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Verdine ♀
SkynLaccy, 29 Juni 2021
Stelli, Wolfszeit und Mohikanerin gefällt das.
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      für Croccantino, Butterblume, Verdine, Roi du Soleil, Lillifee, Star, Vanity, Angel´s Kiss, Nesquik, Sally, Alice von Landwein, Draculas Wife, Happy Steffi, Nosferatu, Antigone, Knives and Pens, Siana, Drachenlady, White Dance, Juwel der Stille, De Luxe

      Dezember 2015, by kira
      Es war schon Winter, aber zu meiner Freude erinnerte das Wetter einen noch eher an laue Herbsttage. Somit wehte mir auch kein eisiger, schneidender Wind entgegen, als ich aus dem großzügig gebauten Einfamilienhaus trat. Seit kurzem hatten wir zwei Wohnungen in unserem Haus abgetrennt, aus vorher mehr oder weniger genutzen Räumen. Weniger, musste ich eingestehen. Und Lars hatte schon Pläne für weitere Wohnungen. Nicht das er neuerdings sich als Vermieter versuchte, nein, wir hatten nun Angestellte. Wie merkwürdig das klingt. Ich hatte mich immer alleine um meine Pferde, meinen Hof gekümmert. Aber nun war ich doch glücklich über Lars rationale Denkweise, denn inzwischen war die Größe des Hofes und Menge der Tiere nur noch schwer alleine zu bewältigen. Und somit hatten sich jetzt Peter, alteingesessener Pferdewirt, und Alexandra, welche bisher im Beritt und Reitunterricht tätig gewesen war, aber sich hier auch um die Pflege kümmern würde, dort einquartiert. Bisher verstand ich mich mit beiden recht gut, aber was konnte man schon nach so kurzer Zeit sagen.
      Alex kam grade aus der Tür hinter mir, „Ausnahmsweise kein Regen.“ Nickend stimmte ich ihr zu, denn es war zwar immer noch recht mild, aber wir hatten einige Tage des Dauerregens erlebt. „Ich hoffe der Boden ist nicht mehr so schlammig, ich wollte heute mit Blümchen eine Trainingseinheit im Gelände absolvieren.“, auf diese Idee war ich gekommen nachdem Cata mal wieder da gewesen war. Denn momentan schien Butterblume wohl eine Blockade, mental gesehen, zu haben. Denn trotz Talent und Können hatte sie nun beim Springen Schwierigkeiten. Im Gelände, kleine Hindernisse und Motivation durch andere Pferde(ich hatte Lars dazu verdonnert mir Gesellschaft zu leisten und eine Freundin würde auch mitkommen), hoffte ich würde sie den Spaß bei der Sache wieder finden und über ihren Schatten springen und letzteres wohl auch wortwörtlich. Alex nickte verstehend. „Du bewegst am besten heute erstmal die Zuchtstuten.“, teilte ich ihr mit. Wiederum nickte sie und verschwand Richtung der Besagten.
      Zu den Zuchtstuten zählten alle meine prämierten Stuten, welche zumeist gerade tragend waren und somit nur für einige Zeit aufs Paddock gelassen werden mussten oder für einige Runden in die Führmaschiene kamen. Zum Glück konnte man die Paddocks wieder nutzen. Schweigsames Mädchen, dachte ich noch kopfschüttelnd und machte mich Richtung Nebenstall auf, denn erst würde ich mich heute noch um meinen liebsten Croccantino kümmern. Auf dem Weg zu dessen Box kam ich an Peter vorbei, welcher eifrig, aber dennoch irgendwie gemütlich, dabei war die Boxen zu misten. „Morgen, Frau Esenbeck!“, grüßte er mich. „Morgen Peter, schon so weit?“ „Ja man muss doch anpacken!“ Lächelnd reichte ich ihm den Stroballen, welcher vor der Box lag. Er hat trotz der frühen Stunde schon gute Arbeit geleistet. „Machst du gleich mal Pause und teilst die Morgenrationen aus?“, fragte ich ihn. „Ist schon in Arbeit!“, kam die Antwort, die von der Tonlage nicht hätte passender für so einen alten, bodenstämmigen Mann hätte sein können.
      Mit dem gesattelten Croccantino machte ich mich Richtung Halle auf. Die Reitplätze sahen noch zu unfreundlich aus, auch wenn die Sonne sich gerade durch die Wolkendecke gekämpft hatte. Wenn es so bliebe würde der Ausritt heute schön werden. Croc war derzeit in allen wichtigen Sparten auf L Stand und hatte beste Aussichten ein top Sport- und Zuchtpferd zu werden. Die Körung hatte er zu meiner großen Freude erfolgreich absolviert und würde nun im nächsten Frühjahr mit 5 Jahren bei den Großen anfangen mit zu mischen. Eine lockere Stunde hatte ich angesetzt und so ließ ich ihn nach einer Aufwärmphase ruhig antraben. Mittlerweile war er recht routiniert unter dem Sattel und wundervoll feinfühlig. Nach einigen einfachen Übergängen war der Gute auch munter bei der Sache dabei . Wir nahmen Galopp – Schritt Übergänge hinzu und nachdem er diese talentiert meisterte wagte ich mich auch an den Halt aus dem Galopp. Zu meiner Freude schaffte er es nach ein paar Anläufen. Zwar schien er mir etwas nervös, dass ich etwas von ihm forderte, was er noch nicht kannte, und der Halt war noch ein wenig ruckelig. Dennoch machte er seine Sache super und schien aufmerksam dabei zu sein. Seine Ohren schlackerten etwas hin und her aufmerksam was als nächstes folgen würde. Fröhlich klopfte ich ihm den Hals. Im weiteren Verlauf fragte ich nur bekannte Lektionen ab. Etwas Außengalopp, Kehrtwendungen und das Vergrößern und Verkleinern des Viereckes. An der Bande lag die Abschwitzdecke bereit, welche ich nach dem Training mit Schwung über den Pferderücken schmiss.
      Als Croc wieder in seiner Box stand, nun auch verspätet sein Müsli mampfend und ich aus der Box trat kam eine grinsende Gestalt die Stallgasse entlang auf mich zu. Mit lauter Stimme trällerte sie mir fröhlich entgegen: „Da versteckst du dich also! Wie geht’s dir? Hier findet man ja niemanden ohne GPS-Gerät und Lageplan!“ Ebenfalls grinsend trat ich ihr entgegen:“Louisa! Schön dich zu sehen! Gut, ich hab viel zu tun, aber das macht mich ja alles nur glücklich. Hast du Lars schon begrüßt?“ Besagter kam in diesem Moment um die Ecke, lächelte und beantwortete meine Frage: „Noch nicht, aber das holen wir schon nach! Na kleine Schwester? Gut hergefunden?“ Er umarmte Louisa herzlich, welche darauf im Anschluss mir in die Arme fiel. Als sie von mir abließ schaute mich meine Freundin und jündere Schwester meines festen Freundes an: „Wie ich dich kenne hast du schon was geplant oder?“ „Wir gehen ausreiten, das schöne Wetter muss man doch nutzen!“ „Dann geh ich mich mal grade umziehen, okay?“ „Mach das! Mich hat sie auch noch zum Ausritt abkommandiert.“, Lars klopfte seiner Schwester auf die Schulter. „Als ob du was dagegen hättest!“, meinte diese keck und verschwand richtung Stalltür. „Ich steh nicht so auf Kaffeklatsch !“, rief Lars Louisa noch hinter her. Danach verschwand auch er um Roi du Soleil fertig zu machen. Ich selber wandte mich Butterblume zu, als ich mit dieser ferig war, ging ich nach Louisa schauen, welche bei Verdine zugange war. „Diese hier ist aber neu, oder?“ „Ja, ich dachte mir sie passt zu dir! Lieb ist sie … und sie springt nicht gerne!“, kicherte ich wofür ich eine rausgestreckte Zunge erntete. „Aber gut, dass ich nicht springen muss.“, meinte Louisa sanft lächelnd. Als ich mir sicher war das Louisa problemlos mit Verdine klar kam, die Stute schien meine Freundin zu mögen, wurde diese doch sachte angestupst, ging ich auf die Suche nach Alex.
      „Lillifee, Star, Vanity, Angel´s Kiss, Nesquik, Sally, Alice von Landwein, Draculas Wife, Happy Steffi, Nosferatu, Antigone, Knives and Pens und Siana?“,zählte ich alle auf, man konnte ja nicht wissen ob schon alle Pferde im Petto hatte. „Ja, alle bewegt und wieder glücklich und sauber in der Box!“, meinte sie lächelnd. Ich musste auch grinsen: “Sehr schön! Ich bin jetzt mit Lars und seiner Schwester auf Butterblümchen, Verdine und Roi im Gelände. Du kannst ja noch Drachenlady zusammen mit De Luxe aufs Paddock bringen und White Dance und Juwel der Stille reiten, was du mit den beiden genau machst kannst du dir aussuchen!“ „Mir fällt schon was ein!“
      Das Gelände schien wie gedacht eine positive Wirkung auf Blümchen zu haben. Motiviert lief sie an der Spitze auch wenn Roi immer wieder versuchte sich vor zu drängeln. Darauf hin beschlossen wir ihn ans Ende zu verbannen. Lars war ganz froh nach hinten etwas Platz zu haben, denn der Hengst schien es heute echt hinter den Ohren zu haben und machte Lars das leben schwer. Währenddessen genossen Louisa und ich vor ihm den Ausritt und Verdine und Butterblümchen schienen sich zusammen stark gegenüber dem hinter ihnen randalierendem Hengst zu fühlen. Mit Verdine hatte ich das Richtige Pferd für Louisa ausgesucht, die Stute war brav zu bewegen, wenn auch etwas ängstlich, doch damit konnte meine Freundin umgehen. Als wir eine Strecke erreichten, welche von einigen kleineren Hindernissen gesäumt wurde gingen wir in den Galopp. Die ersten Sprünge ließen wir noch aus, doch dann merkte ich wie Blümchen unter mir zappelig wurde und den an ihr vorbei ziehenden Hürden nachschielte. Louisa und Lars würden nicht Springen, dazu war Roi zu aufgekratzt heute. Louisa und Verdine waren sich einstimmig sicher, dass der Ausritt ohne Sprünge spaßiger sei. Somit lenkte ich vor dem nächsten Baumstamm alleine ab und ging auf die Nebenspur des Waldweges. Gekonnt zog Blümchen an, taxierte und übersprang sorgenfrei das kleine Hinderniss. Neben uns galoppierten die zwei anderen Paare. Vorne ruhig Verdine, hinten zwei etwas muffelige Männer.
      Als wir wieder am Hof ankamen war Roi doch endlich mal zu ruhe gekommen und Lars konnte grade verschnaufen. Aber dieses Glück währte nicht lange, schon fing der Hengst wieder an zu blödeln. Etwas missmutig saß Lars ab und verschwand, sich im gehen eine Gerte und Longe greifend Richtung Halle. „Da wird jetzt aber einer Ärger bekommen.“ „Das ist der Doofe selber Schuld, soll er doch Lars nicht so ärgern!“, meinte ich schmunzelnd. „Aber lustig wars auch irgendwie“, gedankenverloren streichelte Louisa Verdine, welche das sichtlich genoss. Als ich absaß betrachtete ich Butterblümchen, welche endlich wieder eine Freude an den Tag gelegt hatte beim Springen, wie früher. Vielleicht ist sie noch nicht reif für Tuniere? Louisa verschwand ebenso wie ich in einen der Stalltrakte und das Pfderd abzusattel und zu putzen. Später würden wir uns noch alle im Haus wieder sehen, wo sie für die Dauer ihres Aufenthaltes ein Gästezimmer mit Bad bezogen hatte. Ich freute mich jedes Mal wieder wenn eine meiner Freundinnen für einige Zeit zu Besuch kam.
      für Verdine, Coco de Mer, Aggressor´s little Queen, Ahyoka Dazzle
      März 2016
      Ahyoka Dazzle war nun schon ein halbes Jahr auf dem Hof. Optisch war sie schon beim Kauf eine Augenweide gewesen. Langsam wurde sie auch Charakterlich netter, denn am Anfang war es etwas schwer mit der Stute gewesen.
      Ruhig grüßte ich die Pferde im Offenstall, während Coco de Mer und Aggressor´s little Queen neugierig mich beschnupperten, immer auf der Suche nach Leckerlies, stand Verdine etwas Abseits und wartete das mehr ruhe einkehrte. Nachdem Coco und Queenie anfingen sich zu zanken, als Coco meine Jacke anknabberte, hatte ich Zeit mich der Quarter Stute zu zuwenden. Coco und Queenie jagten quietschend und Buckelnd über das Paddock und zur Weide. Die war seit Anfang des Monats wieder "geöffnet", im Winter war es einfach nicht gut für das Gras, weshalb die Pferde nur Zugang zum Paddock gehabt hatten.
      Verdine stand abwartend da und nahm entspannt das Leckerchen welches ich ihr reichte, nach dem kurzen täglichen Check klopfte ich sie ab und machte mich nun auf die Suche nach dem eigntlichen Pferd, welches ich zum training mitnehmen wollte.
      Von dem Ganzen Affenzirkus unbeeindruckt stand Ahyoka auf der Weide. Auch hatte sie wie meistens mich völlig ignoriert, was immernoch besser als ihr ursprüngliches aggressives verhalten war. "Na du!", sie würdigte mich keines Blickes ließ sich aber zum Glück brav aufhalftern.
      Der Weg zum Stall, putzen und Satteln lief problemlos ab, die Stute hatte gelernt brav zu sein, auch wenn es nicht ihrem Wesen entsprach, da sie sehr dominant war. Beim reiten fiel es immernoch eher auf.
      Für mich war es auch nach einem Jahr intensiv Training noch ungewohnt in einem dieser großen schweren Westernsättel zu sitzen. Bestimmt trieb ich Ahyoka an, erst wiederwillig folgte sie meinen Anweisungen.
      Mit voller Konzentration musste ich bei ihr bleiben. Ich übte einige Tempiwechsel, welche nach ein paar Minuten recht flüssig von der Hand gingen und ich merkte wie die Stute ruhiger wurde und mit weniger Wiederwillen arbeitete.
      Nach nur 30 Minuten hörte ich wieder auf, den bis dahin hatte es gut geklappt und ich wollte nicht riskieren, dass sie nur einen Schritt wieder zurück machte.
      Der Rückweg war ebenso problemlos wie hin und zu meinem Erstaunen schien die Stute sich heute etwas Zuwendung zu wünschen, weshalb ich sie krabbelte. Diese Wendung erfreute mich und ließ mich auch hoffen.
      Im Offenstall machte sie aber direkt erstmal wieder ihre Leitposition klar, indem sie die drei anderen Pferde durch die Gegend scheuchte.
      für Valentine´s Candy Fireflies, Stromer‘s Painting Gold, Daisy Dee, White Dance, Ahyoka Dazzle, Genuine Lil Cut, Juwel der Stille, De Luxe, Jade, Verdine, Aggressor's little Queen, Coco de Mer, Baroness of the Guard, PFS' Daydream of Money, Fairy Tale, Prometheus
      September 2016
      Plötzlich aus dem Schlaf gerissen schaute ich in zwei bernsteinfarbene Augen, welche ich auf A, dass Jascha sich mal wieder in unser Bett geschlichen hatte. Mir den Finger vor den Mund haltend zischte ich ihn an, „Leise!“. Lars wäre nicht erfreut über den Hund im Bett, doch noch schlief er. Und solange Jascha nicht seiner Begeisterung, dass ich aufgewacht war, lautstarken Ausdruck verleihen würde, würde Lars auch weiter schlafen.
      In der Küche angekommen öffnete ich erst einmal die Tür zum Hof, damit mein Junghund seinen morgendlichen Geschäften nachgehen konnte. Noch war er nicht ganz stubenrein, aber lange hatten wir ihn ja auch nicht. Mit einem Kaffee in der Hand machte ich mich auf die Suche nach Malheuren der vergangenen Nacht, konnte aber zu meinem Erfreuen keine finden. „Gute Morgen Schatz!“, mein Freund kam in die Küche geschlufft. „Morgen! Kaffee ist schon frisch gemacht.”. “Mmmhh”. Während Lars sich seine Tasse eingoss berichtete ich ihm von Jaschas Erfolgsgeschichte, „Jascha hat heute Nacht nirgends hin gemacht“, „Mhm“, er setze sich an den Tisch. „Was steht heute an?“ „Für dich am besten Zäune streichen, die Stutenweide oben am Wald baucht neuen Teer auf den Pfosten, damit sie nicht faulen. Aber ich glaub, da musst du erst zu Baumarkt, der ist nämlich fast leer!“ „alles klar, brauchen wir sonst noch was?“, ich spürte die Begeisterung meines Freundes zum Baumarkt zu kommen. Welcher man bastelte nicht gerne herum? „Ich glaub nichts, ansonsten kann ich dich ja dann nochmal anrufen.“ „Gut, dann mach ich mich nach dem Frühstück fertig.“ Kurz bevor ich die Treppe hoch ging um mich ebenfalls anzuziehen, aber ins Stall und Reitoutfit, meinte ich noch zu Lars: „Wenn das Wetter später besser ist können wir ja noch eine Runde ausreiten!“ „Oh, Louisa wollte heute vorbei kommen!“ „Ah wie schön! Dann können wir ja zu dritt raus!“ „Mhm“ – Begeisterung klang anders, doch wenn wir dann schließlich unterwegs waren war mein Freund doch meistens begeistert. Er hatte vor mir nichts mit Pferden zu tun gehabt, außer dass seine Schwester Louisa ritt, doch dafür hatte ich ihn nach ein paar Jahren doch auf ein gutes Wissen gebracht.
      Jascha hatte sich nachdem er sein Futter bekommen hatte mir angeschlossen und so gingen wir gemeinsam, ich mit Sattelzeug bepackt, in den Nebenstall. Gefüttert waren schon alle Pferde, dafür hatten meine Angestellten gesorgt. Als ich Valentine´s Candy Fireflies aus seiner Box geholt hatte, kam mir grade Andrew entgegen. Der Engländer und Jockey, welcher neuerdings für mich arbeitete, hatte Stromer‘s Painting Gold im Schlepptau. Die junge Stute sah ziemlich fertig aus. „Hartes Training? “ “Ja, aber sie war gut.”, anerkennend nickte ich ihm zu, er hatte sich bisher als guter Trainer erwiesen und Goldie inzwischen fit für Rennen gemacht. Bei ihrem ersten offiziellen Rennen war das Vollblut erst wenige Wochen unter dem Sattel und im Training gewesen und hatte dennoch den 6.Platz erreicht, somit war ich nun gespannt auf ihr nächstes Rennen am Wochenende. Zwar würde ich sie nicht selbst reiten, dafür war ich leider noch nicht ausgebildet, aber ich fieberte dem Rennen entgegen. In meiner reiterlichen Ausbildung würde sich noch einiges tun, so hatte ich Westernlehrgänge geplant um meinen inzwischen sechs Westernpferden, gerecht zu werden. Bisher hatten sie nämlich nur eine ordentliche Förderung bekommen, wenn meine Stammtrainerin Veija ihre monatlichen Besuche gemacht hatte. Auch wollte ich mich, was Rennpferde anging weiterbilden, doch für beides hatte ich bisher noch nicht die Zeit gehabt mich genauer über die vorhandenen Möglichkeiten zu informieren.
      Nachdem ich Vally geputzt und gesattelt hatte ging es mit dem Hengst schnell in die Halle, denn grade fing es wieder an zu regnen. Halbwegs trocken kamen wir dort an und ich warf nachdem ich aufgestiegen war die feuchte Abschwitzdecke über die Bande. Jascha hatte noch nicht ganz verstanden, das er nicht immer um die Beine der Pferde wuseln sollte. Und so machte Vally, der an sich ein ganz gechilltes und cooles Pferd war, plötzlich einen Satz nach vorne. „Ruuhhig“ Schnell reagierte ich und nahm die Zügel kurz und setze mich tief hin, auch wenn ich für den großen Hengst ein Fliegengewicht war wurde er direkt ruhiger. Nach einigem Gehibbel ließ er sich auch halbwegs wieder hin stellen. Ich hielt besorgt nach meinem Hund Ausschau, welcher sich nach dem Tumult auf die andere Seite der Bande gerettet hatte. Etwas sauer war ich schon, doch er schaute nun so als hätte er verstanden, dass es zwischen Pferdebeinen gefährlich ist, somit beließ ich es dabei und war froh das nicht geschehen war.
      Das warmreiten war etwas mühselig da der Hengst noch etwas aufgekratzt war und ebenso verlief es im Training. Wir machten heute leichte Dressurarbeit, demnächst sollte der Hengst von einem professionellen Trainer auf die A Dressur vorbereitet werden. Auch wenn er in den Springsport gehen sollte, achtete ich dennoch bei meinen Pferden auf eine vielseitige Ausbildung und sie abwechslungsreich zu arbeiten und vernünftig zu gymnastizieren. Wir beschäftigten uns vor allem mit fließenden Gangartübergängen und dem Halten. Noch ruckelte es etwas, aber es wird. Ich liebte vor allem Vallys Galopp, der Hengst hatte einen astreinen Schaukelpferd Galopp und sprang in diese Gangart auch immer direkt an, wenn er auch etwas schwer zu bremsen war. Zu Letzt übte ich mit ihm zur Beruhigung nach dem Galopp noch das Rückwertsrichten, was für mich einfach zur Grundausbildung gehörte. Am Strick konnte dies fast jedes meiner Pferde, doch dies nur mit Reiter obendrauf zu wieder holen war für mache am Anfang schwer. Etwas schief und unsicher wich Vally ein paar Schritte zurück, lobend klopfte ich ihm den Hals und ließ ihn im Schritt wieder vorwärts gehen. Er verstand schon was ich von ihm wollte, doch bis er locker und grade rückwärtsging würde es noch dauern. Die Übung wiederholte ich noch einige Male, bevor ich das Training beendete.
      Als nächstes holte ich Daisy Dee aus der Box, die nun ihre war. Die Stute stand seit gestern bei mir im Stall und verteidigte ihren Lebensrau schon so giftig als wäre sie dort geboren. „Hey!“, mit einem Klaps auf die Nase behielt sie ihr Maul doch bei sich. Jascha blieb diesmal brav auf Abstand, was mich ziemlich erleichterte. Zu einer zickige, wenn auch hübschen und talentierten, Welsh Cob Stute hätte ich nicht auch noch einen ungezogenen Hund gebrauchen können. Einmal angebunden ließ Daisy sich aber dennoch fast brav putzen und satteln, nur an den Beinen fand sie mein „Herumgefummel“ doof – doch mich konnte sie nicht vertreiben und ich blieb ungeachtet ihres Herumgemecker dabei. Noch hatte sie keinen eigenen Sattel oder Trense und ich war mir auch gar nicht sicher ob sie einen brauchen würde. Vor dem Wochenende wollte ich dennoch al einen Satter drüber gucken lassen, ob sie weiterhin mit White Dances Sattel laufen könnte. Die Stuten hatten eine ähnliche Statur und Größe und augenscheinlich schien der Satte gut zu passen. Da White Dance auch vor der Kutsche lief brauchte sie diesen auch nicht so oft. Grade als ich mit Daisy fertig war kam mir Peter entgegen. „Sagen sie mal, dürfte ich mich wohl auch nochmal auf ein Pferd schwingen?“ Etwas verwundert fragte ich meinen doch schon an die 60 gehenden Stallburschen:“Sind sie denn schon mal geritten?“ „Natürlich“, lachte der alte Herr, „früher als ich jung war habe ich eine Zeit in Amerika verbracht und da auch einer Ranch gearbeitet und da gab es diese nette Mädchen .. jedenfalls endete ich als recht begnadeter Westernreiter.“ Bisher hatte ich nicht gewusst das mein Stallbursche fürs Misten, Füttern, hin und her bringen der Pferde auch mal auf einem gesessen hatte. „Oh.. ja dann wenn sie möchten..? Also wir haben ja diese beiden neuen, den Quarter und den Paint. Ich wollte sowie so nachher mal mit den Offenstallpferden eine Runde drehen, da können sie gerne mit!“. Jetzt lächelte Peter begeistert: „Sehr gerne! Wann soll ich die Pferde holen?“ „Am besten...“, ich spinkste auf meine Uhr und rechnete, “ Ahyoka und Gen, der neue Hengst, für in 1,5 Stunden und die andern vier für in 3 Stunden.“ Peter nickte.
      Auch mit Daisy ging ich in die Halle. Die Stute hatte bisher noch nicht sehr viel Ausbildung erfahren, weshalb ich heute erst einmal ihren Grundgehorsam unter dem Sattel abfragen wollte. Auch wenn ich schon gerne mit Stangen oder kleinen Sprüngen oder auf dem Platz gearbeitet hätte, so mussten wir doch erst mal einander kennenlernen. Vielleicht war die Stute ja auch was für die Kutsche? Eingefahren sollte sie sein, doch ich wusste nicht wie ihre Gänge unter Einfluss eines Reiters oder an der Kutsche aussahen, den für die Kutsche mussten sie sensationell aussehen. Ich hatte Alexandra gebeten später vorbei zu schauen, damit sie ein Video machen könnte. Nachdem ich den Sattelgurt nachgezogen hatte führte ich die Stute zum Bock, von wo ich geschmeidig in den Sattel kam. Zwar hätte ich bei ihrer kleinen Größe von 1,42m auch problemlos vom Boden aufsitzen können, doch ich wollte der Stute keinen Anlass geben sich zu wehren. Nicht jedes Pferd konnte die einseitige, plötzliche Belastung beim Aufsteigen eines Reiters ab. Und Daisy war sehr lange nicht mehr geritten worden. Die Steigbügel waren richtig eingestellt und so tippte ich erst sanft, als darauf keine Reaktion folgte, mit Nachdruck, meine Fersen in ihren Bauch. Ich merkte schon dass man bei dieser Stute Überzeugungskraft brauchte. Sie war nicht unbedingt wiederwillig, aber begeistert dabei auch nicht. Zu meinem Erstaunen klappten die Übergänge problemlos, wenn man sie gut beim Laufen hielt. Und das nicht nur in die langsamere Gangart. Den Galopp hielt ich erst sehr kurz, da sie wohl zum buckeln neigte. Grade waren wir in einem soliden Tempo am Leichttraben, als sie plötzlich wie von Bienen gestochen los schoss. Im Vergleich zu heute Morgen konnte ich mich kaum halten, obwohl ich ein unglaublich sattelfester Reiter war. Außer Rand und Band buckelte die Stute quer durch die Halle und ich registrierte nebenbei eine mit erschrockener Miene da stehende Person, aber dafür hatte ich grade keine Aufmerksamkeit übrig. Inzwischen unsanft nah ich die Zügel an und hielt den Kopf der Stute unten, mit allem Gewicht was ich hatte setze ich mich in den Sattel und zerrte mehr, als das die Stute noch auf vernünftige Hilfen reagierte, das Pferd Richtung einer Hallenecke. Mit der Bande links und rechts und einer endgültigen, kurzen und starken Parade bekam ich sie wieder unter Kontrolle. Eine kurze verschnauf Pause gönnte ich mir in dieser Haltung, bevor ich Daisy am strammen Züge und mit vorsichtigem Treiben im Schritt wieder auf die Bahn lenkte. Nach ein paar Runden hatte sich die Stute wieder beruhig und ich wurde auch wieder freundlicher zu ihr. Jetzt erst konnte ich Louisa grüßen. Ich hielt an der Bande was Daisy ohne zu mucken mitmachte und auch ruhig stehen blieb. „Hey! “ „Die ist neu oder? “ „Ja, seit gestern hier und ich würde sagen...“, ich blickte runter auf die buckskinfarbene Stute,”.. ein ganz schön widerspenstiges Biest!“. „Na dann ist sie ja definitiv was für dich!“, meinte Louisa etwas mitleidig und dennoch neckisch. Darauf konnte ich nur empört schnaufen, aber doch musste ich grinsen, mir war Aktion lieber als Schlaftabletten. „magst du uns gleich mal filmen? Ich konnte mir ihre Gänge unterm Reiter noch nicht anschauen!“.“Klar!“. Ich klopfte den Hals der Stute und trieb sie an. „Ach und wir machen nachher noch einen Ausritt!“, meinte ich verschwörerisch. Dieses Mal blieb die Stute ruhig und so konnte ich einige Runden Traben und auch den Galopp auf beiden Seiten gut ausreiten. Nachdem einige Minuten und alle Gangarten aufgenommen waren, beendete ich das Training und ließ Daisy am langen Zügel im Schritt noch einige Runden laufen, bis ich fertig war vertrieb sich Louisa die Zeit mit Jascha, beide schienen äußerst begeistert voneinander. Woher ihr plötzlicher Ausraster gekommen war, war mir noch nicht so ganz klar, aber das würden wir noch unter Kontrolle bekommen.
      Heute war keine Reitstunde, weshalb ich den ganzen Tag die Halle für uns hatte. Peter hatte Ahyoka Dazzle und Genuine Lil Cut schon fertig gemacht, weshalb ich die beiden nur übernehmen musste. Louisa war erst mal auf die Suche nach ihrem Bruder gegangen, welchen ich seit heute Morgen auch nicht mehr gesehen hatte. Daher suchte ich grade nach einer der Pflegerinnen, damit diese Ahyoka longieren würde, während ich den Hengst mal unter dem Sattel ausprobierte. Marion kam mir grade mit zwei der Stuten, Juwel der Stille und De Luxe, von der Führanlage entgegen. Die beiden sollten auch an Tagen wo sie nicht geritten oder gefahren wurden im Training bleiben, da bei so vielen Pferden nicht jedes täglich unter den Sattel konnte. „Würdest du gleich Ahyoka longieren?“, fragte ich die Pflegerin. Diese nickte, “Ich bring nur die beiden hier weg!“, das klang zwar nicht sehr begeistert, aber sie würde es machen. Ahyoka war auch leider ein schwieriges Pferd, auch wenn wir mittlerweile an einem Punkt waren wo man sie gut arbeiten konnte, doch am Boden stellte sie immer alles und jeden Infrage. „Ich warte an der Halle.“, und setzte mich dann mit den beiden Pferden in Bewegung. Gen hatte ich vor ein paar Tagen im Training gesehen, er war unglaublich talentiert, was aber auch nicht verwunderlich war, da der Hengst ja schließlich gekört war. Ich hoffte, dass ich ihm fürs erste mit meinen geringen Westernkenntnissen genügen würde.
      Marion war nach kurzer Zeit da, sodass ich Ahyoka an sie abgeben konnte. Gen hatte sich vorbildlich benommen, trotzdem eine Stute so nah bei ihm war, nur diese hatte mal wieder mit angelegten Ohren Radau gemacht. In der Halle hievte ich mich in meiner Hälfte in den Sattel. Nach einer Aufwärmphase fragte ich nach einander alle Gangarten ab. Gen lief wundervoll, im Gegensatz zu meinen hochgezüchteten Warmblütern waren seine Gänge kaum zu spüren und man hoppelte nicht im Sattel umher. Marion hatte nach anfänglichen Dominanzproblemen Ahyoka einmal ordentlich zusammengefaltet und so könnte sie die Stute nun gut longieren. Nach einer halben Stunde verabschiedete sie sich dann und brachte die Stute weg. Ich ritt Gen noch ein bisschen länger und versuchte auch ein paar Westernübungen abzurufen. Zwar klappten diese nicht grade perfekt, aber immerhin! Was sollte man auch erwarten? Das Pferd konnte noch so gut ausgebildet sein, der Reiter musste ja auch wissen was er tat! Aber dennoch war ich am Ende recht stolz und begeistert von dem Hengst. Für einen Anfänger war er toll, er dachte selber mit und versuchte das Beste aus meinen eher dürftigen Hilfestellungen heraus zu holen.
      Wieder an den Ställen nahm mir Peter Gen ab, nachdem ich diesen abgesattelt und übergeputzt hatte. Gen stand momentan in einem abgetrennten Bereich im Offenstall bei den anderen Westernpferden. Da musste ich mir jetzt auch keine Gedanken mehr machen, denn dieser ruhige Hengst würde wohl ohne Schwierigkeiten dort stehen bleiben können.
      In der Küche traf ich auf Lars und Louisa. „Und wie steht’s um den Zaun?“ „Der ist fertig!“, grinste Lars zurück und gab mir einen Kuss. „Magst du was essen? Ich hab Sandwichs gemacht.“, sagte Louisa und präsentierte mir die Brotschnitten auf der Arbeitsfläche. „Oh du bist toll!“, begeistert nahm ich mir einige und setzte mich an den Tisch.
      Nach der Mittagspause, wobei es schon eher eine Nachmittagspause war. Gingen wir in den Stall um dort die Pferde für den Ausritt fertig zu machen. Inzwischen war es zu meiner Freude aufgeklärt und eine schwache Herbstsonne strahlte, nur ab und an unterbrochen von einigen Wolken. Dennoch war es kalt und windig und auch der Boden war noch nass. Peter hatte schon die vier Pferde aus dem Offenstall geholt. Das würde vielleicht eine Arbeit werden, alle vier Stuten waren schlammig. Dennoch gab ich mein Bestes Jade sauber zu bekommen. Mit der Stute würde ich heute das erste Mal ins Gelände gehen, doch dies sollte klappen. Sie war zwar ein sehr aktives Pferd, doch so mochte ich es und dennoch war sie wohlerzogen. Louisa kümmerte sich wie bei einem der vorherigen Besuche um Verdine, die beiden kamen toll miteinander zurecht. Peter machte Aggressor's little Queen und Lars Coco de Mer fertig. Als alle Pferde einigermaßen sauber und gesattelt waren saßen wir auf. Peter schien mir erstaunlich routiniert und er hatte durchgehend ein sehr putziges lächeln auf dem Gesicht. Über die Feldwege ritten wir an den Weiden vorbei, wo grade kau Pferde standen. Wenige kamen bei diesem Wetter raus, zu groß war die Gefahr von Verletzungen bei den Aufgeweichten Weiden. Beim Ausritt würden wir uns heute auch nur mit einem gedrosselten Tempo fort bewegen. As wir in den Wald kamen wurde der Boden direkt besser, die Bäume hatten einiges der Feuchtigkeit aufgenommen und festigten den Boden durch ihr Wurzelwerk. Jade ging brav mit gespitzten Ohren voran. Von Peter wurde ich immer begeisterter, er würde wohl demnächst al öfter auf einem meiner Pferde sitzen, denn Queenie ging unglaublich toll unter ihm und er sah aus als hätte er keinerlei Mühe mit der Stute. Louisa und Verdine tüddelten gemütlich hinterher und schienen auch völlig zufrieden. Und auch mein Freund grinste während des Ausritts, Coco war auch eines der Pferde welche angenehm zu reiten sind. In den Wäldern wurde das Laub mittlerweile schon bunt, aber noch lagen nur wenige Blätter auf dem Boden. Als wir einen Teil der Strecke erreichten, wo der Weg mit Sand aufgefüllt war erlaubten wir uns auch einen kleinen Galopp. Die Gruppe blieb gut unter Kontrolle, auch weil Jade vorne war und keiner der anderen versuchte zu überholen, sodass sie sich leicht wieder zurücknehmen ließ.
      Zurück ritten wir nur bis zum Offenstall. Lars tauschte dort Cocos Trense gegen ein Halfter und band sie an. Während wir restlichen drei die Pferde absattelten und putzen, holte er den Jeep. Als er kam waren wir noch nicht ganz fertig, sodass er anfing den Wagen mit dem Sattelzeug zu beladen. Er hatte auch Jascha mitgebracht, welcher um unsere Füße wuselte und herum schnüffelte. Die Mäuse waren ich zu schnell, so gern er sie auch gefangen hätte. Die drei fuhren schon mal wieder zu den Stallgebäuden, während ich noch die Tränken im Offenstall kontrollierte, alles war in bester Ordnung und so rief ich Jascha, welcher mir zurück zum Hof folgte. Die Abendfütterung war schon voll im Gange und meine Freundin Louisa am mithelfen. „Soll ich dir mal was tolles zeigen?“, “Was denn?“ „Komm mit!“, grinste ich sie an und wuchtete einen Heu Ballen in die Schubkarre. Dann machten wir uns in Richtung Laufstall auf. Dort schauten schon einige kleine hungrige Fellnasen durch die Gitter. Die zweijährige Baroness of the Guard würde nicht mehr so lange in dieser Gruppe bleiben, war sie doch schon bald ein großes Pony. Dennoch fühlte sie sich unter den verspielten Absetzern wohl und war froh mal die älteste zu sein. PFS' Daydream of Money, Fairy Tale und Prometheus waren der vielversprechende Nachwuchs für meine Zucht. Dreamie und Theo kamen sogar aus England, wobei ich für erstere sogar einige Tage zu einer Auktion dorthin gefahren war. Bei dieser Gelegenheit hatte ich mir auch direkt das bekannte Vollblut Gestüt „Pineforrest Stables“ angeschaut, wo auch die Eltern meiner Goldie zuhause waren. Theo hatte ich erst letzte Woche abgeholt, dennoch fühlte das ruhige und verspielte Fohlen sich inzwischen schon sichtlich wohl. „Ooohh“, quietsche Louisa entzückt. Während ich das Heu aufschüttelte und verteilte, kuschelte sie meinen kleinen Theo durch. Der tiefschwarze Hengst war ein Glückstreffer gewesen, nur durch Zufall hatte ich seine Anzeige in einer Fachzeitschrift entdeckt, wo er unter den ganzen Warmblut Fohlen mit klangvollen Namen und glänzenden Stammbäumen unterging. Trotzdem seine Eltern auch wenn sie reinrassige Fellponys waren keine Papiere hatten, hatte ich für ihn die vollen Papiere erwirken können. Schon jetzt zeigte er einen tollen Ansatz von Behang und ich hoffte, dass er im Sommer nicht ausbleichen würde. Während die Fohlen fraßen kraulte ich meine beiden Welsh Stuten, Dreamie und Fairy Tale waren ebenfalls zwei äußerst schöne Wesen, und bestachen beide durch ungewöhnliche Farbgebung. Nachdem wir einige Zeit bei den flauschigen Fohlen verbracht hatten, rafften wir uns auf und gingen ins Haus, da es inzwischen schon sehr dunkel geworden war.
    • SkynLaccy
      Trainingsberichte von Veija
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      Coco de Mer Trail LK 2 - LK 1, Ahyoka Dazzle Reining LK 5- LK 4, Verdine Reining LK 5- LK 4, Aggressor's Little Queen Trail LK 3- LK 2
      April 2016, by Veija
      Heute flogen wir zu Kira Esenbeck und ihren vier Pferden Coco de Mer, Ahyoka Dazzle, Verdine und Aggressor's Little Queen in die Eifel, meine alte Heimat. Mit an Bort war dieses Mal Aliena. Amy hatte ich nicht mitgenommen, da sie in ihrer AUsbildung leider noch nicht so weit war, als dass sie einen LK 2 Trail Parcours reiten könne. So waren es Aliena und ich, die einige Tage in der Eifel verbringen würden.
      Dort angekommen begrüßte Kira uns kurz und wir räumten unsere Taschen in eines ihrer Gästezimmer, bevor wir zu den Pferden gingen. Zwei der drei Quarter Ponys kannte ich schon, Ahyoka war ein ehemaliges Fohlen von mir & Verdine war mir neu. Nun ja, nicht ganz neu. Als Verdine zum Verkauf stand hatte ich sie mir auch angesehen, mich dann aber gegen die Stute entschieden, da ich nicht auch noch Appaloosas züchten wollte. Bei Kira hatte sie aber einen guten Platz gefunden, da war ich mir sicher. Kurz streichelte ich über den Kopf der schicken Stute, von der ich Aliena eben die ganze Zeit erzählt hatte, ehe Kira mir noch einiges über den Charakter der Pferde erzählte. Nach Kiras Vortrag war ich mir sicher, dass Aliena Ahyoka nur von weitem betrachten dürfte. An reiten war bei der Stute, zumindest wenn Aliena sie ritt, nicht zu denken, da die Stute sehr dominant und unverschämt sein konnte. Das war noch zu viel für meine Auszubildende, weshalb ich ihr Verdine zuwies. Zwischen Coco und Queen durfte sie sich entscheiden, wobei sie sich für Queen entschied. "Die ist nicht immer ganz einfach", scherzte ich doch sie winkte nur ab. "Das schaff ich", lachte sie und ich nickte grinsend.
      Zu erst würden wir Verdine und Ahyoka, die eine Tochter meiner Amarula war, reiten. Das putzen und satteln verlief ohne Probleme und wirklich schnell, ehe wir in die Halle gingen und nochmal nachgurteten, ehe wir uns in den Sattel schwangen. Das Warmreiten verlief auch noch ohne Probleme, dann aber meinte Ahyoka den Chef raushängen zu lassen, nahm den Kopf zwischen die Beine und fing an zu buckeln was das Zeug hielt. Mit zusammengebissenen Zähnen zog ich ihren Kopf zur Seite, so dass sie ihn nicht mehr nach unten nehmen konnte um zu buckeln. Zum Glück klappte das auch nach eienr Weile und ich hatte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In dem ich ihren Kopf zur Seite zog, konnte sie nicht mehr buckeln und ich übte so schon die ersten Ansätze für den Spin. "Morgen wir erst ablongiert, Ahyoka kann ruhig schon kroggi sein, wenn ich mich draufsetze", erkläre ich Aliena, denn es war morgen ihr Job, die Stute abzulongieren. Jetzt teilten wir die Halle einmal in der Mitte, so dass wir uns beide unserem eigenen Training widmen konnten. Ich fing mit Roll Backs an. Damit Ahyoka lernte, in einem engen Bogen nach hinten zu springen, ritt ich sie erst im Schritt mit einem kleinen Abstand an der Bande entlang. Ich hielt sie an und drehte sie in Richtung Bande herum, so dass sie sich wirklich biegen musste, um sich zu drehen. Später trabte ich und verkürzte die Zeit zwischen traben, stehenbleiben, Roll Back immer mehr, so dass sie am Ende des heutigen Tages einen Roll Back aus dem Trab konnte. Außerdem übten wir noch schnelle, große Galoppzirkel und langsame Kleine. Erste Ansätze zum Spin hatten wir auch geübt, das reichte dann aber auch für den heutigen Tag. Verdine und Aliena waren schon etwas weiter bei ihrem Training, aber Verdine gab auch schnellr nach und akzeptierte zum Beispiel den Schenkeldruck zum Weichen viel eher, als Ahyoka, die sich gegen fast alles wehrte.
      Nach einem Blick auf die Uhr sah ich, dass es schon recht spät geworden war und wir Coco sowie Queen morgen reiten würden. "Wir satteln ab, bringen die Pferde weg und gehen ins Haus zu Kira. Die beiden anderen Pferde reiten wir morgen", erklärte ich Aliena und wir machten die Pferde fertig für die Box, ehe wir ins Haus gingen und uns noch etwas mit Kira unterhielten, die uns etwas zu essen gemacht hatte. Totmüde gingen wir ins Bett, denn am nächsten Tag hatten wir viel zu tun.
      Schon früh waren wir auf den Beinen. Während Aliena Coco und Queeni fertig machte, stand ich in der Halle und baute einen Trail Parcours auf. Dieser Parcours wurde öfter für Jugendliche benutzt, da er zwar kompliziert, aber nicht unschaffbar war. Lächelnd nahm ich dann Coco entgegen, die mir von Aliena gebracht wurde. Wir lernten aus unserem gestrigen Fehler und longierten die beiden erst ab, ehe wir nachgurteten und dann aufstiegen. Zu erst ritten wir die beiden noch ein wenig in allen Gangarten, bevor ich mit dem Parcours anfing. Coco sollte von LK 2 auf LK 1 gebracht werden, dementsprechend konnte sie schon einiges und wusste wohin mit ihren Beinen, wenn da auf einmal Stangen vor ihren Hufen waren. So galoppierte ich sie auf der rechten Hand an und galoppierte über insgesamt 6 Stangen, wovon je zwei auf 3:00, 6:00 und 9:00 Uhr lagen. Zwischen je zwei Stangen konnte die Stute einen Galoppsrpung machen, so dass sie immer komplett mit allen vier Hufen zwischen diesen zwei Stangen war. Als wir wieder ungefähr auf der Höhe waren, wo wir gestartet hatten, nahm ich sie zum Schritt zurück und ging in eine Box aus vier Stangen hinein. Dort drehten wir uns einmal um 360°, was leichter gesagt, als getan war. Ganz langsam setzte Coco ein Bein vor das andere und drehte sich. Perfekt war unsere Drehung nicht, aber wir hatten ja noch genug Zeit, uns zu verbessern. Es war auf jeden Fall schon viel besser als das letzte Mal, als ich sie trainiert hatte. Nun ging es im Schritt über drei Stangen, die ein wenig schräg lagen, so dass die Stute erst nochmal die Nase in Richtung Boden streckte, um zu schauen, was da eigentlich vor ihr lag. Beim Trail hatte man alle Zeit der Welt, so dass ich sie einfach in ihrem eigenen Tempo über die Stangen gehen ließ. Stehen bleiben durfte sie allerdings nicht, weshalb ich sie schon nach vorne trieb. Nun waren wir an der kurzen Seite angekommen, ich lenkte sie nach links und trabte sie an. Im Trab ging es über drei Stangen, ehe ich Coco wieder angaloppierte und es erneut über drei Stangen ging, die jedoch mehr als schräg dort lagen. Zur Mitte hin berührten sie sich fast, nach außen hin lagen sie ziemlich weit voneinander weg. Hier galt es eigentlich, genau zu wissen, wie groß die Galoppsprünge des Pferdes waren, damit man an der richtigen Stelle über die Stangen galoppierte. Da ich Coco heute zum ersten Mal wieder ritt, traf ich die falsche Stelle und sie versprang sich ein wenig. Es war jedoch nicht schlimm, denn auch dafür hatten wir noch ein paar Tage Zeit. Nun parierte ich sie zum Trab durch, lenkte sie nach links ab und trabte über eine der drei Stangen, die auf 2:00, 9:00 und 5:00 Uhr verteilt waren. Zu erst die zwei Uhr Stange, dann die neun Uhr Stange und zum Schluss die fünf Uhr Stange. Von dort trabte ich zwischen zwei Stangen, bis ich mit den Vorderbeinen am Ende der Stangen angekommen war. Genau da stoppte ich sie dann und ging rückwärts, bis ich am Anfang der Stangen angekommen war. Dort lenkte ich Coco rückwärts zum Tor, welches wir durchschritten. Fertig war die Pattern. "Mach das mal nach!", jubelte ich in richtung von Aliena und lobte Coco ausgiebig. Aliena hatte mir Queen so manches Problem, aber letztendlich schafften sie es dann doch fast fehlerfrei durch den Parcours. "Super, sattel die beiden ab, mach die anderen zwei fertig und ich räum hier alles auf", erklärte ich ihr und sie machte was ich ihr aufgetragen hatte. Mit den anderen beiden klappte es heute auch viel besser als gestern, so dass unsere Woche hier schneller vorbei war, als es uns lieb war. Schon bald verabschiedeten wir uns von Kira und flogen wieder nach Kanada zu unseren Pferden.

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      Verdine Reining LK 4 - LK 3, Ahyoka Dazzle Reining LK 4 - LK 3, Coco de Mer Trail S - S*, Aggressors Little Queen Trail LK 2 - LK 1
      Juli 2016, by Veija
      Erneut fuhr mein Wagen auf den Hof von Kira Esenbeck, eine alte Bekannte, wenn man so wollte. Mit an Bord war dieses Mal Amy Lee, die mir tatkräftig unter die Arme greifen wollte. Ich hatte sie auf einem Turnier kennengelernt, wo sie als TT, also Turniertrottel unterwegs gewesen war. Beim Abreiten der Pferde hatte ich sie beobachtet und ihr riesiges Potenzial entdeckt. Nun war sie nicht mehr wegzudenken von unserer Ranch.
      Bei Kira angekommen begrüßten wir sie kurz, ehe wir auch schon zu den Pferden gingen. Anfangen würden wir mit Coco de Mer und Aggressor's little Queen. Coco de Mer war schon auf LK 1, bei ihr musste ich nur noch Feinheiten trainieren. Aggressor's little Queen sollten wir von LK 2 auf LK 1 bringen. Ich schnappte mir also Coco und Amy schnappte sich Queenie. Wir putzten und sattelten sie, ehe wir in die Halle gingen, wo ich ein paar Hindernisse aufbaute, während Amy die beiden ein wenig durch die Halle führte. Die Hindernisse bestanden vor allem aus Stangenkombinationen wie einem Quadrat, oder einem L sowie Galoppstangen.
      Nach dem Aufbauen schnappte ich mir mein Pferd wieder und saß nach dem Nachgurten auf. Zunächst ritt ich sie im Schritt und im Trab gründlich warm, ehe auch der Galopp hinzu kam und wir uns vor allem mit den Galoppstangen beschäftigten, die ich in einem Halbkreis gelegt hatte. Wir befanden uns in der linken Hälfte der Reithalle, Amy und Queenie in der Rechten, wo ich exakt die selben Hindernisse aufgebaut hatte. In den hohen Klassen konnte man den Pferden nichts neues mehr beibringen, nur noch die Hilfen verbessern. So trainierten wir über eine Stunde und ließen es dann gut sein, denn die beiden arbeiteten wirklich klasse mit und konnten sich nun schon in der neuen Stufe sehen lassen.
      Wir ritten die beiden ab, sattelten ab und brachten sie in die Box, ehe wir alles wegräumten. Das konnten wir alles nicht brauchen bei den Reinern, denn es folgten nun Verdine und Ahyoka Dazzle, die wir in der Reining von LK 4 auf LK 3 bringen sollten. Ich entschied mich auf alle Fälle, Ahyoka zu reiten, denn die Nachkommin von Amarula hatte leider ihre ganzen schlechten Charakterzüge geerbt, so dass ich mit ihr besser klar kommen würde, als Amy, welche sich Verdine schnappte und sie schon einmal putzte und sattelte. Ich tat es ihr gleich und zankte ein wenig mit Ahyoka herum, da sie nicht still stehen wollte. Als ich sie dann endlich gesattelt hatte, ging es in die Halle, wo wir die beiden in allen drei Gangarten warm ritten. Dann fingen wir an, Spins zu üben. Verdine und Amy waren dabei wesentlich schneller als ich, da Ahyoka dauernd meinte, den Chef raushängen zu lassen, was ich natürlich damit quittierte, dass sie wirklich richtig arbeiten musste. Vom Rückwärtsrichten über eine lange DIstanz bis hin zu mehrmaligem Angaloppieren und sofort wieder stoppen. Sie konnte es sich selbst aussuchen, ob sie Stress wollte, oder nicht. Schließlich gab sie nach und hörte auf mit dem Quatsch, so dass wir ordentlich arbeiten konnten. Wir verbrachten unsere Zeit damit, Spins und Stops zu üben, die Galoppade auf kleinen und großen Zirkeln auf beiden Händen, übten schnelle und langsame Galoppwechsel sowie Rollbacks. Nach einer Weile ohne weitere Zwischenfälle ritten wir die beiden dann trocken und brachten sie wieder in den Stall, wo wir sie für die Box fertig machten. Zum Schluss gingen wir noch zu Kira. "Die vier sind jetzt fertig.", erklärte ich ihr. "Sollten sie trotz dessen Unarten zeigen oder anders zu reiten sein, ruf mich an, dann fliege ich nochmal her und nehm sie unter die Lupe.", erklärte ich ihr lächelnd und wir verabschiedeten uns, ehe wir zurück nach Kanada flogen und die schöne Eifel, in der ich aufgewachsen war, wieder verließen.

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      Verdine Reining LK 3 - LK 2, Ahyoka Dazzle Reining LK 3 - LK 2, Aggressors Little Queen Trail S - S*, Coco de Mer Trail S* - S**
      August 2016, by Veija
      Zusammn mit Caleb war ich wieder auf dem Weg zu Kira Esenbeck in die Eifel nach Deutschland. Mittlerweile war sie mit ihren vier Westernpferden schon ein Stammkunde bei uns, wenn man das so nennen mochte, weshalb ich ihr heute versprochen hatte, den Preis ein wenig zu drücken, damit ich sie auch im nächsten Monat wieder besuchen konnte.
      Bei Kira angekommen begrüßten wir sie kurz, ehe wir in den Stall zu den Pferden gingen. Verdine zum Beispiel hatte ich am Anfang nicht wirklich gemocht, mittlerweile gewann sie jedoch mein Herz und ich lernte, sie immer mehr zu mögen, weshalb ich sie auch heute reiten würde. Caleb übertrug ich Ahyoka Dazzle. Beide, Caleb sowie die Stute, waren ziemlich dominant- ob die Kombination klappte, würde sich rausstellen. Beide sollten in der Reining von LK 3 auf LK 2 gebracht werden, weshalb wir die zwei auch zusammen trainierten, da wir die selben Übungen ritten.
      Nachdem wir fertig mit putzen und satteln waren gingen wir in die Halle und gurteten vor dem Aufsitzen nach. Dann saßen wir auf und ritten die beiden Pferde warm. Noch waren Caleb und Ahyoka nicht aneinander geraten, vielleicht blieb das ja auch so. Nach dem Aufwärmen ging ich raus auf den Platz, da jetzt jeder von uns viel Platz brauchte, denn das erste was wir übten, waren die Zirkel. Ich galoppierte Verdine also auf dem Platz an und hielt sie auf der rechten Hand auf einem großen Zirkel. An X gab ich die Hilfen zum Galoppwechsel, ehe ich auf der linken Hand einen großen Zirkel galoppierte. Galoppwechsel, rechte Hand, Galoppwechsel, linke Hand. Dann verkleinerte ich den Zirkel und nahm die Stute ein wenig zurück, damit sie langsamer galoppierte, ehe ich auch hier ein paar Mal die Seiten wechselte, indem ich an X einen Galoppwechsel ritt. Als ich damit fertig war, ging ich wieder in die Halle, wo ich einen auf dem Boden stehenden Caleb vorfand. Er klopfte sich den Sand von der Hose, doch da er die Stute noch am Zügel hielt, fragte ich nicht weiter nach. "Sliding Stops?", fragte ich ihn und er nickte, ehe er wieder aufstieg. Ahyoka nahm motzig den Kopf runter und kaute auf ihrem Gebiss herum, da konnten sich zwei wohl nicht so richtig leiden, was man später auch bei den Sliding Stops sah. Wo Verdine mir wirklich gut zuhörte und genau dann stoppte, wenn ich es von ihr wollte, riss Ahyoka den Kopf hoch oder stoppte einfach von selbst. Caleb wusste sich jedoch zu helfen und korrigierte ihr Verhalten so lange, bis sie anfing auf ihn zu hören. Wir übten noch ein paar Roll Backs und die Spins und dann waren wir auch schon fertig, denn LK 2 war genau so wie LK 3, nur dass die Pattern in einer anderen Reihenfolge bestritten wurden. Lediglich der Aufstieg von LK 2 zu LK 1 war ein wenig anders.
      Als wir die Pferde dann zum Stall brachten, kam uns Kira entgegen. "Die sieht aber fertig aus.", sagte sie und zklopfte Ahyokas Hals, die wirklich ordentlich am Schwitzen war. Da Caleb nicht gerne deutsch redete, übernahm ich das Sprechen für ihn. "Ja, Caleb und deine Stute hatten ein paar Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel beim Stoppen. Sie wollte das immer alles alleine machen, bevor Caleb die Hilfen gegeben hatte. Also musste sie so lange stoppen, bis sie auf seine Hilfen reagiert hat.", erklärte ich ihr und sie nickte. "Ihr bleibt dieses Mal nur einen Tag, oder?" "Ja, leider. Wir haben so viel auf der Ranch zu tun, dass wir nicht länger bleiben können." "Ist ja auch nicht schlimm, wenn es mit dem Training so klappt.", sagte sie dann und Caleb und ich nickten. "Kommt her, ich nehm euch die beiden ab, dann könnte ihr Coco und Queenie holen gehen." "Thanks.", sagten Caleb und ich dann zusammen, ehe wir uns grinsend ansahen und die nächsten beiden Pferde holen gingen. Das waren Coco de Mer und Aggressor's Little Queen. Caleb gab ich Queenie, eine ganz nette und unkompizierte Stute, ich selbst schnappte mir Coco, da sie auch eine Klasse höher war als Queenie.
      Es dauerte nicht lange, da waren wir in der Halle und ritten die Pferde warm. Ich hatte ein paar Hindernisse aufgebaut, die wir überreiten konnten. Zum einen war es ein Quadrat aus Stangen, in welches man hineingehen und sich drehen musste, einen Stangen L, Trab und Galoppstangen, ein Tor, eine Brücke und 2 Stangen, durch die man seitwärts hindurch gehen musste. Das alles übten wir eine ganze Weile, aber in den hohen Klassen, in denen die beiden liefen, saß wirklich alles, so dass wir kaum etwas zu tun hatten und die beiden Pferde nach einem erfolgreichen Training wieder in die Box bringen konnten. "Bis zum nächsten Mal!", verabschiedeten wir uns und fuhren dann auch schon wieder vom Hof. So kurz konnte unser Besuch manchmal sein.

