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Ravenna

Valravn

Lewitzer x Paint ○ Black Tobiano ○ Wallach ○ 8 Jahre ○ 148cm

Valravn
Ravenna, 19 Mai 2019
    • Ravenna
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      K(ein) Ranchpferd für Caleb | Ravenna | 45513 Zeichen
      Caleb

      Es war zwar einige Zeit vergangen, dass Bellamy mir den Auftrag gegeben hatte, mir neue Mitarbeiter anzuschauen, doch so richtig hatte mir keiner zugesagt. Es waren einige Cowboys und Pfleger gekommen, doch ich hatte bei Bellamy den Wunsch nach einem richtigen Cowboy geäußert und nicht nach einem weiteren Anfänger oder Stallburschen.

      Ich hatte mir zudem schon eine Weile Gedanken darüber gemacht, doch dann war ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich wieder mit dem Roping anfangen wollte. Vielleicht wollte ich auch wieder ganz ins Rodeo einsteigen, mal schauen. Setzte ich meinen Standard also bei dem oder den neuen Mitarbeitern zu hoch, weil ich mir einen Partner dafür wünschte? Team Roping war so viel toller, als diese Disziplin einzeln zu machen… und Louis würde ich wohl kaum überredet bekommen, nochmal mitzumachen.

      Doch dafür brauchte ich noch ein neues Pferd. Da hatte ich mich auch schon auf die Suche gemacht. Es wurden so viele Pferde angeboten. So viele gute Tiere, die ich mir allerdings mit meinem kargen Gehalt hier nicht leisten konnte. Ein Pferd hatte es mir jedoch angetan, obwohl ich mit diesem diese Diziplin nie laufen können würde. Nachdem ich ja nun Chocolate Dream als Einziger reiten konnte, irgendwie hatte er etwas gegen andere Menschen, besaß ich ja schon mehr oder weniger ein nicht-Westernpferd. Was machte da schon ein zweites? Wenn der Haflinger gut würde, dann hätte ich alles richtig gemacht. Im Geiste verfluchte ich Verena nochmals für ihre dummen Aussagen, dass auch andere Rassen gute Westernpferde sein könnten. Wäre sie und Choco nicht gewesen, käme ich auch nie auf die Idee, mir einen Haflinger zu kaufen, oder ihn zumindest einmal anschauen zu fahren.

      Ich ritt gerade Choco ab, ehe ich mit ihm in Richtung Stall ging. Dort traf ich auf Ylvi, die Inyan absattelte. “Hey, hast du Lust mit nach Irland, Luggala zu kommen und ein Pferd für mich anzuschauen?”, fragte ich sie geraderaus und hielt meinen Hengst an, um abzusteigen und auf ihre Antwort zu warten. “Hast du nicht schon genug Pferde?”, fragte sie mich, doch ich schüttelte nur den Kopf. “Ich besitze Smart Lil Vulture und mehr oder weniger Chocolate Dream. Das wars, mehr habe ich nicht.”, lachte ich und ein Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. “Was?”, fragte ich in einem leicht genervten Ton. “Dann habe ja sogar ich mehr Pferde als du.” “Jaja…”, murrte ich nur zurück. “Ich besitze die halbe Ranch und leite fast alles. Wenn man es so sieht, bin ich Ranchbesitzer.”, antwortete ich ihr doch sie zuckte nur mit den Schultern. “Auf dem Papier bist du es aber nicht.” Sie wusste genau, wie sie mich zur Weißglut bringen konnte. “Kommst du nun mit oder nicht?”, fragte ich sie noch einmal und hievte den Sattel von Choco runter, um ihn in die Sattelkammer zu bringen. “Ja okay. Wann geht es los?” “Morgen früh 9:00 Uhr fahren wir zum Flughafen. Bis dahin musst du deine Pferde alle versorgt haben.”, sagte ich zu ihr und machte dann relativ schweigend mein Pferd fertig.


      Ylvi

      Spontanität war Calebs Stichwort. Schon wieder eine Einladung zu einem Kurztrip verdammt kurzfristig. Natürlich hätte ich nein sagen können, aber Reisen machte mir nunmal Spaß. Ich huschte also hinein, zog mich um, stöpselte die Kameraakkus an den Strom und machte mich anschließend an den Paddocktrail meiner vier Schecken. Dieses Mal nahm ich mir jedoch vor Bellamy um Spontanurlaub zu bitten. Das Misten meiner Bande funktionierte eigentlich mittlerweile einwandfrei - ich hatte ein Areal eingerichtet das als Toilette diente. Wochenlang hatte ich dort einige Haufen liegen gelassen. Den Rest des Trails penibel frei gehalten. Jetzt hatte ich sie soweit das zumindest Inyan und auch Ravn nur die Toilette benutzen, auch Gweny schien das System zu nutzen. Mochte vielleicht an ihr Leben vorher in der Box liegen - an einem Ort ihr Geschäft erledigen war ihr daher nicht fremd. Nur Fylgia schien sich noch nicht allzu sehr daran gewöhnt zu haben. Ich strich Inyan über den gefleckten Kopf, küsste Ravns Nase der sich dazwischen schob. Gweny erhielt ihre extra Portion Futter. Ich hatte Louis geschrieben das wir für ein paar Tage weg sein würden, ihn gebeten ein Auge auf die anderen drei zu haben. Gweny würde er trainieren, Sunka und Zinkala-win würde er ebenfalls mitbringen.


      Nach meiner Arbeit erkundigte ich mich bei Murphy, der mir entgegen kam wo Bellamy zu finden sei. “Im Büro, über den Rechnungen.” sagte er grinsend. Oh weh, Bellamys Lieblingsbeschäftigung. Seitdem O nicht mehr auf der Ranch war, blieb diese Aufgabe an ihm hängen. Ich klopfte an die Tür seines Büros, ein knurrendes “Ja” erscholl. Seine Züge hellten sich jedoch auf als er mich durch die Tür kommen sah. “Ylvi. Die neuen Bilder für die Vollblüter sind wundervoll geworden.” “Dankeschön. Aber das gehört ja mit zum Job. Eigentlich bin ich aber hier um meinen Spontanurlaub bei dir anzumelden...besser als einfach wieder zu verschwinden.” ich setzte mich auf den Stuhl vor Bellamys Schreibtisch. So ganz konnte er seinen Unmut nicht verbergen. “Vor einer halben Stunde hat mich Caleb schon aufgesucht. Lass mich raten, du begleitest ihn auf der Reise nach Irland?” Er schien meine Antwort nicht abwarten zu wollen. “Natürlich...was frag ich eigentlich.” Ich lächelte nur. “Sei einfach vorsichtig mit ihm.” seufzte Bellamy. “Wieso seit ihr eigentlich alle der Meinung ich könne nicht selbst auf mich acht geben?” es sollte belustigt klingen, leichter Zorn schwang allerdings darin mit. Bellamy zuckte die Schultern, lehnte sich nach vorn und sah mir in die Augen. “Tut mir Leid, ich kenn ihn einfach schon eine ganze Weile.” “Bisher war er da, wenn seine Hilfe benötigt wurde. Er mag schwierig sein, aber Bellamy, es muss einen Grund haben wieso er dein Vorarbeiter ist.” damit erhob ich mich und ging hinaus. Ich konnte sehr gut auf mich acht geben.


      Caleb

      Den restlichen Tag und auch den restlichen Abend bis in die Nacht hinein verbrachte ich mit Vorbereitungen, Pferdetraining und… Bier trinken. Irgendwie war es mir heute danach, mich mit ein oder zwei… oder drei… Bier vor den Fernseher zu setzen und die Füße auf den Tisch zu legen. Ylvi hatte ich bis jetzt nicht mehr gesehen. Keine Ahnung wo sie abgeblieben war, doch irgendwie stand mir der Sinn heute nicht mehr nach ihr.

      Am frühen Nachmittag war ich bei Bellamy gewesen und hatte ihm Rede und Antwort stehen müssen, wo wir denn jetzt schon wieder hinfahren würden und was wir nun wieder trieben. Dass ich mir einen Haflinger zulegte, da traf ich bei ihm auch nicht so richtig auf offene Ohren. Irgendwann war mir dann der Kragen geplatzt. “Wenn dir hier nichts passt dann geh doch wieder.”, hatte Bellamy mir an den Kopf geworfen. “Wenn dir das alles zu viel ist, warum hast du die Pferde dann überhaupt übernommen und dir was neues aufgebaut?!”, hatte ich ihn angekeift. Wir hatten uns eine lange Zeit schweigend angesehen. “Weil ich verdammt nochmal dachte, dass du auch tot seist, du Dummkopf!”, hatte Bell die Stille gebrochen und mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Seine schön sortierten, und auf Stapel aufgeteilten Blätter waren durcheinander geflogen, doch das hatte ihn nicht gestört. Stattdessen war er sogar aufgestanden und hatte sich mit beiden Fäusten auf dem Tisch abgestützt. “Ich dachte die ganze verdammte Ranch sei in die Luft geflogen! O und ich waren unterwegs gewesen, als das passiert ist… und wir waren Verena etwas schuldig.” “Und nun? Soll ich Mitgefühl mit dir haben? Meinst du ich hatte es leicht? Mit den Schuldgefühlen und meinem verbrannten Gesicht? Wäre Louis nicht gewesen, würde es mich bestimmt nicht mehr geben!”, hatte ich zurück geschrien. Wir beide hatten mittlerweile die Stimme deutlich gehoben und waren ziemlich in Fahrt.. “Und außerdem war Verena mehr Familie, als du es je für mich sein kannst!”, ging es weiter. Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis wir uns alle Anschuldigungen und Beleidigungen an den Kopf geworfen hatten, und wir uns wieder etwas beruhigt hatten. “Du bist ein Idiot, Caleb. Und trotzdem lege ich dir meine Welt zu Füßen, da ich es auch dir schuldig bin.”, hatte Bellamy zu mir gesagt und das Thema war gegessen. “Ich bin es dir einfach schuldig.”, hatte er nochmals wiederholt und mich nun aus freundlichen und mitfühlenden Augen angesehen. “Unser gemeinsamer Weg war weiß Gott nicht einfach und wir haben Verena, Svejn und die Anderen alle verloren, nicht nur du alleine. Wir alle müssen mit dem Verlust klar kommen. Und wenn es dir hilft mich anzuschreien, gut. Schrei mich an. Solange es dir danach besser geht.”, hatte er zu mir gesagt. Der einzige versöhnliche Satz seit einer ganzen Weile. Nun war es wieder fast Oktober, zwei Jahre sind seit dem Unfall vergangen und dieses Jahr schien noch schlimmer zu werden als letztes Jahr. Denn im letzten Jahr war alles noch so frisch gewesen. Nun fing man an zu vergessen- und das machte uns allen zu schaffen.

      Gerade hatte ich mein viertes Bier geleert, da tauchte Ylvi doch noch auf, setzte sich neben mich und schaute fragend zu mir rüber. “Harter Tag, hm?” “Harter Tag.”, antwortete ich und hielt ihr ein Bier hin.


      Ylvi

      Ich hatte von seinem Streit mit Bellamy erfahren kurz nachdem ich das Büro verlassen hatte. Welchem genauen Wortlaut der Streit entsprochen hatte wollte ich gar nicht so genau wissen. Murphy hatte ich nur davon sprechen hören. Ich roch deutlich das Bier an ihm, sah die drei leeren Flaschen auf dem Tisch. Ich ließ mich einfach nach hinten auf die Couch fallen, griff dabei nach dem Bier das er mir hin hielt. Es bedurfte keiner Worte. Wozu auch. Ich sah auf das Bier, lächelte. Vor einigen Wochen hatte ich einen Hilferuf nach deutschem Bier zu meinem Vater geschickt. Dieser hatte mir einige Flaschen zugesendet, außerdem hatte ich einen Lieferanten ausfindig gemacht der uns nun mit einigen Kisten belieferte. Darunter schwarzer Abt und Gessner. Gerade Gessner schien es Caleb angetan zu haben denn ich hielt es gerade in der Hand, die leeren Flaschen entstammten ebenfalls dieser Sorte. Ich nahm einen tiefen Schluck. Ich hatte Durst, sollte ihn wohl eher mit Wasser stillen, doch war ich deutlich zu faul, um wieder aufzustehen. Zur Abwechslung lief tatsächlich mal der TV, der setzte bei uns sonst eher nur Staub an. Richtig fesselnd war die Sendung die lief allerdings nicht. Daher verzog ich mich doch kurz in die Küche, machte ein paar Sandwiches, füllte Wasser in eine Karaffe, Snacks, ein Buch und stellte auch ein paar neue Biere auf das Tablett. Eine gute Viertelstunde später betrat ich das Wohnzimmer wieder. Calebs Blick hob sich, ein kurzes Zucken seiner Lippen verriet mir seine Freude. Ich stellte meine Last ab, schnappte mir das Buch, ein Sandwich und kringelte mich in der Ecke der Couch zusammen um zu lesen. Auch Caleb nahm sich ein neues Bier, ein Sandwich. “Dankeschön.” In der nächsten Stunde las ich, während er der Sendung lauschte ohne ihr wirklich zu folgen. Ich war einfach nur da.. er sollte wissen, das bei was auch immer, ich für ihn da war. In den wenigen Monaten war er mir als Freund wichtig geworden.


      Caleb

      Den restlichen Abend über verlor niemand von uns viele Worte, womit ich durchaus zufrieden war. Ich weiß nicht wie lange ich noch in den Fernseher geschaut hatte und eine Sendung über Auktionshäuser gesehen hatte. Ylvi hatte mir irgendwann statt einem neuen Bier Wasserflaschen gereicht, die ich zunächst murrend, dann aber dankend annahm. Ich musste um fünf aufstehen und um neun mussten wir zum Flughafen fahren. Meine Sachen waren noch nicht gepackt und ich hatte morgens noch eine Menge Arbeit vor mir. Ich leerte glaube ich eine Wasserflasche und eine halbe und schien dann irgendwie eingenickt zu sein, denn als ich aufwachte, lag auch Ylvi noch immer irgendwie zusammengerollt auf der Couch. Sie hatte das Buch auf den Boden fallen lassen und der Fernseher quasselte noch immer vor sich hin. Ich schaute auf mein Handy auf dem Tisch. 4:30 Uhr. Es lohnte sich nicht mehr für eine halbe Stunde wieder auf der Couch einzuschlafen. Und nach oben in mein Bett brauchte ich auch nicht mehr zu gehen, weshalb ich leise aufstand und meine Beine mich wie von selbst in die Küche trugen, wo ich eine Aspirin mit einem Glas Wasser trank. Dämlicher Alkohol. Keine Ahnung wie viele Flaschen Bier es letztendlich geworden waren, ich hatte eben im Wohnzimmer nicht nachgeschaut.

      Ich ging hoch in mein Zimmer, packte schnell eine Tasche und holte diese dann mit runter in den Flur. Dort zog ich meinen Hut und meine Stiefel an und verschwand nach draußen. Pferde misten, Pferde füttern und Pferde auf die Koppeln oder die Paddocks bringen. Ich hatte Murphy und Laurence damit beauftragt, meine Pferde die nächsten Tage mit zu machen und alles andere, was ich sonst erledigte, auf einen Zettel zu schreiben und liegen zu lassen. Vorausgesetzt es war nicht so wichtig. Ich verabschiedete mich noch von meinem Hengst und ging dann wieder nach drinnen, wo ich mich duschte, umzog und dann unten in der Küche anfing das Frühstück zu machen. Ylvi war noch draußen unterwegs, weshalb ich heute ausnahmsweise einmal etwas mehr zu essen machte als Brot mit etwas essbarem drauf. Stattdessen machte ich eine Pfanne Eier und Speck und stopfte den Toast in den Toaster, damit er etwas knackiger wurde. Gerade als alles auf dem Tisch stand hörte ich es oben poltern. Das konnte ja wohl nur Ylvi sein, dachte ich und setzte mich grinsend auf den Stuhl, hob meine Tasse Kaffee zum Mund und nahm einen großen Schluck.


      Ylvi

      Gegen 6 Uhr erwachte ich mit Nackenschmerzen und kribbelnden Beinen. Blöde Position zum Schlafen. Trotzdem hatte ich mich aufgerafft, dem Quartett ihre Heunetze hingegangen, Wasser kontrolliert und nochmal schnell abgeäppelt. Da ich noch packen musste es bereits auf 8 Uhr zuging machte ich mich wieder auf den Weg ins Haus. Dort begrüßte mich der Geruch nach Speck… und Eiern. Caleb sah ich durch den Spalt der Küchentür am Herd stehen. Ich huschte hinauf. Etwas ratlos stand ich da, griff nach dem Wanderrucksack, stopfte warme Klamotten hinein - es wurde immerhin langsam Herbst, zumindest an unserem Reiseziel. Wanderschuhe zog ich ohnehin an. Nach der Arbeit gönnte ich mir eine fixe Dusche, ließ dabei allerdings die Haare aus.

      Auf dem obersten Treppenabsatz verlor dann mein Gleichgewicht, griff nach dem Geländer ließ den Rucksack fallen der sich polternd seinen Weg die Treppe runter suchte. Ich versuchte mich zu fangen, fiel. jedoch zumindest zwei Treppenstufen rutschend auf den Po. Zusätzlich zum Nacken, ging mir ein Schmerz durch mein Steißbein. Ich sog die Luft ein. Guter Start in den Morgen. Definitiv. Am rauhen Teppich auf der Treppe hatte ich mir den Hacken leicht aufgeschürft. Tollpatsch. Ich rappelte mich auf,sammelte den Rucksack ein und stellte ihn in den Flur. Dort befand sich bereits Calebs Tasche. Wir reisten beide offensichtlich mit kleinem Gepäck. Dann hinkte ich langsam in die Küche. Es war schön wenn der Schmerz nachließ. Caleb trank gerade an seinem Kaffee, stellte den Pott ab. “Schon wieder die Treppe? “ die Belustigung triefte aus jeder Pore. “Ich sags dir, irgendwas hat die gegen mich! “ Ich sah auf die zwei Dreiecke aus Toast und den Haufen Eier mit Speck - letzteres schien irgendwie zu unserem Standardfrühstück mutiert zu sein. Auch vor mir stand ein Pott Kaffee, sowie Zucker. Caleb schmierte sich gerade Butter auf das Toast. “Wie hast du damals nur die Alpen überquert?“ “Ganz einfach, ich bin Treppen aus dem Weg gegangen.” frohlockte ich, schnappte mir die Butter und strich sie auf das noch warme Toast. Wir beeilten uns mit dem Frühstück, wuschen gemeinsam ab. Anschließend schauten wir ob alle Geräte im Haus aus waren, dann erst ging es in Richtung von Calebs Wagen. “Ist der Stall in Luggala eigentlich auch eine Ranch?”


      Caleb

      Auf dem Weg nach draußen hatte ich beide Taschen vom Boden aufgehoben. Ylvis Protest, dass sie die schon alleine tragen konnte, winkte ich einfach ab und legte das Gepäck auf die Ladefläche des Pick Ups. “Ich bezeichne eigentlich fast immer nur Höfe in und um Amerika als Ranch, deshalb keine Ahnung. Ich war selbst noch nie da, wir sehen die Anlage also heute Beide zum ersten Mal.”, beantwortete ich ihre Frage. An der Autotür tat ich so, als würde ich sie ihr öffnen, drehte mich jedoch dann galant weg und bekam prompt einen Schlag auf den Arm. “Ey, aua.”, sagte ich lachend und stieg dann selbst in mein Auto ein. Ich startete den Motor und fuhr in Richtung Straße. Wir wanken Bellamy noch kurz, als er rauskam und ebenfalls seinen Arm hob, ehe wir auch schon unterwegs in die Stadt waren. Die Fahrt verlief relativ ruhig. Ylvi fragte mich zwar, was wir uns für ein Pferd anschauen würden, doch eine genaue Antwort bekam sie nicht. “Einen hellen Fuchshengst mit guter Abstammung. Nicht unbedingt Reining gezogen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Linie ist körperlich dafür auf jeden Fall geeignet.”, hatte ich ihr gesagt.

      Am Flughafen angekommen parkte ich den Wagen, wir checkten ein, warteten kurz und flogen dann nach Irland. Genauer gesagt nach Dublin. Verena hatte auch eine kurze Zeit in Irland gewohnt, doch von dieser Zeit wusste ich so gut wie nichts. Sie hatte scheinbar schon fast überall auf der Welt gewohnt. Sie und ihre Pferde.

      Während des Fluges schliefen wir fast die ganze Zeit, wir hatten beide noch einiges nachzuholen. Froh waren wir dennoch, als der Flug zu Ende war, wir unser Handgepäck sofort mitholen konnten und nicht auf lästige Koffer warten mussten. Wir hielten uns ein Taxi an, stiegen ein und fuhren dann los zu den Ställen von Luggala und zu Nachtschwärmer, meinem hoffentlich bald neuen Pferd.


      Ylvi

      Halb geblendet von dem ganzen Grün brachte uns das Taxi raus aus Dublin weiter aufs Land. Die Vegetation war hier um so vieles anders als in meiner momentanen Heimat. Ich spürte einen kleinen Anflug von Wehmut in mir aufsteigen. Auch eine wunderschöne Gegend hier! Aber hier wohnen wollte ich auch nicht. Mein Herz hatte ich mittlerweile an die Ranch und ihre Umgebung verloren. Vielleicht sollte ich trotzdem mal wieder bei meiner Familie vorbei schauen? “Ich bin gespannt auf den Fuchs. Nach welchen Kriterien du ein Pferd aussuchst.” Caleb saß neben mir blieb mir die Antwort schuldig, lächelte jedoch versonnen. Das glich in etwa einem “das wirst du schon noch sehen”. Ein tiefes Gähnen kam mir über die Lippen, also lehnte ich mich zurück und legte die Stirn an die kühle Scheibe. Wir würden zu den Wicklow Mountains eine gute Stunde brauchen. Irgendwie hatte ich entweder mit dem Jetlag zu tun, oder einfach nur so Kopfschmerzen. Daher genoss ich die kalte Scheibe auf meiner Haut. Ich zog die Weste enger zusammen. Ich holte mir doch nicht etwa eine Erkältung? Allerdings fühlte ich mich generell schlapp. Als das Taxi wegen einer Herde Schafe anhalten musste, versank ich bereits in den Schlaf, bekam kaum mit als wir weiter fuhren.



      Caleb

      Auch ich schaute mir die Gegend immer mal wieder an, unterhielt mich aber sehr viel mit dem Taxifahrer. Wo wir herkamen, wo wir hin wollten und was wir dort taten. Als ich ihm erklärte, dass wir oder zumindest ich ein richtiger Cowboy sei und ich hier ein neues Pferd für mich suchen würde, fing er an zu lachen und fragte, ob es von Cowboypferden in Amerika denn nicht genug geben würde. Da Ylvi fest zu schlafen schien, erzählte ich ihm ein wenig von Verena und ihren verrückten Plänen, und dass ich einen Achal Tekkiner erfolgreich in der Reining showte und dass ich mir jetzt einen Haflinger anschauen wollte, mit dem ich das Gleiche vorhatte. “Haflinger sind im Amiland nicht so vertreten, oder?”, fragte er mich und bog auf eine andere Straße ab. “Mir sind noch nicht viele unter die Augen gekommen. Criollos zum Beispiel ja, aber Haflinger gibt es auch eher in Europa, glaube ich.”, antwortete ich ihm und er nickte. “Wohl war.”, antwortete er mir und bog dann auf unsere Zielstraße ab. Dort hielt er an und gab mir etwas Zeit, Ylvi zu wecken. “Ylvi, aufstehen. Wir sind auf Luggala.”


      Ylvi

      Ich schien wirklich fest weg genickt zu sein, meinem ohnehin steifen Nacken hatte diese Position nicht unbedingt gut getan. Außerdem tat mein Kinn weh vom Liegen am harten Plastik. Ich blinzelte, unterdrückte nur knapp ein Murren und drehte meinen Kopf leicht in Richtung Caleb. Der hatte sich vom Gurt befreit näher zu mir gerückt und strich mir über die Wange. Als ich ihn anblinzelte klopfte er sanft darauf, lächelte. “Wir sind da.”

      Etwas mühsam kam ich aus dem Wagen, hielt mich kurz an der Tür fest. So ganz sicher war ich irgendwie nicht auf den Beinen. Blöder Jetlag. Mir tanzten schwarze Motten vor den Augen - zu schnell aufgestanden. Dann sah ich mich um, die Natur raubte mir beinahe den Atem. Eine gute Mischung aus traditionell und restaurierten Hof, hübsche Weidezäune und darauf Pferde die wenig Interessiert an uns schienen. Deshalb liebte ich es zu Reisen! Ich musste später unbedingt noch ein paar Bilder mit der Kamera machen, bevor wir wieder nach Hause mussten. Luggala schien keine direkte Zucht zu haben, denn die Pferde auf der Weide entsprachen verschiedenen Rassen, aller Größen. Mich beschlich langsam der Verdacht das Celeb hier vielleicht gar kein Ranchpferd kaufen würde. Ich schwieg darüber jedoch still. Wir verabschiedeten uns vom Taxifahrer, dann ging es die Auffahrt des Stalles hinauf. Mit seinen Stiefeln, dem Huf passte er in etwa so gut hier her wie Crocodile Dundee nach New York. Fehlte eigentlich nur die Machette oder der Revolver am Gürtel. Dabei dachte ich an meinen Leatherman, der sicher verwahrt zwischen meinen Brüsten am BH angebracht war. Ich fühlte mich sonst nackt ohne ihn, irgendwie. Während des Fluges war er in meinem Rucksack gewesen.


      Caleb

      Ich hatte mich natürlich sofort auf den Koppeln umgesehen, nachdem ich dem Taxifahrer sein Geld gegeben und mich für die nette Unterhaltung bedankt hatte. Bei der Ansprache mit der Unterhaltung hatte Ylvi fragend zu mir rüber geschaut, doch ich hatte nur zurück gegrinst und mit den Schultern gezuckt. “Du hast geschlafen.”

      Als wir mit dem Gepäck weiter gingen fiel mir auf, dass Ylvi nicht wirklich fit war. Ich bot an, ihre Tasche zu tragen, doch sie winkte ab und meinte, dass sie das wohl noch gerade so selbst schaffte. Als wir fast beim Haus angekommen waren, schaute ich nach links auf eine Koppel mit zwei schwarzen Pferden, das eine mit Sicherheit ein Friese, einem großen, wolligen Etwas, einem Pferd, dass von der Statur her Choco sehr nahe kam und einem Haflinger. “Da steht er.”, sagte ich zu Ylvi und zeigte auf die Koppel mit der bunt gemischten Truppe. “Da?”, fragte sie ungläubig und hielt sich den Arm vors Gesicht, um besser gegen die Sonne sehen zu können. Von weitem sah Nachtschwärmer noch ein bisschen wie ein Quarter aus, doch später würde man den Haflinger erkennen. “Welches?”, fragte Ylvi nochmals interessiert, doch ich schüttelte nur den Kopf. “Lass dich überraschen.”, antwortete ich ihr und ging in Richtung Haupthaus, wo uns bestimmt Zasa empfangen und erst einmal reinbitten würde.


      Ylvi

      Ich spähte hinüber zu den Pferden, ein Fuchs..oder eher Palomino(?) stand am hinteren Rand einer Koppel. Mein starren in diese Richtung ließ mich fast verpassen das Caleb Richtung Haupthaus ging. Ich zog die Schnüre des Wanderrucksacks enger um meine Schultern.

      Eine Frau die etwa in meinem Alter sein musste öffnete uns die Tür, der Grund für die Verkleinerung ihres Bestandes trug sie auf dem Arm. Ein Baby, kaum älter als drei Monate ruhte in einem Tuch um ihren Oberkörper, ihr anderer Arm stützte das ganze Gebilde. Sie stellte sich als Zasa vor, bat uns herein. Bei den folgenden Gesprächen um die Abstammung des Hengstes, des Trainings und der zukünftigen Unterbringung hörte ich kaum richtig zu. Besah mir die Einrichtung, versuchte meine Müdigkeit zu verbergen. Literally könnte ich auf dem Tisch direkt einschlafen.

      Keine Ahnung wann, aber irgendwann hatte Zasa das Kind an den Vater abgegeben, anschließend führte sie uns auf die Koppeln damit Caleb sich den Hengst aus nächster Nähe anschauen konnte. Mit jedem Meter den wir näher kamen sah ich den Hengst genauer. Ich war mit diesen Pferden aufgewachsen, hatte auf ihrem Rücken das Reiten erlernt. Ich blieb stehen, grinste deutete auf Nachtschwärmer…”Das ist aber kein Ranchpferd.”


      Caleb

      Zasa schien einiges zu besprechen zu haben. Sie erzählte uns ein wenig über ihren Hof, über ihre Arbeit, das Baby und schließlich auch über Heartland, wo sie Nachtschwärmer her hatte. Der Verkauf fiel ihr weiß Gott nicht leicht, doch mit dem Baby waren es einfach viel zu viele Pferde, um die sie sich kümmern musste. Deshalb mussten ein paar gehen. “Dass sich jemand von so weit weg für eines meiner Pferde interessiert, damit hätte ich nicht gerechnet.”, sagte sie irgendwann und schob mir die Papiere rüber, die ich sorgsam betrachtete. “Papa ist L’ombre de la Figaro, von Jargo aus der Little Baby. Mutter ist Nachtigall.”, erklärte Zasa mir, was ich da sah. “Figaro hab ich schon mal gehört, auf Heartland war ich auch schon mal mit meiner alten Chefin.”, sagte ich ihr und stand dann auf, als ich alles gelesen hatte. “Dann wollen wir uns den Kerl mal anschauen.”, sagte ich und wir gingen gemeinsam nach draußen. Beim Näherkommen erkannte man genau, dass es sich bei diesem Pferd um kein Quarter handelte.

      Auf Ylvis Aussage fing ich an zu lachen. “Nein, das ist weder ein Ranchpferd noch ein Ropingpferd. Aber der hats mir angetan.”, sagte ich zu ihr und nahm das Halfter von Zasa entgegen, mit dem ich den Hengst einfingen ging. Der Hengst ließ sich sofort aufhalftern und aus der Koppel führen. “Natürlich kaufe ich kein Pferd, ohne es einmal Probegeritten zu haben.”, sagte ich zu Zasa und sie nickte. “Aku liegt vor, nehme ich an?” “Ja genau, kann ich dir gleich zeigen.”, sagte sie und ich nickte. Wir gingen zusammen zum Stall, wo Ylvi und ich den Hengst putzten und ihn genauer unter die Lupe nahmen. “Du hast nicht zufällig einen Westernsattel hier, der ihm passt?”, fragte ich Zasa dann. “Nein, leider nicht. Du musst ihn wohl mit seinem Springsattel reiten.”, sagte sie entschuldigend und Ylvi kicherte leise im Hintergrund. “Du im Springsattel, mal was ganz neues.”, sagte sie keck und ich warf ihr einen bösen Blick zu.

      Der Blonde wurde also mit seiner Ausrüstung gesattelt, ehe wir auf den Platz gingen. Dort gurtete ich nach und stieg dann auf. Die Steigbügel waren doch um einiges kürzer, als ich es gewohnt war- viel kürzer. Ich wärmte den Hengst ein wenig auf und fing dann an ihn zu traben und schließlich zu galoppieren. Dabei hielt ich ihn ausschließlich auf dem Zirkel. Große und Kleine im gemäßigten Tempo. Im Trab hielt ich ihn dann einmal an. Er benutzte seine Hinterhand wirklich gut und hatte damit schön gebremst. “Ausbaufähig.”, sagte ich zu Zasa und Ylvi und klopfte dem Hengst den Hals. “Galoppwechsel müsste er vom Springen kennen, oder?”, fragte ich die Besitzerin und sie nickte. Ich galoppierte ihn also wieder auf dem Zirkel an und gab an X Hilfen zum Galoppwechsel. Den sprang er wirklich sauber um, so dass ich das auch auf der anderen Hand versuchte. Hier tat er sich etwas schwerer, doch es war im ertragbaren Rahmen. Ich hielt ihn an, testete das Rückwärtsgehen und auch das drehen auf der Stelle. Er lief zwar mit allen vier Beinen vorwärts, drehte sich jedoch im Kreis. “Ylvi willst du auch mal?”, fragte ich Ylvi dann und ritt zu den beiden an den Zaun.


      Ylvi

      Obwohl jeder Muskel brannte, meine Müdigkeit wich einen Moment der Begeisterung. “Oh ja! “ Ich nahm nicht etwa die Tür, sondern kletterte zwischen dem Holzzaun durch. Auf der Ranch hatte ich die schlechte Angewohnheit entwickelt ohne Helm zu reiten, zum ersten Mal wollte ich nun einen aufsetzen. Da allerdings Caleb den Ritt überlebt hatte, machte ich mir weniger Gedanken darum. Caleb hielt den Hengst an den Zügeln, ich schwang mich in den Sattel und begann erst von oben meine Bügel einzustellen. Caleb half mir dabei, dann nahm ich die Zügel auf. Ich probierte den Hengst zunächst nur im Schritt, er war unfassbar fein an den Hilfen. Stellte ich die Hände zu weit auf rollte sich Nachtschwärmer direkt ein, schien seine Brust essen zu wollen. Ließ ich ihm die Zügel lang, streckte er sich nach vorn. Für die Umschulung auf Western war dies eine gute Voraussetzung. Nach einigen Runden im Trab, parierte ich den Hengst durch. Caleb sah mich etwas skeptisch an. “Jetlag hat mich ganz schön erwischt. Aber ich denke mit ihm machst du nichts falsch. Er sucht von sich aus das V/A, steht fein an den Hilfen. So viel Ahnung hab ich ja nicht, aber in der Reining könnte er eine gute Figur machen?” Ich führte mein Bein über den Hals des Hengstes, saß quer und ließ mich aus dem Sattel rutschen. Ich ging ein wenig in die Knie, meine Füße taten weh vom Aufprall, außerdem tauchten die Motten wieder auf. Ich war froh über den Hengst in meinem Rücken, an dem ich mich anlehnte. Ich hatte zu wenig getrunken in den letzten Stunden, ich sollte das nicht ständig vergessen.


      Caleb
      Es war gut den Hengst auch aus der Entfernung beobachten zu können, Zasa hatte nicht reiten wollen, sie war auch etwas aus der Übung. Doch er hatte seinen Job bei mir gut gemacht und lieferte bei Ylvi nun auch ab. “Ich denke auch.”, antwortete ich ihr und strich dem Hengst über die Stirn. “Mal schauen wie du im Westernset aussiehst, kleiner Mann.”

      “Kommt wir gehen nochmal zum Stall, dann könnt ihr absatteln und ich geh die Papiere von der Aku holen.”, schlug Zasa vor und wir nickten beide zustimmend. Am Stall sattelten wir ab, legten ihm eine Abschwitzdecke auf und brachten ihn in eine Box. Zasa brachte die Papiere, ich schaute mir alles gründlich an und nickte dann zustimmend. Wir handelten noch den Preis aus. 1000 Joellen. Das war nicht gerade günstig, aber Platz nach oben gab es immer. “Gekauft.”, sagte ich dann und schlug ein. Im Büro regelten wir den restlichen Papierkram und buchten einen Flug. Morgen früh würde er mit nach Amerika kommen. Zasa bot mir seinen Springsattel und die Trense noch zum Kauf an, doch ich lehnte dankend ab. “Das würde bei uns eh nur verstauben.”, sagte ich schulterzuckend. “Vielleicht passt es ja noch einem anderen Pferd hier von dir, wenn du die Sachen ein bisschen anpasst.”, schlug ich ihr vor und sie nickte. “Wir kommen dann morgen früh und holen ihn ab. Ich hab in der Nähe ein Hotelzimmer gebucht. Dann fahren wir jetzt da hin.”, verabschiedete ich mich von ihr und ging mit einer verwunderten Ylvi nach draußen. “Davon hast du mir ja gar nichts erzählt.”, sagte ich. “Ja, war auch eher eine super spontane Sache. Wusste ja nicht, ob Zasa hier Platz für uns hat.”, gab ich ihr als Antwort und zusammen warteten wir auf unser Taxi, welches uns ins Hotel bringen sollte.


      Ylvi

      Das Auto fuhr nur etwa 20 Minuten ehe wir in einem der Vororte von Dublin hielten. Nicht ganz die Innenstadt aber im Grunde war ich das auch gar nicht gewöhnt. Ein kleines Schild über der Tür nannte uns den Namen des Hotels “The Farmers Inn” darunter “Pub, Restaurant and Hotel”. Natürlich, ähnlich wie in England gab es auf der Insel ebenfalls einen Haufen von Pubs. “Ich werd mir direkt einen Irish Coffee geben lassen, vielleicht vertreib ich so die Jetlag Müdigkeit.” verkündete ich als das Taxi hinter uns die Straße verließ.

      “Klingt nach einem Plan, aber lass uns die Taschen erst nach oben bringen.” Das einchecken lief ohne Probleme ab.. was mich jedoch etwas verlegen machte war die Anrede die uns zuteil wurde. “Kommen sie Mr. und Mrs. O’Dell, ich bringe sie zu ihrem Zimmer.” Ich sagte jedoch nichts. Klar wir reisten zusammen, hatten ein gemeinsames Zimmer - da konnte man schonmal davon ausgehen das man zusammen war… oder wie hier verheiratet. Ich zuckte innerlich die Schultern, lächelte und folgte der rundlichen Frau die Treppen hoch, Caleb direkt hinter mir. Im Zimmer entledigten wir uns der Taschen, der dicken Jacke und ich konnte nicht anders als mich rückwärts auf das Bett zu werfen.. es knarzte leise, ich seufzte. “Ich glaube du hast mit Nachtschwärmer kein schlechtes Geschäft gemacht. Falls du aus ihm ein ebenso verlässliches Pferd machst wie aus Choco oder Ravn. Verlässlich ist er ja im Grunde auch schon, aber ich denke du machst was feines aus dem Kerlchen. Wenn ich dran denke was du in den paar Monaten aus Ravn und mir gemacht hast.” Ich konnte nur halb ein Gähnen zwischendurch verstecken. Ich war müde, mein Rücken spannte und ganz wohl auf den Füßen war ich auch nicht. “Ich weiß nicht ob ich es jetzt noch runter in den Pub schaffe.” meinte ich halb im Ernst, halb im Spaß. Ich spürte Calebs Gewicht auf dem Bett, im nächsten Moment landete er neben mir.. seine Füße noch außerhalb des Bettes, seine Schulter berührte meine.


      Caleb

      “Mrs. O’Dell Sie sehen wirklich fertig aus.”, sagte ich scherzend zu Ylvi, zog halb liegend, halb sitzend meine Stiefel aus und ließ sie achtlos auf den Boden fallen. Dann legte ich mich wieder aufs Bett zurück und berührte Ylvi wieder mit der Schulter. Eine ganze Weile lagen wir so da und starrten die Decke an, bis ich mich aufrichtete und mich zu ihr rüber drehte. “Bist du sicher, dass alles ok ist? Nach Jetlag alleine sieht das da wirklich nicht aus…”, sagte ich zu ihr und Besorgtheit schwang in meiner Stimme mit. Ich war auch müde und kaputt, ja. Aber so fertig war ich nicht. Statt auf meine Frage zu antworten stellte sie mir eine Gegenfrage: “Wollten sie mir den Kaffee nicht hoch bringen?” “Ich geh ihn dir holen.” Also Stiefel wieder an, Hut auf die verschwitzten Haare und dann verließ ich das Zimmer. Im Rausgehen hatte ich noch den Schlüssel eingesteckt, da ich nicht sicher war, ob die Tür automatisch verriegelt sein würde. Unten bestellte ich den Irish Coffee und hoffte, dass ich den Namen noch richtig in Erinnerung hatte. Außerdem ließ ich mir ein irisches Bier geben. Damit bewaffnet ging ich wieder nach oben und öffnete die Tür. Ylvi lag noch immer auf dem Bett, hatte sich aber anders hingelegt. Sie schien aufgestanden zu sein und war dann wohl wieder ins Bett gefallen. “Hier, dein Kaffee.”, sagte ich und reichte ihn ihr rüber.


      Ylvi

      Das er diesen Ehefrau Quatsch auch noch Aufgriff. Während Caleb aus dem Raum verschwand um den Kaffee zu holen, verzog ich mich ins Bad. Besah mir mein blaßes Gesicht im Spiegel, warf mir ein wenig heißes Wasser ins Gesicht und trocknete mich ab. Vielleicht hatte mein Körper mal wieder mit irgendeiner Infektion zu kämpfen? In der Vergangenheit war das oft der Fall gewesen.

      Ich atmete tief durch, besuchte die Toilette und stiefelte zum Bett zurück. Ließ den Tag nochmal Revue passieren. Caleb der einen Haflinger kaufte. Wieder die Erwähnung von Verena. Ich hätte sie gern kennengelernt. Sie schien einen nachhaltigen Eindruck bei diesem Bullen hinterlassen zu haben. Louis schrieb mir das Training mit Gweny sei gut gelaufen und das er einen Ausritt mit Ravn unternommen hatte. “Hopefully you aren´t capturing that horse from me too?” Es kam ein Smiley zurück der die Zunge rausstreckte. “Not as long as your my friend.” ich schickte ein lächelnden Smiley zurück. Ließ dann das Handy irgendwo im Rucksack verschwinden, streifte mir die Stiefeletten von den Füßen. Dann kringelte ich mich in Embryostellung auf dem Bett zusammen, den Kopf auf der Jacke von Caleb. Nur einen Augenblick später öffnete sich jedoch die Tür wieder, er reichte mir den dampfenden Irish Coffee, ließ sich auch auf das Bett sinken. Ich nippte an meinem Getränk, verkohlte mir die Oberlippe, pustete dann lieber doch. “Du siehst ein wenig besser aus.” “Ich denke ich brüte einen Infekt aus.” seufzte ich. “Nach der Hitze von New Mexico schein ich das Wetter nicht mehr zu vertragen, das hier herrscht.” vielsagend sah ich aus dem Fenster. Dort war es bereits dunkel, Tränen aus Regen an der Fensterscheibe, dort klebte sogar ein Blatt vom Wind dort fast festgeklebt. “Mhm.” kam es von Caleb, nicht ganz überzeugt. Mir wärmte nicht nur der Irish Coffee meinen Brustkorb. Er schien sich tatsächlich Sorgen um mich zu machen. Ich rutschte zu ihm auf an das Headboard des Bettes, streckte meine Beine aus. “Weißt du..ich habe jetzt schon von vielen Seiten Sachen über Verena erfahren. Möchtest du mir nicht mehr von ihr berichten? Sie klingt nach einer Person die ich gern gekannt hätte..so nachhaltig wie sie dich beeinflusst hat.” Ich hoffte inständig nicht zu neugierig zu klingen, aber ich wusste so wenig über sie.


      Caleb

      Ich hatte mir mein Bier schon unten aufmachen lassen, so dass ich es nun in vollen Zügen genießen konnte, ohne mir wie Ylvi die Zunge zu verbrennen. Als sie mir die Frage über Verena stellte, verschluckte ich mich fast an meinem Bier und hustete erst einmal eine Weile vor mich hin. “Okay, damit hab ich jetzt nicht gerechnet.”, sagte ich lachend. “Ich glaub Verena war von Anfang an die große und wahre Liebe in meinem Leben. Es kam jedoch nie zu mehr als einem Kuss.”, antwortete ich Ylvi und sah in ihrem Blick, dass ihr das nicht reichte. “Okay, okay.. Also von Anfang an… Nach meinem Unfall beim Rodeo musste ich eine lange Zeit aussetzen, was das Reiten anging und auch was mein Leben anging. Dazu aber ein anderes Mal. Irgendwann hatte ich mich wieder aufgerappelt und musste mir eine neue Arbeit suchen. Das Bullenreiten konnte ich vergessen und Ropen konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Die Gips Reminder Ranch suchte noch Stallburschen und Trainer. Ich bewarb mich und wurde sofort eingestellt. Am Anfang habe ich Verena zur Weißglut getrieben, ich war einfach besser als sie und wusste mehr, weshalb ich ihr immer wieder Tipps und Anweisungen gab und sie nicht nur einmal zusammenfaltete, was sie denn da für einen Mist auf dem Pferd machte… und irgendwie entwickelte sich im Laufe der Zeit etwas zwischen uns. Dumm wie ich damals war, hab ich sie natürlich nicht nur einmal betrogen, kam auch nie an sie ran. Bis auf einen Kuss ist nie etwas passiert, obwohl es geknistert hat. Sie war schließlich immer noch meine Chefin. Und ihre liebsten Pferde waren Gipsy, Bella und Choco. Ihr war es absolut egal, dass Choco kein Westernpferd war. Er war gut, in dem was sie mit ihm tat. Und die beiden waren zusammen gut. Umso stolzer macht es mich natürlich nun, dass die drei Pferde doch wohlauf sind und Choco sogar bald zur Körung geht. Sie hat an die Pferde geglaubt. Und wenn sie eben in der einen Sache nicht gut waren, dann hat sie herausgefunden, was die Pferde konnten und sie nicht dazu gezwungen, Dinge zu machen, die sie gar nicht konnten. Ich habe sie auch für ihre humorvolle Art geliebt… ach ja, nicht zu vergessen Zues, der… dämliche Gaul. Der steht immer noch halb wild bei uns rum und keiner weiß wirklich etwas mit ihm anzufangen. Den hat sie mit zwei Jahren vom Schlachter gerettet.. Ich hatte ihr damals schon gesagt, dass dieses Pferd unberechenbar ist. Sie sagte mit etwas Zeit würde das schon werden. Daraufhin hatte ich sie gefragt, was etwas Zeit denn heißen würde. Einen Monat? Ein Jahr? Zwei Jahre? Ich hatte ihr gesagt, dass er niemals ein gutes Pferd werden würde. Einige Zeit später hat sie mich vom Hof geschmissen, weil ich mit ihr wegen ihm eine sehr große Meinungsverschiedenheit hatte. Und mir eine Ohrfeige geben.. ich kam jedoch zurück und siehe da, sie hatte Wunder vollbracht. Das Pferd ließ sich zumindest anfassen… naja, und dann kam die Explosion und alles änderte sich…”, erzählte ich ihr und leerte mein Bier dann in einem Zug. Ich hasste es, mich an diese Zeit zu erinnern.


      Ylvi

      Es blieb danach eine Weile still, während jeder den Gedanken nachhing. Wie ich vermutet hatte, Verena hatte ihn beeinflusst auf eine Weise wie es vielleicht keiner getan hatte. In einigen ihrer Worte erkannte ich mich selbst wieder, auch ich presse die Pferde nicht in eine Rolle die ihnen nicht gefiel. Trotzdem war ich getroffen, ich konnte wohl nie nachvollziehen können wie es war Menschen die einem lieb waren so plötzlich aus dem Leben scheiden zu sehen. Ein Schauer ging mir über den Rücken dabei. “Sie lebt in dem weiter was ihr alle tut um ihre Erinnerung wach zu halten. Ich habe sie nie kennengelernt, aber ich glaube sie hätte mir gut gefallen.” Was sollte ich auch anderes sagen dazu? Ich gab es mir selbst in dem Moment nicht zu, doch seine Aussage mit der einzigen Liebe versetzte meinem Herz einen Stich. Dabei überging mein Verstand den Fakt das er nicht einzige Liebe gesagt hatte. Die Liebe war tückisch und obwohl ich mir selbst nur zu oft einredete ihr nicht zu verfallen so bohrte sich Caleb mit einer Art in mein Herz wie ich es bisher nicht gefühlt hatte. Wir hatten es schon einmal gehabt das Thema, wir beide nicht geeignet eine wirkliche Beziehung zu führen. Damals hatte er selbst zugegeben sich aus diesem Grund von ihr fern gehalten zu haben. Und ich war mir sicher oft genug bereute er diese Entscheidung auch. Doch im Grunde war der Drops jetzt gelutscht… sich über das alte den Kopf zu zerbrechen tat nur weh. Ich griff nach seiner Hand “Tut mir Leid. Ich hätte nicht fragen sollen.” es tat ihm offenbar noch immer weh. Es waren lediglich zwei Jahre seither vergangen. Louis hatte ihn damals im Krankenhaus ausfindig gemacht, die beiden musste eine sehr tiefe Freundschaft miteinander pflegen.


      Caleb

      “Ja, sie hätte dir gefallen.”, antwortete ich noch und drückte ihre Hand. “Ich habe mich hier vor unserer Abreise mit Bellamy gestritten. Er hat dann seit einer ganzen Weile etwas wirklich nettes zu mir gesagt gehabt. Nämlich, dass wir unsere geliebten Menschen alle verloren hatten und nicht nur ich. Und ich solle ihn, wenn es mir hilft damit fertig zu werden, so viel anschreien wie es nötig ist.”, erklärte ich ihr und sie horschte auf. “Letztes Jahr war der Verlust schlimm, ein Jahr war vergangen und man wurde sich schmerzlich bewusst, was passiert war. Jetzt, fast zwei Jahre nach dem Unfall, verschwimmen die Erinnerungen schon und man wird wütend auf sich, weil man anfängt, zu vergessen.”, sagte ich ihr und sie schaute mich aus traurigen Augen an. Viel dazu sagen konnte sie nicht. So legten wir uns einfach wieder aufs Bett, denn Kaffee und Bier waren leer, und starrten die Decke an. Irgendwann war ich eingeschlafen, denn als ich wieder aufwachte, lag Ylvi unter der Decke und hatte mir auch ein Stück drüber geworfen.


      Ylvi

      Caleb schlief, das Licht war bereits aus doch ich selbst kam nicht genug zur Ruhe. In seinem Shirt stellte ich mich auf den kleinen Balkon. Es war nun windstill, es roch nach Regen und Schaf. Von dort drehte ich mich um sah in Richtung Bett, dann hinauf zum Himmel. Essenz blieb, in der Erinnerung der Menschen selbst. Ich hatte ihm empfohlen aufzuschreiben… dann würde er nicht vergessen, solange er es nicht wollte.

      Als es mir zu kalt wurde schloss ich die Tür hinter mir, breitete eine Decke über Caleb aus und schlüpfte ebenfalls darunter. Mein letzter Gedanke richtete sich irgendwie an Verena selbst. Das ihr Vermächtnis fortgetragen wurde.. und das Versprechen auf Caleb acht zu geben. Ich fühlte mich ihr auf eine Art verbunden die ich nicht verstehen konnte, als würde ich in ihrer Schuld stehen dies zu tun. Dann schlief ich ein.

      Es war Caleb der mich sanft weckte, wie lange er bereits wach war wusste ich nicht zu sagen. “Morgen. Heute geht es zurück mit Nachtschwärmer? Wie lange muss er in die Quarantäne?” ich erinnerte mich an Ravn und Fylgja die dort knapp 4 Wochen bleiben mussten.


      Caleb

      “Es gibt einen Weg die Quarantäne zu umgehen. Er muss in Amerika ein paar Tests über sich ergehen lassen und klar als Sportpferd deklariert werden. Dann darf er zu uns auf die Ranch, und kann da seine vier Wochen rumstehen.”, erklärte ich ihr und zog mich während meiner Erzählung um. “Oh, sowas wusste ich gar nicht.”, sagte sie zu mir und ich lachte. “Ja, da muss man schon ein paar Leute kennen, die jemanden kennen.. die jemanden.. ach du weißt schon.”, sagte ich und lachte. Ylvi stieg kurz in mein Lachen ein und zog sich dann um. Ich tat es ihr gleich und stopfte alles in meine Tasche, lief noch einmal durch das Zimmer, ob wir auch nichts vergessen hatten, ehe wir beide nach unten gingen und auscheckten. Im Taxi sagte ich dann zu Ylvi: “Du siehst heute aber ein bisschen besser aus.” Sie zuckte jedoch nur mit den Schultern und schaute sich die schöne Landschaft an.

      Auf dem Hof ging alles ganz schnell. Was ich sehr wohl noch mitkaufte war seine Decke und die Transportgamaschen. Zasa verabschiedete sich herzlich von ihrem Pferd, ich übergab ihr noch das Geld und bekam Nachtschwärmers Papiere. “Ich schicke auf jeden Fall Fotos und Berichte, wie er sich macht.”, sagte ich lächelnd zu Zasa und sah in ihren Augen eine kleine Träne, die sie jedoch gekonnt versteckte.
      Auch am Flughafen ging alles sehr schnell. Der Hengst wurde sediert, aufgeladen und auch wir nahmen unsere Plätze ein. “Bist du auch so müde wie ich?”, fragte ich Ylvi irgendwann während des Fluges. Sie nickte und wir schafften es mal wieder, beide einzuschlafen. So bekamen wir die schöne Landschaft unter uns ein weiteres Mal nicht mit und wachten erst auf, als der Landeanflug gestartet wurde. Endlich am Boden angekommen holten wir unser Gepäck aus dem Flieger mit, warteten auf unser Pferd und hielten dann Ausschau nach Bellamy, denn er wollte uns mitsamt Hänger abholen. Wir erblickten ihn irgendwann, was gar nicht so einfach im Dunkeln war, luden den Hengst auf und setzten uns ins Auto.

      “Das ist aber kein Westernpferd.”, tadelte Bellamy mich prompt, als ich den Hengst auf dem Blakes Crow Meadow auslud und auf seinen Paddock brachte. Ich stand nun doch etwas abseits der Beiden und nahm die Decke vom Rücken des Hengstes runter. Bellamy und Ylvi unterhielten sich und ich schnappte einen Wortfetzen auf, den Bellamy wohl so oder so ähnlich zu Ylvi sagte: “Ich hoffe er findet bald endlich, wonach er schon so lange sucht…”
    • Ravenna
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      This fragile heart | Ravenna | 45312 Zeichen
      Ylvi

      “Was genau hast du denn vor? “ kam die Frage von Caleb als ich hinunter in die Küche kam. Um meine Schulter hing die Kamera, in meiner Tasche befand sich der Rest meiner Ausrüstung. “Louis will in die Stadt, das wollte ich direkt mal nutzen um Fotos zu machen. Ich hab da auf dem Tisch eine Liste mit Zeugs das ich außerdem kaufen soll von Bellamy, Murphy und so. Falls du auch etwas möchtest schreib es einfach mit auf.” Wir fuhren nicht oft nach Albuquerque, wenn einer dann doch fuhr - bekam er immer so eine Liste in die Hand gedrückt. Caleb und ich waren gerade eine knappe Woche wieder zurück auf der Ranch. Während er sich direkt in die Arbeit hatte gestürzt, musste ich einige Schritte zurück schalten. Ich hatte zwei Tage mit Schwindel zu kämpfen gehabt, mir war Regelmäßig schlecht gewesen. Bellamy hatte mir drei Tage Ruhe verordnet...auch Caleb war immer wieder im Gästehaus erschienen. Wie ein rastloser Kojote war er mir vorgekommen. “Bist du dafür wieder fit genug?” “Klar das war nur ein Migräneanfall.. zu wenig getrunken. Ein bisschen Stress.” Log ich, denn Schwindel war noch immer ein Bestandteil meines Zustandes. Caleb zog eine Augenbraue nach oben. “Louis ist bei mir. Was soll schon schief gehen?” “Dann mach dir einen guten Tag.” damit setzte er sich seinen Hut auf, verschwand aus der Haustür. Ich griff nach meiner Liste, tatsächlich hatte Caleb etwas darauf ergänzt. Seinen liebsten Tabak und Bier...und dahinter…”richtiges” in gutem Deutsch. Ich schmunzelte. Als er das erste Mal gefahren war hatte ich das ebenfalls geschrieben. Nach einem kurzen Frühstück, schlenderte ich schon mal nach draußen. Louis würde mich in den nächsten 10 Minuten abholen kommen.

      Mein Blick folgte gerade Murphy der mit einem der Quarter am Strick in Richtung der Führanlage ging. Ich zog die leichte Jacke etwas enger um mich, jetzt gegen 7 Uhr waren noch knapp 14 ºC, erst später würde es wärmer werden.

      Erst als ich wieder zur Auffahrt sah fiel mir der Geländewagen auf der, reichlich Staub aufwirbelnd, auf mich zugefahren kam. Natürlich wusste ich das Louis nicht allzu viel Geld hatte, doch dieser Wagen hatte nicht nur einen used-rostig Look, er war tatsächlich verrostet. In Deutschland wär das Teil wahrscheinlich niemals durch den TÜV gekommen. Ich starrte also den Wagen etwas entgeistert an, während ein lässig gekleideter Louis aus dem Wagen stieg. Unter einem roten Tuch auf dem Kopf lugten seine ordentlich in Zöpfe gelegten Haare hervor, eine kleine Feder flatterte im Wind. Auf dem Tuch selbst trug er ein Basecap das vielleicht mal rot gewesen sein könnte, mit einer Aufschrift die kein Mensch lesen konnte. Ein schwarzes Shirt, eine Jeans. Nichts im Vergleich zu seinem Aufzug in der Regalia. Ohne die Zöpfe, hätte man ihn auch gut und gerne für einen Latino halten können. “Du starrst, Kari-win.” sagte er lachend. “Was?” “Du starrst mich an.” “Nicht dich.. deinen Wagen. Fahren wir damit nach Albuquerque?” Louis legte den Kopf schief, schob die Lippen nach vorn(eine Geste die er oft machte, auch bei Lilly hatte ich es schon beobachtet) . “Ja, wieso?” Ich zuckte die Schultern. Immerhin war er bis hierher gekommen. “Lass uns los fahren.”

      “Willst du mir nicht erst noch den neuen von Caleb zeigen? “ Ich schüttelte den Kopf. “Das kann Caleb schön selbst machen. Komm damit wir heute Abend wieder zu Hause sind.”

      Die Sitzbank des Geländewagens war durchgehend, eine Vorrichtung zum Anschnallen war immerhin vorhanden. Louis lächelte als mein Verschluss einklickte, dann suchte er selbst nach dem Sicherheitsgurt - ein Indiz dafür, dass er das sonst nicht Tat vermutete ich einfach mal.

      Wir redeten nicht viel. Ob diese Eigenschaft Caleb wohl von Louis hatte? Daher nutze ich die Zeit um die Landschaft die an mir vorbei zog zu fotografieren, einige kleine Filme zu drehen. “Du bist nicht gut darin nichts zu tun, nicht wahr Kari-win?” Ich ließ meine Kamera sinken, statt einer Antwort gab ich eine Gegenfrage “Was bedeutet das eigentlich?” “Was?” feixte er.” “Win bedeutet Mädchen das weiß ich. Aber das davor.. ich hab es gegoogelt, aber ich wusste nichtmal genau wie es geschrieben wird.” “Rabe” Rabe? Ich verzog die Brauen.. “Raben-Mädchen?” Louis nickte. “Doch nicht etwa weil ich meinte ich wäre sicherlich eine Rabenmutter.” Kopfschütteln. “Verräst du es mir?” beinahe erwartete ich ein weiteres Kopfschütteln, aber es kam eine Antwort. “Dein Haar ist wie das Gefieder eines Raben. Außerdem habe ich von dir geträumt, darin hast du dich in einen Raben verwandelt. Deshalb gab ich dir diesen Namen.” Er hatte also von mir geträumt? Träume hatten etwas besonderes in sich.. ich selbst träumte intensiv des Nachts. Wie oft wachte ich auf, mit nassen Wangen. Nicht immer konnte ich mich an den Inhalt erinnern. Doch seltsamerweise, handelten auch manche meiner Träume von Raben. “Scheint mir kein schlechter Name zu sein. “ murmelte ich, lächelte. Nein das war er nicht.


      In der Stadt steuerten wir als erstes das Einkaufszentrum an. Jeder einen eigenen Wagen, erledigten wir die Einkäufe. Den Tabak für Caleb fand ich nicht, bis Louis mir verriet den gäbe es nur in bestimmten Läden im Stadtinneren. Soweit nach Albuquerque hatte ich eigentlich gar nicht fahren wollen. Trotzdem landete der Einkauf in etlichen Tüten auf der Ladenfläche des Wagens. Mittlerweile war die Temperatur deutlich gestiegen, ich entledigte mich daher meiner Jacke, im Top ließen sich knapp 29 °C leichter ertragen. Mal ganz davon abgesehen das der Wagen keine Klimaanlage besaß. “Ylvi, fang.” mir blieb gerade genug Zeit um den mir zugeworfenen Gegenstand zu erfassen, er prallte gegen meine Hand, gefangen hatte ich ihn allerdings nicht. Als ich mich danach bückte hielt ich den Autoschlüssel in der Hand. “Ich?” meine Stimme klang fasst ein wenig hoch, zu hoch. Ich räusperte mich “Bist du dir sicher?” Keine Antwort, stattdessen nahm Louis auf dem Beifahrersitz platz. Also stiefelte ich herum, setzte mich hinter das Lenkrad und hatte bei der Größe das Gefühl einen Panzer zu fahren. Es war zweierlei seltsam wieder Auto zu fahren - gerade mit dem Verkehr. Aber wie man so schön sagte, es war etwas das man wohl nie verlernen würde. Ich musste nur ein wenig umgewöhnung leisten, denn ich hatte hier keinen Schaltwagen. Vom Old Town ging es immer Richtung Osten der Stadt, das Sandia Peak Tramway war unser Ziel. ich wollte die Stadt ein wenig von oben sehen, hübsche Fotos machen die ich meiner Familie senden könnte. Ich musste ja nicht zugeben das ich die meiste Zeit eigentlich nur auf der Ranch herum lungerte.

