Bakterienwachstum zu erzeugen. „So. das hätten wir. Und es wäre wahrscheinlich ganz sinnvoll rauszukriegen woran er sich verletzt hat.“ Erst jetzt viel mir auf, dass ich Amelie ganz vergessen hatte, doch bevor ich in Panik ausbrechen konnte, sah ich meine Tochter mit der Apfelschimmelstute am Strick auf den Anbinder zumarschieren. Annabell hatte sich offenbar doch zu einer Reitstunde bereit erklärt.
      ~

      Wie geanu es dazu kam, kann ich nicht mehr ganz genau sagen. In jedem Fall tauchten Marion und Amelie in den nächsten zwei Wochen beinahe täglich bei uns auf und wurden zur echten Hilfe, sowie zu guten Freunden. Auch Linn und Finley mochten die zwei auf Anhieb, sodass es bald völlig normal war, sie bei uns auf dem Hof anzutreffen. Schließlich fiel mir jedoch auf, dass die Sommerferien in Deutschland bereits seit einer Woche vorbei waren. Was machten die Zwei also noch hier? Amelie musste auf jeden Fall zur Schule! Mein Misstrauen, das sich in den letzten Wochen verflüchtigt hatte, kehrte mit einem Schlag zurück. Doch bevor ich in misstrauische Grübelei versinken konnte, beschloss ich einfach zu fragen. Ich passte Marion alleine ab, die entsetzt reagierte. Etwas schien sie einzuholen, sodass ich sie oben in meiner Wohnung aufs Sofa platziert und schließlich die ganze Geschichte verlangte, wie sie auch lauten würde.
      Dass ich schließlich eine Geschichte von einer Scheidung, häuslicher Gewallt und einer überstürzten Flucht hören würde, war mir bis zu diesem Moment nicht klar gewesen. Tja, und ungefähr so kam es, dass Amelie in die sechste Klasse einer Schule auf dem Festland angemeldet wurde und sie mit Marion die freie Dachwohnung bezog. So konnte es kommen und dass das Team erweitert wurde, störte bei den Unmengen an anfallender Arbeit auch wirklich keinen. Marion konnte sogar ihre Arbeit als Tierärztin wieder aufnehmen, da wir auf Amelie aufpassten, wenn sie weg war. Sie war ein kleiner Wirbelwind, der uns allen ordentlich Schwung verpasste. Und wir alle liebten sie, Amelie wie ihre Mutter.
    • AliciaFarina
      Ihr Leben bei Bella III
      Hufschmiedbericht
      September 2016, by Sosox3

      Nach zwei Tagen in Norwegen machte ich mich weiter zu meinem nächsten Kunden, naja eher Kundin. Ich wurde herzlich von ihr empfangen und wir sprachen ein wenig über unsere Arbeit. Auch über Rachels letzten Besuch in Dänemark. Scheinbar hatte sie sehr viel preisgegeben und konnte sich dennoch nicht richtig entscheiden, was sie denn jetzt züchten wollte. Doch unser Gespräch lenkte sich immer mehr in Richtung Arbeit. Ich seufzte. „Wer ist denn der erste?“, fragte ich neugierig, da es hieß, ich würde heute nicht nur Isländer bearbeiten. „Romulus, ein Paso Fino. Ich bringe dich gerade zu ihm“, sagte Anabell zu mir und begleitete mich zu ihrem Putzplatz. Dort breitete ich schon mal meine Utensilien aus, während die junge Frau ihren Braunen zu mir führte. „Was braucht der Hübsche denn?“ „Nur eine Kontrolle und die Hufe sollten gekürzt werden. Ich bin in der Zeit gerade die Fohlen am bespaßen.“ Ich nickte und kratzte ihm zuerst die Hufe aus um sie dann einer ordentlichen Kontrolle zu unterziehen. Er wies ziemlich harte Hufe vor und hatte eine leichte Fehlstellung hinten links, die ich im Laufe der Bearbeitung noch bearbeiten würde. Hier und da tänzelte er mal und erwies sich als etwas temperamentvoller als ich zu Anfang dachte. Es dauerte also ein wenig länger bis ich ihm die Hufe ordentlich gekürzt hatte. Kurz darauf rief ich seine Besitzerin an, welche mir sagte, dass ich gleich das nächste Pferd empfangen würde. Einer ihrer Stallburschen würde Romulus nehmen und mir dann Fenja bringen. Sie würde genau dasselbe bekommen.
      Fenja war noch beschlagen, also musste ich ihr erst die Eisen abnehmen und ihre Hufe dann säubern. Beim ersten Blick fielen mir dann auch schon ihre viel zu langen Hufe auf, die auch noch in einem optimalen Zustand waren. Bei der Kontrolle fiel mir dann vorne links eine Fehlstellung auf, die ich gleich bearbeitete beim Kürzen. Auch sie war eher eine von der unruhigen Sorte, genau wie Romulus. Doch hielt mich das nicht von meiner Arbeit auf. Nach dem Feilen brachte mir der gleiche Stallbursche eine Isländerstute namens Brött.
      Genau wie die zwei vorherigen war sie etwas übermütig und was alles noch schwieriger machte, war ihre Unwissenheit gegenüber mir, dem Schmied. Es machte alles zwar ein wenig schwieriger und komplexer, denn sie hatte ziemlich lange Hufe, die dringend gemacht werden mussten. Die Kontrolle verlief sehr gut und sie konnte keine Fehlstellungen aufweisen, so machte ich mich dann ans kürzen. Dem Horrortrip wäre ich lieber entkommen, aber da musste sowohl ich als auch die Junge Stute durch.
      Das nächste Pferd war eine Paint Horse Stute, immerhin ein Engel im Umgang und auch beim Kürzen der Hufe war sie ruhig und pflegeleicht. Im Gegensatz zu Brött und ihrer Unwissenden Ader, wobei sie dafür ja nichts konnte. Ich war ihr erster Hufpfleger. Ice Coffee hatte gute Hufe und auch nicht allzu lange, sodass nicht viel wegmusste. Während ich meine Arbeit machte, döste sie und gab mir ihre Hufe fast schon von alleine.
      Luna und Blaer waren die nächste. Rachel hatte Luna schon einige Male auf Turnieren vorgestellt und Blaer sollte eigentlich mal zu uns auf den Hof, aber wir hatten damals andere Probleme mit unseren Pferden. Luna hatte hinten rechts eine etwas größere Fehlstellung, da würde ich wohl öfter mal dran, aber es war machbar. Beim Kürzen war sie artig, ich hatte auch nichts Anderes erwartet, bei Blaer verlief das ganze fast genauso wie bei Brött. Sturheit war fast schon der Schlüsselbegriff der Situation und so dauerte es ein Weilchen bis ich fertig mit dem Kürzen ihrer Hufe war.
      Die letzte war dann Vin, der ich erst die Hufeisen samt Stollen abnahm und dann die Hufe kontrollierte und kürzte. Bis die Eisen erhitzt waren schmusten wir ein wenig und dann legte ich ihr die Eisen an. Da es Sommer war, dieses Mal ohne Stollen, wie sie es im Winter trug. Ich war für heute mehr als geschafft und war heilfroh, dass ich jetzt erst einmal einen Tag Pause hatte bis der nächste Flug nach Island auf mich wartete.

      Tyrifjord Ranch - Ankunft in der neuen Heimat
      März 2017, by BellaS & Canyon

      Bella
      Die norwegische Landschaft zog an beiden Seiten der breiten Straße an mir vorbei. Ich genoss den Anblick, auch wenn er nicht viel Abwechslung bot. Tannen. Grüne Nadelbäume rechts und links. Darüber das Dämmerlicht des Tages. Es war Winter. In wenigen Tagen war Weihnachten und die Ausläufer der Polarnacht hielten Norwegen in eisernem Griff. Die fehlende Sonne und das künstliche Licht machten mich schläfrig. Eigentlich kein Wunder. Ich war seit 14 Stunden wach, von denen ich fünf hinterm Steuer verbracht hatte. Auf der Fähre hatte ich zwar vier Stunden Zeit gehabt, während denen der LKW auf dem Frachtdeck festgezurrt stand, doch meine Fracht hatte meiner Aufmerksamkeit bedurft. Ich kutschierte meine Pferde, meine Ausrüstung, eigentlich meinen gesamten Hof von Dänemark nach Norwegen. Und warum das Ganze? Sicher war ich mir da auch nicht mehr.
      Begonnen hatte es wahrscheinlich damit, dass Robin und ich uns irgendwie auseinandergelebt hatten. Ich mochte den sympathischen Dänen noch immer, aber ich liebte ihn nicht mehr und das hatte ich ihm so gesagt. Trotzdem hatte er beschlossen mit mir nach Norwegen zu kommen. Meine neue Existenz mit aufzubauen. Wie er zu mir stand hatte er mir nicht gesagt, doch für mich war es eine Trennung in Freundschaft.
      Nun schaukelte unser zweiter LKW hinter meinem her. Ich konnte ihn im Rückspiegel erkennen und auch meinen Freund, pardon, Exfreund, der erstaunlich konzentriert auf die leere Straße blickte. Eigentlich nicht nötig, denn hier war absolut nichts. Eine ausgebaute, breite Straße, Bäume an den Seiten und ich vor ihm. Kein Gegenverkehr, niemand, der in unsere Richtung fuhr. Schlicht und einfach nichts.
      Wieder schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an Linns Umzug nach Island, der sie glücklich gemacht und mich meines Zuhauses beraubt hatte. Ich fühlte mich auf einmal nicht mehr wohl auf meinem Traumhof, erledigte meine Arbeit nur lustlos, wusste nicht mehr warum ich tat was ich tat. Und dann hatte ich begonnen zu verkaufen. Vierzehn Pferde blieben, alle anderen sollten eine neue Heimat bekommen.
      Und dann kam der Tag mit dem fatalen Anruf einer alten Freundin. Charly war Teil des Teams der Tyrifjord Ranch in Norwegen und hatte mich kurzerhand auf ihren Hof eingeladen, nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet hatte. Eine schlaflose Nacht später hatte ich begonnen Kisten zu packen.
      Dass weder Marion noch Amelie von der Idee begeistert gewesen waren, war kaum verwunderlich, doch dieses Mal stand meine Entscheidung fest.
      So kam es, dass wir nun über norwegische Straßen schaukelten. Das Ziel: unsere neue Heimat.

      Robin
      “I femhundrede meter drej til højre.”, verkündete das Navi. Meine erste Amtshandlung hinterm Steuer dieses Gefährts war es gewesen die Ansagestimme des Navigationscomputers auf meine Muttersprache umzustellen. Bella und ich waren nicht mehr zusammen, wozu sollte ich dann weiter deutsch sprechen?
      Vor mir tat Bella bereits, was mir mein Navi gerade verkündet hatte. Sie bog nach rechts ab. Die Straße war merklich schmaler als die Vorhergehende, aber genauso wenig befahren. Ein Glück, denn entgegenkommende Fahrzeuge hätten kaum eine Chance an unseren LKWs vorbei zu kommen. Ein Blick auf die elektronische Straßenkarte sagte mir, dass wir nun nur noch dem Straßenverlauf folgen müssten. Am Ende der Straße erwartete uns dann unser Ziel. Genau diese Information plärrte Bruchteile von Sekunde später aus den Lautsprechern der Fahrerkabine. Obwohl die obligatorische Frauenstimme dänisch sprach, nervte sie mich. Es gab wenige Dinge, die mir auf langen Fahrten nach Unbekannt mehr auf die Nerven gingen als die elektronisch-monotone Stimme des Navis, aber irgendwie brachte ich es nie über mich das Gerät abzuschalten. Ziemlich dämlich, da ich eigentlich nur Bellas Gefährt folgen musste, welches durch seine schiere Masse schwerlich zu übersehen war.
      Die letzten Minuten der Fahrt zogen sich wie angewärmtes Kaugummi und die Spannung wuchs. Warum ich überhaupt aufgeregt war wusste ich nicht. Ich war zwar auf dem Weg nach Unbekannt, wo mich ein neues Leben erwartete, aber ich vertraute Bella. Ich würde ihr überall hin folgen.

      Malte
      Das Radio des großen Stallgebäudes brachte an diesem Morgen nichts Besseres zustande, als schnöde und obendrein noch total kitschige Schnulzlieder und das ganze auch noch auf norwegisch. Ich liebte diese Sprache, immerhin war es meine Muttersprache, aber Lieder klangen echt grässlich!
      Ich hatte das Radio nicht angestellt, denn auch ohne das ständige Beschallen konnte ich die Arbeit im Stall ohne Probleme erledigen. Petyr war es gewesen, welcher mir die Ohren vollgeheult hatte, dass es so leise war.
      Die Sonne war gerade erst hinter den Wipfeln der Berge hervorgekrochen, dabei war es bereits fast Mittag, und wirklich hell und warm war sie nicht. Wir hatten Glück, dass das riesige Stallgebäude beheizbar war, sodass ich jedenfalls hier drinnen nicht erfrieren würde.
      Wie aus Gewohnheit, und vielleicht auch aus guter Laune, pfiff ich eines der Lieder mit und schippte dabei, Box für Box, die Hinterlassenschaften der Pferde aus dem Heu. Die erträglichere Aufgaben, nämlich das Stroh in den Boxen nachzufüllen, hatte sich Petyr gekrallt, wer denn auch sonst.
      Ein Blick auf die Displayuhr meines Steinzeithandys sagte mir, dass es drei Minuten vor halb zwölf war und natürlich war gerade jetzt der Augenblick der Zufälle, bei dem man einen Anruf bekam. Ich bekam selten Anrufe und wenn schon waren es meist geschäftliche, sodass ich beim ersten Vibrieren wusste, wer es war.
      Ich hatte Bella bei unserem letzten Telefonat gesagt, dass sie sich lieber an mich wenden sollte, wenn sie ankommen würde. Nico war mal wieder unterwegs und Charly mit Bartholomäus beschäftigt und ich wusste, dass sie zur Zeit nicht besonders gut drauf war.
      Ich betätigte die grüne Taste meines Handys. »Malte?«
      »Bella hier. Wir sind in wenigen Minuten da. Wo genau sollen wir hinkommen?« Bellas Stimme klang müde und ausgelaugt und die lauten Geräusche des Transporters ließen mich ihre Worte schwer verstehen.
      »Kommt erstmal auf den Parkplatz vor’s Stallgebäude, dort erwarte ich euch und bespreche dann alles weitere. Du solltest das Gebäude eigentlich auf der rechten Seite recht gut sehen. Holmenelva ist nicht besonders groß,«
      »Alles klar. Sollte ich es nicht finden, melde ich mich nochmal.« Sie legte auf und auch ich ließ mein Handy zurück in die Hosentasche gleiten. Dann verließ ich die Box und stellte Schubkarre und Mistgabel davor ab.
      »Petyr?!« rief ich die Stallgasse entlang und versucht die überlaute und anstrengende Stimme des Moderators zu übertrumpfen.
      »Hä?« Petyrs Kopf kam aus einer der Boxen zum Vorschein und sein Blick ließ andeuten, dass er mich nicht verstanden hatte.
      »Ich gehe Bella und Robin begrüßen!« schrie ich mit kratzger Stimme und hoffte inständigs, dass sie noch bis mindestens Weihnachten aushalten würde.
      Fragend zog Petyr die Augenbrauen hoch und hielt eine Hand hinter sein Ohr. »Ich verstehe dich nicht, du musst lauter sprechen!« rief er mit klarer und kräftiger Stimme, die so das genaue Gegenteil der meinigen war. Genervt winkte ich ab und drehte mich in Richtung Ausgang. Egal, dann musste er die Stallarbeit eben alleine machen. Ich wollte nur weg aus diesem Partystall.
      Die frische Luft tat gut. Sie durchfuhr meine Haare, meine staubigen Kleider und meine Kehle und brachte etwas Energie zurück, welche ich anscheinend in den letzten drei Stunden verloren hatte.
      Gemütlich ließ ich mich an der Einfahrt zum Parkplatz nieder und blickte die holprige Landstraße in Richtung Süden entlang. Ich freute mich darauf Bella kennenzulernen, von welcher ich nicht gerade wenig gehört hatte und mit welcher ich seit einigen Tagen den Kontakt pflegte. Sie schien eine interessante junge Frau zu sein und ich war gespannt, wie sie sich hier einleben würde.
      Mein Blick richtete sich in die Ferne und lehnte mich entspannt an einen Pfosten einer Straßenlaterne. Am grauen Himmel war kein Vogel zu sehen und auch die Sonne war wieder von den dunklen Wolken zurückgetrieben wurden. Erst die hellen Scheinwerfer eines Transporters zogen meinen Blick wieder auf sich und mit einem Anflug von Freude stellte ich fest, dass es Bella war.

      Bella
      Ich steuerte den LKW auf den Parkplatz und hoffte einfach, dass ich hier richtig war. Ein Blick in den Rückspiegel sagte mir, dass Robin es mir gleich tat. Ich drehte den Zündschlüssel und der Motor erstarb. Jetzt blieb nur noch warten. Gerade als ich mich im Sitz zurücklehnen und endlich einen Moment entspannen wollte, kam ein blonder Mann über den Parkplatz auf uns zu. Eindeutig Malte. Ich hatte ihn zwar nie gesehen, aber vor vielleicht zwanzig Minuten angerufen, um ihn vorzuwarnen, dass wir bald ankämen.
      Mit meiner Entspannung würde es also nichts werden. Ich öffnete die Tür und kletterte steifbeinig aus dem Führerhaus. Hinten bei meiner “Fracht” rumorte es. Ich hatte sowohl Fee als auch Vin auf meinem LKW, was der Geduld der gesamten Herde nicht zuträglich war.
      “Hallo. Du musst Malte sein.”, begrüßte ich den jungen Mann. Nun gut, so jung war er nicht. Bestimmt so alt wie ich. Nachdem mir das klar geworden war, kam mir meine Anrede komisch vor. Trotzdem verbot ich mir jetzt herumzustottern, sondern wartete einfach seine Reaktion ab. Er schien sich jedoch nicht daran zu stören, sondern ging geradewegs auf mich zu und umarmte mich, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach einer Sekunde Schockstarre erwiderte ich die Umarmung ebenso herzlich.
      Inzwischen war auch Robin aus seinem LKW gekommen und stellte sich Malte vor, während ich gedanklich schon auf glühenden Kohlen saß, da das rumpeln aus meinem LKW merklich zugenommen hatte.
      “Malte, Robin. Sorry, aber die Pferde müssen da raus. Laufey nimmt sonst alles auseinander.”
      Dass die zwei Kerle sich auf Anhieb gut verstanden merkte ich schon, als wir begannen die, teils erschöpften und teils gestressten, Pferde aus den LKWs zu laden. Eine provisorische Koppel sollte ihnen als Nachtquartier dienen. Die Hengste in freie Gästeboxen im Stall, die vorausschauenderweise bereits vorbereitet worden waren. Sogar im Chaos wegen des Umzugs war an alles gedacht worden, nur hatte ich Charly, den klugen Kopf dahinter, heute noch nicht zu Gesicht bekommen.
      Als endlich alle Pferde provisorisch untergebracht waren, lehnte ich mich müde an die Tür meines LKWs. Es war inzwischen später Nachmittag und die Reise hatte mich so sehr geschafft, dass ich mich auf meine unbequeme Liegefläche im LKW freute. Unseren, nein meinen, eigentlichen Wohnort, würde ich erst in den nächsten Tagen beziehen können. Mich jetzt in mein Bett zu verkriechen war mir allerdings nicht vergönnt, denn nun trat Malte, der blonde Norweger wieder auf mich zu.

      Malte
      “So Bella, sag an, was hast du nun vor?” Entspannt lehnte ich mich neben die junge Frau. Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mich gut mit ihr verstehen würde, immerhin hatte mir Charly bereits einiges über sie und Robin erzählt, aber dass ich war selbst erstaunt über mich, dass ich innerhalb der letzten Stunden so schnell Vertrauen zu ihr gefasst hatte. Meist fiel es mir ziemlich schwer, mich mit neuen Gesichtern anzufreunden, aber bei Bella mit ihren hübschen Locken und den weichen und warmen Gesichtszügen war es mir erstaunlicherweise ziemlich leicht gefallen.
      “Nicht viel. Ich bin ziemlich müde, die Autofahrt hierher war der reine Wahnsinn.” Antwortete sie mir erschöpft.
      “Dann würde ich mal sagen, dass ich euch nun eure Zimmer zeige”, meinte ich verständnisvoll. “Los komm, dein Gästezimmer wird dir gefallen!”
      Nachdem Bella und ich auch Robin gefunden hatten, holten wir die wichtigsten Taschen aus den Autos und trugen diese den gefrorenen Sandweg am Ufer des Tyrifjords entlang. Links von uns lagen einige Koppeln, welche das Stallgebäude vom ursprünglichen Hof trennten. Der Weg war nicht weit, jedoch kam er mir erstaunlich lang vor, mit den schweren Taschen auf meinen Schultern.
      Auch Robin und Bella schnauften ganz schön, als wir die Stufen des Wohnhauses erreichten, in welchem Bella für die nächste Zeit untergebracht werden sollte. Ich hatte noch gar nicht die Klingel gedrückt, da erklang von der anderen Seite der Tür das laute Bellen Asukas. Früher war er der ruhigste Hund gewesen, welchen ich je kennengelernt hatte. Seitdem jedoch Bart auf der Welt war, hatte sich der kleine schwarze Whippet eigenhändig zu dessen Bodyguard erklärt und verhielt sich natürlich auch dementsprechend. Es dauerte nur ein paar Sekunden und Charly öffnete breit strahlend die blaue Haustür. Auf dem Arm hielt sie den strohblonden Bart, dessen Locken denen von Nico jetzt schon erstaunlich glichen.
      “Bella, Robin! Schön, dass ihr endlich da seid! Kommt herein, kommt herein!” Meinte Charly freundlich und grüßte Bella und Robin überschwänglich.
      “Ich glaube”, sagte ich, “Dass es erstmal besser wäre, wenn ich Robin seinen Schlafplatz zeige. Wir können uns aber gerne nachher zum Abendbrot wiedersehen, wenn sich alle eingelebt haben. Oder?” Fragend schaute ich in die Runde. Als alle durch Nicken ihr Einverständnis gegeben hatten und Charly noch einmal überdeutlich ihre Freude über die Ankunft von Bella und Robin kundgetan hatte, schloss sie die hübsche Tür wieder und ich war mit Robin allein.
      “So, dann zeige ich dir mal meine Wohnung!” Lächelnd blickte ich kurz zu Robin und führte ihn dann über den gepflasterten Hof hinüber zu einem weiteren Wohnhaus. Der Dachboden war noch unausgebaut, aber die beiden kleinen Wohnungen im Erdgeschoss waren vor einiger Zeit hübsch restauriert wurden. Seit einiger Zeit lebte eine junge Frau, sie war Künstlerin und arbeitete in Sylling in einem Kunstatelier, in die Wohnung neben mir gezogen. Das Bad mussten wir uns allerdings teilen, denn es lag genau zwischen unseren Wohnungen. Ich hoffte, dass sich auch Petyr mit Tjarda verstehen würde, ich erwartete jedoch nichts gegenteiliges.
      Meine Wohnung glich meist eher einem Müllcontainer, jedoch hatte ich es gestern geschafft das Gröbste an Staub von allen Möbeln abzukehren und jedenfalls das Sofa und den altmodischen Ohrensessel in der Mitte des kleinen Wohnzimmers etwas aufzuhübschen. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, begrüßte mich mein Wolfshund Gery, mit einem tiefen Bellen, jedoch schien er es nicht für nötig zu halten, sich von seinem gemütlichen Platz am warmen Ofen zu entfernen.
      “Tadaaa!” Rief ich und breitete meine Arme aus, um Robin die Pracht meiner kleinen Wohnung schmackhafter zu machen. “Willkommen im Paradies!”
      Robin grinste mich an und ließ dann seinen Rucksack schwer atmend neben dem Sofa nieder, bevor er sich umblickte. “Und wo schläfst du?” Wollte er wissen.
      “Ich werde mich mit dem Sofa zufrieden geben, du darfst gerne mein Zimmer haben. Immerhin bist du mein Gast!”
      Zuerst versuchte Robin mir auszureden, ihm mein kleines Schlafzimmer zu geben, jedoch dauerte es nicht lange, bis er eingesehen hatte, dass es bei mir sinnlos war.
      Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir damit, uns aufs Sofa zu fläzen und uns die wichtigsten und natürlich witzigsten Fakten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Als es dann jedoch Zeit fürs Essen wurde, begaben wir uns wieder zurück zum Haupthaus, wo Charly bereits dabei war den Tisch zu decken.

      Robin
      Ein gemeinsames Abendessen also. Dann würde ich immerhin direkt Gelegenheit haben, die gesamte Hofbesatzung kennen zu lernen. Immerhin waren mir noch einige Gesichter aus der Runde, die langsam eintrudelte, unbekannt. Charly mit ihrem kleinen Sohn und Malte kannte ich natürlich. Als mein Blick auf Bella fiel, die Charly ihren Kleinen abgenommen hatte und nun lächelnd im Arm hielt, spürte ich einen Stich im Herzen. Sollte das hier wirklich sein? Hatte ich diese Frau verloren? Wie hatte ich das bloß zulassen können?
      Resigniert setzte ich mich auf den nächsten freien Platz, der weder direkt neben noch gegenüber von Bella lag. Ich würde es endlich schaffen müssen, sie mir aus dem Kopf zu schlagen. Irgendwie. Zum Glück lenkte mich jetzt ein Mann ab, der die Treppe hinunter kam und sich ohne ein Wort oder einen Blick zu mir neben mich setzte. Den blonden Locken nach zu Urteilen, die auf seinem und dem des kleinen Jungen wucherten, Charlys Mann.
      Nach und nach erschienen alle anderen, bis alle Plätze am großen Küchentisch besetzt waren. Nun begann natürlich die große Vorstellungsrunde. Während die Begrüßungen von gefühlt dreißig Leuten auf mich einprasselten, versuchte ich mir wenigstens ein paar der vielen Namen und Gesichter zu merken. Neben mir saß Nico, tatsächlich Charlys Mann und Vater des kleinen Bart. Allerdings machte er auf mich keinen sonderlich sympathischen Eindruck. Malte kannte ich ja bereits. Ein besonders auffälliges Gesicht blieb auch hängen. Die große, schlanke Frau hatte zwei Augenfarben und ein offenes Gesicht. Sie stellte sich als Tjarda vor und ich beschloss sofort, dass ich sie mögen würde. Dann gab es da noch Torun, Teodor, Petyr und Vuyo. Letzter war auffällig, da er am Tisch der einzige mit dunkler Hautfarbe war. Nachdem wieder Stille eingetreten war, ergriff Bella das Wort und bedankte sich. Vorstellen mussten wir uns nicht mehr, da offensichtlich alle hier bescheid wussten. Charly hatte das Team offenbar vorbereitet und so sah ich nicht nur musternde und offene Mienen, sondern auch Dinge wie Mitleid. War es so offensichtlich, dass ich von Bella nicht loskam?

      Nico
      Ein gemeinsames Abendessen, was für eine Freude. Genervt blickte ich auf die Uhr, welche genau gegenüber von mir hing. Es waren erst zehn Minuten vergangen, stellte ich schockiert fest. Charly hatte gerade alle Anwesenden herzlich begrüßt und ich fragte mich, wie sie nach diesem stressigen Tag und bei dem vollen Haus so fröhlich sein konnte. Auch Bart schien seinen Spaß zu haben und grinste jeden am Tisch mit einem frechen Grinsen an.
      Den Mann links neben mir hatte ich noch nie gesehen, schloss jedoch daraus, oh wie schlau war ich nur, dass das Bellas Freund, sorry, Exfreund war. Er sah nicht schlecht aus, war aber auch älter als ich und das gefiel mir gar nicht.
      Ich beugte mich, vielleicht aus Langeweile, vielleicht auch aus Neugierde, zu ihm hinüber. “Du bist also Robin. Warum genau ziehst du aus deinem Heimatland in den Norden, obwohl dich Bella anscheinend abserviert hat? Unser Hund Asuka würde das Selbe tun.”

      Robin
      Was bitte war das denn für ein Typ? Unhöflich wie Nichts und musste natürlich direkt den Finger in meine offensichtlich offene und blutige Wunde.
      “Was soll diese Frage? Mir geht es hier um die Pferde. Ich liebe die Tiere die Bella mir anvertraut hat - die übrigens einfach eine gute Freundin ist.”
      Ich war nicht aufbrausend. Auch nicht schnell genervt, doch dieser Typ machte mich rasend.