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      Genuine Lil Cut Reining S* - S**, Jade Reining LK 5 - LK 4, Verdine Reining LK 2 - LK 1, Ahyoka Dazzle Reining LK 2 - LK 1, Coco De Mer Trail S** - S***, Aggressors Little Queen Trail S* - S**
      September 2016, by Veija
      Heute war ich wieder auf dem Weg in die Eifel, um Kira einen erneuten Besuch abzustatten. Ich hatte vor in den nächsten Tagen sechs ihrer Pferde zu trainieren, und das auch noch ganz alleine, denn ich war ziemlich sauer auf meinen Mitarbeiter Caleb, der ein Training bei Hunter verbockt hatte, weshalb ich nun irgendwie auf Kriegsfuß mit ihm stand und alleine geflogen war. Warum ich niemand anderen mitgenommen hatte, war mir nicht klar, aber ich würde das auch alleine schaffen, insbesondere, weil ich bei ein paar Pferden wirklich kaum noch etwas zu tun hatte, da sie von S** auf S** trainiert werden sollten.
      Ich schaute nochmal kurz auf mein Handy, um mich zu vergewissern, was ich alles machen musste:
      Genuine Lil Cut Western Reining S* - S**
      Jade Western Reining Basics + Reining LK 5 - LK 4
      Verdine Western Reining LK 2 - LK 1
      Ahyoka Dazzle Western Reining LK 2 - LK 1
      Coco De Mer Western Trail S** - S***
      Aggressors Little Queen Western Trail S* - S**
      Es dauerte nicht lange, da ging der Flieger schon wieder auf die Erde und ich konnte mir meinen Koffer suchen, ehe ich in ein Taxi einstieg und zu Kira gefahren wurde. Flink lud ich meinen Koffer aus und zog mir eine andere Jeans, Boots und Sporen an, ehe ich in den Stall ging. Kira fand ich nicht auf, weshalb ich sofort auf die Suche nach meinem erst kürzlich an sie verkauften Hengst ging. Am Tor der Stallgasse schnalzte ich ein paar Mal, ehe Genuine mir entgegen wiehrte. Ich steuerte sofort auf ihn zu, ehe ich seine Box öffnete und ihn umarmte. "Hallo mein Großer", sagte ich freudig und kraulte seinen Hals. Er hatte an Muskulatur abgebaut, aber das war ich zum Teil auch selbst schuld, da er nicht mehr wirklich im Training gestanden hatte.
      Ich wollte ihm gerade das Halfter anziehen, da sprach mich jemand von hinten an. "Da bist du also, hab dich schon gesucht.", sagte Kira und ich drehte mich beschämt um. "Ja... hatte dich nicht gefunden, bin dann sofort zu Genuine gegangen.", meinte ich dann doch grinsend und schüttelte ihr zur Begrüßung die Hand. "Hast du dir dieses Mal keine Hilfe mitgebracht?", fragte sie mich erstaunt und ich schüttelte den Kopf. "Nein, bin ziemlich sauer auf Caleb, der hat den letzten Auftrag total verbockt. Deshalb bin ich wohl jetzt alleine hier, weil er mir eigentlich helfen sollte und die anderen auf der Ranch zu tun haben.", erklärte ich ihr und sie nickte. "Das ist natürlich ärgerlich, hat es denn viel Ärger gegeben?" "Ja.. Hunter war absolut nicht begeistert von Calebs Arbeit, naja, zwei Pferde hat er wirklich super trainiert, das dritte nicht so gut, da hat er das Traininig auch abgebrochen. Aber er hätte sich ja mal melden können, dann wäre ich rüber geflogen.", erklärte ich und schloss den Verschluss des Halfters, ehe ich Genuine aus der Box auf den Putzplatz führte, wo hin mir Kira folgte. "Überarbeite dich nicht. Am Besten gehst du jetzt eh zu erst mal schlafen, nach dem langen Flug." "Ich kann es mir nicht verkneifen, Genuine zu arbeiten.", erklärte ich schulterzuckend. "Ihn kenn ich ja, wie meine Westentasche. Ich pass auf.", erklärte ich ihr und fing dann an, den Hengst zu putzen, nachdem Kira widerwillig zugesagt hatte, dass ich ihn heute noch arbeiten durfte. Nach dem Putzen sattelte ich ihn also, vergaß dabei die Gamaschen und die Skid Boots auch nicht, ehe wir in die Halle gingen und ich nach dem Nachgurten aufstieg. Zu erst wärmte ich den Hengst ausgiebig im Schritt und Trab auf, ehe ich ihn auf der rechten Hand angaloppierte und auf einen großen Zirkel lenkte. So weit, wie er im Training schon war, musste er es eigentlich bereits können, seinen Zirkel ohne viele Hilfen von mir zu halten. So galoppierte ich ihn einfach eine ganze Weile auf der rechten Hand auf einem Großen Zirkel, nahm dabei aber immer mehr Hilfen weg, so dass die Zügel einfach locker auf seinem Hals lagen, er aber dennoch seine Richtung behielt. So würde er bei Kira niemals laufen, weil sie nicht so eine begabte Westernreiterin war- sie hatte dafür ihre Stärken in ganz anderen Diziplinen, aber Genuine sollte das in seiner Klasse schon können.
      An X wechselte ich auf die linke Hand, denn fliegende Galoppwechsel oder 'Flying Lead Changes', wie das in Westernsprache hieß, konnte er Hengst wirklich sauber. Auf der linken Seite hatte der Hengst so seine Probleme, was das Halten des Zirkels anging, weshalb er mir immer wieder nach innen abdriftete. Ich korrigierte das mit meinem Bein, statt mit den Zügeln, da ich diese einfach wieder locker an seinem Hals liegen hatte. "Na komm, stell dich nicht so an, denk nach!", meinte ich einmal und galoppierte ihn dann aus dem Zirkel heraus an der Bande entlang. Er galoppierte immer schneller, ehe ich ihn stoppte. Genuine schlitterte über den Boden und hinterließ eine riesige Staubwolke, in der ich einmal husten musste, ehe ich die Hilfen zum Roll Back gab, und wir wieder galoppierten. Wir machten auch einen Sliding Stop auf der anderen Seite der Halle, Roll Back zur anderen Richtung und erneut angaloppieren, ehe ich ihn locker auslaufen ließ und dann anhielt. Sofort gab ich Hilfen zum Back Up, was Genuine wirklich super machte und hielt ihn an. Er durfte kurz verschnaufen, ehe wir noch Spins auf jeder Seite versuchten, bevor ich ihn abritt. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Kira sich zu uns gesellt hatte. "Und, wie sah er aus?", fragte ich sie stolz und klopfte Genuines Hals. "Ich bin wirklich begeistert, was für ein talentiertes Pferd du mir da verkauft hast!", schwärmte sie. "Willst du auch mal reiten?", fragte ich lächelnd doch sie verneinte. "Heute Abend nicht mehr. Mach ihn fertig und dann gehst du ins Haus, du musst auch mal was essen.", befahl sie mir und verschwand dann aus der Halle, bevor ich mich wieder meinem Pferd zuwandte. "Talentiertes Ding.", murmelte ich und brachte ihn dann wieder in seine Box, nachdem ich fertig mit Abreiten war. Kira hatte ihn schon gemistet und gefüttert- das war auch nicht selbstverständlich, manchmal musste ich bei Kunden die Pferde auch misten und füttern, was eigentlich gar nicht mein Job war.
      So stellte ich den Hengst in seine Box und ging ins Haus, wo ich mit Kira zusammen zu Abend aß und dann ins Bett ging- morgen war viel zu tun.
      Schon um sieben Uhr war ich auf den Beinen, denn ich hatte heute sechs Pferde zu trainieren. Bei manchen würde ich nicht so lange brauchen, bei anderen etwas länger, weshalb ich mir heute morgen alle Reiningpferde vornehmen würde, ehe ich mich heute Mittag um die Trailpferde kümmern würde.
      Anfangen wollte ich wieder mit Genuine Lil Cut, den ich ausgiebig putzte und dann sattelte, bevor wir in die Halle gingen und ich ihn vor dem Aufsteigen nochmal nachgurtete. Von einem befreundeten Trainer hatte ich gelernt, Pferde jedes Mal anders aufzuwärmen, da sie sonst wussten, was man machte, und vordachten, also einem die Übung einfach vorgriffen und nicht mehr darauf hörten, was der Reiter machte. Deshalb fing ich heute mit ein paar Schritt- Dehnungsübungen an, wo ich zum Beispiel seinen Kopf zu meinem Knie rüberzog und seinen Körper mit meinem Bein wegdrückte, so dass er kleine Kreise laufen musste. Das machte ich auch auf der anderen Seite, ehe ich den Kopf etwas lockerer ließ und ihn im Kreis traben ließ, was er wirklich fleißig machte. Umso mehr freute er sich dann jedoch, als ich seinen Kopf wieder ganz grade richtete und er einfach geradeaus watscheln konnte, da diese kleinen Kreise unheimlich anstrengend waren. Ich ritt ihn eine ganze Weile im Schritt, forderte wieder die kleinen Kreise, ging wieder Schritt, bevor ich ihn antrabte und ein wenig an den Seitengängen arbeitete, die besonders sinnvoll zum Kreuzen beim Spin waren, was auch die nächste Übung darstellte. Ich hielt ihn an und gab Hilfen zum Spin. Sofort setzte er sich auf die Hinterhand und fing an, sich zu drehen. Zu erst nach links, dann nach rechts. Ich stoppte ich, ließ ihn kurz verschnaufen und galoppierte ihn dann auf der linken Hand an, um nochmal die Zirkel zu üben. Links hatte er immer noch seine Schwierigkeiten, den Zirkel eigenständig zu halten, doch ich musste ihn weniger korrigieren als gestern. An X machten wir einen Galoppwechsel und ritten auch auf der rechten Hand einen großen Zirkel, den er komplett selbst halten konnte. Zum Schluss übten wir noch ein wenig Speed Control, das hieß, dass er zunächst ein paar kleine Zirkel galoppierte, die eher langsam waren, dann ein paar große schnellere, bevor ich ihn wieder zurücknahm und wir kleine Zirkel galoppierten. Roll Backs und Sliding Stops wollte ich heute nicht schon wieder üben, das ging total auf die Gelenke und es war ja nicht so, als ob er das nicht könnte, denn eigentlich war ich mit seinem Training schon fertig, er brauchte wirklich nicht viel, weil er schon alles konnte. Ich würde ihn in den nächsten Tagen eine komplette Pattern laufen lassen, dann war er auch schon auf S**. Ich brachte ihn also nach dem Abreiten wieder in seine Box und schaute mir Jade an, die ich als nächstes reiten wollte. Auch sie wurde ausgiebig geputzt, bevor ich sie sattelte und mit ihr in die Halle ging. Anders als Genuine hatte sie eine einfach Wassertrense, auch Snaffle Bit genannt, an. Ich stieg also nach dem Nachgurten auf und ließ sie einfach mal im Schritt völlig alleine ihre Runden drehen, ehe ich die Zügel aufnahm und schaute, wie gerade sie zwischen meinen Beinen laufen konnte. Zunächst schien sie nicht wirklich zu verstehen, dass sie einfach nur geradeaus laufen sollte, doch nach einer Weile hatte sie es verstanden und gab sich die größte Mühe, mir gerecht zu werden. Auch als ich sie abwendete um, wieder zurück in die andere Richtung zu gehen, setzte sie sich auf die Hinterhand und deutete Ansätze eines Spins an. "Ganz untrainiert bist du ja nicht, Mäuschen- und talentiert dazu bist du auch noch.", sagte ich und klopfte ihren Hals. Ich hatte diese Stute auch kaufen wollen, jedoch war Kiras Gebot dann höher als meins gewesen. Traurig war ich nicht darüber, denn sie hatte es hier wirklich gut- und ich durfte sie reiten. Für den heutigen Tag hatte ich mir drei Übungen rausgesucht: Speed Control, einfache Galoppwechsel mit Trabphase, Sliding Stop.
      Anfangen würde ich mit Speed Control, dafür galoppierte ich sie auf der rechten Hand an und hielt sie auf einem kleineren Zirkel. Ich musste sie wirklich stark lenken und korrigieren, damit sie ihre Spur behält. Nach einer Weile klappte das auch, so dass ich sie nach außen gehen ließ und weiter antrieb, damit ihr Galopp schneller wurde. Hier machte sie sich wesentlich besser, was mich wirklich freute, so dass ich sie vor X zum Trab durchparierte, einmal umsaß und sie auf der anderen Hand wieder angaloppierte, um auch auf der linken Hand Zirkel zu reiten. Links war wohl ihre bessere Seite, denn hier hatte sie weniger Probleme, ihre Spur zu halten. Freudig galoppierte ich sie große schnelle Zirkel und kleine Langsame, ehe ich noch einmal einen Galoppwechsel mit Trabphase versuchte und dann zum Stehen kam. Sie durfte kurz verschnaufen, ehe ich sie wieder antrabte und immer wieder stoppte. Sie schien schon zu wissen, was ich von ihr wollte, weshalb ich sie angaloppierte und einmal aus dem Galopp heraus stoppte. Sie rammte ihre Hinterbeine in den Boden und zog sich mit den Vorderbeinen weiter. "Du hast echt Talent, Mädchen.", sagte ich stolz und ritt sie eine Weile ab, ehe ich sie wieder in die Box brachte. Morgen würde ich ein wenig Speed Control, einfache Galoppwechsel, Sliding Stops und Spins üben, damit es in ihrem Training vorwärts ging.
      Nun hatte ich noch zwei Reiningpferde vor mir, Verdine und Ahoyka Dazzle. Gerade wünschte ich mir, ich hätte doch jemanden zum Training mitgenommen, da schneite Amy Lee um die Ecke. "Was machst du denn hier?!", fragte ich sie total verdattert und hörte auf, Verdine zu putzen. "Ich hab deine SMS bekommen und dachte, dass du vielleicht doch Hilfe brauchst.", erklärte sie mir schulterzuckend. "Wenn ich dich nicht hätte...", murmelte ich. "Schnapp dir Ahyoka Dazzle und mach sie fertig, vergiss Gamaschen und Skid Boots nicht, die wird heute ein paar Mal stoppen müssen.", murmelte ich und ging kurz zu Kira, um ihr zu sagen, dass ich nun doch Hilfe hatte und vermutlich ein bis zwei Tage weniger hier bleiben würde, da ich die Pferde morgens und abends trainieren konnte.
      In der Halle angekommen gurtete ich Verdine nochmal nach, ehe ich mich in den Sattel schwang und sie warm ritt. Auch Amy ritt Ahoyka fleißig warm und machte mir eigentlich alles nach, was ich so ritt. Zu erst übten wir ein paar Spins mit den beiden, was sie wirklich vornehmlich machten. LK 1 war eben eine hohe Klasse, wo die Pferde alle beherrschten, was sie können mussten. Beim Training musste man nur drauf achten, dass man die Manöver verfeinerte. So achteten wir beim Spin vor allen Dingen darauf, dass sie mit den Hinterbeinen fast auf einem Fleck stehen blieben, und sich wirklich nur mit der Vorhand richtig von der Stelle bewegten. Ahyoka hatte aufgrund ihres kurzen Rückens einen riesen Vorteil gegenüber Verdine, doch die Stute schlug sich gut. Im Anhalten war sie nämlich um einiges besser und blieb punktgenau dort stehen, wo ich die Hilfen weg nahm, während Ahyoka oftmals überdrehte, was aber auch an Amy liegen konnte. "Versuch mal die Hilfen noch früher weg zu nehmen, ich glaub die hat einfach zu viel Schwung und muss den loswerden, bevor sie stehen bleiben kann.", sagte ich und schaute den beiden zu, während Verdine verschnaufen konnte. Amy nahm also den Druck noch früher weg. "Siehst du, klappt doch! So ist jedes Pferd unterschiedlich.", lachte ich und trieb Verdine zum Galopp an, weil wir nun Zirkel übten. Ahyoka und Amy warteten am Rand der Halle, damit sie uns nicht in den Weg kamen. Zirkel klappten bei Verdine wirklich super, Speed Control war also kein Problem. Auch die Galoppwechsel machte sie mittlerweile mit links, so dass ich nun Amy und Ahyoka zusah, die das Ganze auch wirklich super hinbekamen. Sliding Stops konnten wir wieder parallel üben, so dass jeder eine längliche Hälfte der Halle hatte. Verdine schlug sich gut, reagierte fein auf meine Hilfen, auch wenn Stoppen wohl nicht ihre Lieblingsdiziplin war. Roll Backs klappten super, auch beim Back Up hatte sie mittlerweile keine großen Probleme mehr. Vielleicht hatte sie heute auch einfach nur einen guten Tag. Während dem Abreiten sah ich immer wieder zu Amy rüber, die sich unter meiner Fuchtel wirklich gut machte. Dafür, dass sie bei ihrem alten Arbeitgeber nur ein Turniertrottel war, zeigte sie nun immer wieder, welches Potenzial die junge Frau hatte. "Ist gut, abreiten und dann holen wir uns die letzten zwei Pferde.", sagte ich und ritt aus der Halle, nachdem Verdine wieder eine normale Atmung erreicht hatte. Morgen würden wir die beiden nicht trainieren, übermorgen nochmal und dann waren die zwei auch schon fertig.
      Nachdem die zwei Stuten also wieder in ihrer Box standen, machten Amy und ich uns Aggressors Little Queen aka Queenie und Coco de Mer fertig. Coco sollte von S** auf S*** in Trail gebracht werden und Queenie von S* auf S**, weshalb es klar war, wer welches Pferd reiten würde.
      Nachdem die Beiden geputzt und gesattelt waren, gingen wir in die Halle wo wir nach dem Nachgurten aufstiegen. Wir ritten die beiden ordentlich warm, bevor ich einen kleinen Parcours aufbaute. Amy fing mit dem Stangen L an, welches sie in verschiedenen Varianten durchreiten konnte: einmal einfach im Schritt durch, einmal Rückwärts und einmal seitlich über die Stangen, was wirklich schwer war.
      Ich übte mit einem Stangenviereck, in welches ich reinreiten und mich zu beiden Seiten drehen konnte, bevor ich es wieder verließ. Aber auch hier konnte ich seitlich über die Stangen gehen. Nachdem wir eine Weile geübt hatten, tauschten wir die Hindernisse und übten erneut eine Weile, bevor ich noch Trab- und Galoppstangen auf den Boden legte, über die wir ritten. "Du kannst schon gehen Amy, für heute reicht es. ", erklärte ich ihr und schickte sie dann aus der Halle raus, während ich den Abstand der Stangen verkleinerte, um das Ganze für Coco de Mer nochmal etwas schwieriger zu machen. Aber auch das klappte super, weshalb ich es auch für heute gut sein ließ.
      In den folgenden Tagen waren wir je einmal morgens und einmal abends mit Queenie und Coco in der Halle, wo wir immer wieder andere Stangenkombinationen durchritten und zum Schluss auch einen ganze Parcours bewältigten, bei dem wir nicht nur die Übungen aufbauten, die wir geübt hatten, sondern auch neue Sachen mit einbauten. So zum Beispiel eine Brücke oder ein ziemlich eng gestellter Slalom, denn das mussten die beiden in den hohen Klassen beherrschen.
      Mit Genuine machte ich gar nicht mehr so viel, eigentlich ritt ich ihn nur noch, um seine Muskeln zu stärken, damit er noch besser stoppen konnte, denn er konnte schon alles, was er für seine Klasse können musste.
      Mit Verdine und Ahyoka klappte auch alles super. Die beiden machten sich wirklich gut im Training, Ahyoka wurde immer besser im Spin und hielt auch punktgenau da an, wo sie anhalten sollte. Verdine freundete sich so langsam mit dem Stoppen an und schaffte es, immer weiter zu sliden.
      Jade machte sich auch ausgezeichnet. So hatte ich am ersten Tag unseres Trainings gar nicht zu erwarten vermocht, wie gut sie im Roll Back war. Das machte ihr so unglaublichen Spaß, dass sie mir die Übung vorweggreifen wollte, was ich ihr leider wieder abtrainieren musste, denn nicht nach jedem Sliding Stop wurde umgesprungen, manchmal musste man eben auch Back Up machen.
      Wir verabschiedeten uns von Kira und wünschten ihr vor allem mit Jade und Genuine viel Erfolg. Wer weiß, vielleicht würden wir die Pferde im nächsten Monat nochmal wieder sehen.
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Juni 2017, by adoptedfox
      Keine Wolken am Himmel, der Tag würde schön werden dachte ich und wandte mich wieder meinem Terminkalender zu. Ich hatte einige Aufträge erhalten und musste diese nun organisieren. Nach einer guten Stunde hatte ich alles erledigt und konnte mich auf den Weg machen. Die Stallarbeit hatte ich bereits früh am Morgen erledigt und lange würde ich nicht weg bleiben sodass ich keine Hilfe beanspruchen musste. Auf dem Weg zur Haustür zog ich meine Reitstiefel an und ging nach draußen in den Hof um meine Untensilien im Wagen zu verstauen. Der Wagen hatte sich aufgeheizt und ich ließ die Fenster herunter. "Dann wollen wir mal!" sagte ich zu mir selbst, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr durch das Tor vom Hof. Ich folgte der Landstraße und stellte währenddessen das Navigationsgerät ein.
      "Ihr Ziel liegt auf der linken Seite." hallte es aus dem Navigationsgerät und ich folgte ihm auf einen kleinen Hof. Ich stellte den Wagen ab und schlug meinen Terminkalender auf. Baroness of the Guard und Verdine hatte ich mir notiert. Ich stieg aus dem Wagen, schlug die Tür hinter mir zu und betrat den kleinen Hof. Er war nicht größer als mein eigener, aber die Idylle war atmenberaubend. Ich wandte mich dem Stallgebäude zu um die Boxen der beiden zu suchen und fand sie auch schnell, jedoch leer. Vermutlich genießen die beiden die Mittagssonne auf der Weide dachte ich und begann damit die Boxen auszumisten. Die Boxen wurden mit Späne eingestreut, was mir die Arbeit beim ausmisten um ein vielfaches erleichterte. Sauber leerte ich den Schubkarren auf dem Misthaufen aus und kehrte mit einem kleinen Besen übriges aus. Auf dem Weg zurück in den Stall machte ich einen Stop an einer kleinen Scheune in welcher ich neue Späne zum einstreuen fand. Nachdem die Box wieder sauber eingestreut war wusch ich mithilfe eines Schwamms die Tränken sauber. Beim zurück bringen der Schubkarre in die Scheune fand ich einen Besen den ich mir fix leihte um die Stallgasse zu kehren. Ich nahm mir eine der Putzboxen aus der Sattelkammer und ging hinaus in den Hof. Ich entdeckte einen Putzplatz. "Sehr praktisch!" sagte ich und stellte die Putzbox ab. Ein kleiner Weg führte mich zu den Weiden. Da nur 2 Pferde im Stall fehlten und genau 2 Pferde auf der Weide standen ging ich automatisch davon aus das es sich um die beiden handeln musste. Dem Boxenschild konnte ich bereits entnehmen das Baroness of the Guard ein Fellpony war. Gut für mich. Ich stieg durch den Zaun und näherte mich ruhig den beiden. Baroness schaute neugierig auf und ich nutzte den Moment um sie zu begrüßen. Das sanfte Fohlenmaul schnupperte an meiner Hand und schob sich direkt an meine Hosentasche. "Nana kleine, erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" sagte ich lachend und hängte den Führstrick in das Halfter welches sie bereits trug. Ich führte sie von der Weide an den Putzplatz wo ich sie fest band und nahm mir einen Striegel aus der Putzbox. In langen Zügen striegelte ich das dichte Fell der noch jungen Stute und befreite es so von Schmutz und losen Haaren. Die Prozedur schien ihr sichtbar zu gefallen. Normalerweise fuhr ich mit meinen Fingern durch Mähne und Schweif, jedoch hatte Baroness bereits so dichtes Langhaar das ich einen Kamm wählte da ich befürchtete sie zu verknoten. Ich tauschte Kamm gegen Bürste und strich in langen Zügen über Ihr Fell. Am Kopf war ich besonders vorsichtig, denn ich wollte Baroness zeigen das sie keine Angst haben musste und es stattdessen genießen konnte wenn man die Stirn bürstete. Zum Schluß nahm ich mich ihrer Hufe an. Vorsichtig testete ich, ob Baroness die Hufe gab und sprach dabei beruhigend auf sie ein. Das Hufe kratzen bereitete ihr offensichtlich keine Probleme was mich zufrieden stimmte. Sie wirkte im allgemeinen recht aufgeschlossen und sicher. Fertig geputzt entschied ich mich eine Runde mit ihr spazieren zu gehen. Ich löste den Strick und bewegte mich mit Baroness in Richtung Straße, welche wir überqueren mussten um in ein ruhig wirkendes Waldstück zu gelangen. Im Wald ließ ich ihr etwas mehr Strick damit sie hier und da ein paar Büschel Gras zupfen konnte. Hin- und wieder versuchte sie mich zu überholen, doch ich ließ ihr keine Gelegenheit dazu und ließ sie stattdessen stehen. Wenn sie versuchen wollte ihren Ponykopf durchzusetzen, war sie bei mir an der falschen Adresse! Im Schatten war es angenehm zu laufen und Baroness lief, nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen davon zu stürmen, brav mit. An einer Weggabelung entschieden wir uns für den linken Weg der uns zurück zum Hof führte. Ich beschloss Baroness in die Box zu bringen, da sie sonst alleine auf der Weide wäre und ich mir nicht ausmalen mochte welchen Unsinn sie anstellen würde. Bevor ich sie in den Stall führte hielt ich sie kurz um die Hufe auf mögliche eingetretene Steine zu kontrollieren. Zurück in ihrer Box zog ich Baroness das Halfter aus und stahl eine Karotte aus der Futterkiste. Ich brach sie in 2 Stücke und gab sie ihr zur Belohnung. Als ich den Auftrag erhielt mich um die beiden Pferde zu kümmern entnahm ich, das Verdine auch unter dem Sattel bewegt werden könne. Darauf freute ich mich bereits während der Fahrt, muss ich eingestehen. Durch meine tägliche Arbeit im Stall und dem fehlenden Reitpferd hatte ich leider kaum Möglichkeiten selbst zu reiten. Ich holte Verdine von der Weide und band sie am Putzplatz an. "Wo lagst du denn drin?" fragte ich die Stute als ich ihr linkes Hinterbein betrachtete. Zum Glück war alles bereits getrocknet sodass ich ihre Hinterlassenschaften mit dem Striegel abputzen konnte. Mithilfe des Mähnenkamms kämmte ich Mähne und Schweif der ruhigen Stute und bürstete schlussendlich mit der Bürste über ihr kurzes Fell. Nachdem die Stute sauber vor mir stand ließ ich sie für einen Moment allein und ging in die Sattelkammer um Ihren Sattel und Ihr Zaumzeug heraus zu suchen. Ich nahm Ihren Westernsattel und die Trense und ging zurück zum Putzplatz. Geschickt legte ich Verdine den Westernsattel auf und zog den Gurt fest. Ich öffnete das Halfter und zog es auf den Hals, damit ich Verdine auftrensen konnte. Die Zügel behielt ich in der Hand und löste das Halfter. "Ich hab gehört du bist manchmal unsicher. Wollen wir dir nicht mal zeigen wie schön Ausritte sein können?" fragte ich die Stute und kaulte ihre Stirn. Ob sie mit dem Schnauben zustimmte oder widersprach, würde ich wohl noch herausfinden. Ich legte die Zügel über Ihren Hals, stellte den Fuß in den Bügel und mit einem Schwung saß ich im Sattel. Noch bevor ich meine Position gefunden hatte setzte Verdine sich in Bewegung. "Du hast es aber eilig hier weg zu kommen, Madame." sagte ich lachend, ließ sie aber gewähren. Bevor wir über die Straße ritten hielt ich sie kurz um sicherzustellen das kein Auto kam und um nachzugurten. Im Schritt überquerten wir die Straße und bogen auf den Waldweg ein, den ich zuvor mit Baroness gegangen war. Aufgeregt nahm Verdine ihre Umgebung auf. Ihre Ohren folgten jedem Geräusch, vom knarzen der Bäume bis hin zum Kuckuck der sich laut bemerkbar machte. Allmählich wurde Verdine entspannter und ich beschloss sie ein paar hundert Meter galoppieren zu lassen. Durch den Schatten, den die Bäume spendeten, war es angenehm kühl im Wald. Kurz vor der Weggabelung parierte ich Verdine in den Schritt. Plötzlich blieb Verdine abrupt stehen und ich spürte durch den Sattel das sie sich anspannte. Mit der einen Hand hielt ich die Zügel und griff ans Horn, man wusste ja nie, während ich mit der anderen Hand Ihren Hals beruhigend streichelte. Ich beobachtete die Weggabelung und sah einen Spaziergänger mit Hund kommen. Innerhalb weniger Sekunden machte Sie einen Satz zur Seite und setzte zur Flucht an, doch noch bevor sie nach vorn stürmen konnte wendete ich sie auf der Hinterhand und ließ sie stehen. "Ruuuuhig Mädchen!" versuchte ich sie zu beruhigen und rief dem Spaziergänger zu, ob es ihm etwas ausmachen würde einen Moment zu warten. Er nickte mir zu. Ich nahm die Zügel auf und ritt Verdine im Schritt an dem "Ungeheuer" vorbei, weiterhin beruhigend auf sie einredend. Sobald wir den Heimweg antraten und der Spaziergänger mit seinem Hund hinter uns lag, entspannte Verdine sich und schnaubte ab. Ich klopfte ihr lobend den Hals. Sie hätte kopflos davongaloppieren können, doch selbst in ihrer Unsicherheit vertraute sie mir und das obwohl ich eine Fremde für sie war. "Wenn man an deinen Ängsten arbeitet bist du sicher ein ganz tolles Verlasspferd!" sagte ich und klopfte ihren Hals. Zurück am Stall brachte ich Verdine in die Box wo ich sie absattelte. Auch sie bekam zur Belohnung eine Karotte. Bevor ich den Hof verließ räumte ich noch die Sachen weg, die ich mir genommen hatte und ging die Weide ab um nach Pferdeäpfeln zu suchen. Da alles sauber war verabschiedete ich mich von den Pferden und stieg in meinen Wagen um die Heimreise anzutreten.
      Juli 2017, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Auf dem Bear Brook EC ging es etwas turbulenter her als üblich. Gine giftete immer wieder aus dem Nichts los. Leider nicht nur bei mir, sondern auch bei Isaac, meinen Eltern oder anderen Angestellten. Manchmal sogar bei Feriengästen. Eine Weile hatte ich mir das Theater angesehen. Die ein oder andere Mahnung hatte Gine bekommen, bevor ich sie schlussendlich entlassen musste. Isaac war davon nicht begeistert, immerhin kam er noch gut mit ihr zurecht. Doch seit ich den Hof tatsächlich alleine führte, weil meine Eltern ausgezogen sind, war mir das Drama um Gine zu viel. Als Kerry von ihrer Fortbildung wieder zurückkam fiel sie aus allen Wolken. Sie hatte so viele gute Erfahrungen aus Schottland mitgenommen. Jetzt stand sie auf dem Hof und erkannte die Hälfte des Personals nicht mehr, weil es ausgewechselt wurde. Die Jockeys und Isaac waren die einzigen bekannten Gesichter für sie.
      “Und wieso wohnen deine Eltern nicht mehr hier?” fragte Kerry, als wir abends auf dem Innenhof saßen und ich ihr die aktuelle Lage erklärte. “Sie wollten besser angebunden sein, nicht mehr mit dem Auto fahren müssen.” antwortete ich. Es fühlte sich noch immer unwirklich an, dass die beiden nicht mehr hier lebten, auf ihrem Hof. Aber sie waren glücklich mit dieser Entscheidung. Kerry schien zu merken, dass ich darüber nicht weiter sprechen wollte. Stattdessen fragte sie nach Mirko, der gerade vorbeilief und mir zuwinkte um sich zu verabschieden. “Er ist eine neue Stallhilfe. Er kümmert sich zusammen mit Elizabeth Carroll um die Fütterung der Pferde und darum, dass die Weidezeiten eingehalten werden.” Kerry nickte anerkennend. “Hört sich ja sehr… strukturiert an. Fühlt sich Isaac dann nicht nutzlos?” Kopfschüttelnd grinste ich sie an. “Er freut sich mehr Zeit zu haben.” - “Und er bekommt das gleiche Geld?” wollte Kerry wissen. “Darüber sprechen wir nicht.” gab ich zurück und zeigte stattdessen auf Elise und Louis Clayton. “Die beiden kümmern sich um Gäste und darum, dass es Mittags etwas zu Essen gibt.” erklärte ich. Wieder nickte Kerry. Sie wollte immer noch gerne wissen, wie ich das denn finanzieren kann. Aber das sollte meine Sorge sein. Sie fragte nicht noch einmal nach. “Morgen Vormittag lernst du die neue Dressurreiterin kennen. Damit sollten wir dann alle neuen Gesichter haben.” schloss ich gut gelaunt und stand auf. “Über Magical Touch reden wir noch.” sagte ich, bevor sie diesen Punkt einwenden konnte. Kerry hatte gesehen, dass Mephistos Mutter verkauft werden sollte. Sie wurde als Therapiepferd angepriesen und wäre ideal für ihr Vorhaben Stunden anzubieten. Mir sollte das recht sein, der Platz war da und es würde dem Ruf zugute kommen. “Mir liegt wirklich viel daran.” betonte Kerry, als auch sie aufstand. “Mephisto solltest du dann trotzdem noch ausbilden.” sagte ich noch, bevor wir uns verabschiedeten.
      Am nächsten Tag wachte ich unfassbar spät auf, sodass ich es eilig hatte in den Stall zu kommen. Schließlich warteten die Pferde auf ihr Frühstück. Erst als ich halb angezogen an den zufrieden fressenden Pferden vorbei lief fiel mir auf, dass Elizabeth heute schneller war.
      “Guten Morgen, Mr. Crowley!” brummte Mirko Vicari, der gerade mit PFS Strolch auf dem Weg zur Weide war. Hinter ihm stand Elizabeth mit Golden Sugar. “Ist alles in Ordnung?” fragte sie und beäugte mich mit einem Blick, den ich nicht einordnen konnte. Ich musste furchtbar lächerlich aussehen, nicht nur weil mir das Hemd halb aus der Hose hing und die Haare zu allen Richtungen standen. Auch mein Gesichtsausdruck war wohl in diesem Moment nicht der frischeste. Nachdem ich das nun festgestellt hatte fuhr ich mir durch die Haare. “Nein, alles okay. Ich muss mich erst daran gewöhnen manche Arbeiten nicht mehr selbst machen zu müssen.” Die beiden nickten und brachten dann die Hengstfohlen auf ihre Weide. In der Küche war zu meiner Erleichterung noch niemand. Die Claytons waren also auch noch nicht fertig. Ich setzte Kaffee auf und machte mir etwas zum Frühstück. Keine fünfzehn Minuten später bekam ich eine Nachricht von Käthe. “Hey, wann geht’s los?” wollte sie wissen. Desorientiert sah ich im Kalender nach, was heute anstand. Die Messe! Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wir wollten heute zur Pferdemesse. “Gib mir eine Stunde, dann hole ich dich ab.” schrieb ich zurück und eilte ins Bad um mich fertig zu machen.
      “Hunter, einen Moment.” Isaac schlug mir seinen Arm vor die Brust und hielt mich fest, als ich auf dem Weg zum Auto war, sodass ich stehen bleiben musste. “Ich hab keine Zeit!” beschwerte ich mich und machte Anstalten einfach weiter zu gehen. “Du musst noch die Wurmkuren abholen, die liegen seit Wochen beim Tierarzt!” sagte er eindringlich und lockerte seinen Griff. “Stimmt. Mache ich.” sagte ich und lief weiter um mein Auto soweit leer zu räumen, dass mögliche Messekäufe hinein passen würden. Wie ich Messe und Tierarzt verbinden sollte war mir jedoch ein Rätsel. Wenn es gut lief, waren wir in fünf bis sechs Stunden durch und konnten dann gerade so vor dem Feierabendverkehr zurückfahren. Dann würde ich wohl auch den Tierarzt noch unterbringen können. Wenn es aber schlecht lief, würden wir für alles länger brauchen und der Tierarzt geschlossen haben, bevor wir ihn erreichen...
      Käthe | “Ich bin überrascht wie schnell es voran geht! In ein paar Tagen sollte sie fertig sein.” erzählte ich meinem Vater angeregt am Telefon. Wir telefonierten einmal die Woche um den Kontakt aufrecht zu erhalten, jetzt wo wir uns nur ein paar Mal im Jahr sahen. Bevor ich auflegte versprach er mir mich zu besuchen, sobald es ihm möglich war. Ich steckte mein Telefon zurück in die Hosentasche und wollte gerade ins Haus gehen, als Hunters Wagen auf den Hof fuhr. “Gib mir eine Minute!” rief ich ihm zu und ging ins Haus um mich umzuziehen. Ich entschied mich für eine einfache, schwarze Jeans und ein weißes Neckholder-Top. Auf dem Weg nach draußen nahm ich meine Tasche und warf Geldbeutel und Telefon hinein. Hunter hupte als ich die Tür abschloss. Ich schüttelte den Kopf und stieg zu ihm in den Wagen. “So gefällst du mir viel besser!” sagte ich und strich mit dem Handrücken über seine Wange. “Wollte Gine nicht mitkommen?” fragte ich während ich mich anschnallte. Er warf mir einen genervten Blick zu und fuhr los. “Entschuldige.” sagte ich knapp und sah aus dem Fenster. “Ich hab ihr gekündigt.” murrte er schließlich. “Du hast was? Was ist denn passiert?” fragte ich erschrocken. Damit hätte ich nicht gerechnet. “Lass uns da bitte nicht drüber reden.” sagte er. Ihm war das Thema sichtlich unangenehm. “In Ordnung. Solltest du doch darüber reden wollen weißt du wie du mich erreichst.” antwortete ich ihm und warf ihm ein kurzes lächeln zu. Die restliche Fahrt verlief ruhig und obwohl auf dem Messegelände reges Treiben herrschte, fanden wir schnell einen Parkplatz. Ich stieg aus dem Wagen und hängte meine Tasche über die Schulter. “Hunter? Lass mich kein Pferd kaufen!” wies ich ihn an. Er grinste. “Nur wenn du das Gleiche für mich tust.” - “Ich gebe mein Bestes!” sagte ich lachend und folgte ihm zur Messehalle.
      Wir gingen durch die Messehalle und hielten an einigen Ständen um uns Reitzubehör und -kleidung anzusehen. Mein Vorhaben kein Geld auszugeben löste sich bereits am ersten Stand in Luft auf als ich Lederhalfter für Fohlen entdeckte. “Schau mal wie hübsch!” sagte ich und hielt freudig ein dunkelbraunes mit Strass in Hunters Richtung. Kritisch sah er rüber. “Für wen?” rief er mir zu. “Compliment!” rief ich zurück und lachte. Er schüttelte mit dem Kopf und steckte seine Hände in die Hosentaschen. Ich lächelte dem Verkäufer zu und gab ihm zu verstehen, dass ich es mitnehmen würde. An der Kasse nahm ich noch zwei Lecksteine mit Fruchtgeschmack für die Fohlen mit. “Hast du kein echtes Obst, dass du denen sowas reinhängen musst?” - “Sie werden davon nicht sterben, Hunter.” sagte ich beinahe beleidigt, doch er grinste nur. Als wir weitergingen kamen wir in eine Gasse mit Pferdeboxen. Es handelte sich um Verkaufspferde und obwohl wir uns vorgenommen hatten keines zu kaufen, sahen wir sie uns an. Als ich einen bekannten Namen las blieb ich stehen und trat näher an die Box. “Was machst du denn hier?” fragte ich die Stute und hielt meine Hand an das Gitter. Da ein Veranstaltungshelfer mich beobachtete zog ich meine Hand zurück und folgte Hunter der bereits weiter gelaufen war. “Wo warst du?” fragte er, als er bemerkte, dass ich wohl gerade erst wieder da war. “Ich hab diesem gutaussehenden jungen Mann gerade meine Nummer gegeben.” log ich und nickte zum Veranstaltungshelfer. “Aha.” Hunter sah kurz in die Richtung, in die ich genickt hatte. Viel konnte er ja eh nicht ausrichten, also lief er weiter. Innerlich lachend folgte ich ihm zu den Tribünen. Wir suchten uns geeignete Plätze aus von denen wir alles gut beobachten konnten und setzten uns hin. Gerade lief der Moderator auf den Platz und sagte die Auktionen an, die jetzt folgen würden. Die Pferde wurden nacheinander über den Platz geführt. Darunter war auch die Stute, die mir eben schon bekannt vor kam. Mein Blick wanderte über die anwesenden Zuschauer. Niemand schien bisher Interesse zu haben. Bevor die Stute vom Platz geführt wurde hob ich meine Hand. Der Auktionator zeigte auf mich und wartete weitere Gebote, ab die jedoch ausblieben. ”Was machst du da?!” fuhr Hunter mich an. “Vertrau mir, ich kenn das Pferd!” zischte ich leise und wartete gespannt. Er sah mich an, als sei ich vollkommen irre geworden. “Für 500 Pfund verkauft, an die Dame da oben.” sprach der Moderator in sein Mikrofon und ich sah Hunter an, der immer noch fassungslos war. “Mein Vater bringt mich um.” sagte ich und stand auf. Ich lief zu den Boxen in denen die Verkaufspferde standen und blieb vor Verdines Box stehen. “Was hast du gemacht?” fragte Hunter und sah mich eindringlich an. “Vor zwei Monaten wurde ich beauftragt sie und ein Fohlen zu versorgen. Ich bin sie geritten, Hunter. Etwas ängstlich aber sonst große Klasse! Super geeignet für Reining!” bevor ich weiter erklären konnte unterbrach er mich “Und deswegen kaufst du ein Pferd?”. “Niemand hatte Interesse, wer weiß was mit ihr passiert wäre hätte ich sie nicht gekauft!” fügte ich hinzu und sah auf den Boden. Hunter griff sich in die Haare und verstand die Welt nicht mehr. “Sie hätte schon noch einen anderen Käufer gefunden! Was willst du mit ihr?” Ich nahm seine Hand und sah ihn entschuldigend an: “Reite sie, dann wirst du mich verstehen.”. “Wie stellst du dir das vor?” - “Entschuldigung, hinten hätten sie die Möglichkeit das Pferd Probe zu reiten.” antwortete der Auktionator der zwischenzeitlich erschienen war. Erwartungsvoll sah ich Hunter an. “Gut, dann machen wir sie fertig.”. Der Auktionator organisierte Verdines Sattel und Zaumzeug und ich half ihm dabei das Pferd zu satteln. Er führte Verdine zum Reitplatz, Hunter und ich folgten ihm.
      Hunter | Mein letztes mal in einem Westernsattel war Jahre her. Ein wenig misstrauisch stieg ich auf und nahm die Zügel auf, da Verdine sofort losging. Es dauerte einen Moment, bis ich mich sortiert hatte und sie verstand, was ich von ihr wollte. Die Grundlagen beherrschte sie einwandfrei. Die Appaloosastute gab sich erstaunlich ruhig, trotz ihrer offensichtlichen Nervosität. Sie bemühte sich sichtlich. Auch als ich ein paar schwierigere Lektionen von ihr forderte spielte sie mit. Außerdem saß sie sich unfassbar gut. Das mochte auch am Sattel liegen, aber im Gesamtpaket gefiel mir die Stute nun besser als erst gedacht. Nach ein paar Minuten stieg ich wieder ab und führte sie zurück zu Käthe, die am Zaun stand. “Gut.” meinte ich knapp um ihr die Frage vorwegzunehmen. Sie grinste mich freudig an und öffnete das Tor damit ich Verdine vom Platz führen konnte. Wir brachten die Stute zurück zur Box und sattelten sie ab. “Möchten sie dann mit mir kommen?” fragte der Auktionator und sah Käthe an.
      “Du reitest also Western?” fragte ich Käthe, während wir dem Auktionator folgten.
      “Mein Vater war immer dagegen, für ihn ist das kein richtiges Reiten.”
      “Super Zeitpunkt ein Westernpferd zu kaufen, wenn dein Vater die so toll findet und demnächst vorbeikommen will.”
      Käthe sah mich vorwurfsvoll an: “Ich kann ihm ganz andere Sachen erzählen die er nicht so toll finden wird.”.
      Ertappt schluckte ich. “Achja... Aber bei Verdine bist du dir wirklich sicher?” Das Thema wollte ich so schnell wie möglich los werden.
      “Ja wieso?” fragte sie.
      “Schade.”
      “Wieso Schade?”
      “Sie ist ein gutes Pferd.”
      Sie verschränkte die Arme vor der Brust. “Du hast Interesse.”
      “Hmm…” brummte ich.
      “Wenn sie mir dann folgen möchten.” unterbrach der Auktionator und Käthe folgte ihm. Kurze Zeit später kam sie mit einem Umschlag in der Hand wieder.
      “Glückwunsch.” meinte ich grinsend und verkniff mir eine dumme Bemerkung.
      “Wenn ich deinen Hänger ausleihen darf kann ich sie morgen früh abholen.”
      “Gut.”
      “Wollen wir dann los?” fragte sie und sah mich an.
      Ich nickte und wir gingen quer durch die Halle zum Ausgang. An einem Stand für Pferdefutter blieb Käthe abrupt stehen und drückte mir ihre Einkaufstüten in die Hand. “Schau mal wie niedlich!” rief sie und ging zum Betreiber des Standes. Noch bevor ich reagieren konnte hockte sie sich auf den Boden und hatte ein schwarzes Fellbündel im Arm. Die Verkäuferin erkannte sofort, dass ich zu Käthe gehörte und sprach mich an: “Zwei der Wurfgeschwister sind noch zu haben.” sagte sie freundlich. Käthe stand auf und kam mit dem Welpen auf dem Arm zu mir. Da ich vermutete, den Hund gleich halten zu müssen stellte ich die Tüten auf dem Boden ab. Mit meiner Vermutung lag ich nicht ganz falsch, denn Käthe legte mir das Fellbündel in die Arme: “Er ist so weich! Und schau dir die kleinen Pfoten an!”. So klein waren die Pfoten gar nicht. Aber niedlich war der Welpe trotzdem. “Der kleine steht dir! Ihr seht euch ähnlich.” lachte Käthe und ich warf ihr einen mahnenden Blick zu. “Ist das so?”
      “Wie Geschwister. Und jetzt wo du alleine auf dem Hof bist wäre ein tierischer Wegbegleiter doch eine nette Idee.”
      “Ich habe knapp 30 tierische Wegbegleiter im Stall stehen.” meinte ich schmunzelnd, ließ den Hund aber nicht runter.
      “Aber keins davon sieht aus wie du!” antwortete sie und lachte.
      “Ich kann mir doch nicht einfach einen Hund auf einer Messe kaufen!”
      “Hättest du lieber ein Pferd?”
      Ich lachte. “Dafür ist es jetzt zu spät. Was ist das denn für ein Hund?” wollte ich von der Verkäuferin wissen, die mir im Anschluss ein Ohr abquatschte.
      Letzten Endes schaffte sie es mich zu einem ihrer Welpen zu überreden. Ich setzte den Welpen auf dem Boden ab und warf Käthe einen unschuldigen Blick zu während ich der Frau in den Stand folgte. “Jetzt aber wirklich nach Hause.” brummte ich als ich wieder kam.
      Wir schafften es noch die Wurmkuren für meine Pferde abzuholen und fuhren danach gleich zur Hundezüchterin um den Welpen abzuholen. “Willst du dein neues Pferd nicht auch gleich noch abholen?” scherzte ich, als wir auf meinen Hof fuhren. “Um die Uhrzeit? Soll ich in den Stall einbrechen?” fragte Käthe und grinste mich frech an. Verschwörerisch grinste ich zurück. “Wieso eigentlich nicht?”
      “Du kneifst.” sagte sie und verengte die Augen zu Schlitzen. “Tu ich nicht!”
      “Einbrechen ist also in Ordnung, aber bei gewissen Themen schweigst du?”
      “Was für Themen?” wollte ich wissen, da ich mir nicht vorstellen konnte woran sie dachte.
      “Vor zwei Wochen. Du und ich?” fragte sie und grinste mich an.
      “Was willst du da bereden?” fragte ich und ging auf den Innenhof, wo ich ihr einen Stuhl hinstellte und mich anschließend selbst auf einen anderen setzte.
      “Ich dachte schon, dass wir darüber reden sollten. Oder wollen wir so tun als wäre nichts gewesen?” fragte sie mich und setzte den Welpen auf ihrem Schoß ab.
      “Nein.” sagte ich um mir etwas Zeit zu verschaffen.
      “Oder wir schieben es auf den Alkohol.”
      Ich lachte hart. “Wie du willst.”
      Das sie damit nicht zufrieden war merkte ich an ihrem Blick mit dem sie mich durchbohrte.
      “Für mich war es nicht nur der Alkohol, bei dir bin ich mir da nicht so sicher.”
      Sie lachte. “Zugegeben der Alkohol hat mir den nötigen Mut gegeben. Nach deiner Abfuhr davor war ich mir nämlich nicht mehr so sicher ob wir uns überhaupt noch sehen würden.”
      “Welche Abfuhr?”
      “Der Abend bevor du mit Sanitätern in meine Wohnung geplatzt bist.”
      “Wenn du halbtot auf dem Boden rumliegst?!”
      “Davon spreche ich gar nicht! Du machst mich wahnsinnig.”
      “Tut mir leid.”
      Sie schüttelte den Kopf.
      “Käthe?”
      “Ja, Hunter?”
      Ich schmunzelte. “Wenn du mich fragst, haben wir nichts falsch gemacht. Falls du das wissen willst.”
      “Schön zu wissen das du so denkst.” sagte sie und lächelte.
      “Wie siehst du das?”
      “So wie du. Und ich hätte nichts dagegen wenn es eine Wiederholung gäbe. Vielleicht mit weniger Alkohol damit ich nicht so starke Kopfschmerzen habe.” sagte sie und lachte.
      Lächelnd sah ich sie an. “So schlimm?”
      “Ich bin mir sicher ich habe mehr vom Wein getrunken als du.”
      “Bestimmt.”
      “Ich sollte dann langsam nach Hause.” sagte sie und setzte mir den Welpen auf den Schoß.
      Erst am nächsten Tag realisierte ich, was gestern passiert war. Und zwar um 2 Uhr nachts, als ich von lautem, schrillen Hundegejammer geweckt wurde. Der Welpe war mit seinen sechs Monaten natürlich nicht stubenrein und hatte aus meinem Schlafzimmer ein Schlachtfeld gemacht. Ein wenig verzweifelt, aber noch zu müde um etwas zu sagen packte ich mir meinen Hund und brachte ihn kurz in eine leere Pferdebox. Da war er sicher und ich konnte das Unheil, dass er verursacht hatte, beseitigen.
      Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so schnell und ohne Kaffee wach wurde. Der Welpe weinte erbitterlich in seiner Box. Erst als ich wieder kam und ihm Halsband und Leine umlegte beruhigte er sich. Es war immer noch mitten in der Nacht. Ich ging auf eine der Wiesen und lief ein paar Minuten, damit der Hund sich lösen konnte. Danach ging ich wieder ins Bett und hoffte, dass ich bis zum Morgen durchschlafen konnte.
      Wunschdenken ist etwas Tolles. Leider bleibt es oft das, was es ist: ein Wunsch. Eine knappe Stunde ließ mich mein Hund schlafen, bis er anfing am Bett zu nagen wie ein Bekloppter. Im Halbschlaf schob ich ihn immer wieder weg, bis er sich dem Schrank zuwandte, da ich ihn dort nicht erreichen konnte. Zumindest nicht vom Bett aus. Seufzend stand ich auf und hob den schwarzen Hund auf, brachte ihn wieder nach unten und lobte ihn ausgiebig, als er sein Geschäft draußen verrichtete, statt neben meinem Bett.
      Gegen 6 Uhr Elizabeth zur Arbeit, kurz darauf Mirko. Die beiden freuten sich über den neuen Schützling und blieben ein paar Minuten bei uns um zu frühstücken und den Hund zu bespaßen, bevor sie die Pferde füttern gingen. Ich packte mir den Satz Wurmkuren, der noch im Auto lag und folgte damit der Fütterung.
      Über den Vormittag verteilt kamen die Pferdetrainer auf den Hof und arbeiteten die Sportpferde. Jeder, wirklich jeder, wollte den Hund anfassen und seinen Namen wissen. “Er hat noch keinen Namen.” wurde zum Satz des Tages. Ich sagte ihn so oft, dass ich die Frage dazu schon nicht mehr hören konnte. “Na dann gib ihm doch einen Namen.” meinte Isaac lachend. Recht hatte er, aber man sollte sich gut überlegen wie man sein Tier nennt. Er sollte natürlich keinen 0 8 15 Namen bekommen!
      Nach dem Mittagessen rief ich Käthe an und fragte wann ich ihr den Hänger bringen sollte. “Ich dachte ich komme schnell vorbei und hole ihn ab.” sagte sie und so vereinbarten wir genau das. Zirka eine Stunde später fuhr sie auf den Hof und wendete den Wagen so, dass ich den Hänger ankuppeln konnte. “Wie war die Nacht?” fragte sie und verkniff sich ein Lachen. “Hol dir nie einen Welpen.” gab ich zurück und ging ein paar Schritte zurück, nachdem ich die Sicherung angebracht hatte. “Das hatte ich auch nicht vor.” sagte sie und stieg in den Wagen. Wir verabschiedeten uns und dann fuhr sie wieder ab um ihr neues Pferd abzuholen.
      Ein paar Stunden später hielt ein Wagen im Innenhof und hupte. Genervt, weil der Hund anfing mit zu jaulen kam ich aus dem Stall. Von oben bis unten mit Stroh übersät, weil ich gerade den Heuboden umdisponiert hatte. “Du kommst genau richtig, kannst du mir eben helfen?” fragte sie und ich nahm an, dass sie damit den Pferdehänger meinte. Als sie die Laderampe runter ließ wurde ich jedoch stutzig. “Was wird das?”
      “Du hattest erwähnt dass du ein paar freie Boxen hast und ich dachte du kannst mir helfen.” sagte sie und lud Verdine aus. “In wie fern? Möchtest du jeden Tag herkommen?” fragte ich grinsend und sprang dem Hund hinterher, der gerade weglaufen wollte. “War das ein Angebot?” fragte sie und sah dabei zu wie ich versuchte das kleine Fellbündel einzufangen. Als ich ihn hatte nahm ich ihn hoch und kam zurück zu Käthe: “Irgendjemand muss sich ja um dein Pferd kümmern, nicht wahr?” .
      “Ganz richtig ist das nicht. Wo wäre eine freistehende Box?”
      Ich deutete ihr an mir zu folgen und brachte sie zu einer der freien Boxen im Nebenstall, während der Hund mir das Shirt anknabberte, da er runter wollte. Sie brachte Verdine in die Box und schloss die Tür. “Ich glaube wir müssen reden.” sagte sie und deutete an, dass es unter vier Augen geschehen sollte. “Wieder?” fragte ich perplex. “Ja.” antwortete sie knapp und nahm mir den Welpen ab. “Okay, dann gehen wir rein. Ich muss mich so oder so umziehen.” meinte ich und sah an mir herab. Wir gingen zum Haupthaus, wo ich sofort im Bad verschwand und danach ins Schlafzimmer huschte um mir neue Kleidung anzuziehen. Als ich fertig war kam ich runter ins Wohnzimmer, wo Käthe mit dem Welpen wartete. Sie streichelte ihn und er war ruhiger als bei mir. “Keine Sorge es geht um Verdine.” sagte Käthe als sie meinen fragenden Gesichtsausdruck sah. Ich ließ mich in den Sessel fallen: “Okay.” sagte ich nicht minder fragend.
      “Ich fände es gut wenn du dich Verdine annimmst. Ihr beide bildet eine gute Einheit und du kannst ihr das Training bieten, was sie braucht.”
      “Kann ich das?” Der Meinung war ich nämlich ganz und gar nicht.
      “Du bist vielleicht etwas eingerostet aber das lässt sich ja ändern.”
      “Hmm.” brummte ich. Im Grunde war ein Pferd mehr nun auch egal. Trotzdem war ich von der Vorstellung nun auch ein Westernpferd fördern zu müssen nicht begeistert.
      “Was denkst du?” fragte sie und sah mich eindringlich an.
      Ich seufzte. “Käthe, ich weiß nicht…” Auf der anderen Seite wollte ich sie nicht auf dem Pferd sitzen lassen. Sie legte den Welpen, der mittlerweile eingeschlafen war, neben sich auf das Sofa und stand auf. “Hunter ich würde mich freuen wenn Verdine bei dir bleiben könnte. Und wenn du nicht weiter weißt kann ich dir helfen, das weißt du.” sagte sie und setzte sich auf die Lehne vom Sessel. Wieder brummte ich. “Gut.”
      “Ist das ein Ja für Verdine?” fragte sie und sah mich freudig an. Ich nickte nur und fühlte mich als hätte ich gerade mein Todesurteil unterschrieben. “Dann gehört sie offiziell dir!” sagte sie und zog einen Umschlag unter ihrem Shirt hervor den sie mir auf den Schoß legte. “Du bist gerissen.” bemerkte ich und sah in den Umschlag. Die Papiere waren sogar schon auf mich umgeschrieben. Böse funkelte ich sie an und packte alles wieder zurück und legte den Umschlag zur Seite. “Hättest du denn etwas anderes erwartet?” fragte sie und zwinkerte mich frech an. “Ja, mein Bild von dir ist jetzt zerstört.” sagte ich als wäre ich maßlos enttäuscht und stand auf, da ich nicht ewig hier sitzen konnte. Die Arbeit rief. “Jetzt erst?” rief sie lachend und ließ sich in den Sessel rutschen. “Hast du Lust mir als Entschädigung auf dem Heuboden zu helfen?” fragte ich. “Wenn du mir versprichst mir nichts anzutun, gerne!” antwortete sie und stand auf. Sie ging zum Sofa und hob den Welpen wieder auf den Arm. Schmunzelnd ging ich in den Stall und kletterte auf den Heuboden. “Pack den Welpen in die leere Box da.” sagte ich zu Käthe und zeigte auf die Box, die man vom Heuboden aus einsehen konnte. Sie folgte meiner Anweisung und stieg die Leiter zum Heuboden hinauf. “Hattest du nicht bereits angefangen? Es sieht nämlich nicht danach aus.” sagte sie frech und schob einen Heuballen zur Seite. “Ich kontrolliere die Ballen erst auf Schäden, wenn sie ok sind kommen sie da hinten hin. Wenn sie kaputt sind fliegen sie da runter in die Box.” erklärte ich und zeigte auf ein Loch weiter hinten. Sie sah mich erschrocken an: “Du willst mich aber nicht in die Box werfen, oder?”. “Du würdest weich fallen. Das ergäbe in dem Zusammenhang keinen Sinn.” erklärte ich und grinste böse. Sie hob mahnend den Finger und ging langsam auf mich zu. “Vergiss nicht dass ich klein bin, vielleicht fall ich durch ein Loch zwischen die Ballen.” Ich lachte. “Hast du mal geguckt wie viel Stroh da schon liegt?” Sie schüttelte den Kopf und versuchte mir in die Seite zu boxen. Da ich rechtzeitig ausweichen konnte gelang es ihr jedoch nicht und sie wandte sich den Ballen zu.
      Gut zwei Stunden waren wir damit beschäftigt die übrigen Ballen zu sortieren. Am Ende war wieder viel Platz für neues Stroh. Ich setzte mich an das Loch zur Box, die mit schadhaftem Stroh gefüllt war. “Hättest du noch immer Angst zu springen?” fragte ich Käthe und sah auf das Stroh unten. Sie stellte sich neben mich, sah nach unten und antwortete knapp: “Etwas.”. Ich stellte mich wieder auf, mit dem Rücken zum Loch und sah sie an. “Tief ist es nicht.” - “Hunter, nein!” sagte sie mahnend und wollte noch nach meinem Arm greifen, doch ich war schneller und ließ mich ins Stroh fallen. “Komm, Käthe!” Sie sah verzweifelt von mir zur Leiter am anderen Ende des Heuboden und setzte sich an die Kante. “Ich hab Angst” rief sie und biss sich auf die Unterlippe. “Das Stroh ist wirklich weich. Oder soll ich dich fangen?” fragte ich lachend. Sie seufzte und ließ sich dann fallen. “Zufrieden?” fragte sie lachend und drückte mich ins Stroh. “Ja.” sagte ich stolz und zog sie zu mir um sie zu küssen. ”Was war das?” fragte sie als ich sie wieder los ließ. Ertappt sah ich sie an und räusperte mich dann, bevor ich antwortete. “Hätte ich das nicht tun sollen?” Sie lachte. “Ich hätte nicht erwartet dass du es tun würdest!” Ich setzte mich auf und zog einen Strohhalm aus meinen Haaren, der mich nervte. “Du unterschätzt mich!” - “Ach ja?” fragte sie lachend und zog mich an sich. “Ja.” sagte ich leise und sah sie eindringlich an. Sie lächelte nur und küsste mich. Gleich darauf jaulte der Welpe eine Box weiter auf und ließ mich aufspringen. “Was ist denn jetzt kaputt?” fragte ich entsetzt und rannte rüber. Der Welpe hatte nichts. Zumindest nicht, dass ich etwas sehen konnte. Als er mich sah und wurde er sofort leise und freute sich. “Alles in Ordnung?” fragte Käthe die sich mittlerweile aus dem Stroh befreien konnte. “Ich denke schon.” gab ich noch immer etwas geschockt zurück und nahm den Welpen hoch. “Du bist voller Stroh!” meinte ich grinsend, als ich mich Käthe zuwandte. “Wie kommt das nur…” antwortete sie und versuchte sich das Stroh abzuklopfen. “Lass uns reingehen. Ich räume das schlechte Stroh morgen auf den Hänger.” schlug ich vor und ging aus dem Stall um den Welpen auf den nächsten Fleck Wiese zu setzen. Käthe folgte uns. “Hast du ihm eigentlich schon einen Namen gegeben?” fragte sie und zog sich Strohhalme aus den Haaren. Vielsagend sah ich sie an. “Nein.” Grinsend erwiderte sie: “‘Nein’ ist ein passender Name für einen Welpen.”. “Schlag was Besseres vor.” meinte ich und nahm den Welpen wieder hoch um ins Haus zu gehen. Sie folgte mir ins Haus und blieb auf dem Flur stehen. “Dir fällt sicher bald ein Name ein.” sagte sie und sah mir nach. “Wie wäre es mit Pitch?” fragte ich aus einer Eingebung heraus. Sie wiederholte den Namen mehrfach bevor sie sagte: “Pitch klingt super!”. “Gut, dann heißt er jetzt so.” meinte ich grinsend und blieb im Türrahmen stehen um mich zu Käthe umzudrehen. “Wieso stehst du auf dem Flur? Kommst du nicht mit?” - “Ich bin voller Stroh, ich will nichts schmutzig machen.” antwortete sie und lächelte verlegen. “Bin ich das nicht?” fragte ich lachend. “Du bist ja auch zuhause.” sagte sie und folgte mir. Im Schlafzimmer zog ich mich um und sah dann zu Käthe. “Hast du Erfahrungen mit Hundewelpen?” fragte ich gähnend. “Entschuldige…” sagte ich sofort und setzte mich aufs Bett. “Nicht wirklich, worum geht es denn?” fragte sie und setzte sich neben mich. “Darum, dass er mich nicht schlafen lässt.” antwortete ich und beobachtete, wie sich einige Strohhalme von Käthes Klamotten lösten. Kopfschüttelnd stand ich auf um Käthe den Kleiderschrank zu öffnen, damit sie sich was zum Umziehen aussuchen konnte. “Tut mir Leid! Gib mir irgendwas dann zieh ich mich schnell um.” sagte sie und versuchte beim aufstehen möglichst wenig Stroh zu verlieren. Ich zog ein Shirt aus dem Stapel und hielt es ihr hin. “Hose brauchst du mir keine geben, das kann ich als Kleid tragen.” Sie nahm mir das Shirt aus der Hand und hielt es hoch. “Wie du möchtest.” meinte ich schmunzelnd und setzte mich wieder aufs Bett. Pitch saß neben Käthe und sah an ihr hoch. “Magst du mitkommen?” fragte sie das Fellknäuel und kraulte Pitch hinter den Ohren. “Soll mir recht sein.” murmelte Hunter. Käthe hob Pitch hoch und verschwand im Badezimmer. Wenige Minuten später kam sie zurück. “Gib mir noch zwei Welpen und ich sehe aus wie eine Wahnsinnige die Hunde hortet.” lachte sie und ließ sich neben mir aufs Bett fallen. Ich beschloss das unkommentiert zu lassen und ließ mich nach hinten in die Kissen sinken und schloss die Augen. “Möchtest du schlafen?” fragte sie. Brummend öffnete ich die Augen. “Nein.” knurrte ich und richtete mich wieder auf. “Hunter wenn du schlafen willst, dann schlaf! Ich nehm Pitch auch mit in den Stall.” sagte sie verständnisvoll und lächelte mich an. “Nein, ich mache mir Kaffee.” sagte ich bestimmt und stand auf um runter zu gehen. Ich wollte nicht tagsüber schlafen. Außerdem wartete noch genug Arbeit. Ich hörte wie Käthe die Treppe runter lief und mit Pitch redete. “Lässt du dein Herrchen nicht schlafen, hm?” fragte sie ihn und setzte Pitch auf den Boden. Sofort sprang er ins Wohnzimmer und legte sich vor den Tisch. Bevor er anfangen konnte am Tischbein zu knabbern schimpfte Käthe und rollte ihn auf die Seite. Sie setzte sich neben ihn auf den Boden um aufzupassen, dass er es nicht erneut probieren würde. “Du sagtest er lässt dich nicht schlafen. Was macht er denn?” fragte sie ohne mich anzusehen. “Er jault.” sagte ich knapp und ging in die Küche um Kaffee aufzusetzen. “Durchgehend?”
      “Er lässt mich meistens erst einschlafen, bevor er wieder anfängt.”
      “Gehst du mit ihm raus bevor du schlafen gehst?”
      “Ja. Und er kommt auch raus, wenn er mich weckt.”
      “Wenn du mich fragst solltest du genau das nicht tun. Er muss lernen nachts ruhig zu sein, wenn du ihm aber die Aufmerksamkeit gibst die er will…” brach sie ab und zuckte die Schultern.
      “Hmm…” Das klang logisch. Aber ob er dann aufhören würde zu jaulen? Als mein Kaffee fertig war nahm ich mir eine Tasse. “Magst du auch Kaffee?” fragte ich Käthe, doch sie schüttelte den Kopf. “Ich bin abends lieber müde, als hellwach.” antwortete sie und verkniff sich ein Lachen. Ich lachte und kam mit meiner Tasse zurück ins Wohnzimmer und setzte mich in den Sessel. “Wieso hab ich den Welpen nochmal gekauft?” - “Weil ihr Geschwister seid, das sieht man doch!” sagte sie knapp und lehnte sich gegen den Sessel.
      “Nicht witzig.” meinte ich schmollend und nahm einen Schluck Kaffee. “Gib mir ein paar Minuten, dann kann Pitch jaulen wie er will.” - “Du wirst ihm nichts antun, Hunter!” mahnte sie und kniff mir in die Wade. “Eh!” Käthe sah auf die Uhr in der Küche. “Ich muss dann bald los, sonst denkt Erin noch ich will ihr den Hof überlassen.” Schmunzelnd sah ich zu ihr runter. “Da werde ich gerade wach und du willst fahren.”
      “Was hattest du denn geplant zu machen?” fragte sie und sah mich an.
      “Wach bleiben.” sagte ich entschieden und beugte mich zu Pitch runter um mit ihm zu spielen. “Das schaffst du doch auch alleine, oder?” fragte sie und fügte hinzu: “Ist es für dich nicht ungewohnt jetzt alleine im Haus zu sein?”.
      “Doch.” antwortete ich knapp, da ich ungerne über mich sprach.
      “Frag doch Isaac ob er hier einzieht. Dann könnt ihr eine Männer-WG gründen.”
      Ich lachte. “Das würde er falsch aufnehmen.”
      Verwirrt sah sie mich an. “Wieso das?”
      Erstaunt sah ich sie an. “Weil… Nicht so wichtig. Es geht nicht.”
      “Jetzt machst du mich aber neugierig. Hattet ihr Streit?”
      “Nein.”
      Man sah ihr deutlich an dass sie überlegte. Irgendwann drehte sie sich zu mir um. “Isaac steht auf Männer?”
      Zustimmend lächelte ich sie an und nahm einen weiteren Schluck Kaffee.
      “Er steht auf dich?” fragte sie weiter und lachte.
      “Keine Ahnung.” sagte ich ebenfalls lachend.
      “Oh mein Gott, Hunter! Muss ich mir Sorgen machen?”
      Ich kam aus dem Lachen nicht mehr raus und hielt mir die Seite, weil sie vom Lachen schon schmerzte. “Wenn er das gleiche Drama wie Gine macht, siehst du mich nie wieder!” drohte sie mir und lachte ebenfalls.
      “Darauf wird er sicher verzichten.” sagte ich immer noch lachend und zog meine Hand von Pitch weg, da er begann mich zu beißen. “Mit dir macht man was mit…” sagte sie und wischte sich eine Träne vom Lachen weg. Als wir uns wieder beruhigt hatten stand sie auf und zog das Shirt gerade. “Zum Glück hab ich Bäume vor dem Haus. Was würde mein Nachbar nur denken wenn er mich so aus dem Wagen aussteigen sieht.” sagte sie und verabschiedete sich von Pitch.
      Seufzend stand ich auf. “Na gut, dann fahr doch… Lass mich alleine…” sagte ich vorwurfsvoll. “Wirst du es überleben?” fragte sie.
      “Nein.” sagte ich bitter und brachte meine Tasse zurück in die Küche. Sie folgte mir und nach mehreren erfolglosen Versuchen schaffte sie es endlich sich auf die Anrichte zu setzen. “Bist du sicher?” fragte sie und grinste mich an. “Ziemlich.” sagte ich. “Aber… ich kann dich nicht aufhalten.” fügte ich theatralisch hinzu. “Du kannst schon. Du musst dich nur darauf einstellen dass Erin dich ins Kreuzverhör nehmen wird wenn du bei mir bist.” antwortete sie und legte den Kopf schief. “Viel wird sie aus mir nicht raus bekommen.” meinte ich grinsend. “Stimmt, das hatte ich vergessen. Der geheimnisvolle Schweigsame.” sagte sie und ahmte mich nach. Noch immer grinsend sah ich sie an.
      “Dann bleibst du also?”
      “Sieht so aus.”
      “Großartig. Gehen wir nochmal mit Pitch raus?”
      Sie sprang von der Anrichte und nahm die Leine von der Stuhllehne. “Dann aber los!”
      “Der ist eh nach fünf Minuten fertig.” meinte ich lachend, nahm meine Schlüssel aus der Schüssel und ging raus. Käthe folgte mir nach draußen und rief Pitch, der aufsprang und an uns vorbei rannte. Auf der Wiese neben dem Haus blieb er stehen. “Der ist ganz schön schnell.” sagte Käthe und ging zu Pitch um ihm die Leine anzulegen. “Ich gehe eben nachsehen ob alles in Ordnung ist und schließe dann die Tore zu.” erklärte ich und ging in Richtung Stallungen.
      Käthe | Während Hunter sich auf dem Weg in den Stall machte ging ich mit Pitch eine kleine Runde über den Innenhof. Er wollte alles erkunden und ich gab ihm die Gelegenheit dazu und wartete. Als Hunter von seinem Rundgang wieder kam jaulte Pitch auf und machte einen Satz nach vorn. “Alle Pferde versorgt?” fragte ich ihn und hielt ihm die Leine vom Pitch entgegen. Er nickte zustimmend und nahm sie mir ab. Wir gingen zum Hoftor und ich hielt Pitch fest während Hunter das Tor zu schloss. Als wir wieder im Haus waren nahm ich Pitch die Leine ab, der sich auf den Teppich im Wohnzimmer legte und einschlief.
      “Mal sehen wie lange er heute schläft.” sagte Hunter und kam ins Wohnzimmer. “Hast du für Pitch gar keine Decke, oder ein Kissen wo er sich drauf legen kann?” fragte ich und setzte mich aufs Sofa. “Bisher noch nicht.” antwortete er und setzte sich in den Sessel. “Dann hast du für morgen ja direkt eine Aufgabe, nachdem du das Stroh weggebracht hast.” legte ich fest und grinste ihn an. “Mhmm…” Mahnend sah ich ihn an: “Hunter du kannst den Hund nicht auf dem Boden schlafen lassen. Du möchtest auch nicht auf dem Boden schlafen.”- “Ich bin ja auch kein Hund.”
      Ich warf ihm einen bösen Blick zu. “Trotzdem. Sonst kaufe ich eins!”
      “Schon gut, morgen hole ich eins.”
      “Braver Mann!” lachte ich und sah ihn an.
      “Hast du Hunger?” wollte er wissen und kam nun doch aufs Sofa.
      “Lass mich raten, du hast nichts zu hause?” fragte ich ihn und lachte.
      “Doch. Tiefkühlpizza.” erwiderte er grinsend.
      “Dann ab in den Ofen damit!” forderte ich ihn auf.
      Hunter | Ein paar Minuten später war die Pizza im Ofen und wir saßen am Küchentisch. Pitch lag noch immer im Wohnzimmer und schlief. Als wir fertig gegessen hatten sahen wir uns fragend an. “Was machen wir jetzt?” fragte ich und war froh diese Frage zuerst gestellt zu haben. “Lass uns doch einen Film ansehen!” schlug Käthe vor und sah mich an. “Welchen denn?”
      “Was hast du denn da?”
      “Netflix.”
      “Dann lass uns doch schauen was wir finden.” schlug sie vor und ging ins Wohnzimmer wo sie sich aufs Sofa fallen ließ. Ich tat es ihr gleich und holte mein Telefon aus der Tasche um Netflix zu öffnen. “Ich hätte dich ja als Typ Mann eingeschätzt der abends am Feuer sitzt und Holzfiguren schnitzt. Aber nicht dass du mit dem Telefon den Fernseher steuerst.” sagte sie und hielt schützend die Hände hoch. Grinsend sah ich sie an. “Das mit dem Lagerfeuer verschiebe ich lieber auf Mittlelaltermärkte.” Verwundert sah sie mich an: “Wirklich?”.
      Netflix hatte ich geöffnet und den Fernseher angeschaltet, also reichte ich mein Telefon an Käthe weiter. “Das Symbol” - ich zeigte drauf - “ist dafür da, dass du das auf den Fernseher überträgst.” Sie zog die Augenbrauen hoch und sah mich an. “Okay.” sagte sie knapp, wählte einen Film aus und gab mir mein Telefon zurück. Ich legte es auf den Wohnzimmertisch. Nach dem Film nahmen wir Pitch mit hoch und gingen schlafen.
      Am nächsten Morgen waren wir schon früh auf den Beinen. Pitch ließ uns nicht wirklich zur Ruhe kommen und auch Käthes Idee ihn zu ignorieren hatte nicht geholfen. Demzufolge waren wir müde. Ich machte uns Kaffee und Käthe beschloss mir noch mit dem Stroh und der Besorgung eines Hundebetts zu helfen bevor sie nach Hause fahren würde. Als wir aus der Stadt zurückkamen richteten wir Pitchs Platz ein. “Ich muss dann aber wirklich mal nach Hause, bevor man mich als vermisst meldet.” sagte Käthe und sah mich an. Sanft lächelte ich sie an. “Na gut.” Wir verabschiedeten uns und ich sah noch zu wie sie vom Hof fuhr, bevor ich mich wieder meinen Aufgaben auf dem Hof widmete.
      August 2017, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Der erste Tag wieder zu Hause war chaotisch. Zum ersten Mal fühlte ich mich fremd auf dem eigenen Hof. Das Team funktionierte und sobald ich etwas anrührte, stand ich irgendjemandem im Weg. “Mr. Crowley?” Auf dem Weg zum Schuppen hielt Elizabeth mich auf und sah mich stirnrunzelnd an. “An Blütenzaubers Boxentür stimmt etwas nicht. Die lässt sich nur noch sehr schwer öffnen.” erklärte sie. “Ich kümmere mich darum. Danke.” gab ich freundlich lächelnd zurück und ging weiter zum Schuppen. Eigentlich hatte ich andere Pläne, aber die Box zu reparieren schlug auch etwas Zeit tot. Ich war beinahe schon enttäuscht, als ich mir das Problem mit der Tür angesehen hatte und feststellte, dass nur etwas den Mechanismus blockierte. Mit wenigen Handgriffen ließ sich die Box geschmeidig wie eh und je öffnen und schließen. Pitch folgte mir auf Schritt und Tritt und sah mich, als ich das Werkzeug zurück gebracht hatte erwartungsvoll an. “Hast du wohl Hunger?” fragte ich und musterte ihn. Ja, hatte er. Im Haus machte ich sein Mittagessen fertig und stellte es ihm anschließend draußen hin. Als würde er sonst verhungern, stürzte er sich auf die Mahlzeit. Als Isaac an uns vorbeilief, hielt ich ihn fest. “Wie viele Pferde musst du noch machen? Und welche?” wollte ich wissen. Sein Blick fiel auf meine Schulter. “Falls du vorhast...” - “Lass das meine Sorge sein!” warf ich ein, noch bevor er seinen Satz zu ende sprechen konnte. “Dann mach Moulan fertig, Hunter. Ich komme mit Riven in a Dream dazu. Kein Ausritt, Halle!” sagte er bestimmt und sah mich herrscherisch an. “Gut.” sagte ich knapp. Pitch brachte ich solange ins Haus, er musste auch das Alleine bleiben irgendwann lernen. Gelegenheiten wie diese konnte ich genau dafür nutzen.
      Moulan war sehr motiviert und es war toll sie nach langer Zeit selbst zu reiten. Die Rappstute nahm die Therapie wunderbar an und mauserte sich zu einem selbstbewussten Vollblut. “Das macht sie gut!” lobte Isaac beim Vorbeireiten. “Ist das denn wirklich okay mit deiner Schulter?” Überzeugt war er wohl nicht, aber ich versicherte ihm, dass es mir gut ging. Abgesehen von der Tatsache, dass ich wieder unglaublich müde war. Ich hatte nichtmal wirklich gearbeitet und könnte schon wieder schlafen. Isaac musste davon nichts wissen, also verblieben wir für den Rest des Trainings schweigend. Auf der Stallgasse sprach er mich dann doch noch einmal an: “Was ist eigentlich mit deinem neuen Pferd? Das wird von uns nur sporadisch bewegt, weil wir nicht wissen was wir mit ihr anfangen sollen.” meinte er schulterzuckend. Verdine… die hatte ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm. Das Pferd, das Käthe mir heimlich angedreht hatte. Ein Pferd das noch weniger in diesen Stall passte, als ein Clown auf eine Beerdigung. “Danke, dass du mich daran erinnerst.” Sanft lächelte er mich an. Er merkte, dass ich heute nicht ganz auf der Höhe war und hielt sich deshalb auch, während ich Verdine, ritt immer in meiner Nähe auf. “Wurdest du beauftragt ein Auge auf mich zu haben?” fragte ich lachend, als ich die Appaloosastute aus der Halle führte und an Isaac vorbeiging. “Dafür brauche ich keinen Auftrag.” konterte er promt und grinste mich schelmisch an. “Du bist jetzt durch?” fragte er anschließend. Ich nickte ihm zu und brachte Verdine dann auf die Stallgasse, wo ich sie absattelte. “Gut Hunter.” Isaac war mir gefolgt. “Ich bin dann jetzt weg. Bis morgen. Soll ich die noch auf die Weide bringen, bevor ich fahre?” - “Das schaffe ich schon noch. Bis morgen, Isaac.” gab ich zurück und wartete bis der Ire verschwunden war, bevor ich meine Stute wegbrachte und dann zu Pitch ins Haus ging. Gegen Abend verschwanden auch die restlichen Mitarbeiter vom Hof, sodass wir um 8pm schon alleine waren. Mit dem letzten Kontrollgang schloss ich die Tore ab und legte mich früher als üblich schlafen. Schneller als gedacht fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
      Mrs Clayton | Wie gewohnt öffneten Louis und ich am Morgen die Tore des Bear Brook EC. Da es im Moment keine Gäste auf dem Hof gab, waren wir nur für die Organisation der Mitarbeiter zuständig. Wer auf welches Turnier musste, welche Pferde bald auf einer Zuchtschau vorgestellt werden sollten. Sämtliche Einsatzbereiche überwachten wir. Bisher lief alles reibungslos. Üblicherweise kam Mr. Crowley spätestens um 9am dazu um sich einen Überblick zu verschaffen. Heute jedoch war es schon bald 11am, als mir auffiel, dass der Herr noch immer nicht an uns vorbeigehuscht war um sich seinen Kaffee zu holen. Fragend sah ich meinen Mann an, der nicht verstand worauf ich hinaus wollte. “Sollten wir mal nach ihm sehen?” fragte ich unsicher. Louis seufzte. “Lass ihn doch schlafen…” - “So lange?!” - “Er wird schon wissen was er macht, das ist nicht unsere Sache.” Darauf wusste ich nun auch nichts mehr zu sagen. Er hatte ja recht, aber vielleicht… “Vielleicht hat er seinen Wecker überhört?” Genervt sah Louis auf. “Vielleicht hat er das mit Absicht gemacht.” - “Vielleicht auch nicht?” Das ging noch weiter so, bis ich aufstand. “Ich geh jetzt hoch und sehe nach ihm!” beschloss ich und stapfte die schmale Treppe hoch. Das abfällige Stöhnen von Louis überhörte ich. Ein wenig zögerlich klopfte ich an die Türe. Als niemand antwortete wiederholte ich das Ganze nochmal etwas energischer. “Der macht nicht auf, Louis!” rief ich nach unten. Wieder schnaubte mein Mann. “Vielleicht ist er gar nicht da!” rief er zurück. “Was für ein Quatsch!” gab ich bissig zurück und öffnete einfach die Tür zu Mr. Crowleys Schlafzimmer. Er lag tatsächlich noch im Bett und schlief. “Mr. Crowley?” fragte ich vorsichtig vom Türrahmen aus. Ich wollte keinen einzigen Schritt in das Zimmer machen, weil es sich jetzt schon falsch anfühlte. Doch als er nach mehrmaliger Ansprache immer noch nicht aufwachte, blieb mir nichts anderes übrig, als zu ihm zu gehen. “Mr. Crowley sie sollten aufstehen.” sagte ich und stupste ihn unsicher an. Endlich rührte er sich und sah mich müde an. “Geht doch.” Mir fiel ein Stein vom Herzen. “Soll ich ihnen Kaffee machen?” fragte ich. Mr. Crowley brummelte etwas Unverständliches und drehte sich wieder um. “Mr. Crowley! Es ist nach 11!” sagte ich empört und stupste ihn nochmal an. “Lass ihn schlafen und komm jetzt wieder mit an die Arbeit!” Louis stand im Türrahmen und sah mich kopfschüttelnd an. “Kommt dir das nicht komisch vor, er ist sonst nicht so…” - “Woher willst du das wissen, wir kennen ihn doch kaum!” Er trat ins Zimmer und zog mich raus. Doch ich fand keine Ruhe damit. Eine Stunde später, stand ich wieder oben. “Ist alles in Ordnung bei ihnen?” wollte ich wissen. Doch Mr. Crowley schlief wieder. Meiner Intention folgend fühlte ich seine Stirn. Er glühte! Eilig lief ich die Treppe runter. “Was ist denn jetzt los?” Louis verdrehte genervt die Augen. “Er hat Fieber, Louis. Wir sollten ihn zu einem Arzt bringen.” - “Und wer macht dann unsere Arbeit?” - “Du bist ein Idiot! Dann rufe ich halt einen her!” Sowas Dummes. Wie konnte man so ignorant sein? Wer weiß warum Mr. Crowley Fieber hat.