      Begleitet von Native Rap (ich hatte bis hierhin gar nicht gewusst das es diesen tatsächlich gab) fuhr ich den Highway bis zur Talbahn. Ich sah hinauf , vor uns erstreckten sich die Sandia Mountains. Ich zog uns beiden ein Ticket für die Bahn. Mit uns stieg noch eine Masse aus älteren Leuten und Kindern ein. Ich drängte mich in eine der Ecken..mir zitterten schon die Hände. Ich hatte vergessen das mir enge Räume, große Höhen und viele Menschen missfielen. Louis schien das aufzufallen. Er stand dort, sah mich fragend an. “Panikattacken bei größeren Massen an Menschen manchmal.” flüsterte ich. Die sonst so selbstbewusste Ylvi ganz kleinlaut...wie ich das hasste. Immerhin war es besser geworden. Vor einigen Jahren hätte mich niemand hier rein zwängen können. In mir kämpfen verschiedene Emotionen, bevor ich sie gesichtet und sortiert hätte geht die Sonne unter. Louis Arme greifen von hinten um meinen Körper. Fest genug um klar zu machen das ein Entkommen unmöglich war. Ich mutierte zum Stock. “Hör mir zu” langsam geht er zurück, ich merke wie er gegen die Stange in inneren der Gondel lehnt. “Solange ich dabei bin, brauchst du keine Angst haben. Verstanden?” ich nicke, konzentriere mich einfach nur auf ihn. Auf die ungewohnte Umarmung seinerseits, ich wurde weicher in meiner Anspannung, mein Kopf legte sich gegen seine Schulter. Mein rasend Herz kam zur Ruhe, mit geschlossenen Augen konnte ich die anderen vollkommen ausblenden. Verbissenes Schweigen. Keine gute Basis für eine Unterhaltung. Das Rauschen der Motoren, die Stimmen neben uns. Vielleicht genügte das auch. Ich drücke seinen Unterarm, bringe nur ein gehauchtes “Danke” über die Lippen. “Wofür?” “Für das hier.” ich spüre ihn lachen als das ich es wirklich höre. Er neigt sich nah genug zu mir, sein Atem streicht mein Ohr. “Was meinst du?” Ich zuckte mit dem Kopf nach hinten gegen ihn. “Das weißt du ganz genau.” murmel ich, kaum mehr als ein Wispern gegen das Stimmengewirr um uns herum. Ob er es überhaupt gehört hatte? Louis zuckt die Schultern, der Impuls geht durch uns beide..so nah sind wir uns. “Schau nach draußen. Bevor die Bahn eröffnet wurde flog ein Passagierflugzeug gegen den Berg. Sieh genau hin dann kannst du dort noch einige Bruchstücke sehen.” Louis hatte uns beide gedreht, deutete hinunter. Ich gab mir wirklich Mühe, konnte allerdings nichts erkennen. “Ich seh da nix.” kam es mir fast ein wenig enttäuscht über die Lippen. “Besser?” “Was?” “Deine Angst.” er löste sich ein wenig von mir, ich blinzelte, sah auf meine Hände. “Kein Zittern.” verkündete ich, wackelte mit den Händen vor seinem Gesicht. Louis nickte anerkennend. Im nächsten Moment endete unsere Fahrt, denn insgesamt dauerte sie nur 15 Minuten. Wir stiegen aus. Entschieden uns zunächst einen Happen zu Essen ehe wir ein wenig auf Erkundungstour gehen würden. Das Essen war nicht schlecht. Jedoch bestellte ich nur einen Salat. Mir war schon wieder schlecht. Auch Louis schien das zu bemerken. “Caleb hat geschrieben das ich ein Auge auf dich haben soll.” Ach? “Hat er das ja?” ich klang genervt, missmutig erhob mich von meinem Stuhl klammerte mich an diesen bis die Motten verschwunden waren. Dann ging ich - gut das wir die Rechnung bereits bezahlt hatten.

      Wieder diese Emotionen, ich hielt die Luft an, schluckte alles herunter, öffnete dann wieder die Augen. Louis war mir gefolgt lief den Weg hinunter hinter mir her. An einem kleinen Aufstieg holte er mich ein, ich musste stehen bleiben um nach Luft zu schnappen. Eigentlich kam er sogar ganz praktisch. Er hatte nach meiner Hand gegriffen, während ich gerade das Gleichgewicht verlor, hielt er mich an der Hüfte fest. Louis dirigierte mich auf einen Felsen setzte mich ab, nahm daneben Platz. “Was stört dich daran?” “Ich ...er..” ja was störte mich daran? “Ich verstehe nicht wieso. Ich bin doch nur..ich. Um mich hat sich nie jemand wirklich gekümmert...und ich um keinen anderen. Er bringt mich vollkommen aus dem Konzept.” faselte ich unwirsch. “Ylvi..ich hab ihn seit Verena nicht so gesehen.” Ich sah ihn verdutzt an…Wie? “Das er sich um jemanden tatsächlich sorgt.” “Was spielt das schon für eine Rolle? Auf meine seltsame Art habe ich mich in ihn verliebt, aber ich kann niemals den Platz dieser Frau einnehmen.” damit war es raus. Die Lüge die ich versucht hatte in mir aufrecht zu halten, zerbrach. Und die Wahrheit das ich niemals gegen eine Tote Frau ankam. “Sie war seine Wölfin.” murmelte Louis. Mussten diese Natives eigentlich immer in Rätseln sprechen? “Er ist ein Wolf..auch wenn er manchmal versucht das zu verdrängen so braucht er doch einen festen Familienstand neben sich. Er vermag manchmal um sich zu beißen, aber die Menschen die ihm wirklich wichtig sind beschützt er. Erinnerst du dich an das Relay? Den Typen. Wärst du ihm egal. Er hätte ihm keine verpasst. Sieh. Verena mag seine Wölfin gewesen sein. Diese Chance hat er verstreichen lassen. Aber weißt du was?” er kam mir noch näher, griff nach meinem Arm. “Wölfe und Raben leben schon immer in einer Symbiose. Vielleicht hat der Große Geist euch zusammengeführt? Gib nicht auf, gib allem Zeit...vielleicht fügt sich alles.Triff dich mit anderen, quäle dich nicht. Vielleicht findet Caleb bald was er sucht.” ich horchte auf. Hatten sich Bellamy und Louis hinter meinem Rücken verbündet? Ich hörte mich hohl auflachen “Hast du das auch geträumt?” Es strömte so viel auf mich ein, dass ich nicht wusste, was los war..Wieso hatte ich Louis anvertraut, dass ich tatsächlich Gefühle für Caleb entwickelt hatte? Louis zuckte mit den Schulter, zwinkerte und lächelte. Anschließend nahm er mich in den Arm. “Du brauchst jetzt einen guten Freund...wann immer du willst, sei gewiss, dass Lilly und ich für dich da sind. Verstanden?” Mein Herz wollte nicht aufhören zu rasen. Wieder die Motten in meinem Sichtfeld. Dann setzte mein Herz für einen Herzschlag aus...nicht rein metaphorisch, es tat es wirklich. Ich war nicht mehr in der Lage Louis für seine ehrlichen Worte zu danken. Um mich herum wurde es schwarz.



      Caleb

      Ich saß noch immer auf der Ladefläche meines Pick Ups und kaute auf einem Grashalm herum. Es war nicht so, dass ich nichts zu tun hätte, ganz im Gegenteil. Gleich würde noch ein Cowboy kommen und sich um die Stelle als Rancharbeiter bewerben. Trainer konnte er auch sein, aber das war zweitrangig. Mit Bellamy, Laurence und mir hatte die Ranch eigentlich erstmal genug Trainer. „Hey, hey, hey Cowboy.“, stand auf einmal Betsy mit ihrer Quietschestimme und dem breiten Grinsen im Gesicht hinter meinem Wagen. „Wann darf ich Blue nochmal reiten?“, fragte sie mich und ich schlug mir in Gedanken mit der Hand gegen den Kopf. Klar, Betsy und Blue. Wie hatte ich das vergessen können. „Tut mit Leid, Betsy. Ich weiß nicht wo mir gerade der Kopf steht.“, entschuldigte ich mich bei ihr doch sie zuckte mit den Schultern. „Dann jetzt, Cowboy? Du hast ja anscheinend eh nichts zu tun gerade…“, sagte sie grinsend. Wann hatte sie eigentlich angefangen mich Cowboy statt Caleb zu nennen? Ich seufzte, rollte mit den Augen und sprang dann von der Ladefläche herunter. „Na gut, lass uns Blue holen gehen.“

      Wenig später standen wir mit dem gesattelten Gun and Slide auf dem Reitplatz. Ich hatte ihn schon ein wenig abgeritten. Wenn man solche voll im Training stehenden Pferde nicht täglich ritt, merkte man ihnen sofort den Muskel- und Konditionsabbau an. „Wann willst du denn mal auf einem Turnier starten?“ fragte ich Betsy und hängte ihr die kleinen Bügel ums Sattelhorn. „Wenn ich etwas besser bin?“, fragte sie und gab mir ihren Fuß, damit ihr ihr aufs Pferd helfen konnte. „Wenn du dich dran hälst bist du sehr schnell sehr viel besser.“, sagte ich lachend und wir hatten eine wirklich tolle gemeinsame Stunde. Betsy wurde wirklich jedes Mal besser und ich schwor mir, sie mindestens zweimal die Woche zu unterrichten. So entkam ich Bellamys sinnlosen Aufgaben, die die Stallburschen erledigen konnten und hatte trotzdem etwas zu tun. Ylvi war schon eine Weile mit Louis weg, weshalb ich sie heute nicht nerven konnte. “Lust auf einen kleinen Ausritt?”, fragte ich Betsy und sie nickte freudig. “Gut, gib mir fünf Minuten, ich hole Alan.”, sagte ich und verschwand im Stall. Dort machte ich mir in Windeseile Alan’s Psychedelic Breakfast fertig und ritt zurück zum Platz, wo ich das Mädchen aufsammelte und dann mit ihr das Gelände verließ. “Weißt du bald ist in einem kleinen Ort hier in der Gegend ein Turnier. Du könntest doch eine Disziplin starten?”, fragte ich Betsy irgendwann und streckte mich einmal kurz. Junge, Junge. Heute war wirklich ein Tag, an dem ich nicht viel arbeiten würde, so fertig war ich.

      “So ein richtiges Rodeo?”, fragte sie und ich sah die Vorfreude in ihren Augen. “Ja, aber ein Kleines.”, antwortete ich ihr und blickte zu ihr rüber, doch alle Freude war aus ihrem Gesicht gewichen. “Was.. was ist los?”, fragte ich sie und hielt Alan an. Auch Blue blieb automatisch stehen, als ich ein leises ‘whoa’ zusagte. “Ich kann nicht.”, antwortete sie knapp und trabte Blue an. Ich schickte Alan hinter ihr her und trabte vor sie, so dass sie wieder anhalten musste. “Wieso?”, fragte ich sie und griff nun in die Zügel von Blue, damit sie nicht wieder abhauen konnte. “Da sind viele Mädchen aus meiner… Klasse… und die sind alle besser als ich… ich kann da nicht hin, ich würde mich blamieren…”, sagte sie nun traurig und ich ließ die Zügel wieder los. “Welche Disziplinen machen die anderen Mädchen aus deiner Klasse denn?”, fragte ich sie schließlich, als wir weiter ritten. “Die meisten machen Pole Bending oder Barrel Racing…”, erklärte sie mir und ich lachte kurz auf. “Weißt du, dass Bellamy eine Stute hat, die im Pole Bending in der LK 2 läuft? Sue!”, erklärte ich ihr stolz und hielt Blue wieder an. “Wenn ich dir mit Sue helfe, würdest du dann starten?”, fragte ich sie. Ich hasste nichts mehr wie kleine Gören, die anderen nichts gönnten- und wenn ich Betsy so helfen, und den Mädels eins auswischen konnte, warum nicht. “Das würdest du tun?”, fragte sie mich und schaute mich mit großen Augen an. “Klar.”, erklärte ich und wendete Blue, damit wir uns auf den Rückweg machen konnten. “Ich muss nur noch meinen Vater davon überzeugen…”, murmelte sie und sah zu mir hoch. “Lass das mal meine Sorge sein. Wir zeigen es diesen Gören. Gib mir fünf!”

      Wieder am Hof angekommen machten wir die Pferde fertig, brachten sie auf ihre Paddocks und ich trug dem Mädchen auf, sich auf den Paddocks umzusehen und die abzuäppeln, auf denen kein Pferd stand. Nicht alle Tiere waren so lieb wie Blue oder Alan, da musste man mit ihr nichts riskieren. “Ich gehe dann mal Dell suchen.”, erklärte ich ihr und winkte kurz, ehe ich zum Hauptstall ging und mir dort den Mitarbeiterplan ansah. Dell müsste jetzt im Nebenstall sein und die Boxen misten. Ich ging dort hin und fand ihn auch in einer der Boxen. “Hey Dell.”, begrüßte ich den blonden Mann und hatte sofort seine Aufmerksamkeit. Ich war normalerweise nicht der Mensch für lange Gespräche mit den anderen Mitarbeitern, aber das hier war mir wichtig, denn diese kleine Frau wuchs mir immer mehr ans Herz. “Hör mal.. in der Nähe ist bald ein kleines Rodeo, bei dem ich gerne Betsy starten lassen würde und…hey, lass mich erst einmal ausreden, bevor du protestierst.”, murmelte ich meinen Satz und schaute ihn kurz wütend an. “Ich habe da einerseits an Betsy und Blue gedacht. Pleasure, Trail, Ranch Riding, Horsemanship.. sowas können die beiden rocken.” “Aber?”, fragte er mich dann und ich lehnte mich an die Boxentür. “Aber… nun kommt der Haken. Die anderen Gören aus ihrer Klasse sind auch da- und du weißt wie Mädchen sind… Betsy möchte nicht starten, weil die anderen alle Pole Bending oder Barrel Racing gehen, und die anderen Disziplinen ihrer nicht würdig sind.”, erklärte ich weiter. “Und…?” “Und… wir haben Black Sue Dun It. Sie läuft in der LK 2 und könnte mit Betsy zusammen den ersten Platz machen. Sie ist ein Schatz und ein besseres Pferd kann sie gar nicht haben. Was meinst du wie neidisch die anderen werden, wenn sie erst einmal erfahren, wem die Pferde gehören und wo Betsy überhaupt wohnt!”, sagte ich dann und wartete auf eine Antwort von Betsys Vater. “Hm.. na gut von mir aus. Wehe sie fällt runter, Caleb. Dann Gnade dir Gott.” “War das eine Drohung?”, fragte ich ihn augenzwinkernd und er zuckte mit den Schultern. “Solltest du nicht trainieren, wenn sie gewinnen soll?”, fragte er mich und ich nickte ihm dankend zu. Danach verschwand ich aus dem Stall und schnappte mir sofort Sue von der hinteren Koppel. Ich sattelte sie und ging dann zu den Paddocks, wo sich Betsy mit der Schubkarre herum ärgerte. “Hey Kleine, kommst du mit? Dein Vater hat ja gesagt.”, erklärte ich ihr und sofort strahlte ihr kleines Gesicht wieder. “Wirklich? Oh mein Gott!”, rief sie, ließ die Gabel fallen und kam auf uns zugelaufen. “Hey, immer langsam mit den jungen Pferden.”, sagte ich und hielt ihr eine Hand vor die Brust. “Pferde… langsam.. das weißt du doch.”, tadelte ich sie und drückte ihr dann die Zügel in die Hand. Wir gingen auf den kleinen Platz. Von dessen Rand holte ich die Poles und stellte sie großzügig auf. Wir fingen schließlich von vorne an. “Lass mich zu erst. Sie steht im Moment auch nicht voll im Training. Wer weiß, was sie noch kann.”, sagte ich zu Betsy und schickte sie auf den Zaun, auf den sie sich setzte und mir gespannt zusah. Da ich mich doch dazu entschieden hatte, zu erst zu reiten, stellte ich die Poles so hin, wie sie auch auf dem Turnier stehen würden, denn ich wollte ja sehen, was die Stute noch konnte. Ich wärmte sie ein wenig auf, galoppierte sie kurz und fragte die Fliegenden Galoppwechsel ab, von denen sie gleich eine ganze Menge brauchen würde. Dann ritt ich zum Eingang des Platzes und merkte schon, wie sie unruhig wurde. Als ich sie endlich laufen ließ schoss sie regelrecht nach vorne und umsprang eine Stange nach der Anderen. Nur die Letzte schaffte sie nicht ganz und musste so den Bogen viel zu groß nehmen, um wieder nach vorne galoppieren zu können. Ich stoppte sie am Ausgang und sah dann zu Betsy. “Und, meinst du die anderen werden neidisch?”, lachte ich und schaute in ein Gesicht, dessen Kinnlade herunter gefallen war, und noch nicht wieder aufgesammelt zu sein schien. “Na komm, du bist dran.”, sagte ich, übergab ihr das Pferd und stellte die Poles wieder weiter auseinander. “Schritt. Nur Schritt. Fang hinten an. Das verbindet sie nicht mit einem wirklichen Run. Wenn das klappt, Trab. Galoppiert wird heute noch nicht.”, erklärte ich ihr und sah sofort die Enttäuschung in ihrem Gesicht. “Du würdest schneller unten liegen, als dir lieb ist…”, murmelte ich und setzte mich dann auf den Zaun. “Und nimm sie einhändig. Dann kannst du dich später im Galopp wenn nötig am Sattelhorn festhalten.”, erklärte ich ihr und sie nahm die Zügel in die rechte Hand. Im Schritt klappte das ganze schon sehr gut. “Gut, trab mal an.”, rief ich ihr zu. “Nimm sie aber vorher kurz an, sie soll schön versammelt traben und dir nicht unter deinem Hintern wegrennen.” Betsy war eine gute Reitschülerin. Sie tat immer genau das, was man ihr sagte- und sie war gut darin. Beim Traben fing Sue an sich wunderschön in die Richtungen zu biegen, in die Betsy sie haben wollte. “Vielleicht versuchen wir gleich doch mal ein wenig Galopp. Galoppier sie mal auf dem Zirkel auf beiden Händen, damit du dich an sie gewöhnst.”, erklärte ich ihr und schaute ihr zu, ehe mein Handy klingelte. Normalerweise hatte ich das Ding nie dabei, doch heute morgen hatte ich es eingesteckt, als Ylvi mit Louis gefahren war. Und genau der rief mich gerade an. Louis. “Hey Louis…”, sagte ich und konnte gar nicht weiterreden, so schnell redete er. “Welches Krankenhaus, ich bin unterwegs.”, sagte ich außer Atem und schaute zu Betsy und Sue rüber. “Betsy etwas stimmt mit Ylvi nicht, Louis hat angerufen. Reite Sue ab und bring sie weg, sag den anderen Bescheid, ich muss sofort ins Krankenhaus.” Betsy nickte, hielt Sue an und sah mich mitfühlend an. “Okay.”, meinte sie leise und ich sprang vom Zaun, rannte zum Wagen und fuhr in das Krankenhaus, welches mir Louis gesagt hatte.

      Ich stürmte hinein und wurde natürlich von allen Menschen dort sonderbar angesehen, was dieses Mal nicht nur an meinen Cowboyklamotten lag, sondern auch daran, wie hektisch ich mich nach Louis umsah. Schließlich tauchte er in meinem Blickfeld auf. Er kam auf mich zu, legte einen Arm um mich und klopfte mir kurz auf den Rücken, was ich ihm gleich tat. “Wo ist sie? Was ist passiert?”




      Louis

      Ich gab zu etwas Angst auf caleb zu treffen hatte ich schon, gerade als er so gehetzt in den Warteraum gerannt kam. Die Fahrt hierher dauerte eine gute Stunde Fahrt. ich musste nicht auf die Uhr schauen um zu Wissen das er sehr viel schneller hierher gefahren war.

      Ich war im ersten Moment vollkommen Hilflos gewesen als Ylvi mir plötzlich zusammengesackt war. Ich hatte ihr im ersten Moment auf die Wange geschlagen, schon vorher hatte ich mitbekommen wie sie vermehrt geblinzelt hatte. Ich scholt mich einen Idioten. Als ich schließlich bemerkt hatte das sie einen vollkommen ungleichmäßigen Herzschlag hatte, zückte ich sofort mein Handy um den Notruf zu holen. Es wurde sofort ein Hubschrauber auf den Weg geschickt, unterdessen hatte die Frau am Telefon mit ernster Stimme Anweisungen zur Herzmassage gegeben. Ich hatte das ganze schon einmal getan, ich hatte jedoch etwas erschrocken die Luft eingezogen als ich die Narbe auf ihrem Brustkorb erkannt hatte. Ich hatte trotzdem fleißig die Massage begonnen. Nur eine Viertelstunde später landete der Hubschrauber, die Ärzte nahmen mich beiseite, taten ihre Arbeit. Kurz vor dem Abflug teilten sie mir noch mit in welches Krankenhaus sie gebracht werden sollte. Was genau mit ihr war - sagte mir niemand. Zunächst dachte ich auch gar nicht daran Caleb anzurufen. Im dauerlauf war ich den Berg wieder runter gerannt, in die Gondel eingestiegen und nervös im leeren Abteil auf und ab gegangen. Erst im Krankenhaus, auf meine Frage hin was denn nun mit ihr sei kam Calebs Name ins Gespräch. Ein Afroamerikaner mit schriller Frisur, nahm mich beiseite, in der Hand einige Papiere. “Entschuldigen Sie Sir. Sie gehören nicht zum direkten Verwandtenkreis, daher kann ich Ihnen nur sagen - sie ist soweit stabil. Für weitere Instruktionen benötigen wir die Person die in Ihrer Patientenverfügung steht.“ Ich horchte auf. War Ylvi also bereits in diesem Krankenhaus vorstellig geworden? Stammte daher diese Narbe? “Kennen Sie jemanden namens Caleb O’Dell? Er steht hier als Ansprechpartner drinnen” der Typ vor mir wedelte mit den Papieren in seiner Hand. Caleb! “Ich werde ihn direkt anrufen!”

      “Caleb? Caleb! Hör zu. Ich bin hier gerade im Krankenhaus. Kannst du her kommen, Ylvi ist hier..”


      Ich blinzelte, kehrte aus meiner Erinnerung zurück in die Gegenwart, sprang auf um Caleb in Empfang zu nehmen. “Ich bin leider genauso ratlos wie du, Kumpel. Mir wollen sie nicht viel sagen. Ich bin weder Verwandt mit ihr, noch ihr Ehemann..noch” “na ich doch genau so wenig!” kam es hektisch, wütend von Caleb. Ich verzog mein Gesicht, streckte vorwurfsvoll die Lippe nach vorn. “Lass mich doch ausreden. Dein Name steht in Ylvis Patientenverfügung.” Caleb, japste nach Luft, drehte mir den Kopf zu. Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Aber noch bevor er reagieren konnte, kam auch schon der Pfleger von zuvor. Sein Name war Gordon. “Mr. O’Dell nehm ich an?” Caleb nickte. “Gehen wir dort hinüber um zu reden.” Ich wollte zunächst zurück bleiben, aber Caleb zog mich an meiner Schulter hinter sich her. Gordon war zunächst nicht ganz überzeugt, aber Calebs geknurrtes. “Er sollte es auch erfahren.” ließ den Afroamerikaner nur die Schultern zucken. Also wurden wir in eine Art Nebenraum des Wartezimmers geführt.


      Caleb

      “Patientenverfügung? Mein Name? Was? Wieso das denn?”, ging es weiter und meine Sorge wisch Verwirrung. Was hatte mein Name da verloren? Hatte sie keine Familie oder Freunde oder… da fiel es mir ein. Freunde. Wir waren wirklich gute Freunde geworden, wenn nicht auch viel mehr. Vielleicht stand er deshalb drin?

      Im sogenannten Nebenzimmer tigerte ich auf und ab und konnte gar nicht still stehen, bis mich Louis am Arm packte und mich in die Richtung des Pflegers drehte. Seine Hand, die sich in meinen Arm krallte, ließ mir gar keine andere Möglichkeit, als auf der Stelle stehen zu bleiben und ihm zuzuhören.

      “Wie Sie ja eben schon mitbekommen haben, stehen Sie, Mr. O’Dell, als Ansprechpartner in Ylvis Patientenverfügung. Das berechtigt sie dazu, Entscheidungen bezüglich des Abschaltens der Geräte zu treffen und..” “Des Abschaltens der was?”, fiel ich ihm ins Wort. Der Griff um meinen Arm wurde stärker. “Hör zu, halt den Mund.”, zischte Louis und sah mich eindringlich an. Der Pfleger wechselte erneut einen Blick zwischen uns beiden, ehe er sich räusperte und dann wieder ansetzte. “Es berechtigt Sie dazu, über das Abschalten der Geräte im Notfall zu bestimmen. Dies ist hier jedoch nicht der Fall.”, machte der Mann weiter und war einen Schritt zurück gewichen, als ich Ansätze gemacht hatte, einen Schritt auf ihn zuzugehen. “Ms. Seidl hat einen Herzschrittmacher. Irgendwann sind auch dort die Batterien leer und müssen getauscht werden. Dies ist kein Problem, wenn sich der Patient an die vereinbarten Termine hält. Leider hat Ms. Seidl dies nicht getan. Sie ist nicht zu ihrem Termin erschienen und auch auf ärztliche Schreiben nicht erschienen. So kam es, wie es kommen musste. Die Batterien haben den Geist aufgegeben. Ms. Seidl hatte Glück, dass sie in der Nähe eines Krankenhauses war, denn sonst würden wir jetzt nicht so miteinander reden…”, erklärte er und ich ballte die Hand zur Faust, was den Pfleger erneut nach hinten gehen ließ. Louis nickte ihm jedoch zu, er hatte meinen Arm noch immer fest im Griff. Das ließ den Mann vor uns wohl etwas entspannen, er hatte wohl Angst, dass ich ihn schlug. “Ms. Seidl befindet sich gerade im OP, die Batterien müssen ausgetauscht werden. Und sie Mr. O’Dell, sollten in Zukunft darauf achten, dass sie ihre Termine einhält.”, sagte er noch und wandte sich zum Gehen ab, ehe er sich noch einmal umdrehte. “Ich halte sie auf dem Laufenden, bitte warten Sie im Wartezimmer.”, damit verließ er den Raum, ließ die Tür als erkennbaren Hinweis offen und warf nochmal einen Blick über die Schulter. “Idiot da…”, murmelte ich und Louis ließ mich endlich los. “Wie konnte sie die Termine nur nicht einhalten...”, knurrte ich und sah in Louis ratloses Gesicht. “Komm, lass uns ins Wartezimmer gehen bevor wir wirklich noch eins auf den Deckel bekommen. Mehr als warten können wir schließlich nicht.” Also gingen wir ins Wartezimmer und setzten uns zu den anderen Menschen. Manche vergruben ihre Gesichter in ihren Händen, manche starrten einfach in die Leere. “Ich hasse Wartezimmer…”, murmelte ich und nahm nun endlich meinen Cowboyhut vom Kopf, um ihn auf meine Beine zu legen, was wieder seltsame Blicke auf mich zog. “Noch nie einen Cowboy gesehen oder was?!”, feixte ich die Personen an, die ganz schnell in andere Richtungen schauten. Als ich mir jedoch die Sporen ab machte, sah ich aus dem Augenwinkel, dass sie mich wieder alle ansahen. Wo war ich hier nur gelandet?


      Ylvi

      Mir schwirrte der Kopf...mir war unfassbar übel..und ich hörte ein Surren in meinen Ohren, das meinem verwirrten Verstand nicht vorwärts half. Der Geruch nach Desinfektionsmittel stand mir in der Nase, noch ohne die Augen zu öffnen wusste ich das ich in einem Krankenhaus lag.

      Ich blinzelte, sah vorerst nur verschwommen, dann klarer eine Gestalt auf einem Stuhl neben mir sitzen. Der Kopf war auf das Bett gesunken, die Augen geschlossen. Ich blinzelte verwirrt, sah mich im Raum um. Die Gestalt war Caleb, an meinem Fußende lag sein Hut, darauf die Sporen. Er schien zu schlafen, sonst war der Raum leer. Mein Kopf versuchte die letzten Stunden ins Gedächtnis zu holen. War ich nicht mit Louis unterwegs gewesen? Der Raum war Dunkel, nur Licht kam aus dem Fenster in der Tür. In meiner Hand steckte eine Kanüle, durch die Flüssigkeit in mich hinein lief. Das Surren stammte von dem Gerät das meinen Herzschlag aufzeichnete. Jetzt kamen mir meine Übelkeit bei der Wanderung wieder in den Sinn...mein Herz schien den Geist aufgegeben zu haben. Natürlich...schließlich hatte ich den Termin vergessen. Ich hatte darauf spekuliert noch Zeit zu haben. Sicherlich hatten sie Caleb diese Information gegeben...Ob er wohl sauer war das er und nicht meine Eltern in der Verfügung standen? Sie hatten sich all die Jahre Sorgen um mich machen müssen..ich hatte ihnen das nicht aufbürden wollen über den Ozean zu reisen um Entscheidungen zu treffen, die meine Gesundheit anbelangten. Ich streckte meine Hand aus, stoppte kurz...dann strich ich mit ihr über Calebs Wangen..ohne Worte. Ich hatte Angst den wenigen Mageninhalt von mir zu geben den ich vielleicht noch hatte. Es dauerte ein wenig, dann schreckte Caleb plötzlich nach oben, schien für einen Moment verwirrt wo er sich befand, dann fiel sein Blick auf mich.


      Caleb

      Einen ganzen Sturm hatten wir in diesem blöden Wartezimmer verbringen müssen, unter kritischen Augen der anderen Personen, die auf jemanden oder etwas warteten. Ich war wohl eingeknickt, denn wach würde ich, als mich Louis in die Seite stieß und mir sagte, er müsse nach Hause. Schließlich hätte er eine Bar zu führen und er konnte so kurzfristig keinen Ersatz besorgen oder gar schließen. Also saß alleine dort herum und fing irgendwann an, im Raum auf und ab zu tigern, wie ich es vorher im Nebenraum auch schon gemacht hatte- natürlich noch immer unter kritischen Augen. Irgendwann stand eine Frau auf, legte mir die Hand auf die Schulter und zeigte auf meinen Platz, auf dem mein Hut und meine Sporen lagen. „Herumlaufen bringt auch nichts, setzen Sie sich. Sie machen uns alle noch nervöser, als wir es ohnehin schon sind.“, legte sie mir nahe und ich nickte stumm, setzte mich wieder hin.

      So langsam wurde es leerer im Wartezimmer. Immer mehr Menschen gingen. Die Einen freudestrahlend, die anderen weinend und mit verquollenen Gesichtern. Endlich kam ein Pfleger herein und steuerte auf mich zu. Ich sprang sofort auf und mit einem lauten Klirren fielen meine Sporen auf den Boden. „Und?“, fragte ich ihn aufgeregt, doch er wies mich an mein Zeug aufzuheben und mitzukommen. Das tat ich dann auch und folgte ihm bis vor ein Zimmer. „Sie hat die OP gut überstanden und ist auch schon aus der Narkose aufgewacht. Sie ist jedoch gleich wieder eingeschlafen, da sie sehr erschöpft ist. Sie können gerne rein gehen und warten, lassen sie sie aber schlafen.“, dabei zeigte er auf meine Sporen, die eben einen heiden Krach gemacht hatten. „Alles klar. Dankeschön.“, sagte ich und der Mann nickte, ehe er verschwand. Hier stand ich nun, alleine vor Ylvis Zimmer. Nur eine Tür trennte uns. Als ich endlich Mut gefasst hatte, drückte ich die Tür leise auf und ging hinein. Meine Sachen legte ich leise auf dem kleinen Tisch ab, ehe ich mir einen Stuhl neben das Bett zog und mich dann darauf setzte. Nun hieß es wieder warten.

      Ich schien erneut eingeschlafen zu sein, denn jemand berührte meine Wange, als ich hochschreckte. Etwas orientierungslos schaute ich mich um, ehe ich Ylvi ansah und meine erste Freude, sie lebendig zu sehen, Wut wisch. Ich setzte an, hielt dann jedoch den Mund, da es ihr wirklich nicht gut zu gehen schien. So saß ich einfach hier, hatte ihre Hand ergriffen und meinen Kopf wieder auf ihr Bett gelegt.


      Ylvi

      Kurz flackerte es in seinem Blick, ein Schatten von Wut. Dann griff seine Hand nach der meinen, ein Schatten eines Lächelns auf den Lippen. Dann legte er den Kopf wieder auf das Bett, sein Gesicht dem meinen zugewandt.

      Ich schloss kurz die Augen, öffnete sie dann nochmal..ich spürte noch immer seinen Blick auf mir. Schwach drückte ich seine Hand. Unwillig die Stille zu durchbrechen...mit Anbruch der Dämmerung durfte er mir seinen Zorn gern entgegen bringen. Für den Moment war ich froh ihn an meiner Seite zu wissen. Mein Versuch wach zu bleiben scheiterte, alsbald rief mich der Schlaf wieder in seine Fänge.


      Erst als es fast rüde an der Tür klopfte, eine rundliche Schwester mit Essen in den Raum stürmte, das Tablett auf den Tisch lud und wieder verschwand wurde ich wach. Auch Caleb schreckte hoch, ließ ein stöhnen von sich hören..die Position in der er geschlafen hatte war sicherlich alles als bequem. Mich wunderte ohnehin wieso er noch hier war. In Deutschland durfte niemals jemand über Nacht bleiben..wie oft hatte ich im Krankenhaus nach meiner Mutter gerufen. Ich schob die Erinnerung beiseite. Sah etwas ungläubig auf das Essen auf dem Tablett. Kulinarisch wertvoll würde es wahrscheinlich auch hier nicht sein. Um eine Basis an Konversation zu schaffen deutete ich auf das Essen…”Hunger?” meine Stimme klang kratzig von der wenigen Nutzung der letzten Stunden.


      Caleb

      Es dauerte nicht lange, da hörte ich von Ylvi ein leises, regelmäßiges Atmen. Sie schien wieder eingeschlafen zu sein. Lange überlegte ich, was ich tun sollte, entschied mich dann jedoch das Zimmer kurz zu verlassen und etwas essen zu gehen, solange die Cafeteria noch auf hatte.

      Gesagt getan. Vorsichtig zog ich meine Hand aus der Ihren und verließ leise das Zimmer. Schnell hatte ich den Essraum gefunden und bestellte mir etwas. Zum Glück hatte ich mein Portmonee eingesteckt gehabt, welches ich im Wagen liegen gehabt hatte. Ich bezahlte, setzte mich an den Tisch und aß. So langsam wurde es leerer hier und der Pfleger, dem ich am Nachmittag anscheinend Angst gemacht hatte, kam mit ernster Miene auf mich zu. „Die Besuchszeit ist fast vorbei.“, sagte er mir und ich stand vom Tisch auf, legte meine Serviette auf das Tablett und sah ihn an. „Wenn Sie über Nacht bleiben möchten, müssen Sie sich vorne anmelden. Ansonsten muss ich Sie bitten, das Krankenhaus zu verlassen und…“ „Alles klar. Ich bringe mein Tablett weg und werde mich anmelden. Danke.“, antwortete ich ihm. Er nickte, machte kehrt und verschwand, während ich meine Sachen weg räumte, mir noch eine Flasche Wasser kaufte, mich für die Nacht anmeldete und dann wieder zu Ylvi ins Zimmer ging. Sie schlief noch, weshalb ich mich wieder zu ihr setzte und meinen Kopf auf das Bett legte.

      Irgendwann schien auch ich eingeschlafen zu sein, denn ich wachte durch einen Knall auf. Eine scheinbar noch unfreundlichere Frau als der Pfleger hatte Ylvis Essen auf den Tisch geknallt. Sofort legte ich eine Hand in meinen Nacken. „Ouch.“, meinte ich und dehnte meinen Hals ein wenig. Auf Ylvis Frage schüttelte ich nur den Kopf. „Ich hatte mir eben was geholt, als ich kurz raus war. Ess du nur. Und dann erzählst du mir, was zum Teufel du dir dabei gedacht hast.“, fing ich meinen Satz an und wurde zum Ende hin doch wütend. Ja, was hatte sie sich nur dabei gedacht?!


      Ylvi

      Zweifelnd sah ich zu dem Tablett, eine trockene Scheibe Brot...Käse der sich nach oben rollte. Ein Glas Wasser...und ein Joghurt. Narkosen schlugen mir auf den Magen. Das hatten sie schon immer. Ich rutschte langsam in eine sitzende Position, stellte das Bett darauf ein. Caleb half mir, legte das Kissen in meinen Rücken. Zunächst trank ich das Glas Wasser, wurde dabei ein wenig behindert, denn ein Schlauch unterstützte mich noch beim Atmen...sie rutschten mir ständig über die Ohren. Andererseits tat die Kanüle in meiner Hand bei jeder Bewegung weh. Langsam war auch das ziehen der Narbe an der Brust zu spüren. Wieder war sie geöffnet worden. Erst war es der Unfall gewesen, dann die Langzeitfolgen, schließlich der entdeckte Herzfehler. Man hatte mir als ich 14 war den Herzschrittmacher eingesetzt...zu oft hatte mein fragiles Herz einige Schläge ausgesetzt. Damals hatte man erklärt nach etwa 10 bis 15 Jahren würden die Batterien ihren Dienst versagen. In Deutschland hatte man mich noch einmal untersucht...in Albuquerque hatten sie mir ein Krankenhaus genannt. Dieses hatte die Kontrolle fortführen sollen. Den ersten Termin hatte ich tatsächlich mit Absicht verstreichen lassen. Ich hatte keinen eigenen Wagen gehabt, wollte Bellamy und Caleb nicht stören. Vor allem nachdem Caleb und meine erste Begegnung so wenig vielversprechend ausgesehen hatte. Anschließend war ich so eingespannt gewesen in meine Arbeit, die Hilfe auf der Ranch das ich es schlichtweg vergessen hatte. Dann hatte mich Caleb für ein paar Tage nach Dublin entführt. Ich griff wenig überzeugt nach dem Jogurt, er schmeckte künstlich nach Erdbeere, ran meine Kehle hinab und schien nun schwer in meinem Magen zu liegen. Die einfache Antwort auf Calebs Frage war - nichts. Ich hatte nicht nachgedacht...unbedarft gehandelt...zu sehr “im Moment” gelebt. Bei dieser Sache hatte ich es übertrieben...und ich hatte Angst diese simplen Worte an Caleb zu richten. Ich hatte seinen Vorwurf gehört...und trotzdem ehrte es ihn. Das er hier war, die Nacht hier verbracht hatte...das alles bewies das ich ihm nicht egal war. Sorge stand ihm ebenso im Gesicht wie die Wut. Ich kratze den Becher nicht aus, stellte ihn fort...seufzte und hob weniger Scheu den Blick. “Nichts. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Das war dumm...das weiß ich.” ich war drauf und dran ein “aber” mitanzufügen ließ es dann jedoch besser sein. Ich wollte den Wolf nicht grollen hören, obwohl es ihm in der Brust sitzen musste.


      Caleb

      Der Joghurt schien ihr wirklich nicht zu schmecken, so langsam und zaghaft sie ihn löffelte. Wobei es auch sein konnte, dass ihr Kopf nach einer passenden Antwort auf meine Frage suchte, denn anstatt mir zu antworten, hatte sie sich aufgesetzt, getrunken und dann angefangen zu essen. Ich war aufgestanden und zum Fenster gegangen. Die Aussicht aus ihrem Zimmer war wirklich hässlich, sie konnte direkt auf die viel befahrene Straße schauen und auf der gegenüberliegenden Seite standen Häuser. Die Stadt konnte man gar nicht mit der Weitläufigkeit der Ranch vergleichen. Ich wusste genau, warum mich Louis nach meinem Rodeounfall so schnell es ging aus dem Krankenhaus geholt hatte- ich wäre darin zu Grunde gegangen. Es hatte zwar ewig gedauert, bis ich ohne Schmerzen einen Fuß in den Steigbügel hatte setzen können und bei Gott, Louis hatte mich fast wieder aufs Pferd geprügelt. In Gedanken hatte ich das Zimmer, das Krankenhaus und diese Stadt verlassen, als ich Ylvis zögerliche Stimme hinter mir hörte. Ich drehte mich um und sah sie an. Nichts? Sie hatte sich nichts dabei gedacht? War das ihr Ernst? Ich gab ein genervtes Grummeln von mir, setzte mich wieder auf den Stuhl an ihrem Bett, rückte aber ein wenig nach hinten, damit sie mehr Platz zum Essen hatte. “Und wie lange musst du noch hier bleiben? Ich müsste nämlich wieder zurück auf die Ranch…”, sagte ich dann, ohne auf ihre Antwort einzugehen. Diese Genugtuung würde ich ihr nicht geben, sollte sie ein bisschen schmoren.


      Ylvi

      Ich zuckte zusammen.. “Du nimmst mich mit.” sprach ich fast ein wenig zu flehentlich und ich hasste meinen Ton. “Ich geh hier sonst ein.” Caleb schien mir nicht zu widersprechen.

      Innerhalb von 10 Minuten hatten wir eine Schwester organisiert, ihr mitgeteilt das wir gehen würden. Einer der Ärzte sprach im Vertrauen zu mir...aber ich wollte nicht länger als nötig bleiben. Wundversorgung kannte ich mittlerweile zu genüge. Da sie mich nicht zwingen konnten, unterschrieben sie meine Entlassungspapiere.

      Ein Pfleger war es der mich neben Caleb her schob, dieser hatte seinen Hut wieder auf dem Kopf, die Sporen baumelten an seinem Gürtel, klirrten Klangvoll aneinander. Am Ausgang half mir Caleb auf die Füße, doch statt mich selbst Laufen zu lassen hob er mich ohne Umschweife auf seinen Arm. Nur das Aufstehen hatte mich meine ganze Kraft gekostet, ich schämte mich. Murmelte ein leises Dankeschön als er mich sanft auf dem Sitz des Wagens ab setzte. Wir schwiegen auch als wir die Stadt noch verließen...als wir auf dem Highway Richtung Blakes Crow Meadow waren atmete ich hörbar aus...eine Anspannung wich endlich von meinen Schultern. “Caleb..könnten wir uns darauf einigen Bellamy nichts davon zu erzählen?” ich sah auf meinen Schoß “Ich will nicht das er davon weiß.”


      Caleb

      Die Fahrt verlief schweigend. Jeder von uns war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Während ich das Lenkrad ab und zu fester umfasste, gar zerquetschte, war Ylvis Blick fast die ganze Zeit gesenkt, oder sie schaute zum Fenster hinaus.

      Endlich stellte sie mir die Frage, über die sie die ganze Zeit nachgedacht zu haben schien. Ich musste jedoch den Kopf schütteln, sah kurz zu ihr rüber und sagte dann: „Dieses Versprechen kann ich dir nicht geben. Als Louis angerufen hatte, war ich gerade mit Betsy am Trainieren. Ich habe ihr gesagt sie soll allen Bescheid sagen. Was du ihnen nun sagen wirst, das bleibt dir überlassen. Doch sie wissen, dass ich zu dir ins Krankenhaus gefahren bin. Bellamy möchte dich übrigens bitten, im Haupthaus zu bleiben. Unser Haus ist zu weit ab vom Schuss, wenn etwas ist.“ Je weiter ich sprach desto entgeisterter schaute sie mich an. Hilflos zuckte ich mit den Schultern. „Ich bin nur der Bote. Und wenn ich ab… später wieder arbeiten muss, bist du fast die ganze Zeit alleine im Haus.“, erklärte ich ihr und sie nickte zaghaft.

      Als wir auf den großen Hof führen kamen schon die anderen Mitarbeiter der Ranch raus und stellten sich vor meinen Pick Up. „So… your turn.“, sagte ich, stieg aus, öffnete ihre Tür und nahm ihr Gepäck aus dem Wagen. „Ylvi gehts dir gut??“, fragte Bellamy und ging einen Schritt auf sie zu, um ihr zu helfen, sollte sie sich helfen lassen.




      Ylvi

      Ich biss mir von innen auf die Lippen...hart, mein Blick huschte nach rechts aus dem Fenster, darauf konzentriert nicht zu weinen. Meine Nase kribbelte. Ich wollte nicht das alle Bescheid wussten. Wollte die Sorge der anderen nicht sehen. Ich würde gut und gerne vier Wochen ausfallen bis die Wunden halbwegs geheilt waren, noch einmal vier Wochen ehe ich wieder leichte Arbeit verrichten könnte. Sehr viel länger bis überhaupt daran zu denken war das ich wieder in den Sattel stieg. Vor allem aber wollte ich nicht ins Haupthaus ziehen...das Gästehaus hätte mir die Möglichkeit gegeben mich zurück zu ziehen vom Geschehen der anderen.

      Viel mehr hatte ich jedoch das Szenario im Kopf das Caleb mich los werden wollte, auch wenn mein Verstand wusste das dies gar nicht stimmen konnte, sponn sich mein Geist so etwas aus. Mein Herz zog sich dabei krampfhaft zusammen...und mir kam wieder in den Kopf wieso ich die Liebe schon immer verabscheut hatte. Sie machte uns Schwach, abhängig von anderen...nicht mehr in der Lage rational zu denken. Ich hasste wie ich fühlte, hasste meinen derzeitigen Zustand, hasste das mein Herz sich so an Caleb gebunden hatte. Vielleicht wäre es ja doch gar nicht schlecht gewesen, wenn mein dummes Herz seinen Dienst für immer versagt hätte. Doch das war auch nicht wirklich wahr...ich liebte das Leben in all seinen Facetten. Nur eben nicht mein fragiles Herz.
    • Ravenna
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      Caleb

      Seit dem Unfall von Ylvi war einige Zeit vergangen. Genauer gesagt drei Wochen. Am letzten Wochenende war Betsys Turnier mit Black Sue Dun It gewesen und… sie hatte das Ding gerockt. Die anderen Mädchen hatten mit heruntergefallenen Kinnladen am Zaun gestanden, während ich das Mädchen überschwänglich aus dem Sattel gehoben, uns einmal um die eigene Achse gedreht und dann wieder aufs Pferd gesetzt hatte. Beim Pole Bending hatte sie den ersten Platz mit Sue gemacht und die anderen wirklich hinter sich zurückgelassen. “Damit hab ich nicht gerechnet.”, hatte sie gelacht und fast angefangen zu weinen. Ich hatte sie gedrückt und ihr versichert, dass sie den ersten Platz verdient hatte und die anderen sich bestimmt nicht mehr über sie lustig machen würden. Dem war jedoch nicht so, leider. Am Mittwoch war die Kleine todtraurig aus der Schule gekommen. Sie wurde geärgert, weil es nicht ihr eigenes Pferd gewesen war. Pferde leihen konnte schließlich jeder. Meine Überlegung war es nun, ihr Sue zu schenken. Naja, zumindest zur Hälfte. Aber das musste ja niemand wissen- niemand außer Bellamy, denn dem gehörte das Pferd ja- und genau in dessen Büro saß ich gerade. Bellamy war mal wieder hinter einem Stapel Papier verschwunden und konnte mich eigentlich gar nicht wirklich sehen. “Du… solltest jemanden einstellen, um den Papierkram zu machen. Unser Heu wird auch knapp, von der Einstreu brauch ich gar nicht erst anzufangen…”, sagte ich und erkannte dann ein paar schwarze Locken, die hinter dem Papierberg herausschauen. “Wenn ich hier mal Ordnung reinbekommen würde, dann wüsste ich das. Und dann wüsste ich auch, wie viel Geld wir diesen Monat noch übrig haben, um solche Dinge zu kaufen.”, murrte er und ich verschränkte meine Hände hinter meinem Nacken. “Naja, dann such dir einfach mal Hilfe. Hier auf der Ranch rennen genug Menschen rum- und ansonsten frag doch einfach O. Sie bekommt das drüben ganz alleine mit Travis auf die Reihe.”, lachte ich und verstummte sofort wieder, als mein Gegenüber mir einen Blick zuwarf, der keine Fragen offen ließ. “Apsopos O… sie möchte wieder zu uns kommen. Sie verkauft zur Zeit einige Pferde und auch die Ranch.” “Aber was ist denn aus ihren Rennpferden geworden?” “Hat sie noch, zumindest eine Handvoll davon. Die würden mit ihr zurückkommen.” “Und die Sportpferde?” “Na, von irgendwas muss sie sich doch trennen, wenn sie verkleinern will.”, lachte Bellamy nur. “Ja dann kann sie ja den Papierkram erledigen.”, scherzte ich und Bellamy nickte. “Aber nicht für allzu lange.”, sagte er und ich schaute ihn fragend an. “Nicht?” “Nein.” Damit war das Thema beendet.

      “Bell… was ich eigentlich wollte.. Betsy war so gut am Wochenende auf Sue, da wollte ich dich einfach fragen, ob wir sie ihr nicht schenken können. Nicht ganz, nur 50%. Aber dann kann sie diesen dämlichen Gören sagen, dass das Pferd ihr gehört.”, schlug ich ihm vor und er nickte. “Wenn du das für richtig hälst, ist es okay. Kannst sie ihr ja zu Weihnachten schenken, ist ja bald. Aber ich wette, sie hätte lieber Blue genommen.” “Oh nein, den geb ich nicht her. Und ja, zu Weihnachten ist eine gute Idee!”, sagte ich lachend und stand auf. “Ach, ehe du gehst.. schau nochmal nach Ylvi, sie hat nach dir gefragt.” Ich nickte, drehte mich um und verschwand aus dem Zimmer. Ylvi… Sie lebte jetzt hier im Haupthaus, nicht mehr drüben bei mir. Irgendwie hatte das unsere… Beziehung auf Eis gelegt. Ich besuchte sie nicht oft, blieb selten länger als eine halbe Stunde und redete nicht viel. Ich erzählte ihr, wie mein Tag gewesen war, was ich gearbeitet hatte und was ich am nächsten Tag arbeiten würde. Mein Weg führte mich auch direkt nach draußen auf den Hof, wo ich mich auf Smart Lil Vulture setzte, den ich vor der Tür angebunden hatte, und in Richtung der hinteren Koppeln ritt. Ich blickte noch einmal zum Haus zurück und wurde das Gefühl nicht los, dass mich jemand beobachtet hatte.


      Ylvi

      Wie ein Idiot stand ich am Fenster, spähte durch die Gardinen und sah Caleb auf Vulture verschwinden. Der Hengst hatte sich wirklich gemacht. Wie oft hatte ich Caleb bei der Arbeit mit dem Hengst beobachtet in diesem Sommer. Es ging auf den Winter zu, wenn auch hier noch immer fast angenehme 11 Grad herrschten.

      Nach der OP waren meine Eltern in den nächsten Flieger gestiegen um mich hier zu besuchen. Mein Vater hatte belustigt festgestellt das meine Schwäche für Rappschecken kaum zu übersehen war. Meine Mutter hatte das ganze weit weniger gut aufgenommen. Nach einer Woche waren sie verschwunden, ich wurde allein gelassen. Mal abgesehen davon, dass Bellamy neben der Büroarbeit wirklich oft herein kam um unter Kontrolle zu haben das ich mich nicht weit aus dem Bett oder dem Zimmer bewegte. Zweimal am Tag hieß es den Verband zu wechseln, bei der Aufgabe unterstützte mich eine mobile Krankenpflege. In den ersten zwei Wochen hatte ich auch nicht viel getan als geschlafen oder gegessen.

      Abwechslung boten die Besuche von Louis. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Bar, kam er oft vorbei um mir Gesellschaft zu leisten. Manchmal begleitete ihn auch seine Schwester Lilly, die mir mit ihrem losen Mundwerk dazu verhalf meine dunklen Gedanken für einige Stunden zu verbannen. Sie kutschierte mich auch gern in einem Rollstuhl über die Ranch, denn noch war ich selbst zu schwach auf den Beinen. Außerdem bewegten sie meine Pferde, dafür war ich ihnen am meisten Dankbar. Mit Inyan hatte Louis natürlich keine Probleme, mit Ravn verhielt es sich da etwas anders. Am dritten Tag nachdem Caleb mich zur Ranch zurück genommen hatte, war er nach einer missglückten Trainingseinheit von dem Wallach zu mir hinauf gekommen. In der Zeit bewegte Lilly gerade Lady Gweny im Gelände. Ich musste lächeln als er mir berichtete das der Wallach sich bei ihm keinen Zentimeter vom Aufstiegsblock fort bewegt hatte. Daher hatte er beschlossen den eigenwilligen Valravn nicht zu bewegen. Mit Fylgia hatte er sich ein wenig vor der Kutsche vergnügt, da er selbst zu groß war um die zierliche Stute zu reiten. Auf einem dieser Ausflüge hatte er mich gestern mitgenommen, in eine dicke Decke gehüllt hatte er mich aus dem Haus getragen und hatte beschlossen wir machen eine kurze Tour um die Koppeln der Ranch. Als wir im gemächlichen Schritt wieder die Ranch betraten kam uns ein reitender Caleb entgegen. Die Worte die er an Louis richtete verstand ich nicht - es war Lakota - aber den Unterton von unmut vernahm ich deutlicher darin. Mir war ein bisschen unbequem zumute auf meinem Sitz...noch hatte ich keine sonderliche Erlaubnis für große Ausflüge draußen. Obwohl Caleb nicht oft zu mir kam - dieser Teil schien ihm nicht entgangen. Dann gab er dem Pferd unter sich einen Wink los zu laufen, als er auf meiner Höhe war, zog er sich leicht am Hut, nickte und ein feines Lächeln zuckte über seine Züge. Dieser Tage wurde ich nicht schlau aus ihm, aber war ich das je?

      Noch verblüffter war ich als ich sah welches Pferd er da ritt. Es war Ravn! “Hast du ihn darum gebeten?” flüsterte ich zu Louis, der nur den Kopf schüttelte. Ich lächelte in mich hinein...also war Caleb womöglich von allein auf die Idee gekommen. Zwischen all seinen Aufgaben nahm er sich tatsächlich die Zeit meinen Wallach zu reiten.

      Langsam kehrte ich aus meinen Gedanken ins hier zurück, löste mich vom Fenster, griff nach meinen Sachen um hinunter in das Bad zu gehen. Nach dem Wechsel des Verbandes wollte ich eine schnelle Dusche nehmen. Danach lief es wohl darauf hinaus das ich versuchte gemeinsam mit Bellamy Herr seines Chaos zu werden. Kleine Aufgaben konnte ich zumindest wieder erledigen.


      Caleb

      Mein Tag war mal wieder so voll gepackt mit Aufgaben gewesen, dass ich es erneut nicht geschafft hatte, bei Ylvi vorbei zu schauen. Nun war es schon fast neun Uhr und das Feierabendbier rief nach mir.

      Nach meinem seltsamen Gespräch mit Bellamy heute Mittag war ich mit Vulture zu den Koppeln geritten, wo ich einen neuen Zaun ziehen sollte. Das Equipment hatte ich mir am Morgen mit dem Traktor schon her gefahren, angefangen zu arbeiten hatte ich allerdings noch nicht. Ich band den Hengst an einem Zaunpfahl an und ließ ihn grasen, während ich anfing, den Zaun zu ziehen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder eine kurze Pause, um etwas zu essen oder einen Schluck zu trinken. Gegen vier Uhr musste ich dann zurück zur Ranch- Reitstunde mit Betsy und Sue. Sie hatte zwar Blue reiten wollen, aber Gun and Slide war kein Pole Bending Pferd und sie wollte ja in dieser Disziplin besser werden.

      So hatte ich ihr beim Satteln geholfen und die Stute abgeritten. Sue war im Moment so voller Energie, dass ich sie lieber selbst abritt, bevor ich Betsy auf ihren Rücken ließ. Warum Sue im Moment so ein Energiebündel war, konnte ich nicht sagen. Auf jeden Fall meinte sie heute buckeln zu müssen, was ihr allerdings nichts als Ärger mit mir einbrachte. Betsy hatte sich zerknirscht an den Zaun gestellt, weil ich die Stute heute anders anpacken musste als sonst und keinen Ton zu mir gesagt, als sie an der Reihe war. Sue hatte stark schnaufend und verschwitzt da gestanden, doch das hatte sie sich selbst zuzuschreiben. Ein Glück für sie, dass ich sie nicht turniermäßig vorstellte, denn sonst wäre das richtige Training ähnlich verlaufen.

      Bei Betsy konnte sie jetzt jedoch wirklich entspannen. Schritt und viel Trab, dann erst Galopp. So übten die Beiden ganz in Ruhe und ich musste ihnen nicht viele Verbesserungen oder Kommandos entgegen rufen. Kurz vor fünf war die Sonne schon untergegangen, jetzt hatten wir halb sechs. Zum Glück besaßen wir große Strahler, die den ganzen Platz erleuchteten. Es war jedoch kälter als die letzten Tage, zumindest der Wind fühlte sich kälter an. “Wir lassen Sue heute im Stall, leg ihr auch eine Abschwitzdecke drauf, nicht dass sie krank wird.”, hatte ich zu Betsy gesagt und hatte mich dann an meine eigentliche Arbeit begeben. Boxen misten. Natürlich hatte niemand es für nötig gehalten meinen Part zu übernehmen, während ich auf der Koppel Zaunpfähle eingeschlagen hatte. Von halb sechs bis halb neun hatte ich also im Stall gestanden und Mist geschaufelt. Dann war ich nach drinnen gegangen, unter die Dusche gesprungen und auf die Couch gefallen.

      Kurz seufzte ich. Ein wenig vermisste ich Ylvi hier schon. Ob ich sie doch besuchen gehen sollte? Ich kramte mein Handy raus und schrieb ihr eine kurze Nachricht, ob sie noch wach sei und ob ich noch kurz rüberkommen konnte. Insgeheim hoffte ich fast auf ein nein, aber irgendetwas zog mich doch zu ihr. Wie konnte das, was wir hatten, durch ihren Umzug ins Haupthaus so… kaputt gegangen sein? Ich schüttelte den Kopf und wollte so die Gedanken vertreiben. Ein arbeitsreicher Tag lag hinter mir und ich hatte keine Lust, darüber nachzudenken. Jetzt zählte die Ruhe und das Bier und…. mein vibrierendes Handy.




      Ylvi

      Nachdem ich Bellamy geholfen hatte ein wenig seines Chaos zu beheben - er hatte tatsächlich beinahe vergessen den Mitarbeitern ihren Lohn zu zahlen, hatte ich mich in das untere Zimmer zurück gezogen. Dort stapelten sich Bücher an der Wand, genau mein Gebiet. Nun saß ich bereits eine gute Stunde auf der kleinen Couch las, als ich bemerkte wie mein Handy blinkte. Ich entsperrte den Bildschirm, Calebs Name leuchtete bei WhatsApp in der Beschreibung. Ich sah nur die Hälfte der Nachricht. Mein Herz wummerte...ich legte es beiseite, versuchte zu ignorieren das er mir geschrieben hatte. Las ein, zwei Sätze nahm gar nichts auf von dem was die Worte mir erzählten.

      Dann ergriff ich doch hektisch mein Telefon, öffnete den Chat und las seine Frage. “When your not sleeping, shall I come?” stand dort. Mein Daumen rief die Tastatur zum Vorschein. Ich tippte ein einfaches “Sure” ...löschte dann den text, schloss das Handy wieder. Ich starrte an die Wand, während ich spürte wie mir heiß und kalt zugleich wurde. Es war fast zwei Wochen her seitdem ich ihn in Natura und vor allem allein gesehen hatte. Ich sah hinab auf mein Handy im Schoß, welches mir nun den Blick auf die Seiten des Buches versperrte. Erneut öffnete ich den Chat. Sah auf die Buchstaben der Tastatur die wieder aufgeploppt war. Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht, dann tippte ich den kleinen Text und verschickte ihn mit klopfendem Herzen. Dann ließ ich mein Handy wieder in der Tasche verschwinden, nicht ohne die Vibration wieder einzustellen. Mit dem Buch in der Hand verschwand ich schließlich in das Zimmer im hinteren Teil des Hauses. Von hier hatte ich einen guten Blick auf das Gästehaus. Ich schaltete das Licht nicht ein, entzündete nur die vier großen Kerzen und meine kleine Nachttischlampe. Mehr Licht benötigte ich jetzt nicht. Auf das Buch würde ich mich ohnehin nicht konzentrieren können. Aufgeregt wie ein Kind zu Weihnachten konnte ich gar nicht richtig still halten.