      Nico
      “Weißt du, mein Freund, ich weiß, dass es schwer ist loszulassen, aber manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass es vorbei ist. Ich will dich nicht loswerden, nein, du bist ein witziger Typ, aber Bella zu liebe kannst du ja nochmal drüber nachdenken.” Ich blicke ihn ernsthaft und mit durchdringendem Blick an. Ich liebte diesen Gesichtsausdruck bei anderen, wenn man ihnen gerade offenkundig einen Korb gegeben hatte. Irgendwo meldete sich mal wieder meine Alarmglocke, dass ich vielleicht doch zu weit gegangen war, aber bereits vor langer Zeit hatte ich erlernt, wie ich diese gut überhören konnte.

      Robin
      Ich musste mich hart zusammenreißen, mir nicht offensichtlich auf die Lippe zu beißen oder sonst eine Reaktion meiner Verärgerung zu zeigen, damit wir nicht zum Kino für den ganzen Tisch wurden. Darauf diese Diskussion mit allen zu führen, hatte ich nun wirklich kein bisschen Lust. Ich wusste, ich lief Bella nach. Rannte ihr erbärmlich hinterher, alles in der Hoffnung sie könnte eines Tages doch noch feststellen, dass wir zusammen gehörten. Ich hatte mich verdammt nochmal so Hals über Kopf und unsterblich in diese Frau verliebt… Ja, ich konnte ihr noch nicht einmal übel nehmen, dass sie mit mir Schluss gemacht hatte. Und ich wusste, das war verrückt. Ich war verrückt. Gleichzeitig wollte ich aber auf keinen Fall eingestehen, dass ich mir dieser Tatsache bewusst war und meinem Herausforderer so Kampflos das Feld räumen.
      “Darüber muss ich nicht nachdenken. Das ist eine Tatsache.”, bemerkte ich also nur trocken. Was auch immer sich da zwischen Nico und mir anbahnte, es war nichts Gutes.

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen nach oben und blickte ihn leicht mitleidig an. Der arme Mann, so voller falscher Vorstellungen vom Leben. Ich seufzte. “Ich sehe, heute Abend werden wir beide wohl nicht mehr auf den gleichen Zweig kommen. Aber, was haben wir nur für ein Glück, sind wir ja für die nächste Zeit Nachbarn, da finden sich bestimmt passende Momente in denen ich dir die wahre Welt zeigen kann.” Meinte ich und nahm dann einen Schluck von dem Glas mit rotem Wein vor mir.
      “Hast du zufällig Lust auf einen Ausritt morgen früh?” Fragte ich Robin leicht überheblich. “Reiten kannst du doch, oder?”

      Robin
      “Nein, das tut mir leid. Ich habe Angst vor Pferden und weiß nicht wie rum ein Sattel drauf gehört.” Ich kratze mich am Kinn. “Könnte sein, dass ausreiten da schwierig wird.” Jetzt war es an mir den Mann neben mir mit einem spöttischen Hundeblick anzusehen. Ich saß auf dem Pferd seit ich laufen konnte und hatte mein Leben lang nichts anderes getan. Wenn ich ihm verbal schon nichts entgegen zu setzen hatte, dann eben in reiterischer Hinsicht.

      Nico
      Ich musterte ihn verwirrt mit zusammengekniffenen Augen und nahm dann noch einen Schluck von meinem Wein. “Ich nehme an, dass das Ironie war.” Ich merkte selbst, wie meine Mauer zu bröckeln anfing, jedoch verdeutlichte es der Blick von Robin um einiges.
      “Möchtest du, dass ich eines unserer Ponys nehme, damit ich dir nicht allzu überlegen bin? Eure Isländer sind ja alle nicht gerade groß und Gerechtigkeit ist mir ziemlich wichtig.” Versuchte ich mich wieder hinaufzukämpfen.

      Robin
      Klein aber oho. Ganz eindeutig hatte Nico noch nie einen Fünfgänger laufen sehen. “Nimm was du willst. Auf die inneren Werte kommt es an, nicht auf die Größe, Hm?”

      Nico
      “Ach immer diese Islandponyreiter, ihr denkt auch alle, dass eure Pferde von einem anderen Planeten sind und dadurch Superkräfte haben. Aber mir soll’s Recht sein, denn unter uns, ich verliere nicht gerne.” Scherzhaft zwinkerte ich Robin zu. Das Gespräch mit ihm hatte mich um einiges aufgemuntert und so griff ich nun doch hungrig nach der Salatschüssel. Aus den Augenwinkel sah ich, wie Malte mich genauestens beobachtete, als ich jedoch meinen Blick erhob, war sein Gesicht zu Bella neben sich gewandt.
      “Möchtest du auch etwas Salat?” Fragte ich Robin und lächelte ihn freundlich an.

      Robin
      “Sehr gerne.” Ich langte kräftig zu und vergaß den anfänglichen Zorn. Der morgige Tag würde auf alle Fälle lustig werden.
      Den Morgen verbrachte ich mit dem sortieren unseres Zaumzeuges, welche trotz sorgfältigem Einräumen zu völligem Chaos mutiert war. Als ich endlich alles provisorisch auseinander sortiert hatte, bequemte sich der junge Vater und Herr des Haupthauses auch in den Stall. Meine Wahl für den heutigen Ausritt war längst auf Fenja gefallen, da die Stute nicht nur treu, sondern auch unglaublich schnell war. Klein aber oho.

      Nico
      Er hatte es so gewollt und mein Gewissen war kein bisschen schlecht, als ich, vielleicht gegebenenfalls eventuell etwas zu spät das Stallgebäude betrat und den Weg zu der Box von Marid einschlug. Ich hatte ihn heute morgen gleich in der Box gelassen und auch wenn ihm das gar nicht gefiel, bedeutete es für mich weniger Arbeit.
      “Guten Morgen Robin!” Rief ich die Stallgasse entlang und winkte meinem neuen Freund kindisch. “Gut geschlafen?”
      Ohne eine Antwort abzuwarten schnappte ich mir das Putzzeug und begann meinen Hengst, welcher mir eingeschnappt sein Hinterteil zugewandt hatte, zu putzen. “He Vad alter Freund, dem da drüben zeigen wir es heute, stimmt’s?” Versuchte ich ihn zu beschwören. Große Gedanken machte ich mir jedoch nicht, dass ich mich blamieren würde.
      Nachdem der Hengst geputzt war, holte ich aus der Sattelkammer Vads Distanzsattel und seine hübsche gelbe Biothanetrense.

      Bella
      Auch ich war bereits früh im Stall und hatte mir in den Kopf gesetzt die Gegend etwas erkunden. Dort traf ich auf Robin, sowie Nico, die schweigend nebeneinander ihre Pferde fertig machten. Sie würden wohl seltsamerweise zusammen ausreiten, auch wenn sie sich nicht unbedingt gut zu verstehen schienen. Robin hatte Fenja gewählt, die neben dem großen Hengst von Nico sehr zierlich wirkte, trotzdem war mir sofort klar, dass die Zwei sich ein Rennen liefern wollten. Aus diesem und kaum einem anderen Grund hatte Robin sich das zweitschnellste Pferd aus meinem Stall ausgesucht. Nur Laufey konnte Fenja toppen und meine Fee gehörte mir.
      Unbemerkt schnappte ich mir das schön sortierte Sattel und Putzzeug genau dieser Stute und gelangte ungesehen nach draußen. Dort band ich mein ungeschlagenes Lieblingspferd am Koppelzaun an und begann sie reitfertig zu machen. Ich würde den Jungs folgen. Mal sehen auf was für Ideen sie kämen.
      Wenige Minuten später verließ das ungleiche Paar den Hof. Sie ritten an mir vorbei ohne mich zu bemerken und so schwang auch ich mich auf den Rücken meiner Stute und folgte den Männern mit genug Abstand, sodass sie mich nicht bemerken würden.

      Malte
      Am frühen Morgen bereute ich es, dass ich gestern Abend mich zu noch einem Glas Wein hatte mitreißen lassen, denn genau dieses spürte ich nun tief in meinen Knochen. Als ich das Haus verlassen hatte, schlief Robin noch tief und fest, weswegen ich mich nun verwundert umdrehte, als ich ihn auf dem Waldweg an den Weiden vorbeireiten sah. Seit heute Morgen war ich schon damit beschäftigt, die Wiesen abzuäppeln und nicht nur meine Hände waren dadurch gefroren.
      Erstaunt stützte ich mich auf den Stil der Mistgabel und versuchte durch das dichte Geäst hindurch zu erkennen, was da vor sich ging. Mit noch größerem Erstaunen stellte ich fest, dass eine Pferdelänge vor Robin niemand anderes als Nico auf seinem Hengst Marid ritt. Ich hätte es wissen müssen, an Nicos Blick von gestern Abend hätte ich seine fiese Idee erraten müssen. Ich seufzte theatralisch. Jetzt war es sowieso zu spät, denn die Pferde verschwanden im dunklen Wald. Nico schlug den Weg zur Galoppstrecke ein und das war nicht irgendeine, nein, war DIE Galoppstrecke und ich wusste, dass jemand unerfahrenes keine Chance gegen Nico dort hatte, nicht einmal Robin.

      Robin
      Ich folgte Nico mit einer Pferdelänge Abstand und bereitete mich bereits innerlich auf ein rasantes Galopprennen vor. Tatsächlich kam eine infrage kommende Strecke gerade in Sicht, doch nur ein kurzer Blick auf den weichen, gewundenen Waldweg sagte mir, dass ich ohne Ortskenntnis keinerlei Chance haben würde. Ich konnte noch so ein guter Reiter sein, wenn ich nicht wusste was kam hatte ich keinerlei Chance.
      Trotzdem entschloss ich mich das Wagnis einzugehen und in Würde zu verlieren. Wenn Nico es nötig hatte zu so einer Strecke zu greifen, hatte er im klassischen Rennen gehörigen Respekt vor mir und meinem Pony. Das war mir fürs erste genug.

      Nico
      “Also mein Freund,” ich parierte mein Pferd durch und präsentierte Robin die Galoppstrecke. “Unsere Galoppstrecke mit garantiert tollem Naturerlebnis. Ab und zu gibt es mal ein paar Wurzeln, da muss dein kleines Pony dann eben springen oder so, weiß ja nicht, ob es da drüber steigen kann.” Ich lächelte verschmitzt und zwinkerte Robin freundschaftlich zu. Noch etwas was ich gut konnte: Glaubwürdig lächeln und das in den verschiedensten Situationen. Ich war mächtig stolz auf mich und mein Talent.
      “Was sagst du, traust du dich?”

      Robin
      “Gar kein Problem.” Ich fasste die Zügel etwas kürzer und grinste Nico herausfordernd an. “Pass du mit deinem Riesen lieber auf. Tief hängende Äste haben schon so manchen Reiter auf böse Art und Weise aus dem Sattel befördert.” Normalerweise wäre ich jetzt mit diesen Worten aus dem Stand angaloppiert, doch bei dieser Strecke barg das zu viel Risiko und die Gesundheit meines Pferdes und meine Eigene waren dann doch wichtiger als mein Stolz.
      Nico, der genau das erwartet hatte, galoppierte nun wirklich reflexartig an. Eine Pferdelänge ließ ich ihm an Vorsprung, dann sporte ich auch Fenja an. Einen Isländer aus dem Stand in den Galopp zu bekommen war keine leichte Übung, aber Fenja war solche Eskapaden von mir gewohnt und bemerkte sofort, dass es sich hier um ein Rennen handelte. Voller Elan zog sie nach vorne, Nico und seinem Araber hinterher. Einen Herzschlag lang schloss ich die Augen und spürte die Bewegung des Tieres und den Wind im Gesicht. Egal ob Wald oder offener Strand. Das Gefühl im Galopp blieb dasselbe. Und ich liebte es einfach.
      Ein dünner Zweig holte mich zurück in die Wirklichkeit. Er schlug mir peitschenartig ins Gesicht und würde garantiert einen Striemen hinterlassen. Verflucht. Hier auf den Weg zu achten war wirklich notwendig. Der Abstand zu Nico hatte sich ersichtlicherweise nicht verändert, denn dieser war inzwischen auch vollauf beschäftigt diversen Baumauswüchsen auszuweichen. War das hier eine Galoppstrecke oder eine Querfeldein-Jagd?!

      Nico
      Auf Marid war immer Verlass. Egal ob es der Start war, oder die großen Wurzeln der uralten Bäume, welche den Waldweg auf beiden Seiten säumten. Ich liebte dieses Pferd und dieses Pferd liebte mich und deswegen stand es für mich gar nicht in Frage, dass wir vielleicht nicht gewinnen würden. Klar, Fenja und Robin schienen sich auch zu mögen, aber das war nicht genug, um gegen uns beide anzukommen.
      Ein Blick über die Schulter und ich blickte in Robins vor Anstrengung zusammengekniffenes Gesicht, welches jedoch vor Ehrgeiz leuchtete. Natürlich war das Rennen auch für mich kein Kuchenbacken, das gab ich gerne zu, aber ich hatte den Vorteil, dass ich genau wusste, hinter welcher Biegung eine Kreuzung oder ein Schlammloch folgte. Das einzige was ich nicht berücksichtigt hatte, war die eiserne Kälte, die mir im langsamen Tempo nicht bewusst geworden war, nun mir aber fast den Atem raubte. Ich vergrub meine nackten Hände tief in Marid Mähne und versuchte auch mein Gesicht vor dem unaushaltbaren Wind zu schützen, in dem ich mich tief über den warmen Pferdehals beugte. Ich war ein Mensch des Südens und diese Kälte hier konnte ich gar nicht ab. Nur noch weniger als die Kälte mochte ich Käsekuchen und das musste etwas bedeuten.
      Marid schnaufte erschöpft. Gnadenlos trieb ich ihn jedoch weiter, bereits das Ziel, das Ende des kleinen Waldstückes, vor Augen. Meine Sicht verschleierte mittlerweile ein dichter Vorhang von Tränen. Dem einen Ast wich ich geschickt aus und auch den zweiten ließ ich links liegen. Erst der dritte, welcher jedoch diesmal am Boden lag, übersah ich ungeschickt und Marid machte erst in allerletzter Sekunde einen Ausweichschritt zur Seite, wodurch ich meinen Steigbügel verlor und seitlich am Pferd hing. “So ein Mist!” Laut fluchend versuchte ich mich wieder zu ordnen, um auf keinen Fall meine Führung so kurz vor dem Ziel zu verlieren.

      Robin
      Ich sah Nicos Gesicht, der verkrampft versuchte seinen Steigbügel zurück zu angeln, während ich mit ihm gleichzog. Sein Araber, der garantiert eine Distanzpferd, das über den Winter aus dem Training war, schnaufte bereits erschöpft. Auch Fenja war nicht mehr frisch, aber lange nicht erschöpft. Noch immer spürte ich den eisernen Ehrgeiz, mit der die Stute mit dem viel größeren Hengst mithielt. Langsam wurde der Wind auf meinem Gesicht eisig, doch das war ich gewohnt. In meiner Heimat Dänemark war es um diese Zeit nicht wärmer und zudem hatte ich die letzten Jahre auf einer Insel mitsamt Seewind gelebt. Seite an Seite galoppierte ich mit Nico dem Ende des Waldpfades entgegen, das wir trotz verbissenen treibens auf der Zielgerade gleichzeitig erreichten. Wie genau das bei dieser Wegbreite möglich gewesen war, konnte ich nun wirklich nicht erklären.

      Nico
      Mein Lächeln war ausnahmsweise von meinen Lippen verschwunden und einem Zähnefletschen gewichen. Mit aller Kraft versuchte ich Marids Tempo nochmal ein kleines Stückchen zu erhöhen und meinen Vorsprung wiederzuerlangen, versagte jedoch kläglich, als wir den Wald hinter uns ließen und stolpernd die große Lichtung betraten. Neben mir galoppierte zur gleichen Zeit auch Robin ins Ziel und enttäuscht musste ich feststellen, dass ich wegen dieses einen kleinen Fehlers verloren hatte. Ich parierte Marid etwas zu grob durch und ließ ihn meine Enttäuschung spüren. Marid reagierte jedoch nicht, sondern streckte nur schlapp seinen Hals nach unten.
      “Glückwunsch.” Knurrte ich in Robins Richtung, meinte es jedoch kein bisschen so. Er konnte sich abschminken, dass ich zugeben würde, dass er gut mitgehalten hatte. Ich hätte locker gewonnen.

      Robin
      “Ich würde eher sagen das war komplett gleichzeitig.” Ein wenig verwirrt über den knurrenden Tonfall zuckte ich die Achseln. Für mich gab es kaum etwas, das bessere Laune bereitete als ein ausgelassenes Galopprennen, mit Ausnahme von…. “Würde ich auch sagen. Gleichzeitig.” ...genau dieser Frau. Bella kam entspannt hinter uns aus dem Waldweg getrabt. Sie war uns offenbar mit etwas Abstand gefolgt und hatte nun aufgeholt, da auch sie und Laufey sich keine Galoppstrecke entgehen ließen. “Und jetzt los. Ein Stück Schritt reiten. Nach so einem Galopp lässt mein kein Pferd stehen. Das ist tödlich für den Kreislauf.” Bella wie sie leibte und lebte. Ich war dieser Frau so hoffnungslos verfallen und hatte kein Problem damit, dass sie nun zu uns gestoßen war. Die Frage war nur, was Nico sagen würde.

      Nico
      “Annabell.” Ich seufzte’ Da konnte dieser Tag ja heute nur noch besser werden. Allerdings sorgte sie dafür, dass ich meine Enttäuschung wieder im Griff hatte. Gegebenfall hatte sie jedoch leider Recht, was die Pferde anging, sodass ich mich dazu gezwungen sah, Marid in den Schritt zu treiben. Entschloss ritt ich über die Lichtung hinweg zur anderen Seite, wo uns ein kleiner Pfad zurück auf die Landstraße und von da aus dann zum Gestüt bringen würde. Bella und Robin folgten mir und da mein ausergewöhnlich gutes Gespür für Menschen mir sagte, dass es zwischen den beiden wieder etwas angespannt war, drehte ich mich im Sattel um und lenkte Bellas Aufmerksamkeit auf mich. “Sag, Annabell, was führt dich hierher? Eifersüchtig, dass ich mit deinem-”, ich stockte kurz und blickte zwischen beiden hin und her, “-Weggefährten einen kleinen Ausritt machen wollte?”

      Bella
      “Eifersüchtig?” Ich glaube ich schaute wie ein Auto, denn Robin neben mir brach in lautes und ziemlich falsches Gelächter aus. “Nico, ich glaube du hast da etwas noch nicht ganz verstanden.” Ich hatte Robin noch nie so zynisch und bitter erlebt. “Sie hat mit mir Schluss gemacht. Nicht anders herum.” Damit wandte er sich ab und ließ Fenja antraben. Er lenkte die Stute in den nächstbesten Weg und war Augenblicke später verschwunden. “Hey.. Was..??” Was zum Teufel war hier eigentlich los? Ich drehte mich wieder zu Nico, der mich nur mitleidig anlächelte. “Du kapierst überhaupt nichts.”

      Nico
      Ich zog meine Augenbrauen so weit wie möglich nach oben und blickte Bella breit grinsend an. “Ach ja?” Ich zwinkerte ihr leicht überheblich zu. Dann wandte auch ich mein Pferd ab und nahm den kürzesten Weg nach Hause, den ich finden konnte. Robin war ja noch ganz in Ordnung, aber was auch immer Charly denken mochte, selbst für meine Verhältnisse war Annabell Schmiedemann einfach nur anstrengend.
      Auch Marid schien keine weitere Lust auf den Ausritt zu haben und brachte mich im flotten Tempo zurück zur Ranch, wo ich meinem Hengst den Sattel vom Rücken zog und ihn dann eilig in die Box brachte. Mein nächster Termin hieß nämlich Couch und den konnte ich leider nicht absagen.

      Malte
      Ungeduldig wippte ich von einem Fuß auf den anderen. Bereits vor viel zu langer Zeit hatte ich Nico und Robin in den Wald reiten sehen und da Nico bereits zurückgekehrt war, schien Robin immer noch da draußen zu sein. Da draußen, das klang so, als würde es hier von Räubern und gefährlichen Bären nur so wimmeln. Eigentlich war das ja auch kein Grund zur Sorge, aber ich traute Nico selbstverständlich nicht und als wäre das noch nicht genug, war auch Bella spurlos verschwunden. Charly meinte, dass sie sie seit dem Frühstück nicht mehr gesehen hatte und auch niemand anderes konnte mir über ihren Verbleib Auskunft geben. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und warf einen Blick auf die Uhr. Mit einer Hand drehte ich den Wasserhahn zu, mit welchem ich gerade einige Wassereimer gefüllt hatte, während ich mit der anderen Hand ungeschickt eine Nachricht an Bella tippte. Hier im nirgendwo war so wenig Empfang, dass ein Anruf nahezu unmöglich war. Einen Eimer nach dem anderen brachte ich nun auf die Weiden, welche nahe am Gestüt lagen. Im Winter mussten wir die Wasserleitung auf den Stall beschränken, damit die Rohre bei den Weiden nicht durch die Kälte platzten.
      Nachdem ich die Nachricht, in welcher ich Bella bat mir zu sagen, wo sie war und ob alles in Ordnung war, abgeschickt hatte, suchte ich im Stall nach einem Pferd, welches trotz des Winters genügend Energie und Kraft hatte, wenn nötig einen kleinen Distanzritt hinzulegen. Ich wollte Bella finden und ich wusste nicht warum, aber irgendwas sagte mir, dass ich zu ihr musste.

      Robin
      Ich wollte allein sein, aber Bella ließ mich nicht. Mir war klar, dass sie mir folgen würde und ich ließ sie. Schweigend und gemeinsam kehrten wir schließlich zur Ranch zurück, auf der noch jede Menge Arbeit auf uns wartete. Die Fohlen wollten bespaßt und Pferde bewegt werden. Zeit oder Motivation uns endlich einmal auszusprechen und die Situation zu klären blieb nicht. Auf dem Rückweg begegnete uns Malte, der offenbar aufgebrochen war um uns zu suchen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgte. Oder verfolgte er Bella? Ich hatte keine Ahnung, aber langsam schien ich verrückt und paranoid zu werden. Menschen waren schon bescheuert. Insbesondere ich selbst.

      Malte
      Ich war kaum aufgebrochen, da begegnete mir Bella. Im Schlepptau hatte sie Robin und dieser sah nicht gerade danach aus, dass der Tag für ihn besonders gut verlaufen war. Ich schloss mich den Beiden stumm an und begleitete sie zurück auf die Ranch.
      Bella schien tief in unergründlichen Gedanken versunken zu sein, während man Robin schlechte Laune geradezu ansah. Die beiden schienen mal Zeit füreinander zu wollen, sodass ich sie bei der erstbesten Gelegenheit allein ließ und für eine Mittagspause die Gesellschaft von Petyr suchte, welcher wie immer auf der Couch auf dem Dachboden hing und mit der Fernbedienung von einem Kanal zum nächsten zappte.
      “Hast wohl nichts besseres zu tun?” meinte ich und ließ mich neben ihn fallen. Er schüttelte nur gelangweilt den Kopf. Ich seufzte. Das konnte ja spannend werden! Aber nun saß ich einmal und zum Aufstehen war ich doch zu faul.

      Bella
      Ich würde mit Robin reden müssen, soviel war mir schon seit Tagen klar. Wann, wie und worüber jedoch nicht ganz. Offenbar hatte er unsere Trennung in Freundschaft nicht so gut überstanden, wie ich anfangs gedacht hatte.
      Zwar war mir klar, dass Malte uns nur alleine lassen wollte, damit wir endlich mal einiges klären konnten, doch ich wollte einfach nicht. Ich wusste, es würde sich in Zukunft eine Aussprache nicht vermeiden lassen, aber nicht jetzt und nicht so. Ich würde erstmal ankommen und mich einleben und dann waren die offensichtlichen und, von meiner Seite aus nicht benennbaren, Probleme zwischen Robin und mir an der Reihe. Für heute hatte ich mir darüber jedoch genug den Kopf zerbrochen.

      Resumée
      August 2017, by BellaS
      Liebe Bella der Vergangenheit, liebe Bella der Zukunft.


      Ich liege gerade hier auf meinem Bett und kann kaum fassen wie die Zeit vergeht. Bei Mama und Papa habe ich tatsächlich mein altes Tagebuch gefunden und die letzten Tage damit verbracht in den Erinnerungen an meine Teenagerzeit zu schwelgen. Leider ist das Buch schon lange vollgeschrieben und mit der letzten Seite brechen die Einträge ab, doch ich habe nun den Entschluss gefasst ein neues Buch zu kaufen und mit meinem Leben zu füllen. Ich habe keinen blassen Schimmer was die Zukunft bringt, aber meine turbulente Vergangenheit hat schon einiges zu bieten. Im Folgenden werde ich da anknüpfen, wo der letzte Eintrag endet. Ich werde hier meine ganze spektakulär-unspektakuläre Geschichte aufschreiben, bis zu dem Tag an dem ich im hier und jetzt ankomme. Aber die Vergangenheit endet nicht und damit die Erinnerung nicht endet, werde ich auch nicht aufhören zu schreiben. Hier also mein Memo an mich selbst: Meine Geschichte.


      Ich erinnere mich noch gut an den Tag meines letzten Tagebucheintrags. Es war ein Tag, der mein ganzes Leben veränderte und mit dem ich mein Tagebuch abschloss. Mein Traum seit Kindertagen hatte sich erfüllt: Ich hatte mein erstes eigenes Pferd bekommen. Ich hatte schon immer Isländer geliebt und doch war es eine Tinkerstute, die ich mein erstes eigenes Pferd nennen durfte. Winter Cloud, eine Stute aus unbekannter Abstammung von unbekannten Besitzern. Irgendwo aufgegriffen, die einen Platz brauchte. Meine Eltern hatten sich damals gerade einen ewigen Traum erfüllt und zu unserem Stadthaus einiges an Grundstück dazugekauft. Mama hatte sich schon immer einen großen Garten gewünscht und Hühner hatte sie auch gewollt. So kam es, dass ich tatsächlich genug Platz hatte um ein Pferd zu halten. Zuhause. Eine völlig verrückte Idee. Ich war Studentin. Es war mein Plan gewesen IT zu studieren. Mein erstes eigenes Pferd hätte ich dann gekauft, wenn mein Verdienst entsprechend gewesen wäre und gehalten hätte ich es sicher auch nicht auf dem Hof meiner Eltern. Und doch, es kam wie immer alles anders als man denkt. Aus einem Pferd wurden schließlich vier. Innerhalb der restlichen Studienzeit hatten sich tatsächlich weitere Pferde in mein Leben geschlichen, von denen mich heute noch eins begleitet. Topar, mein kleiner Irrer ist noch immer ein Teil meines Hofes und er ist noch nichtmal wirklich alt. Als nur vierjähriger Hengst kam er zu mir und das ist nun 12 Jahre her. Zwölf Jahre, die völlig anders verliefen als ich jemals zu träumen gewagt hätte.

      Ich machte den Bachelor und beschloss dann, dass ich halbtags arbeiten und nebenbei die Ausbildung zur Trainerin und Reitlehrerin machen würde. Allerdings war ich den Pferden inzwischen so verfallen, dass der Hof meiner Eltern nicht mehr ausreichte. Ich zog an die Nordsee und gründete dort meinen ersten eigenen Hof. Das alte Gut Muschelsand, das schließlich zur Reitschule wurde, war aber nur für zwei Jahre mein Zuhause. Ich kaufte Pferde und verkaufte Pferde. Meine süße Vin, außerdem Koni und meine geliebte Fee stammen aus dieser Zeit. Ich entwickelte ambitionierte Pläne dazu, eine Isländerzucht zu gründen und kaufte Sólfari als Zuchthengst. Dieser ist inzwischen wirklich Vater einiger Fohlen. Ich hatte meine Liebe zu Isländern wieder entfacht, genau wie meine Liebe zu meinem damaligen Freund. Jonas war lange Zeit mein Freund. Er folgte mir sogar als mich mein Freiheitsdrang mitsamt meiner Pferde nach Schottland zog, wo wir uns schließlich trennten. Heute denke ich nicht mehr besonders gerne an ihn zurück.

      Woran ich mich aber gerne erinnere, ist die erste Zusammenarbeit mit meiner guten Freundin Linn. Mehrere Jahre züchteten und trainierten wir Seite an Seite unsere Isländer, bis es sie schließlich ins Land der Märchen zog. In die Heimat unserer Pferde, nach Island.

      Von Schottland aus, zog es Linn und mich nach Dänemark. Mein größter Erfolg als Züchterin und Trainerin stammt aus dieser Zeit. Isländer frá glæsileika eyjarinnar stehen mittlerweile in der halben Welt. Isländer aus meiner Zucht. Mein Name steht für erfolgreiches Training mit pferdegerechten Methoden, ich habe Freunde, Trainer und Züchter in der ganzen Welt und ich bin stolz darauf, was aus mir geworden ist.