      Als der Arzt endlich da war schlug ich drei Kreuze. “Er liegt oben im Bett. Keine Ahnung was er hat, aber Fieber hat er garantiert.” erklärte ich und ging mit nach oben. Mr. Crowley wirkte nicht sehr glücklich, als er aufwachte und den Arzt registrierte, der um ihn herumschwirrte. “Liegen bleiben.” befahl der Mediziner gleich. “Irgendwelche anderen Symptome? Waren sie kürzlich erkältet, wurden operiert oder hatten andere Verletzungen?” wollte er wissen. Mr. Crowley erzählte von seiner Schulterverletzung, die sich der Arzt gleich ansah. “Sieht äußerlich nicht sehr verdächtig aus. Sonst war nichts?” Mr. Crowley schüttelte den Kopf. “Ihr Fieber ist hoch, Sir. Bevor wir nicht wissen was sie haben, kann ich sie nicht in Ruhe lassen.”
      Schlussendlich musste unser Chef für weitere Untersuchungen und zur Beobachtung ins Krankenhaus. Als er abtransportiert wurde sah ich zu meinem Mann, der nun neben mir stand. “Und du wolltest nicht nach ihm sehen!” ging ich ihn an. Verständnislos schüttelte ich den Kopf.
      Käthe | “Ich bin in ein paar Stunden zurück, ja?” rief ich Erin durch das Küchenfenster zu. Sie war gerade auf der Weide und versuchte Hibana einzufangen, die offenbar kein Interesse hatte zu arbeiten. Als sie die Stute endlich am Strick hatte sah sie auf. “Ich hab mein Telefon dabei, falls nicht.” rief sie lachend und zwinkerte mir zu. Ich lachte ebenfalls und nahm meine Tasche von der Theke bevor ich zum Wagen ging und mich auf den Weg zum Bear Brook EC machte. Trotz des hohen Verkehrsaufkommen erreichte ich den Hof nach einer guten Stunde. Ich stellte den Wagen auf dem Parkplatz ab und ging hinüber zum Haus. Abgeschlossen. Nachdem niemand auf das Klingeln reagierte drehte ich mich um und ging zum Stallgebäude wo ich auf Isaac traf. “Hey Isaac, weißt du wo Hunter sich rum treibt?” fragte ich und ging auf ihn zu. Ratlos sah er mich an. “Ich dachte er sei bei dir? Hier scheint er jedenfalls nicht zu sein.” sagte er knapp und nahm seine Arbeit wieder auf. Ich verließ das Stallgebäude wieder und ging zu den Weiden, doch auch hier war niemand. “Hunter?” rief ich und lief über den Hof. “Wie kann ich ihnen helfen?” fragte eine dunkle Stimme hinter mir. “Hallo, können sie mir sagen wo Mr. Crowley ist?” fragte ich den Mann. Ohne die Schubkarre abzustellen antwortete er nüchtern “Im Krankenhaus.” und ging weiter. Ich lief zum Wagen und fuhr mit durchdrehenden Reifen vom Hof. Der Mann zieht das Unglück magisch an! dachte ich und fuhr zum Krankenhaus. Ich lief zur Rezeption und klopfte gegen die Scheibe. “Hunter Crowley wurde heute eingeliefert, können sie mir sagen welches Zimmer er hat?” fragte ich die Frau nachdem sie die Scheibe zur Seite geschoben hatte. “Wer sind sie denn?” fragte sie und sah im Computer nach. “Käthe Crowley, ich bin die Schwester.” log ich und hoffte das sie mir das abkaufen würde. “Zimmer 307.” sagte sie endlich und lächelte mich freundlich an. Ich bedankte mich bei ihr und ging zum Aufzug. Als ich das Zimmer endlich gefunden hatte klopfte ich an die Tür, bevor ich sie öffnete. “Was hast du denn wieder angestellt?” fragte ich Hunter und setzte mich seufzend an das Bettende. “Können sie erst sagen, wenn sie die Ergebnisse vom Bluttest haben.” erklärte er. “Wie geht es dir denn aktuell?” wollte ich wissen. “Super.” Ich sah ihn eindringlich an und stand dann auf um mir einen Stuhl zu nehmen, damit ich mich neben ihn setzen konnte. “Schau nicht so, wir haben doch schon damit gerechnet dass du hier landest.” sagte ich beruhigend und deutete auf seine Schulter. “Eigentlich hatte ich damit schon abgeschlossen.”
      “Abgeschlossen ist es erst wenn du keine Schmerzen mehr hast, Hunter.”
      Darauf wusste er nichts mehr zu sagen. Ich wollte ihm gerade einen Kuss geben, als die Tür aufging und ein Arzt erschien. “Mr. Crowley, ein bekanntes Gesicht!” sagte er in sein Klemmbrett vertieft und schloss die Tür. “Nanu, die Besuchszeit beginnt doch erst in 2 Stunden.” sagte er und sah auf seine Uhr. Ich sah Hunter ernst an und sah dann wieder zum Arzt. “Ich bin seine Schwester. Ich bin gleich her gefahren als ich erfahren habe dass er hierher gebracht wurde.” sagte ich lächelnd. Er nickte verständnisvoll und stellte sich an das Bettende. “Ihre Entzündungswerte sind relativ hoch. Das Fieber geht dank unserer Hilfe zurück. Mr. Crowley ich weiß, dass ihnen das schwer fällt aber sie sollten sich schonen mit einer Verletzung wie dieser.” sagte der Arzt ernst und tippte mit seinem Kugelschreiber gegen seine Schulter. “Ich kann doch nicht die ganze Zeit im Bett liegen!” beschwerte er sich. “Das müssen sie auch nicht. Setzen sie sich an die frische Luft, gehen sie spazieren. Leichte Arbeiten die sie mit einem Arm ausführen können erlaube ich ihnen, alles andere nicht.” sagte er lächelnd und sah dann zu mir. “Ms. Crowley, haben sie ein Auge auf ihren Bruder! Wenn er nicht auf mich hört, dann vielleicht auf sie.” fügte er lachend hinzu und ging wieder zur Tür. Bevor er den Raum verließ drehte er sich nochmal um: “Wenn sie mir versprechen auf sich zu achten, können wir sie später entlassen.” Ich sah Hunter an und lachte. “Tut mir Leid, sie hätten mich sonst nicht reingelassen.” Er grinste schief: “Wo bleibt eigentlich meine heiße Krankenschwester?” Empört sah ich ihn an. “Reiche ich dir nicht?” fragte ich und lachte. Sein Blick glitt an mir herab. “Zu wenig Krankenschwester. Ich bin im Krankenhaus, etwas Authentizität bitte.” Ich sah ihn an und stand auf. “So schlecht geht es dir anscheinend nicht.” sagte ich kühl und verließ das Zimmer.
      Hunter | “Eh!” rief ich Käthe noch hinterher, doch dann fiel die Tür schon ins Schloss. Sofort zog ich die Schublade des Beistelltisches auf um mein Telefon zu suchen. Doch sie war leer. Natürlich war sie das. Mein Telefon lag zu Hause. Ich schwang die Beine zur Seite und stand auf um Käthe nachzugehen, doch mir wurde von der plötzlichen Aktivität so schummrig, dass ich auf der Bettkante sitzen blieb. Ich hatte mich gerade wieder gefangen als die Tür aufging und Käthe ins Zimmer kam. “Mr. Crowley sie sollten sich schonen!” sagte sie streng und drückte mich zurück auf das Bett. Käthe hatte sich einen Schwesternkittel ausgeborgt und spielte diese Rolle großartig. “Aber…” begann ich, doch sie legte mir einen Finger auf die Lippen. “Sie wollen doch keinen Ärger, oder?” flüsterte sie und öffnete grinsend den obersten Knopf. Ich schluckte und lächelte sie betört an. “Mit ihnen bestimmt nicht.” Käthe stieg zu mir aufs Bett und beugte sich über mich. “So ists brav.” flüsterte sie lächelnd und küsste mich. Ich beschloss nichts zu sagen und erwiderte ihren Kuss. Plötzlich ging die Tür auf und der Arzt von gerade eben stand im Raum. Käthe setzte sich erschrocken auf und auch ich sah ihn entsetzt an. Er räusperte sich und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. “Ihre Unterlagen sind in diesem Umschlag, ich leg ihn einfach hier hin.” sagte er und legte den Umschlag auf den Tisch. Ohne uns anzusehen ging er wieder zur Tür. “Hören sie…” begann Käthe und sah ihn ängstlich an. Die Türklinke in der Hand drehte er sich um. “Sie ist nicht meine Schwester!” kam ich ihr zuvor und setzte mich leicht auf. Der Arzt lachte wieder. “Das dachte ich mir, Mr. Crowley.” sagte er und zeigte auf das Badezimmer. “Die Tür lässt sich übrigens abschließen. Für den Fall der Fälle.” fügte er hinzu und verließ lachend das Zimmer. Käthe sah mich an und musste nun ebenfalls lachen. Schmunzelnd beobachtete ich sie. “Sollen wir dann gehen?” fragte ich und warf einen kurzen Blick zu den Unterlagen. “Wenn du möchtest. Ich hol nur meine Sachen.” sagte sie und stieg vom Bett.
      Eine Stunde später waren wir auf meinem Gestüt. “Wie ich mich auf die Fragen freue, die gleich kommen.” meinte ich sarkastisch. “Sei nicht so!” sagte sie durch das offene Fenster und öffnete mir die Tür damit ich aussteigen konnte. Wehleidig sah ich sie an. “Aber…” - “Sie sorgen sich einfach um dich, das ist doch nichts schlimmes.” sagte sie und gab mir einen Kuss. “Nein, aber...” - “Da seid ihr ja!” Isaac freute sich uns zu sehen. “Wie gehts dir?” fragte er gleich und ich warf Käthe einen vielsagenden Blick zu. “Gut.” antwortete ich freundlich. Gemeinsam gingen wir ins Haus, wo ich mich auch bei den Claytons zurück meldete, die mir die gleiche Frage stellten. “Gut?” wiederholte Isaac, als wir uns in alter Tradition ins Wohnzimmer gesetzt hatten. “Das klang heute Nachmittag noch ganz anders.” - “Mir geht es gut.” sagte ich bestimmt und sah ihn streng an. “Hunter muss sich unbedingt ausruhen. Wenn es zu viel Arbeit wird im Stall ruft mich an, dann komme ich vorbei.” warf Käthe in die Runde und schrieb ihre Telefonnummer auf einen Zettel um sie Isaac zu geben. Er faltete den Zettel und steckte ihn gewissenhaft weg. “Wenn es dir wirklich gut geht, bin ich weg. Pitch liegt in deinem Schlafzimmer und schläft, falls du ihn suchst.” Auch die Claytons verabschiedeten sich, sodass wir alsbald alleine waren. “Schone dich wirklich, Hunter!” mahnte Käthe und nahm meine Hand. “Ich hab mich geschont.” wandte ich ein und sah sie fast schon trotzig an. “Was hast du denn den ganzen Tag getan?” fragte sie mich und sah mich erwartungsvoll an. “Ich hab mich gelangweilt.” Sie zog die Augenbrauen zusammen. “Auf dem Pferderücken? Du wolltest doch keinen Ärger mit mir.” Ich öffnete den Mund um etwas zu erwidern, fand dann aber keine passende Ausrede. Also spannte ich den Bogen noch ein Stück weiter: “Pferderücken?” wiederholte ich arglos. “Ich habe mit Isaac gesprochen.” sagte sie trocken und sah mich weiterhin an.
      “Okay? Was hab ich damit zu tun?”
      “Du bist gestern geritten. Zwei Mal. Obwohl du dich schonen sollst.”
      “Hat Isaac das behauptet?” hakte ich nach um von mir abzulenken. Dieser räudige Mistkerl.
      “Wenn du dich nicht schonst passe ich auf dich auf. Und dann wirst du dich schonen!” drohte sie.
      “Ach, was willst du denn machen?” fragte ich sie ohne auch nur einen Funken Reue zu zeigen.
      “Ich binde dich am Bett fest und wenn du auf Toilette musst, begleite ich dich.”
      Ich lachte hart. “Das will ich sehen!”
      “Dann komm.” sagte sie provokant, stand auf und griff nach meinem Arm.
      “Du glaubst ja wohl nicht, dass ich jetzt freiwillig mit komme!” entgegnete ich spöttisch.
      Sie ging zur Treppe und lehnte sich lasziv gegen das Geländer. “Sicher nicht freiwillig?” hauchte sie mir zu und fuhr sich durch die Haare. Aufmerksam beobachtete ich sie und es fiel mir unfassbar schwer nicht einfach aufzustehen und zu ihr zu gehen. “Das ist nicht fair!” protestierte ich. “Ich soll mich doch schonen!” Sie kam langsam auf mich zu und zog mich an sich um meinen Hals zu küssen. “Du wirst dich auch schonen. Und solange du das nicht tust, darfst du mich nicht mehr anfassen.” flüsterte sie in mein Ohr und ließ von mir ab. “Du bist böse.” sagte ich leise und packte sie um sie wieder an mich zu ziehen. Lachend drehte sie ihr Gesicht weg. “Ich weiß.” - “Du machst mich wahnsinnig!” fuhr ich fort, wohl wissend, dass sie genau diese Worte auch einmal gewählt hatte. “Tut mir Leid.” sagte sie lachend und strich durch meine Haare. “Ist das so?” wollte ich wissen und funkelte sie an. “Nein, es macht mir sogar Spaß!” gab sie grinsend zu und versuchte meinem Griff zu entkommen. “Dafür ist es jetzt zu spät.” raunte ich und schob sie die Treppe hoch. “Zu spät für Spaß? Oder zu spät um zu entkommen?” fragte sie frech und drückte die Türklinke hoch damit ich die Tür nicht mehr öffnen konnte. Ich lachte verzweifelt. “Mach die Tür auf, dann erfährst du es.” Sie drehte sich zu mir um und sah mich vorwurfsvoll an. “Du sollst dich schonen!” mahnte sie mich. Da sie die Türklinke nun nicht mehr hoch drückte griff ich an ihr vorbei um die Tür zu öffnen. “Das liegt nicht in meiner Verantwortung, du hast den Arzt gehört.” konterte ich und bugsierte sie zum Bett. “Da spricht der Raufbold aus dir.” sagte sie lachend und ließ sich aufs Bett fallen. Ich stieg über sie um sie zu küssen. Sie drückte mich lachend weg. “Die Tür ist offen!” Pitch hob den Kopf und sah mich schwanzwedelnd an. Bevor Pitch rauslaufen konnte schloss ich die Tür und kam zurück. Käthe war weiter aufs Bett gerutscht und saß, die Beine angewinkelt, grinsend da. Ich ließ mich neben ihr aufs Bett fallen und zog sie dann zu mir runter um da weiter zu machen, wo ich aufgehört hatte. “Hey sei nicht so grob!” rief sie lachend und sah mir tief in die Augen. “Tut mir leid, mit nur einer Hand ist das etwas komplizierter zu koordinieren.” entschuldigte ich mich grinsend und ließ von ihr ab. “Ich muss doch aufpassen dass du dich schonst.” erwiderte sie frech und beugte sich über mich. “Solltest du.” sagte ich heiser und zog sie mit einem beherzten Griff auf mich um sie zu küssen.
      Käthe | “Ich will nicht dass du dir komisch vorkommst…” begann ich und zog meine Hose hoch “...aber ich muss dann leider los.” vollendete ich meinen Satz und setzte mich aufs Bett um mir die Schuhe anzuziehen. Er rappelte sich hoch und sah mir zu. “Du hast es aber eilig.” sagte er, wobei eine Spur Unsicherheit auf seiner Stimme lag, die verriet, dass er sich sehr wohl komisch vorkam. Entschuldigend sah ich ihn an. “Hunter, schau nicht so! Du weißt was ich für dich empfinde.” Seine Augen blitzten kurz auf. “Weiß ich das?” Seine Miene verriet, dass er eigentlich noch etwas trotziger reagieren wollte. “Natürlich weißt du das.” antwortete ich mit hochgezogenen Augenbrauen und stand auf. Er beschloss nichts weiter zu sagen und zog sich ebenfalls seine Hose wieder an, damit er mich noch bis nach draußen begleiten konnte. Bevor ich in meinen Wagen stieg lehnte ich mich gegen die Tür und sah Hunter an. “Versprich mir, dass du dich schonst und den Pferden fern bleibst.” Widerwillig brummte er. “Mir wird schon nichts mehr passieren. Andernfalls kann ich es immer noch auf dich schieben.” sagte er frech. “Hallo, wieso denn auf mich?” fragte ich empört. “Weil der Arzt dich damit beauftragt hat darauf zu achten, dass ich mich schone.” erwiderte er mit einem erhabenen Lächeln. “Du weißt doch, dass ich wegen der Pferde nicht jeden Tag herkommen kann.” meinte ich schmollend und legte meine Arme um ihn. “Das weiß ich doch.” gab er zurück und blickte mir dabei tief in die Augen. Ich seufzte. “Wenn du magst kannst du die Tage ja zu mir kommen. Dann kochen wir was schönes, hast du Lust?” fragte ich ihn. “Gerne, mir wird hier so oder so die Decke auf den Kopf fallen. Ich darf ja nichts mehr machen...” meinte er betrübt. “Es ist zu deinem besten!” versuchte ich ihn aufzumuntern und gab ihm einen Kuss. Er seufzte schwer. “Ja… Fahr vorsichtig. Nicht dass dir auch noch etwas zustößt.” Ich lächelte ihn an und versprach vorsichtig zu fahren, bevor ich in den Wagen stieg und die Fensterscheibe runter ließ. “Du siehst niedlich aus wenn du traurig bist.” sagte ich grinsend und lehnte mich aus dem Fenster. Zurückhaltend lächelte er und gab mir noch einen letzten Kuss bevor er zurücktrat, damit ich vom Hof fahren konnte.
      Hunter | Nach ein paar Stunden unruhigen Schlafes stand ich schließlich auf und brachte Pitch nach draußen. Es war noch dunkel, der Hof verlassen und Pitch genauso überreizt wie ich. Zu allem Unheil regnete es, ein Gewitter bahnte sich an. Wäre ich bei besserer Laune gewesen hätte ich erkannt, dass ein morgendliches Gewitter besser ist, als eines das über Tag käme, wo dann alle Arbeit kurzzeitig stillgelegt werden müsste. Andererseits waren dann genug Leute da falls durch Sturm, Regen oder Blitz irgendwelche Schäden entstehen. Während ich darauf wartete, dass Pitch sein Geschäft verrichtete, zog ich sämtliche Stühle vom Innenhof zur Seite, damit sie im Trockenen standen. Als Pitch auf mich zu lief ging ich wieder rein und nahm mir den Laptop. Dreißig ungelesene Mails. Erst als die Claytons kamen und mich grüßten, sah ich auf und bemerkte wie spät es geworden war. “Alles okay bei ihnen?” fragte Mrs Clayton. “Mir geht es gut.” versicherte ich ihr. Doch sie sah noch immer sehr besorgt aus, als sie sich umdrehte um mit ihrem Mann an die Arbeit zu gehen. Noch zehn Mails. Ich horchte auf als ein weiterer Wagen auf den Hof fuhr. Das musste Mirko sein oder Elizabeth. Interessiert stand ich auf und ging ans Fenster. Es war Mirko. Da ich wusste, dass er nicht zur Begrüßung rein kam ging ich raus. Die restlichen Mails konnten warten. Gemeinsam fütterten Mikro und ich die Pferde, eine Aufgabe, die ich noch ausführen durfte. Während wir die Boxen abliefen fragte Mirko auch noch einmal was passiert war. An ihm war der ganze Aufruhr vorbei gegangen. Trotz meiner nur knappen Ausführung der Geschehnisse hakte er nicht noch einmal nach, sondern ließ mich nach der Fütterung wieder ins Haus gehen. Immer noch zehn Mails… Erst jetzt fiel mir auf, dass eine dieser Mails von Käthe kam. “(Kein Titel)” - Klasse Käthe. Schmunzelnd klickte ich sie an. Sie schrieb, dass sie ein interessantes Vollblut bei ihrer Arbeit in Italien entdeckt hatte. An der Art und Weise wie sie dieses Pferd anpries wusste ich schon, dass sie mir diese Mail nicht ohne Hintergedanken gesendet hatte. Im Anhang fand ich ein Foto des besagten Pferdes. Es handelte sich um einen Strawberry Roan Hengst. Einen Moment lang überlegte ich, doch dann beschloss ich ihr nicht auf die Mail zu antworten. Stattdessen nahm ich mein Telefon zur Hand und schrieb ihr, dass ich die Mail erhalten und lieber persönlich mit ihr darüber sprechen wollte.
      Käthe | Nachdem Erin und ich gefrühstückt hatten stellte ich die Teller in den Geschirrspüler und folgte ihr in den Stall um die Boxen der Pferde zu misten. Wir hatten uns die Arbeit aufgeteilt und so waren wir nach nur einer Stunde fertig. Erin widmete sich Hibana und ich half ihr die Stute von der Weide zu holen, damit keines der anderen Pferde entwischen konnte. Ich beobachtete die Pferde noch eine Weile bevor ich den Weg zum Haus einschlug. Gerade als ich die Tür öffnete fuhr Hunters Wagen auf den Hof. “Konntest du es zuhause nicht mehr aushalten?” rief ich ihm lachend zu als er ausstieg. “Hättest du auf dein Telefon geguckt, wüsstest du wieso ich hier bin! Nutzt du das überhaupt? Wofür hast du denn eins?” fragte er ebenfalls lachend, während er mit Pitch auf mich zuging. Ich griff meine Hosentaschen ab und sah ihn grinsend an. “Damit du her kommst und mich dran erinnerst es zu benutzen?” fragte ich ihn und ging ins Haus. Er folgte mir und sprach weiter: “Dann erzähl mir mal etwas mehr über den Hengst, den du gefunden hast.” verlangte er. Ich setzte mich an den Tisch und überlegte kurz, bevor ich ihm dann alles erzählte was ich von dem Vollblut wusste. “Hunter wartet nun auf meinen Anruf.” schloss ich und sah auf. Verwirrt sah er mich an. “Der Inhaber heißt ebenfalls Hunter.” meinte ich und musste ein Lachen unterdrücken. Er zog eine Augenbraue hoch. “So so… Und du bist dir nicht sicher mit dem Pferd?” fragte er, sprach aber ohne auf eine Antwort zu warten weiter: “Für mich klang das doch alles recht positiv, was schreckt dich ab?” Ich atmete hörbar ein und aus. “Ehrlich gesagt möchte ich ihn unbedingt kaufen. Ich wollte mir nur deine Meinung einholen, da du dich mit englischen Vollblütern weitaus besser auskennst.” Er nickte verständnisvoll. “Das Pferd an sich scheint absolut in Ordnung zu sein. Wenn du gut mit ihm zurecht kommst und für ihn aufkommen kannst, sehe ich nicht wieso du es nicht kaufen solltest.” Wir beschlossen, dass ich mich in den nächsten Tagen bei Hunter melden würde um den Kauf zu bestätigen. Ich beugte mich zu Pitch runter, der sich neben mich gelegt hatte um ihn zu streicheln. “Bleibst du bis heute Abend?” fragte ich Hunter ohne aufzusehen. “Wenn du mich nicht vorher rauswirfst, ja.” Ich sah auf und zog die Augenbrauen zusammen. “Wieso sollte ich dich rauswerfen?” - “Vielleicht nerve ich ja. Arbeiten darf ich schließlich auch nicht.” meinte er grinsend. Ich schüttelte nur mit dem Kopf und stand dann auf um ins Schlafzimmer zu gehen. “Kochen wir zusammen?” rief ich ihm zu und zog mich um. “Gerne!” antwortete er. “Meinst du Pitch kann alleine bleiben?” fragte ich als ich zurück in die Küche ging und meinen Geldbeutel und meinen Autoschlüssel nahm.
      Hunter | Alles Nötige eingekauft, standen wir zwei Stunden später in Käthes Küche und kochten. Pitch hatte die Zeit in der wir weg waren in einer leeren Pferdebox verbracht und gut überstanden. In einer kurzen Pause lehnte ich mich gegen die Arbeitsplatte, zog mein Telefon aus der Tasche und sah nach ob es irgendwas Neues gab. Ben hatte geschrieben. Er hatte ein Pferd gefunden, das für mich interessant wäre. Schließlich bräuchte ich ja noch eines, das ich mit zu Lagern nehmen könnte und dieses, wäre absolut geeignet. Dass es sehr jung und dadurch fast komplett roh war, schien ihm dabei entgangen zu sein. Ohne ihm zu antworten seufzte ich und steckte ich das Telefon wieder weg.
      Den Abend über überlegte ich stumm hin und her ob ich mir den Drum Horse Hengst vielleicht doch einmal ansehen sollte. Auch Toby hatte nur Gutes für ihn übrig. Immerhin seien auch seine Eltern nicht gerade unbekannt. Ich hatte noch immer nicht geantwortet und beobachtete das Gespräch zwischen den beiden in unserer WhatsApp Gruppe. Erst als ich wieder zu Hause war ließ ich die beiden wissen, dass sie mich überredet hatten. In den nächsten Tagen würde ich mir Thomas, so hieß der Hengst, einmal ansehen.
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Besuch bei Bearbrook
      Ich hatte in der zeitung gelesen das ein renomiertes Gestüt hilfe benötigte und rief dort an und vereinbarte das ich heute schon vorbeikommen werde und mich um die Pferde zu kümmern.
      Als ich ankam kümmerte ich mich zuerst um Happy Fantasy. Die 4 jährige braune Englische Vollblutstute war im military ziemlich erfolgreich. Ich halfterte die stute auf und führte sie zum putzplatz dort striegelte ich sie ausgibig, ich wollte mit ihr etwas in der Dressur machen solange das wetter so drüb ist, sollte es sich aufziehen könnte ich evtl ins gelände. Ich sattelte und trenste sie auf und stieg auf. Im Schritt geht es in die halle dort wärmte ich die stute ordentlich auf ehe ich sie in den Trab versetzte. Ihr Trab war taktklar und schnell bald gallopierte ich sie an und merkte wie schnell die junge stute eigentlich schon ist. Da sie brav war beendete ich das Training zufrieden und führte die Stute noch ordentlich trocken ehe ich sie in die box brachte und zum nachbarn ging. Als nächstes kam eine Apaloosastute namens verdine, an ihrer Box stand das sie gerettet wurde und nur wellness und aufpepplungsprogramm hatte also entschloss ich sie ausgibig zu putzen und sie etwas in der halle laufen lasse ehe ich sie für 1h auf die weide stellte. Die stute rieb sanft ihren großen schädel an meiner schulter. „ He bin kein baum!“ lachte ich und befreite zuallererst ihre mähne und schweif von dem übrigen stroh. Hier und da sah man es ihr noch an das es ihr mal schlecht ging, nach der mähne bürstete ich das fell und krazte anschließend die hufen aus und fette diese ein. Danach gings kurz in die halle und bald sah ich das es die richtige entscheidung war. Sie pfefferte ihren hintern in die höhe, ich lies sie ihre runden laufen und fing sie ein um sie auf die weide zu bringen. Jetzt war das wetter wieder schön und machte das nächste pferd fertig. Mit Braddock the Parrot hatte ich kein leichtes brot das dickköpfige ponymix wollte partout nicht aus der box. Da alle mal einen schlechten Tag hatte beschloss ich ihn in der box zu putzen und ihn dann in ruhe zu lassen. Ivh band ihn an den gitterstäben an und fing an, doch das schlaue pony schaffte es immer wieder den knoten zu lösen und mit mir karusell zu spielen. So dauerte eine Putzaktion das höchstens 30 minuten dauerte gerne mal 1,5h. zum glück war keiner da der mich auslachen konnte. Dann beschloss ich mit den 2 Schettyhengsten spazieren zu gehen, zuerst holte ich Benji aus seiner box und striegelte den braunschecken sauber und zog ihm seine trense an, da er noch warten musste legte ich ihm das halfter noch über und holte den rapphengst niffler die 2 ponys scheinen sich zu verstehen, ansonsten wäre es unmöglich, vorallem traute ich mich das nur bei den kleinen, bei meinen großen trakehnerhengsten war das schier unmöglich und lebensgefährlich, wenn ich so da an Sir Outlaw denke. Als niffler fertig war schnappte ich mir benji und maschierte munter los. Eigentlich hatte ich Hunter versprochen 2 pferde zu bewegen aber ich entschloss mich zu soviele wie möglich zu schaffen, in einer stunde würde es mittag sein. Wir liefen an einem Feldweg entlang, Benji und Niffler benahmen sich vorbildlich und beide sind süßer als der andere. Ob die 2 gefahren sind? Bestimmt da können ja nur kleinkinder oder meine tochter drauf reiten, da sie recht schmal ist. Nach einer guten 3 viertel stunde brachte ich dann die 2 in die box und holte verdine von der weide runter, dann gönnte ich mir mein pausenbrot das ich in der früh mitnahm und überlegte wieviele ich noch schaffen würde. Am Nachmittag kümmerte ich mich noch um 4 fohlen die ich jeweils zu zweit in der halle laufen lassen wollte. Ich holte Denahi aus seiner box. Mit viel Geduld denn das junge Fohlen kannte das noch nicht so gut und ist in der lernphase, ich streichelte ihn etwas und lies ich in die halle und holte rainbow sein spielgefährten, die zwei fohlen hatten sichtlich spaß und tobten ausgibig in der halle. Ich lies sie in der halle kurz alleine um die anderen fohlenhalfter zu suchen und die 2 mal schon aufzuhalftern, als ich das geschafft habe holte ich zuerst denahi in die box dann rainbow. Nun brachte ich sonata in die halle und brachte trap hinterher auch diese 2 feuerten ihre energie aus den hintern und veranstalteten rennen. Hunter hatte wohl eine wunderbare nachzucht. Erschöpft fuhr ich heim.
      Oktober 2017, by sadasha
      „Jetzt bleib doch mal stehen!“ Kerry folgte mir schon den halben Tag und versuchte in ein Gespräch zu kommen. Aber ich hatte besseres zu tun, so besorgt sie auch wirkte. Ich war nun mehrere Monate in der Weltgeschichte unterwegs und hatte nun endlich Zeit für meine Pferde. Dass ich diese Zeit nicht für Kerry opfern würde, musste sie doch früher oder später begreifen. Verzweifelt seufzte sie, als ich die Boxentür zu Verdine aufschob. „Gut, dann halt so. Ich komme mit Braddock mit! Mir egal was du jetzt mit Verdine vor hattest!“ beschloss Kerry und wirkte stolz, endlich einen Weg gefunden zu haben mit mir zu sprechen. Schweigend machten wir die Pferde fertig und gingen dann in die Reithalle. Mirko war hier gerade dabei den Hufschlag wieder plan zu ziehen, also begnügten wir uns zum Warmreiten mit Zirkelreiterei. Braddock ‚The Parrot‘schlurfte unter Kerry vor sich hin. Wenn Ruby das sehen würde, würde sie beide Hände über den Kopf schlagen. „Jetzt erzähl doch mal.“ forderte Kerry schließlich und sah mich erwartungsvoll an. „Du bist seit zwei Tagen wieder da und hast Nichts erzählt!“ beschwerte sie sich. „Was soll ich denn erzählen?“ brummte ich widerwillig und ging nun, da dieser gerade gezogen war, mit Verdine auf den Hufschlag. „Ich hab gearbeitet…“ antwortete ich schließlich und hörte wie Kerry abermals seufzte. „Und es ist nichts Spannendes passiert? Du warst doch auch bei deiner Freundin!“ fragte sie genervt. Ich lachte heiser. „Davon erzähle ich dir nicht.“ sagte ich bestimmt und galoppierte Verdine an, die sich freute endlich ans arbeiten zu kommen. Braddock und Kerry schlurften noch immer im Schritt und wenn Kerry es doch mal schaffte sich halbwegs durchzusetzen im langsamen Trab, vor sich hin. „Früher hast du mehr erzählt!“ sagte Kerry enttäuscht, als ich auf ihrer Höhe war. Für mich war das Gespräch beendet und so warf ich ihr nur einen flüchtigen Blick zu und widmete mich dann wieder Verdine. „Du siehst gestresst aus, deshalb hake ich nach.“ fing Kerry wieder an. „Wir machen uns alle Sorgen!“ Tief ausatmend parierte ich Verdine zum Schritt und sah rüber zu Kerry, die in der Mitte eines Zirkels stand und Braddock machen ließ, was er wollte. „Wenn du nicht willst dass er sich gleich mit dir wälzt, solltest du die Zügel aufnehmen.“ warnte ich sie die Stirn in Falten gelegt. Hektisch zog Kerry die Zügel zu sich, sodass Braddock den Kopf hob und seine Aufmerksamkeit wieder bei Kerry war. „Warum ich gestresst bin ist privat.“ sagte ich ruhig und versuchte den erstaunten Blick von Kerry zu ignorieren. „Auf einmal?“ flüsterte sie niedergeschlagen und ließ Braddocks Kopf abermals sinken. „Fängst du wieder an alles in dich hinein zu fressen, wie damals als wir uns kennenlernten?“ sagte sie noch immer leise, aber so laut, dass ich sie gut verstehen konnte. „Das war etwas anderes.“ meinte ich kühl und lobte Verdine, da sie heute trotz meiner gedanklichen Abwesenheit gut mitmachte. Kopfschüttelnd stieg Kerry ab. „Wenn du meinst.“ sagte sie abweisend und brachte Ruby’s Pony zurück in seine Box. Wirklich bewegt wurde Braddock nicht, aber das würde Ruby heute Abend schon merken. Ich arbeitete mit Verdine noch ein paar Minuten, ehe ich sie abritt und im Anschluss auf die Stutenweide brachte. Bis zum Abend beschäftigte ich noch Happy Fantasy und Felan. Mikro und Beth hatten sich ausgiebig mit den Fohlen befasst. Bear Brooks Denahi, What Rainbow, Fantastic Sonata, Rouge Trap, PFS Strolch, Golden Sugar, Little Miss Backyard, PFS‘ Storm Cat, Stars of Magic und CHH‘ Classic Spring standen in kleinen Gruppen aneinander gekuschelt auf den beiden Absetzerweiden. May und José hatten PFS‘ Savory Blossom, Raving Hope Slayer, Ehrengold, Moulan, Bear Totem’s Denali und Blütenzauber im Galopprennen trainiert. Gegen Abend kam Ruby um nach ihrem Pony zu sehen und beschäftigte dann auch noch Iseabail und Lady Lyneth Bowen.
      Am nächsten Tag war ich nach einer beinahe schlaflosen Nacht früh auf den Beinen und machte die beiden Junghengste Vikar und Mephisto soweit fertig. Die beiden waren noch nicht fertig eingeritten und so longierte ich sie vorbereitend. Der Beritt für die beiden würde außerhalb stattfinden. Anschließend machte ich mit Thomas, der ebenfalls noch nicht beritten war etwas Freidressur. Der große Hengst war nicht ganz so roh wie die beiden Tinker und würde unter meiner Hand fertig eingeritten. Ruby kam heute schon vormittags zum Stall. Nachdem sie mit ihrem Pony durch war schnappte sie sich Magical Touch von der Weide und putzte sie übergründlich, flechtete ihr Langhaar neu ein und begleitete mich dann auf einen Ausritt, bei dem ich Slap Happy ritt. „Wie kommt es, dass du so früh hier bist?“ wollte ich wissen und lächelte Ruby an, die sich in ihrer Zeit auf dem Hof verdammt gut gemacht hatte. Wenn sie so weiter macht, dann würde sie sicher eine gute Reiterkarriere hinlegen. „Ich hab heute keine Schule, weil zu viele Lehrer ausgefallen sind.“ erzählte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich lachte kurz und trabte Scheppi dann an. Ruby folgte. „Aber nächste Woche hab ich ein paar Klausuren…“ fügte Ruby ernüchtert hinzu. „Ich bin froh, wenn ich endlich fertig bin.“ Schweigend schmunzelte ich. Alles was ich jetzt hätte sagen können, wird Ruby oft genug von Erwachsenen hören. Also beließ ich es dabei. Als wir wieder auf dem Hof waren kam uns Max mit Riven in a Dream und Scarlet in Birth entgegen, die er wohl zur Ovalbahn brachte. Ich kümmerte mich den Rest des Tages um Mr. Raw Depression und LMR Lady Luna. Kerry hielt sich heute fern von mir und versuchte Niffler und Benji in den Griff zu bekommen, die heute besonders aufmüpfig waren. Gegen Abend sah ich dass Abby sich mit Mister Blockhead beschäftigte. Der Tinkerhengst war noch recht neu auf dem Hof und zeigte durchaus Talent für die Dressur. Allerdings hätte ich nicht vermutet, dass Abby so viel aus ihm herausholen konnte wie ich da gerade sah. Da ich mit meinen Aufgaben für heute abgeschlossen hatte verweilte ich an der Bande und sah mir das Training an. Abby war ein Profi und ließ sich von Zuschauern nicht stören. Im Gegenteil, es schien sie anzufachen noch mehr Enthusiasmus reinzustecken. „Sieht gut aus, nicht wahr?!“ erschrocken fuhr ich herum und hätte Isaac beinahe eine Klatsche verpasst. Doch er hatte damit gerechnet und meinen Unterarm gepackt, bevor ich ihn erreichte. „Woah, ruhig Brauner!“ meinte er lachend und ließ mich los. „Du kommst spät.“ merkte ich an. „Ich komme immer spät, das ist eine Kunst für sich.“ meinte Isaac grinsend. Ich lachte und sah wieder zu Abby, die diese Anspielung wohl gehört hatte und angewidert den Kopf schüttelte. „Gehen dir die Witze aus?“ rief sie zu Isaac, doch Isaac fand sich immer noch äußert amüsant und ließ sich nichts anderes einreden. „Wie war deine Fortbildung?“ wollte ich wissen und ging mit Isaac ins Haus, wo wir ausgiebig über die Arbeit der letzten und der nächsten Tage sprachen. Kerry saß immer noch recht bockig daneben und schüttelte hie und da den Kopf. Als Isaac sich verabschiedete sah Kerry mich wieder mit diesem erwartungsvollen Blick an. „Was denn?“ fragte ich genervt. „Ihr habt euch mehrere Stunden nur über die Arbeit unterhalten? Im Ernst jetzt?“ sagte sie mit steinerner Miene. Ich zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kann es sein, dass du das Problem hast, Kerry?“ fragte ich ein wenig forscher als gewollt. Ertappt sah sie mich an. „Ich bin nicht Gine!“ beteuerte sie empört und machte auf dem Absatz kehrt. „Dann mach nicht die gleichen Fehler wie sie.“ In Kerrys Gesicht mischte sich Traurigkeit. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde sie noch etwas erwidern. Doch dann verabschiedete sie sich mit einer vollkommen deplatzierten Reserviertheit und verschwand. Was für eine scheußliche Lage…
      „Kerry hat sich heute und morgen krank gemeldet.“ meldete Mrs Clayton, als ich am nächsten Morgen zusammen mit Pitch im Halbschlaf die Treppe runterlief um mir den ersten Kaffee zu holen. „Was hat sie denn?“ fragte ich teilnahmslos, da ich noch nicht ganz begriffen hatte wer und was vor sich ging. „Hat sie nicht gesagt.“ Ich ließ ein Brummen vernehmen und nahm meine Tasse aus der Spülmaschine, trocknete sie kurz ab und nahm mir etwas frisch aufgebrühten Kaffee. „Soll ich hier bleiben?“ fragte ich den nächstbesten Mitarbeiter, der rein kam. Beth schüttelte eifrig den Kopf. „Fahr ruhig, wir kommen klar.“ sagte sie fröhlich und nahm sich ebenfalls eine Tasse Kaffee. Da meine nun leer war bedankte ich mich und schnappte mir Unterlagen, Leine, Jacke und Schlüssel, zog meine Schuhe an und ging mit Pitch raus. Regen. Immer noch regnete es und stürmisch war es noch dazu. Pitch, der mittlerweile kniehoch gewachsen war zog die Rute ein. Das war absolut nicht unser Wetter und die paar Meter bis zum Auto reichten aus um uns beide zu durchnässen. Der Weg führte uns heute zu einer Show für regionale Pferdezuchten. Zwar stellte ich selber nicht aus, aber es war immer gut zu wissen, mit wem man Kontakte schließen konnte.
      Auf der Show gab es viele Züchter der typisch britischen Rassen. Darunter auch einige Clydesdale und Shire Horse Züchter und ich glaubte sogar zwei Drum Horse Hengste zu sehen. Shire und Clydesdale Züchter verpönten Drum Horses meistens, da sie noch nicht lange als eigenständige Rasse galten. Ich für meinen Teil fand sowohl die einen, als auch die anderen interessant. Allerdings gefielen mir die heute anwesenden Drum Horses nicht so gut. Sie war zu schlaksig und zudem hatten sie beide eine Tovero Scheckung, was ich mit allen Mitteln zu vermeiden suchte. Sehr schön waren jedoch einige Shires. Kräftig gebaut mit ordentlich Halsung und Fesselbehang. Vor einem Exemplar blieb ich stehen. Ein Brauner ohne Blesse, mit vier symmetrisch weißen Beinen. Ein bisschen Weiß hatte er an der Stirn. Das Langhaar war zu shiretypisch verflochten und ließ die eigentliche Länge nur erahnen. Eigentlich war an diesem Pferd nicht viel Besonderes. Den Braunton hatten 90% aller braunen Shires und auch das nur sehr kleine Kopfabzeichen war nicht allzu selten. Es war seine Ausstrahlung die mir gefiel. Acht Jahre alt, gefahren und geritten, mit überschaubarer Showkarriere. Wie ich so das Informationsblatt durchlas sah ich aus dem Augenwinkel, wie sich ein Mann näherte. Neugierig wie Pitch war zog er leicht in dessen Richtung. Als der Mann neben mir stehenblieb und mich freundlich anlächelte wandte ich mich zu ihm. „Sie sehen aus, als hätten sie Ahnung?“ begann der schmale Mann etwas unsicher und sah kurz zu Pitch, den ich daraufhin zu mir zog. „Ich bin Züchter. Hunter Crowley.“ stellte ich mich vor und lächelte den Mann aufmunternd an. „Was für Pferde züchten sie, Sir?“ fragte er übertrieben höflich. „Hauptsächlich Englische Vollblüter.“ Und sie Mr …?“ Ich hatte den Herrn kalt erwischt. Eilig stellte er sich als Jayden Buck vor. „Ich baue mir gerade eine Shire Zucht auf.“ erklärte er und zeigte mir stolz seinen Deckhengst Clairkson. Er sah dem Hengst hier vor uns sogar ein wenig ähnlich, war aber wesentlich dunkler in der Farbe und hatte unregelmäßigere Beinabzeichen. Wir unterhielten uns eine Weile über die Pferdezucht, worauf man zu achten hatte und was bei den Shires als Zuchtziel galt. „Woher kennt ihr euch bei den Shires aus?“ wollte Jayden wissen, der mich noch immer siezte. „Ich habe eine Shire Stute für die Drum Horse Zucht.“ erklärte ich und rechnete eigentlich schon mit einem abfälligen Kommentar. Doch Jayden war interessiert. Mitten im Gespräch darüber ob Drum Horse eine sinnvolle Zucht war oder nicht, brach ich ab. Im Gehen fiel mir eine schwarze Stute auf, die im miserablen Zustand war. „Wieso stellt man sie hier aus?“ fragte ich empört. Die Stute hieß Bad Medicine und war lackschwarz. Sähe sie nicht aus wie ein Flickenteppich durch die ganzen Narben, wäre sie sicher ein hübsches Exemplar ihrer Rasse. Nicht ganz typisch, da weiße Beine eigentlich höchst erwünscht waren, aber ein Hingucker alle male. Auch Jaydens Blick haftete auf der Stute. „Die werden doch untersucht, bevor sie herkommen. Wie kann sie dann hier stehen?“ fragte er und warf einen Blick auf das Informationsblatt. In großen Lettern stand dort „Rette mich“. Es handelte sich hier also um ein Rettungspferd, aus schlechten Verhältnissen. Man suchte über die Show jemanden, der sich der Stute annahm. „Was hältst du davon?“ fragte mich Jayden und versuchte die Stute anzulocken, die sich im hintersten Eck ihres begrenzten Platzes verkrochen hatte. „Nicht viel.“ meinte ich knapp und musste eiskalt auf Jayden wirken, der es tatsächlich geschafft hatte, dass Bad Medicine ein paar Schritte auf uns zu tat. „Wieso nicht?“ fragte er ebenso knapp ohne den Blick von der Stute abzuwenden. „Weil man nicht weiß ob man es je wieder gerade biegen kann, was da falsch gemacht wurde.“ erklärte ich stumpf. „Dafür hätte ich keine Zeit.“ Jayden hatte dafür wenig Verständnis, ließ mir aber meine Meinung. Wir beschlossen gemeinsam etwas zu Essen und verabschiedeten uns nach dem gegenseitigen Versprechen in Kontakt zu bleiben was die Zucht betrifft. Ich machte zusammen mit Pitch noch einen Abstecher zu den Englischen Vollblütern, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Zu Hause schrieb ich Käthe von meinem Tag und fragte gleichzeitig wie es bei ihr aussieht. Wir hatten seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesprochen.
      Februar 2018, by adoptedfox & sadasha
      Hunter | Mit Kopfzerbrechen lag ich wach. Käthe benahm sich wie ein Teenager, der nicht wusste ob er gute oder schlechte Laune hatte. Mit Sicherheit kam es mir auch nur so vor, aber es nervte mich. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits 2 Uhr morgens war. Noch drei Stunden um Schlaf zu finden, bis der Arbeitstag beginnt. Eigentlich hatte Käthe nichts Schlimmes verbrochen. Wir hatten wenig Kontakt und als wir uns zufällig trafen war es komisch. Da kann Käthe auch nichts für, oder doch? Pitch riss mich aus meinen Gedanken. Er träumte und schlug dabei mit seinen Pfoten gegen das Bett, was mich richtig wach machte. Zwar kannte ich die Geräusche schon und sie versetzten mich nicht mehr in einen Schockzustand wie beim ersten Mal als ich sie hörte, aber dennoch saß ich jetzt kerzengerade im Bett und beobachtete den schwarzen Rüden. Punkt 5 Uhr sprang Pitch auf und lief im Zimmer auf und ab. Es dauerte nicht lange, bis mich das Geräusch der Krallen auf dem Parkett so nervte, dass ich aufstand um ihn rauszulassen. Bei der Gelegenheit machte ich mich gleich auch fertig für den Tag und bereitete im Anschluss Pitchs Frühstück vor. Mrs Clayton machte nebenbei Kaffee und warf ab und an einen argwöhnischen Blick auf das rohe Fleisch. „Das riecht fürchterlich.“ klagte sie und sog den Duft der ersten Tasse Kaffee ein um den Gestank loszuwerden. „Für Pitch duftet das gut.“ erwiderte ich und deutete zum Retriever, dem der Sabber schon aus den Lefzen hing. Da er dazu neigte sein Futter in einem Drei-Meter-Radius um sich herum zu verteilen wenn er fraß, fütterte ich ihn seit ein paar Monaten draußen. Auch heute stellte ich die Schüssel vor die Türe und Pitch trottete fröhlich hinterher um sein Frühstück auf dem überdachten Platz zu genießen.
      Ein paar Stunden später stand ich mit Kerry in der Reithalle und half ihr mit Vikar und Mephisto. Die beiden Junghengste waren zur Zeit im Beritt und bekamen daher besonders viel Aufmerksamkeit. Kerry hatte es mit Hilfe einer Trainerin bereits geschafft sie an das Zubehör und Reitergewicht zu gewöhnen, sodass nun die richtige Arbeit anfing. Nach gut zwei Stunden saßen wir wieder ab und brachten die zwei in ihre Boxen. “Ist bei Käthe und dir eigentlich alles in Ordnung?” fragte Kerry. “Wieso fragst du?” Wollte sie jetzt wirklich über meine Beziehung sprechen? “Weil sie lange nicht mehr hier war und du warst schon lange nicht mehr bei ihr. Am Hof gehen schon Gerüchte rund, dass es bei euch kriselt.” - “Gerüchte?” fragte ich lachend. “Jetzt lenk nicht ab! Ist alles in Ordnung?” - “Ich weiß es selbst nicht.” meinte ich schulterzuckend und machte mich auf die Suche nach Pitch. “Du solltest mit ihr sprechen, wenn du nichtmal selbst weißt was Sache ist. Das meine ich nicht nur als Psychologin, sondern auch Freundin.” Wahrscheinlich hatte sie damit recht. Sie hatte Recht. Ohne vorher anzurufen packte ich Pitch in den Wagen, den ich irgendwo bei den Weiden aufgegabelt hatte und fuhr los.
      Käthe | “Soll ich dir sicher keinen Helm bringen?” rief Erin mir über den Platz zu. Ich lachte gespielt und verneinte während ich damit beschäftigt war Smooth Gravity zu parieren. Die Stute machte es mir alles andere als einfach. Als ich sie endlich dort hatte wo ich sie wollte hielt ich neben Erin an und rieb mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. “Du hättest sie Probe reiten sollen.” sagte sie vorwurfsvoll und reichte mir eine Flasche Wasser. “Sie muss sich erst einleben. Gib ihr etwas Zeit!” erwiderte ich und nahm einen kräftigen Schluck. “Einen Versuch noch!” motivierte ich mich selbst und nahm die Zügel auf. Konzentriert trabte ich die Stute an und wechselte durch die ganze Bahn um die Stute anzugaloppieren. Gravity kam mir jedoch einen Schritt zuvor und machte einen gewaltigen Satz nach vorn um mich abzusetzen. Was ihr gelang. “Du hättest dir einen Helm aufsetzen sollen.”
      Stöhnend rappelte ich mich auf und rieb mir die Schulter. “Was machst du denn hier?” fragte ich Hunter und lief zu Gravity die am Zaun stand und mich beobachtete. “Nach dir sehen.” gab er trocken zurück. “Jetzt hast du mich ja gesehen.” antwortete ich und öffnete das Tor um Gravity zurück in den Stall zu bringen. “Ich lass euch besser allein, ja?” flüsterte Erin und lächelte mir aufmunternd zu bevor sie ging. Ich zog der Stute die Zügel über den Hals, nahm die Trense ab und zog ihr ein Halfter an damit ich sie in der Stallgasse anbinden konnte. “Ich wollte nach dir sehen, weil wir sprechen müssen.” sagte er genervt. “Ich hör dir zu.” sagte ich ohne ihn anzusehen, nahm der Stute den Sattel ab und brachte ihn zusammen mit dem Zaum in die Sattelkammer. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hob ich den Sattel auf seinen Platz und ging zurück zu Gravity und Hunter. Ich nahm den Hufkratzer aus der Putzbox und hob einen Huf der Stute an. “Du wolltest mit mir sprechen.” erinnerte ich Hunter und begann damit ihren Huf auszukratzen. “Hast du dich verletzt?” wollte er wissen und bemühte sich um eine nicht allzu besorgte Miene zu machen. “Natürlich habe ich mich verletzt, ich wurde gerade in hohem Bogen abgesetzt.” gab ich genervt zurück und drängte mich an ihm vorbei. “Dann fahre ich dich jetzt zum Krankenhaus.” - “Nein das wirst du nicht.” unterbrach ich ihn und sah auf. “Es geht mir gut. Zwei oder drei Tage, dann ist alles wieder in Ordnung.” - “Das.” Er packte mir forsch an die Schulter. “Ist nicht in zwei, drei Tagen wieder in Ordnung.” Ich stöhnte vor Schmerz auf und gab ihm aus Reflex eine Ohrfeige. “Was sollte das?” fragte ich und sah ihn vorwurfsvoll an. Er ignorierte meine Frage und bugsierte mich zu seinem Wagen. Pitch folgte uns fröhlich. “Ich bleibe hier!” fuhr ich ihn an und stemmte meine Hand gegen die Tür damit er sie nicht öffnen konnte. “Damit es schlimmer wird und du für Wochen ausgeknockt wirst, weil du nicht sofort zum Arzt gehen wolltest? Machst du das immer so? Sachen aufschieben?”- “Aufschieben?” fragte ich und wirbelte herum damit ich ihn ansehen konnte. “Du meinst also ich schiebe Sachen auf, ja?” - “Ja.” - “Zum Beispiel?” fragte ich und verschränkte die Arme. Er verdrehte genervt die Augen. “Jetzt gerade, zum Beispiel. Aber wenn du nicht willst. Dann geh halt und sitz es aus.” Er ließ mich los. “Ich bin auch der Meinung du solltest das abklären lassen…” warf Erin ein die, allem Anschein nach, schon eine Zeit lang in der Haustür stand und mitgehört hatte. Ich sah sie an und atmete hörbar aus. “Ich muss mich um…” begann ich, musste aber unterbrechen als Hunter die Wagentür öffnete und mich auf den Sitz schob. “Danke!” rief er Erin zu und ließ sich auf den Fahrersitz fallen. Er zog die Tür zu und verriegelte das Fahrzeug. “Hunter! Das ist Entführung!” rief ich und sah ihn an. “Sobald du aus dem Krankenhaus raus bist, fahre ich dich gerne zur Polizei, damit du mich anzeigen kannst.” meinte er spitz und fuhr los. Genervt schnallte ich mich an und sah aus dem Fenster. Die Fahrt über sprachen wir kein Wort miteinander. Auch im Krankenhaus schien es nicht besser zu werden. Die Notaufnahme war brechend voll und man teilte mir mit, dass es zirka 2 Stunden dauern würde bevor ich dran war. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum und ging nach draußen, wo ich mir von einem jungen Mann, der etwa mein Alter hatte, eine Zigarette lieh. Normalerweise rauchte ich nicht, aber manchmal war es eine Erfüllung.
      Hunter | Ich ging davon aus, dass Käthe frische Luft schnappen wollte, daher folgte ich ihr nicht sondern wartete geduldig. Als ich geistesabwesend aus dem Fenster sah konnte ich meinen Augen nicht glauben. Käthe mit einer Zigarette? Seit wann rauchte sie? Ohne nachzudenken ging ich raus und sah sie verwirrt an. “Was hab ich noch verpasst?” fragte ich fast schon enttäuscht, dass ich nichtmal davon etwas wusste. “Ich habe drei neue Pferde und habe die mobile Pferdepflege aufgegeben um meine Trainerlizenz zu erhalten und… sonst eigentlich nichts.” antwortete sie und blies mir den Rauch entgegen. Resigniert nickte ich und zog meine Schachtel Zigaretten aus der Tasche um mir eine anzumachen. “Wie sieht es bei dir aus?” fragte sie und sah mich an. “Wenn sich bei mir etwas Großes bewegt hätte, wüsstest du davon.” - “Das ist also der Grund weswegen du dich nicht mehr gemeldet hast.” - “Was?” verwirrt sah ich sie an. Ich hatte keine Lust wieder zu diskutieren. “Ach vergiss es!” sagte sie, warf ihre Zigarette auf den Boden und ging wieder hinein.
      Nach zwei Stunden wurde Käthe endlich aufgerufen. Die Schulter und der Ellenbogen waren geprellt und der Arzt riet ihr sich zu schonen. Dass sie das nicht tun würde stand außer Frage. “Wieso hast du dich nicht gemeldet?” fragte Käthe leise. “Weil ich nicht sicher war ob es richtig wäre. Deinem Vater ging es nicht gut und ich dachte du würdest dich lieber erstmal auf ihn konzentrieren. Ich wollte nicht stören. Ich war mir sicher, dass du dich gemeldet hättest, wenn es wieder passt.” - “Danke, jetzt fühle ich mich schlecht!” rief sie und rutschte tiefer in den Sitz hinein. Ich lachte leise. “Noch schlechter?” Doch anstatt zu antworten nickte sie nur. “Ich habe oft überlegt dir zu schreiben oder einfach vorbei zu fahren aber ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten.” Seufzend stieg ich aus und ging um den Wagen herum um Käthe die Tür zu öffnen. “Also waren wir in etwa gleich blöd.” schloss ich und warf die Tür zu, nachdem Käthe ausgestiegen war. “Kann man so sagen, ja.” antwortete sie und lächelte. Wie sie da stand, noch immer an den Wagen gelehnt und lächelnd trotz ihrer Verletzung an der Schulter, war sie der schönste Mensch, den ich mir jetzt gerade vorstellen konnte. Es fühlte sich an als hätte jemand die Zeit angehalten, doch mein Herz raste dagegen an. Wie gerne würde ich sie jetzt... Doch ich hielt mich zurück. Wir hatten gerade erst unseren bisher größten Konflikt gelöst und da konnte ich jetzt nicht... oder doch? Unwillkürlich sah ich mich vor ihr, hatte meine Hände an ihre Hüfte gelegt und berührte sanft ihre Lippen mit meinen. Es war kein richtiger Kuss, es war mehr eine kaum spürbare Berührung. Doch sie weckte mich aus meiner Trance. Ein eiskalter Schauer durchlief meinen Körper und riss mich ein paar Schritte von ihr weg. Noch immer pochte mein Herz so stark, als wolle es mir aus der Brust springen. Ich atmete hörbar aus und fuhr mir durch die Haare, während ich mich langsam wieder beruhigte und zu ihr umdrehte. “Ist alles in Ordnung?” fragte Käthe besorgt und rieb sich die verletzte Schulter. “Alles Bestens.” gab ich verschmitzt lächelnd zurück. “Ich muss leider wieder fahren. Isaac ist heute quasi Alleine mit den Pferden und da muss ich mithelfen.” - “Schreiben wir heute Abend miteinander?” fragte sie, während sie auf mich zu kam und umarmte. “Ich habe dich wirklich vermisst.” flüsterte sie leise und lehnte ihren Kopf auf meine Brust. “Ich hab dich auch vermisst. Ich schreibe dir wenn wir mit den Pferden durch sind.” Ich konnte sie zwar nicht sehen, spürte aber dass sie zufrieden lächelte. “Dann schaue ich mal wie weit Erin mit den Pferden ist.” - “Melde dich, wenn du mich brauchst. Ich kann Isaac auch mal alleine lassen.” meinte ich schmunzelnd und öffnete die Fahrertür. “Mache ich, versprochen!” sagte sie lächelnd und entfernte sich ein paar Schritte vom Wagen damit ich fahren konnte.
      “Auch mal wieder da?” rief mi Isaac zu, der gerade mit Mr. Raw Depression von den Feldern zurück auf den Hof kam, als ich aus meinem Wagen stieg. Es war mittlerweile Spätnachmittag und eigentlich hätte ich ihm helfen müssen die Pferde zu versorgen, weil Kerry nur bis mittags da war. Entschuldigend hob ich die Hände und kam mit Pitch im Schlepptau zu ihm. “Es kam leider etwas dazwischen. Wer muss noch gemacht werden?” Isaac taxierte mich kritisch, während er Mr. Raw Depression auf eine unscheinbare, ruhige Art die Leviten las, da der Hengst versuchte einfach weiterzulaufen, obwohl Isaac stehen geblieben war. “Du kannst deine Vollblüter als abgehakt sehen. Ehrengold, Raving Hope Slayer und PFS Strolch hatte Kelly noch auf die Rennbahn gelassen und Slap Happy, Blütenzauber, Bear Totem’s Denali, Moulan, Riven in a Dream, Scarlet in Birth, LMR Lady Luna, PFS’ Savory Blossom, Happy Fantasy und CHH’ Classic Spring hab ich in der Führanlage laufen lassen. Golden Sugar, Stars of Magic, PFS’ Storm Cat, Little Miss Backyard, Fantastic Sonata, Rouge Trap, What Rainbow und Bear Brooks Denahi hat Kerry glaube ich zusammen von der einen zur anderen Weide geschickt. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter stand, aber die Fohlen sind damit alle bedient gewesen, sodass ich sie zwischendurch nur zurück in die Boxen gebracht hatte. Immerhin soll es kommende Nacht wieder frieren. Achja, Benji und Niffler haben sich heute in den Haaren gehabt, die hab ich jetzt getrennt gestellt. Nicht dass du dich wunderst. Wir müssten jetzt noch die Großen machen und Verdine.” - “War Ruby da?” Isaac nickte. “Ja, war sie. Sie hat Braddock ‘The Parrot’ bewegt und ist dann wieder abgezischt. Die war wegen irgendwas verstört, schlechte Noten, Beziehungsdrama, weiß der Geier… Apropos Beziehungsdrama…” Wieder taxierte der Ire mich und wartete auf eine Antwort. Doch ich beschloss nicht auf diese Anspielung einzugehen. “Gut, dann schnappe ich mir als erstes Iseabail und Lady Lyneth Bowen. Du nimmst dir bitte Magical Touch und Felan vor.”
      Gesagt getan, beide machten wir uns an die Arbeit. Isaac ließ immer wieder Sticheleien vom Stapel und versuchte aus mir herauszuquetschen was denn jetzt mit Käthe und mir war, doch ich genoss es ihm den Gefallen nicht zu machen. Soll er ruhig ein bisschen grübeln, wenn es ihn so brennend interessierte. Nachdem die Stuten bewegt waren, blieben uns nur noch Mister Blockhead und Thomas. Als auch diese beiden Hengste zufrieden und müde in ihren Boxen standen war es schon längst Dunkel geworden. Die Uhr zeigte 11 Uhr abends. “Danke.” sagte ich knapp als Isaac sich in seinen Wagen schwang. “Du weißt, dass du dich immer auf mich verlassen kannst.” gab er zurück und knallt die Tür zu um loszufahren. Lachend wandte ich mich ab und ging noch einmal über den Hof um alle Tore und Türen zu kontrollieren. Nebenbei sammelte ich Pitch ein, der sich in einer leeren Box auf Mäusesuche begeben hatte. “Komm Junge.” rief ich und der schwarze Rüde folgte, wenn auch widerwillig. Als ich mir sicher war, dass der Hof gut abgeriegelt war ging ich ins Haus und sprang erstmal unter die Dusche, ehe ich mich aufs Bett warf und mein Telefon aus der Tasche kramte um mich bei Käthe dafür zu entschuldigen, dass es so spät geworden war.
      Juni 2018, by sadasha
      Als mitten in der Nacht das Telefon klingelte drehte ich mich zuerst noch einmal auf die andere Seite, in der Hoffnung den schrillen Ton ignorieren zu können. Doch sobald ich mich umgedreht hatte leckte mit Pitch hektisch über das Gesicht. Genervt schob ich ihn von mir weg und richtete mich ächzend mit einem Blick auf die Uhr auf. Wer zur Hölle ruft um 2:37am an? Die Vorwahl sagte mir nichts und das konnte nur bedeuten, dass der Anrufer von weit weg kam. Wenigstens erklärte das auch die irre Zeit. Verschlafen nahm ich das Gespräch an und brummte ins Telefon. "Ehm… Hunter?" Ich brummte erneut. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und die Verbindung stand eher schlecht als recht, sodass der Ton knisternd und rauschen bei mir ankam. "Hey! Wir hatten uns doch über deine Tinker unterhalten! Und was du suchst und ja… Ich hab eine tolle gefunden, Pearl carrier und… du wolltest keine Fohlen oder?" Nachdenklich schwieg ich. Cooper aus Kanada war am Telefon, doch auch bei ihr musste es jetzt schon spät sein. "Schläfst du auch mal?" brummte ich ohne ihre Frage zu beantworten. Sie lachte. "Ist doch noch früh hier! Oh, hab ich dich geweckt? -" sie brabbelte eine Entschuldigung und redete dann über ein Fohlen, das sie ebenfalls entdeckt hatte. "Double Dilute! Du suchtest doch sowas oder nicht? Und eine Stute! Warte, ich schicke dir Fotos. Und… Hunter ich hab die zwei gekauft, du kannst also nicht Nein sagen. Im Zweifelsfall werden die sicher auch klasse Therapiepferde für deine… Freun-, Kollegin?" Ich hatte nach Fotos mein Gehör eingestellt und kramte nach meinem Laptop. Pitch hatte seinen Kopf auf dem Bett abgelegt und sah mir schwanzwedelnd dabei zu wie ich versuchte klar zu werden. "Warte kurz, der Laptop braucht Strom…" unterbrach ich Cooper. "...und ich brauche Kaffee."
      Nachdem ich mir einen Kaffee gemacht und Pitch auf den Hof gelassen hatte, setzte ich mich mit dem Laptop ins Wohnzimmer wo auch das Ladekabel lag. Die Stute war bereits eingeritten und gefahren und komplett durchgetestet was Erbkrankheiten und Farben betraf. Für mich also perfekt und dass sie Pearl Trägerin war würde später noch mit Mephisto interessant werden. Das Tinkerfohlen war sehr kompakt gebaut trotz der Größe und sie sah auch ansonsten korrekt aus. Hier wurde nicht nur wegen der Farbe gezüchtet. Trotzdem sah ich mir auch die Linien der kleinen Stute ausgiebig an, ehe ich mich bei Cooper bedankte. Gemeinsam planten wir die Überfahrt nach England und klärten das Finanzielle. Als ich auflegte wurde es schon hell und auch Cooper war jetzt müde. Wir wünschten uns also noch eine gute Nacht und legten dann auf. Ich jedoch blieb jetzt wach. Ich ging ins Bad um zu Duschen und mich für den Tag fertig zu machen. Noch bevor einer der Angestellten eintrudelte hatte ich die Fütterung fertig, die ersten Pferde auf die Weiden gebracht und mistete die ersten paar Boxen, bis Beth zum Arbeitstag kam und mir das Werkzeug aus der Hand schnappte. "Guten Morgen!" meinte sie fröhlich und lächelte mich an. "Du hast wohl nichts Besseres zu tun, hm?" Ich verneinte grinsend und streckte mich ausgiebig, ehe ich aus Benjis Box ging. Der kleine Hengst stand zusammen mit seinem Shettykumpel Niffler auf einer doppelt gesicherten Weide aus denen sie nicht mehr ausbüchsen konnten. Zu meiner Überraschung kam mir Ruby entgegen, als ich Thomas von der Weide holen wollte um mit ihm zu arbeiten. Sie hatte ihren Ponyhengst Braddock 'The Parrot' an der Hand. "Mit dir habe ich erst am Nachmittag gerechnet. Keine Schule heute?" Sie grinste über beide Ohren und nickte. "Richtig. Es sind viele Lehrer krank und deshalb dürfen heute zwei Klassen zu Hause bleiben. Ich bin unter den Glücklichen." - "Na dann viel Spaß." meinte ich und ging weiter zu meinem Drum Horse Hengst. "Achja Hunter?!" rief Ruby noch und ich blieb kurz stehen. "Später kommen noch ein paar Freundinnen, können wir uns die Shettys dann leihen? Nur auf dem Hofplatz etwas Spielen mit den Ponys?" Ich nickte und gab ihr einen Daumen hoch, ehe ich wieder kehrt machte. Thomas stand zusammen mit Tank am Rand der Weide, wo das höchste Gras wuchs. Doch im Gegensatz zum Rappen graste er nicht, sondern beobachtete aufmerksam mein Verhalten. Vielleicht erkannte er, dass ich sein Halfter mitschleppte. Jedenfalls trabte er ein paar Schritte auf mich zu, sodass auch Tank kurz aufsah um zu überprüfen was seinen Kumpel aufmischte. "Guter Junge." lobte ich den Schecken und streichelte den kräftigen Hals, als er bei mir stand und sich das Halfter überziehen ließ. Den fast vierjährigen Hengst hatte ich seit Kurzem unterm Sattel und er machte sich soweit ganz gut. Die langen Beine bekam er noch nicht immer richtig geordnet, doch dafür übten wir das ja. Auch heute sattelte und zäumte ich ihn. In der noch recht kühlen Reithalle longierte ich Thomas zuerst ab und schwang mich dann in den Sattel. Im Moment arbeiteten wir an seinem Trab und den Übergängen zum Schritt. Hier und da, wenn die Motivation stimmte versuchten wir es auch schon mit kurzen Galoppphasen. Doch die waren kaum nennenswert und wirklich schlacksig in der Ausführung. In Trab und Schrott kam Thomas aber schon gut runter, lernte sich zu entspannen und versuchte es mir Recht zu machen.
      Nach der Session mit dem Drum Horse Hengst rief ich bei Käthe an. Sie erzählte mir vom ein oder anderen Neuzugang und dass sie nun aufpassen müsse nicht noch mehr Pferde ins Boot zu holen. Ich erklärte ihr, dass es mir da im Moment nicht viel anders ging. Die beiden Neuzugänge Stonery und Hester würden wohl nächste Woche eintreffen. "Achja und wenn du ja jetzt eine Rappstute hast verlange ich ein Shooting zusammen mit Moulan und als Kontrast vielleicht Smooth Gravity, sollten die sich verstehen." meinte ich und lächelte bei dem Bild, das ich mir da zusammenstellte. Echo's Maiden sollte die Rappstute heißen. "Mit blauen Augen!" Ich war sehr gespannt sie kennenzulernen. "Und wenn du so denkst, kannst du Sympathy of the Devil auch gleich mit einplanen. Die ist auch schwarz-weiß." Ich brummte wohlwollend. "Und wen hat dir Occulta noch verkauft?" fragte ich neugierg. "Einen Hengst." sagte sie aufgeregt. "Valentine's Cantastor heißt er. Ein Brauner." Da ging mir sofort ein Licht auf. "Den habe ich gesehen, als ich sie mal besucht habe. Holst du die zwei ab oder werden sie dir gebracht?" Käthe schwieg. "Ich sehe dich nicht, das ist dir aber klar oder?" fragte ich vorsichtig. "Ja klar… Keine Ahnung, das haben wir noch nicht geklärt." Ich lachte leise. "Gut, ich komme später vorbei. Bearing Spots und Compliment erkennen mich vielleicht schon nicht mehr, so lange war ich nicht mehr da." Wir legten auf. Kerry hatte mittlerweile Vikar und Mister Blockhead für heute fertig, sodass sie nur noch die Stuten übrig hatte. "Venetia und Magical Touch spanne ich mir an und bin für etwa eine Stunde im Gelände." erklärte ich und ging mit den Halftern der beiden Stuten auf die Weide. Erleichtert dankte sie mir und schnappte sich das Halfter von Felan. Max und José sind fleißig mit CHH' Classic Spring und PFS Strolch. Die beiden Vollblüter räumten auf den Rennen aktuell viele Schleifen ab. Bald würde ich Bear Brooks Denahi ebenfalls auf die Rennbahn schicken, doch ihr fehlte es noch an Ausbildung.
      Während ich mit den beiden Tinkerstuten unterwegs war überlegte ich was ich am nächsten Tag unternehmen wollte. Die beiden benahmen sich vorbildlich und wir hatten eine sehr entspannte Runde um das Gestüt herum. Die Schatten der Bäume ließen die brennende Sonne nicht zu uns durchdringen, sodass wir immer noch fit waren als wir auf den Hof zurück kehrten. "Crowley, sie sollten was essen!" rief mir Mrs. Clayton von der Türe zu. Ich brachte zuerst die beiden Stuten zurück auf die Weiden und schob die Kutsche die letzten paar Zentimeter in die Scheune, ehe ich zum Essen kam. Danach setzte ich mich mit Pitch ins Auto und fuhr nach Nottingham um Käthe zu besuchen.
      "Erin ist mit Hibana unterwegs." erklärte Käthe und küsste mich sanft zur Begrüßung. "Wir haben den Hof für uns!" Hinter ihr stand Amistad und stupste sie ungeduldig an. "Wir bringen den kurz weg ja? Dann zeig ich dir auf dem Rückweg Echo's Maiden und dann gehen wir rein. Die beiden anderen sind ja noch nicht hier. Aber ich hab Fotos!" erzählte sie stolz. Dass ich auch nach den beiden Fohlen gucken würde war selbstverständlich. For an Angel streckte neugierig den Kopf aus der Box, als wir an ihr vorbeigingen. Amistad war auch nicht abgeneigt gegenüber der hübschen Stute, doch Käthe kannte keine Gnade und zog den Scheckhengst weiter bis zu seiner Box. "Wo sind denn die Kleinen?" wollte ich wissen. Käthe zeigte nach draußen und ich beschleunigte meinen Schritt. Bearing Spots und Compliment standen gleich draußen, wenn man aus dem Stall kam und warteten darauf reingeholt zu werden. "Die sollen noch draußen bleiben, Hunter!" rief Käthe, als ich das Tor öffnete um mich auf die Weide zu mogeln. Sofort kamen die beiden zu mir und taxierten mich neugierig. Doch Leckerchen hatte ich heute nicht dabei. Besonders Compliment hatte nochmal einen ordentlichen Wachstumsschub. Ich ließ meinen Blick über die anderen Weiden schweifen. Grenzfee stand auch noch draußen zusammen mit der neuen Rappstute. Smarty Jones war der einzige, den ich noch nicht gesehen hatte. Aber er würde dann wohl in seiner Box stehen. Pitch fing an zu quängeln, weil ich ihn nicht mit auf die Weide gelassen hatte und bevor er richtig laut wurde kam ich lieber wieder raus und ging mit ihm Käthe hinterher ins Haus. Hier tauschten wir uns über unser beider Neuzugänge aus. "Ach, ich hab ganz vergessen dir Echo's Maiden zu zeigen." sagte Käthe schockiert. Doch ich unterbrach sie, ehe sie weitersprechen konnte. "Ich hab sie eben schon gesehen. Sie sieht toll aus. Wunderbar groß!" - "Und ihr Fell ist total samtig!" fügte Käthe hinzu woraufhin ich schmunzelte.
      Wir waren erst spät wieder heim gefahren und so schaffte ich es in dieser Nacht wieder nicht den verlorenen Schlaf nachzuholen. Doch es half nichts. Wenigstens war Kerry früher da und hatte sich schon Iseabail und Lady Lyneth Bowen gewidmet. Ich ging daher sofort über zu meinen Vollblütern. Kerry würde später noch Xana bespaßen. Ich begann mit Happy Fantasy. Die Stute kam grundsätzlich etwas zu kurz und deshalb gehörte mein Vormittag heute gänzlich ihr. Ich putzte sie ausgiebig, sattelte sie dann und ging mit ihr auf die Militarystrecke in Mitten der Rennbahn. Von hier aus konnte ich meinen Jockey bei der Arbeit zusehen. Sie hatten heute die Oldies Ehrengold und Mikado aus dem Stall geholt. In der Mittagspause erklärte ich den beiden dass ich mir als nächstes Mr. Raw Depression rausnahm. Die beiden nickten und sagten dann dass sie PFS' Savory Blossom und Raving Hope Slayer rennen wollten.
      Ich freute mich sehr, als am Nachmittag Isaac aus dem Urlaub kam. Übersäht mit noch mehr Sommersprossen als üblich und mit heller Fläche rund um die Augen, weil er wohl die Sonnebrille nicht abgenommen hatte bevor er sich an den Strand gelegt hatte. Freundschaftlich begrüßten wir uns und gingen zusammen in den Stall. Blütenzauber und Riven in a Dream waren die nächsten, die wir uns vornahmen. So heiß wie es war zogen wir uns in die Reithalle zurück, wo auch Abby schon den ganzen Tag war. Sie hatte sich mit Moulan beschäftigt und jetzt gerade ritt sie Scarlet in Birth warm. "Beth macht das mit den Fohlen gut oder?" fragte Isaac, der unsere Stallhilfe vor seinem Urlaub auserkoren hatte die Fohlenarbeit zu übernehmen. Sie hatte damit zu Beginn sehr zu kämpfen. "Sie hat sich gut mit ihnen eingespielt, ja." gab ich zurück. Besonders das Hengstfohlen Golden Sugar hatte sie ganz gut im Griff. Die Flausen von PFS' Storm Cat oder Stars of Magic waren dagegen ein Witz. Als wir mit den beiden Stuten fertig waren hatte Beth gerade Little Miss Backyard an der linken und Fantastic Sonata an der rechten Hand. "Könnt ihr nicht noch die letzten beiden übernehmen?" flehte sie und Isaac und ich tauschten vielsagende Blicke aus. Wir stimmten aber zu. So konnte Beth mit der Stallarbeit weiter machen und Isaac und ich schnappten uns What Rainbow und Rouge Trap. Die beiden Stuten brannten schon darauf die Welt zu erkunden. Als wir jedoch mit ihnen nach draußen gehen wollten um eine Runde um den Hof herum zu machen scheuten sie und wollten lieber wieder zurückgehen. Wir tasteten uns also eine Ecke vorsichtiger heran und ließen die beiden Stutfohlen in Ruhe gucken und das Tempo selbst bestimmen. Weit kamen wir so zwar nicht, aber wir konnten das Führtraining mit einem positiven Gefühl abschließen, als wir nach einer halben Stunde auf den Hof zurück kehrten um die Fohlen in ihre Boxen zu bringen wo sie übernachten würden.
      Am nächsten Tag hatten die meisten Pferde frei und so konzentrierte ich mich auf Slap Happy. Isaac hatte sich Bear Totem's Denali fertig gemacht und Kerry nahm LMR Lady Luna mit auf einen gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Am Nachmittag kümmerten sich die beiden um Verdine und Tainted Whiz Gun, sodass ich frei hatte. Ich nutzte die Zeit um mit Pitch zum See zu gehen und die Woche ruhig ausklingen zu lassen. Nächste Woche würden die beiden Neuzugänge eintreffen und die Stallordnung wieder mal aufmischen.
    • SkynLaccy
      Tierarztbericht Prophylaxe
      by Cooper
      "Also manchmal habe ich das Gefühl wir leben von Hunters Geld" sagte Simon und lachte als wir früh morgens im Büro saßen. Ich schaute ihm mit meinem Kaffee in der Hand über die Schulter. "Tatsächlich. Naja, wenn er das Geld hat. Außerdem glaube ich sind wir mittlerweile Tierarzt des Vertrauens". Simon schaute mich an. "Was ist? Das ist gut,
      wir hatten eine Weile keine Aufträge, wir müssen uns mal überlegen was wir machen damit die Leute zu uns kommen. Da kommt es dann gelegen wenn einer unserer Auftraggeber überzeugt von uns ist". Simon gab mir recht und buchte mir einen Flug und half mir dann die Sachen die ich benötigte zu einzupacken. Nicht lang später hatten wir einen weitern
      Auftrag, der mich nach Deutschland führte. "Du schaffst das doch hier allein." "Klar" antwortete Simon.
      Den Tag darauf saß ich auch schon im Flugzeug nach England. Die Reise war mir schon mehr als bekannt, und dadurch das ich so oft fliege, wurde ich auf 'business class' aufgestuft. Es war eine neue Erfahrung und lenkte mich von meier Flugangst ein wenig ab, zudem gab es gutes Essen. Ich hatte mir diesmal kein Auto gemietet, da ich einen Tag bei Hunter
      bleiben konnte. Er holte mich ab und war, wie immer. Wir unterhielten uns und waren früher auf BearBrook EC als gedacht. Ich freute mich darauf mal einen echten Appaloosa zu sehen. Es war jedoch schon zu spät um die Pferde im Stall zu stören, deshalb verschoben wir alles auf den morgigen Tag. Am Morgen erzählte mir Hunter ein wenig über die Stute,
      während ich mir einen ersten visuellen Eindruck von ihr machte. Dann näherte mich mich der Stute langsam, da ich wusste das sie ein eher schreckhaftes Tier ist. "Es ist aber ungewöhnlich für ein solch Charakterstarke Rasse, das sie so ängstlich ist". Hunter zuckte mit den Schultern und beobachtete alles während er sie am Kopf hielt. Das erste was
      mit auffiel war das ihr linkes Auge im unteren Teil sehr gerötet war. Ich schaute näher hin und erkannte dann das auch der linke und rechte Augenwinkel, ebenfalls gerötet war. "Hunter. Ich denke deine Stute hat die Schleimhaut ihres linken Auges entzündet". Ich zeigte Hunter die Stelle und erklärte ihm warum und weshalb sowas passiert. "In der Regel
      kommt sowas einfach von Bakterien, Viren, Pilzen, aber auch von Fremdkörpern. Es kann auch eine Begleiterscheinung einer Pferdegrippe oder ähnliches sein. Aber keine Sorge, wir müssen ja jetzt nicht von schlimmsten ausgehen. Außerdem ist es anscheinend noch in der Anfangsphase". Hunter hörte aufmerksam zu und schaute mir bei dem Augenabstrich
      über die Schulter. Ich lobte die Stute, da sowas sehr unangenehm ist. "Hm. Ich schicke das ins Labor, dann wissen wir warum und weshalb. Nur zur Sicherheit werde ich ihr auch Blut abnehmen, sodass wir eine Krankheit ausschließen können". Leider war das nicht einfach. Verdine hatte sichtlich keine Lust darauf Blut zu spenden und wurde sehr nervös.
      Nachdem wir das geschafft hatte, beschlossen wir sie eine Weile ihn ruhe zu lassen, damit es nicht zu stressig wird. "Da sowas sehr ansteckend ist, müsstet ihr die Stute bis die Behandlung zu Ende ist, von anderen Pferde separieren". Während Hunter diese Maßnahme in die Wege leitete ging ich zurück zu Verdine. Ich redete auf die Stute ein und
      auch wenn sie nicht wirklich versteht was ich sage, erklärte ich ihr einfach was gemacht wird. Glücklicherweise gab dies ihr aber Sicherheit und sie wurde ruhiger. Schnell schaute ich nach ihren Vitalzeichen und kontrollierte den restlichen Körper. Da sie kein Fieber hatte, war ich mir sicher das die Bindehautentzündung 'nur' durch Bakterien ausgelöst wurde,
      somit konnte ich sie auch Impfen. Dazu holte ich Hunter zurück. Erstaunlicherweise hat die die Grundimmunisierung gut aufgenommen, fand dafür die Wurmkur unangenehm. Nach der ganzen fummelei an der Appaloosa Stute, lobte ich sie mit einem großen Apfel und streichelte sie. "Nun. Jetzt müssen wir den Abstich abwarten, bis ich dir genau sagen
      kann, was gegen die Entzündung hilft. Grundsätzlich aber gehe ich davon aus das sie Bakteriell ist, ist vor allem in Sommermonaten gar nicht so ungewöhnlich" lächelte ich und gab Hunter eine Salbe. "2x am Tag, also Morgens und Abends müsste reichen. Ruhiges und leichtes Bewegen ist angesagt, es müsste nach einer Woche wieder in Ordnung sein".
      Ich lächelte und musste mich dann beeilen um meinen Flug nach Deutschland zu erwischen.