      Caleb

      Ich hatte ein paar Schluck aus der Bierflasche getrunken und mein Handy auf die Couch gelegt. Eine ganze Zeit lang passierte nichts. Als es dann vibrierte und die Antwort von Ylvi erschien musste ich herzlich lachen. “Don’t forget the beer.”, stand dort geschrieben. Vergiss das Bier nicht.. typisch Ylvi. Ich stand auf, schnappte mir meine Flasche und stellte unwillkürlich fest, dass ich dort noch eine stehen hatte. Wir hatten oft hier zusammen gesessen und ein Feierabendbier getrunken, dass ich es mir wohl angeeignet hatte, immer zwei mit ins Wohnzimmer zu bringen. Da Ylvi schon eine ganze Weile weg war, war dies mir schon lange nicht mehr passiert. Heute schien ich jedoch mit den Gedanken eh nicht bei der Sache zu sein. Wann hatte ich Ylvi das letzte Mal alleine getroffen? Vor einer Woche? Vor zwei Wochen? Ich wusste es nicht mehr.

      Kurz föhnte ich mir durch meine blonden Locken, ließ den Hut bewusst auf der Kommode liegen, zog nur meine Stiefel und meine Jacke an und ging langsam rüber zum Haupthaus. Es war mittlerweile halb zehn, ein paar der Arbeiter waren schon in den Betten und auch der Großteil des Haupthauses war dunkel. In Ylvis Zimmer brannten ein paar Kerzen, kein Licht. Fragend schaute ich zu ihrem Fenster rüber, grinste dann jedoch nur kopfschüttelnd und setzte meinen Weg fort.

      Im Haus angekommen zog ich die Stiefel aus, hängte meine Jacke auf und ging mit den zwei Bierflaschen in der Hand zu ihrem Zimmer. Ich klopfte und ging dann rein. “Hey.”, sagte ich leise und schloss die Tür hinter mir. Ylvi stand von ihrem Bett auf, kam auf mich zu, erwiderte meinen Gruß und streckte sofort die Hand nach dem Bier aus. “Jaja. Darfst du sowas überhaupt schon wieder trinken?”, fragte ich sie und reichte ihr die noch geschlossene Flasche, ehe ich an meiner Offenen nippte.



      Ylvi

      Wie alt war ich? 23! Und wieso hatte ich verdammt nochmal schwitzige Hände? Ich fühlte mich etwa um 10 Jahre jünger. Zum Kotzen. Ich hätte gern Caleb auf dem Absatz umgedreht aus der Tür hinaus befördert und versucht nie wieder an ihn zu denken. Stattdessen ging ich auf ihn zu, griff nach dem Bier das er mir entgegen reichte. Auf seine Frage zuckte ich mit den Schultern “Zumindest nehm ich keine Medikamente mehr die sich damit nicht vertragen.” ich hatte auch kein offizielles Verbot nach Alkohol bekommen. Zumindest nicht das ich wüsste. Da es in diesem Zimmer keine Couch gab die ich zum sitzen hätte anbieten können nahmen wir auf dem Bett nebeneinander Platz. Caleb sah fertig aus, hob jedoch sein Bier und leise klirrten unsere Flaschen gegeneinander. “Ich hatte bisher gar keine Gelegenheit dir zu danken das du Ravn bewegst. Ich hab dich schon zweimal dabei gesehen. Das du zwischen deinen ganzen anderen Aufgaben noch dazu kommst ist wirklich nett. Wird Zeit das Bellamy endlich ein paar andere Helfer einstellt. Waren die Bewerbungsgespräche dahingehend eigentlich erfolgreich? Das hab ich gar nicht so mitbekommen in der letzten Zeit.”

      Ich war mir der Nähe zwischen uns bewusst, jedoch berührten meine Füße kaum den Boden, die Haltung nach vorn gebeugt war nicht ganz gut. Also musste ich von ihm abrücken, mir eines der Kissen in den Rücken legen und mich anschließend dagegen lehnen. Vielleicht hatte ich es mit meiner Aktivität heute ein wenig übertrieben.


      Caleb

      Auf ihre Aussage mit den Medikamenten zuckte ich nur die Schultern. “Okay, nicht dass ich dich hier noch vergifte.”, lachte ich und wir tranken eine Weile schweigend unser Bier. Wir setzten uns auf ihr Bett. Unser Wohnzimmer mit der Couch drüben im Gästehaus vermisste ich jetzt schon. “Oh ja, Ravn.”, sagte ich als hätte sie mich von irgendwo zurück ins hier und jetzt geholt. “Ja, Arbeit hab ich genug, du willst gar nicht wissen was ich heute alles gemacht habe.”, grummelte ich und antwortete ihr zunächst auf ihre Frage. “Ja, einen hab ich eingestellt. Naja, Bellamy. Aber ich wollte ihn. Cayce, hat auch ein Pferd dabei. Whitetails Shortcut. Shorty. Tolles Pferd, bin den mal auf einem Rodeo geritten, aber das ist eine lange Geschichte.”, sagte ich nur und nippte wieder an der Flasche. Ylvi setzte sich um und auch ich stand vom Bett auf, ehe ich mich auf den Stuhl daneben setzte. “Das Bett ist echt wahnsinnig unbequem.”, sagte ich zu ihr und erhaschte noch einen kurzen Moment ihres verwirrten Gesichtsausdruckes, ehe sie mich wieder normal ansah. “Und ja… Cayce greift mir hier jetzt schon wahnsinnig unter die Arme. Er ist auch Trainer, hilft mir bei den Reiningpferden. Ich würde die gerne nächstes Jahr aktiver vorstellen. Wir haben so gute Nachzuchten und auch ältere Hasen hier, die gehören in die Arena, nicht auf die Koppel.”, erklärte ich ihr und sie nickte verständnisvoll. “Aber heute war nicht mein Tag.”, seufzte ich schließlich und fuhr mir einmal durch die Locken. Sie waren lang geworden, fielen nicht mehr sonderlich hübsch nach unten. Ylvi sah mich auffordernd an, weshalb ich zu erzählen anfing. “Angefangen hat der Tag damit, dass ich mir Zaun und Draht zu einer der Koppeln gefahren habe, um dort zu arbeiten. Ich hatte was vergessen, kam zurück und bin dann zu Bellamy gegangen, weil er kurz Zeit hatte. Hab ihn gefragt ob wir nicht Betsy die Stute Sue schenken können zu Weihnachten. Naja, zumindest 50%. Weil sie immer so von den anderen geärgert wird und dann kann sie sagen, das Pferd gehört ihr. Vielleicht lassen die anderen sie ja dann in Ruhe?” Ylvi nickte. “Dann hab ich mir Vulture geschnappt, bin zur Koppel zurück und.. achja, O kommt zurück hier her. Aber vielleicht hat Bellamy dir schon davon erzählt? Auf jeden Fall… zur Koppel zurück und hab da gearbeitet. Ganz fertig bin ich nicht, muss da morgen nochmal hin. Hatte dann Reitstunde mit Betsy und Sue und bei Gott… dieses Pferd. Keine Ahnung was sie hatte, aber ich musste sie heute so hart anpacken, das kenn ich gar nicht von ihr. Betsy stand dann auch in der Ecke und hat kein Wort mehr zu mir gesagt. Glaube das gibt Probleme, wenn die Stute ihr.. halb ihr.. gehört. Aber naja.. dann habe ich Boxen gemistet. Hat ja keiner für nötig gehalten das zu tun, während ich Zaun machen war. Dann war ich duschen, saß auf der Couch und bin nun hier- morgen wird vermutlich nicht besser, denke das Heu kommt dann und wer lädt es ab? Ich…”, grummelte ich und nahm noch einen Schluck Bier. So viel hatte ich in den letzten Wochen nicht mit Ylvi geredet, weshalb sie jetzt leicht erschlagen in ihrem Bett saß. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es so war.


      Ylvi

      Ich schwieg einen Moment, ordnete die Fülle an Informationen, überlegte auf was ich darauf als erstes Antworten sollte. Ich hatte dabei einen dümmlichen Gesichtsausdruck, ganz sicher. Caleb grinste erst, lachte dann ein wenig. Ich erwiderte. “Wo ist nur der verschwiegene Cowboy hin?”, legte dann die Hand auf den Mund. Wie im Chat die Affen Smileys. “Daran bist du Schuld.” das klang beinahe verwegen wie Caleb es sagte. “Ich freue mich aber das du zumindest etwas Unterstützung durch Cayce hast. Die Idee für Betsy ist großartig! Kinder können so abartig zueinander sein, vor allem Mädchen in dem Alter. Dabei hat sie die Pubertät noch vor sich. Ich denke ein Pferd kann ihr dabei helfen sich zu entwickeln. Außerdem bist du als Trainer dann ja nicht aus der Welt...oder eben Cayce. Ich hab dich heute morgen bei Bellamy gesehen. Ist doch sicherlich ätzend ständig ihn fragen zu müssen? Bei all den guten Ideen und Plänen die dir so vorschweben.” Caleb war Vorarbeiter der Ranch, hatte viele der wichtigen Aufgaben der Ranch übernommen. Machte die Dienstpläne, das Futtermanagement. Im Grunde fehlte nicht viel zu dem Punkt das er alles auf der Ranch bestimmte. Trotzdem war der Name der Ranch Blakes Crow Meadow und die finale Entscheidung wurde stets von Bellamy getroffen. Dieser hatte mir jedoch, nicht gerade durch die Blume, zu verstehen gegeben das ihm die Aufgabe über den Kopf wuchs. Auch die Rückkehr von O würde nicht viel ändern, denn sie hatte nicht vor in die Ranch ihres Bruders einzusteigen. Ganz freiwillig kam sie wohl auch nicht zurück, wenn ich es nicht falsch verstanden hatte. Bellamy wusste das er sich etwas überlegen musste, wenn die Ranch in geordneten Bahnen weiter laufen sollte. Ich hatte die Rechnungen gesehen, das Chaos...und fragte mich in welchen Zügen Caleb über das Problem überhaupt Bescheid wusste.


      Caleb

      Meine Bierflasche neigte sich dem Ende zu und auch die Uhr schritt Stück für Stück voran. Lange würde ich wohl nicht mehr hier bleiben, genoss die Gesellschaft von Ylvi nun doch in vollen Zügen. Sie hatte mir gefehlt. Und sie fehlte mir verdammt nochmal drüben im Haus auch. Aber ihr das zu sagen? Das war nicht ich. “Oh ja und frag mich erst mal. Cayce ist ein wahnsinnig guter Reiter. Vielleicht können wir zusammen nochmal anfangen zu Ropen!”, erklärte ich ihr stolz und sah auch bei ihr ein Lächeln aufflackern. Sie wusste, wie sehr ich das Lassoschwingen liebte, hatte es aber eine ganze Weile nicht mehr tun können. Nur vom Bullenreiten hielt ich mich fern. Auf einen Bronc würde ich bei Gelegenheit bestimmt nochmal steigen. “Und mit Betsy glaube ich auch.”, sagte ich ihr dann. “Und eigentlich kann ihr hier jeder auf der Ranch helfen. Hier rennen genug Trainer und Leute mit Ahnung rum.”, lachte ich. Dann seufzte ich abfällig. “Es ist ätzend. Einerseits bin ich die Nummer eins auf dem Hof, was die Arbeit angeht, andererseits muss ich für jede Erlaubnis zu Bellamy rennen und ihn anflehen, etwas neues kaufen zu dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist.”, erklärte ich ihr und drehte die Bierflasche in meiner Hand hin und her, ehe ich den letzten Schluck daraus trank. “Ich bin froh, dass er es geschafft hat, das Heu zu bestellen. Kommt ja nun zum Glück morgen, viel ist nicht mehr da. Viele Pferde fressen eben viel.”, sagte ich und stand auf, streckte mich kurz. “Ich würde gleich auch wieder gehen. Es war ein langer Tag.”, meinte ich beiläufig, setzte mich jedoch wieder hin und stellte die Flasche auf den Boden. So ganz war ich noch nicht vom Gehen überzeugt.



      Ylvi

      Ich verschwieg ihm besser das ich das Heu bestellt hatte...nach der enormen Hitze des Sommers war es gar nicht einfach gewesen einen guten Händler aufzutreiben. In einer besseren Gegend hätte man das Heu selbst machen können. Dazu gab es in New Mexico allerdings keinerlei Chance. “Ich bin Bellamy die letzte Zeit ein wenig zur Hand gegangen, dem wird langsam klar das er sich mit der Ranch vielleicht übernommen hat. Ich denke er ist heilfroh, dass du ihm den Arsch rettest, wirklich. Das würde er so vielleicht nicht sagen...aber als Außenstehende kann ich das denke ich ganz gut beurteilen.” ich lächelte ihn an...das war ein insgeheimes Lob an ihn. Bekam er nicht oft. Das Konzept der Ranch war gut...nur Lage, Planung und Ausführung haperten. Ich hatte nicht viel Ahnung von Marketing, aber so steuerte Blakes Crow Meadow deutlich in die Pleite. Bellamy hatte angedeutet einige Pferde verkaufen zu müssen. Ein Blick auf den Bildschirm des Handys zeigte, das Mitternacht unaufhörlich näher rückte. Ich hatte nicht einmal die Hälfte meines Bieres getrunken, durch das Halten in meiner Hand war es nun auch schon warm. Das zur Seite beugen um es auf dem Schrank neben dem Bett abzustellen gestaltete sich als schwieriger. Bei der zu schnellen Drehung des Oberkörpers zuckte ich zusammen, konnte den Handgriff zur Narbe nicht vermeiden und atmete zischend ein. “Manchmal vergess ich das.” Caleb hatte reagiert, war aufgesprungen, nahm das Bier aus der Hand und stellte es zur leeren Flasche auf den Boden. Er sagte nichts, sein Blick hatte jedoch etwas tadelndes...es war der verkniffene. Genau der selbe den ich so oft bekommen hatte, wenn im Unterricht nicht alles lief wie es sollte. Er saß nicht wieder auf dem Stuhl sondern hatte sich auf die Bettkante gesetzt. Ich wollte nicht das er ging...das Wort “Bleib” blieb mir jedoch in der Kehle hängen, es kam mir einfach nicht über die Lippen. Ich wollte ihm nicht zeigen wie sehr ich ihn vermisst hatte. Dabei war es nur ein verdammtes Wort! Er schien meinen Konflikt zu spüren, anders konnte ich es mir nicht erklären. Sein Blick hatte meinen fixiert. “Ja bitte?” Ich spürte das Herz schneller schlagen in meiner Brust. Wie sollte ich sagen was ich wollte. Ich hatte die letzten Wochen beschissen geschlafen...die andere Seite meines Bettes schien so verdammt leer. Ich konnte selbst nicht fassen in welch kurzer Zeit ich mich daran gewöhnt hatte jemanden neben mir zu haben. Bei Max hatte ich es gehasst...nicht schlafen können eben, weil er neben mir lag. Jetzt allerdings, konnte ich teilweise nicht schlafen eben, weil niemand...jemand nicht neben mir lag. Und ich hasste diese Abhängigkeit. Wann zum Teufel war das passiert? Das war nicht in meinem Plan gewesen. “Was ist?” drängte Caleb nach, jetzt leichte Sorge in der Stimme. Hatte er Angst die unbedachte Bewegung schmerzte noch immer? Ich schüttelte den Kopf, lächelte...dann kam es mir über die Lippen. “Bleib.” nur gehaucht, scheu wie bei einem Reh. Das klang nichtmal nach mir. Wo war die Selbstbewusste Ylvi hin verschwunden?


      Caleb

      Ein Wort. So leise gehaucht, dass ich es fast nicht verstanden hatte. ‘Bleib’. Ich lächelte. “Geht das wirklich? Mit deiner Op und so…”, murmelte ich und Ylvi nickte, sie schien nun wieder etwas mehr Mut gefasst zu haben. Wieder zerriss es mich innerlich, dass unsere… Beziehung in den letzten Wochen so kaputt gegangen war. Ich hatte einfach Angst Ylvi zu verletzen. Sie war nicht mehr so zerbrechlich wie vor ein paar Wochen. Aber ihre OP hatte mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb ich nicht der Beziehungstyp war. Ich hatte keine Lust mir ständig Sorgen um jemand anderen zu machen, auf jemand anderen aufzupassen, für jemanden da zu sein… aber Ylvi… sie brachte mich zu all dem… machte mich zu so jemandem, ohne dass ich mich verändern musste. Bis jetzt hatte sie mir noch keinen Vorwurf gemacht, dass ich die letzten Wochen so selten hier war. Vermutlich konnte sie sich denken warum. Arbeit über Arbeit- und dann meine inneren Konflikte. “Caleb?” Ylvi sah mich an. “Ja.. ja. Dann bleib ich hier.” erwiderte ich. “Lass mich nur eben meine Stiefel von vorne holen. Und bitte sag mir, dass Bellamy hier nicht in aller Herrgottsfrühe mit Frühstück hineingeplatzt kommt.”, murmelte ich und wir lachten beide. “Die Zeit wo ich Frühstück am Bett bekommen habe ist vorbei. Normalerweise helfe ich ihm und den anderen in der Küche damit.”, sagte sie noch.
      Ich stand auf, holte leise meine Stiefel ins Zimmer und versuchte Amba dabei nicht zu wecken. Den Hund hatte Bellamy vor langer Zeit mal hier angeschleppt, aber wirklich etwas arbeiten tat er nicht mit ihr. Traurig musste ich an Surtout denken… und als ich wieder im Zimmer war, sah ich zu Ylvi. “Hab ich dir mal von Surtout erzählt?” Sie schüttelte den Kopf. “Eben, als ich Amba im Flur gesehen habe, ist mir der Hund wieder eingefallen. Verena hatte mal einen Rottweilerrüden, Surtout. Sie ist mit ihm und Gipsy mal einen Horse & Dog Trail gegangen. Seltsamer Hund, hat sie aus Frankreich gehabt und war nach einem Werwolf aus einem Buch benannt.” Ylvi lachte. “Ich hoffe er hat euch nicht gefressen?” “Nein, nein… war ein lieber Kerl, eigentlich. Aber total fixiert auf sie. Ist eigentlich ganz gut, dass er mit ihr gestorben ist. Der würde ohne sie eingehen.”, erklärte ich ihr und fing an, mich auszuziehen. Meine Boxershorts hielt ich an, schlüpfte dann unter die Decke. Allein das reichte, um die alte Vertrautheit zwischen uns wieder herzustellen. Ich legte meinen Arm unter ihren Kopf und sie kuschelte sich an mich an. Wir schwiegen, genossen den Moment und waren im Nu eingeschlafen.

      Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Jemand hatte die Tür aufgerissen, war ins Zimmer gekommen und an der Stimme der Person erkannte ich, wer es war. Betsy. “Ylvi du wolltest uns doch beim Früh….oh.. Caleb!”, sagte sie erschrocken und ich zog mir die Decke über den Kopf. Vielleicht funktionierte bei ihr ja noch das Schema, wenn ich sie nicht sah, sah sie mich auch nicht… Funktionierte leider nicht. “Ich.. äh… ich... “, stammelte sie und verließ prompt das Zimmer. Erst dann kam ich wieder unter der Decke raus und sah zu Ylvi, die auch am Lachen war. “Das biegst du wieder gerade!”


      Ylvi

      “Das wird sie so schnell nicht vergessen.” stellte ich nüchtern fest. Konnte mir das Lachen aber nicht verkneifen. “Gut das sie uns nicht dabei gesehen hat.” Caleb beugte sich vor, stahl sich einen Kuss von meinen Lippen. Löste sich dann kurz,sah mich an und setzte einen weiteren Kuss auf meine Stirn. Ohne viele weitere Worte zog er sich an. “Ob das jetzt alle Wissen, oder ob ich unbeobachtet aus dem Haus komme?” fragte er verschmitzt. Ich zuckte mit den Schultern. “Ich glaube nicht das Betsy es jedem erzählt. Sie ist ein Kind...wie viel versteht sie schon von dem was sie gesehen hat.” Ich zog mir mein Shirt über den Kopf, vorsichtig, wegen des Verbandes. “Ooh ich denke sie versteht schon eine ganze Menge, glaub mir.” Ich streckte ihm die Zunge raus. “Na los, verschwinde, da draußen wartet eine Ranch auf deine Anwesenheit. Glaub mir...ich kann es fast gar nicht erwarten euch wieder zu unterstützen, langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.” ich schaute auf den Flur hinaus, sah niemanden und winkte Caleb zu “freie Luft.” er huschte halb aus der Tür, blieb dann stehen, zwinkerte mir zu und verschwand dann erst. Es war gewesen als sei nicht zwei Wochen Funkstille gewesen. Wir hatten dort angeknüpft wo wir begonnen hatten...ein seltsames Gefühl, aber irgendwie auch beruhigend.

      Ich konnte mir den ganzen Morgen das blöde Grinsen nicht vom Gesicht wischen. Als ich in die Küche kam fand ich Betsy darin nicht vor. Also bereitete ich allein das Frühstück vor...langsam kam ich mir vor wie die Hausangestellte hier. Wann hatte ich das angefangen? Ich wollte wieder raus auf die Ranch. Sinnvolleres tun als eine Belegschaft von knapp 20 Mann mit Essen zu versorgen. “Du siehst beschissen aus.” kommentierte ich Bellamy der mit Augenringen bis nach Bagdad in die Küche gestiefelt kam. Davon war er nicht ganz begeistert, warf mir eine unflätige Geste zu und goss sich den Kaffee in eine Tasse und schaufelte Zucker hinein. Nach dem dritten Löffel sprach ich ihn an. “Du bist wieder nicht ganz bei der Sache.” Bellamy seufzte. “Ich hab gestern einfach mal drei der gekörten Hengste zum Verkauf gestellt...es haben sich tatsächlich 4 Interessenten gemeldet. Ich tu es nicht gern, aber ...du weißt das Geld hätten wir nötig.” in dem Moment knallte die Tür zur Küche. “Das hast du nicht getan!” ein brodelnder Caleb stand dort in der Tür. Er hatte zur Abwechslung zum Frühstück mit den anderen erscheinen wollen. Ich hörte Bellamy neben mir die Luft einziehen. Wo war das Loch im Boden? Ich konnte es gerade ziemlich gut gebrauchen.


      Caleb

      Ich hatte es geschafft mich unbemerkt aus dem Haupthaus in den Stall zu verkrümeln. Frühstücken wollte ich heute ausnahmsweise mit den anderen zusammen, alleine wurde das auf Dauer doch ziemlich einsam, vor allem da der Rest gemeinsam im Haupthaus frühstückte.

      Bis es allerdings so weit war, hatte ich noch ein bisschen Arbeit vor mir. Vulture brachte ich aus der Box auf seinen Paddock in die Nähe von einem der Trainingshengste. Dort bekam er auch sein Kraftfutter. Ich mistete schnell seine Box und vier Weitere von den anderen Hengsten, damit ich dies heute Abend nicht mehr machen musste. Nach einem Blick auf die Uhr hatte ich noch etwa eine halbe Stunde Zeit, bis es Essen gab. Ich rationierte also auch das Kraftfutter für die anderen Pferde und musste ganz schön aufpassen, das Futter nicht zu vermischen, bei so vielen Eimern. Auf jedem der Eimer stand jedoch der Name des Pferdes drauf, weshalb ich sie nach Paddock und Koppelteil sortiert auf die Laderampe meines Pick Up stellte, und dabei Cayce über die Füße lief. „Morgen.“, sagten wir beide und er blickte mich unter seinem schwarzen Cowboyhut skeptisch an. „Hast was liegen gelassen, Cowboy.“, lachte er und warf mir meinen Hut entgegen. Reflexartig riss ich die Hände in die Luft und schaffte es sogar, den Hut zu fangen, ohne ihn dabei mit meinen Fingern zu zerquetschen. „Mach doch sowas nicht, hast du mal auf die Uhr geschaut?“, fragte ich ihn lachend und setzte mir meinen Hut auf den Kopf. „Und, was gibts zu tun?“, fragte mich der junge Mann und ich überlegte. „Grade nichts mehr. Kraftfutter hab ich fertig. Würde sagen Frühstück ist angesagt.“, sagte ich zu ihm und er nickte. „Ich muss noch was im Haus holen, ich komme gleich.“, antwortete er und verschwand.

      Ich ging also zum Haupthaus, zog meine Stiefel, den Hut und die Jacke am Eingang aus und hörte Stimmen aus der Küche. Was ich dort hörte, wollte ich zunächst gar nicht glauben. Mit einem Satz stand ich bei Bellamy, hatte die Tür zugeknallt. „Bist du des Wahnsinns? Welche Hengste?!“, fuhr ich ihn an und sah, wie alle Anwesenden einen Kopf kleiner wurden oder langsam den Raum verließen. “Alan’s Psychedelic Breakfast, Gun and Slide und Genuine Lil Cut.” Ich sah ihn an. “Oh glaub mir wenn du Blue verkaufst bist du ein toter Mann!”, knurrte ich und sah wie Ylvi ihren Kopf noch weiter einzog. “Wir… wir haben Geldprobleme Caleb… ich muss ein paar Pferde verkaufen…” “Und dann verkaufst du die besten Hengste die wir haben? Bist du bescheuert?”, warf ich ihm entgegen und machte einen Schritt auf ihn zu. Ich war Bellamy körperlich noch immer ein wenig überlegen gewesen, doch wie ich ihn kannte, baute er sich gerade auch vor mir, sackte dann jedoch augenblicklich in sich zusammen. “Ich kann das nicht mehr, mir wächst das alles über den Kopf.. die Pferde, die Arbeiter… die Ranch…”, murmelte er kleinlaut und setzte sich an den Frühstückstisch. “Das Heu war wahnsinnig teuer, ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll…”, keuchte er und ließ sein Gesicht in seine Hände sinken. “Mir gehen die Ideen aus…”

      Ich atmete tief durch, öffnete meine Fäuste. Schlagen hatte ich ihn nicht wollen, aber aus Reflex war dies passiert. Dieser dämliche Idiot! “Also…”, murmelte ich nun mit sanfterer Stimme. “Du stehst jetzt auf, nimmst die Pferde aus dem Netz, wir frühstücken… und dann überlegen wir uns, wie wir die Ranch retten können.”


      Ylvi

      Das Frühstück über schien Bellamy verschwiegener. Caleb und Cayce unterhielten sich gut. Caleb nutzte die Runde auch gleich als eine Art Teambesprechung. Ich merkte wie er wichtige Aufgaben an Cayce gab, Murphy sollte seine Boxen übernehmen. Einen der anderen Ex-Häftlinge teilte er zum Zaunbau ein, dort wo er gestern begonnen hatte. Ich merkte dabei schnell wie er sich den Vormittag frei schaufelte um mit Bellamy zu sprechen.

      Als ich ihn gesehen hatte, da war mir kurz eiskalt geworden. Ich hatte schon gesehen zwischen ihn zu springen, wenn er Bellamy anging. Wobei ich herzlich wenig hätte ausrichten können. Seine geballten Fäuste waren mir nicht entgangen, auch nicht die Wut die in seinen ersten Worten geflackert hatte. Ich hätte nur darauf hoffen können das er mich nicht verletzten würde, falls ich dazwischen ging.

      Dass sie jedoch - endlich - gemeinsam eine Lösung suchen wollten gefiel mir. Das hätte Bellamy schon viel eher tun sollen. Aber wer konnte es ihm verübeln...ich erinnerte mich an seine Worte vom Vortag. “Ganz ehrlich...ich hab nichtmal die High School beendet, war im Jugendknast und anschließend bin ich auf der Gips Reminder Ranch gelandet. Ich hab in meinem Leben noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen und dann komm ich auf die bekloppte Idee eine ganze fucking Ranch zu leiten. Als O noch hier war ging das ja noch, aber dann? Ganz ehrlich...wär Caleb nicht gekommen, dann wäre das ganze schon viel eher vor die Hunde gegangen.” Ich hatte ihm gesagt er sollte Caleb einweihen. Die Angst dieser würde ihn auseinander nehmen hatte dann wohl die Oberhand behalten. Das war Stolz an falscher Stelle, das hatte ich ihm allerdings nicht gesagt...das war ihm hoffentlich bewusst. Ich wusste Caleb würde alles für die Pferde tun, einige abzugeben wäre sicherlich nicht die schlechteste Idee...aber dabei sollte sorgsam ausgewählt werden welche. Unnötige Esser zum Beispiel...und das waren die Hengste die er eingestellt hatte nicht.

      Nach dem Frühstück verschwanden alle um den ihnen zugewiesenen Aufgaben zu widmen. Ich war im Begriff die Küche zu verlassen hinter Caleb und Bellamy, drehte nach links ab um Richtung meines Zimmers zu gehen. Da erklang Calebs Stimme “Ylvi, ich denke bei der Ranch Rettungsaktion kannst du uns behilflich sein.”


      Caleb

      Bellamy war vor dem Frühstück verschwunden und hatte hoffentlich die Hengste aus dem Netz genommen. Ich war noch immer verdammt wütend auf ihn, weshalb ich mich beim Essen auch nur mit Cayce unterhalten hatte. Die Einen standen früher, die Anderen standen später auf. Auch Betsy hatte kaum ein Wort gesagt, fast die ganze Zeit betrübt auf den Boden geschaut. Etwas Leid tat die mir ja schon. Zu erst hatte sie mich und Ylvi im Bett gesehen, jetzt einen heftigen Streit zwischen Bellamy und mir. Ich müsste heute auf jeden Fall noch mit ihr sprechen und ihr einige Dinge erklären. Sie war schließlich noch ein Kind. Sie verstand nicht alles, was hier vor sich ging.

      In Bellamys Büro marschierten jetzt Ylvi, er und ich. Dort sah ich den mittlerweile kleineren Papierberg, zu dem Ylvi wohl einiges beigetragen hatte. Ich zog Ylvi einen Stuhl zum Schreibtisch dazu und setzte mich neben sie, auf der anderen Seite Bellamy. Ich seufzte kurz. “Wie schlimm ist es denn nun, Bellamy?” Ich sah die Anspannung aus seinem Körper weichen. Er schien froh zu sein, endlich mit der Sprache rausrücken zu können. “Es ist noch nicht das Ende der Ranch. Aber es ist kurz vor Ende.”, fing er an. “Und das heißt?” “Um die Ranch vor dem Bankrott zu retten müssen wir Pferde verkaufen. Einige Pferde. Oder die ganze Ranch.”, ich schluckte. Naja, eigentlich sah man es in meinem Kopf rattern. “Hmm ein Umzug wäre nicht das Schlechteste.”, sagte ich und Bellamys als auch Ylvis Kopf flogen in meine Richtung. “Verkaufen?”, fragte Bellamy ungläubig und ich nickte. “New Mexico ist schön und gut, aber was hat man von einer Ranch wenn man hier nicht einmal Rinder halten oder Heu selbst machen kann? Futter kostet Geld. In Alberta kamen wir immer mit unserem eigenen Futter rund… und.. ich habe mich selbst schon ein wenig umgesehen gehabt… ich bin so weit, dass ich etwas eigenes aufbauen möchte.” Damit schien Bellamy erstmal baff.



      Ylvi

      Das mit der eigenen Ranch...tja...wir hatten es einige Male als Thema gehabt. Aus Spaß, vielleicht. Doch ich hatte darin das glitzern in den Augen von Caleb gesehen. Der Wunsch existierte eine ganze Weile, Jahre vielleicht. Im Grunde jedoch hatte ich geahnt - diese Ranch...die Pferde hier, würde er nicht zurück lassen. Wieso war er sonst nach dem Unfall zurück gekehrt...wohl eher weniger aus Nächstenliebe zu Bellamy oder den Ex-Häftlingen. Es waren die Pferde, jedes einzelne lag ihm am Herzen.

      Ich setzte mich weiter nach vorn, Bellamy sagte keinen Ton. “Bellamy, ganz ehrlich...das halte ich für keine schlechte Idee. Caleb übernimmt ohnehin als Vorarbeiter alle relevanten Aufgaben. Überschreib ihm auf dem Papier die Ranch. Du bist aus der Sache raus...kannst dich anderen Sachen auf der Ranch selbst widmen. Dingen von denen du tatsächlich eine Ahnung hast. Marketing technisch...Logistisch gesehen, ist auch ein Umzug sinnvoll. Das Land hier ist karg, sowieso schon warm. Und Klimaerwärmung wird ein Thema sein in den kommenden Jahren. Man kann hier bleiben, versuchen mit teurem Heu über die Runden zu kommen. Oder man beschließt in eine andere Region sich zu orientieren. Wir haben die Gerätschaften, die Mitarbeiter um das alles zu bewerkstelligen.” Caleb nickte während ich mit meinen Händen gestikulierte. Die Vorstellung mit der ganzen Ranch umzuziehen legte sich zwar wie ein schwarzes Tuch auf meinen Magen, aber im Grunde war es eine wichtige Entscheidung. Es gäbe einige Sachen die man außerdem planen könnte für eine Ranch an einem anderen Ort. Die Aufnahme weiterer Häftlinge, denn die Gelder die wir vom Staat davon bekamen waren wirklich nicht unerheblich, außerdem hatten wir so eine gute Handvoll an Arbeitern. Die Aufsicht wäre schwierig, aber Lösungen ließen sich sicherlich finden. “Ich bleibe außerdem...selbst wenn ihr mir erstmal kein Gehalt auszahlt. Ich kam hier auf die Ranch um ein bisschen Abenteuer in mein Leben zu kriegen. Wie könnte ich euch jetzt einfach mit Problemen allein lassen?” das hatte noch andere Gründe. Wie könnte ich Caleb zurück lassen? Betsy allein mochte Wissen das wir etwas miteinander teilten...Aber insgeheim schlug mein Herz auch für diese Ranch.


      Bellamy

      Ich schwieg. Caleb schwieg. Ylvi schwieg. Unsere Köpfe ratterten, unsere Gedanken drehten sich. Also meine zumindest. Ich ließ meinen Kopf in die Hände sinken. “So hatte ich mir das nicht vorgestellt, glaubt mir… ich dachte ich müsste weiterführen, was Verena angefangen hatte. Alle Pferde verkaufen? Das hätte ich nicht übers Herz gebracht…”, erklärte ich und sah zum ersten Mal Mitgefühl in Calebs Blick. “Ylvi hat… nicht ganz unrecht.”, setzte er an und ich hob meinen Kopf wieder. “Wenn du mir die Ranch überschreibst, wir umziehen… ich hab noch eine Menge Geld, von der Abfindung damals.. hab alles gespart für etwas Eigenes.. dann kann ich das alles hier wieder hochziehen.”, erklärte er mir und ich nickte, schwieg wieder und dachte nach. “Und.. Ylvi scheint uns auch erhalten zu bleiben. Sie könnte eine Website oder sonst irgendwas für uns gestalten, ihr fällt da schon was ein.”, sagte er weiter und stieß die junge Frau einmal sanft mit dem Arm an. Ylvi nickte. “Wir müssen nur… also einige Pferde werde ich auf jeden Fall verkaufen.”, meinte Caleb dann. “Aber nicht die Besten.”, fügte ich an und er nickte. “Das wäre dumm.”, antwortete er mir gefasst, gar nicht mehr wütend oder beleidigend.

      “Ich glaube ich muss eine Weile darüber nachdenken…”, sagte ich dann und stand auf, sah zum Fenster raus und schaute den Mitarbeitern zu, wie sie die Pferde auf die Koppeln brachten. Als ich mich umdrehte, stand Caleb hinter mir. “Nein. Musst du nicht. Du hättest schon viel früher nachdenken sollen.”, meinte er, noch immer gefasst. “Es scheint, als hätte ich keine andere Möglichkeit mehr?”, fragte ich in die Runde und Caleb als auch Ylvi schüttelten den Kopf. “Du wirst ja nicht rausgeworfen.”, lachte Caleb und klopfte mir auf die Schulter. “Du bekommst nur… weniger Aufgaben.”, meinte er und ich nickte. “Also gut…. Caleb O’Dell. Die gehört ab sofort die Blakes Crow Meadow Ranch. Sieh es als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.”, sagte ich und schüttelte seine Hand. “Ein Weihnachtsgeschenk mit vielen Schulden.”, sagte er, fing dann aber auch an zu lachen und schaute zu Ylvi rüber, die auch ein leichtes Lächeln auf dem Gesicht hatte. “Meine erste Amtshandlung wird sein, dass wir drei uns zum Abendessen in der Bar von Louis in Albuquerque treffen, sieben Uhr, und dort über das weitere Schicksal gemeinsam entscheiden.”, sprach Caleb und ging zur Tür. “Und jetzt… an die Arbeit. Die macht sich nicht von alleine.”, meinte er und verschwand aus der Tür.

      “Puuuh…”, sagte ich und ließ mich auf den Stuhl hinter dem Papierberg fallen. “War das das richtige?”, fragte ich Ylvi und senkte meinen Kopf wieder auf meine Hände.



      Ylvi

      Ich zuckte mit den Schultern. “Das ganze hätte schlimmer laufen können.” dann klopfte ich auf den Tisch, sah wie Bellamy den Kopf hob. “Außerdem..um deine Worte zu zitieren. Vielleicht ist es das was Caleb gesucht hat? Du hast es ihm gewünscht. Erinnerst du dich?” Bellamy , immernoch besorgt drein blickend, lächelte allerdings. Die Narbe in seinem Gesicht verzog sich deutlich dabei. “Touché” Ich zuckte die Schultern dazu, lächelte. Ja vielleicht war das ein Weg um Caleb von der inneren Unruhe abzulenken die ihn von Zeit zu Zeit befiel.

      “Gut..ich würde sagen...du machst schonmal eine kleine Liste fertig für Pferde die zum Verkauf stehen. Ich werde derweil mein Zimmer im Gästehaus wieder beziehen. Ich brauche keine ganztags Betreuung mehr, ich vermisse mein eigenes Bett. Anschließend komme ich wieder rüber um dir beim abheften der Dokumente zur Hand zu gehen. Dann können wir Caleb heute Abend eine Übersicht der Finanzen geben...sowie der Sachen die noch fehlen. Deal?” Bellamy sah sich auf seinem Schreibtisch um, der sich schon deutlich geleert hatte. “Vielleicht sollte Caleb sich überlegen dich als Chef mit ins Boot zu holen, du scheinst zum Sklaventreiber geboren.” Es war ein Witz, das merkte ich sofort, ich streckte die Zunge heraus. Anschließend machte ich mich auf den Weg meine wenigen Habseligkeiten im Gästeraum zusammen zu packen. Ich ließ das Haupthaus gern zurück. Ich hatte die Ruhe des Gästehauses vermisst, meine kleine Oase der Ruhe. Ich gabelte Laurence im Flur auf. “Laurence? Kannst du mir eben bei der Tasche helfen? Für mich geht es vorerst wieder zurück ins Gästehaus.” “Klar, gib her.” “Sag mal, ich hab ein wenig heute morgen mitbekommen...wie schlimm ist es?” wir gingen langsam hinüber zum Gästehaus. “Es wird ein paar Veränderungen geben...das bleibt nicht aus. Aber mach dir vorerst keine Sorgen. Bellamy und Caleb schaukeln sich schon zusammen.” Laurence zog die buschigen Brauen zusammen. “Das wird ja auch mal Zeit!” brummte er schließlich. Ich lächelte in mich hinein...wahr wohl nicht schlecht. Laurence trug mir die Tasche bis hinauf in mein Zimmer, stellte sie vor dem Bett ab. ich bedankte mich bei ihm. Bevor Laurence das Zimmer verließ verweilte er kurz im Türrahmen. “Junge Dame...ich würde fast behaupten es war Gottes Segen das er sie zu uns geschickt hat. Wer weiß, vielleicht hat Verena das aus dem Himmel für uns eingefädelt. Jemand wie du hat uns auf der Ranch gefehlt...die gute Seele.” damit verschwand er aus der Tür. Ich blieb ein wenig erstaunt zurück. Laurence war ein guter Kerl, ich wusste das er schon auf der Gips Reminder Ranch gearbeitet hatte. Seine Bezeichnung der guten Seele schien mir allerdings etwas bizarr. Ich half nur Freunden aus...viel mehr noch...alle Chaoten waren im Laufe der letzten Monate einfach zum Teil meiner Familie geworden. Unfassbar das ich noch nichtmal ein Jahr hier war!


      Caleb

      Draußen atmete ich einmal tief durch. Hui, die Ranch gehörte nun mir. Noch nicht offiziell, aber bald würde sie komplett mir gehören, mit allen Pferden, allen Mitarbeitern und allem drum und dran. Ich wünschte mir schon seit Jahren eine eigene Ranch, aber jetzt so plötzlich eine zu besitzen? Unbeschreiblich. Ich atmete noch einmal tief durch und ging in den Stall, um Murphy beim Boxen misten zu helfen. Er schwieg, gut für ihn. Ein paar fragende Blicke flogen zwar zu mir rüber, aber er fragte mich nichts. Als ich damit fertig war, sattelte ich mit Vulture und ritt zu Connor, der den Zaun reparierte. Ich ging ihm kurz zur Hand, so dass wir schnell zurück zur Ranch reiten konnten. “An das Kraftfutter habt ihr ja heute Morgen auch gedacht, oder?”, fragte ich ihn und er schüttelte den Kopf. “Frag Cayce, keine Ahnung.”, ich rollte mit den Augen. Also ritt ich quer über die Ranch, um Cayce zu suchen, den ich schließlich auf dem großen Reitplatz fand. “Hey Cayce, das Kraftfutter habt ihr heute Morgen ja verteilt, oder?”, fragte ich ihn und er nickte. “Klar, ist erledigt. Habs auch schon für heute Abend gemischt.” “Gut, ich bin heute Abend mit Bellamy und Ylvi weg, einige Dinge regeln.”, sagte ich und er nickte.

      Jetzt musste ich nur noch Laurence finden. Ihm wollte ich die Ranch heute Abend überlassen, wenn ich nicht da war. Vulture sattelte ich ab und brachte auf einen der Paddocks. Dort machte er sich sofort wieder über das Heu… Mist, das Heu! Ich fluchte, lief zum Haus und stürmte in Bellamys Büro, wo auch Ylvi saß und ihm zu helfen schien. “Das Heu? Kam es? Wo ist es? Ich hab keinen Anhänger gesehen.” Nervös schaute ich auf meine Uhr. “Alles erledigt Caleb. Cayce und die anderen haben es schon abgeladen.”, erklärte er mir und ich nickte. “Okay… dann ist es ja gut. Ich bin dann mal Füttern, und dann können wir auch schon fast wieder los.”, erklärte ich und verschwand wieder. Im Stall fing ich an, das Heu in die Boxen zu verteilen. Als ich damit fertig war, lief mir auch Laurence vor die Füße. “Hey, du müsstest heute Abend auf die Ranch aufpassen. Bellamy, Ylvi und ich sind in Albuquerque und müssen einige Dinge regeln.”, erklärte ich ihm und er nickte, stellte aber keine weiteren Fragen. “Ich hoffe ihr bekommt das hin.”, meinte er und verschwand dann wieder. Im Stall war ich nun fertig, weshalb ich schnell duschen ging, mich fertig machte, meinen Notizblock schnappte und zum Auto ging, wo ich auf Bellamy und Ylvi wartete. Bellamy ließ nicht lange auf sich warten und auch Ylvi erschien nach einer Weile.


      Ylvi

      Ich hatte mein Tablet mit in die Tasche gestopft...einige Notizen würden sicherlich nicht schaden. Ich freute mich auf die Bar, ich war lang nicht mehr drin gewesen. Andererseits würden wir dort auch eine ruhige Ecke vorfinden, sicherlich gab uns Louis eines der kleineren Hinterzimmer. Diese nutzte er oft für geschlossene Veranstaltungen.

      Caleb stand an seinem Pick-Up. Vorn hatten tatsächlich drei Leute Platz, also warf ich die Tasche auf den Rücksitz, rutsche bis an den Fahrersitz und Bellamy setzte sich direkt daneben.

      Im Sandwich eingeklemmt zwischen Caleb und Bellamy fuhren wir also nun knapp eine Stunde in Richtung Albuquerque. Louis Bar befand sich im Speckgürtel der Stadt, eigentlich hatte ich bisher angenommen dieser Teil war nicht einmal Part von Albuquerque. Wobei das jetzt wahrscheinlich auch keine Rolle spielte. Calebs Blick ging nach vorn auf die Straße. Die Situation war irgendwie seltsam. Das Radio war kaputt. Also begann ich einfach zu erzählen womit Bellamy und ich uns heute beschäftigt hatten. Kontoauszüge sortiert, alle nötigen Zahlungen getätigt. “Ich hab die Daten alle mal digitalisiert auf meinem Tablet. Dann haben wir nebenbei eine gute Basis mit der du arbeiten kannst.” klar Daten konnten verloren gehen. Ich wusste auch das Caleb nicht unbedingt Technik Affinitäten teilte...aber ein Haufen Blätter zu sortieren, im schlimmsten Falle zu verlieren. Sonderlich nützlich erschien mir das ganze nicht. “Wir haben außerdem einen Anwalt ausfindig gemacht, der zwischen Weihnachten und Neujahr zur Ranch kommt um die Papiere offiziell zu übertragen.”


      Caleb

      Die Fahrt über war ich relativ still, hörte Ylvi zu und nickte hin und wieder. „Ich habe mir auch schon Gedanken dazu gemacht, welche Pferde wir verkaufen sollten. Ylvi du hast doch die Liste aller Pferde auf deinem Tablet? Auch die von O?“, sie nickte. „Gut.“, erwiderte ich und parkte mein Auto vor der Bar. Wir gingen hinein, wurden von einem freundlichen Louis begrüßt und sofort in eines der hinteren Zimmer geführt. Wir redeten eine Weile, besprachen sinnloses, waren vertieft in belangloses, als die Tür aufflog und niemand anderes den Raum betrat, als Octavia. “Da bist du ja endlich.”, grummelte ich, stand auf, und umarmte sie kurz. Auch Ylvi und Bellamy taten es mir gleich. Bellamy schien verwundert. “Ich wusste nicht, dass du auch kommst.”, sagte er zu ihr und zog ihr einen Stuhl vom Tisch, damit sie sich setzen konnte. “War auch eher eine spontane Idee von mir. Wenn sie jetzt zu uns zurückkommt, sollte sie sich auch einbringen. Schließlich will O ja auch Pferde verkaufen.”, erklärte ich und Octavia nickte. “Genau, aber lasst uns erst was essen.”, trällerte sie und ich lachte kurz. Irgendwie hatte ich diesen gut gelaunten Vogel vermisst.

      Wir bestellten Essen, was uns Louis auch schnell brachte. Erneut drehte sich das Gespräch um belanglose Dinge, ehe ich das Wort erhob. “Ich habe mir schon lange Gedanken darüber gemacht, was ich mit einer eigenen Ranch machen würde.. wo sie sein sollte, was sie verfolgen sollte, womit ich mein Geld verdienen würde…”, alle starrten mich an. “Dass Pferde weg müssen ist mir ganz klar, wir haben eh zu viele, die nur fressen und sonst nichts tun… in meinen Augen muss sich eine Ranch durch die Pferde quasi von selbst tragen.”, erklärte ich ihnen und hatte nun wirklich die gesamte Aufmerksamkeit von allen in diesem Raum erlangt. “Ich dachte daran, wieder zurück nach Kanada zu gehen. Ich habe mir im Internet schon Gelände angeschaut, zwei stehen zur Auswahl. Beide wieder in der Nähe von Calgary und Okotoks.” Ich sah ein wenig Panik in Bellamys Gesicht. “Zurück nach Kanada?”, fragte er unsicher und ich nickte. “Ich kenne keinen besseren Fleck auf diesem Planeten, um Pferde und Rinder zu züchten. Ja, Rinder gehören auch zu dem neuen Plan.” Bellamy nickte. “Es ist.. deine Ranch.”, murmelte er kleinlaut doch ich schüttelte den Kopf. “Ich sage nur, wie ich es mir vorstelle… außerdem… wir haben viele gute Westernpferde, die nicht mehr, oder noch nicht im Sport laufen. Touristen sind immer eine gute Geldquelle. Sie könnten die Landschaft erkunden, natürlich mit einem von uns dabei, könnten bei der Rinderarbeit und bei den Pferden helfen. Die Menschen geben eine Menge Geld für sowas aus.” Einstimmiges Nicken. “Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, alle Quarter-, Paint- und Appaloosahorses zu behalten.” “Klingt… vernünftig.”, sagte Ylvi und schaute auf ihr Tablet. “Ich habe hier eine Liste mit den Pferden, ich lese sie euch einfach mal vor. Gekörte Hengste wären demnach Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide und Hollywoods Silver Dream.” Caleb nickte. “Ungekörte Hengste wären A Shining Chrome, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bellas Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Smart Lil Vulture, Whinney und Zues.” Wieder ein Nicken von Caleb. “Außerdem Nachtschwärmer und Chocolate Dream.”, fügte er an. “Ich nehme an die Fohlen bleiben auch alle?”, fragte Ylvi mich und tippte etwas in ihr Tablet ein. Ich nickte, und sie las die Namen vor: “PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash und BR Colonels Golden Gun.” “Genau. Jetzt noch die Stuten und Cielos.”, meinte Caleb und Ylvi nickte. “Cielos bleibt, dann die gekrönten Stuten Baby Doll Melody, Bella Cielo, Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell und Wimpys Little Devil. Nicht gekrönte Stuten sind A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going, Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und die Mixstute Striga.” Ylvi tippte fleißig Häkchen hinter die Namen der Pferde. “Dazu kommen noch Whitetails Shortcut, der Wallach von Cayce und Bittersweet Temptation, ein schwarze-weißer Paint Horse Hengst, den ich dazu gekauft habe.”, erklärte ich allen und sie nickten fleißig. “Væna fra glæsileika eyjarinar würde ich auch gerne behalten. Sie, Choco, Nachtschwärmer und Striga sind die einzigen Außenseiter, würde ich sagen, die ich fest behalten will.”, erklärte ich und sah dann zu Octavia rüber. “Genau, Ylvi tipp mal mit.”, sagte sie und nahm eine Liste aus ihrer Tasche. “Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wen ich behalten möchte und wen ich verkaufen würde… bleiben sollen Tigres Eye, Priamos Ruffie Kincsem, BR Prias Raveday, Drama Baby, Raspberry, I’ve got a blue soul, Prias Colourful Soul, Tasmania, Candlejack, Culain, Empire of Grace, Daryl Gone Mad, Peacful Redemption, PFS’ Snap in Style und Wildfire xx. Bei einem guten Platz wären Empire of Grace noch zu verkaufen.”, erklärte Octavia und Ylvi tippte sich die Finger wund. Ein bisschen Leid tat sie mir ja schon, aber sie war es durch ihren Job ja gewöhnt, viel an solchen Geräten zu hängen. “Jetzt kommen wir dann wohl zu den potenziellen Verkaufspferden.”, sagte Ylvi und ich nickte. “Lies einfach einen Namen vor und wir sagen pro Argumente, warum das Pferd bleiben soll, oder Kontra Argumente, warum wir es verkaufen sollen.”, erklärte ich und sah zu Ylvi. “Meine Pferde zählen wohl auch dazu, wir gehören ja auch zur Ranch und ziehen mit um. Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn bleiben auch.”, sagte sie. Wir nickten einstimmig. Wir konnten ja schlecht verlangen, dass sie ihre Pferde verkaufte. Sie hatte doch nur vier davon und alle bedeuteten ihr eine Menge. Dann gingen wir die Liste Pferd für Pferd durch.
    • Ravenna
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      Dein Geschenk zu Weihnachten Teil 2 | Ravenna | 48272 Zeichen
      Behalten:

      Seattle Slew -> wird als Touristenpferd behalten, wird kastriert

      Sir Golden Mile -> Octavia möchte ihn als Rennpferd übernehmen

      Stiffler -> soll noch gekört werden und ein paar Fohlen bekommen, dann wird er kastriert werden und als Wallach für die Touristen bleiben

      Moon’s Gealach -> wird von Ylvi gekauft

      Cleavant ‘Mad Eyes’ -> bleibt als Tourisrenpferd

      Abe’s Aelfric -> wird kasteriert und bleibt dann als Touristenpferd

      Ceara Isleen -> Umschulung zum Ranchpferd, später dann als Touristenpferd gedacht

      Blazing Flame -> Octavia möchte die Stute haben

      Skrúður -> Umschulung zum Ranchpferd, evtl. ein paar Fohlen ziehen und dann kastrieren, später evtl. als Touristenpferd


      Verkaufen:

      BR Princess Peppy Gaia

      GRH’s Princess Peppy Ann

      Pocahontas

      Náttdís van Ghosts

      Thjalfe van de Jötunheimr

      Fenicio

      Lajos

      Myrkvidr

      Atlanta

      Ghost’s Phenomena

      Magic Lanijos

      Zoltaire

      Zuckerschock

      LMR Fashion Girl

      Samarra

      It’s me, Amira!

      Vin

      PFS’ Blossom Magic

      Bree

      Crimetime

      Wolfs Bane

      Natu’s Little Harley

      CHH’ Mr. Buckminster

      Ocarina of Time

      Empire of Grace

      Free Willy

      Firewalker

      Mystical Champion

      Whiskey

      Sweet Revenge


      “Das war nun doch schwerer, als ich dachte.”, sagte ich und schaute mir die Liste auf dem Tablet nochmal an. “Doch.. doch. So bin ich zufrieden.”, meinte ich und sah in die Runde. Zustimmendes Nicken. “Ich würde gerne Morgen schon nach Kanada fliegen und mir die beiden Grundstücke anschauen. Möchte jemand mit?”, fragte ich Bellamy, Octavia und Ylvi und wartete.





      Ylvie

      In meinen Gedanken hüpfe ich gerade wie Hermine auf meinem Stuhl auf und ab, Arm gereckt, Finger schnippend um zu signalisieren, das ich mit von der Partie war. Tatsächlich speicherte ich meine Datei ab, ließ das Tablet wieder in der Tasche verschwinden und sah erst dann in die Runde. Weder O. noch Bellamy schienen sich wirklich dafür zu interessieren. Ich musste nicht erst zu Caleb schauen um zu Wissen das sein Blick auf mir lag. Als ich auf sah, hatte er mich fixiert. Sein Kopf legte sich nur leicht schief, sein Gesicht mit einem Mal ein fragendes Buch. Meine Augenlider schlossen und öffneten sich bewusst, ein Lächeln um meine Lippen. Unsere stumme Kommunikation machte ihm bewusst das ich mit dabei war. “Dann würde ich sagen, nehmt ihr meinen Pick-Up zurück zur Ranch.” sprach Caleb zu den anderen beiden. Ich fischte mein Tablet wieder heraus. “Ich such dann mal nach einem Flug für dich.” ich wusste nicht wieso ich nicht uns sagte...Ich wollte nicht Preis geben das ich mit Caleb flog. Ich war nicht bereit dafür den anderen zu stecken das vielleicht mehr als das Geschäft mich mit zog. “Ylvi kommst du dann bei mir mit?” fragte Bellamy. Ich winkte ab. “Mhm..nein, also. Ich werd wohl die Nacht noch hier bei Caleb und Louis verbringen. Denke ich werd dann meinen Verbandswechsel direkt morgen im Krankenhaus machen.” “Ja gut. Dann nehm ich Bellamy in meinem Auto mit, dann lassen wir den Pick-Up hier, dann hast du einen fahrbaren Untersatz, wenn du wieder zurück willst.” bot sich O an. “Guter Vorschlag, machen wir das so.”

      Wir verabschiedeten uns von O und Bellamy, blieben allerdings vor der Bar stehen bis die Lichter verschwunden waren. “Ich werd dann mal Lilly eine SOS Nachricht schicken.” Caleb sah mich etwas verwirrt an. “Naja ich hab keine Wechselkleidung, schon gar nichts was Kanada tauglich wäre. Außerdem, den Verband muss ich tatsächlich wechseln.” “Stimmt, daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Gut das Louis fast meinen Kleidungsstil hat. Noch ein Bier?” “Hell yes.” damit drehten wir uns um, betraten wieder die Bar. Caleb half mir auf einen der Barhocker hinter denen Louis stand und uns beide gesichtslos ansah. Ob sich Caleb sein - keine Miene verziehen - irgendwie von ihm abgeschaut hatte? “Ihr habt fast vier Stunden meine Hinterzimmer blockiert. Das klang ja nach einer richtigen Krisensitzung.” typisch native redete er um den heißen Brei, zeigte neugierde...fragte aber nicht bohrend nach. Obwohl ich mir sicher war das es ihm auf der Zunge brannte. “Das muss dir Caleb erzählen.” ich musste derweil ein Gähnen hinter meiner Hand verstecken...und widmete mich der Suche nach einem Flug für den nächsten Tag.


      Caleb
      Das war… anstrengend gewesen. Ich nahm das Bier von Louis entgegen und legte meinen Kopf einmal in meine Hände. Auch an mir nagte mittlerweile eine ziemliche Müdigkeit. Als ich den Kopf wieder hob, sah mich Louis noch immer fragend an. “Oh Louis, wo soll ich anfangen... “, murmelte ich und sah seine nach oben gezogenen Augenbrauen. “Also gut…”, setzte ich an und erzählte ihm alles, was seit heute Morgen passiert war.

      Als ich zu Ende erzählt hatte, war meine Bierflasche auch am Ende angekommen und Louis hatte mir lautlos eine Neue hingestellt. “Das klingt…”, fing er an, bediente einen Kunden, davon gab es schließlich genug hier, und setzte dann wieder an: “Das klingt.. nach viel Arbeit und vielen Veränderungen.” “Ja.. so ist es.”, sagte ich und schaute zu Ylvi, die noch immer nach Hotels und Flügen schaute. Ob sie wohl schon etwas gebucht hatte? “Nach Calgary, am Besten. Die beiden Höfe sind einmal circa 30 Minuten und einmal 45 Minuten von da weg.”, erklärte ich und sie nickte. “Und dann zieht ihr alle von hier weg?”, fragte Louis nach einer Pause. “Ich… denke ja, dass sie alle mitkommen… es wird mir so fehlen, dich nicht mehr so nahe bei mir zu haben.”, sagte ich zu ihm und wurde doch etwas sentimental. “Hey, noch bist du nicht weg, Junge.”, sagte er und haute mir über die Theke einmal gegen die Schulter. “Noch bist du hier und trinkst mein Bier… was du übrigens mal bezahlen könntest…”, merkte er an und ich lachte. “Ich will gar nicht wissen, wie viel Geld ich schon hier gelassen habe.” Auch Ylvi lachte nun. Wir schauten uns an und schienen das Gleiche zu denken. “Oder wie viel Geld wir schon für Bier ausgegeben haben, was wir dann im Gästehaus auf der Ranch getrunken haben.”, sagte sie und Louis und ich stimmten in ihr Lachen ein. “Ach bevor ich es vergesse, kannst du mir ein paar Hemden und Hosen leihen?”, fragte ich Louis und er schüttelte nur grinsend den Kopf. “Klar, ihr schlaft dann bestimmt hier?”, fragte er und wir nickten. “Waschté, ich bring dir morgen früh etwas vorbei. Aber bezahl wenigstens das Zimmer…”, brummelte er und ich rollte mit den Augen, nahm meinen Geldbeutel aus der Hosentasche und bezahlte es im jetzt sofort. Ylvi machte Gestiken auch etwas davon zu bezahlen, doch ich winkte ab. “Das in Calgary wird teurer, ich denke wir schaffen nur eine der beiden Ranches am Tag. Es gibt viel zu sehen und anzuschauen. Da kannst du dich finanziell beteiligen.” “Okay.”, meinte sie und steckte ihren Kopf wieder über den Bildschirm.



      Ylvi

      Etwa nach 20 Minuten hatte ich alles unter Dach und Fach. Louis war gerade verschwunden um die Vordertür abzuriegeln. Die Bar hatte jetzt offiziell geschlossen. “Ich hab uns in Calgary ein Hostel gebucht, einfach...aber auch preiswert. Da wir eh den ganzen Tag unterwegs sind, wird das seinen Zweck erfüllen. Morgen früh gegen 8 kommt Lilly mit ein paar Sachen für mich vorbei. Um 12 geht der Flug...am besten geht es schon etwa 10 Uhr zum Flughafen. Dann haben wir genug Zeit um das Gepäck abzugeben. Ich hab uns bereits online eingechekt, dann sparen wir uns das vor Ort. “ dann nahm ich zwei große Schluck meines Bieres und hielt Caleb den Rest hin. Ich trank auch immer wieder mit, aber sonderlich viel dann auch wieder nicht. Irgendwie hatte es sich da eingeschlichen das Caleb den Rest davon trank.

