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Veija

Verdine

Verdine
Veija, 18 Aug. 2019
adoptedfox gefällt das.
    • Veija
      Pflegebericht
      für Croccantino, Butterblume, Verdine, Roi du Soleil, Lillifee, Star, Vanity, Angel´s Kiss, Nesquik, Sally, Alice von Landwein, Draculas Wife, Happy Steffi, Nosferatu, Antigone, Knives and Pens, Siana, Drachenlady, White Dance, Juwel der Stille, De Luxe

      Dezember 2015, by kira
      Es war schon Winter, aber zu meiner Freude erinnerte das Wetter einen noch eher an laue Herbsttage. Somit wehte mir auch kein eisiger, schneidender Wind entgegen, als ich aus dem großzügig gebauten Einfamilienhaus trat. Seit kurzem hatten wir zwei Wohnungen in unserem Haus abgetrennt, aus vorher mehr oder weniger genutzen Räumen. Weniger, musste ich eingestehen. Und Lars hatte schon Pläne für weitere Wohnungen. Nicht das er neuerdings sich als Vermieter versuchte, nein, wir hatten nun Angestellte. Wie merkwürdig das klingt. Ich hatte mich immer alleine um meine Pferde, meinen Hof gekümmert. Aber nun war ich doch glücklich über Lars rationale Denkweise, denn inzwischen war die Größe des Hofes und Menge der Tiere nur noch schwer alleine zu bewältigen. Und somit hatten sich jetzt Peter, alteingesessener Pferdewirt, und Alexandra, welche bisher im Beritt und Reitunterricht tätig gewesen war, aber sich hier auch um die Pflege kümmern würde, dort einquartiert. Bisher verstand ich mich mit beiden recht gut, aber was konnte man schon nach so kurzer Zeit sagen.
      Alex kam grade aus der Tür hinter mir, „Ausnahmsweise kein Regen.“ Nickend stimmte ich ihr zu, denn es war zwar immer noch recht mild, aber wir hatten einige Tage des Dauerregens erlebt. „Ich hoffe der Boden ist nicht mehr so schlammig, ich wollte heute mit Blümchen eine Trainingseinheit im Gelände absolvieren.“, auf diese Idee war ich gekommen nachdem Cata mal wieder da gewesen war. Denn momentan schien Butterblume wohl eine Blockade, mental gesehen, zu haben. Denn trotz Talent und Können hatte sie nun beim Springen Schwierigkeiten. Im Gelände, kleine Hindernisse und Motivation durch andere Pferde(ich hatte Lars dazu verdonnert mir Gesellschaft zu leisten und eine Freundin würde auch mitkommen), hoffte ich würde sie den Spaß bei der Sache wieder finden und über ihren Schatten springen und letzteres wohl auch wortwörtlich. Alex nickte verstehend. „Du bewegst am besten heute erstmal die Zuchtstuten.“, teilte ich ihr mit. Wiederum nickte sie und verschwand Richtung der Besagten.
      Zu den Zuchtstuten zählten alle meine prämierten Stuten, welche zumeist gerade tragend waren und somit nur für einige Zeit aufs Paddock gelassen werden mussten oder für einige Runden in die Führmaschiene kamen. Zum Glück konnte man die Paddocks wieder nutzen. Schweigsames Mädchen, dachte ich noch kopfschüttelnd und machte mich Richtung Nebenstall auf, denn erst würde ich mich heute noch um meinen liebsten Croccantino kümmern. Auf dem Weg zu dessen Box kam ich an Peter vorbei, welcher eifrig, aber dennoch irgendwie gemütlich, dabei war die Boxen zu misten. „Morgen, Frau Esenbeck!“, grüßte er mich. „Morgen Peter, schon so weit?“ „Ja man muss doch anpacken!“ Lächelnd reichte ich ihm den Stroballen, welcher vor der Box lag. Er hat trotz der frühen Stunde schon gute Arbeit geleistet. „Machst du gleich mal Pause und teilst die Morgenrationen aus?“, fragte ich ihn. „Ist schon in Arbeit!“, kam die Antwort, die von der Tonlage nicht hätte passender für so einen alten, bodenstämmigen Mann hätte sein können.
      Mit dem gesattelten Croccantino machte ich mich Richtung Halle auf. Die Reitplätze sahen noch zu unfreundlich aus, auch wenn die Sonne sich gerade durch die Wolkendecke gekämpft hatte. Wenn es so bliebe würde der Ausritt heute schön werden. Croc war derzeit in allen wichtigen Sparten auf L Stand und hatte beste Aussichten ein top Sport- und Zuchtpferd zu werden. Die Körung hatte er zu meiner großen Freude erfolgreich absolviert und würde nun im nächsten Frühjahr mit 5 Jahren bei den Großen anfangen mit zu mischen. Eine lockere Stunde hatte ich angesetzt und so ließ ich ihn nach einer Aufwärmphase ruhig antraben. Mittlerweile war er recht routiniert unter dem Sattel und wundervoll feinfühlig. Nach einigen einfachen Übergängen war der Gute auch munter bei der Sache dabei . Wir nahmen Galopp – Schritt Übergänge hinzu und nachdem er diese talentiert meisterte wagte ich mich auch an den Halt aus dem Galopp. Zu meiner Freude schaffte er es nach ein paar Anläufen. Zwar schien er mir etwas nervös, dass ich etwas von ihm forderte, was er noch nicht kannte, und der Halt war noch ein wenig ruckelig. Dennoch machte er seine Sache super und schien aufmerksam dabei zu sein. Seine Ohren schlackerten etwas hin und her aufmerksam was als nächstes folgen würde. Fröhlich klopfte ich ihm den Hals. Im weiteren Verlauf fragte ich nur bekannte Lektionen ab. Etwas Außengalopp, Kehrtwendungen und das Vergrößern und Verkleinern des Viereckes. An der Bande lag die Abschwitzdecke bereit, welche ich nach dem Training mit Schwung über den Pferderücken schmiss.
      Als Croc wieder in seiner Box stand, nun auch verspätet sein Müsli mampfend und ich aus der Box trat kam eine grinsende Gestalt die Stallgasse entlang auf mich zu. Mit lauter Stimme trällerte sie mir fröhlich entgegen: „Da versteckst du dich also! Wie geht’s dir? Hier findet man ja niemanden ohne GPS-Gerät und Lageplan!“ Ebenfalls grinsend trat ich ihr entgegen:“Louisa! Schön dich zu sehen! Gut, ich hab viel zu tun, aber das macht mich ja alles nur glücklich. Hast du Lars schon begrüßt?“ Besagter kam in diesem Moment um die Ecke, lächelte und beantwortete meine Frage: „Noch nicht, aber das holen wir schon nach! Na kleine Schwester? Gut hergefunden?“ Er umarmte Louisa herzlich, welche darauf im Anschluss mir in die Arme fiel. Als sie von mir abließ schaute mich meine Freundin und jündere Schwester meines festen Freundes an: „Wie ich dich kenne hast du schon was geplant oder?“ „Wir gehen ausreiten, das schöne Wetter muss man doch nutzen!“ „Dann geh ich mich mal grade umziehen, okay?“ „Mach das! Mich hat sie auch noch zum Ausritt abkommandiert.“, Lars klopfte seiner Schwester auf die Schulter. „Als ob du was dagegen hättest!“, meinte diese keck und verschwand richtung Stalltür. „Ich steh nicht so auf Kaffeklatsch !“, rief Lars Louisa noch hinter her. Danach verschwand auch er um Roi du Soleil fertig zu machen. Ich selber wandte mich Butterblume zu, als ich mit dieser ferig war, ging ich nach Louisa schauen, welche bei Verdine zugange war. „Diese hier ist aber neu, oder?“ „Ja, ich dachte mir sie passt zu dir! Lieb ist sie … und sie springt nicht gerne!“, kicherte ich wofür ich eine rausgestreckte Zunge erntete. „Aber gut, dass ich nicht springen muss.“, meinte Louisa sanft lächelnd. Als ich mir sicher war das Louisa problemlos mit Verdine klar kam, die Stute schien meine Freundin zu mögen, wurde diese doch sachte angestupst, ging ich auf die Suche nach Alex.
      „Lillifee, Star, Vanity, Angel´s Kiss, Nesquik, Sally, Alice von Landwein, Draculas Wife, Happy Steffi, Nosferatu, Antigone, Knives and Pens und Siana?“,zählte ich alle auf, man konnte ja nicht wissen ob schon alle Pferde im Petto hatte. „Ja, alle bewegt und wieder glücklich und sauber in der Box!“, meinte sie lächelnd. Ich musste auch grinsen: “Sehr schön! Ich bin jetzt mit Lars und seiner Schwester auf Butterblümchen, Verdine und Roi im Gelände. Du kannst ja noch Drachenlady zusammen mit De Luxe aufs Paddock bringen und White Dance und Juwel der Stille reiten, was du mit den beiden genau machst kannst du dir aussuchen!“ „Mir fällt schon was ein!“
      Das Gelände schien wie gedacht eine positive Wirkung auf Blümchen zu haben. Motiviert lief sie an der Spitze auch wenn Roi immer wieder versuchte sich vor zu drängeln. Darauf hin beschlossen wir ihn ans Ende zu verbannen. Lars war ganz froh nach hinten etwas Platz zu haben, denn der Hengst schien es heute echt hinter den Ohren zu haben und machte Lars das leben schwer. Währenddessen genossen Louisa und ich vor ihm den Ausritt und Verdine und Butterblümchen schienen sich zusammen stark gegenüber dem hinter ihnen randalierendem Hengst zu fühlen. Mit Verdine hatte ich das Richtige Pferd für Louisa ausgesucht, die Stute war brav zu bewegen, wenn auch etwas ängstlich, doch damit konnte meine Freundin umgehen. Als wir eine Strecke erreichten, welche von einigen kleineren Hindernissen gesäumt wurde gingen wir in den Galopp. Die ersten Sprünge ließen wir noch aus, doch dann merkte ich wie Blümchen unter mir zappelig wurde und den an ihr vorbei ziehenden Hürden nachschielte. Louisa und Lars würden nicht Springen, dazu war Roi zu aufgekratzt heute. Louisa und Verdine waren sich einstimmig sicher, dass der Ausritt ohne Sprünge spaßiger sei. Somit lenkte ich vor dem nächsten Baumstamm alleine ab und ging auf die Nebenspur des Waldweges. Gekonnt zog Blümchen an, taxierte und übersprang sorgenfrei das kleine Hinderniss. Neben uns galoppierten die zwei anderen Paare. Vorne ruhig Verdine, hinten zwei etwas muffelige Männer.
      Als wir wieder am Hof ankamen war Roi doch endlich mal zu ruhe gekommen und Lars konnte grade verschnaufen. Aber dieses Glück währte nicht lange, schon fing der Hengst wieder an zu blödeln. Etwas missmutig saß Lars ab und verschwand, sich im gehen eine Gerte und Longe greifend Richtung Halle. „Da wird jetzt aber einer Ärger bekommen.“ „Das ist der Doofe selber Schuld, soll er doch Lars nicht so ärgern!“, meinte ich schmunzelnd. „Aber lustig wars auch irgendwie“, gedankenverloren streichelte Louisa Verdine, welche das sichtlich genoss. Als ich absaß betrachtete ich Butterblümchen, welche endlich wieder eine Freude an den Tag gelegt hatte beim Springen, wie früher. Vielleicht ist sie noch nicht reif für Tuniere? Louisa verschwand ebenso wie ich in einen der Stalltrakte und das Pfderd abzusattel und zu putzen. Später würden wir uns noch alle im Haus wieder sehen, wo sie für die Dauer ihres Aufenthaltes ein Gästezimmer mit Bad bezogen hatte. Ich freute mich jedes Mal wieder wenn eine meiner Freundinnen für einige Zeit zu Besuch kam.

      Pflegebericht
      für Verdine, Coco de Mer, Aggressor´s little Queen, Ahyoka Dazzle
      März 2016
      Ahyoka Dazzle war nun schon ein halbes Jahr auf dem Hof. Optisch war sie schon beim Kauf eine Augenweide gewesen. Langsam wurde sie auch Charakterlich netter, denn am Anfang war es etwas schwer mit der Stute gewesen.
      Ruhig grüßte ich die Pferde im Offenstall, während Coco de Mer und Aggressor´s little Queen neugierig mich beschnupperten, immer auf der Suche nach Leckerlies, stand Verdine etwas Abseits und wartete das mehr ruhe einkehrte. Nachdem Coco und Queenie anfingen sich zu zanken, als Coco meine Jacke anknabberte, hatte ich Zeit mich der Quarter Stute zu zuwenden. Coco und Queenie jagten quietschend und Buckelnd über das Paddock und zur Weide. Die war seit Anfang des Monats wieder "geöffnet", im Winter war es einfach nicht gut für das Gras, weshalb die Pferde nur Zugang zum Paddock gehabt hatten.
      Verdine stand abwartend da und nahm entspannt das Leckerchen welches ich ihr reichte, nach dem kurzen täglichen Check klopfte ich sie ab und machte mich nun auf die Suche nach dem eigntlichen Pferd, welches ich zum training mitnehmen wollte.
      Von dem Ganzen Affenzirkus unbeeindruckt stand Ahyoka auf der Weide. Auch hatte sie wie meistens mich völlig ignoriert, was immernoch besser als ihr ursprüngliches aggressives verhalten war. "Na du!", sie würdigte mich keines Blickes ließ sich aber zum Glück brav aufhalftern.
      Der Weg zum Stall, putzen und Satteln lief problemlos ab, die Stute hatte gelernt brav zu sein, auch wenn es nicht ihrem Wesen entsprach, da sie sehr dominant war. Beim reiten fiel es immernoch eher auf.
      Für mich war es auch nach einem Jahr intensiv Training noch ungewohnt in einem dieser großen schweren Westernsättel zu sitzen. Bestimmt trieb ich Ahyoka an, erst wiederwillig folgte sie meinen Anweisungen.
      Mit voller Konzentration musste ich bei ihr bleiben. Ich übte einige Tempiwechsel, welche nach ein paar Minuten recht flüssig von der Hand gingen und ich merkte wie die Stute ruhiger wurde und mit weniger Wiederwillen arbeitete.
      Nach nur 30 Minuten hörte ich wieder auf, den bis dahin hatte es gut geklappt und ich wollte nicht riskieren, dass sie nur einen Schritt wieder zurück machte.
      Der Rückweg war ebenso problemlos wie hin und zu meinem Erstaunen schien die Stute sich heute etwas Zuwendung zu wünschen, weshalb ich sie krabbelte. Diese Wendung erfreute mich und ließ mich auch hoffen.
      Im Offenstall machte sie aber direkt erstmal wieder ihre Leitposition klar, indem sie die drei anderen Pferde durch die Gegend scheuchte.

      Ungewöhnliche Reiter
      für Valentine´s Candy Fireflies, Stromer‘s Painting Gold, Daisy Dee, White Dance, Ahyoka Dazzle, Genuine Lil Cut, Juwel der Stille, De Luxe, Jade, Verdine, Aggressor's little Queen, Coco de Mer, Baroness of the Guard, PFS' Daydream of Money, Fairy Tale, Prometheus
      September 2016
      Plötzlich aus dem Schlaf gerissen schaute ich in zwei bernsteinfarbene Augen, welche ich auf A, dass Jascha sich mal wieder in unser Bett geschlichen hatte. Mir den Finger vor den Mund haltend zischte ich ihn an, „Leise!“. Lars wäre nicht erfreut über den Hund im Bett, doch noch schlief er. Und solange Jascha nicht seiner Begeisterung, dass ich aufgewacht war, lautstarken Ausdruck verleihen würde, würde Lars auch weiter schlafen.
      In der Küche angekommen öffnete ich erst einmal die Tür zum Hof, damit mein Junghund seinen morgendlichen Geschäften nachgehen konnte. Noch war er nicht ganz stubenrein, aber lange hatten wir ihn ja auch nicht. Mit einem Kaffee in der Hand machte ich mich auf die Suche nach Malheuren der vergangenen Nacht, konnte aber zu meinem Erfreuen keine finden. „Gute Morgen Schatz!“, mein Freund kam in die Küche geschlufft. „Morgen! Kaffee ist schon frisch gemacht.”. “Mmmhh”. Während Lars sich seine Tasse eingoss berichtete ich ihm von Jaschas Erfolgsgeschichte, „Jascha hat heute Nacht nirgends hin gemacht“, „Mhm“, er setze sich an den Tisch. „Was steht heute an?“ „Für dich am besten Zäune streichen, die Stutenweide oben am Wald baucht neuen Teer auf den Pfosten, damit sie nicht faulen. Aber ich glaub, da musst du erst zu Baumarkt, der ist nämlich fast leer!“ „alles klar, brauchen wir sonst noch was?“, ich spürte die Begeisterung meines Freundes zum Baumarkt zu kommen. Welcher man bastelte nicht gerne herum? „Ich glaub nichts, ansonsten kann ich dich ja dann nochmal anrufen.“ „Gut, dann mach ich mich nach dem Frühstück fertig.“ Kurz bevor ich die Treppe hoch ging um mich ebenfalls anzuziehen, aber ins Stall und Reitoutfit, meinte ich noch zu Lars: „Wenn das Wetter später besser ist können wir ja noch eine Runde ausreiten!“ „Oh, Louisa wollte heute vorbei kommen!“ „Ah wie schön! Dann können wir ja zu dritt raus!“ „Mhm“ – Begeisterung klang anders, doch wenn wir dann schließlich unterwegs waren war mein Freund doch meistens begeistert. Er hatte vor mir nichts mit Pferden zu tun gehabt, außer dass seine Schwester Louisa ritt, doch dafür hatte ich ihn nach ein paar Jahren doch auf ein gutes Wissen gebracht.
      Jascha hatte sich nachdem er sein Futter bekommen hatte mir angeschlossen und so gingen wir gemeinsam, ich mit Sattelzeug bepackt, in den Nebenstall. Gefüttert waren schon alle Pferde, dafür hatten meine Angestellten gesorgt. Als ich Valentine´s Candy Fireflies aus seiner Box geholt hatte, kam mir grade Andrew entgegen. Der Engländer und Jockey, welcher neuerdings für mich arbeitete, hatte Stromer‘s Painting Gold im Schlepptau. Die junge Stute sah ziemlich fertig aus. „Hartes Training? “ “Ja, aber sie war gut.”, anerkennend nickte ich ihm zu, er hatte sich bisher als guter Trainer erwiesen und Goldie inzwischen fit für Rennen gemacht. Bei ihrem ersten offiziellen Rennen war das Vollblut erst wenige Wochen unter dem Sattel und im Training gewesen und hatte dennoch den 6.Platz erreicht, somit war ich nun gespannt auf ihr nächstes Rennen am Wochenende. Zwar würde ich sie nicht selbst reiten, dafür war ich leider noch nicht ausgebildet, aber ich fieberte dem Rennen entgegen. In meiner reiterlichen Ausbildung würde sich noch einiges tun, so hatte ich Westernlehrgänge geplant um meinen inzwischen sechs Westernpferden, gerecht zu werden. Bisher hatten sie nämlich nur eine ordentliche Förderung bekommen, wenn meine Stammtrainerin Veija ihre monatlichen Besuche gemacht hatte. Auch wollte ich mich, was Rennpferde anging weiterbilden, doch für beides hatte ich bisher noch nicht die Zeit gehabt mich genauer über die vorhandenen Möglichkeiten zu informieren.
      Nachdem ich Vally geputzt und gesattelt hatte ging es mit dem Hengst schnell in die Halle, denn grade fing es wieder an zu regnen. Halbwegs trocken kamen wir dort an und ich warf nachdem ich aufgestiegen war die feuchte Abschwitzdecke über die Bande. Jascha hatte noch nicht ganz verstanden, das er nicht immer um die Beine der Pferde wuseln sollte. Und so machte Vally, der an sich ein ganz gechilltes und cooles Pferd war, plötzlich einen Satz nach vorne. „Ruuhhig“ Schnell reagierte ich und nahm die Zügel kurz und setze mich tief hin, auch wenn ich für den großen Hengst ein Fliegengewicht war wurde er direkt ruhiger. Nach einigem Gehibbel ließ er sich auch halbwegs wieder hin stellen. Ich hielt besorgt nach meinem Hund Ausschau, welcher sich nach dem Tumult auf die andere Seite der Bande gerettet hatte. Etwas sauer war ich schon, doch er schaute nun so als hätte er verstanden, dass es zwischen Pferdebeinen gefährlich ist, somit beließ ich es dabei und war froh das nicht geschehen war.
      Das warmreiten war etwas mühselig da der Hengst noch etwas aufgekratzt war und ebenso verlief es im Training. Wir machten heute leichte Dressurarbeit, demnächst sollte der Hengst von einem professionellen Trainer auf die A Dressur vorbereitet werden. Auch wenn er in den Springsport gehen sollte, achtete ich dennoch bei meinen Pferden auf eine vielseitige Ausbildung und sie abwechslungsreich zu arbeiten und vernünftig zu gymnastizieren. Wir beschäftigten uns vor allem mit fließenden Gangartübergängen und dem Halten. Noch ruckelte es etwas, aber es wird. Ich liebte vor allem Vallys Galopp, der Hengst hatte einen astreinen Schaukelpferd Galopp und sprang in diese Gangart auch immer direkt an, wenn er auch etwas schwer zu bremsen war. Zu Letzt übte ich mit ihm zur Beruhigung nach dem Galopp noch das Rückwertsrichten, was für mich einfach zur Grundausbildung gehörte. Am Strick konnte dies fast jedes meiner Pferde, doch dies nur mit Reiter obendrauf zu wieder holen war für mache am Anfang schwer. Etwas schief und unsicher wich Vally ein paar Schritte zurück, lobend klopfte ich ihm den Hals und ließ ihn im Schritt wieder vorwärts gehen. Er verstand schon was ich von ihm wollte, doch bis er locker und grade rückwärtsging würde es noch dauern. Die Übung wiederholte ich noch einige Male, bevor ich das Training beendete.
      Als nächstes holte ich Daisy Dee aus der Box, die nun ihre war. Die Stute stand seit gestern bei mir im Stall und verteidigte ihren Lebensrau schon so giftig als wäre sie dort geboren. „Hey!“, mit einem Klaps auf die Nase behielt sie ihr Maul doch bei sich. Jascha blieb diesmal brav auf Abstand, was mich ziemlich erleichterte. Zu einer zickige, wenn auch hübschen und talentierten, Welsh Cob Stute hätte ich nicht auch noch einen ungezogenen Hund gebrauchen können. Einmal angebunden ließ Daisy sich aber dennoch fast brav putzen und satteln, nur an den Beinen fand sie mein „Herumgefummel“ doof – doch mich konnte sie nicht vertreiben und ich blieb ungeachtet ihres Herumgemecker dabei. Noch hatte sie keinen eigenen Sattel oder Trense und ich war mir auch gar nicht sicher ob sie einen brauchen würde. Vor dem Wochenende wollte ich dennoch al einen Satter drüber gucken lassen, ob sie weiterhin mit White Dances Sattel laufen könnte. Die Stuten hatten eine ähnliche Statur und Größe und augenscheinlich schien der Satte gut zu passen. Da White Dance auch vor der Kutsche lief brauchte sie diesen auch nicht so oft. Grade als ich mit Daisy fertig war kam mir Peter entgegen. „Sagen sie mal, dürfte ich mich wohl auch nochmal auf ein Pferd schwingen?“ Etwas verwundert fragte ich meinen doch schon an die 60 gehenden Stallburschen:“Sind sie denn schon mal geritten?“ „Natürlich“, lachte der alte Herr, „früher als ich jung war habe ich eine Zeit in Amerika verbracht und da auch einer Ranch gearbeitet und da gab es diese nette Mädchen .. jedenfalls endete ich als recht begnadeter Westernreiter.“ Bisher hatte ich nicht gewusst das mein Stallbursche fürs Misten, Füttern, hin und her bringen der Pferde auch mal auf einem gesessen hatte. „Oh.. ja dann wenn sie möchten..? Also wir haben ja diese beiden neuen, den Quarter und den Paint. Ich wollte sowie so nachher mal mit den Offenstallpferden eine Runde drehen, da können sie gerne mit!“. Jetzt lächelte Peter begeistert: „Sehr gerne! Wann soll ich die Pferde holen?“ „Am besten...“, ich spinkste auf meine Uhr und rechnete, “ Ahyoka und Gen, der neue Hengst, für in 1,5 Stunden und die andern vier für in 3 Stunden.“ Peter nickte.
      Auch mit Daisy ging ich in die Halle. Die Stute hatte bisher noch nicht sehr viel Ausbildung erfahren, weshalb ich heute erst einmal ihren Grundgehorsam unter dem Sattel abfragen wollte. Auch wenn ich schon gerne mit Stangen oder kleinen Sprüngen oder auf dem Platz gearbeitet hätte, so mussten wir doch erst mal einander kennenlernen. Vielleicht war die Stute ja auch was für die Kutsche? Eingefahren sollte sie sein, doch ich wusste nicht wie ihre Gänge unter Einfluss eines Reiters oder an der Kutsche aussahen, den für die Kutsche mussten sie sensationell aussehen. Ich hatte Alexandra gebeten später vorbei zu schauen, damit sie ein Video machen könnte. Nachdem ich den Sattelgurt nachgezogen hatte führte ich die Stute zum Bock, von wo ich geschmeidig in den Sattel kam. Zwar hätte ich bei ihrer kleinen Größe von 1,42m auch problemlos vom Boden aufsitzen können, doch ich wollte der Stute keinen Anlass geben sich zu wehren. Nicht jedes Pferd konnte die einseitige, plötzliche Belastung beim Aufsteigen eines Reiters ab. Und Daisy war sehr lange nicht mehr geritten worden. Die Steigbügel waren richtig eingestellt und so tippte ich erst sanft, als darauf keine Reaktion folgte, mit Nachdruck, meine Fersen in ihren Bauch. Ich merkte schon dass man bei dieser Stute Überzeugungskraft brauchte. Sie war nicht unbedingt wiederwillig, aber begeistert dabei auch nicht. Zu meinem Erstaunen klappten die Übergänge problemlos, wenn man sie gut beim Laufen hielt. Und das nicht nur in die langsamere Gangart. Den Galopp hielt ich erst sehr kurz, da sie wohl zum buckeln neigte. Grade waren wir in einem soliden Tempo am Leichttraben, als sie plötzlich wie von Bienen gestochen los schoss. Im Vergleich zu heute Morgen konnte ich mich kaum halten, obwohl ich ein unglaublich sattelfester Reiter war. Außer Rand und Band buckelte die Stute quer durch die Halle und ich registrierte nebenbei eine mit erschrockener Miene da stehende Person, aber dafür hatte ich grade keine Aufmerksamkeit übrig. Inzwischen unsanft nah ich die Zügel an und hielt den Kopf der Stute unten, mit allem Gewicht was ich hatte setze ich mich in den Sattel und zerrte mehr, als das die Stute noch auf vernünftige Hilfen reagierte, das Pferd Richtung einer Hallenecke. Mit der Bande links und rechts und einer endgültigen, kurzen und starken Parade bekam ich sie wieder unter Kontrolle. Eine kurze verschnauf Pause gönnte ich mir in dieser Haltung, bevor ich Daisy am strammen Züge und mit vorsichtigem Treiben im Schritt wieder auf die Bahn lenkte. Nach ein paar Runden hatte sich die Stute wieder beruhig und ich wurde auch wieder freundlicher zu ihr. Jetzt erst konnte ich Louisa grüßen. Ich hielt an der Bande was Daisy ohne zu mucken mitmachte und auch ruhig stehen blieb. „Hey! “ „Die ist neu oder? “ „Ja, seit gestern hier und ich würde sagen...“, ich blickte runter auf die buckskinfarbene Stute,”.. ein ganz schön widerspenstiges Biest!“. „Na dann ist sie ja definitiv was für dich!“, meinte Louisa etwas mitleidig und dennoch neckisch. Darauf konnte ich nur empört schnaufen, aber doch musste ich grinsen, mir war Aktion lieber als Schlaftabletten. „magst du uns gleich mal filmen? Ich konnte mir ihre Gänge unterm Reiter noch nicht anschauen!“.“Klar!“. Ich klopfte den Hals der Stute und trieb sie an. „Ach und wir machen nachher noch einen Ausritt!“, meinte ich verschwörerisch. Dieses Mal blieb die Stute ruhig und so konnte ich einige Runden Traben und auch den Galopp auf beiden Seiten gut ausreiten. Nachdem einige Minuten und alle Gangarten aufgenommen waren, beendete ich das Training und ließ Daisy am langen Zügel im Schritt noch einige Runden laufen, bis ich fertig war vertrieb sich Louisa die Zeit mit Jascha, beide schienen äußerst begeistert voneinander. Woher ihr plötzlicher Ausraster gekommen war, war mir noch nicht so ganz klar, aber das würden wir noch unter Kontrolle bekommen.
      Heute war keine Reitstunde, weshalb ich den ganzen Tag die Halle für uns hatte. Peter hatte Ahyoka Dazzle und Genuine Lil Cut schon fertig gemacht, weshalb ich die beiden nur übernehmen musste. Louisa war erst mal auf die Suche nach ihrem Bruder gegangen, welchen ich seit heute Morgen auch nicht mehr gesehen hatte. Daher suchte ich grade nach einer der Pflegerinnen, damit diese Ahyoka longieren würde, während ich den Hengst mal unter dem Sattel ausprobierte. Marion kam mir grade mit zwei der Stuten, Juwel der Stille und De Luxe, von der Führanlage entgegen. Die beiden sollten auch an Tagen wo sie nicht geritten oder gefahren wurden im Training bleiben, da bei so vielen Pferden nicht jedes täglich unter den Sattel konnte. „Würdest du gleich Ahyoka longieren?“, fragte ich die Pflegerin. Diese nickte, “Ich bring nur die beiden hier weg!“, das klang zwar nicht sehr begeistert, aber sie würde es machen. Ahyoka war auch leider ein schwieriges Pferd, auch wenn wir mittlerweile an einem Punkt waren wo man sie gut arbeiten konnte, doch am Boden stellte sie immer alles und jeden Infrage. „Ich warte an der Halle.“, und setzte mich dann mit den beiden Pferden in Bewegung. Gen hatte ich vor ein paar Tagen im Training gesehen, er war unglaublich talentiert, was aber auch nicht verwunderlich war, da der Hengst ja schließlich gekört war. Ich hoffte, dass ich ihm fürs erste mit meinen geringen Westernkenntnissen genügen würde.
      Marion war nach kurzer Zeit da, sodass ich Ahyoka an sie abgeben konnte. Gen hatte sich vorbildlich benommen, trotzdem eine Stute so nah bei ihm war, nur diese hatte mal wieder mit angelegten Ohren Radau gemacht. In der Halle hievte ich mich in meiner Hälfte in den Sattel. Nach einer Aufwärmphase fragte ich nach einander alle Gangarten ab. Gen lief wundervoll, im Gegensatz zu meinen hochgezüchteten Warmblütern waren seine Gänge kaum zu spüren und man hoppelte nicht im Sattel umher. Marion hatte nach anfänglichen Dominanzproblemen Ahyoka einmal ordentlich zusammengefaltet und so könnte sie die Stute nun gut longieren. Nach einer halben Stunde verabschiedete sie sich dann und brachte die Stute weg. Ich ritt Gen noch ein bisschen länger und versuchte auch ein paar Westernübungen abzurufen. Zwar klappten diese nicht grade perfekt, aber immerhin! Was sollte man auch erwarten? Das Pferd konnte noch so gut ausgebildet sein, der Reiter musste ja auch wissen was er tat! Aber dennoch war ich am Ende recht stolz und begeistert von dem Hengst. Für einen Anfänger war er toll, er dachte selber mit und versuchte das Beste aus meinen eher dürftigen Hilfestellungen heraus zu holen.
      Wieder an den Ställen nahm mir Peter Gen ab, nachdem ich diesen abgesattelt und übergeputzt hatte. Gen stand momentan in einem abgetrennten Bereich im Offenstall bei den anderen Westernpferden. Da musste ich mir jetzt auch keine Gedanken mehr machen, denn dieser ruhige Hengst würde wohl ohne Schwierigkeiten dort stehen bleiben können.
      In der Küche traf ich auf Lars und Louisa. „Und wie steht’s um den Zaun?“ „Der ist fertig!“, grinste Lars zurück und gab mir einen Kuss. „Magst du was essen? Ich hab Sandwichs gemacht.“, sagte Louisa und präsentierte mir die Brotschnitten auf der Arbeitsfläche. „Oh du bist toll!“, begeistert nahm ich mir einige und setzte mich an den Tisch.
      Nach der Mittagspause, wobei es schon eher eine Nachmittagspause war. Gingen wir in den Stall um dort die Pferde für den Ausritt fertig zu machen. Inzwischen war es zu meiner Freude aufgeklärt und eine schwache Herbstsonne strahlte, nur ab und an unterbrochen von einigen Wolken. Dennoch war es kalt und windig und auch der Boden war noch nass. Peter hatte schon die vier Pferde aus dem Offenstall geholt. Das würde vielleicht eine Arbeit werden, alle vier Stuten waren schlammig. Dennoch gab ich mein Bestes Jade sauber zu bekommen. Mit der Stute würde ich heute das erste Mal ins Gelände gehen, doch dies sollte klappen. Sie war zwar ein sehr aktives Pferd, doch so mochte ich es und dennoch war sie wohlerzogen. Louisa kümmerte sich wie bei einem der vorherigen Besuche um Verdine, die beiden kamen toll miteinander zurecht. Peter machte Aggressor's little Queen und Lars Coco de Mer fertig. Als alle Pferde einigermaßen sauber und gesattelt waren saßen wir auf. Peter schien mir erstaunlich routiniert und er hatte durchgehend ein sehr putziges lächeln auf dem Gesicht. Über die Feldwege ritten wir an den Weiden vorbei, wo grade kau Pferde standen. Wenige kamen bei diesem Wetter raus, zu groß war die Gefahr von Verletzungen bei den Aufgeweichten Weiden. Beim Ausritt würden wir uns heute auch nur mit einem gedrosselten Tempo fort bewegen. As wir in den Wald kamen wurde der Boden direkt besser, die Bäume hatten einiges der Feuchtigkeit aufgenommen und festigten den Boden durch ihr Wurzelwerk. Jade ging brav mit gespitzten Ohren voran. Von Peter wurde ich immer begeisterter, er würde wohl demnächst al öfter auf einem meiner Pferde sitzen, denn Queenie ging unglaublich toll unter ihm und er sah aus als hätte er keinerlei Mühe mit der Stute. Louisa und Verdine tüddelten gemütlich hinterher und schienen auch völlig zufrieden. Und auch mein Freund grinste während des Ausritts, Coco war auch eines der Pferde welche angenehm zu reiten sind. In den Wäldern wurde das Laub mittlerweile schon bunt, aber noch lagen nur wenige Blätter auf dem Boden. Als wir einen Teil der Strecke erreichten, wo der Weg mit Sand aufgefüllt war erlaubten wir uns auch einen kleinen Galopp. Die Gruppe blieb gut unter Kontrolle, auch weil Jade vorne war und keiner der anderen versuchte zu überholen, sodass sie sich leicht wieder zurücknehmen ließ.
      Zurück ritten wir nur bis zum Offenstall. Lars tauschte dort Cocos Trense gegen ein Halfter und band sie an. Während wir restlichen drei die Pferde absattelten und putzen, holte er den Jeep. Als er kam waren wir noch nicht ganz fertig, sodass er anfing den Wagen mit dem Sattelzeug zu beladen. Er hatte auch Jascha mitgebracht, welcher um unsere Füße wuselte und herum schnüffelte. Die Mäuse waren ich zu schnell, so gern er sie auch gefangen hätte. Die drei fuhren schon mal wieder zu den Stallgebäuden, während ich noch die Tränken im Offenstall kontrollierte, alles war in bester Ordnung und so rief ich Jascha, welcher mir zurück zum Hof folgte. Die Abendfütterung war schon voll im Gange und meine Freundin Louisa am mithelfen. „Soll ich dir mal was tolles zeigen?“, “Was denn?“ „Komm mit!“, grinste ich sie an und wuchtete einen Heu Ballen in die Schubkarre. Dann machten wir uns in Richtung Laufstall auf. Dort schauten schon einige kleine hungrige Fellnasen durch die Gitter. Die zweijährige Baroness of the Guard würde nicht mehr so lange in dieser Gruppe bleiben, war sie doch schon bald ein großes Pony. Dennoch fühlte sie sich unter den verspielten Absetzern wohl und war froh mal die älteste zu sein. PFS' Daydream of Money, Fairy Tale und Prometheus waren der vielversprechende Nachwuchs für meine Zucht. Dreamie und Theo kamen sogar aus England, wobei ich für erstere sogar einige Tage zu einer Auktion dorthin gefahren war. Bei dieser Gelegenheit hatte ich mir auch direkt das bekannte Vollblut Gestüt „Pineforrest Stables“ angeschaut, wo auch die Eltern meiner Goldie zuhause waren. Theo hatte ich erst letzte Woche abgeholt, dennoch fühlte das ruhige und verspielte Fohlen sich inzwischen schon sichtlich wohl. „Ooohh“, quietsche Louisa entzückt. Während ich das Heu aufschüttelte und verteilte, kuschelte sie meinen kleinen Theo durch. Der tiefschwarze Hengst war ein Glückstreffer gewesen, nur durch Zufall hatte ich seine Anzeige in einer Fachzeitschrift entdeckt, wo er unter den ganzen Warmblut Fohlen mit klangvollen Namen und glänzenden Stammbäumen unterging. Trotzdem seine Eltern auch wenn sie reinrassige Fellponys waren keine Papiere hatten, hatte ich für ihn die vollen Papiere erwirken können. Schon jetzt zeigte er einen tollen Ansatz von Behang und ich hoffte, dass er im Sommer nicht ausbleichen würde. Während die Fohlen fraßen kraulte ich meine beiden Welsh Stuten, Dreamie und Fairy Tale waren ebenfalls zwei äußerst schöne Wesen, und bestachen beide durch ungewöhnliche Farbgebung. Nachdem wir einige Zeit bei den flauschigen Fohlen verbracht hatten, rafften wir uns auf und gingen ins Haus, da es inzwischen schon sehr dunkel geworden war.
    • Veija
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      Coco de Mer Trail LK 2 - LK 1, Ahyoka Dazzle Reining LK 5- LK 4, Verdine Reining LK 5- LK 4, Aggressor's Little Queen Trail LK 3- LK 2
      April 2016, by Veija
      Heute flogen wir zu Kira Esenbeck und ihren vier Pferden Coco de Mer, Ahyoka Dazzle, Verdine und Aggressor's Little Queen in die Eifel, meine alte Heimat. Mit an Bort war dieses Mal Aliena. Amy hatte ich nicht mitgenommen, da sie in ihrer AUsbildung leider noch nicht so weit war, als dass sie einen LK 2 Trail Parcours reiten könne. So waren es Aliena und ich, die einige Tage in der Eifel verbringen würden.
      Dort angekommen begrüßte Kira uns kurz und wir räumten unsere Taschen in eines ihrer Gästezimmer, bevor wir zu den Pferden gingen. Zwei der drei Quarter Ponys kannte ich schon, Ahyoka war ein ehemaliges Fohlen von mir & Verdine war mir neu. Nun ja, nicht ganz neu. Als Verdine zum Verkauf stand hatte ich sie mir auch angesehen, mich dann aber gegen die Stute entschieden, da ich nicht auch noch Appaloosas züchten wollte. Bei Kira hatte sie aber einen guten Platz gefunden, da war ich mir sicher. Kurz streichelte ich über den Kopf der schicken Stute, von der ich Aliena eben die ganze Zeit erzählt hatte, ehe Kira mir noch einiges über den Charakter der Pferde erzählte. Nach Kiras Vortrag war ich mir sicher, dass Aliena Ahyoka nur von weitem betrachten dürfte. An reiten war bei der Stute, zumindest wenn Aliena sie ritt, nicht zu denken, da die Stute sehr dominant und unverschämt sein konnte. Das war noch zu viel für meine Auszubildende, weshalb ich ihr Verdine zuwies. Zwischen Coco und Queen durfte sie sich entscheiden, wobei sie sich für Queen entschied. "Die ist nicht immer ganz einfach", scherzte ich doch sie winkte nur ab. "Das schaff ich", lachte sie und ich nickte grinsend.
      Zu erst würden wir Verdine und Ahyoka, die eine Tochter meiner Amarula war, reiten. Das putzen und satteln verlief ohne Probleme und wirklich schnell, ehe wir in die Halle gingen und nochmal nachgurteten, ehe wir uns in den Sattel schwangen. Das Warmreiten verlief auch noch ohne Probleme, dann aber meinte Ahyoka den Chef raushängen zu lassen, nahm den Kopf zwischen die Beine und fing an zu buckeln was das Zeug hielt. Mit zusammengebissenen Zähnen zog ich ihren Kopf zur Seite, so dass sie ihn nicht mehr nach unten nehmen konnte um zu buckeln. Zum Glück klappte das auch nach eienr Weile und ich hatte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In dem ich ihren Kopf zur Seite zog, konnte sie nicht mehr buckeln und ich übte so schon die ersten Ansätze für den Spin. "Morgen wir erst ablongiert, Ahyoka kann ruhig schon kroggi sein, wenn ich mich draufsetze", erkläre ich Aliena, denn es war morgen ihr Job, die Stute abzulongieren. Jetzt teilten wir die Halle einmal in der Mitte, so dass wir uns beide unserem eigenen Training widmen konnten. Ich fing mit Roll Backs an. Damit Ahyoka lernte, in einem engen Bogen nach hinten zu springen, ritt ich sie erst im Schritt mit einem kleinen Abstand an der Bande entlang. Ich hielt sie an und drehte sie in Richtung Bande herum, so dass sie sich wirklich biegen musste, um sich zu drehen. Später trabte ich und verkürzte die Zeit zwischen traben, stehenbleiben, Roll Back immer mehr, so dass sie am Ende des heutigen Tages einen Roll Back aus dem Trab konnte. Außerdem übten wir noch schnelle, große Galoppzirkel und langsame Kleine. Erste Ansätze zum Spin hatten wir auch geübt, das reichte dann aber auch für den heutigen Tag. Verdine und Aliena waren schon etwas weiter bei ihrem Training, aber Verdine gab auch schnellr nach und akzeptierte zum Beispiel den Schenkeldruck zum Weichen viel eher, als Ahyoka, die sich gegen fast alles wehrte.
      Nach einem Blick auf die Uhr sah ich, dass es schon recht spät geworden war und wir Coco sowie Queen morgen reiten würden. "Wir satteln ab, bringen die Pferde weg und gehen ins Haus zu Kira. Die beiden anderen Pferde reiten wir morgen", erklärte ich Aliena und wir machten die Pferde fertig für die Box, ehe wir ins Haus gingen und uns noch etwas mit Kira unterhielten, die uns etwas zu essen gemacht hatte. Totmüde gingen wir ins Bett, denn am nächsten Tag hatten wir viel zu tun.
      Schon früh waren wir auf den Beinen. Während Aliena Coco und Queeni fertig machte, stand ich in der Halle und baute einen Trail Parcours auf. Dieser Parcours wurde öfter für Jugendliche benutzt, da er zwar kompliziert, aber nicht unschaffbar war. Lächelnd nahm ich dann Coco entgegen, die mir von Aliena gebracht wurde. Wir lernten aus unserem gestrigen Fehler und longierten die beiden erst ab, ehe wir nachgurteten und dann aufstiegen. Zu erst ritten wir die beiden noch ein wenig in allen Gangarten, bevor ich mit dem Parcours anfing. Coco sollte von LK 2 auf LK 1 gebracht werden, dementsprechend konnte sie schon einiges und wusste wohin mit ihren Beinen, wenn da auf einmal Stangen vor ihren Hufen waren. So galoppierte ich sie auf der rechten Hand an und galoppierte über insgesamt 6 Stangen, wovon je zwei auf 3:00, 6:00 und 9:00 Uhr lagen. Zwischen je zwei Stangen konnte die Stute einen Galoppsrpung machen, so dass sie immer komplett mit allen vier Hufen zwischen diesen zwei Stangen war. Als wir wieder ungefähr auf der Höhe waren, wo wir gestartet hatten, nahm ich sie zum Schritt zurück und ging in eine Box aus vier Stangen hinein. Dort drehten wir uns einmal um 360°, was leichter gesagt, als getan war. Ganz langsam setzte Coco ein Bein vor das andere und drehte sich. Perfekt war unsere Drehung nicht, aber wir hatten ja noch genug Zeit, uns zu verbessern. Es war auf jeden Fall schon viel besser als das letzte Mal, als ich sie trainiert hatte. Nun ging es im Schritt über drei Stangen, die ein wenig schräg lagen, so dass die Stute erst nochmal die Nase in Richtung Boden streckte, um zu schauen, was da eigentlich vor ihr lag. Beim Trail hatte man alle Zeit der Welt, so dass ich sie einfach in ihrem eigenen Tempo über die Stangen gehen ließ. Stehen bleiben durfte sie allerdings nicht, weshalb ich sie schon nach vorne trieb. Nun waren wir an der kurzen Seite angekommen, ich lenkte sie nach links und trabte sie an. Im Trab ging es über drei Stangen, ehe ich Coco wieder angaloppierte und es erneut über drei Stangen ging, die jedoch mehr als schräg dort lagen. Zur Mitte hin berührten sie sich fast, nach außen hin lagen sie ziemlich weit voneinander weg. Hier galt es eigentlich, genau zu wissen, wie groß die Galoppsprünge des Pferdes waren, damit man an der richtigen Stelle über die Stangen galoppierte. Da ich Coco heute zum ersten Mal wieder ritt, traf ich die falsche Stelle und sie versprang sich ein wenig. Es war jedoch nicht schlimm, denn auch dafür hatten wir noch ein paar Tage Zeit. Nun parierte ich sie zum Trab durch, lenkte sie nach links ab und trabte über eine der drei Stangen, die auf 2:00, 9:00 und 5:00 Uhr verteilt waren. Zu erst die zwei Uhr Stange, dann die neun Uhr Stange und zum Schluss die fünf Uhr Stange. Von dort trabte ich zwischen zwei Stangen, bis ich mit den Vorderbeinen am Ende der Stangen angekommen war. Genau da stoppte ich sie dann und ging rückwärts, bis ich am Anfang der Stangen angekommen war. Dort lenkte ich Coco rückwärts zum Tor, welches wir durchschritten. Fertig war die Pattern. "Mach das mal nach!", jubelte ich in richtung von Aliena und lobte Coco ausgiebig. Aliena hatte mir Queen so manches Problem, aber letztendlich schafften sie es dann doch fast fehlerfrei durch den Parcours. "Super, sattel die beiden ab, mach die anderen zwei fertig und ich räum hier alles auf", erklärte ich ihr und sie machte was ich ihr aufgetragen hatte. Mit den anderen beiden klappte es heute auch viel besser als gestern, so dass unsere Woche hier schneller vorbei war, als es uns lieb war. Schon bald verabschiedeten wir uns von Kira und flogen wieder nach Kanada zu unseren Pferden.

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      Verdine Reining LK 4 - LK 3, Ahyoka Dazzle Reining LK 4 - LK 3, Coco de Mer Trail S - S*, Aggressors Little Queen Trail LK 2 - LK 1
      Juli 2016, by Veija
      Erneut fuhr mein Wagen auf den Hof von Kira Esenbeck, eine alte Bekannte, wenn man so wollte. Mit an Bord war dieses Mal Amy Lee, die mir tatkräftig unter die Arme greifen wollte. Ich hatte sie auf einem Turnier kennengelernt, wo sie als TT, also Turniertrottel unterwegs gewesen war. Beim Abreiten der Pferde hatte ich sie beobachtet und ihr riesiges Potenzial entdeckt. Nun war sie nicht mehr wegzudenken von unserer Ranch.
      Bei Kira angekommen begrüßten wir sie kurz, ehe wir auch schon zu den Pferden gingen. Anfangen würden wir mit Coco de Mer und Aggressor's little Queen. Coco de Mer war schon auf LK 1, bei ihr musste ich nur noch Feinheiten trainieren. Aggressor's little Queen sollten wir von LK 2 auf LK 1 bringen. Ich schnappte mir also Coco und Amy schnappte sich Queenie. Wir putzten und sattelten sie, ehe wir in die Halle gingen, wo ich ein paar Hindernisse aufbaute, während Amy die beiden ein wenig durch die Halle führte. Die Hindernisse bestanden vor allem aus Stangenkombinationen wie einem Quadrat, oder einem L sowie Galoppstangen.
      Nach dem Aufbauen schnappte ich mir mein Pferd wieder und saß nach dem Nachgurten auf. Zunächst ritt ich sie im Schritt und im Trab gründlich warm, ehe auch der Galopp hinzu kam und wir uns vor allem mit den Galoppstangen beschäftigten, die ich in einem Halbkreis gelegt hatte. Wir befanden uns in der linken Hälfte der Reithalle, Amy und Queenie in der Rechten, wo ich exakt die selben Hindernisse aufgebaut hatte. In den hohen Klassen konnte man den Pferden nichts neues mehr beibringen, nur noch die Hilfen verbessern. So trainierten wir über eine Stunde und ließen es dann gut sein, denn die beiden arbeiteten wirklich klasse mit und konnten sich nun schon in der neuen Stufe sehen lassen.
      Wir ritten die beiden ab, sattelten ab und brachten sie in die Box, ehe wir alles wegräumten. Das konnten wir alles nicht brauchen bei den Reinern, denn es folgten nun Verdine und Ahyoka Dazzle, die wir in der Reining von LK 4 auf LK 3 bringen sollten. Ich entschied mich auf alle Fälle, Ahyoka zu reiten, denn die Nachkommin von Amarula hatte leider ihre ganzen schlechten Charakterzüge geerbt, so dass ich mit ihr besser klar kommen würde, als Amy, welche sich Verdine schnappte und sie schon einmal putzte und sattelte. Ich tat es ihr gleich und zankte ein wenig mit Ahyoka herum, da sie nicht still stehen wollte. Als ich sie dann endlich gesattelt hatte, ging es in die Halle, wo wir die beiden in allen drei Gangarten warm ritten. Dann fingen wir an, Spins zu üben. Verdine und Amy waren dabei wesentlich schneller als ich, da Ahyoka dauernd meinte, den Chef raushängen zu lassen, was ich natürlich damit quittierte, dass sie wirklich richtig arbeiten musste. Vom Rückwärtsrichten über eine lange DIstanz bis hin zu mehrmaligem Angaloppieren und sofort wieder stoppen. Sie konnte es sich selbst aussuchen, ob sie Stress wollte, oder nicht. Schließlich gab sie nach und hörte auf mit dem Quatsch, so dass wir ordentlich arbeiten konnten. Wir verbrachten unsere Zeit damit, Spins und Stops zu üben, die Galoppade auf kleinen und großen Zirkeln auf beiden Händen, übten schnelle und langsame Galoppwechsel sowie Rollbacks. Nach einer Weile ohne weitere Zwischenfälle ritten wir die beiden dann trocken und brachten sie wieder in den Stall, wo wir sie für die Box fertig machten. Zum Schluss gingen wir noch zu Kira. "Die vier sind jetzt fertig.", erklärte ich ihr. "Sollten sie trotz dessen Unarten zeigen oder anders zu reiten sein, ruf mich an, dann fliege ich nochmal her und nehm sie unter die Lupe.", erklärte ich ihr lächelnd und wir verabschiedeten uns, ehe wir zurück nach Kanada flogen und die schöne Eifel, in der ich aufgewachsen war, wieder verließen.