      Hufschmiedbesuch
      August 2018, by sadasha
      „Ruhig mein Mädchen.“ Vorsichtig strich in Verdine über den Nasenrücken und über den Nacken, damit sie sah, dass ich nicht immer wenn ich sie am Kopf anfasste an ihr Auge gehen wollte. Als die Fuchsstute den Kopf wieder sank steckte ich ihr ein Leckerlie zu. „Du verhätschelst sie!“, rief Abby von hinten zu, die Verdine grundsätzlich nicht mochte. „Ihr Auge ist entzündet.“, gab ich trocken zurück und streichelte weiter über Verdines Hals. Abby schnaubte. „Na und? So verziehst du sie, aber ich will dir keine Vorschriften machen, Hunter.“ Ich lachte und zog die Salbe die uns Cooper verschrieben hatte aus der Jackentasche. Ich gab davon ein bisschen auf den Finger und tupfte die Salbe dann vorsichtig an das leicht geschwollene Auge der Stute. Sie zuckte im ersten Moment zurück, merkte dann aber wohl dass es half den Juckreiz zu mindern und außerdem auch kühlte. Ich wartete einen Moment bis ich das Halfter von meiner Schulter nahm und es Verdine überzog. „Es tut mir leid, aber deine Hufe sehen katastrophal aus. Und ich muss es wissen, ich bin Hufschmied.“, redete ich mit ihr ohne eine Antwort zu erwarten. Verdine sah mich aufmerksam an, entweder weil sie gespannt war was nun kam oder weil sie Angst hatte dass ich wieder an ihre Bindehautenzündung fassen würde. Lobend klopfte ich ihr den Hals und führte sie am Strick nach draußen auf den Innenhof, wo ich sie an einer der Putzstangen festmachte. Ich ließ sie kurz warten, während ich mein Werkzeug aus der Schmiede holte. Da ich Verdine täglich sah, kannte ich ihre Macken und Fehler mehr als genug und musste sie mir nicht vortraben lassen. In aller Ruhe schnitt ich einen Huf nach dem anderen aus und korrigierte in einem ihre Stellung. Ich schnitt zuerst das alte Horn weg und dann den Strahl frei. Zuletzt knipste ich die Hornwand zurück und raspelte Ecken und Kanten rund. Als alle vier Hufe ausgeschnitten waren pinselte ich noch Hufbalsam auf. „Gut gemacht.“, lobte ich wieder und brachte Verdine zurück in ihre Box. Bevor ich meine Arbeit für erledigt erklärte kehrte ich den Hof ab und legte das Werkzeug zurück in die Schmiede.
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Schicksal
      November 2018, by sadasha
      Nachdem ich endlich vom Arzt das Go bekommen habe meine Pferde wieder zum teil selbst zu versorgen, machte ich mich heute früh gleich auf in den Stall um bei der Fütterung auszuhelfen. Ich fing bei meinen Zuchtstuten an um sie als erste auf ihre Weide bringen zu können. LMR Lady Luna, PFS' Savory Blossom und Scarlet in Birth streckten schon neugierig die Köpfe aus der Box, als sie den Fuggerwagen hörte. Slap Happy kam erst zur Tür, als ich bereits vor ihr stand. Als Boxennachbarin wurde dann auch Mikado neugierig. Riven in a Dream war noch im Halbschlaf und musste erstmal aufstehen, als sie das Futter hörte. Ich versuchte noch ein Foto davon zu machen, wie sie in ihrer Box lag, doch ich war zu langsam und erwischte sie mitten in der Bewegung. Die Dunkelheit gab dann den Rest dazu, das Bild war komplett verschwommen. Als nächstes waren Moulan, Blütenzauber und Bear Totem's Denali an der Reihe. Die Vollblut Zuchtstuten waren damit fertig. Nach der Fütterung kamen sie auf ihre Weide. Jetzt waren Tainted Whiz Gun, Verdine und Happy Fantasy bereit für ihr Frühstück. Die bunte Truppe stand nicht mit den Zuchtstuten auf einer Weide. Sie hatte ein eigenes Weideplätzchen und war so harmonisch, dass ich sie gar nicht in die große Herde werfen wollte. Die "Youngsters" hingegen schon. CHH' Classic Spring, PFS' Storm Cat, Rouge Trap, Fantastic Sonata und Essence of Life konnten sich schonmal daran gewöhnen mit tragenden Stuten und Fohlen umzugehen. Sie waren meine Anwärter. Die Jährlingsstuten Little Miss Backyard, Stars of Magic und What Rainbow standen zusammen mit Hester auf einer Weide weiter weg von ihren Mutterstuten. Das Absetzen hatten sie bereits hinter sich, doch ehe sie wieder zu den Großen kommen, würde noch etwas Zeit versteichen. Framed in Fantasy, mein neuster Zuwachs stand zusammen mit Braddock 'The Parrot', Niffler und Benji auf einer Weide, da ich aktuell keine Hengstfohlen außer ihm auf dem Hof hatte. Als die Fütterung der Stuten durch war öffnete ich die Paddockboxen der Hengste. Dabei ließ ich zuerst die älteren Hengste raus. Ehrengold und Mr. Raw Depression und danach Reverence. Zuletzt kamen Raving Hope Slayer und PFS Strolch auf ihre Paddocks.
      Mirko hatte sich in der Zwischenzeit um den zweiten Stalltrakt gekümmert und Xana, Stonery, Venetia, Felan, Magical Touch, Delmara, Iseabail, Lady Lyneth Bowen und Uschi komplett versorgt. Beth war noch dabei die Kaltbluthengste raus zu bringen. Maeyr, Schneemann und Mister Blockhead hatte ich schon draußen gesehen. Tank, Buck or Two, Thomas, Vikar und Mephisto standen noch in ihren Boxen. Ich hatte noch zwanzig Minuten Zeit um eine Box fertig zu machen für den heutigen Neuankömmling. Ramira, eine Tinkerstute, die auch Kerry gut gefallen wird. Sie war charakterlich einwandfrei und genoß bislang ein sehr liebevolles zu Hause in dem sie ordentlich in der Freiarbeit gefördert wurde. Für ein Therapiepferd exzellente Voraussetzungen. Nach der langen Reise aus Deutschland würde sie erstmal Ruhe brauchen. Ich streute deshalb so ein, dass sie es gemütlich hatte. Futter würde sie Portionsweise mitbringen, sodass ich mir darum vorerst keine Gedanken machen musste. Futterumstellungen hatte ich nun schon zu genüge umgesetzt und auch Ramira wird damit sicher gut zurecht kommen, sobald ich damit beginne. Ich legte ein paar saftige Möhren in den Futterkrug und öffnete das Fenster zum Innenhof. Damit war ich mit meinem Tagesplan fertig.
      Schicksal
      by adoptedfox
      Käthe | Seufzend betrachtete ich den Himmel. Das Wetter war heute wechselhaft und je näher ich Lincolnshire kam, desto dichter wurde die Wolkendecke. Erfreulicherweise hatte ich mich kurz vor der Fahrt zu Hunter doch noch entschieden, eine Jacke mitzunehmen. Nach einer guten Stunde Fahrt erreichte ich das BearBrook EC und winkte Isaac zu, der allem Anschein nach auf dem Weg zu den Weiden war. “Gut das du da bist. Ich habe versucht Hunter aufzumuntern, aber sein Bedarf nach liebevoller Zuwendung scheint gedeckt zu sein. Vielleicht ein andermal.” scherzte er zwinkernd und hielt die beiden Halfter in die Luft, die er in der Hand hielt. “Ich muss weiter. Er ist im Stall.”
      Da es doch ziemlich frisch war, holte ich die Jacke aus dem Wagen und machte mich auf den Weg in das Stallgebäude, wo ich Hunter in der Sattelkammer fand. Er war gerade dabei die Futterkiste aufzufüllen und ich beobachtete ihn eine Weile, bevor ich zu ihm ging und ihn mit einem Kuss begrüßte. Die letzten Tage waren kräftezährend. Hunter’s Vater hatte am Wochenende einen Schlaganfall und er hielt es für das beste, wenn sowohl sein Vater, als auch seine Mutter regelmäßigen Besuch von der ambulanten Pflege bekommen würden. Stundenlang hatte er ihnen erklärt, dass die Pflegekräfte eine Entlastung seien und sie sich keine Sorgen um die anfallenden Kosten machen müssten, da er dafür aufkommen würde. “Wie geht es Dir?” fragte ich und hob die leeren Futtersäcke vom Boden auf, um sie zusammen zu falten. Hunter schloss die Futterkiste ab und es schien, als hätte er mich nicht gehört. Doch bevor ich erneut fragen konnte murmelte er “Lass uns nach draußen gehen.” und schob mich vor sich her. Wir gingen über den Innenhof zum Springplatz, wo Hunter sich gegen den Zaun lehnte und sich eine Zigarette anzündete. Ich blieb vor ihm stehen und vergrub meine Hände in den Taschen meiner Jacke. “Ich werde Pferde verkaufen müssen. Das letzte Jahr lief nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte und ehrlich gesagt möchte ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Mit dir. Ich möchte handeln, bevor es zu spät ist, verstehst du?” sagte er wehmütig und ich nickte zustimmend. “Das verstehe ich leider sehr gut.” sagte ich nach ein paar Sekunden der Stille und sah zu Boden. “...und weißt du denn schon welche Pferde du verkaufen wirst?” fragte ich zaghaft und Hunter überlegte bevor er mir antwortete. Er zählte ein paar Namen auf. “...Happy Fantasy, Stars of Magic und höchstwahrscheinlich auch Raving Hope Slayer.” Hunter warf seine Zigarette auf den Boden und trat sie aus. “Die beiden Westernpferde werde ich sicher verkaufen. Für Tainted Whiz Gun habe ich schon länger einen Interessenten.” fügte er hinzu und zog mich näher an sich. Er rang sich ein Lächeln ab und hob mein Kinn an um mir einen innigen Kuss zu geben.
      “Bist du dir sicher mit Verdine? Ihr seid doch ein gutes Team!” fragte ich mit bedrückter Stimme. Nachdenklich wandte er den Blick ab und beobachtete die vorbeiziehenden Wolken am Himmel.
      “Ich weiß es nicht.”