      Louis brachte uns in das schlichte Zimmer im Dachgeschoss. “Ich würd fix noch die Couch fer…” Caleb fiel ihm ins Wort. “Lass mal...geht schon so.” Louis gab keinen Kommentar, doch ein breites Lachen auf seinen Lippen schien sich der Lakota nicht verkneifen zu können. Dann verschwand er aus der Tür...ich ließ mich auf das Bett sinken, direkt auf den Rücken. “Was für ein Tag.”


      Caleb

      Louis verschwand und Ylvi legte sich auf das Bett. Ich wollte es ihr gleichtun, blieb jedoch stehen und zog meine Sachen aus. Erst dann legte ich mich auf das Bett und unter die Decke. “Ja, der Tag hat mich auch ziemlich fertig gemacht.”, sagte ich zu Ylvi, die aufstand und sich ebenfalls auszog, um dann zu mir unter die Decke zu kommen. Es dauerte wirklich nicht lange, da waren wir eingeschlafen.

      Am nächsten Morgen wachte ich auf, weil Ylvi einen Wecker gestellt hatte. Ich brummte, drehte mich um und legte mir das Kissen über den Kopf. So fertig war ich schon lange nicht mehr gewesen. Auch Ylvi schien nicht wirklich begeistert davon, aufzustehen. Nachts war ich immer wieder aufgewacht und hatte eine Weile nicht mehr einschlafen können, so viele Gedanken waren in meinem Kopf hin und her gekreist. Langsam richtete ich mich jedoch auf, zog zumindest meine Hose an und öffnete die Tür, denn ich dachte, ich hätte etwas gehört gehabt. “Oh schau mal, unsere Sachen.”, sagte ich zu Ylvi und hob die beiden Reisetaschen auf. Diese schmiss ich aufs Bett, öffnete sie und schob dann die Tasche mit der Frauenkleidung zu Ylvi rüber, die sich mittlerweile auch aufgerichtet hatte. Aus meiner Tasche nahm ich ein Hemd, zog es an und stopfte mein altes Hemd vom Boden in eine Ecke der Tasche. “Louis scheint das hier abgegeben zu haben. Lilly wollte mir ja noch helfen.”, schlussfolgerte Ylvi und ich nickte. Dann klopfte es wirklich an der Tür. Ich öffnete, bat Lilly herein und verschwand für die Zeit nach unten, während die Beiden den Verband wechselten. Eine ganze Weile unterhielt ich mich mit Louis, ehe Ylvi und die Kleine mit den Taschen die Treppe herunter kamen. “Hab alles eingepackt.”, sagte Ylvi zu mir und ich nickte. Wir verabschiedeten uns von Louis und Lilly, packten alles in den Pick - Up und fuhren zum Flughafen- relativ schweigend. Auch das Warten verlief ohne große Worte, ich nickte auch einmal ein und wurde durch ein sanftes Rütteln an meiner Schulter geweckt. Müde schaute ich in Ylvis Gesicht. “Komm, lass uns ins Flugzeug.” Wir stiegen ein, bezogen unsere Plätze und… schliefen für die nächsten sieben einhalb Stunden ein. Leider hatten wir die schöne Aussicht auf Colorado, Wyoming und Montana verpasst. Aber vielleicht würden wir es ja auf dem Rückflug schaffen, wach zu bleiben und uns die Landschaft anzuschauen.


      Ylvi

      Die unsanfte Landung ließ mich hoch schrecken, ich brauchte auch einen kurzen Moment ehe ich mich orientiert hatte. Ich drückte in der enge des Flugzeuges meinen Rücken durch, dehnte meinen Nacken. Die Position halb schief auf Calebs Schulter schlafend hatte dem nicht ganz wohl getan. Die Flugbegleiter baten uns noch einige Minuten zu warten, wir hatten den Flug knapp 20 Minuten zu früh erreicht. Das Bodenpersonal schien sich aber bereits zu sammeln.

      Caleb schien auch wach geworden zu sein, ähnlich wie ich rieb und dehnte er sich den Nacken. Da wir nur Handgepäck hatten konnten wir nach verlassen des Gates direkt in Richtung Ausgang verschwinden. Dort suchten wir uns ein Taxi. Durch die Zeit hier mit der Gips Reminder Ranch, hatte Caleb eine alte Bekanntschaft ausfindig gemacht. Sie würde uns für die nächsten drei Tage die wir hier blieben ihren Wagen leihen.

      Die Frau die uns entgegen kam, trug Stiefel...aber nicht nur Stiefel. Sie gingen ihr bis über das Knie. Es verlängerte ihre Gestalt, sie hatten auch einen knapp 10 cm hohen Absatz. Ein kurzer, also wirklich kurzer Rock. Die Jacke mit weitem Plüsch besetzt...Ich zuckte zusammen als ich ihr Gesicht sah. Hui..mit Schminke hatte sie nicht gespart. Caleb hüstelte, als sie mit einem “Juuuhu Caleb.” auf uns zu gestöckelt kam. Ich war mir ziemlich sicher...die sah nicht nur aus wie ein Rodeohäschen, sie war sicherlich eine. Sie zog Caleb zu ihrer Brust, küsste ihn auf die Wange, auf denen der Abdruck ihres Lippenstiftes zurück blieb. “Ylvi..das ist Monique.” Ich hatte fast erwartet, sie würde mich mit einem Bitch-please Blick mustern. Stattdessen kam sie vor mich, überragte mich dabei locker um beinahe zwei Köpfe. Mich zog sie allerdings auch in eine Umarmung, küsste mich auch auf die Wange. Schien also nicht ihre spezielle Caleb Begrüßung zu sein. Oder sie wollte nicht das ich mich schlecht fühlte.

      Sie gab Caleb einen Schlüssel in die Hand, ein rosa Einhorn hing daran. Anschließend führte sie uns zu ihrem Wagen. Es handelte sich um eine schwarze Dodge. Ich blieb kurz einen Moment verdutzt stehen. Den Wagen hatte ich der drallen Monique nicht zugestanden. Das bewies allerdings wieder - Urteile nicht vorschnell. Vielleicht kleidete sie sich auch einfach nur gern..wie sie eben gekleidet war? Caleb und sie unterhielten sich noch ein wenig, er gab mir schonmal den Schlüssel. Mit den Taschen stiefelte ich also in Richtung der Kofferklappe, öffnete und erstarrte. Ich spürte förmlich wie sich meine Netzhaut weg ätzte als ich das Innenleben erblickte. Rosa..pink...und zwar alles vor mir. Das bisschen das ich vom Armaturenbrett sah, die Ledersitze...der ganze verdammte Kofferraum. Ich warf das Zeug rein. Monique wünschte Caleb alles gute. “Dann bis in drei Tagen.” erwiderte er. Ich gab ihm die Schlüssel wartete bis sie fort war. “Monique also, ja?” meinte ich spöttisch, sah ihr hinterher. “Ich hab nie behauptet das ich Geschmack hatte als ich jünger war.” ich lachte ein wenig. “Warte bis du die Inneneinrichtung zu Gesicht bekommst.” klopfte auf seine Schulter, lachte und ging um den Wagen herum zur Beifahrertür. Als ich sie öffnete stand da ein vom Donner gerührter Caleb, ungläubig auf das Innere blickend. Von hier aus hatte ich mehr Blick auf die Einrichtung...der Schalthebel...sogar die verdammten Pedale...rosa oder Pink. “Na? Doch lieber einen Wagen mieten?” Caleb schüttelte langsam den Kopf, schluckte. “Na immerhin ist er von außen schwarz.” scherzte er, nicht ganz ernst.

      Damit stiegen wir also in den Wagen, mein Tablet in der Hand, half ich ihm dabei aus der Stadt heraus zu finden. “Gut das du den Kasten bei hast, die genaue Richtung krieg ich sicherlich nicht mehr zusammen.” dann schwiegen wir wieder eine Weile. Ich konnte nicht umhin, mein Handy zu zücken und ein Foto von Caleb hinter dem rosa Lenkrad zu machen. “Wehe das landet im Chat für die Ranch.” ich grinste ihn an…”Huups.”


      Caleb

      Ich starrte wütend zu Ylvi rüber. Bing...bing...bing… Machte es bei unseren beiden Handys. Ylvi starrte auf Ihres und kam aus dem Lachen nicht mehr heraus. Ich kramte meins aus der Tasche und schaute auf das Display. ‘Hübsch Caleb, steht dir.’, stand da von Bellamy. ‘Oh Caleb, ich wusste ja dass du strange bist.. aber das hätte ich nicht erwartet.’, stand da von Octavia. ‘Caleb was geht denn bei dir?!’, hatte Cayce geschrieben. ‘OMG CALEB!’, schrieb Betsy. Wir hatten auf dem Hof zwei WhatsApp Gruppen, einmal mit, und einmal ohne Betsy. In der ohne das Mädchen wurden manchmal ganz andere Dinge geschrieben. “Na danke dafür.”, sagte ich zu Ylvi, starrte sie noch einmal wütend an und startete dann den Motor. “Ich dachte wirklich Monique wäre über diese Phase hinweg…”, grummelte ich in mich hinein und fuhr auf den Highway.

      Morgen würden wir uns die Ranch anschauen, heute würde es zeitlich zu knapp werden. Eine Ranch kaufte man nicht in einer Stunde. “Hast du Lust noch was essen zu gehen?”, fragte ich Ylvi, als ich in die Straße des Hotels einbog. Sie nickte. “Vorher noch etwas frisch machen?”, sie nickte wieder. “Na gut.”, murmelte ich. Meine Wut war verflogen, etwas witzig war das Auto ja schon- und das Bild würde uns immer an diesen Trip hier erinnern.

      Ich parkte das Auto im Parkhaus und wir stiegen aus, gingen zur Rezeption, checkten ein und gingen auf unser Zimmer. “Mach du dich zu erst fertig.”, sagte ich zu ihr und Ylvi verschwand im Bad. Wir hatten beide keine sonderlich schicke Kleidung dabei, weshalb wir uns auch nicht großartig umzogen. Als Ylvi fertig war ging auch ich ins Bad und machte mich ein wenig frisch. “Na dann lass uns essen gehen, sagte ich zu ihr und ließ tatsächlich meinen Cowboyhut auf dem Bett liegen. “Nimmst du den nicht mit?”, fragte Ylvi mich und ich schüttelte den Kopf. “Ich muss ja nicht schon wieder direkt auffallen.”, sagte ich zu ihr. Bei dieser Aussage dachte ich an mein Auftreten im Krankenhaus und die klirrenden Sporen. Mit der verwaschenen blauen Jeans und den Westernstiefeln würde ich hier bei genauerer Betrachtung zwar auch auffallen, aber nicht so sehr wie noch mit dem Hut. Wir stiegen ins Auto, fuhren zu einem Restaurant ganz in der Nähe, ein bisschen kannte ich mich ja hier noch aus, und parkte dort auf dem Parkplatz. Wir gingen rein und bekamen tatsächlich noch einen Platz. Dort bot ich Ylvi einen Stuhl an und setzte mich ebenfalls an den Tisch.


      Ylvi

      Ich rieb meine Hände aneinander, setzte mich schließlich auf sie - es waren -6 Grad...und mein Körper hatte sich noch nicht an die Kälte gewöhnt. Das war tatsächlich eine Tatsache die mir Caleb wirklich mal erklären musste. Wieso zum Teufel Kanada? Das einzige was ich von diesem Staat wusste waren: ne Menge Schnee, irgendwas mit Ahorn und natürlich eine unfassbare Artenvielfalt an Tieren. Darunter Wölfe, Elche, Rentiere und natürlich auch Bären. Ich konnte Schnee nicht ausstehen. Klar so Winterritte hatten schon was...aber Schneechaos, Schnee schippen. Ich hatte mich zwischendurch schonmal gefragt was mich da geritten hatte. War ich nicht zur Blakes Crow Meadow gekommen, eben weil sie in New Mexico war? Tja, da hatte sich innerhalb weniger Stunden mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Und mein blöder Witz war es auch noch gewesen, der Bellamy auf die fixe Idee gebracht hatte Caleb die Ranch zu überschreiben. Ich hatte sogar gemeint ein Umzug sei sicherlich nicht schlecht. Und jetzt waren wir hier...in Calgary. Die nächsten Tage schauten wir uns zwei der potentiellen Ranches an. Wahnsinn.

      “Jetzt wo wir unsere Ruhe haben. Erzähl mir doch mal wieso es eigentlich nach Kanada geht. Soweit ich weiß bist du nicht hier geboren? Was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”


      Caleb

      Wir saßen beide am Tisch, hatten uns ein wenig umgesehen und auch schon Essen bestellt. Die Kellner hier waren wirklich fix und hatten uns schnell bedient, so dass wir nicht lange hatten warten müssen. Als Ylvi mir eine Frage stellte seufzte ich kurz und ließ meine Gabel sinken. Ja, warum eigentlich? Dass ich mich einfach nicht von diesem Land und von der Erinnerung an Verena trennen konnte würde ich ihr wohl kaum verraten.

      “Nein, geboren bin ich hier nicht aber ich bin durch das Rodeo viel gereist, habe viel gesehen und war auch sehr oft in Kanada, mal auf kleinen, mal auf großen Rodeos… dann habe ich Verena kennen gelernt… und habe mich noch mehr in dieses Land verliebt.”, gestand ich ihr und aß weiter, ich ließ mir Zeit mit dem Antworten, wollte meine Aussagen mit Bedacht auswählen. “In der Zeit auf der Gips Reminder Ranch habe ich viel erlebt, bin viele Pferde geritten und viele Turniere gegangen, hier und auch in ein paar Staaten in den USA. Montana und Wyoming zum Beispiel habe ich oft mit Pferden besucht, aber die Landschaft hier in Alberta? Die grünen, weitläufigen Wiesen, kaum Zäune und wenn, dann kilometerweit entfernt…”, ich sah Ylvis Blick und wusste genau, was sie dachte. Genau das gab es auch in Staaten der USA. Weitläufige, grüne Wiesen und auch alles Andere… “Ich weiß nicht.. kennst du das nicht, dass man sich in etwas verliebt und gerne dort hin zurückkehren möchte? Natürlich nicht genau zurück.. aber in das Land schon?”, fragte ich sie und sie nickte. “Und was sind deine genauen Pläne für eine Ranch?”, fragte sie mich dann und wieder musste ich überlegen. “Sie soll weitläufige Koppeln haben, wir brauchen aber auch für jedes Pferd eine Box. Es müssen nicht immer alle Pferde im Stall stehen, aber hier kann der Winter teilweise ziemlich hart werden und dann bräuchten wir für jedes einen warmen Platz. Außerdem möchte ich gerne Rinder halten.. Whiteface.. wer hätte es gedacht.”, erklärte ich und sie lachte. “Ja, wer hätte gedacht, dass du dir Kühe mit einem weißen Kopf kaufst.”, zog sie mich auf. “Außerdem brauchen wir große, gute Reitplätze und am besten eine oder zwei Hallen, um die Pferde ordentlich trainieren zu können… und Bungalows… oder kleine Mitarbeiterhäuser… aber das kann man ja alles noch bauen.”, erklärte ich ihr und sah sie an. “Also so richtig… weiß ich noch nicht was ich möchte. Also ich weiß es schon, aber ich kann mich nicht entscheiden, was ich wichtiger finde.”


      Ylvi

      Caleb wählte seine Worte mit Bedacht. Es schien als kaue er auf ihnen herum, ehe sie seine Lippen verließen. Nicht als fiele es ihm schwer sie auszusprechen. Vielmehr beschlich mich das Gefühl als wolle er mich schonen. War es das? Ich legte leicht den Kopf schief, beobachtete seine Haltung die offen war. Doch seine Hand spielte mit dem Ende der Gabel. Wunderlich was mir nach all der Zeit mit ihm auffiel. Es gab keine Illusionen.. natürlich, die Antwort die er mir gab war richtig, aber da war noch etwas anderes. Um mich abzulenken konzentrierte ich seiner zweiten Antwort zu lauschen, nahm die Worte wahr... allerdings entschlüpften sie mir durch das andere Ohr nach draußen. Ich hörte nur Koppeln, Boxen...Halle... Training.

      In Gedanken jedoch war ich noch bei der ersten Frage. Wieder war ihr Name gefallen, Verena. Natürlich war er das..hier hatte alles begonnen für ihn. Wie Louis es mir damals auf dem Berg gesagt hatte..Verena hatte alles für ihn geändert. Damit hing sein Herz, ein Teil seines Bewusstseins nicht nur an ihr,sondern auch an dem Land das für ihn einiges verändert hatte. Es fiel mir schwer mein wehmütiges Seufzen zu unterdrücken. Ich würde vielleicht ewig in ihrem Schatten stehen. Dann erinnerte ich mich an Laurence Worte..die gute Seele der Ranch. Vielleicht hat Verena dich für uns hierher geführt.

      Ob er wohl Recht hatte? Mir gefiel der Gedanke das sie aus der Anderswelt in diese blickte und den Nornen vielleicht etwas Zugeflüstern hatte. Laurence hatte von Gott gesprochen, für mich spielte er weniger eine Rolle als die Götter des Nordens..aber vielleicht war er einfach nur eine andere Bezeichnung für meinen Allvater? In Bellamzs Büro hatten Bilder von ihr gehangen. Für mich würde Verena auf ewig ein Geist bleiben von dem wenige sprachen. Ich beugte mich ein wenig vor, sah Caleb an, fasste nach seiner Hand. “Tut mir Leid..deine zweite Antwort wirst du mir nochmal geben müssen. Kannst du mir von ihr erzählen? Jeder erwähnt sie, für mich ist sie nur ein Geist. Ich könnte Bellamz oder O. fragen...aber,ich weiß nicht. Ich würde es gern von dir wissen. Ich hätte gern ein Bild von ihr, mehr als nur Bruchstücke.” das konnte nach hinten los gehen, furchtbar schief gehen. Aber ich wollte offene Karten zwischen uns... er verhielt sich stets Loyal,das war einer seiner besten Eigenschaften. Daher fügte ich noch hinzu “Ich hoffe du weißt, dass du offen mit mir sprechen kannst. Du musst mich nicht schonen.” Ich lächelte aufrichtig in seine Richtung. Wir waren kein Paar, er hätte das Recht sich der Antwort zu entziehen. Ich wollte nicht zu forsch sein, es war kein Befehl...eine offene Bitte vielmehr.


      Caleb

      So langsam waren wir fertig mit Essen, als mir Ylvi eine Frage stellte, die ich nicht so ohne weiteres beantworten konnte. “Lass uns nicht hier über sie sprechen.”, erklärte ich ihr und schien sie für den Moment befriedigt zu haben, denn sie hakte nicht weiter nach. Wir sprachen über dieses und jenes, blieben jedoch bei Gesprächen über Pferde und Ranches. Wir teilten uns noch die Eiskugeln zum Nachtisch, denn eine ganze Portion hätten wir beide nicht mehr geschafft, bezahlte jeder von uns die Hälfte der Rechnung und wir gingen zurück zum Auto, womit wir wieder ins Hotel fuhren und auf unser Zimmer gingen. Man sah uns beiden an, dass wir wirklich geschafft vom Flug waren. “Und du willst ihre Geschichte wirklich jetzt noch hören?”, fragte ich Ylvi und sie nickte überschwänglich. “Ja.”, war ihre Antwort und ich nickte, schwieg jedoch eine ganze Weile, während sie mich gebannt ansah und darauf wartete, dass ich etwas sagte.

      “Verena war… eine Visionärin.”, fing ich an und überlegte dann weiter. “Ich glaube sie hatte ihr Leben schon bis zum Tod durchgeplant und den Pferden gewidmet. Sie hat stets in allem das Gute gesehen und nicht nur zweite, sondern auch dritte und vierte und fünfte Chancen gegeben, auch was mich angeht. Nicht umsonst hat sie mir eine Ohrfeige verpasst, mich gefeuert und vom Hof geschmissen, als ich ihr sagte, Zues wäre unbrauchbar und ich hätte ihr doch gesagt, dass sie es bei ihm zu nichts bringen würde…Sie hat mir mehr als einmal einen Fehltritt verziehen und mir wieder ihr Herz geöffnet.”, erklärte ich ihr weiter und sah in ihren Augen etwas aufblitzen. “Hasst du Zues deshalb?”, fragte sie mich doch ich schüttelte den Kopf. “Ich hasse ihn nicht.. ich gebe ihm nur irgendwie die Schuld an allem, auch wenn er absolut nichts dafür kann.” Ylvi nickte. “Die vielen Chancen hat sie also den Pferden und den Menschen gegeben. Zues, Raised from Hell, Wimpys Little Devil… alles so hoffnungslose Fälle. Aber schau dir Hell und Devil heute mal an… was sie bei ihnen erreicht hat… nur zu Zues konnte sie nie durchdringen.. und jetzt kann sie es nicht mehr. Aber abbringen ließ sie sich von nichts, dieser Sturkopf der immer seinen Willen durchsetzen musste. Nichts und niemand in der Welt hätte sie dazu gebracht, eines der Pferde aufzugeben. Sie hatte eine gute Seele und liebte die Pferde über alles.”, wieder nickte Ylvi. Was sollte sie auch groß dazu sagen? “Mir gegenüber war sie immer ein wenig… impulsiv. Irgendwie wie ich…Ich brachte sie auch oft genug auf die Palme, mit meinen Andeutungen…. Achso, apropos Chancen.. schau dir Bellamy und Murphy und Octavia an. Alles ihr Werk. Hätte sie ihnen keine zweite Chance gegeben, was wäre wohl aus ihnen geworden? Ich möchte das auf jeden Fall auch weiterführen. Solchen Menschen eine zweite Chance geben, ihnen etwas bieten und zu etwas verhelfen.”, sagte ich und schwieg dann wieder eine ganze Weile. “Mit ihr konnte man nicht gut streiten. Sie war schnell den Tränen nahe und Enttäuschungen sah man ihr sofort im Gesicht an. Sie war jemand, der von den anderen gemocht und gut behandelt werden wollte… vermutlich konnte ich aus diesem Grund ihr Herz nie erreichen und hatte sie an Svejn verloren. Svejn ist eine andere lange Geschichte…”, seufzte ich. “Sie legte jedoch viel Wert auf meine Meinung und wurde sehr schnell unsicher, wenn ich ihr vor den Kopf stieß und ihr erklärte, wie dämlich und dumm ihre Idee war…”, wieder schwieg ich. “Sie verlangte den Pferden aber auch Leistung ab. Schau dir Bella oder Gipsy an, oder auch Choco. Oh Gott Choco!”, ich lachte. “Durch ihre Affinität zu diesem Pferd ist mir der Haflinger erst auf den Hof gekommen! Sie glaubte zwar nie daran, dass andere Rassen gut in dieser Sportart sein würden, aber irgendwie hatte sie einen Narren an diesem Hengst gefressen… und Choco ist gar nicht so schlecht im Westernsport.”, sagte ich und Ylvi lachte auch kurz auf. “Ansonsten.. ich zeige dir mal ein paar Fotos, wenn wir wieder in New Mexico sind. Dann kannst du dir sie besser vorstellen.”, sagte ich noch und überlegte. “Ich glaube, mehr fällt mir gerade nicht ein.”, meinte ich und drehte mich zu Ylvi um. Ich hatte in dem Stuhl im Zimmer Platz genommen, während sie sich auf dem Bett ausgebreitet hatte. “Hast du noch Fragen?”



      Ylvi

      Ich hatte mich auf das Bett fallen lassen, aufmerksam seinen Worten gelauscht. Der Geist füllte sich mit einer Art von Person. Mit jedem Satz den er mir gab,konnte ich mir ein besseres Bild von ihr machen.

      Er endete, schwieg kurz. In diesem kurzen Moment richtete ich mich auf. Ob ich noch Fragen hatte? Viele...aber diese musste ich nicht jetzt beantwortet bekommen. Also schüttelte ich den Kopf. “Danke.” flüsterte ich, für ihn gerade so hörbar. Ich hätte noch anfügen können, das ich wusste das es ihm schwer gefallen war. Das ich ahnte, dass ihn meine Frage erstaunt hätte. Aber in mir kam das Gefühl auch, dass dies zu viel wäre. Es bedurfte keiner Erklärungen. Über den Raum hinweg sahen wir uns einfach an, ohne zu blinzeln, dann huschte nur ein Zucken über seine Lippen, er blinzelte. Ich hatte ohne Worte verstanden, Caleb wie es schien auch. Als er sich erhob um in das Bad zu gehen, ließ ich mich wieder zurück sinken. Mir steckte der Flug in den Knochen, ein wenig tat mir doch irgendwie meine heilende Wunde weh - es begann langsam die Zeit in der sie zu jucken anfing.

      Ich unternahm wirklich den Versuch wach zu bleiben, aber meine Lider waren einfach zu schwer. Also glitt ich in das Land meiner Träume. Sie waren wirr...vollkommen wirr. Aber eine Art von Lichtgestalt die der Verena auf den Fotos wirklich unglaublich ähnlich sah, führte mich zu einem Pferd. Ohne weiter darüber nachzudenken ging ich auf dieses zu, schwang mich auf seinen Rücken und ritt über eine Landschaft die mir gänzlich unbekannt war. Erst zurück auf der Ranch sollte mir klar werden, das ich in meinen Träumen auf Zues geritten war. Sie würden mich nicht in Frieden lassen. An diesem Tag, in diesem Traum, entstand eine erste Idee in meinem Kopf.


      Caleb

      Als ich aus dem Bad zurückkam war Ylvi schon eingeschlafen. Ich seufzte kurz, deckte sie zu und legte mich dann ebenfalls unter die Decke. Wieder hier zu sein, in Calgary, nahe dem Ort an dem alles angefangen hatte und an dem alles hätte enden können… Meine Gedanken hielten mich fast die ganze Nacht wach. Ylvi wachte einmal nachts auf, zog sich flink um und schlief dann sofort wieder ein.

      Ich musste doch die Augen eine Weile zu gemacht haben, denn als ich von Ylvi geweckt wurde, fühlte ich mich wie vom Truck überrollt. Ich hab einen gequälten Laut von mir, richtete mich auf, stellte meine Füße auf den Boden und ließ meinen Kopf auf meine Hände sinken, die ich auf meine Beine gestützt hatte. „Alles in Ordnung?“, fragte Ylvi mich vorsichtig. „Ja.“, meinte ich leise und fuhr mir einmal durch die Haare. „Mach du dich im Bad fertig, ich muss noch ein paar Telefonate führen.“, erklärte ich ihr und sah sie ins Bad huschen. Tatsächlich rief ich die beiden Ranchbesitzer an und klärte, welche wir heute und welche wir morgen besuchen gehen würden. Meinen Favoriten würden wir uns morgen anschauen gehen, die andere Ranch heute. Ylvi besuchte nicht sonderlich lange im Bad, so dass ich auch noch duschen gehen und mich umziehen konnte. „Frühstück?“, fragte ich sie als ich wieder herauskam. Sie nickte. „Frühstück und Kaffee…“, erwiderte ich ihr und gähnte lange.

      Als wir in Richtung Essraum gingen erzählte ich ihr, welche Ranch wir heute besuchen gehen würde und welche morgen. Dass bei der morgigen Ranch noch 30 Whiteface Kälber, Rinder und Kühe inbegriffen waren, verschwieg ich ihr mal lieber.


      Ylvi

      Da Caleb ein wenig fertig aussah, orderte ich ihn auf den Beifahrersitz und klemmte mich selbst hinter den Sitz des Fahrzeuges. Ich hatte Glück, der Sitz ließ sich nicht nur nach vorn sondern auch nach oben verstellen. Ich konnte kaum über das Lenkrad hinaus blicken. “Schaffst du das?” dabei klopfte er sich seine Hand auf die linke Brust. Ich nickte, startete den Motor.

      Starr nach Navigationsgerät fuhr ich aus Calgary heraus, nach Westen. Es waren knapp 43 Kilometer, eine Fahrt von einer guten halben Stunde. Irgendwo hinter einer Art Feriensiedlung mit dem Namen Redwood Meadows Bogen wir auf eine kleiner Straße, die es eigentlich nicht verdiente diesen Namen zu tragen. Tannen rechts, Tannen links. Plötzlich fuhren wir unter einem Eingangsschild hindurch. Vor uns befand sich tatsächlich Wald und eine Ranch.

      Begrüßt wurden wir von einen Herren der etwa in seinen 50ern sein musste. Als ich ihn auf uns zukommen sah, musste ich innerlich Lächeln. Er sah Louis ziemlich ähnlich. Er hatte schwarz, silberne Haare in zwei langen Zöpfen geflochten, trug eine große Brille. Unmissverständlich ein Native. “Mr. O’Dell?” Caleb nickte, lächelte. “Sie haben mit meinem Sohn telefoniert. Mein Name ist Jonathan Clearwater.” Wir reichten uns jeweils die Hände. Dann begann er zu erzählen, erst ein wenig über das Tal hier. “In den 40ern gab es einen großen Waldbrand, die freien Flächen die zurück blieben hat mein Stamm für sich genutzt. Sie müssen auf dem Weg hierher an dem Golfplatz vorbei gekommen sein?” “Ah, dann war es gar keine Stadt.” “Doch, schon..nur noch wenige wohnen hier. Meine Familie hat jahrelang hier auf der Farm gelebt.” Trotz des Feuers blieb ziemlich viel an Nadelwald übrig. Das Haupthaus war praktisch vor lauter Bäumen gar nicht auffindbar. Insgesamt schien es nur 3 andere Häuser zu geben, die eher Bungalows glichen. Viel Platz für Mitarbeiter...oder Gäste blieb da nicht. Das Stallgebäude hatte genau 10 Boxen, daran angeschlossen gab es zwar eine riesige Lagerhalle, die zu zwei Hallen abgetrennt werden konnten. Einen Platz jedoch suchten wir ein wenig vergeblich. Und zwischen den Wegen, immer wieder kleine lichte Orte um die man eine Wiese gezogen hatte. Hübsch war es ja...für eine Zucht und Ranchbetrieb war das ganze allerdings etwas zu waldig. Das sah man auch Caleb an. Mr. Clearwater ließ uns nach seiner Rundtour auch alles in Ruhe allein anschauen. “Stallgebäude müssten wir erneuern...irgendwo außerhalb Wiesen anpachten. Wald roden um einen Platz zu bauen, überhaupt auch einen Round Pen. Für Rinder wäre das hier auch nicht so geeignet.” zählte Caleb auf. Ich drehte mich im Kreis. “Für die Pläne die im Raum stehen ist der Ort hier nicht sonderlich geeignet.” pflichtete ich ihm bei. Nachdem wir den halben Tag hier verbracht hatten, hieß es schließlich sich von Mr. Clearwater zu verabschieden. In unserem Rosa-Traum von einem Auto gab ich nun also die andere Adresse ein. “Ich muss ganz ehrlich sein. Angenommen ich hätte tatsächlich eine eigene Ranch aufgebaut, dann wäre der Ort hier klasse. Die Landschaft, der Platz. Ich mag das Haupthaus sehr gern - ist immerhin möbliert. Ich hätte für den Anfang ohnehin wenig Pferde. In Anbetracht der Tatsache allerdings das es eben die Blakes Crow Meadow Ranch ist - wird es das hier nicht sein.” sprach Caleb währenddessen. “Gut, aber die Einrichtung war nun wirklich ziemlich old school. Ich hab ja nichts gegen alte Einrichtung, aber vieles davon hätte man wohl nicht mehr nutzen können.” “Da magst du Recht haben.”


      Caleb

      Anstatt zur anderen Adresse zu fahren fuhren wir wieder ins Hotel. Wir waren beide immer noch ziemlich geschafft, oder zumindest ich war ziemlich geschafft, so dass wir uns im Hotel etwas zu essen aufs Zimmer brachten, dort gemeinsam aßen und uns dann ins Bett legten. Wir schauten noch eine Weile eine Sendung über irgendwas mit Indianern, ehe wir den Fernseher aus machten und uns schlafen legten.

      Am nächsten Morgen waren wir beide fitter und dementsprechend auch motivierter. Wir ließen es uns gut gehen bei dem ausgiebigen Frühstück, welches uns geboten wurde, ehe ich mir hinters pinke Steuer setzte. “Es ist und bleibt stockhässlich.”, sagte ich zu Ylvi, warf ihr einen Blick zu und stieg in ihr Lachen ein. Die zweite Ranch lag etwa eine halbe Stunde südöstlich von Calgary, an einer wunderschönen Flussgabelung. Auch sah man von hier ein paar kleinere Berge und auch die großen Rocky Mountains. “Der Ausblick gefällt mir.”, sagte ich zu Ylvi und sie schien meine Meinung zu teilen.

      Wir fuhren an einem Ranchschild mit der Aufschrift “Bow River Ranch” vorbei. Dann folgte ein langer Weg, der rechts und links aus großen Koppeln bestand. “Schau mal, wie schön.”, sagte Ylvi und auch ich war begeistert von den weitläufigen Wiesen und den angrenzenden Waldstücken. Wie weit das wohl zur Ranch gehörte?

      Auf dem Gelände hielten wir vor dem Hauptgebäude. Es war in einem älteren Stil erbaut, aber keinesfalls hässlich oder urig, sondern einladend und freundlich. Es öffnete sich die Haustür und der Besitzer der Anlage kam heraus. “Hallo, ich bin Jackson Duncan.”, stellte er sich vor und schüttelte zuerst Ylvis, dann meine Hand. “Ich führe sie ein bisschen herum.”

      Schon als ich meinen Fuß in den ersten Stalltrakt setzte, war es um mich geschehen. Ich sah Ylvi an und auch sie schien die Ranch zu mögen. Verschiedene Stalltrakte, Offenställe, zwei Reitplätze, eine wirklich sehr große Halle, viel Platz, um selbst noch etwas zu bauen und zwei Round Pens. Einen etwas kleineren und einen Größeren. Ansonsten bot die Ranch viel, viel Platz. Viel Platz zum Bauen, viel Platz zum Umstrukturieren, weitläufige Wiesen und den Fluss, der teilweise überquert werden musste, um auf die anderen Wiesen zu kommen, die dazu gehörten.

      "Das beste sehen Sie gleich, doch dazu müssen wir eine Weile reiten.", sagte er und führte uns zurück zu den Autos, wo jetzt jemand mit drei Pferden stand.



      Ylvi

      Noch bevor ich hätte nach den Zügeln greifen können, nahm sie Caleb entgegen. “Mr. Duncan, auf dem Ritt werden wir leider nur zu zweit sein.” dieser ließ das unkommentiert. Ließ den Mitarbeiter aber den Braunen fort nehmen. Wehmütig sah ich zu wie sich Caleb in den Sattel schwang, seinen Rappen neben mir zum stehen brachte und mir vollkommen unnütz durch die Haare strubbelte. “Bald darfst du auch wieder.” neckte er mich. Ließ den Rappen antraben und folgte einen Pfad hinauf Mr. Duncan. Ich verschränkte die Hände vor meiner Brust. Unfair.

      Ich hatte nichtmal eine Vorstellung wie lange sie weg sein würden! Ich vertrieb mir erst die Zeit damit im Auto zu sitzen. Anschließend streunerte ich noch einmal allein über den Hof. Viele Leute gab es hier nicht, auch der Stalltrakt war bis auf drei vier Boxen nicht mehr belegt. Bow River Ranch. Ich ließ mir den Namen über die Lippen rollen. Erinnerte mich das wir vorhin an einem Fluss vorbei gekommen waren. Auf einer der Koppeln war sogar ein Bach. Ich nahm an daher rührte der Name. Nach gut einer Dreiviertelstunde klingelte mein Handy. Caleb war gerade dabei mir diverse Fotos zu schicken. Darauf sah ich Blockhütten, drei an der Zahl...Weiden..und auch dort der Bach - dieses Mal sehr viel breiter, als er hier im Tal war. Das ganze lag in einem Talkessel, auf dem Bild hätte ich nicht sagen können wie breit es war. Doch auf den Bildern konnte ich die Berghänge sehen, sie waren schroff und mit Schnee bedeckt.

      Etwa eine Stunde später kamen Caleb und der Typ der uns die Ranch gezeigt hatte wieder zurück. Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren. Die Verabschiedung lief eigentlich ziemlich schnell. Ich fuhr zurück nach Calgary. Caleb packte oben im Zimmer unsere ganzen Sachen zusammen. In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um den Check-out vom Hotel. Zusätzlich hatte er mir sein Handy in die Hand gedrückt. Ich suchte also in seinen Kontakten nach Moniques Nummer, rief sie an. Es dauerte auch nicht lang, dann ging sie auch schon an das Telefon. “Caleb, ihr seid also zurück?” “Nein,nein. Ylvi hier. Also ja wir sind zurück. Wir würden in etwa 10 Minuten bei dir sein und dir deinen Wagen wieder bringen.” “Ylvi, also. Gut dann halte ich mich bereit.”

      Dieses Mal fuhr .Ccaleb, auf meinem Schoß und zwischen den Beinen befand sich unser Gepäck. Unterwegs sprachen wir zunächst nicht, jeder hing den Gedanken an die Ranch nach. Caleb und Monique tauschten die Position hinter dem Steuer, er verzog sich auf die Rückbank. “Wie hat euch mein Baby gefallen?” Keine Antwort..nur ein Hüsteln von mir, da ich mir ein Lachen verkniff. Dann ein sehr sarkastisches “Ganz hervorragend!” von Caleb. “Nicht wahr?” Monique schien den Sarkasmus nicht verstanden zu haben. Daher setzte Caleb noch nach “Ich hätte gedacht die Phase sei endlich mal an dir vorüber gegangen.” keine Antwort, aber ich sah wie sich Monique auf die Lippen bis. Ihr Gesicht sah aus als sei sie gerade auf dem Klo beschäftigt. Ich sah lächelnd aus dem Fenster.

      Der Check-In am Flughafen dauerte ewig, wir kamen gerade Rechtzeitig an das Gate als auch schon unser Flug aufgerufen wurde. “7 Stunden Flug zurück..ich hab absolut keine Lust.” grummelte Caleb. Wir hatten in der vergangenen Nacht auch einiges an Schlaf nachgeholt, daher vergnügten wir uns mit zwei Filmen auf meinem Tablet. Darunter “the Rider” der uns beide nun nicht wirklich überzeugen konnte - er war einfach unfassbar langatmig. “Man merkt richtig das es Laiendarsteller sind.” flüsterte ich. um den Gast neben mir am Fenster nicht zu stören. Anschließend philosophierten wir über die Möglichkeiten mit der Ranch. Kein Zweifel...noch einmal Immobilien anschauen würden wir wohl nicht müssen.

      Lilly war diejenige die uns vom Flughafen zur Bar mitnahm. Hier war früher morgen, was mich vollkommen aus dem Konzept brachte. Mal ganz davon abgesehen das es unfassbar warm war im Gegensatz zu Kanada. Caleb und Louis unterhielten sich über die Ranch. Lilly und ich packten schon mal das Gepäck wieder in den Pick-Up von Caleb. “So, zurück zum Rest?” fragte mich Caleb, ich zuckte bisschen zusammen - hatte nicht erwartet das er plötzlich neben mir auftaucht. “Ja...genug auf Reisen gewesen.”


      Caleb

      Von der Bar zur Ranch zurück unterhielten wir uns wieder über die Möglichkeiten, die diese Anlage bot und noch im Auto rief ich Mr. Duncan an, und sagte ihm zu. Umzugsmonat wäre der Januar. Mitte Januar vermutlich, mal sehen, wann wir hier in New Mexico alles gepackt bekommen würden.

      “Ylvi ich hab dir noch gar nicht gesagt, was noch zur Ranch gehört.”, sagte ich, als wir wieder auf dem Blakes Crow Meadow angekommen waren und unsere Sachen von der Ladefläche des Pick Ups nahmen. “Eine Herde von Whitefacerindern. 30 Stück.” Doch anstatt mich geschockt oder fragend anzusehen, fing sie lauthals an zu lachen. “Was, echt? Oh Caleb.”, sagte sie und schlug mir auf den Arm, ehe sie kopfschüttelnd wegging. “Hey was denn?”, rief ich ihr nach doch sie antwortete mir nicht mehr.

      Am Abend erzählten Bellamy und ich der gesamten Ranch, was Sache war und stellten ihnen frei, mit umzuziehen oder zum Frühjahr zu kündigen. Erstaunlicherweise war jeder bereit, das neue Kapitel aufzuschlagen und die Reise mit uns anzutreten.

      “Es gibt noch etwas, dass ich euch sagen möchte. Eine Ranch finanziert sich eben nicht von alleine…”, fing ich an und schaute in gespannte Gesichter. “Ylvi hab ich es schon gesagt, aber zu der Ranch gehört eine Herde von 30 Whitefacerindern, die ich mitgekauft habe. Sieht wohl so aus, als seien wir jetzt bald wirklich im Viehgeschäft.”, alle nickten, keiner widersprach mir. “Außerdem gehört zu dem Gelände etwa eine halbe Stunde Ritt eine alte Ferienranch. Undenkbar wäre es nicht, unser Konto durch Touristen ein wenig aufzustocken.. achja, hier für jeden eine Kopie der Verkaufspferde. So können wir uns jetzt schon nach geeigneten Käufern umhören.”, erklärte ich und gab jedem einen Zettel. Schweigen. Jeder war in seinen Gedanken versunken, auch Betsy sagte kein Wort. Vereinzeltes Nicken, aber auch zerknirschte Blicke bei der Liste der Pferde. “Es steht einem jeden von euch frei, eines der Pferde zu erwerben. Doch unter meinen Namen bleiben sie nicht.”, sagte ich und kam vielleicht ein wenig harscher rüber, als ich es beabsichtigt hatte. “Also Sue und Blue behältst du, oder?”, fragte mich Betsy dann vorsichtig und ich nickte. “Sue und Blue bleiben. Nur die Pferde, die da auf der Liste stehen, werden verkauft.”, sagte ich zu ihr und sie nickte. Damit löste ich unsere kleine Versammlung auf und ging rüber in den Stall, wo ich nach Vulture schaute. In ein paar Tagen war Weihnachten. Vorher musste ich noch einige Geschenke kaufen und noch einiges erledigen.



      Wenige Tage später war Heiligabend. Weihnachten wurde von den Blakes Geschwistern und auch von Caleb noch immer ein wenig nach deutscher Tradition gefeiert, etwas, dass Verena damals nach Amerika und auf ihre Ranch mitgebracht hatte. Am 23. hatten alle Mitarbeiter zusammen einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gemeinsam geschmückt. Betsy hatte es nicht lassen können, kleine Pferde an den Baum zu hängen, gefolgt von kleinen Cowboyhüten. “Die sind extra für dich.”, hatte sie zu Caleb gesagt, welcher sie nur lachend in den Arm genommen hatte. Betsy tat allen auf der Ranch gut.

      An Heiligabend selbst feierte die ganze Ranch zusammen. Sie waren mittlerweile wirklich wie eine Familie füreinander. Selbst Cayce gehörte schon dazu, obwohl er noch gar nicht so lange dort war. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und sich dann gemütlich ins Wohnzimmer zum Weihnachtsbaum gesetzt, unter dem eine ganze Menge Geschenke lagen. “Großartige Geschenke gibt es dieses Jahr nicht.”, sagte Bellamy, als er sich mit einem Glas Sekt vor den Baum gestellt hatte. “Anfangen möchte ich jedoch mit Caleb, der das ein Geschenk von uns allen bekommt, welches größer nicht sein könnte. Wir alle zusammen schenken dir die Pferde und das Equipment dieser Ranch.”, verkündete dieser und hob sein Glas. Caleb starrte ihn derweil nur mit offenem Mund an. “Ihr schenkt mir das alles?”, fragte er ungläubig und Bellamy sowie die anderen nickten. “Fast alles. Das Gelände nicht, das werden O und ich verkaufen. Aber alles andere. Und nun Prost. Auf Caleb, unseren neuen Chef!”, sagte er, stieß mit seinem Glas an und alle Mitarbeiter tranken darauf. “Die anderen sollen natürlich nicht leer ausgehen. Hier auf dem Boden stehen kleine Geschenke mit euren Namen drauf.”, sagte er und hob ein Geschenk auf, welches er Betsy gab. Diese machte als erste auf und hielt ein Schokopferd in der Hand. “Wie süß!”, kommentierte sie ihr Geschenk und umarmte Bellamy kurz. Auch alle anderen, ausgeschlossen Caleb, hatten ein Schokopferd geschenkt bekommen. Bei allen außer Betsy war noch ein Umschlag mit Geld in der Box gewesen.

      “Dell noch eine Kleinigkeit für dich.”, sagte Bellamy dann und übergab dem Vater von Betsy ein kleines Geschenk. Er machte es auf und hielt ein Foto seiner Tochter in der Hand. Sie saß auf Sue, gehalten von Caleb, und hielt ihren Pokal stolz in die Höhe. “Habe ich gemacht, toll geworden, oder?”, sagte Ylvi und er nickte. Man sah ihm an, dass er stolz auf seine Tochter war. Dann stand Caleb auf und schnappte sich eines der letzten Geschenke unterm Baum. “Bellamy das hier ist von uns allen für dich. Damit du dein wirres Köpfchen mal sortieren kannst.”, lachte er und gab ihm das Päckchen. Dieser machte es auf und hielt einen Notizblock mit einem Taschenrechner in der Hand. “Ja, das habe ich wohl dringend gebraucht.”, lachte er. “Danke euch allen.”, sprach er in die Runde und traf auf lächelnde Gesichter und vereinzeltes Nicken. “Jetzt zu dir Betsy.”, sagte Caleb und holt das kleinste der Geschenke unter dem Baum hervor. “Wir alle haben lange überlegt, was du dir wohl zu Weihnachten wünschen könntest.”, sprach er und überreichte ihr das kleine Geschenk. Betsy traute sich zunächst gar nicht, es wirklich auf zu machen. Doch dann riss sie die Verpackung in tausend Teile und öffnete die kleine Kiste. Darin lag ein Zettel, nichts weiter. Sie nahm ihn aus der Box, faltete ihn auf und las das Geschrieben laut vor. ‘Hiermit erhältst du 50 Prozent.’ “Ich erhalte 50 Prozent von was?”, fragte sie verwirrt und schaute uns nacheinander an. “Komm.”, sagte Caleb, stand auf und ging zur Haustür. Langsam öffnete er sie und als Betsy sah, wer dort draußen auf sie wartete, sprang sie freudestrahlend aus der Haustür nach draußen. Dort stand nämlich unsere geliebte Black Sue Dun It mit einer roten Schleife um den Hals, gehalten von Betsys Vater Dell. Diesem fiel sie zuerst um den Hals, dann der Stute. “Ihr schenkt mir die Stute? Wahnsinn!”, rief sie und war den Tränen nahe. “Danke, danke, danke!”, jubelte sie und umarmte uns alle der Reihe nach.


      Caleb

      Den Abend ließen wir gemeinsam gemütlich ausklingen, es gab noch einige Geschenke die verteilt und ausgepackt wurden. Cayce hatte tatsächlich ein Foto von mir und seinem Pferd, als ich für ihn angetreten war, gemacht und schenkte es mir. Auch für Ylvi hatte ich mir etwas überlegt, was ich ihr jedoch erst im Bett überreichte. “Ich dachte schon ich bekomme gar nichts von dir.”, scherzte sie und ich lachte. “Naja, warte mal ab, mach es zuerst auf.” Ylvi riss das Papier herunter und hielt… einen Kalender in der Hand. “Damit du deine Arzttermine alle zusammen an einer Stelle hast und sie so hoffentlich nicht mehr vergisst.”, erklärte ich ihr und wurde sofort geschlagen. “Doofkopf… aber danke.”, sagte sie und gab mir einen Kuss. “Hier, das ist von mir, für dich. Wollte es dir nicht vor allen geben.”, erklärte sie und überreichte auch mir ein Geschenk. „Vorsichtig, scharfe Munition.“, lachte sie und ich hörte augenblicklich auf, die kleine Kiste zu schütteln. Vorsichtig öffnete ich das Geschenk und… hielt eine kleines Gewehr in den Händen. „Ein Schlüsselanhänger?“, ich lachte. „Ein kleines Gewehr. Das häng ich Vulture ans Halfter!“, scherzte ich und drehte es in meinen Fingern hin und her.
    • Ravenna
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      Canadian Flair | Ravenna | 71587 Zeichen
      Mitte Feb. 2019
      Ylvi

      “Nehmen Sie bitte den Arm einmal nach oben.” der Weisung des Arztes folgend hob ich meinen linken Arm. Dabei tastete er an der Narbe herum die zurückgeblieben war von der zweiten OP für den herzschrittmacher. Die OP Wunde war gut verheilt. Was mich in den letzten Jahren gestört hatte war mittlerweile nur ein Schatten. Diese und die anderen Narben gehörten eben zu mir.

      “Kann ich denn jetzt wieder in den Sattel steigen, richtig anpacken?” fragte ich sehnsüchtig. Die Ranch steckte mitten im Umzug. O und ihre Pferde waren bereits drüben. Bellamy und Caleb organisierten die nächsten Flüge für die nächsten 20 Pferde die Cayce und Murphy zur neuen Ranch bringen würden. Unbeobachtet hatte ich bereits schwerere Arbeiten verrichten wollen, aber Bellamy und Caleb hatten Adleraugen auf mir. Der Arzt bedeutete mir mich wieder richtig anzukleiden. “Generell steht dem nichts im Wege. Denken sie aber bitte an ihren nächsten Kontrolltermin im Mai in Calgary. Nur zur Sicherheit damit meine Kollegin dort ihren Fall kennt.” ich nickte Pflicht gerecht. “Passen Sie trotzdem auf ihre Frau auf.” wandte sich der Arzt mit den Worten an Caleb. Seit meinem letzten Besuch hier hatte mich Caleb höchstpersönlich zu den Terminen gebracht. War besorgt gewesen als sich die Wunde ein wenig entzündet hatte, nachdem ich die Pflege hatte schleifen lassen zwischen Weihnachten und Neujahr. Wir hatten Mitte Februar, alles war vorbei. Ich hatte die ätzende Physiotherapie hinter mich gebracht. Man konnte dann auch mal aufhören mich zu bemuttern. Caleb lächelte, tippte sich an den Rand seines Hutes und murmelte ein “Aye”. Ein Wort das er von Svejn hatte. Er hatte mir die alten Bilder gezeigt...Verena,Svejn...ja ich habe sogar die Geschichten von Sarah und Cayden zu hören bekommen. Menschen die ich nicht gekannt hatte, die aber auf den Bildern aufgetaucht waren. So hatte ich auch Bilder von Moon zu Gesicht bekommen, dem Hengst der Gealachs Großvater war. Neben den Organisationen hatten wir Stunden damit verbracht durch diese Erinnerungen zu gehen. Ich hatte es genossen, gern jedem seiner Worte gelauscht. Mir ein Bild aufbauen können von der Person die er einst gewesen war. Oft hatten uns auch Bellamy und Octavia dabei zugehört. Auch Laurence hatte einen um den nächsten Abend Geschichten erzählt. Oft hatte ich einfach nur inmitten all dieser Menschen gesessen, ihnen stumm gelauscht. Ich hatte zuvor nicht gewusst wieviel Spaß das machte. Ich hatte sie alle noch ein Stück weiter kennenlernen dürfen.

      Caleb begleitete mich aus dem Krankenhaus heraus. Mein Gang war schwungvoll. Ich durfte wieder auf den Rücken eines Pferdes. Ich hatte vor zwei Wochen schon probiert mich auf Fylgia davon zu machen. Allerdings hatte Caleb wohl auch Betsy für sich gewonnen. Mit Caleb hinter sich her ziehend war sie nämlich in der Stallgasse aufgetaucht. Relativ wortlos hatte er mir die Stute aus der Hand genommen, Betsy auf ihren Rücken verfrachtet und beschlossen der kleinen eine Reitstunde auf ihr zu geben. Er hatte sich bedankt, dass ich sie vorbereitet hatte. Natürlich hatte ich das nicht dafür getan. Ich war sauer gewesen….Sauer auf ein 9 jähriges Kind! Ich hatte also am Rand gesessen, während Betsy einen kleinen Parcours mit Fylgia absolviert hatte. Jetzt allerdings, durfte ich wirklich wieder in den Sattel steigen.

      Die Fahrt über gingen wir eine Liste der Pferde durch die als nächstes Richtung Kanada ziehen würden. In zwei Wochen würde ein Umzugsunternehmen kommen. Wir hatten es in Auftrag gegeben. Alle Habseligkeiten aus den verschiedenen Häusern würden dann zum neuen Heim gebracht werden. Eine Woche später war der Flug von mir und Caleb geplant, im Gepäck unsere letzten Habseligkeiten und alle restlichen Pferde. “Sag mal. Was hälst du von der Idee das Louis mitkommt? Er hat sogar einen Käufer für seine Bar.”

      Das war eine überraschende Nachricht gewesen, Ende Januar hatte Louis sich entschlossen mit nach Calgary zu kommen. Er wollte wieder auf einer Ranch arbeiten, dabei kam ihm die neue Stellenausschreibung von Caleb gelegen. Seine jüngere Schwester Lilly würde ihn begleiten. Außerdem hatte er die Pflege für Kaya und Tschetan übernommen, Cousin und Cousine, deren Eltern nicht mehr lebten. Tschetan hatten wir bereits auf dem Indian Relay kennengelernt. Ein Junge von 12 Jahren, etwas ungestüm, ein guter Reiter. Seine jüngere Schwester Kaya kannte ich nur aus den Geschichten von Lilly.


      Caleb

      Ich war wirklich überrascht, als Ylvi mir davon erzählte, dass Louis mit nach Kanada kommen wollte. “Und das will er wirklich?”, fragte ich sie nochmals und sie nickte. “Er will wieder auf einer Ranch arbeiten. Und du brauchst noch neue Leute. Lilly kommt ja auch mit. Und Kaya und Tschetan. Dann hat Betsy auch Gesellschaft.”, schwärmte sie weiter und ich nickte. “Ich mein… wenn er mitkommen will, kann ich ihn nicht daran hindern. Tut gut noch jemanden dabei zu haben, der genau weiß, wie der Hase läuft.” “Caleb der Hase läuft gar nicht. Der hoppelt.” “Haha, ja sehr witzig.”, antwortete ich ihr und knuffte sie leicht in die Seite, musste dann aber auch lachen.

      “Heute sollen nochmal Pferde rüber fliegen. Zusammen mit Cayce und Murphy. Dann sind es ab heute Abend nur noch Bellamy, du und ich die hier sind.”, erklärte ich ihr. Irgendwie war alles schrecklich schnell gegangen. Direkt nach Weihnachten wurden die Pferde umgemeldet, ich als neuer Besitzer eingetragen, der Kaufvertrag für die neue Ranch in Kanada ausgefüllt und Stellen ausgeschrieben, obwohl noch niemand dort war. Es hatten sich einige gemeldet, aber ich hatte das in dem ganzen Trubel, der dann folgte, aus den Augen verloren. Ich war wieder für zwei Tage rübergeflogen, hatte mich dort mit einer Baufirma getroffen und erste Pläne ausgearbeitet, wie ich die Ranch ausbauen wollte. Vor dem Herbst würden die Stallungen nicht fertig sein, so wie ich sie haben wollte. Also hatte ich mich kurzerhand umentschieden und wollte zusätzlich zu den Offenställen auf den Koppeln, rund um den großen Reitplatz überdachte Penalboxen mit kleinen Paddocks. Für unsere Pferde, aber auch für Gastpferde. Das allerdings war sehr schnell realisierbar und würde auch fertig sein, sobald wir mit den ersten Pferden rüberkommen würden. 30 Boxen waren geplant, 15 an jeder langen Seite des Platzes. Das würde schon einmal viel weiterhelfen. Den Umbau der Stallungen wollte ich trotzdem noch. Nur würde dies eben bis zum Herbst dauern. Wirklich brauchen würden wir die Stallungen erst im nächsten Winter.

      Auch mussten Gästehäuser bzw. Wohnmöglichkeiten für die Ranchmitglieder gebaut werden. Ich würde mit Ylvi zusammen im Haupthaus wohnen. Im oberen Stockwerk war eine wirklich schöne Wohnung eingerichtet worden. Im unteren Teil des Hauses gab es eine Küche mit einem großen Essbereich, ein Badezimmer, einen großen Wohnbereich und ein paar kleine Schlafzimmer. Also eher etwas für Gäste, als für Mitarbeiter. Zusammen mit der Baufirma hatten wir uns die geeigneten Stellen zum Bau von kleinen Häusern, ähnlich wie WG’s, angeschaut. Jedes dieser Häuser sollte zwei Etagen haben und Platz für bis zu 5 Menschen bieten. Zwei dieser Häuser waren geplant, außerdem drei kleine Bungalows mit Platz für je 3 Menschen.

      Soweit so gut. Nachdem dies alles feststand, konnte ich wieder nach New Mexico fliegen und allen erklären, was soweit geplant war. Und dann… dann fing es auf einmal an, wirklich stressig zu werden. Octavia und Travis waren die ersten, die mit O’s Pferden zusammen nach Kanada fliegen würden. Wir hatten uns von einem Transportunternehmen große Trailer geliehen, damit wir mit unseren kleineren Anhängern, in den je drei Pferde passen, nicht tausend mal fahren mussten. Das Ein- und Ausladen der Pferde auf dem Hof und auf dem Flughafen war nicht das Problem. Das Einladen in die Boxen zum Fliegen schon eher. Nachdem einer der Menschen dort mich so aufgeregt hatten durch den Umgang mit den Pferden, hatte ich ihm die Liste aus der Hand genommen und dirigierte meine Tiere und Mitarbeiter nun selbst. “Tigres Eye… Priamos Ruffia Kincsem… BR Prias Raveday… Drama Baby… Raspberry… I’ve got a blue soul… Prias Colourful Soul… Tasmania… Candlejack… Culain… Daryl Gone Mad… Peacful Redemption… PFS’ Snap in Style… Wildfire xx....” Das war die erste Gruppe gewesen. Per Videochat hatte ich das Ausladen in Calgary beobachtet, was wesentlich besser geklappt hatte, als das Theater hier.

      Kaum eine Woche später organisierten Bellamy und ich den nächsten Flug für 20 Pferde, bei dem eigentlich Cayce und Murphy dabei sein sollten, jedoch plante ich kurzfristig um und schickte statt Murphy zwei Stallburschen mit, Jesse und Connor. Die würden sie drüben dringender brauchen, als wir hier. Zum zweite Trupp Pferde, deren Einladen am Flughafen schon viel besser klappte, gehörten: PFS’ Unclouded Summer Skies, BR Dress to Impress, BR Colonels Lil Joker, Jacks Inside Gunner, Colonels Blue Splash, BR Colonels Golden Gun, Moon’s Gealach, Cleavant ‘Mad Eyes’, Ceara Isleen, Væna fra glæsileika eyjarinar, Skrúður, Blazing Flame, Chocolate Dream, Abe’s Aeflric, Seattle Slew, Sir Golden Mile, Stiffler, Cielos, Baby Doll Melody und Bella Cielo.

      “Caleb? Hey Caleb? Ich hab Bell am Telefon, der Transporter ist da, um weitere Pferde mit zu holen.”, sagte Ylvi und riss mich so aus meinen Gedanken. “Okay, okay. Sag ihm wir sind gleich da.”, erklärte ich ihr und fuhr ein wenig schneller zur Ranch zurück. Zwischen dem ganzen Umzug war ich auf einen Absetzer in Alberta aufmerksam geworden, Dual Shaded Ace. Der Hengst hatte anfangs gar nicht zum Verkauf gestanden, doch nach langem hin und her hatte der Besitzer sich erbarmt. Vorausgesetzt, er würde ein paar Decksprünge von ihm bekommen, wenn er gekört wäre. Dem hatte ich so natürlich sofort zugestimmt und ihn dann… eigentlich für viel zu viel Geld gekauft. Er hatte es gut gehabt und nur zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen müssen, um zur Bow River Ranch zu gelangen.

      Endlich waren wir auf dem Blakes Crow Meadow angekommen. Ich parkte den Wagen, stieg aus und ging sofort auf den Fahrer zu. Kurz schüttelte ich ihm die Hand, ehe Bellamy mir die Liste der Pferde in die Hand drückte, die wir jetzt einladen mussten. Gruppe eins, welche jetzt sofort eingeladen werden würden, waren: Colonels Smokin Gun, DunIts Smart Investment, Ginny my Love, GRH’s A Gun Colored Lena, Jade, Kristy Killings, Raised from Hell, Wimpys Little Devil, A Walking Honor, Black Sue Dun It, California Rose, Chou, Easy Going. Die zweite Gruppe, die später folgen würde, bestand aus: Face Down, Ginger Rose, GRH’s Aquila T Mistery, GRH’s Unbroken Magic, Heretic Anthem, Honey’s Aleshanee, Lady Blue Skip, Magnificient Crow, My sweet little Secret, Only Known in Texas, Picture of a Ghost, Snapper Little Lena, Stormborn und Striga.