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      Verdine Reining LK 3 - LK 2, Ahyoka Dazzle Reining LK 3 - LK 2, Aggressors Little Queen Trail S - S*, Coco de Mer Trail S* - S**
      August 2016, by Veija
      Zusammn mit Caleb war ich wieder auf dem Weg zu Kira Esenbeck in die Eifel nach Deutschland. Mittlerweile war sie mit ihren vier Westernpferden schon ein Stammkunde bei uns, wenn man das so nennen mochte, weshalb ich ihr heute versprochen hatte, den Preis ein wenig zu drücken, damit ich sie auch im nächsten Monat wieder besuchen konnte.
      Bei Kira angekommen begrüßten wir sie kurz, ehe wir in den Stall zu den Pferden gingen. Verdine zum Beispiel hatte ich am Anfang nicht wirklich gemocht, mittlerweile gewann sie jedoch mein Herz und ich lernte, sie immer mehr zu mögen, weshalb ich sie auch heute reiten würde. Caleb übertrug ich Ahyoka Dazzle. Beide, Caleb sowie die Stute, waren ziemlich dominant- ob die Kombination klappte, würde sich rausstellen. Beide sollten in der Reining von LK 3 auf LK 2 gebracht werden, weshalb wir die zwei auch zusammen trainierten, da wir die selben Übungen ritten.
      Nachdem wir fertig mit putzen und satteln waren gingen wir in die Halle und gurteten vor dem Aufsitzen nach. Dann saßen wir auf und ritten die beiden Pferde warm. Noch waren Caleb und Ahyoka nicht aneinander geraten, vielleicht blieb das ja auch so. Nach dem Aufwärmen ging ich raus auf den Platz, da jetzt jeder von uns viel Platz brauchte, denn das erste was wir übten, waren die Zirkel. Ich galoppierte Verdine also auf dem Platz an und hielt sie auf der rechten Hand auf einem großen Zirkel. An X gab ich die Hilfen zum Galoppwechsel, ehe ich auf der linken Hand einen großen Zirkel galoppierte. Galoppwechsel, rechte Hand, Galoppwechsel, linke Hand. Dann verkleinerte ich den Zirkel und nahm die Stute ein wenig zurück, damit sie langsamer galoppierte, ehe ich auch hier ein paar Mal die Seiten wechselte, indem ich an X einen Galoppwechsel ritt. Als ich damit fertig war, ging ich wieder in die Halle, wo ich einen auf dem Boden stehenden Caleb vorfand. Er klopfte sich den Sand von der Hose, doch da er die Stute noch am Zügel hielt, fragte ich nicht weiter nach. "Sliding Stops?", fragte ich ihn und er nickte, ehe er wieder aufstieg. Ahyoka nahm motzig den Kopf runter und kaute auf ihrem Gebiss herum, da konnten sich zwei wohl nicht so richtig leiden, was man später auch bei den Sliding Stops sah. Wo Verdine mir wirklich gut zuhörte und genau dann stoppte, wenn ich es von ihr wollte, riss Ahyoka den Kopf hoch oder stoppte einfach von selbst. Caleb wusste sich jedoch zu helfen und korrigierte ihr Verhalten so lange, bis sie anfing auf ihn zu hören. Wir übten noch ein paar Roll Backs und die Spins und dann waren wir auch schon fertig, denn LK 2 war genau so wie LK 3, nur dass die Pattern in einer anderen Reihenfolge bestritten wurden. Lediglich der Aufstieg von LK 2 zu LK 1 war ein wenig anders.
      Als wir die Pferde dann zum Stall brachten, kam uns Kira entgegen. "Die sieht aber fertig aus.", sagte sie und zklopfte Ahyokas Hals, die wirklich ordentlich am Schwitzen war. Da Caleb nicht gerne deutsch redete, übernahm ich das Sprechen für ihn. "Ja, Caleb und deine Stute hatten ein paar Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel beim Stoppen. Sie wollte das immer alles alleine machen, bevor Caleb die Hilfen gegeben hatte. Also musste sie so lange stoppen, bis sie auf seine Hilfen reagiert hat.", erklärte ich ihr und sie nickte. "Ihr bleibt dieses Mal nur einen Tag, oder?" "Ja, leider. Wir haben so viel auf der Ranch zu tun, dass wir nicht länger bleiben können." "Ist ja auch nicht schlimm, wenn es mit dem Training so klappt.", sagte sie dann und Caleb und ich nickten. "Kommt her, ich nehm euch die beiden ab, dann könnte ihr Coco und Queenie holen gehen." "Thanks.", sagten Caleb und ich dann zusammen, ehe wir uns grinsend ansahen und die nächsten beiden Pferde holen gingen. Das waren Coco de Mer und Aggressor's Little Queen. Caleb gab ich Queenie, eine ganz nette und unkompizierte Stute, ich selbst schnappte mir Coco, da sie auch eine Klasse höher war als Queenie.
      Es dauerte nicht lange, da waren wir in der Halle und ritten die Pferde warm. Ich hatte ein paar Hindernisse aufgebaut, die wir überreiten konnten. Zum einen war es ein Quadrat aus Stangen, in welches man hineingehen und sich drehen musste, einen Stangen L, Trab und Galoppstangen, ein Tor, eine Brücke und 2 Stangen, durch die man seitwärts hindurch gehen musste. Das alles übten wir eine ganze Weile, aber in den hohen Klassen, in denen die beiden liefen, saß wirklich alles, so dass wir kaum etwas zu tun hatten und die beiden Pferde nach einem erfolgreichen Training wieder in die Box bringen konnten. "Bis zum nächsten Mal!", verabschiedeten wir uns und fuhren dann auch schon wieder vom Hof. So kurz konnte unser Besuch manchmal sein.

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      Genuine Lil Cut Reining S* - S**, Jade Reining LK 5 - LK 4, Verdine Reining LK 2 - LK 1, Ahyoka Dazzle Reining LK 2 - LK 1, Coco De Mer Trail S** - S***, Aggressors Little Queen Trail S* - S**
      September 2016, by Veija
      Heute war ich wieder auf dem Weg in die Eifel, um Kira einen erneuten Besuch abzustatten. Ich hatte vor in den nächsten Tagen sechs ihrer Pferde zu trainieren, und das auch noch ganz alleine, denn ich war ziemlich sauer auf meinen Mitarbeiter Caleb, der ein Training bei Hunter verbockt hatte, weshalb ich nun irgendwie auf Kriegsfuß mit ihm stand und alleine geflogen war. Warum ich niemand anderen mitgenommen hatte, war mir nicht klar, aber ich würde das auch alleine schaffen, insbesondere, weil ich bei ein paar Pferden wirklich kaum noch etwas zu tun hatte, da sie von S** auf S** trainiert werden sollten.
      Ich schaute nochmal kurz auf mein Handy, um mich zu vergewissern, was ich alles machen musste:
      Genuine Lil Cut Western Reining S* - S**
      Jade Western Reining Basics + Reining LK 5 - LK 4
      Verdine Western Reining LK 2 - LK 1
      Ahyoka Dazzle Western Reining LK 2 - LK 1
      Coco De Mer Western Trail S** - S***
      Aggressors Little Queen Western Trail S* - S**
      Es dauerte nicht lange, da ging der Flieger schon wieder auf die Erde und ich konnte mir meinen Koffer suchen, ehe ich in ein Taxi einstieg und zu Kira gefahren wurde. Flink lud ich meinen Koffer aus und zog mir eine andere Jeans, Boots und Sporen an, ehe ich in den Stall ging. Kira fand ich nicht auf, weshalb ich sofort auf die Suche nach meinem erst kürzlich an sie verkauften Hengst ging. Am Tor der Stallgasse schnalzte ich ein paar Mal, ehe Genuine mir entgegen wiehrte. Ich steuerte sofort auf ihn zu, ehe ich seine Box öffnete und ihn umarmte. "Hallo mein Großer", sagte ich freudig und kraulte seinen Hals. Er hatte an Muskulatur abgebaut, aber das war ich zum Teil auch selbst schuld, da er nicht mehr wirklich im Training gestanden hatte.
      Ich wollte ihm gerade das Halfter anziehen, da sprach mich jemand von hinten an. "Da bist du also, hab dich schon gesucht.", sagte Kira und ich drehte mich beschämt um. "Ja... hatte dich nicht gefunden, bin dann sofort zu Genuine gegangen.", meinte ich dann doch grinsend und schüttelte ihr zur Begrüßung die Hand. "Hast du dir dieses Mal keine Hilfe mitgebracht?", fragte sie mich erstaunt und ich schüttelte den Kopf. "Nein, bin ziemlich sauer auf Caleb, der hat den letzten Auftrag total verbockt. Deshalb bin ich wohl jetzt alleine hier, weil er mir eigentlich helfen sollte und die anderen auf der Ranch zu tun haben.", erklärte ich ihr und sie nickte. "Das ist natürlich ärgerlich, hat es denn viel Ärger gegeben?" "Ja.. Hunter war absolut nicht begeistert von Calebs Arbeit, naja, zwei Pferde hat er wirklich super trainiert, das dritte nicht so gut, da hat er das Traininig auch abgebrochen. Aber er hätte sich ja mal melden können, dann wäre ich rüber geflogen.", erklärte ich und schloss den Verschluss des Halfters, ehe ich Genuine aus der Box auf den Putzplatz führte, wo hin mir Kira folgte. "Überarbeite dich nicht. Am Besten gehst du jetzt eh zu erst mal schlafen, nach dem langen Flug." "Ich kann es mir nicht verkneifen, Genuine zu arbeiten.", erklärte ich schulterzuckend. "Ihn kenn ich ja, wie meine Westentasche. Ich pass auf.", erklärte ich ihr und fing dann an, den Hengst zu putzen, nachdem Kira widerwillig zugesagt hatte, dass ich ihn heute noch arbeiten durfte. Nach dem Putzen sattelte ich ihn also, vergaß dabei die Gamaschen und die Skid Boots auch nicht, ehe wir in die Halle gingen und ich nach dem Nachgurten aufstieg. Zu erst wärmte ich den Hengst ausgiebig im Schritt und Trab auf, ehe ich ihn auf der rechten Hand angaloppierte und auf einen großen Zirkel lenkte. So weit, wie er im Training schon war, musste er es eigentlich bereits können, seinen Zirkel ohne viele Hilfen von mir zu halten. So galoppierte ich ihn einfach eine ganze Weile auf der rechten Hand auf einem Großen Zirkel, nahm dabei aber immer mehr Hilfen weg, so dass die Zügel einfach locker auf seinem Hals lagen, er aber dennoch seine Richtung behielt. So würde er bei Kira niemals laufen, weil sie nicht so eine begabte Westernreiterin war- sie hatte dafür ihre Stärken in ganz anderen Diziplinen, aber Genuine sollte das in seiner Klasse schon können.
      An X wechselte ich auf die linke Hand, denn fliegende Galoppwechsel oder 'Flying Lead Changes', wie das in Westernsprache hieß, konnte er Hengst wirklich sauber. Auf der linken Seite hatte der Hengst so seine Probleme, was das Halten des Zirkels anging, weshalb er mir immer wieder nach innen abdriftete. Ich korrigierte das mit meinem Bein, statt mit den Zügeln, da ich diese einfach wieder locker an seinem Hals liegen hatte. "Na komm, stell dich nicht so an, denk nach!", meinte ich einmal und galoppierte ihn dann aus dem Zirkel heraus an der Bande entlang. Er galoppierte immer schneller, ehe ich ihn stoppte. Genuine schlitterte über den Boden und hinterließ eine riesige Staubwolke, in der ich einmal husten musste, ehe ich die Hilfen zum Roll Back gab, und wir wieder galoppierten. Wir machten auch einen Sliding Stop auf der anderen Seite der Halle, Roll Back zur anderen Richtung und erneut angaloppieren, ehe ich ihn locker auslaufen ließ und dann anhielt. Sofort gab ich Hilfen zum Back Up, was Genuine wirklich super machte und hielt ihn an. Er durfte kurz verschnaufen, ehe wir noch Spins auf jeder Seite versuchten, bevor ich ihn abritt. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Kira sich zu uns gesellt hatte. "Und, wie sah er aus?", fragte ich sie stolz und klopfte Genuines Hals. "Ich bin wirklich begeistert, was für ein talentiertes Pferd du mir da verkauft hast!", schwärmte sie. "Willst du auch mal reiten?", fragte ich lächelnd doch sie verneinte. "Heute Abend nicht mehr. Mach ihn fertig und dann gehst du ins Haus, du musst auch mal was essen.", befahl sie mir und verschwand dann aus der Halle, bevor ich mich wieder meinem Pferd zuwandte. "Talentiertes Ding.", murmelte ich und brachte ihn dann wieder in seine Box, nachdem ich fertig mit Abreiten war. Kira hatte ihn schon gemistet und gefüttert- das war auch nicht selbstverständlich, manchmal musste ich bei Kunden die Pferde auch misten und füttern, was eigentlich gar nicht mein Job war.
      So stellte ich den Hengst in seine Box und ging ins Haus, wo ich mit Kira zusammen zu Abend aß und dann ins Bett ging- morgen war viel zu tun.
      Schon um sieben Uhr war ich auf den Beinen, denn ich hatte heute sechs Pferde zu trainieren. Bei manchen würde ich nicht so lange brauchen, bei anderen etwas länger, weshalb ich mir heute morgen alle Reiningpferde vornehmen würde, ehe ich mich heute Mittag um die Trailpferde kümmern würde.
      Anfangen wollte ich wieder mit Genuine Lil Cut, den ich ausgiebig putzte und dann sattelte, bevor wir in die Halle gingen und ich ihn vor dem Aufsteigen nochmal nachgurtete. Von einem befreundeten Trainer hatte ich gelernt, Pferde jedes Mal anders aufzuwärmen, da sie sonst wussten, was man machte, und vordachten, also einem die Übung einfach vorgriffen und nicht mehr darauf hörten, was der Reiter machte. Deshalb fing ich heute mit ein paar Schritt- Dehnungsübungen an, wo ich zum Beispiel seinen Kopf zu meinem Knie rüberzog und seinen Körper mit meinem Bein wegdrückte, so dass er kleine Kreise laufen musste. Das machte ich auch auf der anderen Seite, ehe ich den Kopf etwas lockerer ließ und ihn im Kreis traben ließ, was er wirklich fleißig machte. Umso mehr freute er sich dann jedoch, als ich seinen Kopf wieder ganz grade richtete und er einfach geradeaus watscheln konnte, da diese kleinen Kreise unheimlich anstrengend waren. Ich ritt ihn eine ganze Weile im Schritt, forderte wieder die kleinen Kreise, ging wieder Schritt, bevor ich ihn antrabte und ein wenig an den Seitengängen arbeitete, die besonders sinnvoll zum Kreuzen beim Spin waren, was auch die nächste Übung darstellte. Ich hielt ihn an und gab Hilfen zum Spin. Sofort setzte er sich auf die Hinterhand und fing an, sich zu drehen. Zu erst nach links, dann nach rechts. Ich stoppte ich, ließ ihn kurz verschnaufen und galoppierte ihn dann auf der linken Hand an, um nochmal die Zirkel zu üben. Links hatte er immer noch seine Schwierigkeiten, den Zirkel eigenständig zu halten, doch ich musste ihn weniger korrigieren als gestern. An X machten wir einen Galoppwechsel und ritten auch auf der rechten Hand einen großen Zirkel, den er komplett selbst halten konnte. Zum Schluss übten wir noch ein wenig Speed Control, das hieß, dass er zunächst ein paar kleine Zirkel galoppierte, die eher langsam waren, dann ein paar große schnellere, bevor ich ihn wieder zurücknahm und wir kleine Zirkel galoppierten. Roll Backs und Sliding Stops wollte ich heute nicht schon wieder üben, das ging total auf die Gelenke und es war ja nicht so, als ob er das nicht könnte, denn eigentlich war ich mit seinem Training schon fertig, er brauchte wirklich nicht viel, weil er schon alles konnte. Ich würde ihn in den nächsten Tagen eine komplette Pattern laufen lassen, dann war er auch schon auf S**. Ich brachte ihn also nach dem Abreiten wieder in seine Box und schaute mir Jade an, die ich als nächstes reiten wollte. Auch sie wurde ausgiebig geputzt, bevor ich sie sattelte und mit ihr in die Halle ging. Anders als Genuine hatte sie eine einfach Wassertrense, auch Snaffle Bit genannt, an. Ich stieg also nach dem Nachgurten auf und ließ sie einfach mal im Schritt völlig alleine ihre Runden drehen, ehe ich die Zügel aufnahm und schaute, wie gerade sie zwischen meinen Beinen laufen konnte. Zunächst schien sie nicht wirklich zu verstehen, dass sie einfach nur geradeaus laufen sollte, doch nach einer Weile hatte sie es verstanden und gab sich die größte Mühe, mir gerecht zu werden. Auch als ich sie abwendete um, wieder zurück in die andere Richtung zu gehen, setzte sie sich auf die Hinterhand und deutete Ansätze eines Spins an. "Ganz untrainiert bist du ja nicht, Mäuschen- und talentiert dazu bist du auch noch.", sagte ich und klopfte ihren Hals. Ich hatte diese Stute auch kaufen wollen, jedoch war Kiras Gebot dann höher als meins gewesen. Traurig war ich nicht darüber, denn sie hatte es hier wirklich gut- und ich durfte sie reiten. Für den heutigen Tag hatte ich mir drei Übungen rausgesucht: Speed Control, einfache Galoppwechsel mit Trabphase, Sliding Stop.
      Anfangen würde ich mit Speed Control, dafür galoppierte ich sie auf der rechten Hand an und hielt sie auf einem kleineren Zirkel. Ich musste sie wirklich stark lenken und korrigieren, damit sie ihre Spur behält. Nach einer Weile klappte das auch, so dass ich sie nach außen gehen ließ und weiter antrieb, damit ihr Galopp schneller wurde. Hier machte sie sich wesentlich besser, was mich wirklich freute, so dass ich sie vor X zum Trab durchparierte, einmal umsaß und sie auf der anderen Hand wieder angaloppierte, um auch auf der linken Hand Zirkel zu reiten. Links war wohl ihre bessere Seite, denn hier hatte sie weniger Probleme, ihre Spur zu halten. Freudig galoppierte ich sie große schnelle Zirkel und kleine Langsame, ehe ich noch einmal einen Galoppwechsel mit Trabphase versuchte und dann zum Stehen kam. Sie durfte kurz verschnaufen, ehe ich sie wieder antrabte und immer wieder stoppte. Sie schien schon zu wissen, was ich von ihr wollte, weshalb ich sie angaloppierte und einmal aus dem Galopp heraus stoppte. Sie rammte ihre Hinterbeine in den Boden und zog sich mit den Vorderbeinen weiter. "Du hast echt Talent, Mädchen.", sagte ich stolz und ritt sie eine Weile ab, ehe ich sie wieder in die Box brachte. Morgen würde ich ein wenig Speed Control, einfache Galoppwechsel, Sliding Stops und Spins üben, damit es in ihrem Training vorwärts ging.
      Nun hatte ich noch zwei Reiningpferde vor mir, Verdine und Ahoyka Dazzle. Gerade wünschte ich mir, ich hätte doch jemanden zum Training mitgenommen, da schneite Amy Lee um die Ecke. "Was machst du denn hier?!", fragte ich sie total verdattert und hörte auf, Verdine zu putzen. "Ich hab deine SMS bekommen und dachte, dass du vielleicht doch Hilfe brauchst.", erklärte sie mir schulterzuckend. "Wenn ich dich nicht hätte...", murmelte ich. "Schnapp dir Ahyoka Dazzle und mach sie fertig, vergiss Gamaschen und Skid Boots nicht, die wird heute ein paar Mal stoppen müssen.", murmelte ich und ging kurz zu Kira, um ihr zu sagen, dass ich nun doch Hilfe hatte und vermutlich ein bis zwei Tage weniger hier bleiben würde, da ich die Pferde morgens und abends trainieren konnte.
      In der Halle angekommen gurtete ich Verdine nochmal nach, ehe ich mich in den Sattel schwang und sie warm ritt. Auch Amy ritt Ahoyka fleißig warm und machte mir eigentlich alles nach, was ich so ritt. Zu erst übten wir ein paar Spins mit den beiden, was sie wirklich vornehmlich machten. LK 1 war eben eine hohe Klasse, wo die Pferde alle beherrschten, was sie können mussten. Beim Training musste man nur drauf achten, dass man die Manöver verfeinerte. So achteten wir beim Spin vor allen Dingen darauf, dass sie mit den Hinterbeinen fast auf einem Fleck stehen blieben, und sich wirklich nur mit der Vorhand richtig von der Stelle bewegten. Ahyoka hatte aufgrund ihres kurzen Rückens einen riesen Vorteil gegenüber Verdine, doch die Stute schlug sich gut. Im Anhalten war sie nämlich um einiges besser und blieb punktgenau dort stehen, wo ich die Hilfen weg nahm, während Ahyoka oftmals überdrehte, was aber auch an Amy liegen konnte. "Versuch mal die Hilfen noch früher weg zu nehmen, ich glaub die hat einfach zu viel Schwung und muss den loswerden, bevor sie stehen bleiben kann.", sagte ich und schaute den beiden zu, während Verdine verschnaufen konnte. Amy nahm also den Druck noch früher weg. "Siehst du, klappt doch! So ist jedes Pferd unterschiedlich.", lachte ich und trieb Verdine zum Galopp an, weil wir nun Zirkel übten. Ahyoka und Amy warteten am Rand der Halle, damit sie uns nicht in den Weg kamen. Zirkel klappten bei Verdine wirklich super, Speed Control war also kein Problem. Auch die Galoppwechsel machte sie mittlerweile mit links, so dass ich nun Amy und Ahyoka zusah, die das Ganze auch wirklich super hinbekamen. Sliding Stops konnten wir wieder parallel üben, so dass jeder eine längliche Hälfte der Halle hatte. Verdine schlug sich gut, reagierte fein auf meine Hilfen, auch wenn Stoppen wohl nicht ihre Lieblingsdiziplin war. Roll Backs klappten super, auch beim Back Up hatte sie mittlerweile keine großen Probleme mehr. Vielleicht hatte sie heute auch einfach nur einen guten Tag. Während dem Abreiten sah ich immer wieder zu Amy rüber, die sich unter meiner Fuchtel wirklich gut machte. Dafür, dass sie bei ihrem alten Arbeitgeber nur ein Turniertrottel war, zeigte sie nun immer wieder, welches Potenzial die junge Frau hatte. "Ist gut, abreiten und dann holen wir uns die letzten zwei Pferde.", sagte ich und ritt aus der Halle, nachdem Verdine wieder eine normale Atmung erreicht hatte. Morgen würden wir die beiden nicht trainieren, übermorgen nochmal und dann waren die zwei auch schon fertig.
      Nachdem die zwei Stuten also wieder in ihrer Box standen, machten Amy und ich uns Aggressors Little Queen aka Queenie und Coco de Mer fertig. Coco sollte von S** auf S*** in Trail gebracht werden und Queenie von S* auf S**, weshalb es klar war, wer welches Pferd reiten würde.
      Nachdem die Beiden geputzt und gesattelt waren, gingen wir in die Halle wo wir nach dem Nachgurten aufstiegen. Wir ritten die beiden ordentlich warm, bevor ich einen kleinen Parcours aufbaute. Amy fing mit dem Stangen L an, welches sie in verschiedenen Varianten durchreiten konnte: einmal einfach im Schritt durch, einmal Rückwärts und einmal seitlich über die Stangen, was wirklich schwer war.
      Ich übte mit einem Stangenviereck, in welches ich reinreiten und mich zu beiden Seiten drehen konnte, bevor ich es wieder verließ. Aber auch hier konnte ich seitlich über die Stangen gehen. Nachdem wir eine Weile geübt hatten, tauschten wir die Hindernisse und übten erneut eine Weile, bevor ich noch Trab- und Galoppstangen auf den Boden legte, über die wir ritten. "Du kannst schon gehen Amy, für heute reicht es. ", erklärte ich ihr und schickte sie dann aus der Halle raus, während ich den Abstand der Stangen verkleinerte, um das Ganze für Coco de Mer nochmal etwas schwieriger zu machen. Aber auch das klappte super, weshalb ich es auch für heute gut sein ließ.
      In den folgenden Tagen waren wir je einmal morgens und einmal abends mit Queenie und Coco in der Halle, wo wir immer wieder andere Stangenkombinationen durchritten und zum Schluss auch einen ganze Parcours bewältigten, bei dem wir nicht nur die Übungen aufbauten, die wir geübt hatten, sondern auch neue Sachen mit einbauten. So zum Beispiel eine Brücke oder ein ziemlich eng gestellter Slalom, denn das mussten die beiden in den hohen Klassen beherrschen.
      Mit Genuine machte ich gar nicht mehr so viel, eigentlich ritt ich ihn nur noch, um seine Muskeln zu stärken, damit er noch besser stoppen konnte, denn er konnte schon alles, was er für seine Klasse können musste.
      Mit Verdine und Ahyoka klappte auch alles super. Die beiden machten sich wirklich gut im Training, Ahyoka wurde immer besser im Spin und hielt auch punktgenau da an, wo sie anhalten sollte. Verdine freundete sich so langsam mit dem Stoppen an und schaffte es, immer weiter zu sliden.
      Jade machte sich auch ausgezeichnet. So hatte ich am ersten Tag unseres Trainings gar nicht zu erwarten vermocht, wie gut sie im Roll Back war. Das machte ihr so unglaublichen Spaß, dass sie mir die Übung vorweggreifen wollte, was ich ihr leider wieder abtrainieren musste, denn nicht nach jedem Sliding Stop wurde umgesprungen, manchmal musste man eben auch Back Up machen.
      Wir verabschiedeten uns von Kira und wünschten ihr vor allem mit Jade und Genuine viel Erfolg. Wer weiß, vielleicht würden wir die Pferde im nächsten Monat nochmal wieder sehen.
    • Veija
      Pflegebericht
      Juni 2017, by adoptedfox
      Keine Wolken am Himmel, der Tag würde schön werden dachte ich und wandte mich wieder meinem Terminkalender zu. Ich hatte einige Aufträge erhalten und musste diese nun organisieren. Nach einer guten Stunde hatte ich alles erledigt und konnte mich auf den Weg machen. Die Stallarbeit hatte ich bereits früh am Morgen erledigt und lange würde ich nicht weg bleiben sodass ich keine Hilfe beanspruchen musste. Auf dem Weg zur Haustür zog ich meine Reitstiefel an und ging nach draußen in den Hof um meine Untensilien im Wagen zu verstauen. Der Wagen hatte sich aufgeheizt und ich ließ die Fenster herunter. "Dann wollen wir mal!" sagte ich zu mir selbst, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr durch das Tor vom Hof. Ich folgte der Landstraße und stellte währenddessen das Navigationsgerät ein.
      "Ihr Ziel liegt auf der linken Seite." hallte es aus dem Navigationsgerät und ich folgte ihm auf einen kleinen Hof. Ich stellte den Wagen ab und schlug meinen Terminkalender auf. Baroness of the Guard und Verdine hatte ich mir notiert. Ich stieg aus dem Wagen, schlug die Tür hinter mir zu und betrat den kleinen Hof. Er war nicht größer als mein eigener, aber die Idylle war atmenberaubend. Ich wandte mich dem Stallgebäude zu um die Boxen der beiden zu suchen und fand sie auch schnell, jedoch leer. Vermutlich genießen die beiden die Mittagssonne auf der Weide dachte ich und begann damit die Boxen auszumisten. Die Boxen wurden mit Späne eingestreut, was mir die Arbeit beim ausmisten um ein vielfaches erleichterte. Sauber leerte ich den Schubkarren auf dem Misthaufen aus und kehrte mit einem kleinen Besen übriges aus. Auf dem Weg zurück in den Stall machte ich einen Stop an einer kleinen Scheune in welcher ich neue Späne zum einstreuen fand. Nachdem die Box wieder sauber eingestreut war wusch ich mithilfe eines Schwamms die Tränken sauber. Beim zurück bringen der Schubkarre in die Scheune fand ich einen Besen den ich mir fix leihte um die Stallgasse zu kehren. Ich nahm mir eine der Putzboxen aus der Sattelkammer und ging hinaus in den Hof. Ich entdeckte einen Putzplatz. "Sehr praktisch!" sagte ich und stellte die Putzbox ab. Ein kleiner Weg führte mich zu den Weiden. Da nur 2 Pferde im Stall fehlten und genau 2 Pferde auf der Weide standen ging ich automatisch davon aus das es sich um die beiden handeln musste. Dem Boxenschild konnte ich bereits entnehmen das Baroness of the Guard ein Fellpony war. Gut für mich. Ich stieg durch den Zaun und näherte mich ruhig den beiden. Baroness schaute neugierig auf und ich nutzte den Moment um sie zu begrüßen. Das sanfte Fohlenmaul schnupperte an meiner Hand und schob sich direkt an meine Hosentasche. "Nana kleine, erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" sagte ich lachend und hängte den Führstrick in das Halfter welches sie bereits trug. Ich führte sie von der Weide an den Putzplatz wo ich sie fest band und nahm mir einen Striegel aus der Putzbox. In langen Zügen striegelte ich das dichte Fell der noch jungen Stute und befreite es so von Schmutz und losen Haaren. Die Prozedur schien ihr sichtbar zu gefallen. Normalerweise fuhr ich mit meinen Fingern durch Mähne und Schweif, jedoch hatte Baroness bereits so dichtes Langhaar das ich einen Kamm wählte da ich befürchtete sie zu verknoten. Ich tauschte Kamm gegen Bürste und strich in langen Zügen über Ihr Fell. Am Kopf war ich besonders vorsichtig, denn ich wollte Baroness zeigen das sie keine Angst haben musste und es stattdessen genießen konnte wenn man die Stirn bürstete. Zum Schluß nahm ich mich ihrer Hufe an. Vorsichtig testete ich, ob Baroness die Hufe gab und sprach dabei beruhigend auf sie ein. Das Hufe kratzen bereitete ihr offensichtlich keine Probleme was mich zufrieden stimmte. Sie wirkte im allgemeinen recht aufgeschlossen und sicher. Fertig geputzt entschied ich mich eine Runde mit ihr spazieren zu gehen. Ich löste den Strick und bewegte mich mit Baroness in Richtung Straße, welche wir überqueren mussten um in ein ruhig wirkendes Waldstück zu gelangen. Im Wald ließ ich ihr etwas mehr Strick damit sie hier und da ein paar Büschel Gras zupfen konnte. Hin- und wieder versuchte sie mich zu überholen, doch ich ließ ihr keine Gelegenheit dazu und ließ sie stattdessen stehen. Wenn sie versuchen wollte ihren Ponykopf durchzusetzen, war sie bei mir an der falschen Adresse! Im Schatten war es angenehm zu laufen und Baroness lief, nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen davon zu stürmen, brav mit. An einer Weggabelung entschieden wir uns für den linken Weg der uns zurück zum Hof führte. Ich beschloss Baroness in die Box zu bringen, da sie sonst alleine auf der Weide wäre und ich mir nicht ausmalen mochte welchen Unsinn sie anstellen würde. Bevor ich sie in den Stall führte hielt ich sie kurz um die Hufe auf mögliche eingetretene Steine zu kontrollieren. Zurück in ihrer Box zog ich Baroness das Halfter aus und stahl eine Karotte aus der Futterkiste. Ich brach sie in 2 Stücke und gab sie ihr zur Belohnung. Als ich den Auftrag erhielt mich um die beiden Pferde zu kümmern entnahm ich, das Verdine auch unter dem Sattel bewegt werden könne. Darauf freute ich mich bereits während der Fahrt, muss ich eingestehen. Durch meine tägliche Arbeit im Stall und dem fehlenden Reitpferd hatte ich leider kaum Möglichkeiten selbst zu reiten. Ich holte Verdine von der Weide und band sie am Putzplatz an. "Wo lagst du denn drin?" fragte ich die Stute als ich ihr linkes Hinterbein betrachtete. Zum Glück war alles bereits getrocknet sodass ich ihre Hinterlassenschaften mit dem Striegel abputzen konnte. Mithilfe des Mähnenkamms kämmte ich Mähne und Schweif der ruhigen Stute und bürstete schlussendlich mit der Bürste über ihr kurzes Fell. Nachdem die Stute sauber vor mir stand ließ ich sie für einen Moment allein und ging in die Sattelkammer um Ihren Sattel und Ihr Zaumzeug heraus zu suchen. Ich nahm Ihren Westernsattel und die Trense und ging zurück zum Putzplatz. Geschickt legte ich Verdine den Westernsattel auf und zog den Gurt fest. Ich öffnete das Halfter und zog es auf den Hals, damit ich Verdine auftrensen konnte. Die Zügel behielt ich in der Hand und löste das Halfter. "Ich hab gehört du bist manchmal unsicher. Wollen wir dir nicht mal zeigen wie schön Ausritte sein können?" fragte ich die Stute und kaulte ihre Stirn. Ob sie mit dem Schnauben zustimmte oder widersprach, würde ich wohl noch herausfinden. Ich legte die Zügel über Ihren Hals, stellte den Fuß in den Bügel und mit einem Schwung saß ich im Sattel. Noch bevor ich meine Position gefunden hatte setzte Verdine sich in Bewegung. "Du hast es aber eilig hier weg zu kommen, Madame." sagte ich lachend, ließ sie aber gewähren. Bevor wir über die Straße ritten hielt ich sie kurz um sicherzustellen das kein Auto kam und um nachzugurten. Im Schritt überquerten wir die Straße und bogen auf den Waldweg ein, den ich zuvor mit Baroness gegangen war. Aufgeregt nahm Verdine ihre Umgebung auf. Ihre Ohren folgten jedem Geräusch, vom knarzen der Bäume bis hin zum Kuckuck der sich laut bemerkbar machte. Allmählich wurde Verdine entspannter und ich beschloss sie ein paar hundert Meter galoppieren zu lassen. Durch den Schatten, den die Bäume spendeten, war es angenehm kühl im Wald. Kurz vor der Weggabelung parierte ich Verdine in den Schritt. Plötzlich blieb Verdine abrupt stehen und ich spürte durch den Sattel das sie sich anspannte. Mit der einen Hand hielt ich die Zügel und griff ans Horn, man wusste ja nie, während ich mit der anderen Hand Ihren Hals beruhigend streichelte. Ich beobachtete die Weggabelung und sah einen Spaziergänger mit Hund kommen. Innerhalb weniger Sekunden machte Sie einen Satz zur Seite und setzte zur Flucht an, doch noch bevor sie nach vorn stürmen konnte wendete ich sie auf der Hinterhand und ließ sie stehen. "Ruuuuhig Mädchen!" versuchte ich sie zu beruhigen und rief dem Spaziergänger zu, ob es ihm etwas ausmachen würde einen Moment zu warten. Er nickte mir zu. Ich nahm die Zügel auf und ritt Verdine im Schritt an dem "Ungeheuer" vorbei, weiterhin beruhigend auf sie einredend. Sobald wir den Heimweg antraten und der Spaziergänger mit seinem Hund hinter uns lag, entspannte Verdine sich und schnaubte ab. Ich klopfte ihr lobend den Hals. Sie hätte kopflos davongaloppieren können, doch selbst in ihrer Unsicherheit vertraute sie mir und das obwohl ich eine Fremde für sie war. "Wenn man an deinen Ängsten arbeitet bist du sicher ein ganz tolles Verlasspferd!" sagte ich und klopfte ihren Hals. Zurück am Stall brachte ich Verdine in die Box wo ich sie absattelte. Auch sie bekam zur Belohnung eine Karotte. Bevor ich den Hof verließ räumte ich noch die Sachen weg, die ich mir genommen hatte und ging die Weide ab um nach Pferdeäpfeln zu suchen. Da alles sauber war verabschiedete ich mich von den Pferden und stieg in meinen Wagen um die Heimreise anzutreten.