      Auf Rømø lernte ich auch einen Menschen kennen, der eine zentrale Rolle in meinem Leben einnehmen sollte: Robin. Er kam als Bereiter auf meinen Hof und ich verliebte mich kompromisslos in den dunkelhaarigen Dänen. Mit einer zwischenzeitlichen Trennung sind wir bis heute beinahe acht Jahre zusammen.

      Als es Linn dann nach Island zog, stellte ich fest, dass ich keine Chance hatte den riesigen Hof auf der dänischen Insel alleine zu halten. Der Verkauf des liebgewonnenen Ortes machte mich unglaublich traurig, aber ich gab nicht auf. Es kostete mich viel Kraft, doch ich ließ meine Pferde einige Monate bei einer guten Freundin in Norwegen stehen und verkaufte von dort aus die meisten von ihren, bis ich schließlich einen Entschluss gefasst hatte. Ich hatte in meiner alten Heimat ein Grundstück gekauft. Auf dem riesigen Stück Land in der Region Hannover entstand nach und nach ein moderner Offenstall, voll und ganz von Robin und mir geplant.

      Ich habe mir insgeheim geschworen, dass dieser Hof mein letzter sein würde. Mein bisher nur 33 jähriges Leben hat genug Umzüge gesehen. Außerdem gibt es inzwischen Faktoren, die die Weltreisen für mich unmöglich machen. Nicht geplant, aber wunderbar kam am 08. September vor fünf Jahren meine erste Tochter zur Welt. Mit 28 Jahren, seit “nur” drei Jahren in einer Beziehung und im Stress mit dem Aufbau eines Stalls und der Versorgung einer ganzen Herde Pferde wurde ich schließlich auch noch Mutter.

      Heute kann ich sagen, meine Kinder sind das beste was mir je passiert ist. Zwei Jahre später, am 27. Mai kam dann meine zweite Tochter zur Welt. Die Schwangerschaft mit ihr war schrecklich, da mein Wildfang es mir nicht leicht gemacht hat… Dann auch noch meine Abneigung gegen Ärzte… Nein, wirklich keine schöne Erinnerung.

      Nike und Helena sind jetzt drei und fünf Jahre alt und ich stehe mitten im Leben, aber da es spät wird, möchte ich noch ein bisschen zu meinen Pferden schreiben und werde das hier dann morgen fortsetzen.

      Dreiundzwanzig Pferde gehören noch zu meiner Herde, aber es sind nicht nur Isländer. Ich habe mit Mayalie und ihrer Tochter Merida zum Beispiel zwei Shirehorses. Außerdem besitze ich seit kurzen auch zwei junge Hengste der selben Rasse, benannt nach Rittern der Tafelrunde. Sir Lancelot und Sir Gawain. Beide sollen Zuchthengste werden und einer Rasse bei der Verbreitung helfen, die hier sehr unbekannt ist. Meiner Trainerin Tiffany gehört eine Stute names Just like the Wind, mit der sie Military reitet. Außerdem gibt es noch Amelie, eine junge Physiotherapeutin für Pferde, die ihr Pony der Rasse Arravain mitgebracht hat. Cielo geht eine Gangart die sich sitzt wie der Tölt und fasziniert mich im allgemeinen sehr, da sein Charakter vorbildlich ist. Layalie, eine Morganhose Stute gehört einer anderen Trainerin meines Hofes, Yasuara und mit Löwenherz darf ich endlich wieder einen Tinker mein Eigenen nennen. Auch seine Geschichte ist sehr besonders und wir in den nächsten Tagen hier auftauchen. Ich schließe für heute mit der Nachricht, das inzwischen vier Fohlen den Nachsatz “vom Helstorfer Moor” tragen.

      Schlaf gut, Zukunftsbella. Bis morgen.

      Und so ging es weiter...
      Januar 2018, by BellaS

      Meine Geschichte ist lang, und genauso langweilig wie lang. Zumindest in meinen Augen. Das Problem dabei ist nur, dass ich sie selbst erlebt habe. Kein Wunder also, dass sie mir langweilig erscheint.
      Ich habe meine Freizeit der letzten Tage genutzt und ein bisschen in meinen Sachen gekramt, auch in denen, die Erinnerungen bergen. Darunter fand ich mein Tagebuch, in das ich seit Jahren nicht mehr eingetragen hatte. Ich war um die dreißig, als ich den letzten Eintrag verfasste. Über zehn lange Jahre ist das nun her und so beschloss ich, dass es an der Zeit war, wieder einen Eintrag zu verfassen. Hier ist sie also, die kleine Fortsetzung meiner Geschichte
      Dass ich eigentlich Informatik studiert hatte, war kaum bekannt. Genausowenig wie die Tatsache, dass ich meine “Trainerkarriere” als Hobbyreiterin begonnen hatte. Keine Kindheit auf einem Gestüt, keine Eltern, die Pferde besessen hatten, nichts. Und dann kam mein erstes Pferd. Und das Zweite, und das Dritte.
      Eine ganze Geschichte voller Umzüge, Liebe, Dramen und Meilensteine, von denen ich mir niemals hätte träumen lassen. Beinahe filmreif, würde ich sagen.
      Und dann kam endlich alles so, wie ich sein sollte. Zumindest glaube ich das heute. Ich wurde schwanger, bekam Kinder und begann sie groß zu ziehen. Und schließlich einen Großteil meiner Pferde zu verkaufen, den Hof zum Offenstallbetrieb auszubauen und meinen eigentlichen. Beruf wieder aufzunehmen. Inzwischen ist das Leben im Helstorfer Moor eingezogen.

      ***

      “Sie kommen!!” Ich lächelte und freute mich innerlich über die Freude und Aufregung meiner jüngsten Tochter. Zwar waren vor einigen Wochen bereits einmal neue Einsteller angekommen, aber die Aufregung über ein weiteres neues Pferd waren gleichwohl stark wie eh und je. Mit der Mustangstute, die in wenigen Minuten ankommen würde, waren dann alle Offenstallplätze für Externe belegt.
      Der Anhänger hielt auf dem Hof und ein etwa dreißigjähriger, resolut und sympathisch wirkender Amerikaner stieg aus dem Auto. Sin Bishop hieß er. Ich hatte ihn bereits kennen gelernt, als er sich unseren Hof anschaute. Mein Mann Robin hatte sich auf Anhieb gut mit ihm verstanden und ich war mir recht sicher, dass er sich über etwas männlichen Beistand mit weniger als vier Beinen freute. Immerhin musste Robin jeden Tag mit einem Haus voll Frauen und allen weiblichen Einstellerinnen klar kommen. Da kam Sin gerade recht. Eigentlich hatte ich mir für die Herde eher einen weiteren Wallach gewünscht, da die Rangfolge momentan rein stutendominiert war und die Kerle ein wenig untergebuttert wurden, doch damit das nicht auch bei den Menschen der Fall war, kam Sin gerade recht. Havana Girl war ihm auf Umwege in die Hände gefallen. Er hatte angefangen sie zu trainieren und schließlich hatte ihr alter Besitzer ihm die Stute überlassen. Der Grund war etwas kurios, aber solange das Pferd einen eingetragenen Besitzer hatte, umgänglich, gesund und auf vernünftige Art und Weise trainiert war, sah ich keine Probleme.
      Probleme entstanden momentan viel mehr in der Herde. Seit einigen Tagen floss Blut im großen Offenstall. Unsere letzte neuer Einstellerin, Ylvi Seidel, hatte ein Gespann aus Wallach und Stute mitgebracht. Während der Wallach Valravn zunächst vorsichtig gewesen war, aber keiner Fliege etwas zur Leide tat, war die Stute dazu ein soziales Biest. Fylgia war dominant und hatte noch nicht ganz begriffen, dass es durchaus noch dominantere Stuten gab. Bisher hatten sich meine Stuten Laufey und Vin den Kampf und die erste Position geliefert. Jetzt war Vion tatsächlich zurück getreten und hatte Fee das Feld überlassen. Das war mir lieb, denn Vin war wertvoll, doch Laufey frá Sólin als isländischer Import ebenso. Ihr Fohlen Ljóma von Atomic, welches aus einem meiner ehemaligen Spitzenhengste gezogen worden war, zeigte bereits jetzt fantastische Anlagen. Davon das Fee mein Lieblings- und Herzenspferd war, wollte ich zudem gar nicht erst anfangen. Da die Stuten aber ihre Rangfolge regeln mussten, gab ich mich damit zufrieden jeden Tag schuterzuckend kleine Platzwunden zu versorgen und mich darüber zu freuen, dass bisher noch kein Tierarzt von nöten gewesen war.
      Valravn hatten außerdem langsam begonnen sich etwas von Flygia zu lösen. Er neigte zwar immernoch zum kleben, doch war Trickling Snow sein neustes Opfer. Die zwei Lewitzer teilte die Neigung zu Unfug. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie gemeinsam begannen Dinge zu zerlegen, Tore zu öffnen und ähnliches anzustellen. Im Prinzip alles, was die Fantasie eines Pferdes zuließ.
      Ich drehte mich um um unseren neuen Einsteller zu begrüßen und sah von der anderen Seite Robin auf uns zu kommen. Er führte Vákur frá glaesileika eyjarinnar am Zügel. Einen jungen Hengst, der noch aus den Resten unserer gemeinsamen dänischen Zucht stammte und für den noch Körungsambitionen vorhanden waren. Immerhin besaß der Hof noch drei Padockboxen für Hengste, die auch alle drei belegt waren. Die Junghengste Vákur und Glanni frá glaesileika eyjarinnar und natürlich mein heimlicher Liebling Sólfari. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht den umgänglichen und so gar nicht hengstigen Hengst zu verkaufen. Zwar hatte ich meine Zucht eigentlich auflösen wollen, doch bewegten trotzdem ein paar Fohlen “vom Hestorfer Moor” die Szene. Mit Vordís vom Hestorfer Moor, Vinkonas erstem Fohlen und einziger Nachkomme des Traumhengstes Óslogi, hatte ich vor kurzem erst eine Fohlenschau aufgemischt. Das Stütchen hatte bereits Talent und Temperament en masse.
      Die Männer begrüßten sich mit Handschlag und grinsten sich an, dann ging es ans Ausladen. Havana Girl hatte ruhig im Hönger gestanden und sah es auch nicht wirklich ein ihr Heunetz für einen unbekannten Offenstall herzugeben. Erst als Sin das Netz durch die fordere Hängertür entwendete, ließ sich die Stute aus dem Hänger bugsieren. Da es bereits herbstlich war, musste die dünne Stalldecke, die sich während des Transportes getragen hatte noch gegen ein etwas dickeres Exemplar getauscht werden, dann ging es in den eigens für sie abgetrennten Bereich des Offenstalls. Mit gespitzen Ohren stand die Stute am Zaun und beschnupperte die langsam ankommenden Mitglieder der Herde. Allen voran Laufey suchte Kontakt zum Neuankömmling, schließlich musste sie das fremde Pferd überprüfen um ihre Herde im Zweifelsfall zu warnen und zu schützen. Die angelegten Ohren stellten sich jedoch schon nach wenigen Sekunden auf und nun durfte auch der Rest der Pferde an die neue Stute heran. Zumindest so lange, bis es Havana zu viel wurde und sie sich in eine weiter entfernte Ecke verzog. Der Einzug schien ohne Stress zu verlaufen. Immer ein gutes Zeichen.
      Gemeinsam mit Robin lud Sid nun auch seinen Sattelschrank aus und begann sich häuslich einzurichten, zumindest was Pferdedinge anging. Bei seinem ersten Besuch hatte ich den Amerikaner bereits über unsere Stallordnung aufgeklärt. Zu meiner großen Freude hatte er alles in erinnerung behalten und räumte seine Dinge genau so weg, wie ich es angedacht hatte. Wenn ein Einzug so unkompliziert verlief, konnte das nichts Schlechtes bedeuten.

      ***

      “Hey, aufstehen.”, sanft streichelte ich Helena über die Wange, die noch im Traum versunken war. Egal wie meine Töchter morgens murrten, wenn ich sie um sechs Uhr morgens aus dem Bett holte, ich freute mich, dass ich sie noch wecken durfte. Ich hatte erwartet, dass die sechzehnjährige Helena irgendwann in die “Eltern sind scheiße”-Phase verfallen würde, doch ich hatte mich getäuscht. Die Pubertät war bisher zwar nicht spurlos, doch recht milde an ihr vorüber gegangen. Ganz anders Nieke. Obwohl erst dreizehn Jahre alt, hatte der schwarzhaarige Wirbelsturm immer einen ganz eigenen Kopf. Streit oder schlecht gelaunte Eltern waren ihr relativ egal, sofern es nicht allzu erst wurde. Trotzdem verzichtete auch sie noch jeden Morgen auf die Nutzung eines Weckers, sondern vertraute voll und ganz auf Mamas morgendlichen Weckservice. Auf den beschränkte es sich jedoch, da ich mich beim besten Will nie in die Küche stellen würde, um meinen Kindern ihr Pausenbrot hinterher zu tragen und mir anzuhören was sie alles nicht mochten. Kinder, die nicht zur Selbstständigkeit erzogen wurden, waren mir schon immer ein Graus gewesen. Außerdem waren die Pferde an der Reihe, ehe ich selbst zur Arbeit musste.
      Um sechs Uhr klingelte mein Wecker, um neun Uhr hatte ich an meinem Schreibtisch zu sitzen und mir anzuhören was wieder alles “kaputt” war. Drei Tage die Woche zu Hause, zwei in der Firma.
      Während ich einer Arbeit außerhalb des Hofes nachging, war der Hof die Arbeit meines Mannes. Instandhaltung des Hofes, Training und Pflege der Pferde die keinen Einstellern gehörten füllten seinen Tag.
      Ich klaubte einen Arm voll Heu von der überladenen Schubkarre und stopfte es in das vor mir ausgebreitete Heunetze. Sieben über den gesamten Paddockbereich verteilte Futterstellen bedeuteten sieben Futterstellen die es galt jeden Morgen aufzufüllen. Vor der Arbeit versteht sich. Das Auffüllen am Abend übernahm mein Mann, der sich grundsätzlich den Luxus gönnte bis acht Uhr zu schlafen. Allerdings beneidete ich Robin nicht um die Arbeit, die jeden Tag auf unserem Hof anfiel. Kleinigkeiten, wie ein kaputter Strahler auf dem Reitplatz, eine lose Tür an Excelsiors altem Sattelschrank, ein undichtes Dach an einem Unterstand oder eine gebrochene Zaunlatte gehörten nicht zu meiner Lieblingsarbeit, auch wenn ich Handwerklich durchaus versiert war. Allerdings schaffen es die Mitarbeiter meiner Firma ebenfalls regelmäßig mich mich Kleinkram in den Wahnsinn zu treiben. Ich meine: Wie ich aller Welt wollte ein Rechner laufen, wenn der Stecker nicht eingesteckt war? Dass studierte Architekten oft nicht in der Lage waren nach den einfachsten Fehlerursachen an Computern zu suchen, raubte mir hin und wieder den letzten Nerv. Da war mir die Betreuung der Betriebssoftware lieber. Die zickte war auch, aber nie so wie ein Kollege, der den Fehler ausschließlich am Gerät suchte und nicht an ihm selbst.
      Mein Ausgleich waren die Pferde in deren Mitte ich inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht hatte. Ausritte auf Blaer frá glaesileika eyjarinnar, Mayalie oder Vinkona, gemeinsam mit meinen Töchtern, meinem Mann oder Einstellern entpuppten sich als das, was ich mir immer gewünscht hatte. Weg vom dere großen Zucht und dem Verdienen meines Lebensunterhalts mit den Pferden, hin zum Partner Freizeitpferd war ein großer Schritt gewesen. Und einer, den ich noch nie bereut hatte.
      Ich saß am offenen Fenster und erledigte meine Arbeit von zu Hause aus, als Theresas Wagen auf dem Hof parkte. Sie schien heute frei zu haben, denn es war noch Vormittags. Lächelnd winkte ich ihr zu, während sie mit Silfurtoppas Halfter in der Hand den Paddock betrat. Silfurtoppa frá glaesileika eyjarinnar stammte ebenfalls aus meiner alten Zucht, doch als es zwischen ihr und Theresa gefunkt hatte, hatte ich die Stute mit Freude verkauft. Obwohl ich immer wieder gehört hatte, dass es nicht gut sei ein eigenes Pferd zu verkaufen, wenn es auf dem Hof blieb, war ich bisher immer zufrieden gewesen. Ob ich nun ein gutes Händchen hatte oder unverschämtes Glück, beides sollte mir recht sein.
      Mein Nachmittag bestand darin Reitunterricht zu geben. Josephine Silber, Tochter von Katrin Silber, der Besitzerin von Soul Dance, bekam jeden Montag Reitunterricht von mir. Dass ich einmal Trainerin gewesen war, kam mir hin und wieder doch noch zur Gute. Nicht selten schlossen sich dann Nieke auf Crime Time oder unser Skywalker, Luke, an, der Cielo von Amelie entwedet hatte. Meiner Meinung nach war es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zwischen den beiden funkte. Der blonde und heitere Casanova tat der ernsten und rationalen Amelie nur gut. Zumindest sah ich das so. Und wenn ich dann Abends in den letzten Strahlen der Herbstsonne neben meinem Mann auf der Bank vor der Eingangstür sitzen und Yasuara zuschauen konnte, wie sie mit ihrer Stute Layali Freiheitsdressur übte, kam ich mir zwar vor als währe ich bereits achtzig Jahre alt, doch ich war glücklich und das war die Hauptsache.
    • AliciaFarina
      Manchmal, da musst du deinen eigenen Weg gehen.
      April 2018, by Veija

      Octavia
      "Raspberry... ich weiß nicht, was ich machen soll.", sagte ich zu meiner geliebten Stute und strich ihr über den Kopf. "Hier bleiben will ich nicht, aber weggehen kann ich nicht, oder?", fragte ich eher mich selbst als mein Pferd, welches mir eh nicht antworten konnte. Aus der Ferne konnte ich die Rennbahn sehen, auf der unsere Pferde trainiert wurden. Es sah so aus, als wäre Candlejack gerade dort. Es standen eine Menge Leute drum herum, so dass ich meine Stute wendete, und auf die Rennbahn zuritt. "Was gibts denn hier zu sehen?", fragte ich in die Runde der Mitarbeiter und sie blickten besorgt auf. "Wir wollten nur.. ähm..", da sah ich schon, was sie wollten. Drama Baby lag knapp hinter Jack und bemühte sich, dem Hengst hinterher zu kommen. "Wir haben nicht so früh mit dir gerechnet, Octavia. Bellamy hat das autorisiert... er meinte, die zwei könnten gegeneinander laufen." "Was ein Quatsch!", fluchte ich und fuchtelte mit den Armen herum, damit die beiden Jockeys signalisierten, dass sie die Pferde auslaufen lassen sollten, denn das hier machte in der Tat weder für Jack, noch für Drama einen Sinn. "Der bekommt gleich was zu hören...", fluchte ich und wartete, bis beide Pferde bei mir ankamen. "Ab sofort gehen die Vollblüter erst wieder auf die Bahn, wenn ich, und nur ich, das autorisiert habe. Mein lieber Bruder Bellamy hat ab heute nichts mehr mit den Rennpferden am Hut. Bringt sie weg, und versucht sowas bloß nicht noch einmal.", gab ich Anweisungen und ritt Raspberry zum Stall, wo ich sie einem Pfleger in die Hand drückte, der sie absattelte und auf die Koppel brachte. Die Lage hier spitzte sich immer wieder zu, Bellamy hatte zwar Ahnung von Westernpferden, aber mit Vollblütern kannte er sich nicht aus. Leider versuchte er es aber immer wieder, so dass wir immer wieder aneinander gerieten. Im Haus traf ich dann auf ihn. "Bellamy! Was in Gottes Namen hast du dir dabei gedacht, Drama Baby und Candlejack gegeneinander in einem Trainingsrennen laufen zu lassen! Ich hab das eben abgebrochen, ich dachte ich spinne!", fuhr ich ihn an und er tat, wie immer, als wüsste er von nichts. "Du... ich... ach..!", knurrte ich, fuhr mir einmal durch die Haare und ging, trotz Bellamys Versuchen, mich wieder zum Umdrehen zu bewegen, nach draußen. Dort schnappte ich einmal Luft, kam wieder ein wenig runter und hatte nun endgültig einen Entschluss gefasst: Ich musste hier weg. Mit meinen Pferden und mitsamt der Vollblüter, denn die würden nicht hier bleiben. Auf dieser Ranch war einfach kein Platz für zwei große Zuchten und Arten von Pferden. Irgendwer kam immer zu kurz.
      Am nächsten Morgen hatte ich mich an die Rennbahn gestellt und organisierte das Training. Ein richtiger Trainer fehlte mir zwar noch immer, aber ein wenig hatte ich mich in dem Genre eingelebt und wusste, wovon ich sprach. Nach und nach kamen die Pferde an die Bahn und die Jockeys fragten nach dem heutigen Training. "Candlejack warm reiten, eine halbe Meile im lockeren Galopp und dann zieh mal an, ich möchte mal schauen, was er kann.", sagte ich und schaute dem Training gespannt zu. Zwischen lockerem Galopp und vollem Galopp sah man bei diesem Hengst einen riesigen Unterschied. Er fegte nur so an mir vorbei, als ich die Zeit stoppte und zufrieden nickte. Ausbaufähig, aber mit das beste Pferd, was ich hier besaß. Dann war Wolfs Bane an der Reihe. "Nimm sie heute locker ran. Eine halbe Meile lockerer Galopp, viertel Meile anziehen, viertel Meile auslaufen lassen.", erklärte ich und stoppte auch bei ihr die Zeit, als sie die viertel Meile im vollen Galopp an mir vorbeischoss. Sie war leider sehr spät eingeritten worden und würde nie der Renncrack werden, aber für ein paar Rennen und Treppchen würde es reichen, das Potenzial eines ersten Platzes hatte sie vermutlich nicht mehr, aber man täuschte sich ja immer wieder in Pferden und ihrem Können. Nun kam einer meiner Lieblinge, Wildfire xx. Der Jockey war der selbe, wie eben bei Jack, also konnte ich ihm nochmal das Gleiche auftragen. Halbe Meile locker, halbe Meile volles Tempo. Wildfire war nicht nur mein Liebling, weil er schon ewig dazu gehörte, sondern auch, weil er mit das schnellste Pferd war, welches wir hier besaßen. Er war auch schon ein paar Distanzturniere gegangen und hatte sogar einmal den dritten und einmal den zweiten Platz gemacht, aber sein Zuhause war auf der Rennbahn. Auch seine Zeit war super, weshalb ich nun auf meinen Plan schaute, um zu sehen, welches Training Stiffler nun bekommen sollte. Ihn mochte ich auch sehr und er war mit Abstand das Vielseitigste Vollblut, welches wir hatten. Die Wahrscheinlichkeit, später aus ihm Vielseitigkeits- und Rennpferde zu ziehen, war sehr hoch. "Gleiches wie bei Wolfs Bane, lass es ihn heute locker angehen.", gab ich Anweisungen und schaute dem Training kurz zu, ehe auch schon Seattle Slew an der Bande stand. "Warmreiten auf der Bahn, viertel Meile lockerer Galopp, dreiviertel Meile durchstarten, viertel Meile auslaufen lassen. Power ihn heute mal ordentlich aus. In ein paar Wochen läuft er ein Rennen, dafür muss noch einiges getan werden.", sagte ich und schickte die Beiden auf die Bahn. Nun kam Stiffler wieder zurück und der Jockey übergab ihn einem Pfleger, ehe er PFS' Snap in Style in die Hand gedrückt bekam. "Stiff war heute nicht so gut in Form, vielleicht sollte er morgen mal Pause machen?", merkte der Jockey an und ich nickte. "Ist notiert.", sagte ich und schaute Seattle Slew zu, der heute wirklich sein Bestes gab. Fasziniert verfolgte ich den Galopper mit meinen Augen, ehe mich ein Räuspern aus den Gedanken riss. "Ja?", fragte ich und stotterte dann: "Oh... ja... Style.. ähm.. was haben wir letztes Mal gemacht?" "Fliegende Starts geübt." "Gut, das machen wir heute auch wieder. Galoppier ihn locker, starte dann, nimm ihn zurück und starte wieder. Mach das ein paar Mal dann geb ich dir Handzeichen, ob er heute noch rennt, oder ob wir es beim Starten belassen.", sagte ich und er nickte. Ich half ihm noch beim Aufsitzen und streichelte Style kurz über die Kruppe. "Braver Junge.", sagte ich und sah den Beiden zu. Wir hatten den Hengst aus England von Pineforest Stables und setzten wirklich große Hoffnungen in ihn. Naja, so ganz war er nicht aus England. Nur sein Vater kam von dort. Seine Mutter war unsere Supernova gewesen. Kurzzeitig hatte Style auch in England gelebt, war aber zusammen mit PFS' Blossom Magic wieder zurück zu uns gekommen. Style schlug sich gut bei den fliegenden Starts, so dass wir es für heute auch gut sein ließen. Ich winkte den Jockey ab und er kam zum Ausgang geritten. "Willst du ihn nicht am Wochenende am Rennen hier in Albuquerque anmelden? Der macht sich so gut, er soll das auch mal zeigen." "Findest du? Er ist noch nie eine längere Strecke gelaufen. Geschweige denn ein richtiges Trainingsrennen.. ich finde, in etwa einem Monat können wir darüber reden, aber noch nicht.", meinte ich und er nickte. Alle Jockeys hier hatten mehr Erfahrung als ich, doch sie respektierten meine Meinungen, denn mir lag eben auch das Wohl der Pferde am Herzen, und ich wollte meine Cracks nicht schon in jungen Jahren kaputt machen oder viel zu früh starten lassen. Das nächste Pferd war Firewalker. Bei ihm war ich mir absolut unsicher, was mit ihm passieren sollte. Ich hatte an einen Verkauf gedacht, aber die Jockeys meinten, ich solle ihm noch eine letzte Chance geben, bevor er als 'nicht-Rennbahn-tauglich' verkauft werden würde. Hier stand der Hengst nun mit meinem besten Jockey und bekam seine letzte Chance. "In die Startbox und dann gib alles, sonst geht er weg.", erklärte ich und schaute auf meinen Zettel. "Mach, dass er bleibt.", flüsterte ich leise und nur für mich, denn ich mochte Walker und wollte eigentlich, dass er blieb. Er stand in der Startbox, das Signal ertönte und die Tür flog auf. Walker kam besser weg als sonst und ich stoppte die Zeit, sah ihn an mir vorbeirauschen aber dann sogleich wieder langsamer werden. Ich schlüpfte unter dem Zaun durch und lief zu Pferd und Reiter. "Ist was passiert?", fragte ich geschockt und griff ins Zaumzeug. "Der hat schlicht und ergreifend keine Kondition mehr.", sagte der Jockey und ich ballte innerlich meine Faust. "Was haben die anderen denn mit ihm gemacht in letzter Zeit?", fragte ich ein wenig genervt und streichelte Walkers Kopf. "Bau seine Kondition nochmal auf, dann wirst du sehen, dass er rennen kann.", sagte der Jockey mir und klopfte mir auf die Schulter. "Du wirst es nicht bereuen.", sagte er und ging mit mir zusammen zum Ausgang. Wir hatten fast alle Pferde durch. Nun war Blossom Magic an der Reihe. Genau wie Style war sie ein Pineforest Stables Pferd und die Anlaufstelle, für hervorragende Vollblüter. "Halbe Meile halbes Tempo, halbe Meile volles Tempo.", gab ich meine Anweisungen und half dem Jockey auf den Rücken. Auch bei Drama Baby und Peacful Redemption verlief das Training ähnlich. Nur Daryl Gone Mad hatte heute Pause, denn er schien mal wieder eine Phase zu haben, in der er nicht so sonderlich fit war, was leider des Öfteren passierte. "Das wars dann für heute, danke Leute!", verabschiedete ich die Jockeys, denn sie hatten den Rest des Tages frei, bis sie am nächsten Morgen wieder auf der Matte standen. Für mich fing die Arbeit nun eigentlich erst an. Zu erst wollte ich nach meinen beiden Zuchtstuten schauen. Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock. Bei beiden hatte ich nun entschieden, sie aus dem Rennsport zu nehmen und es bei Zuchtstuten zu belassen. Ich hatte genug gute Nachwuchspferde im Stall, dass es auf diese Beiden eben geldtechnisch nicht ankam.
      Auch bei den Jungpferden hatte sich einiges getan. Die kleine Truppe bestand mittlerweile aus: Sweet Revenge, Sir Golden Mile, Prias Colourful Soul, I've got a blue soul, It's me, Amira! und Culain. Diese sechs Pferde würden ebenso den Stall wechseln, wie ihre großen Verwandten es tun würden.
      Nun fehlten neben Raspberry noch meine Vielseitigkeitspferde und meine Freizeitpferde sowie die Jungpferde, die in diesem Stalltrakt beheimatet waren. Zu erst schaute ich also auf der Koppel vorbei, auf der sich Mystical Champion, Zoltaire, Dante's Wild Lady und Abe's Aelfric tummelten. Ich rief die Pferde kurz an den Zaun, streichelte sie und machte mich dann wieder auf in den Stall. Ich hatte hier schon einige Pferde umgestellt, so dass ich nun 12 Pferde hier stehen hatte. Angefangen bei Whiskey, der sich wirklich super machte. Raspberry stand schon nicht mehr im Stall, da ich sie heute morgen schon ganz früh bewegt hatte. Magic Lanijos und Free Willy waren auch nicht mehr hier, da auch sie schon von Pflegern auf die Koppel gebracht worden waren. Bei Whiskey übernahm ich dann kurzerhand das Ruder und brachte auch ihn raus. Dabei sah ich auch Flashlight, Samarra und Minnie Maus, die mit LMR Fashion Girl, Bree, Vin, Blazing Flame und meinem neusten Kauf Natsu's Little Harley über die Weide tobten. Auch sie würden alle mitkommen.
      Da ich heute keine Lust mehr auf sonstige Arbeit hatte, ging ich in mein Zimmer und an meinen PC, um mich nach Höfen umzusehen. Wichtig war eben genug Platz, und eventuell eine schon vorhandene Rennbahn. Ansonsten eben genug Fläche, um eine zu bauen. Tatsächlich fand ich ein passendes Grundstück in der Nähe von Albuquerque. Eigentlich hatte ich nicht hier bleiben wollen, aber ich mochte das Klima hier und so war ich nicht allzuweit weg von der Ranch und meinem Bruder. Ich hatte hier schließlich unter den Angestellten auch Freunde gefunden, die ich ungerne einfach zurück lassen wollte.
      Ich vereinbarte einen Termin und fuhr das Gelände anschauen. Es passte wie die Faust aufs Auge und schon am Abend war der Kauf abgewickelt. Manchmal, da muss man einfach seinen eigenen Weg gehen. Auch, wenn es einem zunächst schwer zu fallen scheint.
      Ich ließ den Kauf ein paar Tage sacken, ehe ich allen davon erzählte. Einige waren begeistert, andere wiederum gar nicht- Bellamy zum Beispiel. Aber er musste sich damit abfinden, denn es war das, was ich wollte. Und so kam es, dass wir, also meine Pferde und ich, zwei Wochen später das neue Gelände bezogen. Ein neues Zuhause, ein neuer Name, neue Mitarbeiter, neue Chancen.
      Willkommen auf der Blakes Farm und den Blakes Racing Stables.