      Als dritte und vorerst letzte Gruppe würden am späten Abend die Hengste folgen: Bittersweet Temptation, Whitetails Shortcut, Alan’s Psychedelic Breakfast, Genuine Lil Cut, Gun and Slide, A Shining Chrome, Hollywoods Silver Dream, Chapter 24, Citizen Fang, Chocolate Shades, General’s Coming Home, GRH’s Bella’s Dun Gotta Gun, GRH’s Funky’s Wild Berry, GRH’s Unbroken Soul of a Devil, Gunners Styled Gangster, Whinney und Zues. Mit diesen ganzen Pferden würden Laurence, Murhpy, Dell und natürlich Betsy auf die Reise gehen. Dell und Betsy mit dem ersten Flug, Murphy mit dem zweiten und Laurence mit den Hengsten. Betsy war gar nicht auszuhalten gewesen, so sehr war sie allen um die Beine herum gesprungen und hatte jedem erzählt, dass sie sich auf die Reise freute und hoffte, dass alle gut gehen würde.

      Am Abend kehrte jedoch endlich Ruhe ein. Bellamy versorgte die ganzen Verkaufspferde, während ich mich um meine beiden verbleibenden Pferde Nachtschwärmer und Smart Lil Vulture gekümmert hatte. Ylvi hatte nun endlich das ok ihres Arztes, wieder mit anpacken zu dürfen, weshalb ich sie alleine zu ihren Pferden Inyan, Lady Gweny, Fylgia und Valravn gehen ließ. Bellamy hatte sich wider erwarten bereit erklärt, noch eine Weile hier zu bleiben und die Pferde zu verkaufen. Im Mai wollte er dann nachkommen, spätestens. Dann sollte auch die Ranch in neuen Händen sein. Interessenten gab es viele, doch sie alle wollten den Preis drücken. Und das nicht gerade wenig. Ich gab Bellamy zwar in der Angelegenheit wirklich viel Freiheit, aber verschenken sollte er das Anwesen nicht. Das Geld kam schließlich nicht nur mir, sondern auch ihm zugute. Apropos Geld… nicht alle waren so erfreut über die Rinderherde gewesen, wie ich es war. Schon am ersten Tag hatte Cayce die halbe Herde einfangen müssen- da zu diesem Zeitpunkt noch keines der Ranchpferde drüben war, hatte er sich kurzerhand bei jemandem Pferde und Cowboys leihen müssen. “So knüpft man neue Freundschaften!”, hatte ich am Telefon gesagt und nur ein spöttisches Schnauben zur Antwort bekommen. “Ich hoffe du schaffst bald deinen Arsch hier rüber. Die Vollblüter machen mich wahnsinnig. Ich will die Ranchpferde hier haben!” “Ja, Cayce. So schnell geht das alles leider nicht.”, war meine niederschmetternde Antwort gewesen. Jetzt mittlerweile hatte er jedoch sein Pferd drüben und auch fast alle anderen Pferde, mit denen es einfacher war, die Kühe einzufangen.

      Ich hatte mich gerade mit Bellamy zusammen vor den Fernseher gesetzt, als auch Ylvi dazustieß. “Na, Arbeit erledigt?”, fragte Bellamy sie und sie nickte. “Es tut so gut, endlich wieder selbst arbeiten zu dürfen.” “Das klingt ganz nach dir.”, murmelte ich und wurde dafür in den Arm geboxt. “Hör mal Bellamy und ich sprachen gerade über Louis, Lilly und die beiden Kinder. Es wäre vielleicht sinnvoll, mal rüber zu fahren und mit ihm zu reden. Er hat ja schließlich auch noch Pferde. Kommen die mit, bleiben die hier, wo will er wohnen und und und… das sollten wir alles klären, bevor wir mit dem Rest nach drüben fliegen und vor unvollendeten Tatsachen stehen.” Ylvi nickte. “Klar, aber heute nicht mehr. Für heute haben wir alle genug getan.”, sagte sie und setzte sich zu mir auf die Couch. “Haben sich die anderen schon gemeldet?”, fragte sie mich und ich nickte. “Laurence und sein Flug fehlen noch, der Rest ist gut angekommen und alle Pferde haben den Flug gut überlebt.” “Das ist gut.”, erwiderte Ylvi und schaute zum Fernseher. Zu dritt ließen wir den Abend ausklingen. Lange hielten wir es nicht vor dem Fernseher aus, da wir alle todmüde und kaputt waren. Bellamy verabschiedete sich irgendwann und verschwand ins Haupthaus, Ylvi und ich machten uns auch auf den Weg ins Bett, wo wir auch ziemlich schnell einschliefen. Sobald am nächsten Morgen die Pferde versorgt waren, würden wir mit Louis reden. Darüber, wie er sich seine Zukunft vorstellte.





      Ylvi

      Mein Kopf lag auf Calebs Arm, mein Nacken war vollkommen verspannt bei der Position. Ich wollte mich allerdings auch nicht übermäßig bewegen um ihn nicht zu wecken. Seine andere Hand ruhte auf meiner Hüfte. Seltsam wie selbstverständlich wir mittlerweile jeden Abend in dasselbe Bett stiegen.

      Ich spürte seinen Herzschlag an meiner Schulter, ruhig und gleichmäßig. Sein Atmen das mich am Anfang so sehr gestört hatte, weil er oft mit geöffnetem Mund schlief, war mir nun so vertraut. Ich rutschte ein wenig weiter nach unten um meinen Kopf von seinem Arm zu nehmen, da schlang sich sein Arm um meine Hüfte fester um mich. “Morgen.” murmelte er in meine Haare. Ich hatte mir angewöhnt sie zu einem Zopf zu flechten, ich spürte den Druck in meinem Nacken. “Caleb, meine Haare” flüsterte ich lachend..”Und morgen.” Caleb befreite meinen Zopf von seinem Körpergewicht, zog mich herum , sodass ich ihn ansehen konnte. “Unser vorletzter Tag hier.” “Irgendwie seltsam...vor einem Jahr war ich zum ersten Mal hier. Jetzt geht es mit einer ganzen Ranch in ein komplett anderes Land. Uns erwarten ganz schöne Abenteuer.” mutmaßte ich. Außerdem hatte ich ein paar mehr an Pferden dazu gewonnen. “Wie könnte ich das vergessen? Ich hab dich für einen Dieb gehalten.” ich lachte, nickte. Ja, wie könnte ich je die auf mich gerichtete Waffe vergessen?

      Caleb zog mich enger an sich, seine Hände schoben sich unter mein Shirt, seine Zähne spürte ich an meinem Hals. Augenblicklich spürte ich die Antennen in meinem Körper erwachen...es war einfach viel zu lang her. Ein zischendes Ausatmen kam von mir. “Alles in Ordnung?” Ich gab keine Antwort, sondern küsste ihn einfach...er sollte bloß nicht aufhören.


      Vier Stunden später sattelte ich gerade Valravn. Direkt daneben machte Louis Inyan fertig. Caleb stand an der anderen Seite des Anbindeplatzes mit Vulture. Der Vorschlag alles weitere doch bei einem Ausritt zu besprechen war von mir gekommen. Louis war auf den Anruf von Caleb zur Ranch gekommen um zu besprechen wie und wann er umziehen würde, auch wegen seiner beiden Pferde. Aber wirklich Lust das im Büro zu machen hatte ich nicht verspürt. Daher mein Vorschlag mit dem Ausritt. Damit waren beide einverstanden gewesen. Außerdem hatten wir so noch einmal die letzte Chance uns von dieser Landschaft zu verabschieden.

      “Alle Bereit?” fragte Caleb, schwang sich behende in den Sattel. Neben mir sprang auch Louis auf den blanken Rücken von Inyan. Auch bei Ravn hatte ich mich für ein Reitpad mit Lammfell entschieden, musste mir dafür allerdings eine kleine Erhöhung suchen um in den Sattel zu kommen. Wir ritten im Schritt in Richtung der alten Stutenkoppeln. Vulture vorne weg. Die Ranch so verlassen zu sehen war gruselig. “Dann verrat mir doch mal welcher Hund dich gebissen hat für die Idee mitzukommen?”


      Louis

      Die wärme die von Inyan zu mir aufstieg fühlte sich wunderbar an. Auch wenn meine Muskulatur jetzt schon rebellierte. Seit dem Herbst hatte ich mich auf kein Pferd mehr setzen können. Zu viel war in der Bar zu tun gewesen. Zu oft war ich in die alte Heimat gefahren um dort Dinge zu erledigen, vor allem zu Regeln. Es war sonst nicht Calebs Art Fragen so unverblümt zu stellen, aber er wollte natürlich wissen was ihm bevorstand. In den letzten Monaten hatte sich einiges in seinem Leben geändert. Die Übernahme der Ranch war für ihn schon immer ein kleiner Traum gewesen. Wie oft hatten wir zu Rodeo-Zeiten davon geträumt? Dann hatte er wegen des Unfalls aufhören müssen. Und ich selbst? Tja..ich hatte für meine Familie aufgehört. Meinen Vater hatten die Rodeos am Leben erhalten, bis er bei einem Unfall ähnlich wie dem von Caleb querschnittsgelähmt war. Meine Mutter war bereits früh gestorben. Kaum noch erinnerte ich mich an ihr Gesicht. Für die Familie hatte ich selbst die Rodeos aufgegeben. Mit wenig Aussichten in Pine Ridge jemals eine vernünftige Arbeit zu finden war ich nach New Mexico gekommen. Die Bar hatte Lilly, mich und meinen Vater gut versorgt, aber es kostete Zeit. Die Pflege unseres Vaters hatte Lilly bis zu seinem Tod übernommen. Sie hatte selbst viel aufgeben müssen dafür, hatte mir auch oft in der Bar geholfen. Nun hatte sich die Schwester meines Vaters mit ihren Drogen das Leben genommen. Unschi, Großmutter hatte ihre beiden Kinder zu sich genommen. Ich war hin gefahren in den vergangenen Monaten um zu versuchen sie zu unterstützen. Schließlich war die Entscheidung gefallen beide zu mir zu nehmen. Die Wohnung über der Bar war zu klein für uns gewesen. Ich wusste um die Wünsche von Lilly. Familie wurde für unser Volk groß geschrieben...und ich wollte nicht das Lilly noch mehr verzichten musste.

      Erst nach all diesen Überlegungen brach ich mein Schweigen. “Ylvi hat dir sicherlich erzählt, das ich vor zwei Wochen meine Cousinen zu mir genommen habe. Kaya und Tschetan brauchen meine Zeit...ein geregeltes Leben. Das kann ich nicht bieten, wenn ich eine Bar leite. Das könnte ich aber wenn ich bei euch auf der Ranch arbeite. Außerdem genug Leute die die Kinder mit im Blick haben können. In Calgary haben sie die Chance eine gute Schule zu besuchen..” Caleb hatte mir gelauscht, die Zügel locker in der Hand auf den Knauf seines Sattels, die andere ruhte auf seinem Oberschenkel. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, denn es lag im Schatten seines Hutes. Jeder schwieg auf seine Weise, für Ylvi war das genannte ja nicht gänzlich neu. Caleb musste jedoch verstehen...er kannte die Umstände in Pine Ridge...die Drogen, der Alkohol, die Armut und die umgehende Verzweiflung. “Ich heiße dich gern im Team Willkommen, wenigstens noch jemand der Ahnung von der ganzen Arbeit hat. Cayce und du werden mir mit den Rindern sehr gut helfen können. Vor Ort könnten wir dich wahrscheinlich gut in ein Haus mit Betsys Vater stecken. Hast du dir schon Gedanken gemacht wie du deine Pferde rüber schaffst?” kam es von Caleb. Schwer unterdrückte ich ein Seufzen. “Darum muss ich mich nicht mehr kümmern. Sunka und Zinkala-win habe ich verkauft.” Calebs Kopf zuckte in meine Richtung. Von Ylvi kam ein vollkommen erschrockenes “WAS?!” und auch Caleb schien diese Frage ins Gesicht geschrieben. “Ich hab genug Pferde um mich die ich dann betreue. Außerdem...außerdem ermöglicht mir das Geld aus dem Verkauf der beiden Lilly auf das College in Calgary zu schicken. Sie ist ein heller Kopf, wenn ich das schon nicht auf die Kette bekommen habe zu studieren. So soll sie ihre Möglichkeiten doch wenigstens nutzen. Pferderennen sind auch gefährlich...ich muss auch an Kaya und Tschetan denken. Sie hatten es in ihrem jungen Leben wohl schwer genug.” ich schwieg kurz, musste dann doch Lachen. “Wir werden wirklich alt, Kola.” “Vielleicht solltest du dir endlich Mal eine Frau zulegen,mein Freund” murmelte Caleb, zwinkerte mir zu. “Mein Herz hab ich leider bereits hoffnungslos verloren. Das braucht bis es vergisst.” Ylvi sah mich an, senkte dann den Blick auf den Hals ihres Wallachs, sprach nicht. Caleb konnte die kurze Konversation nicht bemerkt haben. Dafür schien ich Talent zu haben. Schon einmal hatte ich die Frau eines anderen begehrt.



      Caleb

      So ganz wusste ich nicht, was ich ihm antworten sollte. So schwieg ich einfach und ließ die Umgebung auf mich wirken. Schon übermorgen würde ich Albuquerque verlassen. Es war ein gutes Zuhause für mich gewesen, in das ich zurückgekehrt war. Ein Zuhause und doch so viel mehr. Ich hatte mir eigene, neue Pferde zugelegt, hatte alte zurückbekommen und auch mit den bereits Vorhandenen hatte ich viel arbeiten können. Ich war wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen und einige Pferde trainiert. Dann war Ylvi aufgetaucht und hatte mein ganzes Leben auf den Kopf geschmissen. Wenn ich so darüber nachdachte, hatte sie es besser gemacht. Und auch Louis, der in meiner Nähe gewohnt hatte, hatte mir viel geholfen. Alte Zeiten aufleben lassen war etwas schönes, wenn man es mit einer anderen Person teilen konnte.

      Und jetzt waren wir an einem Wendepunkt angekommen. Louis hatte Kinder, Gott, Louis hatte Kinder. Er war jetzt sozusagen ein Vater. Louis… war Vater. Lilly war zwar auch bei ihm, aber das hier war etwas vollkommen anderes… Vulture schnaubte und fiel in einen lockeren Galopp. Er zuckte nervös mit den Ohren, als ich ihn durchparierte. Vermutlich konnte er fühlen, dass ich in Gedanken mal wieder nicht hier war und noch immer keine wirkliche Antwort wusste. Ich schaute kurz nach hinten und blickte in die fragenden Gesichter von Louis und Ylvi. Leise seufzend schaute ich wieder nach vorne. “Caleb?”, fragte Ylvi mich irgendwann und ließ ihr Pferde das von Louis überholen, um zu mir aufzuschließen. “Stimmt etwas nicht?”, fragte sie mich doch ich nickte. “Doch, doch. Alles okay. Ich habe nur an etwas gedacht…” Ylvi sagte nichts mehr, ließ ihr Pferd langsamer werden und ritt wieder hinter mir her.



      Ylvi

      Die ganze Geschichte hinter Louis Beweggründen dann nochmal direkt von ihm zu hören war eigentlich ganz gut. Lilly hatte wirklich großes Glück ihn als Bruder zu haben. Wobei er in seinem Leben viel geopfert hatte um sie aufzuziehen. In Anbetracht seiner Familienverhältnisse keine leichte Entscheidung. Schon allein die Tatsache das er Kaya und Tschetan bei sich aufnahm sprachen für seinen Familiensinn. Ich fragte mich wirklich wieso es keine Frau an seiner Seite gab. Caleb schien denselben Gedanken zu haben. Denn er sprach es an. Als Louis davon sprach sein Herz hoffnungslos verloren zu haben ruhte sein Blick auf mir. Ich hatte den Blick mit ihm unterbrochen und auf Ravns Hals geschaut. Ich hatte sowas in den letzten Monaten schon beinahe vermutet. Nie jedoch eine wirkliche Bestätigung bekommen. Um ehrlich zu sein hatte ich sie auch nicht haben wollen. Mit Caleb war das ganze schon verworren genug. Wir hingen in der Schwebe...weder zusammen noch wirklich getrennt. Das Wissen das da nun Louis war...das verwirrte mich nur noch mehr, denn auch er war mir so wichtig geworden. Ohne ihn wäre ich dort auf dem Berg gestorben. Niemand sprach. Auch Caleb hatte keine wirkliche Antwort auf diese Worte zu haben. Ahnte er etwas? Vulture war nervös, galoppierte ohne sichtbare Hilfe an und wurde von Caleb direkt wieder durchpariert. Louis und ich sahen zu ihm. Ravn drängte nach vorn...aber eine wirklich klare Antwort hatte ich nicht von Caleb. So hieß ich Ravn wieder langsamer.

      An anderer Stelle öffnete sich die Wiese vor uns. Ravn war deutlich angespannt, seine gesamte Muskulatur war zum reißen gespannt, nur meine Hand am Zügel verhinderte das er lief. So ein Galopp eignete sich jedoch auch wunderbar um die Gedanken klar zu kriegen, die Kälte würde ihr übriges tun. Also gab ich die Hand vor. Aus dem Schritt preschte Ravn vor, meine freie Hand krallte ich in seine wenige Mähne. Hinter mir hörte ich den mir mittlerweile vertrauten Lakota Schrei “Hoka Hey! Hoka Hey!” aus dem Augenwinkel sah ich Inyan heran preschen. Direkt neben mir Ritt bereits Caleb auf Vulture, der Hengst legte sich flach in den Galopp. Auf kurzen Rennen waren diese Pferde einst gezüchtet worden. Ravn war kein schnelles Pferd. Vulture und Inyan hatten keinerlei Mühe meinem Wallach zu folgen. Der Wind pfiff mir in den Ohren, die Kälte schlug mir unbarmherzig ins Gesicht. Mein Lachen wurde mit dem Wind von meinen Lippen genommen. Caleb lachte zumindest auch, gab seine Zügel weiter vor, hielt den Hut auf seinem Kopf. Auch Inyan nahm an Tempo zu. Ravn unternahm nicht einmal den Versuch mit den anderen beiden Pferden Schritt halten zu wollen. Stattdessen parierte ich ihn zu einem leichten Trab. So fit war ich noch nicht wieder. Auch das Rennen der beiden ging nur noch etwa 100 Meter, dann schienen sie genug zu haben, parierten und warteten bis Ravn und ich im Schritt aufgeholt hatten. “Bis ich wieder so einfach mehrere Meter galoppiere muss ich wohl noch etwas warten.” meinte ich belustigt. Inyan stand still. Der jüngere Vulture tänzelte, Caleb hatte seine Müh den Hengst ruhig zu halten. Das Rennen schien ein wenig die Stimmung gelockert zu haben. Allerdings blieb es trotzdem ruhig um Caleb, mit den Gedanken war er weit fort. Ich wusste das man ihn in solchen Momenten besser nicht störte. Die Pferde suchten sich im leichten Schnee selbst ihren Weg nach Hause.

      Meine Füße waren Eisklumpen, ich saß noch immer auf dem Pferd. Die Aussicht mit den kalten Füßen auf dem harten Boden zu knallen war nicht sonderlich erbauend. Caleb hatte sich von uns getrennt, da Vulture für die Nacht in einer der Boxen unterkommen würde. Seufzend ließ ich mich vom Pony rutschen, ging leicht in die Knie als mir der Schmerz von den Knöcheln aufstieg. Außerdem spürte ich jeden verdammten Muskel in meinen Beinen. Ich hielt mich daher an Ravn fest, der geduldig stand während ich mich wieder fing. Über seinen Mähnenkamm hinweg sah ich Louis. Er schien nicht zu bemerken das meine Aufmerksamkeit auf ihm lag. Seine Stirn hatte er auf die von Inyan gelegt, seine Hand strich immer wieder den Hals des Wallachs entlang. Ich konnte die Bewegung seiner Lippen sehen, aber kein Wort verstehen. Mein Starren schien nicht unbemerkt zu bleiben. Louis öffnete seine Augen wieder, sie huschten zu mir. Ich räusperte mich. “Louis...du weißt..du könntest ihn wieder haben, oder? Ich ..” seine erhobene Hand unterbrach meinen Redeschwall, er schüttelte den Kopf. “Dann wäre es mir zumindest eine Ehre, wenn du ihn reitest wann immer du willst, ja?” Es kehrte wieder sein Schalk zurück, ich bekam seine weißen Zähne zu gesicht. “Waschté” mehr kam nicht von ihm. Er zog Inyan die Trense vom Kopf nur um ihn in den Offenstall zu entlassen. Hastig beeilte ich mich auch Ravn vom Pad zu befreien, zog auch ihm die Trense vom Kopf und lockte ihn in Richtung des Tores, welches mir von Louis noch offen gehalten wurde. Ich stiefelte vor Ravn in den Paddock, neugierig trat auch Inyan jetzt an mich heran. Seine Nüstern pusteten mir seinen Atem auf die kalten Wangen, während Ravn an meiner Tasche zu zuppeln begann. Lady Gweny hielt sich ein wenig im Hintergrund. Fylgia kam mit angelegten Ohren angelaufen, schnappte Inyan in den Hintern der daraufhin aus dem Weg ging. Nur Ravn ließ sich von ihr nicht beirren. Ich streichelte natürlich auch Fylgia, die so nach meiner Aufmerksamkeit fragte. Damit keiner zu kurz kam stiefelte ich auch noch zu Gweny, prustete ihr in die Nüstern, kraulte ihre Lieblingsstelle an der Brust und den Ohren. Louis stand noch immer am Tor, sein Blick ruhte die ganze Zeit auf mir. “Sie mögen dich wirklich alle.” ich sah mich um...inmitten all meiner Rappschecken, zuckte lächelnd die Schultern. “Scheint so. Aber jetzt lass uns reingehen und was warmes zu trinken besorgen. Ich spür meine Zehen nicht!”


      Im Haupthaus hatte sich irgendwer des Kamins angenommen, Louis war in die Stallungen gegangen um Caleb Bescheid zu geben. In der Küche bereitete ich Kaffee vor, füllte sie in die Thermoskanne. Führte Reste der Brownies zutage und brachte alles auf einem Tablet in das Wohnzimmer. Louis kam als erstes zur Tür hinein. “Caleb ist gleich da.” Ich saß auf dem Teppich vor dem Kamin, rieb meine Hände und Füße. Meine Gedanken hingen nun bei Caleb, während ich in die Flammen starrte. Irgendwie war er heute wieder einmal besonders ruhig gewesen. Das hatte sicherlich mit den Ereignissen die noch vor uns stünden zu tun, auch ich war deshalb aufgeregt. Manchmal konnte ich verdrängen verstehen zu wollen was in Caleb vorging. Jetzt gelang mir das nicht..auch weil ich mannhaft damit beschäftigt war die Worte von Louis von mir zu drängen. Natürlich hatte ich es bemerkt...ich hätte blind sein müssen nicht zu spüren wie es um ihn stand. Und ich machte mir Vorwürfe….vielleicht, wenn Dinge anders wären. Dann hätte ich mir sogar vorstellen können Louis eine Chance zu geben. Im Grunde würde das meinem Herzen wohl weniger schaden als das was Caleb und ich irgendwie teilten. Hände an meinen Füßen...ich zuckte zusammen, mein Kopf ruckte herum. Louis hatte sich zur mir auf den Teppich gesellt, seine Hände hatten nach meinen Füßen gegriffen, massierten sie. “Da du so in Gedanken warst, dachte ich mach ich weiter womit du aufgehört hast?” Irritiert sah ich ihn an, entspannte dann allerdings meine Muskulatur. Massagen konnte ich ja wohl nicht von der Hand weisen. Die Vernunft in meinem Hirn schrie allerdings etwas anderes. Ich war unfair. Ich ließ mich einfach nach hinten fallen, schloss die Augen. Genoss die Zuwendung und die Wärme des Kamins. Vergessen die Brownies und der Kaffee.

      Das ins Schloss fallen der Haustür, die Schritte den Flur hinauf. Sie ließen mich erneut zusammen zucken, ich richtete mich abrupt auf, entzog Louis meine Füße. “Kaffee?” kieckste ich, sprang auf und hielt Louis die Kanne entgegen. Ernten tat ich seinen schelmischen Blick, ein wissendes, beinahe arrogantes Lächeln. Er gab seine Antwort indem er nickte. Gerade als die ersten Tropfen in die Kanne fielen betrat auch Caleb den Raum. “Ohh davon nehm ich bitte auch eine Tasse.” Also bekam auch Caleb seine Tasse Kaffee, er ließ sich auf dem Teppich neben Louis nieder. “Ich hab sogar ein paar Brownies aufgetrieben.” damit schob ich den Teller an den Rand des Tisches. Dann reichte ich Caleb seine Tasse, gab in meine einen Schuss Milch und hockte mich dann auch auf den Teppich. Für unsere Abreise ist schon alles vorbereitet. In 5 Stunden kommt der Trailer um uns samt Pferden einzusammeln. Anschließend geht es zum Flughafen.” “Dem Abenteuer entgegen” murmelte ich. Keine Erwiderung. Stille, dann sprach Louis. “Ich werde wohl erst in einem Monat nachkommen. Hab hier noch ein paar Behördengänge zu erledigen.” “Meld dich einfach, wenn es los geht.”

      Eine Viertelstunde später verabschiedete sich Louis von uns. Caleb und ich ließen uns anschließend wieder vor dem Kamin nieder. Mein Kopf lag an seinem Rücken, nebenher dudelte der TV aber so richtig schien keiner dem Programm zu folgen. Ins Bett zu gehen lohnte sich nicht für die wenigen Stunden.


      Caleb

      Ich war an diesem Abend mit den Gedanken noch immer nicht wirklich hier. Wo ich war? Keinen blassen Schimmer. Warum ich weg war? Nicht die geringste Ahnung. So vieles würde sich wieder ändern, von jetzt auf gleich. Hatte ich nun endlich das, was mich im Leben glücklich machte? Oder würden wir in einer Weile wieder umziehen? Was war es, dass das Leben ausmachte? Die Freunde? Die Familie? Geld? Ruhm?

      Diese Frage konnte wohl jeder nur für sich selbst beantworten. Meine Antwort stand in den Sternen. Weit weg, und doch ganz nah. Oder doch so fern?

      Ich beugte mich zu Ylvi rüber und gab ihr einen Kuss auf den Hals. „Ylvi wir könnten… uns die Zeit ein wenig vertreiben…“, flüsterte ich, drehte ihren Kopf zu mir und küsste sie auf die Lippen. „Jetzt da du… sogar eine kurze Strecke galoppieren konntest…“,murmelte ich weiter und küsste sie erneut. Ylvi lächelte kurz, rutschte dann zu mir herüber und setzte sich auf meinen Schoß. „Könnten wir…“, flüsterte sie und legte ihre Hand in meinen Nacken. „Jetzt, da du wieder redest und deine Gedanken sortiert hast..“, sagte sie frech und nahm meine Unterlippe zwischen ihre Zähne, zog leicht daran und ließ sie wieder los, ehe sie mir in die Augen sah und mich dann wieder küsste. „Ich hatte bloß so vieles im Kopf.. aber lass uns da im Flieger drüber reden...oder in Kanada...“, schlug ich ihr vor und sie nickte. Viele Möbel waren nicht mehr hier, die Couch allerdings stand noch in unserem Wohnzimmer. Ich stand auf, hielt Ylvi an mir fest und legte sie auf die Couch. Vorsichtig stützte ich mich rechts und links von ihr auf dem Sofakissen ab und beugte mich zu ihr runter, um sie erneut auf den Hals zu küssen. Wir wechselten eine Weile Küsse, ehe ich langsam Ylvis Oberteil über ihren Kopf zog. Auch ihre Hose und Unterwäsche war schnell verschwunden. Meine Sachen streifte ich mir über Kopf und Beine und schmiss sie ebenfalls neben das Sofa…


      Nach einem Blick auf die Uhr sprang ich hastig auf. “Ylvi komm.”, sagte ich und zog sie mit mir auf die Beine. Wir hatten viel zu lange auf dem Sofa verbracht und so langsam würde es eng werden, was Pferde verladen und den Flug anging. “Die drüben köpfen uns, wenn wir den Flieger nicht kriegen.”, lachte ich und sammelte meine Kleidung auf dem Boden ein, zog sie an und stand dann Bellamy gegenüber, der sich in der Küche einen Kaffee gemacht hatte. “Wie lange stehst du denn schon hier?”, fragte ich ihn und richtete mein Hemd. “Glaub mir, lange genug.”, sagte er und zwinkerte mir zu. Ich rollte mit den Augen, schlug ihn gegen die Schulter und setzte dann meinen Hut auf den Kopf, den ich hier in der Küche hatte liegen lassen. Ylvi kam nun auch zu uns und wir beide tranken schnell eine Tasse Kaffee, stopften noch einen der Brownies in den Mund, die Ylvi vom Wohnzimmertisch mitgebracht hatte, ehe ich in den Stall zu meinen beiden Hengsten hastete. Bellamy trug ich auf, Ylvi zu helfen, denn sie hatte mehr Pferde fertig zu machen.

      Vulture als auch Nachtschwärmer waren nicht sehr begeistert, dass ich sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf riss. Nachtschwärmer ließ sich jedoch leichter aus der Box führen und für den Transport fertig machen, als Vulture. “Du bist eine Zicke.”, knurrte ich ihn an und ruckte einmal am Führstrick, als ich die Nase voll hatte. “Hör auf jetzt und benehm dich einmal deinem Alter entsprechend.”, sagte ich und legte die letzte Transportgamasche an. Der Trailer, der die Pferde mitnehmen sollte, war schon da, weshalb ich meine beiden Pferde schon auf die Rampe führte und im Inneren anband. Ylvi und Bellamy kamen nun auch und brachten die Pferde rein. “Bellamy lädst du das Zubehör mit den Kisten auf meinen Pick Up, Ylvi und ich holen schnell unsere Taschen.”, sagte ich zu ihm und er nickte, ehe er im Stall verschwand. “Jetzt aber schnell.”, lachte ich, nahm Ylvis Hand und lief zurück zum Haus. “Und du meinst der hat uns wirklich gesehen oder gehört?”, fragte mich eine unsichere Ylvi, als wir im Haus angekommen waren. “Ich glaube er blufft.” Ich lachte, warf mir meine Tasche über den Rücken und nahm die Größere von Ylvi auch in die Hand, so dass sie nur ihr Handgepäck tragen musste. Draußen auf dem Hof angekommen hielt ich abrupt an und drehte mich nochmal zur Haustür um. Ich schaute mir das Haus an, drehte mich einmal im Kreis und ließ meinen Blick über das gesamte Gelände schweifen. “Kaum zu glauben, dass wir diesen wunderbaren Ort verlassen.” “Oh Caleb jetzt werd nicht sentimental.”, sagte Ylvi und knuffte mich in die Seite. “Komm… bereit?” “Bereit.”

      Ylvi

      Ich spürte eine wärme in mir...fast als würde ich schwitzen...und dann musste ich doch wieder breit Lächeln. Bluffte Bellamy tatsächlich nur? Falls ja...so gab ihm Caleb definitiv genug zum Grübeln als er mit mir Hand in Hand ins Haus lief. Auch als wir am Trailer standen, den Blick auf die Ranch gerichtet, hielt er meine Hand fest umschlossen. Uns gingen verschiedene Gedanken durch den Kopf. Bellamy stand auf der Treppe des Haupthauses. Er würde noch eine ganze Weile hier bleiben, die Pferde versorgen, Verkäufe organisieren. Vor allem aber die neuen Besitzer einweisen.

      Es ging auf zu neuen Ufern.


      Es war angenehm die Fahrt über noch einmal dösen zu können. Der Fahrer saß vor uns, während Caleb sich zu mir auf die Rückbank gesellt hatte. Über einen Bildschirm konnten wir gut alle 6 Pferde beobachten. Sie standen in dem Trailer her zur Fahrtrichtung. Gweny schien etwas nervös, ich konnte ihr Ohrenspiel sehen. Die Nähe von Inyan und Fylgia schien ihr allerdings gut zu tun. Ich hatte erst etwas bedenken gehabt die beiden Stuten mit den Hengsten zu transportieren. Aber wir hatten diese zuerst eingeladen...anschließend waren meine Wallache gefolgt als Puffer. Anschließend hatten wir Gweny eingeladen, als letztes hatten wir Fylgia auf den Trailer gepackt. Ich war aufgeregt. Seit dem ersten Besuch im Dezember war ich nicht mehr hier gewesen. Caleb hatte sich “geweigert” mich mitzunehmen. Klar er hatte viel zu tun. Aber ich war einfach gespannt was in der Zwischenzeit alles passiert war. Ich tappte vor Aufregung mit meinem Bein, plötzlich krallten sich Calebs Finger in meinen Oberschenkel, drückten ihn hinunter. Ich sah zu ihm Lächelte verzeihend. “Du machst mich vollkommen wirr, Weib.” knurrte er mir ins Ohr. Ich ließ mich also weiter zurück in die Autositze sinken. Sah wieder auf den Bildschirm.


      Am Flughafen ging alles glatt, die Pferde wurden vor Ort gecheckt, die Pässe kontrolliert. Dann führten wir sie jeder einzeln in die für sie vorgefertigten Boxen. Fylgia war wie nicht anders zu erwarten, vollkommen ruhig. Daher drückte ich sie dem Fahrer in die Hand, der ja auch seine Erfahrung mit Pferden hatte. Ich selbst führte Gweny aus dem Hänger. Dann jedoch gab es ein schrilles Kreischen, das natürlich von Ravn kam. Der Wallach riss sich los von dem Flughafen mitarbeiter, trabte aufgeregt an Gweny und mir vorbei und hielt erst an als er neben Fylgia zum stehen kam. Ich rollte mit den Augen. Dabei hatte ich gehofft sein Kletten-Verhalten hätten wir langsam im Griff. Allerdings war das hier auch eine außergewöhnliche Situation. Das weitere Verladen verließ dann doch etwas geordneter.


      “Uff...und wieder 7 Stunden den Arsch platt sitzen.” murmelte ich eher zu mir selbst. Caleb verstaute eben mein Handgepäck, da ich selbst zu klein war um dort ran zu kommen. Der Frau neben mir am Fenster entlockte es allerdings ein Lächeln. Ich erhob mich um ohn durch zu lassen. Ich saß sehr viel lieber im Gang auf längeren Flügen. Caleb nahm seinen Hut ab, setzte sich neben mich hin und legte den Hut auf seinen Schoß. “Zumindest haben wir so nochmal ein bisschen Ruhe.” “Ruhe?...denkst du das wirklich?” Caleb zog eine Augenbraue hoch, sah mich an. Ich hob meine Hände “Ich hab schwitzehände, muss die ganze Zeit an die Pferde da unten denken. Ruhe würd ich das nicht bezeichnen.” meine Stimme klang dabei schaal und heiser. Mir war sogar ein bisschen schlecht bei dem Gedanken an die Pferde. Caleb zog mir an einem meiner flechtzöpfe die über meine Schultern fielen. Dafür erntete er einen verwirrten Blick. Was war das denn jetzt? “Na sieht...bei dem Gesicht sind deine Gedanken jetzt wohl nicht bei den Pferden.” kommentierte er lachend. Dafür bekam er einen Faustschlag gegen die Brust. “Och duu!”


      Caleb

      Ich stieg in ihr Lachen ein. Die Frau neben uns kam mir irgendwie bekannt vor, auch wie sie uns zuhörte und grinste, wenn wir etwas witziges sagten. Irgendwann wandte ich mich ihr zu. “Entschuldigen Sie, kennen wir uns?”, fragte ich die Frau und sie nickte. “Wenn sie Caleb O’Dell sind, dann ja.” In meinem Kopf kramte ich nach Namen oder Orten, doch so richtig wollte mir keiner einfallen. “Ist schon eine lange Zeit her.. damals in Las Vegas auf einem großen Turnier. Ich habe dich beim Team Roping total abgezogen.”, lachte sie. “Nein, Kit? Wow, dass ich dich nochmal wieder treffe!”, ich beugte mich zur ihr rüber, gab ihr einen Kuss auf die Wange und umarmte sie kurz. “Kit und ich waren früher wirklich.. Erzfeinde, wie man so schön sagt. Das eine Mal gewann sie, das andere Mal gewann ich. Wie lange ist das her… etliche Jahre!”, ich lachte. Dann schaute ich von Ylvi zurück zu Kit. “Das ist Ylvi. Eine… sehr gute Freundin von mir.”, ich legte ihr kurz meine Hand aufs Bein. Für Kit reichte diese Geste wohl. “Soso…”, schmunzelte sie und sah uns beide abwechselnd verschmitzt an. “Ich hab dich aber wirklich nicht erkannt, du hast dich total verändert!”, wandte ich mich wieder an meine alte Bekanntschaft. “Was ist aus deinem braunen Lockenkopf geworden? Und deine Stute… Halley.. hast du die noch?” “Meine braunen Locken sind blonden Haaren gewichen. Irgendwann hab ich sie mir dann abrasiert und jetzt wachsen sie nach. Sind aber noch nicht sonderlich lang, wie du sehen kannst.”, erklärte sie mir. Wie hätte ich sie auch erkennen können? “Halley habe ich schon lange nicht mehr, sie ist bei ihrem ersten und einzigen Fohlen gestorben. Der kleine Hengst hat es auch nicht geschafft. Das war vor.. drei Jahren. Seit dem saß ich nicht mehr auf dem Pferd.” “Das tut mir Leid.”, kam es von Ylvi, die sich hinter meinem Rücken bestimmt etwas ausgeschlossen fühlte, bei unserem Gespräch. Generell schaute sie nicht wirklich glücklich drein. Ob ich sie eben verletzt hatte? Aber was waren wir denn? Freunde? Freunde mit gewissen Vorzügen? Verliebt? Auch eines der Dinge, was mir ständig im Kopf herum schwirrte. Louis spielte da auch eine große Rolle. Er meinte zwar ich würde nichts merken, aber ich kannte ihn. Ich merkte, wenn er etwas im Schilde führte. Auch Ylvi hatte gestern Abend sichtlich seltsam gewirkt, als sie den Kaffee mit einer Quietschstimme verteilt hatte.

      “Und was arbeitest du im Moment?”, fragte ich sie. “Nichts, bin auf der Durchreise. Mal hier, mal da etwas.” “Wenn du noch Arbeit suchst, wir sind gerade auf dem Weg zu meiner neuen Ranch.” “Was? Du? Eine Ranch? Wow Caleb das freut mich für dich!”, sagte sie lachend und gab mir einen Klaps aufs Bein. “Endlich, Cowboy. Ich dachte schon du wirst nie sesshaft.” “Also eigentlich… war ich schon lange Zeit sesshaft.”, korrigierte ich sie. “Ich komme euch auf jeden Fall mal besuchen!”, sagte sie. “Klar, wieso auch nicht. Schließlich fliegen wir in die gleiche Richtung.” Wir unterhielten uns noch eine Weile. Ylvi döste in der Zwischenzeit immer wieder weg. Auch ich war nicht den ganzen Flug wach. Kurz vor der Landung wachte ich jedoch wieder auf und hatte Ylvis Kopf auf meiner Schulter liegen. Eine sehr gute Freundin… Dieser Satz ging mir immer wieder durch den Kopf und ließ mir keine Ruhe. Auch Kit sah mich grinsend an, als ich meinen Kopf sachte auf den von Ylvi sinken ließ. “Ach komm Caleb. Das da ist mehr als.. ich zitiere: sehr gute Freunde.”, sagte sie zu mir und schien nun wirklich eine Antwort haben zu wollen. “Es ist kompliziert. Reicht dir das als Antwort?”, ich sah sie an. “Nein… ich muss wohl doch zu dir auf die Ranch kommen, wenn ich mehr wissen will.”, sagte sie lachend und ich stimmte in ihr Lachen mit ein. Auch Ylvi regte sich wieder, nahm ihren Kopf von meiner Schulter und sah raus. “Landeanflug. Hab auch nichts mehr von den Pferden gehört, denen scheint es gut zu gehen.”, erklärte ich ihr und sie nickte beruhigt. Dann ging es runter.


      Ylvi

      Traf mich ein Tritt in die Magengegend? Nein...wir hatten nie darüber gesprochen was wir eigentlich waren. Kit zu erklären wie und was es war hätte zu lang gedauert. Natürlich...ein zugeständnis von Caleb hätte mir besser gefallen, mein Herz schien sich ein wenig zu verknoten. Als jedoch seine Hand auf meinem Bein lag, seine Finger kurz zudrückten. Da durchlief mich mit einem mal eine unfassbare Wärme, der Knoten in meinem Herzen schien sich zu lösen. Zitterte ich? Oder war das flaue Gefühl im Magen eher auf den beginnenden Start zu schieben?

      Ehrlich gesagt bekam ich weiter gar nicht wirklich mit was die beiden zu besprechen hatten. Zu sehr kreisten meine Gedanken um Calebs Worte. Ich ertappte mich dabei wahllos ins leere zu Starren. Ich hasste in diesem Moment was es in mir tat. Es wühlte mich auf. Machte mich Glücklich und Ängstlich. Machte mich aber auch so unfassbar wütend. Wieso passierte das ausgerechnet mir? Mir die ich jahrelang versucht hatte so etwas von mir weg zu stoßen. Fühlte sich so jeder der sein Herz an jemanden verloren hatte?

      Irgendwo in meiner ewigen Starrerei, dem lauschen von Calebs gleichmäßigem Barriton war ich eingeschlafen. Die Momente in denen ich wach war, nicht weiter relevant..ich wechselte höchstens meine Position im Sitz. Zwischendrin hatte ich bemerkt, dass sich die beiden nicht mehr unterhielten. Da wurde mir bewusst wie oft Caleb früher unterwegs gewesen sein musste...er schien ja wirklich den halben Kontinent zu kennen. Mit einem Lächeln schlummerte ich ein letztes Mal davon. Erst das Lachen von Caleb ließ mich wieder wach werden. Ich rieb mir die Augen, unterdrückte ein Gähnen. Draußen war es hell. Schnee lag überall herum.

      Wir trennten uns von Kit, der wir eine gute Reise wünschten. Sichtlich erschöpfte Pferde (was sicherlich auch an der Sedierung lag) , brachten wir auf den Trailer des Fuhrunternehmens. Einen Vorteil jedoch hatte die klirrende Kälte dann doch - sie machte mich wacher. Nachdem wir fertig mit dem Aufladen waren, fühlte ich mich längst nicht mehr so gerädert. Die Straßen waren frei, in nur 20 Minuten würden wir fast da sein. “Es hat schon Vorteile das wir nicht mehr fast 2 Stunden in die nächste größere Stadt fahren müssen.” dabei sah ich aus dem Fenster auf die verschneite Landschaft. Beim letzten Mal hatte noch keiner gelegen.


      Caleb

      Die Verabschiedung von Kit fiel mir doch schwerer, als ich gedacht hatte. Es war immer wieder schön alte Bekannte zu treffen und die alten Zeiten aufleben zu lassen. Eine Person würde ich jedoch nie wieder sehen, diese Zeit würde ich für mich alleine, immer in meinem Herzen tragen. Das konnte mir keiner nehmen, solange ich lebte.

      Die Pferde einzuladen ging sehr schnell, Vulture benahm sich sogar seines Alters entsprechend und machte mir das Leben nicht schon wieder schwer. Ylvi und ich waren todmüde, wobei sie ziemlich wach blieb und nur ich es war, der ständig einnickte und durch eine Kurve oder einen Hubbel in der Straße den Kopf hoch riss.

      Endlich waren wir am Tor zur Ranch angekommen. Bow River Ranch. Es war mit Abstand das schönste Schild, welches ich seit langem gesehen hatte- und dabei gehörte auch das mir. “Oh schau Mal Ylvi, wie schön!”, sagte ich auf einmal hellauf begeistert und klebte mein Gesicht förmlich an die Scheibe, denn links stand meine Rinderherde auf der Weide, während rechts einige Pferde grasten. “Genau so habe ich mir das vorgestellt. Wie toll das aussieht!” Ylvi lachte. “Du kommst ja aus dem Staunen nicht mehr raus.”, murmelte sie und sah zu mir rüber. Ich nickte, noch immer sichtlich begeistert, und schaute dann nach vorne, wo die halbe Ranch schon mitbekommen hatte, dass wir endlich ankamen. Allen voran standen Cayce und Octavia. Letztere mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Das Fahrzeug hielt an und Ylvi und ich stiegen aus. Sofort wurden wir von O umarmt und ich bekam auch einen Kuss auf die Wange. Cayce jedoch kam mit verschränkten Armen auf uns zu. “Tauchst du auch endlich mal auf, du alter Hund.”, sagte er, fing dann an zu lachen und umarmte zu erst mich, dann Ylvi. Auch Dell, Betsy und Murphy umarmten uns kurz, ehe sie das Equipment der Pferde ausluden. Die anderen waren auf der Ranch verteilt und arbeiteten. “Dann komm Ylvi, lass uns unsere Pferde ausladen.”, sagte ich zu ihr, nachdem ich unsere Taschen auf der Treppe zum Haupthaus abgestellt hatte. Die würden wir später wegräumen, die Pferde hatten schon viel zu lange im Trailer gestanden. Nachtschwärmer drückte ich Cayce in die Hand, Vulture lud ich selbst aus, tauschte seinen Transportschutz gegen koppeltaugliches Equipment und brachte ihn dann auf eine der kleinen Koppelstücke, wo die Hengste untergebracht wurden. Auch Nachtschwärmer wurde auf eines der Stücke gestellt. Die Pferde von Ylvi kamen alle zusammen auf die noch freie Weide mit dem Offenstall. “Caleb es gibt noch einiges, dass geklärt werden müsste.”, sagte Cayce zu mir, als wir wieder zurück zum Haupthaus gingen. “Ich weiß. Aber zu erst muss ich ins Bett, das ist der schlimmste Jetlag den ich je hatte.”, sagte ich zu ihm, hob meine sowie die große Tasche von Ylvi auf und ging ins Haus. “Hier hat sich auch einiges getan, aber das zeig ich dir morgen.”, erklärte ich Ylvi. “Lass uns hoch gehen und uns aufs Ohr hauen.” Ylvi folgte mir zielstrebig, wurde dann jedoch langsamer, als ich ihr die Tür zu einem Schlafzimmer aufhielt. “Na komm, stimmt schon alles so.”, sagte ich zu ihr, trat hinter ihr ein und schloss die Tür.


      Ylvi

      Ich war etwas verwirrt..”Ich würd nur schnell mein Zeug in mein Zimmer bringen, dann komm ich wieder her?” ich war halb in den großen Raum hinein gegangen. Hielt dann jedoch Inne...er hatte in einer Art Panoramafenster Ausblick hinaus auf die Weiden der Farm. Es gab bisher noch leere Bücherregale an der einen Wand. Daneben befand sich ein kleiner Ofen. Gegenüber ein Bett das den Ausdruck riesig definitiv verdient hatte. Außerdem gab es auch einen großen Schrank.

      Mir blieb bei dem Anblick schon die Atmung weg...die ganze Einrichtung entstammte dem Landhausstil..war allerdings auch wieder schlicht gehalten. Es stand kein unnützes Dekor umher. Mein Blick wurde wieder gefangen genommen von der Aussicht aus dem Fenster. Dann spürte ich von hinten einen Körper der sich an den meinen schob..Calebs Hände griffen von hinten sanft um meine Hüfte. In dieser Bewegung drehte er uns..er schien sich auf das Fensterbrett gesetzt zu haben. “Du hast mir überhaupt nicht zugehört,oder?” “Mhm?” fragte ich halb da halb im Staunen. Das Lachen aus Calebs Kehle verschaffte mir eine Gänsehaut, wie es sein Atem in meinem Nacken immer tat. Mein Körper dieser ewige Verräter. Dann spürte ich ihn jedoch Seufzen. “Es gäbe schon einen Raum in dem….also.” wieder kurze Stille er druckste, ich wartete wollte ihn nicht stören. Vielleicht ahnte ich auch bereits was er sagen wollte, doch ich wollte es von seinen Lippen hören. Ich wusste wieso ich an ihm lehnte...es würde ihm schwerer Fallen, wenn ich ihm in die Augen sah. “Ich dachte, da wir ja ohnehin schon so oft beim jeweils anderen im Bett schlafen...Ich dachte das hier könnte unser Zimmer sein?” “Ist das etwa eine Frage Mr. O’Dell?”” flüsterte ich heiser. “Befehlen könnte ich dir ohnehin nichts...und ich bin kein Typ der Bettelt...ich denke das weißt du.” Ich schubste meinen Ellenbogen nach hinten. “Och duu!” schimpfte ich wieder. Drehte mich dann um und sah ihn an. “Damit gehen die Gefühlskrüppel wohl ein neues Kapitel an, hm?” Caleb nahm den Kopf schief, zog die Schultern hoch. “Sieht ganz so aus.” Erst wollte ich ansetzen, das ich mir das vor einem Jahr nicht hätte denken können...Wir hatten es nicht angesprochen...aber im Grunde machten wir damit vor der ganzen Ranch Publik das wir ein Paar waren...bzw. Caleb tat dies. Schließlich hatte er das ganze hier eingefädelt. Ich lächelte, umarmte ihn einfach nur und platzierte meinen Kopf an seiner Brust. Allerdings nicht lang bis mich ein Gähnen unterbrach. “Ab ins Bett!” damit packte mich Caleb plötzlich, schwang mich wie einen nassen Sack über seine Schulter und ließ sich dann gemeinsam mit mir auf das Bett fallen. Ich streifte Hose, Socken ab. Befreite mich von meinem BH und zog mir mein Shirt wieder an. Caleb tat es mir gleich, nur blieb er nur in Shorts. Auf einen Knopfdruck fuhr die Jalousie herunter, schlagartig war es dunkel im Raum. Ich fand wie von selbst in seinen Arm, hörte sein gleichmäßiges Atmen. Die Bow River Ranch würde für alle ein neuer Anfang sein. Mit diesem Gedanken schlief ich ein.



      Anfang März


      Caleb

      So langsam kehrte etwas Ruhe ein- wirklich nur sehr langsam. Cayce hatte nach meiner Ankunft sehr viel zu besprechen gehabt. Und wie ich schnell feststellen musste, war noch wahnsinnig viel zu tun, bis wir die Ranch halbwegs fertig nennen konnten. Gerade war es neun Uhr morgens, wir saßen alle in der großen Küche des Haupthauses zusammen und frühstückten. Es hatten sich wirklich alle gut eingewöhnt. Sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner. Dass Ylvi und ich zusammen in diesem Haus und im selben Zimmer wohnten schien niemanden überrascht zu haben. Unser Outing hatte ich mir viel spannender vorgestellt gehabt, als es letzten Endes gewesen war. Betsy hatte heute frei, weshalb ich sie mit Sue zu den Rindern mitnehmen wollte. So zumindest der Plan. “Betsy hast du heute schon was vor?”, fragte ich, zuerst in Richtung Betsy, dann in Richtung ihres Vaters. “Ähm nein, wollte mit Sue ausreiten, sonst noch nichts.”, erwiderte sie. “Das passt doch, magst du mit mir zu den Rindern mitkommen? Sie stehen in Richtung Ferienranch, ist ein Stückchen bis dahin.”, erklärte ich und sah zu Dell, der nickte. Erst dann schaute ich wieder zu Betsy und lächelte sie freundlich an. “Nur wenn Ylvi auch mitkommt.”, sagte sie und schaute mich grinsend an. “Soso.. Ylvi?”, fragte ich in Richtung der jungen Frau gewandt. “Klar, warum nicht.”

      Gesagt, getan. In Windeseile waren Sue, Devil und Inyan geputzt und gesattelt. In den Satteltaschen, die wir allen drei Pferden übergeworfen hatten, war ein wenig Werkzeug für eventuell kaputte Zäune und Thermoskannen mit warmem Kaffee und Kakao für Betsy. “Dann kanns ja losgehen.”, sagte ich und trieb Wimpy an. Mit ihr ritt ich vor, in der Mitte folgte Betsy und das Schlusslicht bildete Ylvi mit Inyan. Im gemütlichen Schritt wateten die Pferde durch den Schnee. Nach einer Weile sah ich die Bäume am Fluss und auch vereinzelte Rinder, die im Schnee nach etwas zu fressen suchten. “Ich muss wohl nachher nochmal neues Heu her fahren.”, sagte ich zu mir selbst und schrieb es auf meine To-Do Liste. Ich musste wirklich so langsam mal anfangen, die Dinge aufzuschreiben. So viel konnte sich ja kein Mensch merken!

      “Und, sind sie nicht hübsch?”, fragte ich Betsy, die mittlerweile neben mir ritt. Auch Ylvi hatte zu uns aufgeschlossen, als ich die Zügel annahm und wir drei stehen blieben. “Die haben ja auch alle weiße Gesichter!”, sagte sie aufgeregt und schaute zu Devil, die ebenfalls ein weißes Gesicht und blaue Augen hatte. “Haben die auch blaue Augen? Oh sag… die müssen blaue Augen haben!”, quasselte sie vor sich hin doch ich schüttelte den Kopf. “Nein, keine blauen Augen.” “Oooooh…”, kam es enttäuschend von ihr, ehe sie den Blick abwandte und ihn über die Herde gleiten ließ. “Kommt, wir reiten zum Zaun und schauen, ob alles in Ordnung ist.”, sagte ich und die beiden nickten, ehe wir uns wieder in Bewegung setzten. Den ganzen Vormittag verbrachten wir hier draußen. Als wir wieder auf der Ranch ankamen, waren wir wahrhafte Eiszapfen. Jesse, Connor und Murphy wurden von mir dazu verdonnert, sich um die Pferde zu kümmern, damit wir reingehen und uns aufwärmen konnten. Wir saßen eine Weile gemütlich vor dem Kamin und schlürften warmen Kakao. Plötzlich sprang ich auf, hastete zum Küchentisch, nahm mir einen Block und einen Stift und fing an zu kritzeln. “Was schreibst du da?”, fragte mich Betsy doch statt einer Antwort bekam sie nur “Schhh.. schh..” zu hören. Auch Ylvi hatte sich zu mir rüber gebeugt und schaute auf den Block. Oben drauf stand in großen Buchstaben: To Do, gefolgt von Spiegelstrichen mit Dingen, die ich erledigen musste. Als erstes stand dort: Rinder Heu. Fett unterstrichen.


      Ylvi

      Ich las die Punkte der Liste durch. “Wie wärs, du die Rinder...und ich kümmer mich um Punkt vier?” Die Stuten umweiden?” Ich hing halb über seiner Schulter, sah wie er die Hand hob und unleserlich daneben krackelte: Ylvi.

      Gut damit schien die Aufgabe wohl verteilt zu sein. “Oooh darf ich helfen?!” sah mich Betsy bittend an. Ich plusterte die Backen auf. Klar, Hilfe wäre nicht schlecht. Allerdings hatte ich dabei eher an jemanden wie O gedacht...oder Cayce. “Meinetwegen kannst du mit kommen.” sagte ich schließlich mit den Achseln zuckend. Wieder angepellt vor der Tür liefen wir jedoch Louis in die Arme. “Louis!” rief ich aufgeregt, lief dem Indianer entgegen und umarmte ihn stürmisch. Erst dann nahm ich Lilly wahr. Neben ihr stand ein wütend drein blickendes Kind, das mir allerdings schon fast bis unters Kinn ging. Seine Haare waren anders als die von Louis kurz, standen in alle möglichen Richtungen ab. Unverkennbar schien das Tschetan zu sein. Ich winkte ihm zu, erhielt jedoch keine Antwort. Halb hinter Lilly stand ein Mädchen, ihre Haare befanden sich in zwei geflochtenen Zöpfen. Mit einer Hand klammerte sie sich einen Stoffhasen vor die Brust die andere hielt sich an Lillys Hand fest. Scheu sah sie hinter dem Rücken der jungen Frau hervor. Ich umarmte also Lilly weitaus weniger stürmisch. Sah dann zu dem Mädchen. “Hey..ich bin Ylvi. Louis hat dir vielleicht schon von mir erzählt?” Schweigen. Ich deutete auf Betsy neben mir. “Schau...das ist Betsy. Sie müsste in deinem Alter sein.” wieder keine Antwort, nur diese unglaublich traurigen Augen die mich anstarrten...dann hinüber zu Betsy. “Sie spricht nicht”, seufzte Lilly leise. “Wieso spricht sie nicht?” plapperte Betsy. Rein aus Reflex schubste ich ihr an die Schulter. “Aber sie hat Ohren die hören. Sprich nicht als wär sie nicht da!” tadelte ich das Mädchen. Gosh, ich war nicht ihre Mutter! Augenblicklich tat mir mein Verhalten leid. Betsy sah auf den Boden. Ich drehte mich halb zu Louis. “Caleb ist drinnen. Er wollte zwar noch Heu fahren, aber ich denke ihr habt noch viel zu besprechen. Lilly , wenn du möchtest kannst du die Kinder rein bringen?” “Ach...die beiden wissen sich meistens ganz gut zu beschäftigen. Kann ich dir helfen?” Das Angebot kam mir fast wie gelegen. “Das kannst du tatsächlich!Betsy und ich wollten gerade die Pferde holen um die Stuten umzuweiden. Wir könnten dich auf Ravn packen. Eine Hand mehr ist sicher nicht schlecht.”

      Tschetan schien an sich zwar ein wenig seltsam wütend auf alle, doch er nahm seine kleine Schwester pflichtbewusst unter seine Hand. Ich bot ihm an auch ins Haus hinein zu gehen falls ihnen Kalt wurde.

      Im Stall kam mir Cayce entgegen. “ Cayce! Warte mal eben. Die neue Verstärkung ist da, Louis ist gerade bei Caleb. Was hattest du gerade vor?” “Futter ist fertig...ich wollte Heu zur neuen Stutenweide bringen.” “Prima, wenn du eh im Traktor hockst, bringst du auch was bei den Rindern vorbei? Hatte Caleb vor, aber ich weiß nicht wie lange er dafür braucht.” Cayce fasste sich an den Hut, nickte “Aye Chefin.” drehte bei und ging. Dabei hatte er nicht spöttisch geklungen. Chefin? Perplex sah ich ihm nach. Schüttelte dann den Kopf. Lilly und ich halfen Betsy beim Sattel von Sue, denn so ganz allein hievte sie den Sattel noch nicht auf den Rücken der Stute. Für alles andere behalf sie sich mit einer kleinen Trittleiter.


      Caleb

      Ich hatte Ylvi und Betsy leise bis zur Tür gehen hören, dann jedoch mischten sich vertraute Stimmen unter die Ihren. Louis war wohl da. Auf die beiden Kinder war ich ja wirklich sehr gespannt. So würde etwas mehr Leben auf den Hof kommen- und mehr Arbeit natürlich, bei drei Kindern- und Lilly.

      Das seltsame Gespann bestehend aus Louis, Tschetan und Kaya kam zu mir ins Wohnzimmer. Ich stand auf und fiel zuerst meinem alten Freund in die Arme. “Hallo Louis.”, sagte ich und klopfte ihm auf den Rücken. “Hallo ihr zwei, ich bin Caleb.”, stellte ich mich vor und blickte freundlich zu ihnen runter. “Ihr könnte gerne raus gehen und euch ein wenig umsehen. Kommt nur wieder rein, wenn es zu kalt wird.”, sagte Louis zu den Beiden, welche nickten und dann aus dem Raum verschwanden. Louis derweil setzte sich aufs Sofa, nahm sich ebenfalls eine Tasse Kakao. “Habt ihr den Flug gut überstanden?”, fragte ich ihn, und er nickte. “Die Kinder haben zum Glück fast die ganze Zeit geschlafen, Kaya ist noch ängstlicher, als sie es ohnehin schon ist.”, antwortete er und ich nickte. “Ist auch für sie eine große Umgewöhnung.”, meinte ich und legte meinen Notizblock zur Seite. “Eigentlich solltet ihr ja auf die kleine, alte Ferienranch ziehen. Zusammen mit Dell und Betsy. Nun ist es aber so, dass die Häuser noch nicht ganz fertig sind. Einer der Bungalows ist fertig, da sind zwar nur drei Schlafzimmer, aber eines mit Doppelbett. Da könntet ihr übergangsweise wohnen. Tschetan und Kaya zusammen? Dann müsste es passen.” “Klar, das ist kein Problem. Wo wohnen denn die anderen?” “Verteilt auf der Ranch. Octavia wohnt im Moment mit Travis hier, die anderen in den restlichen, halbfertigen Häusern. Hat alles doch ein bisschen länger gedauert.”, erklärte ich. “Wenigstens machen sie im Stall große Fortschritte, die 30 Außenboxen sind schon so gut wie fertig, sie mussten jetzt aufhören zu bauen wegen dem plötzlichen Schnee. Aber noch ein paar Dachplatten dann können wir Pferde dort hinein stellen.”, sagte ich zu ihm und er nickte.