      Pflegebericht
      Juli 2017, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Auf dem Bear Brook EC ging es etwas turbulenter her als üblich. Gine giftete immer wieder aus dem Nichts los. Leider nicht nur bei mir, sondern auch bei Isaac, meinen Eltern oder anderen Angestellten. Manchmal sogar bei Feriengästen. Eine Weile hatte ich mir das Theater angesehen. Die ein oder andere Mahnung hatte Gine bekommen, bevor ich sie schlussendlich entlassen musste. Isaac war davon nicht begeistert, immerhin kam er noch gut mit ihr zurecht. Doch seit ich den Hof tatsächlich alleine führte, weil meine Eltern ausgezogen sind, war mir das Drama um Gine zu viel. Als Kerry von ihrer Fortbildung wieder zurückkam fiel sie aus allen Wolken. Sie hatte so viele gute Erfahrungen aus Schottland mitgenommen. Jetzt stand sie auf dem Hof und erkannte die Hälfte des Personals nicht mehr, weil es ausgewechselt wurde. Die Jockeys und Isaac waren die einzigen bekannten Gesichter für sie.
      “Und wieso wohnen deine Eltern nicht mehr hier?” fragte Kerry, als wir abends auf dem Innenhof saßen und ich ihr die aktuelle Lage erklärte. “Sie wollten besser angebunden sein, nicht mehr mit dem Auto fahren müssen.” antwortete ich. Es fühlte sich noch immer unwirklich an, dass die beiden nicht mehr hier lebten, auf ihrem Hof. Aber sie waren glücklich mit dieser Entscheidung. Kerry schien zu merken, dass ich darüber nicht weiter sprechen wollte. Stattdessen fragte sie nach Mirko, der gerade vorbeilief und mir zuwinkte um sich zu verabschieden. “Er ist eine neue Stallhilfe. Er kümmert sich zusammen mit Elizabeth Carroll um die Fütterung der Pferde und darum, dass die Weidezeiten eingehalten werden.” Kerry nickte anerkennend. “Hört sich ja sehr… strukturiert an. Fühlt sich Isaac dann nicht nutzlos?” Kopfschüttelnd grinste ich sie an. “Er freut sich mehr Zeit zu haben.” - “Und er bekommt das gleiche Geld?” wollte Kerry wissen. “Darüber sprechen wir nicht.” gab ich zurück und zeigte stattdessen auf Elise und Louis Clayton. “Die beiden kümmern sich um Gäste und darum, dass es Mittags etwas zu Essen gibt.” erklärte ich. Wieder nickte Kerry. Sie wollte immer noch gerne wissen, wie ich das denn finanzieren kann. Aber das sollte meine Sorge sein. Sie fragte nicht noch einmal nach. “Morgen Vormittag lernst du die neue Dressurreiterin kennen. Damit sollten wir dann alle neuen Gesichter haben.” schloss ich gut gelaunt und stand auf. “Über Magical Touch reden wir noch.” sagte ich, bevor sie diesen Punkt einwenden konnte. Kerry hatte gesehen, dass Mephistos Mutter verkauft werden sollte. Sie wurde als Therapiepferd angepriesen und wäre ideal für ihr Vorhaben Stunden anzubieten. Mir sollte das recht sein, der Platz war da und es würde dem Ruf zugute kommen. “Mir liegt wirklich viel daran.” betonte Kerry, als auch sie aufstand. “Mephisto solltest du dann trotzdem noch ausbilden.” sagte ich noch, bevor wir uns verabschiedeten.
      Am nächsten Tag wachte ich unfassbar spät auf, sodass ich es eilig hatte in den Stall zu kommen. Schließlich warteten die Pferde auf ihr Frühstück. Erst als ich halb angezogen an den zufrieden fressenden Pferden vorbei lief fiel mir auf, dass Elizabeth heute schneller war.
      “Guten Morgen, Mr. Crowley!” brummte Mirko Vicari, der gerade mit PFS Strolch auf dem Weg zur Weide war. Hinter ihm stand Elizabeth mit Golden Sugar. “Ist alles in Ordnung?” fragte sie und beäugte mich mit einem Blick, den ich nicht einordnen konnte. Ich musste furchtbar lächerlich aussehen, nicht nur weil mir das Hemd halb aus der Hose hing und die Haare zu allen Richtungen standen. Auch mein Gesichtsausdruck war wohl in diesem Moment nicht der frischeste. Nachdem ich das nun festgestellt hatte fuhr ich mir durch die Haare. “Nein, alles okay. Ich muss mich erst daran gewöhnen manche Arbeiten nicht mehr selbst machen zu müssen.” Die beiden nickten und brachten dann die Hengstfohlen auf ihre Weide. In der Küche war zu meiner Erleichterung noch niemand. Die Claytons waren also auch noch nicht fertig. Ich setzte Kaffee auf und machte mir etwas zum Frühstück. Keine fünfzehn Minuten später bekam ich eine Nachricht von Käthe. “Hey, wann geht’s los?” wollte sie wissen. Desorientiert sah ich im Kalender nach, was heute anstand. Die Messe! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wir wollten heute zur Pferdemesse. “Gib mir eine Stunde, dann hole ich dich ab.” schrieb ich zurück und eilte ins Bad um mich fertig zu machen.
      “Hunter, einen Moment.” Isaac schlug mir seinen Arm vor die Brust und hielt mich fest, als ich auf dem Weg zum Auto war, sodass ich stehen bleiben musste. “Ich hab keine Zeit!” beschwerte ich mich und machte Anstalten einfach weiter zu gehen. “Du musst noch die Wurmkuren abholen, die liegen seit Wochen beim Tierarzt!” sagte er eindringlich und lockerte seinen Griff. “Stimmt. Mache ich.” sagte ich und lief weiter um mein Auto soweit leer zu räumen, dass mögliche Messekäufe hinein passen würden. Wie ich Messe und Tierarzt verbinden sollte war mir jedoch ein Rätsel. Wenn es gut lief, waren wir in fünf bis sechs Stunden durch und konnten dann gerade so vor dem Feierabendverkehr zurückfahren. Dann würde ich wohl auch den Tierarzt noch unterbringen können. Wenn es aber schlecht lief, würden wir für alles länger brauchen und der Tierarzt geschlossen haben, bevor wir ihn erreichen...
      Käthe | “Ich bin überrascht wie schnell es voran geht! In ein paar Tagen sollte sie fertig sein.” erzählte ich meinem Vater angeregt am Telefon. Wir telefonierten einmal die Woche um den Kontakt aufrecht zu erhalten, jetzt wo wir uns nur ein paar Mal im Jahr sahen. Bevor ich auflegte versprach er mir mich zu besuchen, sobald es ihm möglich war. Ich steckte mein Telefon zurück in die Hosentasche und wollte gerade ins Haus gehen, als Hunters Wagen auf den Hof fuhr. “Gib mir eine Minute!” rief ich ihm zu und ging ins Haus um mich umzuziehen. Ich entschied mich für eine einfache, schwarze Jeans und ein weißes Neckholder-Top. Auf dem Weg nach draußen nahm ich meine Tasche und warf Geldbeutel und Telefon hinein. Hunter hupte als ich die Tür abschloss. Ich schüttelte den Kopf und stieg zu ihm in den Wagen. “So gefällst du mir viel besser!” sagte ich und strich mit dem Handrücken über seine Wange. “Wollte Gine nicht mitkommen?” fragte ich während ich mich anschnallte. Er warf mir einen genervten Blick zu und fuhr los. “Entschuldige.” sagte ich knapp und sah aus dem Fenster. “Ich hab ihr gekündigt.” murrte er schließlich. “Du hast was? Was ist denn passiert?” fragte ich erschrocken. Damit hätte ich nicht gerechnet. “Lass uns da bitte nicht drüber reden.” sagte er. Ihm war das Thema sichtlich unangenehm. “In Ordnung. Solltest du doch darüber reden wollen weißt du wie du mich erreichst.” antwortete ich ihm und warf ihm ein kurzes lächeln zu. Die restliche Fahrt verlief ruhig und obwohl auf dem Messegelände reges Treiben herrschte, fanden wir schnell einen Parkplatz. Ich stieg aus dem Wagen und hängte meine Tasche über die Schulter. “Hunter? Lass mich kein Pferd kaufen!” wies ich ihn an. Er grinste. “Nur wenn du das Gleiche für mich tust.” - “Ich gebe mein Bestes!” sagte ich lachend und folgte ihm zur Messehalle.
      Wir gingen durch die Messehalle und hielten an einigen Ständen um uns Reitzubehör und -kleidung anzusehen. Mein Vorhaben kein Geld auszugeben löste sich bereits am ersten Stand in Luft auf als ich Lederhalfter für Fohlen entdeckte. “Schau mal wie hübsch!” sagte ich und hielt freudig ein dunkelbraunes mit Strass in Hunters Richtung. Kritisch sah er rüber. “Für wen?” rief er mir zu. “Compliment!” rief ich zurück und lachte. Er schüttelte mit dem Kopf und steckte seine Hände in die Hosentaschen. Ich lächelte dem Verkäufer zu und gab ihm zu verstehen, dass ich es mitnehmen würde. An der Kasse nahm ich noch zwei Lecksteine mit Fruchtgeschmack für die Fohlen mit. “Hast du kein echtes Obst, dass du denen sowas reinhängen musst?” - “Sie werden davon nicht sterben, Hunter.” sagte ich beinahe beleidigt, doch er grinste nur. Als wir weitergingen kamen wir in eine Gasse mit Pferdeboxen. Es handelte sich um Verkaufspferde und obwohl wir uns vorgenommen hatten keines zu kaufen, sahen wir sie uns an. Als ich einen bekannten Namen las blieb ich stehen und trat näher an die Box. “Was machst du denn hier?” fragte ich die Stute und hielt meine Hand an das Gitter. Da ein Veranstaltungshelfer mich beobachtete zog ich meine Hand zurück und folgte Hunter der bereits weiter gelaufen war. “Wo warst du?” fragte er, als er bemerkte, dass ich wohl gerade erst wieder da war. “Ich hab diesem gutaussehenden jungen Mann gerade meine Nummer gegeben.” log ich und nickte zum Veranstaltungshelfer. “Aha.” Hunter sah kurz in die Richtung, in die ich genickt hatte. Viel konnte er ja eh nicht ausrichten, also lief er weiter. Innerlich lachend folgte ich ihm zu den Tribünen. Wir suchten uns geeignete Plätze aus von denen wir alles gut beobachten konnten und setzten uns hin. Gerade lief der Moderator auf den Platz und sagte die Auktionen an, die jetzt folgen würden. Die Pferde wurden nacheinander über den Platz geführt. Darunter war auch die Stute, die mir eben schon bekannt vor kam. Mein Blick wanderte über die anwesenden Zuschauer. Niemand schien bisher Interesse zu haben. Bevor die Stute vom Platz geführt wurde hob ich meine Hand. Der Auktionator zeigte auf mich und wartete weitere Gebote, ab die jedoch ausblieben. ”Was machst du da?!” fuhr Hunter mich an. “Vertrau mir, ich kenn das Pferd!” zischte ich leise und wartete gespannt. Er sah mich an, als sei ich vollkommen irre geworden. “Für 500 Pfund verkauft, an die Dame da oben.” sprach der Moderator in sein Mikrofon und ich sah Hunter an, der immer noch fassungslos war. “Mein Vater bringt mich um.” sagte ich und stand auf. Ich lief zu den Boxen in denen die Verkaufspferde standen und blieb vor Verdines Box stehen. “Was hast du gemacht?” fragte Hunter und sah mich eindringlich an. “Vor zwei Monaten wurde ich beauftragt sie und ein Fohlen zu versorgen. Ich bin sie geritten, Hunter. Etwas ängstlich aber sonst große Klasse! Super geeignet für Reining!” bevor ich weiter erklären konnte unterbrach er mich “Und deswegen kaufst du ein Pferd?”. “Niemand hatte Interesse, wer weiß was mit ihr passiert wäre hätte ich sie nicht gekauft!” fügte ich hinzu und sah auf den Boden. Hunter griff sich in die Haare und verstand die Welt nicht mehr. “Sie hätte schon noch einen anderen Käufer gefunden! Was willst du mit ihr?” Ich nahm seine Hand und sah ihn entschuldigend an: “Reite sie, dann wirst du mich verstehen.”. “Wie stellst du dir das vor?” - “Entschuldigung, hinten hätten sie die Möglichkeit das Pferd Probe zu reiten.” antwortete der Auktionator der zwischenzeitlich erschienen war. Erwartungsvoll sah ich Hunter an. “Gut, dann machen wir sie fertig.”. Der Auktionator organisierte Verdines Sattel und Zaumzeug und ich half ihm dabei das Pferd zu satteln. Er führte Verdine zum Reitplatz, Hunter und ich folgten ihm.
      Hunter | Mein letztes mal in einem Westernsattel war Jahre her. Ein wenig misstrauisch stieg ich auf und nahm die Zügel auf, da Verdine sofort losging. Es dauerte einen Moment, bis ich mich sortiert hatte und sie verstand, was ich von ihr wollte. Die Grundlagen beherrschte sie einwandfrei. Die Appaloosastute gab sich erstaunlich ruhig, trotz ihrer offensichtlichen Nervosität. Sie bemühte sich sichtlich. Auch als ich ein paar schwierigere Lektionen von ihr forderte spielte sie mit. Außerdem saß sie sich unfassbar gut. Das mochte auch am Sattel liegen, aber im Gesamtpaket gefiel mir die Stute nun besser als erst gedacht. Nach ein paar Minuten stieg ich wieder ab und führte sie zurück zu Käthe, die am Zaun stand. “Gut.” meinte ich knapp um ihr die Frage vorwegzunehmen. Sie grinste mich freudig an und öffnete das Tor damit ich Verdine vom Platz führen konnte. Wir brachten die Stute zurück zur Box und sattelten sie ab. “Möchten sie dann mit mir kommen?” fragte der Auktionator und sah Käthe an.
      “Du reitest also Western?” fragte ich Käthe, während wir dem Auktionator folgten.
      “Mein Vater war immer dagegen, für ihn ist das kein richtiges Reiten.”
      “Super Zeitpunkt ein Westernpferd zu kaufen, wenn dein Vater die so toll findet und demnächst vorbeikommen will.”
      Käthe sah mich vorwurfsvoll an: “Ich kann ihm ganz andere Sachen erzählen die er nicht so toll finden wird.”.
      Ertappt schluckte ich. “Achja... Aber bei Verdine bist du dir wirklich sicher?” Das Thema wollte ich so schnell wie möglich los werden.
      “Ja wieso?” fragte sie.
      “Schade.”
      “Wieso Schade?”
      “Sie ist ein gutes Pferd.”
      Sie verschränkte die Arme vor der Brust. “Du hast Interesse.”
      “Hmm…” brummte ich.
      “Wenn sie mir dann folgen möchten.” unterbrach der Auktionator und Käthe folgte ihm. Kurze Zeit später kam sie mit einem Umschlag in der Hand wieder.
      “Glückwunsch.” meinte ich grinsend und verkniff mir eine dumme Bemerkung.
      “Wenn ich deinen Hänger ausleihen darf kann ich sie morgen früh abholen.”
      “Gut.”
      “Wollen wir dann los?” fragte sie und sah mich an.
      Ich nickte und wir gingen quer durch die Halle zum Ausgang. An einem Stand für Pferdefutter blieb Käthe abrupt stehen und drückte mir ihre Einkaufstüten in die Hand. “Schau mal wie niedlich!” rief sie und ging zum Betreiber des Standes. Noch bevor ich reagieren konnte hockte sie sich auf den Boden und hatte ein schwarzes Fellbündel im Arm. Die Verkäuferin erkannte sofort, dass ich zu Käthe gehörte und sprach mich an: “Zwei der Wurfgeschwister sind noch zu haben.” sagte sie freundlich. Käthe stand auf und kam mit dem Welpen auf dem Arm zu mir. Da ich vermutete, den Hund gleich halten zu müssen stellte ich die Tüten auf dem Boden ab. Mit meiner Vermutung lag ich nicht ganz falsch, denn Käthe legte mir das Fellbündel in die Arme: “Er ist so weich! Und schau dir die kleinen Pfoten an!”. So klein waren die Pfoten gar nicht. Aber niedlich war der Welpe trotzdem. “Der kleine steht dir! Ihr seht euch ähnlich.” lachte Käthe und ich warf ihr einen mahnenden Blick zu. “Ist das so?”
      “Wie Geschwister. Und jetzt wo du alleine auf dem Hof bist wäre ein tierischer Wegbegleiter doch eine nette Idee.”
      “Ich habe knapp 30 tierische Wegbegleiter im Stall stehen.” meinte ich schmunzelnd, ließ den Hund aber nicht runter.
      “Aber keins davon sieht aus wie du!” antwortete sie und lachte.
      “Ich kann mir doch nicht einfach einen Hund auf einer Messe kaufen!”
      “Hättest du lieber ein Pferd?”
      Ich lachte. “Dafür ist es jetzt zu spät. Was ist das denn für ein Hund?” wollte ich von der Verkäuferin wissen, die mir im Anschluss ein Ohr abquatschte.
      Letzten Endes schaffte sie es mich zu einem ihrer Welpen zu überreden. Ich setzte den Welpen auf dem Boden ab und warf Käthe einen unschuldigen Blick zu während ich der Frau in den Stand folgte. “Jetzt aber wirklich nach Hause.” brummte ich als ich wieder kam.
      Wir schafften es noch die Wurmkuren für meine Pferde abzuholen und fuhren danach gleich zur Hundezüchterin um den Welpen abzuholen. “Willst du dein neues Pferd nicht auch gleich noch abholen?” scherzte ich, als wir auf meinen Hof fuhren. “Um die Uhrzeit? Soll ich in den Stall einbrechen?” fragte Käthe und grinste mich frech an. Verschwörerisch grinste ich zurück. “Wieso eigentlich nicht?”
      “Du kneifst.” sagte sie und verengte die Augen zu Schlitzen. “Tu ich nicht!”
      “Einbrechen ist also in Ordnung, aber bei gewissen Themen schweigst du?”
      “Was für Themen?” wollte ich wissen, da ich mir nicht vorstellen konnte woran sie dachte.
      “Vor zwei Wochen. Du und ich?” fragte sie und grinste mich an.
      “Was willst du da bereden?” fragte ich und ging auf den Innenhof, wo ich ihr einen Stuhl hinstellte und mich anschließend selbst auf einen anderen setzte.
      “Ich dachte schon, dass wir darüber reden sollten. Oder wollen wir so tun als wäre nichts gewesen?” fragte sie mich und setzte den Welpen auf ihrem Schoß ab.
      “Nein.” sagte ich um mir etwas Zeit zu verschaffen.
      “Oder wir schieben es auf den Alkohol.”
      Ich lachte hart. “Wie du willst.”
      Das sie damit nicht zufrieden war merkte ich an ihrem Blick mit dem sie mich durchbohrte.
      “Für mich war es nicht nur der Alkohol, bei dir bin ich mir da nicht so sicher.”
      Sie lachte. “Zugegeben der Alkohol hat mir den nötigen Mut gegeben. Nach deiner Abfuhr davor war ich mir nämlich nicht mehr so sicher ob wir uns überhaupt noch sehen würden.”
      “Welche Abfuhr?”
      “Der Abend bevor du mit Sanitätern in meine Wohnung geplatzt bist.”
      “Wenn du halbtot auf dem Boden rumliegst?!”
      “Davon spreche ich gar nicht! Du machst mich wahnsinnig.”
      “Tut mir leid.”
      Sie schüttelte den Kopf.
      “Käthe?”
      “Ja, Hunter?”
      Ich schmunzelte. “Wenn du mich fragst, haben wir nichts falsch gemacht. Falls du das wissen willst.”
      “Schön zu wissen das du so denkst.” sagte sie und lächelte.
      “Wie siehst du das?”
      “So wie du. Und ich hätte nichts dagegen wenn es eine Wiederholung gäbe. Vielleicht mit weniger Alkohol damit ich nicht so starke Kopfschmerzen habe.” sagte sie und lachte.
      Lächelnd sah ich sie an. “So schlimm?”
      “Ich bin mir sicher ich habe mehr vom Wein getrunken als du.”
      “Bestimmt.”
      “Ich sollte dann langsam nach Hause.” sagte sie und setzte mir den Welpen auf den Schoß.
      Erst am nächsten Tag realisierte ich, was gestern passiert war. Und zwar um 2 Uhr nachts, als ich von lautem, schrillen Hundegejammer geweckt wurde. Der Welpe war mit seinen sechs Monaten natürlich nicht stubenrein und hatte aus meinem Schlafzimmer ein Schlachtfeld gemacht. Ein wenig verzweifelt, aber noch zu müde um etwas zu sagen packte ich mir meinen Hund und brachte ihn kurz in eine leere Pferdebox. Da war er sicher und ich konnte das Unheil, dass er verursacht hatte, beseitigen.
      Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so schnell und ohne Kaffee wach wurde. Der Welpe weinte erbitterlich in seiner Box. Erst als ich wieder kam und ihm Halsband und Leine umlegte beruhigte er sich. Es war immer noch mitten in der Nacht. Ich ging auf eine der Wiesen und lief ein paar Minuten, damit der Hund sich lösen konnte. Danach ging ich wieder ins Bett und hoffte, dass ich bis zum Morgen durchschlafen konnte.
      Wunschdenken ist etwas Tolles. Leider bleibt es oft das, was es ist: ein Wunsch. Eine knappe Stunde ließ mich mein Hund schlafen, bis er anfing am Bett zu nagen wie ein Bekloppter. Im Halbschlaf schob ich ihn immer wieder weg, bis er sich dem Schrank zuwandte, da ich ihn dort nicht erreichen konnte. Zumindest nicht vom Bett aus. Seufzend stand ich auf und hob den schwarzen Hund auf, brachte ihn wieder nach unten und lobte ihn ausgiebig, als er sein Geschäft draußen verrichtete, statt neben meinem Bett.
      Gegen 6 Uhr Elizabeth zur Arbeit, kurz darauf Mirko. Die beiden freuten sich über den neuen Schützling und blieben ein paar Minuten bei uns um zu frühstücken und den Hund zu bespaßen, bevor sie die Pferde füttern gingen. Ich packte mir den Satz Wurmkuren, der noch im Auto lag und folgte damit der Fütterung.
      Über den Vormittag verteilt kamen die Pferdetrainer auf den Hof und arbeiteten die Sportpferde. Jeder, wirklich jeder, wollte den Hund anfassen und seinen Namen wissen. “Er hat noch keinen Namen.” wurde zum Satz des Tages. Ich sagte ihn so oft, dass ich die Frage dazu schon nicht mehr hören konnte. “Na dann gib ihm doch einen Namen.” meinte Isaac lachend. Recht hatte er, aber man sollte sich gut überlegen wie man sein Tier nennt. Er sollte natürlich keinen 0 8 15 Namen bekommen!
      Nach dem Mittagessen rief ich Käthe an und fragte wann ich ihr den Hänger bringen sollte. “Ich dachte ich komme schnell vorbei und hole ihn ab.” sagte sie und so vereinbarten wir genau das. Zirka eine Stunde später fuhr sie auf den Hof und wendete den Wagen so, dass ich den Hänger ankuppeln konnte. “Wie war die Nacht?” fragte sie und verkniff sich ein Lachen. “Hol dir nie einen Welpen.” gab ich zurück und ging ein paar Schritte zurück, nachdem ich die Sicherung angebracht hatte. “Das hatte ich auch nicht vor.” sagte sie und stieg in den Wagen. Wir verabschiedeten uns und dann fuhr sie wieder ab um ihr neues Pferd abzuholen.
      Ein paar Stunden später hielt ein Wagen im Innenhof und hupte. Genervt, weil der Hund anfing mit zu jaulen kam ich aus dem Stall. Von oben bis unten mit Stroh übersät, weil ich gerade den Heuboden umdisponiert hatte. “Du kommst genau richtig, kannst du mir eben helfen?” fragte sie und ich nahm an, dass sie damit den Pferdehänger meinte. Als sie die Laderampe runter ließ wurde ich jedoch stutzig. “Was wird das?”
      “Du hattest erwähnt dass du ein paar freie Boxen hast und ich dachte du kannst mir helfen.” sagte sie und lud Verdine aus. “In wie fern? Möchtest du jeden Tag herkommen?” fragte ich grinsend und sprang dem Hund hinterher, der gerade weglaufen wollte. “War das ein Angebot?” fragte sie und sah dabei zu wie ich versuchte das kleine Fellbündel einzufangen. Als ich ihn hatte nahm ich ihn hoch und kam zurück zu Käthe: “Irgendjemand muss sich ja um dein Pferd kümmern, nicht wahr?” .
      “Ganz richtig ist das nicht. Wo wäre eine freistehende Box?”
      Ich deutete ihr an mir zu folgen und brachte sie zu einer der freien Boxen im Nebenstall, während der Hund mir das Shirt anknabberte, da er runter wollte. Sie brachte Verdine in die Box und schloss die Tür. “Ich glaube wir müssen reden.” sagte sie und deutete an, dass es unter vier Augen geschehen sollte. “Wieder?” fragte ich perplex. “Ja.” antwortete sie knapp und nahm mir den Welpen ab. “Okay, dann gehen wir rein. Ich muss mich so oder so umziehen.” meinte ich und sah an mir herab. Wir gingen zum Haupthaus, wo ich sofort im Bad verschwand und danach ins Schlafzimmer huschte um mir neue Kleidung anzuziehen. Als ich fertig war kam ich runter ins Wohnzimmer, wo Käthe mit dem Welpen wartete. Sie streichelte ihn und er war ruhiger als bei mir. “Keine Sorge es geht um Verdine.” sagte Käthe als sie meinen fragenden Gesichtsausdruck sah. Ich ließ mich in den Sessel fallen: “Okay.” sagte ich nicht minder fragend.
      “Ich fände es gut wenn du dich Verdine annimmst. Ihr beide bildet eine gute Einheit und du kannst ihr das Training bieten, was sie braucht.”
      “Kann ich das?” Der Meinung war ich nämlich ganz und gar nicht.
      “Du bist vielleicht etwas eingerostet aber das lässt sich ja ändern.”
      “Hmm.” brummte ich. Im Grunde war ein Pferd mehr nun auch egal. Trotzdem war ich von der Vorstellung nun auch ein Westernpferd fördern zu müssen nicht begeistert.
      “Was denkst du?” fragte sie und sah mich eindringlich an.
      Ich seufzte. “Käthe, ich weiß nicht…” Auf der anderen Seite wollte ich sie nicht auf dem Pferd sitzen lassen. Sie legte den Welpen, der mittlerweile eingeschlafen war, neben sich auf das Sofa und stand auf. “Hunter ich würde mich freuen wenn Verdine bei dir bleiben könnte. Und wenn du nicht weiter weißt kann ich dir helfen, das weißt du.” sagte sie und setzte sich auf die Lehne vom Sessel. Wieder brummte ich. “Gut.”
      “Ist das ein Ja für Verdine?” fragte sie und sah mich freudig an. Ich nickte nur und fühlte mich als hätte ich gerade mein Todesurteil unterschrieben. “Dann gehört sie offiziell dir!” sagte sie und zog einen Umschlag unter ihrem Shirt hervor den sie mir auf den Schoß legte. “Du bist gerissen.” bemerkte ich und sah in den Umschlag. Die Papiere waren sogar schon auf mich umgeschrieben. Böse funkelte ich sie an und packte alles wieder zurück und legte den Umschlag zur Seite. “Hättest du denn etwas anderes erwartet?” fragte sie und zwinkerte mich frech an. “Ja, mein Bild von dir ist jetzt zerstört.” sagte ich als wäre ich maßlos enttäuscht und stand auf, da ich nicht ewig hier sitzen konnte. Die Arbeit rief. “Jetzt erst?” rief sie lachend und ließ sich in den Sessel rutschen. “Hast du Lust mir als Entschädigung auf dem Heuboden zu helfen?” fragte ich. “Wenn du mir versprichst mir nichts anzutun, gerne!” antwortete sie und stand auf. Sie ging zum Sofa und hob den Welpen wieder auf den Arm. Schmunzelnd ging ich in den Stall und kletterte auf den Heuboden. “Pack den Welpen in die leere Box da.” sagte ich zu Käthe und zeigte auf die Box, die man vom Heuboden aus einsehen konnte. Sie folgte meiner Anweisung und stieg die Leiter zum Heuboden hinauf. “Hattest du nicht bereits angefangen? Es sieht nämlich nicht danach aus.” sagte sie frech und schob einen Heuballen zur Seite. “Ich kontrolliere die Ballen erst auf Schäden, wenn sie ok sind kommen sie da hinten hin. Wenn sie kaputt sind fliegen sie da runter in die Box.” erklärte ich und zeigte auf ein Loch weiter hinten. Sie sah mich erschrocken an: “Du willst mich aber nicht in die Box werfen, oder?”. “Du würdest weich fallen. Das ergäbe in dem Zusammenhang keinen Sinn.” erklärte ich und grinste böse. Sie hob mahnend den Finger und ging langsam auf mich zu. “Vergiss nicht dass ich klein bin, vielleicht fall ich durch ein Loch zwischen die Ballen.” Ich lachte. “Hast du mal geguckt wie viel Stroh da schon liegt?” Sie schüttelte den Kopf und versuchte mir in die Seite zu boxen. Da ich rechtzeitig ausweichen konnte gelang es ihr jedoch nicht und sie wandte sich den Ballen zu.
      Gut zwei Stunden waren wir damit beschäftigt die übrigen Ballen zu sortieren. Am Ende war wieder viel Platz für neues Stroh. Ich setzte mich an das Loch zur Box, die mit schadhaftem Stroh gefüllt war. “Hättest du noch immer Angst zu springen?” fragte ich Käthe und sah auf das Stroh unten. Sie stellte sich neben mich, sah nach unten und antwortete knapp: “Etwas.”. Ich stellte mich wieder auf, mit dem Rücken zum Loch und sah sie an. “Tief ist es nicht.” - “Hunter, nein!” sagte sie mahnend und wollte noch nach meinem Arm greifen, doch ich war schneller und ließ mich ins Stroh fallen. “Komm, Käthe!” Sie sah verzweifelt von mir zur Leiter am anderen Ende des Heuboden und setzte sich an die Kante. “Ich hab Angst” rief sie und biss sich auf die Unterlippe. “Das Stroh ist wirklich weich. Oder soll ich dich fangen?” fragte ich lachend. Sie seufzte und ließ sich dann fallen. “Zufrieden?” fragte sie lachend und drückte mich ins Stroh. “Ja.” sagte ich stolz und zog sie zu mir um sie zu küssen. ”Was war das?” fragte sie als ich sie wieder los ließ. Ertappt sah ich sie an und räusperte mich dann, bevor ich antwortete. “Hätte ich das nicht tun sollen?” Sie lachte. “Ich hätte nicht erwartet dass du es tun würdest!” Ich setzte mich auf und zog einen Strohhalm aus meinen Haaren, der mich nervte. “Du unterschätzt mich!” - “Ach ja?” fragte sie lachend und zog mich an sich. “Ja.” sagte ich leise und sah sie eindringlich an. Sie lächelte nur und küsste mich. Gleich darauf jaulte der Welpe eine Box weiter auf und ließ mich aufspringen. “Was ist denn jetzt kaputt?” fragte ich entsetzt und rannte rüber. Der Welpe hatte nichts. Zumindest nicht, dass ich etwas sehen konnte. Als er mich sah und wurde er sofort leise und freute sich. “Alles in Ordnung?” fragte Käthe die sich mittlerweile aus dem Stroh befreien konnte. “Ich denke schon.” gab ich noch immer etwas geschockt zurück und nahm den Welpen hoch. “Du bist voller Stroh!” meinte ich grinsend, als ich mich Käthe zuwandte. “Wie kommt das nur…” antwortete sie und versuchte sich das Stroh abzuklopfen. “Lass uns reingehen. Ich räume das schlechte Stroh morgen auf den Hänger.” schlug ich vor und ging aus dem Stall um den Welpen auf den nächsten Fleck Wiese zu setzen. Käthe folgte uns. “Hast du ihm eigentlich schon einen Namen gegeben?” fragte sie und zog sich Strohhalme aus den Haaren. Vielsagend sah ich sie an. “Nein.” Grinsend erwiderte sie: “‘Nein’ ist ein passender Name für einen Welpen.”. “Schlag was Besseres vor.” meinte ich und nahm den Welpen wieder hoch um ins Haus zu gehen. Sie folgte mir ins Haus und blieb auf dem Flur stehen. “Dir fällt sicher bald ein Name ein.” sagte sie und sah mir nach. “Wie wäre es mit Pitch?” fragte ich aus einer Eingebung heraus. Sie wiederholte den Namen mehrfach bevor sie sagte: “Pitch klingt super!”. “Gut, dann heißt er jetzt so.” meinte ich grinsend und blieb im Türrahmen stehen um mich zu Käthe umzudrehen. “Wieso stehst du auf dem Flur? Kommst du nicht mit?” - “Ich bin voller Stroh, ich will nichts schmutzig machen.” antwortete sie und lächelte verlegen. “Bin ich das nicht?” fragte ich lachend. “Du bist ja auch zuhause.” sagte sie und folgte mir. Im Schlafzimmer zog ich mich um und sah dann zu Käthe. “Hast du Erfahrungen mit Hundewelpen?” fragte ich gähnend. “Entschuldige…” sagte ich sofort und setzte mich aufs Bett. “Nicht wirklich, worum geht es denn?” fragte sie und setzte sich neben mich. “Darum, dass er mich nicht schlafen lässt.” antwortete ich und beobachtete, wie sich einige Strohhalme von Käthes Klamotten lösten. Kopfschüttelnd stand ich auf um Käthe den Kleiderschrank zu öffnen, damit sie sich was zum Umziehen aussuchen konnte. “Tut mir Leid! Gib mir irgendwas dann zieh ich mich schnell um.” sagte sie und versuchte beim aufstehen möglichst wenig Stroh zu verlieren. Ich zog ein Shirt aus dem Stapel und hielt es ihr hin. “Hose brauchst du mir keine geben, das kann ich als Kleid tragen.” Sie nahm mir das Shirt aus der Hand und hielt es hoch. “Wie du möchtest.” meinte ich schmunzelnd und setzte mich wieder aufs Bett. Pitch saß neben Käthe und sah an ihr hoch. “Magst du mitkommen?” fragte sie das Fellknäuel und kraulte Pitch hinter den Ohren. “Soll mir recht sein.” murmelte Hunter. Käthe hob Pitch hoch und verschwand im Badezimmer. Wenige Minuten später kam sie zurück. “Gib mir noch zwei Welpen und ich sehe aus wie eine Wahnsinnige die Hunde hortet.” lachte sie und ließ sich neben mir aufs Bett fallen. Ich beschloss das unkommentiert zu lassen und ließ mich nach hinten in die Kissen sinken und schloss die Augen. “Möchtest du schlafen?” fragte sie. Brummend öffnete ich die Augen. “Nein.” knurrte ich und richtete mich wieder auf. “Hunter wenn du schlafen willst, dann schlaf! Ich nehm Pitch auch mit in den Stall.” sagte sie verständnisvoll und lächelte mich an. “Nein, ich mache mir Kaffee.” sagte ich bestimmt und stand auf um runter zu gehen. Ich wollte nicht tagsüber schlafen. Außerdem wartete noch genug Arbeit. Ich hörte wie Käthe die Treppe runter lief und mit Pitch redete. “Lässt du dein Herrchen nicht schlafen, hm?” fragte sie ihn und setzte Pitch auf den Boden. Sofort sprang er ins Wohnzimmer und legte sich vor den Tisch. Bevor er anfangen konnte am Tischbein zu knabbern schimpfte Käthe und rollte ihn auf die Seite. Sie setzte sich neben ihn auf den Boden um aufzupassen, dass er es nicht erneut probieren würde. “Du sagtest er lässt dich nicht schlafen. Was macht er denn?” fragte sie ohne mich anzusehen. “Er jault.” sagte ich knapp und ging in die Küche um Kaffee aufzusetzen. “Durchgehend?”
      “Er lässt mich meistens erst einschlafen, bevor er wieder anfängt.”
      “Gehst du mit ihm raus bevor du schlafen gehst?”
      “Ja. Und er kommt auch raus, wenn er mich weckt.”
      “Wenn du mich fragst solltest du genau das nicht tun. Er muss lernen nachts ruhig zu sein, wenn du ihm aber die Aufmerksamkeit gibst die er will…” brach sie ab und zuckte die Schultern.
      “Hmm…” Das klang logisch. Aber ob er dann aufhören würde zu jaulen? Als mein Kaffee fertig war nahm ich mir eine Tasse. “Magst du auch Kaffee?” fragte ich Käthe, doch sie schüttelte den Kopf. “Ich bin abends lieber müde, als hellwach.” antwortete sie und verkniff sich ein Lachen. Ich lachte und kam mit meiner Tasse zurück ins Wohnzimmer und setzte mich in den Sessel. “Wieso hab ich den Welpen nochmal gekauft?” - “Weil ihr Geschwister seid, das sieht man doch!” sagte sie knapp und lehnte sich gegen den Sessel.
      “Nicht witzig.” meinte ich schmollend und nahm einen Schluck Kaffee. “Gib mir ein paar Minuten, dann kann Pitch jaulen wie er will.” - “Du wirst ihm nichts antun, Hunter!” mahnte sie und kniff mir in die Wade. “Eh!” Käthe sah auf die Uhr in der Küche. “Ich muss dann bald los, sonst denkt Erin noch ich will ihr den Hof überlassen.” Schmunzelnd sah ich zu ihr runter. “Da werde ich gerade wach und du willst fahren.”
      “Was hattest du denn geplant zu machen?” fragte sie und sah mich an.
      “Wach bleiben.” sagte ich entschieden und beugte mich zu Pitch runter um mit ihm zu spielen. “Das schaffst du doch auch alleine, oder?” fragte sie und fügte hinzu: “Ist es für dich nicht ungewohnt jetzt alleine im Haus zu sein?”.
      “Doch.” antwortete ich knapp, da ich ungerne über mich sprach.
      “Frag doch Isaac ob er hier einzieht. Dann könnt ihr eine Männer-WG gründen.”
      Ich lachte. “Das würde er falsch aufnehmen.”
      Verwirrt sah sie mich an. “Wieso das?”
      Erstaunt sah ich sie an. “Weil… Nicht so wichtig. Es geht nicht.”
      “Jetzt machst du mich aber neugierig. Hattet ihr Streit?”
      “Nein.”
      Man sah ihr deutlich an dass sie überlegte. Irgendwann drehte sie sich zu mir um. “Isaac steht auf Männer?”
      Zustimmend lächelte ich sie an und nahm einen weiteren Schluck Kaffee.
      “Er steht auf dich?” fragte sie weiter und lachte.
      “Keine Ahnung.” sagte ich ebenfalls lachend.
      “Oh mein Gott, Hunter! Muss ich mir Sorgen machen?”
      Ich kam aus dem Lachen nicht mehr raus und hielt mir die Seite, weil sie vom Lachen schon schmerzte. “Wenn er das gleiche Drama wie Gine macht, siehst du mich nie wieder!” drohte sie mir und lachte ebenfalls.
      “Darauf wird er sicher verzichten.” sagte ich immer noch lachend und zog meine Hand von Pitch weg, da er begann mich zu beißen. “Mit dir macht man was mit…” sagte sie und wischte sich eine Träne vom Lachen weg. Als wir uns wieder beruhigt hatten stand sie auf und zog das Shirt gerade. “Zum Glück hab ich Bäume vor dem Haus. Was würde mein Nachbar nur denken wenn er mich so aus dem Wagen aussteigen sieht.” sagte sie und verabschiedete sich von Pitch.
      Seufzend stand ich auf. “Na gut, dann fahr doch… Lass mich alleine…” sagte ich vorwurfsvoll. “Wirst du es überleben?” fragte sie.
      “Nein.” sagte ich bitter und brachte meine Tasse zurück in die Küche. Sie folgte mir und nach mehreren erfolglosen Versuchen schaffte sie es endlich sich auf die Anrichte zu setzen. “Bist du sicher?” fragte sie und grinste mich an. “Ziemlich.” sagte ich. “Aber… ich kann dich nicht aufhalten.” fügte ich theatralisch hinzu. “Du kannst schon. Du musst dich nur darauf einstellen dass Erin dich ins Kreuzverhör nehmen wird wenn du bei mir bist.” antwortete sie und legte den Kopf schief. “Viel wird sie aus mir nicht raus bekommen.” meinte ich grinsend. “Stimmt, das hatte ich vergessen. Der geheimnisvolle Schweigsame.” sagte sie und ahmte mich nach. Noch immer grinsend sah ich sie an.
      “Dann bleibst du also?”
      “Sieht so aus.”
      “Großartig. Gehen wir nochmal mit Pitch raus?”
      Sie sprang von der Anrichte und nahm die Leine von der Stuhllehne. “Dann aber los!”
      “Der ist eh nach fünf Minuten fertig.” meinte ich lachend, nahm meine Schlüssel aus der Schüssel und ging raus. Käthe folgte mir nach draußen und rief Pitch, der aufsprang und an uns vorbei rannte. Auf der Wiese neben dem Haus blieb er stehen. “Der ist ganz schön schnell.” sagte Käthe und ging zu Pitch um ihm die Leine anzulegen. “Ich gehe eben nachsehen ob alles in Ordnung ist und schließe dann die Tore zu.” erklärte ich und ging in Richtung Stallungen.
      Käthe | Während Hunter sich auf dem Weg in den Stall machte ging ich mit Pitch eine kleine Runde über den Innenhof. Er wollte alles erkunden und ich gab ihm die Gelegenheit dazu und wartete. Als Hunter von seinem Rundgang wieder kam jaulte Pitch auf und machte einen Satz nach vorn. “Alle Pferde versorgt?” fragte ich ihn und hielt ihm die Leine vom Pitch entgegen. Er nickte zustimmend und nahm sie mir ab. Wir gingen zum Hoftor und ich hielt Pitch fest während Hunter das Tor zu schloss. Als wir wieder im Haus waren nahm ich Pitch die Leine ab, der sich auf den Teppich im Wohnzimmer legte und einschlief.
      “Mal sehen wie lange er heute schläft.” sagte Hunter und kam ins Wohnzimmer. “Hast du für Pitch gar keine Decke, oder ein Kissen wo er sich drauf legen kann?” fragte ich und setzte mich aufs Sofa. “Bisher noch nicht.” antwortete er und setzte sich in den Sessel. “Dann hast du für morgen ja direkt eine Aufgabe, nachdem du das Stroh weggebracht hast.” legte ich fest und grinste ihn an. “Mhmm…” Mahnend sah ich ihn an: “Hunter du kannst den Hund nicht auf dem Boden schlafen lassen. Du möchtest auch nicht auf dem Boden schlafen.”- “Ich bin ja auch kein Hund.”
      Ich warf ihm einen bösen Blick zu. “Trotzdem. Sonst kaufe ich eins!”
      “Schon gut, morgen hole ich eins.”
      “Braver Mann!” lachte ich und sah ihn an.
      “Hast du Hunger?” wollte er wissen und kam nun doch aufs Sofa.
      “Lass mich raten, du hast nichts zu hause?” fragte ich ihn und lachte.
      “Doch. Tiefkühlpizza.” erwiderte er grinsend.
      “Dann ab in den Ofen damit!” forderte ich ihn auf.
      Hunter | Ein paar Minuten später war die Pizza im Ofen und wir saßen am Küchentisch. Pitch lag noch immer im Wohnzimmer und schlief. Als wir fertig gegessen hatten sahen wir uns fragend an. “Was machen wir jetzt?” fragte ich und war froh diese Frage zuerst gestellt zu haben. “Lass uns doch einen Film ansehen!” schlug Käthe vor und sah mich an. “Welchen denn?”
      “Was hast du denn da?”
      “Netflix.”
      “Dann lass uns doch schauen was wir finden.” schlug sie vor und ging ins Wohnzimmer wo sie sich aufs Sofa fallen ließ. Ich tat es ihr gleich und holte mein Telefon aus der Tasche um Netflix zu öffnen. “Ich hätte dich ja als Typ Mann eingeschätzt der abends am Feuer sitzt und Holzfiguren schnitzt. Aber nicht dass du mit dem Telefon den Fernseher steuerst.” sagte sie und hielt schützend die Hände hoch. Grinsend sah ich sie an. “Das mit dem Lagerfeuer verschiebe ich lieber auf Mittlelaltermärkte.” Verwundert sah sie mich an: “Wirklich?”.
      Netflix hatte ich geöffnet und den Fernseher angeschaltet, also reichte ich mein Telefon an Käthe weiter. “Das Symbol” - ich zeigte drauf - “ist dafür da, dass du das auf den Fernseher überträgst.” Sie zog die Augenbrauen hoch und sah mich an. “Okay.” sagte sie knapp, wählte einen Film aus und gab mir mein Telefon zurück. Ich legte es auf den Wohnzimmertisch. Nach dem Film nahmen wir Pitch mit hoch und gingen schlafen.
      Am nächsten Morgen waren wir schon früh auf den Beinen. Pitch ließ uns nicht wirklich zur Ruhe kommen und auch Käthes Idee ihn zu ignorieren hatte nicht geholfen. Demzufolge waren wir müde. Ich machte uns Kaffee und Käthe beschloss mir noch mit dem Stroh und der Besorgung eines Hundebetts zu helfen bevor sie nach Hause fahren würde. Als wir aus der Stadt zurückkamen richteten wir Pitchs Platz ein. “Ich muss dann aber wirklich mal nach Hause, bevor man mich als vermisst meldet.” sagte Käthe und sah mich an. Sanft lächelte ich sie an. “Na gut.” Wir verabschiedeten uns und ich sah noch zu wie sie vom Hof fuhr, bevor ich mich wieder meinen Aufgaben auf dem Hof widmete.

      Pflegebericht
      August 2017, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Der erste Tag wieder zu Hause war chaotisch. Zum ersten Mal fühlte ich mich fremd auf dem eigenen Hof. Das Team funktionierte und sobald ich etwas anrührte, stand ich irgendjemandem im Weg. “Mr. Crowley?” Auf dem Weg zum Schuppen hielt Elizabeth mich auf und sah mich stirnrunzelnd an. “An Blütenzaubers Boxentür stimmt etwas nicht. Die lässt sich nur noch sehr schwer öffnen.” erklärte sie. “Ich kümmere mich darum. Danke.” gab ich freundlich lächelnd zurück und ging weiter zum Schuppen. Eigentlich hatte ich andere Pläne, aber die Box zu reparieren schlug auch etwas Zeit tot. Ich war beinahe schon enttäuscht, als ich mir das Problem mit der Tür angesehen hatte und feststellte, dass nur etwas den Mechanismus blockierte. Mit wenigen Handgriffen ließ sich die Box geschmeidig wie eh und je öffnen und schließen. Pitch folgte mir auf Schritt und Tritt und sah mich, als ich das Werkzeug zurück gebracht hatte erwartungsvoll an. “Hast du wohl Hunger?” fragte ich und musterte ihn. Ja, hatte er. Im Haus machte ich sein Mittagessen fertig und stellte es ihm anschließend draußen hin. Als würde er sonst verhungern, stürzte er sich auf die Mahlzeit. Als Isaac an uns vorbeilief, hielt ich ihn fest. “Wie viele Pferde musst du noch machen? Und welche?” wollte ich wissen. Sein Blick fiel auf meine Schulter. “Falls du vorhast...” - “Lass das meine Sorge sein!” warf ich ein, noch bevor er seinen Satz zu ende sprechen konnte. “Dann mach Moulan fertig, Hunter. Ich komme mit Riven in a Dream dazu. Kein Ausritt, Halle!” sagte er bestimmt und sah mich herrscherisch an. “Gut.” sagte ich knapp. Pitch brachte ich solange ins Haus, er musste auch das Alleine bleiben irgendwann lernen. Gelegenheiten wie diese konnte ich genau dafür nutzen.
      Moulan war sehr motiviert und es war toll sie nach langer Zeit selbst zu reiten. Die Rappstute nahm die Therapie wunderbar an und mauserte sich zu einem selbstbewussten Vollblut. “Das macht sie gut!” lobte Isaac beim Vorbeireiten. “Ist das denn wirklich okay mit deiner Schulter?” Überzeugt war er wohl nicht, aber ich versicherte ihm, dass es mir gut ging. Abgesehen von der Tatsache, dass ich wieder unglaublich müde war. Ich hatte nichtmal wirklich gearbeitet und könnte schon wieder schlafen. Isaac musste davon nichts wissen, also verblieben wir für den Rest des Trainings schweigend. Auf der Stallgasse sprach er mich dann doch noch einmal an: “Was ist eigentlich mit deinem neuen Pferd? Das wird von uns nur sporadisch bewegt, weil wir nicht wissen was wir mit ihr anfangen sollen.” meinte er schulterzuckend. Verdine… die hatte ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm. Das Pferd, das Käthe mir heimlich angedreht hatte. Ein Pferd das noch weniger in diesen Stall passte, als ein Clown auf eine Beerdigung. “Danke, dass du mich daran erinnerst.” Sanft lächelte er mich an. Er merkte, dass ich heute nicht ganz auf der Höhe war und hielt sich deshalb auch, während ich Verdine, ritt immer in meiner Nähe auf. “Wurdest du beauftragt ein Auge auf mich zu haben?” fragte ich lachend, als ich die Appaloosastute aus der Halle führte und an Isaac vorbeiging. “Dafür brauche ich keinen Auftrag.” konterte er promt und grinste mich schelmisch an. “Du bist jetzt durch?” fragte er anschließend. Ich nickte ihm zu und brachte Verdine dann auf die Stallgasse, wo ich sie absattelte. “Gut Hunter.” Isaac war mir gefolgt. “Ich bin dann jetzt weg. Bis morgen. Soll ich die noch auf die Weide bringen, bevor ich fahre?” - “Das schaffe ich schon noch. Bis morgen, Isaac.” gab ich zurück und wartete bis der Ire verschwunden war, bevor ich meine Stute wegbrachte und dann zu Pitch ins Haus ging. Gegen Abend verschwanden auch die restlichen Mitarbeiter vom Hof, sodass wir um 8pm schon alleine waren. Mit dem letzten Kontrollgang schloss ich die Tore ab und legte mich früher als üblich schlafen. Schneller als gedacht fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
      Mrs Clayton | Wie gewohnt öffneten Louis und ich am Morgen die Tore des Bear Brook EC. Da es im Moment keine Gäste auf dem Hof gab, waren wir nur für die Organisation der Mitarbeiter zuständig. Wer auf welches Turnier musste, welche Pferde bald auf einer Zuchtschau vorgestellt werden sollten. Sämtliche Einsatzbereiche überwachten wir. Bisher lief alles reibungslos. Üblicherweise kam Mr. Crowley spätestens um 9am dazu um sich einen Überblick zu verschaffen. Heute jedoch war es schon bald 11am, als mir auffiel, dass der Herr noch immer nicht an uns vorbeigehuscht war um sich seinen Kaffee zu holen. Fragend sah ich meinen Mann an, der nicht verstand worauf ich hinaus wollte. “Sollten wir mal nach ihm sehen?” fragte ich unsicher. Louis seufzte. “Lass ihn doch schlafen…” - “So lange?!” - “Er wird schon wissen was er macht, das ist nicht unsere Sache.” Darauf wusste ich nun auch nichts mehr zu sagen. Er hatte ja recht, aber vielleicht… “Vielleicht hat er seinen Wecker überhört?” Genervt sah Louis auf. “Vielleicht hat er das mit Absicht gemacht.” - “Vielleicht auch nicht?” Das ging noch weiter so, bis ich aufstand. “Ich geh jetzt hoch und sehe nach ihm!” beschloss ich und stapfte die schmale Treppe hoch. Das abfällige Stöhnen von Louis überhörte ich. Ein wenig zögerlich klopfte ich an die Türe. Als niemand antwortete wiederholte ich das Ganze nochmal etwas energischer. “Der macht nicht auf, Louis!” rief ich nach unten. Wieder schnaubte mein Mann. “Vielleicht ist er gar nicht da!” rief er zurück. “Was für ein Quatsch!” gab ich bissig zurück und öffnete einfach die Tür zu Mr. Crowleys Schlafzimmer. Er lag tatsächlich noch im Bett und schlief. “Mr. Crowley?” fragte ich vorsichtig vom Türrahmen aus. Ich wollte keinen einzigen Schritt in das Zimmer machen, weil es sich jetzt schon falsch anfühlte. Doch als er nach mehrmaliger Ansprache immer noch nicht aufwachte, blieb mir nichts anderes übrig, als zu ihm zu gehen. “Mr. Crowley sie sollten aufstehen.” sagte ich und stupste ihn unsicher an. Endlich rührte er sich und sah mich müde an. “Geht doch.” Mir fiel ein Stein vom Herzen. “Soll ich ihnen Kaffee machen?” fragte ich. Mr. Crowley brummelte etwas Unverständliches und drehte sich wieder um. “Mr. Crowley! Es ist nach 11!” sagte ich empört und stupste ihn nochmal an. “Lass ihn schlafen und komm jetzt wieder mit an die Arbeit!” Louis stand im Türrahmen und sah mich kopfschüttelnd an. “Kommt dir das nicht komisch vor, er ist sonst nicht so…” - “Woher willst du das wissen, wir kennen ihn doch kaum!” Er trat ins Zimmer und zog mich raus. Doch ich fand keine Ruhe damit. Eine Stunde später, stand ich wieder oben. “Ist alles in Ordnung bei ihnen?” wollte ich wissen. Doch Mr. Crowley schlief wieder. Meiner Intention folgend fühlte ich seine Stirn. Er glühte! Eilig lief ich die Treppe runter. “Was ist denn jetzt los?” Louis verdrehte genervt die Augen. “Er hat Fieber, Louis. Wir sollten ihn zu einem Arzt bringen.” - “Und wer macht dann unsere Arbeit?” - “Du bist ein Idiot! Dann rufe ich halt einen her!” Sowas Dummes. Wie konnte man so ignorant sein? Wer weiß warum Mr. Crowley Fieber hat.
      Als der Arzt endlich da war schlug ich drei Kreuze. “Er liegt oben im Bett. Keine Ahnung was er hat, aber Fieber hat er garantiert.” erklärte ich und ging mit nach oben. Mr. Crowley wirkte nicht sehr glücklich, als er aufwachte und den Arzt registrierte, der um ihn herumschwirrte. “Liegen bleiben.” befahl der Mediziner gleich. “Irgendwelche anderen Symptome? Waren sie kürzlich erkältet, wurden operiert oder hatten andere Verletzungen?” wollte er wissen. Mr. Crowley erzählte von seiner Schulterverletzung, die sich der Arzt gleich ansah. “Sieht äußerlich nicht sehr verdächtig aus. Sonst war nichts?” Mr. Crowley schüttelte den Kopf. “Ihr Fieber ist hoch, Sir. Bevor wir nicht wissen was sie haben, kann ich sie nicht in Ruhe lassen.”
      Schlussendlich musste unser Chef für weitere Untersuchungen und zur Beobachtung ins Krankenhaus. Als er abtransportiert wurde sah ich zu meinem Mann, der nun neben mir stand. “Und du wolltest nicht nach ihm sehen!” ging ich ihn an. Verständnislos schüttelte ich den Kopf.
      Käthe | “Ich bin in ein paar Stunden zurück, ja?” rief ich Erin durch das Küchenfenster zu. Sie war gerade auf der Weide und versuchte Hibana einzufangen, die offenbar kein Interesse hatte zu arbeiten. Als sie die Stute endlich am Strick hatte sah sie auf. “Ich hab mein Telefon dabei, falls nicht.” rief sie lachend und zwinkerte mir zu. Ich lachte ebenfalls und nahm meine Tasche von der Theke bevor ich zum Wagen ging und mich auf den Weg zum Bear Brook EC machte. Trotz des hohen Verkehrsaufkommen erreichte ich den Hof nach einer guten Stunde. Ich stellte den Wagen auf dem Parkplatz ab und ging hinüber zum Haus. Abgeschlossen. Nachdem niemand auf das Klingeln reagierte drehte ich mich um und ging zum Stallgebäude wo ich auf Isaac traf. “Hey Isaac, weißt du wo Hunter sich rum treibt?” fragte ich und ging auf ihn zu. Ratlos sah er mich an. “Ich dachte er sei bei dir? Hier scheint er jedenfalls nicht zu sein.” sagte er knapp und nahm seine Arbeit wieder auf. Ich verließ das Stallgebäude wieder und ging zu den Weiden, doch auch hier war niemand. “Hunter?” rief ich und lief über den Hof. “Wie kann ich ihnen helfen?” fragte eine dunkle Stimme hinter mir. “Hallo, können sie mir sagen wo Mr. Crowley ist?” fragte ich den Mann. Ohne die Schubkarre abzustellen antwortete er nüchtern “Im Krankenhaus.” und ging weiter. Ich lief zum Wagen und fuhr mit durchdrehenden Reifen vom Hof. Der Mann zieht das Unglück magisch an! dachte ich und fuhr zum Krankenhaus. Ich lief zur Rezeption und klopfte gegen die Scheibe. “Hunter Crowley wurde heute eingeliefert, können sie mir sagen welches Zimmer er hat?” fragte ich die Frau nachdem sie die Scheibe zur Seite geschoben hatte. “Wer sind sie denn?” fragte sie und sah im Computer nach. “Käthe Crowley, ich bin die Schwester.” log ich und hoffte das sie mir das abkaufen würde. “Zimmer 307.” sagte sie endlich und lächelte mich freundlich an. Ich bedankte mich bei ihr und ging zum Aufzug. Als ich das Zimmer endlich gefunden hatte klopfte ich an die Tür, bevor ich sie öffnete. “Was hast du denn wieder angestellt?” fragte ich Hunter und setzte mich seufzend an das Bettende. “Können sie erst sagen, wenn sie die Ergebnisse vom Bluttest haben.” erklärte er. “Wie geht es dir denn aktuell?” wollte ich wissen. “Super.” Ich sah ihn eindringlich an und stand dann auf um mir einen Stuhl zu nehmen, damit ich mich neben ihn setzen konnte. “Schau nicht so, wir haben doch schon damit gerechnet dass du hier landest.” sagte ich beruhigend und deutete auf seine Schulter. “Eigentlich hatte ich damit schon abgeschlossen.”
      “Abgeschlossen ist es erst wenn du keine Schmerzen mehr hast, Hunter.”
      Darauf wusste er nichts mehr zu sagen. Ich wollte ihm gerade einen Kuss geben, als die Tür aufging und ein Arzt erschien. “Mr. Crowley, ein bekanntes Gesicht!” sagte er in sein Klemmbrett vertieft und schloss die Tür. “Nanu, die Besuchszeit beginnt doch erst in 2 Stunden.” sagte er und sah auf seine Uhr. Ich sah Hunter ernst an und sah dann wieder zum Arzt. “Ich bin seine Schwester. Ich bin gleich her gefahren als ich erfahren habe dass er hierher gebracht wurde.” sagte ich lächelnd. Er nickte verständnisvoll und stellte sich an das Bettende. “Ihre Entzündungswerte sind relativ hoch. Das Fieber geht dank unserer Hilfe zurück. Mr. Crowley ich weiß, dass ihnen das schwer fällt aber sie sollten sich schonen mit einer Verletzung wie dieser.” sagte der Arzt ernst und tippte mit seinem Kugelschreiber gegen seine Schulter. “Ich kann doch nicht die ganze Zeit im Bett liegen!” beschwerte er sich. “Das müssen sie auch nicht. Setzen sie sich an die frische Luft, gehen sie spazieren. Leichte Arbeiten die sie mit einem Arm ausführen können erlaube ich ihnen, alles andere nicht.” sagte er lächelnd und sah dann zu mir. “Ms. Crowley, haben sie ein Auge auf ihren Bruder! Wenn er nicht auf mich hört, dann vielleicht auf sie.” fügte er lachend hinzu und ging wieder zur Tür. Bevor er den Raum verließ drehte er sich nochmal um: “Wenn sie mir versprechen auf sich zu achten, können wir sie später entlassen.” Ich sah Hunter an und lachte. “Tut mir Leid, sie hätten mich sonst nicht reingelassen.” Er grinste schief: “Wo bleibt eigentlich meine heiße Krankenschwester?” Empört sah ich ihn an. “Reiche ich dir nicht?” fragte ich und lachte. Sein Blick glitt an mir herab. “Zu wenig Krankenschwester. Ich bin im Krankenhaus, etwas Authentizität bitte.” Ich sah ihn an und stand auf. “So schlecht geht es dir anscheinend nicht.” sagte ich kühl und verließ das Zimmer.
      Hunter | “Eh!” rief ich Käthe noch hinterher, doch dann fiel die Tür schon ins Schloss. Sofort zog ich die Schublade des Beistelltisches auf um mein Telefon zu suchen. Doch sie war leer. Natürlich war sie das. Mein Telefon lag zu Hause. Ich schwang die Beine zur Seite und stand auf um Käthe nachzugehen, doch mir wurde von der plötzlichen Aktivität so schummrig, dass ich auf der Bettkante sitzen blieb. Ich hatte mich gerade wieder gefangen als die Tür aufging und Käthe ins Zimmer kam. “Mr. Crowley sie sollten sich schonen!” sagte sie streng und drückte mich zurück auf das Bett. Käthe hatte sich einen Schwesternkittel ausgeborgt und spielte diese Rolle großartig. “Aber…” begann ich, doch sie legte mir einen Finger auf die Lippen. “Sie wollen doch keinen Ärger, oder?” flüsterte sie und öffnete grinsend den obersten Knopf. Ich schluckte und lächelte sie betört an. “Mit ihnen bestimmt nicht.” Käthe stieg zu mir aufs Bett und beugte sich über mich. “So ists brav.” flüsterte sie lächelnd und küsste mich. Ich beschloss nichts zu sagen und erwiderte ihren Kuss. Plötzlich ging die Tür auf und der Arzt von gerade eben stand im Raum. Käthe setzte sich erschrocken auf und auch ich sah ihn entsetzt an. Er räusperte sich und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. “Ihre Unterlagen sind in diesem Umschlag, ich leg ihn einfach hier hin.” sagte er und legte den Umschlag auf den Tisch. Ohne uns anzusehen ging er wieder zur Tür. “Hören sie…” begann Käthe und sah ihn ängstlich an. Die Türklinke in der Hand drehte er sich um. “Sie ist nicht meine Schwester!” kam ich ihr zuvor und setzte mich leicht auf. Der Arzt lachte wieder. “Das dachte ich mir, Mr. Crowley.” sagte er und zeigte auf das Badezimmer. “Die Tür lässt sich übrigens abschließen. Für den Fall der Fälle.” fügte er hinzu und verließ lachend das Zimmer. Käthe sah mich an und musste nun ebenfalls lachen. Schmunzelnd beobachtete ich sie. “Sollen wir dann gehen?” fragte ich und warf einen kurzen Blick zu den Unterlagen. “Wenn du möchtest. Ich hol nur meine Sachen.” sagte sie und stieg vom Bett.
      Eine Stunde später waren wir auf meinem Gestüt. “Wie ich mich auf die Fragen freue, die gleich kommen.” meinte ich sarkastisch. “Sei nicht so!” sagte sie durch das offene Fenster und öffnete mir die Tür damit ich aussteigen konnte. Wehleidig sah ich sie an. “Aber…” - “Sie sorgen sich einfach um dich, das ist doch nichts schlimmes.” sagte sie und gab mir einen Kuss. “Nein, aber...” - “Da seid ihr ja!” Isaac freute sich uns zu sehen. “Wie gehts dir?” fragte er gleich und ich warf Käthe einen vielsagenden Blick zu. “Gut.” antwortete ich freundlich. Gemeinsam gingen wir ins Haus, wo ich mich auch bei den Claytons zurück meldete, die mir die gleiche Frage stellten. “Gut?” wiederholte Isaac, als wir uns in alter Tradition ins Wohnzimmer gesetzt hatten. “Das klang heute Nachmittag noch ganz anders.” - “Mir geht es gut.” sagte ich bestimmt und sah ihn streng an. “Hunter muss sich unbedingt ausruhen. Wenn es zu viel Arbeit wird im Stall ruft mich an, dann komme ich vorbei.” warf Käthe in die Runde und schrieb ihre Telefonnummer auf einen Zettel um sie Isaac zu geben. Er faltete den Zettel und steckte ihn gewissenhaft weg. “Wenn es dir wirklich gut geht, bin ich weg. Pitch liegt in deinem Schlafzimmer und schläft, falls du ihn suchst.” Auch die Claytons verabschiedeten sich, sodass wir alsbald alleine waren. “Schone dich wirklich, Hunter!” mahnte Käthe und nahm meine Hand. “Ich hab mich geschont.” wandte ich ein und sah sie fast schon trotzig an. “Was hast du denn den ganzen Tag getan?” fragte sie mich und sah mich erwartungsvoll an. “Ich hab mich gelangweilt.” Sie zog die Augenbrauen zusammen. “Auf dem Pferderücken? Du wolltest doch keinen Ärger mit mir.” Ich öffnete den Mund um etwas zu erwidern, fand dann aber keine passende Ausrede. Also spannte ich den Bogen noch ein Stück weiter: “Pferderücken?” wiederholte ich arglos. “Ich habe mit Isaac gesprochen.” sagte sie trocken und sah mich weiterhin an.
      “Okay? Was hab ich damit zu tun?”
      “Du bist gestern geritten. Zwei Mal. Obwohl du dich schonen sollst.”
      “Hat Isaac das behauptet?” hakte ich nach um von mir abzulenken. Dieser räudige Mistkerl.
      “Wenn du dich nicht schonst passe ich auf dich auf. Und dann wirst du dich schonen!” drohte sie.
      “Ach, was willst du denn machen?” fragte ich sie ohne auch nur einen Funken Reue zu zeigen.
      “Ich binde dich am Bett fest und wenn du auf Toilette musst, begleite ich dich.”
      Ich lachte hart. “Das will ich sehen!”
      “Dann komm.” sagte sie provokant, stand auf und griff nach meinem Arm.
      “Du glaubst ja wohl nicht, dass ich jetzt freiwillig mit komme!” entgegnete ich spöttisch.
      Sie ging zur Treppe und lehnte sich lasziv gegen das Geländer. “Sicher nicht freiwillig?” hauchte sie mir zu und fuhr sich durch die Haare. Aufmerksam beobachtete ich sie und es fiel mir unfassbar schwer nicht einfach aufzustehen und zu ihr zu gehen. “Das ist nicht fair!” protestierte ich. “Ich soll mich doch schonen!” Sie kam langsam auf mich zu und zog mich an sich um meinen Hals zu küssen. “Du wirst dich auch schonen. Und solange du das nicht tust, darfst du mich nicht mehr anfassen.” flüsterte sie in mein Ohr und ließ von mir ab. “Du bist böse.” sagte ich leise und packte sie um sie wieder an mich zu ziehen. Lachend drehte sie ihr Gesicht weg. “Ich weiß.” - “Du machst mich wahnsinnig!” fuhr ich fort, wohl wissend, dass sie genau diese Worte auch einmal gewählt hatte. “Tut mir Leid.” sagte sie lachend und strich durch meine Haare. “Ist das so?” wollte ich wissen und funkelte sie an. “Nein, es macht mir sogar Spaß!” gab sie grinsend zu und versuchte meinem Griff zu entkommen. “Dafür ist es jetzt zu spät.” raunte ich und schob sie die Treppe hoch. “Zu spät für Spaß? Oder zu spät um zu entkommen?” fragte sie frech und drückte die Türklinke hoch damit ich die Tür nicht mehr öffnen konnte. Ich lachte verzweifelt. “Mach die Tür auf, dann erfährst du es.” Sie drehte sich zu mir um und sah mich vorwurfsvoll an. “Du sollst dich schonen!” mahnte sie mich. Da sie die Türklinke nun nicht mehr hoch drückte griff ich an ihr vorbei um die Tür zu öffnen. “Das liegt nicht in meiner Verantwortung, du hast den Arzt gehört.” konterte ich und bugsierte sie zum Bett. “Da spricht der Raufbold aus dir.” sagte sie lachend und ließ sich aufs Bett fallen. Ich stieg über sie um sie zu küssen. Sie drückte mich lachend weg. “Die Tür ist offen!” Pitch hob den Kopf und sah mich schwanzwedelnd an. Bevor Pitch rauslaufen konnte schloss ich die Tür und kam zurück. Käthe war weiter aufs Bett gerutscht und saß, die Beine angewinkelt, grinsend da. Ich ließ mich neben ihr aufs Bett fallen und zog sie dann zu mir runter um da weiter zu machen, wo ich aufgehört hatte. “Hey sei nicht so grob!” rief sie lachend und sah mir tief in die Augen. “Tut mir leid, mit nur einer Hand ist das etwas komplizierter zu koordinieren.” entschuldigte ich mich grinsend und ließ von ihr ab. “Ich muss doch aufpassen dass du dich schonst.” erwiderte sie frech und beugte sich über mich. “Solltest du.” sagte ich heiser und zog sie mit einem beherzten Griff auf mich um sie zu küssen.
      Käthe | “Ich will nicht dass du dir komisch vorkommst…” begann ich und zog meine Hose hoch “...aber ich muss dann leider los.” vollendete ich meinen Satz und setzte mich aufs Bett um mir die Schuhe anzuziehen. Er rappelte sich hoch und sah mir zu. “Du hast es aber eilig.” sagte er, wobei eine Spur Unsicherheit auf seiner Stimme lag, die verriet, dass er sich sehr wohl komisch vorkam. Entschuldigend sah ich ihn an. “Hunter, schau nicht so! Du weißt was ich für dich empfinde.” Seine Augen blitzten kurz auf. “Weiß ich das?” Seine Miene verriet, dass er eigentlich noch etwas trotziger reagieren wollte. “Natürlich weißt du das.” antwortete ich mit hochgezogenen Augenbrauen und stand auf. Er beschloss nichts weiter zu sagen und zog sich ebenfalls seine Hose wieder an, damit er mich noch bis nach draußen begleiten konnte. Bevor ich in meinen Wagen stieg lehnte ich mich gegen die Tür und sah Hunter an. “Versprich mir, dass du dich schonst und den Pferden fern bleibst.” Widerwillig brummte er. “Mir wird schon nichts mehr passieren. Andernfalls kann ich es immer noch auf dich schieben.” sagte er frech. “Hallo, wieso denn auf mich?” fragte ich empört. “Weil der Arzt dich damit beauftragt hat darauf zu achten, dass ich mich schone.” erwiderte er mit einem erhabenen Lächeln. “Du weißt doch, dass ich wegen der Pferde nicht jeden Tag herkommen kann.” meinte ich schmollend und legte meine Arme um ihn. “Das weiß ich doch.” gab er zurück und blickte mir dabei tief in die Augen. Ich seufzte. “Wenn du magst kannst du die Tage ja zu mir kommen. Dann kochen wir was schönes, hast du Lust?” fragte ich ihn. “Gerne, mir wird hier so oder so die Decke auf den Kopf fallen. Ich darf ja nichts mehr machen...” meinte er betrübt. “Es ist zu deinem besten!” versuchte ich ihn aufzumuntern und gab ihm einen Kuss. Er seufzte schwer. “Ja… Fahr vorsichtig. Nicht dass dir auch noch etwas zustößt.” Ich lächelte ihn an und versprach vorsichtig zu fahren, bevor ich in den Wagen stieg und die Fensterscheibe runter ließ. “Du siehst niedlich aus wenn du traurig bist.” sagte ich grinsend und lehnte mich aus dem Fenster. Zurückhaltend lächelte er und gab mir noch einen letzten Kuss bevor er zurücktrat, damit ich vom Hof fahren konnte.
      Hunter | Nach ein paar Stunden unruhigen Schlafes stand ich schließlich auf und brachte Pitch nach draußen. Es war noch dunkel, der Hof verlassen und Pitch genauso überreizt wie ich. Zu allem Unheil regnete es, ein Gewitter bahnte sich an. Wäre ich bei besserer Laune gewesen hätte ich erkannt, dass ein morgendliches Gewitter besser ist, als eines das über Tag käme, wo dann alle Arbeit kurzzeitig stillgelegt werden müsste. Andererseits waren dann genug Leute da falls durch Sturm, Regen oder Blitz irgendwelche Schäden entstehen. Während ich darauf wartete, dass Pitch sein Geschäft verrichtete, zog ich sämtliche Stühle vom Innenhof zur Seite, damit sie im Trockenen standen. Als Pitch auf mich zu lief ging ich wieder rein und nahm mir den Laptop. Dreißig ungelesene Mails. Erst als die Claytons kamen und mich grüßten, sah ich auf und bemerkte wie spät es geworden war. “Alles okay bei ihnen?” fragte Mrs Clayton. “Mir geht es gut.” versicherte ich ihr. Doch sie sah noch immer sehr besorgt aus, als sie sich umdrehte um mit ihrem Mann an die Arbeit zu gehen. Noch zehn Mails. Ich horchte auf als ein weiterer Wagen auf den Hof fuhr. Das musste Mirko sein oder Elizabeth. Interessiert stand ich auf und ging ans Fenster. Es war Mirko. Da ich wusste, dass er nicht zur Begrüßung rein kam ging ich raus. Die restlichen Mails konnten warten. Gemeinsam fütterten Mikro und ich die Pferde, eine Aufgabe, die ich noch ausführen durfte. Während wir die Boxen abliefen fragte Mirko auch noch einmal was passiert war. An ihm war der ganze Aufruhr vorbei gegangen. Trotz meiner nur knappen Ausführung der Geschehnisse hakte er nicht noch einmal nach, sondern ließ mich nach der Fütterung wieder ins Haus gehen. Immer noch zehn Mails… Erst jetzt fiel mir auf, dass eine dieser Mails von Käthe kam. “(Kein Titel)” - Klasse Käthe. Schmunzelnd klickte ich sie an. Sie schrieb, dass sie ein interessantes Vollblut bei ihrer Arbeit in Italien entdeckt hatte. An der Art und Weise wie sie dieses Pferd anpries wusste ich schon, dass sie mir diese Mail nicht ohne Hintergedanken gesendet hatte. Im Anhang fand ich ein Foto des besagten Pferdes. Es handelte sich um einen Strawberry Roan Hengst. Einen Moment lang überlegte ich, doch dann beschloss ich ihr nicht auf die Mail zu antworten. Stattdessen nahm ich mein Telefon zur Hand und schrieb ihr, dass ich die Mail erhalten und lieber persönlich mit ihr darüber sprechen wollte.
      Käthe | Nachdem Erin und ich gefrühstückt hatten stellte ich die Teller in den Geschirrspüler und folgte ihr in den Stall um die Boxen der Pferde zu misten. Wir hatten uns die Arbeit aufgeteilt und so waren wir nach nur einer Stunde fertig. Erin widmete sich Hibana und ich half ihr die Stute von der Weide zu holen, damit keines der anderen Pferde entwischen konnte. Ich beobachtete die Pferde noch eine Weile bevor ich den Weg zum Haus einschlug. Gerade als ich die Tür öffnete fuhr Hunters Wagen auf den Hof. “Konntest du es zuhause nicht mehr aushalten?” rief ich ihm lachend zu als er ausstieg. “Hättest du auf dein Telefon geguckt, wüsstest du wieso ich hier bin! Nutzt du das überhaupt? Wofür hast du denn eins?” fragte er ebenfalls lachend, während er mit Pitch auf mich zuging. Ich griff meine Hosentaschen ab und sah ihn grinsend an. “Damit du her kommst und mich dran erinnerst es zu benutzen?” fragte ich ihn und ging ins Haus. Er folgte mir und sprach weiter: “Dann erzähl mir mal etwas mehr über den Hengst, den du gefunden hast.” verlangte er. Ich setzte mich an den Tisch und überlegte kurz, bevor ich ihm dann alles erzählte was ich von dem Vollblut wusste. “Hunter wartet nun auf meinen Anruf.” schloss ich und sah auf. Verwirrt sah er mich an. “Der Inhaber heißt ebenfalls Hunter.” meinte ich und musste ein Lachen unterdrücken. Er zog eine Augenbraue hoch. “So so… Und du bist dir nicht sicher mit dem Pferd?” fragte er, sprach aber ohne auf eine Antwort zu warten weiter: “Für mich klang das doch alles recht positiv, was schreckt dich ab?” Ich atmete hörbar ein und aus. “Ehrlich gesagt möchte ich ihn unbedingt kaufen. Ich wollte mir nur deine Meinung einholen, da du dich mit englischen Vollblütern weitaus besser auskennst.” Er nickte verständnisvoll. “Das Pferd an sich scheint absolut in Ordnung zu sein. Wenn du gut mit ihm zurecht kommst und für ihn aufkommen kannst, sehe ich nicht wieso du es nicht kaufen solltest.” Wir beschlossen, dass ich mich in den nächsten Tagen bei Hunter melden würde um den Kauf zu bestätigen. Ich beugte mich zu Pitch runter, der sich neben mich gelegt hatte um ihn zu streicheln. “Bleibst du bis heute Abend?” fragte ich Hunter ohne aufzusehen. “Wenn du mich nicht vorher rauswirfst, ja.” Ich sah auf und zog die Augenbrauen zusammen. “Wieso sollte ich dich rauswerfen?” - “Vielleicht nerve ich ja. Arbeiten darf ich schließlich auch nicht.” meinte er grinsend. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und stand dann auf um ins Schlafzimmer zu gehen. “Kochen wir zusammen?” rief ich ihm zu und zog mich um. “Gerne!” antwortete er. “Meinst du Pitch kann alleine bleiben?” fragte ich als ich zurück in die Küche ging und meinen Geldbeutel und meinen Autoschlüssel nahm.
      Hunter | Alles Nötige eingekauft, standen wir zwei Stunden später in Käthes Küche und kochten. Pitch hatte die Zeit in der wir weg waren in einer leeren Pferdebox verbracht und gut überstanden. In einer kurzen Pause lehnte ich mich gegen die Arbeitsplatte, zog mein Telefon aus der Tasche und sah nach ob es irgendwas Neues gab. Ben hatte geschrieben. Er hatte ein Pferd gefunden, das für mich interessant wäre. Schließlich bräuchte ich ja noch eines, das ich mit zu Lagern nehmen könnte und dieses, wäre absolut geeignet. Dass es sehr jung und dadurch fast komplett roh war, schien ihm dabei entgangen zu sein. Ohne ihm zu antworten seufzte ich und steckte ich das Telefon wieder weg.
      Den Abend über überlegte ich stumm hin und her ob ich mir den Drum Horse Hengst vielleicht doch einmal ansehen sollte. Auch Toby hatte nur Gutes für ihn übrig. Immerhin seien auch seine Eltern nicht gerade unbekannt. Ich hatte noch immer nicht geantwortet und beobachtete das Gespräch zwischen den beiden in unserer WhatsApp Gruppe. Erst als ich wieder zu Hause war ließ ich die beiden wissen, dass sie mich überredet hatten. In den nächsten Tagen würde ich mir Thomas, so hieß der Hengst, einmal ansehen.
    • Veija
      Besuch bei Bearbrook
      Ich hatte in der zeitung gelesen das ein renomiertes Gestüt hilfe benötigte und rief dort an und vereinbarte das ich heute schon vorbeikommen werde und mich um die Pferde zu kümmern.
      Als ich ankam kümmerte ich mich zuerst um Happy Fantasy. Die 4 jährige braune Englische Vollblutstute war im military ziemlich erfolgreich. Ich halfterte die stute auf und führte sie zum putzplatz dort striegelte ich sie ausgibig, ich wollte mit ihr etwas in der Dressur machen solange das wetter so drüb ist, sollte es sich aufziehen könnte ich evtl ins gelände. Ich sattelte und trenste sie auf und stieg auf. Im Schritt geht es in die halle dort wärmte ich die stute ordentlich auf ehe ich sie in den Trab versetzte. Ihr Trab war taktklar und schnell bald gallopierte ich sie an und merkte wie schnell die junge stute eigentlich schon ist. Da sie brav war beendete ich das Training zufrieden und führte die Stute noch ordentlich trocken ehe ich sie in die box brachte und zum nachbarn ging. Als nächstes kam eine Apaloosastute namens verdine, an ihrer Box stand das sie gerettet wurde und nur wellness und aufpepplungsprogramm hatte also entschloss ich sie ausgibig zu putzen und sie etwas in der halle laufen lasse ehe ich sie für 1h auf die weide stellte. Die stute rieb sanft ihren großen schädel an meiner schulter. „ He bin kein baum!“ lachte ich und befreite zuallererst ihre mähne und schweif von dem übrigen stroh. Hier und da sah man es ihr noch an das es ihr mal schlecht ging, nach der mähne bürstete ich das fell und krazte anschließend die hufen aus und fette diese ein. Danach gings kurz in die halle und bald sah ich das es die richtige entscheidung war. Sie pfefferte ihren hintern in die höhe, ich lies sie ihre runden laufen und fing sie ein um sie auf die weide zu bringen. Jetzt war das wetter wieder schön und machte das nächste pferd fertig. Mit Braddock the Parrot hatte ich kein leichtes brot das dickköpfige ponymix wollte partout nicht aus der box. Da alle mal einen schlechten Tag hatte beschloss ich ihn in der box zu putzen und ihn dann in ruhe zu lassen. Ivh band ihn an den gitterstäben an und fing an, doch das schlaue pony schaffte es immer wieder den knoten zu lösen und mit mir karusell zu spielen. So dauerte eine Putzaktion das höchstens 30 minuten dauerte gerne mal 1,5h. zum glück war keiner da der mich auslachen konnte. Dann beschloss ich mit den 2 Schettyhengsten spazieren zu gehen, zuerst holte ich Benji aus seiner box und striegelte den braunschecken sauber und zog ihm seine trense an, da er noch warten musste legte ich ihm das halfter noch über und holte den rapphengst niffler die 2 ponys scheinen sich zu verstehen, ansonsten wäre es unmöglich, vorallem traute ich mich das nur bei den kleinen, bei meinen großen trakehnerhengsten war das schier unmöglich und lebensgefährlich, wenn ich so da an Sir Outlaw denke. Als niffler fertig war schnappte ich mir benji und maschierte munter los. Eigentlich hatte ich Hunter versprochen 2 pferde zu bewegen aber ich entschloss mich zu soviele wie möglich zu schaffen, in einer stunde würde es mittag sein. Wir liefen an einem Feldweg entlang, Benji und Niffler benahmen sich vorbildlich und beide sind süßer als der andere. Ob die 2 gefahren sind? Bestimmt da können ja nur kleinkinder oder meine tochter drauf reiten, da sie recht schmal ist. Nach einer guten 3 viertel stunde brachte ich dann die 2 in die box und holte verdine von der weide runter, dann gönnte ich mir mein pausenbrot das ich in der früh mitnahm und überlegte wieviele ich noch schaffen würde. Am Nachmittag kümmerte ich mich noch um 4 fohlen die ich jeweils zu zweit in der halle laufen lassen wollte. Ich holte Denahi aus seiner box. Mit viel Geduld denn das junge Fohlen kannte das noch nicht so gut und ist in der lernphase, ich streichelte ihn etwas und lies ich in die halle und holte rainbow sein spielgefährten, die zwei fohlen hatten sichtlich spaß und tobten ausgibig in der halle. Ich lies sie in der halle kurz alleine um die anderen fohlenhalfter zu suchen und die 2 mal schon aufzuhalftern, als ich das geschafft habe holte ich zuerst denahi in die box dann rainbow. Nun brachte ich sonata in die halle und brachte trap hinterher auch diese 2 feuerten ihre energie aus den hintern und veranstalteten rennen. Hunter hatte wohl eine wunderbare nachzucht. Erschöpft fuhr ich heim.