      Wird sich ein passender Käufer für die Stute finden?
      Was passiert, wenn sich niemand auf das Inserat meldet?
      Hoffentlich bekommt sie einen Endplatz und landet nicht wieder im Ring einer Auktion…

      00:15 Uhr. Ich sollte schon längst schlafen, doch hunderte Gedanken hielten mich wach.
      Es waren sicher zwei Jahre vergangen, als ich die Stute auf einem heruntergewirtschafteten Hof entdeckte und ich musste gestehen, dass sie mir ab dem ersten Moment gefallen hatte. Nach nur einer Woche auf dem Bear Brook EC blühte sie auf, zeigte was in ihr steckte und musterte sich zum 1A-Westernpferd. Ich seufzte und nahm mein Telefon vom Nachttisch. “Ich möchte Verdine kaufen.” schrieb ich und verharrte ein paar Sekunden, bevor ich die Nachricht an Hunter sendete. Ich hatte mich gerade wieder hingelegt, als der grelle Nachrichten-Ton durch die Stille der Nacht drang.
      “Danke. Schlaf jetzt. Ich liebe dich.”
      Ein Mädchen für alles - Ausschnitt aus dem HMJ Finale
      Verdine, Lorelei, Funny Sugar, Hibana, Ivy’s Rhapsody, Granada, Missing Misty, Westatlanta, Bear Brooks Denahi, Ases Maskwamozi, Bearing Spot’s, Echo’s Maiden, Smooth Gravity, Sympathy of the Devil, Grenzfee, For an Angel, Compliment, Amistad, Smarty Jones, Valentine’s Cantastor
      by adoptedfox
      Käthe | Ein paar Monate waren vergangen, seit Hunter sich dazu entschlossen hatte den Hofbetrieb für geraume Zeit einzustellen und die Pferde an befreundete Sport- und Zuchtanlagen verkaufte. Wir verbrachten nur noch wenig Zeit miteinander und doch genoss ich jede Minute seiner Anwesenheit. Um Erin zu entlasten, die einmal wöchentlich Seminare an der Universität in Nottingham besuchte um ihre Trainerlizenz zu erhalten, stellte ich zwei zusätzliche Pferdepfleger ein die uns unterstützten. Die Reitstunden hatte ich aus dem Programm genommen, dafür bot ich aber immer wieder Kurse zu verschiedenen Themen an die mehr als gut besucht waren. Auch bei meinen privaten Pferden lief es bestens. Die Fohlen werden mehr und mehr an das Fohlen ABC herangeführt und beinahe wöchentlich waren wir mit unseren Pferden auf Turnieren vertreten. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Jetzt im Sommer zogen wir es vor, die Pferde in den frühen Morgenstunden zu bewegen damit sie die heißen Temperaturen auf den Weiden verbringen konnten. Abends, nachdem die Pfleger sich in den Feierabend verabschiedeten, sattelten Erin und ich die Pferde und ritten aus um den alltäglichen Wahnsinn hinter uns zu lassen. “Wollen wir heute Abend zum See reiten?” fragte Erin und setzte den Huf ihrer Stute Hibana ab. “Ich kann leider nicht. Hunter kommt heute vorbei und ich möchte ihn mit einem Abendessen überraschen.” antwortete ich ehrlich und streichelte der Stute den Hals.
      “Da freut er sich bestimmt! Mensch… ich finde es schade das er alles auf Eis gelegt hat.” Ich stimmte ihr zu. Auch wenn ich hinter ihm stand, machte ich mir Sorgen wie es weitergehen würde. Ich blieb noch ein paar Stunden im Stall und half Erin dabei die Pferde für die Koppel fertig zu machen, bevor ich mir eine Einkaufsliste schrieb und in die Stadt fuhr um alles für das Essen zu besorgen. Die kommenden Wochen waren bereits gut durchgeplant. Am meisten freute ich mich auf einen Dressurlehrgang, den ich für mich und Bear Brooks Denahi gebucht hatte.
      Little moments
      Nachtrag für August 2019, by Ravenna & Veija
      Pflegebericht für: Cielos, Whitetails Shortcut, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, A Shining Chrome, Bittersweet Temptation, Chocolate Shades, Citizen Fang, General's Coming Home, GRH's Bella's Dun Gotta Gun, GRH's Funky's Wild Berry, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, PDS' Unclouded Summer Skies, Smart Lil Vulture, Whinney, Zues, Mirabelle, Golden Sugar, Above the Sky, An Affait to Remember, Cleavant 'Mad Eyes', Dakota, Nahimana, Absolute Bullet Proof, Ceara Isleen, Kunis, Silent Bay, Væna fra glæsileika eyjarinar, Tigres Eyes, Sparkled Wings, Tweekay, Skrúður, Chocolate Dream, Bree, Empire of Grace, Priamos Ruffia Kincsem, Blazing Flame, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I've got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Abe's Aelfric, Culain, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS' Snap in Style, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Wildfire xx, Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Verdine, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey's Aleshanee, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tainted Whiz Gun, Dual Shaded Ace, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, It's me, Amira!, Zoltaire, Zuckerschock, Thjalfe van de Jötunheimr, Náttdís van Ghosts, Firewalker, Magic Lanijos, Whiskey, Myrkvidr, Free Willy, Wolfs Bane, Pocahontas, Mystical Champion, Vin, Lajos, Ocarina of Time, Crimetime, Fenicio, Ghost's Phenomena, GRH's Princess Peppy Ann & BR Princess Peppy Gaia
      Fohlenzeit & die vergessene Einladung
      Ylvi
      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.
      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.
      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.
      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!

      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?
      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”
      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.

      Caleb
      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?
      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.
      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.
      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”
      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.
      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.

      Ylvi
      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?
      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.
      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?
      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.
      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.

      Caleb
      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“

      Ylvi
      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.
      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.
      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.

      Caleb
      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.
      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”

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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”
      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.

      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
      Richtige und falsche Entscheidungen
      Februar 2020, by Veija
      Caleb
      "Caleb", "Mr. O'Dell", "O'Connell? Oder so?", "Cowboy", "Der Blonde mit dem Cowboyhut da hinten", "Na.. der da, der so grimmig drein schaut", "Caaaaaaleeeeeb", "Ey!", "Sir?" und vieles mehr. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich meinen Namen in den letzten Tagen, ja sogar Wochen gehört hatte. Ich hatte mich freiwillig gemeldet. Ich hatte gesagt, ich würde bei dem Horse Makeover helfen, ein Pferd aufnehmen, trainieren und sogar meine Ranch für das Event zur Verfügung stellen. Dass Menschen so anstrengend sein konnten, wurde mir erst mittendrin klar.

      "Alle wissen was sie zu tun haben? Heute sollen, wenn alles gut geht, alle Eventpferde mit ihren Besitzern und ihren engsten Vertrauten zurückkommen. Jedes Pferd bezieht eine der Paddockboxen am Reitplatz, wahlweise auch im Stall, falls es einigen draußen zu kalt sein sollte, man weiß ja nie, Kanada hat ein anderes Klima.", erklärte ich meinen Mitarbeitern und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Seid bitte alle hilfsbereit, bietet eure Hilfe auf jeden Fall dann an, wenn ihr seht, dass jemand sie nötig hat. Seid freundlich, sprecht mit den Teilnehmern. Aber vergesst bitte um Himmels Willen nicht eure Aufgaben hier auf dem Hof. Es ist alles eng getaktet, wenn morgens schon etwas schief läuft, wirkt sich das auf den ganzen restlichen Tag aus. Ein frohes Arbeiten!"
      Und dann ging es los... nach und nach reisten alle an, bezogen ihre Boxen und wuselten auf meiner Ranch herum. Immer wieder zwischendurch hörte ich meinen Namen, oder Anreden, um meine Aufmerksamkeit auf die Fragenden zu ziehen. "Natürlich haben wir koffeeinfreien Kaffe.", sagte ich zu einer jungen Frau und begleitete sie in die Küche des Haupthauses. "Sie können die Packung gerne mit in ihre derzeitige Wohnung holen, dann müssen sie nicht immer hier herüber kommen, und ihn sich hier machen.", erklärte ich ihr freundlich, schob sie aber mehr oder weniger bittend aus meinem Haus heraus. Dass ich ein sturköpfiger Eigenbrödler war, war nichts neues. Dementsprechend hatte ich es wohl am schwersten, mich an den ganzen Trubel hier zu gewöhnen. Nichtsdestotrotz wollte ich mit dem Training meiner Pferde auch ein bisschen weiter kommen, so dass ich mich gegen Nachmittag auf dem kleineren Reitplatz befand und meinen Hengst Vulture warm ritt. Ich konzentrierte mich auf den Hengst und nahm das leise Räuspern am Zaun zu erst nicht wahr. Erst als es lauter wurde und eine junge Frau meinen Namen sagte, hellten sich meine Züge ein wenig auf. "Johanna!", sagte ich mit aufhellenden Zügen und trabte Vulture auf sie zu. "Ich hab gar nicht mitbekommen, dass du angekommen bist. Hast du Conti schon untergebracht? Wie macht sie sich?", fragte ich sie und klopfte Vulture gegens Vorderbein, damit er aufhörte, im Sand zu scharren. "Gut, gut. Sie hat sich sofort auf ihr Heu gestürzt. Aber wo hast du denn deine Witch? Ich hab sie noch gar nicht gesehen hier.", fragte sie mich, was mich kurz zum Auflachen brachte. "Witch steht hinten im letzten Stall in ihrer gewohnten Box. Hab sie schon eine Weile vom Trubel weggestellt, damit nicht alle auf die Idee kommen, sie sich sofort angucken zu gehen. Ich hab in den Ställen nichts zu verstecken, viele Pferde sind eh nicht im Stall. Aber ich mag es nicht so, wenn überall fremde Leute herumlaufen. Deshalb dachte ich, bis zum letzten Stall würden sich die wenigsten vorkämpfen. Dann hab ich auch später meine Ruhe, sie fertig zu machen.", erwiderte ich schulterzuckend. "Macht Sinn.", meinte Johanna und fragte, ob sie mir noch kurz zuschauen dürfte. Ich nickte und trabte meinen Hengst wieder an, ehe ich ihn auf dem Zirkel angaloppierte. Johanna blieb ein paar Runden, ging dann jedoch wieder ihrer Wege.
      Kurze Zeit später stand Cooper am Zaun und wollte einen Schwamm, ein Tuch und einen Eimer haben. Im Stall hätte sie keinen gefunden. "Ich komm mit und zeig es dir.", erklärte ich und ritt zusammen mit ihr zum Stall. "Kannst du ihn kurz halten?", fragte ich sie und ließ sie mit meinem Hengst draußen stehen. Den Stall hätte ich nie betreten sollen, denn sofort kam mir Octavia wild gestikulierend entgegen. Energisch zog sie mich am Arm hinter sich her auf die Toilette. "Bist du bescheuert? Sattelkammer vielleicht? Aber Toilette?!", fragte ich sie, nun auch mit den Armen fuchtelnd. "Die sind überall, nirgends ist man vor ihnen sicher!" "Wie war das mit dem freundlich sein?", fragte ich sie mit hochgezogener Augenbraue und klopfte ihr sachte auf die Schulter. "Du kannst jetzt das Mädchen für alles sein, ich verzieh mich!", quietschte sie, öffnete die Tür der Toilette und ließ mich mit einem verwirrten Blick zurück.
      Als ich aus der Toilette heraustrat, wusste ich genau, was sie gemeint hatte. Vor mir hatte sich ein kleiner Ball aus Menschen gebildet, alle sagten meinen Namen oder sprachen mich mit einer anderen Anrede an. "Einer... nach dem Anderen.", sagte ich, zog einmal scharf die Luft ein und setzte ein kleines, gequältes Lächeln auf. Ich hatte es so gewollt und ich hatte es gerne so gewollt.
      Pflegebericht für: Cruel Twist of Fate, Kholáya, Frosty Lagoon, Bittersweet Temptation, Lady Blue Skip, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Miss Independent, A Shining Chrome, Honey's Aleshanee, Striga, GRH's Unbroken Soul of a Magic, A Walking Honor, GRH's Aquila T Mistery, GRH's Unbroken Soul of a Devil, Snapper Little Lena, Stormborn, Zues, Jacks Inside Gunner, BR Colonels Golden Gun, BR Colonels Lil Joker, Sweet like Chocolate, Colonels Blue Splash, BR Dress to Impress, Special Luna Zip, Captains Blue Crystal, Gun Sophie, PFS' Unclouded Summer Skies, California Rose, Ginger Rose, Smart Lil Vulture, Chocolate Shades, GRH's Funky's Wild Berry, Abadon all Hope, Kisshimbye, Easy Going, Chou, My sweet little Secret, I'm a Playboy, Whitetails Shortcut, Whinney, Citizen Fang, Cielos, Silent Bay, Alan's Psychedelic Breakfast, Chapter 24, Chocolate Dream, General's Coming Home, GRH's Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace, Bella Cielo, Black Sue Dun It, DunIts Smart Investment, Face Down, Ginny my Love, GRH's A Gun Colored Lena, Heretic Anthem, Jade, Kristy Killings, Magnificient Crow, Raised from Hell, Tainted Whiz Gun, Verdine, Wimpys Little Devil, Prias Colourful Soul, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Cleavant 'Mad Eyes', Ceara Isleen, Tigres Eye, Priamos Ruffia Kincsem, Drama Baby, Raspberry, Candlejack, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Tiaras Besuch auf Bow River
      November 2020, by Sosox3 & Veija
      Tiara | Der Flug war holprig gewesen und Caleb hatte mir heute Nacht um 4 noch mein Zimmer gezeigt, wo ich die nächste Zeit schlafen würde. Verschlafen rieb ich mir die Augen und stand so langsam auf. Zuhause wäre ich schon längst bei den Pferden gewesen und hätte mit den ersten schon in die Halle gemusst. Ich sah auf meine Uhr und richtete mich dann auf. Es blieb mir nicht aus mich zu strecken und steckte mir die Haare zu einem Dutt hoch. Ein Seufzen verließ meine Lippen und ich schritt aus der Tür raus. Der Weg zum Frühstücksraum gestaltete sich als ziemlich einfach und ich fand den Raum ziemlich schnell. Als ich jedoch die ganzen Jungs darin sah, stockte mir kurz der Atem. “Guten Morgen, Jungs”, versuchte ich mich locker zu machen und sah suchend nach Caleb.

      Cayce | Am frühen Morgen nach dem Aufstehen hatte ich bereits ein paar Pferden das Kraftfutter gegeben, sie auf die Koppeln und Paddocks gebracht und die Boxen gemistet. Ich wollte Caleb ein wenig Arbeit ersparen, da er heute Nacht erst um vier Uhr zurückgekommen war. So konnte er ruhigen Gewissens ausschlafen, was er jedoch vermutlich ohnehin getan hätte.
      Nach der Arbeit ging ich ins Haupthaus, in dem es schon wunderbar nach Waffeln roch. Die Haushaltshilfe machte eigentlich nie Waffeln, es sei denn wir hatten Besuch. Hatte ich etwas verpasst? Als ich ins Esszimmer ging, saßen dort die üblichen verdächtigen und stopften sich schon die Bäuche voll. Caleb fehlte natürlich. Auch der vermeintliche Gast, der jedoch wenig später den Raum betrat und uns grüßte. Mit gefüllten Backen sah ich auf und erwiderte ihren Gruß. Auch die anderen Jungs murmelten etwas, ehe wir uns alle kurz ansahen. Bevor die peinliche Stille jedoch unerträglich wurde, stand Octavia mit Bellamy in der Tür. “Tiara!”, sagten Beide fast gleichzeitig und umarmten sie kurz. “Schön, dass du es nochmal zu uns geschafft hast. Komm, setz dich… Travis mach Platz”, sagte Octavia und schlug Travis gegen den Arm, der murrend seinen Teller schnappte und Platz machte.

      Tiara | “Hey”, sagte ich zu O und Bellamy und wandte mich direkt zu den beiden. Ich schlängelte mich an den Jungs vorbei und nahm Octavia erst einmal in den Arm. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen und sah dann zu dem blonden jungen Mann, der mir soeben Platz gemacht hatte. “Dankeschön, Trav….or?”, sagte ich vorsichtig. Ich hatte vorhin nicht richtig zugehört und mich nur auf den Ruf meines Namens konzentriert. “Erzähl mal, wie läuft’s mit den Mustangs? Quisqui sieht man ja ab und an auf einem Turnier. Wie macht sich Tweekay?”, O sprudelte nur so und ich konnte nachvollziehen, warum das der Fall war. Tweekay war mal in dem Besitz der beiden gewesen und ich hatte schon ein paar Fortschritte mit ihm gemacht, aber ans reiten war nicht zu denken. “Es läuft eher schleppend… Meine Eltern sind nicht mehr so begeistert und wollen mich nicht mehr so gerne auf dem Hof haben, aber Tweekay geht’s gut. Ihn kann man jetzt mittlerweile führen, ohne, dass er versucht einen dabei umzubringen.” Harte Arbeit und langer Weg aber meine Geduld hatte sich ausgezahlt.

      Cayce | Tiara also… von ihr hatte ich doch schon einmal gehört. “Travis”, korrigierte Trav Tiara, die ihn so eben noch Trevor genannt hatte- eigentlich auch ein ganz cooler Name. Während sie so mit Octavia redete aß ich weiter meine Waffeln und bedankte mich, als ich Nachschub bekam. Auch Tiara wurde ein Teller gereicht, so dass nun nur noch Caleb, Brian, Aimee, Dell und Betsy fehlten. Aber die würden vermutlich alle später frühstückten.
      Beim Mustangthema horchte ich auf, hörte aufmerksam zu. Kurz überlegte ich, ob ich Tweekay kannte, war mir da aber nicht so sicher.
      “Wieso wollen deine Eltern dich nicht mehr auf dem Hof haben?”, fragte O unseren Gast und alle Anwesenden am Tisch warteten gespannt auf ihre Antwort.

      Tiara | “Ist eine gar nicht so spektakuläre Geschichte. Wir haben ja einen Praktikanten da, ganz netter Junge, sehr bemüht und 3 Jahre älter als ich. Anfangs konnte ich ihn nicht gebrauchen, jetzt jedoch kümmert er sich gerade um meine Pferde. Ich hab mich in der letzten Zeit mehr auf mein Training und das Training meiner Pferde konzentriert und meine Eltern finden es nicht so gut, dass ich kein Geld ins Haus bringe und wollen jetzt entweder, dass ich mehr Aufträge annehme oder aber Boxenmiete für meine Pferde zahlen soll. Ich schau mich also jetzt nach was eigenem um. Und hole Alex dann als Unterstützung mit”, erklärte ich meine Situation. Ein wenig kindisch war das ganze schon … wie fast jede unserer Familiendiskussionen. Die Waffeln schmeckten echt lecker und ich hatte ziemlich schnell den Teller leer. Ich sah noch einmal zu meiner rechten und sah einen ziemlich genervten Travis neben mir, der nur noch die Augen rollte. “Das hab ich gesehen”, sagte ich zu ihm und sah ihn gespielt sauer an. O hatte ich ziemlich lieb gewonnen und wusste, dass sie Whiskey vor noch gar nicht allzulanger Zeit zu Brooke gegeben hatte. “Achja O, Whiskey ist jetzt gekört macht sich Prima, der kleine Psycho.”

      Cayce | Ich überlegte. War nicht vor kurzem eine Ranch hier in der Nähe zu verkaufen gewesen? “Hier in der Nähe ist eine kleine Ranch zu verkaufen.. ich weiß ja nicht, welche Ansprüche du hast, aber Caleb oder ich könnten mit dir bestimmt einmal rüberfahren und sie anschauen… falls Kanada für dich in Frage käme”, meinte ich schulterzuckend und stopfte mir den Rest meiner Waffel in den Mund. Nun war mein Teller auch leer. Tiara nickte, ehe sie sich an Travis wandte. Was sie mit ihm hatte, da wurde ich nicht schlau draus.
      “Oh Whiskey?! Das ist toll, das freut mich! Du musst dir unbedingt später meine Pferde anschauen… ich hab sogar einen Zeltermix, den hab ich mir irgendwie andrehen lassen. Was ich mit Nini soll, bin ich mir noch nicht sicher.. aber hübsch ist sie- und eine Tochter von Bree und Skrudur!” Tiara grinste, schien die beiden Eltern wohl zu kennen.
      Ich stand derweil auf, brachte meinen Teller in die Spülmaschine und nahm meinen Hut von der Anrichte. “Lass es mich wissen, wenn du dir die Ranch anschauen möchtest”, sagte ich zu, nickte ihr einmal zu und verließ dann den Raum.

      Tiara | Ich sah neugierig auf, als Cayce von der Ranch sprach. "Das… Das wäre super!" Vor meinem Inneren Auge hatte ich mir schon alles ausgemalt und ich grinste nun vor mich her. "Was ist denn ein Zelter?", fragte ich Octavia und sah sie fragend an. Ich kannte Traber und Isländer, aber ich wusste nicht, was ein Zelter ist. Ich verfolgte noch kurz unser Gespräch ehe ich mich zur Spülmaschine aufmachte und meinen Teller samt Besteck rein räumte. Das Anwesen war riesig und ich würde später nochmal die Zeit haben mir alles gut anzuschauen. Ich stolperte fast über meine eigenen Füße und das wäre jetzt echt das letzte was ich gebrauchen konnte. Wo steckte Caleb eigentlich, er könnte mir ruhig mal alles zeigen, wenn er mich schon mit zu sich auf den Hof nahm. Ich hoffte, mich hatte keiner gesehen, wie ich fast den Boden küsste und rappelte mich wieder auf.

      Caleb | “Ein Zelter…”, mischte ich mich ins Gespräch ein, welches ich eine Weile vom Flur aus belauscht hatte. “... ist ein Mix aus zwei Gangpferderassen. Den Sinn versteh ich zwar nicht, aber für manche macht das wohl Sinn.” Dabei streckte ich Octavia die Zunge heraus und bekam nicht mit, weshalb Os Blick an mir vorbeiflog, sie zunächst panisch schaute, dann aber in schallendes Gelächter ausbrach. Tiara warf ihr einen gemeinen Blick zu, ehe sich beide wieder normale ansahen. Weiber… “Willst du zu erst mit O ihre Pferde anschauen oder soll ich dir erst den Rest der Ranch, bis auf Os Pferde, zeigen?”

      Tiara | "Aaachso", sagte ich verwirrt zu Caleb. "Aber heey, da bist du ja! Zeig mir ruhig erst die Ranch und dann zeigt O mir ihre Pferde und dann sagst du mir wo ich mit anpacken kann", grinste ich ihn an. Warum waren Männer eigentlich immer so ernst? Fing ja heute schon gut an. Erst Travis und jetzt Caleb. Die scheinen alle keinen Spaß am Morgen zu haben. Ich philosophierte noch ein wenig ehe ich mich verabschiedete und mich hastig zu meinem Zimmer begab. Ich zog mich um, das was ich auch immer bei uns am Stall anhatte. Das konnte auch dreckig werden, obwohl es gut kombiniert war.

      Caleb | “Okay dann machen wir das so”, antwortete ich auf ihre Aussage und nahm mir aus dem Schrank einen extra großen Thermobecher, in den ich mir Kaffee füllte. Tiara verschwand, würde sich wohl umziehen gehen.
      Ich derweil setzte mich noch kurz an den Tisch, besprach mit Cayce und Laurence ein paar Dinge des heutigen Tages, stopfte mir eine Waffel in den Mund und sah Tiara mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ihre Outfits waren immer… top kombiniert. Sollte ich sie damit Ställe ausmisten lassen, damit die anderen was zu lachen hatten? Vielleicht in den nächsten Tagen.. heute wollte ich noch nett sein.
      Wir gingen also auf den Hof und steuerten sofort meinen roten Pick Up an. “Ich dachte, du wolltest mir den Hof zeigen?”, fragte mich Tiara unsicher, öffnete jedoch die Beifahrertür und setzte sich in den Truck.
      “Exakt, aber meinst du ich lauf alles ab?” Dann fuhr ich los. Zeigte ihr die beiden Reitplätze, die beiden Round Pens, die Halle, die Ställe, die Paddocks. Alles, was sie eh schon gesehen hatte, als sie mit Valhalla auf dem Reiningkurs gewesen war. Neu war allerdings, dass die Fohlen nun abgesetzt und in einer großen Gruppe hier am Hof standen. Dorthin fuhr ich als letztes- die Rinder und großen Weiden würde ich ihr ein andermal zeigen.
      “Hier stehen auch deine beiden Fohlen… oder waren die für deine Mutter?”

      Tiara | "Du hast so ein großes Anwesen… Ich bin neidisch!", sagte ich mit großen Augen und sah ihn an, als er mit mir die Ställe abfuhr. Er sah nur kurz rüber und konzentrierte sich dann weiter auf die Rundfahrt. Ich hatte das vorletzte Treffen nicht vergessen und war von seinem Können noch immer begeistert." Die Fohlen sind meiner Mutter… wobei ich mir es gerade anders überlege und ihr nur eins mitbringe." "Wie? Nur eins mitbringen?" Ich sah seinen Blick aus dem Augenwinkel und grinste nur. "Wir hatten einen Deal!" "Ich hab nie gesagt, dass ich das andere nicht nehme. Nur, dass ich es nicht ihr bringen werde."

      Caleb | “Und wen willst du für dich behalten? Stute oder Hengst, Daisy oder Shark?”, fragte ich sie doch bekam nicht sofort eine Antwort. Viel mehr war sie gerade damit beschäftigt, zu erst Daisy über die Nase zu streichen, dann Shark. Ich weiß gar nicht mehr wie die Rufnamen entstanden sind. Irgendwie war das bei Daisy einfach so passiert. BR Lovely Gun… Daisy… das passte einfach.
      Und Shark? Tja, Shark hatte in seiner Scheckung eine Flosse, die der eines Haies unglaublich ähnlich sah. Charakterlich strahlte er durch seinen Kampfgeist. Daisy glänzte durch ihren will to please und dem Menschen alles Recht zu machen. Wer war da wohl eher geeignet für Tiara?

      Tiara | "Shark. Er hat den Kampfgeist. Ich will meiner Mutter nicht so einen Brocken geben, wenn er mal groß ist. Der hat eine gute Zukunft vor sich." Caleb nickte. "Gute Entscheidung." "Und was steht jetzt an?" Ich war etwas Ungeduldig. Lag vielleicht auch daran, dass ich auf jemanden ein Auge geworfen hatte. Warum hatte ich auch so einen Faible für Typen die einen auf Hard to Get taten. Ich sah Shark noch einen Moment an und kraulte ihm dann den Rücken. Der kleine war schon gut gewachsen und ging mir nun bis über die Hüfte mit seinem Stockmaß. "Was macht Travis eigentlich hier bei dir auf dem Hof?"

      Caleb | “Ich würde Daisy sofort behalten. Aber verkauft ist verkauft”, sagte ich verlegen und fuhr mir einmal mit der linken Hand an den Hut.
      “Travis?”, fragte ich sie etwas ungläubig. “Der ist immer da, wo Octavia ist. Ich weiß nicht ob er ein Auge auf sie geworfen hat.. Murphy ist da ja auch noch im Rennen.” Ich lachte, sah wie sich ihre Miene kurz verzog. “Wir gehen gleich zu O und Trav, aber hast du die anderen Fohlen gesehen? Mir sind leider Käufer abgesprungen, ich hab noch einiges zum Verkauf… da hinten der Dunskin Appaloosa, BR Heart N’ Soul, von Hollywoods Silver Dream aus der Baby Doll Melody, tolles Kerlchen… oder Nima, die kleine Rappstute. Von Alan aus der Sue. Sollte eigentlich zu Juna oder Luna nach Österreich, daraus wurde dann aber nichts mehr… und General Pleasure, von General’s Coming Home aus der Crow sollte zu Zion, sie hat den Verkauf aber auch annuliert...und die blonde, die Bella so ähnlich sieht ist tatsächlich ihre Tochter. Papa ist Alan. Der helle mit den dunklen Beinen ist McDreamy, von Hollywoods Silver Dream und Heretic Anthem… vielleicht behalt ich den auch, wird mal ein guter Reiner durch den Papa… und Queen. Ziehfohlen von Heretic Anthem nachdem Face Down ja gestorben war… na, Interesse an einem für deine neue Ranch? Ich hab auch noch einige Pferde ab 3 Jahren aufwärts, die im Training sind.” Wieder lachte ich. Verkaufen? Das konnte ich… dabei fiel mir ein, dass die beiden Fohlen und auch die anderen Pferde für Tiaras Mutter noch gar nicht bezahlt waren.

      Tiara | "Ich hab leider mehr Interesse an den Mustangs, aber ich schau mal, was ich tun kann.”, murmelte ich. Ich sah über die Weide der Absetzer und schaute mir jedes vorgestellte Fohlen an. Sie waren alle toll, aus guten Linien, aber ich hatte momentan schon genug um die Ohren. “Caleb… ich habe gehört, dass hier in der Nähe eine Ranch verkauft wird. Weißt du ob da was dran ist?” Die Neugier hatte mich gepackt und ich sah den großen Blonden gespannt an. Es war schon wieder ziemlich frisch in dieser Septemberwoche und ich hätte mich deutlich wärmer anziehen sollen, jetzt fröstelte es mich und ich hatte die meiste Zeit Gänsehaut an den Oberarmen und zitterte ab und zu hörbar. Morgen wäre ich höchstwahrscheinlich krank und liege im Bett.

      Caleb | “Ja genau, hab das ganz kurz am Rande vor ein paar Tagen mitbekommen. Lass uns kurz zu O und Trav gehen, du ziehst dir was wärmeres an und dann fahren wir rüber. Der Besitzer, ein älterer Mann, ist eigentlich immer da. Er verkauft das Anwesen weil seine Kinder in die Stadt gezogen sind und seine Frau schon vor einer ganzen Weile gestorben ist. Da sieht es zwar aus wie Kraut und Rüben, weil da schon seit Jahren kein Vieh mehr gehalten wird, aber wenn du dir die Arbeit antun willst und dort aufräumst und alles auf Vordermann bringst, hast du eine tolle, kleine Ranch.”
      Ich wartete ihre Antwort kurz ab, ehe wir uns auf den Weg zum Stalltrakt machten, in dem die Pferde von Octavia standen. Travis, Murphy und auch O waren fleißig dabei, die Boxen zu misten. Die Pferde befanden sich schon fast alle draußen. “Caleb du kommst mir gerade Recht, können du und Tiara die restlichen Pferde rausbringen? Wildfire xx, Peacful Redemption, Tigres Eye und Birk?”
      Ich nickte. “Klar.”

      Tiara | “Viel Arbeit bedeutet niedrigerer Preis”, grinste ich. Mir war bewusst, wie viel Arbeit das werden konnte. So war es bei unserem jetzigen Stall ja auch gewesen. Dad hatte so viel Arbeit reingesteckt und Mom machte gerade alles kaputt. Brav wie ein Hund folgte ich Caleb in den Stalltrakt und sah mir im Vorbeigehen die Pferde an, die noch in den Boxen standen, bis wir bei den dreien angekommen waren. Ich sah zu Caleb, der sich die Halfter schnappte und mir gleich zwei davon entgegen streckte. “Und welche nehm ich jetzt?”, fragte ich ihn verwirrt. Das größere Halfter konnte nur dem Kaltblut gehören, aber das andere konnte ich nicht zuordnen. “Das ist von Peacful Redemption.” Ich versuchte die Stimme zu zuordnen und sah dem Blonden gleich ins Gesicht. “Danke.” Mein Gemurmel konnte man kaum verstehen und ich nahm mir erst Birk und dann Clyde.

      Caleb | Tiara konnte Clyde und Birk zusammen nach draußen führen, während ich mir als erstes Wildfire schnappte. Zusammen brachten wir die drei Hengste nach draußen, ehe wir nochmals in den Stall gingen und ich mir die schöne Rappstute Tigres Eye ans Halfter nahm. Sie kam raus zu den Stuten. Wieder im Stall angekommen unterhielten wir uns noch kurz mit O und Trav, ehe wir noch zu meinem kleinen Sorgenkind gingen. “Vom HMJ hast du was mitbekommen, oder?” Tiara nickte. “Das hier ist einer, HMJ Saintly. Hat sich schon gut gemacht- und dass das HMJ verlängert wurde kommt mir ungemein zu Gute. So habe ich noch mehr Zeit ihn auszubilden.”
      “Ein tolles Pferd, passt farblich zu deinen anderen.” Ich nickte. Farblich passte er wie die Faust aufs Auge.
      “Magst du dir noch was wärmeres anziehen, ehe wir rüber zur Ranch
      fahren?”

      Tiara | “Ja, bitte. Ist doch kühler hier, als ich dachte.” Caleb blieb heute ziemlich wortkarg. Ich bekam nur ein kurzes Nicken und schon stiegen wir ins Auto um rüber zum Haus zu fahren, wo ich mir schnell einen weißen, flauschigen Pullover schnappte, der mich dann garantiert warm halten sollte. Ich beeilte mich die Treppe runter, stolperte wieder fast und sah beim Aufrappeln in Cayce Augen. “So im Stress?” Sein Grinsen wurde breiter und ich richtete mich auf. “Ich will Caleb nicht warten lassen.” Mehr als ein Lachen vernahm ich nicht und ging zurück zum Auto. “Bist du soweit?” Ich nickte Hastig und schnallte mich an. Ein Ding, das ich aus Deutschland im Kopf hatte und immer wieder das Problem in anderen Ländern belächelt zu werden.

      Caleb | Ich startete den Truck und wie verließen über die lange Einfahrt meine Ranch. So ganz nebenan war das zum Verkauf stehende Anwesen nicht. Nach einer guten halben Stunde kamen wir dort an, fuhren durch das Eingangstor und auf den Hof vor dem Haupthaus. Schon von hier sahen wir, dass die Zäune repariert werden müssten, bevor jemals nochmal ein Pferd drauf dürfte. Das Gras stand hoch, die Bäume und Hecken wucherten ziemlich alles zu. Tiaras Blick wirkte zerknirscht, doch ich beschwichtigte sie sofort. “Wenn die Stallungen und das Haus intakt sind, ist das hier doch kein Problem. Ein paar Tage Arbeit und.. die Hecken sind weg, das Gras gemäht. Zäune kann man aufbauen.”
      Wirklich zufrieden schien sie damit nicht. Ich schätzte sie auch so ein, dass sie alles perfekt haben wollte. Das ging allerdings nicht, ohne Arbeit reinzustecken. Dafür war die Ranch günstig.
      Ich stieg aus und ging zur Haustür. Tiara folgte mir und lief fast in mich hinein, da ich wieder einen Schritt nach hinten gemacht hatte, um nicht mit der Nase an der Tür zu kleben. Sie allerdings hatte den Blick nach hinten gerichtet und dies gar nicht bemerkt. Ich räusperte mich kurz, sah dann aber jedoch zur geöffneten Haustür hoch, an der nun der alte, er war wirklich alt, Besitzer der Ranch stand. “Hallo ich bin Caleb, wir haben telefoniert. Das hier ist Tiara, sie interessiert sich für die Ranch.”
      “Caleb, schön sie kennen zu lernen- und sie natürlich auch, Tiara. Es freut mich, dass die Ranch eventuell in den Besitz eines bereits ansässigen geht.”
      Ich lächelte kurz. “Tiara kommt zwar nicht von hier, aber wie du bereits weißt, wohne ich drüben auf Bow River. Tiara hat mich schon ein paar Mal besucht und sich in unser schönes Land verliebt- deshalb will sie jetzt hier bleiben.”
      “Das ist schön. Ich hole mir noch gerade eine Jacke, dann können wir den Rundgang starten.”

      Tiara | Es schien wirklich viel Arbeit zu sein, die auf mich wartete. Noch war ich alleine, wenn ich die Ranch übernehmen sollte. Mit Alex hatte ich noch nicht gesprochen, ich wusste also auch noch nicht ob er mitkommen würde. Arbeiter hatte ich auch noch keine und auch sonst würde ich erstmal vor dem nichts stehen. Aber hey. Ich hätte dann nette Nachbarn. Als der ältere Herr sich seine Jacke übergezogen hatte, führte er uns ziemlich langsam, so wie es seine alten Knochen es noch schafften, zu den ersten Stallungen.
      Die Boxen waren in einem guten Zustand, das Holz war gepflegt, nicht marode. Die Wände müssten gestrichen werden, die Sattelkammer war in einem einwandfreien Zustand nur das Dach machte mir etwas sorgen. “Caleb, können wir gleich kurz reden?”, fragte ich ihn mit einem besorgten Blick. Caleb nickte, doch wir sahen uns noch die anderen Gebäude an, die in einer noch weniger Guten Verfassung waren. Die Aufteilung an sich gefiel mir jedoch ganz gut.
      “Ich weiß ja, dass hier viel arbeit reingesteckt werden muss, aber ich hab gehört, Dächer sind teuer. Also sie zu erneuern oder zu reparieren… In die Reithalle muss neuer Boden und der ganze Kleinkram hier muss auch noch gemacht werden”, ich hatte meine Bedenken geäußert und wartete nun auf seine Antwort. Wir standen ein wenig abseits und ich war froh, dass er mit dabei war, denn ich konnte zu schlecht so große Entscheidungen alleine treffen.

      Caleb | Während des Rundgangs erzählte der Mann immer wieder von der Zeit, als seine Frau noch lebte und die Ranch voller Pferde gewesen war. Allein durch seine Erzählungen entstand ein Bild vor meinem inneren Auge, wie schön es einmal hier gewesen sein muss.
      Nach der Führung nahm mich Tiara beiseite, erklärte mir ihre Bedenken. Ich überlegte kurz. “Ich kann von Bow River vielleicht etwas Geld übrig machen, zumindest um das Dach schon einmal zu reparieren und den Sand in der Hall auszutauschen… dann könntest du Kundenpferde trainieren, das bringt Geld ein- und dann Stück für Stück umbauen und ausbauen und wenn alles läuft, kannst du mir das Geld zurückzahlen- oder hilfst eben bei mir mit, wenn ich Hilfe brauche… es ist viel Arbeit, ja. Es ist viel Geld, ja. Wenn du das hier willst helfe ich dir gerne, aber sei dir von vornherein sicher, dass du dann auch hier bleibst und nicht im Endeffekt alles umsonst war.”

      Tiara | Ich sah ihn mit großen Augen an. Das war ein großes Entgegenkommen seinerseits. “Caleb… das ist verdammt viel Geld...Ich muss eine Nacht drüber schlafen und mit Alex reden, ob er mitkommen würde. Ansonsten muss ich gucken wo ich Arbeiter her bekomme, aber auch die muss ich dann bezahlen. Ich denk drüber nach, denn der Hof ist schön und hat alles was ich brauche…” Ich wollte einerseits nichts überstürzen, aber auch nicht direkt dicht machen. Ich musste dem ganzen hier eine Chance geben. Mit meiner Mutter wurde ich wohl nicht mehr warm und zu Dad hatte ich gerade gar keinen Kontakt mehr, weil meine Mutter es nicht wollte. Zwei Sturköpfe, die nicht einsahen, dass beide was falsch gemacht hatten.
      Wir gingen wieder zu den alten Mann und ich sagte ihm, dass ich mich morgen früh gleich melden würde. Er nickte, wir verabschiedeten uns und wir setzten uns wieder in den Truck. “Caleb? Darf ich dich was fragen?” “Ja? Was denn?” “Warum bist du so großzügig zu mir? Die zwei Wochen ‘Praktikum’, das Vorzeigen der Ranch….”

      Caleb | Ich nickte, als sie ihre weiteren Bedenken äußerte. Wenig später saßen wir wieder im Truck, ich startete den Motor und wir verließen die Ranch. Erst dann antwortete ich auf ihre Frage: “Na ich will Valhalla in der Nähe haben. Was ein tolles, aber schwieriges Pferd.”
      “Haha, witzig.” Wir lachten beide kurz.
      “Aber warum nicht? Das Geld ist ja auch nicht geschenkt, das bezahlst du mir schön zurück… aber ich habe so eine große, gut laufende Ranch. Warum dann nicht kleinere Höfe unterstützen?”
      “Ja okay du hast Recht.” Damit verlief die Rückfahrt zur Bow River weitesgehend schweigend. Wieder dort angekommen kam mir schon Cayce entgegen und ich ahnte nichts Gutes. “HMJ Saintly ist schon wieder auf der anderen Koppel. Er hat das Zwischenpanel aufgemacht, wollte ihn gerade wieder einfangen gehen.”
      “Lass nur ist gut, mach ich selbst”, antwortete ich ihm, streckte die Hand aus und er gab mir Halfter und Strick. “Der gute Saintly, immer für eine Überraschung gut.”
      Mit Tiara im Schlepptau gingen wir zur Koppel, betraten das Stück, auf dem der Hengst zusammen mit Alan und Blue stand. Auf der Seite, auf die er eigentlich gehörte standen Shorty und Gipsy, die brav grasten und dem offenen Tor keine Beachtung schenkten.
      Der braune Scheckhengst ließ sich anstandslos einfangen. Tiara beschäftigte Blue und Alan während ich ihn zurückbrachte und das Tor wieder schloss. Cayce war schon mit einer Kette herbeigeeilt, wie wir einmal um Tor und Pfosten befestigten. “Jetzt kommt er nicht mehr hier raus.”
      “Aber wie ruhige die anderen zwei Hengste geblieben sind”, sagte Tiara erstaunt, die nun auch wieder zu uns aufgeschlossen hatte und nun Shortys Hals streichelte.
      “Wären es Gangster oder Hollywood gewesen, zu denen er ausgebrochen wäre, hätten wir jetzt alle Pferde in die Klinik fahren können. Nicht alle Hengste sind so umgänglich wie diese beiden.”

      Tiara | “Ich kenn das, Tweekay kann ich auch nicht mit dem Tigerschecken auf die Weide lassen. Die bringen sich um, auch wenn Quisquilloso normalerweise sehr ruhig und kommt mit anderen Hengsten klar, nur nicht mit Tweety. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Was ist wenn Saintly mit Alan und Blue besser klar kommt als mit Shorty und Gipsy. Also vielleicht ist es nur Augenscheinlich so, dass Shorty, Gipsy und er besser passen als er mit Alan und Blue. Immerhin standen die beiden immer noch grasend auf der anderen Weide und haben sich nicht mal darum geschert, dass ein Herdenmitglied weg ist”, wandt ich ein und sah die beiden Jungs an. Ich hörte ein Seufzen von Caleb und Cayce hatte nur aufmerksam zugehört. Ich spürte eine Vibration in meiner rechten Jackentasche und sah auf mein Handy. Alex rief an. Er wollte jetzt sicher nicht wissen wie es mir geht. “Ich muss kurz rangehen”, sagte ich und ging ein paar Schritte zur Seite. “Hey Alex, was gibts?” - “Wir haben den Tierarzt hier, Chaa ist beim Toben auf der Weide gestürzt und hat nun einen Ast im Brustkorb, er muss geröngt und in die Klinik gebracht werden. Ich wollte dir nur sagen, dass ich mich um ihn kümmern werde, wenn das okey ist?” Seine Stimme brach am Ende a. Er war aufgeregt, genauso aufgeregt wie ich eigentlich auch sein sollte. Schließlich war er mein Nachwuchspferd und ich hatte ihn ziemlich lieb gewonnen. “Bring ihn in die Klinik und mach alles, was sie verlangen. Ich lass dir Geld zu kommen und halte mich auf dem Laufenden…. Alex, danke, dass du da bist.” Dann legte ich auf und ging ziemlich ruhig wieder zu den beiden hin und konnte einfach nichts sagen. Der Schock war noch zu frisch, zu tief.

      Caleb | “Da magst du Recht haben. Ich habe Saintly bisher einfach zu Shorty und Gipsy gestellt, weil es gepasst hat. Es findet eh bald nochmal eine Umstellung der Pferde statt, also nach dem Winter wird neu aufgeteilt.”
      Während Tiara telefonieren ging unterhielt ich mich mit Cayce über das abendliche Training, dem ich auch noch beiwohnen müsste. Drei Pferde standen heute noch auf meinem Trainingsplan. Wir verließen die Koppel und warteten auf Tiara, die ziemlich… verändert wirkte. “Tiara alles ok?”, fragte Cayce sie, doch sie reagierte nicht. Worum ging es wohl bei dem Telefonat?
      “Tiara?”, fragte ich sie nun und langsam schien sie wieder zurück in die Gegenwart zu finden.
      “Chaa, mein Nachwuchspferd muss in die Klinik, sieht übel aus.”
      Cayce als auch ich zogen scharf die Luft ein. “Ich kann dir einen Flug nach Hause buchen”, meinte ich zu ihr und legte ihr meine Hand auf die Schulter.