      Gerade, als ich zu einem neuen Satz ansetzen wollte, kam Cayce ins Wohnzimmer. “Du könntest echt mal auf dein Handy schauen. Du musst jetzt die Arbeiten offiziell verteilen, nicht nur unter der Hand.”, grummelte er und umarmte Louis kurz. “Was ist denn?”, fragte ich ihn. “Ich habe dir geschrieben, dass Ylvi mich abgefangen hat und gefragt hat, ob ich auch Heu zu den Rindern bringen soll. Wollte ich jetzt machen, aber von dir wollte ich wissen ob ich ihnen auch Stroh mitnehmen soll, da wir dringend neues Heu bestellen müssen und die Kühe das Stroh besser vertragen als die Pferde.”, quatschte er drauf los. “Ja, ist gut. Ich schreibs mir auf mit dem Heu.”, antwortete ich ihm, bevor er wieder nach draußen ging. “Chef zu sein ist schon etwas anderes, als Chef zu spielen.”, lachte Louis, während ich auf meinem Block herum kritzelte. “Oh ja, wem sagst du das.”

      Wir redeten noch eine Weile über die Arbeit auf der Ranch, und dass er sich einfach zunächst einmal einbringen solle, wo immer er Arbeit sehen würde. Die persönlichen Aufgaben würden nach und nach dazu kommen. Da ich Wert darauf legte, jeden Morgen zusammen hier zu frühstücken, hatte ich die jeweiligen Listen mit den täglichen Aufgaben in den Flur gehangen. So sah sie morgens jeder und konnte seinen Namen hinter eine Aufgabe schreiben. “Ich werde dann mal sehen, wo die zwei Kinder abgeblieben sind.”, sagte Louis. “Wenn du sie hast komm nochmal her, ich zeige euch den Bungalow.”, bot ich ihm an doch er winkte ab. “Wir finden den schon.”, meinte er und verschwand dann auf dem Hof.

      Wieder zurück im Wohnzimmer schnappte ich mir den Hörer und rief bei einem Heulieferanten an, bei dem Verena auch immer Futter besorgt hatte. Wir hatten Glück und er konnte sogar heute noch liefern. Den Rest des Tages verbrachte ich zusammen mit Murphy und Travis damit, die kleinen, eckigen Heuballen vom Laster in die Scheune zu werfen und zu stapeln. Die großen Rundballen luden wir mit dem Traktor ab und stapelten sie in der Halle nebenan. Gegen Abend löste sich der Trubel auf dem Hof auf. Ich stand vor dem großen Fenster im Schlafzimmer und sah über den Hof. Hier war es wirklich wunderschön. Ich war gespannt, wie es hier aussehen würde, wenn alles zu blühen anfängt.



      Ylvi

      Nachdem wir uns damit vergnügt hatten die Stuten auf die andere Weide zu bringen, war es etwas schwierig gewesen Betsy los zu werden. Nicht, dass mir das Kind auf die Nerven ging...sie erledigte ihre Aufgabe zusammen mit Sue ja wirklich gut. Allerdings schien Lilly irgendwas auf der Seele zu brennen. In Gegenwart des Kindes schien sie keine Worte an mich richten zu wollen. So war die Arbeit schweigend verlaufen, abgesehen von den Berichten Betsys über den Umzug, die ersten Wochen und natürlich ihre neue Schule. Als wir Kaya allein über den Hof hatten schlendern sehen hatten Betsy die Gelegenheit genutzt um vielleicht Freundschaft zu schließen. Lilly hatte ihr erklärt das Kaya ein bisschen anders war, nicht sprach. Betsy hatte die Nachricht nickend aufgenommen und war anschließend davon gelaufen.

      “Louis wird es nicht einfach haben.” seufzte Lilly als sie Betsy hinterher sah. “Ich hab mich ja bisher nicht getraut zu fragen…” erwähnte ich ohne eine direkte Frage zu stellen. “Kaya war dabei als ihre Mutter sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Tschetan hat sie gefunden. Kaya hat seitdem kein Wort gesprochen. Die Ärzte sprechen von Mutismus. Irgendwann wird sie schon wieder anfangen...aber so ängstlich wie sie auch ist. Vielleicht tut es ihr ganz gut zusammen mit Betsy zur Schule zu gehen, oder die Ranch an sich. Aber ich mach mir schon Sorgen um Louis. Er hat so viel getan für mich...jetzt schickt er mich zur Uni und soll mit den Kindern allein bleiben?” “Calgary ist nicht weit fern...ruf mich an und ich hol dich ab. Außerdem geb ich dir das versprechen öfter mal nach ihm zu schauen,ja?” Ich hatte sie in den Arm genommen. Allerdings hatte ich auch keine Ahnung. Wie brachte man ein Kind dazu zu sprechen nach so einem Erlebnis? Vor allem aber auch in Anbetracht der Dinge die das Kind ja auch vorher bereits erlebt haben musste. Betsy schien Kaya die Ranch zu zeigen. Mehrere Male kamen sie an uns vorbei. “Betsy? Komm mal rüber.” rief ich, winkte sie heran. “Fylgia ist heute noch nicht bewegt worden. Wenn ihr wollt könnt ihr mit ihr eine kleine Runde um die Koppeln machen. Ich denke auch Kaya wird ihre Freude haben.” Damit hatte ich dann auch meine Ponystute an Bewegung für diesen Tag abgespeist. “Oh können wir mit Halsring raus?” Ich schüttelte den Kopf. “Auf dem Platz irgendwann anders...aber noch kennt sie ja nicht viel von der Umgebung. Nimm bitte das Sidepull.” Damit verschwanden beide Kinder, Betsy nahm Kaya vertrauensvoll an der Hand. Als sie uns später begegneten, sahen wir eine lächelnde Kaya auf dem Rücken meiner Ponystute, Betsy führte sie am Zügel. Kaya drückte noch immer mit einer Hand den Stoffhasen an ihre Brust. Lilly schluckte schwer, lächelte dann aber seelig. “Andere Kinder werden ihr gut tun. So quirlig wie Betsy ist.” “Vor allem haben sie auch eines gemeinsam. Auch Betsy hat vor einiger Zeit ihre Mutter verloren...sie kennt den Schmerz der damit einher geht.” sprach ich traurig. Lilly antwortete nichts darauf. Wir halfen noch dabei die Rundballen zu verstauen. Anschließend verzog ich mich für einige Stunden in mein Büro im Haupthaus. Caleb hatte es mir einrichten lassen...es war klein, aber die Aussicht in Richtung der Berge war toll. Die neue Website für die Bow River Ranch war an der Reihe. Ich hätte natürlich die alte einfach wiederverwenden können. Aber mir war nach etwas neuem gewesen.

      Es war bereits 21 Uhr als ich mich von der Arbeit lösen konnte, draußen strahlte mir der abnehmende Mond entgegen. Wie üblich wenn Schnee lag erschien der Nachthimmel in einem dunklen Rot. Ich schaltete den PC aus, schnappte mir mein Handy und schlenderte durch den Flur die Treppe hinauf in das Zimmer das ich mir mit Caleb teilte. Es fühlte sich mittlerweile ganz normal an. Für Aufregung hatte das Outing nicht wirklich gesorgt….ganz so als wäre es den anderen bereits klar gewesen. Ich blieb im Flur noch einmal stehen...schaute aus dem Fenster auf den Hof. Von hier aus konnte ich Licht im Bungalow sehen in dem Dell, Betsy und nun auch Louis und seine Familie untergebracht waren. Bisher hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet...aber mein Versprechen auf Louis acht zu geben...auf die beiden Kinder. Es jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich konnte es nicht zuordnen, wandte meinen Blick ab und ging hinauf. Als ich die Tür hinter mir schloss sah ich Caleb am Fenster stehen, das Feuer loderte im Kamin. Kurz war ich versucht “Ich bin zu Hause Liebling” spöttisch zu sagen, dann lächelte ich ihm einfach nur zu. Caleb löste sich vom Fensterbrett, zog mich an der Hüfte zu sich und küsste mich. “mhm..das wollt ich den ganzen Nachmittag tun.” murmelte er. Welch seltsame Worte von ihm...und da war er wieder, der Schauer an meinem Rücken.
    • Ravenna
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      Wasserspiele | Ravenna | 26491 Zeichen
      “Ich denke Caleb ist beruhigter das du dich für Fylgia entschieden hast als für deine anderen Chaoten.” “Hey, bei unserem Ritt bin ich doch auch Ravn geritten!” empörte ich mich über die Worte von Louis. Der grinste wie immer nur breit, klopfte mir auf den Oberschenkel.
      Damit wandte ich mich von ihm ab, lehnte mich leicht nach vorn was Fylgia verursachte im Schritt den Platz zu betreten. Es war noch recht kühl für wasserspiele, daher hatte ich beschlossen nicht allzu viel Wasser verkippen zu wollen. In wie weit der Plan aufging würde sich direkt zeigen. Ein Helfer drückte mir einen Alubecher mit Wasser in die Hand. Die Aufgabe war klar, zwischen allen Pylonen etwa knapp 10 Meter. Einhändig Ritt ich also locker bis zur zweiten. Anschließend nahm ich die zweite Hand auf den Becher, rahmte Fylgia mit meinen Beinen ein, gab ein Klicken von mir und die Stute wechselte in ihren gemütlichen Jog. Hierbei machte sich unser Halsringreiten doch mehr als bezahlt. Die Hand fest auf den Rand des Bechers gepresst, gab ich Fylgia an Pylone drei Küsschen und meine Stute galoppierte locker an. Angehalten, Wasser aus dem Becher in den Messbehälter kippen. Na das war doch gut gelaufen.
      Mit dem Becher in der Hand ritt ich zur kleinen Leiter. Fylgia ließ sich zunächst ein wenig bitten. Ich starrte auf den Becher, den Eimer und die Leiter am anderen Ende. “Aufgabe ist also den Eimer da hinten auf Zeit zu füllen?” der Helfer nickte, hob die Stoppuhr als Zeichen das er gleich die Zeit nehmen würde. Ich grinste breit, ritt wieder an den Eimer, warf den Alubecher ins Wasser, griff mir den Henkel. Fylgia ließ ich antraben bis zum Ende des Platzes und kippte den Inhalt meines Eimers bis zur Markierung. Dabei hatte ich zwar einiges an Wasser auf die Hose bekommen, aber die Markierung zumindest erreicht. Also ich fand meine Auslegung der Aufgabe prima.

      Als drittes erwartete uns das Apfelfischen. Ich nahm Fylgia des Bosal vom Kopf, sie schüttelte sich ausgiebig. Vor uns zwei Bottiche in denen jeweils etwas einsam ein Apfel schwamm. Fylgia schnaufte, ich musste ihr den Apfel erst zeigen. Allzu Wasser liebend war sie nicht, aber hier siegte deutlich ihre Verfressenheit. Behände fischte sie den Apfel, auch ich stupste ihn mit der Nase zum Rand des Bottichs, fixierte ihn und biss hinein. Anschließend durften wir den Platz wieder verlassen, während die Helfer wieder umbauten und das Wasser im Messbecher kontrollierten um mir meine finale Zeit zu berechnen. Fylgia folgte mir ohne Hilfsmittel auf dem Fuß sabberte dabei noch genüsslich den Apfel. Ich hingegen kaute angewidert auf meinem herum. Mehlig. Louis kam mir entgegen, erinnerte mich daran mein Pony vielleicht mal an den Zügel zu nehmen. Ich hingegen streckte ihm den Apfel hin “Hunger?” der schwarzhaarige nahm ich Schulterzuckend entgegen, biss hinein. “Und? Wie hast du abgeschnitten?” ich zuckte mit den Schultern. “Das werd ich später erfahren.”

      _____

      Apfel kauend ging Louis vor mir her, an seine Seite klammerte sich Kaya. Ich seufzte, mir tat das Mädchen irgendwie Leid, sie schien sich nicht wohl zu fühlen in ihrer Haut. All die Menschen schienen ihr nicht geheuer, dabei war das Turnier gar nicht so sehr besucht. “Kaya?” das Mädchen sah zu mir auf, ich nickte auf Fylgia. “Willst du aufsteigen?” ihr Gesicht erhellte sich, ein scheues Nicken des Mädchens. Behände half ich ihr in Fylgias Sattel, Kaya griff behände in die Stehmähne meiner Stute. Louis hatte angehalten, wartete bis ich zu ihm aufgeschlossen hatte und gemeinsam suchten wir den Weg in Richtung des Trailers. “Danke” sprach er außer der Hörweite des Mädchens, zwinkerte mit den Augen und lief voran. Ihm fiel es nicht leicht mit Kaya umzugehen. Tschetan hatte sich schnell an das Leben auf der Ranch gewöhnt. Neben der Schule in Calgary half er so oft es ihm möglich war mit den Pferden. Er sprach wenig, hatte stets ein Auge auf seine jüngere Schwester. Allerdings war er ein guter Reiter. Für die Arbeit hatte ich ihm Inyan zur Verfügung gestellt. Mit nunmehr 5 Pferden war ich schließlich gut ausgestattet. Sogar Ravn wurde nun immer öfter zur Rancharbeit eingesetzt. Caleb hatte daran nicht wirklich geglaubt, anders Louis der sich den gewitzten Wallach oft aus der Herde nahm. Anfangs hatte mich das verwundert….wir waren schließlich eine Ranch, mit Quarter Horses bereit für die Arbeit an Rindern und Co mangelte es nun wahrlich nicht. Louis schien allerdings gefallen an dem mutigen Wallach zu haben. Eine Herausforderung stellte er zumindest dar - das war auch was Louis nach vorn trieb.

      “Jetzt musst du mir aber noch erklären wieso du eigentlich mich hierher geschleift hast.” sprach Louis als wir dabei waren Fylgia wieder abzusatteln. Ich sah ihn über den Rücken der Stute verwirrt an, zuckte die Schultern. Zunächst hatte ich Caleb fragen wollen, allerdings war er gut eingespannt in die Geschäfte rund um die Ranch. “Damit du endlich mal wieder raus kommst. Dachte das sei offensichtlich.” Louis legte nur den Kopf schief. “Na..in letzter Zeit hast du entweder Arbeit im Kopf..oder eben die beiden Kinder.” “Ich bin Lakota...wir lieben Kinder.” brüskierte sich Louis direkt. Ich verdrehte die Augen. “Das ist ja auch per se nicht schlecht...aber andere Menschen treffen auch nicht.” ich zwinkerte, zog an dem Sattel und verstaute ihn im Trailer.

      Zwei Stunden später befanden sich beide Kids wieder auf der Rückbank, Kaya spielte mit der Schleife die Fylgia bekommen hatte. Zweiter Platz war es geworden. Im Rückspiegel hatte ich beide gut im Blick. “Wer hat alles Hunger?” kam es von Louis während wir Richtung Calgary unterwegs waren. Ich dagegen sah ihn entgeistert von der Seite an. “Wir können doch auf der Ranch essen.” währenddessen verstummte der Jubel aus dem hinteren Bereich des Wagens von Tschetan. “Der Junge steckt in der Pubertät, der braucht das.” “Wir haben ein Pferd auf dem Hänger!” Das wurde übergangen...stattdessen sah ich uns im nächstbesten Moment auf den Parkplatz von McDonalds fahren. Wir nahmen deutlich mehr als 5 Parkplätze ein. Ich starrte Louis entgeistert an. Da beugte sich Tschetan von hinten vor, grinte…”Das ist Amerika” klopfte mir auf die Schulter und sprang aus dem Wagen. In Gedanken an meinen armen Gaul hinten im Trailer folgte ich der Meute hinein. Der Geruch nach Pferd wechselte zu dem von alten Fritten. Tolle Kombination! Das drehte mir fast augenblicklich den Magen um. Ich bestellte mir also nur Salat. Während sich Tschetan vor mir tatsächlich 6 Cheeseburger einverleibte. Kaya glücklich an Pommes nagte. Louis hatte ungefähr die selbe Menge an Cheeseburgern die sein Neffe verdrückte vor sich liegen, hielt mir einen hin. “Keinen?” Vehement schüttelte ich den Kopf. Spähte eher an ihm vorbei auf den Parkplatz - na immerhin gab es auch hier gläserne Sitzecken. Im Trailer schien sich nix zu bewegen. An diverse seltsame Anblicke hatte ich mich ja durchaus schon gewöhnt. Was teilweise auf den Straßen fuhr, hätte jedem TÜV Prüfer den Boden fort gezogen. Da wurden Autotüren schonmal mit Holz ersetzt. Oder ein Pick-Up derart mit Heu beladen das der Fahrer eigentlich gar nicht vorhanden war. Heckscheiben mit Klarsichtfolie ersetzt...und das Alter mancher Wagen war auch jenseits von Gut und Böse. Dabei blitzte der rote, halb rostige Pick-Up von Caleb in meinen Gedanken auf. Auf deutschen Straßen wäre der längst nicht mehr zulässig. Mit angeregter Unterhaltung vergass ich zumindest bald wo wir hockten, das mein Pferd da allein im Hänger stand. Tschetan hielt sich aus dem meisten raus, wie immer. Zurück im Wagen schob Louis auf bitten von Tschetan die CD von Frank Waln ins Radiofach. Somit verbrachten sie die letzte Dreiviertelstunde mit den Rapp-Gesängen des Native Rapers. Während ich anfangs noch versuchte den Texten zu lauschen, überkam mich schnell die Müdigkeit.


      “Schlafmütze...wach werden.” weckte mich Louis Stimme.Mein Nacken tat weh, der Mund war trocken. Außerdem war es Dunkel. Wie lange hatte ich geschlafen? Zerknirscht starrte ich ihn an. “Wir sind vor einer Stunde angekommen. Ich dachte zu wirst wach...aber bist du nicht. Fylgia ist versorgt, alles verstaut und der Trailer auch wieder ab.” Eine Erwiderung sparte ich mir, seufzte nur, rieb mir die Augen. “Danke.” murmelte ich. Louis hielt die Tür des Wagens fest, ich kroch vom Beifahrerplatz. Noch war die Hütte oben am Hügel nicht fertig, daher wohnten Louis und die Kinder immernoch in einer der Ferienwohnungen. Im Haupthaus war im Arbeitszimmer Licht zu sehen. Also schien Caleb noch mit Rechnungen beschäftigt. “Dann sehen wir uns morgen.” verabschiedete sich Louis. Da ging plötzlich die Tür zur Veranda auf, Kaya kam im Morgenmantel die Treppe hinunter. In der Hand hielt sie ein Buch, streckte es mir entgegen. Bei einem meiner Besuche hatte das Mädchen einen Albtraum gehabt..Caleb war mit hier gewesen. Louis war es nicht gelungen die Kleine zu beruhigen. Da hatte ich eines der Bücher aus der Bibliothek geholt, mich zu ihr ins Bett gesetzt und ihr eine Stunde vorgelesen bevor Kaya endlich zur Ruhe kam. Die Nacht war ruhig verlaufen. Von Zeit zu Zeit jedoch kam sie, genau wie jetzt, mit einem Buch auf dem Arm zu mir um vor dem Zubettgehen eine Geschichte zu hören. In mir kämpfte es, denn eigentlich wollte ich einfach nur ins Bett. Ich wusste auch gar nicht wann in in den vergangenen anderthalb Monaten so mütterlich geworden war. Aufgrund ihrer Geschichte jedoch fiel es mir schwer Kaya einen Wunsch zu verweigern. Also lächelte ich, nahm das Buch. “Aber erst wenn du dir die Zähne geputzt hast!” forderte ich sie auf. Begeistert nickte sie, verschwand dann wieder ins Haus. “Du musst das nicht machen.” “Kannst du ihr Wünsche abschlagen?” “Schwer.” gab Louis grinsend zu. “Dieses Leuchten in den Augen das sie dann immer bekommt. Ich hoffe einfach das es Teil von ihr wird. Irgendwann fängt sie dann schon allein an zu sprechen.” flüsterte er. Ich sah auf das rote Cover des Buches “Gift Horse” stand darauf. Ich hatte es in einem Antiquariat gefunden. Ich hatte bereits etliche Male daraus vorgelesen.

      Mit einer Decke bewaffnet setzte ich mich an das Bett zu dem Mädchen. Gerade als ich zu lesen beginnen wollte klopfte es an der Tür. Tschetan steckte den Kopf durch die Tür. Seine Finger griffen nervös nach dem Rand der Tür. Er sprach nicht aus was er wollte, seine Augen lagen nur auf dem Buch. Ich hob es an. “Möchtest du zuhören?” Tschetan nickte, fast scheu gesellte er sich in das Bett dazu. Kaya hob den Kopf, tat so als würde sie Zähne putzen und zeigte zerknautscht auf ihren Bruder, anschließend verschränkte sie die Augen. Ich musste Lachen, sah den Jungen an. “Hast du?” Tschetan regte seinen Rücken, nickte. “Dann riecht dein Atem also nach Minze?” Tschetan antwortete nicht, flitze aus dem Zimmer und ich hörte wie sich quietschend die Tür zum Bad öffnete.

      Erst dann kam der Junge zurück, verzog sich unter die Decke seines Bettes. Ich musste innerlich wehmütig Lächeln. Bisher hatte er sich nicht dazu getraut..es schien als würde ich langsam sein Vertrauen bekommen. Hatte ihre Mutter ihnen überhaupt je vorgelesen? Oder hatte sie ebenfalls zu den etlichen Analphabeten gehört? Ich schob diese Gedanken fürs erste beiseite. Laß den ersten Absatz, besah mir die schönen Zeichnungen ehe ich mit der zweiten Seite fort fuhr.


      “This, my son, is the horse for a boy who is becoming a man . . . and a
      Lakota Warrior,” he said. As the young horse came forward, she nickered
      and stamped her hooves. She tossed back her head and perked up her ears.
      She was the blue-gray color of a thunderstorm, and her back was a blur of
      white spots, like hailstones raining down.“


      Kaya gähnte leise. “Es ist gut das wir jetzt hier sind.” flüsterte Tschetan “Wir sind Lakota...wir sind Horsemen. Genau wie Flying Cloud. Anders als damals...aber hier reiten wir, gehen zur Schule.” ich setze mich auf seine Bettkante, das Gesicht des Jungen war Ernst. Kaya sah müde zu ihrem Bruder. “Wie Flying Cloud könnt ihr den Pferden vertrauen. Jedes einzelne dort draußen kann eure Geheimnisse bewahren. Ich selbst vertraue sie ihnen von Zeit zu Zeit an. Niemals werden sie diese weitergeben..” Erst als ich das Licht löschte fiel mir der Spalt von Licht aus dem Flur auf. In der Tür lehnte Louis. Ich ignorierte ihn fürs erste. Zog Kaya die Decke bis zum Kinn, strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Müde kuschelte sie sich in die Kissen. Aus der Dunkelheit sah mich Tschetan verschlafen an, dann lächelte er “Philámayaye” Danke, flüsterte er. Für die Kinder war das ein aufregendes Wochenende gewesen. Mit den Händen wedelnd scheuchte ich Louis aus dem Weg, schloss hinter mir leise die Tür. Zumindest quietschte sie nicht wie die des Bads. Wir sprachen nicht als wie den Flur hinab gingen. Auf dem Flur befand sich auch das Zimmer in dem Betsy schlief, wie es schien auch schon ihr Vater. Er war nämlich nirgends zu sehen.

      In der Küche angekommen nahm ich mir nach dem Vorlesen erst einmal ein Glas Wasser. “Die beiden haben langsam wirklich einen Narren an dir gefressen.” “Ich hoffe nicht zu sehr.” seufzte ich, stellte das Glas ab und ging hinüber zum Herd, spähte in die Dunkelheit des kleinen Fensters, durch welches ich nur sehen konnte, wenn ich mich auf die Zehenspitzen stellte. “Wieso?” stellte Louis seine verdutzte Frage. “Sie sollten dir vertrauen...nicht mir…” ich stellte mich wieder auf die Hacken. “...ich bin nicht ihre Mutter...oder mit ihnen Verwand. Das wäre falsch.” Plötzlich spürte ich Louis hinter mir, mein Griff an das Armaturenbrett des Herds wurde fester. “Du wärst ihnen eine gute Mutter.” seufzte Louis gefährlich nah an meinem Ohr. “Louis..” hauchte ich. Sonst versetzte mich nur Caleb in solche Gefühlslagen! Ich drehte mich um, sah in sein zerknauscht, gequältes Gesicht. Doch seine Augen brannten sich in meine. Der Kuss der folgte war federnd, sanft und bittend. Louis drängte sich nicht an mich, hielt mich nur an der Hüfte. “Nicht.” Wieso kostete es mich so viel den Kopf abzuwenden? Ich unterbrach nur den Kuss, seine Hand lag an meinem Hals. Unsere Lippen berührten sich nicht, aber seine Stirn lag an der meinen “Thečhíȟila” flüsterte er...es war Lakota, trotzdem ahnte ich seine Bedeutung. Mir rann eine Wange unter den geschlossenen Lidern hervor. “Ich sollte gehen.” “Bleib” bat mich Louis. Meine Hände schoben sich auf seine Brust, schoben ihn von mir fort. “Wieso...wieso jetzt?” hauchte ich schockiert...vor allem von dem Sturm der in mir tobte. “Jetzt wo sich Caleb dazu bewegt hat eine Beziehung einzugehen.” schluchzte ich halb. “Ich wollte dich schon bei unserem Ausflug in die Berge küssen..aber dann...und danach? Caleb war so besorgt. Ich konnte es nicht.” “Und jetzt? Meinst du jetzt ist es weniger schlimm?” “Ich bin auch nur ein Mann.” “Das ist eine schlechte Entschuldigung...du weißt das ich ihm das nicht verheimliche? Er wird dich hassen.” “Das hab ich womöglich verdient.” Mir blieb der Kloß im Hals stecken, weitere Worte...ich musste die Luft anhalten um nicht noch mehr zu weinen. Ich flüchtete aus dem Haus.

      Da ich so wie ich war nicht ins Haupthaus wollte flüchtete ich über den Hof in den Offenstall meiner Ponys. In der Dunkelheit erkannte ich zunächst nicht um welches meiner Fleckentiere ich meine Arme warf. Aber die wuschelige Mähne verriet mir das es Inyan war. Ausgerechtet er huschte es in meine Gedanken, dann schluchzte ich laut auf...schnappte nach Luft, weil ich in den vergangenen Minuten nicht vernünftig geatmet hatte. Ich war vollkommen verwirrt. Ich mochte Louis, die Art wie wir miteinander umgingen...die Art wie er mich fühlen ließ. Ich liebte Caleb, akzeptierte ihn mit all seinen Facetten. Der Kuss hatte daran nichts geändert. Er hatte mir jedoch auch eine andere Möglichkeit offenbart. Eine Möglichkeit die ich zuvor von mir gedrängt hatte, vehement sogar. Jetzt war sie in meinen Gedanken. Sogar noch mehr, ich spürte Louis Lippen noch auf den meinen. “Und ich fand es toll.” wisperte ich in das Fell an Inyans Hals. Wieder eines jener Geheimnisse die nur meine Pferde kannten. Gweny schob sich an Inyans Seite, über seinen Hals schnubberte sie in meinem Gesicht, dann spürte ich ihre warme Zunge im Gesicht. Ich schob sie sanft beiseite, kraulte ihre Nüster unter dem Kinn - eine ihrer Lieblingsstellen. Wäre es nicht mitten in der Nacht gewesen, dann hätte ich jetzt wohl einen Ausritt unternommen. So beruhigte ich mich langsam zwischen den Pferdeleibern, wischte die Tränen fort. Atmete tief durch.
      Ich war noch nicht in der Fassung ins Haus zu gehen, allerdings war mir mittlerweile einfach arschkalt. Das Zimmer das ich mir mit Caleb teilte war nun beleuchtet. Mein erster Weg führte mich unter die Dusche...das brachte mich zumindest wieder auf normal Temperatur. Meine vollkommen geröteten Augen konnte ich so vielleicht mit “Seife in die Augen gekriegt” erklären. Allerdings stand mir auch noch bevor Caleb von dem Kuss zu berichten. Keine Lügen. Das war unsere Vereinbarung gewesen...von Anfang an. Dazu gehörte für mich auch das Verschweigen von Dingen.

      Das Handtuch als Turban, ein Handtuch um mich geschlungen wappnete ich mich dafür Caleb zu begegnen. “Da bist du ja.” waren die Worte die mir entgegen kamen als ich in den Raum kam. “Ich hatte euch schon vor geraumer Zeit ankommen sehen. Wie ist es gelaufen?” nur Neugier schwang in seiner Stimme mit. “Zweiter Platz, ich war ganz zufrieden mit Fylgia. Das wir nicht Publikumsliebling werden hab ich mir fast gedacht. Ich glaub für die nächste Zeit nehm ich Fylgia aus den ganzen Turnieren raus. So richtig fühlt sich das nicht an.” Während ich sprach entledigte ich mich des Handtuches und zog mir mein Schlafzeugs an. Das feuchte Handtuch hängte ich anschließend über einen der Stühle im Raum. “Mir war so als hätte ich euch schon vor zwei Stunden gesehen?” ich bejate Calebs Frage. Schlüpfte dann zu ihm unter die Decke. “Ich bin auf der Fahrt eingeschlafen..Louis hat mich erst geweckt als alles verstaut war. Als ich ins Haus wollte kam Kaya. Den Wunsch ihr aus einem Buch vorzulesen hab ich ihr nicht abschlagen können.” Caleb legte den Arm um mich, mein Kopf kam auf seinem Bauch zum liegen. Meine Atmung verschnellerte sich wieder, reflexartig gnibbelten meine Fingernägel an der Haut um meine Nägel. Wie fing ich am besten an? “Und?” “Wie...und?” seine Hand drehte meinen Kopf , so schaute ich ihn von unten her an. “Du führst dich mal wieder auf wie ein verschrecktes Reh. Ich kenn dich langsam gut genug.” Ertappt...für Caleb war ich ein offenes Buch. Es brauchte für ihn nicht viel um mich zu lesen. Dabei hatte ich stets gedacht ein Meister darin zu sein meine Gefühle zu verbergen. Illusionen, alles Illusionen. Ich öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Hör auf Karpfen zu spielen! “Ja, Bitte?” Wir sahen uns in die Augen. Dann hörte ich meine Stimme wie aus der Blechbox. “Louis...er, nein, wir...haben uns geküsst.” Es folgte eine körperliche Reaktion, sein Bauch spannte sich an. Ich konnte sehen wie sein Kiefer zu mahlen anfing, hörte das leise Knirschen seiner Kiefer. Die Hand die meinen Kopf zuvor gedreht hatte, lag noch immer in meinem Schlüsselbein, halb um meinen Nacken gelegt. Sie zuckte, als wolle sie sich zur Faust ballen. Das alles passierte im Bruchteil weniger Millisekunden. Wir sahen uns noch immer an. Ich spürte wie mir wieder eine Träne entwich. Ich hatte erwartet er würde Augenblicklich aufspringen, hinüber zu Louis laufen und ihm eine runterhauen. Er hielt allerdings Überraschungen für mich in Petto. Er lachte plötzlich trocken auf, seine Stimme heiser. “Der hat Eier.” Gefolgt von einem tiefen Einatmen. “Ändert das etwas?” er machte dabei eine fahrige Bewegung in den Raum. Schien damit nichts bestimmtes zu meinen und doch sehr viel. Ich richtete mich auf, sah ihm nun vernünftig ins Gesicht. Keine Lügen. Erinnerte ich mich selbst. “Es hat mir eine Möglichkeit offenbart. Die Art wie ich für dich fühle bringt das nicht ins wanken.”

      Dann spürte ich zum zweiten Mal an diesem Tag die Lippen eines anderen Menschen auf den Lippen. Das hier hatte nichts von sanft...Caleb drängte sich mir mit sanfter Gewalt auf. In wenigen Augenblicken saß er mit den Knien rechts und links von meiner Hüfte auf mir. Beugte sich über mich. Ich spürte förmlich wie meine Lippen wund wurden. Calebs Stimme, leise an meinen Ohren. “Du gehörst zu mir..ich teile äußerst ungern.”

      Danach geschah nichts als das er von mir abließ, die Decke über uns legte und anschließend meine Hüfte umschlang. “Vergiss nicht das er dein Freund ist.” flüsterte ich. Ich fürchtete ein wenig um Louis, wenn auch der Lakota deutlich größer und breiter als Caleb war. “Mehr als das.” flüsterte Caleb. Damit schwiegen wir. Welche Gedanken ihn auch immer noch beschäftigten, er teilte sie nicht mit mir. Ich wusste auch nicht ob ich genauer nachfragen wollte. Es dauerte lang bevor ich ein Gleichmäßiges Atmen von Caleb vernahm. Jetzt zeigte sich die Zeit die ich im Auto geschlafen hatte. Es dauerte noch länger bis auch ich in einen traumlosen Schlaf glitt.


      Ich erwachte allein in dem großen Bett, Calebs Seite war kalt. Die Sonne kroch eben erst über den Horizont. Das Seufzen kam mir nicht über die Lippen, es blieb an dem Klumpen in meinem Hals hängen. Ausgerechnet heute würde ich mit den beiden Rinder treiben. Wir wollten sie hinauf bringen. Zu den Weiden an der Blockhütte die demnächst bezogen werden sollte von Louis und den Kindern. Es würde kein langer Ritt werden und für 30 Rinder war es auch keine schwere Arbeit. Wir hatten vor drei Tagen darüber gesprochen sie dort hoch zu bringen bevor die ersten Kälber geboren wurden. Dort oben gab es frisches Gras. Caleb war erst gar nicht begeistert gewesen mich dabei zu haben. Aber wie sollte ich das lernen, wenn ich an kurzer Leine gehalten wurde?

      Auch unten in der Küche traf ich ihn nicht an. Nur das lauwarme Wasser im Wasserkocher gab mir eine ungefähre Auskunft darüber wie lang er bereits außer Haus war.

      Dem entsprechend nervös machte ich mich, nach einem kurzen Frühstück, auf in den Stall. Dort erwarteten mich bereits geputzte Pferde. Außerdem war auch Louis bereits mit von der Partie, auf Iyan lag bereits ein Sattel. Caleb kam aus der Sattelkammer, ein Lächeln zierte sein Gesicht als er mich sah. “Morgen.” ich spürte seinen gehauchten Kuss auf meine Wange. “Du nimmst für den Ritt heute Gipsy.” ich deutete mit dem Daumen auf Inyan. “Wieso nicht ihn?” “Der ist für mich” kam es von Louis. Ich verzog mein Gesicht. Ich wollte schon gern mein eigenes Pferd reiten. Da ich aber auch nicht diskutieren wollte. Tja, ergab ich mich in mein Schicksal.

      Eine gute halbe Stunde später ritten wir gemeinsam von der Ranch. Während Louis voraus ritt und die Herde von knapp 30 Rindern anleitete, bildete ich das Schlusslicht um zu gewährleisten das keiner zurück blieb. Caleb war überall und nirgends. Für diesen Job hatte auch er nicht Vulture genommen, sondern Devil leistete diese Arbeit nun mit ihm gemeinsam.

      Der Ritt verlief ruhig im Schritt ohne sonstige Vorkommnisse. Ich ließ Gipsy ehrlich gesagt meistens den Weg, der Wallach war erfahren in seiner Arbeit, gelassen und fand den besten Weg für sich selbst. Auf den Bergwiesen angekommen verschloss ich das Tor nachdem Caleb und Louis hindurch geritten waren. Mein Blick schweifte über das Tal, die Sonne die uns in die Gesichter schien. Dann atmete ich mit geschlossenen Augen tief ein. War ich endlich angekommen an einem zu Hause? “Alles in Ordnung?” stellte Louis mir eine Frage. Inyan stand dicht neben Gipsy, spielte mit dessen Mähne herum. Ich lächelte Louis zu, mein Blick flackerte herüber zu Caleb. Sein Blick lag auf uns. Ich streckte meine Schultern im Sattel. Gab Gipsy die Hilfen für eine Hinterhandwendung. “Ich habe es ihm erzählt.” flüsterte ich in der Drehung. Noch währenddessen hieß ich den Wallach antraben, parierte nicht durch als ich an Caleb vorüber kam. Stattdessen gab ich dem Wallach noch mehr die Zügel. Die Aufforderung zum Galopp ließ er sich nicht entgehen. Der Wind brauste auf, fuhr mir in meine Kleider. Caleb tauchte an meiner Seite auf, Devil leicht gestreckt verlangsamte nun ihren Galopp. Ich hielt Gipsy weiterhin zurück in einem kontrollierten Canter, den auch caleb von Devil verlangte. Bevor wir viel Boden wett gemacht hatten, ging der Pfad jedoch abwärts. Das ließ mich das Tempo wieder zügeln. Im Schritt ließ ich meine Hand lässig auf dem Knauf des Sattels sinken. “Louis bleibt noch oben um die Herde ein wenig zu beobachten.” gab mir Caleb zur Kenntnis. “Ich hätte gedacht du willst mit ihm reden?” schoss es mir über die Lippen. Caleb kniff nur einen Augenblick die Lippen aufeinander. “Alles zu seiner Zeit.”


      Im Anschluss traf ich mich mit Betsy. Die kleine Frohnatur hatte es sich in den Kopf gesetzt mit Fylgia an einem Reiterspiel teilzunehmen. Generell sah ich darin kein Problem - nur wurde das ganze gefahren absolviert. Dafür musste sie natürlich erst das Handling mit dem Gig kennenlernen. Dafür hatte sich in der letzten Woche kaum Zeit gefunden zum Üben. Dies wollten wir heute angehen.

      Wir wollten einen kleinen Ausritt machen. Während ich dem Mädchen half das Pony vorzubereiten, nahm ich mir auch gleich Valravn mit aus dem Paddock. “Weißt du was. Heute bist du mal allein auf dem Gig...ich reite mit Ravn nebenher.” “Wirklich?” quiekte Betsy aufgeregt. Ich nickte nur aufmunternd. Eine gute Stunde später machten wir uns dann auf den Weg. Ich hatte sie Fylgia zweimal anschirren und abschirren lassen um Routine zu schaffen. “Das ist ganz anders als der Unterricht mit Blue und Caleb.” hatte sie zwischendurch angemerkt. Dabei bewunderte ich mal wieder wie gewissenhaft das Mädchen war. Und erwachsen. In vielerlei Hinsicht erinnerte sie mich ziemlich an mich selbst in dem Alter. Ich hoffte aber das Leben und die Schule würden ihr besser zuspielen als es das bei mir getan hatte.

      Zum Abend trafen wir uns alle im Haupthaus - Octavia hatte sich an diesem Abend zum Kochen bereit erklärt. Caleb kam gerade aus dem Büro. “Hier der ist für dich.” ein ziemlich wichtig aussehender Brief wurde mir in die Hand gedrückt. Er war schwer..es musste gut an Information darin stehen. Der Absender ließ mich ein wenig stutzen. Gelehnt an die Kante des Tisches stand ich da, überflog die Zeilen der Erklärungen. Mir wurde schlagartig kalt. Meine Vergesslichkeit flog mir gerade wieder gehörig auf die Füße. Auch mein Gesicht musste die Farbe gewechselt haben. Die wichtige Frage kam von Betsy. “Ylvi? Was ist los?”


      Wie ein Roboter hob ich den Kopf. “Meine Aufenhaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.”
    • Ravenna
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      Schicksal? | Ravenna | 35201 Zeichen
      Ylvi

      Die letzten Tage waren vergangen wie in einem unheimlichen Traum. Wir hatten versucht von Kanada aus die Klärung des Visums in Gang zu bringen. Leider war das nicht von Erfolg gekrönt. Mit meiner Beschäftigung auf der Ranch genügte es nicht um das Visum zu verlängern. Auch die nötigen Untersuchungen nach meiner OP waren nicht ausschlaggebend gewesen.

      Ich hatte bereits alles nötige mit meinen Eltern geklärt. Vorerst würde ich bei ihnen unterkommen bis ich wieder nach Kanada reisen durfte. Wie oft ich des Nachts wachgelegen hatte konnte ich gar nicht mehr zählen. Unzählige Tränen waren geflossen. Zu groß die Angst in meinem Inneren das ich vielleicht gar keine dauerhafte Genehmigung bekommen würde. Caleb hatte sich als stark an meiner Seite versucht...seine wirklichen Gedanken jedoch blieb mir momentan verborgen. Seine Arme um meine Hüfte des Nachts gaben mir jedoch den nötigen halt. Noch zwei Wochen reichte meine Genehmigung...dann musste ich Kanada auf ungewisse Zeit verlassen. Das machte mich völlig fertig.

      Einem Geist gleich lief ich seit Tagen über die Ranch. Ravn hatte mich vorgestern aus dem Sattel befördert - ich war nicht bei ihm gewesen. Dafür hatte ich mit einem blauen Fleck am Bauch den Preis gezahlt. Deutlich war der Abdruck des Horns zu erkennen. Deshalb waren Westernsättel eigentlich mal nicht meine Lieblinge gewesen.

      Was würde geschehen, wenn ich tatsächlich keine Genehmigung bekam? Nicht nur würde das meine...ja Beziehung zu Caleb auf eine harte Probe stellen oder das Ende bedeuten. Was würde aus den Pferden? Mittlerweile hatte ich 5 von ihnen. Inyan wäre versorgt...ich wusste das sowohl Tschetan als auch Louis den Wallach bewegen würden. Ich hatte doch erst vor einiger Zeit begonnen mit Gealach zu arbeiten. Lady Gweny...Ravn und Fylgia. Letztere würde ich natürlich nachholen. Doch sie erneut über Kontinente mit dem Flugzeug zu transportieren. Das würde ich ihnen ungern antun wollen. Das beste wäre sie auf der Ranch zu belassen. Es gab Leute die sich ihrer annehmen würden. Aber ich? Ohne Pferd? Schwer vorstellbar. Ich wollte nicht weg….hier war meine Heimat!


      Ich schluchzte erneut schwer auf. Spürte die sanften Nüstern eines Pferdes in meinem Gesicht. Inyans Punkte fielen mir sofort auf als ich die Augen wieder öffnete. Ich stand hier inmitten meiner Herde, gelehnt an den kräftigen Hals meines Valravn und weinte mir- mal wieder - die Augen aus dem Kopf. Verzweiflung war wohl das richtige Wort für meinen derzeitigen Zustand. Schritte in meinem Rücken. Kleine Füße, zögerliche die folgten. Meine Augen hielt ich geschlossen. Versuchte das laute schluchzen zu unterdrücken schaffte es ja doch nicht. Ich spürte eine raue Hand auf meiner Schulter. Eine ungleich zartere Bewegung an meiner Hüfte. Ich wusste das Kaya sich an mich lehnte. Ihre zarten Arme lagen um meine Hüfte. Ob das Mädchen verstand welch Kummer mich plagte oder ob sie einfach meine Tränen trocknen wollte wusste ich nicht. Es gab keine Worte. Nur ihre Umarmung. Die Hand auf meiner Schulter die sanften Druck ausübte. Ich holte keuchend Luft, die ich offenbar angehalten hatte. Blinzelte durch den Schleier der Tränen, drehte den Kopf und sah Louis. Wie kam es nur das ausgerechnet immer er da war? Sollte nicht Caleb an seiner Stelle sein? Zu meiner allgemeinen Verzweiflung hatte sich innerhalb der letzten Woche auch noch vollkommene Verwirrung gesellt. Letzteren sah ich nur nachts, wenn ich vor lauter Tränen erschöpft im Bett einschlief, nicht mehr in der Lage die Augen offen zu halten. Ich spürte förmlich wie sich Caleb mir entzog. Hatte was wir teilten noch eine Chance? Oder stand der Kuss mit Louis unausgesprochen zwischen uns?

      Wir standen alle stillschweigend im Unterstand zwischen den Pferden die sich hierher zurückzogen, wenn die Sonne zu sehr vom Himmel brannte. Nicht wie in Mexico...aber warm genug. Mir gelang es zwar immerhin meine Atmung und die Tränen in den griff zu bekommen, während wie so da standen. Meine Gedanken glichen aber eher einen Sturm. Ich entzog mich schließlich der Hand auf meiner Schulter, duckte mich um Kaya in den Arm zu schließen und hauchte ein “Danke” in ihr Ohr. Das Mädchen löste sich von mir, lächelte und huschte dann aus dem Gebäude. “Ich vermute mal du hattest keinen Erfolg mit dem neuen Antrag?” seufzte Louis. Ich schüttelte hoffnungslos den Kopf. “Ich habe am Morgen mit meiner Familie telefoniert damit ich vorerst bei ihnen unter komme. Bisher habe ich noch keinen Flug buchen können. Ich will nicht fort.”

      Im Reflex fand sich meine Hand in der von Louis wieder, ich starrte darauf, flackerte zu ihm hoch und er nahm seine Hand fort als habe er sich verbrannt. Wir hatten den Kuss nie wieder erwähnt. Aber er stand bei jeder Berührung der letzten Tage noch immer zwischen uns wie ein Damoklesschwert. “Sag wenn ich irgendetwas tun kann, ja?” ich hatte keine Kraft für eine Antwort nickte nur...und wand mich dann zwischen den Ponys davon aus dem Unterstand.


      Caleb

      >>Meine Aufenthaltsgenehmigung ist abgelaufen..ich muss Kanada verlassen bis die Visumsfrage geklärt ist.<<, immer wieder hallten diese Wort in meinem Kopf nach. Für uns alle war das ein Schock gewesen, insbesondere Ylvi und mich. Sie konnte die Ranch nicht einfach verlassen. Was würde aus den Pferden werden… was würde aus uns werden? Innerlich fluchte ich. Immer… und immer wieder. Hätte ich mich damals nicht auf sie eingelassen, würde mir ihr Abschied auch nicht so schwer fallen… Hätte ich mich nicht auf sie einlassen sollen? Doch. Natürlich. Unsere gemeinsame Zeit war zwar von Höhen und Tiefen geprägt gewesen… und was irgendwie als “Zeitvertreib” angefangen hatte, war ernster geworden. Eine Möglichkeit, wie sie auf jeden Fall hierbleiben konnte, konnte ich ihr bieten. Mit einem Ring. Aber wollte ich das? Caleb O’Dell verheiratet? Mit einer Deutschen? Nicht mit jemandem vom Rodeo, was sich wohl alle Welt denken würde. Ich verwarf den Gedanken wieder. Dazu war ich nicht bereit… aber wenn sie so bleiben durfte?

      Ich atmete einmal schwer durch und konzentrierte mich wieder auf meine Reitschüler. Ab und zu, wenn gerade wieder ein bisschen Luft auf der Ranch war, hatte ich angefangen, ein wenig Reitunterricht zu geben. Gerade waren Gipsy und Shorty auf dem Platz. Cayce hatte mir seinen Wallach für George geliehen. Der junge Mann hatte wirklich Talent! Auf Gipsy saß ein junges Mädchen, etwa so alt wie George. Lizzy. “Beine ran Liz.”, rief ich ihr rüber und schaute dann wieder zu George, der Shorty auf dem Zirkel galoppierte. Lizzy trabte den hellen Wallach gerade ganze Bahnen. “Das sieht schon gut aus!”, rief ich beiden rüber und winkte sie dann zu mir. “Wir gehen heute noch ein bisschen an die Manöver. Lizzy du wartest hier bei mir, Gipsy und George sind zuerst.”, erklärte ich und sie positionierte ihr Pferd an der Bande. “Du startest bei X, galoppierst zwei langsame und dann einen schnellen Zirkel. An X stellst du ihn gerade und lässt ihn wechseln. Dann einen schnellen und zwei langsame Zirkel. An X Stoppen. Dann geb ich weitere Anweisungen.”, sagte ich und schickte ihn los. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich Betsy, Tschetan und Kaya hinter mich an den Zaun geschlichen hatten, und zusahen, bis Betsy mir auf die Schulter tippte. “Hey Cowboy.”, sagte sie lachend und ich knuffte sie in die Seite. Die beiden anderen Kinder sahen mich argwöhnig an. Einen richtigen Draht fand ich nicht zu ihnen, es war aber vermutlich auch noch zu früh, zu urteilen. “Kannst du mir gleich auch noch Unterricht auf Blue geben?”, fragte mich die kleine und ich nickte. “Wenn du ihn dir jetzt fertig machen gehst und sofort her kommst, ja. Ich muss gleich zu den Rindern hoch. Könnt ihr mir Devil auch fertig machen?”, fragte ich die Kinder. Mir war aufgefallen, dass alle drei nach einer Aufgabe auf der Ranch suchten. Ja, sie waren Kinder. Ja, sie spielten viel… aber bevor sie anfingen allen möglichen Unsinn zu machen, gab ich ihnen lieber Aufgaben. “Tschetan und Kaya wenn ihr mitkommen wollt könnt ihr Sue und Face Down satteln.” Wider Erwarten nickten beide und verschwanden dann mit Betsy. Sollte ich Louis noch fragen, ob ich die beiden mitholen durfte? Ich schrieb ihm eine kurze WhatsApp und bekam nur ein OK zur Antwort. Ich glaube er war froh, wenn die beiden Beschäftigung bekamen. “Jetzt nochmal zu euch.”, sagte ich zu den beiden Reitern auf dem Platz. “George nochmal.” Ich schaute ihm zu und nickte. “Abreiten und wegbringen.”, erklärte ich ihm. “Lizzy willst du auch mal versuchen? Lass Shorty ruhig von sich aus umspringen, der ist in der Ausbildung schon weiter als du. Er macht vieles alleine. Lass die Zügel locker, leg dein äußeres Bein ran und er macht das.”, erklärte ich ihr und sah ihr bei ihren Zirkeln zu. “Prima. Reicht.”, sagte ich und schaute ihnen beim Abreiten zu. Nun kamen die Kinder mit den vier Pferden zurück. Blue brummelte die Stuten an und machte seinen Hals ganz schön rund. “Betsy ruck mal kräftig am Zügel, der hat sich zu benehmen, hier wird jetzt nicht gedeckt!”, rief ich ihr zu und sie machte, was ich von ihr verlangt hatte. Sofort hörte Blue auf und konzentrierte sich wieder auf das Mädchen. Ich nahm Devil entgegen und nach dem nachgurten schwangen wir vier uns in den Sattel. Der Ritt zu den Rindern war sehr schweigsam. Ab und zu erzählte Betsy etwas, ansonsten konzentrierten wir uns auf den Weg. Neben viel Schritt trabten wir auch eine kurze Strecke und galoppierten auch ein Stück. “Bei den Rindern bleibt ihr auf alle Fälle im Schritt.”, erklärte ich den Kindern. Ich ritt zwar das einzige Pferd mit Cow Sense, man konnte aber nie wissen. “Ich möchte auch nur kontrollieren, ob alles ok ist, mehr nicht.”, erklärte ich ihnen und öffnete den Zaun, damit sie alle durchreiten konnten. Nachdem ich selbst durchgeritten war, schloss ich ihn wieder und trabte auf sie zu. Die Rinder waren auch schon zu sehen. Gemütlich kamen wir immer näher. “Bleibt hier stehen.”, sagte ich und ritt alleine zwischen den Rindern durch. Ein Kalb machte mir ein bisschen Sorgen, so dass ich mir mein Lasso nahm und es einfing. “Whoaaa…”, sagte ich zu Devil, sprang ab legte das Kalb auf die Seite. Er hatte sich in ein wenig Stacheldraht verfangen. “Mist..”, fluchte ich. Das hieß eigentlich, dass der Zaun irgendwo defekt war. Ich entfernte den Stacheldraht und nahm aus der Satteltasche ein wenig Blauspray, was ich dem Kalb auf die Wunde sprühte. Dann ließ ich es wieder laufen, rollte mein Lasso auf und ritt zu den Kindern zurück. Ich zückte mein Handy und rief Cayce an. “Ja, Caleb hier. Komm mal mit dem Truck zu den Rindern, hier hatte sich ein Kalb im Zaun verfangen, ich bin mit den Kindern hier, wir reiten einmal rundherum und schauen ob etwas kaputt ist.” “Cayce kommt mit dem Truck her, wir teilen uns auf. Betsy kommst du mit mir links rum? Tschetan und Kaya könnt ihr rechts rum am Zaun vorbei reiten?”, fragte ich sie und sie nickten. “Betsy hast du die Walkie Talkies dabei?” Sie nickte und gab Tschetan ohne zu zögern eins davon. ”Wir treffen uns auf der anderen Seite. Wenn was ist…”, erklärte ich und zeigte auf das Walkie Talkie in Betsys Hand. Sie nickten und ritten zurück zum Zaun. Wir folgten ihnen und unsere Wege trennten sich.

      Tatsächlich fanden Betsy und ich nahe der Hütten ein Stück Zaun, der kaputt war. “Sagst du den beiden Bescheid? Sie sollen trotzdem weiter reiten und nachschauen.”, sagte ich zu Betsy und sie nickte. Auch Cayce sagte ich Bescheid, dass er schon mal hier hoch kam und den Zaun reparierte.

      Tschetan und Kaya fanden unten am Wald noch eine Stelle, die Betsy und ich uns anschauten. Auf dem Weg dorthin war uns Cayce mit dem Truck begegnet, so dass ich mir von ihm ein wenig Werkzeug mitgenommen hatte und den Zaun reparieren konnte. “Danke für eure Hilfe.”, sagte ich zu den dreien und steuerte Devil in Richtung Heimweg. Ich öffnete den Kids wieder den Zaun, schloss ihn und wir ritten zurück zur Ranch. Dort stand schon die Heulieferung auf dem Hof, die ich ganz vergessen hatte. Bellamy kam schon ziemlich genervt auf mich zugelaufen. “Wo sind denn die Papiere schon wieder?!”, fragte er und hielt Devil an. “Ich mach die fertig, kümmer du dich ums Heu.”

      Ich stieg ab, grüßte den Lieferanten kurz und lief dann ins Haus. Nach einer Weile hatte ich die verflixten Zettel und die Rechnung gefunden. Ich drückte ihm alles in die Hand und lief einmal quer über den Hof zum Traktor, um die Heuballen abladen zu können.

      Als ich eine Stunde später damit fertig war, aß ich in der gemeinsamen Küche schnell etwas und fiel ins Bett. Ylvi schlief bereits im Bett. Am nächsten Morgen war ich auch schon vor ihr wach und in der Stadt. Es gab dort noch einiges, was ich wegen der Umbauten regeln musste.


      Ylvi

      Calebs Seite des Bettes war kalt, leer. Wie so oft in letzter Zeit. Hatte ich anfangs noch einen Knoten im Hals verspürt, war es nun nur einem Seufzen gewichen. In den vergangenen Tagen, den Wochen seit den Brief hatte ich zu oft gemixte Signale von ihm erhalten. Oder hatte es bereits zuvor begonnen?

      Ein halbes Jahr war vergangen seitdem wir Weihnachten gemeinsam gefeiert hatten. 6 Monate in denen so viel passiert war.

      Ich warf die Decke von mir fort. Vor dem Haus fehlte der rote PickUp..er schien also auch gar nicht auf der Ranch zu sein. Ich zuckte die Schultern, zog mich fix an. Anschließend genehmigte ich mir ein fixes Frühstück in der Küche. Laurence kam herein, sah mich und lächelte. “Caleb schon wieder auf Wanderschaft?” “Aye” antwortete ich dem alten Mann knapp. Ich wollte jetzt eigentlich keine Konversation führen. “Habt ihr bereits miteinander geredet?” bohrte dieser allerdings weiter nach. Meine Hand die eine Tasse Kaffee Richtung Lippen bewegt hatte hielt inne. Verwirrt sah ich Laurence an. “Er könnte dich mit Leichtigkeit hier halten. Ich hab dem Trottel schon zweimal gesagt er soll dir einen Ring an den Finger stecken.” grummelte Laurence in seinen stoppeligen Bart. Ich schluckte. Das war nie zum Thema gekommen. Ich hatte sogar keinen Gedanken daran verschwendet. Niemals hatte ich mich verheiratet gesehen. Nichtmal mit Caleb hatte ich diese Gedanken gehabt. Natürlich...wir hatten einander viel gelehrt. Von emotional unbrauchbar hatten wir uns zumindest zu etwas wie einer Beziehung hinreißen lassen. Wie viel Bestand diese hatte zeigte sich nun sehr gut - keine. Waren wir am Ende einander nur Lehrmeister gewesen?

      Aber natürlich...mit einer Heirat würde ich bleiben können...ohne Probleme sogar. Ich würde nie wieder ein Visum beantragen müssen. “Pack ihn bei den Eiern und sprich es an. Du würdest fehlen hier auf der Ranch.” damit verließ Laurence die Küche. Aber ich wusste...ich würde Caleb darum niemals bitten. Ein Gefühl welches ich nicht zu beschreiben vermochte machte mir bewusst - eine Heirat mit Caleb würde niemals funktionieren.


      Ich verzog mich in den Offenstall meiner Pferde. In der morgendlichen Sonne machte ich deren Paddock sauber, schob die schwere Schubkarre vor mir her zum Misthaufen quer über den Hof der Ranch. Dort angekommen, keuchte ich bereits wie ein Maikäfer. Noch war ich nicht gänzlich an diese Arbeit gewohnt. Cayce begegnete mir mit einigen der Rinder. Mir fiel auch kurz der wieder aufgetauchte rote PickUp auf. Um Caleb möglichst nicht zu begegnen setzte ich mich ab. Ich schnappte mir eine der Trensen, war unschlüssig welches der Pferde ich nehmen wollte. Schlussendlich fiel die Wahl auf Valravn. Nur am Rande nahm ich wahr das Inyan nicht da war. Mit wenigen Handgriffen legte ich ihm die Trense an, schwang mich auf den Rücken und verschwand in Richtung der Hütte in den Hügeln. Dort oben gab es um die Koppeln der Jungpferde einige schöne Pfade. Wir tauchten gerade ein in das Dickicht des Waldes als ich Hufgetrappel hinter mir vernahm. Neugierig drehte ich mich um. Dort näherte sich Inyan. Auf seinem Rücken saß Louis. Sie waren noch weit entfernt. Konnte ich so tun als habe ich sie nicht gesehen? Ich hieß Ravn angaloppieren. Allerdings versagte mir der Hengst den Dienst. Zu hart waren meine Beine in seinen Bauch gepresst. Stattdessen bäumte er sich vorn auf. Darauf nicht vorbereitet rutschte ich mit meinen Shorts hilflos einfach seinen Rücken hinab. Sicher landete ich auf meinen Beinen. Dieser Fail entlockte mir ein leichtes Lächeln. “Hast du andere Pläne,ja?” flüsterte ich meinem Wallach zu. “Ich habe dein Pferd verzaubert.” kam es stattdessen von Louis der meine Worte gehört haben musste. “Ist das so?” wandte ich mich an ihn, zog die Augenbrauen hoch.Ich sah wie sich Louis gleichfalls von seinem Pony schwang, neben mir stehen blieb und grinsend lächelte. “Möchtest du lieber spazieren?” ich zuckte die Schultern. Louis klopfte meine Schulter, schob die Unterlippe vor und ging voran. Offenbar nahm er mir jetzt die Entscheidung ab.
      Wir liefen lange den Weg hinauf. Schweigend. Kaum Worte zwischen uns. “Caleb ist ein Narr….ich würde nicht zögern.” sprach Louis dann endlich die Worte mit denen er all die Schritte bis hier her gehadert hatte. Ich musste nicht fragen. Ich ahnte, nein wusste sogar, das er die kurze Konversation mit Laurence gehört haben musste. Da waren andere Schritte im Flur gewesen als Laurence aus dem Haus gegangen war. Ich hatte mich also nicht verhört. Louis war stehen geblieben, ich spürte plötzlich seine Hand an meinem Handgelenk. Nicht fest, beinahe bittend. Meine Nackenhaare stellten sich auf, ich sah auf seine Hand...dann huschte mein Blick zu ihm auf...ich spürte wie er die Hand von meinem Handgelenk nehmen wollte. “Wenn die Dinge anders wären.” hörte ich Worte...verstand dann das sie aus meinem Mund kamen, das mein Verstand sie produziert hatten. Ich wusste das es keine Lüge war. Schon eine ganze Weile waren da Gefühle für Louis gewesen...entfacht nicht erst durch seinen Kuss. Dieser Idiot hatte mir beinahe ebenso schnell mein Herz gestohlen wie Caleb. Das sich letzterer nun von mir entfernte...glich beinahe der Verdammnis. “Ich muss schon die ganze Zeit über diesen Impuls unterdrücken.” kam es gedrungen von Louis. Wieder mein Blick in seine Augen. Ich sah das funkeln in ihnen….wieder bedurfte es keiner Worte. Trotzdem glich Louis einem wartenden Schakal. “Dann tu es nicht.” Verräter! schrie es kurz in mir. Dann verlor ich mich in dem Kuss mit Louis. Weniger zaghaft als jener erste vor ein paar Wochen. Zudem mit dem Unterschied das ich mich von ihm einnehmen ließ. Kein Abstand mehr zwischen uns, seine Hand auf meiner Hüfte, in meinem Haar. Meine eigenen Hände um ihn geschlungen. Ich spürte mich wanken, von ihm gehalten stand ich jedoch sicher. Louis brach den Kuss, ich erschrak drehte mich plötzlich fort...die Hände gekrallt in Ravns Mähne. Was war das nur mit ihm? Ich musste schwer einatmen..mein Bauch spielte genauso verrückt wie meine Gedanken. Louis kam zu mir, sein Kopf legte sich auf meine Schulter. “Du kannst mich nicht belügen...auch ich bin in deinem Herzen...das weiß ich nun.” flüsterte er in einer tiefen Stimme. Dann war er fort. Ich nahm seine Schritte wahr. Dann die von Inyan. Als ich mich zu ihm drehte saß er bereits wieder auf dem Wallach. Sein Gesicht hatte beinahe etwas triumphierendes..”Du weißt wo du mich für deine Entscheidung findest.” er trieb dem Wallach die Füße in den Bauch, dieser preschte aus dem Stand im Galopp den Waldweg wieder hinab. Ravn wollte hinterher, kurz hatte ich zu tun, den manchmal widerspenstigen Wallach zu zähmen. Ich sah in die Richtung von Louis und Inyan die immer kleiner wurden. Oh ja...ich wusste wo ich ihn fand...und auch wenn er die Frage nicht ausgesprochen hatte. Ich kannte sie...wusste welches Angebot er mir soeben unterbreitet hatte.