      Pflegebericht
      Oktober 2017, by sadasha
      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei. Braddock ‚The Parrot‘schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.
      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…
      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.
      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.

      Pflegebericht
      Februar 2018, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Mit Kopfzerbrechen lag ich wach. Käthe benahm sich wie ein Teenager, der nicht wusste ob er gute oder schlechte Laune hatte. Mit Sicherheit kam es mir auch nur so vor, aber es nervte mich. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr morgens war. Noch drei Stunden um Schlaf zu finden, bis der Arbeitstag beginnt. Eigentlich hatte Käthe nichts Schlimmes verbrochen. Wir hatten wenig Kontakt und als wir uns zufällig trafen war es komisch. Da kann Käthe auch nichts für, oder doch? Pitch riss mich aus meinen Gedanken. Er träumte und schlug dabei mit seinen Pfoten gegen das Bett, was mich richtig wach machte. Zwar kannte ich die Geräusche schon und sie versetzten mich nicht mehr in einen Schockzustand wie beim ersten Mal als ich sie hörte, aber dennoch saß ich jetzt kerzengerade im Bett und beobachtete den schwarzen Rüden. Punkt 5 Uhr sprang Pitch auf und lief im Zimmer auf und ab. Es dauerte nicht lange, bis mich das Geräusch der Krallen auf dem Parkett so nervte, dass ich aufstand um ihn rauszulassen. Bei der Gelegenheit machte ich mich gleich auch fertig für den Tag und bereitete im Anschluss Pitchs Frühstück vor. Mrs Clayton machte nebenbei Kaffee und warf ab und an einen argwöhnischen Blick auf das rohe Fleisch. „Das riecht fürchterlich.“ klagte sie und sog den Duft der ersten Tasse Kaffee ein um den Gestank loszuwerden. „Für Pitch duftet das gut.“ erwiderte ich und deutete zum Retriever, dem der Sabber schon aus den Lefzen hing. Da er dazu neigte sein Futter in einem Drei-Meter-Radius um sich herum zu verteilen wenn er fraß, fütterte ich ihn seit ein paar Monaten draußen. Auch heute stellte ich die Schüssel vor die Türe und Pitch trottete fröhlich hinterher um sein Frühstück auf dem überdachten Platz zu genießen.
      Ein paar Stunden später stand ich mit Kerry in der Reithalle und half ihr mit Vikar und Mephisto. Die beiden Junghengste waren zur Zeit im Beritt und bekamen daher besonders viel Aufmerksamkeit. Kerry hatte es mit Hilfe einer Trainerin bereits geschafft sie an das Zubehör und Reitergewicht zu gewöhnen, sodass nun die richtige Arbeit anfing. Nach gut zwei Stunden saßen wir wieder ab und brachten die zwei in ihre Boxen. “Ist bei Käthe und dir eigentlich alles in Ordnung?” fragte Kerry. “Wieso fragst du?” Wollte sie jetzt wirklich über meine Beziehung sprechen? “Weil sie lange nicht mehr hier war und du warst schon lange nicht mehr bei ihr. Am Hof gehen schon Gerüchte rund, dass es bei euch kriselt.” - “Gerüchte?” fragte ich lachend. “Jetzt lenk nicht ab! Ist alles in Ordnung?” - “Ich weiß es selbst nicht.” meinte ich schulterzuckend und machte mich auf die Suche nach Pitch. “Du solltest mit ihr sprechen, wenn du nichtmal selbst weißt was Sache ist. Das meine ich nicht nur als Psychologin, sondern auch Freundin.” Wahrscheinlich hatte sie damit recht. Sie hatte Recht. Ohne vorher anzurufen packte ich Pitch in den Wagen, den ich irgendwo bei den Weiden aufgegabelt hatte und fuhr los.
      Käthe | “Soll ich dir sicher keinen Helm bringen?” rief Erin mir über den Platz zu. Ich lachte gespielt und verneinte während ich damit beschäftigt war Smooth Gravity zu parieren. Die Stute machte es mir alles andere als einfach. Als ich sie endlich dort hatte wo ich sie wollte hielt ich neben Erin an und rieb mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. “Du hättest sie Probe reiten sollen.” sagte sie vorwurfsvoll und reichte mir eine Flasche Wasser. “Sie muss sich erst einleben. Gib ihr etwas Zeit!” erwiderte ich und nahm einen kräftigen Schluck. “Einen Versuch noch!” motivierte ich mich selbst und nahm die Zügel auf. Konzentriert trabte ich die Stute an und wechselte durch die ganze Bahn um die Stute anzugaloppieren. Gravity kam mir jedoch einen Schritt zuvor und machte einen gewaltigen Satz nach vorn um mich abzusetzen. Was ihr gelang. “Du hättest dir einen Helm aufsetzen sollen.”
      Stöhnend rappelte ich mich auf und rieb mir die Schulter. “Was machst du denn hier?” fragte ich Hunter und lief zu Gravity die am Zaun stand und mich beobachtete. “Nach dir sehen.” gab er trocken zurück. “Jetzt hast du mich ja gesehen.” antwortete ich und öffnete das Tor um Gravity zurück in den Stall zu bringen. “Ich lass euch besser allein, ja?” flüsterte Erin und lächelte mir aufmunternd zu bevor sie ging. Ich zog der Stute die Zügel über den Hals, nahm die Trense ab und zog ihr ein Halfter an damit ich sie in der Stallgasse anbinden konnte. “Ich wollte nach dir sehen, weil wir sprechen müssen.” sagte er genervt. “Ich hör dir zu.” sagte ich ohne ihn anzusehen, nahm der Stute den Sattel ab und brachte ihn zusammen mit dem Zaum in die Sattelkammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob ich den Sattel auf seinen Platz und ging zurück zu Gravity und Hunter. Ich nahm den Hufkratzer aus der Putzbox und hob einen Huf der Stute an. “Du wolltest mit mir sprechen.” erinnerte ich Hunter und begann damit ihren Huf auszukratzen. “Hast du dich verletzt?” wollte er wissen und bemühte sich um eine nicht allzu besorgte Miene zu machen. “Natürlich habe ich mich verletzt, ich wurde gerade in hohem Bogen abgesetzt.” gab ich genervt zurück und drängte mich an ihm vorbei. “Dann fahre ich dich jetzt zum Krankenhaus.” - “Nein das wirst du nicht.” unterbrach ich ihn und sah auf. “Es geht mir gut. Zwei oder drei Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.” - “Das.” Er packte mir forsch an die Schulter. “Ist nicht in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung.” Ich stöhnte vor Schmerz auf und gab ihm aus Reflex eine Ohrfeige. “Was sollte das?” fragte ich und sah ihn vorwurfsvoll an. Er ignorierte meine Frage und bugsierte mich zu seinem Wagen. Pitch folgte uns fröhlich. “Ich bleibe hier!” fuhr ich ihn an und stemmte meine Hand gegen die Tür damit er sie nicht öffnen konnte. “Damit es schlimmer wird und du für Wochen ausgeknockt wirst, weil du nicht sofort zum Arzt gehen wolltest? Machst du das immer so? Sachen aufschieben?”- “Aufschieben?” fragte ich und wirbelte herum damit ich ihn ansehen konnte. “Du meinst also ich schiebe Sachen auf, ja?” - “Ja.” - “Zum Beispiel?” fragte ich und verschränkte die Arme. Er verdrehte genervt die Augen. “Jetzt gerade, zum Beispiel. Aber wenn du nicht willst. Dann geh halt und sitz es aus.” Er ließ mich los. “Ich bin auch der Meinung du solltest das abklären lassen…” warf Erin ein die, allem Anschein nach, schon eine Zeit lang in der Haustür stand und mitgehört hatte. Ich sah sie an und atmete hörbar aus. “Ich muss mich um…” begann ich, musste aber unterbrechen als Hunter die Wagentür öffnete und mich auf den Sitz schob. “Danke!” rief er Erin zu und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er zog die Tür zu und verriegelte das Fahrzeug. “Hunter! Das ist Entführung!” rief ich und sah ihn an. “Sobald du aus dem Krankenhaus raus bist, fahre ich dich gerne zur Polizei, damit du mich anzeigen kannst.” meinte er spitz und fuhr los. Genervt schnallte ich mich an und sah aus dem Fenster. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Auch im Krankenhaus schien es nicht besser zu werden. Die Notaufnahme war brechend voll und man teilte mir mit, dass es zirka 2 Stunden dauern würde bevor ich dran war. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und ging nach draußen, wo ich mir von einem jungen Mann, der etwa mein Alter hatte, eine Zigarette lieh. Normalerweise rauchte ich nicht, aber manchmal war es eine Erfüllung.
      Hunter | Ich ging davon aus, dass Käthe frische Luft schnappen wollte, daher folgte ich ihr nicht sondern wartete geduldig. Als ich geistesabwesend aus dem Fenster sah konnte ich meinen Augen nicht glauben. Käthe mit einer Zigarette? Seit wann rauchte sie? Ohne nachzudenken ging ich raus und sah sie verwirrt an. “Was hab ich noch verpasst?” fragte ich fast schon enttäuscht, dass ich nichtmal davon etwas wusste. “Ich habe drei neue Pferde und habe die mobile Pferdepflege aufgegeben um meine Trainerlizenz zu erhalten und… sonst eigentlich nichts.” antwortete sie und blies mir den Rauch entgegen. Resigniert nickte ich und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Tasche um mir eine anzumachen. “Wie sieht es bei dir aus?” fragte sie und sah mich an. “Wenn sich bei mir etwas Großes bewegt hätte, wüsstest du davon.” - “Das ist also der Grund weswegen du dich nicht mehr gemeldet hast.” - “Was?” verwirrt sah ich sie an. Ich hatte keine Lust wieder zu diskutieren. “Ach vergiss es!” sagte sie, warf ihre Zigarette auf den Boden und ging wieder hinein.
      Nach zwei Stunden wurde Käthe endlich aufgerufen. Die Schulter und der Ellenbogen waren geprellt und der Arzt riet ihr sich zu schonen. Dass sie das nicht tun würde stand außer Frage. “Wieso hast du dich nicht gemeldet?” fragte Käthe leise. “Weil ich nicht sicher war ob es richtig wäre. Deinem Vater ging es nicht gut und ich dachte du würdest dich lieber erstmal auf ihn konzentrieren. Ich wollte nicht stören. Ich war mir sicher, dass du dich gemeldet hättest, wenn es wieder passt.” - “Danke, jetzt fühle ich mich schlecht!” rief sie und rutschte tiefer in den Sitz hinein. Ich lachte leise. “Noch schlechter?” Doch anstatt zu antworten nickte sie nur. “Ich habe oft überlegt dir zu schreiben oder einfach vorbei zu fahren aber ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten.” Seufzend stieg ich aus und ging um den Wagen herum um Käthe die Tür zu öffnen. “Also waren wir in etwa gleich blöd.” schloss ich und warf die Tür zu, nachdem Käthe ausgestiegen war. “Kann man so sagen, ja.” antwortete sie und lächelte. Wie sie da stand, noch immer an den Wagen gelehnt und lächelnd trotz ihrer Verletzung an der Schulter, war sie der schönste Mensch, den ich mir jetzt gerade vorstellen konnte. Es fühlte sich an als hätte jemand die Zeit angehalten, doch mein Herz raste dagegen an. Wie gerne würde ich sie jetzt... Doch ich hielt mich zurück. Wir hatten gerade erst unseren bisher größten Konflikt gelöst und da konnte ich jetzt nicht... oder doch? Unwillkürlich sah ich mich vor ihr, hatte meine Hände an ihre Hüfte gelegt und berührte sanft ihre Lippen mit meinen. Es war kein richtiger Kuss, es war mehr eine kaum spürbare Berührung. Doch sie weckte mich aus meiner Trance. Ein eiskalter Schauer durchlief meinen Körper und riss mich ein paar Schritte von ihr weg. Noch immer pochte mein Herz so stark, als wolle es mir aus der Brust springen. Ich atmete hörbar aus und fuhr mir durch die Haare, während ich mich langsam wieder beruhigte und zu ihr umdrehte. “Ist alles in Ordnung?” fragte Käthe besorgt und rieb sich die verletzte Schulter. “Alles Bestens.” gab ich verschmitzt lächelnd zurück. “Ich muss leider wieder fahren. Isaac ist heute quasi Alleine mit den Pferden und da muss ich mithelfen.” - “Schreiben wir heute Abend miteinander?” fragte sie, während sie auf mich zu kam und umarmte. “Ich habe dich wirklich vermisst.” flüsterte sie leise und lehnte ihren Kopf auf meine Brust. “Ich hab dich auch vermisst. Ich schreibe dir wenn wir mit den Pferden durch sind.” Ich konnte sie zwar nicht sehen, spürte aber dass sie zufrieden lächelte. “Dann schaue ich mal wie weit Erin mit den Pferden ist.” - “Melde dich, wenn du mich brauchst. Ich kann Isaac auch mal alleine lassen.” meinte ich schmunzelnd und öffnete die Fahrertür. “Mache ich, versprochen!” sagte sie lächelnd und entfernte sich ein paar Schritte vom Wagen damit ich fahren konnte.
      “Auch mal wieder da?” rief mi Isaac zu, der gerade mit Mr. Raw Depression von den Feldern zurück auf den Hof kam, als ich aus meinem Wagen stieg. Es war mittlerweile Spätnachmittag und eigentlich hätte ich ihm helfen müssen die Pferde zu versorgen, weil Kerry nur bis mittags da war. Entschuldigend hob ich die Hände und kam mit Pitch im Schlepptau zu ihm. “Es kam leider etwas dazwischen. Wer muss noch gemacht werden?” Isaac taxierte mich kritisch, während er Mr. Raw Depression auf eine unscheinbare, ruhige Art die Leviten las, da der Hengst versuchte einfach weiterzulaufen, obwohl Isaac stehen geblieben war. “Du kannst deine Vollblüter als abgehakt sehen. Ehrengold, Raving Hope Slayer und PFS Strolch hatte Kelly noch auf die Rennbahn gelassen und Slap Happy, Blütenzauber, Bear Totem’s Denali, Moulan, Riven in a Dream, Scarlet in Birth, LMR Lady Luna, PFS’ Savory Blossom, Happy Fantasy und CHH’ Classic Spring hab ich in der Führanlage laufen lassen. Golden Sugar, Stars of Magic, PFS’ Storm Cat, Little Miss Backyard, Fantastic Sonata, Rouge Trap, What Rainbow und Bear Brooks Denahi hat Kerry glaube ich zusammen von der einen zur anderen Weide geschickt. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter stand, aber die Fohlen sind damit alle bedient gewesen, sodass ich sie zwischendurch nur zurück in die Boxen gebracht hatte. Immerhin soll es kommende Nacht wieder frieren. Achja, Benji und Niffler haben sich heute in den Haaren gehabt, die hab ich jetzt getrennt gestellt. Nicht dass du dich wunderst. Wir müssten jetzt noch die Großen machen und Verdine.” - “War Ruby da?” Isaac nickte. “Ja, war sie. Sie hat Braddock ‘The Parrot’ bewegt und ist dann wieder abgezischt. Die war wegen irgendwas verstört, schlechte Noten, Beziehungsdrama, weiß der Geier… Apropos Beziehungsdrama…” Wieder taxierte der Ire mich und wartete auf eine Antwort. Doch ich beschloss nicht auf diese Anspielung einzugehen. “Gut, dann schnappe ich mir als erstes Iseabail und Lady Lyneth Bowen. Du nimmst dir bitte Magical Touch und Felan vor.”
      Gesagt getan, beide machten wir uns an die Arbeit. Isaac ließ immer wieder Sticheleien vom Stapel und versuchte aus mir herauszuquetschen was denn jetzt mit Käthe und mir war, doch ich genoss es ihm den Gefallen nicht zu machen. Soll er ruhig ein bisschen grübeln, wenn es ihn so brennend interessierte. Nachdem die Stuten bewegt waren, blieben uns nur noch Mister Blockhead und Thomas. Als auch diese beiden Hengste zufrieden und müde in ihren Boxen standen war es schon längst Dunkel geworden. Die Uhr zeigte 11 Uhr abends. “Danke.” sagte ich knapp als Isaac sich in seinen Wagen schwang. “Du weißt, dass du dich immer auf mich verlassen kannst.” gab er zurück und knallt die Tür zu um loszufahren. Lachend wandte ich mich ab und ging noch einmal über den Hof um alle Tore und Türen zu kontrollieren. Nebenbei sammelte ich Pitch ein, der sich in einer leeren Box auf Mäusesuche begeben hatte. “Komm Junge.” rief ich und der schwarze Rüde folgte, wenn auch widerwillig. Als ich mir sicher war, dass der Hof gut abgeriegelt war ging ich ins Haus und sprang erstmal unter die Dusche, ehe ich mich aufs Bett warf und mein Telefon aus der Tasche kramte um mich bei Käthe dafür zu entschuldigen, dass es so spät geworden war.

      Neuzugänge
      Juni 2018, by sadasha
      Als mitten in der Nacht das Telefon klingelte drehte ich mich zuerst noch einmal auf die andere Seite, in der Hoffnung den schrillen Ton ignorieren zu können. Doch sobald ich mich umgedreht hatte leckte mit Pitch hektisch über das Gesicht. Genervt schob ich ihn von mir weg und richtete mich ächzend mit einem Blick auf die Uhr auf. Wer zur Hölle ruft um 2:37am an? Die Vorwahl sagte mir nichts und das konnte nur bedeuten, dass der Anrufer von weit weg kam. Wenigstens erklärte das auch die irre Zeit. Verschlafen nahm ich das Gespräch an und brummte ins Telefon. "Ehm… Hunter?" Ich brummte erneut. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und die Verbindung stand eher schlecht als recht, sodass der Ton knisternd und rauschen bei mir ankam. "Hey! Wir hatten uns doch über deine Tinker unterhalten! Und was du suchst und ja… Ich hab eine tolle gefunden, Pearl carrier und… du wolltest keine Fohlen oder?" Nachdenklich schwieg ich. Cooper aus Kanada war am Telefon, doch auch bei ihr musste es jetzt schon spät sein. "Schläfst du auch mal?" brummte ich ohne ihre Frage zu beantworten. Sie lachte. "Ist doch noch früh hier! Oh, hab ich dich geweckt? -" sie brabbelte eine Entschuldigung und redete dann über ein Fohlen, das sie ebenfalls entdeckt hatte. "Double Dilute! Du suchtest doch sowas oder nicht? Und eine Stute! Warte, ich schicke dir Fotos. Und… Hunter ich hab die zwei gekauft, du kannst also nicht Nein sagen. Im Zweifelsfall werden die sicher auch klasse Therapiepferde für deine… Freun-, Kollegin?" Ich hatte nach Fotos mein Gehör eingestellt und kramte nach meinem Laptop. Pitch hatte seinen Kopf auf dem Bett abgelegt und sah mir schwanzwedelnd dabei zu wie ich versuchte klar zu werden. "Warte kurz, der Laptop braucht Strom…" unterbrach ich Cooper. "...und ich brauche Kaffee."
      Nachdem ich mir einen Kaffee gemacht und Pitch auf den Hof gelassen hatte, setzte ich mich mit dem Laptop ins Wohnzimmer wo auch das Ladekabel lag. Die Stute war bereits eingeritten und gefahren und komplett durchgetestet was Erbkrankheiten und Farben betraf. Für mich also perfekt und dass sie Pearl Trägerin war würde später noch mit Mephisto interessant werden. Das Tinkerfohlen war sehr kompakt gebaut trotz der Größe und sie sah auch ansonsten korrekt aus. Hier wurde nicht nur wegen der Farbe gezüchtet. Trotzdem sah ich mir auch die Linien der kleinen Stute ausgiebig an, ehe ich mich bei Cooper bedankte. Gemeinsam planten wir die Überfahrt nach England und klärten das Finanzielle. Als ich auflegte wurde es schon hell und auch Cooper war jetzt müde. Wir wünschten uns also noch eine gute Nacht und legten dann auf. Ich jedoch blieb jetzt wach. Ich ging ins Bad um zu Duschen und mich für den Tag fertig zu machen. Noch bevor einer der Angestellten eintrudelte hatte ich die Fütterung fertig, die ersten Pferde auf die Weiden gebracht und mistete die ersten paar Boxen, bis Beth zum Arbeitstag kam und mir das Werkzeug aus der Hand schnappte. "Guten Morgen!" meinte sie fröhlich und lächelte mich an. "Du hast wohl nichts Besseres zu tun, hm?" Ich verneinte grinsend und streckte mich ausgiebig, ehe ich aus Benjis Box ging. Der kleine Hengst stand zusammen mit seinem Shettykumpel Niffler auf einer doppelt gesicherten Weide aus denen sie nicht mehr ausbüchsen konnten. Zu meiner Überraschung kam mir Ruby entgegen, als ich Thomas von der Weide holen wollte um mit ihm zu arbeiten. Sie hatte ihren Ponyhengst Braddock 'The Parrot' an der Hand. "Mit dir habe ich erst am Nachmittag gerechnet. Keine Schule heute?" Sie grinste über beide Ohren und nickte. "Richtig. Es sind viele Lehrer krank und deshalb dürfen heute zwei Klassen zu Hause bleiben. Ich bin unter den Glücklichen." - "Na dann viel Spaß." meinte ich und ging weiter zu meinem Drum Horse Hengst. "Achja Hunter?!" rief Ruby noch und ich blieb kurz stehen. "Später kommen noch ein paar Freundinnen, können wir uns die Shettys dann leihen? Nur auf dem Hofplatz etwas Spielen mit den Ponys?" Ich nickte und gab ihr einen Daumen hoch, ehe ich wieder kehrt machte. Thomas stand zusammen mit Tank am Rand der Weide, wo das höchste Gras wuchs. Doch im Gegensatz zum Rappen graste er nicht, sondern beobachtete aufmerksam mein Verhalten. Vielleicht erkannte er, dass ich sein Halfter mitschleppte. Jedenfalls trabte er ein paar Schritte auf mich zu, sodass auch Tank kurz aufsah um zu überprüfen was seinen Kumpel aufmischte. "Guter Junge." lobte ich den Schecken und streichelte den kräftigen Hals, als er bei mir stand und sich das Halfter überziehen ließ. Den fast vierjährigen Hengst hatte ich seit Kurzem unterm Sattel und er machte sich soweit ganz gut. Die langen Beine bekam er noch nicht immer richtig geordnet, doch dafür übten wir das ja. Auch heute sattelte und zäumte ich ihn. In der noch recht kühlen Reithalle longierte ich Thomas zuerst ab und schwang mich dann in den Sattel. Im Moment arbeiteten wir an seinem Trab und den Übergängen zum Schritt. Hier und da, wenn die Motivation stimmte versuchten wir es auch schon mit kurzen Galoppphasen. Doch die waren kaum nennenswert und wirklich schlacksig in der Ausführung. In Trab und Schrott kam Thomas aber schon gut runter, lernte sich zu entspannen und versuchte es mir Recht zu machen.
      Nach der Session mit dem Drum Horse Hengst rief ich bei Käthe an. Sie erzählte mir vom ein oder anderen Neuzugang und dass sie nun aufpassen müsse nicht noch mehr Pferde ins Boot zu holen. Ich erklärte ihr, dass es mir da im Moment nicht viel anders ging. Die beiden Neuzugänge Stonery und Hester würden wohl nächste Woche eintreffen. "Achja und wenn du ja jetzt eine Rappstute hast verlange ich ein Shooting zusammen mit Moulan und als Kontrast vielleicht Smooth Gravity, sollten die sich verstehen." meinte ich und lächelte bei dem Bild, das ich mir da zusammenstellte. Echo's Maiden sollte die Rappstute heißen. "Mit blauen Augen!" Ich war sehr gespannt sie kennenzulernen. "Und wenn du so denkst, kannst du Sympathy of the Devil auch gleich mit einplanen. Die ist auch schwarz-weiß." Ich brummte wohlwollend. "Und wen hat dir Occulta noch verkauft?" fragte ich neugierg. "Einen Hengst." sagte sie aufgeregt. "Valentine's Cantastor heißt er. Ein Brauner." Da ging mir sofort ein Licht auf. "Den habe ich gesehen, als ich sie mal besucht habe. Holst du die zwei ab oder werden sie dir gebracht?" Käthe schwieg. "Ich sehe dich nicht, das ist dir aber klar oder?" fragte ich vorsichtig. "Ja klar… Keine Ahnung, das haben wir noch nicht geklärt." Ich lachte leise. "Gut, ich komme später vorbei. Bearing Spots und Compliment erkennen mich vielleicht schon nicht mehr, so lange war ich nicht mehr da." Wir legten auf. Kerry hatte mittlerweile Vikar und Mister Blockhead für heute fertig, sodass sie nur noch die Stuten übrig hatte. "Venetia und Magical Touch spanne ich mir an und bin für etwa eine Stunde im Gelände." erklärte ich und ging mit den Halftern der beiden Stuten auf die Weide. Erleichtert dankte sie mir und schnappte sich das Halfter von Felan. Max und José sind fleißig mit CHH' Classic Spring und PFS Strolch. Die beiden Vollblüter räumten auf den Rennen aktuell viele Schleifen ab. Bald würde ich Bear Brooks Denahi ebenfalls auf die Rennbahn schicken, doch ihr fehlte es noch an Ausbildung.
      Während ich mit den beiden Tinkerstuten unterwegs war überlegte ich was ich am nächsten Tag unternehmen wollte. Die beiden benahmen sich vorbildlich und wir hatten eine sehr entspannte Runde um das Gestüt herum. Die Schatten der Bäume ließen die brennende Sonne nicht zu uns durchdringen, sodass wir immer noch fit waren als wir auf den Hof zurück kehrten. "Crowley, sie sollten was essen!" rief mir Mrs. Clayton von der Türe zu. Ich brachte zuerst die beiden Stuten zurück auf die Weiden und schob die Kutsche die letzten paar Zentimeter in die Scheune, ehe ich zum Essen kam. Danach setzte ich mich mit Pitch ins Auto und fuhr nach Nottingham um Käthe zu besuchen.
      "Erin ist mit Hibana unterwegs." erklärte Käthe und küsste mich sanft zur Begrüßung. "Wir haben den Hof für uns!" Hinter ihr stand Amistad und stupste sie ungeduldig an. "Wir bringen den kurz weg ja? Dann zeig ich dir auf dem Rückweg Echo's Maiden und dann gehen wir rein. Die beiden anderen sind ja noch nicht hier. Aber ich hab Fotos!" erzählte sie stolz. Dass ich auch nach den beiden Fohlen gucken würde war selbstverständlich. For an Angel streckte neugierig den Kopf aus der Box, als wir an ihr vorbeigingen. Amistad war auch nicht abgeneigt gegenüber der hübschen Stute, doch Käthe kannte keine Gnade und zog den Scheckhengst weiter bis zu seiner Box. "Wo sind denn die Kleinen?" wollte ich wissen. Käthe zeigte nach draußen und ich beschleunigte meinen Schritt. Bearing Spots und Compliment standen gleich draußen, wenn man aus dem Stall kam und warteten darauf reingeholt zu werden. "Die sollen noch draußen bleiben, Hunter!" rief Käthe, als ich das Tor öffnete um mich auf die Weide zu mogeln. Sofort kamen die beiden zu mir und taxierten mich neugierig. Doch Leckerchen hatte ich heute nicht dabei. Besonders Compliment hatte nochmal einen ordentlichen Wachstumsschub. Ich ließ meinen Blick über die anderen Weiden schweifen. Grenzfee stand auch noch draußen zusammen mit der neuen Rappstute. Smarty Jones war der einzige, den ich noch nicht gesehen hatte. Aber er würde dann wohl in seiner Box stehen. Pitch fing an zu quängeln, weil ich ihn nicht mit auf die Weide gelassen hatte und bevor er richtig laut wurde kam ich lieber wieder raus und ging mit ihm Käthe hinterher ins Haus. Hier tauschten wir uns über unser beider Neuzugänge aus. "Ach, ich hab ganz vergessen dir Echo's Maiden zu zeigen." sagte Käthe schockiert. Doch ich unterbrach sie, ehe sie weitersprechen konnte. "Ich hab sie eben schon gesehen. Sie sieht toll aus. Wunderbar groß!" - "Und ihr Fell ist total samtig!" fügte Käthe hinzu woraufhin ich schmunzelte.
      Wir waren erst spät wieder heim gefahren und so schaffte ich es in dieser Nacht wieder nicht den verlorenen Schlaf nachzuholen. Doch es half nichts. Wenigstens war Kerry früher da und hatte sich schon Iseabail und Lady Lyneth Bowen gewidmet. Ich ging daher sofort über zu meinen Vollblütern. Kerry würde später noch Xana bespaßen. Ich begann mit Happy Fantasy. Die Stute kam grundsätzlich etwas zu kurz und deshalb gehörte mein Vormittag heute gänzlich ihr. Ich putzte sie ausgiebig, sattelte sie dann und ging mit ihr auf die Militarystrecke in Mitten der Rennbahn. Von hier aus konnte ich meinen Jockey bei der Arbeit zusehen. Sie hatten heute die Oldies Ehrengold und Mikado aus dem Stall geholt. In der Mittagspause erklärte ich den beiden dass ich mir als nächstes Mr. Raw Depression rausnahm. Die beiden nickten und sagten dann dass sie PFS' Savory Blossom und Raving Hope Slayer rennen wollten.
      Ich freute mich sehr, als am Nachmittag Isaac aus dem Urlaub kam. Übersäht mit noch mehr Sommersprossen als üblich und mit heller Fläche rund um die Augen, weil er wohl die Sonnebrille nicht abgenommen hatte bevor er sich an den Strand gelegt hatte. Freundschaftlich begrüßten wir uns und gingen zusammen in den Stall. Blütenzauber und Riven in a Dream waren die nächsten, die wir uns vornahmen. So heiß wie es war zogen wir uns in die Reithalle zurück, wo auch Abby schon den ganzen Tag war. Sie hatte sich mit Moulan beschäftigt und jetzt gerade ritt sie Scarlet in Birth warm. "Beth macht das mit den Fohlen gut oder?" fragte Isaac, der unsere Stallhilfe vor seinem Urlaub auserkoren hatte die Fohlenarbeit zu übernehmen. Sie hatte damit zu Beginn sehr zu kämpfen. "Sie hat sich gut mit ihnen eingespielt, ja." gab ich zurück. Besonders das Hengstfohlen Golden Sugar hatte sie ganz gut im Griff. Die Flausen von PFS' Storm Cat oder Stars of Magic waren dagegen ein Witz. Als wir mit den beiden Stuten fertig waren hatte Beth gerade Little Miss Backyard an der linken und Fantastic Sonata an der rechten Hand. "Könnt ihr nicht noch die letzten beiden übernehmen?" flehte sie und Isaac und ich tauschten vielsagende Blicke aus. Wir stimmten aber zu. So konnte Beth mit der Stallarbeit weiter machen und Isaac und ich schnappten uns What Rainbow und Rouge Trap. Die beiden Stuten brannten schon darauf die Welt zu erkunden. Als wir jedoch mit ihnen nach draußen gehen wollten um eine Runde um den Hof herum zu machen scheuten sie und wollten lieber wieder zurückgehen. Wir tasteten uns also eine Ecke vorsichtiger heran und ließen die beiden Stutfohlen in Ruhe gucken und das Tempo selbst bestimmen. Weit kamen wir so zwar nicht, aber wir konnten das Führtraining mit einem positiven Gefühl abschließen, als wir nach einer halben Stunde auf den Hof zurück kehrten um die Fohlen in ihre Boxen zu bringen wo sie übernachten würden.
      Am nächsten Tag hatten die meisten Pferde frei und so konzentrierte ich mich auf Slap Happy. Isaac hatte sich Bear Totem's Denali fertig gemacht und Kerry nahm LMR Lady Luna mit auf einen gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Am Nachmittag kümmerten sich die beiden um Verdine und Tainted Whiz Gun, sodass ich frei hatte. Ich nutzte die Zeit um mit Pitch zum See zu gehen und die Woche ruhig ausklingen zu lassen. Nächste Woche würden die beiden Neuzugänge eintreffen und die Stallordnung wieder mal aufmischen.