      Tiara | “Nein.. Alex kümmert sich drum, er fährt ihn in die Klinik und die sollen ihn flicken. Das haben sie damals bei meinem ersten Pferd auch geschafft. Und der hatte einen deutlich schwereren Unfall gehabt. Alex schafft das.” Ich merkte wie ich hektisch wurde und wie ein Wasserfall die Worte aus meinem Mund fielen. Ich sah kurz auf Calebs Hand, die er mir auf die Schulter gelegt hatte und spürte wie in meinen Augen sich die Tränen sammelten. Ich wollte jetzt nicht heulen. “Was steht heute noch an?”, versuchte ich verschluchzt das Thema zu wechseln.

      Caleb | “Okay dann wir das Pferd in guten Händen sein, mach dir nicht zu viele Sorgen”, versuchte ich sie zu beruhigen. Ich konnte mir vorstellen, wie schlimm das sein musste, so weit weg von seinen Pferden zu sein und dann solch eine Nachricht zu bekommen. Tatenlos in einem anderen Land zu sein, ohne etwas ausrichten zu können.
      Ich räusperte mich, nahm meine Hand wieder von ihrer Schulter und sah zu Cayce. Dieser schüttelte kurz den Kopf. Auf ein Pferd lassen würde ich sie heute bestimmt nicht mehr. “Cayce fährt gleich zu den Rindern raus und verteilt ein wenig Kraftfutter an die Mutterkühe, da kannst du gerne mit… ich trainiere noch drei Pferde aber… sei mir nicht böse, aber reiten lassen will ich dich jetzt eher nicht.”

      Tiara | “Ne, das ist auch besser…”, stimmte ich ihm zu und sah ihn an. Er hatte Recht. So würde ich auch niemanden aufs Pferd lassen. Ich hängte mich an Cayce an und schwieg die meiste Zeit im Auto während ich aus dem Fenster in die Landschaft schaute. “Cayce? Wofür habt ihr die vielen Rinder? Ich mein, ihr seid doch eher in der Reining unterwegs oder nicht?”, sammelte ich mich und sah wieder nach vorne auf die Straße. Andererseits konnte ich mir die Gründe auch zusammendenken. Irgendwie musste ich mich ja auf andere Gedanken bringen.

      Cayce | Ich fing schallend an zu lachen. “Warum wir die ganzen Rinder haben? Caleb wollte die haben- der Verkauf und die Schlachtung bringt Geld. Mehr ist es nicht… außer, dass die eine Unmenge an zusätzlicher Arbeit verlangen.”
      Auf der Weide waren wir schnell fertig. Alle Tiere sahen gut aus, jedes Tier kam nach vorne zum Fressen. Tiara streichelte sogar einer der Mutterkühe über den weichen Kopf. Die Tiere schoben immer mehr Winterfell und waren nun mehr als flauschig. “Warte noch einen Monat dann ist das Fell doppelt so lang.”
      “Doppelt so lang?” Tiara schien geschockt.
      “Klar, hier wirds im Winter kalt. Die müssen ordentlich Fell schieben, werden ja nicht eingedeckt wie die Pferde.”
      Wir standen noch eine Weile am Zaun und beobachteten die Kühe, ehe wir die leeren Eimer wieder auf die Ladefläche des Trucks legten, einstiegen und den Rückweg antraten.
      “Das Essen müsste gleich auch fertig sein, bin gespannt was die Liebe Dolly uns wieder gekocht hat.”

      Tiara | Rinder waren schon süß. Essen, das war es, dass meine Laune jetzt anheben konnte. “Sind dann auch wieder alle von heute morgen dabei?”, fragte ich mit großer Neugierde. Vielleicht auch mit einer kleinen Hoffnung auf den Hübschen, mürrischen Blonden wiederzusehen. “Ich geh doch stark davon aus.” Cayce lächelte und ich grinste nur. “Dolly macht aber echt gute Waffeln”, sagte ich ehe wir auch schon am Haus ankamen, das Auto abstellten und uns auf dem Weg rein noch unterhielten.
      In dem Raum von heute morgen angekommen, waren schon fast alle da, zumindest so wie ich es in Erinnerung hatte. Nur einer fehlte mal wieder, wie am Morgen auch schon. “Cayce, hältst du uns noch einen Platz frei, ich geh mal den Chef rufen”, noch ehe er was sagen konnte, hatte ich auf dem Absatz kehrt gemacht und war auf dem Weg in die Reithalle. Zu Fuß war vielleicht eine Blöde Idee aber ich kam gut voran.
      In der Reithalle angekommen erblickte ich Caleb beim Abreiten von Cody und ich sah ihm kurze Zeit gebannt zu. “CALEB!”, rief ich durch die Halle, denn er hatte mich noch nicht sehen können. “ESSEN IST FERTIG! DIE WARTEN SCHON!” Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich versucht, ihn nicht zu erschrecken.

      Caleb | Neben Izzie und Vulture, die beide ihren Job wirklich gut gemacht hatten, war ich schon seit einer halben Stunde mit Cody auf dem Platz. Ich war wirklich froh, dass der junge Hengst endlich seinen Weg in meine Zucht gefunden hatte. Ihm standen einige Türen offen und nach dem Winter wollte ich ihn und auch ein paar der anderen Jungpferde auf kleineren Turnieren starten.
      Ich war gerade dabei, den Hengst abzureiten, als mich eine Stimme unsanft zusammenschrecken ließ. Cody, der noch lange keine Nerven aus Stahl hatte, hüpfte durch mein Zusammenzucken mit einem Satz nach vorne. “Whoaaaa”, bremste ich ihn ab, nahm ihn rechts extrem auf und rollte ihn ein, damit er keine Chance mehr hatte, nach vorne weiter davon zu laufen. “Bist du des Wahnsinns, ihr kennt alle die Jungpferde und wisst dass ihr da nicht so rumbrüllen….”, fing ich an zu fluchen, ehe ich Tiara am Zaun stehen sah. Zerknirscht ritt ich auf sie zu. Sah, dass ihr meine Predigt ein wenig dick getan hatte. “Sorry, hab dich nicht direkt an der Stimme erkannt… sei froh dass du nicht hier arbeitest, denn dann hättest du die Standpauke- und glaub mir, da wär noch was danach gekommen, wirklich verdient.”

      Tiara | “Die hätte ich wohl auch verdient, hehe”, sagte ich kleinlaut und widerholte nochmal mein Anliegen. “Das Essen ist fertig…” “Ja, ich bring den gleich weg”, murrte er wieder. Okey… blond und mürrisch waren wohl mein Typ…. wenn ich mir das recht überlegte, stimmte das sogar. Alle meine Exfreunde waren blond und doch ziemlich abweisend gewesen, zum Anfang immerhin. “Okey, ich nerv dich dann noch weiter”, flüsterte ich beinahe und schaute ihm noch ein bisschen zu.
      Der Roan war ein verdammt hübsches Pferd und hatte eine tolle Abstammung. “Wo hast du Cody eigentlich her?”, fragte ich ihn neugierig. Caleb hatte immer ein gutes Händchen für gute Pferde, er müsste mal mit mir auf eine der Auktionen gehen. Vielleicht hatte ich da mal Glück.

      Caleb | Ich ritt den Hengst noch ein paar Runden im Schritt trocken, ehe ich gemeinsam mit Tiara zum Stall ging. Dort beantwortete ich auch ihre Frage. “Leider Gottes aus einer Tierschutzaktion. Der Hengst ist nicht zum ersten Mal beschlagnahmt worden- nur dieses Mal hab ich ihn da raus bekommen. Hatte ihn vorher schon ein paar Mal kaufen wollen, auch für viel Geld, meine Angebote wurden aber immer ausgeschlagen. Auch als er zum ersten Mal beim Tierschutz stand, hab ich ihn nicht rausbekommen… beim zweiten Mal wurde ich sofort angerufen und hab ihn- für mehr Geld als nötig, dort herausgekauft. Im wahrsten Sinne des Wortes war der Hengst schweineteuer. Aber seine Mutter ist ein unglaublich gutes Pferd, hab davon glaube ich noch zwei Enkel und ein oder zwei Urenkel hier im Stall stehen… von den guten Linien kann man nie genug haben.”
      “Da hast du Recht”, lachte Tiara. “Meinst du, du könntest mal mit auf eine Auktion kommen? Vielleicht sogar von den BLM Mustangs? Da geht es aber weniger um Abstammung sondern mehr um das Exterieur. Du scheinst aber auch dafür ein gutes Händchen zu haben.”
      “Klar, kann ich machen. Auch wenn ich mich mit Mustangs nicht so gut auskenne, aber äußerlich sind sie den meisten Quarter recht ähnlich.”
      Mit diesen Worten packte er Cody in eine der Abschwitzdecken mit seinem drauf gestickten Namen, stellte ihn in eine der Boxen und gab ihm seine Portion Kraftfutter. Die anderen Boxen waren bereits mit Pferden gefüllt, die alle zufrieden ihr Heu mümmelten.
      Gemeinsam gingen die Beiden nach drinnen, setzten sich auf die freien Plätze und langten beim Essen kräftig zu. Dolly hatte Burger gemacht. Zwar nur aus der Pfanne und nicht vom Grill, aber lecker waren sie allemal.
      Auch Travis langte kräftig zu, warf Tiara aber immer wieder einen Seitenblick zu.

      Tiara | Es hatte mich fröhlich gestimmt, dass er mich einmal begleiten würde auf eine der Auktionen. Immerhin hielt ich viel von seiner Meinung, schließlich war er auch mein Trainer. Nachdem er den Junghengst weggepackt hatte, setzten wir uns an den Tisch und als ich in diesen selbstgemachten, frischen Burger biss, war es ein Orchester der Geschmacksnerven, das mich packte. “Der Burger schmeckt so gut”, ich konnte es mir nicht verkneifen mit vollem Mund meine Begeisterung kund zu tun. Caleb hielt sich nur die Hand vor das Gesicht und O fing an zu lachen. “Dafür, dass du so aussiehst wie du aussiehst, bist du trotzdem ein Bauer!”, schmunzelte Caleb und ich boxte ihm gespielt auf den Oberarm. “Du Arsch.” Nun musste ich auch kurz lachen und ich schmierte mir mit der Serviette gespielt vornehm das Fett, dass mir am Mundwinkel runter lief ab. Hin und wieder vernahm ich den Blick von Travis, so sehr ich auch wollte, konnte ich ihm gerade keine Aufmerksamkeit schenken. Das würde sowieso nach hinten losgehen. Wenigstens war ich gerade glücklich und lachte trotz der schlechten Nachricht. “My Lord, man reiche mir eine Serviette”, befahl ich Cayce spielerisch und mit einem Lachen gleich im Anschluss.

      Caleb | Cayce stand auf, nahm eine der Servietten, ging um den Tisch herum und kniete vor Tiara nieder. “Habt ihr heute alle Lack gesoffen?”, fragte ich kopfschüttelnd in die Runde, beteiligte mich aber am großen Gelächter und war froh, dass Tiara für eine Sekunde nicht an ihr krankes Pferd denken musste. Sie würde Alex bestimmt später noch einmal anrufen und ich drückte alle Daumen, dass es dem Pferd gut ging.
      Nach dem deftigen Burger verwöhnte uns Dolly noch mit einem selbstgemachten Eis. “Glaub mir, das gibts wirklich nur zu besonderen Anlässen oder bei gern gesehenen Gästen”, lachte ich und gab Tiara noch eine Kugel Eis. Sie war meines Erachtens eh zu dünn… und der Genuss von Eis stimmte grundsätzlich glücklich- aaalssooo.
      “Ich mach gleich noch die Abendrunde, Travis ist heute mit dran. Willst du uns begleiten oder hier drinnen vorm warmen Kamin bleiben?”

      Tiara | Das Eis schmeckte vorzüglich und ich gönnte mir noch einen Nachschlag. “Eigentlich wäre es mir zu kalt und ich würde liebend gerne am Kamin sitzen, aber ich denke ich komm mit. Ich bin ja zum arbeiten hier”, grinste ich und sah zu Travis.
      Ich hoffte, dass es für ihn okey war, das war auch der Grund, weshalb ich ihn ansah. Der Blonde zuckte nur mit den Schultern. “Alles klar, dann kommst du mit”, beschloss Caleb dann und ich brachte mein Geschirr zu Dolly. “Danke, es hat echt gut geschmeckt”, bedankte ich mich herzlich und gab Caleb kurz zu verstehen, dass ich mir schnell eine Jacke holen würde, ich würde dann an den Truck kommen.

      Caleb | Travis und ich gingen bereits zum Truck und unterhielten uns darüber, was die nächsten Tage anstand. O würde morgen mit ihm in aller herrgottsfrühe zur Rennbahn fahren, um ihre Pferde laufen zu sehen. Sie setzte sich schon eine ganze Weile nicht mehr selbst drauf, dafür hatte sie drüben Angestellte. Die jungen, unerfahrenen Jockey und Jockettes kosteten kaum etwas, konnten die Pferde aber locker trainieren. Bald würden sie sowieso in die Winterpause gehen.
      Tiara kam in dicker Jacke zu uns. “Trav geht zu den Fohlen und Jungpferden auf die Paddocks, ich geh einmal durch die Ställe, wo willst du mit?”
      Ob sie sich am Anfang bewusst gewesen war, dass sie nur mit einem mitgehen konnte?

      Tiara | Da ich bei den Fohlen auch mein eigenes hatte, wollte ich natürlich zu Sharky. “Ich denke, ich geh mit Trav, dann seh ich Shark wieder”, grinste ich und hielt mich an Travis. “Okey, dann mal los.” “Wie kamst du eigentlich zu dem Praktikum?” Ich hätte nie gedacht, dass er so das schweigen brechen würde, aber gut. Die Sache zwischen Caleb und mir, die verschwieg ich. Das war unser Deal, das durfte keiner wissen. “Er war bei uns zum Training mit Valhalla und da sie so ein typisches Weibsbild ist und sie es liebt mir das Leben schwer zu machen, sollte ich hier noch ein bisschen mehr Erfahrung sammeln.” Ich machte eine kurze Pause. “Und bald bin ich wohl öfter hier in der Nähe, wenn alles klappt.” “Wegen der Ranch?” Ich stockte kurz. “Woher weißt du das?” War er in der Nähe gewesen als wir darüber geredet hatten?

      Travis | “Ach stimmt, von Valhalla hab ich ihn… fluchen gehört. Aber die scheint sich ja dann gut gemacht zu haben wenn du jetzt hier zum Training bist und nicht mehr zum Korrekturreiten oder sowas.”
      Wir gingen beide weiter, ehe ich kurz auflachen musste. “Na von Caleb, von wem denn sonst?” Tiara fühlte sich ertappt. Natürlich von Caleb. “Und was hälst du davon?”, fragte sie mich geradeheraus doch bekam nur ein Schulterzucken. “Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut- und auch Octavia, ihr scheint euch ja zu verstehen. Hier gibt es nicht so viele Frauen, O muss sich ständig gegen uns Kerle behaupten.”
      Tiara lachte. Sie waren nun an den Paddocks angekommen und betraten das große Offenstallzelt, in dem einige der Fohlen schon schliefen. “Eins… zwei… [...] sieben, acht [...] alle da.”
      Dasselbe machten wir auch noch beim anderen Paddock, ehe wir zu Caleb aufschlossen, der gerade den Zuchtstall fertig kontrolliert hatte. “Ab auf die Couch und den Abends ausklingen lassen!”

      Tiara | Ich musterte ihn. Ein bisschen weibliche Gesellschaft tut Caleb gut … Es hallte weiter in meinem Kopf. Was meinte Travis damit? “Ist Ylvi nicht mehr da?”, fragte ich ihn verwirrt durch seine Aussage. “Doch doch.” Ich summte nur ein hmm und sah dann in die Dämmerung und entdeckte Shark auf Anhieb. “Also ich könnte noch was starten”, lächelte ich die beiden an.
      Ich war noch nicht müde, ich hatte heute nicht viel gemacht umso mehr wollte ich jetzt noch unternehmen. “Sicher Tiara? Du wolltest doch noch Alex anrufen”, wandt Caleb ein. “Stimmt… “, sagte ich und sah auf mein Handy. In Deutschland wären es jetzt 4:13. “Ja, ne ich glaub, das muss ich morgen früh machen. Alex hört sein Handy eh nicht, wenn er schläft.” “Ja gut, ist ein bisschen früh, dann mach das morgen früh”, sagte Caleb dann. “Ist auch besser, wobei er mir schreibt, wenn Chaa es überstanden hat, aber bisher kam nichts”, ich zuckte mit den Schultern.

      Travis | Ich überlegte kurz. “Zwischen aufs Sofa werfen und fern schauen und noch was starten ist aber ein riesengroßer Unterschied.”
      “Ja ich mein halt noch was machen, wie sich nur ins Bett zu legen und zu schlafen.”
      “Okay okay, Caleb alle bei dir?”
      “Jo, alle bei mir.”
      Damit gingen wir in Richtung des Haupthauses. “Ich zieh mich noch grad um dann komm ich rüber zu euch”, sagte ich zu den beiden und verschwand zu meinem Bungalow, in dem ich mich schnell umzog und dann im Wohnzimmer wieder zu den beiden aufschloss.
      Caleb hatte sich auch ein anderes Hemd angezogen, Tiara sah ebenfalls anders aus, aufreizender, was ich nach einem Seitenblick in ihre Richtung mitbekam. Bevor sie meinen Blick bemerkte, schaute ich zur Seite und warf mich auf die Couch, auf die sich dann auch Tiara setzte. Caleb saß zu unserer Rechten auf dem Sessel und nippte an seinem Bier.

      Tiara | Ich hatte mir obenrum nur ein kurzes schwarzes Top und die passende beige Sweatjacke angezogen, dazu trug ich noch eine beige Jogginghose, die etwas weiter ausfiel, da ich sie in der Herrenabteilung gefunden hatte. ‘Angel’ stand auf dem kleinen Aufnäher, wo ursprünglich mal das Nike-Zeichen beheimatet war. Ich musste schmunzeln, wenn man mich fragen würde ob ich wirklich so ein Engel sei. Caleb wusste bereits, dass ich auch anders sein konnte und nachdem ich seit kurzen auch gepierct war, war es immer mal wieder ein kleines Rätsel, welche Unterwäsche ich am besten trug, um sie in meiner Situation als Trainer in den kleineren Klassen nicht durch mein Hemd durchscheinen zu lassen.
      “Danke Caleb, dass du auch mir ein Bier angeboten hast”, sagte ich gespielt enttäuscht und rieb mir eine imaginäre Träne vom Auge. “Ich dachte eher du willst irgendein Tussigetränk”, grinste er mich verschmitzt an und gab mir eine Flasche rüber. “Dass ich nicht ganz so sehr Tussi bin, das solltest DU ja wohl wissen”, sagte ich und zog eine Augenbraue hoch ehe ich meine Flasche öffnete und auch einen Schluck nahm. “Was ist mir dir Travis? Trinkst du nichts?”

      Travis | “Was soll das denn heißen? Dass gerade Caleb weiß, dass du nicht so eine Tussi bist?”, lachte ich, stand auf und ging einmal um den Tisch herum, um mir auch ein Bier zu schnappen. Caleb hatte sie ans andere Ende, also vor seine eigene Nase gestellt. Gut für ihn, aber alle anderen mussten aufstehen, um eins zu bekommen. Tiara hatte er zwar eins rüber gereicht, mir aber nicht.
      Auf meine Frage bekam ich weder von Tiara, noch von Caleb eine Antwort, weshalb ich mich mit dem Schweigen zufrieden gab und mich stattdessen mit einer anderen Frage an unseren Gast richtete: “Wie lange willst du eigentlich bleiben? Und hast du die Ranch drüben gekauft?”

      Tiara | Das war knapp gewesen. “Eigentlich zwei Wochen, aber ich denke ich nehm die Ranch, auch wenn es viel Arbeit ist.” “Das ist viel Arbeit, das kann ich dir sagen.” “Ach Caleb, ich schaff das schon, wenn Alex da ist, kann er mir erstmal helfen die Paddocks frei zu schneiden. Dann können wir die Pferde schon mal rüber holen und uns um die Boxen kümmern. Das Haus kann ich ja als letztes machen.”
      “Aber erstmal muss ich den Vertrag unterschreiben. Bin also noch was hier”, erzählte ich Travis und machte es mir dann bequemer in dem ich mich an die Rückenlehne der Couch anlehnte. Das Bier kam zwar nicht an das deutsche ran, aber immerhin konnte man es trinken.

      Travis | “Was soll das denn heißen? Willst du dich etwa hier einnisten, bis die Ranch drüben fertig ist?”, lachte ich und nahm einen Schluck Bier aus der Flasche, ehe ich sie wieder auf den Tisch abstellte und meinen linken Arm auf die Rückenlehne der Couch legte. Mein Arm berührte ganz leicht die Haare von Tiara.
      “Ich mein… den Platz habt ihr hier ja auf jeden Fall.. und Caleb hat gesagt ich kann hier helfen. Außerdem steht Shark ja noch hier. Bis der abgesetzt ist, kann ich noch bisschen mit ihm trainieren.”
      “Apropos…”, fing Caleb an. “Wenn du die nächsten Tage oder je nachdem Wochen Langeweile hast, darfst du dir gerne die Fohlen schnappen und das Fohlen ABC mit denen üben.”

      Tiara | “Hmm, bring mich doch dazu”, grinste ich ihn an und fuhr dann fort. “Aber ja, das kann ich gerne machen, das macht mir teilweise mehr Spaß als das Bereiten von Pferden.” “Umso besser, Dual Shaded Ace ist zwar schon was älter, aber der kann auch noch nichts.” “Wiee der kann noch nichts , Caleb, das ist enttäuschend. Du hast wertvolle Zeit verstreichen lassen”, stöhnte ich und hielt mir schauspielernd die Hand vors Gesicht. “Ich muss mich halt auch um die Großen kümmern, ich hab hier genug zu tun. Mach dich nützlich.” “Du wirst sehen, die Fohlen werden mich lieben”, zog ich die Augenbraue hoch und nahm noch ein Schluck von meinem Flaschenbier. “Reitest du eigentlich auch, Trav?”, fragte ich vorsichtig. Bisher hatte ich ihn noch nicht auf dem Pferd gesehen.

      Travis | Ich lauschte dem Gespräch zwischen Tiara und Caleb interessiert, trank zwischendurch immer mal wieder genüsslich einen kleinen Schluck aus meiner Flasche.
      Verlegen zuckte ich mit den Schultern, als Tiara mich fragte, ob ich reiten könne. “Deine Frage muss ich leider klar verneinen. Ich hab zwar schon mal draufgesessen aber reiten kann man das beim besten Willen nicht nennen.. ich kann Pferde führen und putzen, füttern und Boxen misten und das wars dann auch schon. Aber… Murhpy hat angefangen zu reiten, bekommt ab und an Unterricht von Caleb. Vielleicht sollte ich das auch mal in Angriff nehmen?”
      “Ich hab schon für Murphy kaum Zeit.. aber vielleicht schnappen du und Tiara euch morgen einfach eins der ruhigen Pferde und sie zeigt dir ein bisschen was?”

      Tiara | Du kannst mehr im Umgang als so mancher Reitschüler im Stall meiner Freundin”, grinste ich und nickte dann eifrig, als Caleb mich fragte. “Klar gerne! Das kriegen wir hin. Du musst mir nur sagen, welche die ruhigen Pferde sind”, sagte ich und stellte die Leere Flasche weg um mich dann etwas schwungvoller wieder auf meinen Platz fallen zu lassen. Mir war Travis Arm gar nicht aufgefallen, bis ich ihn grade etwas unsanft an meinem Kopf spürte. “Sorry Trav”, mit großen Augen sah ich ihn an. Mir tat es echt leid, manchmal war ich zu tollpatschig. “Soll ich den weg holen?”, fragte er etwas verunsichert, als ich mir den Kopf rieb. “Nein, ist schon okey.”

      Travis | “Der liebste von allen ist unser Hengst Blue. Der arme Kerl wird immer als Schulpferd missbraucht. Betsy lernt auch auf ihm, ebenso wie Murphy. Ansonst nehm Alan oder A Walking Honor”, antwortete Caleb und Tiara nickte. Der blonde Cowboy stand schließlich auf, streckte sich einmal und verabschiedete sich dann ins Bett.
      Nun saßen Tiara und ich alleine im Wohnzimmer. Toll, danke Caleb. “Und was machen wir zwei Hübschen jetzt noch?”

      Tiara | “Erzähl mal was über dich. Du weißt mehr über mich als ich über dich. Ich mein, du weißt, dass ich aus Deutschland komme und die Nachbarranch kaufen will.”
      “Hält dich denn nichts mehr in Deutschland? So gar nichts? Freunde oder Familie?” “Klar werde ich meine Freunde vermissen, aber ich bin sowieso die meiste Zeit bei den Pferden und hier hab ich meinen Trainer in direkter Nähe. Mit meinen Eltern hab ichs mir verkracht und der einzige der noch zu mir steht ist Alex.”
      “Und Alex ist wer? Du redest so viel von ihm?”, er war neugierig, nur völlig auf dem falschen Pfad, was Alex betraf. “Alex ist nur unser Praktikant, der ist auch bald zuende mit dem Praktikum, aber er ist gut. Er macht gute Fotos und kann inzwischen die Pferde versorgen, ohne dass ich Angst haben muss, dass sie zu wenig oder zu viel bekommen. Und jetzt erzähl mal was von dir.” Ich drehte mich mit angewinkelten Beinen zu ihm und hörte aufmerksam zu.

      Travis | Ich hörte ihr zu, stellte ein paar Fragen. Als sie fertig mit erzählen war, sollte ich ihr etwas über mich erzählen, was die Stimmung schlagartig kippen ließ. “Hmm”, murmelte ich und schwieg dann wieder, ehe ich ein paar Mal ansetzte, dann jedoch wieder verstummte. “Ich arbeite schon eine ganze Weile hier auf der Ranch. Familie hab ich nicht mehr, meine Freunde haben sich damals abgewandt, als ich einen anderen Weg eingeschlagen habe… was soll dir ein einfacher Stallbursche schon groß von seinem Leben erzählen?”, ich kratzte mich am Kopf und zuckte dann lächelnd die Schultern. “Ich mach hier meinen Job, verdiene Geld und bin unter netten Leuten.”
      Tiara nickte, schien sich aber noch nicht mit dieser Antwort zufrieden zu geben. “Wieso haben sich deine Freunde von dir abgewandt?”
      Mein Blick änderte sich, ich schaute sie nicht mehr ganz so freundlich an. “Das ist eine Sache, die ich nicht einfach ausplaudere.” Damit war das Thema für mich gegessen, mehr Antwort würde sie nicht bekommen. Ich nahm meinen Arm derweil von der Rückenlehne, stand auf und sammelte die leeren Flaschen ein, ehe ich sie in die leere Kiste brachte. “Ich glaub ich hau mich aufs Ohr, muss ja rüber zu meinem Bungalow laufen… gute Nacht.” Damit verabschiedete ich mich und ließ eine wohl leicht verdutzte Tiara zurück.

      Tiara | Okey… das nenn ich mal Abgang. “Gute Nacht”, flüsterte ich kaum hörbar und sah ihm verwundert nach. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet, er hätte zumindest mal warten können, so musste ich nun alleine im Schein des Mondes durch die Dunkelheit zu meinem Zimmer laufen. Ich legte mich auch ziemlich schnell aufs Ohr und versuchte nicht so viel über die vorige Situation nach zu denken.
      Am Morgen wurde ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen und sah auf die Uhr. 5:24 Uhr. Ich konnte Alex anrufen. Beep...Beep… “Alex?” “Hey Titi, Chaa geht es den Umständen entsprechend gut. Es wurde nichts wichtiges getroffen, ganz so, als sei der Holzblock an den Organen vorbei geschlängelt."" Alex, danke… Danke für alles. Du bist einfach der Beste. " dann hieß es für mich auch schon ab zum Frühstück.

      Caleb | “Oh guten Morgen Tiara!”, sagte ich freundlich und zeigte auf einen der leeren Stühle. Bisher waren wir alleine am Frühstückstisch. “Hast du gut geschlafen?”
      “Geschlafen ja, allerdings nicht viel.. ich musste auch erstmal mein Zimmer wiederfinden.” Ich horchte auf, sah sie fragend an. “Hm?”
      “Na Travis hat mich einfach sitzen lassen.”
      “Wieso das denn?”
      “Hab ihn einfach nur gefragt, ob er mir was über sich erzählt, er weiß durch dich so viel von mir. Dann ist er komisch geworden und gegangen.”
      “Hmmm”, es stand mir nicht zu, ihr etwas über Travs Vergangenheit zu erzählen. “Gestern war für ihn ein langer Tag, nimm es ihm nicht übel. Wenn er dir etwas erzählen will, warte bis er von sich aus anfängt, dräng ihn nicht.”
      “Caleb was soll das denn nun schon wieder heißen?”
      Ich seufzte. “Du weißt dass Bellamy und Octavia aus dem Gefängnis kommen, oder? Sie sind nicht die Einzigen von dort. Mehr steht mir nicht zu, dir zu erzählen.” Jetzt hatte ich Tiara wohl vollends verwirrt.

      Tiara | Gefängnis…? Was? "Öhm, ne das wusste ich jetzt nicht", sagte ich verwirrt und sah mit großen Augen auf den Tisch. Das würde aber erklären, wieso er so komisch wurde bei dem gestrigen Gespräch. "Aber Caleb, das ist jetzt an sich doch nichts schlimmes. Ich mein, ich hab ihn jetzt kennen gelernt und nicht vorher. Er scheint mir jetzt ein Vernünftiger Mann zu sein?"
      "Das ist er auch, Tiara. Wir reden wann anders darüber", schnitt er das Gespräch ab und deutete auf die Tür, wo gerade O und Travis reinkamen. Ich sah kurz zu Travis, nickte ihm freundlich grüßend zu und sah dann wieder zu Caleb.

      Travis | Auch ich nickte Tiara zu, grüßte Caleb und setzte mich an den Tisch. Das Frühstück verlief wie immer. Wir sprachen viel über die Arbeit, ehe Caleb mich daran erinnerte, dass ich an meine Reitstunde gleich mit Tiara denken solle. “Ich vergess das schon nicht, Boss”, murmelte ich und schaute dann zu Tiara. “Wenn du fertig bist können wir von mir aus los. Blue steht im Hengststall in seiner Box.”

      Tiara | Stumm nickte ich ihm zu und aß die letzten Bissen meines Frühstücks. “Wir können”, gab ich Travis bescheid und stand auf um mein Geschirr weg zu bringen. Travis folgte mir um dann an mir vorbei zwischen den Trucks zu verschwinden. Als ich ihn ein paar Meter fand, konnte ich die Anspannung von seiner Seite aus spüren. “Hey, es tut mir leid. Mir tut es leid, dass ich gestern nach deiner Vergangenheit gefragt hab. Ich hätte nicht nachhaken dürfen und es tut mir leid. Können wir jetzt ganz normal weiter machen? Es liegt mir nämlich sonst im Magen...”

      Travis | Ich schwieg sie eine Weile an, ehe ich antworte: “Ach was alles gut, es war für mich ein langer Tag und ja..” Damit war das Thema für mich gegessen.
      Im Stall angekommen putzten und sattelten wir Blue weitgehend schweigend, ehe wir gemeinsam in die Halle gingen. Ich gurtete nach, stellte die Steigbügel auf meine Länge ein und sah dann zu Tiara. “Also satteln kannst du ja, das muss ich dir schon mal lassen.”
      “Klar, das mach ich ja auch oft. Aber reiten kann ich nicht… geh ich zu erst drauf oder du?”
      “Ich würde den ein paar Runden reiten, dann tauschen wir”, antwortete sie mir, machte die Bügel ein paar Löcher kürzer und stieg auf. Blue, artig wie er es gelernt hatte, wartete so lange auf der Stelle, bis sie die Zügel aufgenommen und das Kommando zum Losgehen gab.

      Tiara | Blue war nicht nur ein ‘ruhiges’ Pferd,nein, er war ein Lehrmeister. Ein richtig guter dabei. Ich nahm die Zügel einen Hauch auf und gab ihm eine Hilfe zum losgehen. Ich legte viel Wert auf ordentliches Warm reiten und deshalb ritt ich mit ihm einige Bahnfiguren im Schritt, ehe ich ihn auf dem Zirkel vermehrt traben ließ. Danach ritt ich noch eine ganze Bahn im Galopp ehe ich zu Travis ritt und einen Meter weiter Abstieg. Blue kaute derweil auf dem Gebiss rum und wartete geduldig darauf, dass Travis aufstieg. “So ich hab ihn jetzt ein bisschen warm gemacht, was kannst du denn schon? Oder fangen wir am besten im Schritt an?” Fragte ich ihn nochmal, nachdem er aufgestiegen war.

      Travis | Die Reitstunde war ein voller Erfolg gewesen. Tiara war eine gute Lehrerin. Die Stunde hatte wirklich Spaß gemacht und ich war mich sicher, dass ich einiges daraus mitnehmen würde.
      Am Abend saßen wir gemeinsam am Esstisch und unterhielten uns über belanglose Dinge, ehe Caleb Tiara nun die Fragen aller Fragen stellte. “Kaufst du die Ranch nebenan nun?”
      Tiara schien eine kurze Zeit zu überlegen, dann legte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. “Und wie ich die kaufe. Aber ich brauch da wirklich eure Hilfe…”
      “Kein Problem, die bekommst du!” Auf dieses freudige Ereignis stießen wir erst einmal gemeinsam an- und auch darauf, dass es ihrem Pferd Chaa wieder besser zu gehen schien.
      Fohlenweide: BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace
      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Chic‘ N Shine, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Special Luna Zip, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress
      Trainingsstall: Abandon all Hope, Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, A Walking Honor, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, GRH’s Unbroken Magic, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Snapper Little Lena, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Four Bar Chocolate Becks, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Heza Bat Man, How ‚Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude
      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death
      Zuchtstuten: Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil
      Sommerweide: Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Peacful Redemption, Wildfire xx
      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, Heretci Anthem, General’s Coming Home, Chocolate Shades, Raised from Hell, Citizen Fang, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

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      Eine Woche zuvor
      Caleb
      Wenn ich sagen würde, ich wäre schon eine ganze Weile auf den Beinen, wäre das mit Sicherheit gelogen; aber ich war… schon eine ganze Weile auf den Beinen.
      Ich stand am Fenster meines Schlafzimmers und ließ den Blick über den Hof schweifen. Schon einige Zeit dachte ich über eine kleine Feier im Haupthaus nach. Keine Feier im eigentlichen Sinne, einfach einen Abend, an dem wir gemütlich zusammensitzen und das bisherige Leben Revue passieren ließen; natürlich bei gutem Essen und für die Erwachsenen mit Alkohol.
      Klar, wir saßen zum gemeinsamen Frühstück auch das ein oder andere Mal zusammen, aber dort besprachen wir immer nur den Tagesablauf und fokussierten uns aufs Geschäft, auch wenn nicht immer alle Mitarbeiter am Frühstück teilnahmen. In letzter Zeit hatten sich Dell und Betsy immer öfter ausgeklinkt, was aber daran lag, dass Dell weniger Arbeit auf dem Hof und somit mehr Zeit am Morgen für seine Tochter hatte.
      Da so gut wie kein Pferd momentan in der Box stand fiel das Misten am Morgen fast gänzlich weg- dies würde sich zum Winter hin leider jedoch wieder ändern.
      Mein morgendlicher Gang führte mich nach der Dusche nur kurz in die Küche. Dort schnappte ich mir meinen Thermobecher Kaffee, dieser war größer als jede Tasse, die im Schrank stand, und ging ins Büro. Es wartete heute wieder einiges an Papierkram auf mich und wenn ich den morgigen Tag freimachen wollte, musste ich das heute erledigen.

      Ylvi
      Ich genoss die sanfte kühle die von meiner Hand in meine Stirn überging. Während gleichzeitig mir heiß und kalt wurde. Ganz zu schweigen von dem fiesen Ziehen im unteren Rücken.
      Daher zuckte ich völlig zusammen als sich die Tür zum Büro schwungvoll öffnete. Orientierungslos sah ich Caleb den Raum betreten, seinen großen Becher Kaffee in der Hand. “Oooh Kaffee!” seufzte ich hoffnungsvoll. Denn die Motivation aufzustehen. Die war ziemlich gering. “Es steht noch welcher in der Kaffeemaschine, sogar warm!” berichtet er mir. Während mein Hirn Sauer auf seine offensichtliche gute Laune war. Ich hingegen schwankte irgendwo zwischen Heulen und Aggression. Was der Knoten in meiner Gebärmutter, aber nur zum Anlass nahm um sich ein kleines Stück mehr zusammenzuziehen. Nur knapp unterdrückte ich mein Stöhnen. Ich brauchte dringend eine Schmerztablette um diesen Tag zu überleben. Nicht das ich meine Periode ohnehin schon verfluchte. Manchmal extrem Schmerzhaft, manchmal kam sie ewig nicht. Man mochte vielleicht den Unfall als Kind und die damit einhergehende Verletzung meines Unterleibes dafür verantwortlich machen. Aber auch andere Frauen litten unter Mens-Schmerzen.
      “Puh, ich würd so gern zuschlagen. Aber den Schluck gönn ich wem anders. Schmerztabletten und Kaffee sollen sich nicht so gut machen.”

      Caleb
      Schmerztablette? Ich horchte auf. “Schmerztablette?”, fragte ich sie dann. “Was hast du?” Am heutigen Morgen war ich wohl ausnahmsweise wirklich in Plauderlaune, weshalb ich sie auch einfach gerade heraus gefragt hatte.
      “Frauenprobleme”, bekam ich als knappe Antwort. Dann würde ich sie wohl lieber mal nicht zu viel nerven, dachte ich und stand auf, um den Raum kurz und schweigsam zu verlassen. Als ich wiederkam, hatte ich eine Flasche Wasser in der Hand und reichte sie Ylvi. “Wäre zwar nicht nötig gewesen, aber danke.” Beim Zurückgehen zum Schreibtisch sah ich ihre Flaschensammlung neben dem Schreibtisch. Sie hatte sich dort einen kleinen Vorrat hingestellt, um nicht immer zum anderen Haus laufen zu müssen. Idiot- dachte ich und setzte mich wieder schweigend auf meinen Platz.
      “Was macht… die Instagram-Seite? Haben wir mehr Follower bekommen, seit du auch das Training mit HMJ Saintly postest?”

      Ylvi
      Ich gab es natürlich nicht direkt zu, aber mir den Weg hinüber ins Haus sparen zu können war goldwert. Ich steckte mir die Pille zwischen die Lippen, nippte und schluckte. Und trank noch zwei weitere Schlucke um sie nicht in der Speiseröhre zu spüren. Dann erst konnte ich mich der Frage von Caleb widmen. Ich winkte ab. “Ach frag bloß nicht. Die Follower kommen, es gehen nur wenige. Schaut man sich die Statistiken an sind es viele weibliche Follower, dabei ich das Alter von 16-45 wirklich alles vertreten. Allerdings kommen so viele Anfragen an Nachrichten. Ich könnt quasi hier übernachten und nur diese beantworten. Ich musste auch die Mail von unserer Website nehmen. Wir wurden mit Spam und sinnfreien E-Mails BOMBARDIERT. Aktuell versuch ich der Lage da ein wenig Herr zu werden.” antwortete ich wahrheitsgemäß. Es machte mir Spaß. Wir hatten einige tolle Beiträge über die letzten Wochen schreiben können. Diese Fragenflut war dann aber doch ein wenig anstrengend. “Außerdem wird immer wieder gefragt ob wir nicht mal einen Live-Stream veranstalten könnten.” Das hatte Caleb bisher abgelehnt. Ich selbst hatte einige bereits gemacht, die Leute so virtuell über die Ranch geführt. Aber Caleb hatte sich bisher noch ein wenig gesträubt sich vor die das Smartphone zu hocken. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Es war schon seltsam nicht in real mit anderen Menschen zu sprechen.

      Caleb
      Ich musste kurz lachen. “Viele weibliche Follower? Vor allem… was wollen die sechzehnjährigen? Ich hoffe du postet keine Bilder wo ich und die anderen Jungs oberkörperfrei herumlaufen.” Ylvi stimmte kurz in mein Lachen ein, gab mir aber keine Antwort, die das Gegenteil bezeugte, pah!
      “Was meinst du mit Spam und sinnfreien Anfragen?”, ich überlegte… mir fiel aber tatsächlich nicht wirklich etwas ein, was Fremde uns an sinnlosen Anfragen schicken sollten. Ylvi würde da jedoch gleich Licht ins Dunkle bringen.
      “Vielleicht kann ich mich ja doch irgendwann mit dem Gedanken anfreunden, mal so einen Livestream zu machen. Ich meine wenn das von so vielen gewünscht wird?” An meinem Bildschirm öffnete ich still und heimlich Instagram, wollte mir mal anschauen, was Ylvi dort so postete. Doch ohne Benutzerkonto kam ich nicht rein. Ich schmollte kurz, überlegte und fragte sie dann doch, ob sie mir nicht an ihrem Handy die letzten Beiträge zeigen könnte.

      Ylvi
      Mit seinem Bürostuhl rückte er ein wenig zur Seite als ich mich erhob um ihm alles zu zeigen. Ich scrollte mit ihm einige Zeit durch den Feed. Zeigte ihm die Vorstellung einiger Mitarbeiter mit einem kleinen Bild in den Highlights. Neugieriger als ich es für möglich hielt wollte er sogar ein paar der Nachrichten lesen. “Meinetwegen kannst du auch ein paar Beantworten.” sagte ich leise lachend.
      Ich überließ ihm also mein Handy, denn die halb hockende, halb stehende Position neben dem Tisch war irgendwie ziemlich unbequem. Also kehrte ich zurück an den Schreibtisch. Langsam spürte ich auch wie die Tablette wirkte, das Zittern in meinem Körper fand endlich ein Ende. Meine Konzentration konnte so wieder auf die Probleme vor mir gerichtet werden. Ich hatte schließlich noch andere Arbeit vor mir!
      Tschetan und Kaya würden demnächst aus der Schule kommen. Wir hatten im Gespräch mit der Schule und den Kids direkt das Home Schooling schließlich aufgegeben. Stattdessen hatten wir uns eingesetzt das ein Schulbus die Kids abholte und auch wieder zurück brachte. Caleb hatte uns zur Förderung sogar Geld der Ranch zur Verfügung gestellt. Das hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Aber er hatte nur abfällig lächelnd gesagt er könne schließlich nicht verantworten das seine besten Mitarbeiter ständig im Auto hockten um die Kinder wegzubringen. Damit hatte er mich völlig übergangen und Louis und Dell zugezwinkert. Manchmal war er eben ein rechter Schelm. Ich lugte über den Bildschirmrand zu Caleb. Ausnahmsweise sah man sein Gesicht, da er drinnen keinen Hut trug.
      Sein Gesicht war aschfahl, die Augen auf mein Handy gerichtet. Seine Ohren schienen zu leuchten. “Na? Da wird sogar ein Cowboy rot bei solchen Sachen.” scherzte ich.
      Caleb
      So viele, unfassbar tolle Kommentare unter den Fotos! Ich war begeistert, scrollte mich von oben bis unten durch und beantwortete einige der Fragen. Auf die Frage, wann es denn endlich mal einen Livestream mit dem Kopf der Ranch geben würde, antwortete ich ein paar Mal: Bald. Liebe Grüße, Caleb
      Noch während ich mich weiter durch laß, ploppten unten immer mehr Herzen auf. Ich klickte also darauf und wurde immer wieder zu meinem Kommentar zum Livestream zurückgeleitet. “Ylvi ich komm hier immer wieder zurück…”, sagte ich ein wenig verzweifelt zu ihr, stand auf und ging zu ihr rüber. Sie zeigte mir kurz, was das Problem war. Also setzte ich mich wieder auf meinen Stuhl und beantwortete munter Fragen. Das könnte ich den ganzen Tag lang machen!
      Bald fiel mir oben rechts ein Pfeil auf, auf dem eine rote Zahl stand- und keine Kleine. Ich drückte drauf und kam wohl zu den Privaten Nachrichten. “Darf ich die durchlesen?”
      “Klar”, kam es vom anderen Schreibtisch.
      Also las ich ein paar der Nachrichten, antwortete kurz- natürlich gab ich mich immer als… ich zu erkennen, denn bisher hatten die Personen ja immer nur mit Ylvi geschrieben. Ich dachte schon das wären viele, aber als ich auf ‘Nachrichtenanfragen’ klickte, wurde ich quasi von Texten erschlagen. Ich klickte ein paar an, verzog ein paar Mal schüttelnd den Kopf- bis ich zu einer Nachricht einer offensichtlich minderjährigen, jungen Dame kam, die uns ein paar… Nacktfotos geschickt hatte. ‘Sweet Dreams’ stand mit einem Kusssmiley darunter.
      Ich starrte den kleinen Bildschirm an, sagte nichts. Blickte dann zu Ylvi hoch, drehte den Bildschirm, damit sie wusste, was ich meinte. “Bekommen wir viele solcher Nachrichten?!”
      “Ja. Was meinst du denn, was ich mit sinnlosen Nachrichten gemeint habe…”
      “Ich mein.. wie alt ist sie? 14? Oh mein Gott…” Ich stand auf und drückte Ylvi ihr Handy wieder in die Hand.
      “Sind es nur Bilder von Mädchen oder auch von Jungs?”

      Ylvi
      Die Zeiten in denen ich rot geworden wäre waren längst vorbei. Ich zuckte also mit den Schultern. “Natürlich auch Jungs...Männer. Einige sind an mich gerichtet andere auch durchaus an die Männer der Ranch. Ich blockiere die Profile meistens, reagiere nicht auf die Nachrichten. Hätte niemals gedacht ,dass ein Profil das über das Leben hier auf der Ranch aus ist - solcherlei Nachrichten erhält”
      “Sollten wir in dem Stream erwähnen ...naja dass solche Sachen nicht gewünscht sind?” ich winkte ab. “Das wird die ganze Sache womöglich nur anstacheln. Aber ich habe da die Idee vielleicht einfach nochmal Aufmerksam darauf zu machen - was wir im Internet veröffentlichen verbleibt dort oft für Jahre. Das viel schlechtes mit Bildern im allgemeinen angestellt werden kann. Aber die passenden Worte dazu sind mir noch nicht gekommen.”
      “Die Idee ist gut….mit dem Schreiben kann ich dir allerdings wenig helfen fürchte ich. Nicht mein Fachgebiet.” damit deutete er auf den Bildschirm seines PC’s an dem er sicherlich einige E-Mails zu verfassen hatte. Zumindest hatten wir in den vergangenen Wochen die Zettelwirtschaft von Bellamy beseitigen können. Ordnung in einige der Prozesse gebracht und endlich einen ausgereiften Businessplan.
      Caleb hatte sich sogar damit anfreunden können, einige der Arbeitspläne und Aufgaben auf meinem alten Tablet zu organisieren. Ein geteilter Kalender. Eine Art Planner-App in der Aufgaben zugewiesen werden konnten. Bestanden zu einzelnen Prozessen Fragen konnte noch immer zum Telefon gegriffen werden. Caleb gab es nicht zu. Aber ich spürte zusehends wie ihm meine Hilfe mit der Digitalisierung gefiel. Vor allem hatten wir unseren einstigen Flow wieder gefunden. Als würde der Funke der Freundschaft wieder beginnen zu erstarken. Diese Entwicklung machte mich zusehends glücklicher. Die Liebe die ich in meinem Herzen noch immer für ihn empfand machte mir ein zusammensein mit ihm aber auch schwer. Wie konnte es sein? Das mein Herz sich gleichermaßen an zwei unterschiedliche und doch so gleiche Männer gehangen hatte. "Was meinst du? Heute Abend nach dem Essen drüben im Kaminzimmer der LiveStream?"

      Caleb
      Ich war ein wenig überfahren von Ylvis Aussage. Stimmte dem aber sofort zu, dass wir darauf aufmerksam machen mussten, dass Fotos und auch Beiträge über Jahre hinweg im Internet verweilten.
      “Heute Abend schon der Stream?”, ich zuckte die Schultern. “Warum nicht, dann hab ich's hinter mir.”
      “Caleb so schlimm wird es schon nicht sein. Zieh dir was nettes an und sei einfach du selbst, dann klappt das.”
      “Also soll ich, wie immer, mürrisch und schlecht gelaunt sein.”
      Ylvi klatschte sich mit der Hand an die Stirn. Sah mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Doch als ich grinste, stieg sie in mein Grinsen ein und wandte sich wieder ihren Aufgaben zu. Das Handy gab ich ihr zurück, ehe auch ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm lenkte. Bis zum Stream hatte ich noch ein paar Stunden Zeit, so dass ich noch eine halbe Stunde hier im Büro verbringen, dann aber nach draußen zu den Pferden gehen wollte.
      Die halbe Stunde neigte sich gerade dem Ende zu, da betrat Dell das Büro, nickte Ylvi kurz zu und setzte sich auf den Stuhl, der mir gegenüber. Auffordernd sah ich ihn an, doch er sagte zunächst kein Wort. Ich wusste schon, was er wollte. Zumindest konnte ich es ahnen- Zeit mit seiner Tochter.
      “Ich äh.. wollte fragen, ob du mir heute Abend frei geben kannst?”, rückte er dann doch mit der Sprache heraus.
      Wirkte ich wirklich so angsteinflößend auf meine Mitmenschen?
      “Ich würde gerne mit ihr zusammen in die Stadt gehen, Betsy will unbedingt einmal in dieses All you can eat Sushi Restaurant und danach würden wir noch ins Kino gehen.. ich brauch nur jemanden, der meine Fütterung und die Boxen übernimmt.”
      “Wie viele Boxen hast du?”
      “20 sind es im Moment misten und füttern. Es sind aber nicht alle Pferde im Stall, ein paar bleiben draußen.”
      Ich überlegte kurz. “Ylvi was meinst du wie lange brauchen wir, bis wir den Stream am Laufen haben?”
      Ylvi runzelte schon wieder die Stirn. Scheinbar hatte ich ihr wieder eine meiner technisch dämlichen Fragen gestellt.
      “Wir gehen da hin wo wir gutes Internet haben und ich drücke auf diesen Knopf, das wars.”
      “Können wir dann nicht im Stall anfangen? Dann kann ich neben dem Misten was sinnvolles tun und wenn ich keine Antwort parat hab, schwenkst du einfach auf dich um. Dann sehen die Menschen auch sofort was von der Ranch und der Arbeit.”

      Ylvi
      In Anbetracht vom kommenden Herbst. Der nasskälte die draußen auf mich wartete. War ich nicht ganz überzeugt. Sinn machte die ganze Sache aber schon. "Klar, ich denke das macht einen guten Eindruck. Außerdem sehen die Leute dann auch das du nicht einen auf Boss und Rich Kid machst, sondern auch in die tägliche Arbeit involviert bist."
      "Der Arbeitsbulle quasi" dabei warf er sich in die Brust. Dell sah ein wenig wirr von mir zu Caleb und wieder zurück. Der wusste natürlich nicht ganz worum es ging. "Hab ich jetzt also frei?" fragte er daher fast ein wenig unterwürfig. "Na klar." nahm ich Caleb die Antwort vorweg, streckte ihm seitlich die Zunge heraus als er seine Position veränderte. Theatralisch warf er die Hände in die Luft. "Gut, da man mich nicht zu brauchen scheint. Caleb verlässt das Büro!" damit erhob er sich tatsächlich. Dell hingegen blieb noch sitzen. "Betsy hat außerdem gefragt ob nicht Kaya auch dabei sein dürfte. Ich denke Louis wird später noch bei dir vorbeischauen um das ganze abzusprechen. Nur das du schon Bescheid weißt." "Danke , Dell."
      Damit verließ auch er das Büro.
      Da ich mich nicht wirklich auf meine Arbeit konzentrieren konnte, schaltete ich das MacBook aus. Schloss die Tür hinter mir. Nur um mich draußen auf die Suche nach meinem Mann zu begeben. Was auf einer Ranch der Größenordnung gar keine leichte Aufgabe war. Mir begegnete tatsächlich eher zweimal Murphy. O' war es schließlich die meinte ihn das letzte Mal in Richtung des Reining Platzes laufen gesehen zu haben. Dort begegnete er mir dann tatsächlich. Er arbeitete gerade mit einem jungen Rappquarter, den Nachbarn hier zum Training abgeliefert hatten. Da er noch in seine Arbeit vertieft schien. Wartete ich. Aber wie immer, bewies er seinen sechsten Sinn für Dinge, nur kurze Zeit später wandte sich sein lächelndes Gesicht auf mich. Mit dem Pferd am Strick kam er zu mir herüber, strich mir über den Scheitel. "Du siehst müde aus." ich winkte ab, er wusste welche Zeit des Monats war. Und auch wenn nicht mehr so streng, wie seine Vorfahren. So hielt er sich von mir als menstruierende Frau fern. Es war noch immer seltsam würde es wohl auf ewig bleiben. Zum Anfang hatte ich dieses Verhalten nicht verstanden. Er schlief dann auf der Couch. Ich hatte erst Lilly danach Fragen müssen. Das war - wie so vieles eines der Dinge die ihn so traditionell machten. "Caleb hat mir vorhin schon eine Schmerztablette besorgt" eine seiner Augenbrauen hob sich leicht. "Hat er das?" "Eifersüchtig?" sprach ich halb im Scherz. Den undurchdringlichen Blick vermochte ich nicht zu durchschauen. "Dell hat die Kids und mich eingeladen zum Sushi essen...und ins Kino. Ich habe dran gedacht ihn zu begleiten." Natürlich hatte er daran gedacht. Ich lächelte milde "Das wird bestimmt klasse. Auch wenn ich neidisch auf das Sushi werden könnte." "Sollen wir was mitbringen?"
      "Gute Idee."
      "Ich weiß." Über den Zaun hinweg, gab er mir einen leichten Kuss auf die Stirn, ehe seine Arbeit ihn wieder einspannte.

      Caleb
      Mein Weg führte mich sofort in den Stall, in dem ich mich umsah und mich mal wieder in einem riesigen Chaos befand. Wie lange hatte ich diesen Stall hier nicht mehr betreten? Drei Tage? Vier Tage?
      Es sah aus wie Kraut und Rüben… also fing ich zunächst einmal an, alle Utensilien wie Mistgabeln, Beulengabeln und Besen wieder an ihren Platz zu hängen. Ich leerte die Schubkarre auf dem Misthaufen und stellte sie schon einmal in die erste von zwanzig Boxen. Bevor ich jedoch mit dem Misten anfangen wollte, portionierte ich das Kraftfutter in die dafür vorgesehenen, mit Namen beschrifteten Eimer. Die Internetmenschen mussten nicht sehen, was die Pferde zu fressen bekamen.
      Dann fing ich mit dem Misten an, bis mir auffiel, dass ich vorher vielleicht noch etwas essen gehen könnte- wer wusste schon, wie lange der Stream dauern würde? Nach einem Blick auf die Uhr war ich mir auch sicher, dass das Essen bereits auf dem Tisch stand.
      In der Küche traf ich auf Bellamy und O die sich angeregt über das nächste Galopprennen unterhielten. “Willst du Pria nicht aus dem Sport holen?”, fragte ich O während ich mich setzte.
      “Doch. Aber ich hab ja noch andere Pferde. Clyde und Wildfire könnten mehr laufen, ebenso Tigres und Drama… aber nicht mehr dieses Jahr. Ich trainier die auf für eine letzte Saison und dann nehm ich sie alle aus dem Galopprennsport raus.”
      “Ach was?”
      “Ja, ich will mit denen allen in Richtung Vielseitigkeit, das macht mir mehr Spaß. Außerdem.. außer Pria ist keines der Pferde wirklich gut darin. Warum also nicht etwas anderes probieren?”
      Ich zuckte mit den Schultern, setzte mich auf meinen Platz am Kopf des Tisches und schaufelte mir etwas vom Eintopf auf den Teller. Dazu gab es Brötchen, die ich kleinriss und ebenfalls auf den Teller legte. Mit dem Löffel tunkte ich sie in den Eintopf, so dass sie sich richtig schön vollsaugten.
      Das Essen verlief ruhig, es gesellten sich noch ein paar Mitarbeiter dazu. Ich war mir nicht sicher, ob Ylvi auch dazustoßen würde. Normalerweise aß sie mit Louis und den Kindern zusammen drüben. Aber da die drei gleich wegfahren würden, würde sie uns vielleicht noch Gesellschaft leisten.

      Ylvi
      Ich sprang vor der Terrasse auf und ab um den Matsch ein wenig von den Füßen zu bekommen. Auf den Abend hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Ich entledigte mich im Flur schließlich meiner feuchten Jacke. Sowie dem Filzhut der mir meine Frisur platt gedrückt hatte. Bevor ich an einen LiveStream denken konnte, verlangte mein Magen nun vehemmend nach Essen. Gerade da die Düfte aus der Küche ein erneutes Knurren auslösten. Mein Frühstück war nicht sonderlich üppig ausgefallen.
      Mit dem Betreten der Küche hoben sich vereinzelte Blicke, die sich anschließend dem Eintopf widmeten. Zielstrebig ging ich auf meinen Platz direkt neben Caleb zu. Seltsam war es schon. Ich wohnte bereits fast ein Jahr gemeinsam mit Louis. Essen taten wir meistens mit den Kindern. Aber der Platz blieb dennoch oft frei. War es aus reiner Gewohnheit. Oder teilten mir die Mitarbeiter unbewusst mit an wessen Seite ich hätte besser bleiben sollen? Natürlich waren diese Gedanken idiotisch. Das ganze konnte ich einfach der Gefühlsduselei meiner Periode zu schreiben. Was in meinem Kopf nur wieder los war. Dankend nahm ich von Bellamy einen Teller Eintopf entgegen. Begierig nahm ich mir auch eines der Brötchen. Die Haushälterin war Dolores, kurz von allen Dolly genannt, einzustellen war auch eine der Neuerungen gewesen. Sie kümmerte sich liebevoll um die Ordnung in den Häusern der Mitarbeiter, der Ferienhäuser und dem Haupthaus. Versorgte alle mit genug Essen. Machte Erledigungen in der Stadt. Sie hatte über den Sommer sogar begonnen einen kleinen Gemüsegarten neben dem Haus anzulegen. Die 53 jährige wohnte ebenfalls in einem der kleinen Bungalows. Sie konnte vor allem hervorragend Kochen. Was die Anzahl der Mitarbeiter die nicht mehr nur allein für sich kochten doch deutlich erhöht hatte. Noch fanden alle knapp in der Küche Platz. Genüsslich nahm ich zwei Bissen vom Eintopf. Anschließend sah ich zu Caleb. “Bereit für den Stream?” sprach ich mit gedämpfter Stimme. Murphy und O’ unterhielten sich zwei Plätze weiter. Angeregtes Stimmengewirr erfüllte die Küche.

      Caleb & Ylvi
      Caleb stopfte sich gerade das letzte Stückchen des Brötchens in den Mund, trank den letzten Schluck aus seinem Glas und sah dann zu Ylvi auf. “So langsam werde ich irgendwie doch nervös”, gestand er ihr wahrheitsgetreu und kratzte sich kurz am Kopf. “Kannst du den Stream gleich anfangen und irgendwann erst auf mich umschwenken?”
      Zunächst antwortete die junge Frau nichts, stand lediglich auf und ging in den Flur, in den ihr Caleb folgte. Sie zogen sich an, Caleb setzte seinen Hut auf den Kopf und gemeinsam gingen sie in Richtung des Stalles, in dem Caleb bisher noch nicht wirklich viel erledigt hatte.
      “Ich kann von mir aus anfangen”, antwortete Ylvi ihm dann, während sie ihr Handy zückte und Caleb sich daran gab, die Box auszumisten. Um die Hände frei zu haben friemelte die junge Frau aus ihrer Jackentasche ein kleines Stativ. Welches ihr ermöglichte ihr Handy anzubringen an die Stäbe der Box. Anschließend öffnete sie Instagram, wechselte vom privaten Account auf den der Ranch. Der Stream musste sich ein wenig herumgesprochen haben. Am Nachmittag hatte sie in der Story eine kleine Ankündigung gemacht. Es dauerte nur wenige Sekunden da kamen bereits die ersten Besucher. Es flogen die Herzchen und von überall aus der Welt kamen Grüße. “Willkommen zum ersten Livestream der Bow River Ranch mit dem Boss des ganzen Ladens. Hier im Hintergrund: Caleb O’Dell! Sag hallo Caleb!” Ylvi trat ein wenig zur Seite. Gab jetzt dem Auditorium freie Sicht auf Caleb, der in seiner üblichen Manier, eine Hand zum Gruß an den Cowboyhut nahm. Klischee dachte Ylvi sich bei seinem Move. Sie schüttelte nur den Kopf. “Da wir den Stream ziemlich spontan gemacht haben - dachte ich mir gestalten wir das ganze als FAQ. Daher stellt ruhig die Fragen die euch auf der Seele liegen.”
      Tatsächlich kamen viele Fragen wie es ihnen ging, die sowohl Caleb als auch Ylvi wahrheitsgemäß beantworteten. Einige der Fachfragen stellte Ylvi laut. Während Caleb zur Kamera sprach, nahm sie ihm die Forke aus der Hand und hievte Stroh in die Schubkarre. Zweimal während der Beantwortung von Fragen wechselten die beiden jeweils die Box. Während sie gerade dabei waren in die Dritte zu wechseln. Stolperte Ylvi über einen der Eimer auf dem Boden. Noch während ihr ein Aufruf der Überraschung über die Lippen kam, schaffte Caleb es gerade so nach ihr zu greifen. Mit einer Hand an ihrer Hüfte. “Hu, das war knapp.” suchte auf dem Betonboden nach dem Handy mit den Augen. Und hörte während des Bückens die Frage von Caleb “Alles klar?” “Nur der Schreck.” Ylvi hob das Handy auf. Dank Hülle war nichts passiert. “Und das meine Lieben, sollte Grund sein kein Zeug unnötig in der Gegend rumstehen zu lassen.” Ylvi wechselte die Kamera, deutete auf den Übeltäter.” Ihnen hatten nun knapp 200 Leute zugeschaut. Und plötzlich schienen die Herzen sich zu überschlagen. Caleb sah gar nicht auf das Handy, er arbeitete weiter. Da er merkte das keine weiteren Fragen kamen und Ylvi ihn nur bei der Arbeit filmte. Hielt er inne, sah Ylvi an. “Keine Fragen mehr?” Ylvi räusperte sich. Verzog etwas das Gesicht, dann schien sie zu entscheiden es sei ohnehin egal. “Seid ihr ein Paar?” Stille. Caleb räusperte sich auch. “Gute Freunde. Ylvi ist mit meinem Freund Louis Killsbears verheiratet.” Das war der Moment in dem der Livestream ablief. Die Zeit war auf 90 Minuten begrenzt. Caleb fuhr fort. Die Antwort von ihm hatten ihre Zuschauer nicht mehr mitbekommen. “Die Antwort ging nicht mehr durch. Vielleicht sollte ich die Info...naja ergänzen zur Mitarbeitervorstellung.”
      “Das wäre wohl… sinnvoll”, antwortete Caleb und machte sich wieder an die Arbeit. Er war mittlerweile an der letzten Box angekommen, streute sie mit Stroh und fuhr die volle Schubkarre auf den Misthaufen. Zähneknirschend betrat er erneut den Stall, warf Ylvi einen Blick zu, die wild auf ihrem Handy herumtippte. “Änderst du das jetzt gleich schon?”
      “Nein, aber da der Livestream zu Ende war beantworte ich die letzte Frage einmal in der Story.” Von den ganzen ‘#calvi’ Kommentaren, die eindeutig Ylvi und Caleb als Paar galten, erzählte sie dem Blonden nichts.
      “Verteilst du noch das Kraftfutter hier in den Boxen? Die Eimer sind alle fertig und beschriftet sind sie ja auch. Dann fang ich schon einmal an, die Pferde rein zu holen.”
      Ylvi nickte, machte sich sofort an die Arbeit und schnappte sich einen Eimer nach dem Anderen, die sie in die Futtertröge schüttete. Nach und nach brachte Caleb die Pferde in den Stall, die sich sichtlich über eine frisch gemachte Box freuten. Der leichte Nieselregen war einem stärkeren Regen gewichen und nach einem Wink von Caleb fing Ylvi an, die Decken derer Pferde zu tauschen, die mittlerweile triefend nass geworden waren. Zum Glück konnten die Decken in einer extra Kammer mit Waschmaschine auch zum Trocknen aufgehängt werden. Die meisten Decken waren mit Namen bestickt, so dass es ihr leicht fiel, schnell voran zu kommen.
      “Nächste Woche soll es wieder um die 20 Grad werden, nachts aber nur drei. Dann haben wir wieder einiges zu tun… abends eindecken, morgens ausdecken.” Caleb seufzte. Ylvi war drauf und dran ihn zu fragen, was er hatte, da der Seufzer offensichtlich nicht den Decken gegolten hatte, was sie an seinem Seitenblick zu ihr vermutete. Typisches Calebverhalten, unschöne Situationen einfach todschweigen.
      “Ich danke dir für die Hilfe, den Rest bekomme ich alleine hin”, winkte er ab und verließ den Stall. So schnell ließ sich Ylvi allerdings nicht abschütteln, denn das Haus war ohne Louis und die Kinder ziemlich leer. Selbst ein ruhiges Bad konnte sie nicht nehmen, denn dort war keine Badewanne vorhanden. Dafür hätte sie Caleb wieder fragen müssen, um das Bad im Haupthaus nutzen zu können.
      “Was musst du denn noch machen?”, fragte sie ihn stattdessen und blieb eine ganze Weile auf seiner Höhe, bis sie sich ein bisschen zurückfallen ließ.
      Erst dann drehte Caleb sich um, sah sie aus zusammengepressten Augen an. Der Wind peitschte ununterbrochen von unten und jagte ihm die Regentropfen in die Augen. “Ich will noch rüber zu HMJ Saintly, werde ihn auch reinholen. Er muss nicht bei dem Wetter draußen stehen, der ist eh noch angeschlagen… und dann wollte ich noch bei den Stut- und Hengstfohlen vorbeischauen.”
      “Gut, dann komm ich mit. Vielleicht bin ich dir dennoch eine Hilfe.” Hatte er sie abwimmeln wollen so sagte er nichts. Es gab auch kein Nicken. Draußen schlugen sie ihre Kragen an der Jacke höher, die Hüte tiefer in das Gesicht gezogen. Zwei dunkle Gestalten in der beginnenden Dämmerung, ein jeder mit den eigenen Gedanken beschäftigt.

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      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      Dell hatte das Büro von Caleb und das Haus zügig verlassen, um auf die Suche nach Betsy und Louis zu gehen. Den Lakota fand er schließlich am Reiningplatz mit einer schwarzen Stute. “Caleb hat das ok gegeben, wir können fahren. Ylvi weiß auch schon Bescheid.”
      “Okay dann treffen wir uns in… einer dreiviertelstunde in meinem Bungalow?”, fragte ihn Louis. Dell nickte und verschwand, immer noch auf der Suche nach Betsy.
      Er fand sie schließlich auf der Koppel. Nicht bei Sue, dafür bei Sues Fohlen Pamina. Kaya und Tschetan standen ebenfalls dort und streichelten die Stutfohlen. Es war toll, dass die Pferde von Anfang an Kinder gewohnt waren. “Hört mal Betsy und ich wollten in die Stadt fahren, Sushi essen gehen und dann ins Kino. Ich hab schon mit Louis gesprochen, wenn ihr auch Lust habt würden wir alle zusammen fahren”- wildes Nicken von allen drei Kindern. Kaya und Betsy klatschten sich einmal kurz ab. “Ihr müsstet euch alle nur… nochmal umziehen und vermutlich auch noch schnell duschen.” Wieder nickten sie alle. “Wir treffen uns gleich bei euch im Haus, Tschetan und Kaya.”
      “Bis gleich”, trällerte Betsy, gab Pamina einen Kuss auf die Nase und verließ langsam die Koppel. Sie wusste genau, dass sie bei den Pferden nicht laufen durfte und dachte fast immer daran. Im Haus steckte Dell zuerst Betsy unter die Dusche, eher er selbst schnell drunter sprang. In Windeseile waren sie beide angezogen.
      Im Bungalow der Killsbears, erwartete Vater und Tochter ein eigensinniges Bild. Hintereinander standen Kaya, Tschetan und Louis da. Eingehend damit beschäftigt sich die Haare zu kämmen. Wie selbstverständlich sah er wie sich seine Tochter Betsy einen der Stühle schnappte, ihn hinter Louis stellte und gleichermaßen begann die Reihe fortzusetzen. Dell sah auf seine Hände hinab und ließ sich seufzend auf einen der Küchenstühle nieder. "Ich fühl mich wie ein schlechter Vater. Das einzige das meine Hände zustande kriegen ist ein fusseliger Pferdeschwanz." Damit deutete er auf das Gebilde an Betsys Hinterkopf. Die 11 jährige kicherte. "Dafür können deine Hände andere geschickte Sachen!" ein kurzes zustimmendes Brummen kam Dell über die Lippen. Louis nahm die Worte auf. "Wir haben eben alle unsere Talente. Schau ich in das Innere eines Wagens kann ich höchstens sagen, wenn der Motor fehlt."
      "Vielleicht hast du deine Kindheit ein wenig zu lang damit verbracht dir die Haare zu flechten." Louis ließ keine Regung im Gesicht erkennen, aber Dell kannte den Lakota gut genug um seine zuckenden Mundwinkel zu sehen. Als alle bis auf Betsy fertig gekämmt und geflochten waren. Begann Louis damit Betsy die Haare aus dem Pferdeschwanz zu ziehen, kämmte sie vorsichtig durch, nur um sie dann mit drei Strängen zu verflechten. “Noch ein Sommer nur draußen, die Haare kohlschwarz. Und sie geht als eine von Deinen durch. “schmunzelte Dell. Sah auf seine Tochter und spürte ein Gefühl in sich aufsteigen. Mit jedem Sommer konnte er mehr von ihrer Mutter in seiner Tochter erkennen.
      Louis Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Tschetan und Betsy fingen an zu lachen. “Betsy Killsbears, das wärs noch”, meinte der Junge und verschwand in eines der Zimmer, um sich umzuziehen.
      Kaya schaute Louis zu, stand dann aber schließlich auf und kam wenig später mit einer Jacke zurück.
      “Sind alle fertig?” - zustimmendes Nicken, Tschetan war mittlerweile auch wieder aufgetaucht. “Ich hab gedacht wir nehmen mein Auto. Es ist zwar nicht so komfortabel wie das von Caleb zum Beispiel aber man kommt von A nach B und die Kinder passen alle auf die Rückbank.
      Während die Kinder schon zum Auto vor liefen, schlenderten Louis und Dell gemütlich hinter ihnen her. “Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer, in ihr Gesicht zu schauen”, gestand Dell ihm. “Sie sieht ihrer Mutter immer ähnlicher, es ist so unglaublich schwer… ich werde jeden Tag mehr mit ihr und dem Tod konfrontiert.”
      Louis senkte kurz den Kopf, ließ sich weiter zurückfallen, was Dell ihm gleich tat. “Der Tod gehört im Leben dazu, Dell. Genauso wie das Leben. Deine Frau hat dir deine wunderbare Tochter geschenkt, die euch Beide auf ewig vereinen wird. Sieh die Gedanken als Geschenk an, nicht als Last. Auch wenn es schwer fällt.”
      Am Auto angekommen hatten sich die Kinder bereits hineingesetzt. Dell griff zum Türgriff, hielt dann allerdings inne. “Danke”, hauchte er fast tonlos in die Dunkelheit. Dennoch vernahm er ein kurzes Nicken von Louis.
      Die Fahrt nach Calgary verlief ruhig. Eine angenehme Spannung lag in der Luft. Noch fühlte sich das Mädchen nicht wohl genug. Kaya hatte begonnen zumindest mit den Pferden zu flüstern. Tschetan und auch Ylvi hatten es bereits gehört. Betsy war vor 3 Wochen zu ihm gekommen. Ihre Augen voller Tränen, aber ihr Mund hatte gelächelt. Kaya hatte ihren Namen gesagt. Ylvi und der Lakota hatten am Abend darüber gesprochen. Fast ein wenig...enttäuscht das Kaya beschlossen hatte ihre ersten Worte an Betsy zu richten. Wie Louis es allerdings sah? Betsy gehörte mit in den Kreis der Familie. Kaya und sie verbrachten jede Minute beieinander, sie waren sich so Nahe das sie Schwestern sein könnten. Selbst er, der nicht ihr Blut teilte fühlte Stolz in sich, wenn sie gemeinsam mit Kaya auf einem Ausritt waren. Ob es wohl daran lag ,dass er in einer großen Familie aufgewachsen war? "Welchen Film habt ihr euch eigentlich ausgesucht?" fragte der Lakota schließlich in die Runde.
      “Was eine Frage, den Pferdefilm über das kleine Indianermädchen und ihr Pferd!”, rief Betsy aufgeregt von der Rückbank. Kaya nickte zustimmend, Tschetan schlug sich mit der Hand an den Kopf. Der Junge wurde langsam zu alt für die beiden Mädchen, interessierte sich zusehends für andere Dinge. Er half mehr auf der Ranch mit, packte an wo er nur konnte und schien enttäuscht, wenn seine Hilfe abgewimmelt wurde. Octavia, die mit den beiden Mädchen so froh war, konnte kaum etwas mit dem Jungen anfangen. Mittlerweile fragte er sie schon gar nicht mehr, ob sie Hilfe bräuchte.
      Bellamy war da ganz anders. Er freute sich stets über eine helfende Hand und mutete dem Jungen manchmal sogar fast zu viel zu. Es fehlte wirklich ein weiterer Junge in Tschetans Alter auf dem Hof.
      Mittlerweile waren die fünf in der Stadt angekommen. Dell parkte das Auto und gemeinsam gingen sie zum Restaurant, in dem sie an ihren reservierten Tisch gebracht wurden. Zu ihrer rechten befand sich eine Art Laufband, auf dem Teller im Schneckentempo an ihnen vorüberzogen. “Und davon kann man sich jetzt einfach nehmen, was man möchte?”, fragte Betsy neugierig. Dell und Louis nickten synchron.
      “Zeigt einfach auf was ihr wollt oder sagt uns Bescheid und wir geben es zu euch rüber”, antwortete Louis, der mit gegenüber von Dell, ebenfalls am Laufband saß. Neben ihm saß Tschetan. Neben Dell saß Betsy und am Kopfende Kaya- so saß sie zwischen ihrem Bruder und ihrer Freundin.
      Das gemeinsame Essen war im Nu vorbei und sie befanden sich wieder alle im Auto, um zum Kino zu fahren. Tschetan beteiligte sich während des Essens kaum an den Gesprächen. Louis sah ein wenig besorgt zu dem jungen Lakota hinüber. Ob er es bereute für den Abend zugestimmt zu haben? Erst später, als der Film bereits lief fiel es ihm auf. Der Todestag seiner Mutter nährte sich zum zweiten Mal. Kaya war vielleicht zu jung um sich daran zu erinnern. Der Ältere Tschetan jedoch schon. Louis nahm sich vor mit dem Jungen in der nächsten Zeit einen Ausflug allein zu unternehmen. Er mochte es vielleicht noch nicht gern sehen, aber langsam verließ Tschetan das Kindesalter.

      Caleb&Ylvi
      "Wie bitte?"
      "Ob du noch rüberkommst, ein Bier trinken? Oder...in anbetracht deiner klappernden Zähne. Wohl eher...Kamin und einen Tee?" die junge Frau sah Caleb an. Da hatte er die vergangenen 2 Stunden geschwiegen. Jetzt da er es brach. Konnte sie kaum glauben, was sie da hörte. Allerdings wollte sie ungern das Angebot ausschlagen. "Wenn du so fragst, gern. Das Haus drüben würde ohnehin so leer sein." Caleb führte den Weg, während Ylvi ihm die Treppe hinauf ins Haupthaus folgte. Auf der kleinen hölzernen Terasse, entledigten sich beide von ihren Regenmänteln. Die junge Frau schlotterte, die plötzliche Kälte setzte ihr zu. Daher frohlockte sie bei den Gedanken gleich vor dem warmen Kamin zu sitzen. Bereits vor 2 Tagen hatte sie das getan, gemeinsam mit O' in Gespräche vertieft. Zum heizen der unteren Etage hatte Dolly den Kamin daher bisher jeden Abend entzündet.
      Calebs Abende sahen immer gleich aus. Er am ins leere Haus, ging zum Kühlschrank und nahm sich ein Bier, mit dem er sich auf die Couch, die Terrasse oder oben vor sein großes Fenster setzte. So stand er nun routinemäßig vor dem Kühlschrank. Öffnete ihn, hielt dann jedoch inne. Er wollte gar kein Bier, sondern Wasser aufsetzen für den Tee.
      Ylvi war derweil im Wohnzimmer verschwunden. Der lange Regenmantel und die dicken Stiefel hatten sie davor bewahrt, klatsch nass zu sein. Der Mantel war durch nass, aber ihre Kleidung darunter war trocken. Dennoch stellte sie sich eine Weile vor den Kamin, ehe sie sich mit einer Decke auf dem Sofa einrollte.
      Wenige Sekunden später stieß Caleb wieder zu ihr, stellte ihren Tee vor sie auf den Tisch, setzte sich aufs Sofa und setzte seine Tasse vor ihn ab.
      Eine ganze Weile schlürften beide schweigend ihren Tee, ehe Caleb das Wort ergriff. “Ylvi, wie geht es dir?”
      Eine Frage und deren Antwort, die ihn lange Zeit nicht interessiert hatte. Doch die Trennung war nun schon eine ganze Weile her, es war einige Zeit verstrichen und er war… über sie hinweg. Nicht ganz, das würde er nie sein. Aber soweit, dass er sie mit vollem Ernst fragen konnte, wie es ihr ging.
      Er merkte, dass er sie mit dieser Frage überrumpelt hatte, so ganz aus dem Nichts, dennoch wartete er geduldig auf eine Antwort. Verdutzt starrte die junge Frau ihn an. Nicht sicher welche Antwort ihn wirklich interessierte. Wie weit sollte sie zurück greifen in der Beantwortung seiner Frage? Schlussendlich blieb sie ihm diese Antwort schuldig.
      O' und Bellamy betraten schnatternd den Raum. In den Händen hatten sie zwei Flaschen, deren Inhalt eigentlich nur der selbstgebrannte von Lawrence sein konnte. Die Etiketten die Flaschen waren nur halbherzig abgerissen worden. Bellamy hatte vier Gläser in der Hand. "Da du mal wieder Kinder-frei hast. Zeit für ein bisschen Spaß!" sprach O' a Ylvi gerichtet aus. Während sich O' ungeniert mit auf die kleine Couch fallen ließ, sodass Caleb und Ylvi ein wenig enger rücken mußten damit genug Platz war. "Spaß?" fragte Caleb in die Runde. Vielsagend auf die Flaschen und Gläser schauend. Der Cowboy ahnte worauf das ganze hinaus gehen konnte.
      Bellamy griff in die Tasche seines Sweaters und warf ein Kartenspiel auf den Tisch. "Eine Runde Romé hatten wir lang nicht mehr." Ylvi plusterte ihre Wangen auf. "Die Regeln müsstet ihr mir aber nochmal auffrischen. Alles krieg ich nicht zusammen."
      Mit jeder neuen Runde leerte sich auch eine der Flaschen. Die Runde wurde lockerer. Bis Bellamy der zum vierten Mal in Folge verloren hatte, Romé für beendet erklärte. Seine Motivation war im Keller angekommen. "Womit heitern wir dich wieder auf?" fragte Ylvi belustigt, die eben die letzten drei Runden für sich entschieden hatte. "Wir müssen auf jedenfall die Flaschen leer kriegen." betonte O'. Was widerum ein fragendes Gesicht von Caleb hervorrief. Bellamy sprang ein "Die sind wohl schon älter, die müssen weg. Meinte Lawrence." "Ah prima und da dachtet ihr das wär ne prima Idee die uns anzudrehen?" O' zuckte lächelnd mit den Schultern. "Never have I ever!" "Bitte?" kam es wie aus einem Munde von Caleb und Ylvi. O' klärte sie schließlich auf "Das tun wir um die Flasche leer zu kriegen. Die Regeln vom Spiel sind allen bekannt?"
      “Ich hab noch nie… nicht im Gefängnis gesessen”, fing O an und verwirrte die gesamte Mannschaft.
      “Hä? Muss ich jetzt trinken, wenn ich schon mal im Gefängnis gesessen hab, oder wenn ich noch nicht im Gefängnis gesessen habe?”
      “Letzteres.”
      Ylvi war die Einzige, die einen Schluck aus ihrem Becher trank. "Okay, das ist eine Geschichte die mich brennend interessiert." diesen Teil aus dem Leben der beiden jüngeren war Ylvi bisher unbekannt. "Und wer stellt jetzt die nächste Frage? Uhrzeigersinn, oder diejenigen die getrunken haben?"
      "Da du die einzige warst. Bist du dran."
      "Ich hab noch nie ...eine Bank ausgeraubt." um der Frage die dieser vorausging vielleicht auff den Zahn zu fühlen.
      Niemand trank.
      “Wer ist denn dran wenn niemand was getrunken hat?”, fragte Ylvi erneut. Bell und O sahen sich an, entschieden sich dann einfach dazu, dass die Person links von der, die zuvor die Frage gestellt hatte, dran war- also Caleb.
      “Ich hab noch nie… etwas gestohlen.”
      Bellamy und Octavia hoben schweigend ihre Becher zum Mund und tranken beide einen grooooßen Schluck. Caleb grinste kurz und sah die beiden amüsiert an. Natürlich wusste er über sie Bescheid. Nun galt sein Blick Ylvi. Musste sie trinken oder nicht? Ylvi hob den Becher, sah über ihn hinweg in die Runde. "Das ist wahrscheinlich Auslegungssache."
      "Ah ja?"
      "Naja, etwas materielles habe ich noch nicht gestohlen. Aber einigen das Herz."
      O' sah in die Runde. "Na dann, schluck,schluck würd ich meinen." Dabei sah niemand wie Caleb die Augen nieder schlug.
      "Ich hab noch nie...einen prekären Text an die falsche Person geschickt." kam es von Bellamy.
      “Was heißt denn bitte prekär?”, fragte O und fuhr sich einmal durch die langen Haare.
      "Naja, du weißt schon. Schmutzig Textchen...ein paar Bildchen?"
      "Wow, das ist die wievielte Frage? Und dann schon so ein Niveaulimbo?" spach Caleb, prostete allerdings in die Runde und trank- ebenso wie alle anderen.
      “Was passiert denn nun, wenn alle trinken müssen? Und vor allem.. Bellamy du Doofkopf, es geht darum dass die anderen trinken und nicht du selbst!”, protestierte O und schlug ihrem Bruder gegen den Arm.
      “Na wenn alle trinken müssen- macht eure Becher leer. Es gibt Nachschub für alle”, formte Bell kurzerhand die Regeln neu und forderte alle in der Runde auf, ihre Reste auszutrinken und sich etwas neues von ihm schütten zu lassen.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe mit der fünften Frage… “Ich hab noch nie… mit mehr als 10 Leuten in meinem Leben geschlafen.”
      “Was ein Nivau…”, deutete ihr Bruder an, zuckte dann jedoch die Schultern. “Na dann lasst es uns spannend machen..”
      Caleb trank. Sonst niemand.
      "Mhm...um das ganze wieder auf Kurs zu bringen. Ich hab noch nie..ein Tattoo gestochen bekommen." setzte Ylvi fort, musste allerdings nun doch selbst einen Schluck nehmen. Von Caleb wusste sie schließlich bereits das er keines besaß. War allerdings überrascht die Geschwister trinken zu sehen. "Na? Überbleibsel aus Knacki-Zeiten?" fragte sie belustigt."
      “Woher du das nur erraten konntest…”, Bellamy lachte, stand auf und zog… blank. Also naja, er zog sein Shirt hoch und zeigte am unteren Rippenbogen ein Messer. Ylvi sah Octavia auffordern an, die ebenfalls aufstand und ihr Shirt nach oben zog. Calebs Blick senkte sich fast beschämend zu Boden, als sie ihren Sport-BH ein Stück nach oben schob. Unter ihrer rechten Brust hatte sie ebenfalls ein Messer.
      “Na auf die Geschichte bin ich aber echt gespannt… auf die und auf die andere, von dem Klauen”, meinte Ylvi schulterzuckend.
      “Nun bist du dran”, forderte O sie jetzt auf, ihr Tattoo zu zeigen, weshalb sie hatte trinken müssen. Fast unauffällig, aber nicht für alle Personen im Raum unsichtbar drehte Caleb seinen Kopf noch weiter weg, während Bellamy es sich nicht entgehen ließ, Ylvis Tattoo zwischen ihren Brüsten zu begutachten, auf der es nicht nur das Tattoo sondern auch einige Narben zu sehen gab. “Starr nicht so.” Dabei hielt O ihrem Bruder die Hände vor die Augen, bis Ylvi wieder komplett angezogen war. Auch Calebs Blick hob sich wieder. “Es wundert mich ja, dass du keins hast. Hast du wirklich nicht besoffen irgendwo in einer ramschigen Ecke eins von einem Bucklebunny verpasst bekommen?”
      “O werd nicht frech”, zischte der Blonde nur und überspielte Os Frage mit einer neuen, für das Spiel angemessenen: “Ich hab noch nie… Strippoker gespielt.”
      "O!" kam es überraschend von Bellamy, der zusehen musste wie seine Schwester kleinlaut, aber frech blinzelnd einen Schluck trank. "Da tun sich ganz andere abgründe auf." murmelte Caleb, leise zu Ylvi. Als wolle Bellamy genau an diesen Anknüpfen "Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht." Bell und O' setzen dieses Mal aus. Dafür waren es Caleb und Ylvi die gemeinsam einen Schluck tranken. Nicht ohne sich dabei zu Fragen, wem diese Gedanken wohl galten. Caleb konnte, dem mittlerweile erreichten Pegel zu Schulden, nicht an sich halten. Lehnte sich leicht zu Seite und flüsterte "Musstest du an mich denken während dieser Typ aus Deutschland bei dir war?" Doch er erhielt keine Antwort. Und er vermochte nicht zu sagen. Ob die Röte in ihrem Gesicht vom Kamin, dem Alkohol oder der Scham kam. Bell und O' merkten von diesem Moment der beiden nichts, denn sie hatten eifrig die Becher aller Spieler wieder gefüllt. "Dann bin wohl ich dran!" zwitscherte O' zufrieden. “Ich hab noch nie...eine Schlägerei gehabt.”
      Die beiden Jungs setzten sofort zum Trinken an und nahmen einen größeren Schluck, als sie eigentlich hätten nehmen müssen. O beugte sich über den Tisch und zog die Becher runter. “Hey, hey ihr beiden. Ihr müsst doch nicht einen Schluck pro Schlägerei trinken”, lachte sie. Auch Ylvi stimmte in ihr Lachen ein.
      “Dann würden die Becher nicht reichen”, murmelte Caleb, langte zur Flasche und schüttete sich nach. Auch den Becher von Bellamy füllte er wieder auf. Würden sie weiterhin so große Schlücke trinken, dann wäre die Flasche nach einer weiteren Runde leer. "Ich habs geahnt, ich bin wieder dran." seufzte Ylvi
      "Ich hab noch nie... vor der Polizei fliehen müssen."
      "Du lässt nicht locker,oder?"
      Ylvi schüttelte daraufhin den Kopf, deutete in Bellamys Richtung an wie sie ihren Becher hob. Blieb in der Runde allerdings die einzige, die nicht trinken musste. "Das sind sie...die braven, prüden Deutschen." zog Bell sie auf. "Wir brauchen nur andere Fragen um sie zum Trinken zu kriegen." kam es von Caleb, der triumphierend lächelte. "Ich hab noch nie ….jemanden nackt gesehen obwohl ich es nicht sollte." damit spielte er auf seinen Aufmarsch in die Küche an, als sie damals mit Max gerade gefrühstückt hatte.
      “Für deine Gemeinheit von Frage müsstest du eigentlich deinen ganzen Becher leer trinken”, brachte Ylvi zwischen zusammengepressten Zähnen heraus, ehe sie einen Schluck trank. Doch auch Octavia nahm einen Schluck aus ihrem Becher. Kurz darauf sahen Caleb und Ylvi sie auffordernd an, während sich Bellamy verlegen am Kopf kratzte. Octavia warf ihm einen Seitenblick zu: “Einen Anblick, den ich leider nie in meinem Leben vergessen werde.” Caleb prustete los, steckte die Anderen mit seinem Lachen an und kam- des Alkohols geschuldet, nicht mehr dahinter. “Caleb trink noch einen Schluck, dann gehts dir gleich besser”, schmunzelte O und sah zu Bell, der wieder mit einer Frage an der Reihe war. Vielleicht hatte der Blonde sich bis dahin wieder eingekriegt.
      “Ich hab noch nie... Eifersucht verspürt, als mein Ex-Partner eine Neue oder einen Neuen hatte.”
      “Wow…” Mit einem Mal verstummte Caleb und trank einen Schluck aus seinem Becher, während die anderen nur mit den Schultern zuckten.
      Nun war Octavia wieder an der Reihe. “So Leute… Butter bei die Fische. Ich hab noch nie...darüber nachgedacht, was einen nach dem Tod erwartet… auch wenn ich jetzt selbst trinken muss.” Sie zuckte kurz mit den Schultern und trank einen Schluck. "Wenn man dabei ist zu sterben...dann denkt man nicht daran. Eigentlich." Ylvi sah nach unten auf ihren Becher im Schoß "denkt man gar nicht." O' schlug sich mit der Hand vor den Mund. Sie hatte vergessen was im vorletzten Jahr passiert war. Sie schüttelte den Kopf und trank schließlich. "Aber überlebt man es, dann dreht sich dein ganzes Sein beinahe um diese Frage." seufzte sie. So hieß es in dieser Runde trinken für alle. Was aber auch bedeutete - die Becher wurden erneut gefüllt, die zweite Flasche angebrochen. Die Stimmung wurde lockerer, gelassener. Ylvi fand sich näher an Caleb sitzend wieder, Schulter an Schulter. Während sein Arm locker hinter ihr und O' auf der Rückenlehne lag. Es brauchte ein wenig Koordination um zu ermittelt,wer denn nun eigentlich als nächstes dran sei. Es war Ylvi. "Da wir offenbar die Anstandsfragen ja sowieso hinter uns gelassen haben. Ich hab noch nie...eine Einladung für einen Dreier bekommen."
      “Wieso bin ich schon wieder der Einzige, der trinken muss”, grummelte Caleb vor sich hin, nahm die Hand hinter Ylvi nach vorne und trank einen Schluck, ehe er den Becher wieder abstellte und seine Hand wieder zurück an den Platz auf der Rückenlehne der Couch legte.
      “Bist du nicht…”, murmelte Octavia, trank einen Schluck und grinste Bellamy frech ins Gesicht.
      “Ooooh O, das hättest du besser nicht gemacht”, mischte sich Caleb ein. “Ich hab noch nie… einen Dreier gehabt”, lautete die nächste Frage und brachte niemand anderes zum Trinken, als Octavia.
      “Lalalala”, trällerte Bellamy, schloss die Augen und hielt sich die Ohren zu. Die anderen drei brachen in heiteres Gelächter aus.
      “Iiiiich hab noch nie… jemanden gedatet, der eigenartig war.” So lautete Octavias Frage, die sie zweimal wiederholen musste, da Bellamy noch immer so tat, als würde er weder sehen noch hören können; niemand trank. “Okay dann will ich nochmal.”
      “Du darfst aber nur einmal”, meldete sich ihr Bruder zu Wort.
      “Ich will aber nochmal.”
      “Dann lass sie doch, Bell”, sprach Caleb und wartete gespannt auf die nächste Frage. Sie nahm ihren Becher an die Lippen, tippte den Rand im Takt ihrer Gedanken daran. "Ich hab noch nie….Sex in einem Auto, Zug oder Bus gehabt."
      Bellamy sah seine Schwester an. "Himmel, wer würde denn…" verstummte aber als Ylvi hastig einen Schluck trank, um sich dann zu erklären "Um alle zu beruhigen...es war KEIN öffentliches Verkehrsmittel. Aber meine Jungfräulichkeit, die hab ich in einem Bulli verloren." Woraufhin Ylvi den anderen ersteinmal erklären musste was, denn genau ein Bulli wäre. Denn mit Van konnten die anderen drei deutlich mehr anfangen. "Wo wir dann dabei wären…..ich hab noch nie mit mit einem Arbeitskollegen geschlafen." feuerte Bellamy die nächste Frage in den Raum. Die war fies, denn alle wussten schließlich das Caleb und Ylvi eine gemeinsame Vergangenheit teilten. Allerdings flog ihm die Kinnlade hinunter als auch Octavia an ihrem Becher nippte. Bellamy grummelte "Hoffentlich hat das nichts mit der Dreierfrage zu tun gehabt. Den bring ich um." O' sah ihn keck an. "Wieso...den?"
      “Also ich wars nicht! Himmel, O ist wie eine kleine Schwester für mich!”, haute Caleb raus und bekam einen Schlag gegen den Hinterkopf. Er war sich nicht sicher, ob er von rechts, also von Ylvi, oder von links von Octavia gekommen war.
      “Das will eine Frau hören. ‘Du bist wie eine kleine Schwester für mich’, pah!” - der Schlag war eindeutig von links gekommen.
      “Aber um nochmal auf die wichtigere Frage zurück zu kommen.. warum eigentlich Bell?”
      “Weil ich mir nicht vorstellen will wie du einen Dreier mit… keine Ahnung, Caleb und Cayce hast.”
      “Whoaaa, whoaa, halt mich da bitte raus Bell!”
      “Und wenn es keiner von der Ranch hier war sondern… im Gefängnis? Oder sogar mit Frauen?”
      “Heilige.. O da warst du minderjährig und hör auf mir so ein Kopfkino zu bereiten!”
      “Bell beruhig dich. Der Dreier und das mit den Arbeitskollegen sind unterschiedliche Dinge, die ich hier nicht weiter erläutern werde.” O zuckte mit den Schultern. “Außerdem müsste es in Calebs Fall heißen: Ich hab noch nie mit meinem Chef geschlafen.” Das machte die ganze Sache nicht besser. Ylvi, die mit den Gedanken gerade nicht so richtig bei der Sache gewesen war, hob den Becher zum Mund und trank, was eine wahre Welle des Gelächters auslöste. In diesem Moment zeigte Bellamy ein Flusspferd Gähnen. "Puh, ich denke ich hab für heute genug Sache über meine kleine Schwester erfahren. Ich werd mich mal aufs Ohr hauen. Morgen heißt es wieder arbeiten." O' sah auf die Uhr an ihrem Handgelenk "Streng genommen..ist seit einer Minute morgen. Aber ich geh mit dir Konform. Ich werd mitkommen." "Du kannst schön in dein eigenes Bett. Nachher stellt man uns noch als Inzest-Ranch dar." O' schlug sich die Hand an die Stirn.
      "Du hattest eindeutig zu viel."
      "Natürlich!"
      Ylvi deutete in Richtung der Becher. "Lass das Stehen, ich räum das später weg." Das Geschwisterpaar verabschiedete sich, verließ noch immer schwatzend den Raum. Ylvi ließ sich nach hinten sinken, seufzte. "Ich merke erst jetzt das ich solche Abende vermisst habe." sie schaute zum Tisch, zog eine Schippe mit den Lippen. "Nur doof das der Tee, den du mir gemacht hast, jetzt kalt ist."
      "Ich könnte versuchen dir einen neuen zu machen."
      "Lass das lieber. Mir ist ohnehin nicht mehr Kalt."
      Sie sah ihn dabei von der Seite an, spürte nun in ihrem Hinterkopf seinen Arm auf der Lehne. Sich plötzlich mehr bewusst seiner Nähe. "Es ist schwierig." murmelte sie. "Ich...ich führe ein Leben das ich mir so nicht hätte vorstellen können. Tschetan und Kaya sind mir ans Herz gewachsen. Ich liebe meinen Mann, aber…" dabei senkte sie den Kopf. "aber...ich kann nicht leugnen was meine Träume mir zeigen."
      "Ich bereue es. Jeden verdammten Tag. Ich hätte kämpfen sollen. Damals." Caleb suchte ihren Blick. "Ich denke….wir haben beide unsere Fehler gehabt. ...Ich hab noch nie...das Gefühl gehabt egoistisch gehandelt zu haben." flüsterte sie, um aus dem Becher aus ihrem Schoß zu trinken.
      “Ich hab noch nie… eine Entscheidung so lange hinausgezögert, bis mir sie jemand anderes abgenommen hat.” Damit musste Caleb nun selbst trinken. Der Abend nahm Züge an, die er in nüchternem Kopf und mit klaren Gedanken niemals angenommen hätte. Aus dem Bauch heraus (oder folgte er da doch seinem Herzen?) stellte er Ylvi folgende Frage: “Was zeigen dir deine Träume?” Er schien nicht vergessen zu haben das man sich auf ihre Träume verlassen konnte. "Manchmal tief in der Nacht, wenn Louis schläft. Dann wünsche ich mich an deine Seite zurück." antwortete sie wahrheitsgemäß "Ich kann nicht leugnen was mein Herz mir mitteilt. Ich verstehe es selbst noch so wenig." Ylvi balancierte den Becher zwischen ihren Oberschenkeln, während sie sich die Hände vor die Augen hielt. Caleb nahm der jungen Frau den Becher ab, stellte ihn gemeinsam mit dem seinen auf den Tisch. Nur um ihr die Hände vom Gesicht fortzuziehen. "Ich hab es ja verstanden. Es hat eine Weile gedauert...aber ich hab es verstanden. Louis...er war deine Chance zu bleiben. Ihr hattet eine gemeinsame Geschichte. Vielleicht war es deine Art dich bei ihm zu bedanken...er hat dir dein Leben gerettet." Caleb wischte die Tränen fort die ihr über die Wange zu laufen drohten. "Wir haben damals beide seltsam gehandelt. Aber…" Ylvi schüttelte den Kopf. "Nicht zwing mich nicht….zwing mich nicht dazu mich zu entscheiden." flüsterte sie ihm zu. Kaum hörbar. "Wer spricht von entscheiden?" Und dann...waren da plötzlich seine Lippen auf den ihren. Ein Gefühl von Heimat. Ein aufeinandertreffen von bekannten Seelen. Ihre Körper zogen sich zueinander hin, Calebs Hand suchte sich einen Weg unter ihr Shirt. Dann unterbrach sie den Kuss, ihre Hand umklammerte sein Handgelenk. Stirn an Stirn saßen sie da. Plötzlich lachte Caleb. "Verdammt. Ich kann Louis nicht mal mehr böse sein, das er dich geküsst hat. Ich muss mich ja selbst zusammenreißen dich nicht die Treppe hinauf in mein Bett zu tragen." ...keine Veränderung ihrer Position. Erst langsam befreite Caleb seinen Arm. Umarmte Ylvi, ließ sich nach hinten auf die Couch sinken. Ihr Kopf auf seiner Brust, ihr Oberkörper umschlungen von seinen Armen. "Verdammt." murmelte er nochmal.

      Louis, Kaya, Tschetan, Dell & Betsy
      “Woooooow”, schwärmte Betsy noch immer von dem Pferdefilm, den sie alle zusammen soeben gesehen hatten. Dell war noch zur Toilette, weshalb sie drinnen im warmen Kino auf ihn warteten. Tschetan grummelte ein paar mehr oder minder zustimmende Worte, ihm war der Film zu kitschig und zu mädchenhaft gewesen. Kaya allerdings teilte Betsys Meinung, weil sie bei jeder ihrer Aussagen kräftig nickte. Louis kratzte sich am Kopf, ließ den Mädchen jedoch ihre Freude, auch wenn der Film voller Fehler gewesen war.
      “Morgen früh mal ich Sue so an, wie das Mädchen ihren Akecheta (bedeutet wohl Krieger :D) angemalt hat. Mit den roten Ringen ums Auge und die Streifen am Bein.”
      “Du weißt schon…”, begann Tschetan doch Louis legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter, schüttelte den Kopf und gab ihm so zu verstehen, dass er Betsy nur machen lassen sollte.
      “Ich erklär es ihr morgen früh”, sagte er leise, nur für Tschetans Ohren bestimmt.
      Dell schloss wieder zur Truppe auf. Sie gingen alle gemeinsam zum Auto, stiegen ein und er startete den Motor, um die Heimfahrt anzutreten. “Das sollten wir öfter machen.” Dell brach die Stille. Allerdings antworteten ihm nur Louis und Tschetan, Kaya und Betsy waren beinahe sofort eingeschlafen, sobald er losgefahren war.
      “Da haben wohl zwei etwas nachzuholen.” Vergangene Nacht hatte Besy bei Kaya übernachtet. Gott allein weiß, wann die beiden endlich die Augen zugemacht und geschlafen hatten.
      Auf der Ranch angekommen schaltete Dell den Motor aus und drehte sich zeitgleich mit Louis nach hinten. Die Mädels schliefen noch immer. “Tragt ihr sie jetzt etwa ins Bett oder kann ich sie wecken?”, fragte Tschetan und machte schon Anstalten, an seiner Schwester zu schütteln.
      Dell und Louis schauten sich an, hatten denselben Gedanken im Kopf und sagten zeitgleich: “Wir tragen.”
      Leise wurde also ausgestiegen, die Mädchen aus den Gurten befreit und sich bis zum Morgigen Tag verabschiedet. Dell mit seiner Tochter Betsy auf dem Arm gingen in ihren Bungalow, Tschetan und Louis, der Kaya auf dem Arm hatte, gingen in den Ihren.
      Lautlos öffnete Dell die Haustür, schloss sie hinter sich wieder und steuerte auf Betsys Zimmer zu, wo er mit der freien Hand die Bettdecke zurückschlug und das Mädchen in ihr Bett legte. Er öffnete gerade den Reißverschluss ihrer Schuhe, da hob sie den Arm und rieb sich einmal durch die Augen. “Hmm?”, fragte sie verschlafen und richtete sich halb auf. “Sind wir schon wieder zuhause?”
      “Ja, meine Kleine, seit ein paar Minuten.”
      “Dad kann ich bei dir übernachten heute, bitte?” Diese Frage hatte sie ihm schon lange nicht mehr gestellt. Einerseits war er froh, dass sie es endlich schaffte, alleine in ihrem Bett zu bleiben und dass die Albträume aufgehört hatten. Andererseits kam ihm selbst sein Bett in letzter Zeit viel zu kalt und leer vor.
      “Natürlich. Ziehst du dich um und kommst dann rüber?” Betsy nickte zustimmend.
      Dell verließ das Zimmer seiner Tochter, machte einen Abstecher im Bad und zog sich dann ebenfalls in seinem Zimmer um. Er schlug gerade seine Bettdecke rüber, da stand seine Tochter mit ihrem Kuscheltierpferd, natürlich war es schwarz, so wie ihre Stute Sue, in der Tür. “Komm, kuschel dich schon mal ein, ich mach das Licht aus.”
      Kurze Zeit später fand sich Dell ebenfalls im Bett wieder. Seine Tochter in den Armen, an seinem Bauch das Kuscheltierpferd.
      “Weißt du… du bist der beste Dad auf der ganzen Welt. Ich hab dich unglaublich lieb.” Mit diesen Worten kuschelte sich das Mädchen noch enger an ihren Vater heran.
      “Womit hab ich das denn verdient?”, flüsterte er ihr ins Ohr und wartete geduldig auf ihre Antwort, doch Betsys Atemzüge wurden länger, gleichmäßiger und sie blieb ihm die Antwort schuldig.

      Ylvi & Caleb
      Stille lag über dem Raum. Nur das einsame Licht des Feuers, sowie eine kleine Lampe in der Nähe der Tür erleuchteten den Raum. Das Knacken aus dem Kamin blieb das einzige Geräusch. Caleb strich versonnen über die Finger die Ylvi auf seiner Brust liegen hatte. Tiefe, gleichmäßige Atemzüge zeigten dem Cowboy das sie bereits schlief. Waren ihre Träume auch in diesem Moment gefüllt von ihm? In seinen umnachteten Gedanken tauchte die Frage aus dem Spiel auf. Sah wie Ylvi trank. Ich hab noch nie...beim Sex an eine andere Person gedacht. flackerte Bells Frage durch seinen Verstand. Er schaute hinab auf Ylvis Gesichtszüge. Als er sich einer Bewegung im Türrahmen gewahr wurde. Louis trat gerade in das Licht der kleinen Lampe. Die beiden geflochtenen Zöpfe lagen unter seinen verschränkten Armen. Wie so oft gab es keine Regung auf dem Gesicht des Lakota. Beide Männer starrten sich ob der Dunkelheit gegenseitig ins Gesicht. Caleb nahm fast mechanisch seine Hand von Ylvi, wollte hinter sich greifen um aufzustehen. Da machte Louis eine Geste. Sie bedeutete Ende. Dann drehte sich der Lakota um. Hatte Caleb da ein Lächeln auf seinem Gesicht gesehen?

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      Louis
      Das ich darauf gewartet hatte wäre übertrieben gewesen. Viel mehr überraschte mich meine Reaktion. Im Schatten des Flures hatte ich sie beobachtet. Zwei Körper eng verschlungen. Hatte gesehen wie Caleb sie ansah.
      Wieso war da keine Eifersucht in mir? Fühlte ich mich zu sicher? Wegen eines blattes Papier? Meines Namens den Ylvi trug? Ich wusste nur zu gut wie sehr sie sich ihren Gefühlen hingab. Selbst am Tag der Hochzeit hatte ich gewusst, das in ihrem Herzen immer die Liebe für Caleb bleiben würde. Meine Schritte gingen hinaus in die Dunkelheit des Hauses. Caleb war wie ein Bruder für mich. Wir hatten einander in den letzten Jahren mehrere Male unser Leben bewahrt. Mein Herz war bei dem Anblick der mir wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht zerbrochen. Hatte ich stattdessen...Stolz verspürt?
      Ich hatte Caleb zu verstehen gegeben zu bleiben wo er war. War gegangen...noch jetzt zuckten meine Mundwinkel mit einem Lächeln. Liebte ich Ylvi weniger? Ich blieb stehen, schaute hinauf in den bewölkten Himmel. Horchte tief in mich hinein. Bis mein Bauchgefühl mir eine Antwort zu geben vermochte. Mir fehlte in diesem Bezug einfach jegliches Gefühl von Eifersucht. Eher ein bestimmendes Gefühl völliger Verwirrung. Mit diesem im Kopf kehrte ich zurück in das Bett.

      Caleb
      ‘Fuck, fuck, fuck, fuck’, dachte ich unentwegt, warf meinen Kopf zurück gegen die Rückenlehne des Sofas und seufzte tief. Wie lange hatte Louis schon da gestanden? Was hatte er gesehen- und vor allem: warum war er einfach gegangen, nicht jedoch ohne mir vorher ein Zeichen zu geben, ich solle liegen bleiben? Und lag wirklich ein Lächeln auf seinem Gesicht, als er sich umdrehte?
      Der Lakota würde mir keine reinhauen, so wie ich es bei ihm getan hatte. Er würde auch nur im äußersten Fall zurückschlagen, sollte es erneut zu einem Kampf kommen.
      Alles nur wegen dieser einen Frau, bei der ich zu Beginn des Abends gedacht hatte, ich wäre über sie hinweg. War ich nicht. Augenscheinlich- und dann war ich auch noch so dumm gewesen sie einfach zu küssen! Setzte ihr Flausen in den Kopf, sie müsse sich nicht zwischen mir und Louis entscheiden. Verdammt sie hatte sich entschieden. Vor einem Jahr schon. Seit einem Jahr war sie die Frau an der Seite von Louis. Wie lange hatten wir uns gegenseitig gebraucht und aufgebaut? Auch ein Jahr? Weniger? Länger? Ich wusste es schon gar nicht mehr.
      Was würde mein dummes, egoistisches Verhalten für die Zukunft bedeuten? Hatte ich mein Recht verspielt, egoistisch zu handeln?
      Sollte ich Ylvi sagen, dass Louis uns gesehen hatte? Wobei… sie lagen nur zusammen auf der Couch- angezogen. Keine Spur von Romantik oder einem Kuss… Würde Ylvi ihm erzählen, was vorgefallen war? Würde sie ihm erzählen, was ich ihr vorgeschlagen hatte? Dass sie sich nicht entscheiden müsse? Ich wusste, dass Lakota ihre Frauen mit ihrem Kola, ihrem Freund, teilten. Wollte ich das? Stand das im Raum? Was würde das für die Ranch heißen? Dass wir hier lebten, wie die Wilden?
      Ylvi fing an sich zu bewegen, löste sich aus meinem Griff. Sie richtete sich auf und sah zu mir hoch, rieb sich einmal mit der Hand durch die Augen. “Caleb was ist los? Warum spannst du dich so an?”
      Meine Gedanken rasten. Noch immer unsicher, was ich ihr erzählen sollte, oder ob ich ihr überhaupt etwas erzählen sollte. Hatte ich dieses Mal die Eier in der Hose, ihr die Wahrheit zu sagen? Oder trug sich der Kampf wieder einmal nur in meinem Kopf zu? Der Caleb aus dem letzten Jahr hätte ihr vermutlich nichts gesagt, geschwiegen und das Gespräch zunächst mit Louis gesucht- oder eben auch nichts gesagt. Der heutige Caleb war erwachsener, reifer geworden und wollte vor seinen Problemen nicht mehr davonlaufen. Ich wollte sie anpacken, mich ihnen stellen. Ganz so wie meinen Dämonen, die mich nachts so häufig um den Schlaf brachten. Um diesen entgegen zu wirken schien dies ein guter, erster Schritt zu sein.
      Doch war es erwachsen und vernünftig, zu erst mit ihr und nicht mit Louis zu reden? Fiel ich ihm mit meinem Verhalten nicht in den Rücken?
      Ich entschied mich dazu, Ylvi die halbe Wahrheit zu erzählen- ‘verdammter Idiot’, hallte es in meinem Kopf wider.
      “Louis stand eben im Türrahmen, hat uns gesehen. Als ich aufstehen wollte, hat er mir das Signal zum sitzenbleiben gegeben und ist... gegangen.”