      Caleb

      Ich saß hinterm Steuer meines Pick Ups und starrte ins Leere. Es regte mich auf, dass ich nichts tun konnte, nein es kotzte mich wirklich an, nichts tun zu können… oder tun zu wollen. Jeden Tag ging ich spät ins Bett, jeden Tag stand ich früh auf und es war wirklich so, dass ich Ylvi aus dem Weg zu gehen versuchte. Ich hatte heute morgen ein Treffen in Calgary vorgeschoben, um nicht mit ihr aufwachen zu müssen. Ich hatte ein Treffen gehabt, so war es nicht… nur war dieses schon seit ein paar Stunden vorbei. Als sich mein Blick wieder gefangen hatte und ich seufzend meine Augen schloss, klopfte es an der Scheibe. “Sir, sie stehen schon eine ganze Weile im Parkverbot, bitte fahren sie den Wagen weg.”, sagte mir einer der Polizisten, die neben meinem Auto standen. Der andere im Polizeiwagen schaute düster zu mir herüber. Ich nickte nur stumm, startete den Motor und fuhr zum Geschäft, um noch ein paar Leckerlis für die Pferde und ein wenig neues Putzzeug zu kaufen. “Hey Caleb.”, begrüßte mich die junge Frau an der Kasse. “Wie läuft es so auf der Ranch?”, fragte sie mich nett. “Viel Arbeit. Ist immer viel Arbeit.”, erklärte ich ihr und bezahlte meine Einkäufe, ehe ich alles auf die Ladefläche des Pick Ups warf und wieder zur Ranch fuhr. Als ich ausladen wollte, gesellte sich Laurence zu mir. Ich schaute zu ihm rüber und er hatte wieder dieses: ich erzähle dir jetzt eine Lebensweisheit und du kannst nichts dagegen tun, nur zuhören. "We accept the love we think we deserve: from Stephen Chbosky.”, sagte er ohne mich auch nur im Ansatz auf so ein Zitat vorzubereiten. “Und du mein Freund, bist gerade auf einem ganz falschen Weg. Warum behälst du sie nicht hier? Du weißt, dass du es kannst und du weißt auch, dass du jemanden wie sie verdient hast. Lass die Liebe zu und frag sie endlich, ob sie dich heiraten will!”, fügte er an und packte mich an der Schulter. Laurence packte für sein Alter wirklich, wirklich feste zu. “Nimm sie nachher mit auf einen Ausritt. Du brauchst keinen Ring, frag sie einfach. Frag sie bevor es zu spät ist.” “Bevor sie weg ist…”, korrigierte ich ihn doch er schüttelte nur den Kopf. “Bevor es zu spät ist, Caleb. Du warst in letzter Zeit nicht viel hier. Es gibt.. sie hat.. sie bekommt hier andere Chancen.”, stammelte er und schaute in mein fragendes Gesicht. Selbst nachdem er meine Schulter losgelassen hatte und gegangen war, stand ich noch immer stocksteif neben meinem Truck und dachte über seine Worte nach. Es gibt für sie hier andere Möglichkeiten, zu bleiben? Was meinte er damit? “Hey Caleb!”, rief mir Octavia zu, die gerade mit Raspberry an mir vorbei ritt. Da kam mir eine Idee. “Hey O warte, ich hol mir ein Pferd und komm mit dir mit!”, rief ich ihr zu und hatte im Handumdrehen Vulture gesattelt und zu ihr aufgeschlossen. “Dass du Zeit hast, mit mir auszureiten.”, lachte O und strich ihrer Stute kurz über den Hals. “Das hast du wohl Laurence zu verdanken.”, murmelte ich. “Wieso das?” “Er hat mir eben wieder eine seiner Weisheiten unter die Nase gebunden und gesagt, wenn ich will, dass Ylvi bleiben kann, soll ich um ihre Hand anhalten, bevor es dafür zu spät ist und sie eine andere Chance bekommt, hier zu bleiben. Weißt du, was er damit meinte?”, fragte ich sie ganz offen und ehrlich und hielt Vulture an, um ihre folgenden Worte besser verstehen zu könne. “Weißt du… Ylvi und Louis… sie sind sich glaube ich näher gekommen.”, erklärte sie mir. Ich schloss für eine Sekunde seufzend meine Augen, ehe ich sie wieder öffnete und meinen Hengst wieder antrieb. “Was weißt du darüber?”, fragte ich sie schließlich. “N..nichts weiter. Wirklich nicht.”, antwortete sie mir und lenkte ihre Stute auf den linken Pfad rüber. Wir ritten eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe ich sie fragte: “Sollte ich denn? Soll ich sie fragen, ob sie mich heiraten möchte?” O lachte kurz auf. “Caleb das kann ich dir doch nicht beantworten.“


      Ylvi

      Wir sahen uns an. Was tat ich eigentlich hier? Wie auf Drogen hatte mich der Weg am Abend nicht zum Haupthaus gebracht. Stattdessen stand ich auf der Türschwelle von Louis. Meine Hände im Rücken verschränkt. Ich zog mir die Haut neben meinen Nägeln ab. Der leichten Feuchtigkeit zu urteilen die ich spürte musste ich bereits Bluten. Der Schmerz drang jedoch nicht zu mir durch. “Willst du rein kommen?” Nein “Ja” hauchte ich.

      Mir war als würde ich mein Herz in der Brust nicht länger schlagen hören. Mit betreten seines Flures fiel plötzlich all die Anspannung ab. In meinen Gedanken war kein Caleb mehr. Nur der Wille an diesem Ort zu bleiben blieb zurück. Louis fasste meine Schultern schob mich vom Flur leise in Richtung seines Schlafzimmers. “Die Kinder sind schon im Bett.” flüsterte er mir zu. Da das Gästehaus nicht über ein Wohnzimmer verfügte und die Küche in Richtung Haupthaus ging, schien das Schlafzimmer die beste Wahl um ungestört zu sprechen. Mir wurde bei dem Gedanken allerdings flau in der Magengegend. Dann schloss sich die Tür hinter uns. Zum ersten Mal seit der Türschwelle sah ich Louis wieder direkt in die Augen. Die Haltung seines Körpers, seine Augen..sie sprachen von gespielter Gefasstheit. Diese Beherrschung die ich auch bei Lilly gesehen hatte. Die typisch war für einige Natives. Trotzdem sah ich den lauernden Schakal in seinen Augen wieder. Louis stellte keine Frage. Wir sahen einander nur an. Er wartete geduldig bis ich endlich den Mut fand die Worte über meine Lippen zu bringen. Sekunden wurden zu Minuten. Dann begann er plötzlich zu Lachen, einfach so. Ich legte den Kopf schief. Die Anspannung löste sich und plötzlich lachte auch ich scheu. Louis überbrückte die Distanz zwischen uns...zog mich an seine Brust und wir lachten weiter. “Wann müssen wir uns um einen Termin in Calgary kümmern?” flüsterte er schließlich als ich noch scheu hüsteln musste. Hatte ich gedacht Caleb und ich agierten gut miteinander...so bedurfte es mit Louis keiner Worte. Er würde mich zur Frau nehmen. Ich hatte diese Entscheidung bereits getroffen und er wusste es auch ohne das ich es ausgesprochen hatte. Das ganze wirkte beinahe surreal. Wir würden das liebende Ehepaar spielen müssen, wenn die Auslandsbehörde die Ehe prüfte. Doch würde ich die liebende Ehefrau spielen müssen? Das ganze könnte viel zu einfach werden. Die Art mit der er mich ansah, berührte und beschütze machten es mir so unfassbar einfach. “So früh wie möglich.” hauchte ich - schließlich müsste ich in weniger als einer Woche verschwinden. Louis schob mich ein wenig fort von sich, hoch mein Kinn. “Das ist das verrückteste was ich jemals getan habe.” sprach er, wieder halb lachend. Ich konnte nicht umhin das Lachen zu erwidern. “Gewöhn dich schonmal dran. Das Leben mit mir kann aufregend werden.” “Aber nicht das du mir aus den Latschen kippst wie das letzte Mal.” “Dafür hab ich ja jetzt einen neuen Schrittmacher und regelmäßige Kontrollen.” ich dachte an jenen Tag auf dem Berg. Ich wäre dort oben gestorben. Louis hatte mich am Leben gehalten. Hatte mein Leben gerettet. Vielleicht hatte das Universum damals bereits einen Wink gegeben wem ich mit meinem Leben trauen konnte. Erinnerte mich auch an seine seltsamen Worte. “Was ist mit der Symbiose?” Louis schaute leicht verwirrt. “Damals..auf dem Berg. Bevor ich ausgenockt bin. Du meintest das Caleb ein Wolf sei, während du in mir einen Raben siehst. Du sprachst davon, dass diese beiden Geschöpfe in einer Symbiose lebten. Ist das jetzt hinfällig?” “Ah..jetzt erinnere ich mich. Dabei darfst du aber nicht vergessen. Raben binden sich fürs Leben. Es kommt der Tag an dem eine Symbiose nicht länger ausreicht.” Plötzlich kam mir etwas in den Sinn. “Du wolltest es schon damals,oder? Du...dich beschützt auch ein Rabe als Totem. Nicht wahr?” Wir standen noch immer in dieser Umarmung beieinander, er zog mich wieder an seine Brust. “Thečhíȟila.” Louis hauchte mir einen Kuss auf die Stirn. Seine Hände krallten sich in meinen Rücken, die Hüfte. Ich hörte das leichte Knurren von seinen Lippen. Kein ton der mich überraschte. Mochte ein Rabe ihn schützen, so blieb er für mich selbst doch der Schakal. Ich fand mich selbst dabei wie ich die Geste wiederholte, meine Fingernägel krallten sich in seinen Rücken, die Schulterblätter. Spürte seine Zähne an meinem Hals. Caleb so ähnlich und doch so anders. Ich bot ihm den Hals dar, legte das Gewicht auf meinen Hacken, gehalten von seinen Armen. Mein Körper war ein elender Verräter. Er war es schon bei Caleb gewesen. Bei Louis tat er keine Ausnahme. Nur mit dem Unterschied das sich hier auch mein Verstand nicht dagegen zu wehren versuchte. Ich biss die Zähne fest aufeinander als Louis Hand seinen Weg unter mein Shirt fand. Die letzten Wochen der Ungewissheit, des Alleinseins. Endlich nicht mehr allein sein. Er spielte und neckte mich. So leicht fand ich mich ein in dieses Spiel. Sanft wurde ich auf einer Decke aus Fell gebettet. Als er zu mir kam fand er mich offen vor sich. Ein Kuss auf meine Lippen, dann spürte ich ihn in mir. Diese Vertrautheit war überwältigend. Wir agierten wie Zahnräder die nahtlos ineinander griffen.

      Louis hielt mich danach im Arm, während sich unser Atem nur langsam beruhigte. Ich spürte sein Gewicht auf mir, meine Hand kratzte über seinen Rücken. Fühlten die Muskeln, die Wirbelsäule und den kleinen Film aus Schweiß über unseren Körpern. Worte lagen mir auf den Lippen die sie dennoch nicht verließen. Ineinander verschlungen schliefen wir ein. Im Halbschlaf merkte ich noch wie Louis die Felldecke über uns breitete. Das erste Mal in Monaten schlief ich völlig unbehelligt.


      Caleb

      Seit Wochen war ich immer dem selben Muster gefolgt. Spät ins Bett, früh wieder raus. Ich hatte das Gespräch mit Ylvi vermeiden wollen, denn sie hatte bis jetzt immer tief und fest geschlafen. Heute war dem nicht so, denn sie war nicht da, und ich konnte mir denken, wo sie sich aufhielt. Es war die unruhigste Nacht seit Langem und als am Morgen der Wecker klingelte, fühlte ich mich wie vom Zug überrollt.

      Das Frühstück mit den Arbeitern verlief größtenteils schweigend. Octavia warf mir ein paar mitfühlende Blicke zu, doch sagen tat niemand etwas zu mir. Meinen Kaffee füllte ich in einen Thermobecher, ehe ich meinen Hut von der Ablage auf meinen Kopf setzte und das Haus verließ. Noch immer waren weder Louis, noch Ylvi oder die Kinder zu sehen. Ich hatte einen anderen Weg einschlagen wollen, doch meine Füße führten mich zielsicher zum Offenstall von Ylvis Pferden. Als ich sie auch hier nicht sah, atmete ich hörbar erleichtert auf. War es wirklich Erleichterung, die sich von meinem Herz löste? Oder Gewissheit? Wo sollte sie sonst sein? Ich beschloss meine Gedanken in die hinterste Ecke meines Kopfes zu verbannen und mich auf die anstehende Arbeit zu konzentrieren. Auf einer Ranch war schließlich immer etwas zu tun und sei es nur das Herumfahren mit dem Truck, um den Anderen aus dem Weg zu gehen. Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Ich war zurück ins Haus gegangen, um meine Schlüssel zu holen. Als ich wieder rauskam und zu meinem Auto gehen wollte, sah ich Louis und Ylvi auf dem Hof, die in Richtung des Haupthauses gingen. Ylvis Blick fiel von Louis auf meinen roten Pick Up, zurück zu Louis und schließlich zu mir. Als sich unsere Blicke trafen, blieb ich stocksteif stehen und… Ruckartig war Louis Hand von Ylvis Hüfte verschwunden. Besänftigend hob er seinen Arm und machte einen Schritt auf mich zu, ehe er erneut stehen blieb und auf meine geballten Fäuste starrte. Meinen Schlüssel hatte ich schon lange auf den Boden fallen lassen. “Es ist nicht das… wonach es aussieht.”, meinte er in einem ruhigen Ton. “Das ist es nie.”


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      Allein durch diesen Satz kochte die ganze angestaute Wut in dem blonden Mann hoch, die sich die letzten Wochen, ja sogar die letzten Monate angesammelt hatte. Caleb machte noch zwei, drei Schritte auf die Beiden zu, ehe er erneut stehen blieb und abwechselnd zwischen ihnen hin und her schaute. “Caleb… ich… wir…”, fing Ylvi an und machte einen kleinen Schritt auf Caleb zu. Louis, der die Augen nicht mehr von den Fäusten seines Gegenübers lassen konnte, stellte sich schützend vor sie. “Hast du Angst dass ich eine Frau schlage? Hältst du mich für so jemanden? Louis komm schon!”, schnaubte Caleb. Die Gedanken des Mannes bewegten sich in einer Abfolge von Bildern, Sätzen und Taten die ihm fast den Verstand zu nehmen drohten. Zwischen seiner unbezwingbaren Wut schwankte er in den Gefühlen für die Frau die dort neben seinem langjährigen Freund stand. Seine zur Faust geballten Finger, gruben sich in die Haut seiner Handfläche. Eine Art der Erinnerung wo er sich befand. Ylvi biss sich auf ihre Lippen, ihr Blick glich dem eines geschreckten Rehs. Der Indianer streckte die Schultern, sein Gesicht gab keine Regung seiner inneren Gefühle Preis. Caleb kannte ihn, kannte diese Regungslosigkeit. Louis beobachtete ihn ganz genau, würde blitzschnell reagieren können. Caleb war sich bewusst. Schlug er zu. Dann würde Louis nicht unbeteiligt bleiben. “Ich sah dich nie eine Frau schlagen. Dafür hast du zu viel Respekt.” Louis gab ein Seufzen von sich. “Ich frage mich nur wie viel Respekt in dir für mich noch übrig geblieben ist. Ich sprach falsch. Es ist genau wonach es aussah. Caleb...ich habe ihr gegeben, was du nicht gewillt warst zu tun. Wochenlang hattest du eine Wahl. Verurteilst du mich dafür ihr die Chance zu geben zu bleiben wohin es ihr Herz zieht? Und damit meine ich nicht mich Kola….sondern vielmehr diesen Ort.”

      Caleb lauschte den Worten seines Gegenübers, horchte in sich hinein und versuchte mit allen Mitteln seinen Körper und die Wut nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Ruhig zu bleiben, zuerst nachzudenken, bevor er handelte. Diese Beherrschung zu erlangen hatte ihn Jahre gekostet und er war sich in diesem Moment ganz und gar nicht sicher, ob nicht doch alles umsonst gewesen war. Nicht nur die Arbeit, seine unbändige, plötzlich ausbrechende Wut in den Griff zu bekommen, sondern auch sein Zulassen der Gefühle. Sich jemandem öffnen, ihn Platz in seinem Leben finden zu lassen nach dem Tod der Frau, die er so sehr geliebt hatte. Von emotional unbrauchbar bis hin zu jemanden, der wieder lieben konnte, ja Liebe zuließ. Doch nun stand er hier. Wurde von eben dieser Person betrogen...mit seinem besten Freund. Der Mensch, der ihm vor Jahren das Leben gerettet hatte und ihn schon lange begleitete. Genau dieser Mensch hatte die Nacht mit seiner Freundin verbracht. “Damit meinst du nicht dich,mein Freund?”, keifte der Cowboy den Indianer an. “Statt vorher mit mir zu reden hüpfst du einfach mit ihr ins Bett?”, setzte Caleb nach und machte noch einen Schritt auf Louis zu. Ylvi verschwand für kurze Zeit aus seinen Gedanken, mit ihr würde er später reden. “Caleb komm runter… wir können darüber reden.”, versuchte Louis die Situation zu retten, doch der Mann ging darauf nicht ein. Er war jetzt nah genug an ihm dran, um auszuholen und zuzuschlagen. Seine Hand zuckte, seine Faust wurde geballter, er atmete schwer… doch schlug noch nicht zu. “Ich warte.”, knurrte er. Louis sah dem alten Freund in die Augen, sah die Wut darin. Er wusste egal für welche Worte er sich entscheiden würde. Es wäre nicht genug. “Es tut mir Leid.” sprach er aus tiefster Seele.


      Der Indianer bemerkte die schnelle Bewegung, seine Ohren hörten den entsetzten Aufschrei von Ylvi. Im selben Augenblick reagierte jede Zelle seines Körpers mit Schmerz. Ein kräftiger Kinnhaken hatte ihn getroffen. Caleb hielt sich die Knöchel der rechten Hand, doch seine Augen funkelten zwischen den anderen beiden hin und her. Ein kalter Blick streifte sie beide. “Mir auch.”
    • Ravenna
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      Auszeit
      | Ravenna | 22117 Zeichen
      Ich spielte nervös mit dem Ring an meinem Finger. Die Freundschaft von Caleb und Louis hatte sich sichtlich abgekühlt. Louis Gesicht hatte lange Zeit Spuren von Calebs Schlag gezeigt. Wir waren 2 Tage später ganz unspektakulär zum Standesamt gegangen. Keine Feier, kein Aufriss. Ich hatte kurzzeitig überlegt meinen Namen zu behalten. Doch völlig in Gedanken hatte ich vergessen das zu erwähnen. So stand in meinem Pass nun der Name “Ylvi Kills-Bears”

      Fast ein wenig irrsinnig. Bedeutete doch mein Vorname Wölfin. Danach hatten wir uns für eine Auszeit entschieden. Louis wollte Abstand zwischen sich und Caleb bringen. Wir mussten uns irgendwie miteinander auseinander setzen. Ich lebte plötzlich mit ihm zusammen. Ich war eine Ehefrau. ICH! Noch dazu hatte ich außerdem auch die Verantwortung für zwei Kinder. Eines davon sprach kein Wort. Tschetan hatte sich schnell damit abgefunden das ich jetzt eben dazu gehörte. Louis und ich hatten uns in die Arbeit gestürzt. Wir beide hatten uns entschieden beim Training der Pferde zu helfen. So war die Wahl auf einen Auftrag der Townsend Acres gefallen. Drei Ponys galt es dort im Geländespringen vorwärts zu bringen. Louis konnte damit zwar doch eher weniger anfangen. Allerdings konnte er die Gelegenheit auch nutzen um sich die Zeit im National Park dort zu vertreiben. Vielleicht konnten wir Kaya in dieser Zeit doch irgendwelche Worte entlocken.

      Außerhalb des Gestüts hatten wir daher eine kleine Ferienwohnung mieten können, der Wagen brachte mich jeden Morgen zu den Stallungen. Elisa Cranfield hatte uns dabei über Freunde einen guten Preis machen können. Die junge Frau befand sich etwa in meinem Alter erschien mir freundlich und offenherzig. Auch wenn Louis zu Anfangs ein wenig Neugirig beäugt worden war - kam ja nicht alle Tage vor einen Native American vor sich zu haben. Sein verschlossenes Gesicht konnte auch durchaus etwas respekt einflößend sein. Elisa befand sich etwa in meinem Alter, hatte mir auch Joline Carpani vorgestellt meine Ansprechpartnerin wenn es um Sachen mit den Pferden ging. Elisa selbst war auch stets am rotieren auf dem Gestüt. Auch hier gab es viel zu tun, wie es auch auf der Ranch der Fall war. Ich vermisste die Bow River Ranch. Ich vermisste meine Pferde. Auch wenn mir das Training hier Spaß machte mit den Pferden. Insgesamt waren es zwei Hengste und eine Stute. Alle hatten eine Sonderlackierung, wobei es mir besonders der Hengst Burnin' Unbridled Dreams angetan hatte. Von allen nur Dajun genannt war er ein Reitponyhengst in der Farbe Buckskin Roan. Sein Kopf schien dabei noch völlig braun, während Äonen von weißen Stichelhaaren seinen Körper zierten. Von den dreien war er auch das unkomplizierteste der Ponys. Während ich mich mit dem Hengst bereits ab Tag zwei auch im Sattel hatte beschäftigen können, so waren Pina und Allelujah dann andere Sorten gewesen. Dajun hatte schöne Gänge, hatte eine gute Grundausbildung genossen und stand wirklich fein an den Hilfen. Wir hatten die ersten Tage auf dem Platz verbracht. Ich hatte mich mit Burnin' Unbridled Dreams erst ein wenig vertraut machen wollen. Erst dann hatte ich den Schritt gewagt auf den Geländeplatz zu gehen. Kleinere Sprünge hatten wir bereits auf dem Platz ausprobiert. Mit dem nötigen Go ausgestatet schien der kleine auf dem eingezäunten Gelände allerdings keine große Begeisterung für das Springen zu zeigen. Beim ersten Ritt im Gelände scheute er allerings nicht über kleinere Äste auf dem Weg auch zu überspringen. So hatte ich mich in der zweiten Woche mit ihm am Halfter der Strecke mit Sprüngen angenommen. Ihm die einzelnen Sprünge gezeigt. Auch wenn einige dabei gewesen waren die noch nicht in A Höhe lagen. Ich war neugierig auf seine Reaktionen darauf. Mutig hatte er sich den Baumstämmen, dicken Balken und Heuballen gestellt. Ohne Probleme hatte ich mit ihm gemeinsam drüber springen können. Tschetan hatte mich dabei begleitet. Wir waren nicht ganz allein hierher gekommen. Wir hatten Inyan und Gweny mit auf die Reise genommen. Zum einen hatte ich die Gelegenheit nutzen wollen mit Gweny die Hindernisse hier zu springen. Zum anderen hatte natürlich Louis einen Narren an der Scheckstute gefressen. Vom ersten Tag an hatte er sie haben wollen. Faktisch war ihm das gelungen. Der Mustang-Mix hingegen trug die beiden Kinder sicher durch das hier fremde Gelände. Wenn er auch Dajun ein wenig aufheizte. Aber der Junge hatte die Lippen geschürzt, deutete damit auf den Hengst. “Gutes Pferd. Mutig. Ein richtiger Springer!” ich nickte nur bedächtig. Konzentriert auf meine Arbeit. “Vielleicht solltest du ihn dir klauen?” “Honch! Neein.” stöhnte der Junge erschrocken, tätschelte den Wallach unter sich. “Inyan wäre doch dann enttäuscht. Dann würde ich lieber den Hengst der aussieht wie der Sand der Wüste.” sprach er geschwollen. Es brauchte nicht lang um zu wissen welchen er meinte. Allelujah war der zweite Hengst den ich trainierte. Ein Palomino. Ebenfalls ein Reitpony. Von der Größe wie Burnin' Unbridled Dreams allerdings deutlich breiter in der Brust. Der Hengst besaß im Gegensatz zu ersterem auch bereits Erfahrungen im Geländespringen. Allerdings hatte er so seine Vorbehalte was Fremde anging. Allerings schien sich das ganze nur auf Erwachsene zu beschränken. Selbst Elisa hatte neugierig beobachtet wie der Hengst den ich im Round Pen zurückgelassen hatte nach einer ersten Kontaktaufnahme vollkommen unbeschwert mit dem zwölfjährigen Jungen gespielt hatte. Wild hatten sich die beiden gegenseitig gejagt. “Sonst hat Allelujah wirklich Respekt, ja regelrecht Angst vor Männern. Fast ein wenig seltsam ihn so zu sehen.” “Tschetan hat wirklich ein Händchen für Pferde. Du müsstest mal sehen wie mühelos er meinen Ravn reitet. Der duldet nicht jeden auf seinem Rücken. Aber für dieses Kind reitet er regelrecht durch das Feuer.”

      Seither konnte ich beobachten wie der Junge jeden Morgen dabei half den Hengst zu füttern oder auf die Weide zu bringen. Louis hatte bereits seinen Dank an Elisa ausgesprochen für ihre Gastfreundschaft. Mit dem Jungen gemeinsam hatte auch ich mich mehr mit dem Hengst auseinander setzen können. Erst ein wenig in der Bodenarbeit. Dann hatte ich mich zwischen dem Training von ihm, Pina und Dajun auch außerhalb mit ihm beschäftigt - Abend von der Weide zurück in die Paddockbox bringen. Erst in der zweiten Woche hatte ich mich auf seinen Rücken geschwungen. Zunächst wie bei dem anderen Hengst auf dem Platz. Anschließend in Begleitung von Joline auch auf die Geländestrecke.Sie saß auf einem Pony dessen Name mir entfallen war und begleitete mich einfach zur Unterstützung. Allelujah wusste ganz genau was zu tun war. Vor jedem Sprung schossen seine Ohren nach oben, seine Galoppsprünge kräftiger. Ich konnte mit jedem Sprung spüren wie er sich zusammenzog um dann vor dem ersten Hinderniss sich kräftig vom Boden zu lösen. Schon bei den kleinen Hindernissen die eher zur Sektion E und A gehörten sprang er einen Satz drüber hinweg der eigentlich zu viel war. Vermögen hatte dieser goldene Blitz allemal! In der L ging es darum einen Pacours auch mindestens 8 Sprüngen zu schaffen. Die Höhe betrug dabei etwa 1,15 meter. Einen Wassergraben gab es zu überwinden. Außerdem eine Kombination aus Treppe. Erst ging es hinauf, dann einen Sprung und anschließend schon wieder von diesem Podest herunter. Allelujah parkte zweimal, tänzelte er er sich den Sprung hinunter vagte. Für den ersten Tag an den neuen Hindernissen war ich dann aber doch zufrieden und schickte ihn wieder auf die Weide. Nach dem Mittagessen schnappte ich mir Burnin' Unbridled Dreams um mit ihm die ersten Sprünge unter dem Reiter dort zu absolvieren. Tschetan passte auf seine Kaya auf. Louis begleitete mich mit Gweny. Dieser ahm vor uns die Sprünge souverän mit der Vollblutstute und ich ließ Darjun mit ordentlcihem Abstand auch die Hindernisse überwinden. Wie zwei Tage zuvor zu Fuß zeigte er keine Angst. Allerdings zeigte sich hier seine gesteigerte Motivation - das Springen der Naturhindernisse schien ihm deutlich mehr zu gefallen als die Stangen im Viereck zu überwinden. Ich musste dabei lächeln. Auch mir gefiel die Arbeit draußen mit den Pferden eher als im begrenztem Viereck. So griff jeder Tag in den nächsten im Training der beiden Hengste. Da uns niemand hetzte ließ ich mir mit deren Fortschritten Zeit. Nahm sie nicht jeden Tag heraus um mit ihnen zu springen. Ich nutze auch die freie Zeit um mit den Kindern und Louis Unternehmungen zu machen. Das ich Gweny mit hier her genommen hatte zeigte sich auch als Vorteil in der Arbeit mit Allelujah. Als ich den ersten Tag des Springens mit ihm die Treppe so versemmelt hatte versuchte ich mich an den diversen Sprüngen auch mit meiner Stute. Schnell stellte ich fest, dass mir das Hindernis selbst auf ihr ein wenig Respekt einflößte. Unter Louis Augen sprang ich also auf meiner erfahrenen Gweny genau die etwas furchteinflößenden Sprünge. Damit gewann ich an Sicherheit. Was Allelujah und mir im weiteren Training half.


      Ende August hielt schließlich der Herbst Einzug in Kanada. Es begann plötzlich zu regnen. Das Wetter behinderte mich beinahe eine Woche lang im Training mit den beiden Hengsten. “Hast du mir zugehört?” fragte Louis leicht lächelnd. Ich war so sehr versunken gewesen in die Gedanken der letzten Zeit das ich seine Frage nur zur Hälfte mitbekommen hatte. Seine große Hand legte sich auf meine Finger, die noch immer den Ring am Finger hin und her schoben. “Hast du?” ich schüttelte entschuldigend den Kopf. “Erzähl es mir noch einmal.”

      “Lillith hat vorhin angerufen. Sie wollte eigentlich dich sprechen. Aber da du noch mit Pina in der Halle gewesen bist hab ich sie angewiesen später anzurufen.” Ich horchte auf. “Ist sie noch immer nicht zurück in der Uni?” Louis verneinte meine Frage “Sie hat sich von Caleb wohl ein wenig zu sehr auf der Ranch einspannen lassen. Sie kann ihm einfach keinen Wunsch abschlagen.” Diese Information war mir tatsächlich neu. “Ah ja?” darin schwang echte Neugier mit hinein. “Sie ist ja auch mit ihm aufgewachsen...als sie jünger war hat sie ganz schön für ihn geschwärmt. Ich denke davon hängt noch immer etwas mit.” Ich konnte mir die junge Frau nur schwer in einer Schwärmerei vorstellen. “Wie es ihm wohl geht?” es war das erste Mal seit unserer “Flucht” von der Ranch das wir seinen Namen wieder erwähnten. “Er wird sich noch mehr in die Arbeit stürzen, grimmig zu jedem und alles sein und seine wahren Gefühle so gut es geht vergessen wollen. Wir kennen ihn beide.” kurzes Schweigen “Ich bereue manchmal was ich ihm damit angetan habe. Aber irgendwie muss er damit klar kommen. Vielleicht wird es die Freundschaft auf ewig zerstören. Aber… ich weiß einfach, dass ich das richtige getan habe.” damit kam er mir näher, hob mein Kinn und küsste mich sanft auf die Nase. Das tat er öfters. Ich hatte es zunächst als seltsam empfunden, doch mittlerweile mochte ich diese Bekundung der Zuneigung. “Wie war das Training mit Pina?” überging er das bedrückende Thema rund um Caleb. “Ziemlich gut. Zwar wurde zu jung zu viel mit ihr gemacht, aber sie hat trotzdem so einen ausgeglichenen Grundcharakter und einen will-to-please.” ich musste lächeln “Ganz ehrlich...davon könnte Fylgia sich mal ne Scheibe abschneiden. Pina hab ich allerdings erstmal nur vom Boden aus gearbeitet. Durch den Regen und ihre Zeit im Offenstall war sie ohnehin klitschnass. Für die nächste Zeit habe ich mit Elisa abgesprochen das wir sie eindecken - nur falls der Regen weiter Einzug hält.” Louis verzog ein wenig die Augenbrauen. Der Lakota hielt nicht sonderlich viel davon Pferde in eine Decke zu packen. Das war auch der Grund wieso meine Vollblutdame bisher keine trug. Das würde ihr erster Herbst im kalten Kanada werden. Grundsätzlich kannte sie zwar auch kalte Temperaturen aber der plötzliche Wechsel von Texas nach Kanada hatte ihr doch einiges an Fellwechsel beschert. Sie schob bereits jetzt ordentlich Fell. Pina hingegen erstrahlte beinahe noch im Glanz des Sommers.


      Am nächsten Tag hatten die Wettergötter endlich erbarmen, nach einer Woche des Regens startete die zweite Augustwoche mit strahlendem Sonnenschein. Als ich die Stallgasse mit Pina an der Hand verließ, hielt ich mein Gesicht erstmal in die Sonnenstrahlen. Herrlich! Obwohl ihre Strahlkraft um 8 Uhr morgens noch nicht allzu heftig war, so hoffte ich doch das es etwas besser werden würde. An der Aufstiegshilfe im Hof hielt ich die Ponystute an, schwang das Bein über ihren Rücken und ließ mich in den Sattel gleiten. Neugierig schnupperte sie an meinen Wanderschuhen, die sicherlich nach den anderen Pferden riechen mussten. Kurz sortierte ich mich, dann ging es im flotten Schritt zum Springplatz. In der letzten Woche hatten wir uns die Sprünge bereits bei einem Spaziergang beschaut. Da Pina keine Unsicherheiten gezeigt hatte, am Sprung deutlich Spaß hatte. Da übersprang ich dieses Mal den Fakt ihr das Springen erst vom Boden zu zeigen. Zwischen dem Parcours wärmte ich uns beide ordentlich auf, nutze dazu auch die Trabstangen die überall umher lagen. Erst danach ritt ich den ersten Sprung mit Pina an. Sie spitze aufmerksam die Ohren, zog ein wenig an Tempo an und setzte mit mir über den Sprung hinweg. Sie zeigte auch bei den nächsten beiden Hindernissen keinerlei Scheu vor deren aussehen. Meine Fylgia parkte doch durchaus mal vor dem ein oder anderen Geländesprung. Pina schien diese Eigenschaft wirklich überhaupt nicht zu teilen. Auch bei den Sprüngen der Klasse E befand sich eine Treppe. Dort musste hinauf gesprungen werden, ein kleiner Busch überwunden und anschließend ging es sanft wieder bergab. Ich vertat mich zweimal ein wenig in den Abständen, dann kamen wir etwas zu kurz am Sprung an. Dabei rettete mich dann wirklich diese willige Ponydame und entschied ein wenig selbst die Distanz. Dafür das Pina noch keine Erfahrung hier draußen auf der Geländestrecke hatte machte sie ihre Sache besonders gut. Davon berichtete ich schließlich auch Joline als diese mit einem Pony in der Stallgasse beschäftigt war. “Ja Pina ist hier wirklich aufgeblüht. Vielleicht hat sie das ihre Vergangenheit ein wenig vergessen lassen.” “Kann gut sein, davon hab ich schon ein paar Mal was gehört. Gerade bei Stuten. Aber mal eine andere Frage. Ich wollte schauen wie weit Alleluja und Dajun sind mit ihrem Training. Magst du am Nachmittag mit raus kommen? Dann tauschen wir gern mal die beiden untereinander. Dann seh ich auch mal von außen wie die beiden sich anstellen.” Joline nickte eifrig “Oh ja gern!” “Gut, dann bereits ich gemeinsam mit Tschetan später Allelujah vor.” “ Der Junge hat wirklich einen Narren an dem Hengst gefressen,oder?” ich musste dabei breit Grinsen. “Ziemlich ja.”


      Tschetan ließ es sich am Nachmittag nicht nehmen uns zum Geländeparcours zu begleiten. Innerhalb weniger Minuten hatte er dem Wallach Inyan das Halfter übergestreift und ritt neben uns ohne Sattel einher. Auch Elisa hatte vom gemeinsamen Training gehört und wollte sich ein Bild meiner Arbeit machen. Ich war jetzt schließlich beinahe 1,5 Monate hier auf Townsend Acres zu werke. Ich war dabei sichtlich nervös. Es war mein erster Auftrag den ich erledigte außerhalb der Ranch. Natürlich wollte ich den guten Ruf von Caleb nicht durch den Sand ziehen. Dementsprechend brachte meine Nervosität auch Allelujah etwas aus dem Konzept. Also ließ ich zunächst Joline und Dajun den Vortritt. Während ich nur halb deren Sprüngen folgte, atmete ich bewusst ein und aus. Meditation hat mich in der letzten Zeit gut beruhigen können. Dann erst konnte ich aufmerksamer Burnin' Unbridled Dreams beobachten wie er mit Joline die Sprünge meisterte.
      Ich begann damit Allelujah ebenfalls ein wenig warm zu reiten. Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr das auch Tschetan mit Inyan einige der Hindernisse überwand. Konzentrierte mich dann aber doch eher auf den Hengst unter mir. Allelujah brannte wirklich darauf zu springen, also ließ ich ihn die ersten Hindernisse überwinden. Ritt einige Volten um das Tempo ein wenig herauszunehmen. Dann ging ich die Treppe an, die uns einige Zeit probleme bereitete. Etwas stockig brachten wir das Hindernis hinter uns. Sowie noch ein paar andere. Dann hielt ich bei Joline an, die bereits schon nicht mehr auf Burnin' Unbridled Dreams saß. “Ich bin gespannt. Die Treppe da hinten scheint ihm entweder noch nicht geheuer oder es liegt einfach an mir. Ich denke ich gebe ihm dort nicht die nötige Sicherheit.” Damit tauschten wir die Pferde. Wie vermutet - gemeinsam mit Joline überwand der Palominohengst die Treppe ohne ein sichtbares Zögern. Ich grinste breit. Es lag also an mir.


      Während Elisa und ich uns darüber unterhielten über die Fortschritte der beiden Hengste hielt sich Tschetan respektvoll im Hintergrund. “Ich denke wirklich für die beiden ist das Training beendet. Sie nehmen die Sprünge sicher und ohne Probleme. Für Starts auf den gängigsten Turnieren sind sie somit gut gewappnet. Mit Pina arbeite ich noch eine weitere Woche dann ist auch sie auf dem Stand der beiden anderen.” Elise hörte Aufmerksam zu “Ich denke auch die Arbeit mit den beiden ist durch. Ich würde nur gern noch jemandem für seine Hilfe Danken.” sie winkte Tschetan heran, der offensichtlich Neugierig auf Inyan heran getrabt kam. “Du hast in der letzten Zeit viel geholfen, wenn es um Allelujah ging. Da der Hengst dich ja zu mögen scheint. Möchtest du ihn einmal reiten?” Tschetan gab keine Reaktion. Sah von dem Palominohengst nur langsam zu mir, die Frage konnte ich beinahe hinter seinen Augen sehen. Ich gab ein kleines Nicken von mir. Dann erhellte sich sein Gesicht. Er rutschte von Inyan herunter, murmelte ein paar Worte auf Lakota. Das Pony blieb wie angewurzelt an seinem Platz stehen, während sich Tschetan ohne weitere Mühe behende in den Sattel des Hengstes schwang - ohne dabei auch nur die Steigbügel zu nutzen. Elisa und Joline zogen beide die Augenbrauen nach oben. “Wie ein richtiger Cowboy!” wollte Joline ihn damit Loben. Ich biss mir dabei bereits auf die Lippen, Das waren die falschen Worte. Tschetan kniff die Augen zusammen, schien Joline zu taxieren. “I am Lakota. “ sprach er stolz “not a Cowboy.” wobei letzteres Wort ausgespuckt wurde. Dann gab er die Zügel vor, spornte Allelujah an. Der Hengst sprang in feiner Manier aus dem Stand in den Galopp. Außerdem ließ es sich der Junge nicht nehmen einen Kriegsschrei von den Lippen zu lassen. Ich schüttelte dabei nur lachend den Kopf. “Seht es ihm nach. Er ist sehr stolz auf seine Herkunft und reagiert da manchmal ein wenig seltsam. “ Joline winkte ab. Elisa grinste “Voll ins Fettnäpfchen gefasst.” “mhm” brummte Joline. Dann sahen wir wie Tschetan ein paar der Sprünge mit dem Hengst sprang. “Aber eins muss man sagen, reiten kann er!”


      Am Abend amüsierte sich Louis sichtbar über die Geschichte von Tschetan. Allerdings trieben ihm fast Tränen in die Augen als ein kleines Glucksen den Tisch bereicherte. Kaya erschrocken über den Ton schlug sich die Hände vor den Mund. Sie hatte einen Laut von sich gegeben! Sie sah von einem zum anderen. nahm die Hände fort und lachte breit in die Runde. Ihr großer Bruder nahm sie fest in den Arm und auch Louis sprang auf um sie zu umarmen. Ich sah der Szene zu, dann wackelte die Hand von Kaya aufgeregt. “Genau.. komm her. Du gehörst dazu.” flüsterte Louis.


      Die nächsten Tage über lag meine Aufmerksamkeit dann wieder nur auf Pina. Die Stute war easy going. Und so ließ ich Joline früher als geplant austesten was die Stute unter meiner Anleitung gelernt hatte. “Sie ist wirklich eine tolle Stute. Sie folgt den feinsten Hilfen. Manchmal habe ich das Gefühl man müsste nur Denken was man von ihr möchte und sie führt das aus. Ich glaube sie möchte es einfach jedem Recht machen und ein Stück wieder geben. Elisa hat mir ein wenig von ihrer Vergangenheit erzählt. Das sie sich trotzdem so entwickelt hat ist klasse.” lobte ich die Stute auf dem Weg zur Strecke. Ich hatte mich dieses Mal auf Gweny gesetzt um auch meine Vollblutstute auf der Strecke nochmal zu springen. Ich hatte bereits die Rückreise von 1000 Kilometern zurück zur Bow River Ranch im Kopf. Ich freute mich riesig auf Fylgia und Valravn. Nur der Begegnung mit Caleb sah ich zwiegespalten entgegen. Vorerst schob ich den Gedanken jedoch an den Rand meiner Aufmerksamkeit. In stummer Übereinkunft hatten Joline und ich begonnen die Ponys warm zu reiten, die ersten Trabstangen anzupeilen und schließlich die ersten Sprünge. “Pina ist einfach traumhaft zu reiten.” seufzte Joline “Dem kann ich nur zustimmen. Wäre sie nicht hier in der Zucht, dann wäre sie sicherlich ein tolles Nachwuchspony für Jugendliche die im Sport weiterkommen wollen.” meinte ich dabei ernst. “Denkst du dabei an den Jungen?” ich schüttelte erheitert den Kopf. “Er springt zwar ganz gern mal. Aber für den Sport in Englischer Reitweise...nein. Falls er nach Louis schlägt dann wird er sich wohl eher auf diversen Rodeos umhertreiben sobald er Älter wird.” “Also doch ein Cowboy?” feixte sie. Ich zwinkerte ihr zu “Sag ihm das nur nicht.”


      Am Abend verließ ich das Büro von Elisa, wir hatten alle formalitäten geklärt. Ein Teil der Unterstellkosten meiner beiden Pferde hatten wir mit dem Preis für meine Arbeit verrechnet. Das Geld würde direkt an die Ranch überwiesen werden. Schließlich war ich dort Angestellt. Ich lächelte über das ganze Gesicht, denn ich hatte für meine Arbeit gute Kritik und Lob erhalten. Für meinen ersten Job als Trainer in dieser Art war ich zufrieden damit. Das alles hatte ich auch der Ranch zu verdanken. In dem Jahr das ich dort verbracht hatte, durfte ich mein Wissen um das Training mit Pferden nochmal deutlich verbessern. Als ich noch einmal in Richtung des Paddocks lief um mich von Pina, Burnin' Unbridled Dreams und auch Allelujah zu verabschieden traf mich dann allerdings ein kleiner Schock. Die beiden Roans hatte ich bereits erledigt, mir fehlte nur der Palominohengst. Dieser stand angebunden am Anbinder vor seiner Paddockbox. Jemand war dabei ihn zu putzen. Die Statur...die Klamotten...und vor allem der Cowboyhut mit dem blonden Haarschopf darunter ließen keine Fragen aufkommen. “Caleb?!” entfuhr es meinen überraschten Lippen.
    • Ravenna
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      Little Moments | Ravenna | 14202 Zeichen

      Caleb

      Ich saß zusammen mit meinen Mitarbeitern am Frühstückstisch und genoss meinen Kaffee und die Ruhe. Alle Arbeiten für den heutigen Tag waren eingeteilt und so konnte jeder nun stillschweigend sein Essen genießen. Zumindest so lange, bis Betsy die Treppe hinab gestürmt kam und mit ihrer kindlichen Quietschestimme rief: “Schnee! Leute es schneit! Ooooh… es ist ja alles weiß!” “Hat ja auch die ganze Nacht geschneit.”, murrte ich und sah sie über meine Kaffeetasse hinüber an. “Ich schnapp mir sofort Sue und geh mit ihr ausreiten!”, trällerte sie, ehe sie den Raum und schließlich das Haus verließ, was ich am Zuknallen der Haustür bemerkte. “Hat jemand Zeit mit ihr ausreiten zu gehen?”, fragte ich in die Runde. Octavia nickte und stand sofort auf. “Raspberry würde ein Ausritt mal wieder gut tun.”

      Octavia verschwand ebenfalls aus dem Haus. Seit Sue gekrönt war, war ihr Wert um einiges gestiegen. Sie gehörte zwar noch immer Betsy, aber sie durfte nicht mehr alles alleine mit der Stute machen. Leider war Sue nicht tragend, dafür aber einige andere Stuten. 2020 würde das erste Jahr werden, in dem Zuchtfohlen verkauft werden würden. Es stand noch nicht fest, welche Fohlen weggehen würden. Welche allerdings behalten wurden, das stand schon lange fest. Ein Fohlen aus Lena und Gangster würde bleiben, Devils Fohlen würde bleiben und das Fohlen aus der Leihstute Aerith und Hollywood. Ebenso das Fohlen von Tainted Whiz und dem Fremdhengst Dissident Aggressor.. Das Fohlen von Ginny und Barbie war sogar schon reserviert worden von einer alten Bekannten. Zur Zeit war ich sogar ein wenig auf der Suche nach einem Zuchtpartner. Was sich da ergeben würde, das stand noch in den Sternen. Was jedoch sicher war, dass wir diesen Winter über die neuen Jungpferde anreiten würden. Octavia hatte einiges wobei sie meine Hilfe brauchte und auch bei den Westernpferden der Ranch war einiges vom Jungpferdestall in den Hauptstall umgezogen. Auch das Training der anderen Pferde würde im Winter nochmal aufgenommen werden, so dass wir nächstes Jahr mit einer guten Stückzahl in die Turniersaison starten konnten. Die Zuchthengste, die personalbedingt dieses Jahr leider viel zu viel gestanden hatten, würden auch wieder an den Start gehen und die Ranch präsentieren.
      Ich überlegte auch, im März oder April ein Westernturnier hier auf der Ranch zu organisieren, nachdem der ganze Trubel um das Joelle Horse Makeover vorbei war.

      Ich trank meinen letzten Schluck Kaffee und sah nochmals in die Runde. Heute war der 31.12., das Jahr war vorbei. Viel hatte sich seit dem letzten Jahr hier nicht getan.

      Dass sich im nächsten Jahr allerdings einiges ändern würde, das stand schon lange fest. Ich hatte mich endlich entschieden, was ich mit meiner eigenen Ranch anfangen wollte. Westernpferde. Turnier, Zucht, Freizeit.

      Dafür mussten uns natürlich einige Tiere verlassen. Mit Octavia hatte ich ewig lange hin und her überlegt und diskutiert, welcher ihrer Tiere weggehen würden, und… ob überhaupt Pferde von ihr uns verlassen würden. O war dem Ganzen jedoch absolut nicht abgeneigt. Silent Bay, dessen Besitzer bislang immer noch Bellamy gewesen war, wurde auf meinen Namen überschrieben und wechselte recht schnell in den Hauptstall.

      So hatte Octavia nun noch 10 Pferde, die auch fast ihre gesamte Zeit in Anspruch nehmen würden. Neben Pria blieb auch ihre älteste Tochter Colourful Soul, die Halbblutstute von Colour Paint. Ihr letzter Neuzugang, Leuchtfeuer di Royal Peerage blieb auch und zauberte uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, weil wir den deutschen Namen allesamt nicht richtig aussprechen konnten. Raspberry, wer hätte es anders gedacht, blieb auch. Dakota allerdings würde uns verlassen. Sowie eine ganze Menge Englischer Vollblüter. Auch wenn viele den Besitzer wechseln würden, für einige hatten wir auch schon Interessenten, würde Octavia sieben Stück behalten. Pria, wie schon genannt, Tigres Eye, Drama Baby, Candlejack, Culain, Peacful Redemption und Wildfire. Cleavant ‘Mad Eyes’ und Ceara Isleen blieben nach viel Diskussion ebenfalls. Also besaß Octavia weiterhin 12 Pferde, nicht nur 10.

      “Laurence und Cayce bewegt ihr die Stuten heute ein bisschen? Ich kümmere mich mit Bellamy um die Hengste. Murphy du kannst dir Connor schnappen und schaust mal bei den Fohlen vorbei. Fohlen ABC müsste bei allen sitzen, schau mal was sie noch wissen. Joker, Katie und Goldy könnt ihr beide mit in den Hauptstall bringen, für die fängt jetzt der Ernst des Lebens an. O macht ihre Pferde heute ja alleine.”, sagte ich in die Runde und schaute in nickende Gesichter, gefolgt von zustimmendem Gemurmel. “Na dann ab an die Arbeit- und heute Abend feiern wir Silvester!”

      Quietschende Stühle, sich stapelnde Teller und klirrende Tassen. Ruck zuck war der Tisch abgeräumt, alles an seinem Platz verstaut und jeder auf dem Weg nach draußen.




      Ylvi

      Ich trampelte von einem Fuß zum nächsten. Um mich herum hundert andere Menschen, schreie gingen durch die Luft. Sie kamen von den Menschen die auf ihren Pferden die vereiste Straße herunter ritten, aber auch von denen die sie willkommen hießen In der Reitermenge suchte ich nach den Kindern und Louis. Am Strick führte ich einen aufgeregten Ravn, eine entspannte Fylgia. Valravn ließ sich von der Stimmung um ihn herum ziemlich beeindrucken. Ich selbst verspürte einfach nur Ehrfurcht. Der Schauer der sich über meinen Rücken zog konnte aber durchaus auch von der Kälte stammen. Die Gruppe von Reitern wurde begleitet von großen Autos. Louis hatte den Ritt mitreiten wollen. Auch Tschetan war seit beginn an dabei. Kaya hatte den Ritt auf Fylgia begonnen. War jedoch bald zurückgefallen und sichtlich erschöpft gewesen. So hatte sie zwei Tage ausgesetzt. Doch für den letzten Tag hatte sie Tschetan auf Inyan mitgenommen. Jetzt sah ich die drei in den Massen der Reiter. Andere bunt geschmückte Reiter kamen an mir vorbei. Der Chief Bigfoot Memorial Ride fand hier am Wounded Knee sein Ende, an dem am 29.12.1890 das Massaker stattgefunden hatte. Mit Absicht hatte ich mich aus dem Ritt herausgehalten. Soviel Empathie ich auch aufbrachte für Louis, für all die Generationen an Lakota vor ihnen, ich gehörte nicht zu diesem Volk. Anders als Louis und seine Cousins. Trotzdem erfasste mich das Gefühl der Gemeinschaft, kleine Tränen rannen mir über die Wangen. Ich sah verfrorene Kinder in schlechter Kleidung, auf abgefressenen Ponys. Unter ihnen fielen meine 4 Exemplare natürlich auf. Louis ritt Gwenny auf blankem Rücken. Was wohl ihre Vorbesitzer sagen würden, wenn sie das gekörte Vollblut ihr zwischen den “Indianerpferden” umher rennen sahen? Ich verschob den Gedanken nach hinten. Es ginge sie ohnehin nichts an. Ein schreiender, aber grinsender Tschetan ritt an mir vorbei, Kaya winkte begeistert von ihrem Platz vor ihrem Bruder. Ich winkte zurück. Louis ritt vorn. Er war einer der Standartenträger. Sein Gesicht war bemalt. Völlig schwarz mit weißen Punkten. Zu alten Zeiten hätte er mit diesem Gesicht schrecken bei weißen Siedlern erzeugt. Mich hatte es zunächst auch erschrocken. Dann hatte er mir von seiner Vision erzählt. Das seine Bemalung eine starke Medizin besaß. Im Galopp ritten sie auf das verschneite Feld. Die Träger der Standarten in der Mitte, während der Rest der Reiter um sie herum ritt. Trommelschläge erschollen und die ganze Situation war völlig losgelöst.
      Die anschließende Ansprache, das Gebet ...das ging wie im Traum an mir vorbei, nicht allein da sie in Lakota gesprochen wurde. Wie viel verstanden wohl die beiden Kinder? War ich nicht in der Nähe dann sprach Louis oft mit Tschetan in ihrer Sprache. Da Kaya nach wie vor nicht sprach. Konnte ich nicht viel zu ihren Sprachkenntnissen wissen. Schließlich hoben alle die rechte Faust. Die letzten Worte kamen auch an meine Ohren. “May the 7th generation rise!”


      3 Stunden später saßen alle im Auto. Auf dem Hänger standen wieder 4 Pferde, mit denen wir von der Pine Ridge Reservation aufbrachen. Gwenny und Inyan waren sicherlich froh über diese Ruhe. In den vergangenen zwei Wochen waren sie täglich mehrere Meilen gelaufen. Auch meine Fylgia hatte diverse Kilometer bestritten. Valravn war jediglich von mir bewegt worden, musste aber mit da wir ihn nicht allein zurücklassen wollten. Vor uns lag nun eine 1500 Kilometer lange Reise um noch vor dem Jahreswechsel zurück auf der Bow River Ranch zu sein. Während wir zunächst beim Horse Makeover geholfen hatten, waren wir Mitte November aufgebrochen um Verwandtschaft der Kinder in Pine Ridge zu besuchen. So war dann auch Louis eingeladen worden den 200 Meilen Ritt mitzumachen. Beide Kinder hingen in ihren Sitzen und schliefen. Ich fuhr, während ein sehr müder Louis auf dem Beifahrer hockte. “Herrlich, wenn die Füße zum ersten Mal wieder richtig auftauen.” ich sah ihn skeptisch von der Seite her an. “Herrlich? Ich hab das als äußerst schmerzhaft in Erinnerung.” Louis zuckte die Schultern, streckte die Zunge raus. “Schlaf ruhig ein wenig. Dann wechseln wir wenn du wach bist.”
      Mittlerweile hatten alle 4 Ponys eine unfassbare Routine mit langem stehen auf dem Hänger, ich selbst mit dem Fahren. Dem Ziel sah ich mit gemischten Gefühlen entgegen. Ich freute mich wahnsinnig darauf alle wieder zu sehen. Die Arbeit auf der Ranch fing an mir zu fehlen. O hatte uns zurückgebeten. Sie wollte die Familie beisammen Wissen wenn der Jahreswechsel von statten ging. Wir hatten zunächst gezögert. Uns aber schlussendlich dafür entschieden. Früher oder später mussten wir Caleb wieder unter die Augen treten um eine Einigung zu finden. Durften wir mit unseren Pferden auf der Ranch bleiben? Würde unser Leben dort fortgesetzt oder mussten wir uns insgesamt ein neues Heim suchen? Besonders der Kinder wegen würde uns eine solche Entscheidung Calebs sehr treffen. Ich hoffte nur O hatte unsere Anwesenheit zur Silvesterfeier nicht verheimlicht.


      Caleb

      ‘Hier stand ich nun. Alleine. Gefangen in meinen Gedanken. Unfähig, etwas zu fühlen oder richtig darüber nachzudenken, was passiert war. Ich hatte alles, alles was ich mir im Leben erträumt hatte. Zwar hatte ich Träume anpassen müssen, um jetzt hier zu sein und meinen Weg nicht nur einmal geändert, aber ich war dort angekommen, wo ich sein wollte. Dennoch hatte es nicht gereicht. Es hatte ihr nicht gereicht. Ich hatte ihr meine Welt zu Füßen gelegt, ja sogar meine Welt für sie umgekrempelt, mich für sie verändert, war ein besserer Mensch und sogar Liebhaber geworden. Romantik? War für mich lange Zeit undenkbar gewesen. Liebe? Wir hatten uns beide kennen gelernt, als wir als “emotional unbrauchbar” abgestempelt worden waren. Ich hatte mich ihr zu schnell geöffnet, war mit Anlauf ins kalte Wasser gesprungen und hatte ihr Platz in meinem Herzen geschaffen. Ich war aufs Ganze gegangen, weil ich gedacht hatte, mit ihr wäre es anders. Mit ihr könnte ich es schaffen. Wir könnten es schaffen.

      Schneller als es mir bewusst gewesen war, wurde ich eines besseren belehrt. Nun war es vorbei. Sie hatte sich für jemand anderen entschieden. Jemanden, der ihr das geben konnte, was sie wohl brauchte und in mir nicht gefunden hatte. Wir waren so gleich und doch so verschieden gewesen. Waren wir einfach nur zwei einsame Seelen gewesen, die sich eine Zeit lang gebraucht hatten? Die sich gefunden hatten, füreinander da gewesen waren, sich aufgebaut hatten und dann wieder alleine fliegen mussten?’

      “Hey Caleb, ist da jemand anwesend?”, riss mich Bellamy aus meinen tiefsinnigen Gedanken. “Ja.. mist…”, murmelte ich und griff schnell nach vorne, damit mit die Mistgabel nicht ganz aus den Händen glitt. In letzter Zeit dachte ich immer weniger an Ylvi… und Louis. Aber jedes mal wenn ich daran dachte, hatte ich die gleichen Gedanken. Ich sah den Schlag, den ich Louis verpasst hatte vor mir, sah sie Beide die Ranch verlassen und eine kleine Stimme in mir hatte sich gewünscht, dass sie nie wieder kommen würden.

      Aber ich hatte überreagiert. Jetzt, fast 3 Monate später, war ich mir wirklich sicher, dass ich überreagiert hatte. Aber so war ich leider. Auch nach 26 Jahren, die ich nun auf der Welt war, war ich noch immer genau so, wie ich als Kind gewesen war. Aufbrausend, schnell wütend, nachtragend, impulsiv, emotional. Ich schloss kurz die Augen, atmete einmal tief durch und öffnete dann langsam meine Lider. Bellamy war eine Box weiter gegangen. Er wusste mittlerweile, dass er mich manchmal besser mit meinen Gedanken in Ruhe ließ. “Heute kommen Louis und Ylvi wieder, oder?”, fragte ich ihn plötzlich und sah, wie er kurz zusammenzuckte. “Ja. Heute Abend. Um zusammen ins neue Jahr zu feiern. “Na hoffentlich küssen sie sich um Mitternacht nicht. Sonst muss ich Louis wieder eine reinhauen.”, sagte ich und grinste Bellamy an. Dieser wusste zu erst nicht, ob er lachen sollte, oder nicht. Entschied sich dann jedoch zu einem Lächeln. “Naja, ich hoffe natürlich nicht. Einmal reicht.”, meinte er schulterzuckend und drehte sich dann um, um die Box weiter zu misten.

      Nach etwa einer Stunde waren wir mit dem Hengststall fertig. Meine Gedanken hatte ich wieder beisammen und war sogar ein bisschen besser gelaunt. Zumindest solange, bis ich vor dem Haus den Truck von Louis sah. Ich blieb stehen, schluckte einmal- setzte dann jedoch meinen Weg fort. Ich konnte nicht ewig vor ihnen davonlaufen.