      Tierarztbericht Prophylaxe
      by Cooper
      "Also manchmal habe ich das Gefühl wir leben von Hunters Geld" sagte Simon und lachte als wir früh morgens im Büro saßen. Ich schaute ihm mit meinem Kaffee in der Hand über die Schulter. "Tatsächlich. Naja, wenn er das Geld hat. Außerdem glaube ich sind wir mittlerweile Tierarzt des Vertrauens". Simon schaute mich an. "Was ist? Das ist gut,
      wir hatten eine Weile keine Aufträge, wir müssen uns mal überlegen was wir machen damit die Leute zu uns kommen. Da kommt es dann gelegen wenn einer unserer Auftraggeber überzeugt von uns ist". Simon gab mir recht und buchte mir einen Flug und half mir dann die Sachen die ich benötigte zu einzupacken. Nicht lang später hatten wir einen weitern
      Auftrag, der mich nach Deutschland führte. "Du schaffst das doch hier allein." "Klar" antwortete Simon.
      Den Tag darauf saß ich auch schon im Flugzeug nach England. Die Reise war mir schon mehr als bekannt, und dadurch das ich so oft fliege, wurde ich auf 'business class' aufgestuft. Es war eine neue Erfahrung und lenkte mich von meier Flugangst ein wenig ab, zudem gab es gutes Essen. Ich hatte mir diesmal kein Auto gemietet, da ich einen Tag bei Hunter
      bleiben konnte. Er holte mich ab und war, wie immer. Wir unterhielten uns und waren früher auf BearBrook EC als gedacht. Ich freute mich darauf mal einen echten Appaloosa zu sehen. Es war jedoch schon zu spät um die Pferde im Stall zu stören, deshalb verschoben wir alles auf den morgigen Tag. Am Morgen erzählte mir Hunter ein wenig über die Stute,
      während ich mir einen ersten visuellen Eindruck von ihr machte. Dann näherte mich mich der Stute langsam, da ich wusste das sie ein eher schreckhaftes Tier ist. "Es ist aber ungewöhnlich für ein solch Charakterstarke Rasse, das sie so ängstlich ist". Hunter zuckte mit den Schultern und beobachtete alles während er sie am Kopf hielt. Das erste was
      mit auffiel war das ihr linkes Auge im unteren Teil sehr gerötet war. Ich schaute näher hin und erkannte dann das auch der linke und rechte Augenwinkel, ebenfalls gerötet war. "Hunter. Ich denke deine Stute hat die Schleimhaut ihres linken Auges entzündet". Ich zeigte Hunter die Stelle und erklärte ihm warum und weshalb sowas passiert. "In der Regel
      kommt sowas einfach von Bakterien, Viren, Pilzen, aber auch von Fremdkörpern. Es kann auch eine Begleiterscheinung einer Pferdegrippe oder ähnliches sein. Aber keine Sorge, wir müssen ja jetzt nicht von schlimmsten ausgehen. Außerdem ist es anscheinend noch in der Anfangsphase". Hunter hörte aufmerksam zu und schaute mir bei dem Augenabstrich
      über die Schulter. Ich lobte die Stute, da sowas sehr unangenehm ist. "Hm. Ich schicke das ins Labor, dann wissen wir warum und weshalb. Nur zur Sicherheit werde ich ihr auch Blut abnehmen, sodass wir eine Krankheit ausschließen können". Leider war das nicht einfach. Verdine hatte sichtlich keine Lust darauf Blut zu spenden und wurde sehr nervös.
      Nachdem wir das geschafft hatte, beschlossen wir sie eine Weile ihn ruhe zu lassen, damit es nicht zu stressig wird. "Da sowas sehr ansteckend ist, müsstet ihr die Stute bis die Behandlung zu Ende ist, von anderen Pferde separieren". Während Hunter diese Maßnahme in die Wege leitete ging ich zurück zu Verdine. Ich redete auf die Stute ein und
      auch wenn sie nicht wirklich versteht was ich sage, erklärte ich ihr einfach was gemacht wird. Glücklicherweise gab dies ihr aber Sicherheit und sie wurde ruhiger. Schnell schaute ich nach ihren Vitalzeichen und kontrollierte den restlichen Körper. Da sie kein Fieber hatte, war ich mir sicher das die Bindehautentzündung 'nur' durch Bakterien ausgelöst wurde,
      somit konnte ich sie auch Impfen. Dazu holte ich Hunter zurück. Erstaunlicherweise hat die die Grundimmunisierung gut aufgenommen, fand dafür die Wurmkur unangenehm. Nach der ganzen fummelei an der Appaloosa Stute, lobte ich sie mit einem großen Apfel und streichelte sie. "Nun. Jetzt müssen wir den Abstich abwarten, bis ich dir genau sagen
      kann, was gegen die Entzündung hilft. Grundsätzlich aber gehe ich davon aus das sie Bakteriell ist, ist vor allem in Sommermonaten gar nicht so ungewöhnlich" lächelte ich und gab Hunter eine Salbe. "2x am Tag, also Morgens und Abends müsste reichen. Ruhiges und leichtes Bewegen ist angesagt, es müsste nach einer Woche wieder in Ordnung sein".
      Ich lächelte und musste mich dann beeilen um meinen Flug nach Deutschland zu erwischen.
    • Veija
      Hufschmiedbesuch

      August 2018, by sadasha
      „Ruhig mein Mädchen.“ Vorsichtig strich in Verdine über den Nasenrücken und über den Nacken, damit sie sah, dass ich nicht immer wenn ich sie am Kopf anfasste an ihr Auge gehen wollte. Als die Fuchsstute den Kopf wieder sank steckte ich ihr ein Leckerlie zu. „Du verhätschelst sie!“, rief Abby von hinten zu, die Verdine grundsätzlich nicht mochte. „Ihr Auge ist entzündet.“, gab ich trocken zurück und streichelte weiter über Verdines Hals. Abby schnaubte. „Na und? So verziehst du sie, aber ich will dir keine Vorschriften machen, Hunter.“ Ich lachte und zog die Salbe die uns Cooper verschrieben hatte aus der Jackentasche. Ich gab davon ein bisschen auf den Finger und tupfte die Salbe dann vorsichtig an das leicht geschwollene Auge der Stute. Sie zuckte im ersten Moment zurück, merkte dann aber wohl dass es half den Juckreiz zu mindern und außerdem auch kühlte. Ich wartete einen Moment bis ich das Halfter von meiner Schulter nahm und es Verdine überzog. „Es tut mir leid, aber deine Hufe sehen katastrophal aus. Und ich muss es wissen, ich bin Hufschmied.“, redete ich mit ihr ohne eine Antwort zu erwarten. Verdine sah mich aufmerksam an, entweder weil sie gespannt war was nun kam oder weil sie Angst hatte dass ich wieder an ihre Bindehautenzündung fassen würde. Lobend klopfte ich ihr den Hals und führte sie am Strick nach draußen auf den Innenhof, wo ich sie an einer der Putzstangen festmachte. Ich ließ sie kurz warten, während ich mein Werkzeug aus der Schmiede holte. Da ich Verdine täglich sah, kannte ich ihre Macken und Fehler mehr als genug und musste sie mir nicht vortraben lassen. In aller Ruhe schnitt ich einen Huf nach dem anderen aus und korrigierte in einem ihre Stellung. Ich schnitt zuerst das alte Horn weg und dann den Strahl frei. Zuletzt knipste ich die Hornwand zurück und raspelte Ecken und Kanten rund. Als alle vier Hufe ausgeschnitten waren pinselte ich noch Hufbalsam auf. „Gut gemacht.“, lobte ich wieder und brachte Verdine zurück in ihre Box. Bevor ich meine Arbeit für erledigt erklärte kehrte ich den Hof ab und legte das Werkzeug zurück in die Schmiede.

      Schnelle Pflege für alle Pferde

      November 2018, by sadasha
      Nachdem ich endlich vom Arzt das Go bekommen habe meine Pferde wieder zum teil selbst zu versorgen, machte ich mich heute früh gleich auf in den Stall um bei der Fütterung auszuhelfen. Ich fing bei meinen Zuchtstuten an um sie als erste auf ihre Weide bringen zu können. LMR Lady Luna, PFS' Savory Blossom und Scarlet in Birth streckten schon neugierig die Köpfe aus der Box, als sie den Fuggerwagen hörte. Slap Happy kam erst zur Tür, als ich bereits vor ihr stand. Als Boxennachbarin wurde dann auch Mikado neugierig. Riven in a Dream war noch im Halbschlaf und musste erstmal aufstehen, als sie das Futter hörte. Ich versuchte noch ein Foto davon zu machen, wie sie in ihrer Box lag, doch ich war zu langsam und erwischte sie mitten in der Bewegung. Die Dunkelheit gab dann den Rest dazu, das Bild war komplett verschwommen. Als nächstes waren Moulan, Blütenzauber und Bear Totem's Denali an der Reihe. Die Vollblut Zuchtstuten waren damit fertig. Nach der Fütterung kamen sie auf ihre Weide. Jetzt waren Tainted Whiz Gun, Verdine und Happy Fantasy bereit für ihr Frühstück. Die bunte Truppe stand nicht mit den Zuchtstuten auf einer Weide. Sie hatte ein eigenes Weideplätzchen und war so harmonisch, dass ich sie gar nicht in die große Herde werfen wollte. Die "Youngsters" hingegen schon. CHH' Classic Spring, PFS' Storm Cat, Rouge Trap, Fantastic Sonata und Essence of Life konnten sich schonmal daran gewöhnen mit tragenden Stuten und Fohlen umzugehen. Sie waren meine Anwärter. Die Jährlingsstuten Little Miss Backyard, Stars of Magic und What Rainbow standen zusammen mit Hester auf einer Weide weiter weg von ihren Mutterstuten. Das Absetzen hatten sie bereits hinter sich, doch ehe sie wieder zu den Großen kommen, würde noch etwas Zeit versteichen. Framed in Fantasy, mein neuster Zuwachs stand zusammen mit Braddock 'The Parrot', Niffler und Benji auf einer Weide, da ich aktuell keine Hengstfohlen außer ihm auf dem Hof hatte. Als die Fütterung der Stuten durch war öffnete ich die Paddockboxen der Hengste. Dabei ließ ich zuerst die älteren Hengste raus. Ehrengold und Mr. Raw Depression und danach Reverence. Zuletzt kamen Raving Hope Slayer und PFS Strolch auf ihre Paddocks.
      Mirko hatte sich in der Zwischenzeit um den zweiten Stalltrakt gekümmert und Xana, Stonery, Venetia, Felan, Magical Touch, Delmara, Iseabail, Lady Lyneth Bowen und Uschi komplett versorgt. Beth war noch dabei die Kaltbluthengste raus zu bringen. Maeyr, Schneemann und Mister Blockhead hatte ich schon draußen gesehen. Tank, Buck or Two, Thomas, Vikar und Mephisto standen noch in ihren Boxen. Ich hatte noch zwanzig Minuten Zeit um eine Box fertig zu machen für den heutigen Neuankömmling. Ramira, eine Tinkerstute, die auch Kerry gut gefallen wird. Sie war charakterlich einwandfrei und genoß bislang ein sehr liebevolles zu Hause in dem sie ordentlich in der Freiarbeit gefördert wurde. Für ein Therapiepferd exzellente Voraussetzungen. Nach der langen Reise aus Deutschland würde sie erstmal Ruhe brauchen. Ich streute deshalb so ein, dass sie es gemütlich hatte. Futter würde sie Portionsweise mitbringen, sodass ich mir darum vorerst keine Gedanken machen musste. Futterumstellungen hatte ich nun schon zu genüge umgesetzt und auch Ramira wird damit sicher gut zurecht kommen, sobald ich damit beginne. Ich legte ein paar saftige Möhren in den Futterkrug und öffnete das Fenster zum Innenhof. Damit war ich mit meinem Tagesplan fertig.

      Ankunftsbericht
      by adoptedfox
      Käthe | Seufzend betrachtete ich den Himmel. Das Wetter war heute wechselhaft und je näher ich Lincolnshire kam, desto dichter wurde die Wolkendecke. Erfreulicherweise hatte ich mich kurz vor der Fahrt zu Hunter doch noch entschieden, eine Jacke mitzunehmen. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichte ich das BearBrook EC und winkte Isaac zu, der allem Anschein nach auf dem Weg zu den Weiden war. “Gut das du da bist. Ich habe versucht Hunter aufzumuntern, aber sein Bedarf nach liebevoller Zuwendung scheint gedeckt zu sein. Vielleicht ein andermal.” scherzte er zwinkernd und hielt die beiden Halfter in die Luft, die er in der Hand hielt. “Ich muss weiter. Er ist im Stall.”
      Da es doch ziemlich frisch war, holte ich die Jacke aus dem Wagen und machte mich auf den Weg in das Stallgebäude, wo ich Hunter in der Sattelkammer fand. Er war gerade dabei die Futterkiste aufzufüllen und ich beobachtete ihn eine Weile, bevor ich zu ihm ging und ihn mit einem Kuss begrüßte. Die letzten Tage waren kräftezährend. Hunter’s Vater hatte am Wochenende einen Schlaganfall und er hielt es für das beste, wenn sowohl sein Vater, als auch seine Mutter regelmäßigen Besuch von der ambulanten Pflege bekommen würden. Stundenlang hatte er ihnen erklärt, dass die Pflegekräfte eine Entlastung seien und sie sich keine Sorgen um die anfallenden Kosten machen müssten, da er dafür aufkommen würde. “Wie geht es Dir?” fragte ich und hob die leeren Futtersäcke vom Boden auf, um sie zusammen zu falten. Hunter schloss die Futterkiste ab und es schien, als hätte er mich nicht gehört. Doch bevor ich erneut fragen konnte murmelte er “Lass uns nach draußen gehen.” und schob mich vor sich her. Wir gingen über den Innenhof zum Springplatz, wo Hunter sich gegen den Zaun lehnte und sich eine Zigarette anzündete. Ich blieb vor ihm stehen und vergrub meine Hände in den Taschen meiner Jacke. “Ich werde Pferde verkaufen müssen. Das letzte Jahr lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte und ehrlich gesagt möchte ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Mit dir. Ich möchte handeln, bevor es zu spät ist, verstehst du?” sagte er wehmütig und ich nickte zustimmend. “Das verstehe ich leider sehr gut.” sagte ich nach ein paar Sekunden der Stille und sah zu Boden. “...und weißt du denn schon welche Pferde du verkaufen wirst?” fragte ich zaghaft und Hunter überlegte bevor er mir antwortete. Er zählte ein paar Namen auf. “...Happy Fantasy, Stars of Magic und höchstwahrscheinlich auch Raving Hope Slayer.” Hunter warf seine Zigarette auf den Boden und trat sie aus. “Die beiden Westernpferde werde ich sicher verkaufen. Für Tainted Whiz Gun habe ich schon länger einen Interessenten.” fügte er hinzu und zog mich näher an sich. Er rang sich ein Lächeln ab und hob mein Kinn an um mir einen innigen Kuss zu geben.
      “Bist du dir sicher mit Verdine? Ihr seid doch ein gutes Team!” fragte ich mit bedrückter Stimme. Nachdenklich wandte er den Blick ab und beobachtete die vorbeiziehenden Wolken am Himmel.
      “Ich weiß es nicht.”

      Wird sich ein passender Käufer für die Stute finden?
      Was passiert, wenn sich niemand auf das Inserat meldet?
      Hoffentlich bekommt sie einen Endplatz und landet nicht wieder im Ring einer Auktion…

      00:15 Uhr. Ich sollte schon längst schlafen, doch hunderte Gedanken hielten mich wach.
      Es waren sicher zwei Jahre vergangen, als ich die Stute auf einem heruntergewirtschafteten Hof entdeckte und ich musste gestehen, dass sie mir ab dem ersten Moment gefallen hatte. Nach nur einer Woche auf dem Bear Brook EC blühte sie auf, zeigte was in ihr steckte und musterte sich zum 1A-Westernpferd. Ich seufzte und nahm mein Telefon vom Nachttisch. “Ich möchte Verdine kaufen.” schrieb ich und verharrte ein paar Sekunden, bevor ich die Nachricht an Hunter sendete. Ich hatte mich gerade wieder hingelegt, als der grelle Nachrichten-Ton durch die Stille der Nacht drang.
      “Danke. Schlaf jetzt. Ich liebe dich.”

      Pflegebericht für alle Pferde des von Landsberg TC
      Verdine, Lorelei, Funny Sugar, Hibana, Ivy’s Rhapsody, Granada, Missing Misty, Westatlanta, Bear Brooks Denahi, Ases Maskwamozi, Bearing Spot’s, Echo’s Maiden, Smooth Gravity, Sympathy of the Devil, Grenzfee, For an Angel, Compliment, Amistad, Smarty Jones, Valentine’s Cantastor
      by adoptedfox
      Käthe | Ein paar Monate waren vergangen, seit Hunter sich dazu entschlossen hatte den Hofbetrieb für geraume Zeit einzustellen und die Pferde an befreundete Sport- und Zuchtanlagen verkaufte. Wir verbrachten nur noch wenig Zeit miteinander und doch genoss ich jede Minute seiner Anwesenheit. Um Erin zu entlasten, die einmal wöchentlich Seminare an der Universität in Nottingham besuchte um ihre Trainerlizenz zu erhalten, stellte ich zwei zusätzliche Pferdepfleger ein die uns unterstützten. Die Reitstunden hatte ich aus dem Programm genommen, dafür bot ich aber immer wieder Kurse zu verschiedenen Themen an die mehr als gut besucht waren. Auch bei meinen privaten Pferden lief es bestens. Die Fohlen werden mehr und mehr an das Fohlen ABC herangeführt und beinahe wöchentlich waren wir mit unseren Pferden auf Turnieren vertreten. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Jetzt im Sommer zogen wir es vor, die Pferde in den frühen Morgenstunden zu bewegen damit sie die heißen Temperaturen auf den Weiden verbringen konnten. Abends, nachdem die Pfleger sich in den Feierabend verabschiedeten, sattelten Erin und ich die Pferde und ritten aus um den alltäglichen Wahnsinn hinter uns zu lassen. “Wollen wir heute Abend zum See reiten?” fragte Erin und setzte den Huf ihrer Stute Hibana ab. “Ich kann leider nicht. Hunter kommt heute vorbei und ich möchte ihn mit einem Abendessen überraschen.” antwortete ich ehrlich und streichelte der Stute den Hals.
      “Da freut er sich bestimmt! Mensch… ich finde es schade das er alles auf Eis gelegt hat.” Ich stimmte ihr zu. Auch wenn ich hinter ihm stand, machte ich mir Sorgen wie es weitergehen würde. Ich blieb noch ein paar Stunden im Stall und half Erin dabei die Pferde für die Koppel fertig zu machen, bevor ich mir eine Einkaufsliste schrieb und in die Stadt fuhr um alles für das Essen zu besorgen. Die kommenden Wochen waren bereits gut durchgeplant. Am meisten freute ich mich auf einen Dressurlehrgang, den ich für mich und Bear Brooks Denahi gebucht hatte.
    • Veija
      Schicksal
      Nachtrag für August 2019, by Ravenna & Veija
      Pflegebericht für: Cielos, Whitetails Shortcut, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, A Shining Chrome, Bittersweet Temptation, Chocolate Shades, Citizen Fang, General's Coming Home, GRH's Bella's Dun Gotta Gun, GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, PDS' Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, Whinney, Zues, Mirabelle, Golden Sugar, Above the Sky, An Affait to Remember, Cleavant 'Mad Eyes', Dakota, Nahimana, Absolute Bullet Proof, Ceara Isleen, Kunis, Silent Bay, Væna fra glæsileika eyjarinar, Tigres Eyes, Sparkled Wings, Tweekay, Skrúður, Chocolate Dream, Bree, Empire of Grace, Priamos Ruffia Kincsem, Blazing Flame, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I've got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Abe's Aelfric, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Wildfire xx, Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Verdine, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey's Aleshanee, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tainted Whiz Gun, Dual Shaded Ace, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, It's me, Amira!, Zoltaire, Zuckerschock, Thjalfe van de Jötunheimr, Náttdís van Ghosts, Firewalker, Magic Lanijos, Whiskey, Myrkvidr, Free Willy, Wolfs Bane, Pocahontas, Mystical Champion, Vin, Lajos, Ocarina of Time, Crimetime, Fenicio, Ghost's Phenomena, GRH's Princess Peppy Ann & BR Princess Peppy Gaia

      Ylvi
      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.
      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.
      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.
      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!

      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?
      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”
      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.

      Caleb
      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?
      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.
      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.
      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”
      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.
      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.

      Ylvi
      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?
      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.
      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?
      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.
      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.

      Caleb
      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“

      Ylvi
      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.
      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.
      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.

      Caleb
      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.
      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”

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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”
      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.

      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
    • Veija
      Ein Mädchen für alles - Ausschnitt aus dem HMJ Finale
      Februar 2020, by Veija
      Caleb
      "Caleb", "Mr. O'Dell", "O'Connell? Oder so?", "Cowboy", "Der Blonde mit dem Cowboyhut da hinten", "Na.. der da, der so grimmig drein schaut", "Caaaaaaleeeeeb", "Ey!", "Sir?" und vieles mehr. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich meinen Namen in den letzten Tagen, ja sogar Wochen gehört hatte. Ich hatte mich freiwillig gemeldet. Ich hatte gesagt, ich würde bei dem Horse Makeover helfen, ein Pferd aufnehmen, trainieren und sogar meine Ranch für das Event zur Verfügung stellen. Dass Menschen so anstrengend sein konnten, wurde mir erst mittendrin klar.

      "Alle wissen was sie zu tun haben? Heute sollen, wenn alles gut geht, alle Eventpferde mit ihren Besitzern und ihren engsten Vertrauten zurückkommen. Jedes Pferd bezieht eine der Paddockboxen am Reitplatz, wahlweise auch im Stall, falls es einigen draußen zu kalt sein sollte, man weiß ja nie, Kanada hat ein anderes Klima.", erklärte ich meinen Mitarbeitern und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Seid bitte alle hilfsbereit, bietet eure Hilfe auf jeden Fall dann an, wenn ihr seht, dass jemand sie nötig hat. Seid freundlich, sprecht mit den Teilnehmern. Aber vergesst bitte um Himmels Willen nicht eure Aufgaben hier auf dem Hof. Es ist alles eng getaktet, wenn morgens schon etwas schief läuft, wirkt sich das auf den ganzen restlichen Tag aus. Ein frohes Arbeiten!"
      Und dann ging es los... nach und nach reisten alle an, bezogen ihre Boxen und wuselten auf meiner Ranch herum. Immer wieder zwischendurch hörte ich meinen Namen, oder Anreden, um meine Aufmerksamkeit auf die Fragenden zu ziehen. "Natürlich haben wir koffeeinfreien Kaffe.", sagte ich zu einer jungen Frau und begleitete sie in die Küche des Haupthauses. "Sie können die Packung gerne mit in ihre derzeitige Wohnung holen, dann müssen sie nicht immer hier herüber kommen, und ihn sich hier machen.", erklärte ich ihr freundlich, schob sie aber mehr oder weniger bittend aus meinem Haus heraus. Dass ich ein sturköpfiger Eigenbrödler war, war nichts neues. Dementsprechend hatte ich es wohl am schwersten, mich an den ganzen Trubel hier zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz wollte ich mit dem Training meiner Pferde auch ein bisschen weiter kommen, so dass ich mich gegen Nachmittag auf dem kleineren Reitplatz befand und meinen Hengst Vulture warm ritt. Ich konzentrierte mich auf den Hengst und nahm das leise Räuspern am Zaun zu erst nicht wahr. Erst als es lauter wurde und eine junge Frau meinen Namen sagte, hellten sich meine Züge ein wenig auf. "Johanna!", sagte ich mit aufhellenden Zügen und trabte Vulture auf sie zu. "Ich hab gar nicht mitbekommen, dass du angekommen bist. Hast du Conti schon untergebracht? Wie macht sie sich?", fragte ich sie und klopfte Vulture gegens Vorderbein, damit er aufhörte, im Sand zu scharren. "Gut, gut. Sie hat sich sofort auf ihr Heu gestürzt. Aber wo hast du denn deine Witch? Ich hab sie noch gar nicht gesehen hier.", fragte sie mich, was mich kurz zum Auflachen brachte. "Witch steht hinten im letzten Stall in ihrer gewohnten Box. Hab sie schon eine Weile vom Trubel weggestellt, damit nicht alle auf die Idee kommen, sie sich sofort angucken zu gehen. Ich hab in den Ställen nichts zu verstecken, viele Pferde sind eh nicht im Stall. Aber ich mag es nicht so, wenn überall fremde Leute herumlaufen. Deshalb dachte ich, bis zum letzten Stall würden sich die wenigsten vorkämpfen. Dann hab ich auch später meine Ruhe, sie fertig zu machen.", erwiderte ich schulterzuckend. "Macht Sinn.", meinte Johanna und fragte, ob sie mir noch kurz zuschauen dürfte. Ich nickte und trabte meinen Hengst wieder an, ehe ich ihn auf dem Zirkel angaloppierte. Johanna blieb ein paar Runden, ging dann jedoch wieder ihrer Wege.
      Kurze Zeit später stand Cooper am Zaun und wollte einen Schwamm, ein Tuch und einen Eimer haben. Im Stall hätte sie keinen gefunden. "Ich komm mit und zeig es dir.", erklärte ich und ritt zusammen mit ihr zum Stall. "Kannst du ihn kurz halten?", fragte ich sie und ließ sie mit meinem Hengst draußen stehen. Den Stall hätte ich nie betreten sollen, denn sofort kam mir Octavia wild gestikulierend entgegen. Energisch zog sie mich am Arm hinter sich her auf die Toilette. "Bist du bescheuert? Sattelkammer vielleicht? Aber Toilette?!", fragte ich sie, nun auch mit den Armen fuchtelnd. "Die sind überall, nirgends ist man vor ihnen sicher!" "Wie war das mit dem freundlich sein?", fragte ich sie mit hochgezogener Augenbraue und klopfte ihr sachte auf die Schulter. "Du kannst jetzt das Mädchen für alles sein, ich verzieh mich!", quietschte sie, öffnete die Tür der Toilette und ließ mich mit einem verwirrten Blick zurück.
      Als ich aus der Toilette heraustrat, wusste ich genau, was sie gemeint hatte. Vor mir hatte sich ein kleiner Ball aus Menschen gebildet, alle sagten meinen Namen oder sprachen mich mit einer anderen Anrede an. "Einer... nach dem Anderen.", sagte ich, zog einmal scharf die Luft ein und setzte ein kleines, gequältes Lächeln auf. Ich hatte es so gewollt und ich hatte es gerne so gewollt.
      Pflegebericht für: Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, A Shining Chrome, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Soul of a Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Abadon all Hope, Kisshimbye, Easy Going, Chou, My sweet little Secret, I'm a Playboy, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace, Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Ceara Isleen, Tigres Eye, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
    • Veija
      Little moments
      Februar 2020, by Veija & Ravenna
      Caleb
      Ich saß zusammen mit meinen Mitarbeitern am Frühstückstisch und genoss meinen Kaffee und die Ruhe. Alle Arbeiten für den heutigen Tag waren eingeteilt und so konnte jeder nun stillschweigend sein Essen genießen. Zumindest so lange, bis Betsy die Treppe hinab gestürmt kam und mit ihrer kindlichen Quietschestimme rief: “Schnee! Leute es schneit! Ooooh… es ist ja alles weiß!” “Hat ja auch die ganze Nacht geschneit.”, murrte ich und sah sie über meine Kaffeetasse hinüber an. “Ich schnapp mir sofort Sue und geh mit ihr ausreiten!”, trällerte sie, ehe sie den Raum und schließlich das Haus verließ, was ich am Zuknallen der Haustür bemerkte. “Hat jemand Zeit mit ihr ausreiten zu gehen?”, fragte ich in die Runde. Octavia nickte und stand sofort auf. “Raspberry würde ein Ausritt mal wieder gut tun.”
      Octavia verschwand ebenfalls aus dem Haus. Seit Sue gekrönt war, war ihr Wert um einiges gestiegen. Sie gehörte zwar noch immer Betsy, aber sie durfte nicht mehr alles alleine mit der Stute machen. Leider war Sue nicht tragend, dafür aber einige andere Stuten. 2020 würde das erste Jahr werden, in dem Zuchtfohlen verkauft werden würden. Es stand noch nicht fest, welche Fohlen weggehen würden. Welche allerdings behalten wurden, das stand schon lange fest. Ein Fohlen aus Lena und Gangster würde bleiben, Devils Fohlen würde bleiben und das Fohlen aus der Leihstute Aerith und Hollywood. Ebenso das Fohlen von Tainted Whiz und dem Fremdhengst Dissident Aggressor.. Das Fohlen von Ginny und Barbie war sogar schon reserviert worden von einer alten Bekannten. Zur Zeit war ich sogar ein wenig auf der Suche nach einem Zuchtpartner. Was sich da ergeben würde, das stand noch in den Sternen. Was jedoch sicher war, dass wir diesen Winter über die neuen Jungpferde anreiten würden. Octavia hatte einiges wobei sie meine Hilfe brauchte und auch bei den Westernpferden der Ranch war einiges vom Jungpferdestall in den Hauptstall umgezogen. Auch das Training der anderen Pferde würde im Winter nochmal aufgenommen werden, so dass wir nächstes Jahr mit einer guten Stückzahl in die Turniersaison starten konnten. Die Zuchthengste, die personalbedingt dieses Jahr leider viel zu viel gestanden hatten, würden auch wieder an den Start gehen und die Ranch präsentieren.
      Ich überlegte auch, im März oder April ein Westernturnier hier auf der Ranch zu organisieren, nachdem der ganze Trubel um das Joelle Horse Makeover vorbei war.
      Ich trank meinen letzten Schluck Kaffee und sah nochmals in die Runde. Heute war der 31.12., das Jahr war vorbei. Viel hatte sich seit dem letzten Jahr hier nicht getan.
      Dass sich im nächsten Jahr allerdings einiges ändern würde, das stand schon lange fest. Ich hatte mich endlich entschieden, was ich mit meiner eigenen Ranch anfangen wollte. Westernpferde. Turnier, Zucht, Freizeit.
      Dafür mussten uns natürlich einige Tiere verlassen. Mit Octavia hatte ich ewig lange hin und her überlegt und diskutiert, welcher ihrer Tiere weggehen würden, und… ob überhaupt Pferde von ihr uns verlassen würden. O war dem Ganzen jedoch absolut nicht abgeneigt. Silent Bay, dessen Besitzer bislang immer noch Bellamy gewesen war, wurde auf meinen Namen überschrieben und wechselte recht schnell in den Hauptstall.
      So hatte Octavia nun noch 10 Pferde, die auch fast ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen würden. Neben Pria blieb auch ihre älteste Tochter Colourful Soul, die Halbblutstute von Colour Paint. Ihr letzter Neuzugang, Leuchtfeuer di Royal Peerage blieb auch und zauberte uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, weil wir den deutschen Namen allesamt nicht richtig aussprechen konnten. Raspberry, wer hätte es anders gedacht, blieb auch. Dakota allerdings würde uns verlassen. Sowie eine ganze Menge Englischer Vollblüter. Auch wenn viele den Besitzer wechseln würden, für einige hatten wir auch schon Interessenten, würde Octavia sieben Stück behalten. Pria, wie schon genannt, Tigres Eye, Drama Baby, Candlejack, Culain, Peacful Redemption und Wildfire. Cleavant ‘Mad Eyes’ und Ceara Isleen blieben nach viel Diskussion ebenfalls. Also besaß Octavia weiterhin 12 Pferde, nicht nur 10.
      “Laurence und Cayce bewegt ihr die Stuten heute ein bisschen? Ich kümmere mich mit Bellamy um die Hengste. Murphy du kannst dir Connor schnappen und schaust mal bei den Fohlen vorbei. Fohlen ABC müsste bei allen sitzen, schau mal was sie noch wissen. Joker, Katie und Goldy könnt ihr beide mit in den Hauptstall bringen, für die fängt jetzt der Ernst des Lebens an. O macht ihre Pferde heute ja alleine.”, sagte ich in die Runde und schaute in nickende Gesichter, gefolgt von zustimmendem Gemurmel. “Na dann ab an die Arbeit- und heute Abend feiern wir Silvester!”
      Quietschende Stühle, sich stapelnde Teller und klirrende Tassen. Ruck zuck war der Tisch abgeräumt, alles an seinem Platz verstaut und jeder auf dem Weg nach draußen.



      Ylvi
      Ich trampelte von einem Fuß zum nächsten. Um mich herum hundert andere Menschen, schreie gingen durch die Luft. Sie kamen von den Menschen die auf ihren Pferden die vereiste Straße herunter ritten, aber auch von denen die sie willkommen hießen In der Reitermenge suchte ich nach den Kindern und Louis. Am Strick führte ich einen aufgeregten Ravn, eine entspannte Fylgia. Valravn ließ sich von der Stimmung um ihn herum ziemlich beeindrucken. Ich selbst verspürte einfach nur Ehrfurcht. Der Schauer der sich über meinen Rücken zog konnte aber durchaus auch von der Kälte stammen. Die Gruppe von Reitern wurde begleitet von großen Autos. Louis hatte den Ritt mitreiten wollen. Auch Tschetan war seit beginn an dabei. Kaya hatte den Ritt auf Fylgia begonnen. War jedoch bald zurückgefallen und sichtlich erschöpft gewesen. So hatte sie zwei Tage ausgesetzt. Doch für den letzten Tag hatte sie Tschetan auf Inyan mitgenommen. Jetzt sah ich die drei in den Massen der Reiter. Andere bunt geschmückte Reiter kamen an mir vorbei. Der Chief Bigfoot Memorial Ride fand hier am Wounded Knee sein Ende, an dem am 29.12.1890 das Massaker stattgefunden hatte. Mit Absicht hatte ich mich aus dem Ritt herausgehalten. Soviel Empathie ich auch aufbrachte für Louis, für all die Generationen an Lakota vor ihnen, ich gehörte nicht zu diesem Volk. Anders als Louis und seine Cousins. Trotzdem erfasste mich das Gefühl der Gemeinschaft, kleine Tränen rannen mir über die Wangen. Ich sah verfrorene Kinder in schlechter Kleidung, auf abgefressenen Ponys. Unter ihnen fielen meine 4 Exemplare natürlich auf. Louis ritt Gwenny auf blankem Rücken. Was wohl ihre Vorbesitzer sagen würden, wenn sie das gekörte Vollblut ihr zwischen den “Indianerpferden” umher rennen sahen? Ich verschob den Gedanken nach hinten. Es ginge sie ohnehin nichts an. Ein schreiender, aber grinsender Tschetan ritt an mir vorbei, Kaya winkte begeistert von ihrem Platz vor ihrem Bruder. Ich winkte zurück. Louis ritt vorn. Er war einer der Standartenträger. Sein Gesicht war bemalt. Völlig schwarz mit weißen Punkten. Zu alten Zeiten hätte er mit diesem Gesicht schrecken bei weißen Siedlern erzeugt. Mich hatte es zunächst auch erschrocken. Dann hatte er mir von seiner Vision erzählt. Das seine Bemalung eine starke Medizin besaß. Im Galopp ritten sie auf das verschneite Feld. Die Träger der Standarten in der Mitte, während der Rest der Reiter um sie herum ritt. Trommelschläge erschollen und die ganze Situation war völlig losgelöst.
      Die anschließende Ansprache, das Gebet ...das ging wie im Traum an mir vorbei, nicht allein da sie in Lakota gesprochen wurde. Wie viel verstanden wohl die beiden Kinder? War ich nicht in der Nähe dann sprach Louis oft mit Tschetan in ihrer Sprache. Da Kaya nach wie vor nicht sprach. Konnte ich nicht viel zu ihren Sprachkenntnissen wissen. Schließlich hoben alle die rechte Faust. Die letzten Worte kamen auch an meine Ohren. “May the 7th generation rise!”

      3 Stunden später saßen alle im Auto. Auf dem Hänger standen wieder 4 Pferde, mit denen wir von der Pine Ridge Reservation aufbrachen. Gwenny und Inyan waren sicherlich froh über diese Ruhe. In den vergangenen zwei Wochen waren sie täglich mehrere Meilen gelaufen. Auch meine Fylgia hatte diverse Kilometer bestritten. Valravn war jediglich von mir bewegt worden, musste aber mit da wir ihn nicht allein zurücklassen wollten. Vor uns lag nun eine 1500 Kilometer lange Reise um noch vor dem Jahreswechsel zurück auf der Bow River Ranch zu sein. Während wir zunächst beim Horse Makeover geholfen hatten, waren wir Mitte November aufgebrochen um Verwandtschaft der Kinder in Pine Ridge zu besuchen. So war dann auch Louis eingeladen worden den 200 Meilen Ritt mitzumachen. Beide Kinder hingen in ihren Sitzen und schliefen. Ich fuhr, während ein sehr müder Louis auf dem Beifahrer hockte. “Herrlich, wenn die Füße zum ersten Mal wieder richtig auftauen.” ich sah ihn skeptisch von der Seite her an. “Herrlich? Ich hab das als äußerst schmerzhaft in Erinnerung.” Louis zuckte die Schultern, streckte die Zunge raus. “Schlaf ruhig ein wenig. Dann wechseln wir wenn du wach bist.”
      Mittlerweile hatten alle 4 Ponys eine unfassbare Routine mit langem stehen auf dem Hänger, ich selbst mit dem Fahren. Dem Ziel sah ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich freute mich wahnsinnig darauf alle wieder zu sehen. Die Arbeit auf der Ranch fing an mir zu fehlen. O hatte uns zurückgebeten. Sie wollte die Familie beisammen Wissen wenn der Jahreswechsel von statten ging. Wir hatten zunächst gezögert. Uns aber schlussendlich dafür entschieden. Früher oder später mussten wir Caleb wieder unter die Augen treten um eine Einigung zu finden. Durften wir mit unseren Pferden auf der Ranch bleiben? Würde unser Leben dort fortgesetzt oder mussten wir uns insgesamt ein neues Heim suchen? Besonders der Kinder wegen würde uns eine solche Entscheidung Calebs sehr treffen. Ich hoffte nur O hatte unsere Anwesenheit zur Silvesterfeier nicht verheimlicht.

      Caleb
      ‘Hier stand ich nun. Alleine. Gefangen in meinen Gedanken. Unfähig, etwas zu fühlen oder richtig darüber nachzudenken, was passiert war. Ich hatte alles, alles was ich mir im Leben erträumt hatte. Zwar hatte ich Träume anpassen müssen, um jetzt hier zu sein und meinen Weg nicht nur einmal geändert, aber ich war dort angekommen, wo ich sein wollte. Dennoch hatte es nicht gereicht. Es hatte ihr nicht gereicht. Ich hatte ihr meine Welt zu Füßen gelegt, ja sogar meine Welt für sie umgekrempelt, mich für sie verändert, war ein besserer Mensch und sogar Liebhaber geworden. Romantik? War für mich lange Zeit undenkbar gewesen. Liebe? Wir hatten uns beide kennen gelernt, als wir als “emotional unbrauchbar” abgestempelt worden waren. Ich hatte mich ihr zu schnell geöffnet, war mit Anlauf ins kalte Wasser gesprungen und hatte ihr Platz in meinem Herzen geschaffen. Ich war aufs Ganze gegangen, weil ich gedacht hatte, mit ihr wäre es anders. Mit ihr könnte ich es schaffen. Wir könnten es schaffen.
      Schneller als es mir bewusst gewesen war, wurde ich eines besseren belehrt. Nun war es vorbei. Sie hatte sich für jemand anderen entschieden. Jemanden, der ihr das geben konnte, was sie wohl brauchte und in mir nicht gefunden hatte. Wir waren so gleich und doch so verschieden gewesen. Waren wir einfach nur zwei einsame Seelen gewesen, die sich eine Zeit lang gebraucht hatten? Die sich gefunden hatten, füreinander da gewesen waren, sich aufgebaut hatten und dann wieder alleine fliegen mussten?’
      “Hey Caleb, ist da jemand anwesend?”, riss mich Bellamy aus meinen tiefsinnigen Gedanken. “Ja.. mist…”, murmelte ich und griff schnell nach vorne, damit mit die Mistgabel nicht ganz aus den Händen glitt. In letzter Zeit dachte ich immer weniger an Ylvi… und Louis. Aber jedes mal wenn ich daran dachte, hatte ich die gleichen Gedanken. Ich sah den Schlag, den ich Louis verpasst hatte vor mir, sah sie Beide die Ranch verlassen und eine kleine Stimme in mir hatte sich gewünscht, dass sie nie wieder kommen würden.
      Aber ich hatte überreagiert. Jetzt, fast 3 Monate später, war ich mir wirklich sicher, dass ich überreagiert hatte. Aber so war ich leider. Auch nach 26 Jahren, die ich nun auf der Welt war, war ich noch immer genau so, wie ich als Kind gewesen war. Aufbrausend, schnell wütend, nachtragend, impulsiv, emotional. Ich schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete dann langsam meine Lider. Bellamy war eine Box weiter gegangen. Er wusste mittlerweile, dass er mich manchmal besser mit meinen Gedanken in Ruhe ließ. “Heute kommen Louis und Ylvi wieder, oder?”, fragte ich ihn plötzlich und sah, wie er kurz zusammenzuckte. “Ja. Heute Abend. Um zusammen ins neue Jahr zu feiern. “Na hoffentlich küssen sie sich um Mitternacht nicht. Sonst muss ich Louis wieder eine reinhauen.”, sagte ich und grinste Bellamy an. Dieser wusste zu erst nicht, ob er lachen sollte, oder nicht. Entschied sich dann jedoch zu einem Lächeln. “Naja, ich hoffe natürlich nicht. Einmal reicht.”, meinte er schulterzuckend und drehte sich dann um, um die Box weiter zu misten.
      Nach etwa einer Stunde waren wir mit dem Hengststall fertig. Meine Gedanken hatte ich wieder beisammen und war sogar ein bisschen besser gelaunt. Zumindest solange, bis ich vor dem Haus den Truck von Louis sah. Ich blieb stehen, schluckte einmal- setzte dann jedoch meinen Weg fort. Ich konnte nicht ewig vor ihnen davonlaufen.


      Ylvi
      Ich war gespannt auf die Feier am Abend. Ich hatte Caleb gesehen. Wie er stehen geblieben war, den Blick gerichtet auf den Wagen, dann in Richtung Wohnhaus. Er hatte mich hinter den Gardinen nicht sehen können. Nur kurz, dann war er weiter in Richtung Haupthaus gegangen. Das wir dort oben eingezogen waren schien mir beinahe wie in einem Traum fort zu sein. Mit Louis war es anders. Schon allein wegen der Kinder. Tschetan und Kaya waren unsere Aufgabe. Gerade Kaya kostete Kraft. Langsam führte ihre Stummheit in der Schule zu Problemen. Wir mussten sehen, das sie nicht unterging. Die Lehrer schickten uns zu Psychologen. Gleichzeitig hatte ich beschlossen mehr auf der Ranch zu tun. Als Trainer einzusteigen, hatte bereits in unserer Auszeit einige Aufträge erledigt. Ich hatte Blut geleckt. Das neue Jahr stand also bereits mit vielen Neuerungen vor der Tür. 2019 war geradezu an mir vorbei gerauscht so viel war geschehen.