      Ylvi
      Ich schnappte plötzlich nach Luft, mir bis dahin nicht bewusst das ich die Luft angehalten hatte. Ich fühlte mich schlagartig weder neblig vom Schlaf, noch vom Alkohol.
      Wie sollte ich Caleb erklären das Louis und ich in dieser Sache keine Geheimnisse voreinander hatten? Mir war jedoch nicht gänzlich klar wieso Louis die Situation nicht aufgelöst hatte. Natürlich….er war nicht Caleb. Seine Gedanken setzte mein Mann nicht direkt in Aktionen um. “Caleb...Louis und ich. Wir sprechen darüber. Das war ein Versprechen nach unserer Hochzeit. Wir würden uns alles erzählen.” ich sah auf die Hände in meinem Schoß nicht ganz sicher was ich sagen wollte. Ich wollte ehrlich mit Caleb sein, aber die Worte auszusprechen war so schwer. Ich setzte an. Verstummte. Setzte wieder an. “Dass ich Gefühle für dich habe. Ich kann nicht ahnen bis wohin sein Verständnis geht. Aber...ich weiß nicht. Dass er ging.” ich sah und deutete zum Türrahmen, sah dann wieder direkt in Calebs Augen. “Ich weiß nicht ob das Louis Art war…”ich lachte kurz auf “uns eine Erlaubnis zu geben...für was auch immer.” und dann spürte ich das Kribbeln in meiner Nase und schluckte um nicht weinen zu müssen..”Oder seine Art mir Bewusst zu machen das ich mich entscheiden sollte. Wir uns entscheiden sollten.”

      Caleb
      Ich wusste ehrlich nicht was ich ihr antworten sollte, saß stattdessen einfach nur stumm da. Die Zahnrädchen in meinem Kopf rasten unaufhörlich, formten Worte und ließen sie wieder verschwinden.
      “Es kann auf jeden Fall nicht auf ewig so weitergehen. Ich habe wirklich gedacht ich sei über dich hinweg, bin es aber augenscheinlich nicht. Dich beziehungsweise euch vom Hof zu schmeißen ist allerdings auch das allerletzte, was ich möchte. Außerdem würde ich Betsy damit das Herz brechen, das könnte ich nie im Leben wieder gut machen”, ich seufzte tief, vergrub meinen Kopf in meinem Händen, schloss die Augen und verharrte einen Moment so.
      “Ylvi was machen wir hier eigentlich überhaupt? Was soll der Mist?” Langsam fing ich an mich wieder in Rage zu reden, sprach zuerst Dinge aus, bevor ich darüber nachdachte. “Wie soll das hier weitergehen? Dass wir uns alle paar Wochen betrinken, uns küssen oder andere Dinge machen und du dann zurück zu Louis gehst und neben ihm im Bett einschläfst?” Ich stand auf, fing an um den Wohnzimmertisch und die Couch herum zu tigern. “Ich kann mich nicht konzentrieren, bin ständig abgelenkt. Abgelenkt davon, nicht über uns nachzudenken. Dich nicht zu packen und zu küssen, dich nicht mit in mein Bett zu nehmen. Ich denk sogar darüber nach dich einfach zu umarmen, wenn du neben mir stehst, meinen Kopf an den Deinen zu legen und einfach deine Nähe zu spüren, dich bei mir zu haben. Wie soll ich das aus mir rausbekommen? Was soll ich machen? Wenn du eine Lösung weißt, sag es mir. Ich kann das auf jeden Fall nicht mehr, es macht mich wahnsinnig.” Beim letzten Wort blieb ich stehen. Zwischen Couch und Tisch war ich wieder genau vor Ylvi angekommen, schaute sie von oben herab an und atmete einmal schwer.

      Ylvi
      Ich konnte nicht anders als das Tränen meine Wangen hinab liefen. “Ich...Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein. Eine...die liebende Frau, eine gute Mutter für Kaya und Tschetan. Zufrieden, mit dem was ich habe, wie ich es bin. Die zweite? ...jemand anderes, jemand neues. Vielleicht nur für einen Tag..damit ich an deiner Seite sein kann, dich küssen, dein Bett teilen....ohne mich illoyal gegenüber Louis zu fühlen.”
      “Und du glaubst….du wärst damit zufrieden? Oder...ich?” Caleb nahm eine Strähne meines Haares und steckte es mir hinter die Ohren. “Ich habe es erst nicht begriffen. Bis heute nicht. Aber ich sehe eure Blicke, denselben mit dem du mich anschaust.” “Caleb..” seufzte ich “Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte...bis ich, wir, eine Lösung haben..” ich wische fahrig meine Tränen fort. “Danke...für den Abend. Aber...ich, ich sollte gehen.”
      Ich verzichtete auf den nassen Regenmantel, sogar meinen Hut. Ich zog nur die Stiefel an und joggte hinüber zum Bungalow.Ich schloss leise die Tür. Fand meinen Weg auf Socken hinein in das Schlafzimmer das ich mit Louis teilte. Gedämpftes Licht kam von einer Lampe, über der ein gelbes Tuch hing. Daneben rauchte ein Bündel Salbei in einer Schale. Ich wusste um die Bedeutung. Louis schrak auf als ich den Raum betrat. Wir sahen einander nicht an. In Klamotten legte ich mich neben ihm ins Bett. “Darf ich fragen?” setzte er an. “Nein Louis.” ich seufzte und schniefte gleichzeitig. “Frag mich nichts” Stattdessen rückte er ein Stück näher, nahm mich in den Arm. Mein Kopf nun auf seiner Brust, während ich einfach nur weinte. Ich hatte nicht die Kraft jetzt darüber nachzudenken was für eine Entscheidung ich treffen wollte...treffen sollte. Mein Herz liebte zwei Männer...und es zerriss mir selbiges. Es spürte Liebe und Mitleid für beide Männer die ich auf die eine oder andere Weise betrogen hatte.

      Caleb
      ‘Ich wünschte bloß ich könnte zwei Personen sein’, dieser Satz hallte Minuten, nachdem Ylvi den Raum und sogar das Haus verlassen hatte, noch immer in meinem Kopf nach. ‘Hab Geduld mit mir. Wie ich Geduld mit dir hatte, bis ich, wir eine Lösung haben.’ Eine Lösung haben? Ich hatte alles ruiniert. Hätte ich sie bloß nicht geküsst, ihr nicht nahegelegt, was in mir vorgeht. Hätte ich Schweigen sollen? Nein, mit Sicherheit nicht. Ich hatte etwas sagen müssen, meinen Gedanken freien Lauf gewähren müssen… und von jetzt an: musste ich mit den Konsequenzen leben. Der Jetzige Zustand hätte mich auf Dauer von innen heraus zerfressen. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber ich fühlte mich einsam wie schon lange nicht mehr. Auf dem Hof war vom Frühstück morgens bis zum Abendessen abends immer etwas los. Ich hatte Menschen um mich herum, manchmal mehr als mir lieb war. Von jungs bis alt, mit allen kam ich aus und war froh um jeden Einzelnen, den ich hier hatte. Aber spät abends, wenn ich alleine auf der Couch saß und die Mitarbeiter ihre Wege in die Bungalows angetreten hatten, dann fühlte ich mich einsam. Ging ich abends alleine in ein leeres Bett, fühlte ich mich einsam. Stand ich morgens alleine auf, fühlte ich mich einsam. Ging ich morgens runter zum Frühstück an den gedeckten Tisch, der voll mit meinen Mitarbeitern saß, war das Gefühl der Einsamkeit verflogen.
      Saß ich mit Ylvi zusammen im Büro, verspürte ich eine große innere Anspannung, bei der ich ständig versuchte, sie nicht nach außen hin durchkommen zu lassen.
      Bisher hatte es funktioniert, bis zum heutigen Abend. Ob es dem Alkohol oder Louis Reaktion geschuldet war, wusste ich nicht. Tatsache war, dass ich meine Gedanken ausgesprochen hatte und ich sie nicht wieder zurücknehmen konnte.
      Ylvi hatte mich vor ihrem Verlassen eben darum gebeten, ihr Zeit zu geben. Zeit, eine Lösung zu finden- und genau das würde ich jetzt tun. Es gab diese Momente im Leben, da musste man sich zusammenreißen, nun war einer dieser Momente gekommen.
    • SkynLaccy
      Alte Pflegeberichte von Veija
      Being mortal - wir sind sterblich.
      Februar 2021, by Ravenna & Veija
      Caleb
      Am nächsten Morgen tauchte ich erst spät beim Frühstück auf, lediglich Dell und Betsy saßen noch am Tisch, alle anderen waren schon auf der Ranch unterwegs und fingen mit ihren Arbeiten an.
      “Wars gestern schön im Kino gewesen?”, fragte ich an Betsy gewandt und trank einen langen Zug aus meiner Kaffeetasse.
      “Oh ja und wie! Darf ich mir Sue nehmen und sie wie ein Indianerpferd anmalen? Das hat das Mädchen im Film auch gemacht mit ihrem Pferd, bitte, bitte, bitte!”
      Ich grinste kurz, sah zu Dell der nur mit den Schultern zuckte. “Ja darfst du. Nimm sie aber mit auf einen der kleinen Paddocks, dann kann sie ein bisschen fressen, sieht die anderen Pferde und wenn sie keine Lust mehr hat kann sie weggehen, aber nicht weglaufen. Pass nur auf, dass du sie auf einen der Stutenpaddocks stellst, nicht auf die andere Seite zu den Hengsten… sind Tschetan und Kaya auch dabei?”
      “Kaya ist immer dabei, Tschetan weiß ich nicht.. aber ich glaube, Louis wollte mir da noch was erklären.”
      ‘Zusammenreißen...zusammen… reißen…’ “Wenn Louis dabei ist, umso besser. Geh gleich mal rüber und frag ihn ob er Sue sogar mit dir von der großen Koppel holen kann.” Ich hoffte, dass er Betsys Einladung folgen würde. So wusste ich wenigstens, welchen Bereich der Ranch ich heute meiden würde. Das Büro und die Stutenpaddocks.
      “Dell kannst du gleich nach dem Pferdehänger schauen? Seit Cayce und Bell mich und Tschetan mit Saintly vom Flughafen abholen sollten, steht der hier herum und ist kaputt. Ich kann auch deinen Stalldienst übernehmen, gar kein Problem.”
      “Also wenn das so ist… natürlich.”
      Betsy stopfte sich das letzte Stück ihres Brotes in den Mund, stand auf, umarmte ihren Vater mit den Worten “Hab dich lieb” und ging dann nach draußen. “Hab dich auch lieb…”, murmelte er, aber seine Tochter war schon lange verschwunden.
      “Ich hab mir beim besten Willen niemals vorstellen können, einmal so viele Kinder um mich herum zu haben. Ich bin von einer festen Beziehung und Vater sein meilenweit entfernt, ich mein… bei mir hier im Haus kommen und gehen sie, ich hab die Kids nie 24 Stunden am Tag um mich herum… aber, wie ist das Leben eigentlich überhaupt, wenn das Kind… von einem selbst ist? Man Vater ist?
      “Wie es ist Vater zu sein?”, wiederholte er meine Frage in einfachen Worten. Ich nickte, dann antwortete er: “Es ist anstrengend… es bereitet dir unendlichen Kummer. Wenn Betsy krank ist oder es ihr nicht gut geht, leide ich mit ihr, manchmal sogar mehr als sie. Ich weiß nicht wie es wäre, wenn ihre Mutter noch da wäre… aber Caleb, es ist das Schönste im Leben.”
      Ich nickte wieder, lächelte ihn an. Dann stand ich auf, füllte Kaffee in meine Thermoskanne, bedankte mich bei Dolly für das Frühstück und begab mich dick eingepackt nach draußen. Dort steuerte ich sofort auf den Trainingsstall zu, fernab von den Stutenkoppeln oder dem Bungalow von Ylvi und Louis.

      Louis fand die beiden Mädchen auf einem der Paddocks. Sue fraß genüsslich an der Schubkarre voll Heu. Kaya und Betsy waren in Gummistiefeln begeistert dabei Farbe, nicht nur auf Sue, sondern auch sich zu streichen. Wehmütig lehnte er sich an den Zaun, seufzte leise. Wann nochmal hatte er sich ausgesucht ein Vater zu sein? Das war einer der Momente in denen er es nicht mochte.
      "Louis! Schaut Sue nicht toll aus! Wie gestern in dem Film." seufzte Bety verträumt. Louis sah zu Kaya, aus ihren Zöpfen hatten sich die Strähnen gelöst, flatterten wild im Wind. Und er versuchte sich daran zu erinnern, als ihre Mutter noch gelebt hatte. Kaya war damals noch in Windeln umher gelaufen, in einer für sie angefertigten Regalia hatte sie an der Seite ihrer Mutter begonnen zu tanzen. Viel zu lange hatte Louis seine eigene Regalia nicht getragen. "Kommt mal hier rüber Mädels." winkte er die beiden Mädchen heran, setzte sich auf den Rand der Badewanne, die hier als Tränke diente. Auch die Kids setzten sich neben ihn. Dann deutete er auf Sue, die weiter ungeniert ihr Heu fraß. "Könnt ihr euch daran erinnern? An die Geschichte von Wakan Tanka? Was habe ich dabei zu seinem Namen erzählt?" Betsy und Kaya sahen ihn an, Kaya machte ein Zeichen. Und wie es für die beiden mittlerweile üblich war sprach Betsy die Worte für sie. "Du hast gesagt Wakan..das heiße Heilig. Sein Name bedeutet Großer Geist. Hat das etwas damit zu tun was du mir gestern erzählen wolltest?" fragte Betsy neugierig. Louis lächelte ihr zu antwortete jedoch nicht. "Als die ersten Siedler mit ihren Pferden dieses Land betraten wussten die Leute unseres Volkes nicht was sie da vor sich sahen. Es transportierte große Lasten, konnte weite Strecke laufen ohne zu ermüden. Sie dachten sie hätten es mit etwas heiligem zu tun. Man kannte kein Wort für diese Geschöpfe also nannte man sie Sunka Wakan. Sie nannten also das was sie vor sich sahen heiliger Hund." beide Kinder folgten dem Blick des Mannes der mit den Lippen eine kurze Geste in Richtung der Stute machte. Er ließ Betsy eine ganze Weile Zeit. Dies war nicht die erste Lehrstunde über das Leben der Lakota oder viel mehr. Nicht die erste über alle Indigenen Völker. "Heißt das...ich darf Sue nicht mehr anmalen? Es sieht doch so schön aus!" seufzte Betsy
      Louis sah das blonde Mädchen von der Seite an, bevor er ihr zu lächelte. Er schüttelte beruhigend den Kopf. "Du bist ein Kind. Aber du bist dabei erwachsen zu werden. Und wie bisher. Möchte ich das du verstehst. Für Tschetan, Kaya, mich und viele andere Indigene ist es da draußen gar nicht so einfach. Nicht wie hier auf der Ranch. Am Ende des Tages, wenn das Wasser dir die Farbe von der Haut gewaschen hat. Dann bist du wieder einfach nur Betsy." Betsy sah zu Boden, fast ein wenig enttäuscht. "Eure Kultur ist keine Verkleidung ich weiß. Bist du mir böse?" damit sah Betsy ihn wieder an. "Ich wäre dir nur böse, wenn du nicht lernen würdest. Komm ich erkläre euch ein paar der Zeichen, die man mir beibrachte. Die WarPaint eines jeden Kriegers war unterschiedlich und auch nicht jedes Pferd wurde mit den gleichen Zeichen bemalt. Das kam ganz darauf an ob das Pony ein Büffelläufer oder ein Kriegspony war."
      Für die nächsten zwei Stunden lernten beide Kinder durch die kleinen Geschichten die Louis ihnen erzählte. In der Kultur seines Volkes wurden die Kinder nicht bestraft. Es gab unzählige Lehrreiche Geschichten die dazu dienen sollten die Kinder zu erziehen. Louis selbst war nicht auf die selbe Weise erzogen worden. Doch mit den Geschichten der Ältesten kannte er sich aus.

      Ylvi
      Ich war müde und verheult aufgewacht. Schlaf hing in den Augenwinkeln, meine Klamotten die ich gestern nicht mehr ausgezogen hatten hingen an mir. Fast ein wenig feucht. Ich konnte mich nur vage an meine Träume erinnern, aber ich musste geschwitzt haben. Ich schlich mich leise aus dem Zimmer unter die Dusche. Draußen war es noch dunkel. Die Anzeige der Uhr in der Küche zeigte mir das es kurz vor 6 war.
      Wie ein Geist stand ich in der dunklen Küche. Mein Bademantel hielt mich nur vage Warm..noch rann mir ein Tropfen Wasser über das Knie. Auf leisen Füßen schlich ich mich in unser Schlafzimmer zurück, fand im Zwielicht den Schrank und zog einige neue Sachen für mich hervor. In der Dunkelheit konnte ich Louis nicht sehen. Aber die Scham drückte mich nieder, also verließ ich den Bungalow. Noch würde niemand auf sein, aber es sprach nichts dagegen bereits die Decken der Pferde abzunehmen, die Boxen zu misten. Ich brauchte jetzt Beschäftigung!
      Vielleicht würde ich mir zum Mittag eines meiner Trainingspferde entführen um einen Ausritt zu machen.

      Caleb
      Eine ganze Weile schon war ich dabei, Dells Boxen zu misten, die Pferde umzudecken, nach draußen zu bringen und schon das Futter für den Abend vorzubereiten. Bei den Pferden, die nur Mineralfutter und Kraftfutter bekamen, wartete ihr Futter am Abend bereits im Trog. Das waren auch die Pferde, die momentan nicht wirklich im Training standen.
      Alle anderen, besonders die, die ich so gut wie jeden Tag ritt, weichte ich Rübenschnitzel auf. Die konnte ich erst beim reinholen der Tiere in den Trog schütten, da sie sonst das restliche Kraftfutter zu einem labbrigen Brei aufweichen würden.
      Die Stutenkoppeln umgehend schaute ich noch bei HMJ Saintly vorbei, der momentan ein Luxusleben führte. Herumstehen und Fressen, was könnte es besseres geben.
      Da ich doch nicht drum herum kam, einige E-Mails zu beantworten, schlich ich mich ins Büro, welches zum Glück leer war, schnappte mir das Tablet und ging damit hoch in mein Schlafzimmer, wo ich mich vors Fenster setzte und mit dem Blick auf den Hof E-Mails beantwortete. Ich konnte Bellamy mit einigen der Pferde bei der Führanlage sehen, Louis und Betsy bei Sue sowie Dell beim Pferdeanhänger. Ich hoffte, dass er ihn wieder zum Laufen bringen würde.
      Doch kaum hatte ich ein, zwei Mails beantwortet, musste ich mich doch runter ins Büro setzen, da das Akku den Geist aufgegeben hatte.

      Dell
      Nach dem Frühstück war ich zunächst wieder in den Bungalow gegangen, um mir andere Kleidung anzuziehen. Die Jeans, mit der ich die Ställe mistete, war zum Reparieren des Anhängers nicht wirklich geeignet, denn sie hatte zu wenige Taschen.
      Ich schlüpfte in meine Arbeitshose- die mit den extra vielen Taschen, und machte mich zum Anhänger auf den Weg. Da wo er jetzt stand kam ich nicht gut dran, weshalb ich Calebs Truck dranhängte, um ihn mir auf den Hof zu ziehen. Caleb hatte was erwähnt, dass er sein Auto später brauchen würde, weshalb ich es wieder abhing und ein paar Meter nach vorne fuhr.
      Nachdem ich nun auch meine Arbeitsutensilien alle beisammen hatte, schaute ich mir einmal an, wo denn das Problem war. Schon beim Fahren war mir aufgefallen, dass der Hänger ziemlich schief war. Zunächst schaute ich mir also den Reifen an. Doch wenn dieser platt gewesen wäre, wären Bellamy und Cayce schon auf die Idee gekommen, ihn zu ersetzen. Also musste ich weiter drunter gehen und fand eine Stelle an der Achse, die sich verzogen hatte. Genaueres sah ich nicht, dafür musste ich mir den Hänger wohl aufbocken, um weiter drunter zu kommen- eine Aufgabe, die ich schon hundert mal erledigt hatte.
      Ich war mir sicher, ich könne den Schaden ohne großen Aufwand beheben, weshalb ich auch den Reifen drauf ließ. Ohne noch lange weiter darüber nachzudenken, bockte ich mir den Hänger auf, legte mich auf den Rücken und robbte mich zu der Stelle vor, die ich genauer unter die Lupe nehmen wollte.

      Bellamy
      Heute war einer dieser Tage, an denen ich mit dem falschen Bein aufgestanden war und mich das Gefühl nicht losließ, dass der Tag schrecklich werden würde. Dabei hatte ich heute gar nicht viele Aufgaben zu erledigen oder irgendwelche Sachen zu machen, auf die ich keine Lust hatte. Mir lag einfach ein Gefühl im Magen, dass heute kein guter Tag war.
      Ein Scheppern riss mich aus meinen Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Die Führanlage hatte den Geist aufgegeben. “Toll. Wirklich toll. Dann kann es heute ja nur noch besser werden…”, murmelte ich, ehe ich die beiden Führstricke von Magic und Tex schnappte, die Anlage mit der Hand weiterdrehte, um die beiden Pferde ans Halfter zu bekommen und mich auf den Weg zum Stall machte.
      Wieder hörte ich ein Krachen, dieses Mal jedoch etwas weiter weg. “Was hat denn nun schon wieder den Geist aufge… Oh mein Gott!” Die Stricke der Pferde glitten mir beim Anblick dessen, was ich vor mir sah, einfach aus der Hand. Ich rannte los, ganz gleich was die Tiere machen würden, die könnten wir später wieder einfangen.
      “Scheiße… hörst du mich? Oh Gott… HILFE!”, in einem wahrlichen Schockzustand brüllte ich so laut ich konnte, doch auf der weitläufigen Ranch würde mich vermutlich niemand so einfach hören können.
      Ich schien jedoch Glück zu haben, Ylvi lief auf mich zu. “Ylvi ruf einen Krankenwagen! Schnell!” Sie stoppte in der Bewegung, kramte ihr Handy aus der Tasche und lief wieder auf mich zu. Neben mir ließ sie sich auf die Knie fallen. “Was ist passiert? Hörst du mich… Dell?!”
      Keine Reaktion. Die Wagenheber, mit der Dell den Hänger aufgebockt hatte, war gebrochen. So war der Hänger mit voller Wucht nach unten gekracht und hatte Dell unter sich begraben. Dieser reagierte nicht mehr, ich wusste nicht einmal ob er atmete!
      “Bellamy atmet er? Die vom Rettungsdienst sind unterwegs…”
      “Ich weiß es nicht, wie soll ich denn dran kommen? Sollen wir den Hänger hochheben??”
      “Nein, bloß nicht. Wir müssen warten, die Feuerwehr kommt auch hierher, wenn wir den Hänger heben und er bekommt nicht sofort Hilfe… stirbt er.” Ylvi versuchte die Tränen zurückzuhalten und dem Mann am anderen Ende des Hörers Antworten zu geben.
      “Bellamy versuch herauszufinden, ob er atmet…”, gab sie mir die nächste Anweisung.
      Ich schluckte, kroch vorsichtig ein wenig unter den Hänger und blickte direkt in eine große Blutlache, die sich von Dells Kopf auf den Boden ergoss.
      Regungslos, wie erstarrt blieb ich liegen und starrte seinen Kopf an. Überall… war Blut… er hatte die Augen geschlossen… wirkte tot… “BELLAMY!”, schrie Ylvi mich nun an. “ATMET ER NOCH?”
      Zaghaft befreite ich mich aus meiner Erstarrung, hob eine Hand nach vorne und hielt sie unter seine Nase. Ich spürte einen ganz schwachen Luftstoß, legte zwei Finger an seinen Hals und kontrollierte seinen Puls, welcher ebenfalls schwach, aber noch da war.
      “Ganz schwach, Atmung und Herzschlag”, gab ich Ylvi Bericht und krabbelte wieder unter dem Anhänger heraus. “Ylvi er hat eine große Wunde am Kopf, liegt in einer ziemlichen Blutlache.” Ich versuchte mich zu besinnen. Wie oft schon hatten damalige “Bekannte” mir von Situationen erzählt, in denen sie beim Raub handgreiflich geworden waren oder sogar absichtlich Menschen verletzt hatten, um sie zu beklauen. O und mir war das nie passiert, noch nie hatten wir einen Mensch absichtlich oder unabsichtlich verletzt. Einmal war ich dabei gewesen, als mein Partner auf einen Menschen geschossen hatte. Mir sollte der Anblick von Blut nichts ausmachen, aber es war etwas ganz anderes auf einen fremden zu schießen oder seinen Freund hier, in seinem eigenen Blut liegend, vorzufinden.

      Ylvi
      Man konnte die Anspannung im Saal förmlich in Stücke schneiden. Auch ich konnte auf meinem Stuhl nicht vernünftig sitzen, mit tat der Hintern weh. Außerdem hatte ich taube Knie. Allerdings wollte ich mich auch nicht bewegen. Louis war vor 3 Stunden mit Betsy ins Krankenhaus gefahren. Bellamy war inzwischen wieder gefahren. Calebs Truck hatte wieder gesponnen, daher musste er warten bis Bell zurück war um selbst ins Krankenhaus zu kommen.
      Wir warteten bereits 5 Stunden im Wartezimmer des Krankenhauses. Ich hatte jetzt erst eine klare Vorstellung davon wie es Louis und Caleb ergangen sein musste, als ich die Patientin gewesen war. Louis hatte eine Hand um die meine geschlungen. Ich hatte Betsys Kopf auf meinem Oberschenkel. Das Kind hatte geweint. Selbst jetzt in ihrem unruhigen Schlummer der Erschöpfung zuckten ihre Schultern. Mechanisch strich ich ihr über die Stirn, durch das blonde Haar. Plötzlich wurden unsere Namen aufgerufen. Da ich mich nicht rühren wollte, erhob sich Louis an meiner statt. Eine der Ärztinnen erklärte ihm genau was nun mit Dell passierte. Ich brannte darauf auch zu hören was los war. Doch ich wollte die gerade schlafende Betsy nicht wecken. Keine Regung sah ich im Gesicht meines Mannes. Erst als die Frau sich herum drehte und ging strich sich Louis Seufzend die losen Haare aus dem Gesicht. Seine Backen plusterten sich auf,die Luft entwich seinen Lippen auf dem Weg zurück zu mir. Ich hielt Betsys Ohr zu, während mir Louis leise in mein Ohr flüsterte. "Sie haben ihn wieder zusammen geflickt. Aber seine Reaktionen auf sämtliche Tests, sieht nicht gut aus. Noch ist es zu früh um zu sagen er sei Hirntod, die Prognose allerdings ist schlecht." Ich starrte hinunter auf den Kind. Alsbald würde sie womöglich mehr mit ihrer Freundin teilen als sie ahnte. Wie nur sollte ich ihr erklären, dass nach ihrer Mutter nun auch der Vater ihre Welt verlassen würde? Ich schluchzte auf, das war einfach zu viel. Da erscholl eine zarte Stimme von meinen Knien her. "Er wird nicht wieder gesund,oder?" Betsy richtete sich auf. Sah uns beide an. Plötzlich wirkte sie viel älter als sie es in Wahrheit war. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. Ich zog Betsy an meine Brust. Mir fehlten ohnehin die Worte, welche Bedeutung hätten sie jetzt auch noch?

      Caleb
      Wenige Minuten später, nachdem ich mich ins Büro gesetzt hatte klingelte mein Telefon. Die Rinder waren unten am Fluss durch den Zaun gegangen und unterwegs in Richtung der Hauptstraße. Ich seufzte, manchmal, wenn man am wenigsten Zeit hatte, kam einem sowas noch dazwischen.
      Ich legte das Handy auf den Schreibtisch, zog mir die Stiefel, die ich der Bequemlichkeit halber eben ausgezogen hatte, wieder an und ging dick eingepackt und Schal und Jacke nach draußen. Sogar unter dem Hut hatte ich eine Mütze auf dem Kopf. Es war kalt geworden, hier in Kanada.
      Im Stall traf ich den Mann, den ich gesucht hatte: Cayce. “Hey Cayce schnapp dir Shorty und triff mich am hinteren Ausgang der Ranch, Richtung Fluss. Wir müssen die Rinder nochmal einfangen die sind da durch den Zaun, Mr. Lance hat mich gerade angerufen.”
      “Okay ich beeil mich.”
      Während Cayce zu den Nordkoppeln lief steuerte ich die Südkoppeln an, denn dort stand Gipsy, der zwar schon eine Weile nicht mehr an den Rindern gearbeitet hatte aber zur Zeit besser im Training stand als Gangster oder Devil.
      Fünfzehn Minuten später traf ich auf Cayce und Shorty, die ebenfalls Packtaschen mit Werkzeug und Zaunstücken zum Reparieren besorgt hatten.
      Wir brauchten etwa eine dreiviertel Stunde bis zu den Rindern, trieben sie über eine halbe Stunde zusammen, reparierten den Zaun und ritten wieder eine dreiviertel Stunde zur Ranch zurück, wo mich der Schlag traf: auf dem Hof standen Feuerwehrleute und die Cops, die sich den Hänger anschauten, an dem Dell heute morgen gearbeitet hatte. Ich trieb Gipsy im flotten Galopp auf die Männer zu, hielt ihn an und sprang von seinem Rücken. “Was ist hier passiert?”

      “Caleb beruhig dich, wenn du aufs Lenkrad einschlägst, startet der Motor immer noch nicht”, versuchte Cayce mich zu besänftigen. Der verdammte, alte Truck sprang mal wieder nicht an, weshalb ich keine Möglichkeit hatte, jetzt nach Calgary ins Krankenhaus zu kommen.
      Dell hatte einen schlimmen Unfall gehabt. Der Hänger war auf ihn draufgefallen, schon vor Stunden. Weder Cayce noch ich hatten unsere Handys auf der Einfangaktion dabei gehabt, weshalb uns niemand hatte erreichen können. Mittlerweile wusste ich, dass Ylvi, Louis und Betsy im Krankenhaus waren und warteten. Bellamy befand sich gerade auf dem Rückweg zur Ranch, damit ich mit dem anderen Truck nach Calgary fahren konnte.
      Arme Betsy.. ich konnte mir gar nicht ausmalen, wie es ihr gerade erging.
      Als ich Bellamy die Einfahrt hochfahren sah lief ich ihm schon entgegen. “Ich halte hier die Stellung!”, rief Cayce mir nach, ich winkte ihm kurz und riss dann die Beifahrertür des Trucks auf.
      “Ich… hatte sowieso vor wieder zurück zu fahren…”, murmelte Bellamy, wandte und fuhr wieder zurück dorthin, von wo er gerade gekommen war- nämlich zum Krankenhaus, in das Dell eingeliefert worden war.

      Während ich in das Wartezimmers des Krankenhauses stolperte und so beinahe alle Aufmerksamkeit auch mich lenkte, scannte mein Blick den Raum nach dem Antlitz eines einzigen Menschen. Eines kleinen Menschens; Betsy.
      Das Mädchen stand am Fenster, wandte mir den Rücken zu. Eine Hand auf dem Fensterbrett, die Andere in der von Ylvi, die sich direkt neben ihr befand. Auch sie schaute zum Fenster hinaus, wirkte in sich zusammengesunken.
      Neben mir eine Regung, dann eine Hand auf meiner Schulter. „Fangen Sie wieder an zu atmen, nicht dass Sie uns hier noch zusammenklappen“, war die einfache Aussage einer älteren Dame, derer ich nun meinen Blick zuwandte und reflexartig einmal tief Luft holte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich sie angehalten hatte, spürte jetzt allerdings ein leichtes Brennen meiner Lunge. Meine rechte Hand zur Brust hebend ging ich einen Schritt auf die beiden Frauen zu. Auf halber Strecke wandte Ylvi mir den Kopf zu. Mit ihren blau unterlaufenen, tränenverquollenden Augen schüttelte sie kaum sichtbar den Kopf.
      Ich seufzte tief, schloss einmal kurz die Augen und als ich sie wieder öffnete, starrte ich direkt in Betsys kleines, ebenso tränenüberströmtes Gesicht. Sie sagte kein Wort aber ich spürte all den Schmerz, die Trauer und auch die unbändige Wut in ihrem Blick. Ich wollte etwas sagen doch mein Mund wollte einfach keine Worte formen. Stattdessen ging ich in die Hocke, breitete die Arme aus und hoffte, dass das Mädchen der stillen Aufforderung nachkommen würde. Augenblicklich löste Betsy sich von Ylvi, begab sich in meine geöffneten Arme und schmiegte sich schluchzend so fest an mich, dass mir der Cowboyhut vom Kopf fiel. In jeder anderen Situation hätte ich ihn sofort vom Boden aufgehoben, doch in diesem Moment war der Hut auf dem Boden das kleinste meiner Probleme, denn während mein Hemd langsam Betsys Tränen durchsickern ließ, rollten zunächst vereinzelt auch Tränen bei mir, ehe ich mich der eigenen Trauer hingab und ebenso bitterlich anfing zu weinen.

      “Caleb?”, riss mich Louis Stimme aus den Gedanken. “Die Ärzte wollen mit dir reden… mit dir und Ylvi.”
      Ich sah auf, stand vom Boden auf und reichte Betsy die Hand, um auch ihr vom Boden auf zu helfen. “Mit mir und Ylvi?”
      “Ja, ihr seid als Notfallkontakte angegeben worden und… mehr weiß ich nicht, Ylvi wartet bereits vor der Tür.”
      Ich nickte, drückte noch einmal feste Betsys Hand, ehe Louis das Mädchen in den Arm nahm. Wieso hatte Dell Ylvi und mich gemeinsam als Notfallkontakte angegeben?
      Draußen angekommen folgte ich dem Arzt sowie Ylvi in einen separaten Raum, dessen Tür geschlossen wurde, ehe der Mann im weißen Kittel ein Klemmbrett herausnahm und sich vor uns stellte.
      “Ich möchte sie nicht anlügen, es sieht wirklich schlecht aus. Wir haben alle getan was wir konnten, aber die Verletzungen waren zu schwerwiegend. Um ihn für Hirntod zu erklären, ist es offiziell noch zu früh. Wir würden gerne 48 Stunden abwarten und in gewissen Abständen unsere Test wiederholen. Wenn wir bis dahin noch immer keine Reaktion erkennen können, müssen wir über weitere Schritte wie das Abschalten der Maschinen sprechen… Dell hat sie beide gemeinsam als seine Notfallkontakte angegeben. Was seine Tochter”, er suchte auf seinem Zettel nach dem Namen des Kindes, “Betsy angeht.. Wir können eine liebevolle Sozialhilfe anrufen, die sie in Obhut nimmt, bis der Papierkram geklärt ist und…”
      “Kommt gar nicht in Frage”, antwortete ich und schüttelte den Kopf. “Betsy bleibt in unserer Obhut und kommt zur Ranch mit zurück. Sie kennt uns, sie kennt die Ranch. Das ist ihr Zuhause. Da wird es doch eine Möglichkeit geben?” Wie schaffte ich es, in dieser Situation so ruhig zu bleiben? Ich war selbst von mir überrascht. Im Kopf ging ich bereits durch, was ich Betsy erzählen müsste, was mich unglaublich traurig stimmte. Die nächsten Tage, Wochen und Monate würden die Hölle für sie werden. Nicht, dass es schon schlimm genug war, seine Mutter in so jungen Jahren zu verlieren. Nein. Nun verlor sie auch noch ihren Vater. Offiziell konnten sie ihn noch nicht für tot erklären, aber er war kurz davor. Aufwachen würde er nicht mehr, es gab nur noch einen Weg für ihn.
      “Ich… ich bin mir sicher, dass dies in Ordnung geht. Ich spreche noch einmal mit unserer Sozialabteilung und gebe Ihnen in kürze Bescheid. Wenn sie möchten, können sie zu Herrn William Dell ins Zimmer. Überlegen Sie jedoch gut, ob Sie das Mädchen mitnehmen möchten oder ob der derzeitige Anblick ihres Vaters nicht zu viel für sie ist… Intensivstation Zimmer 23.”
      Damit verabschiedete sich der Arzt und ließ eine völlig baffe Ylvi und mich zurück. Eine ganze Weile sagte niemand von uns etwas, dann entschieden wir uns, zunächst alleine zum Zimmer zu gehen, um zu schauen, ob wir Betsy den Anblick ihres Vaters zumuten konnten.
      Bei Dell angekommen schlug Ylvi sofort die Hand vor den Mund. In seinem Hals steckte ein Beatmungsschlauch, um seinen Kopf hatte er einen großen Verband. Sein Gesicht hatte weniger abbekommen als erwartet, weshalb wir uns entschieden, Betsy zu ihm ins Zimmer zu holen, da er noch immer wie ihr Vater aussah und nicht wie ich zunächst vermutet hatte, völlig entstellt war.
      Betsy betrat wenige Minuten später zusammen mit Louis das Zimmer. Sie schluchzte, auch wenn so langsam keine Tränen mehr aus ihren Augen hinauskommen wollten.
      “Kann ich… mich zu ihm legen?”, fragte sie Ylvi leise, welche nickte und ihr aufs Bett half. Keiner von uns vermochte ein Wort zu sagen. Was auch? Betsy wusste vermutlich genau, was hier los war und dass wir ihren Vater nicht mehr mit nach Hause nehmen würden.
      Das Mädchen war durch die vielen Stunden total ausgelaugt, weshalb sie sich kurze Zeit später, im Krankenhausbett ihres Vaters, in den Schlaf geweint hatte. Mit einem kurzen Nicken befahl ich Ylvi und Louis in den Flur.
      “Was machen wir jetzt?”, fragte ich in die Runde und knetete nervös meine Hände. Mit aller Kraft hielt ich die Tränen zurück, dafür war nun nicht der richtige Zeitpunkt.
      “Wir warten noch eine Weile hier und fahren dann zurück zur Ranch? Wir dürfen bestimmt nicht die ganze Nacht hier bleiben”, meinte Louis.
      “Könnt ihr Betsy mit zu euch beziehungsweise Kaya nehmen? Wie erklärt ihr den beiden, was passiert ist?”
      “Ich weiß es noch nicht”, gestand Louis mir wahrheitsgetreu. “Aber wir nehmen sie heute Nacht mit zu uns. Morgen sehen wir weiter.”
      Ich nickte zur Antwort ehe wir wieder ins Krankenzimmer gingen und darauf warteten, dass die Besuchszeit vorbei war und wir nach Hause gehen mussten.

      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      22:00 Uhr - Stunde 2 von 48
      "Ich hab Betsy zu Kaya ins Bett gelegt, sie ist völlig fertig. Beide schlafen jetzt." antwortete Ylvi flüsternd auf die beiden fragenden Blicke der Männer am Küchentisch des Bungalows. Calebs Hut lag auf dem Tisch, er strich sich gerade mit beiden Händen von seinen Augen durch seine Haare. "Ich wünschte ich könnte auch so schlafen. Mir brennen die Augen, aber ich glaube kaum das ich in den nächsten Stunden schlaf bekomme." Die junge Frau ließ sich ebenso erschöpft auf den Stuhl nieder, nur um dann wieder aufzustehen in Richtung Schrank. "Es ist so schrecklich nichts tun zu können."
      Klirrend stellte sie eine Flasche Whisky sowie drei Gläser auf den Tisch. "Ich denke der kann uns allen nicht schaden." damit goß sie jedem etwas ein. Das würden die längsten 48h ihres Lebens werden.

      6:00 Uhr - Stunde 8
      Louis hatte sich mittlerweile auch ins Bett verzogen. Caleb und Ylvi saßen an dem kleinen Tisch. Die Zeit zog sich in dürren Fäden. Schweigen zwischen ihnen. Ylvis Hand fuhr nervös immer wieder den Rand des leeren Glases entlang. Die Flasche stand fast unberührt in der Mitte des Tisches. Jeder hing seinen Gedanken nach. "Wieso er wohl uns beide eingetragen hat?"
      "Mhm?" Ylvi hob den Kopf und verzog die Augenbrauen, die junge Frau hatte die Frage nicht verstanden. "Dell, uns beide hat er als Kontakte eingetragen. Wieso?"
      "Findest du nicht das ist offensichtlich?" Caleb zuckte mit den Schultern. "Er hat keine andere Familie, falls ja so hat sie nicht viel Interesse an Betsy oder Dell gezeigt. Du bist das näheste was einer Bezugsperson für Betsy gleicht. Und ich...ich denke die Eintragung stammt noch aus der Zeit, als wir ein Paar waren. Drinnen gelassen hat er es sicherlich auch...um zu gewährleisten, daß Betsy einen Ansprechpartner hat. Darum hat er mich mal gebeten." Nun sah Caleb die junge Frau etwas verwirrt an. "Im Sommer….da hat er mich gebeten mich um Betsy zu kümmern..bei Fragen um Frauensachen. Die Pubertät steht in den Startlöchern..und dann nur mit einem *verschrobenen Vater* aufzuwachsen sei ungünstig." Als sie Dells Worte wiedergegeben hatte, nutze sie seinen texanischen Akzent um klar zu machen das es sich um seine Worte handelte. Caleb erwiderte darauf nur ein bedächtiges Kopfnicken, dann riss er den Mund weit auf. Sein Gähnen steckte auch Ylvi an. "Ich denke wir sollten auch schlafen gehen." kommentierte Caleb mit einem Japsen. "Wach vor den Handys zu sitzen bringt die Zeit auch nicht schneller dazu zu vergehen."
      "Willst du auf der Couch schlafen?" fragte Ylvi und deutete auf das kleine Wohnzimmer .
      "Ich wäre gern in der Nähe von Betsy, ja." So leise wie möglich bereiteten sie also für Caleb die Couch zum Schlafen vor. Gerade als sich Ylvi verabschieden wollte, kam eine verschlafene Betsy aus dem Zimmer von Kaya und Tschetan getappert. Mit einem müden Blick sah sie in Richtung Caleb auf der Couch. "Darf ich bei dir schlafen?" kam es ihr über die Lippen. Der Blonde lächelte, tappte neben sich. "Komm her." Betsy sprang beinahe zu ihm unter die Decke, kuschelte sich an ihn. Ylvi beugte sich über das Mädchen strich eine Strähne aus ihrem Haar, küsste sie auf die Stirn. "Gute Nacht." flüsterte Ylvi. "Ich mach das Licht aus." sagte sie dann in gedämpfter Stimme. "Ylvi? Bleibst du auch?" halb aufgerichtet, fragend sah Betsy Ylvi an. Der Blick der Frau ging von dem Mädchen zu dem Mann hinter ihr. Er sah sich um, als wolle er schauen ob genug Platz da war. Gerade als Ylvi ansetzen wollte das die Couch zu klein war. Rückte Caleb ein wenig weg. "Wir rücken einfach alle zusammen."
      Also fand sich die junge Frau wenige Augenblicke später auf der Couch wieder. In ihren Arm gekuschelt, schlief das Mädchen beinahe schon wieder. Ihr kleines Gesicht war in Richtung Caleb gedreht. Sein Arm lag über dem Kind und ruhte auf Ylvis Hüfte. Die ganze Situation war völlig absurd. Ylvi wusste sie würde keinen Moment schlafen können. Doch noch während sie diesen Gedanken fasste, entführten sie die regelmäßigen Atemzüge ihrer Bettgenossen in einen traumlosen Schlaf.

      10:00 Uhr - Stunde 12
      Gefühlt war der Blonde mit Betsy und Ylvi im Arm eingeschlafen, da riss ihn die ihm ins Gesicht scheinende Sonne schon wieder aus dem Schlaf. Nach einem Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk wusste er, dass es höchste Zeit war einen kurzen Abstecher im Stall zu machen. Aber konnte er gehen? Betsy hatte sich zu ihm und Ylvi gekuschelt. Was würde sie denken, wenn sie aufwachte und er wäre weg? Wobei Betsy den Tagesablauf auf der Ranch ganz genau kannte… außerdem wäre Ylvi ja noch da.
      Also setzte er sich langsam und zögerlich auf, langte nach dem Tisch und kletterte vorsichtig über die beiden schlafenden Frauen hinüber. Als er sich gerade über Ylvi befand, öffnete diese die Augen und ihre Blicke trafen sich. Mit der einen freien Hand legte Caleb seine Finger über die Lippen, zum Zeichen, dass Ylvi nichts sagen solle. Er machte eine Essensgeste, zeigte dann nach draußen und sah Ylvi nicken- sie schien verstanden zu haben.
      Im Stall traf er auf einige der Mitarbeiter, denen er stets nur mit Kopfschütteln berichten konnte, dass es keine Neuigkeiten bezüglich Dells gab. Schneller als sonst deckten sie die noch im Stall verbliebenen Pferde um, brachten sie nach draußen und Caleb delegierte das Boxenmisten an seine Mitarbeiter ab, damit er wieder zurück zu Betsy gehen konnte.
      Mittlerweile war es schon 12:00 Uhr mittags, Ylvi und die drei Kinder saßen am Esstisch. Louis stand in der Küche und schien eine Kleinigkeit zu kochen. Das flaue Gefühl im Magen, sich jetzt dazu zu setzen schob Caleb ganz schnell beiseite. Er würde auch in zwei Tagen noch genug Möglichkeit haben, sich in der Gegenwart von Louis und Ylvi unwohl zu fühlen.

      12:00 Uhr - Stunde 14
      “Louis kannst du mir einen Kaffee mitmachen?”, fragte er den Lakota, welcher kurz nickte und sich der Kaffeemaschine widmete. Wenig später stand eine wohl duftende Tasse auf dem Tisch, in die Caleb ein wenig Milch kippte und langsam daran nippte. Niemand sagte etwas, alle saßen schweigend am Tisch. Betsy starrte ins Leere, Kaya drehte die Gabel in ihrer Hand hin und her. Selbst Tschetan, der immer am quasseln war, schien im Moment keine Worte zu finden.
      “Fahren wir später nochmal zu Dad?”, durchsprach Betsy die unangenehme Stille und schaute zunächst zu Caleb, dann zu Ylvi, welche letztendlich das Wort ergriff: “Ja, natürlich. Gleich nach dem Essen.”
      “Ich hab keinen Hunger…”, erwiderte das Mädchen und richtete den Blick gen Boden.
      Caleb seufzte kurz, rückte auf der Bank ein wenig näher an das Mädchen heran und nahm sie in den Arm. Sie lehnte sich sofort gegen ihn, schlang ihre kleinen Arme um seinen Körper und fing wieder an zu weinen. “Ich kann mir vorstellen, dass du keinen Hunger hast, Betsy. Mir geht es genauso. Aber wir müssen alle etwas essen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Du möchtest doch nicht umkippen.”
      “Aber damit ist meinem Dad auch nicht geholfen, wir können nichts machen, damit es ihm besser geht”, schluchzte das Mädchen. “Der große Geist wacht über ihn.” flüsterte Tschetan zu ihr, während er einen Arm um sie legte.
      Louis hielt mit seiner Hand inne, die gerade zum Mund fuhr um sich den Kaffee einzuverleiben. Er hielt sie in der Luft. "Vielleicht könnten wir eine kleine Healing Ceremony machen. Tschetan erinnerst du dich? Wie damals für deinen Onkel."
      "Ich könnte die Trommel für dich schlagen, während du singst." sprach der Junge andächtig.

      14:00 Uhr - Stunde 16
      Die Fahrt zum Krankenhaus war für alle erdrückend gewesen. Die Hälfte der Leute musste im Warteraum sitzen bleiben. Tschetan hatte versprochen ein paar der Heilpflanzen im Wald zu suchen. Sowie eine gute, ruhige Stelle für die Zeremonie und ein Feuer zu suchen. Louis und Kaya durften die Intensivabteilung nicht betreten. Caleb und Ylvi saßen, Hand in Hand, auf den Stühlen im Zimmer. Dell angeschlossen an viele piepsende Geräte, das Pumpen und Zischen der Beatmungsmaschine. Und dazwischen auf der Bettkante das Mädchen. Ylvi spürte wie es ihr kalt den Rücken herunter lief. Der Ausdruck ihrer Augen. Nicht leer. Nicht länger verweint. Sondern geklärt. In diesem Moment schienen die Augen einer Erwachsenen aus dem Gesicht eines Kindes auf die Situation zu schauen. Und was sie sahen war der Tod. Die Ärzte hatten bereits davon berichtet, das sein Nieren kurz davor waren seinem Körper den Dienst zu versagen. Die Hoffnung des Erwachens das wir noch vor einigen Stunden gehabt hatten schwand immer wieder.

      22:00 Uhr - Stunde 24
      Am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr waren sie alle wieder zurück zur Ranch gefahren. Dies war Betsys Idee gewesen. Sie hatte gesagt, dass dort genug Arbeit auf alle von ihnen warten würde, als dass sie es sich erlauben könnten, den ganzen Tag im Krankenhaus zu sitzen. Betsy, Kaya und Tschetan hatten den Rest des Tages im Bungalow von Louis und Ylvi verbracht. Letztere leistete den Kindern Gesellschaft. Louis als auch Caleb kamen den Arbeiten auf dem Hof nach.
      Gegen 20 Uhr klingelte das Telefon. Das Krankenhaus. Sie sollten, wenn sie Dell noch lebend sehen wollten, sofort kommen.
      Gegen halb 10 waren sie alle in Calgary angekommen. Louis, Ylvi, Betsy und Caleb. Cayce und Bellamy passten auf Kaya und Tschetan auf.
      Hier saßen sie nun, Louis auf einem Stuhl in der Ecke des Intensivzimmers, Ylvi und Caleb auf je einer Seite des Bettes. Betsy im Arm ihres Vaters. Sie hatte sich an ihn gekuschelt, weinte bitterlich, auch wenn die Tränen erneut versiegt waren.

      Gegen 22 Uhr verstarb Dell im Beisein derer, die für ihn in den letzten Jahren zur Familie geworden waren.

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      3 Uhr - Stunde 5
      Als das Licht angeschaltet wurde, gab der Blonde ein brummendes Grunzen von sich. Im Reflex zog er sich die Decke vor seine Augen. Sein Schlaf, oder eher das Ruhen im Bett wurde je unterbrochen. Im Schlafanzug, mit großen Augenringen stand Ylvi vor seinem Bett. Allerdings vermochte er dies nicht zu sehen - wir erinnern uns?
      Stattdessen gab ihr hastiges Gequatsche ihre Identität preis. Er spürte wie etwas auf seine Decke geworfen wurde. Anschließend bewegte sich die Matratze. "Caleb? Hast du gehört?!" Sie zog ihm die Decke weg, sein genuscheltes Nein, entfuhr ihr ein Seufzen. Dann wedelte sie mit einem Haufen Papier vor ihrer Nase. "Caleb, hör zu. Du musst dich entscheiden. Entweder du übernimmst Verantwortung, oder die Behörden könnten entscheiden, dass sie woanders besser aufgehoben wäre."
      Caleb griff nach dem Haufen Blätter, blinzelte die Müdigkeit fort.
      'Adoptionsantrag' -waren was die Druckbuchstaben auf dem ersten Zettel verkündeten.
      Fohlenweide: Like a Prayer, BR Dissident Whiz, BR Colored in Style, BR Alans Smart Dream, BR Raised to Slide, A Walking Dignity, BR Wimpys Bright Gangster, BR Atlantis Dream, BR Double Gunslide, Blue Fire Cat, Dual Shaded Ace

      Jungpferde: tc Mister’s Silvermoon Cody, Smart Lil Vulture, PFS‘ Unclouded Summer Skies, GRH’s Funky’s Wild Berry, Four Bar Chocolate Becks, Chic‘ N Shine, Chapman, BR Colonels Lil Joker, BR Colonels Golden Gun, Jacks Inside Gunner, Gun Sophie, Ginger Rose, Colonels Blue Splash, Captains Blue Crystal, BR Dress to Impress

      Trainingsstall: Bittersweet Temptation, Cielos, Whitetails Shortcut, Zues, Abandon all Hope, California Rose, Cupcake Cult, Easy Going, Frosty Lagoon, HMJ8345’s Continental, Honey’s Aleshanee, Kholáya, Lady Blue Skip, My sweet little Secret, Snapper Little Lena, Stormborn, Special Luna Zip, Stormborn, Striga, Tortured Witch HMJ 6693, Blanton’s Gentleman, Heza Bat Man, HGT’s Unitato, How ‘Bout Moonies, I’m a Playboy, Silent Bay, Small Town Dude

      Zuchthengste: Alan’s Psychedelic Breakfast, Chocolate Dream, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, Gun and Slide, Gunners Styled Gangster, Hollywoods Silver Dream, Nachtschwärmer, Till Death, GRH’s Unbroken Soul of a Devil

      Zuchtstuten: A Walking Honor, Bella Cielo, Black Sue Dun It, Chou, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Jade, Kristy Killings, Lovin‘ Out Loud, Magnificient Crow, Miss Independent, Only Known in Texas, Tainted Whiz Gun, Wimpys Little Devil

      Sommerweide: Aufgepasst, hier kommt Arcada!, Breia LDS, Ceara Isleen, Dakota, Drama Baby, Flashlight, Leuchtfeuer di Royal Peerage, Pocahontas, Priamos Ruffia Kincsem, Prias Colourful Soul, Raspberry, Tasmania, Tigres Eye, Absolute Bullet Proof, Birk, Culain, Myrkvidr, Peacful Redemption, Wildfire xx

      Verkaufspferde: Magic Lanijos, Chapter 24, General’s Coming Home, A Shining Chrome, Picture of a Ghost, Verdine, Whinney, Cruel Twist of Fate, Kisshimbye, Sweet like Chocolate, BR Homecoming Queen, BR Hollywoods Dream Anthem, BR Sheza Topnotch Babe, BR General Pleasure, BR Black Pamina, BR Heart N‘ Soul, BR Lovely Gun, BR Twenty 4 Killings
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    29 Juni 2021
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  • V E R D I N E

    Name: Verdine
    Geburtsdatum: 18.09.2008
    Alter: 13 Jahre
    Stockmaß: 153 cm
    Rasse: American Appaloosa Horse
    Fellfarbe: Dunkelfuchs Schabracktiger

    Stammbaum
    aus der: Unbekannt
    von: Unbekannt

    Charakter & Geschichte
    ausgeglichen | teilweise unsicher | schreckhaft | sensibel

    Verdine ist eine ausgeglichene Appaloosa Stute und stammt noch aus einer Arbeitslinie. Dank eines leichten Sportlinieneinflusses ist sie etwas leichter gebaut, aber leider auch nicht so unerschütterlich, weshalb sie auch mal unsicher sein kann. Man sollte sie nicht völlig unaufmerksam reiten, da sie noch Sicherheit benötigt, sonst ist sie recht schreckhaft. Stress und Unruhe übertragen sich leicht auf Verdine. Dennoch ist sie sehr arbeitseifrig und gibt immer alles. Im Vergleich mit anderen Pferden klebt sie einem nicht an den Fersen, freut sich dennoch über Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten.

    Zuchtinfos
    Gekört/Gekrönt: ja
    [​IMG]
    [SK 458] Alle Stuten

    Nachkommen: BR Wherigo, von Whinney


    Besitzer: SkynLaccy
    Vorbesitzer: adoptedfox, Veija
    Gezüchtet bei/Zucht: -
    VKR: sadasha

    Kaufpreis: 1800 Joellen

    Zu Verkaufen: nein

    Qualifikationen
    eingeritten
    nicht eingefahren

    Dressur E/L
    Springen E/A
    Military E
    Distanz E
    Galopprennen E

    Western
    Pleasure
    Reining LK 1
    Trail

    Erfolge
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    3. Platz 400. Westernturnier, 1. Platz 415. Westernturnier, 2. Platz 446. Westernturnier, 3. Platz 448. Westernturnier, 1. Platz 413. Galopprennen, 3. Platz 448. Westernturnier, 2. Platz 509. Dressurturnier, 1. Platz 355. Distanzturnier, 1. Platz 457. Distanzturnier, 3. Platz 513. Springturnier


    Gesundheit
    Gesundheitszustand: gesund
    Letzter Besuch: 15. August 2018
    Hufschmied:
    Letzter Besuch: 15. August 2018
    Beschlag: kein Beschlag