      Ylvi

      Ich war gespannt auf die Feier am Abend. Ich hatte Caleb gesehen. Wie er stehen geblieben war, den Blick gerichtet auf den Wagen, dann in Richtung Wohnhaus. Er hatte mich hinter den Gardinen nicht sehen können. Nur kurz, dann war er weiter in Richtung Haupthaus gegangen. Das wir dort oben eingezogen waren schien mir beinahe wie in einem Traum fort zu sein. Mit Louis war es anders. Schon allein wegen der Kinder. Tschetan und Kaya waren unsere Aufgabe. Gerade Kaya kostete Kraft. Langsam führte ihre Stummheit in der Schule zu Problemen. Wir mussten sehen, das sie nicht unterging. Die Lehrer schickten uns zu Psychologen. Gleichzeitig hatte ich beschlossen mehr auf der Ranch zu tun. Als Trainer einzusteigen, hatte bereits in unserer Auszeit einige Aufträge erledigt. Ich hatte Blut geleckt. Das neue Jahr stand also bereits mit vielen Neuerungen vor der Tür. 2019 war geradezu an mir vorbei gerauscht so viel war geschehen.
    • Ravenna
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      1. Reiningkurs auf der Bow River Ranch
      Valravn LK 3 - LK 2
      April 2020, by Veija
      Caleb
      Es war eine Woche vergangen, seit ich vom Besuch auf Evergreen Acres zurückgekehrt war. Hier zu Hause lief alles wie immer. Ein Tierarzt hatte sich unser Waisenfohlen Queen angesehen gehabt und festgestellt, dass das Problem mit Zufüttern erledigt war. Dabei ging es nicht nur um Queen sondern auch um das eigentliche Fohlen von Aunti, was noch immer keinen Rufnamen hatte. Leider hatten noch fast alle Fohlen keine Spitznamen. Auf Anhieb fielen mir auch nur Daisy, Shark, Queen und Elvis ein. Beim Rest mussten wir uns wohl noch einmal zusammensetzen und überlegen. Hauptsache alle waren gesund und allen ging es gut. Ich hatte zuerst ein wenig Angst gehabt, ich müsste den Kurs aus diesem ausfallen lassen, weil ich mir ziemliche Sorgen um Queen gemacht hatte. Doch Tschetan freute sich schon ganz besonders auf den Kurs. Er half mir wo er nur konnte und stand jetzt schon wieder im Stall und kontrollierte, ob auch alle Boxen bereit für die Ankunft der Pferde waren. “Ich hatte sie eigentlich alle draußen am Platz oder an der Halle stehen haben wollen, aber ich denke es ist besser, wenn wir es beim Stall belassen”, sprach ich den jungen Lakota an, der sich wie ertappt zu mir umdrehte. “Es wird nachts noch ziemlich kalt”, erwiderte er und ich nickte. “Genau. Sind die Boxen bereit zum Einzug?”, fragte ich ihn und der Junge baute sich stolz vor mir auf. “Alles bereit. Die Leitungen sind frei, sie können also trinken. Jedes Pferd hat schon Heu und ich hab vor jede Box Eimer gestellt, so dass die Teilnehmer ihr Kraftfutter selbst rationieren können”, verkündete er mir. “Das ist gut Tschetan. Valravn steht aber weiterhin im Paddocktrail von Ylvi, oder kommt er auch in den Stall?”
      Tschetan schien zu überlegen, dann sagte er: “Ich.. ich… eigentlich schon. Oder soll er lieber im Stall stehen?”, fragte er mich unsicher.
      “Nein, alles gut. Lass ihn im Trail, dann ist zumindest für ihn alles wie immer”, erklärte ich und schaute einmal durch die leere Stallgasse. “Ich hab mir heute morgen noch überlegt, ich nehme von mir drei Pferde zum Kurs dazu. Blue war ja von Anfang an eingeplant. Ist schon doof, dass meine besten Pferde grade alle Fohlen bei Fuß haben…”
      “Von wem sprichst du denn?”, unterbrach mich Tschetan, so dass ich meinen Gedankengang gar nicht zu Ende bringen konnte.
      “Smartie. Ich hätte so gerne gezeigt, wie weit wir sind und was sie alles schon kann- und Bella hätte eine Auffrischung bestimmt auch gut getan… aber ich hab mich jetzt eben für Blue, Gangster und Stormborn entschieden. Blue ist fertig ausgebildet, der kann so einiges. Gangster steht noch am Anfang, wobei ich da auch Witch hätte nehmen können, aber sie hat jetzt einfach Pause, nach dem gelungenen Makeover- und Stormborn.. ja die ist gerade in der Ausbildungsskala in der Mitte angekommen. Ich denke, damit kann ich euch einiges vorreiten.”
      Tschetan nickte zustimmend. “Ich bin… schon ein wenig nervös”, rückte er dann mit der Sprache raus und trat leicht von einem auf das andere Bein. “Das brauchst du nicht- selbst wenn nicht alles klappt du hast den größten Vorteil von allen. Du wohnst hier und ich kann dir jeden Tag weiterhelfen. Die anderen, bis auf Tiara, sie bleibt noch zwei Wochen, fahren nach der Kurswoche wieder nach Hause und ich kann ihnen nicht sofort helfen, wenn sie Probleme haben”, munterte ich den Jungen auf, klopfte ihm auf die Schulter und verließ dann den Stall. Am nächsten Morgen, Montagmorgen, sollten die ersten Teilnehmer anreisen. Tiara würde sich vermutlich ein wenig verspäten, denn sie hatte keinen Flug mit Pferd mehr nach Calgary bekommen, weil der Entschluss so kurzfristig gekommen war. Stattdessen würde sie am frühen Morgen in Medicine Hat landen und musste von dort zu uns rüber fahren, was zwei Stunden länger dauerte, als die halbe Stunde von Calgary zu uns. Laurence hatte sich jedoch zusammen mit Brian bereit erklärt, Tiara und Valhalla abholen zu fahren.
      Die Chauffeure für Johanna, Alicia und Niklas sowie Jake übernahmen Bellamy und Cayce.

      Am Abend brachte ich Gangster, Blue und Khaleesi- den Spitznamen hatte Octavia Stormborn gegeben und seit dem hatte er sich so in meinen Kopf gebrannt, dass er da einfach nicht mehr rausgehen wollte, in die Boxen an der Halle. Die Pferde schienen sich nicht über ihr neues Nachtquartier zu wundern, denn sie waren es gewohnt, dass sie mal hier und mal da in einer Box standen. Immer da, wo ich sie gerade trainieren wollte.
      Beim Abendessen herrschte reges Treiben und alle wollten etwas über die neuen Pferde erfahren. Besonders Betsy hörte gar nicht mehr auf zusammen mit Tschetan zu diskutieren, ob es denn alles richtige Westernpferde wären. Auch Kaya brachte sich ein bisschen in das Gespräch der Kinder ein. Zwar sagte sie wie immer kein Wort, nickte aber ab und an oder schüttelte den Kopf. In der letzten Zeit war mir vermehrt aufgefallen, dass sie sich mit Betsy und Tschetan in einer Art Zeichen- oder Gebärdensprache verständigte. Ich musste Louis oder Ylvi mal danach fragen, denn verstehen tat ich kein ‘Wort’.


      Montagmorgen. Noch zwei Stunden, bis die Teilnehmer eintreffen sollten. Laurence und Brian waren schon eine ganze Weile weg. Auch Bellamy und Cayce wollten sich mit zwei Trailern auf den Weg machen. So konnte Starshine, die Stute von Alicia und Niklas, alleine transportiert werden und nicht zusammen mit den beiden Hengsten. Das ersparte den Tieren einiges an Stress.
      Tschetan war schon auf der Huf und tigerte über den Hof. Er hatte heute morgen nicht nur- schon wieder- nach den Boxen der Kursteilnehmer geschaut, sondern auch meine drei Pferde für den Kurs vorbildlich versorgt und auf die Koppel gebracht. Ich hatte ihn dazu zwar nicht angestellt, war aber froh um jede Hilfe die ich bekommen konnte, denn so hatte ich noch ein wenig Zeit für meinen Papierstapel im Büro gehabt. Außerdem war ich im Internet an einem Trainingsvideo zum Sliding Stop hängen geblieben. Fast alle Pferde hatten Probleme mit dem Stop und ich hatte mir schon den Kopf zerbrochen, wie ich ihnen helfen konnte. Ich hatte ein ganzes Repertoire an Hilfengebungen und Stellungen in meinem Kopf. Was ich davon allerdings anwenden konnte und was nicht, sah ich erst, wenn ich die Pferde hier hatte und gegebenenfalls auch selbst ritt.
      Die Zeit bis zur Ankunft der Teilnehmer verging wie im Flug. Wie durch ein Wunder war Tiara doch die erste, die bei mir auftauchte. “Lange nicht gesehen”, scherzte ich und umarmte sie kurz. Tiara schien sich erst nicht so ganz sicher, erwiderte die Umarmung dann allerdings und erzählte mir ein wenig von ihrem Flug. Valhalla war ziemlich nervös, die Sedierung des Fluges schien wohl nachzulassen. “Im Stall sind Boxen mit Paddocks fertig, wir bringen sie heute zunächst dahin, ab morgen stehen euch dann kleine Koppeln zur Verfügung”, erklärte ich ihr und zusammen gingen wir in den Stall, in dem Valhalla auf die rechte Seite kam. Dort würde auch Walla Walla Starshine unterkommen, während A Painted Smart Delta und Four Bar Chocolate Becks auf die linke Seite kämen.
      Wenig später fuhren auch die beiden Trailer mit den anderen Teilnehmern auf den Hof. Ich begrüßte zunächst Niklas und Alicia mit ihrem Pferd Starshine, ehe ich ihnen ihre Boxen zeigte. Jake mit Delta und Johanna mit Becks bekamen ihre Box zugewiesen. “Ich habe Tiara eben schon erklärt, dass die Pferde jetzt mal ein bisschen ankommen dürfen. Ab Morgen dürfen sie auf die Koppeln, die zeig ich euch Morgen früh dann nochmal. Am späten Nachmittag würde ich gerne eine erste, ganz kurze Einheit machen. Morgen früh geht es dann mit einer Gruppenstunde los. Am Nachmittag steht Einzelstunde auf dem Plan. Den Plan halten wir vorerst für die nächsten Tage bei. Er kann sich jedoch auch noch ändern, sollten wir auf Probleme stoßen. Oder es klappt so gut, dass wir kein Intensivtraining brauchen.
      Für den Kurs habe ich drei meiner Pferde ausgesucht, mit denen ich euch viel zeigen kann und die ihr auch gerne dann reiten dürft”, beendete ich meine lange Rede.
      “Aber jetzt kommt erstmal mit”, sagte ich freundlich und setzte meinen Hut wieder auf den Kopf, den ich eben in die Hand genommen hatte. “Ich zeig euch eure Zimmer. Wer Hilfe mit den Koffern braucht kann sich gerne melden. Sattelzeug könnt ihr vor die Boxen bringen, da sind Sattelböcke und auch sonst müsste alles davor unterkommen.”
      Das Auspacken dauerte seine Zeit und ich teilte jedem der Teilnehmer ein Zimmer im Haupthaus zu. Das Haus war leer, seit Ylvi nicht mehr bei mir wohnte und so freute ich mich doch, über etwas mehr Bewegung in den eigenen vier Wänden.

      Zum Mittagessen saßen wir alle zusammen und tauschten uns ein wenig aus. Nach zwei Stunden Pause wurden die Pferde gesattelt. Zunächst war ich alleine an der Halle, denn mein Blue stand dort in einer der Boxen. Als ich fertig war mit Satteln kam Tschetan. Er war ruhig, auch beim Essen war er sehr ruhig gewesen und hatte den anderen eher zugehört als selbst etwas gesagt. “Du brauchst wirklich nicht nervös zu sein”, versuchte ich den Jungen aufzuheitern, doch er nickte nur wortlos, gurtete den Sattel von Ravn nach und schwang sich auf sein Pferd. Die anderen Teilnehmer folgten sogleich und Tiara konnte es sich nicht nehmen lassen, Blue kurz ‘Hallo’ zu sagen. Sie war ihn schon geritten und wusste, wie er sich anfühlte.
      “Alicia und Niklas… ich hätte gerne, dass Alicia anfängt. Niklas bis zur LK 3 bist du schon geritten, oder?”, fragte ich die Begleitung von Alicia, die ich bis jetzt noch gar nicht kannte. “Ja genau. Ich reite jedoch hauptsächlich freizeitmäßig, würde jetzt aber gerne mehr in den Turniersport gehen.”
      “Das ist gut, dann bekommst du später die Ehre und darfst Blue mal ausprobieren”, erklärte ich und ließ mir alle Teilnehmer mit ihren Pferden in einer Reihe aufstellen. “Ich fang dann mal kurz an. Ich bin, wie ihr hoffentlich alle wisst, sonst wärt ihr nicht hier, Caleb O’Dell. Ich bin seit etwas mehr als einem Jahr der Besitzer der Bow River Ranch. Das hier an meiner Seite”, sagte ich und hielt die Zügel von Blue in die Luft “Ist Gun and Slide, kurz Blue. Ein Hengst wie kein anderer, eine wirkliche Lebensversicherung. Dazu läuft er schon eine ganze Weile in der Leistungsklasse 1 und.. ihr könnt Tiara fragen, der kann schon einiges.”
      Alle Augen richteten sich auf Tiara, die wohl mit so vielen Blicken nicht gerechnet hatte, denn sie wurde etwas kleiner in ihrem Sattel. “Äh.. ja.. aber ganz so einfach ist es nicht, so ein gutes Pferd zu reiten”, stammelte sie und schaute hilfesuchend zu mir. “Wo du gerade schon dabei bist… stell dich und dein Pferd doch einmal kurz vor.” Ich war mir sicher, dass sich nicht alle Teilnehmer kannten.
      “Ich bin Tiara und das hier ist meine Mustangstute Valhalla. Wir sind hier für die LK 4 in der Reining”, stellte sie sich vor. Nun ging es reihum weiter. “Ich bin Johanna und das hier ist mein Quarter Horse Hengst Four Bar Chocolate Becks.”
      “Ich bin Alicia, das da ist Niklas. Wir sind mit der Quarterstute Walla Walla Starshine für die LK 2 hier.”
      “Ich bin Jackson, ihr könnt mich aber Jake nennen. Ich hab den Paint Horse Hengst A Painted Smart Delta für die LK 4 mitgebracht.”
      “Ich.. das ist Valravn. Ich bin Tschetan. Caleb wollte uns für die LK 2 helfen”, stellte sich nun auch der Jüngste in der Truppe vor.
      “Gut, wer mag anfangen und mal ein bisschen was zeigen?”, fragte ich in die Runde und Jake meldete sich als erstes. “Gut, alle anderen kommen mit mir zusammen hier hinten in die beiden Ecken, dann hat Jake Platz.”
      Gesagt getan. Jake ritt in die Mitte der Halle, während alle anderen ihm Platz machten. Jake und Delta fingen an mit ein paar Spins. Langsam drehte sich der Hengst nach links, dann nach rechts. Das sah schon gut aus. Er überdrehte jedoch ein bisschen und machte aus vier Runden viereinviertel. “Wenn du stoppen willst müssen deine Hilfen schneller kommen. Er dreht sich zwar noch sehr langsam, aber deine Hilfen waren zu langsam, nochmal”, gab ich die Anweisung und stützte mich auf dem Sattelhorn von Blue ab. Dieser klappte kurz die Ohren nach hinten, als erwartete er einen neuen Befehl. Doch ich streichelte ihm kurz über den Hals, als Zeichen, dass ich nichts von ihm wollte. Sofort stellte er die Ohren wieder nach vorne.
      Jake setzte meine Anweisung sofort um und schaffte es, Delta punktgenau aus dem Spin zu stoppen. “Gut”, sagte ich kurz und sah dann zu, wie er den Hengst zum Galopp stellte. Er sprang sauber an und ritt seine Zirkel. Zum Zirkeln wollte ich später etwas sagen, wenn ich alle Pferde gesehen hatte und nicht jetzt schon vorgreifen. Jake hielt den Hengst mehr oder weniger auf der Spur, musste jedoch viel nachhelfen. Das war allerdings normal, das Pferd befand sich erst am Anfang der Ausbildung. Am Wechsel über den Trab hatte ich nichts zu bemängeln, auch der Galopp auf der anderen Hand war in Ordnung. Nun stellte er ihn zum Sliding Stop und ich erkannte sofort das Problem. Jake kam zwar gut mit dem Pferd klar, aber bei diesem Manöver übernahm ganz klar das Pferd die Kontrolle und Jake war nur Passagier. Der Roll Back holperte auch ziemlich, so dass ich nun doch schon eingreifen musste. “Morgen Mittag in der Einzelstunde habe ich für dich folgende Aufgabe: du übst die Run Downs. Du gibst vor, in welchem Tempo ihr galoppiert. Du gibst vor, ob ihr stoppt oder nicht. Du gibst vor, was nach dem Stoppen passiert. Delta weiß genau, wenn du ihn gerade richtest, was folgt. Ich möchte, dass du den Automatismus unterbrichst. Run Down heißt nicht gleich Run Down. Du bestimmst was das nächste Manöver von Delta sein wird, nicht er”, erklärte ich Jake. Dieser nickte. “Wenn wir das geknackt haben, gehen wir an die Roll Backs. Es ist gut, dass ihr schon die Spins könnt. Das ist ein riesen Vorteil. Der Rest wird ein Kinderspiel. Aber ansonsten schon gut”, lobte ich ihn und ließ ihn sich wieder einreihen. “Johanna machst du weiter?”, fragte ich die junge Frau. “Klar”, antwortete sie und stellte Becks in die Mitte. Auch dieser Hengst stand noch am Anfang seiner Ausbildung. Dementsprechend waren die Manöver alle noch langsam und nicht präzise. Die Spins sahen für den Anfang gut aus. Johanna machte nicht den selben Fehler wie Jake. Auch wenn sich Becks langsam drehte, mussten ihre Hilfen schnell und präzise kommen. Das Zirkeln war für die LK angemessen, ich hatte heute noch nichts zu meckern. Auch der einfache Galoppwechsel mit der Trabphase war gut. “Zeig mal kurz die Stops im Schritt und Trab, du hast ja gesagt das sei kein Problem, nur aus dem Galopp heraus”, sagte ich zu Johanna. Sie nickte und zeigte ein paar mal das Stehenbleiben im Schritt. “Gut, jetzt Trab”, war meine nächste Anweisung. Auch hier stoppte der Hengst, aber ich hatte das Problem schon erkannt. “Ich möchte euch noch gerne im Galopp sehen, bevor ich dir weitere Anweisungen gebe.”
      Johanna galoppierte auf der rechten Hand an und zeigte mir ihren… langsamen Run Down, ehe sie die Hilfen zum Stop gab. Becks stoppte zwar, setzte sich aber kein bisschen auf die Hinterhand. Er riss den Kopf hoch, ging Johanna gegens Gebiss und schaffte es nicht, die Schulter zu heben. Jetzt hatte ich meine Diagnose. “Johanna den müssen wir unbedingt auf seinen Hintern bekommen. Der muss sich viel mehr setzen. Die Schulter muss hoch und er darf den Kopf nicht so hochreißen. Folgende Aufgabe für dich morgen Mittag in der Einzelstunde… ach warte. Zeig mal noch das Back Up und den Roll Back.”
      Die junge Frau nahm die Zügel wieder auf und gab die Hilfen zum Rückwärstrichten. “Hmm jaa, ja ok. Damit können wir arbeiten. Jetzt der Roll Back”, sagte ich zu ihr und schaute ihren Hilfen genau zu. Alles richtig, nur dadurch, dass der Hengst sich nicht auf die Hinterhand setzen wollte, klappte dieser nicht ganz so gut, wie ich gehofft hatte. Auch Johanna schien ein bisschen enttäuscht. “Nicht schlimm, das bekommen wir hin. Ich weiß auch schon wie. Wie schon gesagt den müssen wir auf die Hinterhand bekommen. Jedes Mal wenn du jetzt stoppst, egal aus welcher Gangart, richtest du ihn sofort rückwärts. Es ist nicht schlimm, sollte er schief laufen, das bekommen wir später nochmal raus. Wichtig ist: stehenbleiben, rückwärts. Dann bleibt ihm keine andere Wahl mehr, als sich auf den Hintern zu setzen. Wenn er es beim Stoppen allerdings schafft, mehr nach unten zu kommen und die Vorderhand zu heben, lässt du ihn stehen. Das ist ein ganz feiner Grad, ich werde dir die nächsten Tage dabei helfen, sonst reiten wir ihn sauer.” Johanna nickte. “Alles klar. Bekommen wir damit auch die Roll Backs besser hin?”, fragte sie mich und reihte sich wieder in die Warteschlange ein. “Ja. Die Roll Backs klappen nicht, weil er sich auch da nicht setzen kann. Er muss aus der Drehung angaloppieren, weshalb er Schub aus der Hinterhand braucht. Die hat er wie gesagt nicht. Bei den Spins schafft er es, weil er sich da nur auf der Stelle drehen muss, da braucht er nicht so eine Kraft von hinten. Wir bekommen das hin, du wirst sehen”, munterte ich sie auf. Dann schaute ich Tiara an. “Ich hoffe ihr habt geübt seit meinem letzten Besuch”, sagte ich streng, lächelte kurz darauf aber wieder. Ich versuchte alle Schüler gleich zu behandeln, denn es waren alte und neue Gesichter dabei, ich wollte niemanden bevorzugen. Außerdem musste ich aufpassen, was ich in Tschetans Gegenwart zu Tiara sagte. Ich durfte mir nichts anmerken lassen, damit er Ylvi und Louis nichts erzählte, das fehlte mir gerade noch.
      Tiara startete ebenfalls mit den Spins, die auch hier klappten. Sie beide hatten immer noch ihr Problem beim Angaloppieren, doch es war seit meinem Besuch schon viel besser geworden. “Yes!”, rief ich erleichtert und zog fragende Blicke auf mich. “Endlich klappt das Anspringen”, fügte ich an, um mich selbst zu erklären. Es holperte zwar noch immer, aber Valhalla sprang an. Das war die Hauptsache, den Rest konnte man reinreiten. Das Speed Control und das Halten auf dem Zirkel war nicht die größte Stärke der Beiden, aber für den Anfang nicht schlecht. Valhalla fiel ab und zu über die Schulter rein. “Heb den Zügel damit due die Schulter hoch bekommst und schieb sie mit dem Bein raus”, rief ich den Beiden zu. Tiara befolgte meine Anweisung sofort und konnte Valhalla nun besser halten. In den unteren Klassen war es noch nicht so wild, wenn zwischen dem Großen und dem kleinen Zirkel kein wahnsinnig schneller Tempounterschied zu sehen war. Viel wichtiger war es, dass die Pferde einen schönen Zirkel ritten und ihn auch immer wieder selbst halten konnten.
      Tiara setzte zum Sliding Stop an, der dem von Johanna und Becks ähnlich sah. Ich überlegte kurz. “Zeig mal Back und Roll Backs.” Daran hatte ich nichts auszusetzen. Valhalla hatte mich beim letzten Mal wirklich Nerven gekostet, das wollte ich uns allen in dieser Woche wirklich ersparen. “Zeig mir noch einen Sliding Stop.”
      Ich wollte mir sicher sein, dass ich ihr die richtige Hilfestellung gab. Tiara setzte erneut zum Run Down an und stoppte. Erneut bremste die Stute langsam ab- das war nicht Sinn der Übung. Aber ich hatte eine Idee. “Stell dir vor, du reitest dein Pferd mit dem Kopf gegen die Wand. Zunächst berührt es diese nur mit der Nase. Treibst du es weiter nach vorne, liegt der Kopf flach auf. Treibst du dein Pferd weiter, wird es merken, dass nach vorne kein Ausweg ist. Es wird anfangen, rückwärts zu gehen. Die Wand ist also etwas, durch dass sie nicht durch kann. Das möchte ich bei ihr mit dem Gebiss erreichen. Das Gebiss soll für sie diese Wand sein. Nimmst du es an, ist für sie Schluss, es geht nicht weiter. Ich möchte euch die Idee des Fencens näher bringen. Ich bin kein großer Freund davon, aber ich denke Valhalla könnte es helfen, bis sie das mit der Wand verstanden hat. Sie ist schlau, sie wird nicht lange brauchen, um es zu verstehen… ich möchte, dass du sie jetzt nochmal angaloppierst und auf die hintere Wand zureitest. Du stoppst sie kurz vorher. Sie ist nun gezwungen, stärker abzubremsen, denn durch die Wand kann sie nicht durch. Nimm sie die ersten Male ruhig fester an, damit sie lernt, wenn du sie annimmst, ist stopp.” Tiara und auch die Anderen schauten mich zunächst ein wenig entgeistert an. Jeder kannte die Methode des Fencen. Es gab genauso viele Befürworter wie Gegner und jeder hatte andere Argumente, warum diese Methode von Vorteil, oder eben von Nachteil war. Ich war wie gesagt kein Freund davon. Doch ich war mir zu 100% sicher, dass dies in diesem Fall eine riesige Bereicherung für Pferd und Reiter sein würde. “Kannst du mir das einmal zeigen?”, fragte mich Tiara und ich nickte. Ich galoppierte Blue mit einem Küsschen an und hielt ihn kurz auf dem Zirkel, ehe ich ihn gerade richtete und wir auf die Wand zugaloppierten. Ihn musste ich ziemlich weit vorher stoppen, denn er hatte einen ziemlich langen Stop. Ich gab also die Hilfen, er setzte sich schön tief auf die Hinterhand und stoppte. Zu erst nur ein wenig, dann aber voll. Kurz vor der Wand blieben wir stehen. Ich drehte ihn im Roll Back um, galoppierte zu den anderen zurück und parierte langsam zum Stand durch. “Habt ihr gesehen, wie er zunächst nur ein wenig gestoppt hat und dann voll? Das mein ich. Die Pferde sehen die Wand und wissen, da ist Ende. Valhalla kann stoppen. Ich habe nur das Gefühl, sie will nicht wirklich.”
      “Nun bist du dran, Tiara”, sagte ich zu ihr und wandte Blue nochmal um, damit ich sie sehen konnte und nicht mit dem Rücken zu ihr stand. Sie galoppierte an und stoppte die Stute, jedoch zu zögerlich. “Stopp sie mal voll durch, nochmal.”
      Tiara galoppierte erneut an und setzte auf die Wand zu. Diesmal befolgte sie meine Anweisung und gab die vollen Hilfen zum Sliding Stop. Jetzt reagierte Valhlalla sauber, sie setzte schön unter und kam vor der Wand zum Stehen. “Oh das hätte ich jetzt nicht gedacht!”, sagte Tiara begeistert und kam wieder auf uns zugetrabt. “Siehst du. Das soll ja auch keine Dauerübung sein, nur ein paar mal, bis sie verstanden hat, was du von ihr willst.”
      Nach einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass wir schon ziemlich lange dran waren. Wenn ich nochmal einen Kurs geben sollte, würde ich die Teilnehmerzahl auf nur drei beschränken, damit nicht so viel Wartezeit entstand. “Tschetan du bist dran”, forderte ich den jungen Lakota mit dem eigenwilligen Valravn auf. Ravn wurde von mir und Laurence auf die Leistungsklasse gebracht, auf der er jetzt lief. Er war fleißig, manchmal überfleißig und zeigte nicht immer sofort, wenn ihm etwas zu viel wurde. Tschetan konnte wahnsinnig gut reiten. Hätte ich ihm alles Zubehör weggenommen, wäre er trotzdem so gut wie gar nicht vom Pferd runter zu bekommen. Das wollte ich mir zum Vorteil machen, vor allem beim Sliding Stop, bei dem auch der Wallach Probleme hatte. Ravn und sein Reiter standen in der Mitte und zeigten ihre Spins. Ravn veräppelte den Jungen etwas. “Nehm ihn mal kurz an. Der läuft dir mit der Hinterhand weg. Er weiß genau, dass er stehen bleiben muss. Lehn dich ein bisschen weiter nach hinten, mach dich schwer… und dann die Hüfte öffnen, gena... genau so geht es!”
      In die andere Richtung wusste der Lakota nun genau, was er machen musste, weshalb ich nichts mehr zu bemängeln hatte. Alle erkannten sofort den Unterschied zwischen den LK 4 und den LK 2 Pferden. Auch beim Speed Control kamen die Beiden um einiges besser weg. Bei Ravn konnte man einen deutlichen Tempounterschied erkennen. Beim Galoppwechsel musste der Wallach zweimal nachspringen, was aber an der fehlenden Erfahrung von Tschetan lag. Ich würde mich morgen in der Einzelstunde mal auf den Wallach setzen und dem Jungen zeigen, wie er diesen stellen und springen konnte. Nun ging es zum Sliding Stop. Wie auf Stichwort deutete Ravn ein Stoppen an, fing dann allerdings an zu bocken und ging vorne in die Luft. Innerlich fluchte ich. Leider eine ziemlich blöde Angelegenheit des Schecken, die wir vermutlich nicht so einfach rausbekamen. “Hmmm”, murmelte ich und ritt mit Blue auf Tschetan zu. Ich stellte mich neben ihn. “Schau mal, vielleicht hilft das etwas. Ich glaube du übst zu viel Druck aufs Maul aus, deshalb bockt er. Versuch mal, annehmen, lockerlassen, annehmen, lockerlassen. Du musst im Galopp nur deine Faust schließen, nicht ziehen”, erklärte ich ihm und richtete mit Blue rückwärts, indem ich meine offene Faust schloss, öffnete, schloss, öffnete…Tschetan tat es mir gleich. “Beine weg. Lehn dich nach hinten, mach dich schwer.” Ravn richtete langsam rückwärts, schlug einmal genervt mit dem Schweif, blieb aber ansonsten manierlich. “Jetzt versuch mal so zu stoppen. Ich denke es fällt ihm dann leichter. Du kannst deine Beine noch offensichtlicher nach vorne, setz dich tief in den Sattel und klapp deine Hüfte ein, sonst sitzt du ihm im Weg. Es ist okay, wenn deine Hilfen zu viel oder übertrieben sind, von Mal zu Mal musst du weniger übertreiben”, erklärte ich ihm und trabte wieder zurück in die Reihe. “Und los”, nickte ich.
      Tschetan galoppierte Valravn wieder an. Der Run Down war langsamer als eben, aber die Schnelligkeit würde mit der Wiederholung schon noch kommen. Ravn stoppte nun besser, riss den Kopf nicht mehr hoch und wurde auch leichter auf der Vorderhand, was ihm natürlich umso mehr in die Karten spielte, um hinten besser runter zu kommen. “Ja genau! Das ist deine Aufgabe für morgen.”
      Nun fehlten noch Walla Walla Starshine und Alicia. Und natürlich Niklas mit Blue. Ich stieg ab und gab dem jungen Mann die Zügel in die Hand. “Teste ihn mal ein bisschen an. Aber alle Übungen die du machst, mach sie langsam und mit Bedacht. Blue wird von einem Kind geritten, er merkt genau wer oben drauf sitzt”, sagte ich zu ihm und sah ihm zu, wie er aufstieg und in die Mitte ritt. Dort gab er leichte Hilfen zum Spin und Blue fing an sich zu drehen. “Gut, wenn du dir sicher bist, kannst du schnalzen und dein äußeres Bein fester anlegen, dann wird er schneller.”
      Das ließ sich Niklas nicht zweimal sagen. Er befolgte meine Anweisungen und Blue legte an Tempo zu. Als er die Zügel schlagartig wieder in Ausgangsposition brachte, hatte er nicht mit einem solch abrupten Abbremsen gerechnet, so dass er leicht aus dem Sattel rutschte. Ich hatte schon einen Schritt auf sie zugemacht, doch er hielt sich wacker fest. “Das ist doch was anderes als die Pferde, die ich bisher geritten bin”, murmelte er und klopfte meinem Hengst den Hals. “Komm nochmal her, auf dich gehe ich in den Einzelstunden noch näher ein, jetzt kümmern wir uns mal um euer mitgebrachtes Pferd.”
      Niklas schien etwas enttäuscht, trottete allerdings wieder auf die Reihe zu und drehte Blue um, so dass er Alicia und Starshine zuschauen konnte. Bei ihr musste ich sofort meckern. “Ooohoo stop!”, waren meine klaren Worte, als sie eine Runde im Spin gedreht hatten. “Hast du grade die Hilfen gegeben? Oder war sie das selbst?” Alicia schaute mich etwas ratlos an. “Ich äh... “, stammelte sie.
      “Die hat dir grade aber massiv vorgegriffen. Wenn sie das macht, sofort die andere Richtung. Sie darf mitdenken, ja. Das ist super. Aber sie kann nicht einfach machen. Ist genauso wie bei Jake und Delta. Der kann nicht einfach stoppen wenn ihm danach ist. Du gibst vor, was Starshine zu machen hat.” Das hatte gesessen. Aber auch Alicia war hier bei mir, um etwas zu lernen. So etwas konnte und durfte ich nicht durchgehen lassen. “Nochmal. Dreh sie mal nur eine Runde. Oder zwei. Wechsel dann die Richtung, dreh sie vier, fünf Mal. Dann erste Seite wieder nur einmal”, war meine Anweisung und ich schaute ihr dabei zu. Starshine war auch ein Pferd, was bis jetzt durch mich trainiert worden war. Schnell stellte ich fest, dass sie sich immer noch das Gelenk vorne anschlug, weshalb sie auch noch immer ihren Schutz, den Knee Boot trug. Schon damals im Training war mir ihr Vorgreifen aufgefallen, aber ich hatte ihr das bei mir sofort ausgetrieben. Dass sie das so extrem bei einem anderen Reiter machte, hatte ich nicht gewusst.
      “Besser. Jaaa, viel besser!”, lobte ich die Beiden nun und schickte sie auf den Zirkel. Die hielt sie mittlerweile selbstständig, fiel nicht mehr über die Schulter ein oder driftete nach außen. Auch der Galoppwechsel war sauber. Beim Sliding Stop und Roll Back musste ich jedoch wieder den Kopf schütteln. “Nein so nicht. Da arbeiten wir aber morgen dran. Sie stoppt gut, springt wahnsinnig gut rum und galoppiert fast auf der Linie zurück, von der ihr gekommen seid. Aber es darf nicht sein, dass sie dir auch hier vorgreift. Morgen Nachmittag arbeiten wir auch an ihrem Automatismus, bezüglich aller Manöver”, erklärte ich.
      “Das wars auch schon für heute. Morgen früh um acht gibt es Frühstück für alle unten im Esszimmer. Um zehn treffen wir uns alle hier für eine kurze Gruppenstunde. Mittagessen gibt es um…”, ich überlegte kurz “halb zwei. Um halb drei geht es mit den Einzelstunden los. Angefangen mit Johanna, dann Jake, Tiara, Tschetan und zum Schluss Alicia und Niklas. Die genauen Uhrzeiten gebe ich euch noch durch”, verkündete ich und klatschte ein paar Mal in die Hände. “Ein super erster Tag.”


      Am nächsten Morgen, dem zweiten Tag des Kurses, trafen wir uns alle zusammen um zehn Uhr in der Halle. Heute hatte ich nicht nur Blue dabei, den ich Niklas in die Hand drückte, sondern auch meinen bunten Schecken Gunners Styled Gangster. “Das hier ist Gangster”, stellte ich das Pferd kurz vor. “Er ist auf einem guten LK 4 Niveau und ich trainiere ihn gerade für die LK 3. Da wir heute morgen an den Spins arbeiten wollen kann ich euch mit ihm ein bisschen besser zeigen, worauf es ankommt, da er noch nicht so sicher ist wie Blue.”
      “Zunächst ist Warmreiten angesagt”, kündigte ich die erste Aufgabe für heute an und sofort setzten sich alle Pferde in Bewegung. Mit Gangster hatte ich mehr Mühe, ihn von den Stuten wegzuhalten, als die anderen Teilnehmer. Der Hengst war da einfach ein Dickschädel, weshalb ich ihn mit vielen Stellungs- und Biegungsaufgaben belästigte, so dass er gar keine Zeit zum Angraben der Stuten hatte. Alle Teilnehmer nahmen erneut ihren Platz an der kurzen Seite der Halle ein, so dass ich mich in einiger Entfernung vor sie hin stellen konnte, und die Übung vormachen konnte.
      Ich fing an, mit Gangster kleine Kreise zu reiten, die ich mal größer und mal kleiner werden ließ. Ab und zu blieb ich auch mal ganz stehen und gab die Hilfen zum Spin. “Es gibt einige Pferde unter euren, die versuchen voraus zu ahnen, was ihr vorhabt. Dem möchte ich mit dieser Übung entgegen wirken. Auch den anderen Pferden bringt es etwas, denn sie müssen sich immer wieder auf das innere Bein konzentrieren und ihren Spin drum herum machen. Sucht euch alle ein Plätzchen hier in der Halle aus, es ist ja genug Platz. Ich reite dann rum und gebe Tipps”, war meine Anweisung und die Reiter schwärmten aus, um sich ihr Plätzchen zu suchen.
      Ich startete mit Niklas und Blue. “Blue macht genau das, was du ihm von oben sagst. Macht er etwas falsch, überdenk deine Hilfen”, war meine Hilfe an ihn. Weiter ging es zu Starshine und Alicia. “Jaaa, ja gut!”, lobte ich die Beiden. “Starshine merkt immer mehr, dass du es bist, die die Anweisungen gibt.”
      Bei Tschetan blieb ich eine längere Zeit stehen. Ich wollte dem Jungen so viel es ging helfen, denn er hatte große Chancen auch mal selbst ins Turnier- und Trainerwesen einzusteigen, wenn er jetzt die Hilfe bekam, die er brauchte. “Auch hier, versuch es mit annehmen und locker lassen. Ich denke Ravn ist ein Pferd, der darauf besser anspringt als auf konstanten Druck… jaaa, besser.” Tschetan setzte sich tief in den Sattel, öffnete die Hüfte und nahm seine Hände nach rechts. Auch wenn in der LK 2 mit Bit with Shanks geritten wurde, hatte ich ihn dazu verdonnert mit einfacher Wassertrense zu reiten. So konnte er beide Hände benutzen und verwirrte Ravn nicht. Er zupfte kurz am rechten Zügel, ließ dann locker und zupfte wieder. “Denk ans Klopfen mit dem äußeren Bein”, wies ich ihn an und Ravn fing an sich zu drehen. Er war wahnsinnig leicht auf der Vorhand und schaffte es, sich hier bei den Spins schön zu setzen. Warum er das bei den Sliding Stops nicht so machte, war mir zwar noch immer ein Rätsel, aber am Nachmittag gingen wir dem auf die Spur.
      Tiara und Valhalla strengten sich ebenfalls an. Ihr gab ich nur den Tipp, immer wieder an die Schulter zu denken und wenn die Mustangstute nach innen fiel die Hand zu heben, damit die Schulter wieder hoch kam.
      Jake und Delta machten sich gut, ebenso Johanna und Becks.
      “Das wars auch schon für heute Morgen”, erklärte ich meinen Teilnehmern mit einem Blick auf die Uhr. “Heute Mittag versuch ich im halbe Stunde Takt zu arbeiten, damit ihr eine ungefähre Ahnung habt, wann ihr dran seid. Niklas du kannst Blue im Stall an einen der Mitarbeiter abgeben. Meine Mitarbeiter zeigen euch auch wohin ihr eure Pferde auf die Koppel stellen könnt.” Damit war die Stunde beendet und alle verließen wieder die Halle… bis auf Tiara und ich.
      “Kann ich dir noch bei etwas helfen?”, fragte ich sie professionell und hielt Gangster in einger Entfernung zu ihr an.
      “Ich äh…”, fing sie und wusste scheinbar nicht so wirklich, was sie sagen sollte. “Ich wollte dir nur sagen… was zwischen uns beiden passiert ist.. das bleibt unter uns. Ich werde das keinem sagen.”
      Ich schluckte kurz und nickte. “Das war eine dumme Idee gewesen. Ich danke dir, dass du es für dich behältst.” Damit war für mich alles gesagt. Ich trieb Gangster wieder an und sah aus dem Augenwinkel, wie Tiara die Halle verließ. So ein Mist… jetzt verfolgte mich sowas auch noch nach Hause. Aber ich hätte damit rechnen müssen- und dann hatte ich sie auch noch eingeladen, zwei weitere Wochen hier bei uns zu verbringen. Mein Ausrutscher war nichts weiter als ein Ausrutscher, der nicht noch einmal passieren durfte. Nicht mit einer Schülerin von mir.
      Mühsam raffte ich meine Gedanken wieder zusammen und trainierte noch ein wenig mit Gangster. Ich testete die Spins nochmal an, feilte ein wenig an den Run Downs und beendete das Training mit ein paar wirklich guten Sliding Stops.


      Am Nachmittag war meine erste ‘Kundin’ Johanna mit ihrem Hengst Becks. “Gut, wärmt euch gründlich auf”, sagte ich zu ihnen und zog meinen Stuhl hinter mir her in eine Ecke der Reithalle. Zum Einzeltraining war ich ohne eigenes Pferd gekommen, so konnte ich besser helfen und mich zur Not auch mal schnell selbst drauf setzen.
      Johanna galoppierte den Hengst an, lenkte ihn auf gerader Linie auf die kurze Seite der Halle zu und stoppte. “Aus dem Stoppen heraus sofort rückwärts… jaaaa. Gut. Nochmal.”
      Daraus bestand eigentlich unsere halbe Stunde Training. Galoppieren, stoppen, rückwärtsrichten.... Galoppieren, stoppen.. stehen! “Oh das war sehr gut, lob ihn!”, rief ich zur ihr rüber und war voller Elan aus meinem Stuhl aufgesprungen. “Hast du gemerkt wie er mit der Hinterhand runtergekommen ist und vorne leicht geworden ist? Genau das wollen wir haben! Ich hatte eigentlich noch mehr Stops mit euch vor aber wir lassen es heute dabei. Das war wirklich super und mehr, als ich erwartet hatte. Belassen wir es dabei.”
      Johanna ritt den Hengst noch eine Weile ab. Jake war auch schon dabei, seinen Hengst aufzuwärmen. “Weißt du noch wie die Übung geht, die ich dir gesagt hatte?” Er nickte zögerlich. “Ich kann es dir auch gerne einmal zeigen.”
      “Ja gerne”, antwortete er mir und stieg ab.
      Ich ging auf den Hengst zu, streichelte ihm kurz über den Hals und setzte mich in den Sattel. “Du fängst im lockeren Galopp an, deine Aufgabe sind gerade Linien”, erklärte ich ihm und richtete den Hengst gerade. Wir galoppierten auf die kurze Seite der Halle zu, legten ein wenig an Tempo zu aber ich stoppte den Hengst nicht. Er stoppte von selbst, so dass ich ihn aus dem Stoppen heraus mit einem Küsschen und viel Treiben weitergaloppierte und wir um die Ecke setzten. “Genau das darf er eben nicht”, erklärte ich Jake und galoppierte wieder auf ihn zu. Dieses Mal nahm ich den Hengst ziemlich zurück und behielt ihn wirklich langsam. Er rechnete überhaupt nicht mit meinem Kommando zum Stoppen, so dass er mit der Nase fast an der Wand landete. “Er hört nicht zu, siehst du?” Gleich nochmal. Ich wandte den Hengst wieder in die andere Richtung und galoppierte in mittlerem Tempo. Kurz vor Ende der Halle trabte ich ihn um die Kurve, ließ ihn wieder im richtigen Galopp anspringen und legte nun einen richtigen Run Down hin. Auf mein Kommando zum stoppen achtete der Hengst dieses Mal und kam in einer Staubwolke zum Stehen. Ich lobte ihn und stieg ab, damit Jake sich wieder in den Sattel setzen konnte. “Jetzt bist du dran.”
      Jake und Delta stellten sich wirklich gut an. Jake hatte jedoch etwas mehr zu kämpfen als ich, so dass ich diese Übung am nächsten Tag bei ihnen auf jeden Fall nochmal aufgreifen wollte. “Es gibt viele Reiningtrainer die bringen ein System in die Run Downs. Zweimal langsam, einmal schnell mit Stop am Ende. Pferde sind nicht dumm, die merken sich das genau und wissen was los ist. Deshalb will ich dass du daran weiter arbeitest. Auch die nächsten Tage noch und bitte ohne System. Sobald du um die Kurve geritten bist entscheidest du, ob du schnell oder langsam galoppieren willst, mit Stop, Roll Back, Back Up oder Stand.”
      “Alles klar, danke Caleb.” Damit verabschiedete er sich für heute und ich sah auf die Uhr. Wir lagen noch gut in der Zeit. Nun war Tiara mit Valhalla an der Reihe, sie waren sich auch schon am Aufwärmen.
      “Na, wie gut gelaunt ist unsere Zicke heute?”, fragte ich die beiden und Tiara lächelte kurz.
      “Ich denke gut- motiviert, würde ich sagen. Ihr tut die Bewegung und das Training wirklich gut”, sagte sie.
      “Das ist toll. Man sieht eure Fortschritte auch wirklich”, lobte ich sie und schickte sie auf die Gerade. “Versuch sie mal so zu stoppen, ohne die Wand. Ich möchte sehen, ob von gestern etwas hängen geblieben ist. Und stopp sie bitte voll durch. Nicht halb und nicht nur ein bisschen- ganz.”
      Tiara galoppierte die Stute an und lenkte sie auf die Gerade. Nach einer kurzen Beschleunigung stoppten die Beiden voll durch. Ungläubig schaute ich Tiara an, die über beide Ohren strahlte. “Ich äh.. das gestern hat wohl schon geholfen”, war meine etwas perplexe Aussage. Auch Tiara bekam die Aufgabe, mehr Stops hinzulegen, einfach damit sie mehr Übung bekam.
      “Für heute bin ich sehr zufrieden mich euch, das reicht”, beendete ich auch ihre Trainingsstunde und freute mich schon auf Tschetan und Ravn.
      “Heute Morgen hast du ja schon gezeigt, dass du Umsetzen kannst, was ich von dir verlange. Jetzt gehen wir nochmal an die Sliding Stops”, erklärte ich ihm und gab ihm immer wieder kleinere Tipps, wie er im Maul noch weicher werden konnte. “Übertreib mit deinem Körper. Gib ihm damit die Signale, Ravn braucht das mehr, als den Zügel… jaaa, genau so. Und Tschetan…”, fing ich an, “ich habe mir überlegt dass ich Ravn erst nach dem Kurs reite und vollends in die LK 2 bringe. Es verwirrt ihn mehr, als dass es ihm nützt, wenn wir ständig die Trense und die Art des Reitens wechseln.”
      “Oh, wenn du das sagst, Caleb”, meinte er und schaute zur Bande. Plötzlich hellten sich seine Züge auf. Kaya, Betsy und Ylvi standen am Rand und schauten uns.
      “Steht ihr schon lange da?”, fragte ich sie doch die Drei schüttelten den Kopf.
      “Also gut Tschetan, stopp noch ein paar Mal und dann ist auch schon gut für heute”, erklärte ich ihm und ging an die Bande, um ein wenig mit Ylvi und Betsy zu sprechen. “Tschetan macht das wirklich gut, besser als ich”, schmollte Ylvi schon fast, was mich zum Grinsen brachte. “Vielleicht wird es für Tschetan Zeit, hier ein eigenes Pferd zu haben, ganz für sich alleine?”
      Ylvi sah von mir zu Tschetan und Ravn, dann wieder zu mir zurück. “Ich hatte zwar eigentlich nicht Ravn gemeint, aber…”, meinte ich schulterzuckend und ging wieder zu dem jungen Lakota. “Ist gut, das reicht für heute, wir wollen es ja nicht übertreiben. Aber du setzt das wirklich gut um.”
      Als letztes folgten nun noch Alicia und Niklas mit Starshine. Niklas begann und ritt die Stute warm, ehe ein paar Manöver ausprobierte. Ich gab ihm Tipps und zeigte ihm ein bisschen etwas, damit er sich verbessern konnte.
      Dann war meine eigentliche Kundin, Alicia, an der Reihe. Niklas und sie tauschten die Plätze und es ging in die vollen. “Ich schau dir einfach zu, zeig mir ein paar Manöver, vor allem Run Downs und Spins. Ich will sehen, dass du die Signale gibst, nicht dein Pferd.” Ich war streng zu ihr, aber das musste ich auch sein. Starshine wusste genau, mit wem sie diese Spielchen treiben konnte. Eigentlich war dies nur ein Zeichen, dass sie ziemlich schlau war. Aber sie sollte ihr Wissen für den Reiter nutzen, und nicht gegen ihn verwenden.
      Aber heute lief es gut. Alicia hatte den Trick raus und wenn Starshine am Ende des Run Downs und des Sliding Stops nach rechts wegspringen wollte, gab sie blitzschnell die Hilfen nach links und brachte ihr Pferd so dazu, ihr wirklich zuzuhören.


      Am nächsten Morgen hatte ich für die Gruppenstunde meine Stute Stormborn dabei. “Ich zeig euch einmal, wie ihr euer Pferd korrigieren könnt, wenn sie nach innen oder außen im Zirkel wegbrechen”, erklärte ich den Teilnehmern und galoppierte Khaleesi an. Sie war ein Pferd, der es schwer fiel, die Richtung zu halten und noch vermehrt korrigiert werden musste. Ich lenkte sie auf den Zirkel, behielt sie kurz auf der Spur und senkte dann meine Hand als Zeichen, dass sie nun den Zirkel selbst beibehalten sollte. Als sie nach außen wegdriftete, lenkte ich sie abrupt nach innen, fast auf die gegenüberliegende Seite und bog sie da wieder auf den Zirkel. Das Gleiche machte ich noch ein paar Mal. “Ich zeige ihr so, wo ich sie haben will und dass auf das Driften nach außen augenblicklich eine Reaktion von mir folgt, die sie wieder auf meinen Zirkel zurückbringt.” An X wechselten wir die Hand mit einem fliegenden Galoppwechsel. Hier hatte sie das Problem, dass sie nicht nach außen driftete, sondern mit der Schulter reinfiel, was auch Valhallas Problem war. Als sie einbrach, nahm ich die Zügel sofort aus und machte in meinen Zirkel ein kleines Ohr, welches wir im Außengalopp absolvierten, damit ihr nichts anderes übrig blieb, als die Schulter zu benutzen, die sie zuvor ‘verloren’ hatte. “Eure Zirkel bekommen so also Ohren, wie ein Bär zum Beispiel”, erklärte ich im Vorbeireiten. Ihnen bleibt so nichts anderes übrig, als die Schulter mitzunehmen. Ihr dürft auf keinen Fall zulassen, dass sie umspringen. Die Übung macht nur Sinn, wenn ihr sie dabei im Außengalopp behaltet.”
      Meine Anweisung war klar und nacheinander ritten alle Teilnehmer ihre Zirkel. Manch einer brauchte die Übung, manch einer nicht. Die, bei denen das Zirkeln ohne Probleme klappte, brachte ich Speed Control näher. “Wenn euer Pferd nicht langsam galoppieren will… reitet ihr so lange große Zirkel bis sie müde werden. Irgendwann wollen sie langsam galoppieren. Das macht ihr euch zu Nutze, halte sie eine Runde auf dem kleinen Zirkel und pariert dann zum Schritt durch. Die Pferde lernen dadurch, dass wenn sie langsam galoppieren, es eine Pause gibt… wie man Pferde schnell bekommt dürfte ja klar sein”, - zustimmendes Nicken.
      Auch bei dieser Übung stellten sich alle gut an, so dass ich es kurz darauf für heute gut sein ließ. Am Nachmittag übte ich mit allen eigentlich nur die Übungen vom vorherigen Tag, so dass sich dort nicht viel tat.

      Auch am nächsten Morgen bestand das Training aus ein bisschen Wiederholung, ehe es an die Run Downs und Sliding Stops ging, die auch Bestandteil des Nachmittagstrainings waren. Die Reiter- Pferdkombinationen stellten sich bereits viel besser an, als am Montag. Ich musste nur noch vereinzelt Tipps und Hilfe geben, ansonsten kamen sie alle gut zurecht. Die gute Vorarbeit kam mir wirklich am Freitag und Samstag zu Gute. Am Freitag standen erneut Stops auf dem Plan, angegliedert an Roll Backs und Back Up. Auch ein paar fliegende Galoppwechsel wurden eingebaut. “Wenn die Roll Backs nicht so ganz klappen wie ihr möchtet, dann Stopt, fragt eineinhalb Runden Spin ab und galoppiert dann auf eurer Spur zurück. Das hilft euren Pferden ungemein”, erklärte ich dazu und schaute mir die Reiter nacheinander zufrieden an. Die Galoppwechsel waren bei den schnellen Zirkeln kein Problem, nur bei den langsamen haperte es des Öfteren. Aber das war reine Übungssache und wurde mit Wiederholung besser.
      Den Samstag verbrachten wir mit dem Reiten von ganzen Pattern. Nun waren nicht mehr nur einzelne Aufgaben gefragt, sondern die Kombinationen aus allen Übungen. Die Reiter waren allerdings alle gut vorbereitet. Ich brach heute auch keinen der Reiter ab, sagte ihnen am Ende ihres Rittes, was nicht gepasst hatte und ließ sie dann den Teil wiederholen, wo sich ein Fehler eingeschlichen hatte.
      “Ich habe mir überlegt, mit euch morgen ein kleines Stück ausreiten zu gehen. Damit ihr wenigstens etwas vom schönen Kanada sehen könnt, außer meinem Hof”, verkündete ich den Plan für morgen. “Morgen früh gibt es ganz normal Frühstück, dann habt ihr freie Zeit… um 12 Uhr gibt es Mittagessen und um halb zwei geht es dann los.”
      “Oh darauf freu ich mich!”, lachte Tiara und erntete einen vielsagenden Blick von mir.
      “Du hast ja noch zwei Wochen etwas davon, die anderen leider nicht.”
      “Dann hoffen wir mal, dass du uns morgen ein paar schöne Plätze zeigst”, sagte Johanna sichtlich begeistert und schien sich schon auf den morgigen Tag zu freuen.


      Der Nachmittag kam schneller als gedacht und ich wusste eigentlich gar nicht so genau, wo ich mit den Teilnehmern hinreiten wollte, bis Tschetan mich zur Seite nahm. “Wie wäre es denn mit dem Weg durch den Wald, an den Rindern und dem Fluss vorbei zur Ferienranch?”
      “Oh das ist eine gute Idee!” Ich nickte und verschwand im Haus. Mit ein wenig Proviant und Satteltaschen kam ich wieder raus. Ich reichte jedem eine der Satteltasche, eine Flasche Wasser und ein paar Snacks. Dann machten wir uns auf den Weg. Ich ritt mit Cielos vorne weg, weil Niklas auf Blue ritt. Cayce bildete mit seinem Wallach Whitetails Shortcut das Schlusslicht. In der Mitte die Kursteilnehmer mit genügend Platz zwischen den Hengsten und den Stuten. Tschetan ritt immer mal wieder neben mir, erzählte mir etwas und ließ sich dann wieder hinter mich fallen. Durch den Wald kamen wir schnell, so dass wir zügig bei den Rindern waren. So konnte ich Vergnügen und Arbeit miteinander verbinden, in dem ich immer mal wieder einen Blick auf den Zaun warf, der allerdings, zumindest hier an dieser Stelle, in tadellosem Zustand war.
      Am Fluss suchte ich die kleinste und flachste Stelle aus, damit wir nicht zu nass wurden, denn es war noch immer sehr frisch hier. Zu guter Letzt ging es einen Berg hinauf und dann, nach einer knappen Stunde, waren wir an der Ferienranch angekommen, von wo aus man das ganze Tal, einschließlich die weiter entfernte Ranch sehen konnte.
      Wir stiegen von den Pferden, banden sie am Zaun an und setzten uns an einen der Tische, die dort an den Häusern standen. Zur Zeit war die ganze Ferienranch leer, sie war auch noch gar nicht wirklich renoviert worden, denn dafür hatten wir bislang kaum Zeit gehabt. Das sollte sich dieses Jahr allerdings ändern.
      “Es ist so schön hier”, sagte Alicia und ließ den Blick schweifen.
      “Nur etwas schade, dass sie von der Ranch so weit weg ist”, meinte ich und kramte mit meiner Hand in der Chipstüte herum. “Wenn mal etwas hier sein sollte ist man zu weit weg, um schnell zu helfen- oder man müsste jemanden einstellen, der hier wohnt”, murmelte ich weiter und stand dann auf, um zu Blue zu gehen und mir meine Trinkflasche aus der Satteltasche zu holen.
      Wir verbrachten noch ein wenig hier oben auf dem Berg, unterhielten uns, tauschten uns aus. Auch Tschetan, der bisher bei den ganzen Erwachsenen ziemlich viel geschwiegen hatte, meldete sich ab und an zu Wort.
      Schließlich machten wir uns wieder auf den Rückweg und legten auf einem der offenen Felder einen kleinen Galopp hin.
      Auch den Abend verbrachten wir gemeinsam, ehe am Montagmorgen Abreisetag war. Alicia und Niklas mit Walla Walla Starshine waren die ersten, die zum Flughafen gefahren wurden. Sie bedankten sich für die Hilfe und auch dafür, dass sie zu zweit anreisen durften und ich sie beide unterrichtet hatte.
      Wenig später machte sich auch Jake mit A Painted Smart Delta auf den Weg. Er sollte Snoopy schöne Grüße ausrichten, schade, dass sie uns nicht besucht hatte.
      Auch Johanna mit Four Bar Chocolate Becks musste uns verlassen. Cayce fuhr sie zum Flughafen. Ich versprach ihr, sie auch einmal besuchen zu kommen, denn ich war sehr neugierig auf ihre anderen Quarter Horse Hengste. Ich hoffte inständig, dass ich ihr weitergeholfen hatte und einen Grundstein für das weitere Reiningtraining legen konnte.
      Tiara und Valhalla und natürlich Tschetan und Valravn blieben hier bei uns. Am Nachmittag wollte ich mir den Wallach schnappen und ihn mal mit Bit reiten. Auch Gangster und Stormborn brauchten noch ein bisschen Training. Was ich hier mit Tiara anfing, dem war ich mir noch nicht so ganz sicher.
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  • Album:
    Gnadenweide
    Hochgeladen von:
    Ravenna
    Datum:
    19 Mai 2019
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  • Valravn
    'raven of the slain'


    Exterieur

    Wallach
    1.Mai | 8 Jahre
    Rasse
    Lewitzer/Paint Mix
    Stockmaß/Endmaß 148 cm
    Fellfarbe Rappschecke
    Krankheiten nicht bekannt
    Gencode: EE/Ee, aa, ToTo
    _____________________________________

    Interieur

    Vorgeschichte
    Ravn wurde geboren als Weideunfall, der renommierte Paint hatte sich zur Lewitzerstute gesellt. Da man mit dem Fohlen nicht viel anfangen konnte, brachte man ihm zum Händler. Richtige Papiere hat der Wallach damals nicht bekommen. Von dort wurde er mit 2 Jahren gekauft, von einer Freundin Ylvis. Sie half mit ihn einzureiten. Als der Reiterhof später pleite ging übernahm Ylvi Valravn vor fast drei Jahren.

    Beschreibung
    Arbeitswillig | Temperamentvoll |
    Valravn, meistens nur Ravn genannt ist arbeitswillig in höchstem Maße, eher muss man ihn zeitweilig bremsen. Durch diesen Willen übersieht man schnell wann es dem Wallach 'zu viel' wird. Ravn ist extrovertiert, bei zu viel Druck neigt der Wallach zum Steigen, auch unter dem Reiter. Alles in allem weiß der Wallach was er will - Dauerbespaßung. Langweilt er sich, kommt er durchaus auf lustige Ideen. Trotzdem zeigt sich Ravn als Nervenstark und verlässlich. Neigt jedoch zum Kleben, besonders an der Stute Fylgja.


    0 = sehr unruhig / -sicher 10 = sehr ruhig / sicher

    neue Umgebungen/Situationen
    7
    Fahrzeuge 8
    Gelände 9
    Straße 8
    Wasser 9
    Hänger 7
    Hufschmied 6
    Tierarzt 9
    _____________________________________


    Qualifizierung
    Trainingsplan
    Eingeritten | Eingefahren

    Zirkuslektionen

    Kompliment | Ja und Nein ✓ | Knien | Bergziege | Liegen | Sitzen
    Tanzen | Seitenschritte | Rückwärtsrichten ✓ | Jambette ✓ |
    Spanischer Schritt | Steigen | Spanischer Trab |

    Western L
    Distanz E
    Fahren E
    _____________________________________

    Erfolge

    bisher keine
    _____________________________________

    Besitzerdaten

    Besitzer Ravenna (Ylvi Seidel)
    VKR/Ersteller Cascar
    _____________________________________
    PNG | Puzzle | Orginal-HG