      Für: Abadon All Hope, Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, A Shining Chrome, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Chou, Kisshimbye, Tortured Witch HMJ 6693, Easy Going, My sweet little Secret, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Dakota, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Absolute Bullet Proof, Magic Lanijos, Ceara Isleen, Tigres Eye, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Tasmania, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx,Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Picture of a Ghost, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace
    • Veija
      Fohlenzeit & die vergessene Einladung
      April 2020, by Veija
      Caleb
      “Post für dich”, sagte Bellamy und legte mir die neuen Briefe auf den Schreibtisch. Er zog sich einen Stuhl zu mir herüber und setzte sich mir gegenüber.
      Ich verbrachte in letzter Zeit Minuten, wenn nicht Stunden an diesem Tisch. Anfangs hatte ich gedacht, wenn ich jeden Tag ein paar Minuten hier verbringen würde, wäre das vollkommen ausreichend und ich bekäme alles erledigt. Dem war leider nicht so, so dass ich mir zwischen der ganzen Arbeit regelrechte Bürotage einschieben musste. Tage, an denen ich nicht reiten konnte. Zum Glück hatte ich ein tolles Team, welches meine Trainingspferde auffing. Zusätzlich waren ja nun Brian und Aimee eingezogen. Brian würde mich ebenfalls bei den Westernpferden unterstützen, Aimee würde Octavia ein wenig unter die Arme greifen, sobald sie sich näher kennen gelernt hatten. Ich war mir sogar sicher, dass die Beiden heute Mittag zusammen ausreiten gehen wollten. “Bellamy kann ich was für dich tun?”, fragte ich den jungen Mann irgendwann und schaute von meiner Post hoch.
      “Nein. Nein eigentlich nicht. Ich wollte nur eine kurze Pause machen und dachte mir, ich setzte mich zu dir”, meinte er schulterzuckend. “Und treibe dich ein bisschen in den Wahnsinn.”
      Ich lachte. “In den Wahnsinn treiben? Womit denn?”
      “Indem ich dir bei deiner wirklich aufregenden Arbeit zuschaue, die ich zum Glück nicht mehr machen muss.”
      Kurz schloss ich die Augen und schüttelte lachend den Kopf. “Sei froh”, murmelte ich und sah ihn wieder an. “Eigentlich… wenn du schon hier bist und nichts zu tun hast, kannst du dich auch nützlich machen. Ich hab hier eine Liste für den Store in Calgary und hab eigentlich keine Zeit, selbst einkaufen zu fahren. Würdest du das erledigen?”, fragte ich ihn und Bellamy nickte. Ich gab ihm die Liste und das Geld, ehe er auch schon aufstand und mein Büro verließ. Draußen sah ich ihn in meinen Pick Up einsteigen und den Hof verlassen. Dann widmete ich mich wieder meinem Papierstapel. Es dauerte eine Weile, bis ich die ganzen neuen Kaufverträge und Pässe einsortiert hatte, aber damit war meine Arbeit für heute erledigt und ich konnte raus zu den Pferden gehen.
      Ich wollte heute mal wieder ein wenig mit Smart Lil Vulture auf dem Platz trainieren. Er war mittlerweile so gut wie eingeritten. Ein paar Feinheiten fehlten noch, aber im Großen und Ganzen machte er seine Sache wirklich gut. Vulture konnte ziemlich oft ein riesen Dickschädel sein, was das Training manchmal mehr als schwierig gestaltete.
      Auf dem Weg zum Stall begegnete mir Betsy mit Black Sue Dun It, die sie gerade auf die Koppel brachte. “Caleb wann ist es denn endlich soweit und das Fohlen kommt?”, fragte sie mich aufgeregt.
      “Es kann nicht mehr lange dauern”, meinte ich zu ihr und streichelte der schwarzen Stute kurz über die Nase. Sue war von unserem Hengst Alan’s Psychedelic Breakfast tragend. Ich rechnete sehr stark mit einem Rappfohlen, aber für eine Überraschung war ich immer offen. Farbe würde es dieses Jahr auf jeden Fall genug geben.
      Schade war nur, dass Raspberry nicht aufgnommen hatte. Octavia hatte sich dieses Jahr so sehr auch ein Fohlen gewünscht, neben den ganzen Westernpferdfohlen. Ihr Culain war auch nicht mehr klein, sollte dieses Jahr angeritten werden. Auch Leuchtfeuer di Royal Peerage war schon ein Jährling und hatte eine stolze Größe erreicht.
      Unser Nachwuchshengst Dual Shaded Ace war schon fast zweijährig, Blue Fire Cat dagegen eine stolze Jährlingsstute. Im selben Alter war die vor kurzem Angekaufte Stute A Walking Dignity. Sie war aus der selben Zucht wie A Walking Honor und versprach ein guter Allrounder zu werden.
      Betsy und Sue waren mittlerweile auf der Koppel angekommen, auf der die anderen tragenden Stuten auch schon standen. Sie kamen morgens raus und abends wieder rein, damit jede Stute nachts ihre Ruhe hatte. Ich ging auch stark davon aus, dass die Fohlen vor allem nachts kommen würden. Unter der ganzen Herde fehlte mir aber eins. Face Down. “Betsy wo ist Face Down?”, fragte ich das Mädchen und schaute nochmal über die Koppel. Sie setzte gerade zu einer Antwort an, da hörte ich Laurence’ Stimme hinter mir.
      “Caleb komm schnell in den Stall!”, war die kurze und knappe Aussage des Mannes.
      Ich nahm wortwörtlich meine Beine in die Hand und rannte in den Stall, wo schon unser Tierarzt in Face Downs Box stand und ihr eine Infusion setzte.
      “Wieso hast du mich nicht gerufen?”, knurrte ich fast und ging neben der Stute in die Knie. Betsy stand an der Boxentür und wollte auch zu der Stute kommen, ließ sich aber unwirsch von mir abwinken und blieb stehen.
      Laurence hielt den Beutel mit der Infusion nach oben und schaute zu mir rüber. “Ich hatte gerade die andere Stuten raus gebracht und fing an die Boxen zu misten. Face Down hat sich so seltsam verhalten, weshalb ich sie in der Box beobachten wollte. Vor etwa 10 Minuten ist sie einfach zusammen geklappt, ich hab sofort den Tierarzt gerufen und versucht sie zu beruhigen, da blieb im Moment keine Zeit, auch noch nach dir zu rufen”, entschuldigte er sich kleinlaut.
      Ich nickte, sah zum Tierarzt und beobachtete ihn dabei, wie er die Stute abhörte und dann ein mobiles Ultraschallgerät zu sich rüber zog. Dann herrschte totenstille. Niemand wagte es, auch nur zu atmen. “Wir müssen das Fohlen holen”, sagte der Tierarzt knapp. “Es bleibt keine Zeit mehr in die Klinik zu fahren, wir müssen hier einen Notkaiserschnitt machen”, sagte er, stand auf und lief zu seinem Auto.
      In meinem Kopf rauschte es. Hier einen Kaiserschnitt zu machen war alles andere als üblich und die Chance, dass die Mutterstute das überlebte, war sehr gering. Da brauchte ich den Tierarzt auch nicht nach zu fragen, das wusste ich. Als er wieder in den Stall kam sah er mich an. Ich schluckte einmal, schloss kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete fragte ich ihn: “Was soll ich tun?”
      Dann ging alles ganz schnell. Ich schickte Betsy aus dem Stall, sie solle auf die anderen Stuten aufpassen und mir sagen kommen, wenn etwas ungewöhnlich wäre, ehe Face Down sediert und schließlich narkotisiert wurde. Die ganze Zeit während der OP hatte ich ein mulmiges Gefühl im Magen. Schließlich sahen wir das ganze Ausmaß der inneren Verletzungen der Stute. Eine Arterie war gerissen und die Stute blutete innerlich. Auch das Fohlen schwebte in Lebensgefahr, denn es wurde nicht mehr richtig versorgt.
      Wir schafften es das kleine Fuchsfohlen auf die Welt zu bringen, Laurence hatte die Infusion an der Box aufgehangen und kümmerte sich um das Tier, während der Tierarzt und ich versuchten, die Stute zu retten. Leider ohne Erfolg. Sie verblutete uns vor unseren Augen und wir konnten nichts mehr dagegen tun.
      Ich atmete schwer, verkniff mir meine Tränen. So etwas gehörte leider auch dazu. Es war traurig und tragisch, gerade bei der ersten Stute der kommenden Fohlensaison, aber es passierte.
      Wir drehten uns um und kümmerten uns um das Fohlen, welches Laurence bereits mit Stroh abgerubbelt hatte. Das kleine Tier atmete schwer, die Strapazen der letzten Minuten steckten ihm oder besser gesagt ihr, tief in den Knochen. Das kleine Stutfohlen war eine Kämpferin. Mit Hilfe des Tierarztes wurde ihre Atmung von Atemzug zu Atemzug immer besser, sie richtete sich jetzt sogar ein wenig auf. “Was machen wir denn nun mit dir, kleines Pferd?”, fragte ich etwas überfordert in die Runde und sah vom Tierarzt zu Laurence und dann in… Cayces Gesicht.
      “Caleb.. du.. wir haben noch ein Fohlen. Von Heretic Anthem. Ging grade ganz schnell, ein schönes Buckskinhengstfohlen. Gesund und munter”, verkündete er die gute Nachricht.
      Ich überlegte. Dann schaute ich zum Fohlen, und wieder zu Cayce. “Wir könnten versuchen, ob Aunti das Fohlen hier mit annimmt, sie ist die, die mir am ehesten jetzt einfallen würde, die ein weiteres Fohlen akzeptieren könnte.”
      Cayce nickte. Auch unser Tierarzt schien damit einverstanden zu sein. Wir mussten nur warten, bis die Fohlen standen. Dann brachten wir Aunti mit ihrem Hengstfohlen in ihre Box, ehe wir ihr die kleine Fuchsstute vorstellten. Zum Glück war Aunti eben so wie sie war, denn sie schien die Stute zu akzeptieren und ließ sie sogar nach ein paar vergeblichen Versuchen an ihrem Euter trinken.
      Erleichtert atmete ich einmal auf. Das Hollywoods Silver Dream und das General’s Coming Home Fohlen waren beide wohlauf und es sah so aus, als dass Aunti sich wirklich um beide Fohlen kümmern würde.
      Mit der Mutterstute des Stutfohlens ging alles ganz schnell. Der Tierarzt machte sie provisorisch zu und wir entschieden uns, die Stute auf der Ranch zu begraben.
      Nachdem sich alle mehr oder weniger von ihr verabschiedet hatten, begruben Cayce, Laurence und ich das Pferd auf einer der hintersten Weiden, unter einem Baum. Betsy hatte in aller Eile ein kleines Kreuz gebastelt, welches ich natürlich mitgenommen hatte und nun auf ihrem Grab aufstellte.
      Niedergeschlagen kamen wir wieder beim Stall an. Betsy hatte an der Box Wache gehalten. “Wie schlagen sich die beiden Neuen?”, fragte ich sie.
      “Gut. Wirklich gut. Sie trinken abwechselnd und Aunti scheint sie Beide zu mögen.”
      “Das ist gut. Aber aus dem Schneide sind wir noch lange nicht. Was ist denn mit der Kamera, funktioniert die mittlerweile?”, fragte ich in die Runde und blieb mit meinem Blick an Cayce hängen.
      Dieser kratzte sich verlegen am Kopf und sah aus wie jemand, den man auf frischer Tat ertappt hatte. “Ja die.. gehen. Sind mehrere”, sagte er und zeigte einmal zur Decke, auf die vier Kameras, die jede Box im Blick hatten. “Ich muss sie nur noch auf deinem PC aktivieren.”
      “Und einstellen, dass wir auf jedem Handy Zugriff auf die Übertragungen haben”, merkte ich an und er nickte.
      “Erledige ich sofort.”
      Etwa eine Stunde später war ich endlich mit Vulture auf dem Platz. Ich hatte nicht wirklich die Nerven, viel mit ihm zu machen, weshalb ich nur ein wenig an unserer Kommunikation in den Gangarten feilte. Vulture war zwar ein Sturkopf durch und durch, aber wenn man ihm eine Aufgabe gab, konzentrierte er sich und arbeitete wirklich gut mit.
      Meine vorletzte Aufgabe vor dem Feierabend bestand darin, Bellamy auf den neuesten Stand zu setzen und ihm zu helfen, die Futtersäcke von meinem Pick Up in die Futterkammer zu tragen. Der Einkauf war bitter nötig gewesen, denn als ich das Kaftfutter für die tragenden Stuten portionierte, brach ich den letzten Sack der alten Ladung an. “Warte noch mit dem Reinbringen, bis ich das Futter verteilt habe, das gibt sonst zu viel Stress im Stall, grade mit den beiden neuen Fohlen”, erklärte ich Bellamy. Der junge Mann nickte, schnappte sich Eimer und half mir.
      Nun brachten wir nach und nach die Pferde rein, angefangen bei Tainted Whiz Gun. Die Stute war von einem Fremdhengst tragend, genauer gesagt von Dissident Aggressor von Eddi. Von diesem Hengst hatte ich schon ein paar Nachkomme hier herumlaufen, die sich alle prächtig entwickelten. Dissident war jedoch nicht das einzige Fremdpferd, wir hatten die Leihstute Aerith von Tassila, von unserem Hollywoods Silver Dream decken lassen und erwarteten ein Grullofohlen. Wenn es eine Stute werden würde, hätten wir vermutlich schon eine tolle Kombination mit dem Junghengst Ace.
      Als nächstes folgten GRH’s A Gun Colored Lena und Wimpys Little Devil. Beide waren von dem vielversprechenden, erst vor kurzem gekörten Hengst Gunners Styled Gangster tragend. Bei dieser Anpaarung erwarteten wir viel Farbe, und Potenzial!
      Gun and Slide wurde auch gleich zweimal Vater. Ihn hatten wir mit Colonels Smokin Gun als auch Raised from Hell angepaart. Wir hofften, dass er bei beiden Stuten seinen unglaublich lieben Charakter weitergeben würde. Alan wurde gleich dreifach Vater. Einmal zusammen mit Sue, worauf Betsy so sehnsüchtig wartete, eimmal mit DunIts Smart Investment und noch mit Bella Cielo. Auf die Bella und Candyfohlen war ich ja ziemlich gespannt, so war Candy ja eine Tochter von Bella. Würde das Candyfohlen nach der Mama schlagen? Oder sogar nach der Oma? Und würde das Bellafohlen Ähnlichkeiten mit Candy haben?
      Nun fehlten noch Baby Doll Melody und Magnificient Crow, dann waren alle Stuten sicher in ihrer Box angekommen. Crow bekam ein Fohlen von General’s Coming Home, eine Halbschwester zu der kleinen Fuchsstute, die heute Mittag zur Welt gekommen war.
      Melody erwartete ein Fohlen von Hollywoods Silver Dream, ein Halbgeschwisterchen zu Auntis Buckskinfohlen.
      Zwei Fohlen waren schon von Anfang an verkauft, und zwar die Fohlen aus der Kombination Ginny my Love und GRH’s Bellas Dun Gotta Gun und Kristy Killings mit Chapter 24. Diese Fohlen würden, wenn alles gut ging, nach dem Absetzen zu Tiara Everdeen aufs Everdeen Acres umziehen.
      Einen Interessenten gab es auch für das Crow und General Fohlen, und zwar von einer Bekannten aus Österreich. Sie wollte jedoch die Geburt abwarten und sich dann nochmal melden. Ganz zum Schluss meiner Runde schaute ich noch bei Heretic Anthem und ihren zwei kleinen Draufgängern vorbei. Ich hatte mir im Vorfeld schon Namen überlegt und im Laufe des Tages mich auf zwei festgelegt. Face Down’s Fohlen, würde den Namen BR Homecoming Queen tragen. Ich hoffte inständig, dass sie es schaffen würde, auch wenn ihre Mutter nicht mehr für sie da war. Aunti und Hollywoods Hengstfohlen bekam den Namen BR Hollywoods Dream Anthem.
      Das war auch meine letzte Aufgabe für heute, die Namen zu beantragen.
      Um diesen stressigen Tag nun endlich ausklingen zu lassen, schnappte ich mir Blue und ging eine Runde mit ihm ins Gelände. Mit Blue an meiner Seite konnte ich endlich die Seele baumeln lassen und meine Gedanken konnten schweifen. Zumindest so lange, bis ich ein Pferd hinter mir wahrnahm. Bellamy war mit Dakota unterwegs. Ich lächelte und verlangsamte Blue ein wenig, so dass die Beiden zu mir aufschließen konnten. “Hast du dir wieder ein Herz für dein Mädchen gefasst?”, fragte ich ihn und er lächelte leicht.
      “Klar, jetzt hab ich ja wieder Zeit für sie. Sie hat lange genug gestanden, wird Zeit, dass sie mal wieder etwas tut”, erwiderte er und strich der Braunen einmal kurz durch die Mähne.
      “Passt der Sattel eigentlich noch, den du damals von Auguri bekommen hast?”, fragte ich ihn und sah zu seinem Pad, das definitiv ein anderes war, nicht das Geschenk von damals.
      “Klar, der passt noch. Hab das Pad aber mal in die Wäsche gepackt, deshalb das andere.”
      Den Rest des Ausrittes verbrachten wir schweigend, ehe wir auf dem Hof wieder getrennte Wege gingen.
      Im Haupthaus angekommen führte mich mein Weg sofort zum Kühlschrank, aus dem ich eine Flasche Bier nahm und mich im Wohnzimmer auf die Couch setzte. Noch vor einem halben Jahr hatte ich hier zusammen mit Ylvi gesessen, gelacht und Bier getrunken. Nun tat sie das zusammen mit ihrem Mann. Mit Louis. Auch wenn ich noch immer sehr wütend war, es half nichts nachtragend zu seiner und einer Zeit hinterher zu trauern, die nie wieder kommen würde.
      Am nächsten Tage würde ich mich einzeln mit ihnen zusammensetzen und über ihre Zukunft hier sprechen.
      Mit diesem Gedanken ging ich ins Bett und wurde vier Stunden später von Cayce geweckt, der diese Nacht ein Auge auf die Stuten haben sollte. “Ich glaube bei Bella geht es los.”
      Verschlafen rieb ich mir meine Augen und sah auf Cayces Handy, auf dem gerade die Liveübertragung lief. “Ist gut, du kannst ins Bett gehen, ich geh in den Stall”, sagte ich zu ihm, zog mich an und ging leise in den Stall. Einige der Stuten waren wach und fraßen genüsslich ihr Heu, Heretic und die beiden Fohlen schliefen. Dann ging ich zu Bella, die ruhig in der Box lag und bei der es nicht den Anschein machte, als gäbe es Komplikationen. Eine halbe Stunde später war das kleine Fohlen auf der Welt. Eine schöne Dunolinostute mit einer Blesse und zwei weißen Beinen hinten. Es dauerte ein wenig, bis das Fohlen aufstand und zum Euter ging. Bella blieb, wie zu erwarten, brav stehen und ließ ihre Tochter trinken.
      Ich ging wieder in Richtung Bett und hatte schon den nächsten Namen im Kopf: BR Sheza Topnotch Babe.
      Nach einem Blick auf die Uhr entschied ich mich jedoch, nicht mehr schlafen zu gehen, sondern dem Vollblütertraining von Octavia beizuwohnen. Wie jeden Morgen kam ein befreundeter Jockey vorbei und trainierte ihre Pferde.
      “Oh Caleb, cool dass du mir helfen willst. Du kannst dir sofort Tasmania satteln und als Track Pony fungieren!”, erklärte sie mir und ich nickte. Wenigstens durfte ich das halbe Westernpferd reiten, und wurde nicht wie letztes Mal auf eines der reinen Vollblüter gepackt. Tasmania war eine Seele von Pferd. Ruhig, hörte einem zu und wurde nur in den seltensten Fällen hitzig und übermütig. Tigres Eye, die Rappstute, sollte zusammen mit der Fuchsstute Drama Baby laufen. Der Jockey ritt Drama und Octavia setzte sich auf Tigres Eye, die ich auch zur Bahn begleitete. Kaum ließ ich den Zügel los, preschte die Stute nach vorne. Tasmania hatte auch das Bedürfnis mitzulaufen, doch ich musste sie sofort runterriegeln, denn wenn sie sich das einmal angewöhnte, dass sie selbst rennen durfte, bekamen wir das nicht mehr raus. Von weitem sah ich wirklich gut, dass die beiden Pferde auf dem selben Niveau waren. Sie liefen Kopf an Kopf und preschten auch gemeinsam durchs Ziel.
      Die nächsten Pferde waren Peacful Redemption, Candlejack und Wildfire xx, die Os Jockey allerdings nacheinander einzeln ritt. Auch blieb ich mit Tasmania eher im Hintergrund, um die Hengste nicht abzulenken. Die letzte Stute für das morgendliche Training war Priamos Ruffia Kincsem. Sie lief mittlerweile auf S* und war damit das am Meisten trainierte Pferd der Ranch. Sie würde vermutlich noch eine Saison laufen, dann würde Octavia sie in die Reitpferdkarriere schicken. Nach drei wirklich guten Nachkommen, wovon eines noch in Octavias Besitz war, war es Zeit für etwas neues.
      Prias Colourful Soul, die älteste Tochter von Pria, befand sich zur Zeit in der Ausbildung. Sie war von Friese eingeritten worden und erhielt wirklich hochklassiges Training von Rhapsody.
      An das Training von ihr war Octavia nicht einfach so gekommen, sie hatte ihr ihren Seattle Slew verkauf und im Gegenzug zwei Trainingseinheiten bekommen.
      Wer auch wieder da war, war Flashlight. Sie hatte eigentlich einen tollen Platz gefunden gehabt, aber manchmal kam es eben leider anders, als man es gerne hätte. Deshalb war sie wieder da und wurde nochmal antrainiert, da sie die letzte Zeit ziemlich gestanden hatte.
      Auch bei Pocahontas wurde das Training langsam aufgenommen. Die Stute war noch immer sehr unsicher und unglaublich fein an den Hilfen, so dass sich O hierzu Hilfe vom DVTS geholt hatte, wodurch sie nochmal eine Reitstunde bekommen sollte.
      Cleavant ‘May Eyes’ stand die meiste Zeit auf der Koppel. So richtig wussten wir nichts mit ihm anzufangen. Aufgrund seiner Stauballergie war es schwierig, ihn in der Halle zu reiten. Octavia hatte vor längerer Zeit eine Anfrage von Luchy Montrose erhalten, dass sie den Wallach gerne erwerben würde. Bis jetzt hatte sie nicht zugesagt, da sie ihn eigentlich behalten wollte. Jetzt stand der Verkauf allerdings wieder zur Diskussion. Neben Dakota, die Bellamy gehörte, hatte Octavia sich auch eines der Polopferde behalten. Absolute Bullet Proof. Sie hatte den seidig schimmernden Hengst ins Herz geschlossen und ihn wieder von der Verkaufsliste gestrichen. Auch Magic Lanijos und Ceara Isleen waren noch immer in ihrem Besitz. Beide würden in nächster Zeit Besuch von auswärtigen Trainern bekommen, die sie ein wenig unter die Lupe nehmen würden.
      Nach dem Vollblütertraining ging es für mich auf die Jungpferdekoppel, dort würde ich zunächst bei den jungen Stuten vorbei schauen. Sie liefen alle zusammen auf der Koppel und standen nur ab und zu im Stall, wenn ich sie zum Training eingetragen hatte. Ein Pferd, welches sich besonders gut entwickelt hatte, war Jacks Inside Gunner, aka Katie. Als Jährling hatte sie einen wirklich grausigen Körperbau gehabt. Jetzt als zweijährige war das wieder etwas mehr verwachsen und sie sah nach einem richtigen Pferd aus. Wer in der Truppe wirklich immer als Ruhepol zu den nervösen Stuten galt war die neue, Sweet like Chocolate. So eine Seele von Pferd war mir selten unter die Nase gekommen. California Rose machte ihr da starke Konkurrenz, aber gegen Layla kam sie einfach nicht an.
      Welche zwei ‘Biester’ sich auf jeden Fall gefunden hatten, waren BR Dress to Impress und Special Luna Zip. Ich war mir nicht so sicher, wie lange ich die beiden noch zusammen laufen lassen konnte, denn ihre Kämpfe ähnelten immer mehr Leithengsten, die um Reviere kämpften.
      Wir waren jedoch mit den neuen Koppeln bald soweit, so dass wir die Pferde nochmal neu mischen konnten. Vermutlich würde sich das Theater damit dann geben.
      Als ich auf die Koppel ging, kamen mir sofort Ginger Rose und Colonels Blue Splash entgegen und wollten ihre Streicheleinheiten abholen. In einiger Entfernung machte ich auch die rote Stute, Captains Blue Crystal aus.
      Izzie und Luna bequemten sich irgendwann dann auch, zu mir zu kommen und zu schauen, was ich denn da machte. Als Gun Sophie schließlich auch zu mir kam, musste Izzie sie natürlich sofort wieder verjagen. “Du bist ein dämliches Biest”, fluchte ich und klatschte einmal laut in die Hände, um die Aufmerksamkeit der Stute auf mich zu lenken. Ich ging einmal um den kleinen Pulk herum, um mir auch Sophie anzuschauen. Sie hatte von gerade eben eine kleine Macke an der Kruppe, wo Izzie sie mit den Zähnen erwischt hatte. Ich hatte dummerweise gerade kein Blauspray dabei, segnete den Biss und das bisschen Blut aber nicht als wirklich schlimm ab.
      Um zu den Junghengsten zu kommen, musste ich einmal quer über die Ranch zu den Paddocks und Boxen. Fast alle Hengste standen im Training, weshalb ich sie nah an der Halle wissen wollte, damit ich mir sie nicht über die ganze Ranch immer zusammensuchen musste. Vulture hatte ich allerdings auf die Koppel entlassen, denn er hatte die letzten Tage jeden Tag seine Einheit bekommen und hatte sich ein wenig Pause verdient.
      tc Mister’s Silvermoon Cody stand auch auf einer der Koppeln, eben so wie Chic’ N Shine, denn die Pferde sollten erstmal ankommen und sich einleben, bevor das Training losgehen sollte. A Shining Chrome wurde auf die Körung vorbereitet und befand sich im Hengststall, was ich vergessen hatte. Deshalb konnte ich ihn hier gerade auch nicht ausfindig machen. Der erste Paddock, zu dem ich kam war von Chocolate Shades. Der Champagnefarbene Hengst hatte noch keine wirkliche Aufgabe hier auf dem Hof gefunden. Bei ihm stand es auch zur Diskussion, ob wir ihn nicht besser verkaufen würden. Er hatte zwar eine gute Abstammung und eine tolle Farbe, aber wir wollten von Champagnefarbenen Pferden Abstand nehmen, denn das war nicht die Farbe, auf die wir in der Zucht unser Augenmerk legen wollten. Es ging weiter mit GRH’s Funky’s Wild Berry, PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Colonels Golden Gun und BR Colonels Lil Joker. Es war fast eine Schande, dass ich die Hengste nicht mehr zusammen laufen lassen konnte, da sie von klein auf immer zusammen gewesen waren. Aber irgendwann fing der Ernst des Lebens an und es war vorbei mit dem gemeinsamen Spielen auf der Koppel.
      Ich rationierte für jedes Pferd das Kraftfutter, ehe ich die Eimer in die Paddocks stellte und auch selbst ins Haupthaus ging, um etwas zu frühstücken. Wie jeden Morgen waren alle Mitarbeiter am Tisch und frühstückten gemeinsam. Zum ersten Mal seit dem Drama um Ylvi, Louis und mich saßen die Beiden mit Tschetan und Kaya ebenfalls am Tisch. Ich wünschte allen einen guten Morgen, ließ meinen Blick etwas länger als gewollt auf Louis und Ylvi hängen, ehe ich mir eine Tasse Kaffee holte und mich ebenfalls auf einen der Stühle setzte.
      “Ich habe eben nochmal mit Luchy Montrose telefoniert, Mad Eyes ist jetzt doch verkauft. Sie kommt ihn die Tage abholen.”, eröffnete Octavia das morgendliche Gespräch, was am heutigen Tag alles anstand.
      “Wieso verkaufst du ihn jetzt doch?”
      “Er steht hier nur auf der Koppel, richtig was anfangen kann ich leider nicht mit ihm. Luchy meinte beim Kauf von Aelfric schon, dass die Beiden bei ihr drüben ein tolles Team sein könnten”, erklärte Octavia und blickte in zustimmende Gesichter.
      Die nächsten Minuten verliefen weitgehend schweigend, Betsy und Tschetan unterhielten sich ein wenig, Kaya schwieg wie immer. Ich nahm einen weiteren Schluck von meinem Kaffee, ehe ich mich an Ylvi wandte. “Ich würde nach dem Essen gerne noch mit dir sprechen und danach mit Louis.”
      Die Beiden nickten, sahen sich kurz an und widmeten sich dann wieder ihrem Essen. “Cayce schaffst du es heute ein paar mehr Pferde zu reiten? Ich weiß nicht wann ich im Büro fertig sein werde”, fragte ich ihn.
      “Klar, um wen gehts denn? Ich habe bereits… Frosty Lagoon, Lady Blue Skip, Lovin’ Out Loud und Miss Independent. Mit den beiden letzten werde ich nicht lange brauchen, die trainieren wir ja grade erst wieder an. Und Whitetails Shortcut natürlich.”
      Ich überlegte kurz. “Mir wäre es ganz lieb, wenn du GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic und GRH’s Unbroken Soul of a Devil noch unterbekämst.”
      “Klar, kein Problem. Nur bewegen oder richtiges Training?”
      “Du kannst ruhig die Manöver alle mal kurz abfragen, aber ansonsten einfaches Training, nichts kompliziertes.”
      “Alles klar Chef”, antwortete er und stand vom Tisch auf, räumte sein Brettchen und seine Tasse in die Spülmaschine und nickte unserer Haushaltshilfe nett zu. Wir waren wirklich froh, dass wir nun eine hier hatten, die sich um das Essen und den Haushalt kümmerte. “Laurence wen hast du heute auf dem Plan?”, fragte ich meinen ältesten Mitarbeiter, der wesentlich länger überlegen musste.
      “Striga hast du mir eingeteilt, Easy Going, Abadon all Hope, Citizen Fang und Picture of a Ghost.”
      “Könntest du Chou und Jade noch dazu holen? Die könnten ein bisschen Bewegung vertragen. Besonders Chou, weil die bald auf die Krönung soll.”
      “Oh Chou ist auch schon soweit?”, mischte sich nun Betsy ein.
      Ich nickte. “Chou, Aquila, Shanee, Whinney und Chrome. Das sind die nächsten, die wir vorstellen werden”, erklärte ich dem Mädchen und sah ihre Augen aufblitzen. “Ooooh darf ich dann mitfahren?”, fragte sie strahlend und ich nickte. “Klar.”
      “Bellamy wen hast du?”, wandte ich mich nun an den schwarzhaarigen.
      “Rausbringen soll ich Kholáya, Bittersweet Temptation, Snapper Little Lena, ähm.. Zues ist ja schon draußen..Cruel Twist of Fate reiten, Kisshimbye reiten, Tortured Witch HMJ 6693 rausbringen, Cielos rausbringen..Silent Bay kommt auch raus und ähm.. glaube das wars.”, antwortete Bellamy.
      Nun musste ich wirklich überlegen, wer noch übrig war. “Brian könntest du Only Known in Texas, Stormborn, My sweet little Secret und auch I’m a Playboy bewegen?”, fragte ich meinen neusten Mitarbeiter.
      “Ja, wird erledigt.”
      “Bellamy dann brauchst du keinen mehr zu machen.”, meinte ich an den schwarzhaarigen gewandt und drehte mich dann zu Murphy um. “Kannst du Till Death, Chapter 24, Chocolate Dream, Nachtschwärmer und Verdine raus bringen?”
      “Ay.”
      “Gut, dann sind alle Pferde aufgeteilt.”, verkündete ich und stand nun selbst auf, was zur Folge hatte, dass sich der gesamte Tisch in Bewegung setzte.
      Mein Weg führte mich ins Büro. Hinter mir her trottete Ylvi, die sich wohl nicht ganz sicher war, was ich von ihr wollte. Mit einer Handbewegung deutete ich auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch, auf den sich Ylvi auch sogleich setzte. “Caleb.. bevor du etwas sagst.. ich..”, setzte Ylvi an doch ich hob sofort die Hand. Ich versuchte professionell zu bleiben, auch wenn alles in mir schmerzte. Ylvi hatte mich verraten. Nein, eigentlich hatte mich Louis verraten. Mein Freund, meine Familie... Ob ich ihn jemals wieder als meinen Kola bezeichnen konnte?
      “Ylvi ich hab dich zu mir gerufen, damit wir das Geschäftliche klären. Alles Andere hat jetzt hier in diesem Moment keine Relevanz”, sprach ich und sah, wie Ylvi ein kleines Stück in sich zusammensackte. Die Kälte ihr gegenüber in meiner Stimme war sie nicht gewohnt. Ich auch nicht, denn ich hatte mich eben selbst kurz darüber erschrocken.
      “Was sind eure Pläne? Bleibt ihr hier auf der Ranch oder verlasst ihr uns? Ich bin ganz ehrlich. Ich hätte gerne, dass ihr bleibt. Betsy hat sich so mit Kaya angefreundet und auch Tscheta liebt es hier, so wie ich das mitbekommen habe- und ihr leistet hier gute Arbeit.”
      “Wir haben da.. schon des Öfteren drüber gesprochen, Louis und ich. Wir würden gerne hierbleiben. Ich könnte mich wieder vermehrt um die Bilder der Pferde kümmern, um die Website und die Werbeaktionen für die Ranch. Außerdem könnte ich dir im Büro ein wenig unter die Arme greifen… und… ich würde gerne vermehrt als Trainer einsteigen”, antwortete Ylvi und ich nickte.
      “Okay. Die Arbeit im Büro müssen wir sehen, im Moment hält es sich in Grenzen. Wie Website kannst du ja vom Laptop aus machen, dazu brauchst du das Büro auch nicht”, grübelte ich. Ylvi schien wohl zu verstehen, dass ich sie hier im Büro einfach nicht haben wollte- nett ausgedrückt.
      “Mit dem Trainer find ich allerdings eine gute Idee. Vielleicht kannst du Octavia ja ein bisschen zur Hand gehen? Sie fühlt sich im Moment ein bisschen verloren, du hast da ja auch noch einiges an Erfahrung, was du mitbringst”, meinte ich des Weiteren.
      Ylvi schien zu verstehen, denn ihre Miene hellte sich auf. “Ja klar, gerne mach ich das.”
      “Mit deinem Gehalt müssen wir dann nochmal schauen. Mit deinem Trainerjob… bei den anderen Mitarbeitern von mir ist es so, dass 25% der Ranch zu Gute kommen und die restlichen 75% dem Trainer zustehen. Wäre das für dich ein Problem?”
      Es dauerte eine Weile, bis sie antwortete, denn sie schien nachzurechnen. “Nein. Nein das ist kein Problem. Der Bungalow ist aber doch weiterhin dann kostenlos?”, fragte sie mich und ich nickte. “Das wärs auch für erste”, meinte ich und schaute kurz zur Tür. Ylvi stand auf, erst zögerlich, dann entschlossen. Sie schien noch etwas sagen zu wollen, entschied sich dann jedoch, mein Büro zu verlassen. “Schickst du mir Louis?”, fragte ich sie, als sie gerade bei der Tür angekommen war. “Ja”, war ihre knappe Antwort, ehe sie aus meinem Sichtfeld verschwand.
      Wenig später tauchte Louis auf und setzte sich nach einer Handbewegung meinerseits auf den freien Stuhl vor meinem Bürotisch. Er schwieg, ich schwieg- und so saßen wir eine Weile da. Dann setzte er, genau wie Ylvi zuvor an: “Caleb ich... “ Doch ich hob erneut die Hand. “Ich hab dich zu mir gerufen, um über deine Arbeit hier auf der Ranch zu sprechen. Von Ylvi habe ich erfahren, dass ihr hier bleiben wollt.” Louis nickte. “Ich möchte gerne nochmal als Rancharbeiter mehr tätig werden und auch hier mehr unterstützend zur Hand gehen. Außerdem wollte ich mich anbieten, auch beim Training der Pferde ein ein wenig zu helfen. Zwar nur für die zur Ranch gehörenden Pferde, aber ich denke, dass ich da dennoch ein wenig helfen kann und Arbeit abnehmen kann.. außerdem…”, fügte Louis noch an. “Hätte ich noch jemanden… der hier gerne arbeiten würde. Vor allem mit den Whiteface Rindern hast du ja viel zu tun und da könnte er.. also Logan dich unterstützen.” Logan… bei diesem Namen klingelte etwas in meinem Hinterkopf. “Sunka- Logan?”
      “Genau.. Logan Otaktay. An ihn habe ich Sunka verkauft. Er könnte hier ein weiterer Rancharbeiter sein. Er braucht einen Job.. und die eigentlich noch Mitarbeiter, Caleb.”
      “Okay”, antwortete ich ihm. “Sag ihm er soll in nächster Zeit mal zu mir kommen, ich würde mich gerne mit ihm unterhalten.”
      “Er ist im Moment noch unterwegs, in ein paar Wochen ist er wieder hier, dann kann er mit dir sprechen”, erwiderte Louis. Er setzte erneut an und ich wusste genau, was nun folgen würde. “Caleb es tut mir Leid. Für das, was Ylvi und ich dir angetan haben…”
      “Louis ich kann nicht”, antwortete ich kalt und stand auf. Mein Blick ging aus dem Fenster. Ich schaute auf den Hof, auf dem reges Treiben war. Ein Pferd hier, ein Mitarbeiter da, eine Heuballe hier…”Ich kann einfach noch nicht. Ich kann dir nicht verzeihen, und ich kann es nicht versuchen. Ich möchte euch hier behalten, euch zu verlieren kann ich nicht ertragen. Aber... ich kann euch nicht verzeihen.” Damit wollte ich das Gespräch beenden, doch Louis schien einfach nicht gehen zu wollen. Stattdessen machte er einen Schritt auf mich zu und griff nach meinem Arm. “Kola…” Ich riss mich von ihm los, machte einen Ausfallschritt nach hinten und funkelte ihn an. “Raus.”
      Louis seufzte tief. Ihm war bewusst, dass er ihn verletzt hatte. Ihm war nur nicht bewusst, wie tief die Verletzung ging. Nicht sicher, ob er noch etwas sagen sollte oder nicht, drehte er sich langsam um und ging auf die Tür zu. “Wenn.. wenn du deinen Schmerz überwunden hast, sprich bitte mit mir. Ich möchte es dir erklären.” Mit diesen Worten verließ der Lakota mein Büro und ließ mich hier alleine zurück.
      Es vergingen ein paar Wochen. Ich dachte viel nach, kam jedoch zu keinem Entschluss, wie ich die Situation in Zukunft handhaben würde.. naja.. ich kam schon zu einem Ergebnis. Ich wollte Ylvi nicht aufgeben. Das war noch nicht das Ende unserer Geschichte, so viel war sicher.
      Der Fohlenboom auf der Ranch ließ mich gar nicht aufatmen. Das Fohlen von Aerith und Hollywood, eine kleine Grullostute mit dem Namen BR Atlantis Dream erblickte als nächstes das Licht der Welt. Sie würde noch ein paar Monate bei Tassila stehen, ehe sie den Weg zu uns antreten würde. Auf die Idee mit der Leihstute war Laurence gekommen. Er wollte unbedingt ein Grullofohlen. Dass auch das Fohlen von Tainted Whiz und Dissident Aggressor, BR Dissident Whiz, ein Grullo sein würde, damit hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet, sondern eher mit einem Braunfalben. Der kleine Hengst war wohlauf und wir freuten uns, dass die anderen Stuten bis jetzt ohne Komplikationen gefohlt hatten.
      Die Gangsterfohlen schienen sich abgesprochen zu haben. Denn obwohl die beiden Stuten nicht alle gedeckt worden waren, erblickten BR Colored in Style und BR Wimpys Bright Gangster fast gleichzeitig das Licht der Welt. Ein Fohlen mehr Splash als das andere, worüber wir uns natürlich sehr freuten! Auch BR General Pleasure, ein schönes Rappfohlen mit einem halb blauen, halb braunen Auge übertraf unsere Erwartungen und voller Freude riefen wir Elsaria an, um ihr von dem tollen Fohlen zu erzählen, welches sie reserviert hatte.
      Unser einziges Appaloosafohlen enttäuschte uns auch keineswegs. Ein schöner Dunskinhengst mit einer weißen Kruppe und ein paar Pünktchen fiel aus Baby Doll und Hollywood.
      Für ebenfalls viel Farbe sorgte einerseits BR Raised to Slide, die bunte Stute von Hell und Blue. Ich war wirklich gespannt, ob sie charakterlich eher nach ihrem ruhigen Papa, oder der aufgekratzten Mutter schlagen würde und BR Double Gunslide, eine Hengst aus Gunner und ebenfalls Blue.
      Das Fohlen von Candy und Alan wiederum überraschte uns auch. Denn BR Alan’s Smart Dream, der wegen seiner Haarpracht sofort den Namen Elvis verpasst bekam, gab keinerlei Abzeichen preis. Der Hengst war einfach nur ein Braunfalbe. Ohne die schönen hochweißen Beine oder die große Blesse des Vaters.
      Bei der kleinen Rappstute BR Black Pamina aus Sue und Alan war das Drama groß, als ich Betsy erklärte, dass die Stute einen Abnehmer gefunden hatte. “Sie wird es gut haben bei Zion. Robin ist zum Beispiel ein ganz Lieber, Octavia hat ein Auge auf ihn geworfen… und ich war doch letztens erst dort auf dem Hof für ein Training mit Shanee. Pamina wird doch nicht einfach weg sein, wir können sie besuchen fahren…”, hatte ich versucht Betsy die Situation zu erklären, doch so ganz schien sie nicht davon begeistert zu sein.
      BR Twenty 4 Killings, das Fohlen von Chapter 24, würde in einem halben Jahr nach Evergreen Acres umziehen. Der Papa CHapter würde die Reise schon in ein paar Wochen antreten.
      Und auch das letzte Fohlen BR Lovely Gun würde zusammen mit Twenty 4 weggehen. Ich freute mich riesig, einem befreundeten Hof solch gute Nachzuchten verkauft zu haben.
      Es konnte jedoch auch gut sein, dass wir bald neuen Zuwachs bekommen würden. Ich hatte großes Interesse an dem Schimmelscheckhengst Heza Bat Man gezeigt. Bei ihm wartete ich nur noch auf das Ergebnis der AKU.
      Ein weiterer Neuzugang war allerdings schon sicher. Small Town Dude hieß der Rappe mit der auffälligen Splashed White Scheckung, der jeden Moment ankommen dürfte. Der Hengst war ein wahrer Glücksgriff gewesen. Die meisten Splash Pferde die wir hatten, zeichneten sich durch ihren enormen Dickschädel aus. Nicht so Dude. Beim Besuchen als auch beim Probereiten hatte er sich als wirklich genügsam herausgestellt. Er zeigte ein ähnliches Wesen wie unser Blue, weshalb wir sofort mit einem unschlagbaren Preis zugeschlagen hätten.
      Bei diesem Sprichwort rollte auch schon der Transporter auf den Hof. Cayce und Bellamy hatten sich bereit erklärt gehabt, den Hengst vom Flughafen abzuholen. “Und, alles gut?”, fragte ich die Beiden, als der Wagen angehalten hatte und sie zu mir nach hinten an den Hänger kamen. “Ja, hat alles wunderbar geklappt, kam ganz locker aus dem Flugzeug und ist hier super easy rauf, ein tolles Pferd”, antwortete Bellamy und half mir, die Verriegelungen zu öffnen. Dude wieherte schon aufgeregt und schaute uns neugierig an, als wir die Rampe endlich auf dem Boden hatten. “Willkommen auf der Bow River Ranch”, sagte ich freudig, band ihn los und ging mit ihm aus dem Hänger raus. Sofort hob er den Kopf und ließ nochmal alle wissen, dass er jetzt da war. Ich lächelte. Das waren die schönen Seiten am Pferdeleben.
      Am Abend scrollte ich am Pc durch ein paar Suchanzeigen und traf auf die einer Bekannten. Ethel Evergreen von Evergreen Acres. Sie suchte einen Trainer, der ihre Tochter Tiara ein bisschen unterstützen würde und ihr in einer Woche ein wenig Unterricht geben konnte.
      Da ich sowieso das Gefühl hatte, dringend hier raus zu müssen, rief ich sie an und verabredete mich schon für den nächsten Tag.
      Kurz nachdem ich aufgelegt hatte, klingelte erneut mein Handy. Ich wunderte mich zwar über den Anruf zu später Stunde und über die fremde Nummer, ging jedoch trotzdem dran. “O’Dell, Bow River Ranch”, meldete ich mich am Telefon und wartete darauf, dass mein Gegenüber Informationen von sich preis gab.
      “Guten Abend Mister O’Dell. Hier spricht der Veranstalter der Juturity. Haben Sie unseren Brief vor drei Wochen nicht erhalten?” Stille. Ich überlegte fieberhaft, welchen Brief er meinen könnte und wovon der Mann am Telefon redete. “Ich äh.. ähm.. ich…”
      “Ich gehe mal nicht davon aus, ich lasse Ihnen auf schnellstem Weg einen neuen zukommen. Mr. O’Dell warum ich mich melde… Sie sind einer der glückliche Teilnehmer der großen Jututity im Dezember.” Mir stockte der Atem. Natürlich! Von diesem Event hatte ich schon gehört. Welcher Reiter und vor allem Reiner freute sich nicht, an solch einem mit so hohem Preisgeld dotierten Event starten zu dürfen! “Ich??”, fragte ich ungläubig ins Handy und kam mir, sobald ich die Worte ausgesprochen hatte, äußerst dumm vor.
      “Ja Sie, Mr. O’Dell. Im Brief, der sich gleich noch auf den Weg zu Ihnen macht, steht alles weitere drin. Sobald Sie ihn gelesen haben, rufen Sie bitte die dort angegebene Nummer an und geben die Pferde durch, mit denen Sie sich qualifizieren möchten. Wir hören voneinander.” Klack. Völlig verdutzt saß ich hier auf dem Stuhl mit dem Handy in der Hand. Ich hatte mich nicht verhört, das war eben wirklich die offizielle Einladung zur Juturity gewesen. Wahnsinn! Wie lange träumte ich schon davon, einmal dort teilnehmen zu dürfen- und nun war es endlich soweit!
      Ich beschloss allerdings noch niemandem etwas davon zu verraten, zumindest noch niemand hier vom Hof. So lange, bis der Brief da sein würde. Juturity… ein wahrgewordener Traum.
    • Veija
      Richtige und falsche Entscheidungen
      August 2020, by Veija
      Caleb
      Ich stand am Zaun des ehemaligen Paddocktrails von Ylvi. HMJ Saintly, Valravn, Sunka und Inyan tummelten sich dort. Ylvis Stuten Lady Gweny und Fylgia hatten einen neuen Platz gefunden, denn sie konnten schlecht mit den Hengsten zusammen stehen bleiben.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Betsy, die sich an den Hals ihrer Stute Sue (Black Sue Dun It) lehnte und vermutlich wieder weinte. Meine Hand wanderte zu meiner Brust, in der ich, wie die ganzen letzten Tage auch schon, einen schmerzhaften Stich verspürte. Wieso konnte das Leben nicht fair sein?
      Aber lasst mich von Anfang an erzählen.

      Ende April
      “Gleich haben wir es geschafft, Tschetan”, munterte ich den Jungen neben mir im Flugzeug auf, der irgendwie ganz grün um die Ohren aussah. Er war wirklich nicht zum Fliegen gedacht. Ich war mir nicht sicher, ob ihm schlecht war oder ob sonst etwas nicht stimmte, denn er brachte nur ein zusammengepresstes: “Gut”, raus.
      Die Maschine landete, wir durften uns los schnallen und nach wenigen Minuten wurden die Türen geöffnet. Tschetan sprang auf, machte einen Satz über mich drüber und rannte quasi aus dem Flieger raus. Einige der Passagiere beschwerten sich lautstark, Andere sahen mit einem fragenden Blick zu mir. “Dem hat das Fliegen nicht bekommen.” Zack. Das reichte ihnen wohl als Aussage, denn sie sollten mich nicht nerven. Auch ich hatte die Schnauze voll vom Fliegen und freute mich, endlich wieder kanadischen Boden unter den Füßen zu spüren.
      Vom Fach über unseren Sitzen zog ich das Handgepäck zu mir runter, ging zum Ausstieg und übersprang tatsächlich die letzte Stufe der Treppe, um mit einem lauten ‘wumms’ auf dem Boden zu landen. Ich streckte mich, zog einmal tief die Luft ein und hielt dann Ausschau nach Tschetan.
      “Könnten Sie.. ich würde auch gerne aussteigen”, meldete sich eine Stimme hinter mir zu Wort. Ich lachte in mich hinein, ging wortlos ein paar Schritte zur Seite und sah den Jungen in diesem Moment zur Laderampe verschwinden. Von Cayce oder Bellamy oder irgendeinem Mitarbeiter der Ranch, die mit dem Hänger eigentlich schon hier sein sollten, fehlte jede Spur.

      Bellamy
      Ich hatte Caleb zugesagt, dass ich ihn und Tschetan vom Flughafen abholen wollte. Ich war dabei den Pferdehänger an den roten Pick Up Truck von Caleb anzuhängen, als es krachte und ein Reifen des Anhängers in sich zusammen sank. “Mist verfluchter!”
      Keimend richtete ich mich auf, ließ meinen Blick über den Hof schweifen und rief ein paar Mal laut nach Dell. Der Vater von Betsy war ein Ass im Reparieren von allen möglichen Maschinen. Ich hatte ihn schon oft dabei beobachtet, wie er immer wieder Verbesserungen vornahm und Werkzeug, welches vor allem durch Caleb einer riesigen Unordnung unterlag, von ihm neu sortiert wurde. Er wollte seine Arbeitsutensilien alle am richtigen Platz wissen.
      “Deeeeelll!”, rief ich noch einmal laut und schnappte mir mein Handy, um ihn anzurufen. Der Hof war so riesig, dass wenn er bei den Koppeln war, er mich natürlich nicht hören konnte.
      Zum Glück hob er ab. “Dell du musst zum Haupthaus kommen, wollte gerade den Pferdehänger anhängen, da hat sich ein Reifen verabschiedet. Kannst du den tauschen?... Gut… gut ich hol dich ab, ich komm sofort.”
      Wenig später stand Dell zusammen mit mir am Hänger. Er beäugte den Reifen kritisch. “Das dauert eine Weile. Pünktlich kommst du nicht mehr zum Flughafen, selbst wenn ich mich beeile. Du kannst versuchen den Hänger abzuhängen und den kleinen anhängen, aber wollte Caleb nicht explizit den Großen mit viel Platz?”, fragte mich der junge Mann und ich nickte.
      “Ich telefonier mal rum, ob ich was passendes finde.”

      Ylvi
      Mit einem der Trainingspferde von Octavia am Strick hängend bewegte ich mich über den Haupthof der Ranch. Dell, halb unter dem Hänger liegend, der Truck stand herum. Bellamy mit einem genervten Ausdruck im Gesicht, das Telefon an das Ohr gepresst. Lief er wie ein Uhrmännchen hin und her. “Scheiße!” ertönte als er aufgelegt hatte, bei dem Ausruf fuhr ich etwas zusammen. “Was ist denn hier los?”
      “Wir wollten längst los, der Reifen vom Trailer hat sich verabschiedet.”
      “Keinen Ersatz gefunden?”
      “Keiner mit einem ähnlich großen Trailer. Was machst du?”
      Ich hob mein Handy. “Einen Moment.”

      Ich legte auf grinste breit. “Gut dann wollen wir mal los. Ich hab uns einen Trailer besorgt.” Bellamy sah ein wenig ungläubig drein. “Woher?”
      “Du glaubst gar nicht was man für Themen bei öden Elternversammlungen haben kann. Eine Freundin von Betsy und Kaya wohnt ganz in der Nähe...die haben auch einen kleinen Betrieb. Und einen Trailer den sie uns leihen! Los!”
      Eine gute Viertelstunde später befanden wir uns auf der Straße Richtung Flughafen. Ich tippte eine Nachricht für Caleb ins Handy, dass das Unheil abgewendet worden war und wir uns auf dem Weg befanden. Ich wusste nicht ob er die Nachricht lesen würde, aber bisher waren wir nur knapp eine halbe Stunde zu spät. Wenn der Hengst noch immer sediert sein würde, dann gäbe es wohl keine Probleme ihn auf den Hänger zu befördern. Wobei Tschetan am Telefon berichtet hatte das er eigentlich Recht zugänglich wäre. Mich persönlich freute es dass Caleb sich begann mit dem Jungen so gut zu verstehen.


      Caleb
      Auch ich ging zur Laderampe des Flugzeuges und betrat diese wortlos. Tschetan stand neben dem Hengst und streichelte langsam seinen Hals. „Alles gut, Großer. Du hast es fast geschafft und bist dann für immer zuhause.“
      Während die Beiden dort so vertraut miteinander die kurze Stille genossen, suchte ich mir einen der Flughafenmitarbeiter und schilderte ihnen, dass unser Trailer leider Verspätung hatte und es noch etwas dauerte, bis wir abgeholt werden würden. „Kein Problem Mr. O‘Dell“, antwortete mir der junge Mann. „Dieser Flieger muss erst morgen wieder los, Sie haben also alle Zeit der Welt.. naja zumindest bis ich später Feierabend mache.“
      Ich lachte und bedankte mich bei ihm. Mittlerweile, oder besser gesagt wieder, war ich hier bekannt wie ein bunter Hund. Von Calgary aus flog die Ranch alle Pferde ein und aus. Auch die Trainingspferde landeten hier und kamen von hier mit zur Ranch.
      Mein Handy klingelte. Zum Glück hatte ich es vor unserem Flug aufgeladen und währenddessen ausgemacht, so dass ich noch ein wenig Akku besaß. „Hey Tschetan, Ylvi und Bellamy sind auf dem Weg. Es gab ein Problem mit dem Anhänger, aber Dell ist schon dabei ihn zu reparieren.“
      “Okay ist gut”, antwortete mir der Junge.
      Eine gute halbe Stunde später waren die Beiden am Flughafen. Tschetan fiel Ylvi in die Arme und Bellamy klopfte mir kurz brüderlich auf den Rücken. “Gut, dass du wieder da bist.”
      In aller Windeseile, aber dennoch mit der nötigen Ruhe luden wir HMJ Saintly auf den Anhänger und machten uns auf den Heimweg.
      Während der Fahrt erzählten der Junge und ich viel von Schweden. „Nichts für mich. Absolut nichts für mich“, beendete ich die Erzählung und erhaschte einen fragenden Blick von Ylvi, auf den ich jedoch nicht mehr einging, denn wir waren gerade auf dem großen Hof angekommen.
      „Wir stellen ihn auf einen der kleinen Paddocks, evtl kann ihn jemand später in de Stall stellen aber lassen wir ihn zunächst mal draußen“, gab ich die Anweisung und stieg aus dem Wagen aus. Wir luden Saintly aus, stellten ihn auf den Paddock. Die Sedierung wirkte noch immer ein wenig, denn er hob nur leicht den Kopf, sah sich um und ließ ihn dann wieder sinken. “Ihr könnte ihn euch ja noch anschauen, ich muss ins Bett.”

      Ylvi
      Schweden war nicht seine Welt gewesen, oder der Stall dort? Die Frage brannte mir unter den Nägeln. Allerdings wollte ich ihn auch nicht um seinen wohlverdienten Schlaf bringen. Also ließ ich die Frage vergehen, hob die Hand zum Gruß und wünschte ihm eine gute Nacht.
      Er hatte mir gedankt, das ich den Trailer der Rollinsons besorgt hatte. Sonst hatten wir noch nicht viele Worte gewechselt. Es war noch immer ein wenig seltsam. Tschetan neben mir riss weit den Mund auf. “Ich fürchte ich muss auch ins Bett. Der Flug war grässlich. Ich kann mir nicht vorstellen wie einige Menschen gern in diese Blechdosen steigen.” Ich musste schmunzeln. Blechdosen war ein ganz passender Ausdruck.
      “Hoch über den Wolken zu sein hat dir also nicht gefallen?” Tschetan zuckte die Schultern “Vielleicht sollten wir das Fliegen doch eher den Geschöpfen der Luft überlassen. Ich freu mich sobald meine Schenkel wieder den Körper eines Pferdes unter sich spüren. Ich denke morgen nehme ich mir Valravn für einen schönen Ritt in die Berge!” verkündete der Junge und gähnte noch einmal herzhaft.
      Leise schlich er sich in das Zimmer in dem seine Schwester bereits schlief. Demnächst würde es womöglich Zeit das wir aus dieser Schuhschachtel auszogen. Ein Jugendlicher im Zimmer mit seiner jüngeren Schwester wäre wohl auf Dauer ein wenig seltsam.
      Louis saß noch auf der Couch ein Buch in der Hand. Ich ließ mich neben ihn plumpsen, legte meinen Kopf an seine Schulter und überflog die Zeilen die er las, ohne deren Inhalt wirklich in mir aufzunehmen. “Hab Dell vorhin geholfen den Trailer zu reparieren. Anschließend waren wir draußen mit den Mädels. Dell ist Inyan geritten, ich selbst Gweny und die Kids hatten Fylgia und Sue. Hoffe das war in Ordnung?” Ich lächelte “Die Pferde gehören zur Familie, natürlich darfst du auch entscheiden wer wen reitet, du Trottel.”
      “Wen nennst du einen Trottel?”
      “Na dich!”
      Das Buch landete mit einem klatschen auf dem Boden,als er mir seine Hände um die Schultern legte und begann mir seine Hände sanft an den Hals zu legen. Dann spürte ich Küsse auf meiner Nase. “Dein Trottel.” Ich streckte die Zunge heraus.“Dieser Trottel allerdings. Muss nochmal rüber ins Haupthaus. Mein Laptop ist noch da..und einige der neuen Fohlen müssen noch auf die Website. Dazu bin ich vorhin nicht gekommen. Hab im Flur allerdings den Schlüssel nicht gefunden.” Louis legte den Kopf kurz schief.
      “In der Küche auf der Anrichte liegt er rum.”
      “Wenn ich dich nicht hätte.”
      “Dann wärst du Tod. Dein Kopf ist wahrlich nicht der Beste.” ich grinste ihn doof an, streckte die Zunge heraus. Dabei spielte er auf die Aktion auf dem Berg an, der Tag an dem mein Herzschrittmacher versagt hatte.
      Ich schnappte mir den Schlüssel, lief hinüber zum Haupthaus und in das kleine Büro in dem Caleb seine Arbeit verrichtete und in dem seit neustem auch ein Schreibtisch für mich stand. Ich schrak ein wenig zusammen als ich mich umdrehte und plötzlich Caleb im Türrahmen stand.