      Alles beim Alten
      Juni 2018, by Veija

      Octavia
      "Hey Trav, wie weit bist du mit den Vollblütern?", fragte ich meinen bislang einzigen Angestellten und mittlerweile guten Freund Travis, der sich mit der Hand einmal die nasse Stirn abwischte und sich hinsetzte. "Die Jungpferde hab ich jetzt alle, stehen auf der Koppel. Also I've got a blue soul, It's me, Amira!, Prias Colourful Soul, Culain, Sir Golden Mile und Sweet Revenge. Des Weiteren stehen Priamos Ruffia Kincsem und Zuckerschock schon auf der Weide", erklärte er mir und schien stolz, sich endlich alle Namen merken zu können. "Und wie lief das Training heute morgen?", fragte ich ihn dann und er überlegte. "Ich war so frei und hatte mir Tasmania mit auf die Bahn geholt...", murmelte er nun etwas leiser, doch ich nickte nur. "Kein Problem, dafür haben wir sie ja.", meinte ich und forderte ihn dann auf, weiter zu erzählen. Candlejack und Daryl Gone Mad hatten heute ein gutes Traininsgrennen. Daryls Jockey hat ihn heute relativ eng an der Bande gehalten, seinen Kopf leicht seitlich, damit er nicht nach Jack schnappen konnte. Jacks Jockey hat ihn dementsprechend ein wenig außen gehalten, als es nötig gewesen wäre, doch sie haben ja noch eine Weile, bis sie sich wieder beweisen müssen. Vielleicht wäre es gut, Jack und Daryl ein paar Wochen einzeln laufen zu lassen, damit sich beide Jockeys nur auf ihre Pferde konzentrieren müssen und nicht noch aufpassen, dass Daryl niemanden beißt.", erklärte er mir und stand wieder auf, ehe er die Mistgabel wieder aufhob und weiter die Boxen ausmistete. Ich schnappte mir auch eine Gabel und ging in die nächste Box, um ihm ein wenig zu helfen. Dann erzählte er weiter. "Ich glaube als nächstes waren dann Drama Baby, PFS' Blossom Magic, Wolfs Bane und Tigres Eye dran. Wir hatten jedoch Drama und Blossi zusammen laufen lassen und Bane und Tigres Eye. Sozusagen die sehr guten Pferde mit den weniger Guten, denn Bane muss noch aufholen und Tigres Eye muss lernen, wie man rennt.", sagte er und kratzte sich dann am Kopf. "Oh.. ich hab ganz vergessen, Jack und Daryl waren gar nicht die Ersten heute morgen. Ganz am Anfang waren Wildfire xx, PFS' Snap in Style und Peacful Redemption an der Reihe. Ein sehr spannendes Rennen, denn sie sind alle drei wahnsinnig gut. Vielleicht haben wir doch bald einen Triple Crown Champion hier im Stall stehen.", schwärmte er und überlegte dann wieder, als ich ihn nur fragend ansah. "Stiffler, Seattle Slew und Firewalker haben sich auch gut gemacht.", antwortete er mir dann. "Das waren glaube ich alle.", sagte er und schaute mich an. Ich musste nun auch überlegen. "Ja, hast Recht. Waren alle.", merkte ich an und war auch schon mit der Box fertig, die ich angefangen hatte. "Ich geh dann mal noch rüber zum Nordstall. Wenn du fertig bist kannst du dazu kommen, dann machen wir einen Ausritt.", sagte ich ihm und er nickte, lächelte mir aber freudig hinterher. So langsam wurde er ein richtiger Pferdenarr... so langsam. Und er freute sich um jede Sekunde, die er im Sattel verbringen durfte.
      Im Nordstall angekommen schaute ich auf meinen ausgehangenen Plan, welches Pferd heute was machen sollte und was es zu fressen bekam. Noch waren alle Pferde im Stall, doch ich wollte sie jetzt nach und nach raus bringen. So holte ich als erstes meine beiden Wallache, Magic Lanijos und Zoltaire und brachte sie auf die Koppel. Es folgten die Jungpferde, Dante's Wild Lady, Abe's Aelfric und Mystical Champion. Alle Tiere freuten sich riesig, endlich auf der Koppel rennen zu dürfen und preschten im Eiltempo von mir weg. Blazing Flame, LMR Fashion Girl, Samarra, Vin, Bree, Crimetime, die seit kurzem wieder hier war, Minnie Maus, Natsu's Little Harley, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy und Whiskey kamen auch auf die Koppel. Lediglich Flashlight und Raspberry ließ ich in der Box und holte sie jetzt für unseren Ausritt raus. Ich putzte und sattelte sie und als ich damit fertig war, kam Travis die Stallgasse entgegen geschlendert. "Das hat aber gedauert, schau dich mal um, bis auf Boxen misten und füttern bin ich hier komplett fertig.", sagte ich lachend und drückte ihm Flashlight in die Hand. Zusammen gingen wir vom Hof, gurteten nach und stiegen dann auf. Eine ganze Weile waren wir im Gelände unterwegs und wir trauten uns heute sogar an den Galopp. Travis war sehr stolz auf sich und ich klopfte ihm beim Vorbeireiten auch auf die Schulter. "Das war ein guter erster Versuch, nicht auf der Bahn und nicht auf dem Reitplatz. Aber Berry und Light sind wahre Schätze.", sagte ich und stieg vor dem Stall ab. Travis tat es mir gleich und so sattelten wir die Pferde im kühlen Inneren des Stalls ab, ehe auch die letzten beiden Pferde dieses Stalles auf die Koppel konnten. Dann machten Travis und ich uns daran, die restlichen Boxen zu misten, ehe wir uns den verbliebenen Tag frei nahmen und tatsächlich zusammen ins Schwimmbad fuhren.

      Dezember 2018, by Veija
      Kurzer Pflegebericht
      für Priamos Ruffia Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, I've got a blue soul, Tigres Eye, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Wildfire xx, Magic Lanijos, Raspberry, Empire of Grace, Mystical Champion und Whiskey, BR Princess Peppy Gaia, Moon's Gealach, Cleavant 'Mad Eyes', GRH's Princess Peppy Ann, Ceara Isleen, Baby Doll Melody, A Shining Chrome, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Citizen Fang, Skrúður, Thjalfe van de Jötunheimr, Fenicio, Lajos, Myrkvidr, Whinney, Atlanta, Heretic Anthem, Ghost's Phenomena, Zoltaire, Blazing Flame, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Abe's Aelfric, Free Willy, Firewalker, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Sweet Revenge

      Viel zu tun gab es auf einer Ranch immer. Und so konnte es passieren, dass man so viel zu tun hatte, dass man der Arbeit gar nicht mehr hinterher kam. So eine Zeit war in letzter Zeit gewesen. Nichts klappte so, wie es klappen sollte und nichts blieb so, wie es bleiben sollte.
      Den Pferden ging es gut, keine Frage. Sie genossen ihre Pause auf der Koppel und fraßen sich die Bäuche rund. Jetzt, da das Jahr fast zu Ende war, und das neue schon in den Startlöchern stand, wurde man träger, schwerfällig. Man machte Pläne für das kommende Jahr, ließ das laufende jedoch ganz außer Acht, irgendwie.
      Auf ein neues und hoffentlich erfolgreiches Jahr.
    • AliciaFarina
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil I
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija

      Caleb
      Seit dem Unfall von Ylvi war einige Zeit vergangen. Genauer gesagt drei Wochen. Am letzten Wochenende war Betsys Turnier mit Black Sue Dun It gewesen und… sie hatte das Ding gerockt. Die anderen Mädchen hatten mit heruntergefallenen Kinnladen am Zaun gestanden, während ich das Mädchen überschwänglich aus dem Sattel gehoben, uns einmal um die eigene Achse gedreht und dann wieder aufs Pferd gesetzt hatte. Beim Pole Bending hatte sie den ersten Platz mit Sue gemacht und die anderen wirklich hinter sich zurückgelassen. “Damit hab ich nicht gerechnet.”, hatte sie gelacht und fast angefangen zu weinen. Ich hatte sie gedrückt und ihr versichert, dass sie den ersten Platz verdient hatte und die anderen sich bestimmt nicht mehr über sie lustig machen würden. Dem war jedoch nicht so, leider. Am Mittwoch war die Kleine todtraurig aus der Schule gekommen. Sie wurde geärgert, weil es nicht ihr eigenes Pferd gewesen war. Pferde leihen konnte schließlich jeder. Meine Überlegung war es nun, ihr Sue zu schenken. Naja, zumindest zur Hälfte. Aber das musste ja niemand wissen- niemand außer Bellamy, denn dem gehörte das Pferd ja- und genau in dessen Büro saß ich gerade. Bellamy war mal wieder hinter einem Stapel Papier verschwunden und konnte mich eigentlich gar nicht wirklich sehen. “Du… solltest jemanden einstellen, um den Papierkram zu machen. Unser Heu wird auch knapp, von der Einstreu brauch ich gar nicht erst anzufangen…”, sagte ich und erkannte dann ein paar schwarze Locken, die hinter dem Papierberg herausschauen. “Wenn ich hier mal Ordnung reinbekommen würde, dann wüsste ich das. Und dann wüsste ich auch, wie viel Geld wir diesen Monat noch übrig haben, um solche Dinge zu kaufen.”, murrte er und ich verschränkte meine Hände hinter meinem Nacken. “Naja, dann such dir einfach mal Hilfe. Hier auf der Ranch rennen genug Menschen rum- und ansonsten frag doch einfach O. Sie bekommt das drüben ganz alleine mit Travis auf die Reihe.”, lachte ich und verstummte sofort wieder, als mein Gegenüber mir einen Blick zuwarf, der keine Fragen offen ließ. “Apsopos O… sie möchte wieder zu uns kommen. Sie verkauft zur Zeit einige Pferde und auch die Ranch.” “Aber was ist denn aus ihren Rennpferden geworden?” “Hat sie noch, zumindest eine Handvoll davon. Die würden mit ihr zurückkommen.” “Und die Sportpferde?” “Na, von irgendwas muss sie sich doch trennen, wenn sie verkleinern will.”, lachte Bellamy nur. “Ja dann kann sie ja den Papierkram erledigen.”, scherzte ich und Bellamy nickte. “Aber nicht für allzu lange.”, sagte er und ich schaute ihn fragend an. “Nicht?” “Nein.” Damit war das Thema beendet.
      “Bell… was ich eigentlich wollte.. Betsy war so gut am Wochenende auf Sue, da wollte ich dich einfach fragen, ob wir sie ihr nicht schenken können. Nicht ganz, nur 50%. Aber dann kann sie diesen dämlichen Gören sagen, dass das Pferd ihr gehört.”, schlug ich ihm vor und er nickte. “Wenn du das für richtig hälst, ist es okay. Kannst sie ihr ja zu Weihnachten schenken, ist ja bald. Aber ich wette, sie hätte lieber Blue genommen.” “Oh nein, den geb ich nicht her. Und ja, zu Weihnachten ist eine gute Idee!”, sagte ich lachend und stand auf. “Ach, ehe du gehst.. schau nochmal nach Ylvi, sie hat nach dir gefragt.” Ich nickte, drehte mich um und verschwand aus dem Zimmer. Ylvi… Sie lebte jetzt hier im Haupthaus, nicht mehr drüben bei mir. Irgendwie hatte das unsere… Beziehung auf Eis gelegt. Ich besuchte sie nicht oft, blieb selten länger als eine halbe Stunde und redete nicht viel. Ich erzählte ihr, wie mein Tag gewesen war, was ich gearbeitet hatte und was ich am nächsten Tag arbeiten würde. Mein Weg führte mich auch direkt nach draußen auf den Hof, wo ich mich auf Smart Lil Vulture setzte, den ich vor der Tür angebunden hatte, und in Richtung der hinteren Koppeln ritt. Ich blickte noch einmal zum Haus zurück und wurde das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet hatte.

      Ylvi
      Wie ein Idiot stand ich am Fenster, spähte durch die Gardinen und sah Caleb auf Vulture verschwinden. Der Hengst hatte sich wirklich gemacht. Wie oft hatte ich Caleb bei der Arbeit mit dem Hengst beobachtet in diesem Sommer. Es ging auf den Winter zu, wenn auch hier noch immer fast angenehme 11 Grad herrschten.
      Nach der OP waren meine Eltern in den nächsten Flieger gestiegen um mich hier zu besuchen. Mein Vater hatte belustigt festgestellt das meine Schwäche für Rappschecken kaum zu übersehen war. Meine Mutter hatte das ganze weit weniger gut aufgenommen. Nach einer Woche waren sie verschwunden, ich wurde allein gelassen. Mal abgesehen davon, dass Bellamy neben der Büroarbeit wirklich oft herein kam um unter Kontrolle zu haben das ich mich nicht weit aus dem Bett oder dem Zimmer bewegte. Zweimal am Tag hieß es den Verband zu wechseln, bei der Aufgabe unterstützte mich eine mobile Krankenpflege. In den ersten zwei Wochen hatte ich auch nicht viel getan als geschlafen oder gegessen.
      Abwechslung boten die Besuche von Louis. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Bar, kam er oft vorbei um mir Gesellschaft zu leisten. Manchmal begleitete ihn auch seine Schwester Lilly, die mir mit ihrem losen Mundwerk dazu verhalf meine dunklen Gedanken für einige Stunden zu verbannen. Sie kutschierte mich auch gern in einem Rollstuhl über die Ranch, denn noch war ich selbst zu schwach auf den Beinen. Außerdem bewegten sie meine Pferde, dafür war ich ihnen am meisten Dankbar. Mit Inyan hatte Louis natürlich keine Probleme, mit Ravn verhielt es sich da etwas anders. Am dritten Tag nachdem Caleb mich zur Ranch zurück genommen hatte, war er nach einer missglückten Trainingseinheit von dem Wallach zu mir hinauf gekommen. In der Zeit bewegte Lilly gerade Lady Gweny im Gelände. Ich musste lächeln als er mir berichtete das der Wallach sich bei ihm keinen Zentimeter vom Aufstiegsblock fort bewegt hatte. Daher hatte er beschlossen den eigenwilligen Valravn nicht zu bewegen. Mit Fylgia hatte er sich ein wenig vor der Kutsche vergnügt, da er selbst zu groß war um die zierliche Stute zu reiten. Auf einem dieser Ausflüge hatte er mich gestern mitgenommen, in eine dicke Decke gehüllt hatte er mich aus dem Haus getragen und hatte beschlossen wir machen eine kurze Tour um die Koppeln der Ranch. Als wir im gemächlichen Schritt wieder die Ranch betraten kam uns ein reitender Caleb entgegen. Die Worte die er an Louis richtete verstand ich nicht - es war Lakota - aber den Unterton von unmut vernahm ich deutlicher darin. Mir war ein bisschen unbequem zumute auf meinem Sitz...noch hatte ich keine sonderliche Erlaubnis für große Ausflüge draußen. Obwohl Caleb nicht oft zu mir kam - dieser Teil schien ihm nicht entgangen. Dann gab er dem Pferd unter sich einen Wink los zu laufen, als er auf meiner Höhe war, zog er sich leicht am Hut, nickte und ein feines Lächeln zuckte über seine Züge. Dieser Tage wurde ich nicht schlau aus ihm, aber war ich das je?
      Noch verblüffter war ich als ich sah welches Pferd er da ritt. Es war Ravn! “Hast du ihn darum gebeten?” flüsterte ich zu Louis, der nur den Kopf schüttelte. Ich lächelte in mich hinein...also war Caleb womöglich von allein auf die Idee gekommen. Zwischen all seinen Aufgaben nahm er sich tatsächlich die Zeit meinen Wallach zu reiten.
      Langsam kehrte ich aus meinen Gedanken ins hier zurück, löste mich vom Fenster, griff nach meinen Sachen um hinunter in das Bad zu gehen. Nach dem Wechsel des Verbandes wollte ich eine schnelle Dusche nehmen. Danach lief es wohl darauf hinaus das ich versuchte gemeinsam mit Bellamy Herr seines Chaos zu werden. Kleine Aufgaben konnte ich zumindest wieder erledigen.

      Caleb
      Mein Tag war mal wieder so voll gepackt mit Aufgaben gewesen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte, bei Ylvi vorbei zu schauen. Nun war es schon fast neun Uhr und das Feierabendbier rief nach mir.
      Nach meinem seltsamen Gespräch mit Bellamy heute Mittag war ich mit Vulture zu den Koppeln geritten, wo ich einen neuen Zaun ziehen sollte. Das Equipment hatte ich mir am Morgen mit dem Traktor schon her gefahren, angefangen zu arbeiten hatte ich allerdings noch nicht. Ich band den Hengst an einem Zaunpfahl an und ließ ihn grasen, während ich anfing, den Zaun zu ziehen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder eine kurze Pause, um etwas zu essen oder einen Schluck zu trinken. Gegen vier Uhr musste ich dann zurück zur Ranch- Reitstunde mit Betsy und Sue. Sie hatte zwar Blue reiten wollen, aber Gun and Slide war kein Pole Bending Pferd und sie wollte ja in dieser Disziplin besser werden.
      So hatte ich ihr beim Satteln geholfen und die Stute abgeritten. Sue war im Moment so voller Energie, dass ich sie lieber selbst abritt, bevor ich Betsy auf ihren Rücken ließ. Warum Sue im Moment so ein Energiebündel war, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall meinte sie heute buckeln zu müssen, was ihr allerdings nichts als Ärger mit mir einbrachte. Betsy hatte sich zerknirscht an den Zaun gestellt, weil ich die Stute heute anders anpacken musste als sonst und keinen Ton zu mir gesagt, als sie an der Reihe war. Sue hatte stark schnaufend und verschwitzt da gestanden, doch das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Glück für sie, dass ich sie nicht turniermäßig vorstellte, denn sonst wäre das richtige Training ähnlich verlaufen.
      Bei Betsy konnte sie jetzt jedoch wirklich entspannen. Schritt und viel Trab, dann erst Galopp. So übten die Beiden ganz in Ruhe und ich musste ihnen nicht viele Verbesserungen oder Kommandos entgegen rufen. Kurz vor fünf war die Sonne schon untergegangen, jetzt hatten wir halb sechs. Zum Glück besaßen wir große Strahler, die den ganzen Platz erleuchteten. Es war jedoch kälter als die letzten Tage, zumindest der Wind fühlte sich kälter an. “Wir lassen Sue heute im Stall, leg ihr auch eine Abschwitzdecke drauf, nicht dass sie krank wird.”, hatte ich zu Betsy gesagt und hatte mich dann an meine eigentliche Arbeit begeben. Boxen misten. Natürlich hatte niemand es für nötig gehalten meinen Part zu übernehmen, während ich auf der Koppel Zaunpfähle eingeschlagen hatte. Von halb sechs bis halb neun hatte ich also im Stall gestanden und Mist geschaufelt. Dann war ich nach drinnen gegangen, unter die Dusche gesprungen und auf die Couch gefallen.
      Kurz seufzte ich. Ein wenig vermisste ich Ylvi hier schon. Ob ich sie doch besuchen gehen sollte? Ich kramte mein Handy raus und schrieb ihr eine kurze Nachricht, ob sie noch wach sei und ob ich noch kurz rüberkommen konnte. Insgeheim hoffte ich fast auf ein nein, aber irgendetwas zog mich doch zu ihr. Wie konnte das, was wir hatten, durch ihren Umzug ins Haupthaus so… kaputt gegangen sein? Ich schüttelte den Kopf und wollte so die Gedanken vertreiben. Ein arbeitsreicher Tag lag hinter mir und ich hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Jetzt zählte die Ruhe und das Bier und…. mein vibrierendes Handy.

      Ylvi
      Nachdem ich Bellamy geholfen hatte ein wenig seines Chaos zu beheben - er hatte tatsächlich beinahe vergessen den Mitarbeitern ihren Lohn zu zahlen, hatte ich mich in das untere Zimmer zurück gezogen. Dort stapelten sich Bücher an der Wand, genau mein Gebiet. Nun saß ich bereits eine gute Stunde auf der kleinen Couch las, als ich bemerkte wie mein Handy blinkte. Ich entsperrte den Bildschirm, Calebs Name leuchtete bei WhatsApp in der Beschreibung. Ich sah nur die Hälfte der Nachricht. Mein Herz wummerte...ich legte es beiseite, versuchte zu ignorieren das er mir geschrieben hatte. Las ein, zwei Sätze nahm gar nichts auf von dem was die Worte mir erzählten.
      Dann ergriff ich doch hektisch mein Telefon, öffnete den Chat und las seine Frage. “When your not sleeping, shall I come?” stand dort. Mein Daumen rief die Tastatur zum Vorschein. Ich tippte ein einfaches “Sure” ...löschte dann den text, schloss das Handy wieder. Ich starrte an die Wand, während ich spürte wie mir heiß und kalt zugleich wurde. Es war fast zwei Wochen her seitdem ich ihn in Natura und vor allem allein gesehen hatte. Ich sah hinab auf mein Handy im Schoß, welches mir nun den Blick auf die Seiten des Buches versperrte. Erneut öffnete ich den Chat. Sah auf die Buchstaben der Tastatur die wieder aufgeploppt war. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann tippte ich den kleinen Text und verschickte ihn mit klopfendem Herzen. Dann ließ ich mein Handy wieder in der Tasche verschwinden, nicht ohne die Vibration wieder einzustellen. Mit dem Buch in der Hand verschwand ich schließlich in das Zimmer im hinteren Teil des Hauses. Von hier hatte ich einen guten Blick auf das Gästehaus. Ich schaltete das Licht nicht ein, entzündete nur die vier großen Kerzen und meine kleine Nachttischlampe. Mehr Licht benötigte ich jetzt nicht. Auf das Buch würde ich mich ohnehin nicht konzentrieren können. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten konnte ich gar nicht richtig still halten.

      Caleb
      Ich hatte ein paar Schluck aus der Bierflasche getrunken und mein Handy auf die Couch gelegt. Eine ganze Zeit lang passierte nichts. Als es dann vibrierte und die Antwort von Ylvi erschien musste ich herzlich lachen. “Don’t forget the beer.”, stand dort geschrieben. Vergiss das Bier nicht.. typisch Ylvi. Ich stand auf, schnappte mir meine Flasche und stellte unwillkürlich fest, dass ich dort noch eine stehen hatte. Wir hatten oft hier zusammen gesessen und ein Feierabendbier getrunken, dass ich es mir wohl angeeignet hatte, immer zwei mit ins Wohnzimmer zu bringen. Da Ylvi schon eine ganze Weile weg war, war dies mir schon lange nicht mehr passiert. Heute schien ich jedoch mit den Gedanken eh nicht bei der Sache zu sein. Wann hatte ich Ylvi das letzte Mal alleine getroffen? Vor einer Woche? Vor zwei Wochen? Ich wusste es nicht mehr.
      Kurz föhnte ich mir durch meine blonden Locken, ließ den Hut bewusst auf der Kommode liegen, zog nur meine Stiefel und meine Jacke an und ging langsam rüber zum Haupthaus. Es war mittlerweile halb zehn, ein paar der Arbeiter waren schon in den Betten und auch der Großteil des Haupthauses war dunkel. In Ylvis Zimmer brannten ein paar Kerzen, kein Licht. Fragend schaute ich zu ihrem Fenster rüber, grinste dann jedoch nur kopfschüttelnd und setzte meinen Weg fort.
      Im Haus angekommen zog ich die Stiefel aus, hängte meine Jacke auf und ging mit den zwei Bierflaschen in der Hand zu ihrem Zimmer. Ich klopfte und ging dann rein. “Hey.”, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir. Ylvi stand von ihrem Bett auf, kam auf mich zu, erwiderte meinen Gruß und streckte sofort die Hand nach dem Bier aus. “Jaja. Darfst du sowas überhaupt schon wieder trinken?”, fragte ich sie und reichte ihr die noch geschlossene Flasche, ehe ich an meiner Offenen nippte.

      Ylvi
      Wie alt war ich? 23! Und wieso hatte ich verdammt nochmal schwitzige Hände? Ich fühlte mich etwa um 10 Jahre jünger. Zum Kotzen. Ich hätte gern Caleb auf dem Absatz umgedreht aus der Tür hinaus befördert und versucht nie wieder an ihn zu denken. Stattdessen ging ich auf ihn zu, griff nach dem Bier das er mir entgegen reichte. Auf seine Frage zuckte ich mit den Schultern “Zumindest nehm ich keine Medikamente mehr die sich damit nicht vertragen.” ich hatte auch kein offizielles Verbot nach Alkohol bekommen. Zumindest nicht das ich wüsste. Da es in diesem Zimmer keine Couch gab die ich zum sitzen hätte anbieten können nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz. Caleb sah fertig aus, hob jedoch sein Bier und leise klirrten unsere Flaschen gegeneinander. “Ich hatte bisher gar keine Gelegenheit dir zu danken das du Ravn bewegst. Ich hab dich schon zweimal dabei gesehen. Das du zwischen deinen ganzen anderen Aufgaben noch dazu kommst ist wirklich nett. Wird Zeit das Bellamy endlich ein paar andere Helfer einstellt. Waren die Bewerbungsgespräche dahingehend eigentlich erfolgreich? Das hab ich gar nicht so mitbekommen in der letzten Zeit.”
      Ich war mir der Nähe zwischen uns bewusst, jedoch berührten meine Füße kaum den Boden, die Haltung nach vorn gebeugt war nicht ganz gut. Also musste ich von ihm abrücken, mir eines der Kissen in den Rücken legen und mich anschließend dagegen lehnen. Vielleicht hatte ich es mit meiner Aktivität heute ein wenig übertrieben.