      Caleb
      Mit meinem Koffer bepackt startete ich meinen Weg in Richtung Haupthaus. Ich öffnete die Tür, trat ein, schloss sie wieder hinter mir und legte meinen Hut auf die Kommode, die rechts neben der Tür stand. Dies war eine so routinierte Bewegung, dass ich zunächst nicht realisierte, dass der Hut von der Kommode auf den Boden purzelte und vor meinen Füßen zu liegen kam. “Was zur…”, fing ich an und wandte meinen Blick nach rechts. Was sich in mein Blickfeld schob, gefiel mir absolut nicht, Hüte. Übereinander und nebeneinander gestapelt. Die Meinen dazwischen. Das gäbe morgen früh am Frühstückstisch eine Standpauke.
      Nichtsdestotrotz fand mein Reisehut dennoch irgendwie einen Platz, so dass ich meinen Weg in mein Schlafzimmer ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen konnte.
      Dort angekommen stellte ich den Koffer in die Ecke, stellte mich an mein großes Panoramafenster und zog einmal tief die Luft ein. Zuhause - und ja, es fühlte sich wie Zuhause an, mit allen Fasern meines Körpers. Endlich. Nach all der Zeit, allen Höhen und Tiefen hatte ich für mich etwas gefunden, das ich so nennen konnte- Zuhause. Etwas unwirklich war es ja schon, dass all das, was ich von hier sehen konnte… und noch so viel mehr, mir gehörte. Die Ställe, die Paddocks, die Weiden… die Pferde, ja sogar die Kühe gehörten mir.
      Eine Sache oder besser gesagt eine Person hatte sich allerdings von mir abgewandt. Ylvi. Ihren Blick im Auto schien ich wohl richtig gedeutet zu haben, denn noch im Ansetzen eines Satzes, hatte sie den Mund wieder geschlossen und kein Wort verließ ihre Lippen. Mist… schon wieder waren meine Gedanken dahin gewandert, wo ich sie nicht haben wollte und von wo ich sie auch nicht so einfach wegbekommen würde.
      Ich seufzte, schlafen konnte ich wohl erstmal vergessen. Also führte mein Weg mich in mein Büro, in dem ich den Rücken einer Frauengestalt wahrnahm. Mein Blick fiel allerdings zunächst auf den zweiten Schreibtisch. Ein… zweiter Schreibtisch?
      Die Frau drehte sich um und ich erkannte Ylvi darin. “Was macht der Schreibtisch in meinem Büro?”, fragte ich sie harsch, ohne auf ihren kurzen Schockzustand einzugehen. Ich war müde, genervt und hungrig- außerdem waren meine Gedanken nicht da, wo ich sie gerne hätte.
      “Na irgendwo musste ich doch arbeiten.”
      “Ist gut, passt schon”, murrte ich, schob mich an ihr vorbei und setzte mich auf meinen Stuhl. Hier fiel mir das Chaos, welches mir schon im Flur begegnet war, wortwörtlich wieder in den Schoß. Beim schwungvollen Hinsetzen knallte ich mit der Lehne an den Tisch, so dass einer der Papierstapel von Bellamy umkippte und sich über mir und dem Boden verteilte. “Verdammter Mist…”, fluchte ich und bückte mich, um die Papierseiten aufzuheben.


      Ylvi
      Wieder diese mürrische Ausdruck um seine Mundwinkel, in seiner Stimme. Offenbar hatte ich den Schreibtisch nicht ihm, sondern vermutlich Bellamy zu verdanken. Ich sah wie er sich setzte, ich sah wie ihm die Papiere zu Boden glitten. Und dann zuckte ich zusammen. Denn es war ein lautes Pochen zu hören, ein Laut des Schmerzes von Caleb und seine Hand die sich an die Stirn packte. Beim Abtauchen nach den Papieren hatte er mit der Stirn die Tischkante erfasst. Einige weitere leise gemurmelte Flüche ertönten als ich mich erhob um ihn zu unterstützen. “Soll ich dir ein Kühlakku holen?” murmelte ich, nur knapp mein Lachen unterdrückend. Sein Blick hob sich, funkelte mich an. Und, ich wusste nicht was es war. Aber plötzlich schmolzen seine Gesichtszüge zusammen und er grinste, seine Schultern zuckten und er lachte. Da ich nicht sicher war wie er es auffassen würde, wenn ich einstimmte lächelte ich nur unsicher. Es dauerte nur einen Moment, dann sammelten wir gemeinsam die Zettel zusammen. “Das erinnert mich an die Zeit, als wir uns gemeinsam durch die Unterlagen gequält haben. Kurz nachdem Bellamy mir die Ranch überschrieben hat. Man war das eine Arbeit.”
      “Wir haben 3 Tage gebraucht.” erinnerte ich mich.
      “Wobei wir natürlich deutlich schneller gewesen wären, so...ohne Unterbrechungen.” Ich spürte wie mir die Ohren heiß wurden, war jetzt froh darum das meine schwarzen Haare diese gut überdeckten. Ja, wir hatten uns damals Zeit gelassen, nicht nur für die Unterlagen, sondern auch füreinander. Da ich daran nicht weiter denken wollte, griff ich wieder nach einem der Blätter zu meiner rechten, legte sie auf den Stapel den Caleb bereits angelegt hatte. “Ich wollte gerade noch die neuen Fohlen auf die Website packen. Und ein paar der angenommenen Anfragen an dich weiterleiten.” wechselte ich flux das Thema. Ich wollte Caleb nicht mit Gedanken an die Vergangenheit beschäftigen. Dabei schwirrten mir diese gerade selbst im Sekundentakt durch den Kopf. Seine Anwesenheit machte diese Tatsache nicht unbedingt einfacher. Vielleicht sollte ich doch woanders mein Büro einrichten.

      Caleb
      Ich seufzte kurz auf, nickte dann allerdings. “Dann kannst du dich dazu ja an deinen neuen Schreibtisch setzen.”
      “Eigentlich wollte ich nur meinen Laptop holen und… ach was, ich setz mich noch ein bisschen hierher.” Ich sah sie kurz an, doch sie wich meinem Blick aus. Was wollte sie eben sagen? Den Laptop schnappen und zurück zu Louis gehen?
      Mit den Zähnen knirschend widmete ich mich wieder den Unterlagen auf dem Tisch. Dabei fielen mir die Vordrucke zur Registrierung der Fohlen in die Hände. “Sag mal Ylvi ist da eigentlich schon irgendwas beantragt?” flatternd hielt ich der jungen Frau eines der Blätter hin.
      “Caleb wenn du so zappelst seh ich gar nix”, schlussfolgerte sie mürrisch, weshalb ich sofort mit dem Gezappel aufhörte und das Stück Papier mit beiden Händen möglichst zitterfrei festhielt.
      “Die Fohlen. Wurde da schon eins eingetragen?”
      “Nicht, dass ich wüsste. Ich schau mal in den E-Mails.”
      “In den E-Mails siehst du das nicht.. warte ich geh mal auf die Homepage”, antwortete ich und tippte in die Tasten, nachdem ich meinen PC hochgefahren hatte. Es dauerte ein paar Minuten, bis alle geladen hatte und ich… nichts vorfand. “Nope.. gar nix. Keine Beantragung, also auch keine Bearbeitung.” Ich seufzte. “Hast du schon passende Bilder für die Papiere gemacht? Vorne, hinten, etwaige Kopfabzeichen und beide Seiten der Fohlen?”
      “Nein.. nur ein paar einfache Bilder für die Website, die meisten sind in Bewegung.”
      “Dann hast du morgen eine Aufgabe…. musst schauen ob dir jemand helfen kann, ich hab zu tun.” Da war er wieder. Der patzige, abweisende Caleb, der noch immer nicht genau wusste, wie er sich ihr gegenüber verhalten sollte. Einerseits wollte er ihr einfach nur die Kleider vom Leib reißen… andererseits sträubte sich jede Zelle seines Körpers dagegen, sie je wieder anzufassen- und wie immer, wenn er nicht weiter wusste, stieß er die Menschen auf unliebsame Weise von sich weg.
      “Von welchen Anfragen hast du eben gesprochen?”

      Ylvi
      Ich nahm seine Art hin, irgendwie hatte ich sie ja verdient. Aber falls er vor hatte mich damit von sich fortzutreiben so funktionierte das nicht. Dazu hatte ich ihn in den Jahren in denen ich nun schon auf der Ranch lebte zu sehr kennengelernt. Stattdessen fachte es etwas in mir an. Diese unbekannte Seite in mir die nur Caleb zum klingen brachte. “Für die Fotos werd ich mir wahrscheinlich Dell schnappen, falls du ihn morgen nicht anderweitig eingeplant hast? Er hat die Stuten samt Fohlen am besten im Kopf und bei den Geburten geholfen, denke da kommen am besten Fotos zustande.”
      “Warte, die Anfragen krieg ich nicht mehr zusammen.”
      Ich angelte um den Tisch herum nach meinem Mac, klappte ihn auf und ging mit diesem wieder hinüber zu Calebs Schreibtisch. “Das ich eine Instagram-Seite für die Ranch angelegt habe, mit täglichen Postings und ab und an Storys hatte ich dir ja bereits erzählt. Dort ist eine Anfrage eingegangen von einer jungen Chinesin, die gern als Working Student zu uns auf die Ranch kommen würde. Warte, ich kopier den Text schnell in eine Email, dann kannst du dir selbst ein Bild machen von ihr.” Ich tat wie geheißen, hängte an die Weiterleitung auch gleich die andere Mail ran. Dabei handelte es sich um eine Anfrage von zwei Reportern bezüglich den Makeovers. Caleb war mittlerweile ein International bekannter Trainer, die angelegte Instagram-Seite hatte da sicherlich auch seine Hände mit im Spiel. Einerseits brachte das der Ranch mehr Kunden ein, allerdings bekam ich über den Account auch Anfragen anderer Art, die Caleb nie zu lesen bekam. Die mir jedoch durchaus manchmal einen Stich versetzen.

      Caleb
      Ich überlegte. “Keine Ahnung ob Dell was zu tun hat, ich blick hier in Bellamys Plänen mal wieder nicht durch”, murmelte ich und kramte in meinem Blätterhaufen hin und her. “Versuchs mal im Computer…”, kam es leise von Ylvi. Ich starrte sie kurz an, wandte dann jedoch meinen Blick wieder auf den Bildschirm. Nach ein paar kurzen Klicks hatte ich die Arbeitspläne auf dem Schirm. “Kannst Dell mitnehmen.” Ylvi nickte zufrieden.
      Mit dem Mac kam sie rüber an meinen Tisch und zeigte mir die Instagramseite, deren Existenz ich verdrängt hatte.
      Ich starrte auf den Bildschirm und sah ein paar Posts, über Training und den ganz normalen Alltag, der hier tagtäglich ablief. Von ihrem Bildschirm sah ich wieder rüber zu meinem, auf dem nun die E-Mail aufploppte. Die Anfrage der Working Studentin und die Anfragen der Reporter. “Wie alt ist die Chinesin denn?”, fragte ich Ylvi, die kurz zu überlegen schien.
      “Ich glaube in einer kurzen Anfrage vorher hat 18 gestanden.”
      “Okay, was minderjähriges will ich hier nicht haben.”
      “Warum das nicht?”
      “Bürokram. Das macht alles komplizierter.” Mit dieser Antwort schien Ylvi sich zufrieden zu geben. “Kannst du ihr schreiben, dass wir sie gerne einmal per Skype kennen lernen würden? Sie soll sich bitte bis… nächste Woche um diese Zeit hier per E-Mail melden. Dann sehen wir weiter.”
      “Ist notiert. Was machen wir mit den Reportern?”
      “Gute Frage… spricht eigentlich nichts dagegen. Fragst du an, wann sie kommen sollen?”, fragte ich sie nun etwas freundlicher. “Und jetzt erzähl mir mal etwas über diese Instagramseite. Haben wir schon viele Follower? Kommen deshalb mehr Aufträge zum Training rein?”

      Ylvi
      Ich klickte auf unser Profilbild, womit sich quasi die Startseite unserer Ranch öffnete. Dann deutete ich auf eine Zahl. “Siehst du das?”
      Caleb kam beugte sich weiter vor, sah auf die Zahl knapp über meinem Zeigefinger. “30,5k” meinte er etwas fragend. “Wofür steht das K?”
      “Tausend.”
      Kurz kam keine Antwort, nur ein Seitenblick.
      “Meinst du etwa...knapp 30.000 Leute interessiert was wir hier treiben?!” fragte der Cowboy überrascht. Ich musste schmunzeln. Diese Welt des Internets war ihm nicht so vertraut. “Tatsächlich ja. Als ich die Seite angelegt habe, wollte ich sie einfach als Projekt nebenher führen. Aber mittlerweile kommen viele der Trainingsanfragen die ich dir weiterleite, über Instagram rein. Oft werden auch Fragen gestellt.” Ich biss mir auf der Lippe herum. “Tatsächlich habe ich schon darüber nachgedacht, den weiteren Trainingsverlauf von Saintly zu dokumentieren. Vielleicht von Zeit zu Zeit Videos zu machen. Wahlweise könnte man Online-Kurse und Fragerunden anbieten. So haben Leute die Chance Dinge zu lernen ohne die lange Reise zu uns auf sich zu nehmen. Die Preise könnten geringer gehalten werden, damit das Wissen zu gutem Pferdetraining auch den weniger gut betuchten zugänglich sind. Das ist alles nur fixe Ideen in meinem Kopf, man muss sehen wie das umsetzbar ist.” meinte ich zum Ende um meine Ideen ein wenig herunterzureden. Caleb stattdessen sah mich von der Seite an. War das Bewunderung in seinem Blick?
      “Ich glaube..Bellamy dieser Idiot hat damals als er dich eingestellt hat keinen schlechten Fang gemacht.”
      “Du hast nicht den Fehler gemacht mich fortzuschicken.”
      “Glaub mir...das wollte ich, wirklich.”
      “Ich weiß...und ich bin jeden Tag dankbar das ich an diesem Ort bleiben durfte.”
      “Ohne euch würde etwas fehlen...die Kinder, du...ja sogar Louis. Tschetan macht einen guten Job. Ich glaube...wenn er fleißig in der Schule lernt, sich weiterhin an der Arbeit mit den Pferden beteiligt. Dann reitet er uns allen in 10 Jahren etwas vor.”
      War das fast so etwas wie väterlicher Stolz der da in seiner Stimme mitschwang? Es war zumindest Zuneigung. Die Reise und die Arbeit mit Saintly hatte den Jungen und den Cowboy aneinander geschweißt. Plötzlich kam mir dabei ein Gedanke. “Caleb, wo du gerade Tschetan erwähnst. Der Bungalow war von Anfang an etwas eng. Hättest du vielleicht ein Zimmer im Haupthaus für Tschetan? Langsam kommt er in ein Alter in dem wir nicht mehr von ihm verlangen können sich das Zimmer mit seiner jüngeren Schwester zu teilen. Es liegt ihm fern sich darüber zu beschweren, aber ich denke sein eigenes Reich, macht es ihm auch leichter die Aufgaben für die Schule zu erledigen.”

      Caleb
      Ich konnte nichts anderes sagen, ich war begeistert von der Instagramseite. Auf Nachfrage, ob die Ranch auch Facebook oder sonst etwas im Internet besaß, verneinte Ylvi. Lediglich die Homepage besaßen wir noch. Gespannt schaute ich ihr dabei zu, wie sie auf der Seite hoch und runter scrollte, und mir die bisherigen Posts zeigte. Auf die Frage, wer denn alles Zugang zur App hatte, deutete Ylvi auf sich. Nur sie, bisher. Mir war das auch ganz lieb, wenn das vorerst so blieb. Für so etwas war sie ja eingestellt worden und es kam nicht so gut, wenn die halbe Ranch durcheinander immer wieder Bilder und Geschichten postete. Auf ihre Aussage zu Saintly nickte ich. Solange sie sich um die Bilder und die Posts kümmerte.
      Kurzerhand wechselte sie das Thema, kam auf Tschetan und die momentane Situation im Bungalow zu sprechen. “Natürlich ist das machbar”, antwortete ich ihr. “Ein bisschen mehr Bewegung im Haus wird mir wohl auch gut tun, sonst vereinsame ich noch.” Ich lachte gekünstelt. Meine Aussage entsprach der Wahrheit. Das Haus war so still, seit ich alleine hier lebte. Octavia und Bellamy teilten sich einen Bungalow und auch die anderen waren nur für kurze Zeit hier im Haus gewesen, dabei gab es genug Zimmer. “Ich habe aber auch schon überlegt, kleinere Häuser auf das Gelände zu bauen.” Ylvi horchte auf, klappte den Laptop zu und setzte sich auf den freien Stuhl vor meinem Schreibtisch.
      “Wie kommst du darauf?”
      “Es ist wie du sagst. Der Bungalow ist für euch alle zum Beispiel zu klein. Für O und Bellamy reicht er dagegen vollkommen aus. Hier im Haupthaus wäre für euch alle zwar Platz aber ich…” Ich sprach nicht weiter. Ylvi konnte sich bestimmt denken, was ich hatte sagen wollen. “Deshalb die Idee mit den kleinen Häusern. Wir müssten nur einen geeigneten Platz finden. Ich wollte noch ein wenig Wald roden und Paddocks bauen. Generell muss hier auf dem Gelände noch einiges passieren.”
      “Was schwebt dir denn sonst noch so vor?”, fragte Ylvi mich und nahm ein leeres Blatt von meinem Tisch. Ebenfalls einen Stift. Sie fing sofort an, Dinge untereinander zu notieren. Ich fragte schon gar nicht mehr, was sie da immer tat oder warum sie das machte.
      “Ich würde die Ferienranch gerne ans Laufen bringen. Dazu müsste drüben aber mal gründlich aufgeräumt werden. Die umgefallenen Bäume rundherum weg, Rasen mähen, die Häuser innen und außen auf Vordermann bringen, das Außengelände gestalten und natürlich eine andere Inneneinrichtung… und was dort gebaut werden muss, ist ein kleiner Offenstall mit einem Stück Weide für die Pferde der Ferienranch. Ich hab da schon ein paar unserer Pferde hier im Blick.”
      “Ach ja? Welche denn?”, fragte Ylvi neugierig.
      “Warte ich hatte doch.. die Liste.. irgendwo.. ah hier! Ah ja, Sue. Die stand mal drauf, hab sie aber durchgestrichen. Es würde Betsy das Herz brechen, wenn sie die Stute nicht immer um sich herum haben könnte.. dann es sind eigentlich viel zu viele.. ich hatte an 5 Pferde gedacht- erstmal. Ich mein wenn keine Gäste da sind müssen wir ja auch jeden Tag rüber, um nach ihnen zu sehen und sie zu bewegen…”, ich machte eine Pause und holte Luft, um nochmal anzusetzen, “Wenn sie nicht verkauft werden finde ich BR Homecoming Queen und BR Hollywoods Dream Anthem geeignet. Falls sie sich unter dem Sattel auch so zeigen, wie sie zur Zeit sind. Von Octavia ist es Flashlight. Sie benötigt die Stute nicht zur Zucht. Also hat sie gesagt ich soll sie Western umschulen- auch eine gute Story für Instagram- und dann für die Ferienranch ausbilden. Des Weiteren, falls nicht gebucht oder schon tragend: Kristy Killings, Jade, Chou, Miss Independent… von den Trainingspferden Honey’s Aleshanee, A Walking Honor, Lady Blue Skip, Ginger Rose und Colonels Blue Splash… und von den Jungpferden noch BR Dissident Whiz, aber nur evlt. das wäre glaub ich der einzige Wallach dann drüben, und A Walking Dignity.” Ich sah zu Ylvi auf. “Wie gesagt, das sind alles nur Vorschläge und es ist auch noch nichts fest.”

      Ylvi
      Ich zog eine Augenbraue nach oben, sah auf meine Mitschriften in Steno und sah Caleb wieder an. “Na aber für Vorschläge, sind deine Überlegungen schon ziemlich ausgereift.” sprach ich halb belustigt.
      “Aber die Überlegungen finde ich prima. Das sind alles gute Ideen. Glaub mir an Besuchern wird es uns wohl auch nicht fehlen. Die Seite bei Instagram existiert erst seitdem du uns verkündet hast das wir bleiben können. Das ist quasi fast wie ein Selbstläufer. Wir haben viele spannende Geschichten die wir wiedergeben können.” Ohne genauer darüber nachzudenken ließ ich mich auf die Stuhllehne nieder, verstaute meine Notizen in der Tasche meines Macs.
      “Pack sie nicht zu weit weg. Wir könnten sie gebrauchen.”
      “Natürlich nicht, ich werd eine digitale Liste erstellen daraus. Bellamy in allen Ehren, aber diese Zettelwirtschaft die er veranstaltet ist ja nicht zum Aushalten.” damit deutete ich unwirsch über die vielen einzelnen Papiere auf dem Tisch. Caleb lachte. “Aber ich hab auch viel lieber mal einen Zettel in der Hand.”
      “Das kann ich voll verstehen, Caleb. Aber es gibt nunmal einige Arbeitsschritte die man optimieren kann. Ist das der Fall bin ich gern bereit dies einzuführen. Erinner dich nur mal an die Zeit als die Weidezaungeräte noch alle per Hand angeschlossen werden mussten.”
      “Touché die Idee mit den WLAN Steckdosen war tatsächlich eine deutliche Verbesserung. Und...auch die Instagram-Seite war eine gute Idee. Dafür muss ich dir danken.” Ich drehte mich halb zu ihm um, wurde mir nun bewusst wie Nahe ich bei ihm saß. Ich sprang auf in der Hoffnung es würde nicht zu hastig aussehen, griff nach dem Mac, schloss den Bildschirm und presste ihn an meine Brust. Schließlich sah ich Caleb wieder an. “Das ist doch quasi mein Job. Dafür brauchst du dich nicht zu bedanken.” Es folgte keine direkte Antwort darauf, ich nahm aber wahr wie sich der mürrische Ausdruck um seine Züge gelegt hatte. Er sah plötzlich entspannter aus.
      Die nächste Stunde sagte keiner ein Wort während jeder seiner Arbeit nachging. Caleb sortierte die Papiere und Zettel die er zu Boden geworfen hatte. Beständig lag das Geräusch eines Lochers in der Luft, das klicken der großen Heftordner, wenn er sie wieder schloss. Begleitet wurden diese Geräusche von meinen Fingern die flux und routiniert über die Tastatur flogen um einen neuen Text, kleinen Text zu den Fohlen zu schreiben, die Bilder korrekt anzuordnen. Trotzdem spürte ich seine Blicke auf mir von Zeit zu Zeit. Als alles erledigt war, ich den Bildschirm runter klappte, huschte mein Blick zur Uhr. Es war gerade 21 Uhr. “So, die Website ist wieder auf dem aktuellsten momentanen Stand. Die Bilder von morgen, werd ich dann anschließend noch ergänzen.”

      Caleb
      Bei den ganzen Papierstapeln auf meinem Schreibtisch musste ich den Boden für die offenen Ordner nutzen. Blätter sortieren, lochen, den richtigen Ordner auf dem Boden suchen und einheften. Natürlich vorher kontrollieren, ob etwaige Rechnungen schon bezahlt, angezahlt oder vergessen waren. Dazu räumte ich fast bei jedem dritten Blatt die Tastatur wieder frei und rief die E-Mails auf. “Warum muss Bellamy immer so ein Chaos veranstalten…”, murmelte ich und war mir sicher, dass ich das Organisatorische viel besser im Griff hatte, als er.
      Ylvi sagte etwas, dass mich den Kopf heben ließ. “Okay, alles klar. Ich hoffe du und Dell habt morgen Erfolg. Passt aber auf mit Candy (DunIts Smart Investment), die ist ein Biest im Moment. Nehmt sonst ein paar Halfter für die Stuten mit und auch O. Die kommt mit Candy am Besten klar. Von Devils (Wimpys Little Devil) Fohlen macht ihr besser auch Fotos aus einiger Entfernung. Ich trau ihr kein bisschen, wenn sie ein Fohlen bei Fuß hat.”
      “Oh.. das wusste ich noch gar nicht”, sagte sie überrascht.
      “Ja… Candy ist da wirklich eigen und hat einen großen Beschützerinstinkt. Devil hält sich eh fast immer abseits auf, kann aber aggressiv werden, wenn ihr jemand zu nahe kommt.”
      “Gut, dass du mir das nochmal gesagt hast”, meinte Ylvi, ehe sie anfügte: “Gute Nacht, Caleb.”
      “Gute Nacht, Ylvi.” Somit verließ sie den Raum und ließ mich alleine zurück. Ein komisches Gefühl, nicht mehr gemeinsam ins Bett zu gehen. Wobei ich mich mittlerweile ja schon daran gewöhnt hatte. Ich blieb noch etwa eine halbe Stunde, dann fielen auch mir die Augenlider immer wieder zu. Ich vertagte das weitere Chaos auf den nächsten Tage, oder den darauffolgenden, und ging hoch in mein Zimmer. Wenige Augenblicke später lag ich im Bett und schlief ein.

      Ylvi
      Louis hatte sich mit seinem Buch ins Schlafzimmer zurückgezogen. Das Kissen lag ihm im Rücken, sein Kopf auf die Brust gesunken und das Taschenbuch zusammengeklappt. Als ich jedoch das Zimmer betrat schnellte sein Kopf erschrocken hoch. “Eingedöst?” sagte ich belustigt, während ich mir meine Klamotten vom Körper entfernte. Louis legte das Buch beiseite, nickte und kuschelte sich in sein Kissen. Als ich mich dazu gesellte legte sich sein Arm um meine Hüfte, zog mich eng an sich. Ich beschloss also ihm die Neuigkeiten von Tschetans Zimmer drüben im Haupthaus eher beim Frühstück anzuvertrauen. Jetzt schien er dazu nicht mehr Aufnahmefähig.

      “So...wir haben Halfter, ich hab meine Kamera, genügend Akkus. Eine Liste der Fohlen. “ ging ich die Liste noch einmal durch. Die Tür des Pick-Ups stand dabei offen. Dell stand auf der anderen Seite und hörte zu. In seinem Rücken konnten wir Betsy und Kaya auf den beiden Pferden Fylgia und Valravn sehen. Tschetan hatte nicht mitkommen wollen. Caleb und er hatten einiges in den anderen Ställen und mit Saintly zu tun, der tägliche Pflege benötigte. Die beiden Mädels würden durch den Wald zu den Wiesen der Stuten und Fohlen geritten kommen, um uns später beim Fotografieren zu helfen und zu beobachten. Wobei mir, nach Calebs Beschreibungen einiger Stuten es lieber wäre, wenn die beiden die Wiese nicht betraten. Allerdings hatte Dell seiner Tochter den Wunsch nicht ausgeschlagen, also hatte ich Kaya auch nicht verweigert ihre Freundin zu begleiten.

      Dell
      Bereits am Abend hatte mich eine Nachricht von Caleb und kurz darauf von Ylvi erreicht, dass ich der Frau am nächsten Morgen bei den Bildern für die Fohlen helfen sollte.
      Ich freute mich riesig über diese Abwechslung, denn neben Stallarbeit, Reparaturen und dem Kümmern um meine Tochter hatte ich hier auf der Ranch bisher keine weiteren Aufgaben.

      Am nächsten Morgen waren wir bereit zur Abfahrt, nachdem Ylvi zum dritten Mal die Liste des Equipments gecheckt hatte. Allerdings vergaß sie jedes Mal etwas. „Ylvi du hast noch immer was vergessen“, meinte ich beiläufig, als ich sie durch die geöffneten Türen des Wagens anschaute.
      Sie blickte mich wie ein aufgescheuchtes Reh an, in ihrem Kopf schien es zu rattern. Eine Antwort fand sie jedoch nicht. Grinsend sah ich zu ihr rüber und hob die kleine Tüte, die ich auf den Fahrersitz gelegt hatte, hin und her schwenkend nach oben. „Leckerlis?“
      Ylvis Gesichtszüge entglitten ein wenig, sie schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn.
      „Wie konnte ich das vergessen. Ooooh man!“
      Nun konnte es jedoch losgehen. Wir setzten uns in den Wagen, ich startete den Motor und wir fuhren zur Weide der Stuten und Fohlen. „Caleb sagte, dass Devil mit ihrem Fohlen vermutlich etwas abseits steht. Einige sind auf dieser Seite, ein paar aber auch durch den Wald und den kleinen Fluss auf der anderen Seite, aber das werden wir ja gleich sehen.“
      „Findest du es denn eine gute Idee, dass die Mädchen mit auf die Koppel kommen? Candy kann ja schon… gefährlich werden..“, meinte Ylvi und sah mich besorgt an.
      „Ich denke Betsy wollte vor allem wegen Sue mitkommen, sie ist ja immer noch sehr traurig, dass das Fohlen verkauft ist… von den anderen Pferde können wir Kaya und Betsy ja ein wenig weg halten.“ Damit schien die junge Frau zufrieden.

      Ylvi
      Wir waren bereits gut vorangekommen. Ich trug meine große Kamera an einem Band um meine Schulter, Dell hatte es sich nicht nehmen lassen mir die Tasche aus der Hand zu nehmen. Zusätzlich zu Leckerlis und den Halftern. Ich musste immer wieder schmunzeln. “Ich kann es mir nicht nehmen lassen, aber du siehst aus wie ein Packesel.”
      “Wer weiß, vielleicht hab ich vor das im nächsten Leben zu werden?”
      “Dazu hast du ja noch massig Zeit, aber an deiner Stelle würd ich noch ein wenig an meinem Karma arbeiten.” ich kannte mich nicht wirklich mit den Lehren Buddas aus, nur rudimentär das man dort aufstieg sobald man gute Taten vollbrachte. “Das habe ich vor. Jetzt helfe ich dir mit den Fotos. Und im Laufe der Tage widme ich mich dem alten Truck.”
      “Sag bloß der ist schon wieder im Eimer?”
      “Nicht im Eimer, aber irgendwas tropft.”
      Ich schüttelte den Kopf. Caleb hing wirklich an diesem blöden Truck. Wir hatten ihn schon öfter von einem anderen überzeugen wollen. Allerdings war man dabei eher auf taube Ohren gestoßen. “Dann wünsch ich dir mal viel Erfolg dabei. Ich kann mich noch an das letzte Mal erinnern. Deine Flüche sind über den ganzen Hof gefegt. Betsy hat an dem Tag beschlossen lieber bei uns das Abendessen zu verbringen.”
      “Schauspiel, alles Schauspiel.” erwiderte Dell. Ich hielt mir die Kamera vor die Nase, sah ihn drüber hinweg an. Und sah sein breites Grinsen.
      Ich schüttelte den Kopf, schaltete die Kamera wieder an, sah durch den Sucher um endlich die Fotos von Sues schwarzem Fohlen, BR Black Pamina, zu beenden. Von 15 Fohlen hatten wir bereits 5 geschafft. Die Mädels waren noch nicht hier, sie hatten sicherlich einen Umweg durch den Wald genommen. Allerdings gestaltete sich das gar nicht so einfach, die kleine Stute war ziemlich verschmust und suchte immer wieder meine Nähe. Ich hatte schon auf ein kleineres Objektiv getauscht um sie besser zu erwischen.

      Dell
      Während Ylvi sich Sues (Black Sue Dun It) Fohlen Nima (BR Black Pamina) vergnügte und so langsam sichtlich genervt von der eigentlich niedlichen Aufmerksamkeit war, schaute ich auf unsere Liste und harkte die Namen, der fünf schon fotografierten Fohlen ab. Da waren Auntis (Heretic Anthem) Ziehfohlen Queen (BR Homecoming Queen) und ihr eigenes, McDremy (BR Hollywoods Dream Anthem), die uns beide wirklich in die Karten gespielt hatten. Queen, als auch McDreamy blieben stets in der Nähe der Stute, sprangen aber auch ab und zu ein wenig zur Seite. Genau diese Momente passte Ylvi ab, um ein paar Bewegungsfotos zu schießen. Für die Fotos, die Ylvi für die Papiere machen musste, nahm ich die Fohlen immer kurz ans Halfter. Den meisten passte dies nicht so sonderlich, so zum Beispiel BR Sheza Topnotch Babe. Die kleine Stute von Bella Cielo stellte sich wirklich an wie der Teufel. Normal war sie sehr ruhig und verschmust, gar auch anhänglich. Heute war sie allerdings mit dem falschen Huf aufgestanden, denn sie stieg mir ständig an der Hand.
      “So hat das glaub ich keinen Sinn”, hatte Ylvi gesagt und mir empfohlen, das Halfter doch nochmal auszuziehen. Ich hatte getan wie mir geheißen, das Halfter abgemacht und siehe da, die Stute stand wie eine eins. Ylvi beeilte sich mit den Bildern und nickte mir zu. Als ich gerade die Hand ausstreckte, um die Stute zu streicheln, sprang sie von jetzt auf gleich 180 Grad um die eigene Achse und galoppierte davon. “Toll”, murmelte ich und kratzte mich verlegen am Kopf. “So viel dazu.”
      Die Fotos von BR General Pleasure, der ein Sohn von Magnificient Crow war und in ein paar Monaten nach Österreich ziehen würde, waren innerhalb weniger Minuten im Kasten.
      Auch Daisy (BR Lovely Gun) und Shark (BR Twenty 4 Killings), die nach Evergrenn Acres umsiedeln würde, zeigten sich kooperativ.
      Die Jungpferde, von denen wir keine Fotos brauchten, drängten sich allerdings ständig dazwischen. So waren es Leuchtfeuer di Royal Peerage, die Jungstute von Octavia sowie Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace und A Walking Dignity, die ihren größten Spaß mit den mitgebrachten Utensilien hatten. “Yes, alles im Kasten!”, jubelte Ylvi auf einmal, als ich mich gerade nach den restlichen Halftern bückte. Die Jungstute Leuchtfeuer erschrak, machte einen Satz und knallte gegen mich. Natürlich verlor ich sofort das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten plumps auf den Boden, was die anderen Pferde, die ihre Rüssel auch alle im Zubehör stecken hatten, natürlich auseinanderstoben ließ- und mit ihnen die ganze aufgescheuchte Herde.
      Ich setzte gerade meinen Cowboyhut wieder auf den Kopf und wollte mich aufrichten, da erschien eine Hand in meinem Blickfeld. “Sorry Dell”, sagte Ylvi schüchtern lächelnd und half mir wieder auf die Beine.
      “Dass die schon so viel Kraft haben”, kommentierte ich meinen kleinen Unfall und klopfte mir den Dreck von der Hose. “Ich glaube wir müssen jetzt ein wenig warten, bis die sich alle wieder beruhigt haben- es sind ja jetzt wirklich alle Pferde davongerannt.” Ich zog ein beleidigtes Gesicht, raffte alle Materialien auf dem Boden zusammen und schmiss sie auf die Ladefläche des Trucks. Gleich darauf landete mein Hintern auf der Klappe, ehe ich auf den Platz neben mich klopfte. Ylvi schien zunächst ein wenig unsicher, schwang sich dann jedoch neben mich. “Ich vermute, die sind alle im Wald oder sogar rüber auf die andere Seite”, schlussfolgerte ich, als ich mit bloßem Auge kein Pferd mehr entdecken konnte. “Wer noch hier sein könnte, wären Devil (Wimpys Little Devil) und Bailey (BR Wimpys Bright Gangster), die ist ja meistens alleine irgendwo hier vorne am Waldrand”, erklärte ich Ylvi und schaute nach links, von wo aus ich die beiden Mädchen kommen sah. “Schau mal”, dabei streckte ich meinen Arm in die Richtung, in der man die Köpfe von Kaya und Betsy sah, “dann können wir auch noch grade warten, bis sie hier sind.”

      Ylvi
      Die beiden Kids brauchten bis sie ihre Pferde an die Pfähle gebunden hatten und zu uns hinüber gelaufen kamen. Ich schmunzelte dabei. Wer hätte gedacht das mein bockender Valravn eines Tages von einem schmalen Mädchen geritten wird? Selten stieg oder bockte er noch. In Fact...unter mir schon, aber die anderen schienen wunderbar mit ihm klar zu kommen. Während wir warteten kontrollierte ich nochmal den Akku, den Stand der Speicherkarte. Und pustete ein wenig des Staubes vom Objektiv. Da stupste Dell mich an. Am Waldrand erschien ein Pferd auf das er deutete “ Schau, dort kommt Candy (DunIts Smart Investment).” ich hob die Augenbrauen, sah zwischen den beiden Kindern und der Stute einher, doch ihre Aufmerksamkeit galt dem kleinen Wesen das hinter ihr auf der Anhöhe nun zu sehen war. Ihr Fohlen, der Hengst Elvis (BR Alans Smart Dream) lief gemächlich auf sie zu. Nur um dann nach der Milchquelle zu suchen. Mit schnellen Handgriffen wechselte ich das Objektiv, sah durch den Sucher. Und hatte ein idyllisches Bild wie der Hengst bei Candy trank. “Die Pferde sind ja alle weg!” sprach Betsy aufgeregt. “Nur hinter den Hügel gelaufen und im Wald verstreut.” Betsy zog einen Flunsch “Hätten wir dann direkt auf den Ponys bleiben können?”
      “Fylgia vielleicht. Aber als Wallach Ravn in der Herde zu haben, besser nicht.” antwortete ihr Vater. Kaya schmunzelte nur über die wenige Begeisterung von Betsy.
      “Dann machen wir uns mal auf den Weg den Hügel hinauf.” sagte ich fröhlich, nahm Kaya bei der Hand und stiefelte gezielt los. “Habt ihr beiden den Weg gut gefunden?”
      “Klar, Caleb ist den Weg zu den Koppeln letzte Woche schon mal mit uns geritten. Ich bin so oft es geht hier um am Zaun nach Sue zu schauen. Caleb hat mir untersagt die Weide ohne Aufsicht zu betreten.”
      “Und dein Vater untersagt dir das auch!” sprach Dell mit Nachdruck “Candy ist nicht gerade nett zu Leuten die ihr und dem Fohlen zu nah kommen. Ich halte das zwar für keine guten Eigenschaften um damit zu züchten...aber die Entscheidungen liegen ja nicht bei mir.”

      Dell
      Während Ylvi Kaya an die Hand nahm, stellte sich meine Tochter Betsy sogleich neben mich und stieß mich mit ihrem Arm an, bis ich ihre Hand in meine schloss. Sie lächelte zu mir hoch, ich sah sie ebenso freundlich an. Sie hatte sich wirklich gemacht und den Tod ihrer Mutter mittlerweile gut weggesteckt- es war auch schon lange her. Ob sie sich überhaupt noch daran erinnerte?
      “Aber Izzie mangelt es ja auch an nichts”, riss mich Ylvi wieder aus den Gedanken.
      “Hm?”
      “Na BR Dress to Impress, Candys erstes Fohlen. Damit ist Caleb ja wirklich begeistert. Papa war ja aber auch Blue (Gun and Slide), dieses Mal ist es Alan (Alan’s Psychedelic Breakfast), auch ein eher ruhiger Kandidat.”
      “Da hast du schon Recht”, antwortete ich ihr und nahm Kaya zu mir an die Hand. Ylvi brauchte nun wieder beide Arme für die Kamera. Elvis präsentierte sich wirklich gut vor der Kamera. Candy legte nur zusehends die Ohren immer flacher an den Kopf. “Kaya und Betsy ihr geht ein paar Meter hinter mich, das gefällt mir gar nicht, was Candy da macht… Ylvi pass du auch auf!”
      Aber da war es schon zu spät. Kaya und Betsy waren quietschend einen Satz nach hinten gesprungen, ich machte einen großen nach vorne und schmiss Candy eines der Halfter entgegen, welche ich um die Schulter gehängt hatte. “Lass das du Zicke!”, fuhr ich sie an und baute mich so gut ich konnte vor ihr auf. Ylvi war vor Schreck wie versteinert und hatte sich keinen Zentimeter bewegt, krampfhaft umklammerte sie ihre Kamera und starrte die Stute an.
      “Hau ab!”, wiederholte ich und machte, wild wedelnd mit dem zweiten Halfter von meiner Schulter, der Stute zu verstehen, dass sie Land gewinnen sollte. Schließlich drehte sie sich um, umsprang ihr Fohlen ein paar Runden und galoppierte dann wieder in Richtung des Waldes.
      “Alles ok bei euch?”, fragte ich an die Mädchen gewandt, die sich in den Armen lagen. Da hatten sich zwei aber wirklich ziemlich erschrocken.
      “Ja, jetzt ist alles ok, Dad”, antwortete mir meine Tochter und ließ langsam von ihrer Freundin ab. Kaya nickte mir schüchtern zu. Erst dann drehte ich mich wieder zu Ylvi um. “Bei dir auch alles gut?”
      “Damit hätte ich nicht gerechnet”, sagte sie außer Atem und ließ die Kamera sinken. “Vermutlich hab ich das sogar noch mit aufgenommen.” Sie schaute auf den Bildschirm der Kamera und klickte eine Weile auf den Tasten hin und her. “Ja, das ist mit drauf. Das zeig ich Caleb später!”
      “Genau das ist der Grund, weshalb Caleb, und auch ich, euch verboten haben, alleine hierher zu kommen. Es ist ja nicht nur Candy, vor Devil müsst ihr euch auch in Acht nehmen.”
      “Aber was ist denn mit Sue? Wenn Candy so gemein zu uns ist, dann ist sie bestimmt auch gemein zu meiner Sue.” Betsy ließ den Kopf hängen, schien traurig zu sein.
      “Nein, Sue ist schlau, sie geht Candy einfach aus dem Weg- und wenn das nichts hilft dann kann sie sich wehren.” Ich ging zu Betsy und hob ihr Kinn mit meinem Zeigefinger nach oben. “Sie tut Sue nichts, keine Sorge.” Sie lächelte wieder, legte mir die Arme um die Hüfte und umarmte mich. “Danke, dass du uns beschützt hast, Dad.”

      Candy war schon einige Minuten weg, da kamen Soul (BR Heart N’ Soul), das einzige Appaloosafohlen diesen Jahres, Seth (BR Double Gunslide) und Atlantis (BR Atlantis Dream) auf uns zu. “Die drei sind in Ordnung”, sagte ich zu den Mädels und ließ sie langsam auf die Fohlen zugehen. Seth hielt zunächst ein wenig Abstand, so dass Ylvi den Hengst in aller Ruhe fotografieren konnte. Schließlich kam er auch auf die Mädchen zu. Soul schien allerdings keine große Lust zu haben, die Mädchen teilen zu müssen, weshalb er ein paar Schritte wegtrabte. “Ylvi deine Chance!” Ich lachte und wuschelte auch einmal der kleinen dunklen Stute Atlantis durch den Schopf.
      “Jetzt fehlen noch drei Fohlen, Ylvi”, sagte ich zu ihr, als sie die letzten Fotos der drei vorwitzigen Fohlen geschossen hatte. “Ich vermute, die sind auf der anderen Seite, oder irgendwo da beim Bach.” Um dorthin zu gelangen, mussten wir durch den Wald gehen. Da wollte ich die Kinder allerdings nicht mitnehmen, denn Candy würde auch dort sein.
      “Betsy und Kaya geht bitte zurück zum Truck, wir fotografieren nur noch die drei letzten Fohlen und dann kommen wir auch.”
      “Ist okay, Dad. Ich glaube wir reiten auch zurück. Oder noch eine kleine Runde, und dann zurück. Oder Kaya?” Diese nickte.
      “Reitet aber nicht zu weit weg!”, fügte Ylvi noch an, ehe wir uns umdrehten und in Richtung Wald gingen. Immer wieder warfen Ylvi und ich einen Blick über die Schulter, ob die Mädchen auch wirklich den Weg zurück zu den Pferden einschlugen.
      Die restlichen Fotos bekamen wir nicht ganz ohne Zwischenfall in den Kasten. Nachdem Dissident Whiz’, das Fohlen von Tainted Whiz Gun, abgelichtet war, wollte Ylvi die Stute verscheuchen, um besser an Raised und Rosy (BR Raised to Slide) dran zu kommen. Raised from Hell, die neben Ylvi stand, schreckte hoch und rannte sie einfach über den Haufen. Fluchend war ich zu ihr gerannt und hatte ihr wieder auf die Beine geholfen. “Was ein Chaos hier.”
      Schließlich war es uns doch gelungen. Auch die Bilder von BR Colored in Style, die Tochter von Smartie (GRH’s A Gun Colored Lena) waren dann noch schnell geschafft. Fix und fertig gingen wir zurück zum Truck, mit dem wir dann wieder zur Ranch zurückfuhren.
      “Das war mal eine willkommene Abwechslung”, sagte ich zu Ylvi, als ich ausstieg und die Halfter vom Rücksitz in die Hand nahm.
      “Aber anstrengend”, kommentierte Ylvi lachen, wandte sich kurz um und schien sichtlich beruhigt, als sie Kaya, Betsy und nun auch Tschetan aus dem Stall kommen sah.
      “Ich mach mich dann auch mal wieder an meine normale Arbeit, bis dann Ylvi.”

      Caleb
      Ylvi und Dell waren schon eine ganze Weile vom Hof verschwunden. Mittlerweile war es kurz nach Mittag. Die Pferde auf meine Liste waren versorgt. Die Hengste alle auf den Paddocks, die Boxen gemistet und ich hatte auch schon Kraftfutter für den Abend in die Tröge verteilt.
      Zwar hatte ich noch einiges an Papierkram vor mir, das konnte ich jedoch getrost auf heute Abend verschieben, so dass ich nun noch Zeit für mein HMJ Pferd HMJ Saintly hatte.
      Ich ging auf den Paddock des Hengstes, halfterte ihn auf und ging zum Putzplatz des Stalls, in dem er stand. Dort putzte ich einmal schnell über, ehe ich mich dazu entschied, ein wenig mit ihm spazieren zu gehen. So konnte er den Hof besser kennen lernen und ich hatte genügend Zeit, ein Auge auf alles zu werfen. Unterwegs traf ich Cayce, Laurence und Brian, die auf dem großen Reitplatz waren und Shorty (Whitetails Shortcut), Playboy (I’m a Playboy) und Silent Bay trainierten. Natürlich hielt ich dort an und musste meinen Senf zum Training dazu geben.
      Schließlich kam Cayce zum Zaun und schaute mich ernst an. “Hast du nichts besseres zu tun?”
      “Nein, grade eigentlich nicht”, grinste ich, während er kopfschüttelnd seinen Shorty abwandte und sich wieder seiner Aufgabe widmete. Cayce und Shorty waren ein tolles Team. Es wurde wirklich Zeit, dass ich meinen Vulture (Smart Lil Vulture) weiter trainierte, so dass wir nochmal gemeinsam ropen konnten. Bei meinem Glück und Vultures weniger Erfahrung würde ich nicht nur einmal im Sand landen, während Cayce mich schallend auslachen würde.
      Saintly und ich gingen weiter, kamen am kleinen Reitplatz vorbei, auf dem Octavia mit Soul (Prias Colourful Soul) ihre Runden drehte. Aimee stand am Zaun und beobachtete sie. Ich hielt mich nicht lange auf, denn mit Aimee hatte ich nicht wirklich etwas zu sprechen- Octavia war ja beschäftigt. Seit die junge Frau mit ihrem Vater auf die Ranch gekommen war, hatte ich noch nicht oft das Vergnügen eines Gespräches gehabt. Generell war sie eher wie ein Geist. Sie war mal hier, mal da- aber fiel nicht wirklich auf.
      An den Jungferdekoppeln stoppte ich und beobachtete zunächst die Hengste. Vulture spielte mit Cody (tc Mister’s Silvermoon Cody). Der Hengst hatte es bis jetzt in seinem Leben nicht wirklich einfach gehabt. Er stand noch nicht im Training, genoss seine Jugend in vollen Zügen. Auch Joker (BR Colonels Lil Joker) und Goldy (BR Colonels Golden Gun) waren nicht weit weg und zankten wieder miteinander herum. Sky (PFS’ Unclouded Summer Skies), Berry (GRH’s Funky’s Wild Berry) und Chico (Chic N’ Shine) standen gemeinsam am Heu und schienen die Ruhe zu genießen, dass sie endlich mal Platz am Ballen hatten.
      Mit Saintly am Strick, der sich sehr für die anderen Pferde zu interessieren schien, ging ich weiter zur Stutenkoppel. Luna (Special Luna Zip), Katie (Jacks Inside Gunner), Gun Sophie, Gin (Ginger Rose), Connie (Colonels Blue Splash), Crissy (Captains Blue Crystal) und Izzie (BR Dress to Impress) galoppierten auf uns zu, als sie mich mit dem fremden Hengst auf sie zukommen sahen. Auch HMJ Saintly, der bisher sehr ruhig an der Hand war, hob den Kopf und wieherte ihnen zu. Mittlerweile klang sein Wiehern auch wieder wie das eines Hengstes, nicht so kläglich und jämmerlich. Er tänzelte ein wenig an der Hand und wollte den Stuten unbedingt imponieren. “Na sowas aber auch”, kommentierte ich sein Verhalten und zuppelte ein paar Mal am Strick. Mein Blick schweifte einmal durch die Herde, morgen würde es ihnen auch wieder an den Kragen gehen, für dann war das Training fest eingeplant.
      Als Saintly begann an der Hand unerträglich zu werden, spazierte ich zurück zum Paddock, in den ich ihn wieder stellte und den Riegel des Tors mit dem Schloss versah: sicher war sicher. Dann ging ich wieder zurück ins Büro und widmete mich dem Schreibkram, den ich heute morgen liegen gelassen hatte.

      Ylvi
      Ich ließ meine Kamera auf den Tisch fallen, der erstaunlicherweise noch immer im Büro stand, und ließ mich selbst auf den Stuhl sinken. “Puhh.” stieß ich dabei hervor. Caleb sah von seinem Schreiben auf, zu mir herüber. “Ihr habt reichlich lang gebraucht.”
      “Sind ja auch nicht grad kleine Wiesen.” meinte ich energisch. “Außerdem hat mich Hell (Raised from Hell) umgerannt, als sie dabei war Tainy (Tainted Whiz Gun) zu verscheuchen. Als wär der Angriff von Candy nicht genug gewesen.” sprach ich läppisch daher. “Angriff?” fuhr Caleb besorgt fort. Mit einer Geste meiner Hand winkte ich ab. “Dell hatte alles im Griff. Ich war allerdings so erschrocken, dass ich erstarrt bin. War haarscharf. Hell hat anschließend den Rest erledigt. Immerhin ist der Ausrüstung nichts passiert.” Ich sah zum ersten Mal seitdem wir die Ranch am Vormittag verlassen hatten auf die Uhr. Das Zifferblatt zeigte 15 Uhr - wir hatten tatsächlich lang gebraucht.
      Mir schmerzte der Rücken, außerdem die Füße vom vielen Laufen. Aber immerhin hatten wir die letzten Bilder von Rosy (BR Raised to Slide) geschafft. BR Dissident Whiz hatte uns ebenfalls besonders schöne Vorlagen für Fotos gegeben als er mit BR Colored in Style gespielt hatte. An dem Glas Wasser nippend, öffnete ich den PC.
      “Die Bilder laufen nicht weg, wenn du willst kannst du dich auch anderen Aufgaben widmen.”
      “Stör ich dich?”
      “Nicht direkt, aber wenn ein Pferd dich umgerannt hat. Dann möchtest du vielleicht lieber ein heißes Bad nehmen, statt am PC zu arbeiten.”
      “Da magst du vielleicht Recht haben.”
      “Das...klingt nach einem Aber?”
      “Der Bungalow verfügt leider nur über eine Dusche.”
      “Ich denke du kennst dich noch aus?”
      Ich zog eine Augenbraue nach oben. Bot er mir etwa an hier im Haupthaus das Bad zu benutzen? Ich zögerte nicht lang. Nicht das er es sich anders überlegen würde.
      “Weißt du noch wo die Gäste Handtücher sind?”
      “Wenn du nicht umsortiert hast, klar.”
      Und damit verschwand ich die Treppe hinauf. Aus dem Schrank im Flur fischte ich mir eines der Handtücher, nahm ein zweites, kleineres für die Haare. Huschte dann ins Bad. Stand einen Moment an der Tür, die Hand halb ergriffen nach dem Schlüssel. Erinnerte mich an ein anderes Mal, eine andere Zeit in der ich die Tür nicht abgeschlossen hatte. Ich wusste nicht was mich dazu bewog, doch ich ließ die Tür geöffnet. Sah zu wie sich die Wanne langsam begann zu füllen, streifte die Kleidung vom Körper und glitt in das wohlig warme Wasser hinein. “Caleb, das war eine hervorragende Idee.” murmelte ich und schloss entspannt die Augen.