      Caleb
      Auf ihre Aussage mit den Medikamenten zuckte ich nur die Schultern. “Okay, nicht dass ich dich hier noch vergifte.”, lachte ich und wir tranken eine Weile schweigend unser Bier. Wir setzten uns auf ihr Bett. Unser Wohnzimmer mit der Couch drüben im Gästehaus vermisste ich jetzt schon. “Oh ja, Ravn.”, sagte ich als hätte sie mich von irgendwo zurück ins hier und jetzt geholt. “Ja, Arbeit hab ich genug, du willst gar nicht wissen was ich heute alles gemacht habe.”, grummelte ich und antwortete ihr zunächst auf ihre Frage. “Ja, einen hab ich eingestellt. Naja, Bellamy. Aber ich wollte ihn. Cayce, hat auch ein Pferd dabei. Whitetails Shortcut. Shorty. Tolles Pferd, bin den mal auf einem Rodeo geritten, aber das ist eine lange Geschichte.”, sagte ich nur und nippte wieder an der Flasche. Ylvi setzte sich um und auch ich stand vom Bett auf, ehe ich mich auf den Stuhl daneben setzte. “Das Bett ist echt wahnsinnig unbequem.”, sagte ich zu ihr und erhaschte noch einen kurzen Moment ihres verwirrten Gesichtsausdruckes, ehe sie mich wieder normal ansah. “Und ja… Cayce greift mir hier jetzt schon wahnsinnig unter die Arme. Er ist auch Trainer, hilft mir bei den Reiningpferden. Ich würde die gerne nächstes Jahr aktiver vorstellen. Wir haben so gute Nachzuchten und auch ältere Hasen hier, die gehören in die Arena, nicht auf die Koppel.”, erklärte ich ihr und sie nickte verständnisvoll. “Aber heute war nicht mein Tag.”, seufzte ich schließlich und fuhr mir einmal durch die Locken. Sie waren lang geworden, fielen nicht mehr sonderlich hübsch nach unten. Ylvi sah mich auffordernd an, weshalb ich zu erzählen anfing. “Angefangen hat der Tag damit, dass ich mir Zaun und Draht zu einer der Koppeln gefahren habe, um dort zu arbeiten. Ich hatte was vergessen, kam zurück und bin dann zu Bellamy gegangen, weil er kurz Zeit hatte. Hab ihn gefragt ob wir nicht Betsy die Stute Sue schenken können zu Weihnachten. Naja, zumindest 50%. Weil sie immer so von den anderen geärgert wird und dann kann sie sagen, das Pferd gehört ihr. Vielleicht lassen die anderen sie ja dann in Ruhe?” Ylvi nickte. “Dann hab ich mir Vulture geschnappt, bin zur Koppel zurück und.. achja, O kommt zurück hier her. Aber vielleicht hat Bellamy dir schon davon erzählt? Auf jeden Fall… zur Koppel zurück und hab da gearbeitet. Ganz fertig bin ich nicht, muss da morgen nochmal hin. Hatte dann Reitstunde mit Betsy und Sue und bei Gott… dieses Pferd. Keine Ahnung was sie hatte, aber ich musste sie heute so hart anpacken, das kenn ich gar nicht von ihr. Betsy stand dann auch in der Ecke und hat kein Wort mehr zu mir gesagt. Glaube das gibt Probleme, wenn die Stute ihr.. halb ihr.. gehört. Aber naja.. dann habe ich Boxen gemistet. Hat ja keiner für nötig gehalten das zu tun, während ich Zaun machen war. Dann war ich duschen, saß auf der Couch und bin nun hier- morgen wird vermutlich nicht besser, denke das Heu kommt dann und wer lädt es ab? Ich…”, grummelte ich und nahm noch einen Schluck Bier. So viel hatte ich in den letzten Wochen nicht mit Ylvi geredet, weshalb sie jetzt leicht erschlagen in ihrem Bett saß. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es so war.

      Ylvi
      Ich schwieg einen Moment, ordnete die Fülle an Informationen, überlegte auf was ich darauf als erstes Antworten sollte. Ich hatte dabei einen dümmlichen Gesichtsausdruck, ganz sicher. Caleb grinste erst, lachte dann ein wenig. Ich erwiderte. “Wo ist nur der verschwiegene Cowboy hin?”, legte dann die Hand auf den Mund. Wie im Chat die Affen Smileys. “Daran bist du Schuld.” das klang beinahe verwegen wie Caleb es sagte. “Ich freue mich aber das du zumindest etwas Unterstützung durch Cayce hast. Die Idee für Betsy ist großartig! Kinder können so abartig zueinander sein, vor allem Mädchen in dem Alter. Dabei hat sie die Pubertät noch vor sich. Ich denke ein Pferd kann ihr dabei helfen sich zu entwickeln. Außerdem bist du als Trainer dann ja nicht aus der Welt...oder eben Cayce. Ich hab dich heute morgen bei Bellamy gesehen. Ist doch sicherlich ätzend ständig ihn fragen zu müssen? Bei all den guten Ideen und Plänen die dir so vorschweben.” Caleb war Vorarbeiter der Ranch, hatte viele der wichtigen Aufgaben der Ranch übernommen. Machte die Dienstpläne, das Futtermanagement. Im Grunde fehlte nicht viel zu dem Punkt das er alles auf der Ranch bestimmte. Trotzdem war der Name der Ranch Blakes Crow Meadow und die finale Entscheidung wurde stets von Bellamy getroffen. Dieser hatte mir jedoch, nicht gerade durch die Blume, zu verstehen gegeben das ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Auch die Rückkehr von O würde nicht viel ändern, denn sie hatte nicht vor in die Ranch ihres Bruders einzusteigen. Ganz freiwillig kam sie wohl auch nicht zurück, wenn ich es nicht falsch verstanden hatte. Bellamy wusste das er sich etwas überlegen musste, wenn die Ranch in geordneten Bahnen weiter laufen sollte. Ich hatte die Rechnungen gesehen, das Chaos...und fragte mich in welchen Zügen Caleb über das Problem überhaupt Bescheid wusste.

      Caleb
      Meine Bierflasche neigte sich dem Ende zu und auch die Uhr schritt Stück für Stück voran. Lange würde ich wohl nicht mehr hier bleiben, genoss die Gesellschaft von Ylvi nun doch in vollen Zügen. Sie hatte mir gefehlt. Und sie fehlte mir verdammt nochmal drüben im Haus auch. Aber ihr das zu sagen? Das war nicht ich. “Oh ja und frag mich erst mal. Cayce ist ein wahnsinnig guter Reiter. Vielleicht können wir zusammen nochmal anfangen zu Ropen!”, erklärte ich ihr stolz und sah auch bei ihr ein Lächeln aufflackern. Sie wusste, wie sehr ich das Lassoschwingen liebte, hatte es aber eine ganze Weile nicht mehr tun können. Nur vom Bullenreiten hielt ich mich fern. Auf einen Bronc würde ich bei Gelegenheit bestimmt nochmal steigen. “Und mit Betsy glaube ich auch.”, sagte ich ihr dann. “Und eigentlich kann ihr hier jeder auf der Ranch helfen. Hier rennen genug Trainer und Leute mit Ahnung rum.”, lachte ich. Dann seufzte ich abfällig. “Es ist ätzend. Einerseits bin ich die Nummer eins auf dem Hof, was die Arbeit angeht, andererseits muss ich für jede Erlaubnis zu Bellamy rennen und ihn anflehen, etwas neues kaufen zu dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist.”, erklärte ich ihr und drehte die Bierflasche in meiner Hand hin und her, ehe ich den letzten Schluck daraus trank. “Ich bin froh, dass er es geschafft hat, das Heu zu bestellen. Kommt ja nun zum Glück morgen, viel ist nicht mehr da. Viele Pferde fressen eben viel.”, sagte ich und stand auf, streckte mich kurz. “Ich würde gleich auch wieder gehen. Es war ein langer Tag.”, meinte ich beiläufig, setzte mich jedoch wieder hin und stellte die Flasche auf den Boden. So ganz war ich noch nicht vom Gehen überzeugt.

      Ylvi
      Ich verschwieg ihm besser das ich das Heu bestellt hatte...nach der enormen Hitze des Sommers war es gar nicht einfach gewesen einen guten Händler aufzutreiben. In einer besseren Gegend hätte man das Heu selbst machen können. Dazu gab es in New Mexico allerdings keinerlei Chance. “Ich bin Bellamy die letzte Zeit ein wenig zur Hand gegangen, dem wird langsam klar das er sich mit der Ranch vielleicht übernommen hat. Ich denke er ist heilfroh, dass du ihm den Arsch rettest, wirklich. Das würde er so vielleicht nicht sagen...aber als Außenstehende kann ich das denke ich ganz gut beurteilen.” ich lächelte ihn an...das war ein insgeheimes Lob an ihn. Bekam er nicht oft. Das Konzept der Ranch war gut...nur Lage, Planung und Ausführung haperten. Ich hatte nicht viel Ahnung von Marketing, aber so steuerte Blakes Crow Meadow deutlich in die Pleite. Bellamy hatte angedeutet einige Pferde verkaufen zu müssen. Ein Blick auf den Bildschirm des Handys zeigte, das Mitternacht unaufhörlich näher rückte. Ich hatte nicht einmal die Hälfte meines Bieres getrunken, durch das Halten in meiner Hand war es nun auch schon warm. Das zur Seite beugen um es auf dem Schrank neben dem Bett abzustellen gestaltete sich als schwieriger. Bei der zu schnellen Drehung des Oberkörpers zuckte ich zusammen, konnte den Handgriff zur Narbe nicht vermeiden und atmete zischend ein. “Manchmal vergess ich das.” Caleb hatte reagiert, war aufgesprungen, nahm das Bier aus der Hand und stellte es zur leeren Flasche auf den Boden. Er sagte nichts, sein Blick hatte jedoch etwas tadelndes...es war der verkniffene. Genau der selbe den ich so oft bekommen hatte, wenn im Unterricht nicht alles lief wie es sollte. Er saß nicht wieder auf dem Stuhl sondern hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Ich wollte nicht das er ging...das Wort “Bleib” blieb mir jedoch in der Kehle hängen, es kam mir einfach nicht über die Lippen. Ich wollte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst hatte. Dabei war es nur ein verdammtes Wort! Er schien meinen Konflikt zu spüren, anders konnte ich es mir nicht erklären. Sein Blick hatte meinen fixiert. “Ja bitte?” Ich spürte das Herz schneller schlagen in meiner Brust. Wie sollte ich sagen was ich wollte. Ich hatte die letzten Wochen beschissen geschlafen...die andere Seite meines Bettes schien so verdammt leer. Ich konnte selbst nicht fassen in welch kurzer Zeit ich mich daran gewöhnt hatte jemanden neben mir zu haben. Bei Max hatte ich es gehasst...nicht schlafen können eben, weil er neben mir lag. Jetzt allerdings, konnte ich teilweise nicht schlafen eben, weil niemand...jemand nicht neben mir lag. Und ich hasste diese Abhängigkeit. Wann zum Teufel war das passiert? Das war nicht in meinem Plan gewesen. “Was ist?” drängte Caleb nach, jetzt leichte Sorge in der Stimme. Hatte er Angst die unbedachte Bewegung schmerzte noch immer? Ich schüttelte den Kopf, lächelte...dann kam es mir über die Lippen. “Bleib.” nur gehaucht, scheu wie bei einem Reh. Das klang nichtmal nach mir. Wo war die Selbstbewusste Ylvi hin verschwunden?

      Caleb
      Ein Wort. So leise gehaucht, dass ich es fast nicht verstanden hatte. ‘Bleib’. Ich lächelte. “Geht das wirklich? Mit deiner Op und so…”, murmelte ich und Ylvi nickte, sie schien nun wieder etwas mehr Mut gefasst zu haben. Wieder zerriss es mich innerlich, dass unsere… Beziehung in den letzten Wochen so kaputt gegangen war. Ich hatte einfach Angst Ylvi zu verletzen. Sie war nicht mehr so zerbrechlich wie vor ein paar Wochen. Aber ihre OP hatte mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb ich nicht der Beziehungstyp war. Ich hatte keine Lust mir ständig Sorgen um jemand anderen zu machen, auf jemand anderen aufzupassen, für jemanden da zu sein… aber Ylvi… sie brachte mich zu all dem… machte mich zu so jemandem, ohne dass ich mich verändern musste. Bis jetzt hatte sie mir noch keinen Vorwurf gemacht, dass ich die letzten Wochen so selten hier war. Vermutlich konnte sie sich denken warum. Arbeit über Arbeit- und dann meine inneren Konflikte. “Caleb?” Ylvi sah mich an. “Ja.. ja. Dann bleib ich hier.” erwiderte ich. “Lass mich nur eben meine Stiefel von vorne holen. Und bitte sag mir, dass Bellamy hier nicht in aller Herrgottsfrühe mit Frühstück hineingeplatzt kommt.”, murmelte ich und wir lachten beide. “Die Zeit wo ich Frühstück am Bett bekommen habe ist vorbei. Normalerweise helfe ich ihm und den anderen in der Küche damit.”, sagte sie noch.
      Ich stand auf, holte leise meine Stiefel ins Zimmer und versuchte Amba dabei nicht zu wecken. Den Hund hatte Bellamy vor langer Zeit mal hier angeschleppt, aber wirklich etwas arbeiten tat er nicht mit ihr. Traurig musste ich an Surtout denken… und als ich wieder im Zimmer war, sah ich zu Ylvi. “Hab ich dir mal von Surtout erzählt?” Sie schüttelte den Kopf. “Eben, als ich Amba im Flur gesehen habe, ist mir der Hund wieder eingefallen. Verena hatte mal einen Rottweilerrüden, Surtout. Sie ist mit ihm und Gipsy mal einen Horse & Dog Trail gegangen. Seltsamer Hund, hat sie aus Frankreich gehabt und war nach einem Werwolf aus einem Buch benannt.” Ylvi lachte. “Ich hoffe er hat euch nicht gefressen?” “Nein, nein… war ein lieber Kerl, eigentlich. Aber total fixiert auf sie. Ist eigentlich ganz gut, dass er mit ihr gestorben ist. Der würde ohne sie eingehen.”, erklärte ich ihr und fing an, mich auszuziehen. Meine Boxershorts hielt ich an, schlüpfte dann unter die Decke. Allein das reichte, um die alte Vertrautheit zwischen uns wieder herzustellen. Ich legte meinen Arm unter ihren Kopf und sie kuschelte sich an mich an. Wir schwiegen, genossen den Moment und waren im Nu eingeschlafen.
      Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Jemand hatte die Tür aufgerissen, war ins Zimmer gekommen und an der Stimme der Person erkannte ich, wer es war. Betsy. “Ylvi du wolltest uns doch beim Früh….oh.. Caleb!”, sagte sie erschrocken und ich zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht funktionierte bei ihr ja noch das Schema, wenn ich sie nicht sah, sah sie mich auch nicht… Funktionierte leider nicht. “Ich.. äh… ich... “, stammelte sie und verließ prompt das Zimmer. Erst dann kam ich wieder unter der Decke raus und sah zu Ylvi, die auch am Lachen war. “Das biegst du wieder gerade!”

      Ylvi
      “Das wird sie so schnell nicht vergessen.” stellte ich nüchtern fest. Konnte mir das Lachen aber nicht verkneifen. “Gut das sie uns nicht dabei gesehen hat.” Caleb beugte sich vor, stahl sich einen Kuss von meinen Lippen. Löste sich dann kurz,sah mich an und setzte einen weiteren Kuss auf meine Stirn. Ohne viele weitere Worte zog er sich an. “Ob das jetzt alle Wissen, oder ob ich unbeobachtet aus dem Haus komme?” fragte er verschmitzt. Ich zuckte mit den Schultern. “Ich glaube nicht das Betsy es jedem erzählt. Sie ist ein Kind...wie viel versteht sie schon von dem was sie gesehen hat.” Ich zog mir mein Shirt über den Kopf, vorsichtig, wegen des Verbandes. “Ooh ich denke sie versteht schon eine ganze Menge, glaub mir.” Ich streckte ihm die Zunge raus. “Na los, verschwinde, da draußen wartet eine Ranch auf deine Anwesenheit. Glaub mir...ich kann es fast gar nicht erwarten euch wieder zu unterstützen, langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.” ich schaute auf den Flur hinaus, sah niemanden und winkte Caleb zu “freie Luft.” er huschte halb aus der Tür, blieb dann stehen, zwinkerte mir zu und verschwand dann erst. Es war gewesen als sei nicht zwei Wochen Funkstille gewesen. Wir hatten dort angeknüpft wo wir begonnen hatten...ein seltsames Gefühl, aber irgendwie auch beruhigend.
      Ich konnte mir den ganzen Morgen das blöde Grinsen nicht vom Gesicht wischen. Als ich in die Küche kam fand ich Betsy darin nicht vor. Also bereitete ich allein das Frühstück vor...langsam kam ich mir vor wie die Hausangestellte hier. Wann hatte ich das angefangen? Ich wollte wieder raus auf die Ranch. Sinnvolleres tun als eine Belegschaft von knapp 20 Mann mit Essen zu versorgen. “Du siehst beschissen aus.” kommentierte ich Bellamy der mit Augenringen bis nach Bagdad in die Küche gestiefelt kam. Davon war er nicht ganz begeistert, warf mir eine unflätige Geste zu und goss sich den Kaffee in eine Tasse und schaufelte Zucker hinein. Nach dem dritten Löffel sprach ich ihn an. “Du bist wieder nicht ganz bei der Sache.” Bellamy seufzte. “Ich hab gestern einfach mal drei der gekörten Hengste zum Verkauf gestellt...es haben sich tatsächlich 4 Interessenten gemeldet. Ich tu es nicht gern, aber ...du weißt das Geld hätten wir nötig.” in dem Moment knallte die Tür zur Küche. “Das hast du nicht getan!” ein brodelnder Caleb stand dort in der Tür. Er hatte zur Abwechslung zum Frühstück mit den anderen erscheinen wollen. Ich hörte Bellamy neben mir die Luft einziehen. Wo war das Loch im Boden? Ich konnte es gerade ziemlich gut gebrauchen.

      Caleb
      Ich hatte es geschafft mich unbemerkt aus dem Haupthaus in den Stall zu verkrümeln. Frühstücken wollte ich heute ausnahmsweise mit den anderen zusammen, alleine wurde das auf Dauer doch ziemlich einsam, vor allem da der Rest gemeinsam im Haupthaus frühstückte.
      Bis es allerdings so weit war, hatte ich noch ein bisschen Arbeit vor mir. Vulture brachte ich aus der Box auf seinen Paddock in die Nähe von einem der Trainingshengste. Dort bekam er auch sein Kraftfutter. Ich mistete schnell seine Box und vier Weitere von den anderen Hengsten, damit ich dies heute Abend nicht mehr machen musste. Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis es Essen gab. Ich rationierte also auch das Kraftfutter für die anderen Pferde und musste ganz schön aufpassen, das Futter nicht zu vermischen, bei so vielen Eimern. Auf jedem der Eimer stand jedoch der Name des Pferdes drauf, weshalb ich sie nach Paddock und Koppelteil sortiert auf die Laderampe meines Pick Up stellte, und dabei Cayce über die Füße lief. „Morgen.“, sagten wir beide und er blickte mich unter seinem schwarzen Cowboyhut skeptisch an. „Hast was liegen gelassen, Cowboy.“, lachte er und warf mir meinen Hut entgegen. Reflexartig riss ich die Hände in die Luft und schaffte es sogar, den Hut zu fangen, ohne ihn dabei mit meinen Fingern zu zerquetschen. „Mach doch sowas nicht, hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich ihn lachend und setzte mir meinen Hut auf den Kopf. „Und, was gibts zu tun?“, fragte mich der junge Mann und ich überlegte. „Grade nichts mehr. Kraftfutter hab ich fertig. Würde sagen Frühstück ist angesagt.“, sagte ich zu ihm und er nickte. „Ich muss noch was im Haus holen, ich komme gleich.“, antwortete er und verschwand.
      Ich ging also zum Haupthaus, zog meine Stiefel, den Hut und die Jacke am Eingang aus und hörte Stimmen aus der Küche. Was ich dort hörte, wollte ich zunächst gar nicht glauben. Mit einem Satz stand ich bei Bellamy, hatte die Tür zugeknallt. „Bist du des Wahnsinns? Welche Hengste?!“, fuhr ich ihn an und sah, wie alle Anwesenden einen Kopf kleiner wurden oder langsam den Raum verließen. “Alan’s Psychedelic Breakfast, Gun and Slide und Genuine Lil Cut.” Ich sah ihn an. “Oh glaub mir wenn du Blue verkaufst bist du ein toter Mann!”, knurrte ich und sah wie Ylvi ihren Kopf noch weiter einzog. “Wir… wir haben Geldprobleme Caleb… ich muss ein paar Pferde verkaufen…” “Und dann verkaufst du die besten Hengste die wir haben? Bist du bescheuert?”, warf ich ihm entgegen und machte einen Schritt auf ihn zu. Ich war Bellamy körperlich noch immer ein wenig überlegen gewesen, doch wie ich ihn kannte, baute er sich gerade auch vor mir, sackte dann jedoch augenblicklich in sich zusammen. “Ich kann das nicht mehr, mir wächst das alles über den Kopf.. die Pferde, die Arbeiter… die Ranch…”, murmelte er kleinlaut und setzte sich an den Frühstückstisch. “Das Heu war wahnsinnig teuer, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll…”, keuchte er und ließ sein Gesicht in seine Hände sinken. “Mir gehen die Ideen aus…”
      Ich atmete tief durch, öffnete meine Fäuste. Schlagen hatte ich ihn nicht wollen, aber aus Reflex war dies passiert. Dieser dämliche Idiot! “Also…”, murmelte ich nun mit sanfterer Stimme. “Du stehst jetzt auf, nimmst die Pferde aus dem Netz, wir frühstücken… und dann überlegen wir uns, wie wir die Ranch retten können.”

      Ylvi
      Das Frühstück über schien Bellamy verschwiegener. Caleb und Cayce unterhielten sich gut. Caleb nutzte die Runde auch gleich als eine Art Teambesprechung. Ich merkte wie er wichtige Aufgaben an Cayce gab, Murphy sollte seine Boxen übernehmen. Einen der anderen Ex-Häftlinge teilte er zum Zaunbau ein, dort wo er gestern begonnen hatte. Ich merkte dabei schnell wie er sich den Vormittag frei schaufelte um mit Bellamy zu sprechen.
      Als ich ihn gesehen hatte, da war mir kurz eiskalt geworden. Ich hatte schon gesehen zwischen ihn zu springen, wenn er Bellamy anging. Wobei ich herzlich wenig hätte ausrichten können. Seine geballten Fäuste waren mir nicht entgangen, auch nicht die Wut die in seinen ersten Worten geflackert hatte. Ich hätte nur darauf hoffen können das er mich nicht verletzten würde, falls ich dazwischen ging.
      Dass sie jedoch - endlich - gemeinsam eine Lösung suchen wollten gefiel mir. Das hätte Bellamy schon viel eher tun sollen. Aber wer konnte es ihm verübeln...ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag. “Ganz ehrlich...ich hab nichtmal die High School beendet, war im Jugendknast und anschließend bin ich auf der Gips Reminder Ranch gelandet. Ich hab in meinem Leben noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen und dann komm ich auf die bekloppte Idee eine ganze fucking Ranch zu leiten. Als O noch hier war ging das ja noch, aber dann? Ganz ehrlich...wär Caleb nicht gekommen, dann wäre das ganze schon viel eher vor die Hunde gegangen.” Ich hatte ihm gesagt er sollte Caleb einweihen. Die Angst dieser würde ihn auseinander nehmen hatte dann wohl die Oberhand behalten. Das war Stolz an falscher Stelle, das hatte ich ihm allerdings nicht gesagt...das war ihm hoffentlich bewusst. Ich wusste Caleb würde alles für die Pferde tun, einige abzugeben wäre sicherlich nicht die schlechteste Idee...aber dabei sollte sorgsam ausgewählt werden welche. Unnötige Esser zum Beispiel...und das waren die Hengste die er eingestellt hatte nicht.
      Nach dem Frühstück verschwanden alle um den ihnen zugewiesenen Aufgaben zu widmen. Ich war im Begriff die Küche zu verlassen hinter Caleb und Bellamy, drehte nach links ab um Richtung meines Zimmers zu gehen. Da erklang Calebs Stimme “Ylvi, ich denke bei der Ranch Rettungsaktion kannst du uns behilflich sein.”

      Caleb
      Bellamy war vor dem Frühstück verschwunden und hatte hoffentlich die Hengste aus dem Netz genommen. Ich war noch immer verdammt wütend auf ihn, weshalb ich mich beim Essen auch nur mit Cayce unterhalten hatte. Die Einen standen früher, die Anderen standen später auf. Auch Betsy hatte kaum ein Wort gesagt, fast die ganze Zeit betrübt auf den Boden geschaut. Etwas Leid tat die mir ja schon. Zu erst hatte sie mich und Ylvi im Bett gesehen, jetzt einen heftigen Streit zwischen Bellamy und mir. Ich müsste heute auf jeden Fall noch mit ihr sprechen und ihr einige Dinge erklären. Sie war schließlich noch ein Kind. Sie verstand nicht alles, was hier vor sich ging.
      In Bellamys Büro marschierten jetzt Ylvi, er und ich. Dort sah ich den mittlerweile kleineren Papierberg, zu dem Ylvi wohl einiges beigetragen hatte. Ich zog Ylvi einen Stuhl zum Schreibtisch dazu und setzte mich neben sie, auf der anderen Seite Bellamy. Ich seufzte kurz. “Wie schlimm ist es denn nun, Bellamy?” Ich sah die Anspannung aus seinem Körper weichen. Er schien froh zu sein, endlich mit der Sprache rausrücken zu können. “Es ist noch nicht das Ende der Ranch. Aber es ist kurz vor Ende.”, fing er an. “Und das heißt?” “Um die Ranch vor dem Bankrott zu retten müssen wir Pferde verkaufen. Einige Pferde. Oder die ganze Ranch.”, ich schluckte. Naja, eigentlich sah man es in meinem Kopf rattern. “Hmm ein Umzug wäre nicht das Schlechteste.”, sagte ich und Bellamys als auch Ylvis Kopf flogen in meine Richtung. “Verkaufen?”, fragte Bellamy ungläubig und ich nickte. “New Mexico ist schön und gut, aber was hat man von einer Ranch wenn man hier nicht einmal Rinder halten oder Heu selbst machen kann? Futter kostet Geld. In Alberta kamen wir immer mit unserem eigenen Futter rund… und.. ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen gehabt… ich bin so weit, dass ich etwas eigenes aufbauen möchte.” Damit schien Bellamy erstmal baff.

      Ylvi
      Das mit der eigenen Ranch...tja...wir hatten es einige Male als Thema gehabt. Aus Spaß, vielleicht. Doch ich hatte darin das glitzern in den Augen von Caleb gesehen. Der Wunsch existierte eine ganze Weile, Jahre vielleicht. Im Grunde jedoch hatte ich geahnt - diese Ranch...die Pferde hier, würde er nicht zurück lassen. Wieso war er sonst nach dem Unfall zurück gekehrt...wohl eher weniger aus Nächstenliebe zu Bellamy oder den Ex-Häftlingen. Es waren die Pferde, jedes einzelne lag ihm am Herzen.
      Ich setzte mich weiter nach vorn, Bellamy sagte keinen Ton. “Bellamy, ganz ehrlich...das halte ich für keine schlechte Idee. Caleb übernimmt ohnehin als Vorarbeiter alle relevanten Aufgaben. Überschreib ihm auf dem Papier die Ranch. Du bist aus der Sache raus...kannst dich anderen Sachen auf der Ranch selbst widmen. Dingen von denen du tatsächlich eine Ahnung hast. Marketing technisch...Logistisch gesehen, ist auch ein Umzug sinnvoll. Das Land hier ist karg, sowieso schon warm. Und Klimaerwärmung wird ein Thema sein in den kommenden Jahren. Man kann hier bleiben, versuchen mit teurem Heu über die Runden zu kommen. Oder man beschließt in eine andere Region sich zu orientieren. Wir haben die Gerätschaften, die Mitarbeiter um das alles zu bewerkstelligen.” Caleb nickte während ich mit meinen Händen gestikulierte. Die Vorstellung mit der ganzen Ranch umzuziehen legte sich zwar wie ein schwarzes Tuch auf meinen Magen, aber im Grunde war es eine wichtige Entscheidung. Es gäbe einige Sachen die man außerdem planen könnte für eine Ranch an einem anderen Ort. Die Aufnahme weiterer Häftlinge, denn die Gelder die wir vom Staat davon bekamen waren wirklich nicht unerheblich, außerdem hatten wir so eine gute Handvoll an Arbeitern. Die Aufsicht wäre schwierig, aber Lösungen ließen sich sicherlich finden. “Ich bleibe außerdem...selbst wenn ihr mir erstmal kein Gehalt auszahlt. Ich kam hier auf die Ranch um ein bisschen Abenteuer in mein Leben zu kriegen. Wie könnte ich euch jetzt einfach mit Problemen allein lassen?” das hatte noch andere Gründe. Wie könnte ich Caleb zurück lassen? Betsy allein mochte Wissen das wir etwas miteinander teilten...Aber insgeheim schlug mein Herz auch für diese Ranch.

      Bellamy
      Ich schwieg. Caleb schwieg. Ylvi schwieg. Unsere Köpfe ratterten, unsere Gedanken drehten sich. Also meine zumindest. Ich ließ meinen Kopf in die Hände sinken. “So hatte ich mir das nicht vorgestellt, glaubt mir… ich dachte ich müsste weiterführen, was Verena angefangen hatte. Alle Pferde verkaufen? Das hätte ich nicht übers Herz gebracht…”, erklärte ich und sah zum ersten Mal Mitgefühl in Calebs Blick. “Ylvi hat… nicht ganz unrecht.”, setzte er an und ich hob meinen Kopf wieder. “Wenn du mir die Ranch überschreibst, wir umziehen… ich hab noch eine Menge Geld, von der Abfindung damals.. hab alles gespart für etwas Eigenes.. dann kann ich das alles hier wieder hochziehen.”, erklärte er mir und ich nickte, schwieg wieder und dachte nach. “Und.. Ylvi scheint uns auch erhalten zu bleiben. Sie könnte eine Website oder sonst irgendwas für uns gestalten, ihr fällt da schon was ein.”, sagte er weiter und stieß die junge Frau einmal sanft mit dem Arm an. Ylvi nickte. “Wir müssen nur… also einige Pferde werde ich auf jeden Fall verkaufen.”, meinte Caleb dann. “Aber nicht die Besten.”, fügte ich an und er nickte. “Das wäre dumm.”, antwortete er mir gefasst, gar nicht mehr wütend oder beleidigend.
      “Ich glaube ich muss eine Weile darüber nachdenken…”, sagte ich dann und stand auf, sah zum Fenster raus und schaute den Mitarbeitern zu, wie sie die Pferde auf die Koppeln brachten. Als ich mich umdrehte, stand Caleb hinter mir. “Nein. Musst du nicht. Du hättest schon viel früher nachdenken sollen.”, meinte er, noch immer gefasst. “Es scheint, als hätte ich keine andere Möglichkeit mehr?”, fragte ich in die Runde und Caleb als auch Ylvi schüttelten den Kopf. “Du wirst ja nicht rausgeworfen.”, lachte Caleb und klopfte mir auf die Schulter. “Du bekommst nur… weniger Aufgaben.”, meinte er und ich nickte. “Also gut…. Caleb O’Dell. Die gehört ab sofort die Blakes Crow Meadow Ranch. Sieh es als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.”, sagte ich und schüttelte seine Hand. “Ein Weihnachtsgeschenk mit vielen Schulden.”, sagte er, fing dann aber auch an zu lachen und schaute zu Ylvi rüber, die auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte. “Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir drei uns zum Abendessen in der Bar von Louis in Albuquerque treffen, sieben Uhr, und dort über das weitere Schicksal gemeinsam entscheiden.”, sprach Caleb und ging zur Tür. “Und jetzt… an die Arbeit. Die macht sich nicht von alleine.”, meinte er und verschwand aus der Tür.
      “Puuuh…”, sagte ich und ließ mich auf den Stuhl hinter dem Papierberg fallen. “War das das richtige?”, fragte ich Ylvi und senkte meinen Kopf wieder auf meine Hände.

      Ylvi
      Ich zuckte mit den Schultern. “Das ganze hätte schlimmer laufen können.” dann klopfte ich auf den Tisch, sah wie Bellamy den Kopf hob. “Außerdem..um deine Worte zu zitieren. Vielleicht ist es das was Caleb gesucht hat? Du hast es ihm gewünscht. Erinnerst du dich?” Bellamy , immernoch besorgt drein blickend, lächelte allerdings. Die Narbe in seinem Gesicht verzog sich deutlich dabei. “Touché” Ich zuckte die Schultern dazu, lächelte. Ja vielleicht war das ein Weg um Caleb von der inneren Unruhe abzulenken die ihn von Zeit zu Zeit befiel.
      “Gut..ich würde sagen...du machst schonmal eine kleine Liste fertig für Pferde die zum Verkauf stehen. Ich werde derweil mein Zimmer im Gästehaus wieder beziehen. Ich brauche keine ganztags Betreuung mehr, ich vermisse mein eigenes Bett. Anschließend komme ich wieder rüber um dir beim abheften der Dokumente zur Hand zu gehen. Dann können wir Caleb heute Abend eine Übersicht der Finanzen geben...sowie der Sachen die noch fehlen. Deal?” Bellamy sah sich auf seinem Schreibtisch um, der sich schon deutlich geleert hatte. “Vielleicht sollte Caleb sich überlegen dich als Chef mit ins Boot zu holen, du scheinst zum Sklaventreiber geboren.” Es war ein Witz, das merkte ich sofort, ich streckte die Zunge heraus. Anschließend machte ich mich auf den Weg meine wenigen Habseligkeiten im Gästeraum zusammen zu packen. Ich ließ das Haupthaus gern zurück. Ich hatte die Ruhe des Gästehauses vermisst, meine kleine Oase der Ruhe. Ich gabelte Laurence im Flur auf. “Laurence? Kannst du mir eben bei der Tasche helfen? Für mich geht es vorerst wieder zurück ins Gästehaus.” “Klar, gib her.” “Sag mal, ich hab ein wenig heute morgen mitbekommen...wie schlimm ist es?” wir gingen langsam hinüber zum Gästehaus. “Es wird ein paar Veränderungen geben...das bleibt nicht aus. Aber mach dir vorerst keine Sorgen. Bellamy und Caleb schaukeln sich schon zusammen.” Laurence zog die buschigen Brauen zusammen. “Das wird ja auch mal Zeit!” brummte er schließlich. Ich lächelte in mich hinein...wahr wohl nicht schlecht. Laurence trug mir die Tasche bis hinauf in mein Zimmer, stellte sie vor dem Bett ab. ich bedankte mich bei ihm. Bevor Laurence das Zimmer verließ verweilte er kurz im Türrahmen. “Junge Dame...ich würde fast behaupten es war Gottes Segen das er sie zu uns geschickt hat. Wer weiß, vielleicht hat Verena das aus dem Himmel für uns eingefädelt. Jemand wie du hat uns auf der Ranch gefehlt...die gute Seele.” damit verschwand er aus der Tür. Ich blieb ein wenig erstaunt zurück. Laurence war ein guter Kerl, ich wusste das er schon auf der Gips Reminder Ranch gearbeitet hatte. Seine Bezeichnung der guten Seele schien mir allerdings etwas bizarr. Ich half nur Freunden aus...viel mehr noch...alle Chaoten waren im Laufe der letzten Monate einfach zum Teil meiner Familie geworden. Unfassbar das ich noch nichtmal ein Jahr hier war!

      Caleb
      Draußen atmete ich einmal tief durch. Hui, die Ranch gehörte nun mir. Noch nicht offiziell, aber bald würde sie komplett mir gehören, mit allen Pferden, allen Mitarbeitern und allem drum und dran. Ich wünschte mir schon seit Jahren eine eigene Ranch, aber jetzt so plötzlich eine zu besitzen? Unbeschreiblich. Ich atmete noch einmal tief durch und ging in den Stall, um Murphy beim Boxen misten zu helfen. Er schwieg, gut für ihn. Ein paar fragende Blicke flogen zwar zu mir rüber, aber er fragte mich nichts. Als ich damit fertig war, sattelte ich mit Vulture und ritt zu Connor, der den Zaun reparierte. Ich ging ihm kurz zur Hand, so dass wir schnell zurück zur Ranch reiten konnten. “An das Kraftfutter habt ihr ja heute Morgen auch gedacht, oder?”, fragte ich ihn und er schüttelte den Kopf. “Frag Cayce, keine Ahnung.”, ich rollte mit den Augen. Also ritt ich quer über die Ranch, um Cayce zu suchen, den ich schließlich auf dem großen Reitplatz fand. “Hey Cayce, das Kraftfutter habt ihr heute Morgen ja verteilt, oder?”, fragte ich ihn und er nickte. “Klar, ist erledigt. Habs auch schon für heute Abend gemischt.” “Gut, ich bin heute Abend mit Bellamy und Ylvi weg, einige Dinge regeln.”, sagte ich und er nickte.
      Jetzt musste ich nur noch Laurence finden. Ihm wollte ich die Ranch heute Abend überlassen, wenn ich nicht da war. Vulture sattelte ich ab und brachte auf einen der Paddocks. Dort machte er sich sofort wieder über das Heu… Mist, das Heu! Ich fluchte, lief zum Haus und stürmte in Bellamys Büro, wo auch Ylvi saß und ihm zu helfen schien. “Das Heu? Kam es? Wo ist es? Ich hab keinen Anhänger gesehen.” Nervös schaute ich auf meine Uhr. “Alles erledigt Caleb. Cayce und die anderen haben es schon abgeladen.”, erklärte er mir und ich nickte. “Okay… dann ist es ja gut. Ich bin dann mal Füttern, und dann können wir auch schon fast wieder los.”, erklärte ich und verschwand wieder. Im Stall fing ich an, das Heu in die Boxen zu verteilen. Als ich damit fertig war, lief mir auch Laurence vor die Füße. “Hey, du müsstest heute Abend auf die Ranch aufpassen. Bellamy, Ylvi und ich sind in Albuquerque und müssen einige Dinge regeln.”, erklärte ich ihm und er nickte, stellte aber keine weiteren Fragen. “Ich hoffe ihr bekommt das hin.”, meinte er und verschwand dann wieder. Im Stall war ich nun fertig, weshalb ich schnell duschen ging, mich fertig machte, meinen Notizblock schnappte und zum Auto ging, wo ich auf Bellamy und Ylvi wartete. Bellamy ließ nicht lange auf sich warten und auch Ylvi erschien nach einer Weile.

      Ylvi
      Ich hatte mein Tablet mit in die Tasche gestopft...einige Notizen würden sicherlich nicht schaden. Ich freute mich auf die Bar, ich war lang nicht mehr drin gewesen. Andererseits würden wir dort auch eine ruhige Ecke vorfinden, sicherlich gab uns Louis eines der kleineren Hinterzimmer. Diese nutzte er oft für geschlossene Veranstaltungen.
      Caleb stand an seinem Pick-Up. Vorn hatten tatsächlich drei Leute Platz, also warf ich die Tasche auf den Rücksitz, rutsche bis an den Fahrersitz und Bellamy setzte sich direkt daneben.
      Im Sandwich eingeklemmt zwischen Caleb und Bellamy fuhren wir also nun knapp eine Stunde in Richtung Albuquerque. Louis Bar befand sich im Speckgürtel der Stadt, eigentlich hatte ich bisher angenommen dieser Teil war nicht einmal Part von Albuquerque. Wobei das jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle spielte. Calebs Blick ging nach vorn auf die Straße. Die Situation war irgendwie seltsam. Das Radio war kaputt. Also begann ich einfach zu erzählen womit Bellamy und ich uns heute beschäftigt hatten. Kontoauszüge sortiert, alle nötigen Zahlungen getätigt. “Ich hab die Daten alle mal digitalisiert auf meinem Tablet. Dann haben wir nebenbei eine gute Basis mit der du arbeiten kannst.” klar Daten konnten verloren gehen. Ich wusste auch das Caleb nicht unbedingt Technik Affinitäten teilte...aber ein Haufen Blätter zu sortieren, im schlimmsten Falle zu verlieren. Sonderlich nützlich erschien mir das ganze nicht. “Wir haben außerdem einen Anwalt ausfindig gemacht, der zwischen Weihnachten und Neujahr zur Ranch kommt um die Papiere offiziell zu übertragen.”

      Caleb
      Die Fahrt über war ich relativ still, hörte Ylvi zu und nickte hin und wieder. „Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht, welche Pferde wir verkaufen sollten. Ylvi du hast doch die Liste aller Pferde auf deinem Tablet? Auch die von O?“, sie nickte. „Gut.“, erwiderte ich und parkte mein Auto vor der Bar. Wir gingen hinein, wurden von einem freundlichen Louis begrüßt und sofort in eines der hinteren Zimmer geführt. Wir redeten eine Weile, besprachen sinnloses, waren vertieft in belangloses, als die Tür aufflog und niemand anderes den Raum betrat, als Octavia. “Da bist du ja endlich.”, grummelte ich, stand auf, und umarmte sie kurz. Auch Ylvi und Bellamy taten es mir gleich. Bellamy schien verwundert. “Ich wusste nicht, dass du auch kommst.”, sagte er zu ihr und zog ihr einen Stuhl vom Tisch, damit sie sich setzen konnte. “War auch eher eine spontane Idee von mir. Wenn sie jetzt zu uns zurückkommt, sollte sie sich auch einbringen. Schließlich will O ja auch Pferde verkaufen.”, erklärte ich und Octavia nickte. “Genau, aber lasst uns erst was essen.”, trällerte sie und ich lachte kurz. Irgendwie hatte ich diesen gut gelaunten Vogel vermisst.
      Wir bestellten Essen, was uns Louis auch schnell brachte. Erneut drehte sich das Gespräch um belanglose Dinge, ehe ich das Wort erhob. “Ich habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, was ich mit einer eigenen Ranch machen würde.. wo sie sein sollte, was sie verfolgen sollte, womit ich mein Geld verdienen würde…”, alle starrten mich an. “Dass Pferde weg müssen ist mir ganz klar, wir haben eh zu viele, die nur fressen und sonst nichts tun… in meinen Augen muss sich eine Ranch durch die Pferde quasi von selbst tragen.”, erklärte ich ihnen und hatte nun wirklich die gesamte Aufmerksamkeit von allen in diesem Raum erlangt. “Ich dachte daran, wieder zurück nach Kanada zu gehen. Ich habe mir im Internet schon Gelände angeschaut, zwei stehen zur Auswahl. Beide wieder in der Nähe von Calgary und Okotoks.” Ich sah ein wenig Panik in Bellamys Gesicht. “Zurück nach Kanada?”, fragte er unsicher und ich nickte. “Ich kenne keinen besseren Fleck auf diesem Planeten, um Pferde und Rinder zu züchten. Ja, Rinder gehören auch zu dem neuen Plan.” Bellamy nickte. “Es ist.. deine Ranch.”, murmelte er kleinlaut doch ich schüttelte den Kopf. “Ich sage nur, wie ich es mir vorstelle… außerdem… wir haben viele gute Westernpferde, die nicht mehr, oder noch nicht im Sport laufen. Touristen sind immer eine gute Geldquelle. Sie könnten die Landschaft erkunden, natürlich mit einem von uns dabei, könnten bei der Rinderarbeit und bei den Pferden helfen. Die Menschen geben eine Menge Geld für sowas aus.” Einstimmiges Nicken. “Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, alle Quarter-, Paint- und Appaloosahorses zu behalten.” “Klingt… vernünftig.”, sagte Ylvi und schaute auf ihr Tablet. “Ich habe hier eine Liste mit den Pferden, ich lese sie euch einfach mal vor. Gekörte Hengste wären demnach Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide und Hollywoods Silver Dream.” Caleb nickte. “Ungekörte Hengste wären A Shining Chrome, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Smart Lil Vulture, Whinney und Zues.” Wieder ein Nicken von Caleb. “Außerdem Nachtschwärmer und Chocolate Dream.”, fügte er an. “Ich nehme an die Fohlen bleiben auch alle?”, fragte Ylvi mich und tippte etwas in ihr Tablet ein. Ich nickte, und sie las die Namen vor: “PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash und BR Colonels Golden Gun.” “Genau. Jetzt noch die Stuten und Cielos.”, meinte Caleb und Ylvi nickte. “Cielos bleibt, dann die gekrönten Stuten Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell und Wimpys Little Devil. Nicht gekrönte Stuten sind A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und die Mixstute Striga.” Ylvi tippte fleißig Häkchen hinter die Namen der Pferde. “Dazu kommen noch Whitetails Shortcut, der Wallach von Cayce und Bittersweet Temptation, ein schwarze-weißer Paint Horse Hengst, den ich dazu gekauft habe.”, erklärte ich allen und sie nickten fleißig. “Væna fra glæsileika eyjarinar würde ich auch gerne behalten. Sie, Choco, Nachtschwärmer und Striga sind die einzigen Außenseiter, würde ich sagen, die ich fest behalten will.”, erklärte ich und sah dann zu Octavia rüber. “Genau, Ylvi tipp mal mit.”, sagte sie und nahm eine Liste aus ihrer Tasche. “Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wen ich behalten möchte und wen ich verkaufen würde… bleiben sollen Tigres Eye, Priamos Ruffie Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I’ve got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Empire of Grace, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS’ Snap in Style und Wildfire xx. Bei einem guten Platz wären Empire of Grace noch zu verkaufen.”, erklärte Octavia und Ylvi tippte sich die Finger wund. Ein bisschen Leid tat sie mir ja schon, aber sie war es durch ihren Job ja gewöhnt, viel an solchen Geräten zu hängen. “Jetzt kommen wir dann wohl zu den potenziellen Verkaufspferden.”, sagte Ylvi und ich nickte. “Lies einfach einen Namen vor und wir sagen pro Argumente, warum das Pferd bleiben soll, oder Kontra Argumente, warum wir es verkaufen sollen.”, erklärte ich und sah zu Ylvi. “Meine Pferde zählen wohl auch dazu, wir gehören ja auch zur Ranch und ziehen mit um. Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn bleiben auch.”, sagte sie. Wir nickten einstimmig. Wir konnten ja schlecht verlangen, dass sie ihre Pferde verkaufte. Sie hatte doch nur vier davon und alle bedeuteten ihr eine Menge. Dann gingen wir die Liste Pferd für Pferd durch.

      Behalten:
      Seattle Slew -> wird als Touristenpferd behalten, wird kastriert
      Sir Golden Mile -> Octavia möchte ihn als Rennpferd übernehmen
      Stiffler -> soll noch gekört werden und ein paar Fohlen bekommen, dann wird er kastriert werden und als Wallach für die Touristen bleiben
      Moon’s Gealach -> wird von Ylvi gekauft
      Cleavant ‘Mad Eyes’ -> bleibt als Tourisrenpferd
      Abe’s Aelfric -> wird kasteriert und bleibt dann als Touristenpferd
      Ceara Isleen -> Umschulung zum Ranchpferd, später dann als Touristenpferd gedacht
      Blazing Flame -> Octavia möchte die Stute haben
      Skrúður -> Umschulung zum Ranchpferd, evtl. ein paar Fohlen ziehen und dann kastrieren, später evtl. als Touristenpferd

      Verkaufen:
      BR Princess Peppy Gaia
      GRH’s Princess Peppy Ann
      Pocahontas
      Náttdís van Ghosts
      Thjalfe van de Jötunheimr
      Fenicio
      Lajos
      Myrkvidr
      Atlanta
      Ghost’s Phenomena
      Magic Lanijos
      Zoltaire
      Zuckerschock
      LMR Fashion Girl
      Samarra
      It’s me, Amira!
      Vin
      PFS’ Blossom Magic
      Bree
      Crimetime
      Wolfs Bane
      Natu’s Little Harley
      CHH’ Mr. Buckminster
      Ocarina of Time
      Empire of Grace
      Free Willy
      Firewalker
      Mystical Champion
      Whiskey
      Sweet Revenge

      “Das war nun doch schwerer, als ich dachte.”, sagte ich und schaute mir die Liste auf dem Tablet nochmal an. “Doch.. doch. So bin ich zufrieden.”, meinte ich und sah in die Runde. Zustimmendes Nicken. “Ich würde gerne Morgen schon nach Kanada fliegen und mir die beiden Grundstücke anschauen. Möchte jemand mit?”, fragte ich Bellamy, Octavia und Ylvi und wartete.


      Ylvi
      In meinen Gedanken hüpfe ich gerade wie Hermine auf meinem Stuhl auf und ab, Arm gereckt, Finger schnippend um zu signalisieren, das ich mit von der Partie war. Tatsächlich speicherte ich meine Datei ab, ließ das Tablet wieder in der Tasche verschwinden und sah erst dann in die Runde. Weder O. noch Bellamy schienen sich wirklich dafür zu interessieren. Ich musste nicht erst zu Caleb schauen um zu Wissen das sein Blick auf mir lag. Als ich auf sah, hatte er mich fixiert. Sein Kopf legte sich nur leicht schief, sein Gesicht mit einem Mal ein fragendes Buch. Meine Augenlider schlossen und öffneten sich bewusst, ein Lächeln um meine Lippen. Unsere stumme Kommunikation machte ihm bewusst das ich mit dabei war. “Dann würde ich sagen, nehmt ihr meinen Pick-Up zurück zur Ranch.” sprach Caleb zu den anderen beiden. Ich fischte mein Tablet wieder heraus. “Ich such dann mal nach einem Flug für dich.” ich wusste nicht wieso ich nicht uns sagte...Ich wollte nicht Preis geben das ich mit Caleb flog. Ich war nicht bereit dafür den anderen zu stecken das vielleicht mehr als das Geschäft mich mit zog. “Ylvi kommst du dann bei mir mit?” fragte Bellamy. Ich winkte ab. “Mhm..nein, also. Ich werd wohl die Nacht noch hier bei Caleb und Louis verbringen. Denke ich werd dann meinen Verbandswechsel direkt morgen im Krankenhaus machen.” “Ja gut. Dann nehm ich Bellamy in meinem Auto mit, dann lassen wir den Pick-Up hier, dann hast du einen fahrbaren Untersatz, wenn du wieder zurück willst.” bot sich O an. “Guter Vorschlag, machen wir das so.”
      Wir verabschiedeten uns von O und Bellamy, blieben allerdings vor der Bar stehen bis die Lichter verschwunden waren. “Ich werd dann mal Lilly eine SOS Nachricht schicken.” Caleb sah mich etwas verwirrt an. “Naja ich hab keine Wechselkleidung, schon gar nichts was Kanada tauglich wäre. Außerdem, den Verband muss ich tatsächlich wechseln.” “Stimmt, daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Gut das Louis fast meinen Kleidungsstil hat. Noch ein Bier?” “Hell yes.” damit drehten wir uns um, betraten wieder die Bar. Caleb half mir auf einen der Barhocker hinter denen Louis stand und uns beide gesichtslos ansah. Ob sich Caleb sein - keine Miene verziehen - irgendwie von ihm abgeschaut hatte? “Ihr habt fast vier Stunden meine Hinterzimmer blockiert. Das klang ja nach einer richtigen Krisensitzung.” typisch native redete er um den heißen Brei, zeigte neugierde...fragte aber nicht bohrend nach. Obwohl ich mir sicher war das es ihm auf der Zunge brannte. “Das muss dir Caleb erzählen.” ich musste derweil ein Gähnen hinter meiner Hand verstecken...und widmete mich der Suche nach einem Flug für den nächsten Tag.

      Caleb
      Das war… anstrengend gewesen. Ich nahm das Bier von Louis entgegen und legte meinen Kopf einmal in meine Hände. Auch an mir nagte mittlerweile eine ziemliche Müdigkeit. Als ich den Kopf wieder hob, sah mich Louis noch immer fragend an. “Oh Louis, wo soll ich anfangen... “, murmelte ich und sah seine nach oben gezogenen Augenbrauen. “Also gut…”, setzte ich an und erzählte ihm alles, was seit heute Morgen passiert war.
      Als ich zu Ende erzählt hatte, war meine Bierflasche auch am Ende angekommen und Louis hatte mir lautlos eine Neue hingestellt. “Das klingt…”, fing er an, bediente einen Kunden, davon gab es schließlich genug hier, und setzte dann wieder an: “Das klingt.. nach viel Arbeit und vielen Veränderungen.” “Ja.. so ist es.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die noch immer nach Hotels und Flügen schaute. Ob sie wohl schon etwas gebucht hatte? “Nach Calgary, am Besten. Die beiden Höfe sind einmal circa 30 Minuten und einmal 45 Minuten von da weg.”, erklärte ich und sie nickte. “Und dann zieht ihr alle von hier weg?”, fragte Louis nach einer Pause. “Ich… denke ja, dass sie alle mitkommen… es wird mir so fehlen, dich nicht mehr so nahe bei mir zu haben.”, sagte ich zu ihm und wurde doch etwas sentimental. “Hey, noch bist du nicht weg, Junge.”, sagte er und haute mir über die Theke einmal gegen die Schulter. “Noch bist du hier und trinkst mein Bier… was du übrigens mal bezahlen könntest…”, merkte er an und ich lachte. “Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon hier gelassen habe.” Auch Ylvi lachte nun. Wir schauten uns an und schienen das Gleiche zu denken. “Oder wie viel Geld wir schon für Bier ausgegeben haben, was wir dann im Gästehaus auf der Ranch getrunken haben.”, sagte sie und Louis und ich stimmten in ihr Lachen ein. “Ach bevor ich es vergesse, kannst du mir ein paar Hemden und Hosen leihen?”, fragte ich Louis und er schüttelte nur grinsend den Kopf. “Klar, ihr schlaft dann bestimmt hier?”, fragte er und wir nickten. “Waschté, ich bring dir morgen früh etwas vorbei. Aber bezahl wenigstens das Zimmer…”, brummelte er und ich rollte mit den Augen, nahm meinen Geldbeutel aus der Hosentasche und bezahlte es im jetzt sofort. Ylvi machte Gestiken auch etwas davon zu bezahlen, doch ich winkte ab. “Das in Calgary wird teurer, ich denke wir schaffen nur eine der beiden Ranches am Tag. Es gibt viel zu sehen und anzuschauen. Da kannst du dich finanziell beteiligen.” “Okay.”, meinte sie und steckte ihren Kopf wieder über den Bildschirm.

      Ylvi
      Etwa nach 20 Minuten hatte ich alles unter Dach und Fach. Louis war gerade verschwunden um die Vordertür abzuriegeln. Die Bar hatte jetzt offiziell geschlossen. “Ich hab uns in Calgary ein Hostel gebucht, einfach...aber auch preiswert. Da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, wird das seinen Zweck erfüllen. Morgen früh gegen 8 kommt Lilly mit ein paar Sachen für mich vorbei. Um 12 geht der Flug...am besten geht es schon etwa 10 Uhr zum Flughafen. Dann haben wir genug Zeit um das Gepäck abzugeben. Ich hab uns bereits online eingechekt, dann sparen wir uns das vor Ort. “ dann nahm ich zwei große Schluck meines Bieres und hielt Caleb den Rest hin. Ich trank auch immer wieder mit, aber sonderlich viel dann auch wieder nicht. Irgendwie hatte es sich da eingeschlichen das Caleb den Rest davon trank.
      Louis brachte uns in das schlichte Zimmer im Dachgeschoss. “Ich würd fix noch die Couch fer…” Caleb fiel ihm ins Wort. “Lass mal...geht schon so.” Louis gab keinen Kommentar, doch ein breites Lachen auf seinen Lippen schien sich der Lakota nicht verkneifen zu können. Dann verschwand er aus der Tür...ich ließ mich auf das Bett sinken, direkt auf den Rücken. “Was für ein Tag.”

      Caleb
      Louis verschwand und Ylvi legte sich auf das Bett. Ich wollte es ihr gleichtun, blieb jedoch stehen und zog meine Sachen aus. Erst dann legte ich mich auf das Bett und unter die Decke. “Ja, der Tag hat mich auch ziemlich fertig gemacht.”, sagte ich zu Ylvi, die aufstand und sich ebenfalls auszog, um dann zu mir unter die Decke zu kommen. Es dauerte wirklich nicht lange, da waren wir eingeschlafen.
      Am nächsten Morgen wachte ich auf, weil Ylvi einen Wecker gestellt hatte. Ich brummte, drehte mich um und legte mir das Kissen über den Kopf. So fertig war ich schon lange nicht mehr gewesen. Auch Ylvi schien nicht wirklich begeistert davon, aufzustehen. Nachts war ich immer wieder aufgewacht und hatte eine Weile nicht mehr einschlafen können, so viele Gedanken waren in meinem Kopf hin und her gekreist. Langsam richtete ich mich jedoch auf, zog zumindest meine Hose an und öffnete die Tür, denn ich dachte, ich hätte etwas gehört gehabt. “Oh schau mal, unsere Sachen.”, sagte ich zu Ylvi und hob die beiden Reisetaschen auf. Diese schmiss ich aufs Bett, öffnete sie und schob dann die Tasche mit der Frauenkleidung zu Ylvi rüber, die sich mittlerweile auch aufgerichtet hatte. Aus meiner Tasche nahm ich ein Hemd, zog es an und stopfte mein altes Hemd vom Boden in eine Ecke der Tasche. “Louis scheint das hier abgegeben zu haben. Lilly wollte mir ja noch helfen.”, schlussfolgerte Ylvi und ich nickte. Dann klopfte es wirklich an der Tür. Ich öffnete, bat Lilly herein und verschwand für die Zeit nach unten, während die Beiden den Verband wechselten. Eine ganze Weile unterhielt ich mich mit Louis, ehe Ylvi und die Kleine mit den Taschen die Treppe herunter kamen. “Hab alles eingepackt.”, sagte Ylvi zu mir und ich nickte. Wir verabschiedeten uns von Louis und Lilly, packten alles in den Pick - Up und fuhren zum Flughafen- relativ schweigend. Auch das Warten verlief ohne große Worte, ich nickte auch einmal ein und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt. Müde schaute ich in Ylvis Gesicht. “Komm, lass uns ins Flugzeug.” Wir stiegen ein, bezogen unsere Plätze und… schliefen für die nächsten sieben einhalb Stunden ein. Leider hatten wir die schöne Aussicht auf Colorado, Wyoming und Montana verpasst. Aber vielleicht würden wir es ja auf dem Rückflug schaffen, wach zu bleiben und uns die Landschaft anzuschauen.
    • AliciaFarina
      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil II
      Dezember 2018, by Ravenna & Veija

      Ylvi
      Die unsanfte Landung ließ mich hoch schrecken, ich brauchte auch einen kurzen Moment ehe ich mich orientiert hatte. Ich drückte in der enge des Flugzeuges meinen Rücken durch, dehnte meinen Nacken. Die Position halb schief auf Calebs Schulter schlafend hatte dem nicht ganz wohl getan. Die Flugbegleiter baten uns noch einige Minuten zu warten, wir hatten den Flug knapp 20 Minuten zu früh erreicht. Das Bodenpersonal schien sich aber bereits zu sammeln.
      Caleb schien auch wach geworden zu sein, ähnlich wie ich rieb und dehnte er sich den Nacken. Da wir nur Handgepäck hatten konnten wir nach verlassen des Gates direkt in Richtung Ausgang verschwinden. Dort suchten wir uns ein Taxi. Durch die Zeit hier mit der Gips Reminder Ranch, hatte Caleb eine alte Bekanntschaft ausfindig gemacht. Sie würde uns für die nächsten drei Tage die wir hier blieben ihren Wagen leihen.
      Die Frau die uns entgegen kam, trug Stiefel...aber nicht nur Stiefel. Sie gingen ihr bis über das Knie. Es verlängerte ihre Gestalt, sie hatten auch einen knapp 10 cm hohen Absatz. Ein kurzer, also wirklich kurzer Rock. Die Jacke mit weitem Plüsch besetzt...Ich zuckte zusammen als ich ihr Gesicht sah. Hui..mit Schminke hatte sie nicht gespart. Caleb hüstelte, als sie mit einem “Juuuhu Caleb.” auf uns zu gestöckelt kam. Ich war mir ziemlich sicher...die sah nicht nur aus wie ein Rodeohäschen, sie war sicherlich eine. Sie zog Caleb zu ihrer Brust, küsste ihn auf die Wange, auf denen der Abdruck ihres Lippenstiftes zurück blieb. “Ylvi..das ist Monique.” Ich hatte fast erwartet, sie würde mich mit einem Bitch-please Blick mustern. Stattdessen kam sie vor mich, überragte mich dabei locker um beinahe zwei Köpfe. Mich zog sie allerdings auch in eine Umarmung, küsste mich auch auf die Wange. Schien also nicht ihre spezielle Caleb Begrüßung zu sein. Oder sie wollte nicht das ich mich schlecht fühlte.
      Sie gab Caleb einen Schlüssel in die Hand, ein rosa Einhorn hing daran. Anschließend führte sie uns zu ihrem Wagen. Es handelte sich um eine schwarze Dodge. Ich blieb kurz einen Moment verdutzt stehen. Den Wagen hatte ich der drallen Monique nicht zugestanden. Das bewies allerdings wieder - Urteile nicht vorschnell. Vielleicht kleidete sie sich auch einfach nur gern..wie sie eben gekleidet war? Caleb und sie unterhielten sich noch ein wenig, er gab mir schonmal den Schlüssel. Mit den Taschen stiefelte ich also in Richtung der Kofferklappe, öffnete und erstarrte. Ich spürte förmlich wie sich meine Netzhaut weg ätzte als ich das Innenleben erblickte. Rosa..pink...und zwar alles vor mir. Das bisschen das ich vom Armaturenbrett sah, die Ledersitze...der ganze verdammte Kofferraum. Ich warf das Zeug rein. Monique wünschte Caleb alles gute. “Dann bis in drei Tagen.” erwiderte er. Ich gab ihm die Schlüssel wartete bis sie fort war. “Monique also, ja?” meinte ich spöttisch, sah ihr hinterher. “Ich hab nie behauptet das ich Geschmack hatte als ich jünger war.” ich lachte ein wenig. “Warte bis du die Inneneinrichtung zu Gesicht bekommst.” klopfte auf seine Schulter, lachte und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Als ich sie öffnete stand da ein vom Donner gerührter Caleb, ungläubig auf das Innere blickend. Von hier aus hatte ich mehr Blick auf die Einrichtung...der Schalthebel...sogar die verdammten Pedale...rosa oder Pink. “Na? Doch lieber einen Wagen mieten?” Caleb schüttelte langsam den Kopf, schluckte. “Na immerhin ist er von außen schwarz.” scherzte er, nicht ganz ernst.
      Damit stiegen wir also in den Wagen, mein Tablet in der Hand, half ich ihm dabei aus der Stadt heraus zu finden. “Gut das du den Kasten bei hast, die genaue Richtung krieg ich sicherlich nicht mehr zusammen.” dann schwiegen wir wieder eine Weile. Ich konnte nicht umhin, mein Handy zu zücken und ein Foto von Caleb hinter dem rosa Lenkrad zu machen. “Wehe das landet im Chat für die Ranch.” ich grinste ihn an…”Huups.”

      Caleb
      Ich starrte wütend zu Ylvi rüber. Bing...bing...bing… Machte es bei unseren beiden Handys. Ylvi starrte auf Ihres und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ich kramte meins aus der Tasche und schaute auf das Display. ‘Hübsch Caleb, steht dir.’, stand da von Bellamy. ‘Oh Caleb, ich wusste ja dass du strange bist.. aber das hätte ich nicht erwartet.’, stand da von Octavia. ‘Caleb was geht denn bei dir?!’, hatte Cayce geschrieben. ‘OMG CALEB!’, schrieb Betsy. Wir hatten auf dem Hof zwei WhatsApp Gruppen, einmal mit, und einmal ohne Betsy. In der ohne das Mädchen wurden manchmal ganz andere Dinge geschrieben. “Na danke dafür.”, sagte ich zu Ylvi, starrte sie noch einmal wütend an und startete dann den Motor. “Ich dachte wirklich Monique wäre über diese Phase hinweg…”, grummelte ich in mich hinein und fuhr auf den Highway.
      Morgen würden wir uns die Ranch anschauen, heute würde es zeitlich zu knapp werden. Eine Ranch kaufte man nicht in einer Stunde. “Hast du Lust noch was essen zu gehen?”, fragte ich Ylvi, als ich in die Straße des Hotels einbog. Sie nickte. “Vorher noch etwas frisch machen?”, sie nickte wieder. “Na gut.”, murmelte ich. Meine Wut war verflogen, etwas witzig war das Auto ja schon- und das Bild würde uns immer an diesen Trip hier erinnern.
      Ich parkte das Auto im Parkhaus und wir stiegen aus, gingen zur Rezeption, checkten ein und gingen auf unser Zimmer. “Mach du dich zu erst fertig.”, sagte ich zu ihr und Ylvi verschwand im Bad. Wir hatten beide keine sonderlich schicke Kleidung dabei, weshalb wir uns auch nicht großartig umzogen. Als Ylvi fertig war ging auch ich ins Bad und machte mich ein wenig frisch. “Na dann lass uns essen gehen, sagte ich zu ihr und ließ tatsächlich meinen Cowboyhut auf dem Bett liegen. “Nimmst du den nicht mit?”, fragte Ylvi mich und ich schüttelte den Kopf. “Ich muss ja nicht schon wieder direkt auffallen.”, sagte ich zu ihr. Bei dieser Aussage dachte ich an mein Auftreten im Krankenhaus und die klirrenden Sporen. Mit der verwaschenen blauen Jeans und den Westernstiefeln würde ich hier bei genauerer Betrachtung zwar auch auffallen, aber nicht so sehr wie noch mit dem Hut. Wir stiegen ins Auto, fuhren zu einem Restaurant ganz in der Nähe, ein bisschen kannte ich mich ja hier noch aus, und parkte dort auf dem Parkplatz. Wir gingen rein und bekamen tatsächlich noch einen Platz. Dort bot ich Ylvi einen Stuhl an und setzte mich ebenfalls an den Tisch.

      Ylvi
      Ich rieb meine Hände aneinander, setzte mich schließlich auf sie - es waren -6 Grad...und mein Körper hatte sich noch nicht an die Kälte gewöhnt. Das war tatsächlich eine Tatsache die mir Caleb wirklich mal erklären musste. Wieso zum Teufel Kanada? Das einzige was ich von diesem Staat wusste waren: ne Menge Schnee, irgendwas mit Ahorn und natürlich eine unfassbare Artenvielfalt an Tieren. Darunter Wölfe, Elche, Rentiere und natürlich auch Bären. Ich konnte Schnee nicht ausstehen. Klar so Winterritte hatten schon was...aber Schneechaos, Schnee schippen. Ich hatte mich zwischendurch schonmal gefragt was mich da geritten hatte. War ich nicht zur Blakes Crow Meadow gekommen, eben weil sie in New Mexico war? Tja, da hatte sich innerhalb weniger Stunden mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Und mein blöder Witz war es auch noch gewesen, der Bellamy auf die fixe Idee gebracht hatte Caleb die Ranch zu überschreiben. Ich hatte sogar gemeint ein Umzug sei sicherlich nicht schlecht. Und jetzt waren wir hier...in Calgary. Die nächsten Tage schauten wir uns zwei der potentiellen Ranches an. Wahnsinn.
      “Jetzt wo wir unsere Ruhe haben. Erzähl mir doch mal wieso es eigentlich nach Kanada geht. Soweit ich weiß bist du nicht hier geboren? Was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”

      Caleb
      Wir saßen beide am Tisch, hatten uns ein wenig umgesehen und auch schon Essen bestellt. Die Kellner hier waren wirklich fix und hatten uns schnell bedient, so dass wir nicht lange hatten warten müssen. Als Ylvi mir eine Frage stellte seufzte ich kurz und ließ meine Gabel sinken. Ja, warum eigentlich? Dass ich mich einfach nicht von diesem Land und von der Erinnerung an Verena trennen konnte würde ich ihr wohl kaum verraten.
      “Nein, geboren bin ich hier nicht aber ich bin durch das Rodeo viel gereist, habe viel gesehen und war auch sehr oft in Kanada, mal auf kleinen, mal auf großen Rodeos… dann habe ich Verena kennen gelernt… und habe mich noch mehr in dieses Land verliebt.”, gestand ich ihr und aß weiter, ich ließ mir Zeit mit dem Antworten, wollte meine Aussagen mit Bedacht auswählen. “In der Zeit auf der Gips Reminder Ranch habe ich viel erlebt, bin viele Pferde geritten und viele Turniere gegangen, hier und auch in ein paar Staaten in den USA. Montana und Wyoming zum Beispiel habe ich oft mit Pferden besucht, aber die Landschaft hier in Alberta? Die grünen, weitläufigen Wiesen, kaum Zäune und wenn, dann kilometerweit entfernt…”, ich sah Ylvis Blick und wusste genau, was sie dachte. Genau das gab es auch in Staaten der USA. Weitläufige, grüne Wiesen und auch alles Andere… “Ich weiß nicht.. kennst du das nicht, dass man sich in etwas verliebt und gerne dort hin zurückkehren möchte? Natürlich nicht genau zurück.. aber in das Land schon?”, fragte ich sie und sie nickte. “Und was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”, fragte sie mich dann und wieder musste ich überlegen. “Sie soll weitläufige Koppeln haben, wir brauchen aber auch für jedes Pferd eine Box. Es müssen nicht immer alle Pferde im Stall stehen, aber hier kann der Winter teilweise ziemlich hart werden und dann bräuchten wir für jedes einen warmen Platz. Außerdem möchte ich gerne Rinder halten.. Whiteface.. wer hätte es gedacht.”, erklärte ich und sie lachte. “Ja, wer hätte gedacht, dass du dir Kühe mit einem weißen Kopf kaufst.”, zog sie mich auf. “Außerdem brauchen wir große, gute Reitplätze und am besten eine oder zwei Hallen, um die Pferde ordentlich trainieren zu können… und Bungalows… oder kleine Mitarbeiterhäuser… aber das kann man ja alles noch bauen.”, erklärte ich ihr und sah sie an. “Also so richtig… weiß ich noch nicht was ich möchte. Also ich weiß es schon, aber ich kann mich nicht entscheiden, was ich wichtiger finde.”

      Ylvi
      Caleb wählte seine Worte mit Bedacht. Es schien als kaue er auf ihnen herum, ehe sie seine Lippen verließen. Nicht als fiele es ihm schwer sie auszusprechen. Vielmehr beschlich mich das Gefühl als wolle er mich schonen. War es das? Ich legte leicht den Kopf schief, beobachtete seine Haltung die offen war. Doch seine Hand spielte mit dem Ende der Gabel. Wunderlich was mir nach all der Zeit mit ihm auffiel. Es gab keine Illusionen.. natürlich, die Antwort die er mir gab war richtig, aber da war noch etwas anderes. Um mich abzulenken konzentrierte ich seiner zweiten Antwort zu lauschen, nahm die Worte wahr... allerdings entschlüpften sie mir durch das andere Ohr nach draußen. Ich hörte nur Koppeln, Boxen...Halle... Training.
      In Gedanken jedoch war ich noch bei der ersten Frage. Wieder war ihr Name gefallen, Verena. Natürlich war er das..hier hatte alles begonnen für ihn. Wie Louis es mir damals auf dem Berg gesagt hatte..Verena hatte alles für ihn geändert. Damit hing sein Herz, ein Teil seines Bewusstseins nicht nur an ihr,sondern auch an dem Land das für ihn einiges verändert hatte. Es fiel mir schwer mein wehmütiges Seufzen zu unterdrücken. Ich würde vielleicht ewig in ihrem Schatten stehen. Dann erinnerte ich mich an Laurence Worte..die gute Seele der Ranch. Vielleicht hat Verena dich für uns hierher geführt.
      Ob er wohl Recht hatte? Mir gefiel der Gedanke das sie aus der Anderswelt in diese blickte und den Nornen vielleicht etwas Zugeflüstern hatte. Laurence hatte von Gott gesprochen, für mich spielte er weniger eine Rolle als die Götter des Nordens..aber vielleicht war er einfach nur eine andere Bezeichnung für meinen Allvater? In Bellamzs Büro hatten Bilder von ihr gehangen. Für mich würde Verena auf ewig ein Geist bleiben von dem wenige sprachen. Ich beugte mich ein wenig vor, sah Caleb an, fasste nach seiner Hand. “Tut mir Leid..deine zweite Antwort wirst du mir nochmal geben müssen. Kannst du mir von ihr erzählen? Jeder erwähnt sie, für mich ist sie nur ein Geist. Ich könnte Bellamz oder O. fragen...aber,ich weiß nicht. Ich würde es gern von dir wissen. Ich hätte gern ein Bild von ihr, mehr als nur Bruchstücke.” das konnte nach hinten los gehen, furchtbar schief gehen. Aber ich wollte offene Karten zwischen uns... er verhielt sich stets Loyal,das war einer seiner besten Eigenschaften. Daher fügte ich noch hinzu “Ich hoffe du weißt, dass du offen mit mir sprechen kannst. Du musst mich nicht schonen.” Ich lächelte aufrichtig in seine Richtung. Wir waren kein Paar, er hätte das Recht sich der Antwort zu entziehen. Ich wollte nicht zu forsch sein, es war kein Befehl...eine offene Bitte vielmehr.

      Caleb
      So langsam waren wir fertig mit Essen, als mir Ylvi eine Frage stellte, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte. “Lass uns nicht hier über sie sprechen.”, erklärte ich ihr und schien sie für den Moment befriedigt zu haben, denn sie hakte nicht weiter nach. Wir sprachen über dieses und jenes, blieben jedoch bei Gesprächen über Pferde und Ranches. Wir teilten uns noch die Eiskugeln zum Nachtisch, denn eine ganze Portion hätten wir beide nicht mehr geschafft, bezahlte jeder von uns die Hälfte der Rechnung und wir gingen zurück zum Auto, womit wir wieder ins Hotel fuhren und auf unser Zimmer gingen. Man sah uns beiden an, dass wir wirklich geschafft vom Flug waren. “Und du willst ihre Geschichte wirklich jetzt noch hören?”, fragte ich Ylvi und sie nickte überschwänglich. “Ja.”, war ihre Antwort und ich nickte, schwieg jedoch eine ganze Weile, während sie mich gebannt ansah und darauf wartete, dass ich etwas sagte.
      “Verena war… eine Visionärin.”, fing ich an und überlegte dann weiter. “Ich glaube sie hatte ihr Leben schon bis zum Tod durchgeplant und den Pferden gewidmet. Sie hat stets in allem das Gute gesehen und nicht nur zweite, sondern auch dritte und vierte und fünfte Chancen gegeben, auch was mich angeht. Nicht umsonst hat sie mir eine Ohrfeige verpasst, mich gefeuert und vom Hof geschmissen, als ich ihr sagte, Zues wäre unbrauchbar und ich hätte ihr doch gesagt, dass sie es bei ihm zu nichts bringen würde…Sie hat mir mehr als einmal einen Fehltritt verziehen und mir wieder ihr Herz geöffnet.”, erklärte ich ihr weiter und sah in ihren Augen etwas aufblitzen. “Hasst du Zues deshalb?”, fragte sie mich doch ich schüttelte den Kopf. “Ich hasse ihn nicht.. ich gebe ihm nur irgendwie die Schuld an allem, auch wenn er absolut nichts dafür kann.” Ylvi nickte. “Die vielen Chancen hat sie also den Pferden und den Menschen gegeben. Zues, Raised from Hell, Wimpys Little Devil… alles so hoffnungslose Fälle. Aber schau dir Hell und Devil heute mal an… was sie bei ihnen erreicht hat… nur zu Zues konnte sie nie durchdringen.. und jetzt kann sie es nicht mehr. Aber abbringen ließ sie sich von nichts, dieser Sturkopf der immer seinen Willen durchsetzen musste. Nichts und niemand in der Welt hätte sie dazu gebracht, eines der Pferde aufzugeben. Sie hatte eine gute Seele und liebte die Pferde über alles.”, wieder nickte Ylvi. Was sollte sie auch groß dazu sagen? “Mir gegenüber war sie immer ein wenig… impulsiv. Irgendwie wie ich…Ich brachte sie auch oft genug auf die Palme, mit meinen Andeutungen…. Achso, apropos Chancen.. schau dir Bellamy und Murphy und Octavia an. Alles ihr Werk. Hätte sie ihnen keine zweite Chance gegeben, was wäre wohl aus ihnen geworden? Ich möchte das auf jeden Fall auch weiterführen. Solchen Menschen eine zweite Chance geben, ihnen etwas bieten und zu etwas verhelfen.”, sagte ich und schwieg dann wieder eine ganze Weile. “Mit ihr konnte man nicht gut streiten. Sie war schnell den Tränen nahe und Enttäuschungen sah man ihr sofort im Gesicht an. Sie war jemand, der von den anderen gemocht und gut behandelt werden wollte… vermutlich konnte ich aus diesem Grund ihr Herz nie erreichen und hatte sie an Svejn verloren. Svejn ist eine andere lange Geschichte…”, seufzte ich. “Sie legte jedoch viel Wert auf meine Meinung und wurde sehr schnell unsicher, wenn ich ihr vor den Kopf stieß und ihr erklärte, wie dämlich und dumm ihre Idee war…”, wieder schwieg ich. “Sie verlangte den Pferden aber auch Leistung ab. Schau dir Bella oder Gipsy an, oder auch Choco. Oh Gott Choco!”, ich lachte. “Durch ihre Affinität zu diesem Pferd ist mir der Haflinger erst auf den Hof gekommen! Sie glaubte zwar nie daran, dass andere Rassen gut in dieser Sportart sein würden, aber irgendwie hatte sie einen Narren an diesem Hengst gefressen… und Choco ist gar nicht so schlecht im Westernsport.”, sagte ich und Ylvi lachte auch kurz auf. “Ansonsten.. ich zeige dir mal ein paar Fotos, wenn wir wieder in New Mexico sind. Dann kannst du dir sie besser vorstellen.”, sagte ich noch und überlegte. “Ich glaube, mehr fällt mir gerade nicht ein.”, meinte ich und drehte mich zu Ylvi um. Ich hatte in dem Stuhl im Zimmer Platz genommen, während sie sich auf dem Bett ausgebreitet hatte. “Hast du noch Fragen?”

      Ylvi
      Ich hatte mich auf das Bett fallen lassen, aufmerksam seinen Worten gelauscht. Der Geist füllte sich mit einer Art von Person. Mit jedem Satz den er mir gab,konnte ich mir ein besseres Bild von ihr machen.
      Er endete, schwieg kurz. In diesem kurzen Moment richtete ich mich auf. Ob ich noch Fragen hatte? Viele...aber diese musste ich nicht jetzt beantwortet bekommen. Also schüttelte ich den Kopf. “Danke.” flüsterte ich, für ihn gerade so hörbar. Ich hätte noch anfügen können, das ich wusste das es ihm schwer gefallen war. Das ich ahnte, dass ihn meine Frage erstaunt hätte. Aber in mir kam das Gefühl auch, dass dies zu viel wäre. Es bedurfte keiner Erklärungen. Über den Raum hinweg sahen wir uns einfach an, ohne zu blinzeln, dann huschte nur ein Zucken über seine Lippen, er blinzelte. Ich hatte ohne Worte verstanden, Caleb wie es schien auch. Als er sich erhob um in das Bad zu gehen, ließ ich mich wieder zurück sinken. Mir steckte der Flug in den Knochen, ein wenig tat mir doch irgendwie meine heilende Wunde weh - es begann langsam die Zeit in der sie zu jucken anfing.
      Ich unternahm wirklich den Versuch wach zu bleiben, aber meine Lider waren einfach zu schwer. Also glitt ich in das Land meiner Träume. Sie waren wirr...vollkommen wirr. Aber eine Art von Lichtgestalt die der Verena auf den Fotos wirklich unglaublich ähnlich sah, führte mich zu einem Pferd. Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich auf dieses zu, schwang mich auf seinen Rücken und ritt über eine Landschaft die mir gänzlich unbekannt war. Erst zurück auf der Ranch sollte mir klar werden, das ich in meinen Träumen auf Zues geritten war. Sie würden mich nicht in Frieden lassen. An diesem Tag, in diesem Traum, entstand eine erste Idee in meinem Kopf.

      Caleb
      Als ich aus dem Bad zurückkam war Ylvi schon eingeschlafen. Ich seufzte kurz, deckte sie zu und legte mich dann ebenfalls unter die Decke. Wieder hier zu sein, in Calgary, nahe dem Ort an dem alles angefangen hatte und an dem alles hätte enden können… Meine Gedanken hielten mich fast die ganze Nacht wach. Ylvi wachte einmal nachts auf, zog sich flink um und schlief dann sofort wieder ein.
      Ich musste doch die Augen eine Weile zu gemacht haben, denn als ich von Ylvi geweckt wurde, fühlte ich mich wie vom Truck überrollt. Ich hab einen gequälten Laut von mir, richtete mich auf, stellte meine Füße auf den Boden und ließ meinen Kopf auf meine Hände sinken, die ich auf meine Beine gestützt hatte. „Alles in Ordnung?“, fragte Ylvi mich vorsichtig. „Ja.“, meinte ich leise und fuhr mir einmal durch die Haare. „Mach du dich im Bad fertig, ich muss noch ein paar Telefonate führen.“, erklärte ich ihr und sah sie ins Bad huschen. Tatsächlich rief ich die beiden Ranchbesitzer an und klärte, welche wir heute und welche wir morgen besuchen gehen würden. Meinen Favoriten würden wir uns morgen anschauen gehen, die andere Ranch heute. Ylvi besuchte nicht sonderlich lange im Bad, so dass ich auch noch duschen gehen und mich umziehen konnte. „Frühstück?“, fragte ich sie als ich wieder herauskam. Sie nickte. „Frühstück und Kaffee…“, erwiderte ich ihr und gähnte lange.
      Als wir in Richtung Essraum gingen erzählte ich ihr, welche Ranch wir heute besuchen gehen würde und welche morgen. Dass bei der morgigen Ranch noch 30 Whiteface Kälber, Rinder und Kühe inbegriffen waren, verschwieg ich ihr mal lieber.

      Ylvi
      Da Caleb ein wenig fertig aussah, orderte ich ihn auf den Beifahrersitz und klemmte mich selbst hinter den Sitz des Fahrzeuges. Ich hatte Glück, der Sitz ließ sich nicht nur nach vorn sondern auch nach oben verstellen. Ich konnte kaum über das Lenkrad hinaus blicken. “Schaffst du das?” dabei klopfte er sich seine Hand auf die linke Brust. Ich nickte, startete den Motor.
      Starr nach Navigationsgerät fuhr ich aus Calgary heraus, nach Westen. Es waren knapp 43 Kilometer, eine Fahrt von einer guten halben Stunde. Irgendwo hinter einer Art Feriensiedlung mit dem Namen Redwood Meadows Bogen wir auf eine kleiner Straße, die es eigentlich nicht verdiente diesen Namen zu tragen. Tannen rechts, Tannen links. Plötzlich fuhren wir unter einem Eingangsschild hindurch. Vor uns befand sich tatsächlich Wald und eine Ranch.
      Begrüßt wurden wir von einen Herren der etwa in seinen 50ern sein musste. Als ich ihn auf uns zukommen sah, musste ich innerlich Lächeln. Er sah Louis ziemlich ähnlich. Er hatte schwarz, silberne Haare in zwei langen Zöpfen geflochten, trug eine große Brille. Unmissverständlich ein Native. “Mr. O’Dell?” Caleb nickte, lächelte. “Sie haben mit meinem Sohn telefoniert. Mein Name ist Jonathan Clearwater.” Wir reichten uns jeweils die Hände. Dann begann er zu erzählen, erst ein wenig über das Tal hier. “In den 40ern gab es einen großen Waldbrand, die freien Flächen die zurück blieben hat mein Stamm für sich genutzt. Sie müssen auf dem Weg hierher an dem Golfplatz vorbei gekommen sein?” “Ah, dann war es gar keine Stadt.” “Doch, schon..nur noch wenige wohnen hier. Meine Familie hat jahrelang hier auf der Farm gelebt.” Trotz des Feuers blieb ziemlich viel an Nadelwald übrig. Das Haupthaus war praktisch vor lauter Bäumen gar nicht auffindbar. Insgesamt schien es nur 3 andere Häuser zu geben, die eher Bungalows glichen. Viel Platz für Mitarbeiter...oder Gäste blieb da nicht. Das Stallgebäude hatte genau 10 Boxen, daran angeschlossen gab es zwar eine riesige Lagerhalle, die zu zwei Hallen abgetrennt werden konnten. Einen Platz jedoch suchten wir ein wenig vergeblich. Und zwischen den Wegen, immer wieder kleine lichte Orte um die man eine Wiese gezogen hatte. Hübsch war es ja...für eine Zucht und Ranchbetrieb war das ganze allerdings etwas zu waldig. Das sah man auch Caleb an. Mr. Clearwater ließ uns nach seiner Rundtour auch alles in Ruhe allein anschauen. “Stallgebäude müssten wir erneuern...irgendwo außerhalb Wiesen anpachten. Wald roden um einen Platz zu bauen, überhaupt auch einen Round Pen. Für Rinder wäre das hier auch nicht so geeignet.” zählte Caleb auf. Ich drehte mich im Kreis. “Für die Pläne die im Raum stehen ist der Ort hier nicht sonderlich geeignet.” pflichtete ich ihm bei. Nachdem wir den halben Tag hier verbracht hatten, hieß es schließlich sich von Mr. Clearwater zu verabschieden. In unserem Rosa-Traum von einem Auto gab ich nun also die andere Adresse ein. “Ich muss ganz ehrlich sein. Angenommen ich hätte tatsächlich eine eigene Ranch aufgebaut, dann wäre der Ort hier klasse. Die Landschaft, der Platz. Ich mag das Haupthaus sehr gern - ist immerhin möbliert. Ich hätte für den Anfang ohnehin wenig Pferde. In Anbetracht der Tatsache allerdings das es eben die Blakes Crow Meadow Ranch ist - wird es das hier nicht sein.” sprach Caleb währenddessen. “Gut, aber die Einrichtung war nun wirklich ziemlich old school. Ich hab ja nichts gegen alte Einrichtung, aber vieles davon hätte man wohl nicht mehr nutzen können.” “Da magst du Recht haben.”

      Caleb
      Anstatt zur anderen Adresse zu fahren fuhren wir wieder ins Hotel. Wir waren beide immer noch ziemlich geschafft, oder zumindest ich war ziemlich geschafft, so dass wir uns im Hotel etwas zu essen aufs Zimmer brachten, dort gemeinsam aßen und uns dann ins Bett legten. Wir schauten noch eine Weile eine Sendung über irgendwas mit Indianern, ehe wir den Fernseher aus machten und uns schlafen legten.
      Am nächsten Morgen waren wir beide fitter und dementsprechend auch motivierter. Wir ließen es uns gut gehen bei dem ausgiebigen Frühstück, welches uns geboten wurde, ehe ich mir hinters pinke Steuer setzte. “Es ist und bleibt stockhässlich.”, sagte ich zu Ylvi, warf ihr einen Blick zu und stieg in ihr Lachen ein. Die zweite Ranch lag etwa eine halbe Stunde südöstlich von Calgary, an einer wunderschönen Flussgabelung. Auch sah man von hier ein paar kleinere Berge und auch die großen Rocky Mountains. “Der Ausblick gefällt mir.”, sagte ich zu Ylvi und sie schien meine Meinung zu teilen.
      Wir fuhren an einem Ranchschild mit der Aufschrift “Bow River Ranch” vorbei. Dann folgte ein langer Weg, der rechts und links aus großen Koppeln bestand. “Schau mal, wie schön.”, sagte Ylvi und auch ich war begeistert von den weitläufigen Wiesen und den angrenzenden Waldstücken. Wie weit das wohl zur Ranch gehörte?
      Auf dem Gelände hielten wir vor dem Hauptgebäude. Es war in einem älteren Stil erbaut, aber keinesfalls hässlich oder urig, sondern einladend und freundlich. Es öffnete sich die Haustür und der Besitzer der Anlage kam heraus. “Hallo, ich bin Jackson Duncan.”, stellte er sich vor und schüttelte zuerst Ylvis, dann meine Hand. “Ich führe sie ein bisschen herum.”
      Schon als ich meinen Fuß in den ersten Stalltrakt setzte, war es um mich geschehen. Ich sah Ylvi an und auch sie schien die Ranch zu mögen. Verschiedene Stalltrakte, Offenställe, zwei Reitplätze, eine wirklich sehr große Halle, viel Platz, um selbst noch etwas zu bauen und zwei Round Pens. Einen etwas kleineren und einen Größeren. Ansonsten bot die Ranch viel, viel Platz. Viel Platz zum Bauen, viel Platz zum Umstrukturieren, weitläufige Wiesen und den Fluss, der teilweise überquert werden musste, um auf die anderen Wiesen zu kommen, die dazu gehörten.
      "Das beste sehen Sie gleich, doch dazu müssen wir eine Weile reiten.", sagte er und führte uns zurück zu den Autos, wo jetzt jemand mit drei Pferden stand.

      Ylvi
      Noch bevor ich hätte nach den Zügeln greifen können, nahm sie Caleb entgegen. “Mr. Duncan, auf dem Ritt werden wir leider nur zu zweit sein.” dieser ließ das unkommentiert. Ließ den Mitarbeiter aber den Braunen fort nehmen. Wehmütig sah ich zu wie sich Caleb in den Sattel schwang, seinen Rappen neben mir zum stehen brachte und mir vollkommen unnütz durch die Haare strubbelte. “Bald darfst du auch wieder.” neckte er mich. Ließ den Rappen antraben und folgte einen Pfad hinauf Mr. Duncan. Ich verschränkte die Hände vor meiner Brust. Unfair.
      Ich hatte nichtmal eine Vorstellung wie lange sie weg sein würden! Ich vertrieb mir erst die Zeit damit im Auto zu sitzen. Anschließend streunerte ich noch einmal allein über den Hof. Viele Leute gab es hier nicht, auch der Stalltrakt war bis auf drei vier Boxen nicht mehr belegt. Bow River Ranch. Ich ließ mir den Namen über die Lippen rollen. Erinnerte mich das wir vorhin an einem Fluss vorbei gekommen waren. Auf einer der Koppeln war sogar ein Bach. Ich nahm an daher rührte der Name. Nach gut einer Dreiviertelstunde klingelte mein Handy. Caleb war gerade dabei mir diverse Fotos zu schicken. Darauf sah ich Blockhütten, drei an der Zahl...Weiden..und auch dort der Bach - dieses Mal sehr viel breiter, als er hier im Tal war. Das ganze lag in einem Talkessel, auf dem Bild hätte ich nicht sagen können wie breit es war. Doch auf den Bildern konnte ich die Berghänge sehen, sie waren schroff und mit Schnee bedeckt.
      Etwa eine Stunde später kamen Caleb und der Typ der uns die Ranch gezeigt hatte wieder zurück. Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren. Die Verabschiedung lief eigentlich ziemlich schnell. Ich fuhr zurück nach Calgary. Caleb packte oben im Zimmer unsere ganzen Sachen zusammen. In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um den Check-out vom Hotel. Zusätzlich hatte er mir sein Handy in die Hand gedrückt. Ich suchte also in seinen Kontakten nach Moniques Nummer, rief sie an. Es dauerte auch nicht lang, dann ging sie auch schon an das Telefon. “Caleb, ihr seid also zurück?” “Nein,nein. Ylvi hier. Also ja wir sind zurück. Wir würden in etwa 10 Minuten bei dir sein und dir deinen Wagen wieder bringen.” “Ylvi, also. Gut dann halte ich mich bereit.”
      Dieses Mal fuhr .Ccaleb, auf meinem Schoß und zwischen den Beinen befand sich unser Gepäck. Unterwegs sprachen wir zunächst nicht, jeder hing den Gedanken an die Ranch nach. Caleb und Monique tauschten die Position hinter dem Steuer, er verzog sich auf die Rückbank. “Wie hat euch mein Baby gefallen?” Keine Antwort..nur ein Hüsteln von mir, da ich mir ein Lachen verkniff. Dann ein sehr sarkastisches “Ganz hervorragend!” von Caleb. “Nicht wahr?” Monique schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. Daher setzte Caleb noch nach “Ich hätte gedacht die Phase sei endlich mal an dir vorüber gegangen.” keine Antwort, aber ich sah wie sich Monique auf die Lippen bis. Ihr Gesicht sah aus als sei sie gerade auf dem Klo beschäftigt. Ich sah lächelnd aus dem Fenster.
      Der Check-In am Flughafen dauerte ewig, wir kamen gerade Rechtzeitig an das Gate als auch schon unser Flug aufgerufen wurde. “7 Stunden Flug zurück..ich hab absolut keine Lust.” grummelte Caleb. Wir hatten in der vergangenen Nacht auch einiges an Schlaf nachgeholt, daher vergnügten wir uns mit zwei Filmen auf meinem Tablet. Darunter “the Rider” der uns beide nun nicht wirklich überzeugen konnte - er war einfach unfassbar langatmig. “Man merkt richtig das es Laiendarsteller sind.” flüsterte ich. um den Gast neben mir am Fenster nicht zu stören. Anschließend philosophierten wir über die Möglichkeiten mit der Ranch. Kein Zweifel...noch einmal Immobilien anschauen würden wir wohl nicht müssen.
      Lilly war diejenige die uns vom Flughafen zur Bar mitnahm. Hier war früher morgen, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Mal ganz davon abgesehen das es unfassbar warm war im Gegensatz zu Kanada. Caleb und Louis unterhielten sich über die Ranch. Lilly und ich packten schon mal das Gepäck wieder in den Pick-Up von Caleb. “So, zurück zum Rest?” fragte mich Caleb, ich zuckte bisschen zusammen - hatte nicht erwartet das er plötzlich neben mir auftaucht. “Ja...genug auf Reisen gewesen.”

      Caleb
      Von der Bar zur Ranch zurück unterhielten wir uns wieder über die Möglichkeiten, die diese Anlage bot und noch im Auto rief ich Mr. Duncan an, und sagte ihm zu. Umzugsmonat wäre der Januar. Mitte Januar vermutlich, mal sehen, wann wir hier in New Mexico alles gepackt bekommen würden.
      “Ylvi ich hab dir noch gar nicht gesagt, was noch zur Ranch gehört.”, sagte ich, als wir wieder auf dem Blakes Crow Meadow angekommen waren und unsere Sachen von der Ladefläche des Pick Ups nahmen. “Eine Herde von Whitefacerindern. 30 Stück.” Doch anstatt mich geschockt oder fragend anzusehen, fing sie lauthals an zu lachen. “Was, echt? Oh Caleb.”, sagte sie und schlug mir auf den Arm, ehe sie kopfschüttelnd wegging. “Hey was denn?”, rief ich ihr nach doch sie antwortete mir nicht mehr.
      Am Abend erzählten Bellamy und ich der gesamten Ranch, was Sache war und stellten ihnen frei, mit umzuziehen oder zum Frühjahr zu kündigen. Erstaunlicherweise war jeder bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen und die Reise mit uns anzutreten.
      “Es gibt noch etwas, dass ich euch sagen möchte. Eine Ranch finanziert sich eben nicht von alleine…”, fing ich an und schaute in gespannte Gesichter. “Ylvi hab ich es schon gesagt, aber zu der Ranch gehört eine Herde von 30 Whitefacerindern, die ich mitgekauft habe. Sieht wohl so aus, als seien wir jetzt bald wirklich im Viehgeschäft.”, alle nickten, keiner widersprach mir. “Außerdem gehört zu dem Gelände etwa eine halbe Stunde Ritt eine alte Ferienranch. Undenkbar wäre es nicht, unser Konto durch Touristen ein wenig aufzustocken.. achja, hier für jeden eine Kopie der Verkaufspferde. So können wir uns jetzt schon nach geeigneten Käufern umhören.”, erklärte ich und gab jedem einen Zettel. Schweigen. Jeder war in seinen Gedanken versunken, auch Betsy sagte kein Wort. Vereinzeltes Nicken, aber auch zerknirschte Blicke bei der Liste der Pferde. “Es steht einem jeden von euch frei, eines der Pferde zu erwerben. Doch unter meinen Namen bleiben sie nicht.”, sagte ich und kam vielleicht ein wenig harscher rüber, als ich es beabsichtigt hatte. “Also Sue und Blue behältst du, oder?”, fragte mich Betsy dann vorsichtig und ich nickte. “Sue und Blue bleiben. Nur die Pferde, die da auf der Liste stehen, werden verkauft.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Damit löste ich unsere kleine Versammlung auf und ging rüber in den Stall, wo ich nach Vulture schaute. In ein paar Tagen war Weihnachten. Vorher musste ich noch einige Geschenke kaufen und noch einiges erledigen.


      Wenige Tage später war Heiligabend. Weihnachten wurde von den Blakes Geschwistern und auch von Caleb noch immer ein wenig nach deutscher Tradition gefeiert, etwas, dass Verena damals nach Amerika und auf ihre Ranch mitgebracht hatte. Am 23. hatten alle Mitarbeiter zusammen einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gemeinsam geschmückt. Betsy hatte es nicht lassen können, kleine Pferde an den Baum zu hängen, gefolgt von kleinen Cowboyhüten. “Die sind extra für dich.”, hatte sie zu Caleb gesagt, welcher sie nur lachend in den Arm genommen hatte. Betsy tat allen auf der Ranch gut.
      An Heiligabend selbst feierte die ganze Ranch zusammen. Sie waren mittlerweile wirklich wie eine Familie füreinander. Selbst Cayce gehörte schon dazu, obwohl er noch gar nicht so lange dort war. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und sich dann gemütlich ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum gesetzt, unter dem eine ganze Menge Geschenke lagen. “Großartige Geschenke gibt es dieses Jahr nicht.”, sagte Bellamy, als er sich mit einem Glas Sekt vor den Baum gestellt hatte. “Anfangen möchte ich jedoch mit Caleb, der das ein Geschenk von uns allen bekommt, welches größer nicht sein könnte. Wir alle zusammen schenken dir die Pferde und das Equipment dieser Ranch.”, verkündete dieser und hob sein Glas. Caleb starrte ihn derweil nur mit offenem Mund an. “Ihr schenkt mir das alles?”, fragte er ungläubig und Bellamy sowie die anderen nickten. “Fast alles. Das Gelände nicht, das werden O und ich verkaufen. Aber alles andere. Und nun Prost. Auf Caleb, unseren neuen Chef!”, sagte er, stieß mit seinem Glas an und alle Mitarbeiter tranken darauf. “Die anderen sollen natürlich nicht leer ausgehen. Hier auf dem Boden stehen kleine Geschenke mit euren Namen drauf.”, sagte er und hob ein Geschenk auf, welches er Betsy gab. Diese machte als erste auf und hielt ein Schokopferd in der Hand. “Wie süß!”, kommentierte sie ihr Geschenk und umarmte Bellamy kurz. Auch alle anderen, ausgeschlossen Caleb, hatten ein Schokopferd geschenkt bekommen. Bei allen außer Betsy war noch ein Umschlag mit Geld in der Box gewesen.
      “Dell noch eine Kleinigkeit für dich.”, sagte Bellamy dann und übergab dem Vater von Betsy ein kleines Geschenk. Er machte es auf und hielt ein Foto seiner Tochter in der Hand. Sie saß auf Sue, gehalten von Caleb, und hielt ihren Pokal stolz in die Höhe. “Habe ich gemacht, toll geworden, oder?”, sagte Ylvi und er nickte. Man sah ihm an, dass er stolz auf seine Tochter war. Dann stand Caleb auf und schnappte sich eines der letzten Geschenke unterm Baum. “Bellamy das hier ist von uns allen für dich. Damit du dein wirres Köpfchen mal sortieren kannst.”, lachte er und gab ihm das Päckchen. Dieser machte es auf und hielt einen Notizblock mit einem Taschenrechner in der Hand. “Ja, das habe ich wohl dringend gebraucht.”, lachte er. “Danke euch allen.”, sprach er in die Runde und traf auf lächelnde Gesichter und vereinzeltes Nicken. “Jetzt zu dir Betsy.”, sagte Caleb und holt das kleinste der Geschenke unter dem Baum hervor. “Wir alle haben lange überlegt, was du dir wohl zu Weihnachten wünschen könntest.”, sprach er und überreichte ihr das kleine Geschenk. Betsy traute sich zunächst gar nicht, es wirklich auf zu machen. Doch dann riss sie die Verpackung in tausend Teile und öffnete die kleine Kiste. Darin lag ein Zettel, nichts weiter. Sie nahm ihn aus der Box, faltete ihn auf und las das Geschrieben laut vor. ‘Hiermit erhältst du 50 Prozent.’ “Ich erhalte 50 Prozent von was?”, fragte sie verwirrt und schaute uns nacheinander an. “Komm.”, sagte Caleb, stand auf und ging zur Haustür. Langsam öffnete er sie und als Betsy sah, wer dort draußen auf sie wartete, sprang sie freudestrahlend aus der Haustür nach draußen. Dort stand nämlich unsere geliebte Black Sue Dun It mit einer roten Schleife um den Hals, gehalten von Betsys Vater Dell. Diesem fiel sie zuerst um den Hals, dann der Stute. “Ihr schenkt mir die Stute? Wahnsinn!”, rief sie und war den Tränen nahe. “Danke, danke, danke!”, jubelte sie und umarmte uns alle der Reihe nach.

      Caleb
      Den Abend ließen wir gemeinsam gemütlich ausklingen, es gab noch einige Geschenke die verteilt und ausgepackt wurden. Cayce hatte tatsächlich ein Foto von mir und seinem Pferd, als ich für ihn angetreten war, gemacht und schenkte es mir. Auch für Ylvi hatte ich mir etwas überlegt, was ich ihr jedoch erst im Bett überreichte. “Ich dachte schon ich bekomme gar nichts von dir.”, scherzte sie und ich lachte. “Naja, warte mal ab, mach es zuerst auf.” Ylvi riss das Papier herunter und hielt… einen Kalender in der Hand. “Damit du deine Arzttermine alle zusammen an einer Stelle hast und sie so hoffentlich nicht mehr vergisst.”, erklärte ich ihr und wurde sofort geschlagen. “Doofkopf… aber danke.”, sagte sie und gab mir einen Kuss. “Hier, das ist von mir, für dich. Wollte es dir nicht vor allen geben.”, erklärte sie und überreichte auch mir ein Geschenk. „Vorsichtig, scharfe Munition.“, lachte sie und ich hörte augenblicklich auf, die kleine Kiste zu schütteln. Vorsichtig öffnete ich das Geschenk und… hielt eine kleines Gewehr in den Händen. „Ein Schlüsselanhänger?“, ich lachte. „Ein kleines Gewehr. Das häng ich Vulture ans Halfter!“, scherzte ich und drehte es in meinen Fingern hin und her.
    • AliciaFarina
      Mai 2018, bei Veija
      Kurze Pflege für die Verkaufspferde
      : BR Princess Peppy Gaia, GRH's Princess Peppy Ann, Pocahontas, Náttdís van Ghosts, Thjalfe van de Jötunheimr, Feinicio, Lajos, Myrkvidr, Atlanta, Ghost's Phenomena, Magic Lanijos, Zoltaire, Zuckerschock, LMR Fashion Girl, Samarra, It's me, Amira!, Vin, PFS' Blossom Magic, Bree, Crimetime, Dante's Wild Lady, Wolfs Bane, Natsu's Little Harley, CHH' Mr. Buckminster, Ocarina of Time, Empire of Grace, Free Willy, Firewalker, Mystical Champion, Whiskey und Sweet Revenge

      Seit die Ranch nach Kanada umgezogen war, war hier unten in New Mexico nicht mehr viel los. Ich hatte mir aushilfsweise zwei Stallburschen eingestellt, die sich ein wenig um das Füttern und Misten der Pferde sowie das Gelände kümmerten. So hatte ich Zeit, mich voll und ganz dem Verkauf der Tiere zu konzentrieren. Bis jetzt waren noch nicht viele Käufer eingetrudelt, doch das sollte sich ändern, sobald ich die Verkaufshomepage, die Flyer und auch die Telefonate geführt hatte, die ich schon so lange vor mir her schob. Octavia hatte außerdem den Wunsch geäußert, mit dem Verkauf von Empire of Grace noch ein wenig zu warten. Vielleicht wollte sie ihn doch behalten.

      Schicksal
      Nachtrag für August 2019, by Ravenna & Veija
      Pflegebericht für: Cielos, Whitetails Shortcut, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, A Shining Chrome, Bittersweet Temptation, Chocolate Shades, Citizen Fang, General's Coming Home, GRH's Bella's Dun Gotta Gun, GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, PDS' Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, Whinney, Zues, Mirabelle, Golden Sugar, Above the Sky, An Affait to Remember, Cleavant 'Mad Eyes', Dakota, Nahimana, Absolute Bullet Proof, Ceara Isleen, Kunis, Silent Bay, Væna fra glæsileika eyjarinar, Tigres Eyes, Sparkled Wings, Tweekay, Skrúður, Chocolate Dream, Bree, Empire of Grace, Priamos Ruffia Kincsem, Blazing Flame, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I've got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Abe's Aelfric, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Wildfire xx, Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Verdine, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey's Aleshanee, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tainted Whiz Gun, Dual Shaded Ace, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, It's me, Amira!, Zoltaire, Zuckerschock, Thjalfe van de Jötunheimr, Náttdís van Ghosts, Firewalker, Magic Lanijos, Whiskey, Myrkvidr, Free Willy, Wolfs Bane, Pocahontas, Mystical Champion, Vin, Lajos, Ocarina of Time, Crimetime, Fenicio, Ghost's Phenomena, GRH's Princess Peppy Ann & BR Princess Peppy Gaia

      Ylvi
      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.
      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.
      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.
      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!

      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?
      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”
      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.

      Caleb
      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?
      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.
      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.
      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”
      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.
      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.

      Ylvi
      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?
      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.
      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?
      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.
      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.

      Caleb
      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“

      Ylvi
      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.
      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.
      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.

      Caleb
      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.
      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”

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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”
      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.

      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
    • AliciaFarina
      19.03.2020
      Pflegebericht für:
      Silfra, Gaitano's Little Girl, Give me everything tonight, Big John, Mina, Giacomo Casanova, Lady Lu, Rudsmo Remi, Tiva, Gisela, Willow Maiden, RiverDance, Dark Choc' O'Lena, Fina, Parwaneeh, River's Uprising, Shakira IV, Kangee, Stássa, Moon's Pumpkin, River's Drafna, Maeyr, Felan, Tank, Mister Blockhead, Hnakki van Ghosts, Vin, GRH Princess Peppy Ann, Náttdis van Ghosts, Àrtali van Ghosts

      L'ombre de la Mikasi, Greta, Nils Sverre, Riverdale, Time to Dance, Smokin' Jackie Joe, Menetetty, Rivervixen, Townsend Cosmopolitan, Walla Walla Starshine, BR Alan's Steamin Dinner, Svaðilfari, PFS Diadora, My Holly, Civil War

      Nandengo, Baldintáta, Lettenhof's Nanuk, Vipke van de Zandhoeve, Lotteliese, VK Yolie Whisp, Blue Spirit, Watschelente, Loki, Excelsior, I'm simply extraordinary, Wild Strawberry, Little Lioness, Dynur fra Frelsi, Black Moonlight Shadow, Dóttla von der Schildburg, The devil wears a suit and tie, Narvik HMJ 1005, Angus, Artemis' Zara, Just a simple Dude, Væna fra glæsileika eyjarinar, Stiffler, MW's Amelie, MW's Soraya, BR Princess Peppy Gaia, Flapa, Yasmin di Royal Peerage, Fire is catching


      Mitten im Umbau machte ich mich auf den Weg um nach dem Rechten bei meinen Pferden zu kucken. Zuerst ging es auf das neue Gelände unseres Therapiestalles, dort standen Nandengo, Lettenhof's Nanuk, Vipke van de Zandhoeve, Loki, Excelsior, Dynur fra Frelsi, Black Moonlight Shadow, Narvik HMJ 1005, Angus, Just a simple Dude, Stiffler und Fire is catching bereits in einen Offenstall. Bei den Hengsten und Wallachen war alles gut und der Baulärm störte sie nicht im geringsten.
      Baldintáta, Lotteliese, VK Yolie Whisp, Blue Spirit, Watschelente, I'm simply extraordinary, Wild Strawberry, Little Lioness, Dóttla von der Schildburg, The devil wears a suit and tie, Artemis' Zara, Væna fra glæsileika eyjarinar, MW's Amelie, MW's Soraya, BR Princess Peppy Gaia, Flapa, Yasmin di Royal Peerage stehen noch am Gestüt, da die neuen Offenställe noch nicht fertig gebaut sind. Auch bei den Stuten, die demnächst noch umziehen sollen, war alles in Ordnung, also schaute ich nach den restlichen Pferden. Silfra, Gaitano's Little Girl, Give me everything tonight, Big John, Mina, Giacomo Casanova, Lady Lu, Rudsmo Remi, Tiva, Gisela, Willow Maiden, RiverDance, Dark Choc' O'Lena, Fina, Parwaneeh, River's Uprising, Shakira IV, Kangee, Stássa, Moon's Pumpkin, River's Drafna, Maeyr, Felan, Tank, Mister Blockhead, Hnakki van Ghosts, Vin, GRH Princess Peppy Ann, Náttdis van Ghosts, Àrtali van Ghosts,L'ombre de la Mikasi, Greta, Nils Sverre, Riverdale, Time to Dance, Smokin' Jackie Joe, Menetetty, Rivervixen, Townsend Cosmopolitan, Walla Walla Starshine, BR Alan's Steamin Dinner, Svaðilfari, PFS Diadora, My Holly, Civil War, Silfra, Gaitano's Little Girl, Give me everything tonight, Big John, Mina, Giacomo Casanova, Lady Lu, Rudsmo Remi, Tiva, Gisela, Willow Maiden, RiverDance, Dark Choc' O'Lena, Fina, Parwaneeh, River's Uprising, Shakira IV, Kangee, Stássa, Moon's Pumpkin, River's Drafna, Maeyr, Felan, Tank, Mister Blockhead, Hnakki van Ghosts, Vin, GRH Princess Peppy Ann, Náttdis van Ghosts und Àrtali van Ghosts diese standen entspannt in ihren Gruppen auf den Paddocks oder in ihren Offenställen.
      Nachdem ich alles kontrolliert hatte ging es wieder ins Büro, denn ein großer Umbau und Umzug muss gut geplant werden.

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  • Album:
    1. Zuchtpferde von der Schildburg
    Hochgeladen von:
    AliciaFarina
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    2 Feb. 2020
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  • Exterieur
    Name: Vin
    Rufname: M'lady
    Alter: 15 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,42m
    Rasse: Isländer
    Fellfarbe: Buckskin (EeAanCh)

    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt


    Charaktereigenschaften & Infos
    Vin ist etwas schwierig im Umgang mit Anfängern. Sie buckelt sehr gern mal und hat auch sichtlich Freude daran, jemanden zu ver*rschen. Sie ist sehr aufreibend, dass heißt sie wird schnell übermütig und ist daher des öfteren mal lahm oder hat diverse Verletzungen an den Beinen. Doch mit guter Pflege bekommt man auch sie auf den richtigen Weg. Sie lernt gerne und zeigt sich sehr inteligent. Unterm erfahreren Reiter geht sie willig und sehr ausdrucksstark. Ihre Karriere als Turnierpferd ist bereits festgelegt.

    Vins Schritt ist flott und sie zieht dabei nach vorne. Ihr Trab ist wunderschön und besitzt eine lange Flugphase. Ihr Galopp ist schnell, flach, oft gelaufen und passlastig. Ihr Tölt ist für einen Fünfgänger schön, weich, aber sehr flott. Ihr Pass ist extrem schnell, aber gut zu legen.


    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
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    [SK 433] Kaltblüter & Ponys
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    3. Platz 68. Stute des Monats Wahl, 1. Platz 69. Stute des Monats Wahl, 3. Platz 70. Stute des Monats Wahl

    Nachkommen:
    - Blaer frá glaesileika eyjarinnar (aus Black Lemontree)
    Besitzer: Veija
    Vorbesitzer: BellaS
    Gezüchtet bei/Zucht: -

    VKR: Ofagwa (abgelaufen)

    Kaufpreis: Joellen
    Zu Verkaufen: ja, 2000 Joellen

    Qualifikationen
    Oben = Joelle Qualifikation | Unten = Qualifikation durch TB's

    Dressur E A L M S
    Distanz E A L M S S* S** S***

    Gangreiten E A L M S S* S** S***
    Tölt: T8 T7 T6 T5
    Viergang: V1 V2 V4 V5
    Fünfgang: F F1 F2
    Passrennen: P P1 P2

    Western E A L M S S* S** S***
    Western Pleasure: LK5 LK4 LK3 LK 2 LK1

    Trail: LK5 LK4 LK3 LK 2 LK1


    Erfolge
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    3. Platz 14. Gangturnier , 1. Platz 17. Gangturnier, 1. Platz 22. Gangturnier, 3. Platz 35. Gangturnier, 3. Platz 208. Militaryturnier, 2. Platz 309. Dressurturnier, 2. Platz 302. Galopprennen, 2. Platz Joelle Wordlcup 2015 im Gangreiten, 1. Platz beim 1. Vereinsturnier im Gangreiten (ESH), Champion der Leistungsschau August 2016 (Wertnote 9,3), 2. Platz 180. Gangturnier, 1. Platz 183. Gangturnier, 2. Platz 192. Gangturnier, 1. Platz 200. Gangturnier 1. Auslosung, 1. Platz 209. Gangturnier, 2. Platz 212. Gangturnier, 2. Platz 223. Gangturnier, 3. Platz 225. Gangreiten

    Gesundheit
    Gesundheitszustand:
    Letzter Besuch:

    Hufschmied:
    Letzter Besuch:
    Beschlag: 10er Isländerbeschlag