      Caleb
      Ich sah Ylvi hinterher, als sie das Büro verließ. Wenige Sekunden später sank mein Blick wieder auf den Papierstapel, durch den ich mich noch immer kämpfte. Verfluchter Bellamy. Eigentlich hätte ich ihn von Anfang an dazu rufen sollen, denn er hatte schließlich dieses Chaos verbreitet. Vielleicht war es aber auch gut, dass ich hier alleine saß, denn so konnte ich mich wieder ausbreiten- nicht nur auf dem Schreibtisch, sondern auch auf dem Boden.
      Dabei fiel mir der Arbeitsvertrag von Louis Bekanntem, Logan Otaktay ins Auge. Wirklich Zeit hatte ich noch immer nicht gefunden, das Gespräch mit ihm zu suchen und ihm Aufgaben zu verteilen. Apropos Aufgaben… irgendwo mussten sich die Trainings- und Stallpläne befinden… wenn ich doch nur… “Mist.” Da waren sie gewesen und flatterten nun durcheinander zu Boden. “Aaaaaah Bellamy!”
      “Hm?” Da stand der junge Mann in der Tür. “Ich war grade in der Küche und hab mir was zu trinken genommen… was hab ich jetzt wieder angestellt?”
      “Du hast hier pures Chaos verbreitet! Ich bin schon nicht der beste Freund des PC’s, aber meine Zettelwirtschaft hat wenigstens Ordnung! Ich weiß nicht, was du hier wieder fabriziert hast, dabei war ich doch nur zwei Wochen weg!”
      Bellamy schien zu überlegen, knibbelte am Etikett der Plastikflasche herum. “Ich äh.. habe versucht... “
      “Chaos zu veranstalten.”
      “Nein. Also ich blicke da durch. Wenn du willst, kann ich dir helfen.”
      “Nein, danke. Ich hab eh schon alles umsortiert… aber geh mal in die Ställe und bring mir die dort hängenden Pläne, ich vergleich sie mal hier mit und änder sie gegebenenfalls nochmal um, dass alles aktuell ist.”
      “Okay, wird gemacht, Chef.” Damit verschwand der dunkelhaarige Mann.
      Es dauerte nicht lange, da knarzte meine Tür. Ich streckte den Arm aus und wollte die Blätter in Empfang nehmen. Die Hand, die sich mir entgegen streckte war braungebrannter, als ich gedacht hatte, weshalb ich aufsah. “Oh, hallo Tschetan. Hat Bellamy dich damit geschickt?” Der Junge nickte. “Bellamy sagte Ylvi müsste hier irgendwo sein, ich wollte sie etwas fragen.”
      “Ja, sie ist im Bad. Ich geh sie holen, warte hier.” Damit stand ich auf und ging, nicht über die jetzige Situation nachdenkend, zum Bad, in dem sich Ylvi seit geraumer Zeit befand. Kurz vor der Tür, mit der Hand an der Klinke, bremste ich meinen Schritt, schloss kurz die Augen und seufzte leise. Statt einfach hineinzugehen, so wie ich es früher getan hatte, klopfte ich zögerlich an der Tür. “Ylvi ich… Tschetan ist hier, er sucht nach dir.” Auf der anderen Seite der Tür hörte ich, wie das Wasser in Bewegung geriet. Eine Antwort ihrerseits wartete ich gar nicht erst ab, denn ich drehte mich augenblicklich auf dem Absatz herum und ging zurück ins Büro. “Sie kommt wohl gleich.”

      Ylvi
      Das Klopfen drang durch das Wasser nur dumpf an meine Ohren, ich musste genau hinhören um Calebs Worte zu verstehen. Mittlerweile war das Wasser eher kalt, als warm. Meine Haut war geschrumpelt und einige Teile davon überzogen von einer leichten Gänsehaut. Ich zog mich also aus dem Wasser - so schnell es eben ging. Eine Stelle an meiner Hüfte hatte mittlerweile eine unangenehme Lila Färbung eingenommen. Und meinen Rücken konnte ich nicht ganz drehen.
      Daher dauerte es länger als sonst bis ich meine Gliedmaßen in die Kleidung gezwängt hatte, ein Handtuch um meine schwarzen Locken geschlungen und die Treppe hinunter gefunden hatte. Ich steckte den Kopf durch die Tür, Tschetan hockte auf meinem Schreibtisch, Caleb halb verzweifelt über den Papierbergen. Vielleicht sollte ich mich von ihm einweisen lassen. Meine Sortierung wäre sicherlich zuverlässiger als die von Bellamy. Schoß es mir durch den Kopf. “Kaya und Louis haben das Abendessen vorbereitet, ich soll dich rüber holen.” grinste Tschetan breit.
      “Louis hat gekocht?” fragte Caleb belustigt.
      “Zumindest haben wir jetzt einige Gerichte die er zuverlässig zubereiten kann , OHNE uns alle zu vergiften.” feixte Tschetan.
      “Wie er sagt..und zumindest ist Kaya dabei.”
      “Ist das nicht noch mehr Chaospotential?”
      “Das werden wir sehen, fürchte ich.”
      Ich griff nach meiner Kameratasche, die mir der Junge aus der Hand nahm. Die Drehung war nur halb so elegant wie ich sie gern gehabt hätte. “Du humpelst?” fragte Tschetan überrascht. Ich nickte nur. “Ist ein bisschen blau.” murmelte ich. Ich ging einfach mal davon aus, dass Caleb ihm berichtet hatte was passiert war. Skeptisch sah er mich an, dann öffnete er mir die Tür um mich hindurch zu lassen. Als sich meine Hüfte wieder an Bewegung gewöhnt hatte, machte sie keine weiteren Anstalten.

      Trotzdem entging dem findigen Auge meines Mannes nicht das ich nicht flüssig lief. Das musste eindeutig am Beruf liegen! “Frag nicht…”
      “Was ist passiert?”
      Ich seufzte “Dumme Sache, hab mich von nem Pferd umrennen lassen.”
      “Candy?”
      “Nein, Raised from Hell. Aber alles gut.”
      Louis kam um den Tisch herum, zog sich die Handschuhe von den Händen, die eben noch die Lasagne-Form auf den Tisch gestellt hatten. “Du läufst aber nicht als sei alles gut.” Zielsicher und besorgt schaffte er es nach mir zu greifen, bevor ich mich ihm entziehen konnte. Er schob das Shirt an genau der richtigen Stelle nach oben. “Kühlsalbe, am besten noch vor dem Essen.” orderte er an. Kaya hopste von ihrem Stuhl, signalisierte mir mich zu setzen. Kurze Zeit später gab Kaya mir die Salbe in die Hand, die sie mir Gewissenhaft auf die Stelle schmierte. “Mensch, die Lasagne ist ja gar nicht angekohlt!”
      “Kaya hat vor dem Ofen gesessen um zu schauen, wann sie gold-gelb ist.”
      “Du hättest auch einfach die Zeit im Auge behalten können.”
      “Gehört nicht zu meinen Stärken.”
      “Timing? Andere Zungen würden etwas anderes Behaupten.”
      Louis kam näher, beugte sich vor. Und küsste mir auf die Stirn. “Würden sie?”

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      Mitte Mai
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      Caleb
      Seit dem Vorfall mit den Mutterstuten waren ein paar Wochen vergangen. In der Zwischenzeit war allerdings auch etwas passiert, mit dem ich so nie gerechnet hätte. Kaya hatte gesprochen. Nicht zu mir, nicht zu Louis oder sonst einem Erwachsenen, nein. Sie hatte bei HMJ Saintly gestanden und mit ihm gesprochen.
      Ylvi und ich waren dabei gewesen sie und den Hengst zu beobachten. Heimlich und ganz leise, so dass sie uns nicht bemerke. und dann sprach sie mit ihm. Sagte, dass dieser Ort sie geheilt hatte und dass auch Saintly geheilt werden würde.
      Wie durch ein Wunder war dem wirklich so. Saintly machte sich immer besser, baute auf, wurde aufgeweckter und vor allem pfiffiger. Es war gar nicht so leicht, ihn in der Stallgasse angebunden zu behalten, weil er ständig an den Seilen herum spielte. Das ging mittlerweile so weit, dass ich ihn mit Ketten am Halfter sicherte, falls er die Knoten an den Führstricken aufbekam. Das Lösen der Ketten war für ihn unmöglich.
      Auch seine Boxentür war doppelt gesichert. Am Tor des Paddocks befand sich ja schon lange ein Schloss.
      Auf dem Hof begegnete mir Cayce, welcher Easy Going im Schlepptau hatte. “Ich geh ne Runde mit ihr auf den großen Platz, dann noch ein wenig raus. Kommst du mit?”, fragte er mich, doch ich schüttelte den Kopf.
      “Ich nehm mir Vulture, hab mit ihm noch was vor.”
      Cayce nickte, setzte dann seinen Weg fort.
      Der Meine führte mich zum Paddock des Braunen. Er kam sofort an den Zaun und holte sich eine Streicheleinheit ab, ehe ich ihn aufhalfterte und in den Stall ging. Dort putzte ich ihn kurz über, sattelte ihn, hängte das Rope ans Horn und ging zum kleinen Platz. Ich wollte vermeiden, dass Cayce mich sah. Die Frage nach dem gemeinsamen Ropen sollte eine Überraschung werden, weshalb es mir ziemlich gut passte, dass er gleich den Hof verließ.
      Auf dem Platz angekommen gurtete ich nach und schwang mich in den Sattel. Nach einer Aufwärmphase, die länger als gedacht dauerte, stieg ich wieder ab, löste das Lasso vom Sattel und fing an, es neben dem Hengst zu schwingen. Ein wenig kannte er das Prozedere ja schon, so dass er nur mit den Ohren spielte.
      Jetzt kam es drauf an. Ich setzte mich wieder in den Sattel, nahm die Zügel in die Hand, in der ich auch die loops hatte und fing an, das Lasso neben und über dem Hengst hin und her zu bewegen. Nachdem ich dies ein paar Mal gemacht hatte, nahm ich es über den Kopf und fing an, es zu schwingen. So weit, so gut. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken, ließ ich es am Kopf des Hengstes vorbei nach vorne auf den Boden sausen, als hätte ich nach etwas gezielt, was ich hätte fangen wollen.
      Vulture machte einen erschrockenen Satz zur Seite und preschte nach vorne. Meine Bewegungen waren so routiniert gewesen, so oft schon hatte ich Lassos vom Pferd aus geschwungen, dass ich total vergessen hatte, dass ich dies bei Vulture noch nie gemacht hatte. Dementsprechend rechnete ich natürlich nicht mit der Reaktion des Pferdes und flog, ohne lange darüber nachdenken zu können, vom Pferd in den Sand. Vulture hüpfte noch zwei, drei Schritte nach vorne, eher er verdutzt stehen blieb, sich umdrehte und mich schief ansah. Ganz nach dem Motto: du warst doch gerade noch nicht da unten?!
      Beim Aufstehen klopfte ich mir die Hose vom Staub ab, ehe ich das schallende Lachen in meinem Rücken hörte. “Ich fass es nicht, den Supercowboy schlechthin hat es vom Pferd gehauen!” Da stand Octavia am Zaun, zusammen mit Betsy und Dell. Während sie mich auslachte, blickte Dell zerknirscht drein. Betsy war schon auf halbem Weg zu mir und machte wenige Meter vor mir langsam, denn sie wusste, dass sie mit dem Laufen Vulture erschrecken würde.
      “Ist dir was passiert, Caleb?”, fragte sie besorgt und blieb kurz vor mir stehen.
      “Nein, alles gut. Sowas kann auch den Besten passieren.”
      “Das hab ich gehört! Den Besten, haha!”, rief Octavia vom Zaun aus, was mich dazu brachte, ihr die Zunge raus zu strecken.
      Betsy kicherte. “Hihi, Cowboy, das macht man aber nicht!”


      Ylvi
      “Na Cowboy, wie ist es auf dem Boden der Tatsachen gewesen?” fragte ich feixend als Caleb das Büro betrat. Der blieb ein wenig verwirrt im Rahmen stehen “Boden der…” dann rollte er die Augen, stöhnte “Betsy!” entfuhr es ihm.
      “Keine Sorge, sie hat es mir nicht erzählt. Naja, nicht direkt zumindest. Vorhin im Auto, auf dem Weg zum Tanzkurs.” Die Schule hatte diesen Kurs empfohlen, um Kaya auch mit anderen Kindern außerhalb der Schule in Kontakt zu bringen. Seit ein paar Wochen besuchte sie diesen alle zwei Wochen nun mit Betsy gemeinsam. Ich hatte beide Kids dorthin gebracht. Nebenbei hatte ich Betsy beiseite genommen, sie schwören lassen Kaya nicht zu drängen und ihr anschließend erzählt das ich sie hatte sprechen hören. Das junge Mädchen war ganz aufgeregt gewesen bei der Vorstellung ihre Freundin auch eines Tages sprechen zu hören. Aber sie hatte mir Versprochen Kaya davon noch nichts zu erzählen. Sie sollte selbst entscheiden können wie und wann sie mit einem Menschen sprechen wollte. “Bist du noch immer bei den Bildern?” fragte mich Caleb. Ich nickte, drehte ihm den Bildschirm zu und zeigte ihm ein Bild von A Shining Chrome. Wir hatten uns in den letzten beiden Tagen vorgenommen, die Verkaufspferde noch einmal zu sortieren und zu fotografieren. “Immerhin sind die Seiten der Zuchtpferde nun vollständig. Jeweils mit Bild, Gencode und einer kurzen Beschreibung des Charakters. So können sich Fremde eine gute Übersicht der Pferde geben. Die Fohlen sind nun ebenfalls ergänzt. In dem Zuge habe ich die ganzen Papiere fertig gemacht. Die hab ich die nach Alphabet sortiert auf den Tisch gelegt. Schau nochmal drüber. Ist alles in Ordnung, dann werd ich die morgen mit in die Stadt nehmen. Louis, Dell und ich haben einen Termin in der Schule.”
      “Schule? Sag bloß die Prügelei zieht noch Kreise?” fragte Caleb erstaunt, richtete sich aus der gebückten Haltung auf und schritt hinüber zu seinem Platz. Daher sah er meine abwertende Geste nicht. “Nein, das ist vom Tisch. Wir haben eine Besprechung mit der Schulleitung. Ob vielleicht Home Schooling eine Option wäre. Dann könnte man sich die Fahrt nach Calgary sparen. Die Kids würden einen Lehrer hier zur Ranch bekommen. Kinder von außerhalb könnten ebenfalls hierher kommen. Otis McCann von der Nachbarranch und seine ältere Schwester zum Beispiel. Deren Eltern haben nicht immer Zeit sie zur Schule zu bringen. Sie fehlen oft. Der Weg hierher wäre nicht so weit.”
      “Das ist schon ein Punkt. Aber meinst du Kaya damit einen Gefallen zu tun?” Ich lehnte mich im Stuhl weiter zurück, kaute auf meiner Unterlippe herum. “Das waren tatsächlich ebenfalls meine Überlegungen. Das bringt mich auf die Idee vielleicht eher dafür zu Sorgen das ein Schulbus eingerichtet wird! Gerade Tschetan möchte ich ungern von Gleichaltrigen trennen. Sie sollten auch etwas anderes zu sehen bekommen als die Ranch.”

      Caleb
      Ich blieb vor meinem Schreibtisch stehen, warf einen Blick auf die Papiere der Pferde, ehe ich einen Bogen machte und auf dem Stuhl Platz nahm. Ganz oben auf dem Stapel lag das Papier von Daisy. Ein tolles Pferd, schon lange versprochen für Ethel Evergreen, Tiaras Mutter. Auf jeden Fall eines, was ich behalten würde, wenn sie doch noch abspringen würden.
      Erst dann sah ich wieder auf, mein Blick traf den von Ylvi: “Ich hab mich in Schweden glaub ich ein bisschen bei Tschetan verplappert gehabt… erwähnt, was ihr vorhabt mit dem Homeschooling. Er war alles andere als begeistert. Deshalb glaube ich, dass ein Bus wohl die bessere Alternative ist.”
      “Du hast schon mit Tschetan gesprochen?”, kam es vom Nachbartisch.
      “Versehentlich. Es ist mir rausgerutscht… sprecht deshalb vorher nochmal mit ihm, bevor ihr morgen zur Schule fahrt.” Ylvi nickte, senkte den Kopf und kümmerte sich um ihre Bilder.
      Ich ging derweil die Papiere durch. Die Fotos waren wirklich gut geworden. Fotografieren konnte Ylvi, das musste ich ihr lassen.
      Eine gute halbe Stunde später hatte ich alle Papiere auf ihre Richtigkeit überprüft. “Passt alles.” Den korrigierten Stapel nahm ich in die Hand und brachte ihn zu Ylvis Schreibtisch rüber, um ihn da auf einen freien Platz zu legen. Gedankenverloren strich ich mir einmal durch die Haare, ehe ich auf die Uhr sah. “Mist.”
      “Hm?”
      “Ich hab Murphy schon wieder vergessen.”
      “Hab gehört der nimmt jetzt Reitstunden bei dir, wie schlägt er sich denn?”
      “Immer besser, hätte ich nicht gedacht.” Damit verschwand ich aus dem Büro und joggte- ja joggte, hinüber zum Stall. Dort stand Murphy schon mit einem fertig gesattelten Blue.
      “Wird ja auch Zeit”, warf er mir zerknirscht an den Kopf, löste den Führstrick aus der Trense und ging mir hinterher zum kleinen Reitplatz. “Aufsteigen und warmreiten”, wies ich ihn an und schaute Cayce dabei zu, wie er I’m a Playboy um sein inneres Bein traben ließ. “Wie macht der sich eigentlich?”, fragte ich ihn. Den Mixhengst, naja eigentlich war er kein Mix sondern eine anerkannte Rasse, hatte ich gar nicht auf dem Schirm, geschweige denn schon einmal drauf gesessen.
      “Wird immer besser. Das Losrennen beim Aufsteigen hab ich so weit im Griff, dass er das zumindest bei mir nicht mehr macht. Ansonsten wird er immer lockerer. Der hört gut zu, strengt sich toll an.”
      “Das ist gut.” Playboy hatte ich aus Mitleid aufgenommen. Es gab einen großen Verkauf einer Bekannten, die auch den “Quartermix” zum Verkauf inseriert hatte. So richtig Interesse zeigte jedoch niemand an dem schicken Tier, weshalb ich ihn schließlich aufgenommen hatte. Was machte ein weiteres Pferd schon? Vielleicht würden er und die “Quartermix”stute Striga einmal tolle Fohlen produzieren. Apropos Striga… “Wann hat eigentlich einer zuletzt auf Striga gesessen?”, fragte ich Cayce, als er wieder an mir vorbei kam.
      “Weiß nicht, glaub vor einer Woche.”
      “Vor einer Woche?!” Ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Wenn die Reitstunde mit Murphy erledigt war, konnte ich nicht mehr aus dem Büro rauskommen, bis die neuen Trainingspläne geschrieben waren.

      Ylvi
      Es klopfte leise an der Bürotür, Louis schmaler Kopf schob sich durch die Tür. “Genug für heute, komm. Die Pferde sind gesattelt, lass uns einen Ausritt machen!” Die Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen. Ich klappte den Bildschirm zu und ließ mich von Louis an der Hand zur Haustür bringen. Draußen standen Kaya und Tschetan mit jeweils zwei Pferden am Strick. Fylgia trug einen Westernsattel, Valravn nur eine einfache Decke. Auch Sunka trug einen Westernsattel und für mich hatten sie Inyan fertig gemacht. “Nicht Gweny?” fragte ich verwirrt in Louis Richtung. “Es tut so gut Sunka wieder in der Nähe zu haben. Ich fühle mich auf ihm ebenso wohl wie Inyan.” Das konnte ich verstehen. Ich fühlte mich auf meiner Fylgia auch am wohlsten, diese schien ich jetzt allerdings so gut wie an Kaya “verloren” zu haben.
      Im Quartett verließen wir also den Hof. Im Wald mussten wir zunächst im Trott hintereinander her reiten. Erst als sich der Weg verbreiterte ließ ich Inyan neben Ravn laufen. “Caleb hat sich also verquatscht?” meinte ich neutral zu Tschetan. Dieser gab keine Regung, ließ mich einfach weiter erzählen. “Das mit dem Home Schooling, das wäre also nicht dein Fall?” Tschetan knirschte etwas mit den Zähnen. “Ich weiß es ist umständlich für euch uns zur Schule zu bringen. Die Idee ist ja wirklich cool. Aber ich würde meine Freunde aus der Schule wirklich vermissen. “
      “Wir hatten die Idee uns vielleicht eher darum zu bemühen eine Buslinie für die Kinder von Außerhalb zu organisieren. Was hälst du davon?” Er antwortete nicht in Worten, aber nickte und strahlte mir eifrig zu. Dann deutete er mit den Lippen auf seine Schwester “Ich weiß zu schätzen das du sie beschützen willst. Aber du behebst das Problem nicht indem du sie vor der Welt in Schutz nimmst.”beendete er den Satz leise. Als er das sagte klang er älter, sehr viel älter als seine 13 Sommer. Ich sah ihn an, nickte bedächtig. Er hatte Recht. Das hatte auch Louis schon einmal gesagt. Es waren indirekt auch Calebs Worte gewesen. Dell hatte sich diesbezüglich nicht geäußert, aber wenn ich ehrlich war, Dell sprach so etwas selten an. Dazu war er einfach zu charmant. Ich hoffte für ihn wirklich das er eines Tages vielleicht eine neue Liebe entdecken würde. Er hatte so viel zu geben...und manchmal erdrückte er seine Tochter damit. Manchmal konnte ich aber auch seine Blicke voller Schmerz sehen. Ich hatte nur ein Foto gesehen, doch hatte es genügt um zu erkennen wie ähnlich Betsy ihrer Mutter sah. Das Haar, ihre Gesichtszüge. Mit jedem Jahr würde diese Ähnlichkeit mehr werden, da war ich mir fast sicher. “Wo hängst du eigentlich wieder mit deinen Gedanken?”
      “Mhm?”
      “Ja ganz genau.” feixte Louis.
      “In den Wolken, das solltest du doch wissen.” lächelte ich ungeniert. Er zwinkerte mir zu, trieb Sunka dicht an Inyan heran, sodass sich unsere Knie berührten. Ließ mich dabei nicht aus den Augen. “Ich hab gefragt ob wir einen kleinen Galopp vagen sollen.” Ich gab keine Antwort stattdessen machte ich Gebrauch von Inyans hervorragender Ausbildung. Ich ließ den Wallach aus dem Schritt gelassen angaloppieren. Ein kleiner Seiten und Rückblick zeigte mir das auch bereits beide Kids im Galopp waren, Louis bildete mit Sunka das Schlusslicht. Um das Ex-Rennpferd nicht auf der Stelle rennen zu lassen, beschleunigte ich Inyan, Fylgia reihte sich neben uns ein. Ich sah das Strahlen auf Kayas Gesicht. Locker hielt sie die Zügel des Knotenhalfters in einer Hand, die andere lag auf ihrem Schenkel. Festbetoniert. Genauso saß sie im Sattel. Genau wie ihr Bruder. Ich hingegen hatte noch einiges zu tun. Am frühen Abend hatte ich, zum ersten Mal seit langem, eine Reitstunde bei Caleb. Ich konnte nur hoffen er würde mir keines der schweren Pferde unter den Hintern setzen. Eigentlich hatte ich mit einem meiner Pferde teilnehmen. Caleb hatte mir da allerdings den Wind aus den Segeln genommen. Auf den Wallach Cielos konnte ich wohl nicht hoffen.

      Caleb
      Schon seit einer Stunde saß ich wieder am Schreibtisch. Die Reitstunde mit Murhpy war wirklich gut gewesen, er wurde immer besser, strengte sich richtig an. Galoppiert war er heute allerdings noch nicht, auch wenn ich ihm das versprochen hatte. Morgen Nachmittag allerdings würde es dann soweit sein, sollte nicht schon wieder etwas dazwischen kommen.
      Mit den Paddockplänen war ich jetzt fertig, so dass nun eigentlich noch die Trainings- und Boxenpläne an der Reihe waren, aber dazu hatte ich absolut keine Lust, denn dass es mich heute morgen bei dieser einfachen Übung aus dem Sattel gehauen hatte und so viele das gesehen hatten, nagte an meinem Ego.
      Entschlossen klatschte ich mir auf die Oberschenkel, stand auf, nahm meinen Hut von der Fensterbank und ging nach draußen. Im Rausgehen schnappte ich mir meine Jacke vom Kleiderhaken hinter der Tür und marschierte in den Stall. In der Bewegung blieb ich plötzlich stehen. Cielos stand ja gar nicht hier im Stall, der war ja am Reitplatz. Wer hatte eben nochmal die Pläne überarbeitet? Ich mit Sicherheit nicht.
      Aus dem Stand machte ich also kehrt, stiefelte zum Reitplatz und fand den Wallach auf Anhieb im zweiten Paddock. Ich halfterte ihn auf, ging zum Stall, putzte und sattelte ihn, hängte ein Lasso an den Sattel und ging auf den Platz. Dort gurtete ich nach, ehe ich mich in den Sattel setzte.
      Nach ausgiebigem Aufwärmen testete ich ein paar Reiningmanöver an, wir waren ja nicht nur zum Spaß hier auf dem Platz. Nachdem er sich dort allerdings auch sehr gut anstellte, hielt ich ihn an und fing an, das Lasso vom Horn los zu machen und neben ihm zu schwingen. Gipsy blieb ruhig stehen, er kannte das ja schon. Eine Weile schwang ich das Lasso rechts und links neben ihm, ehe ich es über seinen Kopf hinweg nach vorne warf. Er spielte mit den Ohren, blieb allerdings ruhig stehen. Dann fing ich an, aus der Bewegung heraus zu werfen. Erst im Schritt, dann im Trab und schließlich auch im Galopp. Wir hatten gerade die Tonne aus dem Galopp gefangen und einen Sliding Stop hingelegt, da bemerkte ich Ylvi am Zaun. Wie lange sie wohl schon da stand?
      “Hast du meine Reitstunde vergessen?”, fragte sie mich sofort und ich schüttelte den Kopf, klopfte Gipsys Hals und löste das Lasso von der Tonne. “Ich darf Gipsy reiten?”, fragte mich Ylvi ungläubig.
      “Ich äh.. nein.. Geh dir Gangster (Gunners Styled Gangster) holen, ist hinten auf dem zweiten Paddock, neben HMJ Saintly.” Wieder sah sie mich ungläubig an.
      “Gangster? Bist du dir sicher?”
      “Wird Zeit, dass du mal was anspruchsvolles unter den Hintern bekommst”, antwortete ich ihr knapp und wickelte das Rope auf. “Wenn du fertig geputzt und gesattelt hast komm hier auf den Platz. Wenn du beim Satteln, besonders bei den Boots Probleme haben solltest, Laurence ist drüben im Stall beim Putzplatz.” Damit galoppierte ich wieder an und suchte mir eine andere Tonne auf dem Platz aus.

      Ylvi
      "Gangster, komm schon, das is doch jetzt nicht dein Ernst?" ich klopfte dem Pferd mittlerweile zum dritten Mal am Hinterbein herum. Keine Reaktion. Außer das er sich mit seinem vollen Gewicht auf dieses stellte. So ein Sturkopf! Also griff ich beherzt zwischen seine Sehnen, erschrocken schnellte das Bein mit einem Mal doch nach oben. So konnte ich den letzten Hinterhuf des Hengstes doch noch auskratzen.
      Schon das aus dem Paddock führen hatte sich als Abenteuerlich herausgestellt. Das machte mir wenig Hoffnung auf den Ausgang der Stunde. Etwas anspruchsvolles hatte Caeb gesagt. Hatte er damit aber STUR gemeint?
      Zumindest verlief das Satteln ohne weitere Probleme, nichtmal die Boots bereiteten mir Schwierigkeiten. Allerdings würden die Bügel wohl welche machen. Ich bekam sie nicht auf meine Länge. Ich begann also mit viel Gefummel die Fender abzufriemeln. "Ich glaube nicht, dass Caleb glücklich sein wird, wenn du ihm Equipment klaust." kommentierte Dells Stimme plötzlich hinter mir. Ich drehte mich um, zog einen Schmollmund. "Ich soll den doch Reiten. Aber ich krieg die Bügel nicht auf meine Länge! Wenn du mir kürzere besorgen würdest? Die von Inyans Sattel am besten."
      Dell ließ sich zum Glück nicht zweimal bitten, half mir das ganze Konstrukt wieder zusammen zu bauen. Schließlich war ich auf und davon.

      Ich hatte regelrechte schwitzige Hände, was nicht am Wetter direkt liegen konnte da ein stetiger Wind durch die Bäume säuselte. Es war der erste Unterricht seit Monaten. Natürlich hatte ich von Louis Lektionen auf Inyan und auch Ravn absolviert. Caleb hingegen war noch eine ganz andere Hausnummer. Als ich den Platz betrat, schien er das Training mit Gipsy beendet zu haben. Denn er saß nicht länger auf dem Wallach, sondern dieser war am Rande des Platzes angebunden. "Du bist reichlich spät."
      "Ich war Gezwungen die Fender zu Tauschen."
      "Ah ja, ich vergaß Stummelbeine."
      "Danke mach dich noch drüber lustig."
      "Na los, rauf mit dir."
      Ich stellte den Hengst neben mir auf. Warf die Zügel geordnet über das Horn, stellte den linken Fuß in meinen kurzen Bügel und schob mich in den Sattel. Gangster blieb seiner Ausbildung entsprechend völlig entspannt dabei stehen. "Good boy." lobte ich ihn mit meiner Stimme. Caleb begutachtete mich einen Moment skeptisch. Trat dann heran und klopfte auf mein Knie. "Raus aus den Bügeln." Ich legte den Fuß also ein ganzes Stück nach vorn, während Caleb geschäftig den Fender um zwei Löcher länger machte. Ich sah sein Gesicht nicht während er sprach, aber ich konnte das Lächeln hören. "Wir machen aus dir irgendwann auch noch ein Country Girl, Englisch Lady." Er ergriff meinen Fuß an der Wade, schob ihn in den Bügel zurück und half mir auch mit der anderen Seite. Ich fühlte mich gleich näher am Pferd, meine Füße waren lockerer. Ironischerweise, hätt ich wohl bei dieser Länge die anderen Fender behalten können.

      Caleb
      “Beim Westernreiten sind die Bügel immer viel länger, dachte das wüsstest du mittlerweile”, kommentierte ich das, was ich gerade tat und konnte Ylvi dabei beobachten, wie sie ihre Lippe vorschob. Das tat sie öfter, wenn ihr etwas nicht passte, sie aber dazu nichts weiter sagen wollte.
      Während ich Gangster (Gunners Styled Gangster) und Ylvi auf die ganze Bahn wegschickte, kam Dell an den Zaun und fragte mich ein paar Dinge wegen der Boxen. “Ist okay, die können heute Nacht draußen bleiben. Misten kannst du die Boxen also auch morgen noch.”
      “Oh das ist gut. Dann mach ich mich jetzt nämlich fertig. Ich hab Betsy versprochen mit ihr ins Kino zu fahren.”
      “Und jetzt wolltest du mich als buh- Mann hinstellen, wenn du noch hättest misten müssen? Ha, ich kann doch auch nichts dafür, dass du damit so langsam bist!” Ich sah ihn grinsend an, doch Dell schob die Lippe vor. Hatte er sich das etwa von Ylvi abgeschaut?
      “Nein, Caleb, ich äh…”
      “Ist schon gut. Habt einen schönen Abend ihr zwei.” Damit wandte ich mich wieder Ylvi zu, die irgendwie ihre Schwierigkeiten mit Gangster zu haben schien. “Ylvi was machst du da?”, fragte ich sie gerade heraus und sah ihre Versuche, ihn zum losgehen zu animieren.
      “Zuerst machst du die Beine dran. Feste. Nicht hochziehen, streck die Beine und mach die dran. Hand hoch, nicht annehmen, nur wenn er vorwärts geht. Dann nimmst du an und geh rückwärts, so weit wie er vor gegangen ist. Wenn der den Rücken nicht anspannt und den Kopf runter nimmt hau mal zu. Ylvi zuhauen!” Ich knirschte mit den Zähnen, ging auf die Beiden zu und nahm ohne Vorwarnung Ylvis Bein und haute es einmal mit Kraft gegen Gangsters Bauch. Dieser legte kurz die Ohren an, senkte aber nach einem abermaligen sehr festen Klopfen von Ylvi den Kopf. “Lockerlassen und losgehen. Wenn die Rübe hoch kommt, Beine ran und dann annehmen. Erst locker lassen wenn er nachgibt, kommt da nix, haust du zu… geh mal einfach ein paar Runden im Schritt und Reite ein paar Bahnfiguren, Trab kommt später.” Gangster war ein schlaues Kerlchen, er merkte sofort dass nicht ich es war, der da auf seinem Rücken saß und dass sein heutiger Reiter keine Sporen anhatte- Ylvi war heute zum ersten Mal auf dem Hengst und schien ein wenig unsicher. Zudem konnte der Schecke unglaublich stur sein. Mit dem Annehmen und Nachgeben hatte Ylvi für die nächsten Minuten genug zu tun.


      Ylvi
      Vorwärts, rückwärts. Ich war völlig verwirrt was Caleb jetzt eigentlich von mir wollte. Als er dann etwas energischer mit mir und dem Hengst sprach zuckte ich zusammen. Huh war ihm am Morgen eine Laus über die Leber gelaufen?
      Unsicher ließ ich den Hengst wieder antreten. Nutze die Pylonen um kleinere Volten zu reiten. Mit jedem Schritt machte ich mich vertrauter. Der Hengst schritt deutlich anders vorwärts. Er reagierte auf feinste Bewegungen meines Beckens. Jedes Mal wenn ich meine Oberschenkel anspannte, drehte Gangster mir ein Ohr zu. Deutlich auf Anweisungen wartend. Also probierte ich mich aus. Ließ ihn anhalten, ein zwei Schritte rückwärts und anschließend wieder vorwärts. Neben den Bahnfiguren fragte ich Gangster nach leichten lateralen Bewegungen um ihn über die Seitengänge zu gymnastizieren.

      Caleb
      Ich ließ Ylvi weitestgehend in Ruhe, solange sie keine Fehler machte. Sie war in ihrem Element, eins mit dem Pferd und schien die Außenwelt auszublenden. Gangster war ein anderes Kaliber. Nicht unbedingt feiner, aber sensibler und reagierte manchmal übertrieben auf die kleinsten Hilfen.
      Die Stunde verlief allerdings gut. Am Ende waren jedoch Ylvi als auch der Hengst klatschnass geschwitzt und schienen ziemlich fertig zu sein. Gipsy, den ich am Zaun angebunden hatte, freute sich darüber, dass ich mich wieder ihm zuwendete und ihn wieder mit zum Stall nahm. Dort sattelten wir beide Pferde ab, Gangster bekam eine Dusche und konnte noch ein wenig in der Sonne trocknen.
      “Ich glaube, den Muskelkater spür ich morgen noch”, sagte Ylvi scherzhaft. Ich nickte kurz, erwiderte ihr Lächeln, kümmerte mich dann jedoch um das Verstauen der Futtersäcke, die jemand hier in den Füßen hatte liegen lassen. War das nicht auch Dells Aufgabe gewesen? Ich zuckte innerlich mit den Schultern. Er hatte sich einen schönen Abend mit seiner Tochter verdient. Betsy kam oft zu kurz, bei dem was hier immer alles los war. Da wollte ich ihm deshalb am nächsten Tag keinen Rüffel versetzen.
      “Wenn Gangster trocken ist bring ihn auf seinen Paddock zurück”, wies ich Ylvi als nächstes an und verschwand mit Gipsy um die Ecke, um auch ihn zurück auf die Koppel zu bringen.
      In meinem Kopf ging ich die Liste durch, die ich heute noch zu erledigen hatte. Es war gar nicht mehr so schrecklich viel. Heu zu den Rindern fahren und auf der Ferienranch vorbeischauen. Vielleicht konnte ich mir da Bellamy oder sogar Octavia mitnehmen, letztere war begeistert von der kleinen Ranch, auch wenn sie bisher noch nicht oft da gewesen war.

      Am nächsten Tag wollte ich mich nochmal um die Verkaufspferde kümmern und diese noch einmal durchreiten. Nur weil sie zum Verkauf standen hieß das nicht, dass sie sich einfach nur die Bäuche vollschlagen sollten. Anfangen tat ich mit Chapter 24, General’s Coming Home und Chocolate Shades. Geplant war für den Vormittag kein weiteres Pferd, aber das Training dauerte nicht lange, so dass ich noch zwei weitere Pferde, Citizen Fang und Whinney unterbekam.
      Ich aß in aller Ruhe Mittag und war unglaublich froh, dass wir nun eine Haushaltshilfe besaßen, die sich darum kümmerte, so dass ich nach einer kurzen Mittagsruhe nicht erst noch aufräumen und spülen musste, sondern mich gleich wieder aufs Pferd setzen konnte. Neben Picture of a Ghost und Verdine brachte ich Kisshimbye und Sweet like Chocolate in die Führanlage, ehe ich mir Cruel Twist of Fate schnappte und den jungen Wallach noch reiten konnte.
      Gegen Nachmittag war noch Abadon all Hope an der Reihe. Die anderen Verkaufspferde hatte ich mir in den letzten Tagen schon vorgeknüpft.

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      (leider ein doofer Storycut aus… Gründen, man oh man, dann gehts halt anders weiter :3)

      Mitte August

      An einem späteren, extrem heißen Sommerabend, gegen 20 Uhr saß ich im Büro und starrte auf eine Verkaufsseite. Neben Heza Bat Man, auf den ich schon lange ein Auge geworfen hatte, standen nun auf einmal auch alle Pferde von Johanna Röder zum Verkauf. HMJ8345’s Continental, How ‘Bout Moonies, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks und auch Chapman, aber sobald ich auf die Anzeige klickte, wurde er mir schon als verkauft angezeigt. Ich seufzte, griff sofort zum Hörer und telefonierte gut zwei Stunden mit Johanna.
      Nach unserem Telefonat stand alles fest: Conti blieb schon einmal direkt bei uns und in den nächsten Tagen würden die drei Hengste hier eintrudeln… außerdem, so informierte mich gerade meine neue E-Mail vom Pferdehandel van Heeringen, hatte ich auch den Zuschlag für das schicke Paint Horse, Heza Bat Man bekommen.
      Auf meinem Stuhl hüpfte ich einmal kurz auf und ab. Yes! Damit konnte ich meine Startpferde für die Juturity um ein wirklich gutes, neue Pferd erweitern. Wie er sich wohl im Training machen würde?

      Schon früh am nächsten Morgen war ich dabei, auf dem Hengstpaddock ein wenig für Ordnung zu sorgen. GRH’s Unbroken Soul of a Devil sowie Small Town Dude erfreuten sich des doch noch kühlen Wetters und ließen ein paar Luftsprünge ab, als ich sie mit der Schubkarre aus dem Weg schubste. Auch Zues stand in der Sonne und rupfte ein paar schmale Grashalme aus dem Boden. Als er mich sah hob er den Kopf und stoppte kurz in der Kaubewegung
      Bei den Stuten sah es da schon anders aus. Cup Cake stand zusammen mit California Rose und Frosty Lagoon im Unterstand, während GRH’s Unbroken Magic sich ausgiebig wälzte. “Du bist ein Schwein. Gar keine feine Dame wie zum Beispiel Stormborn”, schmollte ich und knipste schnell ein Foto des Oreopferdes, ehe mein Blick zu Kholáya, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena und Tortured Witch HMJ 6693 glitt. Witch würde ich eventuell mit Conti zusammenstellen, so müssten sich die beiden Stuten vielleicht sogar noch kennen.

      Wenig später schaute ich bei Ginny my Love, GRH’s Aquila T Mistery und Lovin’ Out Loud vorbei. Ginny hatte ich samt Fohlen in der vergangenen Nacht reingeholt, da die Stute nicht so fit schien. Da sie heute Morgen allerdings wieder super aussah, verlud ich sie kurzerhand zusammen mit Aquila und Lol in den Hänger, um sie wieder zurück zur Stutenkoppel zu bringen. Ab Morgen würden wir damit beginnen, die Fohlen abzusetzen. Dazu würde ich alle Pferde wieder an den Hof holen und sie auf die Paddocks verteilen. Da sie so viel Gesellschaft hatten und sich auf der Koppel auch schon ziemlich weit von den Müttern entfernten, rechnete ich nicht mit einem großen Drama.
      Wieder am Hof angekommen sah ich Cayce mit Till Death auf dem Platz. Laurence saß auf Chocolate Dream und Bellamy stand am Rand, hielt GRH’s Bellas Dun Gotta Gun in der einen, Hollywoods Silver Dream in der anderen Hand fest. “Reitet einer von euch heute noch Nachtschwärmer mit?”, fragte ich in die Runde und hatte sofort die Aufmerksamkeit aller auf dem Platz auf mich gezogen. Cayce nickte.
      “Klar, kann ich machen. Sonst noch wen außer der Reihe?”
      “Nein, nur ihn. Ich helf Octavia gleich noch ein bisschen bei ihren Pferden. Die anderen sind für heute versorgt oder haben frei. Außerdem sollen gegen Abend die neuen Pferde kommen.”
      Cayce nickte und trieb Till wieder an. Der Hengst machte sich gut, geritten wurde er von jedem gerne und ich war wirklich froh, dass ich doch endlich die Chance bekommen hatte, ihn zu mir zu nehmen.
      Im Stalltrakt von Octavia angekommen staunte ich nicht schlecht, als dort eine kleine schwarz gescheckte Stute stand.
      “Das ist Breia LDS, kurz Nini. Ein Stutfohlen von Skrudur und Bree. Ist vor ein paar Tagen angekommen. Ich wollte dich fragen, ob ich sie zu den anderen Fohlen stellen kann, wenn du die morgen hier rüber zur Ranch holst.”
      Ich musste ja schon sagen… eigentlich bekam ich alles mit, was hier auf meinem Hof passierte. Wieso hatte ich das nicht mitbekommen?
      “Caleb du musst schon was sagen, schau mich nicht so geschockt an!”, meinte Octavia und sah nun etwas verunsichert zu mir herüber.
      “Ja.. ja klar. Ich hab nur gar nicht mitbekommen, dass du ein Pferd gekauft hast. Vor allem nicht so einen.. Mix.”
      “So ein Mix ist sie gar nicht. Der ist anerkannt als Zelter. Google das mal.”
      Ich schmunzelte. “Ja mach ich die Tage.. wobei brauchst du Hilfe?”
      Octavia drehte sich auf der Stelle herum und marschierte zum Ausgang des Stalles, kreuzte den Hof und ging auf ihre Paddocks zu. “Ich hätte gerne die Rennpferde wieder an der Rennbahn. Ich habe einen Jockey gefunden und bräuchte deine Hilfe beim Verladen.”
      Im Kopf ging ich die Pferde einmal durch, ehe ich nickte. “Wer so0ll denn alles mit?”
      “Drama Baby, Tigres Eye, Peacful Redemption und Wildfire xx. Culain kommt auch mit rüber, der wird jetzt angeritten und Tasmania hätte ich gerne als Track Pony dabei.”
      “Und was ist mit Pria?”
      “Priamos Ruffia Kincsem soll keine Rennen mehr laufen. Ich würde aus ihr eventuell nächstes Jahr noch ein Fohlen ziehen und ansonsten darf sie ihren Vorruhestand genießen, indem sie ein Geländepferdchen für mich wird. Mal schauen, was man aus ihr noch so rausholen kann.”
      Ich nickte, konnte sie bei ihrer Entscheidung voll verstehen. “Was hast du denn mit den anderen Pferden so vor?”, fragte ich dann und blickte zu ihr rüber, während wir schon die ersten Pferde mit zum Stall holten und zum Transport fertig machten.
      “Mit Magic Lanijos bin ich mir noch immer nicht so ganz sicher, auch nicht mit Ceara Isleen… Dakota ist ja Bellamy, der sollte sie nur mal öfter reiten. Mit Pocahontas habe ich ja erst kürzlich einen Springkurs gemacht. Die entwickelt sich super, braucht aber genügend Zeit zum Verarbeiten. Raspberry… klar. Dazu brauch ich nichts weiter zu sagen- und Absolute Bullet Proof muss ich auch mal wieder weiter trainieren… wo bleibt nur immer die verdammte Zeit?”
      Ich lachte, Octavia stimmte mit ein. Tja, wo blieb nur immer die verdammte Zeit?

      Wieder im Büro angekommen zückte ich mein Handy und wollte mir die neusten Pferdeanzeigen anschauen, rief dabei sogar eine Person für genauere Infos an.
      Lange konnte ich mich allerdings nicht am Telefon aufhalten, denn die Pferde von Johanna kamen gerade an.
      Ich seufzte, legte in aller Eile auf und sprang auf die Beine, um nach draußen zu gehen und die drei Pferde in Empfang zu nehmen; Conti war durch ihr Training ja sowieso schon bei uns. Ich freute mich, dass sie bleiben durfte und für ihr Leben nun ein Zuhause gefunden hatte, welches für immer das Ihre sein würde.
      Während Nic (How ‘Bout Moonies) irgendwie etwas zerpflückt aussah, stellten sich Four Bar Chocolate Becks und Blanton’s Gentleman, der schnell den Spitznamen Plankton bekam, als wirklich super gut gepflegte Pferde heraus. Was mit Nic passiert war würde ich in nächster Zeit noch in Erfahrung bringen.

      Am nächsten Morgen war es dann so weit. Die Fohlen würden abgesetzt werden. Dazu war ich mit fast allen meinen Mitarbeitern und den Trailern zur Weide gefahren, hatte alle Tiere aufgeladen und nun waren wir an der Ranch angekommen, ließen die Pferde aus den Trucks auf den Reitplatz, um sie dort zu sortieren. Die drei Jungpferde Dignity, Ace und Kat hatten wir ebenfalls mitgebracht, denn sie würden mit dazu kommen.
      Nachdem sich die Pferde nun etwas beruhigt hatten trennten wir die Stuten von den Fohlen und brachten die erwachsenen Tiere auf eine der hinteren Paddocks, die Fohlen und Jungpferde schließlich auf einen großen Paddock nahe des Hauses.
      Die erste Nacht war für alle ein wenig unruhig. Die Fohlen waren nicht gerade begeistert, dass sie nicht mehr so viel Platz und vor allem ihre Mamas nicht mehr um sich hatten, doch sie würden es schon überleben.
      Ein paar Tage später sah die Sache schon wieder anders aus. Die Fohlen hatten sich eingelebt und lernten alle nach und nach das Fohlen ABC. Erst wenn sie dieses wirklich aus dem FF beherrschten, würden sie wieder auf eine der großen Koppeln kommen, bis zum nächsten Jahr, wenn sie wieder genau hier mit den den Fohlen des nächsten Jahres landen würden.
      Aus dem Augenwinkel sah ich Laurence und Birk zusammen auf dem Platz. Er nahm seine Aufgabe wirklich genau und es freute ich, dass die beiden immer mehr zusammenwuchsen. Auch, wenn er nichts davon wusste, dass der Hengst bei uns bleiben würde.

      Etwa drei Wochen später war es so weit und einige Fohlen sollten den Weg in ein neues Zuhause finden. Dies war leichter gesagt als getan, denn es taten sich Probleme auf. Pamina, die eigentlich an Zion gehen sollte, konnte aufgrund der Reitsportaufgabe nicht mehr umziehen. Und auch General Pleasure hatte kein Glück, denn neben ihm, der jetzt bleiben musste, war ich auch gezwungen Bittersweet Temptation erneut aufzunehmen. Der mittlerweile Wallach sah fast aus wie unser neue Hengst Small Town Dude, was ihn jedoch nicht davor bewahrte, wieder zu uns zurückkommen zu müssen.
      Wer allerdings ein tolles neue Zuhause bekommen würde, zum Glück eine Person, die zu ihrem Wort stehen konnte und die keine plötzlichen Schicksalsschläge hatte erleiden müssen, war Tiara Evergreen. Zu ihr würden nicht nur Shark und Daisy umziehen, sondern auch Chapter, Picture of a Ghost und Kisshimbye. Letztere war schon einmal im Besitz ihrer Mutter gewesen, die keine schlechte Arbeit mit ihr geleistet hatte.
      Ob alle Entscheidungen, die ich in den letzten Tagen getroffen hatte die richtigen waren? Das würde sich zeigen.
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  • Album:
    BRR Verkaufsstallung
    Hochgeladen von:
    Veija
    Datum:
    18 Aug. 2019
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    Height:
    640px
     

    Note: EXIF data is stored on valid file types when a photo is uploaded. The photo may have been manipulated since upload (rotated, flipped, cropped etc).

  • Exterieur
    Name: Verdine
    Rufname: Dine
    Alter: 18.09.2008, 13 Jahre
    Geschlecht: Stute
    Größe: 1,53m
    Rasse: American Appaloosa Horse
    Fellfarbe: Dunkelfuchs Schabracktiger


    Stammbaum
    von: unbekannt
    aus der: unbekannt

    Charakter & Geschichte:
    ausgeglichen | teilweise unsicher | schreckhaft | sensibel

    Verdine ist eine ausgeglichene Appaloosa Stute und stammt noch aus einer Arbeitslinie. Dank eines leichten Sportlinieneinflusses ist sie etwas leichter gebaut, aber leider auch nicht so unerschütterlich, weshalb sie auch mal unsicher sein kann. Man sollte sie nicht völlig unaufmerksam reiten, da sie noch Sicherheit benötigt, sonst ist sie recht schreckhaft. Stress und Unruhe übertragen sich leicht auf Verdine. Dennoch ist sie sehr arbeitseifrig und gibt immer alles. Im Vergleich mit anderen Pferden klebt sie einem nicht an den Fersen, freut sich dennoch über Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
    [​IMG]
    [SK 458] Alle Stuten
    Nachkommen: BR Wherigo, von Whinney

    Besitzer: Veija (Caleb O'Dell)
    Vorbesitzer: adoptedfox
    Gezüchtet bei/Zucht:

    VKR: sadasha

    Kaufpreis: 1750 Joellen
    Zu Verkaufen: ja


    Qualifikationen:

    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E/L
    Springen E/A
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western
    Pleasure
    Reining LK 1
    Trail


    Erfolge:
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    3. Platz 400. Westernturnier, 1. Platz 415. Westernturnier, 2. Platz 446. Westernturnier, 3. Platz 448. Westernturnier, 1. Platz 413. Galopprennen, 3. Platz 448. Westernturnier, 2. Platz 509. Dressurturnier, 1. Platz 355. Distanzturnier, 1. Platz 457. Distanzturnier, 3. Platz 513. Springturnier

    Gesundheit:
    Gesundheitszustand: gesund
    Letzter Besuch: 15. August 2018

    Hufschmied:
    Letzter Besuch: 15. August 2018
    Beschlag: